1898 Samstag den 21. Mai Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gietzen GratisbeUllge: Gießener Faimiienblätter 2lmtiid?cr Tbeil ergehen. I. V.: Dr. Wagner. Feuilleton. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den felynbtn Tag erscheinenden Nummer bis Sonn, 10 Uhr. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Äu#«*» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger rMGGW. «edaciion, Expedition und Druderei: FchnkArnte Nr. 7. Gießen, den 17. Mat 1898. Berr.: Ermittelung der laudwirthschaftlicheu Bodeubeuutznug und des Ernteertrags im Jahr 1898. 1. Juli d. I. Wir bemerken noch, daß aus der Bestandsliste ersichtlich sein muß, welche Mitglieder dem höchstbesteuerteu Drittel angehSren. An Diejenigen von Ihnen, in deren Gemeinden nach Abhaltung der Gemeinderathswahlen die regelmäßige Er- gänzungswahl des Bürgermeisters und Beigeordneten erforderlich ist, wird seiner Zeit noch besondere Verfügung Adresse für Depeschen: Anzetger £tc|<«< Fernsprecher Nr. 51. Die nächsten Jahre brachten wiederum verschiedene neue Veröffentlichungen, von denen ich hier nur die hauptsächlichsten hervorhebeu will: ^Ausführlicher Lehrgang der deutschen Stenographie" und das allgemein bekannte „Stenographische Lesebuch". Inzwischen war aber so gut wie Alles fehlgeschlagen. Die Hoffnungen, die mau auf die Unterstützung des preußischen Ministeriums gesetzt hatte, hatten sich nicht erfüllt- die Privat- stunden wollten nicht zum Lebensunterhalt ausreichen, so daß fich Stolze's Frau geuöthigt sah, einen kleinenPofamentenhaudel zu eröffnen, um so wenigstens vor der allergrößten Noth gesichert zu sein. Das Stolze'sche System, wie man es seit seinem Er- scheinen nannte, hatte jedoch immer mehr Anhänger gefunden. Die Nothdurst der Erfinders wurde bald feinen Jüngern bekannt- man verschaffte ihm neuePrivatstunden und bemühte sich nach jeder Richtung für eine Verbefferung seiner Existenz. Im Jahre 1852 wurde er schließlich als Vorsteher des stenographischen Bureau» in das Haus der Abgeordneten berufen, eine Stellung, in welcher er bis au sein Lebensende verblieb. Das Ableben des für feine Mitwelt so außerordentlich der« dienten Mannes erfolgte am 8. Januar 1868 in Berlin. Ich glaube, hier nicht auf den unermüdlichen Eifer eines Mannes näher eiugehen zu brauchen, dessen Freunde die folgenden Worte von ihm gesagt haben : „Richt nur die prächtige, leserliche Handschrift tu ihrer Gedrungenheit und Rundung macht auf den Fachmann, der da weiß, wie schwer eS ist, im Fluge der Rede auch noch schön zu schreiben, den tiefen Kuustetudruck, sondern auch die ebenso geniale und doch maßvolle Art, mit der Stolze zu kürzen verstand, reißt zu aufrichtiger Bewunderung hin!" Stolze'- Ziel war es, eine Erleichterung für jede mehr oder weniger ausgedehnte Schreibthätigkeit zu schaffen, ohne dabei die Vollständigkeit und Genauigkeit der Lautbezeichuuugeu aus dem Auge zu verlieren. Zu diesem Zwecke benutzte er die sonst überfiüsfigeu Binde- und Haarstriche zu Bocal- bezetchuungeu und schaffte so eine ganz wesentliche Kürze seines Schriftshstems. Ans den wetteren Ausbau der Stolze'sche« Dieser harte Kampf mit dem Leben ließ bald alle hoch- fliegenden Pläne betreffs eines Studiums finken. Man mußte fich so bald al» möglich nach einer festen Existenz umsehen. Auf Auratheu der Mutter ergriff der junge Stolze die erste fich bietende Gelegenheit und trat im Jahre 1817 in da- Bureau der „Berliner FeuerverficherungS- Gesellschaft" ein, tu welcher Stellung er fünfzehn lauge Jahre trotz seiner geistig anstrengenden Nebenbeschäftigung tu nie ermüdender