Kr. 143 Zweites Blatt Gießener Anzeiger ^eneral-^Mnzeiger w I. Anrts- und Anzeigeblutt für den ICrets Gietzen. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter gebenden Madrider Kreise reiche Sinecuren in den Provinzen I Wohl kaum sei einer Armee so schwere» Leid geschehen al» verschaffte, und — da» Pfaffenunwesen, welche die Erbitterung » dawal», im Jahre 1888, und wohl selten sei eine so schwere bend " Vorstand. iM 8' , Uhr, an s- Deutsches Reich Wi* SLauteru beliebte politische Unterdrückang der Eingeborenen, I Erlaß gerichtet habe, da.» Günstling-wesen, welche» den Angehörigen der maß« I nächtze Jahrzehnt, wol nächste Jahrzehnt, wolle er an die Armee seine Worte richten. i Mittwoch den 22. Juni Alanahme von Anzeigen zu der chmittagS für den ^stgmdm Tag erscheinenden Nummer diS Bonn. 10 Uhr. die die zu Alle Anzeigen-BermittlungSstellen des In- und «*•(<*• nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtOWM« sky iber: rrlditrri. ter vorftasd. Die Lage auf dem Kriegsschauplätze sat in letzter Zett eine wesentliche Veränderung nicht erfahren. D ie Amerikaner beschießen fast jeden Tag die Befestigungen ,i»a Santiago, legen dieselben jedeSmal in Trümmer, aber dii Spanier müffen wahre Hexenmeister sein, sonst könnten di« Befestigungen nicht so oft dem Erdboden gleichgemacht v-rden, wie die Amerikaner melden. Mögen freilich die an» -»ertkanischer Quelle stammenden Meldungen auch stark Vertrieben sein, so ist die Lage für Spanten doch äußerst prttät. Insbesondere auf den Philippinen drängen die ver« Mniste immer mehr zu einer Katastrophe. Der Insurgenten- jü hrer Agutnaldo hat die Unabhängigkeit der Inselgruppe procUmtit und hält die Spanier tn Manila vollständig ein« «5» 1415.) der Eingeborenen auf» Höchste gesteigert haben. Die Er- kenutntß de» Unrecht», welche» fie gegen ihre Colonien begangen haben, ist den Spaniern leider zu spät gekommen, und die tn letzter Zeit von der Madrider Regierung gewährten Zugeständniffe, wie Autonomie usw., haben heute ihren Zweck vollständig verfehlt. Ungemein bitter muß Spanien für die Unterlassung«- und Begehungßsünden büßen, welche e» auf sich geladen hat, und unberechenbar find die Folgen. Wa» nützt unter den jetzigen Umständen aller Opfermuth und alle Vater- land»liebe! DaS Land ist finanziell rutntrt, und ob es dem Vlimui», IUI WMV «vv*#1 !••••** I- --- Zeit über das Haupt eine» Nachfolger» dahiugegangen, der seinen Großvater und Vater in kürzester Zett habe htnsterben sehen müffen. Mit schweren Sorgen habe er, der Kaiser, die Krone übernommen. Ueberall sei er angezweifelt worden, Berlin, 20. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht heute die am 16. d. MtS. vom Kaiser im Lustgarten bet Potsdam an die Leibregimenter gehaltene Rede. In derselben bezeichnet der Kaiser die Armee al» die wichtigste von seinem Großvater und Vater htnterlaffene Erbschaft. Er erinnert daran, daß fie e» gewesen sei, an die er seinen ersten Auch heute, beim Eintritt tn da» überall sei er auf falsche Beurthetluug gestoßen. Nur ein» habe zu ihm Vertrauen gehabt, ein» habe an ihn geglaubt, da» sei die Armee gewesen, und auf fie gestützt, im Vertrauen auf den alten Gott, habe er sein schwere» Amt übernommen, wohl wiffend, daß die Armee die Hauptstütze seine» Lande», die Hauptsäule de» preußischen Throne» sei, auf den ihn Gotte» Rathschluß gerufen. Er spreche hierbei seinen Glück« Wunsch und Dank au», in welchem er zugleich mit den Bei- sammelten alle ihre Brüder in der Armee umfaffe. Er habe die feste Ueberzeugung, daß tu den letzten zehn Jahren durch die aufopfernde Hingebung der Offiziere und Mannschaft« in treuer hingebeuder FriedenSarbett die Armee auf de« Standpunkte erhalten worden sei, tu dem er fie von seinen Vorfahren überliefert bekommen habe. Wir wollen, so schloß der Kaiser, die zehn folgenden Jahre in Treue miteinander verbunden weiter arbeiten mit unbedingter Pflichterfüllung politischen Verfall zu entgehen vermag, erscheint mehr al» fraglich. Schon warten die Geter, welche fich auf da» Allzu stürzen bereit find, schon schmieden die Carltsten ihre Waffen, um die jetzige Dyuasttr zu stürzen, schon bereiten fich die Republikaner vor, um der Monarchie überhaupt ein Ende zu machen. Noch ist es der Regierung in Madrid möglich gewesen, daS Schlimmste zu verhindern und einen allgemeinen offenen Aufruhr hintauzuhalten. Aber wer ist der Mann, der dieser Rtesenaufgabe auf die Dauer gewachsen ist und die zur Verzweiflung getriebene, von Parteileidenschaft und Klaffenhaß aufgehetzte Bevölkerung zu beruhigen vermag! Spanten steht, mag auch noch eine geraume Zeit darüber vergehen, am Vorabend ernster Ereigntffe, und bet den dortigen Berhältntffeu ist da» Schicksal de» Laude» nicht einmal annähernd voran»- zusagen. Dabet tst ein Kind der Inhaber de» Throne», den kaum eine kräftige, in den Stürmen de» Leben» erprobte Männerhand zu schützen vermöchte! (XX) Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße». Fernsprecher Nr. bl. i MellbülldtS 1898 1 Mhrl ’-tteml •• WPt Ausland. Karlsbad, 20. Jani. Der reiche Grundbesitzer Draho- wtez versuchte seinen hier wohnenden elfjährigen Neffen durch Hunger sterben zu lassen, um fich in den Befitz de» beträchtlichen vermögen» deffelben zu setzen. Drahowicz wurde verhaftet. MezngoprN- vterteljShrttch 2 Mari 20 Pf,, monatlich 76 Pfg. mit vringerioh«. 