1808 Dienstag dm 24. Mai Erstes Blatt. Nr. 11» Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- unb Anzeigeblatt für den Ttveis Gieren Gratisbeilage: Gießener Familienblätter »icrtcljLhrNch 2 Mark 20 Pf,, monatlich 76 Pfz mit vringerlohu. Lnnahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den fntgeuden La- erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr. Alle Anzeigcn.BernnttlungSstellen deS In- und nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtHSG«. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf,, vierteljährlich. Orfchetnt tt-ktch ent Ausnahme de- MontagS. Die Gießener Wamikten-tttler »erden dem Anzeiger »tchentlich viermal beigrlegt. Redactton, Lxpeditton und Druckerei: Kchukstruße Nr. 7. Adresse für Depeschen: Auzei-cr Hteßeu. Fernsprecher Nr. 51. Deutsche- Reich. Berlin, 21. Mai. Der Kaiser hörte heute Bor« mittag die BortrSge des Chefs des Generalstabe» der Armee, Grafen v. Schliessen, des Chefs des MilitärcabinetS, v. Hahnke, sowie des Contreadmiral» Büchse! und des Chefs des MarinecabinetS Frhrn. v. Senden Bibran. Berlin, 21. Mai. Auf Vorschlag des BuudeSratheS hat der Kaiser den ReichSgerichtSrath Freiherrn v. Bülow an Stelle des verstorbenen Dr. Kaiser zum Senatsprüfidenten bei« Reich-gericht ernannt. Berlin, 21. Mai. Wie die „Deutsche Tageszeitung" erfährt, ist es nicht auSgefchlosien, daß die Zuckereouferenz hinausgeschoben wird, bis der amerikanisch-spanische Krieg zu Sude gelangt sein dürfte. Berlin, 21. Mai. Die den Abschluß der einheitlichen Gestaltung deS bürgerlichen Rechts bildenden Gesetze über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, dir Aenderungen des GerichtSverfaffungSgesetzeS und der Civilprozeßordnung, die Aenderungen der LoncurSordnung, find, dem „Reichsanzeiger" zufolge, mit den zugehörigen Einführungsgesetzen und mit dem Gesetze, betreffend die Ermächtigung deS Reichskanzlers zur Bekanntmachung der Texte verschiedener Reichsgesetze, vom Kaiser am 17. d. M. in Straßburg vollzogen worden. Berlin, 21. Mai. Anläßlich der morgen stattfindenden Confirmation des Kronprinzen und des Prinzen Eitel Friedrich ist heute im Königlichen Schlöffe hier- felbst deren Prüfung auf da- Glaubensdcienntuiß durch den Generalfuperintendrvteu Dr. Dryander im Beisein des Kaiserpaares erfolgt. Die ConfirmationSfeier findet in der Friedenskirche zu Potsdam am Montag um 12 Uhr statt. JnSgefammt find etwa 70 Einladungen an Mitglieder des Königlichen Hauses, Fürstlichkeiten und hohe Beamte ergangen- außerdem wurden Eintrittskarten zur Kirche ausgegeben. Nach Beendigung der Einsegnungsfeier wird in dem Stadtschloffe zu Potsdam beim Kaiserpaare Frühstückstafel stattfinden. Berlin, 21. Mai. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, worin dem StaatSsecretär des ReichSjustizamtS, sowie allen Beamten dieser Behörde, welche an dem jetzt zum Abschluß gebrachten einheitlichen bürger- lichen Gesetzbuch gearbeitet haben, der Dank und die Anerkennung deS Kaisers ausgesprochen wird. Dem StaatSsecretär Nieberding ist der Rothe Adlerorden 1. Klaffe mit Eichenlaub verliehen worden. Berlin, 21. Mai. Der soeialdemokratische Abgeordnete Vogtherr ist wegenMajestatSbeleidigung in UntersuchungS- haft genommen worden. Eine von Bogtherr angrbotene Kaution wurde abgelehnt. Vogtherr soll die MajestätS- beleidigung in zwei Reden in Magdeburg begangen haben. Pofen, 22. Mai. DaS Befinden der Herrn Finanz- Ministers v. Miquel hat sich noch weiter gebeffert- er leidet an Kehlkopfkatarrh. Seine Abreise nach Berlin wird voraus- fichtlich erst morgen erfolgen. Arrstsird. Wien, 22. Mai. Alle in Oesterreich-Ungarn weilenden, dem activen Heer oder der Marine angehörigen Amerikaner erhielten Befehl, unverzüglich die Heimreise anzutreten. Wien, 22. Mai. Ueber Wien ging gestern Nachmittag ein Wolkenbruch mit Hagel nieder, der vielfache Schäden avrichtete Bozen, 21. Mai. Infolge Vorstellungen der italienischen Behörden wurde die für morgen in Trient und Riva geplante große Vergnügungsfahrt nach den oberitalienischen Städten untersagt, weil dort noch Unruhe unter der Bevölkerung herrscht. Turin, 21. Mai. Nach einer Meldnng der „Gazzeta Piemontese" beabsichtigt die Regierung, dem Erzbischof von Mailand wegen seiner Haltung während der Unruhen die Exequatur zu entziehen. — Der verhaftete Redacteur Romulsi vom Mailänder Seeolo droht, falls er vor Gericht gestellt werden sollte, alle von Rudini an ihn gerichteten Briefe zu veröffentlichen, was zu großen Scandalen führen werde. Loudon, 21. Mai. Die Beisetzungsfeier für Gladstone kann erst in ca. zwei bis drei Wochen wegen der zu treffenden großartigen Vorbereitungen stattfinden. Die Leiche wird heute einbalsamirt und im Bibliothekzimmer aufgestellt. Marseille, 22. Mai. Anläßlich einer Wahlversammlung entstanden gestern zwischen Soeialisten, Radicalen und Republikanern Streitigkeiten, in deren Verlauf sechs Personen schwer verwundet wurden. Madrid, 21. Mai. Nachdem Sagasta in der Kammer die Gründe für die KrifiS auseinandergesetzt hatte, erklärte er, das Programm des neuen CabinetS könne nur eins sein: der Krieg. DaS neue Ministerium sei ausschließlich ein spanisches Ministerium- es unterscheide nicht zwischen Freunden und Gegnern und rechne auf die Unterstützung sämmtlicher Spanier. Nur mäßiger Beifall erhob fich am Schluß der Rede. Madrid, 22. Mai. In hiesigen diplomatischen Kreisen wird behauptet, daß Unterhandlungen behufs Beitritt