Pflichttreue verblieb. Die Mußestunden seiner Dienstzeit widmete Stolze der Erlernung des damals sehr gebräuchlichen Mosengetl'schen KurzschrtftshstemS. Allein daffelbe konnte ihn nicht sehr befriedigen. Er versuchte sich selbst darin, Schrift- und Lautkürzungen zu finden und studirte zu diesem Zwecke die verschiedensten älteren und neueren Systeme, unter denen namentlich folgende hervorzuhebeu find: Horstig, Leichtlev, Stark, Brede, Dutertre und die „ttronischeu Noten", eine bekannte Kurzschrift der Römer. Da erschien im Anfang der 30er Jahre ein neues Kurzschriftsystem, welches den nächst Stolze am bekanntesten Stenographen Babelsberger zum Berfaffer hatte. Durch da- Aufsehen, da- diese- neue System allgemein erregte, fühlte sich Stolze trotz de- Abrathen- seiner Freunde im Jahre 1835 veranlaßt, die bisher innegehabte Stelle nieder- zulegen, um fich gänzlich dem Privatstudium der Stenographie und dem AuSarbeiten seine- System- zu widmen. Bereit- da- Jahr 1841 brachte auch sein Erstlings- werk, das mit Unterstützung de- köuigl. preußischen Uutericht-. Ministerium- hrrau-gegebeu worden war und den Titel „Theoretisch-practischeS Lehrbuch der deutschen Stenographie" führte. In einer iutereffauteu Einleitung berichtet der Berfaffer über die Ziele und Zwecke, die ihn bei der Abfaffuug diese- WerkeS geleitet haben. Es heißt daselbst: „Die Schrift müffe vielmehr als ein Bild vor unsere Augen treten, in welchem gleichwohl die beide« einander entgegengesetzten Sie« mente, Boeal und Eovsooavt, Au-laut und Anlaut, Endung und Stamm stet- deutlich unterschieden sein müffen." NezugSPretB vierteljährlich 2 Mar! 20 Pf,, monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh«. Bei Postbezug 2 Mark 50 PH. vierteljährlich. Wilhelm Stolze. Ein« biographische Skizze von Ludwig Lessen. (Zum lOvjahrigeu SeburtStage des berühmten Stenographen.) (Nachdruck verboten.) Unser au Srfiadnngen und Entdecknugeu so reiches Jahrhundert geht seinem Ende zu, und die Zahl der bedeutenden Männer, die innerhalb diese- Zeitraums gelebt haben, mehrt fich von Tag zu Tag. Unsere Urgroßeltern würden gewiß die Hände über dem Kopfe zusammeuschlagen, wenn fie Gelegenheit hätte», unsere heutigen Wunderwerke des Dampfes, der Electrieität, des Fernsprechverkehrs, deS Phonographen u. s. w. zu Gesicht zu bekommen. Und sehen wir uuS nun einmal die Kehrseite dieser Medaille an, die Rückwirkung dieser Erfindungen auf unser wirthschaftlicheS und politisches Leben, da- parlamentarische Staat-system, die Freizügigkeit, die ungeheure Entfaltung und Bedeutung der Preffe und der Fachliteratur, so wird uu- die Bedeutung de- MauueS, dessen Leben und Erfindung ich in den folgenden Zeilen ein wenig skizziren will, erst in ihrer ganze« Größe klar werden. Wilhelm Stolze, der Erfinder der modernen, nach ihm benannten Schnellschrift, wurde am 20. Mai 1798 tu Berlin al- der Sohu schlichter Schnhmacher-leute geboren. Zuerst für da- ehrbare Handwerk seines Vaters bestimmt, nahm man jedoch «egen der Schwächlichkeit de- Knaben davon Abstand. Nun schickte man ihn auf da- JoachimS- thal'sche Gymuafium, nach dessen Absolvtrunz der junge Stolze da- Studium der Theologie ergreifen sollte. Aber anch hier machte da- unbarmherzige Schicksal frühzeitig eine« Strich durch die Rechnung. Noch vor Beendigung der Schulzeit starb der Bater und Ernährer und ließ die Familie in bitterster Noth zurück; der neunzehnjährige Wilhelm mußte nun fich und die Mutter durch mühselige- Stuudengebeu ernähren. Nr. 117 Zweites Blatt. Bekanntmachung. Herr Secretair Leithiger vou Alsfeld wird Sonntag den 22. Mai l. I., Nachmittags 3 Uhr, einen Vortrag: „Ueber rationelle Nindviehzucht und die Errichtung eines Zuchtveret«»" in Hungen abhalteu. Zu diesem Vortrage werden alle Viehzüchter und Interessenten freundlichst etugeladen. Die Herren Bürgermeister von Hungen und den benachbarten Gemeinden werden ergebenst ersucht, dies tu ihren Gemeinden zur öffentlichen Kenutuiß bringen zu lassen und auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hin- zuwirkeu. Gießen, den 18. Mat 1898. Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins. C. Jost. Weßener Anzeiger Heneral-Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener M««itte»stätter Werden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigrlegt. Bekanntmachung. Nachdem Stadt- und Landkreis Hanau nunmehr wieder frei vou Maul- uud Klauenseuche find, sollen die für die Stadt Hanau augesetzteu Vieh markte wieder abgehalten werden. Wiederkäuer uud Schweine dürfen nur durch die vom hiesigen Oberbürgermeisteramte veröffentlichten Stadteiugänge (Coutrolstattoneu) dem Marktplatze zugeführt werden. Nach § 3 der laudeSpolizeilicheu Anordnung vom 21. Juni 1897 ist das Ausbringen von Wiederkäuern uud Schweinen auf die Märkte nur daun gestattet, wenn den Marktpolizei- licheu Organen eine vou der zuständigen OrtSbehörde ausgestellte Bescheinigung vorgelegt wird, daß in der Ursprungs- gemeinde seit vier Wochen nicht die Maul- uud Klauenseuche — bei Schweinen: weder die Maul- und Klauenseuche, noch eine der Schweineseucheu — herrscht, und daß die Ursprungs- gemeinde in den letzten vier Wochen nicht zu einem Beobachtung»- gebiet im Sinne des § 59a der BundeSrathsinstruetiou gehört hat. Diese Bescheinigung hat eine fünftägige Gültigkeit, den Ausstellungstag eingerechnet. Ferner dürfen nach der laudeSpolizeilicheu Anordnung vom l7^D-c-^-r I89S aa, verseucht» Rachbsrgebteten (letztere 20. August 1896 Nr. 19 des ReichS-GesetzblattS, ausgegebeu den 14. d. M., enthält: Nr. 2469. Gesetz, betreffend die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche. Vom 11. Mai 1898. Nr. 2470. Bekanntmachung, betreffend die Einrichtung und den Betrieb vou Anlagen zur Herstellung electrischer Aacumulatoreu auS Blei oder Bletverbinduogen. Vom 11. Mai 1898. Gießen, den 18. Mai 1898. Großherzogliches Kreisamt Gießen. __I. B.: Dr. Wallau.__________________ Gießen, den 17. Mai 1898. Betreffend: Die regelmäßigen ErgäozungSwahlen des Gemeinderaths. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des KreiseS. Nach Art. 12 der Land-Gemeiude-Ordnung vom 15. Juni 1874 haben im laufenden Jahre die regelmäßigen Ergänzung-- Wahlen de- Gemeinderaths stattzufiudev. Indem wir Sie wegen Beobachtung der für diese Wahlen bestehenden Bestimmungen im Allgemeinen aus unser ausführliche- Aus« schreiben vom 5. Juni 1883 (Anz. Nr. 181) und auf unser Amtsblatt Nr. 3 vom 8. Juni 1885 Hinweisen, heben wir besonder- hervor, daß auf Grund deS Gesetzes vom 15. Mat 1885 (Reg.-Blatt S. 95) nicht mehr die Zuziehung zur Einkommensteuer, sondern die Heranziehung zur Commuual- steuer Voraussetzung der Stimmfähigkeit ist. Die in der Wahlauleitung Anlage A angegebene Abteilung B der Stimmberechtigten fällt weg, die Stimmberechtigten find vor der Wahl zur Bemerkung der Steuerrestanteu nur dem Ge- metude-Einnehmer mitzuthetlev. Sie wollen die Vorarbeiten zur Wahl alsbald beginnen und dieselben so fördern, daß die Wahlen selbst spätesten» im August vorgeuowmen werden können. Bevor Sie die Wahlen abhalten, wollen Sie jedoch zur Prüfung der Richtig- keit de- bis dahin eingehalteueu Verfahrens die erwachsenen Acten unter Beifügung einer