höhere Auffassung, die sittlichere Auffassung von der Ehe verloren gegangen sei. Hier müffe mit fester Hand zuge- griffen werden, um gegen moralische Berseuchuug einen Schutz zu schaffen. Abg. Lenzmann (frs. VP.) legt Verwahrung gegen die Art ein, wie Abg. Jskraut vor einem auf den Tribünen leider auch mit Damen besetzten Hause die Materie behandelt habe. Er wendet sich sodann gegen dir Ausführungen de» Abg. Jskcaut, hauptsächlich gegen den der Regierung gemachten Vorwurf, daß sie nicht längst eine neue Vorlage gemacht habe. Aber 1892 sei ja der Regierung auch der Vorwurf gemacht worden, daß es sich bet dieser lex Heintze zu sehr um ein Gelegenheitsgesetz handele, und daß eine allgemeinere Revision des Strafgesetzbuches rathsamer sei. Redner spricht sich dann noch über die einzelnen Paragraphen im Sinne seines Fractionsgenoffm Beckh aus und erklärt sich ferner mit den Vorschriften gegen daS Zuhälterthum uno gegen den Mißbrauch des Arbeit-- und DtenstverhältniffeS e nverstanden, aber nur insoweit dieser Mißbrauch unter Androhung wirthschaftlicher Nachtheile erfolge. Abg. Schall (cons.) weist auf das Entschiedenste die Auffaffung des Abg. Bebel zurück, als sei die Unfittlichkett nur oder auch nur hauptsächlich bei den besitzenden Klaffen zu finden. Duldung und Coucrffiouirung öffentlicher Häuser sei eine fittliche Verfehlung der Staates. Die Prostitution sei kein nothwrndtgeS Nebel. Luther habe sehr streng Über die Ehe gedacht und Tödtung der Ehebrecher gefordert- das solle Herr Bebel berücksichtigen, der neulich das Verhalten Luthers der Ehe gegenüber als zweifelhaft darftellte. Abg Zimmermann (Äntis.) legt gegen die Beschuldigung 6(8 Abg. Bebel, betr. die Dresdener Kegler, entschieden Verwahrung ein. Auch die Maidemonstration der Dresdener Socialdemokraten sei keineswegs so harmlos gewesen, wie Herr Bebel str geschildert. Gegen die Behauptung des Abg. Lcnzmann, daß die antisemitischea Bilderbogen unsittlich seien, müffe er, Redner, Verwahrung einlegen- Herr Lcnzmann scheine sehr empfindlich gegen die Cariciruug der Juden zu sein. Abg. Bebel (Soc) will seine Behauptungen bezüglich des Keglerciubs in Dresden beweisen. DaS Herbetströmen von Damen zu derartigen Festen sei allgemein bekannt. Die tollen Eeruen, die bei jenen Festen vorgekommen, hätten ihre Vorspiele gehabt, die auch der Polizei nicht verborgen ge- blieben seim könnten. Die K.glerzeitung habe eine Annonce gebracht, in der gewisse Gummi Artikel zum bevorstehenden Cougrrß empfohlen worden seien. Was die Herren des Keglet clubS getrieben hätten, ergebe sich aus zwei Festliedern, deren Inhalt geradezu scandalöS sei. (Abg. Bebel legt diese beiden Festlieder auf den Tisch deS HausrS nieder.) Auch bet dem Bund'sschteßen in Berlin seien derartige Dinge vor- gekommen. Hoffentlich werde die Vorlage in einer Commission berarhen, damit die Details besprochen werden könnten. WaS die Aeußerungen Luthers über die Ehe und den Ehebruch onbelange, so seien diese Aeußerungen auS den Jahren 1517 bis 1522 so stark, daß fie jedem seiner Freunde, der sie heute wiederholen wollte, eine strafrechtliche Verfolgung etntragen würde. Abg. Zimmermann (Autis.) hält irgend welche Beweise für die