8d Posten, 2 Mark 50 Pf* oierteljichrlich. in alter, nie erlahmender Arbeit, und mögen die Hauptsäulen unsere» Heere» immer unangetastet bleiben, welche» find: die Tapferkeit, da» Ehrgefühl und der unbedingte eiserne blinde Gehorsam. Da» ist mein Wunsch, den ich heute - Euch und mit Euch an die ganze Armee richte. Berlin, 20. Juni. Jo dem Prozrffe gegen die in Grünenthal - Affatre verwickelten Frauen wurde Wittwe Eng zu 9 Monaten Gefängniß, Frau Sittig drei Jahren Zuchthaus und die Elli Goltz zu drei Monaten Gesängntß verurtheilt. Die Hebamme Wtttwe He in ecke wurde freigrsprochen. Grschetnt täglich nit Ausnahme des Montags. Die Gießener B«»ilie«»tätter »erden dem Anzeiger »ichentlich viermal beigelegt. 1 Senk »• Met ** H8: 1 ■toiKtri * C' ^MtL yc° »• Örnriin ' ’*8mb6 V M1ÄT Jftnftitt 50 Wh. adrooi unb pifag °dS 8'/, Uhr, ..... - Nedaction, Lxpedition und Druckerei: Kch»kSr«te Nr. 7. i te deckt - denn nach der Vernichtung der spanischen Flotte vor Manila, die keine große Heldenthat war, hat Denny still im toitigen Hafen gelegen, und wenn e- wahr ist, daß er Mangel an Munition litt, so hätte e» ihm noch Übel ergehen s Manen, fall» die Spanier eine Flotte zur Verfügung hatten. SS ist kein würdiges Schauspiel, welche» fich in den spanischen SorteS abspickt, wo die eine Partei die andere für da» Der- iLirgniß verantwortlich zu machen sucht. Ueberhaupt har keine (iDjtlnc Person oder Partei Schuld an den Zuständen, die zur Zvsnrrection auf den Philippinen sowohl wie auf Cuba geführt laden, <• ist da» System, welche» fortgesetzt, ohne Unterbrechung, r Veiten» der Spanier gegenüber ihren Lolouien in Anwendung Macht worden ist. Die letzteren find niemals als gleich« brrechtigte Glieder des Landes betrachtet worden, sondern man ? satte in Spanien die Ueberzeugung, daß die Colonien dazu ä it seien, um fie auszusaugen und dem Mutterlande lieber- » chaffe zu liefern. Hand in Hand damit ging die von den ,e schloffen. Ueberhaupt steht eß fest, daß die Insurgenten t» sind, welche da» Schicksal der Spanier beschleunigt haben. Vie letzteren hätten e» jedenfalls mit den Amerikanern ganz giit ausgenommen und diese würden kaum so leicht eine Be- oLltigung der Feinde erzielt und sich in den Besitz der Mippinen gesetzt haben können, wenn nicht die Uebermacht der Insurgenten die Spanier tn die Enge getrieben hätte. Mit viel Ruhm hat Admiral Deweh fich Überhaupt nicht Olt: ; NtÄ* chwuttiik । -.lls»'N».»vst»ss. ■ ■ei nach Ma® , jtafflie W» ^20-22 , ' 4.50 . «5 Feuilleton. Hroße Wäsche. Von Lina Fabian. (Nachdruck verboten). Al» ich vor Kurzem meine Schwiegermutter besuchte, MBr die nicht wenig erstaunt über da» Aussehen der Wäsche, di« ich au» meinem Reisekorbe packte. „Aber Lina," sagte sie vorwurfsvoll, „da- steht ja Alle- quittegelb au», in Ochern Zustande darf fich doch die Wasche nicht befinden. will ich doch mal die meine dagegen halten . . . Und sie brachte au» dem Wäscheschrank einen ganzen Stoß Tisch« unb Handtücher, Servietten und Ueberzüge herbei und legte st- neben mein Packet. „Na, nun sieh Dir 'mal die an, lr Ämphirte fie, „die blüthenweiß und die ganz vergraut. Dais» ja wie Tag und Nacht. So kann da- doch nicht wetter- zesen, Du mußt Dich mehr um Deine Wäsche kümmern und lillbst mal nach dem Rechten sehen." „Da- kann ich ja flat nicht," warf ich etwa» ver- denn nicht?" fragte fie etwa» spitz. Weil wir außer dem Hause wasche« lasten, erklärte ich. "___Außer — dem — Hanse?" dehnte meine Schwiegermutter und sah mich verständnißlo» an. »Nun freilich," meinte ich leichthin, „da» ist doch da» Niqarmste, „alle vierzehn Tage wird die Wäsche abgeholt und btii Woche darauf wieder zurückgeltefert." »Aber wie," stöhnte Mama, „o wie! Ich würde e» alcht über» Herz bringen, meine kostbare Wäsche fremden L'iuten anzuvertrauen, ^e damit umgehen, als ob so wa» llßtzt» gekostet habe. Außerdem würde ich «sch geniren, Tisch« D'ische ia solcher Farbe aufzulegen, bei mir ist dieselbe weiß Wd nicht crSme. Hier bet nn» läßt keine Hau» rau außer hm Hause waschen, da» würde man für Verschwendung halten? Hier bei un» hat man sein Waschhau», hier bei un» b-,'tellt man fich eine Waschfrau, hier bei un» kümmert fich bi! Frau de» Hause» in höchst eigener Person um die Fort« schritte de» Waschprozeste», deßhalb ist die Wäsche hier> bei uv» so, wie sie sein muß, und nicht wie jene» Häufchen ü.» glück dort ..." AlS fie Äthern holen mußte, wollte ich etwa» erwidern, fie ließ es aber gar nicht so weit kommen, sondern fuhr fort: „Hierbei unß suchen'» die Hausfrauen immer so billig wie möglich einzurichten, hier bet un» wird nicht in» Blaue hinein gelebt, hi-r bei un» streckt fich Jeder nach seiner Decke — aber natürlich Ihr Großstädter . . ." „Ach, weiht Du, Mama," suchte ich sie zu beruhigen, „auch wir Großstädter haben» nicht so Übrig, wir können da» Geld auch nicht zum Fruster hinauSwerfen. Wenn Du aber weinst, daß eS wirklich um so viel bester und billiger ist, wenn man zu Hause wäscht, so kann ich» ja mal probiren." „Da» ist recht, mein Kind," lobte fie, „die Wäsche ist der