Bestandsliste de- Gemeinderath- an un- etufeodeo, und erwarten wir diese Vorlage bis zum Wie tu früheren Jahren, hat auch im laufenden Jahre wieder eine Ermittelung der laudwirthschaftlicheu Boden- beuutzung und de- Ernteertrags stattzufinden. Unter Bezugnahme auf unser AuSschretben vom 23 Januar 1893 — Anzeiger Nr. 23 — fordern wir Sie auf, mit der Aufstellung der Ueberfichteu alsbald zu beginnen, Zur Durchführung dieser dem Interesse der Laudwirth- schäft dienenden Erhebungen ist eine au- seid- uud sachkundigen Personen bestehende Commission zu bilden und empfiehlt eS sich, möglichst wieder dieselben Personen in die Eowmisfion zu nehmen, welche bereits früher bet Aufnahme des Ernteertrags thättg waren. Das erforderliche Formular wird Ihnen in zwei Exemplaren für jede Gemarkung mit der nächsten Post -ugrheu. Das eine Exemplar dient als Coucepr uud ist bet Ihren Acten zur späteren Benutzung aufzubewahreu, das andere aber nach ordnungsmäßiger Ausfüllung bis spätestens 1. November d. I. an uns etnzuseudeu. __________________I. B.: Dr. Wallau. Bekanntmachung. Die Maul- uud Klauenseuche in der Gemeinde Niederkleen, Kreis Wetzlar, ist erloschen uud find die Sperr- maßregelu wieder aufgehoben worden. Gießen, den 17. Mai 1898. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. B.: Dr. Wall au. werden allmonatlich bekannt gemacht) mit der Eisenbahn in Leu Regierungsbezirk eingesührteu Wiederkäuer uud Schweine, wenn dieselben nicht mittelst Wagen von der Ausladestation in ein öffentliches Schlachthaus überführt werden, nicht eher entladen werden, bevor fie von dem zustäuvigen beamteten Thierarzt untersucht uud für gesund befunden worden find. Die Benachrichtigung des KretSthierarzteS von der bevorstehenden Ankunft einer Biehfeuduug liegt dem Empfänger derselben ob und hat mindestens 12 Stunden vor Ankunft der Dtehsendung telegraphisch oder schriftlich zu erfolgen, andernfalls kann der Empfänger keinen Anspruch auf ^te Untersuchung deS Viehes alsbald nach deffen Ankunft machen. Der Transport von Schweinen und Kälbern darf nicht durch Treiben geschehen, sondern die Thiere müffen gefahren oder getragen werden. Schließlich verweise ich noch auf die Polizeiverordnuug vom 3. December 1896 _ . .. , 27?August 1897 7 b e ^steuführuug über den Au- uud Verkauf von Rindvieh, Schafen, Schweinen, Pferden durch Viehhändler. Hanau, am 10. Mai 1898. Königliche Polizetdirection. v. Schenck. A«S de« Verhandlungen der Zweite» KsMMer btt bdfiicfira ffitÄubt« nn. Darmstadt, 18. Mai 1898. Die Sitzung wird um 9 Uhr eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung erinnert Präsident Haas daran, haß heute vor fünfzig Jahren das deutsche Parlament in Frankfurt a. M. eröffnet worden sei. Jeder Deutsche müffe mit Bewunderung auf die Männer blicken, die damals für die Rechte des Volkes so mannhaft eiugetreten seien. Eine Ehrenpflicht sei eß, heute dieser Männer zu gedenken, durch deren muthigeS Verhalten dem deutschen Volke Freiheit uud Recht zu Theil geworden sei. Der lang ersehnte Wunsch nach Errichtung eines deutschen Reiches sei in Erfüllung gegangen, aber auch hier gelte als erster Grundsatz: „Der Wille des Volkes ist das oberste Gesetz". Zu den Rückäußerungen der Ersten Kammer zum Fiuauz- budget übergehend, wird bet Capitel 112, Local-Forst- Verwaltung, der von der Ersten Kammer gestern genehmigte vierte Vortragende Rath in der Forstabtheiluug trotz LrS Widerspruches der Großh. Regierung gegen 8 Stimmen nach dem AuSschußautrag gestrichen. Bet einer Reihe weiterer Dissense beschließt die Kammer, auf den frühren Beschlüssen zu beharren. Zu