1899 Nr. 220 Zweites Blatt Dienstag den 20. September frNthd ueaUttwl fittrr •Mrfcr« »t» Anzeiger WtcheotUch viermal fcnfdrgt. Gießener Anzeiger Mn*e»vi* *trxtri|4#vtt4 2 Kart 20 TH m«*etli4*r*co« Wt. i. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. »dreffe für Depeschen: >e|«tger Gietzs». Fernsprecher Är. 61. .-IJ__LJHMm Anrtlicher» Theil. Gießen, den 12. September 1898. Betr.: Die Ableistung de« Huldigung« und Berfaffung«etde«. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen an die Gr. Bürgermeistereien der Amtsgerichtsbezirke Grünberg und Homberg. Die Ableistung de- Huldigung«- und BerfoffangSeideS der in Ihren Gemeinden neu aufgenommenen Ort«bürger, sowie derjenigen Großherzoglich Hessischen Uoterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verdettctthet haben, soll Samstag, den L October d. I, vormittags 9 Uhr, la dem Rathhause zu Grünberg stattfinden. Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu dem Termine vorzuladen und wie geschehen unter Angabe der Namen der Borgeladenen anzuzetgen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war. Halten fich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren AusrnthaltSort angeben. v. Bechtold. Bekanntmachung, betreffend: Sterbltchkeitsstatistik der Monate Juli und August. Mr ersuchen die Großh. Büraerm^istereien Albach, BellcrSheiw, Bersrod, Dorf Güll, Gberstadt, Garbeuteich, Langd, Lollar, Lumda, Münster, Oueckborn, Rödgen, Röthges, Steinbach, Stein- Heim, Stockhausen und WeiterShaiu um Einsendung der Zählkarten und TodeSzeuguisse, beziehungsweise Fehlanzeige. Gießen, deu 17. September 1898. Großh. RreiSgeiuodhcttSamt Gießen. Dr. Haberkorn. Bekanntmachung, betreffend: die Abhaltung von Röitetmtnen zweck« Aufnahme der Zuchtthiere in da« Provinzialherdbuch im 1. Rörbezirk. Die Rörcommisfion bei 1. RörbezirkeS (Vogelsberger Vieh) wird nachfolgende Rötterwine abhalten: 1. deu 20. September, Bor«. 11 Uhr, in Lauter und Bingmühle, 2. „ 20. Nach«. 2 „ „ Grünberg, 3. „ 20. „ 5 „ „ Weickartshain, 4. „ 21. Bor«. 8 „ „ Qnecksorv, 5. , 21. „ 11 „ „ Saasen, 6- , 21. Nach«. 3 „ „ Reiskirchen, 7. „ 21. „ 5 „ „ Großen Buseck, 8. „ 23. vor«. 11 „ „ Londors, 9 „ 23. Nach«. 2 „ „ Beltershain, 10. „ 23. „ „ 4 „ „ Göbelnrod, vor«. 9 „ „ Burkhardsfelden, 11- „ 28. 12. „ 28. „ „ 11 „ „ Steinbach, Nach«. Vj5 ,, „ Alleudorf an der Lahn, 13. „ 28. 14. „ 29. „ Borm. 9 „ „ Ruttershausen, 15. „ 29. Nach«. 2 „ „ Großenlinden, 16. „ 29. „ 4 „ „ Heuchelheim. Die Züchter von Vogelsberger Vieh, welche ihre Thiere in das Herdbuch etntragen taffen wollen und bez. Anmeldungen schon bei mir gemach: haben, werden ersucht, ihre betreffenden Thiere an einem von betr. Großh. Bürgermeisterei hierzu bezeichneten Ort aufzustellen, damit die Arbeiten der Commisfiou ohne Aufschub erledigt werden können. Sollten noch weitere Viehzüchter ihre Thiere kören taffen wollen, so werden dieselben ersucht, dieselben gleichfalls an den betreffenden Rörteimlnen vorzuführen, vorher aber dem vorfitzenden dieser Cornrnisfion, Herrn Oberamtmann Hoffmann, Hof Güll, ober bem Geschäftsführer, Herrn Oberverwalter B eilst ein, Laubach, bireete Mitteilung zu machen. Lau buch, den 15. September 1898. Der Präsident de« landw. Vereins sür die Provinz Oberhtffen. (geg.) Friedrich Graf zu SvlmS-Lanbach. Zum Streit iu der Soeialdemokratie schreiben die „HR. N. N." unter« 16. Srptember. Aus dem Stuttgarter Parteitage soll der Hamburger Beschluß Über die Beeheiligung an deu preußischen Landtagswahlen einer Revision unterzogen werden. Die Breslauer Genoffen beantragen nämlich, als Punkt 5 auf die Tagesordnung zu fetzen: „Betheiligung an den Landtagswahlen", und verlangen in dieser Beziehung Aufhebung del letzten Satzes de« Hamburger BeschluffeS: „Eompromiffe und Bünd- niffe mit anderen Parteien dürfen nicht abgeschloffen werden," und deffen Ersetzung durch einen Zusatz. Dieser soll gestatten, Wahlmännern der bürgerlichen OppofitionSparteieu die Stimme zu geben, wenn diese fich verpflichten, n. A. für Einführung deS allgemeinen, gleichen, geheimen und btrecten Wahlrecht« bei der LandtagSwahl einzutreten und gegebenen Falls einem focialdernokratischen Abgeordneten die Stimme zn geben. In der vorgestern Abend abgehaltenen Versammlung del fünften Berliner Wahlkreise! behusS Stellungnahme zum Stuttgarter Parteitage wurde sogar vollständige Aushebung des Hamburger BeschluffeS gefordert, um der Nothwendigkeit überhoben zu sein, den Freisinn zu unterstützen. Wie weit der innere Zwiespalt bezüglich dieser Frage in der social- demokratischen Partei geht, beweisen zwei weitere Mittheilungen. Nach der einen haben die Genoffen gegen die Erklärung der AgitationScommisfion auf dem Brandenburger Parteitage, diejenigen Wahlkreise zu unterstützen, die fich an den Landtagswahlen betheiligen wollen, lebhaft protestirt, und im ersten Berliner Wahlkreise erklärte fich gestern die Versammlung mit der Veröffentlichung ihrer BertrauenSpersouen gegen Bebel über die Frage der Betheiligung an den Landtag!