Beschuldigungen gegen den Dresdener Kegler- club nicht für erbracht. Die Annonce sei ausdrücklich vom Club gerügt. (Hört! hört!) Abg. Bebel (Soc.) lehnt eS ab, fich vor Gericht mit den Herren aus Dresden auSetnanderzusetzev. Herr Zimmer- mann könne ihm jedenfalls dankbar fein, daß er durch ihn Anlaß gefunden, eine so schöne Rede zu halten. (Heiterkeit.) Die Debatte wird geschloffen- die Vorlage geht au eine besondere Commission von 14 Mitgliedern. Präsident Frhr. v. Buol macht noch Mittheilung von dem plötzlichen Ableben deS Abg. Frhrn. v. Gültltugen (Rp.)- das HanS erhebt sich von den Plätzen. Nächste Sitzung morgen 2 Uhr. Tagesordnung: Fort- setzung der EtatSberathung (ReichSamt deS Innern). Sch uß 7 Uhr. __________________ Deutsches Reich. Berlin, 19. Januar. DaS kaiserliche Hoflager wird, wie die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, am 24. d. M. vom Neuen PalatS nach Berlin verlegt werden. Berlin, 19. Januar. Für die Einweihung der evangelischen Kirche in Jerusalem, welcher daS Katserpaar beizuwohnen gedenkt, ist nach wie vor der 31. October, als Jahrestag der Grundsteinlegung durch den Kronprinzen Friedrich Wilhelm im Jahre 1869, tu Aussicht genommen. Berlin, 19. Januar. In der heutigen Sitzung der Justiz-Commission beß Reichstages wurde § 49 der Novelle zur Ctvtlprozeßorduuug angenommen, dagegen § 84 einstimmig gestrichen. Der vorgeschlagene Zusatz za § 87, Absatz 1, betreffend die Kostenerstattung und Entschädigung deS Gegners, wurde nach längerer Debatte angenommen. Berlin, 19. Januar. Die „Nordd. Allgem. Ztg." hört, an Stelle des einstweilig in den Ruhestand tretenden Grafen Luxburg ist der Vortragende Rath im Auswärtigen Amte, MtchahelleS, zum Mtnisterrefidenten in Port- au-Prince auSersehen. Der erledigte Posten des Gesandten in Guatemala ist dem früheren Generalconsal tu Sofia, VotgtS-Rheetz, übertragen. Berlin, 19. Januar. Die „Poll" erfährt, ihr Re- docteur Fink sei auf seinen Antrag infolge neuerlicher Anschuldigung deutsch-amerikanischer Zeitungen bis zum gerichtlichen Nachweis seiner Unschuld von seiner Stellung bet der „Post" und dem Bureau der frei-conservativeu Partei seit Montag suSpendirt. Frankfurt a. M.. 19. Januar. Der „Frkf. Ztg." wird aus Mainz telegraphirt: Nach zuverlässiger M-tthetlung wurde in Berlin die Entfestigungsfrage von Kastell, soweit sie fich auf die Beseitigung der Umwallungen von Kastell bezieht, definitiv entschieden. Köln, 19. Januar. Der „K. Z." wird auS Petersburg gemeldet: „Neben den wichtigen militärischen Personalveränderungen anläßlich deS russischen NeujahrtageS ist eine militärische Vrränderung für die westlichen Nachbarn Rußlands von größerer Wichtigkeit unbemert vorübergr- gangen, nämlich die Bildung zweier neuer Armeecorps in den Militärbezirken Wilna und Kiew. Da Rußland zu derartigen Armeeveränderunken keiner Bewilligung einer Volksvertretung bedarf, so erfolgen fie immer überraschend. Ja diesem Falle ist die Uebrrraschung groß, da Niemand ahnen konnte, daß Rußland, welches scheinbar in Asien, England und Japan gegenüber so verwickelt war, unter steter Betonung des Friedens in Europa eine derartige Verstärkung seiner Westgrenze vornehmen würde. Kola, 19. Januar. Der „K. B.