Nr. 92 Erstes Blatt. Donnerstag den 21. April 1SOS frf4rln< tLgNL mit Ausnahme de» Montag». Die Gießener AamislenßlLtier aMtbtn dem Anzeiger »üchentlich viermal beigelegt. Ketzener Anzeiger lLt\n%MX«U Vierteljährlich 2 Mark 90 W| monatlich 76 Psß. mit vringerloh». Bei Postbezug 2 Mark 60 Pf«, oierteljthrlich. ««nähme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den jagenden Lag erscheinenden Nummer bi» Boern. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle Anzeigen.PrrmittlungSstellen de» In- und HuMoaM nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeigrr rntgi^a Amts» «nd Anzeigsblatt für den Kreis Giefzen Gratisbeilage: Gießener Familienbintler Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße». Fernsprecher Nr. 61. Rtbeetüm, Expedition und Druckerei: Kchntjireße »r. 7. Kehraus im preußischen Abgeordnetenhause. Zur letzten TaguugSperiode ist die zweite preußische 'Sammer am Dienstag wieder zusammengetreten und wird nun tabula rasa machen mit den noch unerledigten Gesetz« entwürfen. An solchen find noch vorhanden da» Lomptabili- titSgefetz, die lex Aron», die Vorlage wegen de» Dienftetn- kommen» der Geistlichen und einige kleinen Gesetzentwürfe. In der ersten Sitzung nach den Osterferien stand eine Interpellation auf der Tagesordnung von weittragendster Bedeutung, nämlich die Interpellation wegen Besteuerung der Waarenhäuser. Außerdem sollte noch verhandelt werden über eine Anfrage, betreffend Beseitigung de» Mangel» au Dienstboten und londwirthschastlichen Arbeitern im Osten Preußens. Wa» die erste Interpellation betrifft, so betrifft fie eine in hohem Grade wichtige Zeitfrage. Besonder» tn letzter Zett werden in der Reichkhauptstadt und an anderen größeren Orten Deutschland» Anstrengungen gemacht, um dem Bazarunwesen ein Ende zu machen oder doch wenigsten» die Gefahren, welche dem Kleinhandel drohen, hintanzuhalten. Daß die Bazare au» der Welt geschafft werden können, wird natürlich nicht angehen, und Diejenigen, welche glauben, e» könnten mittel» Gesetze» die großen Bazare, welche tn Berlin und anderen Centren Deutschland» gegründet find, beseitigt werden, befinden fich im Jrrthum. Nur da» kann erreicht werden, daß diese Waarenhäuser mehr al» bt»her und auch getechter, al» es bi» jetzt geschah, zu den Staat»- und Lommnnallasten herangezogen werden. Im Uebrigen mag bei dieser Gelegenheit betont werden, daß tn den meisten der großen Bazare, die einen Weltruf haben und keiaeSweg» al« „Ramschbazare" bezeichnet werden können, nicht billiger verkauft wird, als in anderen, vielleicht kleineren Gprcialge- schäften. Der Retz, welcher da» Publikum anztehi, liegt tn der Eleganz, mtt welcher derartige Waarenhäuser auSgestattet find, tn der Bequemlichkeit, welche sie dem Käufer tn jeder Hinsicht bieten. E» darf aber al» ein Gebot der Gerechtig- kett betrachtet werden, daß große Unternehmungen, tn»be- soudere wenn fie den gewerblichen Mittelstand zu verdrängen geeignet find, tn außergewöhnlicher Weise besteuert werden. Man hat im Reiche und in den Etnzelstaaten schon mehrfach den versuch gemacht, Mittel zu schaffen, um den Auswüchsen de» BazarunwesenS ein Ende zu machen. Aber dte Materie ist so schwierig, daß bisher noch fast gar nicht» erzielt worden ist, und auch der Verlauf der jetzigen Abgeordnetenhaus- Verhandlung läßt erkennen, daß radikale Hilfe für unseren Mittelstand nicht geschaffen werden wird. Was nun dte Übrigen BerathungSgegenstände betrifft, welche da» Abgeordnetenhaus noch zu erledigen haben wird, so