Stolz der Hausfrau, mit der muß man umgehen wie mit einem rohen Et." „Nun gut," fügte ich hinzu, „da werde ich, sobald ich nach Hause gekommen bin, den Waschboden bestellen lasten." „Da- Waschhaus," verbcfferte wich Mama. „Nein, den Waschboden, liebe Mutter, bet uns befindet fich die Waschküche auf dem Boden." Auf dem Boden?" staunte fir, „na, da» ist ja die verkehrte Welt. Hier bei un« steht da» Waschhau- im Hofe, wo auch die Holz« und Kohlenhäuser find." „Die BriquettS lagern bei un» im Keller," erklärte ich ihr. „Holz brauche ist fast gar kein»." „Kein Holz? Ja, aber womit machst Du denn in der Küche Fruer an, womit bratest Du, womit kochst Du?" „Wir kochen schon längst mit Ga-," erklärte ich. Mama war einfach sprachlo». Arme Frau, dachte fie ficher, unter solchen VerhSltnifien mußt Du Dein Leben vertrauern. . . . * . ' Nach meiner Rückkehr bestellte ich den „Dampfwasch- Mann" ab und beauftragte Anna, zum Pottier zu gehen und die Waschküche für den nächsten freien Tag zu belegen. „Wir waschen jetzt hier," sagte ich dem Mädchen, „man muß fich ja schämen, wenn man mit solcher Wäsche in die Provinz kommt." „BonS Waschen versteh ich nick'» Meiste," warf Anna ein. „Ich last' eine Waschfrau kommen, die in der Sache Routine hat," meinte ich, „der brauchst Du nur an die Hand zu gehen. Da» Waschen besorgt die, Du haft nur da» zu machen, was fie Dir anfträgt." Der Waschboden war für Sam»tag den 18. Mai frei, er wurde diesen Tag für un» reservirt. .... „Nächsten SamStag gibtS bei un» große Wäsche," sagte ich zu meinem Manne. „Wannen, Seinen, Klammern und so weiter habe ich schon gekauft, jetzt aber mußt Du mir unbedingt noch dreißig Mark geben. Du weißt, jeder Mann muß seiner Frau . . ." Zuerst hüllte er fich in Schweigen, ich ließ aber nicht locker. „Mama verlangt unbedingt, daß die Wäsche von jetzt ab im Hause besorgt wird," fuhr ich fort, „dazu gehört aber gar Mancherlei. Er ist nun schon alle» Mögliche, wenn ich meine paar Sparpfennige in den Hau-halt stecke, aber mehr kann ich nicht entbehren, ich muß auch an die Badereise denken. Deßhalb muß jeder Mann seiner Frau--* „Wa» zum Kuckak muß denn nun eigentlich jeder Mann seiner Frau —" fuhr er endlich wüthend auf. „Jeder Mann muß seiner Frau eine Wringmaschine kaufen," antwortete ich erhobenen ToneS. „Da» hast Du doch schon einige tausendmal im Jnseratentheil der Zeitungen gelesen und hättest e» längst beherzigen sollen." „Fauler Zauber daS mit diesen Zeitnng»inserateu," knurrte er. „Wa- kostet denn so'n Quark?" „Na, so etwa dreißig Mark," erwiderte ich leichthin. Er zog sein Portemonnaie und legte drei Zehnmärker auf den Tisch. „Wieder ein neuer Uufinn," brummte er. „Ist'» so lange ohne Wringmaschine gegangen, würde el auch noch länger so gehen." „Aber Mama sagt doch —" warf ich ein. Da- ärgerte ihn. „Ach wa», Mama fagt, Mama sagt," rief er, „hier sagt Mama gar nicht», hier habe nur ich waS zu sagen." Ich lächelte spöttisch, denn ich wußte e» bester: bei un» hatte weder Mama, noch er, sondern nur ich wa» zu sagen!! (Schluß folgt.) Prag, 20.Juni. Die gestrige Palacki-Feier verlief in größter Rahe. Die Polizei hatte, trotzdem an dem Fest« zuge ca. 30 000 Personen theilnahmeu, nirgends Anlaß zum Einschreiten. Lemberg, 20. Juni. Obgleich auch gestern keine ernsten Ruhestörungen stattgefuudeu haben, befürchtet man, daß die Bewegung auf Ost-Galizien übergreift, da die StojanowSki- Partei für einen allgemeinen Trutestrike agtttrt. Im Gefängutß zu JaSlo befinden fich über 250 Excedeuten. Innsbruck, 20. Juni. Im Kaisergebirge ist der Student der Chemie Schieber aus München abgestürzt. Boa Kuxstein find RettuugSmaouschafteu abgegaugen. No«, 20. Juni. Der Versuch Souaiuo», ein Cab tuet zu bilden, ist gescheitert. Die Freunde BiLconti Beuosta» machen Anstrengungen, denselben zur Ueberuahme der Cabinet»- dildung zu bewegen. Visconti Benosta verhält fich jedoch bi» jetzt ablehnend. Paris, 20. Juni. Heute Nachmittag wird Sarrten dem Präsidenten Faure da» Resultat der Neubildung de» Cab tu et» überbrtugeu. Madrid, 20. Juni. Der englische Botschafter hatte gestern wieder eine lauge Couferevz mit dem Minister de» Aeußeru. Madrid, 20. Juni. L» verlautet, dem General Augustin sei e» gelungen, aus Manila zu entkommen, um fich mit den Truppen, welche fich tm Norden der Insel Luzon befinden, zu vereinigen. Manila soll trotz aller Ableugnungen der Regierung von Aguiualdo besetzt sein. Der Werth von Stadtbefestigungen. Trotz de» vielfachen Ansturms einiger Uebereiferer gegen da» Vorhandensein zahlreicher Festungen haben fich diese doch für eine jede LandeSvertheidtguug immer noch al» uuerläß- lich erwiesen, und wenn auch der bi» jetzt jammervoll geführte amerikanisch-spanische Krieg als Beweismaterial dafür nicht angeführt werden kann, so haben doch auch hier selbst die mangelhaftesten Küstenbefestigungen bisher die Amerikaner von Landungsversuchen abgehalten. Mau wird also in absehbarer Zeit nicht dazu gelangen, die Festungen au» der LandeSvertheidigung fortzulaffeu, dagegen scheinen die Grundsätze über die Art und Ausdehnung der Festungen tu dem letzten Jahrzehnt eine Aeoderung erfahren zu haben. Nach Einführung der weittrageuden gezogenen Geschütze konnte