-Z." zufolge brachte der CentrumSabgeordnete Fuchs tm Abgeordnetenhaufe einen Gesetzentwurf, betreffend Abänderung des preußischen WahlversahrenS bei den GeweinderathSwahleu ein, demzufolge in Gemeinden, in welchen die Bildung der Wähler- abtheilungen nach der Maßgabe dtricter Steuern stattfinden, die Urwähler tu drei Abtheilungen getheilt werden sollen, derart, daß von der Gesammtsumme der Steuererträge Urwähler 5/n auf die erste, 4/ia QUf die zweite und 3/n aui die dritte Avrheilung entfallen, jedoch müffeu in der ersten Klosse mindestens 10% und in der zweiten Klaffe miudest-nß 20% der Gesammtzayl der Wähler vertreten sein. Die „K. V. Z." fügt dieser Meldung hinzu, die Stellungnahme der einzelnen Parteien zu diese'' Frage müsse wesentlich *ür die Stellung mitbestimmend sein, welche das Centrum bei den Neuwahlen zum Abgeordn-*ete#. »Mal «aber fit 1« ] |tr|tiuti, btt ihn 9a tatafr« fab A getan str -«r ztb» oen tbntr. n L ea, 6l Mn unb mg üs* 8 ibn b(B g £ kii b kleine Anzahl zusammengeschrumpft find, so halten diese doch unwandelbar daran fest, den 18. Januar zu feier«, wie ei seit dem Jahre 1871 alljährlich geschehen ist. Zu dieses altbewährten Stamm — von den Gründern der Gesellschaft waren noch vier anwesend — hat fich eine Anzahl jüngere! gefunden, die gerne bereit waren, die Lücken wieder zu füllen,- welche die Zeit in die Reihen der „alten Griechen" gerissen hat. Die Bedeutung de» Tage» feierten die Herren heimrath Oncken und Justizrath Baist in ihren Reden die in erster Linie Kaiser, LandeSfürft und Reich galten, tu welchen die Redner jedoch auch, an Hand ihrer reichen Lebeot- erfahrung, hochintereffante Bilder au« dem Gießener Leben in der Zeit von 1848 bis zum großen Krieg 1870 einflochtev. Ein weiterer Toast galt dem Mitbegründer des Reiche«, beo Fürsten Bismarck. Ehe die Tafelrunde auseinander ging, stand bei jedem Theilnehmer der Entschluß fest, auch weiterhii den 18. Januar alljährlich zu feiern. * * In Amerika verstorbene Hesse«. New-York, Auto» Feser, au» Gau-Alge«heim. Davenport, Ja., Frau Mari, Elise Schlapp Wwe., 84 Jahre alt, ou6 Billertshausen St. Charles, Mo., Frau Elisabeth Bloeser geb. Fischer, 75 Jahre alt, ans Oberbeerbach. Greenpoint, L. I., Fra» Maria Josephine Ludwig geb. Schoeninger, 70 Jahre all aus Bermersheim. PittSburg, Pa., Jacob Arra», an« Heffen-Darmstadt. Philadelphia, Pa., Theodor Man« 92 Jahre alt, aus Alzey. Wetterbericht. Auch heute ist für den größten The^ Europa» keine Aenderung in der Lnftdruckoertheilung treten, indem wie bisher ein intenfiveS barometrische» Map- mum die Herrschaft auöübt. Die Depression, die im Nori-- westen Großbritannien» gelegen ist, ist unter sehr beirSchi- "gocinle 1* b’8 ' s>» wie» der • w Wisch de Me (• ® leichter, ^rl ie t»tlßt har, utcht davon oder ölit oo ' SA A Infante wwWetf W muri Mben. 'M». in d> M die ] Pitcher J'Wiifli 6(1 'Sine W Stodb! Alle in be 065 Aeußerk **> d. »em ” 121. ® ff?" * u "’M % w fc(ö u ‘ " 'Ä'"” " BB| m (h^6abt i» !'S’’ äd °> J? bat vifh.J?n * aU S,bt" h ’ ÄQn " lri> ** fiabtM?0" 9b|^ W « Mt ti, 1 »n!inln ’onhn "»7 w **; L J:8 °°ll tztstai,n N ‘rotfttn TM*. B aQ8 tu tr n a-i . *0 bt| rn"r* unb Litbt' Rt &,!, loj ■Z V,ltT1,M^ ^wi6to- »u itot fc, 2°“'"' e?