- Feuilleton. K. A. 1898. Humoreske von Arnold Bevern. (Schluß.) Der Diener entfeinte fick und ließ mich in dem Zimmer allein. Um mir die Zeit zu vertreiben, blickte ich «ich um. Eigentlich hatte ich geglaubt, bei einem einsamen Schriftsteller würde e! anbet! aulsehen. Da« war ein luxuröse- Herrenzimmer mit einem Schreibtisch voll Ziergegenstänben und e! schien viel eher von einem mÜßiggehenben jungen Dandy bewohnt, al! von einem ernsten Arbeitlmenschen. Nachdem ich ziemlich lange diesen Betrachtungen nach- gehangen hatte, wurde ich plötzlich durch den Eintritt einer jungen Dame gestört, einer leibhaftigen, reizenden, goldblonden, jungen Dame. Ich knackte in eine Verbeugung, und da! Fräulein begann — mehr Herr der Situation al! ich — zu sprechen. „Sie wünschen meinen Bruder Hermann zu sehen — da« heißt, Sie haben Lustrag —" Ich faßte mich rasch. »Ich — jawohl, gnädige! Fräulein, ich bin im Begriff, mich hier all Arzt niederzulaffeu — und — jawohl — meine — jawohl, meine Schwester empfahl mich an Herrn Alfen. Ich wollte mir daher erlauben —* „Sehr angenehm/ erwiderte die junge Dame. „Nur ist leider «ein älterer Bruder für einige Tage verreist. Doch «ein zweiter Bruder, der Jurist, wird fich freuen, Ihre Bekanntschaft zu machen." Ich muß gestehen, ganz wohl fühlte ich mich bei diesen Eröffnungen nicht. Run kam ich da unvermuthet in eine fremde Familie, mußte die dumme Lügnerrolle spielen — und — und — Schon wollte ich mich zum Rückzug retten, da kam ein junger Herr, der mit eine« impertinent freundlichen Gesicht auf «ich znging, und sagte: „Mein Name ist Heinrich Alfen, Dr. juris, Recht!- practicant." „Doctor Hartenberg," murmelte ich und wollte von Neue« die Historie von der Schwester hiuzufügen, bi! mir plötzlich einfiel, el fei doch schrecklich compromittireud, eine Schwester zu haben, welche mit wildfremden Herren Freund- schaftldriefe wechselt. Ich schwieg erröthend. Nun trat noch Jemand in! Zimmer — eine alte Dame. „Unsere liebe Tante, Frau von Großer," sagte der Rechtspractikaut. ES wurde mir ganz unheimlich. Lügen war niemals meine starke Seite gewesen, — aber konnte ich nun oll diesen fremden Herrschaften sagen: ich habe gar keine Schwester, ich «achte nur einen Schuljungenscherz? Nein, beim AeSeulap, da« ging nicht. Und fie waren so überwältigend liebenswürdig, besonders der RrchtSpractikaut, daß ich einfach nicht fort kam, bi« endlich Fräulein Henny (gibt e« einen reizenderen Namen?) sagte, daß der Fünfuhr- thee fertig sei. Ich blieb. Ich hätte nicht gewußt, wie fortzukommeu sei. ES waren so liebe, feine, gebildete Menschen. Meinen Eorrespondenten, der mir nie etwa« gesagt hatte von seiner famosen Familie, konnte ich schon gar nicht «ehr begreifen. AIS ich endlich ging, wußte ich mir gestehen, daß Fräulein Heuny viel intereffanter war al« Hermann, der Schriftsteller. Sie schienen auch nicht sehr gerne von ihm zu sprechen (was mir eine Freude war, denn ich konnte somit auch von Slotilde schweigen) und wenn eS geschah, so schnitt der hübsche RechtSpraetikant eine seltsame Grimasse. Hermann mußte wttklich nicht recht in diese liebe Familie paffen. Ich schlief in dieser Nacht kaum. U« el kurz zu machen: In schnellster Zett hatte ich mein Herz an Fräulein Henny verloren,- und bei weinen täglichen Besuchen erwähnte ich die sogenannte Schwester wit keine« Wort, fragte auch nicht nach de« dummen Bruder, der fich unter solchen Menschen vereinsamt gesühlt hatte. Am Abend de« achten Tage« war eS mit meiner Beherrschung zu Ende. Henny und ich saßen allein in dem Salon. Eine rothe Lampe brannte. Wann konnte ich beffere Gelegenheit finden? Ich nah« «einen ganzen Muth zusammen. „Gnädige« Fräulein," sagte ich, „Sie müffen lange gemerkt baden, waS mich hierher zieht. Sie find eS, «eine Theuetste. Ich liebe Sie. Wollen Sie meine Frau werden?" Sie wurde erst blaß, dann roth, bann ganz traurig. „Eine Gegenfrage," antwortete fie. „Wird Ihre Schwester nicht böse sein? Glauben Sie denn, daß auch Ihre Schwester mich lieb haben wird?" Ich athmete auf — und plötzlich wagte ich eS, fie in meine Arme zu schließen. „O ja, die ganz gewiß," befeuerte ich. Henny entschlüpfte mir. „Mein Gott," sagte fie, „Sie totff en eS ja noch nicht. Ich muß Ihnen erst ein Bekenntniß ablegen. Ich machte einen dummen Scherz; verstehen Sie nicht, man ist manchmal so neugierig — und ich wollte wiffen, wie viele Damen einen jungen Schriftsteller trösten und heirathen wollen. Nun schrieb wir Ihre Schwester — und die so anders, all ich erwartet hatte. Ich gewann fie so lieb — aber ich konnte mich nicht entschließen, cua den Betrug aufzudecken. Der Tante und Heinrich hatte ich eS längst gesagt, ehe Sie kamen. WaS half eS hinterher, daß fie zankten? ES ging nicht zu ändern. Ich habe ja gar keinen Bruder Hermann — die Briefe find von mir, — bloß von wir — und nun wird mir Ihre Schwester, die gute, liebe Llotilde, gewiß böse sein — und — ach, Bernd, eS ist schrecklich." Einen Aageoblick lang stand ich sprachlos. Dann schloß ich lachend daS boshafte Geschöpf wieder In die Arme. „Gottlob," sagte ich wunderbar erleichtert. „Gottlob habe ich ja keine Schwester, — ich bin Bernd und Llotilde in einer Person." Nun war eS auf ihrer Seite, fich zu verwundern. Einen Augenblick lang starrte wich daS süße Mädel an, als wäre ich ein Gespenst. „Wollen wir einander verzeihen?" fragte ich. Und sie ließ fich küffen. • • Jetzt habe ich «ich in München niedergelaffen und Hennys ganze Verwandtschaft ist schon wir zu Liebe krank geworden. Wenn daS so weiter geht mit der Praxis, lassen die Menschen wir armen Rerl kau« Zeit zu einsamen Flitterwochen. wählen nicht einverstanden, da der Inhalt dieser Veröffentlichung mit der Ansicht der Parteigenossen im ersten Wahlkreise nicht übereiustimme. SSSSfSüi Diese sich vielfach direct widersprechenden Erklärungen, Beschlüsse, Resolutionen usw. zeigen, ein wie großer Zwiespalt der Meinungen in der socialdemokratischeu Partei über die Frage der Betheiliguug an den preußischen Landtagswahlen herrscht und lassen für den Stuttgarter Parteitag recht interessante und stürmische Auseinandersetzungen erwarten. Die Agrarfrage wird auch wieder in den Vordergrund