Freitag den 23. September 1S9S Zweites Blatt Nr. 223 Gießener Anzeiger mit Bring nie#* General-Anzeiger Aintr« und Anzeigeblutt fiir den Kreis Gietzen. Meeelmt lew logtiflen zv bet Nachmitta-« für bca tfc<-ntni tt| rrfchnnknden Ku bi ji er btl Bem. 10 lltzr. UnepFftb nrrtrt4*^rf«4 2 Mark 20 UtM ■nt lulnob« des ■ He ln|Mgf1KT J|«e<(l't° Btrjiiteig,. rtn1/ 1** Ernst und Humor vereinenden Weise ein sattsam bekannte» liebel vieler Eurorte und Sommerfrischen. Alle Reisenden wissen etwa« davon zn erzählen, wie sogar in „Hotels" mit großen SpeisesLleu und Salon«, geschweige denn in kleinen, aber vielbesuchten und sich gern In Reklamen rühmenden Gasthäusern und Penfionev die Orte der stillen Zurückgezogenheit beschaffen sind. Bei hohen Preisen glaubt man noch an vielen Plätzen dem Gast tn dieser Beziehung da« Primitivste bieten zu können. Und doch hat man hier eine sehr ernste Gesundheit-srage vor fich. Laffar weint nun: Nicht Staat und Gemeinden, nicht behördliche Vorschriften und Executivmaßregeln brauchen angerusen zu werden, um Aenderung zn bewirken, vielmehr ist da« eigenste Jntereffe aller Wirthe und Unterstandgeber direkt zu erwecken. W'un die zahlreichen großen und kleinen Reisehandbücher, die Bädeker, Gfell Fels, Meyer, die Provinzial- und Landschaft«sührer ftdrn Gasthof und jede« Logirhau« mit einem ! Ausrufung-- zetchen bedenken wollten, wo gute, gesunde, einladende Elofet- eiortchtnogen bestehen, so wäre viel zu erreichen. Die fragwürdigen Stätten bekämen dann ein ? Fragezeichen und die ganz de« Gebrauch« unwürdigen eine 0 Null. Und ebenso werden dann die für Winter und Frühjahr vorzubereitendeu Annoncen, die sich über alle übrigen Herrlichkeiten der Natur und Tultur zu verbreiten pflegen, ein kleine« Streiflicht auf die Beschaffenheit dieser unumgänglich nothwendigeu Einrichtungen sollen laffen, um durch ihr gute« Beispiel tu allen Toucurrenzplätzen eine willige Heerfolge in da« Leben zu rufen. • Am 1. October tritt tn Deutschland da« sogenannte Saccharin-Gesetz in Straft, welche« die Verwendung der künstlichen Süßstoffe bei der Herstellung von Nahrung«- und Ge- nußmitteln al« Verfälschung im Sinn de« Nahrungsmittel- gesetze« anfleht und unter Strafe stellt. Mit Rücksicht darauf dürfte ein Aufsatz über da« Saccharin von Dr. Schickler intereffiren, den wir in der soeben erschienenen Nummer 88 der Wochenschrift „Die Umschau* (Frankfurt a. M.) finden. Berfaffer meint, daß die harten Maßregeln gegen da« Saccharin trefflich mit der fteien Entwickelung der Industrie harmontreu und den Satz: wDal Bessere ist de« Guten Feind" diesmal wörtlich illustrtren. Jedenfalls ist der Zuckerfabrikation eine lästige Toncurrenz vom Halse geschafft, ob dem großen Publikum damit gedient wird, ist eine zweite Frage. Dieselbe Nummer der „Umschau" enthält: „Römische« Soldatenleben in den Taunuskastellen* von Dr. Ernst Schulze (Forts.). .Gegenwärtiger Stand der Wettervorhersage und ein Vorschlag zur befferen Nutzbarmachung derselben" von Profeffor Dr. W. I van Bebber (Schluß), „verkalkte MuSkeltrtchinen röntgographisch dargestellt* von Dr. H. Gocht mit einer sehr tntereffanten photographischen Abbildung, ferner eine Reihe interessanter kürzerer Artikel, Technische Neuheiten, Zuschriften an die Redaction, Zeitschristenschau rc. • Der neue Komet. Man schreibt der »Franks. Ztg." an« Stiel: ES liegt jetzt die erste Berechnung der Bahn de« Stometen Perrine vor, die von Berberich in Berlin au«- gesührt ist. Danach ist er der Kometengruppe mit geringem Sonnenabstand tn der Sonnennähe zuzurechnen, die für gewöhnlich auf diesem Theil ihrer Bahn prachtvolle Schweife zu entwickeln pflegen. Die Bahn liegt leider so, daß der Hauptthetl der Sichtbarkeit de« Kometen aus die Südhalbkugel zu entfallen scheint. Immerhin ist der Komet jetzt schon im Fernrohr eine schöne Erscheinung, einen sternartigen Kern mit einer Ncbelhülle zeigend, die eine Bogenminute im Durch- mrffer mißt. Einen Schweis zeigt er noch nicht. Seine Helligkeit nimmt, da er fich der Sonne und der