Lapitel 115, Kosten deS Katasters, beantragt die Regierung die Einführung des Instituts der BezirkSgeometer. Der Ausschuß beantragt, die hierfür angeforderteu 69870 Mk. abzulehnen, für die Revision der AuSsteinung der trigonometrisch bestimmten Punkte und für Prüfung der Meßbriefe jährlich 12000 Mk. zu bewilligen. Ferner wird beantragt, an die Regierung das Ersuchen zu richten, eine neue durchgreifende Regelung des gefammten GeometerweseuS vorzunehmen. Nach eingehender Debatte wird die Frage der Einführung der Be- ztrksgeometer im Interesse der Fertigstellung des Budgets von der Tagesordnung abgesetzt uud für trigonometrische Arbeiten uud AuSsteinung 12000 Mk. bewilligt. Bei der nun folgenden Berathung deS Finanzgesetzes erklärt Ftuanzmtuister Weber, daß die für das Beamtengesetz noch erforderlichen 200000 bis 300000 Mk. bereits flüssig gemacht feien. Aus dem Ertrag der Eisenbahnen sei hn vorigen Jahre eine Mehreiunahme von 650000 Mk., al- budgetmäßig eingestellt, zu verzeichnen. DaS Finanz- gesetz wird hierauf genehmigt. — Abg. Mölltuger gibt noch Aufklärung über den Stand der Steuerreform, die im besten Fluß sei, die aber vor 1900 nicht in Wirksamkeit treten werde. Eine Anfrage des Abg. Cramer, das Abfahren der Baugrundes am Museumsneubau durch Frankfurter Fuhrleute betreffend, wird von Geh. StaatSrath Knorr in be- Steuographie weiter einzugehen, gestattet mir der zur Verfügung stehende Raum nicht, da ich bereits mehr als mir zu Gebote steht, tu Anspruch genommen habe. Nun noch einige Worte über die Ausbreitung des Stolze'scheu Systems- er findet seine Anwendung in folgenden Ländern: Deutschland, Niederlande, Schweden, England, Rußland, Serbien und Ungarn. — Durch die rege Privatthätigkeit von Anhängern des Stolze'scheu Systems, ist dasselbe zu seiner ungeheuren Verbreitung gekommen. Abgesehen von einzelnen militärischen Anstalten und den höheren Schulen Badens und Württembergs, wo das Stolze'fche System obligatorisch ist, ist an fast allen höheren Lehranstalten Deutschlands und Oesterreichs der facultative Unterricht für dasselbe eingerichtet worden. Die Zahl der Anhänger deS Stolze'scheu System« nimmt jährlich fast um 19000 Personen zu, während in 650 Steuo- grapheu-Vereinen sich über 200 000 Mitglieder befinden. Bon den Zeitschriften, welche sich mit der Stenographie beschäftigen, dürften das „Archiv für Stenographie" und das „Magazin für Stenographie" die bekanntesten fein. — Aus allem diesem ist es wohl zur Genüge ersichtlich, eine wie ungeheure Bedeutung der einfache Schuhmachersohu Wilhelm Stolze durch sein Kurzschriftsystem nicht nur auf fein engeres Vaterland Deutschland, sondern auf die ganze civilifirte Welt auSgeübt hat. Wir dürfen mit Recht darauf stolz fein, daß unter der Zahl der großen Geister, die Deutschland bisher als Marksteine der Culturgeschichte gezeitigt hat, auch Wilhelm Stolze gehört, dessen hundertjähriger Geburtstag nicht nur von seinen Freunden und Anhängern sondern von jedem gebildeten Menschen am 20. Mai dieses Jahres festlich begangen werden wird! Deshalb Ehre seinem Andenken! fttedigender Weise beantwortet. Die Frankfurter Fuhrwerke seien nur vorübergehend verwendet worden. Die Vorstellung von auf Widerruf augetzellten Beamten, die definitive Anstellung derselben betreffend, soll vorerst auf sich beruhen, da der Ausschuß eine Reform in mehrfacher Hinsicht für erforderlich hält uud auch die Großh. Regierung die Regelung der Verhältnisse der tu Rede stehenden Beamten in Erwägung gezogen hat. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nach einer kurzen Pause erfolgt die nochmalige Berathung der Rückäußeruugen aus der Ersten Kammer, die theilweise Annahme fanden. Damit ist da- Budget eudgilttg fertiggestellt uud vertagt sich da- Hau- bi- zum nächsten Mittwoch, Vormittags 10 Uhr, um sodann an die Berathung des Beamteubesoldungsgesetze- heranzutreten. Der Au-schußbericht hierzu gelaugt heute zur Vertheiluug. Die Erste Kammer war um */,l Uhr zu einer kurzen Tagung zusammeugetreten und nahm die von der Zweiten Sammer bezüglich deS Budgets gefaßten Beschlüsse mit einigen Ausnahmen an.______________________________________ Deutsches Reich. Berlin, 18. Mai. Der Kaiser uud dir Kaiserin trafen heute früh 8 Uhr 15 Mtu. aus Straßburg hier ein. — Au- Anlaß des Geburtstages des Kaisers von Rußland fand um 12 Uhr Mittag- im Lustgarten eine Besichtigung de- Kaiser Alexander-Garde Grenadier-Regiments Nr. 1 statt. Der Kaiser hielt dabei eine kurze Ansprache au da- Regiment uud schloß mit einem dreifachen Hurrah auf den Zaren. Dem feierlichen Acte wohnte en der Seite deS Kaiser- der russische Botschafter mit seinem Personal bet. Au die Parade schloß sich Mittag- beim Kaiserpaare eine Frühstückstafel. AbeudS findet im Schauspielhaufe Fest- Vorstellung statt. Berlin, 18. Mai. Der Kaiser hat heute Vormittag 11 Uhr im Weißen Saale deS königlichen Schlosses die beiden Häuser des Landtages mit einer Thronrede geschlossen, in welcher es unter Andern heißt, daß er, der Kaiser, mit Befriedigung auf das während der fünfjährigen Legislaturperiode in gemeinsamer Thatigkeit Erreichte zurückblicke. Nachdem die Thronrede einen Rückblick auf die vom Landtag erledigten Vorlagen gegeben, betont fie, daß die schwierige Lage der Laudwtrthschaft nach wie vor die volle Aufmerksamkeit der Regierung genommen habe. Dieselbe sei fortgesetzt auf Hebung uud Förderung dieses für unsere heimischen Verhältnisse hochwichtigen Gewerbes bedacht. Von der Einführung des gesetzlichen Auerbenrechtes in Westfalen und einigen rheinischen Kreisen verspreche sich der Kaiser eine günstige Wirkung für die Erhaltung deS für unsere soziale uud wtrthschaftliche Entwickelung so wichtigen bäuerlichen Grundbesitzes. Die Thronrede besagt ferner, daß zahlreiche Reformen in der abgelaufenen Legislaturperiode zur Erledigung gelangt sind und so lang empfundene Bedürfnisse Befriedigung finden konnten. Sie beleuchtet dann, daß die bereitwillige Mitarbeit der Landesvertreter da- landesväterliche Bestreben des Kaisers, die Wohlfahrt feines Volkes zu fördern und za heben, erleichtert und wirksam unterstützt habe und schließt mit der Zuversicht, daß eS auch in Zukunft gelingen werde, das Erreichte fest zu halten, und den neuen Aufgaben zum Gegen des Vaterlandes gerecht zu werden. Berlin, 18. Mai. Der Kaiser besichtigte heute Mittag das Kaiser Alexander Garde-Greuadier-Regirnent Nr. 1 im Lustgarten. Nach einer kurzen Ansprache an daS Regiment, tu welcher der Kaiser auf den Geburtstag deS Regi- mentSchefs hinwieS, gab er dem Oberst von Moltke den Befehl, präfeutiren zu lassen. Sobald dies geschah rief der Kaiser alsdann: Seine Majestät der Kaiser von Rußland Hurrah, hurrah, hurrah, was von allen Anwesenden kräftig aufgenomwen wurde. Die Musik intonirte die russische Nationalhymne. Au die Parade schloß sich Mittags beim Kaiser die Frühstückstafel. Berlin, 18. Mat. Der commaudirende Admiral hat dem KaiserNikolauS II. von Rußland zu seinem heutigen Geburtstage die Glückwünsche der Kaiserlichen Marine, da Letzterer ä la suite unserer Flotte geführt wird, übermittelt. Berlin, 18. Mai. Der Staatssekretär de« Auswärtigen Amtes, Staatrminifter d. Bülow, überbrachte zum heutigen Geburtstage des Kaisers von Rußland persönlich dem russischen Botschafter seine Glückwünsche. Hamburg, 19. Mai. Entgegen vielfach verbreiteten Nachrichten verlautet au- zuverlässiger Quelle, daß der Zustand deS Fürsten Bismarck unverändert uud eine neue Erkrankung nicht eiugetreten ist. Die Anwesenheit des Professors Schweniuger ist durch den allwöchentlichen Besuch beim Fürsten berbeigeführt.