Spaniens znm Zweibunde (Frankreich und Rußland) dem Abschlnß nahe seien. — Infolge der verdächtigen Haltung England-, welche» in Gibraltar die Anhäufung von Munition, Prvviant und Kohlen fortsetzt, wurden die Besatzungen von Ceuta, Tarifa und Alg6cira» erheblich verstärkt. Madrid, 22. Mai. Wenn Castillo in seiner Unter- redung mit Sagasta angibt, daß er jetzt seinen Posten in Paris nicht aufgeben könne, so wird wahrscheinlich Gutierrez Aguera, der frühere Botschafter in Stockholm und Brüssel, welcher jetzt StaatSsecretär im Auswärtigen Amte ist, die Leitung diese» Amte» erhalten. Madrid, 22. Mai. Da» Entsatzgeschwader wird dem Vernehmen nach Montag oder Dienstag Cadix verlassen. Der Bestimmungsort ist unbekannt. AuS Havanna verlautet, man glaube, das Geschwader Cervrrs» habe, nachdem eS Kohlen und Waffer genommen, CrenfuegoS behuf» Ausführung eine» kühnen Plane» verlassen. New-York, 22. Mai. Die Geschwader Tampson» und Tchleh», welche in Key West eingetroffen waren, um ihre Kohlenvorräthe za ergänzen, find gestern Abend in unbekannter Richtung wieder abgedampft. Infolge der Anwesenheit der spanischen Flotte in den amerikanischen Gewässern, verbot die Regierung die Abfahrt von Kohlenschiffen nach den Antillen, Mexiko, sowie nach Süd- und Central-Amerika. Washington, 21. Mai. Admiral Sampson erhielt stritten Befehl, da» Einlaufen der spanischen Flotte in den Hafen von Havanna um jeden Prei» zu verhindern. An den Commodore Schley ergingen wichtige Weisungen. Man erwartet noch heute einen Zusammenstoß zwischen der spanischen und amerikanischen Flotte. wahlbervegring. * Wetzlar, 21. Mai. Wie die „Siegblätter" mittheilen, ist der Herr Geh. Oberjufttzrath Dr. Rintelen zu Berlin wiederum als Candidat der CentrumSpartei für den Wahlkreis Wetzlar-Altenkirchen aufgestellt worden. • Mainz, 22. Mai. Nachdem man es Seitens der demokratischen Partei abgelehnt hat, für den von den Nationalliberalen aufgestellten Candidaten, Laudwirth Dettweiler von Laubenheim einzutreten, ist von dem Ausschuß der ersteren Partei beschlossen worden, einen eigenen Candidaten aufzustellen. Als solcher wurde Dampfmüller, Stadtverordneter Schäfer in Vorschlag gebracht, der bereits vor fünf Jahren für den Reichstag candidirte. Eine größere Wählerversamm- lung wird in nächster Woche definitiv über den aufzustellenden Candidaten entscheiden. — Die Antisemiten haben gleichfalls im Wahlkreis Mainz-Oppenheim einen Candidaten aufgestellt und zwar in der Person des früheren Reichstagsabgeordneten, TünchermeisterS Bindewald von Darmstadt. Irgendwelche Aussicht hat die Partei hier nicht. Gießen, 23. Mai 1898. * * AuSzeichnnng. Seine Königliche Hoheit der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, dem GerichtSmana Georg Sippe! in Hartershausen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" zu verleihen. DaS Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs vom 21. April den Mit- gliedern der freiwilligen Feuerwehr zu AlSfeld Ludwig Sondermann, Heinrich Jakob Planz, Werner Frei- höffer, Karl Stock, Georg Kurtz H., August Just. Kurtz, Emil Martin, Georg Ferdinand Gundrum, Ludwig Raab und Konrad Karl Plock. Theater. Wir find heute in der Lage, über die vor einiger Zeit bereits erwähnte Dilettanten-Dorstellung Näheres mittheilen zu können. Die Vorstellung, deren Ertrag für deu Fond zur Errichtung eine» Theaters oder Saalbaue» bestimmt ist, wird Freitag den 10. Juni stattfinden und Blumenthals köstlichen „Hans Huckedein" bringen, der bereits ein Repertoirestück aller deutschen Bühnen geworden ist. Da Dilettantenvorstellungen in Gießen stets ein große» Juterrffe entgegengebracht wurde, so wird e» fich empfehlen, fich bet Herrn Challier möglichst zeitig Plätze Vorwerken zu lassen. Die Mitglieder de» Theaterverein» sollen bei der Bertheilung der Plätze in erster Linie berücksichtigt werden, indem ihnen freigestellt wird, die von ihnen abounirten Plätze zu behalten, — vorausgesetzt, daß fie ihre Abficht früh genug Herrn Challier mittheilen. Um den Besuch der Vorstellung recht vielen zu ermöglichen, find die Eintrittspreise auf nur 2.50 Mark für da- erste und 1.50 Mark für das zweite Parkett festgesetzt. * • Kunstnotiz. Der Gymnasialdirector. Wie wir den „Hamburger Nachrichten" entnehmen, hatte da» Schauspiel „Der Gymuafialdirector" von E. Zabel und Alfred Bock am Thalia-Theater in Hamburg bei der am Donnerstag stattgehabteu ersten Aufführung einen großen Erfolg. Die Darsteller, unter denen Frau Milan-Dorv und Herr Nih! besonders rühmend genannt werden, wurden vielmals gerufen. DaS HauS war auSverkauft. * * Zur ReichStagSwahl. Ueber die Sonntag Nachmittag 4 Uhr im Cafö Ebel abgehaltene Vertrauensmänner- Versammlung der hiesigen freisinnigen und national- liberalen Partei geht unS von zuständiger Seite folgender Bericht zu: Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden de» freisinnigen Vereins, Herrn Landtags- abgeordneten Metz, mit einet Ansprache eröffnet. Derselbe erläuterte, daß schon, al» vor zwei Jahren im Wahlkreis durch die Ernennung des damaligen Reichstagsabgeordneten Köhler zum Postagenten eine Neuwahl uöthig geworden fei, im Stillen verschiedene Mitglieder der beiden liberalen Bet- eine Gießens fich darüber klar gewesen seien, daß eine Wiedergewinnung de» Wahlkreise» für die Liberalen nur durch ein Zusammengehen der beiden Parteien möglich sei. Es fei damals ein solches gemeinsames Vorgehen noch nicht