geschoben. Den Breslauer Genossen scheint die jedenfalls recht schwierige Aufgabe der auf dem Breslauer Parteitage eingesetzten Commission zum Studium der Agrarfrage nicht schnell genug erledigt zu werden und sie verlaugen daher Veröffentlichung der bisherigen Ergebnisse der Arbeiten dieser Commtssion im nächsten Jahre, um daun auf dem neu an- zuberaumeudeu Parteitage al» einen Punkt der Erörterungen: „Die Agrarfrage und die Socialdemokraiie" auf die Tagesordnung gesetzt zu sehen. Es ist hieraus zu erkennen, daß die Socialdemokratie schon jetzt einen rührigen Eifer für die nächsten Reichstagswahlen an den Tag legt, der einer Nachahmung der bürgerlichen Parteien nicht unwürdig wäre. — Von dem Ergebntß btt Delegirreuwahleu zum Stuttgarter Parteitag ist als intereffant zu melden, daß für den zweiten Berliner Wahlkreis auch Frau Lily Braun gewählt wurde, während im sechsten Wahlkreis Ledebour einen Durchfall zu verzeichnen hatte. Der Ausfall dieser Wahl ist ein charaete- risttsches Zeichen für den Umschwung der Stimmung unter den Soctaldemokrateu Berlins und deöavouirt deu Beschluß im Feenpalaste. Deutsche» Reich. Berlin, 17. September. Kaiser Wilhelm ist heute Mittag 1 Uhr wohlbehalten in Wien etngetroffeu. Kaiser Franz Josef erwartete ihn auf dem Nordbahnhof. Nach herzlicher Begrüßung fuhren beide Monarchen in offener Hof- eqaipage nach der Hofburg. Berlin, 17. September. Wie die „Post" erfährt, ist der vom Kaiser in der Ochnhausener Rede augeküadigte Gesetzentwurf, welcher eine Verschärfung der iw § 153 der Gewerbeordnung vorgesehenen Strafbestimmungen enthält, bereits fertiggestellt und wird dem Reichstag demnächst zugeheu. Ueber die Einberufung des Reichstags ist noch keine Bestimmung getroffen. Berlin, 17. September. Die Todteufrier für die Kaiserin Elisabeth, veranstaltet von der hiesigen österr.- ungarischen Botschaft, hat heute Vormittag 11 Uhr in der HedwigSkirche stattgesunden. Als Vertreterin der Kaiserin war Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorf sowie Oberhofmeister Frhr. v Mirbach und Kammerherr von dem Knesebeck erschienen. Sämmtliche Reichs- wie städtischen Behörden hatten ihre augenblicklich in Berlin weilenden Vertreter entsandt. Während des Rcqulrm sang der Kircheuchor ergeifeude Lieder. Berlin, 17. September. In der Abrüstungsfrage macht ftch allmählich eine recht nüchterne Auffassung geltend. Wir haben schon die Rede de» Zaren in Gedastopol als ein Zeichen für die Rückkehr auf den Boden der Wirklichkeit gedeutet. Die russische Presse fiel mit zorniger Geberde über die Rede des deutschen Kaisers in Porta her, da ihr noch unbekannt geblieben war, daß der Zar am Tage vorher gleichfalls au die Armee, als die beste Waffe für den Frieden, appellirt hatte. Infolge dieser unerwarteten Beränderuug der Situation findet mau nun auch in russischen Blättern verständige AuSsühruugen über die Kundgebung unseres Kaisers. Nach einer telegraphischen Meldung auS Petersburg sagt jetzt „MoSkowskja Wjrdomofti" am Schluffe eines längeren Artikels: „So lange die FriedenScoufereuz noch nicht zu Stande gekommen, wird die Regierung jedes Landes ebenso denken und handeln wie Kaiser Wilhelm, und Rußland, welches die FriedeuSconferenz beruft, wird keinen Augenblick seine Sorgen um die Heranbildung der Kriegsbereitschaft seiner Armee einstellen, in welcher es, so lange die Staaten keine audrren, den Frieden ohne diese Opfer für die Armee fichernden Mittel gefunden, ebenfalls die Friedensbürgschaft erblickt." M. N. N. Berlin, 17. September. Aus Deutfch-Ostafrika kommt die Nachricht, daß der Gouverneur einen Zug bi» nach dem äußersten Westen von Deutsch-Ostafrika machen wolle. Dem Anscheine nach dürfte dieser Zug hauptsächlich Feuilleton. Ins Aiewerdyak! Net weit von Giesse, da leiht e Dhal, Bon griene Hiegel umschlösse, Von Berge nun Bürge hibsch umsäumt, Unn vou de Biewer dorchfloffe. Daß iS e Dhälche, so schee unn fei, Fersch Aag' e wahre» Sunzicke! — Wo Miehle au Miehle sich reihe aa Bor unsere trunkene Blicke. E Eisebah fihrt etz in» Dhälche euei Seit Korzem, zu unserm Vergniege, Unn wäi e HeringSfaß vollgestoppt Sinn immer die sämmtliche Ziege. AuS Giesse enau» unn nach Giesse eninn Pir Damb kann merr efdersch ritsche Unn Owend» um Elf kann merr noch haam — Kaan Mensch kann ahm etz noch brttsche! Wäi rappelt iwwer die Lahbrick die Bah, Wäi stolz verlaßt se deß Giesse! Unn hippt se e mal au» de Schiene «au», Daß darf uu» kaa bische verdrieße. den Zweck haben, Unterlagen zu finden für die spätere genaue Festlegung der Grenze zwischen dem deutschen Schutzgebiete und dem Congostaate im Norden von Tanganjika. Die Belgier haben nicht nur auf ihren Karten, sondern auch praktisch durch Besetzung der fraglichen Gebiete die Darstellung auf den franzöfischen Karten al» gtlttg und zu Recht bestehend angenommen und sich am Rusfisfifluffe und am Kivnsee häu»- lich niedergelassen, die vertrag»mäßig in die deutsche Sphäre fallen. Auf den Einspruch von deutscher Seite entgegnet die Congoregierung, sie habe später von Berlin au» die Zusicherung erhalten, daß auch von deutscher Veite die auf den französischen Karten angegebene Grenze anerkannt werden sollte. Zunächst ist e» fraglich, ob überhaupt eine solche auf dem Verwaltungswege abgegebene Erklärung einen bündigen Vertrag wirklich abändern kann. Wir müssen unbedingt an der alten Grenze festhalteu, und es wird gut fein, wenn der Gouverneur zunächst dort örtliche Feststellungen trifft und jene westlichen Landstriche einmal selbst in Augenschein nimmt. Die Regelung der dortigen Verhältnisse wird immer dringlicher, seitdem