__________________________________________________ Ar-SUn-d. Mailand, 19. Mat. Der eigens vom „Daily Chronicle" nach Mailand gesandte Correspovdent wurde gestern auf Befehl deS Ober-Commandireuden ausgewtesen uud zur Grenze geführt, weil er tu seinem Blatte angeblich unwahre und übertriebene Berichte über die hiesigen Vorgänge veröffentlicht hatte. Loudon, 18. Mai. Commodore Watson erhielt den Befehl, alle Befestigungen an der cubautschen Küste zu vernichten, jedoch ohne seine Batterien den feindlichen Geschossen allzu sehr au-zusetzeu. Damit soll bezweckt werden, den Admiral Cervera zu zwingen, nach den cubautschen Gewässern zu kommen. Petersburg, 10. Mai. In welcher Art sich die Völkerwanderung nach der Mandschurei, dem völlig inner- halb drS russischen EinflaßgebieteS liegenden Theile von China, anbahnt, ersehen wir au- Berichten russischer Blätter. ES ist noch nicht der Bauer, der auS dem europäischen oder asiatischen Rußland seinen Wohnsitz in daS himmlische Reich verlegt, sondern der Kaufmann. Gut ausgerüstete Unter- nehmuugSzüge mit Herden uud Maaren dringen langsam in das wenig bekannte Land ein, setzen sich au günstigen Punkte« fest und beginnen ihre friedliche Thätigkeit. Meist find eS die Punkte, die später durch die Bahn mit Rußland und mit dem Meere verbunden sein werden. Sobald die russischen Ingenieure, Arbeiter und die sogenannte Eisenbahuschutztruppe (beurlaubte Offiziere uud Soldaten) daun bei ihrer Arbeit mandschurische Ortschaften erreichen, finden fie bereits die rvsstschen Kaufleute vor, die, mit Land und Leuten bekannt geworden, ihnen sehr nützlich sein können und für die Bedürfnisse sorgen. Das Alles spielt sich im kleinen Maßftabe ab, es bahnt aber die Festsetzung der Russen in der Mandschurei besser au, al- Vorstöße von Kosaken. Trotz manchen in der letzten Zeit nach Oftasien gesandten Verstärkungen ist die Zahl der russischen Truppen dort heute noch recht unbedeutend. Unzweifelhaft aber ist eS, daß im Laufe der Zeit Oftasien eine sehr starke russische Besatzung erhalten wird. Gibraltar, 18.Mai. Die Torpedoboote „Marietta", „Aleau" und „Azor", welche sich mit den Kreuzern „Oquendo", „ViScaha", „Cristobel Colon" und „Jnfauta Maria Theresia" zu St. Vincent vereinigt haben, find, von drei Torpedozerstörern begleitet, nach den Canarischen Inseln ab- gedampft. Gießen, 20. Mai 1898. ** Militärisches. Mit Genehmigung des Kaisers soll im Jahre 1898 durch practische Versuche bei einigen Armee- corp« festgestellt werden, ob eS angängig ist, im Frieden die Rekruten zu ihren Truppevtheilen nnmittelbar zu beordern, ohne fie vorher bei den BezirkscommandoS zu sammeln. Die Ausführung des Versuchs erstreckt sich nur auf diejenigen Rekruten, die im CorpSbezirk ausgehoben werden und für Truppentheile des eigenen Corpsbezirks zu stellen sind, uud zwar, soweit die örtlichen Verhältnisse einen derarttgen Versuch ausführbar erscheinen lassen. Einzelheiten über die Ausführung des Versuchs sollen durch unmittelbares Benehmen der betheiligten Ctvil-, Militär- uud Militäreisenbahn-Be- hörden, namentlich soweit Garnisonorte nicht in Frage kommen, erledigt werden. Gesuchen in Bezug auf Gestellung von Polizeibeamten