ausführbar gewesen, theil» wegen der damals gleichzeitig stattgehabten hesfischen Landtagswahlen, theil» hätten fich die Verhältnisse noch nicht genügend geklärt gehabt- eS sei insbesondere uöthig gewesen, nochmal» eine Probe zu machen, welche Resultate ein getrennte» Kämpsen erzielen werde. DaS Resultat der letzten Wahlen habe aber wohl sämmtlichen Mitgliedern der beiden Parteien, die sehen wollten, die Augen geöffnet. So habe fich seit der letzten Reichstagswahl in beiden hiesigen liberalen Parteien in aller Stille und ohne jede officielle Versammlung immer mehr die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß bei den diesmaligen Wahlen in Gießen ein Zusammengehen deS gesammten liberalen BürgerthumS unserer Stadt aus Gründen innerer Nothw endigkeit unbedingt erfolgen müsse, um dem Wahlkreis wieder eine tüchtige und würdige Vertretung im Reichstage zu verschaffen, wie eS überhaupt die höchste Zeit sei, daß fich die verschiedenen liberalen Elemente zusammenschaarten, um zu verhindern, daß auf der einen Seite immer mehr demagogische Vertreter egoistischer Sonder- interessen die Mafien irre führten, auf der anderen Seite aber der Socialdemokratie immer mehr allein die Vertretung der von ihr fich angeeigneten alten liberalen Forderungen im Reichstage Überlafien werde. So fei es ganz von selbst, ohne daß heute noch festgestellt werden könne, von wem die Anregung ausgegangen sei, gekommen, daß schon vor Bekanntgabe des Wahltermins die beiderseitigen Vorstände in Verhandlungen getreten seien wegen eines gemeinsamen Vorgehens bei der diesmaligen Wahl. Bei diesen Verhandlungen habe fich sehr bald gezeigt, daß grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über da- bei der Wahl zu Erstrebende absolut nicht Vorlagen, daß Überhaupt Über sämmtliche den Reichstag in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich beschäftigende Angelegenheiten vollständige Uebereinstimwung herrschte, sodaß sehr bald ein gemeinschaftliche- Programm festgestellt war — dasselbe werde nachher verlesen werden — mit welchem der demokratischst veranlagte Freisinnige und jeder wirkliche Rationalliberale einverstanden fein könne. Es fei hierbei namentlich betont worden die unbedingte Festhaltung an dem direkten, gleichen, allgemeinen und geheimen Reichstag-Wahlrecht, das Eintreten für Abschluß von Handelsver- trägen mit langen Fristen unter gleichmäßiger Wahrung der Interessen von Landwirthschaft, Handel und Gewerbe, daS Eintreten für ein Reichsvereinsgesetz auf der Grundlage vollster Verein-- und Versammlungsfreiheit, das Eintreten für Aufrechterhaltung der Freizügigkeit, Gewerbefrei heit und der CoalitivnSfreiheit der Arbeiter. Schwieriger als die Aufstellung de» Programm» fei die Lösung der Candidateufrage gewesen, die seit Wochen, al» nach dem Urtheil übereifriger Parteifreunde die Parteileitungen zu schlafen schienen, tu aller Stille eine sehr erhebliche Thätigkeit der Parteivorstände in Anspruch genommen habe. Man habe zunächst dem früheren Vertreter des Wahlkreise», dem ersten gemeinschaftlichen Caudtdaten der Liberalen Gießens, Herrn Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch da» Mandat angeboren. Derselbe habe au» beruflichen Gründen abgelehot. Dann habe man sich an den früheren nationalliberalen Candidateu, Herrn Commer- ztenrath Hehligeustädt gewendet. Derselbe war nach wiederholten dringenden Anforderungen nicht abgeneigt, daS Mandat anzunehmen, mußte aber au» Gesundheitsrücksichten zurücktreteo. Mau wandte sich dann nach einander an die Herren Oberbürgermeister Gnauth und Stadtverordneten Schwall, auch diese waren aus sachlichen und persönlichen Gründen nicht in der Lage, die ihnen angetrageuen Eandidarureu anzunehmen,- sodaß man nach den letzten Besprechungen der Deputirten der beiden Vereine auseiaandergegangen sei mit der Verabredung, daß von den beiden Vorständen Versuche gemacht werden sollten, nunmehr, nachdem e» nicht gelungen, einen einheimischen Candidateu zu finden, eine tüchtige auswärtige Kraft aufzusuchen. Der Borfitzeude habe dieserhalb tu Darmstadt und Frankfurt verschiedene Besprechungen gehabt, die zu einem defiuittven Vorschlag noch nicht geführt gehabt hätten, al» r» Herrn Dr. Fuhr am Himmelfahrttag gelungen sei, mit einem au» dem Wahlkreis stammenden entschieden liberalen Herrn in Unterhandlungen zu treten, der geeignet und geneigt gewesen sei, die Caudidatur der beiden liberalen Parteien anzu- uehmeu. Da er, der Dorfitzende, durch Krankheit verhindert ge- wesen sei, an den Verhandlungen mit dem Herrn Candidateu theilzunehmen, bitte er die Herren Dr. Fuhr, Georgi und Commercienrath Koch, die die Verhandlungen geführt hätten, hierüber daS Nähere zu berichten. Herr Dr. Fuhr theilte hierauf mit, daß ihm am Mittwoch vor Himmelfahrt von Herrn Professor Frank mitgetheilt worden sei, daß diesem in der Person eines Onkels von ihm, eine» Herrn Dr. Frank in Enger» eine Persönlichkeit bekannt sei, die in jeder Beziehung nach ihrer politischen und wtrth- schaftlichen Avffaffung wohl berufen sei, als gemeinsamer Candidat der Liberalen Gießen» aufzutreten. Dieser Herr, in Ltch al» Sohn de» damaligen dortigen Pfarrers F. geboren und au» einer alrangeseheneu hefitschen Familie stammend, sei auch auf seine Veraulaffung noch am Himmelfahrttage hierher gekommen und hätten er (Redner), sowie die Herren Georgi und Koch am Himmelfahrttag-Abend fich noch einige Stunden lang in ernstester und