dürften dieselben auf allzu große Schwierigkeiten nicht stoßen. Da» ComptabilitätSgesetz ist so gut wie genehmigt, und auch dte lex Aron wird tn der Fassung der Commtsfiou angenommen werden. ES bleibt daun von den größeren Vorlagen nur noch der Gesetzentwurf, welcher da» Dtenstrinkommen der Getst- ltchen regelt, übrig. Wenn auch manche Schwierigkeiten der Erledigung de» Gesetze» entgegenstehen, so darf man aber doch aunehmen, daß tm Interesse der «etheiltgten dte vor- läge zur Annahme gelangt. Bi» zum Himmelfahrt»feste glaubt der preußische Landtag seine Arbeiten beendet zu haben, also noch etwa drei bi» vier Wochen werden dte jetzigen Vertreter amtiren, dann ist dte fünfjährige Legislaturperiode abgelaufen, und die vor- bereitungen für die Neuwahlen können mit erhöhtem Eifer betrieben werden. (xx) Deutsches Sei*» Darmstadt. 19. April. Der Kaiser setzte um 3 Uhr seine Reise nach Hornburg fort. Der Großherzog gab ihm daS Geleite zum Bahnhofe. Darmstadt, 14. April. Da» Gesetz über die Einrichtung eine» Staat»schnldenbuche» für da» Großherzog- rhum Hessen ist nunmehr im Regierungsblatt Nr. 13 veröffentlicht. ES kann jedoch erst in Kraft treten, wenn die hierfür erforderlichen Vorbereitungen (Herstellung der feuersicheren Räume, Kaffenschränke :c.) beendigt find. Gemäß Art. 24 de» Gesetzes wird daher da» Ministerium der Finanzen demnächst den Zeitpunkt de» Inkrafttreten» bestimmen und hierüber besondere Bekanntmachung erlaffen. Berlin, 19. April. Professor Dr. Robert Koch hat am 8. April dte Heimreise von Dar-eS-Salam angetreten. Ende de» Monat» wird er tn Europa eintreffen und vielleicht noch einige Zeit in Italien verbleiben. Im Ganzen hat er 17 Monate hindurch wissenschaftliche Arbeiten in Südafrika, Indien und Ostafrtka an»qeführt. Berlin, 19. April. Bei dem Vtcepräfldenten deS Staat»- Ministerium» Dr. v. Miquel findet am Mittwoch den 27. April, Abend» 9 Uhr, eine parlamentarif che Ge- sellschaft statt, zu welcher der Reichskanzler, dte Mtntster, Mitglieder de» BundeSrath» und zahlreiche Parlamentarier ans dem Reich»tag und au» beiden Häusern de» Landtage» Einladungen erhalten haben. Berlin, 19 April. Die Meldungen verschiedener Blätter von einer demnächst fiattfindenden Indienststellung de» Kreuzer» erster Klasse „König Wilhelm" erweisen fich, der „Poft" zufolge, al» Erfindungen. Da» alte Schiff wird weder in nächster Zett zum Dienst tn der Schlachtflotte, noch zu jenem für dte außerhetmischen Gewäffer herangezogen werden. Dagegen ist zum Herbst ein Austausch de» Flaggschiffe» de» Kreuzergeschwaders tn AuSficht genommen, indem der Panzerkreuzer „Kaiser" hetmbeordert und durch ein andere» Fahrzeug ersetzt werden soll. Köl», 19. April. Amtlich wird bekannt gemacht: Gestern Nachmittag 5 Uhr ist der Güterzug 929 nach der Au»sahrt aus dem Bahnhofe Ehrenbreitstein infolge von Arbeiten zur GletS-AuSbefierung, bet der dte vorgeschrtebene« Sicherheit»- maßnahmen nicht beachtet worden sind, entgleist. Ein Bremser wurde verletzt. Beide Geleise waren gesperrt. Der Materialschaden ist erheblich. Ein Geleise ist heute Mittag wieder frei geworden. Die Untersuchung ist etngeleitet worden. München, 19. April. Prinz und Prinzessin Leo- pold, dte morgen ihre silberne Hochzeit festlich begehen, empfingen gestern und heute zahlreiche Abordnungen, darunter auch eine de» 7. westfälischen Dragoner-Regiment». Am Nachmittag kurz vor 5 Uhr trafen dte Erzherzoge Franz Salvator und Joseph August mit ihren Gemahlinnen hier rin. Kaiser Franz Joseph wird morgen früh