im Osten und Westen die Verwaltung bis an die beiderseitige Grenze ausgedehnt worden ist. Unaufschiebbar wird aber die Grenzfestlegung dort, da die Durchlegnng de» englischen Telegraphen durch den Congostaat nahe bevorsteht. Berlin, 17. September. Auf die Anregung der zuweilen polnisch beeinflußten Petersburger „Nowosti", durch Neutralmachung Elsaß-Lothringen» die Franzosen zu versöhnen, ward jüngst die Antwort eines anderen, national- russischen Blatte» laut. Die „Nowojr Wremja" sagt, Rußland werde weder jemals irgend welche Forderungen in der elsaß-lothringischen Frage seinem Bundesgenossen vorlegen, noch sich erlauben, ihm den kleinsten Rath in dieser Beziehung zu geben, da eß sich nicht baß Recht zuspreche, bte wundesten Stellen in der Seele der franzöfischen Nation zu berühren. Die Folgen be» Krieges, von 1870/71 müßten außerhalb der auf der internationalen Confereuz erhobenen Fragen stehen. Daß Blatt erklärt sich, indem e» diese Ansicht anßspricht, für so fest überzeugt, in vollem Eiuverständntß mit der Meinung der russischen Gesellschaft und der russischen leitenden Kreise zu stehen, daß e» auf die Frage nicht mehr zurück- kommen werde, über die eß genöthigt gewesen sei, heute einige Worte zu sagen. — Daß völlige Fernhalten der genannten »Frage" von den Verhandlungen der Conferenz ist für unß Deutsche ja etwaß völlig Selbstverständliche». Aber den Franzosen muß ja gelegentlich auch da» Selbstverständliche noch gesagt werden. — Wie nun bekannt wird, lauten die Antworten der Dreibundmächte auf den rusficheu Couferenz- vorschlag denn auch übereinstimmend dahin, daß sie zur Thetl- nahme bereit seien, wobei aber die allseitige Ausrechthaltuug deß gegenwärtigen internationalen Besitzstandes als selbstverständliche Voraussetzung behandelt wurde. England soll außerdem erklärt Haden, eß dürfe über keine schwebende internationale Frage verhandelt werden, sondern nut über die Menschlichkeitsrücksicht in der Beschränkung der Rüstungen. Die Vereinigten Staaten scheinen die» noch bestimmter betont zu haben. Ueber Frankreichs Antwort verlautet derzeit noch nichts Gewisse». Berlin, 17. S'ptember. Al» Eröffnungstag der nächsten Reichstags-Session wird von verschiedenen Zeitungen der 29. November in Aussicht gestellt. Ob aber schon jetzt ein bestimmter Termin wirklich festgesetzt ist, dürfte wohl fraglich (ein. Die Combiriation für den 29. November hat indessen, wie die M®. N. N." bemerken, viel Wahrscheinlichkeit für sich, denn die Eröffnung dr» ReichtageS erfolgt erfahrungsgemäß stets an einem Dienstag, und das genannte Datum fällt in bet That auf ben letzten Dienstag be« November. Der nächste Dienstag fällt auf ben 6. De- cembet, da aber zwei Tage barauf ein katholischer Feiertag ist, so bürste bieses Datum für ben Beginn ber Parlament», arbeiten nicht geeiguet sein, da bet Reichstag bann vor Weihnachten nicht viel länger al» eine Woche beisammen bleiben könnte. — Gesuch nm Wiedereinführung der Prügelstrafe. In Bünde i. W. hat ber dortige conservative Verein auf deu Antrag eines juristischen Mitgliedes folgende Petition an ben Reichstag beschlossen: „Angesichts bet grauenhafte Morde in Genf, Osnabrück und anderen Orten bitten wir ben Reichstag, auf Wiedereinführung schärfster Prügelstrafen, namentlich wo es sich um bestialische Verbrechen gegen | Frauen und Kinder handelt, hinzuwirken. Sie ist die einzige ©trafart, welche die entarteten Unmenschen noch fürchten. Zugleich soll an sämmtliche deutschen Vereine jeglicher politischen Richtung daS Ersuchen gerichtet werden, fich dieser Petition anzuschließen, damit der hohe Reichstag sich davon überzeugt, wie stark der Wunsch des Volkes ist, unser Straf- system durch Wiedereinführung der Prügelstrafe gegen Lust- Mörder und bestialische Verbrecher zu ergänzen. Köln, 17. September. Zur Anarchisteufrage sagt die „Köln. 3tg.": Als unmittelbar ausführbar fei eigentlich ber Vorschlag anerkannt worben, baß alle Staatcn sich ber nicht staatsavgehörigen Anarchisten entledigen sollen. Einzelne Länber, wie Belgien und die Schweiz, scheinen diesen Weg sofort eiuschlageu zu wollen. Judeß liegen bestimmte Beschlüsse noch von keinem Staat vor. Rein akademischen Charakter tragen jene Erörterungen, die den Anarchismus auf dem Wege ber sogen. Berchristlichung ber Schule unb ber Beschneidung bet Lehrfreiheit ber Universitäten bekämpfen wollen. Breslau, 17. September. Wie ber Breslauer „General- Anzeiger" berichtet, würbe heute hier der bisherige Stadt- verordnete und ProvinziallandtagS-Abgeordnete, Vorstandsmitglied der Genossenschaften Schlesiens, BerlagSbuchhäudler E. Morgenstern verhaftet. Hamburg, 17. September. Großes Aufsehen erregt die Verhaftung von fünf angesehenen Altonaer Bürgern, welche im Hamburger Freihafen-Gebiet und auf dem ganzen Elbstrom seit Jahren nach Millionen zählende Tabakschwindeleien verübt haben. Wien 17. September. DaS Gerücht vou einem geplanten Attentat auf den Kronprinzen von Italien wirb osficiöS kategorisch bementiit. Ebenso baS Gerücht von ber angeblichen Verhaftung eines mit dem Attentat in Verbinbuug stehenden Anarchisten. DaS Gerücht sei wah-schetnlich dadurch entstanden, daß die Schweizer Polizei vor einigen Tagen die hiesige Polizei vou der Abreise mehrer« Anarchisten verständigt hatte. Rom, 17. September. Der Kronprinz überbringt dem österreichischen Kaiser ein eigenhändiges Handschreiben des italienischen Königspaares, in welchem dasselbe nochmal» seine herzlichste Theiluahme ausspricht. Pari», 17. September. Heute Nachmittag ging hier daS Gerücht, der Offizier, dessen Verhaftung von mehreren Blättern