eingehendster Weise über desien polittsche und volkrwtrthschastliche Ansichten unterhaltenes habe dabet namentlich Herr Georgi ein examen rigorosum mit Herrn Dr, Frank Über politische Fragen vorgenommen, und t» seien die Herren einstimmig der Anficht gewesen, tu dem Herrn Dr. Frank, der erklärte, fich dem äußersten linken Flügel der nationalliberalen Partei, deren Anschauungen er am nächsten stehe, anschließeu zu wollen, einen durchaus geeigneten tüchtigen Vertreter für den Wahlkreis gefunden zu haben. Nachdem hierauf die Herren G e o r g i und Commercienrath Koch die Mittheilungeu des Herrn Fuhr auf Grund ihrer Erfahrungen noch in verschiedenen Punkten ergänzt hatten, wurde von Herrn Dr. Fuhr der von den beiderseitigen Vorständen tm Etnverständniß mir dem Candidateu festgestellte Wahlaufruf mit Wahlprogramm verlesen, (derselbe soll demnächst veröffentlicht werden) und daraufhin von dem Borfitzenden die Discusfiou darüber eröffnet, 1. ob ein gemeinsames Vorgehen beider Parteien stattfinden solle, 2, ob in der vorgelegten oder in welch anderer Fassung ein Wahlaufruf erfolgen solle, 3. ob die VertrauenSmänuer-Versammlung die Caudidatur de» Herru Dr. Frank in EugrrS billige. Bei der DiScusfiou vermißte zunächst Herr Lehrer Bönsel zu LanggvuS, daß in dem Wahlaufruf nicht klar genug zum Ausdruck gebracht sei, welche Gründe zu dem Zusammengehen der frrifinnigen und nationalliberalen Partei geführt haben, worauf von Herrn Dr. Fuhr und dem Borfitzenden Redner unter nochmaliger Verlesung der darauf bezüglichen Stellen des Aufruf» darauf aufmerksam gemacht wurde, daß diese Gründe am Eingang de» Aufrufs ganz deutlich aufgeführt seien. Im Lause der Discusfiou wurde namentlich von den freisinnigen Vertrauens- männern Keil (Grüoberg) und Bürgermeister Heller (Sich) da» Zusammengehen der beiden Parteien freudigst begrüßt, während fich von nationalliberaler Seite speciell die Herren Geh. Medictnalrath Dr. Gaffkh und Landge- richtSrath Linkenheld für das Zusammengehen der beiden Parteien aussprachen. Ersterer Herr beantragte eine kleine redaktionelle Abänderung de» Wahlaufrufs im Sinne der Ausführungen des Herrn Bönsel, die angenommen wurde, ebenso der Antrag des Herrn Land- gerichtSrath» Linkenheld, die alte liberale Forderung der Wiederaufnahme der Berufung in Strafsachen in daS Programm aufzunehmen. Herr Oeeonom Sch lenke vom Hardthof bemerkte zu dem Programm, daß er in dem Satz de» Programm», daß Schutzzölle in mäßiger Höhe auch im Interesse derLandwirthschast zweckmäßig seien, schoneine schätzen»- werthe Nachgabe der freifinnigen Partei finde, daß er auch das geplante Zusammengehen der Parteien nicht stören wolle, daß fich aber die Parteien wohl selbst darüber klar feien, daß sie mit ihrem landwirthschaftlichen Programm auf dem Lande keine Geschäfte würden machen könnten, worauf ihm von Herrn Grh.-Rath Gaffkh erwidert wurde, daß im Jahr 1896 Seiten» der nationalliberalen Partei ein Candidat mit einem Programm aufgestellt gewesen sei, mit dem fich nach Anficht des Herrn Schlrnke die besten Geschäfte auf dem Lande hätten machen lassen, ohne daß die erwarteten Erfolge erzielt worden seien, während der Borfitzeude bemerkte, daß es fich nicht darum handele, auf dem Lande Geschäfte zu machen, sondern die Landwirthschaft, die sich übrigen» bereits selbst hierüber klar geworden sei, darüber zu belehren, daß nicht Derjenige der wahre Freund der Landwirthschaft sei, der im Wahlkampf unerfüllbare Versprechungen mache, von den ReichStagSverhaudlungen aber vollständig fern bleibe, und meine, wirklich etwas gethan zu haben, wenn er, ohne irgend einen practischen Weg zu wissen, im mit Diäten gesegneten Landtag versichere, daß er, der „Deutsche Bauer" allein wisse, waS derLandwirthschast nütze. Nach Schluß der DiScusfion sprach fich die Versammlung mit alle» gegen die eine Stimme des Herr« Sch lenke vom Hardthof für ein gemeinsame» Vorgehen der sämmtlichen Liberalen de» Wahlkreise» auS- ebenfo mit derselben Majorität für die Annahme de» Wahlaufrufs und die Caudidatur des Herrn Dr. Frank in EngerS. Schließlich constttuirte fich dieVertraueuSmänner-Bersammlung al» liberaler Wahlausschuß der vereinigten freifinuigen und nationalliberalen Parteien und beauftragte die Vorstände der beiden Parteien mit der Ausführung der gefammteu Wahlagitation. Der Vorsitzende machte bekannt, daß der Can- didat voraussichtlich am nächsten Donnerstag Abend sein Programm dahier entwickeln werde, wie derselbe auch, wie seither üblich, in den Landstädtchen und größeren Orten der Provinz persönlich sprechen werde. Der Borfitzeude ermunterte, mit Entschiedenheit und Zuverficht in den Kampf für die gute Sache eiuzutreten und schloß die sehr auimirt verlaufene Versammlung mit einem Hoch auf die „gesammte liberale Partei". ** Der Oberheffifche Bienenzüchter-Verein verbindet seine diesjährige Wanderversammlung und Ausstellung mit der Gewerbe-AuSstelluug für Oberheffen in Butzbach und hält seine Generalversammlung am 22. August daselbst ab. •• Da» erste „Große Amateur-Rad-Reunen" am gestrigen Sonntag war in erster Linie vom Wetter begünstigt. Wenn auch ab und zu ein sogen. „Spritzer" drohte, die Veranstaltung, wie so manche der letzten Wochen, buchstäblich zu Wasser werden zu lassen, so vermochte die» nicht, da» Interesse, welche» da» hiesige Publikum stet» dem Sport entgegen» bringt, abzuschwächen, und so war auch diesmal der Zug nach dem Sportplatz an