Nr. 273 Fünftes Blatt Sonntag den 20. November 189$ Kicherm Anzeiger Kenerat'-An^iger BqngMreU »irrtrlllbdirt* * 2 Mark 20 T«g monafCttb 75 mit Vringeeiohn Bei Poftbqa^ 2 Mark 50 P''g tütrtcijibrhd) Ivoahmr een Anzeigen zu der Nachmittag» für b-n kelgrndrn Leg rrldtnnrnben Nummer bi« Borm. 10 Uhr. Ättf Atijeiqen.dermtttlungrftellen bei Jo- und «mianbr» nrbmrn Anzeigen für den Gießener Anzeiger entg^nn erscheint täglich eit Ausnahme de« Montag». Dir Gießener ,**tnrel(4Urr •erben dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt. Amts- und Anzeigeblcrtt für den Kreis Oieszen. Gratisbeilngk: Gießener Familienülätter. Ad-..sie für Depeschen Anzeiger chletze». ^erulprecher Nr. 51. Rrbactton, Gxpebition unb Druckerei: Fch-tSratze Hx. 7. politische Wochenschau. Da- Katserpaar hat feine Reife noch weiter ab« gekürzt und wird vom österreichischen «riegshafen Pola ans direct nach Deutschland zurückkehren. Damit find alle au einen Aufenthalt an der spanischen Küste geknüpften Tom« binationrn gegenstandslos geworden. Der Kaiser hat den dringenden Wunsch, baldmöglichst wieder in der Nähe der Reichshauptstadt zu sein, und es ist dehhald noch gar nicht ausgeschloffen, daß die (6r Öffnung des Reichstags doch noch vor dem utfpiüagiich geplanten Termin statlfinden wird. Unsere innere Politik treibt keine allzu großen Wogen, und da wüsten denn die lippische und die braunschweigische Frage herhalten, um gehörig dreitgetreten zu werden- dies kann um so ausgiebiger geschehen, da über beide Angelegen« heiren Dunkel herrscht und infolge besten die Anfichten weit auseinander gehen. Für Deu'schland muß die internationale Lage keine wesentlichen vedenkrn haben, da Reichskanzler Fürst Hohenlohe Berlin auf einige Tage verlosten konnte, trotzdem Herr v. BÜ ow, unser Staatssekretär des Aeußeren, fich bekanntlich in Gefolge des Kaisers b. findet. Recht lebhaft ging es ,m Laufe der letzten Woche wieder im Aus lau de zu. Noch immer wurde die Guildhall-Rede des englischen Premierminister» ei9:tret; aber schon hat fich ein anderes Mitglied des britischen Eadinets zu einer neuen Rede aufgeschwungen, in welcher die ägyptische Frage beleuchtet wurde. Der Eolonialminister Lord Ehamderlain, sonst gerade nicht als Freund Deutschlands bekannt, der fich früher nicht genug thun konnte in chauvinistischen Ausfällen gegen uns, betonte in Manchester die deutsch-englische Jntereffegemein- schäft, welche auch ohne förmliche Alliance bestehe. UnS kann es nur recht sein, wenn jtnfeits des Kanals solche Anschauungen Platz greisen und man dort erkennt, daß uns ein Verdrängen des englischrn Einflusses völlig fern liegt. Ja Italien ist am Mittwoch da» Parlament durch den König eröffnet worden. Die Thronrede war ungewöhnlich lang und enthält eine Reihe von Versprechungen, die, wenn fie fich erfüllen, dem Lande wohl zum Gegen gereichen können. Interessant ist im gegenwärtigen Moment, wo man der Einberufung der Abiüstungsconserenz harrt, die Ankündigung, daß dte italienische Regierung die Verstärkung ihrer Klieg« flotte plant. Die innerpoUtischen Verhältnisse Italien» dürsten übrigen» wieder sehr erregte Sceneu in der Dcputtitenkammer heraufdefchwören. Im österreichischen Abgeordnetenhause find noch immer gegenseitige Schimpfereien an der Tagesordnung, so daß die Sitzungen meist ergebn'ßlo» verlaufen. Auch im ungarischen Reichstag ist e» neuerding» zu sehr stürmischen ©eenen gekommen. Mir