erwartet. Dresden, 19. April. Der König empfing heute eine Deputation, aus 22 Mitgliedern, zumeist Bürgermeistern, bestehend, de» fächfischen Gemeindetages,, unter Führung de« Oberbürgermetster» Beutler (Dresden), dte dem König eine Urkunde über 516 einzelne Stiftungen mit einem Gesammt- capiial von 4,790,000 Mk. zu wohlthätigen Zwecken verschiedenster Art Überreichte. Drerden, 19. April. Eine Abordnung der national- liberalen Partei Sachsen» sprach dem König Albert heute die Glückwünsche zum RegterungSjubtläum und zum Geburtstage au» und überreichte eine Votivtafel. Der König betonte die Nothwendigkeit des Zusammengehen» der staaierhaltenden Parteien bet den RetchStagSwahlen. Reuukiechen, 18. April. Eine gestern hierher ein- berufene Wählerversammlung stellte Fretherrn v. Stumm al» Reich»tag»candidaten wieder auf und dieser nahm dte Wahl seiner neulichen Zusage gemäß an, indem er gleichzeitig sein tm Allgemeinen bekannte» Programm entwickelte, al» deffen 2. Punkt er den Schutz der nationalen Production „mit besonderer Berückfichttgung der Landwirtschaft" bezeichnete. Anslaud. Bien, 19. April. Dte internationale Juki- läumS-Kunstausstellung ist heute Vormittag durch den Kaiser tn Anwesenheit der Erzherzoge, der Mtntster und deS dtplomattschen Eorp» eröffnet worden. In seiner Antwort auf die Ansprache deS^ObmannS, Profeffor Felix, sprach der Kaiser seine Befriedigung darüber au», daß auf der Ausstellung auch ausländische Künstler vertreten find, dankte Herz- lichst für diese patriotische Veranstaltung anläßlich seine» RegiernngSjubiläum« und versicherte, daß seine wärmste Theilnahme und seine bereitwilligste Förderung auch für alle Zukunft den Jntereffen der Kunst und der Lünstlerschaft zugewendet bleiben. Karlsbad, 19. April. Das Dach des rechten Flügels sowie der Rückseite und der Thurm de» KaiserbadeS sind abgebrannt. Die EntstehnogSursache des Brandes ist unbekannt. Karlsbad, 19. April. Einem Bericht des Stadtrathe» zufolge hat durch da» Feuer tm Kaiser bad der Betrieb der Anstalt nicht gelitten. Dieselbe wird mit Bestimmtheit wie gewöhnlich am 1. Mai eröffnet werden. Für die Mineralbäder ist in den übrigen drei großen Badeanstalten für alle Eventualitäten genügend Vorsorge getroffen. Die Mineralbäder im Kaiserbad dürften mit dem 1. Jaul w eder in Betrieb gesetzt werden. Ctcales ui* prwhijWb». •k|te, den 20. April. • • Kirchliche Dteeftnachrichtee. Ernannt wurden: Pfarrafftstent Landmann zu Düdel»hetm zum Pfarrverwalter in Hahnheim, Decanat Oppenheim- PfarramtScandidat Dannenderger zu Dieburg zum Pfarraffistenteu in Düdelsheim, Decanat Büdingen- Pfarrverwalter Prätoriu» zu Ober Ofleiden zum Pfarrverwalter in Blofeld, Decanat Nidda- Pfarrvicar Haustein zu Horrweiler, Decanat Mainz, zum Pfarrverwalter daselbst- Pfarrverwalter Pfannmüller zu Rödgen zum Verwalter der zweiten Pfarrstelle zu Wimpfen, Decanat Zwingenberg- Pfarrverwalter Landmann zu Bingenheim zum Pfarrverwalter in Stumpertenrod, Decanat Al»feld; Pfarrverwalter Brück zu Fürfeld zum Pfar,Verwalter in Groß-Eichen, Decanat Grünberg. • • KatechilmuSlehre. Da» Großh. Ober-Eonststorium hat an dte evangelischen Decanate und Pfarrämter folgende» Au»schreiben gerichtet: „Die Verlegung der Eonfirmattou von Pfingsten weg auf einen Sonntag nach Ostern, welche nunmehr in einer größeren Anzahl von Gemeinden stattfinden soll, veranlaßt un» wegen der KatechiSmu»lehre allgemeine Bestimmungen zu treffen. Letztere hat bi»her in den meisten Orten nach Pfingsten als dem üblichen Eonfir- mationStermin