eine Stadtbefestigung mit ihren Bastionen, Raveltuen und Außeuwerkeu nicht mehr genügen und die wett vorgeschobenen Fort- wurden zur Nothweudigkett. So entstanden die aus dem Festungsgürtel und der Stadt- oder Kern- befesttguug zusammengesetzten Festungen- wo fich letztere vorfand, behielt man fie bet, aber schon nach 1870 errichteten die Franzosen Festungen, die nur einen Festungsgürtel, aber keine Stadtbefestiguug mehr aufwiesen. Die deutsche FestuogSbaukunst hielt aber einstweilen au der letzteren noch fest, und fie gab dem Drängen der in Steiopauzer eingehüllten Städte, wie Straßburg und Köln, uur insoweit nach, als fie die alten, unbrauchbar geworbenen Stadtwälle fallen ließ und eine neugeartete Stadtbefestiguug weiter hiuauöschob, wodurch die Stadterweiterungeu möglich wurden. Aber die Fort» und die Kernfestung bliebev al» zwei in fich abgeschloffeue und besondere BertheidigungSsysteme bestehen. Bet mehr tm Jnlande gelegenen oder klrtueren Festungen gab man jedoch die Stadtumwallung ohne weiteren Ersatz an neuen umschließenden Befestigungen auf, wie wir die» bet Magdeburg, Mainz, Coblenz sehen, und in aller- ueuester Zett find auch bestimmte, dem wahrscheinlichen Angriff abgewendete Fronten der Grenzfestung Metz aufgegeben worden. Auch bet Ulm, Königsberg und Danzig, ja selbst bet Pofen find Erwägungen tm Gauge, ob dte Stadtbefeftig- uogeu nicht ganz aufgegeben werden können, ohne einen Ersatz durch eine andere, weiter vorgeschobene Umwallung zu schaffen. Die Stimmen der Fachmänner, daß diese geschloffenen Stadtbefestigungen immer mehr an Werth eiubüßen, je mehr die Waffentechn k fortschreitet, haben erheblich zugenommen - trotzdem ist die Ansicht noch immer vorherrschend, daß eine Festung ihre Aufgabe nicht zu erfüllen vermag, weuu fie nur einen einfachen FortSgürtel besitzt, nach dessen Fall die Festung al» strategischer, industrieller und kommerzieller Punkt ohne Wettere» dem Gegner anhetwfällt. Freilich konnte nach dem Falle der FortS dte alte Stadtbefestigung eine zähe abschuitts- weife Vertheidtgung nicht mehr gewährleisten, fie wurde vielmehr tu den Fall jener unausbleiblich htneingezogen. Dtefem Uebelstaode suchte man durch die Erfindung des „NoyauS" zu begegnen, worunter man eine zweite Bertheidigungslinie hinter dem Fons- gürtet mit geringem Abstaude hinter demselben und nach ähnlichen Grundsätzen wie dieser angelegt versteht. An Grelle deS FortSgürtel- und der Stadtbefestiguug tritt demnach bet der neuesten BefesttgungSmanter der Fortgürtel und das NoyauS, wodurch der Stadtbefestiguug eigentlich der Todesstoß versetzt ist. Bei Festungen, welche von der Grenze weiter ab liegen, kann mau sich begnügen, uur dte Stützpunkte de» NoyauS in beständiger Bauart außzuführeu und den Abschluß der Zwischenräume (Intervalle) zwischen ihnen erst bet der Armtruug der Festung, also bet AuSbruch eine» Kriege-, au-zuführen. Bet Grenzfestungen jedoch, welche einer Ueberrumpelung ausgesetzt find, wird mau auf da» Vorhaudensetn de« inneren Güu-l», also de- NoyauS, schon tm Frieden dringen müssen, weil hier der letzte Rückhalt gegen jeden Durchbruch gegeben iit und seine überraschende Wegnahme sofort die ganze Vertheidtgung der Festung lahm legen kann. Die Nohaubefesttguug als fortlaufende Ltuie nach Art der Stadtumwallung zu führen, empfiehlt fich nicht, weil fich der Bertheidiger dadurch der Offenfivunternehmungen begeben würde, für welche er Bewegungsfreiheit bedarf. Die Linie der Gürtelfort- ist die Kampfstellung im Festungskriege, da- Nohau der Rückhalt und Abschluß, während eS beim Vorhandensein von Beiden einer Stadtbefestiguug nicht mehr bedarf. Auch bisher nahm man in der Vertheidtgung in der sogenannten Zwischenstellung ein Nohau als nothwendig an, aber fie sollte erst während deS Kampfe- um die FortS oder bei unmittelbarer Bedrohung der Festung au-geführt werden, und darin bestand ihre Schwäche. Die großartigste Gürtel- und Nohau-Befesttgung hat Pari- aufzuwetseu, wo die nach 1870 angelegten Forts den Gürtel und die 1870 bereit- vorhanden gewesenen da- Nohau bilden- daß somit die Pariser Stadtbefestiguug gegenüber dem modernen Festung-« augriff einen Werth gleich Null hat, bedarf keine» weiteren Beweise». Wendet man aber dte entsprechenden Schlußfolgerungen auf unsere deutschen großen Festungen an, so kann bei ihnen die Stadtbefestiguug nur daun aufgezebeu werden, wenn an ihre Stelle ein nach obigen Grundsätzen zu errichtende» Nohau tritt, das al« zweiter bezw. innerer Gürtel zu betrachten ist. Dadurch würden die hauptsächlichsten Hindernisse beseitigt werden können, welche der Beseitigung der Stadtbefestigungen und der Erweiterung der großen, von Umwallungeu eng eingeschloffenen Städte sich zur Zett noch entgegeustellen. Köln. Ztg. Wie groß ist der Kraftaufwand beim Radfahren? Diese int er eff ante Frage beantwortet soeben auf Grund practischer Versuche Stabsarzt Dr. Sehrwald (Freiburg i. Br.) im „Archiv für Hygiene". Reibung, Steigung, Trägheit oder Beharrungsvermögen des Rades, Luftwiderstand sind die Hemmnisse, zu deren Ueberwindung der Radfahrer die meiste Arbeit leisten muß. Bei langsamer Fahrt verursacht die Reibung die Hauptarbeit, bei schneller aber der