als bevorstehend gemeldet wurde, sei d« Oberst Bonnier. Dieser Offizier habe die geheimen Schriftstücke deß DrehfuS'Prozrffeß ben Richtern überbracht. Pari», 17. September. Die Blättern äußern fich sehr «freut über bie Demission beß Kriegßmiuister». Mau glaubt, baß ber Posten vorläufig nur interimistisch besetzt wirb. Pari», 17. September. Der Ministerrath hat heute bte Revision be» Dreysnß-Prozesse» beschlossen. Konstantinopel, 17. Sepiember. DiePforte protestiere in einem Schreiben an bie Admirale gegen bie geplante sofortige Aburtheilung ber Rädelsführer unb forberte bte Stellung berfclben vor ein internationales GerichtßtribunaU — In Konstantinopel verlautet, ber türkische Botschafter in Petersburg sei angewiesen worben, auf ben Ab- rüstungßvo:schlag beß Zaren dahin zu antworten, die Pforte müsse infolge be» letzten Kriege» ihre Rüstungen ergänzen, unb sie fei zwar bereit an ber Conferenz theilzunehmen, wünsche jeboch beren Programm zu kennen._________________ V«tni fd?t<». • Alle gerichtlichen Schutzmarken erloschen am 1. October b. I». gemäß den Bestimmungen btß Paragraphen 24 beß WaarenbezeichnungSgesetze», welche biß zu biesem Tage noch nicht zur Umschreibung in bie Zeichrnrolle beß Kaiserlichen Patentamteß in Berlin angemelbet würben. Wenn nun auch solche gelöschten Zeichen zu jeder Zeit wiebernm angemelbet werden können, so ist dennoch zu bedenken, daß bte Priorität ber ursprünglichen gerichtlichen Eintragung durch bie Unterlassung ber rechtzeitigen Aumelbuug zu der patentamtlichen Zeichenrolle verloren gegangen ist. Da nun für die prüfende Abteilung des Patentamte» gerade die Prioritätßoerhällnisse bei den sogenannten Bedingten ver- sagung»gründen maßgebend uab entscheidend find, so bedeutet ber Verlust der Priorität sehr ost auch ben Berlnü de» Zeichen» selbst. E» kann de»halb allen Inhabern der ält«eu gerichtlichen Zeichen (Schutzmarken) nicht dringend genug em- Merr hawwe bie Bah unn beß Btewerbhal auch Unn widber sinn merr verdünne Mit unsere Landsleut, bäi bte Preuße getrennt Von uns, bäi beese Runne. Nach Hruchelheim fährt merr zeerscht enau», — UffS Miehlche nach, sich ze erquicke, Unn Handkä» unn Aeppelwei ober nach Bi«, Deß kann merr dort schee verbrtcke. Aach uff be Borg Winbhof fällt» ahm uet schwer, In bie Ritterzeit fich ze versetzte, Im altdeutsche Saal bord) en altdeutsche Trunk Sich die dorschdig Gorjel ze letze. In nächster Netz' blinkt bann be Awendstern, — Aach dort t» gut ze verweile- Wer Lust hott, kann auch nach Rodheim fahr« Unn brauch sich kaa bische ze eile. Dort gibt» ja bekanntlich zu jeder Zeit Waß Gute» ze drtnke unn cfft; Da kann merr gemtedhltch bei Spei» unn Trank Deß Elend der Welt vergesse. Nach Biewer fihrt ahm deß Bähnche bann, Doch da muß merr hahle bleiwe, Dann lääft merr bi» uff die Rehmihl enauß, Um fich bie Zeit ze verbretwe. En Abstecher gar nach Renigßberg hie Iß jedeufall» net ze verachte, Aach kann merr in aller Gemtebhltchketb Sich Buwerod noch bedrachte. Die Owermiehl t» etz aach kaa Konst Mit wenig Mih ze erreiche Uan uff be DienSderg e Klaanigkrid Bei Wind unn Wetter ze steige. Unn hott der «scht sei AuSfichtßthorm, Daun krawwelt enuff ganz Giesse — Uun will von da owe alle Dag Däi vrachtvoll Ausficht genieße. Wohi merr guckt, da brengt die Bah De Mensche en große ©ege; Vielleicht verwerklicht fich» aach emal, In» Htnnerland noch se ze lege. Wann Fellingßhause unn aach Kerchveersch Unn wäi bte Orte all heiße, Mit Giesse verbunne bord) Schienestrang, Dann will ätch bte Btewerbah preise. Carl Geißler. pfählen werden, dieselben möglichst sofort und auf jeden Fall vor dem 1. Oktober -ur Umschreibung in die pateatamtliche Zeichmrolle anzumelden. Das Waarenzeicheabureau F. A. Hoppen, Berlin, Lharlotteustr. 3, ertheitt den Lesern diese» Blatte» kostenfrei weitere Auskunft. Geographische Namen al» Waarenzeichea sind bekanntlich al» Herkunftsangaben, die dem loyalen Verkehr nicht entzogen werden dürfen, von der Eintragung tu die Waareozeichenrolle au»geschlosi:n. Trotzdem ist, wie uu» daS Wrareuzeicheubureau F. S. Hoppen, Berlin SW. 12, «ittheilt, von dem Patentamte, auf Grund der Anmeldung einer Grazer Firma da» Wort „Styria" al» Waarevzeicheu eingetragen worden, welche» Wort nicht» weiter al» die genaue englische Uebersetzung de» Ländernamen» Steiermark ist. Da nun Graz die Hauptstadt von Steiermark ist, stellt also da» Wort Styria für die Grazer Firma zweifellos eine Her« kuvftSbezeichouog dar. In Folge de» durch eine Eoncurrenz- sirma gestellten Löschungsantrage» wurde al»dano in erster Instanz auch wirklich die Löschung de» Wortzeichen» „Styria" ausgesprochen. Die zweite Instanz hingegen hob den Löschung»» beschlug wieder auf und erklärte die Eintragung für recht»« giltig mit der Begründung, daß daS Wort „Styria" aller« d»ng» die englische U«brrsetzuvg de» Lävderuamen» ^Steiermark" darstelle, aber neben dieser geographischen Bedeutung auch noch eine ideale bezw. allegorische Bedeutung (Styria d'e Schutzpatronin Steiermark») habe, und in diesem Sinne schutzfähig sei. Natürlich könne durch die Eintragung Niemand gebindert werden, da» Wort Styria in geographischer Be- ziehnnq (z. B. »Made in Styria“) zu gebrauchen. So scharssiaoig diese Entscheidung ist, so erscheint ihre Anwendung auf die Proxt» doch mit großen Schwierigkeiten verknüpft, da e» in vielen Fällen schwer sein wird, im Verkehr die feinen Unterschiede zwischen allegorischer und geographischer Bedeutung heroußzufinden, welche da» Patentawt zur Unter- scheidung seiner Begründung heranzog. • Der „Pest. Ll." erzählt folgende lustige