ihren Ansang genommen und mit Michaeli aufgehört. Wo dieser Termin festgehalten wird, liegt kein Grund zu einer Aenderung deS Herkömmlichen vor- Wohl aber fragt c» sich, wie eß gehalten werden soll, wenn dte Eonfirmation bald nach Ostern vollzogen wird'? Au» religiös- kirchlichen und pädagogischen Gründen erscheint e» nicht als rathsam, eine längere Unterbrechung der für dte confirmtrte Jugend so nothwendigen Unterweisung etntreten zu lasse», und bestimmen wir daher, daß die KatechtSmuSlehre am Sonntag nach der Confirmation beginnen und ebensalls bis Michaeli sortdauern soll, da eß nicht nöthig ist, mtt dem Endtermin zu wechseln. Sollte seither schon hier und da eine von der allgemeinen Regel abweichende Uebung hinficht, lich der KatechtSmuSlehre zur Geltung gekommen sein, so wäre wegen etwaiger Beibehaltung unsere Genehmig«»» durch daS Decanat etnzuholen." • • Postalisches. Die Laudbriefträger führen auf ihren Bestellgäugen Bücher mit fich, in welche fie die ihnen unterwegs vorn Publikum zur Postauflieferung übergebenen Sendungen mit Werthangabe, Einschretbsendungen, Postanweisungen, gewöhnlichen Packete und Nachnahmesendungen einzutragen haben. In diesem Buche mttfien die Landbrtef- träger auch die Geldbeträge vermerken, welche ihnen zur 8e- schaffung von Postwerthzeichen rc. und zur Bestellung von Zeitungen vom Publikum eingehäudigt werden. Dem Letzteren steht eS frei, felbst die Eintragungen tn dem Annahmebuch de» LandbrtefträgerS zu machen. Bei der Eintragung durch den Landbriefträger muß dem betheiligten Publikum auf ©erlangen durch Vorlegung des Buches die Ueberzeugung von der stattgehabten richtigen Eintragung gewährt werden. Da diese Einrichtung und daS dem Publikum damit gebotene Mittel zur eigenen Sicherstellung immer noch nicht genügend bekannt zu fein scheint, so wird besonders darauf aufmerksam gemacht. • * viehauSßellung. Am Samstag fand hier unter dem Vorsitz des Landraths v. Heim bürg-Biedenkopf eine vor- ftandSsitzung deS Verbände» der Herdbuchgesellschaften für baß Vogelsberger Rind statt. E» wurde beschloffen, die erste Verband»-Ausstellung — nur Vogelsberger — am 9., 10. und 11. Juli in Gießen abzuhalten. • • Kriegerkameradfchaft Haffia. Herr Oberst z. D. EaSpary gibt dem Präsidium, den Bezirken und den vereinen der Kriegerkameradschaft „Hasfia" Folgende« bekannt: „Hierdurch beehre ich mich, bekannt zu geben, daß Seine Königliche Hoheit der Großherzog die Gnade gehabt hat, meinem auf Gesundheitsrücksichten begründeten Gesuch um Enthebung von der Stelle eine» ersten Präsidenten der „Hasfia" huldvollst zu entsprechen. Ich verabschiede mich daher hiermit vom Präfidium, den Bezirken und vereinen mit dem aufrichtigen Wunsche ferneren Blühens und Gedeihens de« Kameradenverbandes." — Die Geschäfte find vorläufig auf den 2. Präsidenten, Herrn Major Beck in Darmstadt, übergegangen. Im Anschluß hieran dankt daS Präfidium der „Hasfia" Herrn Oberst Easpary durch einen Erlaß an die Kriegervereine für die mannigfachen ersprieß» lichen Dienste, die er dem Verbände und der Förderung bet BereinSbestrebungen geleistet hat, oft, waS besonders hervorgehoben werden muß, unter Beiseitese'tzuvg aller Rücksichten auf seinen schon längere Zeit leidenden Zustand. •• Jubiläum der Wslbeuser Im Großherzogthum Hessen werden Vorbereitungen getroffen, damit da» nächste- Jahr stattfiudende JubUäum der hier vor 200 Jahren er« folgten Ansiedelung der Waldenser würdig gefeiert werde. Ueberall hatte man die Waldenser verfolgt und ver- trieben, bi- ihnen 