Luftwiderstand. Die Ueberwindung der Reibung erfordert auf guter ebener Straße für das gebräuchliche Zweirad mit Luftreifen und Kugellagern eine Arbeit, die Vee der Gesammtlast d. h. des Gewichts des Rades und des Fahrers beträgt. Der Reibungscoeffizient Vee ist bei jeder Belastung des Rades und jeder Geschwindigkeit gleich. Ein Fahrer, der mit seinem Rad 100 Kgr. wiegt, hat zur Ueberwindung der Reibung auf einer Strecke von 1000 Meter eine Arbeit von r/o« !00 • 1000 — rund 1500 Mkg. zu leisten. Steigt der Weg um 1 v. H. bergan, so ist neben der Arbeit für die Reibung noch ein Mehr an solcher zur Ueberwindung der Steigung nöthig. Der Steigungscoeffizient ist Vss der Gesammtlast. Ein Fahrer mit Rad im Gewicht von zusammen 100 Kgr. braucht, um einen Kilometer Steigung von 1 v. H. zu nehmen, dazu noch einen Kraftaufwand von (Vos 100 • 1000) — 1125 Mkg., steigt die Straße um 3 v. H., so braucht er schon dreimal mehr — 3375 Mkg. Eine Steigung von 1 v. H. verdoppelt schon die bei langsamster Fahrt in der Ebene erforderliche Arbeit. Welche Steigung sich ein Fahrer noch zumuthen darf und welches Tempo er bei einer bestimmten Steigung einhalten muß, um sich nicht zu überanstrengen, läßt sich leicht berechnen. Vermag er in der Ebene längere Zeit ohne Beschwerde noch ein Fahrtempo von 6 Meter in der Sekunde einzuhalten, so ergiebt sich, daß er für den Kilometer 3750 Mkg. längere Zeit auf. zubringen vermag. Eine Steigung von 4 v. H. erfordert schon ein Mehr von 4500 Mkg.; sie ist also für ihn nicht mehr bezwingbar. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von einem Meter, welche für die Reibung allein 1500 Mkg. auf das Kilometer verlangt, bleibt ihm für die Steigung noch ein ArbeitSvorrath von 2200 Mkg.; mit diesem kann er nur knapp noch 2. v. H. Steigung bewältigen. Bei einem Tempo von 4 Meter, das in der Ebene 2500 Mkg. beansprucht — die Arbeit wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit —, bleiben ihm 1250 Mkg. Diese genügen aber nur für eine Steigung von 1 v. H. und wenig mehr. Um das ruhende Rad in Bewegung zu setzen und ihm eine gewisse Geschwindigkeit zu ertheilen, muß ebenfalls eine bestimmte Arbeit aufgewandt werden. Die Arbeit zur Ueberwindung der Trägheit kann für schnellste Fahrt fast ebensoviel ausmachen, wie die für 1 Kilometer durch die Reibung erforderte Arbeit. Bei kurzen Wettfahrten fällt sie daher sehr ins Gewicht und macht den fliegenden Start vortheilhafter, als den stehenden. Weit mehr Arbeit erfordert bei schneller Fahrt die Ueberwindung des Luftwiderstandes. Bekanntlich wächst dieser mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, d. h. bei fünfmal schnellerer Fahrt wird er 25 mal größer. Der auf* rechtsitzende Radfahrer bietet dem Wind etwa i/2 Geviert» meter Fläche dar, durch Zusammenkauern kann sie um die Hälfte verringert werden. Bei langsamster Fahrt entfällt auf den Luftwiderstand nur Vbo der übrigen Arbeit, bei schnellster Fahrt aber das siebenfache und bei aufrechter Haltung sogar das zehn- und dreizehnfache. Da der Luftwiderstand, mit steigender Fahrgeschwindigkeit schnell wächst, erreicht die Fahrgeschwindigkeit auch des besten Fahrers sehr bald eine unüberwindliche Grenze. Nur mit Hilse von Schrittmachern lassen sich die Recorde noch erhöhen; sie überwinden den größten Theil des so bedeutenden Luftwiderstandes für den ihnen unmittelbar folgenden Fahrer und können ihm dadurch bis zu 2/8 feiner gcfammten Arbeit abnehmen. Ohne Schritt- macher kann ein Fahrer höchstens eine Kraft von l8/4 Pferdestärken aufbringen, mit Schrittmachern leistet er für wenige Minuten 21/a. Die Schrittmacher arbeiten in die Luftmassen gewissermaßen einen Tunnel hinein, in dem der Rennfahrer bequem vorwärts kommen kann. Hält fich der Fahrer dicht hinter seinem Schrittmacher, so vermag er ohne große Mühe lange mit ihm Schritt zu halten; ist er aber nur um zwei Meter von dem Schrittmacher abgefommen, so ist der magische Einfluß des Schrittmachers gebrochen; es kommt Luft zwischen den Rennfahrer und den Schrittmacher und der Rennfahrer bleibt schnell zurück. Wa» ein Rennfahrer unter Beihilfe von Schrittmachern leistet, ist daher gar nicht mehr die Arbeit eines Einzelnen, sondern das gemeinsame Product einer ganzen Anzahl Fahrer, die ihre Kräfte »inem einzelnen Fahrer borgen und dessen Leistungen künstlich emporschrauben. Herrschender Gegenwind vermehrt den Luftwiderstand wie eine entsprechende Beschleunigung der Fahrgeschwindigkeit, Vennifdptes* umgekehrt vermindert treibend kt Wk' o..a „ ebenso stark, wie eine entsprechende ' Die Strecke, die Jemand A, ^ltV±*un9- zurückzulegen vermag, erlaubt r ' «AxJüL asn^re”9UnJ strecke, die sich der Betresient Berechnung derFahn- ordnung lautet dann folget ™nL„. drei Stunden ohne Anst^ n 18 mar!$ rt “ *80 000 £ t?" usr-cht-r Körperhaltung daher fahren s^mdstille 4 Meter schnell und 43,2 L 2 •lOmeter in 4i/6 Minuten), bei Gegenwind “ * 3 M-'-r schnell und 29 Kilometer t,™ M l” 5 ,1 Knuten). Im Allgemeinen entfptid« ^abrt ^a gleich 10 Kilometer Marsch = 24 Kilomet« El ^er das Fahren nur zur Erholung oder zum Der- nicht als Sport betreibt, geht am besten über r.