Begeisterung hatte man den Entschluß des Königs ausgenommen, da» Hrntzi.Denkmal durch ein Standbild der ermordeten Königin Elisabeth zu ersetzen, und Baron Banffy, der ungarische Mtnisterpräfident, hatte au» diesem Anlaß verschiedene Ehrungen erfahren. Nun hat der R tchskriegsminister einen Armeebefehl erlassen, in welchem die Uedeiführung des Hentzidenkwals in den Garten der Kadettenschule angekündlgt und Hentzi als ein Vorbild für die militärische Jugend gepriesen wird. Dagegen protestiren nun die Ungarn, und die Lage har eine solche Schärse angenommen, drß die Dimilfion des Rltchskriegsmintsters von Krteghommer als bevorstehend bezeichnet wird; ja, mau fürchtet sogar für den v'stand des ganzen Cabinets. In der DrehfnS-Angel eg enheit ist als weiterer Fortschritt zu bezeichnen, daß der verurrheilte von dem Stand der Dinge unrerrtchtet und wahrscheinlich noch Frankreich ÜbergesÜhrt werden soll. Sonst bittet die politische Lage in dem Lande jenseits der Vogesen keinen Grund zu besonderen Betrachrungen. (xx) Deutsches Reich. Berlin, 18. November. Das Katserpaar ist auf seiner Reise nach Pola gestern Nachmittag in Syrakus ein« getroffen und beabsichtigte heute früh nach Mesfina weiter zu fahren. Berlin, 18. November. Wie ans Syrakus gemeldet wird, setzte das deutsche Kaiserpaar heute Vormittag um 11 Uhr von Syrakus seine Rerse fort, Die Ankunft in Mejfina erfolgte Nachmittag» um 2 Uhr. Berit», 18. November. Da» Staats»inisterium trat heute Nachmittag 3 Uhr unter de« Vorsitz des Fürsten Hohenlohe tu seinem Dtenstgebände zu einer Sitzung zusammen. Berlin, 18. November. Wie ein parlametarischer Berichterstatter wiffen will, stand auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Staatsministeriums die Lippe'sch en Angelegenheit, von anderer Sette wird gemeldet, daß es fich um den Sch tz der Arbeitswilligen handelte. Berlin, 18. November. Wie oul Bremen gemeldet ivirb, ist dort im Alter von 89 Jahren der Begründer des .Norddeutschen Lloyd", H. H. Meter, gestern Abead gestorben. Berlin, 18. November. Zur Veröffentlichung der Denkschrift de» Graf-Regenten zur Lippe erläßt das Lippt'sche Staatswintstertum eine Erklärung, in welcher eS heißt, daß den Veröffentlichungen sowohl der Sras-Regent und dessen Familie, al» auch der Hof und die Lippt'sche Staa'sregierung durchaus fernstehen. Demgegenüber steht eine Mittheiluug der .Lippe'schen Tageszeitung", wonach allerdings der Gra'-Regent nichts von der Veröffentlichung gewußt habe und auch nicht damit einverstanden sei, daß ober dieselbe von der Umgebung des Graf-Regenten und seinen Ralhgebern ansgegangen fei. Kola, 18. November. Zur Abkürzung der Reise des Kaiserpaares wird der .Kölnischen Volkszeitung" aus Berlin geschrieben: In maßgebenden politischen Kreisen kommt die Meldung von der Abkürzung der Reise nicht unerwünscht. Die Annahme sei nicht von der Hand zu weisen, daß für die frühere Rückkehr auch politische Gründe bestimmend gewesen seien. Jedensalls könne man heute sagen, daß dte Unterlassung des Beluches des Sa secs In Aegypten Deutschland vor Verlegenheiten bewahrt habe. Karlsruhe, 18. November. Wte die .Bad. Presse" aas bestimmter Quelle vernimmt, trifft des ttaiserpaar nächste Woche in Baben Baben »um Besuche ein. Wien, 18. November. Der bekannte Bankier Wilhelm Großberger hat fich heute aus unbekannter Ursache erschossen. Budapest, 18. November, von unterrichteter Seite verlautet: Bet der Veröffentlichung de» Erlaffes des Kriegs- Ministers, worin es heißt, das Hentzi-Den km al soll der studirenden Jugend als Vorbild der Soldaten-Tugend vor- schweben, welcher Passus eigentlich allem den Unwillen der Oppofilion erregte, spielte ein Zufall mit. Dieser Erlaß war schon vor einigen Tagen ausgegebeu. Auf Vorstellungen von ungarischer Seite, laß dieser Passus Unwillen erregen werde, wurde angeordnet, daß der Erlaß nicht veröffentl cht werde. Emer der EorpS-Eommandauten veröffentlichte jedoch den Erlaß, bevor die Gegenordre bei ihm emtraf. Daher konnte ter Erlaß nicht mehr unpublicirt Metten. Budapest, 18. November. In der gestern Abend ob- gehaltenen Eonferenz der Uaabhänglgkeitt-Partei wurde be- schloffen, die Opposition in der Hentzi-Denkmal- Ss faire sowie den Kimps gegen do» Lahmet in schärfster Weise fortzusetzen. Die Bo'.kspartet be ch oß, da» Budget- Provisorium odzulehnen, der Debatte aber kein Htnderniß tu den Weg zu legen. Budapest, 18. November. Infolge der stürmischen Vorgänge im Abgeordnetenhause wurden Banffy, der Unter- richtswtnister, der Jastiiminister und der Landes-Verthetdt- gung»-Minister behufs Berichterstattung vom Kaiser in Audienz empfangen. Pari-, 18. November. Sestern Abend fand unter dem vorfitz des Leiters der .Arnore" eine Versammlung statt, welche von mehr als 8000 Perlouen besucht war. Die bedeutendsten socialist scheu Führer hielten Reden. Schließlich wurde folgende Resolution angenommen: 3000 versammelte Bürger protestiren energisch gegen dte Langiaa kett, mit welcher die Revtfion des Dr> y'ns Prccesses vor fich geht. Sie fordern, daß Picqnart svfoit in Fieiheit gesetzt wird und tadeln die Schurken, welche Dreysus unschuldig nach der Teufelsinsel geschafft haben. Die versammelten protestiren ferner gegen die gerichtliche Verfolgung, welche gegen Gohier angestrengt worden ist, weil et ter Armee dte Wahrheit gelagt hat. Endlich erklären die versammelten, daß fie alle Mittel und Wege benutzen «erden, nm das «ilt ä-genchtliche Verfahren, welches so viel Unheil gestiftet, adzuschaffen. Der in der Versammlung ebenfalls anwesende Letter des anarchistischen Blattes .Ptuble" wurde von einem Polizeibeamten ab- geführt. Loudon, 18. November. .Daily Mai'." meldet ans Rom, daß der englische Botschafter gestern de« König Humbert sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Der König habe ihm gesagt, Italien zähle auf die Freund- schast Englands. Laudoa, 18. November. .Daily Sraphic" will wissen, da» Gerücht, welche» gestern Abend tn Washington umging, wonach der Minister Day von Pari» die Nachricht erhalten, daß Spanien die amerikanischen Bedingungen angenommen habe, unrichtig sei. Loudon, 18 November. Eine Meldung au» Shanghai f besagt, daß wegen Auflaufen» des deutschen Flaggsch ffe» tn der Samoa Bucht bei Facha die Enthüllung de» Denkmal» für die mit der .Jlti»" Untetgegangenen in Shanghai verschoben ist. — Ein russische» Riesenproject. Man schreibt den .Münch. Neuest. Nackr.": Die Anstrengungen der ruifiichen Regierung, ihre Krieg»- und Handelsflotte rasch aus einen breiten Fuß zu bringen, begegnen fe uertet finanziellen Schwierigk in jeder beliebigen Schriftart und Kartonsorte werten zu mässigen Preisen angefertigt in der BrW’schen Univ.-Druckerei (Pietsch Erben) Schulstrasse 7. Feinste Tafel.Sardellen „ 1.60 Mk. Heringe Stück 5 Pfg. 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