- 14* ** " --'N'- Sh-,.tz 1','t *« »'!«««,-I lätmiu ?M,'n SW, m6 h MnWi: • J®“ «nein gtübtlnbe p Müht, 6!Lr, ur» »'MtBechM. Ez fcy •' 8W ^blentultai im 1 5I2-1 Rrtolnil ein tigm । mt e® Mr non tzeils - tmnko»u lveitz, so'M Mt btgfiftmt Äpofitl t ; ■ngtn sUlUpbenbe litciV zu» Benthe t« I i:*»nfia» gewagt, i nie dn angettobigttn!:: SebtTg aal Balin \& \ dir tintr grogen gaüaor •c|tt sich ans be» Tebiett^ i liet mb zeigte In klm , ^orrbeeegnng und ihi!, f^Mien r».) Dal rc nt etörnsg bnrchgesührt, ei Nrtfata BeM - W i sKmrq) in dm selben ÜL ts Äeirrg antanffoi; io Bttctn'ntaipü — behanbeb sete Beriet zm Wfat» h nn jltttfaroalW k >z Cbtrteficn in Sieh» !' tont bei MWH««- .: ans5 ** üda rtf dn r»! .- n tnht® d°4 ftfo * „ „> emei« 7*‘ afturt ■» «¥*; „.4t m»r» dti zttn - , T'r.« W ,.ü ai* uiontt’l'P®’ tsKnw** 't^n* ^ä* *» - s ?r.« w»i« - H1 nj/fl »«bet za i“ ’ w2» s-^"' |Ki 1 !» <*™L bl< h«'»' I< « |‘ W° s* ht“1 °$,14 ««1® fÄ>assis '^58; ***** , v- । *7 Bti'i*’ 65 :54Lssx lidlet Zunnahwe ihrer Tiefe nach dem äußersten Norden ge- iltft. lieber der scaudtnavischen Halbinsel sind dabei die uckunterschiede sehr erheblich und betragen sie in der Rich« mng von Nord nach Süd mehr als 35 Millimeter. Aus nlerem Gebiete bleibt die Witterung die gleiche. — Bor« ILS sichtliche Witterung: Keine Aenderung deS Witte« lwagScharaeterS. Sociale und individuelle Ursachen von Verbrechen, •0* lautet das Thema, über das in der letzten Wochenver- aminlung der Turngemeinde Darmstadt Herr Amts- itrroalt Dr. Pusch in nahezu zweistündigen Ausführungen i«h verbreitete, An Händen eines reichhaltigen Materials D':e6 der Redner anschaulich nach, in wie vielfacher Weise )sr Mensch dem Verbrechen zugeführt werden könne. Zumeist ;erschehe es wohl aus Roth; ein satter Mensch habe es viel e chter, zufrieden zu sein. Besonders schlimm sei es, wenn iui der Armuth Mangel an dem sittlichen Bewußtsein und L^aracterschwäche trete. Hierher gehörten fast alle Vergehen zagen das Eigenthum, sowie namentlich auch die Prostitution, riir in sich wiederum den Anreiz zu zahlreichen weiteren Verschlungen trage. Begünstigt werde diese Art des Verbrecher- ihütms durch unsere iocialen Verhältniffe, rasches Anwachsen )er Industrie, die Frauen- und Kinderarbeit, mangelhaftes rmilienleben und andere gleichartige Ursachen. Hierher zchören auch Betrug u. s. w. Eine zweite Art von Ver- zchungen seien die sog. Rohheitsdelicte, Körperverletzungen, Strleidigungen u. s. w., deren Ursachen mehr individueller JJhtur seien. Namentlich der Zusammenfluß der Menschen in den Moßstädten und Jndustriegegenden, sowie vor allem der Lkrrmäßige Alkoholgenuß seien die Ursachen zur Mehrung )er Gewaltthätigkeiten. Sehr leicht führt dieses zu Verzechen wider das Leben, deren Motive sonst sehr verschieden se'in können. Die schlimmste Art sei der Raubmord, die oßysiologisch interessanteste der Kindesmord. Die vierte große Gruppe der Vergehungen ist in schneller Zunahme begriffen, bi-e Verbrechen wider den Staat und die öffentliche Gesell- idgaft. Namentlich die gesteigerte Betheiligung aller Bürger acn öffentlichen Leben, die Wahlagitation u. s. w. führen hi.rr vielfach zu Vergehen