Erde gleich- zeitig nähert, stark zu und wird Ende September schon die dreifache der Entdeckung fein. Es ist zu erwarten, daß er bald nach Anfang October am Morgenhimmel dem unbewaffneten Auge fichtbar werden, dann rapid unter Entwicklung eine« Schweife« an Helligkeit zau.hmen wird und in solche Nähe der Sonne rücke, hinter der er, von un« au« gesehen, durchgeht, daß er von dieser überstrahlt wird. Der Komet geht jetzt um 2 Uhr auf und durchzieht da« Sternbild de« kleinen Löwen tn der Richtung auf den Stern 2 im großen Löwen, bei dem er am 28. September ein klein wenig nach Südosten steht. Dort ist er für kleine Fernrohre jetzt schon zu sehen. Sollte die erwartete große Helligkeit wirklich eintreten, so werden wir genaue Angaben über den Ort de« Kometen rechtzeitig veröffentlichen. Der Komet ist übrigen« auch in Besaoyon unabhängig von Chosardet entdeckt worden und führt daher einstweilen den Doppelnamen Perrine- Chofardet, bi« sich genau feststellen läßt, in welcher Reihenfolge die einzelnen Kometen diese« Jahre« (bisher 8) ihre Sonnennähe pasfiren, worauf sie die Jahreszahl mit lateinischer Nummer dahinter erhalten. * Ein heißer September. Man schreibt der „M. N. N." au» London, 17. September: Einen ähnlichen September hat England und speciell London schon lange nicht mehr erlebt. Wir schreiben jetzt den 17. September und die Hitze würde den Hund-tagen alle Ehre machen. Gesten» hatten wir 84 Grad Fahrenheit im Schatten und damit den zehnten Tag in diesem Monat, an dem da« Thermometer mehr all 80 Grad im Schatten verzeichnet hat. Seit 57 Jahren haben wir keinen solchen September gehabt und an verschiedenen Tagen war die Hitze größer, al» sie je im September verzeichnet worden ist. Daß so alle Recorde geschlagen worden sind, ist wenigsten» ein Trost! Bedenklicher al» die Hitze ist die Trockenheit, die in der That an ihr Schuld ist. Sie ist wirklich ganz phänomenal. Diesen ganzen Monat hat e» in London nur einmal und da» ganz kurz geregnet, und auch im August ist nur ein Zoll Regen gefallen, statt der durchschnittlichen 2,36 Zoll. Von überall her kommen daher Klagen über Wassermangel. Die Wassernoth im Ostend hat ihr Seitenftück in Birmingham gefunden und au» dem ganzen südlichen England ertönt ein kläglicher Schrei nach Wasser. Viele Dörfer müssen e» mellenweit holen, di« großen Kanäle können nur halbe Last tragen u. f. w. Leider sehen unsere Wetterkundigen noch keine Anzeichen eine» baldigen Umschläge». • Auk Gelehrten- und KünsUerkceisen. Von einer großartigen Schenkung zumBesten der deutschen Künst- lerschuft weiß die „Kunst für Alle" zu berichten. Eine reiche Dame, die schon außerordenilich viel zur Förderung der Künstler gethan, hat den Plan gefaßt, der deutschen Künstlerschaft in Florenz ein eigene» Heim zu begründen, wie e» die Franzosen längst schon in Rom besitzen. A s Erster hat diese» Künstlerheim der Radirer Professor Emst Moritz Geyger in Besitz. Durch sein Testament ist aber gemäß ber Bestimmung der Schenkerin festgesetzt, daß diese« Heim im Werthe von 250000 Mark in den Besitz der deutschen Künstler übergeht. • Sin gute» Barbier. Ein Herr hat fich iu einer entlegenen Karstadt rafhen lassen. Nach vollbrachter Arbeit fragt ihn ber Barbier: „Ist Ihnen vielleicht ein Abonnement aus zwölfmalrastren gefällig?" — Herr: „Danke, s o viel Blut hab' ich nicht!" 10 FlammriS je für 4—6 Personen lassen sich aus 1 Packct Mondamin A 60 Psg. Herstellen. Erscheint der Preis auch etwas hoch, so ist wiederum Mondamin dermahea ergiebig, daß sehr wenig davon zu einem Flammri gehört. Dec durch Mondamin erlangte zarte und köstliche Geschmack ist unvergleichlich, weil frei von jedem Beigeschmack. Die» wolle die Hausfrau besonders beachten. Im U-brigen bürgt für die gute Qualität Brown und Polson'S 40jährtger Weltruf. Mondamin ist tn allen etnschläg. Geschäft, z. hab. Engro» bet Türk u. Pabst, Frankfurt a. M. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Garteustrasse 2. Angebot der Arbeitnehmer r 1 Blechner, 1 Küfer, 1 Schneider, 4 lag- löhner, 2 Hausburschen, 8 Fuhrknechte, 2 Lauffrauen, 1 Dienstmädchen, 1 Kinderfräulein oder Stütze der Hausfrau, 1 Kindermädchen, 2. Büglerinnen, 1 Nähfrau. Nachfrage der Arbeitgeber» Einige tüchtige Spengler, Kesselschmiede und Schlaffer für eine auswärtige Fabrik für Beleuchtungswesen, 2 Küfer, 1 Tapezier, 5 Bauschlosser, 1 Installateur, 1 Wagner, 2 tüchtige Bauschreiner, 8 landwirth- schaftliche Arbeiter, 1 Mann zum Säcketragen, 2 Taglöhner, 1 HauSbursche, 1 Kindermädchen, 1 Kinderfräulein, 1 Aushülfömädchen, 4 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit, 3 Lauffrauen. Lehrlinge r 3 Bäcker, 2 Barbiere, 2 Buchbinder, 1 Drecköler, 1 Drucker, 1 Glaser, 1 Kupferschmied, 1 Lackirer, 1 Mechaniker, 1 Sattler, 1 Schmied, 2 Sckneid-r, 2 Schreiner, 2 Schriftsetzer, 4 Schuhmacher, 1 Spengler, 1 Wagner. Wiuitnuidjiiiiüen Bekanntmachung. 1. Autterliefcruug für das Thierspital in Gießen. Für die Zeit vom 1. November 1898 bi» zum 81. October 1899 soll die Lieferung von Heu, Stroh, Hofer, W-izenschalen. Futtermehl und Mehdorf schrm Hundekuchen für da» Thierspital der Großh Veterinär- Anstalt dahier vergeben werben. Reflcctanten werdet» ersucht, ihre Angebote an un» bi« zum 1. October d. I. einzuschicken, und bemerken wir dabei, daß die Lieferung von Heu, Stroh, Hafer, Weizenschalen und Hundekuchen im Einzelnen und im Ganzen vergeben werden kann, daß die Lieferungen frei in» Thierspital, nicht auf einmal, sondern im Verlaufe de» Jahre», je nach Bedürfniß zu erfolgen haben und daß im vergangenen Jahre verbraucht wurden: ca. 9000 kg Hafer, 12000 kg Heu, 8000 kg Slroh, 400 kg Weizenschalen und Futtermehl, 600 kg Hundekuchen. Nähere» in der Veterinäranstalt bei dem Assistenten Herrn Thierarzt Brücher. 2. Berkaus von Dünger im Thierspital zu Gießen. In der Zeit vom 1. November 1898 bi» zum 81. October 1899 soll der im Thierspital dahier erwachsende Dünger so, wie er fich in verschiedener Zeit in der Grube findet, an den Meistbietenden dem Ge- wichte nach verkauft werden. Der Dünger ist immer so rechtzeitig abzufahren, daß keine lieberfiUluiii3 der Grube eintritt. Gießen, 19. September 1898. Die Direction de» Thierspitals dahier. Prof. Dr. Pflug. 9299 ficfctung von porlkudttment. Die Lieferung des zu den Kunstbauten der Aeubaustrecke Wederge- miinden—Mederoffeiden erfor- derlicken Portlandcemenls in ungefährem Quantum von 220000 kg soll vergeben werden. Bedingungen liegen in den Geschäftsräumen der unterzeichneten Eisen- babn-Bauabtheilung offen und können nebst Angebolsmuster von da durch Herrn Betriebssecretär Baetz gegen post« und bestellgeldfreie Einsendung von Mk. 1.— in Baar (nickt in Briefmarken) bezogen werden. Angebote sind in vorschriftsmäßiger Form bis »um 4. October d. I., Bormittags 10 Uhr, postfrei bei der unterzeichneten Eisenbahn-Bauabtheilung, woselbst die Eröffnung derselben in Gegenwart der etwa erschienenen Bieter erfolgt, einzureichen. 9180 Zuschlagsfrist 3 Wochen. Grünberg (Hessen), 14. Sept. 1898. Großh. Seff. Eisenbahn- Bauabtheilung. Pflaftersteinbruch- Verpachtung. Tamstag ben 8. Cctober l. I, Vormittag» 10 Uhr, soll der der Gemeinde Laubach gehörige Pflastersteinbruch im Streucher, fünf Minuten von ber Haltestelle Wetterfeld gelegen, in öffentlicher Submission auf die Dauer von 5 Jahren oeraccorbirt werben. Der Bruch liegt 300 Meter von ber Bahnlinie Hungen—Laubach, in ber Gemarkung Laubach, hat gute», ausgiebige» Material, unb ist Schienengelei» für Rollwagen au» bemfelben angelegt. Die Pachtbebingungen liegen auf Großh. Bürgermeisterei Laubach zur Einsicht offen unb wollen Reflectanten ihre Gebote bis zum 8. October ba- selbst schriftlich unreifen. Laubach, 20. September 1898. Großh. Bürgermeisterei Laubach. Jochem. 9338 Aachener Badeofen D. R.-P. Heber 50 000 Oefen im Gebrauch. In 5 Minuten ein warmes Bad! Original ~*y^| Houben’s Gasöfen *'°L" * J G. Boulen Sohn Carl Aachen. * Gervetalwurst feinste, frische Maare, empfiehlt 9161 Emil Fischbach. 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