Doppelgänger- Geschichte. „Im Klausenburg-Pester Schnellzuge ereignete sich dreier Tage em ergötzliche» Histörchen. In Großwardein hatten drei Herren den Zug bestiegen, unter ihnen Herr X., ein Handlung»retseoder, der daS weitestgehende vertrauen ie nrS Vorgesetzten nicht bloß seiner geschäftlichen Tüchtigkeit, sondern vornehmlich dem Umstande zu danken hatte, daß er, in entschuldbarer Heuchelei, sich al» Muster eine» soliden Manne», al» Wein-, Weib- und Kartenverächter gab, obgleich er just einem Spielchen nicht abgeneigt war. Auch während der Fahrt wurde eine kleine KlabriaS-Partie gespielt und in der Hitze de» Gefecht» merkten die Spieler gar nicht, daß in der Station PüepökLakävy ein Herr tu den Wagen trat, oer sichtlich unangenehm berührt schien, al» er Herrn X. eine „kontrirte" Quart-Bela Kasse „ansagen" hörte, mit der Leiden« schäft, die ein solche» Ka'tenereiguiß verdient. Der Ankömmling störte da» Terzett bi» zur Erledigung de» Spiele» nicht, daun aber, die Sltrne furchend und die Hand schwer auf die Schulter X' legend, sagte er: „So, so, Herr X. ! Sie spielen also Karten?" — Herr X. blickte auf, erkannte seinen ge« strengen Vorgesetzten, war aber auch im Nu mit sich im Reinen. Er blickte den Störenfried kalt an und erwiderte dann herausfordernd: „Verzeihung, ich habe nicht das Vergnügen. Wer sind Sie denn eigentlich?" — Herr U. fuhr auf: „Na, das »ft nicht Übel, thut der Mensch, al» wüßte er nicht, daß ich sein Ehef bin." — Herr X.: „Mein Ehef? Entschuldigung, Sie irren sich. Ich habe keinen Chef. Mein Name »st Dr. ß.; ich bin Kreisarzt in R—g. Und nun bitte ich Sie, Herr, un» nicht weiter zu behelligen." — Herr j). vollständig irre geworden durch die Sicherheit, mit der Herr X auftrat, stammelte eine Entschuldigung, er babe nie eine verblüffendere Ähnlichkeit gesehen, und al» X. dann in einer Zwischenstation den Zug verließ, war Herr U. völlig überzeugt, daß sein Reisender einen Doppelgänger in ärztlichen Kreisen besitze. Bier Tage später, al» sich tu Pest Herr X. ö-i seinem Vorgesetzten meldete, erzählte ihm dieser lächelnd: „Na lieber X., wa» mir vor einigen Tagen bet PüSpök- Ladäny pasfirte, da» ist einfach unerhört. Auf dem Zuge traf ich einen Herrn, der Karten spielte und Ihnen so ähnlich sah, daß ich ihm beinahe grob kam." — Herr X. machte eine schrecklich mißmutdige ÜRieoc; „War da» nicht der K—er Kreisarzt Z?" — „Gewiß war der rS." — „Habe mirS gleich gedacht; eS ist einfach gräßlich, wa» für Unauaehm- > schreiten wir dieser Mensch mir seiner unerhörten Aeholtch- k tt bereitet. . . ." Herr X. aber sitzt noch fester im Sattel al» bisher und selbst fünfzig neidische Nebenbuhler können ihm die Gunst seine» Vorgesetzten nicht abwendig wachen. * Die Enthüllung de» Storm Denkmals in H« u«. .lieber Husum, der grauen Stadt am Westmeere, ging strahlend d»e Sonne auf an dem Ehrentage des großen Ehrenbürgers, der den Namen Husum auf immer durch die Verklärung, die er ihm durch seine Dichtung gegeben, mit der Geschichte der deutschen Dichtung verwoben hat. Der 14. September war ein Tag der Freude und Weihe, dieser 81. Geburtstag des seit 11 Jahren im Grabe ruhenden Meisters de» Liedes und der Novelle. Festlich prangten im Flaggenschmuck die Straßen mit ihren alten Giebelhäusern, und lebhafte Bewegung und freudige Stimmung herrschten allenthalben, die besonders noch gehoben wurde durch das Erscheinen hoher Gäste, wie vor allem des Herzogs Emst Günther von Schleswig-Holstein- Sonderburg-Augustmburg, ferner des Oberpräsidenten Staats- Ministers o. Köller, des Klosterpropstes Rochus Freiherrn o. Liliencron, des Landtagsmarschalls, der Schriftsteller Graf Baudiffin und Hermann Heiberq u. f. w. Freilich hatte die Feier einen mehr provinciellcn Charakter: aus weiterer Feme waren nur als Vertreter des Hauptcomitös der Commercien- rath (Strom Paetel-Berlin, Verlagsbuchhändler George Wester- mann-Braunschroeig und Pros. Dr. Alfred Biese-Coblenz erschienen, die in langjähriger freundschaftlicher Beziehung zu dem Dichter gestanden haben. Ein Husumer (Prof. Brütt) hat das Werk (Bronzebüste auf Marmorsäule) geschaffen, da» feine Charakteristik mit trefflicher Aehnlichkeit verbindet, ein Husumer (Profeffor Tönnis-Hamburg, der bekannte Social- ^rhilosoph) hielt die Festrede im Schloßpark, wo da» Denkmal eine sehr wirkungsvolle Stelle gefunden hat. Die ausge- zeichnete Rede, wächer Gesänge de» Theodor Storm-Gesang- verein» voraufgingen und nachfolgtm, gipfelte in dem Satze: Die große Liebe war in ihm, die Liebe, die alle Zweifel und Enttäuschungen überwindet, die nicht nach dem Erfolge de» Tages fragt, jene schaffende Liebe, die sich ihre» Werkes freut und ihres Werke» pflegt — jene Liebe zu allem, was Menschenbrust erhebt und erwärmt, zu Weib und Kind, zu Land und Volk, jenes Heimathgefühl, jener Familiensinn, jene Naturfreude, jener Humor, die im echten D.chter erst die Größe ausmachen. Cornrnercienrath Paetel, der am Zustande- kommm des Denkmals die höchsten Verdienste hat, übergab es im Namen des Comites der Stadt, und der Bürgermeister Menge, der in meisterhafter Weise das ganze Fest leitete, übernahm es mit zündenden Worten. Als die prächtige Möllersche Melodie des Schlußliedes „Am grauen Strand, am grauen Meer- verklungen war, wurden herrliche Kränze am Denkmal niedergelcgt. An dem Festesten, da» die Stadt Husum zu Ehren des Herzog» Ernst Günther im Bahnhofs- Hotel veranstaltete, nahmen etwa 40 Herren theil: die Speisen waren spccifisch husumisch und vortrefflich; der Herzog brachte den Kaisertoast und zur Antwort auf des Bürgermeisters Begrüßung in markigen Worten den