der Hardt ein recht starker, zahlreich auch der Besuch auswärtiger Radfahrer. Der übliche Preis» Corso wie» eine stattliche Anzahl Vereine, die ihre Srandartn mit fich führten, auf, und bot dem spalierbildenden Publikum ein anziehendes Bild des Radlerleben». — Von den am Corso betheiligten Vereinen erhielt den 1. Preis (einen viertheiligen Tafelaufsatz) mit 16,2Punkten der Frankfurter Radfahrer-Verein „Germania", den 2. Preis (eine altdeutsche Uhr) der Bicycle-Club „Wetterau" in Friedberg mit 12,2 Punkten, den 3. Preis (ein künstlerisch auSgeführteS Diplom) der Radfahrer-Verein zu Nidda. Außerdem wurde dem Radfahrer-Club zu Wetzlar für schöne» Fahren ein Diplom zuerkannt. — Nachstehend theilen wir daS Er- gebniß der Wettrennen auf dem Sportplätze mit: 1) Eröffnungsfahren über 2000 Meter für Herrenfahrer. 1. Preis eine silberne Bowle, 2. Preis ein Tranchtrbesteck, 3. Preis ein BierglaS mit Silberbeschlag. 3 Vorläufe über je 800 Meter. Entscheidungslauf: 1. Carlo Derosst-Turin 3,52*4, 2. Albert Bccker-Worm» 3,53, 3. C. Helling-Coblenz 3,5344- — 2) Fahren um den Damen-Wanderprei» Uber 2000 Meter für Herrenfahrer. 1. Preis eine silberne Bowle mit Löffel, gestiftet von den Frauen der Mitglieder des CuratoriumS und der Wanderer-Gießen. Der Preis muß zweimal nacheinander oder dreimal tm Ganzen gewonnen werden. Der Gewinner erhält jedesmal eine filber-vergoldete Medaille. Bertheidiger: Ludwig Opel-Gießen. 2. Preis eine silberne Medaille, 3. Preis eine Bronce-Medaillk. 1. Ludwig Opel-Gießen 1,17*4» Numa Cisotti-Padua 1,18, Carl Duill- Gießen l,188/6. — 3) Erstfahren über 2000 Meter für Herrenfahrer. 1. Preis eine silberne Uhr mit Radfahrer-Initialen, 2. Preis ein Barometer, gestiftet von Herr» Gg. Bichler, 3. Preis ein Crhstall-Pokal mit Goldverzierung. Es fanden drei Vorläufe statt. Entscheidungslauf: 1. Fries-Mainz 3,182/6, 2. Alfredo Boggio-Turin 3,183/5, ß. G. Appfel-Darmstadt 3,184/ß. — 4) Gau- der band». Wanderpreis. Fahren über 2800 Meter für Mitglieder de» Gaues 9 (Frankfurt a. M.) 1. Preis ein silberner Becher und kleine goldene Medaille, gestiftet vom Vorstande des Gaues 9. Derselbe muß dreimal hintereinander ober viermal im Ganzen von demselben Fahrer gewonnen werden. 2. Preis eine Bowle mit Untersatz und eine silberne Medaille, 3. Preis eine Gruppenfigur (Faust undIGretchen) und eine Bronce-Medaille. ES fanden zwei Borläufe statt. Entscheidungslauf: 1. Ludwig Opel-Gießen 4,54, 2. Carl Duill-Gteßru 4,54*4, 3, Gcorg DoengeS- Bockenhrim 4,544/6. — 5) BeretnS-MannschaftS- fahren über 2000Meter für alle Bundesvereine. 1. Preis eine Silbermedaille dem Ersten und ein Pokal in Ziergold seinem Verein, 2. Preis eine silberne Medaille und em Sektkühler seinem Verein, 3. Preis eine Bronce-Medaille dem Dritten und ein Regulateur seinem Verein. Es fanden zwei Vorläufe statt. Entscheidungslauf: Ludwig Opel-Gießen 3,22, 2. Carl Duill-Gießen 3,22‘4, 3. Albert Becker- Frankfurt 3,2234. — 6) Mehrsitzer-Fahren mit Vorgabe über3200MeterfürHerrenfahrer. 1. Preis zwei Weinkannen, 2. Preis zwei Tischbestecke in Etuis, 3. Preis zwei Salatschalen mit Besteck. Erste: Carlo Derosst- Turin und Numa Cisotti-Padua 4,181/5, Zweite: Ludwig Opel-Gießen und Carl Duill-Gießen 4,1834, Dritte: W. Keffel und L. Keffel-Coblenz 4,184/6. — 7) Mehrsitzer- Hauptfahren über 4000 Meter für Herrenfahrer. 1. Preis zwei echte Brillantringe, 2. Preis zwei Statuen, 3. Preis zwei Eßbestecke. Erste: Ludwig Opel- Gießen und Carl Duill-Gießen 5,35, Zweite: Helling- Coblenz und Joh. Flock-Coblenz 5,352/s, Dritte: Albert * Becker-WormS und Walter Selve-Lüttich 5,52. — Nach Beendigung der Rennen fanden auf der Hardt-Terrasse Concerti PreiS-Vertheilung und Volksbelustigung statt. Diese Veranstaltungen nahmen den besten Verlauf und brachten den gestrigen Sporttag zum befriedigenden Abschluß. * ♦ Diebstahl. Am Samstag Abend traf ein Schutzmann den Knecht eines hiesigen Fabrikanten mit einem Sack Brod^ welchen er für 5 Mark in einer Wirtschaft verkaufte. Die Nachforschungen ergaben, daß derselbe nicht allein diesen Sack, sondern auch schon früher zwei Säcke Brod feinem Dienst- Herrn entwendet und in der betreffenden Wirthschaft verkauft hatte. Anzeige wurde erhoben. * * Die Badeanstalten. Nach eiugelaufeneu telegraphischen Mittheilnugen sind Trümmer der beiden hier fortgeschwrmmten Badeanstalten in Wetzlar, Waldgirmes, Dudenhofen und Naunheim geläudet worden. Feuer. In einem Haufe der Sonnenstraße entstand gestern Mittag ein Schadenfeuer. An einem alten Kamin hatte fich Ruß entzündet und da» Gebälk in Brand gesetzt. * * Selbstmord. Der Wächter auf der Lahnbrücke sah in verfloffener Nacht, wie ein Unbekannter sich über die Brückeneivfaffung lehnte, bald darauf in den Fluh stürzte und in den Wellen verschwand. Ein Rettungsversuch war wegen des Hochwassers nicht möglich. • • Auf derHuude-AuSstelluug, welche gestern zu Frankfurt a. M. im Scheffelgarten stattfaud und mit über 500 Hunden beschickt war, erhielten nachstehende Herren, Mitglieder de» hiesigen Verein» zur Züchtung reiner Huude- raffen, folgende Preise: Adolf Bieler für „Hector", kurzhaariger deutscher Vorstehhund: erster und Ehrenpreis; für „Cora", kurzhaarige deutsche Vorstehhündin r zwei zweite Preise. O. Ludloff, Merlau, für „Jambo" kurzhaariger deutscher Vorstehhund: zweiter Preis. Förster Roggendorf, Oberbiel, für „Harras", kurzhaariger deutscher Vorstehhund: dritter Preis. Carl Müller, Gießen, für „Harras", langhaariger deutscher Vorstehhund: erster Preis. Fr. Schreiner für Dachshund „Waldo": zwei dritte Preise. Georg Noll für Dachshund „Hansel": höchst lobende Erwähnung. • • Besitzer alter Briefschaften weisen wir auf die Annonce des König!. Hofschauspielers St ein ecke in Hannover hin. Mancher besitzt in alten Briefen usw. ein hübsches Sümmchen, da für alte Postwerthzeichen, je nach Seltenheit, hohe Preise bezahlt werden. Herr St. gibt gratis Prospecte zur Orteu- tirung aus. Q Bon der Wieseck, 21. Mai. Der bisherige Regen und das gestrige Gewitter brachten die Wieseck über Nacht zu einem solch hohen Wasserstande, wie sie ihn seit vielen Jahren nicht gehabt. An vielen Stellen ist sie über die Ufer getreten und hat die angrenzenden Aecker und Wiesen überschwemmt. Bei Lindenftruth wurden auf der Bleiche mehrere Stücke Tuch von den Pfählen abgehängt und zur Vorsicht in eine Waschbütte gebracht. Am Morgen waren Waschbütte sammt Tuch verschwunden. Ein Stück wurde unterwegs aus der Fluth wieder aufgefischt. Da» auf der Bleiche noch angepfahlte Tuch war liegen geblieben. Jetzt nimmt die Fluth wieder ab. + Beuern, 21. Mai. Bei dem gestern Nachmittag hier niedergehenden Gewitter fiel ein wolkenbruchartiger Regen. Der Krebsdach stieg so rapid, daß da» Waffer in die Gebäude drang, und das Vieh nur mit Mühe gerettet werden konnte. □ Friedberg, 22 Mai. Der im Saalbau heute abgehaltene oberhessische Katholikentag war sehr stark besucht. Herr Dr. Kübel aus Gießen eröffnete denselben mit einer Rede, die fich über die Weltlage im Allgemeinerr und specieller über die Berhällniffe in Italien und Deutschland erstreckte. Italien sei zwar zur Einheit gelangt in der Form, aber im inneren Wesen tief gespalten. Nur Versöhnung mit dem Papstthum und Einführung socialer Reformen eröffneten dem italienischen Königthum die Aussicht auf dauernden Bestand. Deutschland stelle eine friedliche Macht dar, die zu Gunsten des BölkrrfriedenS schwer in die Wagschale falle. Die oft betheuerte und practtsch geübte Friedensliebe des Kaisers und seiner Räthe, daS lebhafte Frieden«' bedürfniß de» deutschen Volke» und seiner Regierungen bildeten eine starke Garantie für den Frieden und ermöglichten die schwierige, aber gedeihliche Fortentwickelung socialer Reformen. Redner berührte noch die Ausnahmegesetze gegen die Katholiken und erklärte ein starke» Centrum tm Jutereffe von Kirche und Vaterland für nothweudig. — Dann ergriff Herr Pfarrer Dr. Wald von Ockstadt da» Wort zu einem längeren formvollendeten Vortrag über die Verdienste Leo» XIII., über seine Bemühungen zur Wiederherstellung friedlicher Beziehungen zwischen Staat und Kirche, wie» auf die noch bestehenden Hindernisse eine» vollen Frieden» und die Nothwendig- keit der Beseitigung der Reste der Culturkampfgesetzgebung hin und schloß mit einem Hoch auf Leo XIII., dem dann der Präsident der Versammlung ein Hoch auf Kaiser und Großherzog folgen ließ. — Al» dritter Redner sprach Herr Reich»- und LaubtagSabgeordueter Dr. Schmitt aus Mainz. Er schilderte den früheren Kartell-Reichstag und hob hervor, daß die Politik der Sammlung in erster Linie gegen da» ausschlaggebende Ceutrum gerichtet fei, dessen Verdienste in der vergangenen Legislaturperiode eingehend gewürdigt wurden- Redner erklärte fich gegen jede Art neuer indirekter Steuern und wandte fich dann in feinen Ausführungen gegen die Socialdemokratie. Die Arbeiter hätten in der Socialgesetz- gebung die meisten Wohlthaten dem Ceutrum, und rein gar nichts der Socialdemokratie zu verdanken, die gegen alle» gestimmt habe, weil fie nicht alles, was fie wolle, erreichen konnte. Da» fei keine praktische Politik. Da» Verhalten der Socialdemokratie sei darauf berechnet, da» Centrum und andere Parteien für die Arbeiter „erhebliche Vortheile", al» welche fie der Socialtst v. Vollmar anerkannt habe, erringen zu lassen, fie selbst aber benütze wirkliche ober vermeintliche Mängel der Svcialgesetzgebung, um mit ihrer maßlosen und leidenschaftlichen Kritik einzusetzen und sich als die wahre I nnb einzige Freundin des ArbeiterstandeS darzustellen. Die Gocialdemokratie sei keine Partei deS positiven Schaffens, sondern der Negative. Der sehr eindrucksvollen Rede folgte großer Beifall. Einige Schlußworte beendigten die Versammlung nach einer Dauer von 3*/, Stunden. Darmstadt, 21. Ma». Der Strike der Zimmer* leute ist infolge beiderseitiger Verständigung beendet. Die Ausständigen haben auf sämmtlicheu Arbeitsplätzen die Arbeit wieder ausgenommen. Offenbach, 18. Mai. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten-versammlung wurde beschloffen, daS Octro i auf Mehl und Brod für die Dauer der hohen Getreidepreise aufzuheben. △ Mainz, 22. Mat. Mit Rückficht auf die Theueruog der Gerreidepretse werden eben Seitens der städtischen Ber- Wallung hier Maßnahmen getroffen, die darauf abztelrn, da» städtische Octroi für Mehl und Hülsenfrüchte vorüber- gehend aufzuheben. Man folgt hiermit dem Beispiel einer Reihe anderer Städte. A Main-, 22. Mai. In den ersten Tagen nach Pfingsten findet in dem Verwaltungsgebäude der Eisenbahn- direction hier eine Conferenz zwischen Vertretern des EiseubahnmintsteriumS in Berlin und de» Ministeriums in Darmstadt, sowie Mitgliedern der Eiseubahndirectionen Frankfurt und Mainz statt, die hauptsächlich wegen der projecttrreu Umgestaltung des hiefigen GüterbahohofeS und der damit im Zusammenhang stehenden großen