^^bfch'vmdtgkeit von 4 Meter, eine Fahrstrecke von bi« 50 Kilometer in der Ebene dm Tag über und eine Steigung von 3 v. H. nicht hinaus. Als höchste Tages- | ^ung darf sich ein nicht trainirter Fahrer ausnahmsweise bis 168 Kilometer gestatten, entsprechend einer Tagesarbeit I eines kräftigen Arbeiters von 420 000 Mkg. I_______________________ (Tägliche Rundschau.) • Reichskanzler Fürst Hohenlohe an bet Wahlurne. An» Berlin wird berichtet: Eines der interessantesten Wahllocale Berlin» ist stet» da» am oberen Ende der Lcipzigerftraße, tu dem dte in der Wtlhelmstraße wohnenden Staatswürdeo- träger zu wählen haben. ES war tn früheren Jahren immer ein Ereigniß, wrrm Fürst Bismarck zur Wahlurne ging um feine Stimme abzugeben. Der Fürst unterhielt fich gewöhn- lich einige Minuten mit den Herren de» Wahlvorstande» und machte dabet manche scherzhafte Bemerkung. Auch der jetzige Retchrkanzler Fürst Hohenlohe übte sein Wahlrecht au», di war fünf Minuten nach halb 12 Uhr, al» der geschloffene Wagen de» Kanzler« vor de« Wahllocal, Leipzigerstraße 136, Vorfahr Der Letbjäger öffnete den Schlag, und der Fürst entstieg tn Begleitung eine» höheren Beamten der Reich»- kanzlet dem Wagen und ging langsamen Schritte» über den Hof tu da» Wahllocal. Dte Herren de» Wahlvorstande» erhoben fich von ihren Plätzen und begrüßten den Fürsten mit stummer Verbeugung. Fürst Hohenlohe erwiderte den Trotz lautlos in derselben Weise. Der Wahlvorsteher nannte tem Protocollführer die Wohnung „Wtlhelmstraße 75-, und erst nachdem der Schriftführer einige Augenblicke tu der Liste geblättert hatte, «achte der Fürst dte Bemerkung: „8» ist Wtlhelmstraße 77". Dann la» der Protocollführer mit lauter Stimme: ^Se. Durchlaucht Fürst zu Hohenlohe Schillingsfürst", worauf der Reichskanzler feinen Zettel dem Wahlvorsteher gab. Stillschweigend wie er gekommen, entfernte fich der Fürst mit leichtem Kopfnicken au« dem Wahllocal. *P. Eine Fernsprecheinrichtuug nach deutsche» Muster wird demnächst in Rio de Janeiro hergestellt, durch die Firma Siemen« u. Halske unter Leitung de« deutschen Telegraphen Director» Luckow (Berlin 7), der zu diesem Zwecke vom Reichrpostamte vorübergehend nach Brafilieu Urlaub erhält. Im Auftrage de» Reich»postamtS unternahmen ferner im Mai zwei höhere Telegraphenbeamte au» Emden eine Reise nach Valentin in Irland, um bei der dortigen Telegraphenstation der Anglo American Telegraph-Co. den automatischen Betrieb auf den Kabeln dieser Gesellschaft kennen zu lernen und eintretenden Falle deutscherseit» auSzunutzeu. Die Schnelligkeit de« Betrieb» würde dann außerordentlich erhöht unb dadurch die Legung eine« z. Z. erforderlichen zweiten Kabels Emdeu-Valentia vorerst hinauSgeschoben. Auf dem Kabel Emden-Valentia werden nämlich beim automatischen Betrieb 160 bi« 200 Buchstaben innerhalb einer Minute übermittelt. Hoffentlich bewährt fich der automatische Betrieb der Amerikaner besser wie das amerikanische AbholnugSsystem Mr Postsendungen (letter boxes). Dasselbe besteht darin, daß in der einen Schalterwand für die Abholer der Postsendungen besondere fortlaufead nummerirte Briefkasten angebracht find, in welche die Postbeamten die abzuholenden Postsachen ein- legen, während die Abholer, die im Besitz der analog mit Nummern versehenen Schlüssel find, die Kasten ohne Zuchau der Schalterbeamten öffnen und entleeren. Dieses Abholungs- Verfahren hat den Vortheil, daß fich die Ausgabe der Postsachen rascher und einfacher abwickelt, al» wenn ein Abholer nach dem andern fich zum Schalterfenster begiedt und die Postsachen in Empfang nimmt. Der Nachtheil besteht darin, daß die Postverwaltung jede Verantwortung ablehueu muß für Weiterungen, die dadurch entstehen, daß ein Abholer in den Besitz von Postsachen eine» anderen Abholer» gelangt, was beispielsweise herbeigeführt werden kann, wenn der Postbeamte fich beim Venhetlen der Sachen irrt, Briefe rc. an* einanderkleben, oder die Schlüssel tn unbefugte Hände ge- rathen. Da« genannte Verfahren besteht u. A. in der Schweiz und in Deutschland, in Mannheim und Bremen. In Danzig, wo gelegentlich de« Postneubaue« die gleiche Einrichtung getroffen werden sollte, wtrd hiervon Abstand genommen, well die Interessenten fich in ganz geringer Zahl zur Bethetligung gemeldet haben, wa» anscheinend darauf znrückzusühreu ist, daß in Mannheim und Bremen da« amerikanische AdholungS- Shstem doch nicht völlig befriedigt. * Welche Kraft dazu uöthig märe, den Erdball einen Fotz hoch zu heben, da« hat ein englischer Ingenieur, der offenbar viel freie Zett hat, berechnet. Die Erde wiegt etwa 120,000 Trillionen Centner- wir wollen für Diejenigen, die mit solchen Zahlen nicht auf vertrautem Fuße stehen, noch hinzufügen, daß die benannte Zahl au» einer Zwölf mit 22 Nullen dahinter besteht. Um nun diese» Gewickt von 120,000 Trillionen Ceutnern um einen Fuß zu heben, würde eine Dampfmaschine von 10,000 Pserdekräfteu eine Zeit von 70 Milliarden Jahren oder 70 Millionen Jahr« tausende arbeiten müssen. Die Dampfmaschine würde i» dieser Zeit 40 Trillionen (e ne Vier mit 19 Nullen) Liter Wasser verbrauchen, da» find mehr, al» der gewaltige W 300 W tSautc, »°» * 40 i J-d,< 8.» " »11 • ßol ”r 6t*baWd)offi Pftilerspiese grflnbnng M" Utx im frelgefleben ' -seit» vorn riellt, M i« bt *ty of Chemi Vortrag: Frb" _ „icklern". ö>u>! wrlche Im Acetylen iaj von einer A jnbibe die reinste sorgfältigen AnSwa in Photphormfser hinben, während en ^hielten, Einschli fischen 3.5 nnd 5 ülieat, Magnesium inrbe Siliciumwasf ai dem Nutze der S Vortragende versuch bringen durch Mis erst bei etwa 80 : konnte. Wenn tag vermischt wurde, gi za erhalten. Die airknng von Waffe 864 und 406 c. werden konnte bei1 mittelst de« Le C Stultf in Nachmittag joD auf bem hiesigen «art Schmidt Wwi Löber in Gießen gei • Flur 1 Nr. 984«/io' Wallihorstraß ' «ifentlid) meistbietend Gießen, 17. Juni 1 Großh Ortsgei 6131 3-81.: t Wlmch !n 2! Nachmittage W«n im Bieker'scher Stöbel aller Art . 