1699 Landgraf Ernst Ludwig auf Für« spräche de- wackeren holländischen Gesandten Valkenier im Odevwalde Land zur Anfiedeluog überwte-. ES waren die „herrschaftlichen Höfe" Rohrbach, Wembach und Hahn. Ja einer Eingabe vom 26. Tcptember 1699 hatten die Waldenser dem Landgrafen für seine Menschenfreundlichkeit inaigst gedankt und dabei gesagt: „Wir find Fürsten treu gewesen, die unS verfolgten/ wir werden umsomehr treu fein einem Fürsten, der un- beschützt." Diese Treue haben die Waldenser auch den Nachfolgern de- Landgrafen Ernst Ludwig bewahrt. •• Schulstellen. Man schreibt dem „Mainzer Anz.": Mit Beginn de- neuen Schuljahre- werden im Grobherzog- Shum Hessen vier katholische Tchulstelleo errichtet, ohne daß einheimische Lehrkräfte in genügender Zahl vor« Händen find. Da jedoch an katholischen Lehrerinnen in Hessen seit Jahren ein großer Ueberfluß ist, sollen die oacauten Verwalterstellen vorläufig mit SchulamtSaspirautinnen be« setzt werden. Darmstadt. 19. April. In der Nachmittag- hier ab« gehaltenen ordentlichen Generalversammlung deS mittel« rheinischen Zweigverbandes deutscher Müller theilte der Vorsitzende mit, daß der Verband gegenwärtig 256 Mitglieder zähle und ein Vermögen von etwa 4030 Mk. besitze. Nach Dechargirung de- Vorstände- und deS Rechnuog-sührer- hielt der vorfitzende des Hauptverbande-, van der Wyngaert au- Berliu, einen Vortrag über die augenblickliche Lage der Müllerei. Infolge des immer mehr um sich greifenden capitalistifcheu Betriebe- seien namentlich die kleinen Müller sehr gedrückt. Weder von einer Drtartfirung de- Mehle» auf den Eisenbahnen, noch von einer solchen der Futterstoffe sei eine Abhilfe zu erwarten. Bessere Zustände könnten herbei« geführt werden, wenn sich die deutschen Müller einmal einigen wollten, liebet Berkauf-mrthode, Zahlungsfristen, Eredite und Preise müsse ein Uebereinkommen erzielt werden. Tin radikales Mittel zur Besserung würde ein Verbot deS Verkaufs von Nahrungsmitteln auf weitere Termine als drei Monate fein, sowie da- verbot des Börsengeschäft- mit Getreide. Die kleineren Müller müßten Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht zum Absatz ihrer Produkte bilden. In der Diöcusfion wurde al- Mittel zur Abhilfe auch Contingenttrung der Mehlproduction, Erhöhung der Getreidezölle, Aufhebung der Zollcredtte und Transitläger und Beseitigung de- Zwischenhandel- gefordert. Schließlich wurde ein Antrag, den Bor» stand de- Hauptverbande- zu beauftragen, beim Bunde-rath dahin vorstellig zu werden, daß die Zollcredite und Transit- lagerhäuser aufgehoben werden, angenommen, ebenso ein Antrag, auf Loutingentirung der Mühlenproducte hinzuwirken. Franks. Ztg. Offenbach, 18. April. Am SamStag wurde auf dem Bahnkörper der Offenbacher Localbahn die gräßlich verstümmelte Leiche des 13jährigen Knaben W-, der hier bet seinen Eltern tu der Rödernstraße wohnte, gefunden. Der Körper dek Unglücklichen war in zwei Thetle getrennt. Ob der Knabe den Tod freiwillig suchte, oder wie er unter den Zug gekommen, kann nicht bestimmt gesagt werden. Darmst. Ztg. Mainz, 19. April. Ein in einen Berliner Bank- hau- angeftellter Mainzer, Heinrich Lippmann, hat tu der türkischen Lotterie 600000 Frankeu gewonnen. ES werden ihm nach feiner eigenen Mütheilung 58 Procent auSbezahlt, so daß der Gewinner immer noch 380000 Frankeu erhält. Mainz, 18. April. Bon uatioualliberaler Seite wurde sür die nächste Rei ch-tag-wahl für den Wahlkreis Mainz« Oppenheim der (nicht im engeren Sinne der Partei zugehörige) Laudwirth