Toast auf die Stadt Husum aus. Der Abend brachte noch reiche Genüste, da der Theodor Storm-Gesangverein ein Fest in Hensens Garten veranstaltete; auf das von vielen Reden gewürzte Abend- effen folgten trefflich gestellte lebende Bilder aus Storms Werken: Lena Wies, Zur Wald- und Wasterfreude, Regen- trübe. Das macht, es hat die Nachtigall, Wenn die Aepfel reif sind, Aus Jmmenfee, Unterm Tannenbaum. Erft in früher Morgenstunde des 15. ds. fand das schöne Fest, das jedem, der daran cheilnehmen durfte, eine Quelle weihevollen Erinnerns fein wird, den Abschluß. • Der tägliche Verbrauch von Taschentüchern in den Bereinigten Staaten wird von der dortigen Fachzeitschrift „Textile Mercury“ berechnet. Um ein Mtßverstänbniß zu vermeiden, sei gleich bemerkt, daß diese vom industriellen Standpunkt gar nicht so sonderbare Statistik unter der Zahl der verbrauchten Taschentücher diejenige versteht, die an einem Tage von den Bürgern der vereinigten Staaten gekauft wird. E» wird vielleicht zunächst in Erstauen setzen, daß die Amerikaner in diesem Sinne täglich 75,000 Dutzend Taschentücher „brauchen", da» macht im Jahre 27,375,000 Dutzend oder 328,500,000 Stück im Jahre. Da aber die Bevölkerung der Bereiaigten Staaten sich auf 78 Millionen Einwohner beläuft, so kauft durchschnittlich doch jeder von ihnen im Jahre nur 4 Taschentücher, und da» erscheint allerding» so wenig, daß e» den verdacht nahe legt, daß man sich noch recht vielfach unter dem Sternenbanner de- sogenannten „natürlichen Verfahren»- in dieser Hinsicht bedient, denn ein Städter von einiger Bildung — und solcher gibt eS doch Millionen in jenem Lande — dürfte kaum mit 4 Taschentüchern jährlich au»kommen. Daß der Hauptverbrauch sich auf die Großstädte znsammenzieht, geht z. B. darau» hervor, daß in New Aork dauernd wenigsten» 350 Millionen Taschentücher sich auf Lager befinden. Der Preis für da- Dutzend schwankt zwischen 1,25 und 160 Mk. Die Sache hat auch ihre internationale Bedeutung, da in Amerika selbst wenig Taschentücher hergestellt werden, eigentlich nur billige Sorten aus Baumwolle und mioderwerthiger Seide. Die schönsten feidenenTaschentücher kommen besonder» au»Japan, woher durchschnittlich im Jahre 17 bi» 18 Millionen Stück ausgeführt werden. Frankreich und Belgien liefern die Bartist-Taschen- tücher, wahrend die leinenen vorzugsweise aus Nord-Irland und au» dem schweizerischen Santon St. Gallen kommen. Für die japanische Waare werden 15 bi» 160 Mk. daS Dutzend bezahlt, für B-üffeler Battlst 22 bl» 32 Mk und für daS gewöhnlichste baumwollene Taschentuch, wie e» in Pennsylvanten und in Nrw-Jerseh hergestellt wird, nur 1,25 Mk. da» Dutzend. * Sin hofschaufpieler als Barbier. Man erzählt sich — wie wir hören — in Kassel folgende Anekdote, die sich während einer bet letzten Frühjahrsparaben zugetragen haben soll. Ein bort beliebter Darsteller wohnt in einem Gasthause, gerade über ihm wohnt ein Barbier. Ein Fremder, welcher eiligst rasirt sein will, wird entweder scherzweise zur Wohnung de» Schanfpielers gewiesen, ober er hat sich in den Stockwerken geirrt. Genug, er tritt am frühen Morgen, ohne Umstände zu machen, in da» Zimmer des Darstellers, welcher im Cabinelte eben mit der eigenen Toisitte beschäftigt ist, dabei seinen Kaffee braut und in der Meinung, es sei der ihn Bedienende, auch nicht weiter des Eingetretenen achtet. „He, holla! Ist Niemand da?" ertönt es nach kurzer Pause. Der Schauspieler, gerade beim Rasiien, ruft „gleich" und beendet seine Arbeit. Dies dauert dem Gaste, welcher sich bereit» vor dem großen Spiegel in Positur gesetzt hat, jedoch zu lange und er läßt unwillig und grob noch einmal ein „Na, wird» bald?" hören. Der Schauspieler, ganz im Neg- ligee, da» Rasirmeffer noch in der Hand, öffnet die Thür, erblickt den ihm unbekannten Gast und fragt: „Was wollen Sie?" — „Rasirt fein, schnell, ich habe Eile, seifen Cie mich ein", sagt er kurz, legt den Kopf an die Stuhllehne und streckt die Beine gemächlich au». — Dem Schauspieler gefällt der Spaß. „Sogleich", sagt er, hott eine Serviette, legt sie dem Gaste um dem Hals und seift ihn gehörig ein, dann geht er ruhig in sein Cabinet. Der eingeseiste Gast fitzt eine Welle erwartungsvoll da, als ober der vermeinte Barbier nicht wieder erscheint, flucht er alle Donnerwetter über besten Langweiligkeit vom Himmel herab. Da auch da» nicht» hllst, springt er wüthend empor und reifet die Cabinetthüre auf, um einen mächtigen Fluch in des Barbiers Angesicht zu schleudern. Wie vom Blitz getroffen bleibt er, aber sprachlos stehen, al» er diesen ganz gemächlich im Lehnstuhl erblickt, eine Cigarre rauchend und den fertig gewordenen Kaffee schlürfend. „Mensch!" schrett er dann außer sich vor Wuth, „plagt Sie denn der Teufel?" — „Das müssen Sie am beften wißen-, erwidert der Schauspieler ruhig. — „He!", rast der Fremde fort, .wollen Sie mich zum Narren haben?