2 Faß Ocker u. A -L—Srife,! Sraskrjti Ä9 den 8 1 M heugra« '«ftif! «ich . W Wik, ^Hungen Lich, S feiger! o?“ Slichk n»ch * ‘5- Juni u Tue *i* Mai «Urgj si h 2 Mi . "t, x (gebrannt ^stehlt ’^me^ Cbr Wy ^arktp r** tfS? ■ÄJ. I 18 S? l- Wk ft f4n Schrittri fc: nta hi Eahlvirßlllh ” begrüßten btn §frjxt Jolflie tnoibmt bis h i Vrhlmßrhrr nacüth Btlbtlifrafit 75", nii 8-jtnblidt io bnMf ß ht Stmafang: ,81 i :n Prottcollsiftniit!« rn ja hihulohr Btfcjj ittcrc Zettel bim 8£:: er jefaiatn, entfern« M : aal bei Wocol Misfisfippi in 60,000 Jahren durch seine Mündung-arme -fließen läßt,- diese Waffermenge würde genügen, die ganze Erdoberfläche 300 Fuß hoch zu bedecken. Nun kommt noch das wichtigste Bedürfniß der Maschine: daS Heizmaterial. Gesetzt, daß die Maschine gut und sparsam arbeitende Kessel hat, wird sie in ihren 70 Milliarden Jahren schon an 30,000 Billionen Centner Kohlen genug haben. Sollte dieser Kohlenbedars auf einen Eisenbahnzug verladen werden, besten Wagen je 400 Centner fasten, so würden 200 Billionen Wagen nöthig sein. Aneinander gereiht würden die Wagen einen Zug bilden, der die Erde 45 Millionen Mal umspannen könnte, und wenn der Zug mit einer Geschwindigkeit von 10 Kilometer stündlich führe, so würde er fünf Millionen Jahre brauchen, um nur seine eigene Länge zu durchmeffen. Man steht aus diesen merkwürdigen Berechnungen, daß unsere -Trde ziemlich fest an dem ihr durch die Naturkräfte an- -zewiesenen Platze steht, und daß es nicht ganz leicht ist, „bie Welt aus ihren Angeln zu heben/' • War der Mensch braucht, muß er habe«. .Einem -Straßenbahnschaffner in Langenfelde bet Hamburg ist ein Hfeilerspiegel, gegen besten Pfändung er mit der Be» xründung Einspruch erhoben hatte, er bedürfe seiner, „um »roper im Dienst erscheinen zn können", vom Landgericht ßretgegeben worden. * Neuer vom Acetyle». Wie die Chemiker-Zeitung mit» tietlt, hielt in der letzten Sitzung der Sectton London der Society of Chemical Induetry Prof. V. B. Lewe- seinen Vortrag: „lieber die Vorgänge in AcethlengaSent» Wicklern". Zunächst besprach Redner die Verunreinigungen, welche im Acetylen und im Carbide vorhanden find; er fand, t-aß von einer Anzahl untersuchter Sorten die englischen Aarbide die reinsten waren, was wohl seinen Grund in der sorgfältigen Auswahl der Rohmaterialien hat. DaS Maximum an PhoSphorwafferstoff im Acetylen wurde zu 2,3 pCt. ge- senden, während englische Carbide trn Durchschnitt nur 0,5 pCt. nthielten, Einschlüffe im Carbide, deren spec. Gewichte Mischen 3,5 und 5,8 schwankten, enthielten zum Theil Eisen» illicat, Magoefiumfilictd und Carborundum. Im Acetylen rrarde Siliciumwafferstoff vorgefunden, und Kieselsäure konnte in dem Ruße der Acetylenflamme nachgewiesen werden. Der Aortragende versuchte nun, Acetylen zur Selbstentzündung zu bringen durch Mischen mit PhoSphorwafferstoff, waS jedoch erst bet etwa 80 pCt. PhoSphorwafferstoff erreicht werden konnte. Wenn dagegen Carbtd mit 1 pCt. CalciumphoSphid vermischt wurde, gelang es schon, ein selbstentzündlicheS GaS za erhalten. Die Wärmemenge, welche frei wird bet Ein- lvirkung von Waffer auf 1 g Carbtd, fand Redner zwischen 364 und 406 c. Die höchste Temperatur, welche erreicht v rrdeu konnte bet Einwirkung von Waffer auf Carbtd. wurde mittelst des Le Chatelter-PhrometerS zu circa 800° C. bestimmt, eine Temperatur, bet welcher Acetylen in Benzol und theertge Producte zersetzt wird. Leitet man Acetylen durch ein GlaSrohr und erhitzt auf circa 800° C., so erfolgt diese Zersetzung unter Feuererscheinung und Hinterlassung graphitischer Kohle. DaS Rußen der Acetylenflamme wird vom Berfaffer der Gegenwart von Benzol zugeschrieben. Bringt man in die Gasleitung einer Acetylenflamme, welche rußlos brennt, einen Tropfen Benzol, so wird dieselbe sofort rußend. Mit diesem Experiment erbringt der Vortragende den Beweis, daß bei der Acetylenbeleuchtung die Reinheit des Acetylens von der größten Wichtigkeit ist, speciell die Reinheit deS Acetylens von Benzol, um daS Rußen zu ver» hindern, von Sulfiden und PhoSphorwafferstoffen in sanitärer Htnficht. Trägt man daher Sorge, bei der Entwicklung des Gases die Temperatur niedrig zu halten, so wird die Entstehung des Benzols auf ein Minimum beschränkt. Dies wird in allen denjenigen Gasentwicklern zutreffen, bei denen ein Ueberschuß von Waffer vorhanden ist und daS Carbtd möglichst gleichmäßig in dem vorhandenen Raume verthetlt wird. Au der DtScusston betheiligten fich Boverton Redwood, Worth, O-car