August Dettwetler tu Laubeuheim al- Caudtdat tu Au-ficht genommen. Herr Dettwetler erklärte, das Mandat nur unter der Bedingung annehmen zu wollen, weuu auch die demokratische und deutschfreifinuige Partei ihn als Reichs« tagScandidateu accepttreu würde. • Berlin, 19. April. Der Mörder der Luise Günther, welch letztere heute Nachmittag beerdigt wordeu ist, konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Ju König-« Wusterhausen wurde heute ein irrsinniger Mensch, und zwar der ehemalige Student der Rechte Walter Santz au- Berlin, verhaftet, der sich selbst al- Mörder der Günther bezeichnet hatte. ES ist nicht wahrscheinlich, daß die Selbstbezichtigung de- Irren begründet ist. Wöchmtliche Urberstcht der TodeSMe in Gießer 16. Woche. Vom 10. April bis 16. April 1898. Einwohnerzahl: angenommen zu 24 100 (tncl. 1600 Mann Milttil ) SterblichkettSziffer: 25,89, nach Abzug der Ortsfremden 19,41 o;M Kinder E- starben a: Lusammrn: Erwachsene: im vom 1.Lebensjahr: 2.—15.Iah?: A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie vielt der Todesfälle in der betreffenben Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Lungenschwindsucht Bauchfelltuberkulose 3 (1) 1 (1) Ml) — 1 (1) L ungenerweiterung 2 2 — Nierenentzündung 1 1 — — BöSart. NeubUdung 3 3 — —- Diphtheritis 1 (1) — — 1 (1) Selbstmord 1 1 — Summa: 12 (3) 10 (1) — 2 (2) Cawb« ttttö schaff W. Gießen, 20. April. Auf dem gestrigen Kuh markt waren 700 bis 800 Stück, darunter etwa der vierte Theil Kälber, auf« getrieben. Der Handel setzte von Anfang an flott ein, so daß der Markt schon gegen 10 Uhr ausverkauft war. Käufer vom Main und Rhein, sowie auS der Bad-Nauheimer Gegend machten den Markt und legten für gutes Milchvieh, welche- knapp war, hohe Preise an. Die Preise für Kälber waren noch eine Kleinigkeit höher, alS beim letzten Markt. Für frischmelkende und tragende Kühe, 1. Qual., wurden zwischen 500 bi- 560 Mk., 2. Qual. 400 bi- 480 Mk., 3. Qual. 300 bis 380 Mk. per Stück bezahlt. Kälber kosteten schwere Waare 68 bi- 70 Mk., Mittelwaare 60 bis 65 Mk., leichte Waare 55 bis 58 Mk. pro 100 Pfund (Schlachtgewicht. Die Preise für fette Rinder, welche nur vereinzelt am Markt waren, gingen etwas in die Höhe. Aereest« Nachrichten. Depeschen de- Bureau „Herold". Berlin, 20. April. Dem „Local-Anzeiger" zufolge hat Spanien die Anfrage nach Berlin gerichtet, ob man ihm nicht auS unseren Beständen Geschütze verkaufen wolle. Anscheinend sei eine gleiche Anfrage auch an die anderen Staaten ergangen, von diesseitiger zuständiger Stelle wird die Anfrage ablehnend beantwort« werden. Berlin, 20. April. Der ablehnende Bescheid de- EultuS- Minister- hinsichtlich des geplanten Mädchen-Gymnasium- in Breslau hat die Abgeordneten dieser Stadt Gothein und Wedekamp und den Abg. Rickert-Danzig veranlaßt, unterstützt von Mitgliedern der freisinnigen Partei und anderer Parteien folgende Interpellation an den Landtag einzubringen: Welches sind die Gründe, au- denen die königliche Staat-- regierung die Genehmigung zur Errichtung eine- von den städtische« Behörden in Bre-lau beschlossenen Mädchengym- nafiumS versagt. Königsberg, 20. April. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten gab Oberbürgermeister Hoffmann bekannt, daß der Minister de- Innern seine Beschwerde über den Oberpräsidenteu Grafen Bismarck, der bei der Cevtevar« feier sich geweigert hatte, ihm die Hand zu reichen, unbeantwortet gelassen habe. Die Versammlung nah« mit 44 gegen 36 Stimmen eine Resolutton an, in welcher sie darüber ihr Bedauern ausspricht. Wien, 20. April. Seite heute Nacht I V, Uhr brennt da- Börsen«Gebäude. Da- Feuer ist oberhalb de- Saale- au-gebrochen und dauert noch fort. Wien, 20. April. In parlamentarischen Kreisen cireulirr da- Gerücht, die Regierung sei fest entschlossen, wenn e- ihr nicht gelangen sollte, ein arbeitsfähige- Parlament herzustellen, nach Schluß der Delegationen da- Hau- aufzulösen und dir Neuwahlen im Herbst vorzuuehmen. Budapest, 20. April. Anläßlich der heute hier erfolgenden Ankunft de- Arbeiterführer- Eizmadia, welcher einer Vorladung zum Pceßgericht Folge leistet, planen die Socialdemokraten eine große Demonstration. Die Polizei trifft bereit- die größten Vorsichtsmaßregeln. Loudon, 20. April. „Daily Mail" berichtet, daß in den letzten Tagen Spanien sowohl wie die vereinigten Staaten bei allen Mächte» versucht Haden, Schnelldampfer anzukaufen, um sie in Kriegsschiffe umzuwandeln. Da- sei auch zum größten Theile geglückt Loudon, 20 April. Au- Washington wird gemeldet, der Präsident befahl, daß 100 000 Manu Miliz am Donuer-tag nach dem Golf von Mexiko sich begeben. Die Dampfer zum Transport der Truppen verließen gestern Newhork, Hudson und Philadelphia und fuhren nach dem Golf von Mexiko. Loudon, 20. April. Lu- Washington wird gemeldet, daß 17 000 Mann reguläre Truppen gestern früh verschiedene Häfen verlaffen haben, in denen sie kürzlich con- centrirt waren, um sich nach dem Golf von Mexico zu begeben. Der Rest folgt morgen. Loudon, 20. April. „Daily Graphic" sagt, eS sei de« amerikanischen Senate weniger um die Freiheit EubaS, als um die freie SilberprSgung zu thun. Die Bryau'sche Mehrheit de- Senats versuche, den gegen Spanien geleiteten Feldzug gegen Mac Kinley zu lenken. Washington, 20. April. Paulo Bernabe hat alle« spanischen Consuln Anweisungen gegeben, den Wegzug ihrer Landsleute in den respecttven Distrikten za erleichtern. Washington, 20. Aprtl. Der EabiuetSrath hat sich gestern vertagt, um heute einen Vorschlag, wonach 80,000 Mann Truppen eingerusen werden sollen, zu derathen. A. Giessen. Schulst». 6. Waarenhaus. W Schulst». 6. Neu einge troffen Neu eingetroffen do. . „ 98 Kleiderstoffe Metr 32 Pf. 38 55 24 Breite chardiuen 2*orti rcuftoff ff-agreh Cravatten RegatteS chic. . 28 Pf Diplomat . . . 12 „ Corsets für Damen . Mk. 1,25 Hercules, stark u. billig echt Fischbein, eleaant. Damenhiite Stroh, ungarnirt, 70 Pf. garnirt, 125 „ Hemden für Damen, la. 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Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mittheilung, dass unsere liebe Mutter, Grossmutter und Schwiegermutter Fran Dorothea Noll Wwe. geb Geissler heute Morgen 8 Uhr nach langem Leiden im 87. Lebensjahre entschlafen ist. Um stille Theilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen ff. Marmelade in 3 Pfd.-Dosen . Mk. 1.— in 10 Pfd.«Eimer . Mk. 2.50 empfiehlt «es Chr. Wallenfels, 17 Marktplatz 17. Käse Schweizer', Limburger-, Hand' und Frühstückskäse. Gurken Pfeffer-, Essig- und Salzgurken. Preisselbeerencompot. Sauerkraut, ff. Marmelade uud Gelee, Bienenhonig. Täglich frische Eier uud Tafelbutter empfiehlt 4183 J. M. Schulhof, durch das neuentdeckte, vorzüglich wirkende und gänzlich unschädliche „Glandulen“ Glandulen ist das rationellste und wirk I samste Mittel bei jeder Form d r I Lungenerkrankung. Seine glänzenden I Heilerfolge auch in vorgeschrittenen Fällen sind bestätigt von Hundert. i> von geheilten Kranken und Aerzten. 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