gegen das Strafgesetz, oft aber n_ich das ungeschickte Vorgehen der Sicherheitsbeamten, wie la; in letzter Zeit mehrere besonders auffallende Fälle gezeigt iahen. Als traurigstes Zeichen, wohin die Leidenschaft den Menschen führen könne, führt Redner den Anarchismus, den ikmeg Aller gegen Alle, an. So sind es in den meisten Fällen Trunksucht, Sitten- lotigfeit und Roth, die den Menschen auf die Bahn des L rrbrechens führen, während die individuellen Eigenschaften »et Menschen mehr die Art des Verbrechens bestimmen. Dohl auf die Einrichtung der Arbeitshäuser ist es zurück- ;u. Ähren, daß sich die Zahl der Gewohnheitsverbrecher, die i< meist aus sog. fahrenden Leuten, Landstreichern u. s. w. ich ergänzen, im Abnehmen begriffen find. Es wird eine h«uptaufgabe der menschlichen Gesellschaft sein, durch Besserung »er socialen Verhältnisse und durch gesteigerte Bildung der Massen dem Einzelnen zu ermöglichen, den Kampf uuis Da- ein auch ohne Conflict mit Gesetz und Moral zu führen. 13i dem Criminalisten aber ist es, durch Aufdeckung der llasachen zu den Verbrechen es zu ermöglichen, diese Ursachen M beseitigen und somit die Möglichkeit, Verbrechen zu be- zchen, zu verringern. Mit diesem trostreichen Ausblick in die Zukunft schloß ebner seine interessanten Ausführungen aus den Nachtseiten bt:i heutigen Culturlebens. Verrochßchte» * Frankfurt a. M., IS. Janvar. Uebcr einen Uns all imf b?m Bahnhof Hanau (Ost) verlautet: Heute früh jh 4 Uhr 38 Mln. ist der Gütrrzug 706 von Gießen im 8'ichnhof (Ost) auf zwanzig im EinsahrrSgeleise stehende S'tterwagen aufgefahren. Hierbei sind die Zugmaschine atc» zehn Güterwagen stark beschädigt worden, so daß her Materialschaden nicht unbedeutend ist. Menschen wurden oiiht verletzt, auch keine BerkrhrSstöruogen heroorgerufen. ll.der die Ursache deS UafalltS wird die eingeleitete Unter- lochuag das Nähere ergeben; muthmaßlich trifft den Weichensteller die Hauptschuld, der seiner Pflicht insofern nicht genügt hat, als er sich vor dem Geben des EinsahrtfignalS ritzt davon überzeugte, ob das Ginfahrtgeleise frei war obeer nicht. ♦ Koblenz 18. Januar. Ein Einjähriger des 288. Infanterie Regiments ist in der letzten Nacht vom ZsesiungSwerk auf Die Moselfläche abgestürzt. Heute gegen Mittag wurde die Leiche mit gebrochenem Genick auf« Mnden. • Corfu, 18. Januar. In dem Augenblicke, alS die BHptr in der katholischen Kirche endete, griff ein junger vlensch die Priester an und schlug auf vier derselben ein. ßia Priester wurde getöbtet unb ein anderer lebens« gefährlich verletzt. DaS Verbrechen rief lebhafte Bewegung ^«röor. * Eine Nachricht von Anbree? „Wolffs Bureau" meldet au® Stockholm vom Donnerstag: „Professor Nordenskjöld Mte in der Akademie der Wissenschaft mit, dem Ministerium bss Aeußeren sei eine Nachricht zugegangen, nach welcher jmschen dem 4 und 7. August 1897 in Britisch-Columbien unter dem 53. Grade 20 Minuten nördlicher Breite und bsn 121. Grad 30 Mir.