behufs Aufrechterhaltung der Rahe und Ordnung auf deu Bahnhöfen ist nach Möglichkeit zu entsprechen. — Neue Waffenröcke. Auch für die Infanterie- und Sanitätsoffiziere werden jetzt blaue Waffeuröcke von bedeutend hellerem Farbeuton, als bisher, eingeführt. Die Proben sind bereits vom preußischen Krieg-Ministerium auS- gegeben worden. Obgleich das Aufträgen der ölten Waffenröcke noch bis zum 1. April 1899 gestattet ist, werden die Uniformen in der neuen Tuchfarbe doch schon vielfach getragen. ** Uebersüllnng im Postdienst. Die Direetiou der bayerischen Posten und Telegraphen sieht sich wegen Ueberfüllung der bayerischen Postlaufbahu benöthigt, bis zum Jahre 1901 die Annahme von Anwärtern zu sistiren. In Frankreich ist in-besondere der Andrang der Frauen zum Postdienst außerordentlich. Zu den im Monat März stattgehabten Aufnahmeprüfungen haben sich 8000 Bewerberinnen gemeldet, während nur 200 Stellen zu besetzen waren. Mainz, 17. Mainz. DaS gestrige Concert deS Züricher Gesangvereins „Harmonie" in der Stadthalle war von ca. 3000 Personen besucht. Die Leistungen der Sänger fanden ungetheilten Beifall- der Verein verfügt über ein ausgezeichnete« Stimmmaterial. Heute Morgen nuteruahm der Verein auf einem festlich geschmückten Dampfer eine Rheinfahrt nach Bingen und Rüde-Heim. Heute Abend ist großer Commers in der Stadthalle- morgen früh begeben sich die Sänger nach Frankfurt. vermischte». • Warschau, 17. Mai. Gestern Nacht fand man auf der an der Weichselbahn gelegenen Station Malkin den Bahn- cassirer, dessen Ehefrau und zwei Töchter ermordet vor, während der Sohn schwer verwundet dalag. Die StationS- caffe, in welcher nur ein kleiner Betrag enthalten gewesen sein kann, ist geraubt. Von deu Thätern fehlt jede Spur. * Wir glauben, unseren Hausfrauen einen Dienst zu erweisen, wenn wir fie auf die gebrannten Java-Kaffees der Dampf-Kaffeebrenuerei von M. Schuster in Bonn ganz besonders aufmerksam machen. Die Erzeugnisse derselben erfreuen sich seit Jahren allgemeiner Beliebtheit in allen Gauen Deutschlands und zeichnen sich die Sorten durch gleichmäßige vor- zügliche Qualität vor allen anderen Sorten vortheilhaft aus. Die Kaffeebrenuerei ist mit den ersten technischen Erfindungen der Neuzeit ausgerüstet und leistet, gestützt auf eine circa 50jährige practische Erfahrung, die größte Garantie für ein in jeder Hinsicht tadellsftS Röstprodnct, dessen kostbare Eigenschaften so hervorragend find, daß für Denjenigen, der nur einmal die Kaffees von M. Schuster versuchte, eS keiner weiteren Anpreisung bedarf. So erklärt sich auch, daß die Kaffees auf allen bi« jetzt beschickten Ausstellungen mit den höchsten Auszeichnungen prämilrt wurden, zuletzt auf der „Allgemeinen deutschen Kochkunst-Au-stellung in Hannover" mit der einzig höchsten Auszeichnung der Branche, der silbernen Medaille. Der Marktlage entsprechend, sind die Preise sämmtlicher Sorten herabgesetzt. Schon zu 60, 70 und 75 Pfg. LaS Vs Pfd. gibt die bekannte Verkaufsstelle von I. Wallach, Marktplatz 8 in Gießen, gute HauShaltungS-Kaffee- ab, während die besseren Preislagen, von 80—95 Pfg. da- i/g Pfd., den höchsten Ansprüchen an Kraft und Aroma gerecht werden. Wir verweisen auf daS heutige Inserat der Firma M. Schuster, Bonn.____________ Rohseid. Bastkleider Mk. 13.80 X tu“ compl. Robe. — Tussors und Shantang-Pongeea — sowie schwarze, weiße und farbige Herrrreberg-Seide von 75 Pfg. 6td Mk. 18.65 per Meter — in den modernsten Geweben, Farben und DesstnS. An Private porto- und steuerfrei ins Haus. Muster umgehend. 229 6. 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