Guttmann, Butterfield, Bloxarn, Hehner, Ackermann, Hagemann u. A. ♦ Zu Kurzem werden Aufichtt Postkarten in den Handel kommen, welche auf dtrecten Wunsch unseres Kaisers her- gestellt worden find. Derselbe hat, wie der „Conseet." erfährt, eine Serie von 6 Aquarellbildern, welche die Saal bürg in ihrer zukünftigen Gestalt darstellen, von Prof. Döpler aus» führen laffen, die ihm vor einigen Tagen überreicht wurden. Der Kaiser hat bet dieser Gelegenheit den Wunsch ausgesprochen, daß dieselben in Form von Ansichts-Postkarten dem großen Publikum zugängig gemacht werden mögen, welchem Wunsche natürlich entsprochen werden wird. * Untrügliches Mittel gegen Krebs. Der „Deutsche Radfahrerbund", der seit der Entdeckung des Acetyleu- gaseS nicht müde wird, einen schönen Eifer für diese GaS» art an den Tag zu legen, bringt folgende Mttthetlung, die nicht verfehlen wird, in der ganzen Welt, namentlich unter der verzweifelnden Schaar der Krebskranken, daS freudigste Erstaunen hervorzurufen: „AcethlengaS, welches dem Radfahrer jetzt feine Straße aufs beste erhellt und ihn somit vor Beschädigung seiner selbst und der Maschine schützt, wird nach den neuesten Entdeckungen auf dem Gebiete der ärztlichen Wiffenschaft auch die Menschheit vor einem der furchtbarsten Feinde derselben, dem Krebs, schützen. Wie wir in englischen ärztlichen Fachzeitschriften lesen, hat sich AcethlengaS als bis jetzt wirksamstes Mittel gegen die einen sicheren Tod herbeiführeude Krankheit erwiesen. DaS Verfahren, den Krebs auSzurotten, ist höchst einfach und kann zur Roth von jedem Laien angewandt werden, denn man hat nur nothwendig, die vom Krebs angegriffene Stelle mit Calciumcarbid zu bedecken und dann mit Waffer zu benetzen. Sofort bildet fich Acetylm- gas und kommt in innigste Berührung mit den von dieser tückischen Krankheit angegriffenen Geweben. Dieses Verfahren wird so lange wiederholt, bis der Krebs gewichen ist. Der Kranke fühlt dabei weiter Nichts als eine schnell vorübergehende Empfindung wie ein Verbranntwerden. Ein glücklicher Zufall brachte einen radfahrenden, eine Acethlenlaternr benutzenden Doctor auf den Gedanken, baß genannte GaS za jenem Zweck in Anwenbnng zu bringen. All Heil! ist hier so recht am Platze." Die Zeitung ist nicht etwa vom 1. April, sondern vom 12. Juni datier und erscheint nicht in der Tartarei, sondern in Magdeburg. Soldatenhumor. Beim Abgeben einer Salve knattern einige Gewehre vor. Der Hauptmann, wüthend: „Kerls, denkt Ihr denn, Ihr seid in einem Vorschußverein?" Literatur und Aunst. — Die soeben ausgegebene neunte Lieferung des Werkes: „DaS neunzehnte Jahrhundert in Bildnissen", Photographische Gesellschaft, Berlin, bringt an der Spitze da« Porträt des Vaters der Dampftechntk, James Watt, der, wenn auch der Haupttheil seines Lebens in das vorige Jahrhundert fällt, dennoch mehr als ein anderer Sterblicher dem Zeitalter der Naturwissenschaften einen eigenthümltchen Character verliehen hat. Ihm folgt der Schöpfer des heutigen Verkehrs, George Stephenson, dessen Leben milder Ausgestaltung der Locomotioe und des Schienenweges aufs innigste verknüpft ist. Die Originale der Bildnisse beider sind in der englischen nationalen Porträtgalerie ausgenommen, die begleitenden literarischen Bilder gab Aranz Bendt. Drei große Männer, deren Namen den Emporgang der Chemie in unserem Jahrhundert bedeuten, reihen sich an: Berzelius, Bunsen, Liebig, sodann Herschel, die bekannteste Gestalt unter den Astronomen der letzten hundert Jahre, mit biographischen Würdigungen von Wilhelm Bölsche. Schließlich finden wir Alfred Krupp, den Kanonen- könig, deffen Gußstahl sich die ganze Welt erobert hat, besprochen von Fritz Blenke, und zuletzt einen deutschen Dichter, der mehr als irgend etn anderer Dialectschriftsteller sich in allen Landen Bürgerrecht erwarb, den Vertreter des niedersächsischen Volksthums, Fritz Reuter, mit Biographie von Karl Theodor Gaedertz. Auch diese Lieferung verdient vollauf das rege Jntereffe, welches Kritik und Publikum dem ganzen Werke entgegenbringen. Univerfitäts - Nachrichten. — Die theologische Facultät der Straßburger Universität hat den Pfarrer Lio. Gerold von der Nicolaikirche zu Straßburg zum Ehrendoctor der Theologie ernannt. Herr Gerold hat sich namentlich um die Bearbeitung des neuen evangelischen Gesangbuches für Elsaß-Lothringen Verdienste erworben, ist aber auch sonst als Prediger wie als theologischer Schriftsteller sehr angesehen. WaWWAflAM 3- Notiz, daß m. Kuren g. Zwangs- XV gedanken, Angst, Schlaflosigk., Asthma, —————— na ii in.....Herzerreg.,Schwäche, Magenverstimmung, Darmlrägh., def Gicht rc. wieder v. April—Oct. in Auerbach, Hess. Bergstr., stattfindcn. Prospecte üb. Eigenart u. Wirkung gratis. 2133 Dr. Borcherdt. 0| 10 bi* «It: fllire tlkMllll, baii l: fcttang bi bwtslhw to 1 7), btt ja bitlta Zvi! WrsteillmmM Samstag de« 25. Mi, , id, shMtv Urlaub» chMS atmialietn s« pfeaüt W* k :i bei btt bortigw tö ! LÜi anicrerbcntlli nM c niitbnüttt v.W 8°f btl^; trn ultmMa ec’- ilt tun Wt l’dbt bchht StM dkl Wgf- ihiabilcnben i , ■ 8=üi d!' « .1,» ^rtrltsfitr -!S & iel " - iie»1 „ I >tr BwWjiiiiw’! ’»•**** ■‘'7 »ii ,UC n« 3:1‘ bidtf S'- % W «! 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