baulichen Veränderungen zusammentritt. Wie wir hören, ist daS ganze frühere Projekt, den Güterbahnhof in der Richtung nach Mombach au»- zudehnen, wegen Schwierigkeiten mit dem MilitärfiScuS aufgegeben worden und soll jetzt thatsächlich die Abficht bestehen, unterhalb Mainz mit Ueberbrückung de» Rhein» und de» MainS eine zweite Verbindung mit Bischofsheim herzustellen und dorthin einen Lentralgüterbahnhof zu legen, der gleichzeitig einen Anschluß nach Wiesbaden durch Einmündung in die Linie Wiesbaden—Niedernhausen erhalten soll. △ Mainz, 22. Mai. Die diesjährige Mainzer Regatta, die 13. de» Mainzer Rudervereins, ist auf den 24. Juli ausgeschrieben. Mainz, welche- sonst immer mit seiner Regatta den Anfang macht, bildet in diesem Jahre den Schluß der aquatischen Kämpfe in Süddeutschland. Da- Programm weist 15 Nummern auf, darunter die Meisterschaft vom Rhein, die in diesem Jahr wieder in Mainz aus- gerudert wird. Vermischtes. ♦ Die verlinifche LebenS-BerfichernugS-Gefellfchaft, deren 61. Geschäftsbericht wir heute im Jnseratentdeil ver- öffentlichen, ist die älteste preußische LebenS-BerficherungS- Acticn-Gesillschoft. Wir verfehlen nicht, darauf Hinzuwelsen, daß die genannte Anstalt auf Grund ihre» bedeutenden I Sicherheitsfonds zu den am besten fundirteu deutschen Lebens- Versicherungs-Gesellschaften zählt, wie auch ihre liberalen BersicherungS Bedingungen (Zahlung der vollen Versicherung»- summe im Selbftmordfalle nach dreijähriger, bet Tod infolge Duell» nach einjähriger BerficheruugS-Dauer) al» äußerst günstig bezeichnet zu werden verdienen. Unterhaltungen in Bad-Nauheim vom 24. bis 29. Mai. Dienstag den 24. Mat, Nachmittags von 4 bis 7 Uhr: Stnfonte- Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Vorstellung d-8 Zauberkünstlers Herrn Joachim-Belachtnt auS Frankfurt a. M. Mittwoch den 25. Mat, Nachmittags von 4 btS 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terraffe. Abends 8 Uhr: Theatervorstellung. Der Hebe Onkel. Donnerstag den 26. Mai, Nachmittags von 5 bis 7 und von 8 biS 9 Uhr: Concert der Kur. capelle auf der Terrasse. Freitag den 27. Mai, Nachmittags von 3*/« bis 61/« Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr: Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurcapelle. Ein Blitzmädel. SamStag den 28. Mai, Nachmittags von 4 bis 7 und von 8 bis 9 Uhr auf der Terrasse: Concert der Capelle des Jnf.- Regts. Nr. 166 aus Hanau. Bet gutem Wetter spielt die Kurcapelle von 4 bis 6 Uhr am Tetchhause. Abends 8 Uhr: Theatervorstellung. Der Hüttenbesttzer. Vorläufige Anzeige: Sonntag den 29. Mat, Nachmittag« von 4 bis 7 und von 8 bis 9 Uhr auf der Terraffe: Concert der Capelle deS Thüringischen UlanenregimcntS Nr. 6 auS Hanau. Sfidpla In imWn jnnkfkrtn LtMltzritn. vprrnhan». Dienstag den 24. Mai: Walküre. Mittwoch den 25. Mai: Gastspiel der Signora Prevostt. Violetta (La Traviata). Donnerstag den 26 Mat: Der Postillon von Lonjumeau. Freitag den 27. Mat: Die Fledermaus. SamStag den 28. Mat: Letztes Gastspiel der Signora Prevostt. Carmen. Sonntag den 29. Mai: Die lustigen Weiber. Montag den 30. Mat: Lohengrin. «chauspieltzau». DtenSiag den 24. Mai: In Behandlung. Durch den kaufmännischen Verein. Mittwoch den 25. Mai: Tartüffe. Der eingebildete Kranke. Donnerstag den 26. Mat: Die Logenbrüder. Freitag den 27. Mat: In Behandlung. In Civtl. SamStag dm 28. Mat: Anno dazumal. Sonntag den 29. Mai: Anno dazumal. Montag den 30. Mai: Bartel Turaser. Verkehr, ttnfc Volkswirthschaf^ 21. Mat. Fruchtpresse. Weizens 25,00—00,00, Korn A 18,50—18,75, Gerste A 17,50-17,50, Hafers 18,00-18,25, Erbsen A 15,50-20 00, Linsen A 00,00, Wicken A 00,00, Lein A 00.00. K-ktostetn M. 6,00-6,50, Samen A 00,00_____________ Nachrichten. Depeschen deS Bureau „Herold". WB. Dortmund, 22. Mai Der „General-Bnzeigcr" meldet einen großen Grubenbrand tn Zeche „Zollern". In der Grube befinden fich 45 Bergleute, welche rettungslos verloren find. Am Nachmittag wurden fünf Tobte heraus- gesördert. WB. Dortmund, 23. Mat. Nach Mittheiluug der Zechrndtrectton wurden auf Zeche „Zollern" bt» 9 Uhr Vormittag» 30 Todte zu Tage gefördert. Dortmund, 23. Mai. Ueber da» Grubenunglück auf der Zeche Zollern berichtet die „Dortmunder Zeitung" folgende Einzelheiten: In der vierten Sohle tn einer Maschtnenkammer der genannten Zeche brach ein Brand aus. Die ausströmenden Gase find tn den Bau der vierten Sohle eingedrungen und haben die dort arbeitenden Mannschaften getödtet, deren Zahl fich auf 45 beläuft. Bon den Rettungsmannschaften kam ebenfalls einer zu Tode, während zwölf in schwer erkranktem Zustande in» Krankenhaus gebracht werden mußten. Die vierte Sohle ist abgedämmt. Im Ganzen waren auf der Zeche 217 Mann beschäftigt. Die Getödteten find zum größten Theile sogenannte Reparatur-Häuer. Bt» jetzt find 30 Todte zu Tage gefördert. Rom, 23. Mat. Als nachträgliches JubtläumSgeschenk sandte der Papst dem Könige von Sachsen ein kostbare» Mosatkblld, welches die Ruinen de- Tempel- von Paestum darstellt. Pari-, 23. Mai. Heute findet in Versailles die erneute Verhandlung des Zola-Prozesses statt. ES bestätigt fich, daß die Bertheidiger ZolaS sofort bet Beginn der Verhandlung den Antrag auf UngtlitgkettS-Erklärung stellen werden. Sie werden als Hauptgrund geltend machen, daß nicht die Mitglieder de» EsterhazY-KrtegSgertchteS, sondern nur die Gefammtheit des ständigen Kriegsgerichts berechtigt gewesen wäre, eine neue Klage auzustrengen. Wenn der Gerichtshof, wie man erwartet, diesen Antrag ablehnen sollte, werden Zola und seine Bertheidiger den Saal verlaffen. AlSdann wird da» Gericht ohne weitere Beweisaufnahme die abwesenden Angeklagten zur höchsten zulässigen Strafe ver- urtheilen. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind gestern 120 Gendarmen in Versailles eingetroffen. WB. Paris, 23. Mat. Bon 180 Stichwahlen find 177 bekannt. Gewählt sind 66 Republikaner, fortschrittliche Liberale und Ralltirte, 6 Radikale, 38 Socialtsten, 10 Monarchisten. Die Republikaner und die Ralliirtea verlieren 30 Sitze und gewinnen 14, der Gesammtverlust beträgt 6, da in der Hauptwahl 10 gewonnen. Die Radikalen verlieren 18, gewinnen 20, die Socialisten gewinnen 9, verlieren 16, die Monarchisten gewinnen 3, verlieren 10. M Seidenstoffe u—von Elten & Keussen, 'ÄS* Crefeld. MilMtNUlllMM Bekanntmachung. Zur Bewältigung des Personenverkehrs an den Pfingstfeiertagen werden außer den an Sonn- und Feiertagen sonst regelmäßig abgelagerten Sonderzügen auf den Strecken Köln—Gietzeü, Frankfurt a. M. — Wiesbaden — Rüdesheim— Riederlahnstein, Frankfurt a. M.— Gießen, Frankfurt a. M.—Bebra, Frankfurt a. M. Oftbhf.-Aschaffen- bürg, Gießen—Fulda und Gießen— Gelnhaus-en noch weitere Vor- bezw. Nachzüge und Sonderzüge gefahren. 2)ie Fahrpläne dieser Züge sind an den Stationsschaltern angeschlagen. Die Reisenden werden ersuckt, zur sicheren Erreichung von Anschlüffen auf den Unterwegsstationen möglichst die Vorzüge zu benutzen. Arbeiterzüge, welche Montags fahren, fallen am 30. Mai aus und werden Dienstag den 31. Mai gefahren. Frankfurt a. M., den 19. Mai 1898. Königliche Eisenbahndirection. 5324 Guts verkauf Das zur Zeit im Concurse befindliche Oeconomiegut des Chr. Rebe in Gießen, bestehend aus 84 Normal- Morgen Acker und Wiesen nebst Hofrailhe und Feldscheuer, soll mit vollständiger Ernte freihändig verkauft werden. Anzahlung 20000 Mk. Auf dem Gute, mit dem noch 40 Morgen Pachtland verbunden find, wurde seither Milchwirthschaft mit 25 Kühen betrieben, ebenso durch Vermiethen entbehrlicher Theile der sehr geräumigen Hofraithe und durch Latrinenfuhrwerk ansehnliche Nebeneinnahmen erzielt. Angebote sind bis zum 15. Juni l. I. an den Concursverwalter F. Helfrich hier einzusenden, der auf Wunsch auch nähere Auskunft ertheilt.5345 Versteigerung. Dienstag den 24. Mai l. Js., Nachmittags 2 Uhr, versteigere tch Neustadl 55 dahier gegen Baarzahlung: Eine Partie Filz- und Seidenhute, 6 Marmorplatten, zwei Dutzend Herren-Zugstiefel, 2 Sophas, ein Verticow, 2 Tische, 1 Sessel, eine Waschcommode und 1 Steppmaschine. 5343 Born, Gerichtsvollzieher. Bekanntmachung. In dem Concurse über das Vermögen des Philipp Velten von der Luhmühle bei Großen-Linden wird zur Wahl eines Gläubigerausschußmitgliedes an Stelle eines ausgeschiedenen Mitgliedes Termin auf Donnerstag den 9. Juni 1898 Vormittags 11 Uhr, bestimmt. Gießen, am 21. Mai 1898. Großherzogliches Amtsgericht, gez. Schmidt. Bekannt gemacht: 5326 Ortb, Gerichtsschreiber. Empfetilimgen Mdt. Mlchthaus. Freibank. 5339 Heute und morgen: Rindfleisch, -sicht ladenrein, per Pfd. 40 Pfg. Schweinefleisch nicht ladenrein, per Pfd. 35 Pfg. Schweizerkäs in bekannter prima Qualität, per Pfd. 1 Mk. Wirthen bei größeren Stücken billiger. Margarine (Süßrahm-Creme) per Pfd. 60 Pfg. ff. Marmelade per Pfd. 30 Pfg., in 3-Pfd.-Dosen 1 Mk., in 10-Pfd.-Eimern 2,50 Mk. empfiehlt 5334 Chr. Wallenfels, 17 Marktplatz 17. Vor den Feiertagen trifft täglich zweimal 5352 Getreide-Presshefe in prima Qualität frisch ein bei C. Bender, Wallthorstr. 14. Strohseite | stark und gut gearbeitet, giebt ab Ludloff, Merlau bei Mücke. Papierwäsche mit Stoffüberzug 5342 empfiehlt zu sehr billigen Preisen J. Kaan jr. Patent- BlechMessn^Kup^rNickel^u.s.w. ä Hasche 50/& Zu haben bei. W. Kilbinger, Löwen-Drogerie. B33J Matratzen von Westphal & Reinhold. Kein Kivkiegen. Kein Staub. Kein Ilngeziefer. Lieferbar in jeder Größe für eiserne sowie für hölzerne Bettstellen. Neben unbegrenzter Haltbarkeit und großer Sauberkeit bieten diese Patent- Matratzen ein Ruhelager, wie es der Verwöhnteste bisher nicht gekannt Hai. Verkauf zu Originalpreisen bei 5156 C. Röhr & Co. Echt Kidleder-Creme Dose 25 Pfg., empfiehlt |5041 Adler-Drogerie, Seltersweg 39, __________Otto Schaaf-__________ Hackspähne u. 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Gießen, den 23. Mai 1898. Haus mit großem Garten (Bauplätze) in schönster Lage Gießens sofort billig zu verkaufen. Vermittler erhalten Provision. Anfragen unter „Hauskauf" befördert die Exp. d. Bl. 5238 Die Beerdigung des verstorbenen Kameraden Karl Schmidt findet Dienstag den 24. l. Mts., Nachmittags 6 Uhr, vom Sterbe- Hause, Neustadt 59, aus statt. 5335 Zusammenkunft bei Kamerad Sauer. 5310] Eine gesunde säugende Hündin I für Ende dieses Monats gesucht. __F. Schreiner, Seltersweg 65. Neu eingetroffen ein großer Posten Handschuhe, Strümpfe und Socken, Touristen-Hemden, Unterkleider, Damen-Wäsche (etwas trüb geworden) zu sehr billigen Preisen. 5336 vr Markier- und Iriseur-Saton eingerichtet und mit Heutigem eröffnet habe. Shampooing. — Warme Bäder- — Gute aufmerksame Bedienung Großes Lager in ff. Parfümerien, Schwämmen re. Hochachtungsvoll Philipp Stier, Kriseur. Geschäftsstand Ende 1897. Versicherungsbestand 38011 Personen mit . . . Mk. 177289350 Capital und Mk. 367867 Rente. 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