^ten westlicher Länge, sieben Meilen Edlich vom Quesnelle-See, von mehreren glaubwürdigen Personen ein Ballon beobachtet worden sei. Nordenskjöld Mt die Nachricht für eine derartige, daß eine nähere Untersuchung derselben empfehlenswerth sein dürste. — Andrer W mit seinem Ballon am 11. Juli auf Spitzbergen auf- gerttegen. Nach dem Gutachten von Sachverständigen wurde rngenommen, daß der Ballon nicht länger als 30 Tage in der Luft schwebend erhalten werden könne. Danach wäre in der Theorie die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß am 4. August der Ballon gesehen morden ist. Es bleibt aber zu bedenken, daß auch im Jahre 1896, als Andree überhaupt nicht aufgestiegen war, aus Britisch-Columbien die Nachricht eintraf, Andrees Ballon sei unter dem 55° 15z nördlicher Breite und 127° 40' westlicher Länge — also nicht gar so weit entfernt von der Stelle, wo der Ballon auch in diesem Jahre beobachtet sein soll — „von zwei zur Zeit weit von einander entfernten Indianer-Trupps" glaubwürdig gesehen worden. Die falsche Nachricht wurde damals schon am 11. August bekannt, es ist auffallend, daß diesmal eine Nachricht aus denselben Gegenden fast ein halbes Jahr später eintrifft. 1896 wurde angenommen, die Phantasie habe den Nothhäuten einen Streich gespielt. Ueberall in den Polar- gegendcn war den Bewohnern die mögliche Ankunft einer in der Lust schwebenden großen Kugel angekündigt worden und bei Rettung der mit dem räthselhaften Lustgefährt eintreffen- ben Menschen eine Belohnung versprochen worden; die Indianer hatten sich damals wohl in ihrer Phantasie eingebildet, daß sie wirklich gesehen, was sie zu sehen hofften. * Da werben sich die Fluvbern wunbern — das ist das neueste Berliner geflügelte Wort, welches das vielberufene „Du ahnst es nicht" abgelöst hat. Es wird mitgetheilt, daß man diesen Coupletrefrain, den man jetzt in verschiedenen kleineren Casechantants zum größten Gaudium des Publikums allabendlich vernimmt, bereits in der verschiedenartigsten Weise selbst in der „Gesellschaft" anwenden hört. Als die Rede davon war, daß Paul Schlenther Director des Wiener Burgtheaters geworden ist, hieß es allgemein: „Da werden sich die Flundern wundern"; als man bemerkte, daß ein bekannter Maler beim gestrigen Ordensfeste leer ausgegangen sei, hieß es ebenfalls im Chor: „Da werden sich die Flundern wundern", und derselbe Ruf ertönte, als die Nachricht sich verbreitete, Frau X. sei diesmal mit ihrem — Gatten nach Nizza gereist. Das neue geflügelte Wort stellt sich stets ein, wenn eine Meldung den Gipfel des Seltsamen erreicht. Als im Spielsaal des P-Clubs in der Nacht zum Sonntag unwiderleglich feststand, ein sonst vom Glück merkwürdig begünstigter „Cavalier" habe im Makao eine große Summe verloren, sagten seine Spielgefährten wie auf Verabredung: „Da werden sich die Flundern wundern", und als gestern früh die Zeitungen eine Gerichtsverhandlung veröffentlichten, aus der hervorging, daß bei einem Zusammenstoß zwischen einem Rowdy und einer anständigen Frau drr Schutzmann nicht die angegriffene Dame, sondern den Rowdy verhaftet hatte, erhielt die neue Redensart Bürgerrecht an manchem Frühstückstische der Neichshauptstadt. Ja, sogar bis in die Ministerhotels scheint — nach einer allerdings unver^ bürgten Meldung — das Bonmot gedrungen zu fein. Als dem Herrn Eisenbahnminister berichtet wurde, daß sich in den letzten Tagen auf den preußischen Bahnen kein nennens- werther Eisenbahnunfall