- — „Sonst hat» weiter keinen Zweck", lacht der Schauspieler. — „Herr!" schreit der Fremde, auf ihn einfahrend, außer sich, „rasiren Sie mich oder — Der Schauspieler immer ruhig, sagt: „Da müßen Sie sich gefälligst eine Treppe höher bemühen, ich seife die Leute nur ein!" — „Wa, — ©ie sind nicht —" — n$)er Bardier?" lächelt bet Schauspieler ausstehend; „nein, nur so ein Appendix der Kunst — der Hofschaufpieler". — Einen Augenblick stand der Fremde mit offenem Munde da, bann stolperte er ein geseift zur Thür hinan», währenb bet Schauspieler sich vor Lachen schüttelte. * Unkollegial. Samrät»ratd: „Nun, wa» ist teäbttnh meiner Abwefeaheit vorgekommen?" — Stellvertreter (junger Arzt): „Zwei Patienten find gestorben, darunter Eommerzten- rath Goldstein!" — SanitätSrath: „Den hätten Sie mir aber leben lallen lallen!" Wissenschaft, Citcrahtr^unfc Kunft. — Dr. Karl Weyrmanrr. Der „Frank. Ztg." wirb geschrieben: In Lübeck starb der Geschichtsforscher Dr. Rett Wehrmann, der vormalige langjährige StaatSarchivar, im Alter von 89 Jahren. Wehrmann hat sich nadmhaste Verdienste um die Geschichte seiner Vaterstadt Lübeck erworben. Man verdankt ihm Forschungen und Studien zur politischen Cullur, Wirthschast»- und Verfassungsgeschichte Lübeck«. Seine Hauptarbeit galt dem „Lübecker Urkundenbuch". An diese schließt sich da» Werk „Die älteren Lübecker Zunstrollen" (1864) an. Bon Wehr mannS Einzelstudren sind der- vorzuheben die Mittheilungen über die Fastnachtsspiel« der Patricier in Lübeck, Über btt Lübecker Zunstausstände 1408 bi» 1416, über da» Lübecker Kirchenwesen, über das Schuldenwesm und die Zollein- nahmen von Lüb-ck, über da» Lübische Patriciat, über da» deutsche Oldenshau« in Lübeck. Zu dem Djeekr'schcn Sammelwerke über die Geschichte Lübeck« steuerte Wehrmann die Darstellung der Geschichte de» Gerichtswesen», der Staats- und Gemeinde-V.rwaltung, de» Kirchen-, Schul- und Armenwesen» bei und eine Urbersicht über dir Geschichte Lübcck» lieferte er für die Festschrift zur Lübecker Naturforscher-Versammlung. In Wehrmann verliert die hansisch- Geschichtsforschung einen ihrer verdientesten Mäkmer. — Das große Leid, in welches ganz Deutschland durch den Tod des Fürsten Bismarck versetzt worden ist, drückt auch den neuesten Nummern der „Gartenlaube" seinen Stempel auf. Nachdem schon in Nummer 31 ein in ergreifenden Worten abgeiatzter Nachruf und Bilder, welche auf daS erschütternde Ereigniß Bezug nahmen, durch eine außerordentliche Beilage veröffentlich worden sind, bringen die Nummern 33 und 34 ausschließlich Illustrationen, welche dem Leben deS Altreichskanzlers entnommen sind und ihn in den verschiedensten Lebensjahren und Lebenslagen darstellen. Die Stätten, an denen er gelebt und gewirkt hat, und Scenen auS neuester Zett, wie sie sich unmittelbar nach dem Hinscheiden deS großen ManneS in und um FriedrichSruh abgespielt baden, werden uns im Bilde vorgeführt. Ferner beginnt eine ausführliche Schilderung von BiSmarcks Lebensgang zu erscheinen und verschiedene andere Beiträge entsprechen der Stimmung, von der jeder Deutsche erfüllt ist. Alle diese Darbietungen von Schriftsteller- und Künstler- Hand find dem innersten Herzen entwachsen, sie müffen deshalb auch zu Herzen sprechen und werden, als lheure ErinnerungSblätter auf- bewahrt, einen bleibenden Werib baden. Universität- - Nachrichten. Würzburg. Der ordentliche Professor vr. Karl Hiller wurde zum Professor deS Strafrechts an der Universität Graz ernannt. Berlin. Die Wahl des ordmtlrchm Professor» in der medicinischen Facultät, Geheimen Mediclnal Raths Dr. Wilhelm Walbeyer, zum R.cior der Friedrich-WUhelmv-Universilät hier« selbst für daS Studienjahr 1898/99 hat die Königliche Bestätigung erhalten. — Dr. Felix Rachfahl, Privatdocent der Geschichte an der Universität Ktel, ist als außerordentlicher Professor nach Halle berufen worden. — Dr. jur. Richard Weol, Privaldoceni an der Universität Königsberg, ist zum außeiordentlichen Professor an der Universität Kiel ernannt worden. Leipzig. Für den vor einiger Zeit verstorbenen außerorbent- lich-n Professor Dr. OSkar Paul übernimmt von Beginn de» neuen Halbjahre» an der Universitätsmustkdirector Prof. Dr. Kretzscdmar die Vorlesungen über Musikgeschichte und über Aesthelik der Musik an der Universität Leipzig. — Der Privatdocent Dr. Adolf Haussen ist zum außerordentlichen Dtostssor der deutschen Sprache und Literatur an der deutschen Universität in Prag ernannt worden._________ Unterhaltungen in Bad Nauheim vom 20. September bi» 25 September. Dienstag den 20. September, Nachmittag» von 4‘, bi» 61/« Uhr und von 8 bis 10 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasie. Mittwoch den 21. September, Nachmittags von 4'/, bi» 6 Tourst vom 17./9J I0./9 Lourst oow 17.9. | 10./9 V'/r 3 81/, 8 3hebp|itn. Loitsch«. D. Reichs-Anl. do...... Preuß.Consols do...... 101.95 94.— 10165 94.50 102 — 94.45 101.95 94.50 1 $ 11/. 5 41/, 5 4 6 5 3 4 3*/2 37, 37, 4 37, 4 4 87, 4 k 4 87 37 31/ Ung. Goldrte.. do. Anl. do.Staatsrte. do. E.B.Gold v. 89 . . . . Arg. inn. Anl. do. äuß. v. 88 ChinesischeAnl. Egypt. unific. . Mexico v. 90 . do. Eisend. . do. Silber. . ri-dte-Ml. Darmstädter . do...... Gießen er (alte) do. v. 96 . . Mainzer . . . do...... Offenbacher. . Wormser . . . do...... Lissaboner . . Rom II—vm Buenos - Aires Ltudeohrl.Ail. S.-Braunf.. . do...... do. Lich . . . Ysnbg.-Bierst. 101.70 88.90 98.90 73 50 102.30 89.30 98.80 82.90 74.30 4 4 4 rilend.'-riorit. Deutsch«. Hess. Ludwigs- bahn v. 68/69 do. v. 75/78 . Allg.dt.Kleinb. «utlLudtsch«. 1 I 1 f 18 § I 1 । । *1 . 1 4 4 4 37, -laslr dritte. Gothaer unkb. 1903 .... Grundschbk. Ser. V—VI do. I-II do. unk. 1906 102.80 100.— 99.20 102.80 100.— 99.20 87, 4 4 Westdeutsche Bodencredit in Cöln . . Ung. Lds.-Ctr. Piverft. BuderuS . . . 100 — 98.45 100 20 98.75 98.45 Der. Königs- u. Laura . . . Siselld.'Artiki. Oest. Staaröb. do. Südbahn Gotthardbahn. Jura-Simplon Prine Henry . sooft tn Procent«. Bad. Th. 100 . Bayer. Th. 100 Donau-Regul. Cöln-Minden. Madrider. . . Mein. Th. 100 Oesterr.v.1860 Oldenb.TH.40 Raab-Grazer . Türk. frs. 400 per Stück In Mk. Ansbacher fl. 7 Augsburg.fi. 7 Brschw.Thlr20 Freiburg, fs.10 Mailänd.fs.10 Meininger fl. 7 Pappenh. fl. 7 Venediger L. 30 210.10 299.— 142- 210.30 298.50 67 50 142 20 8 ‘/. 81/, 4 81/, 8 8V2 5 4 5 8 4