ereignet habe, soll dem Gehege seiner Zähne dieses neueste geflügelte Wort entflohen fein und auf Die Petition einiger besonders enragirten Flottenschwärmer um Ertheilung des Abiturlentenzeugnlsscs an die Ludwigsluster Tert aner, die 54 Mark und 67 Pfennige zum Bau von neuen Schiffen aufgebracht hatten, soll der Herr Cultus« minlster die Marginalbemerkung geschrieben haben: „Da würden sich ja die Flundern wundern". Nach alledem darf man also darauf gefaßt fein, daß der neue Reim ebenso rasch wie die Berliner Gewächse ähnlichen Genres feinen Weg durch alle Gaue machen wird, der neue Reim, der in der Zelt, die im Zeichen des Verkehrs steht, in Verkehr gefetzt wurde. * Si« UnglfidSbrief Ein bekannter Brüsseler Bildhauer erhielt einen Brief, in welchem eine Dame sich in den bittersten Vorwürfen über feine Untreue erging unb ihn anklagte, daß er sie verlassen habe. Der Schluß lautete: „Du erinnerst Dich doch noch, daß Du heute vor einem Jahre unser Kind ins Waffer geworfen hast, und ich habe geschwiegen." Der Bildhauer laS kopfschüttelnd den Brief zu Ende und betrachtete dann nochmals die abreffe und die Unterschrift. Nur bemerkte er, daß der Bries nicht an ihn, sondern an einen Kaufmann, einen Herrn ähnlichen Namen-, gerichtet war, der in der nächsten Nähe wohnte. Auf da- Aeußerste erregt darüber, daß er durch diese Adreffenverwechselung Mitwisser eine- so furchtbaren Geheimnisses geworden war, begab sich der Künstler sofort zu dem jungen Kaufmann. In dessen Wohnung erfuhr er jedoch, baß derselbe nach Tpaa gereift wäre. Einen ganzen Tag lang trug der Bildhauer nun den Brief bei sich, un schlüssig, waS er thun solle; endlich sandte er ihn an die Staatsanwaltschaft. Als der junge Mann, dem der Bries gegolten, verhaftet werden sollte, wurde ihm sofort klar, um was eS sich handelte, und ehe e- der Criminalbeamte verhindern konnte, ergriff er einen auf dem Tische liegenden Revolver und erschoß sich. Der Unglückliche war mit einem Mädchen aus angesehener Familie verlobt, und noch in diesem Monate sollte die Hochzeit sein. Universität». Nachrichten. — Cassirung eines Doctor-Diploms. AuS Tübingen schreibt man der „Frkf. Zig.": Eine Erklärung, die soeben von der hiesigen philosophischen Facultät im Anzeigeniheil des Literarischen Centralblattes veröffentlicht wird, lenkt die Ausmerkiamkrit writester Kreise aus einen akademischen Zwischenfall, wie er glücklicher Weise sehr selten vorkommt, der aber gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zu der F. b. H.) Anlagen fdr Villen, Schlösser, Fabriken, Brauereien. Geschäftsräume. Bau von Staat. Sofort! Vertreter i Sofort! gesucht für alt eingesührte Versicherung für Gießen unb Umgegenb (lohnenbe Nebenbeschäftigung). — Offerten unter R. B, 760 an die Expeb. b Bl- 747] Für mein feines Colonialwaaren' geschäft suche per 1. Februar eine brauche, kundige, gewandte Verkäuferin. Offerten unter T. 100 postlagernd Wetzlar. Giessener Stadttheater | Freitag, den 21. Jannar 1898 t Benefiz für Hieronymus Liebscher. NARCISS. Trauerspiel in 5 Acten von Brachvogel. Uarriß Samran . . . h. Liebscher. Täglich frische Sendung hchf. TchldMn bei A. fit G. 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