L8N8 Donnerstag den 20. Zarwar Nr. 16 Erstes Blatt Meßener Anzeiger General-Anzeiger Amts- mtb Anzeigeblatt für den Ursis Gietzen Gratisbeilage: Gießener Familienblätter 0 1 mit 3 Feuilleton ifl. t KJ Alle Anzeigen-VcrmittlungSstcllen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Reich-amtS de» Innern StaatSfecretärS" fort. de« des wer?/ ,0* „ Wtwe r« 'k $bi». dchörde anberaumten Termin zur Uifalluntersuchung unverzüglich in Kenutntß zu setzen hat. I der lelhmg 1896. 'Ämburg*— »Tmtltfuiatau Redaction, Expedition und Druckerei: Schukstraße Nr. 7. he Slia aller Art -ei. _ Auf- a W^triunvV Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den fMgenten Tag erscheinenden Skimmer bis Norm. 10 Uhr. Die Situation in Frankreich. Niemand kann leugnen, datz Frankreich sich gegenwärtig vor emer ernsten Krise befindet. Als der Panama-Proceß im Gauge war und eine ganz ungeahnte Corruption auf- deckte, an der so viele bisher in hohem Ansehen gestandene Männer betheiligt waren, da ging ein Gefühl der Beschämung durch alle wahren französischen Patrioten. War eS denn möglich, das in Frankreich solche Dinge geschehen konnten, in der biederen Republik, deren Leiter Überflossen von Ver- ficherungen ihrer Ehrlichkeit und ihres treuen Charakter»? Wem durste man nun noch vertrauen, nachdem diese ehrlichen, uneigennützigen Republikaner daS tu sie gesetzte Bertraueu so schwer getäuscht hatten? Doch eS blieb nicht bei diesem einen Panama. Hunderte von Fällen ähnlicher Art pafiirten, nur hatten fich die Be° theiitgtea bester vorgesehen, und el gelangte nicht» an die große Oeffentlichkeit. Aber die Zuverficht der Franzosen war erschüttert, uud e» ist nicht weiter verwunderlich, daß fie mißtrauisch wurden und in Jedem, besten Character nicht ganz offen vor ihnen lag, einen Panomisten erblickten. Hieran» erklärt fich wohl zum Theil auch ihre Spionen- riechrret, die freilich schon älter ist, als der Panamaprocrß, aber seitdem jedenfalls zu größerer Blüthe gelangte. In jedem nur annähernd Verdächtigen fisht mau jetzt einen Spion im Solde einer anderen Regierung, insbesondere drs deutschen Reiche», und so hat man denn als über jedem Zweifel erhaben angenommen, daß auch Lapitän Dreyfu» tm deutschen Solde gestanden habe. Diese Ansicht ist lange unwidersprochen geblieben, und die französische Regierung hat auch heute noch nicht dm Muth, eiü Dementi in optima forma zu grbeu. Die Drihsuk-Angelegenheit hat zu der Zeit, al» der Prozeß schwebe, nicht so viel Staub aufgewirbelt wie jetzt, wo doch schon Gra» über die Affaire gewachsen sein müßte, und wenn nicht Älle» tauscht, so gibt dieselbe Anlaß, Frank- reich in zwei große Heerlager zu theilen. E» gehörte eine nicht geringe Selbstverleugnung dazu, daß Zola die Partei des unglücklichen Excapitäns ergriff. Zola kennt die Franzosen ganz genau, er mußte wiffeu, welchen Sturm er erregen werbe, und eS ist ihm — vorausgesetzt, daß seine Absichten reell find und er nicht anderen, eigennützigen Regungen ge- folgt ist — hoch auzurechuen, daß er e» übernommen hat, für die Gerechtigkeit eine Lanze zu brechen. Wie stark die Erregung ist, welche er hervorgerufen hat, ist aus den Kundgebungen zu ersehen, welche nicht nur in Pari», sondern in ganz Frankreich für oder gegen Zola stattfinden. Und dabei scheint die Erregung auch nicht einmal den Höhepunkt erreicht zu habm; da» wird erst geschehen, wenn seststeht, welche Schritte gegen Zola unternommen werden und wenn dieser, fall» angeklagt, seine Aussagen wachen wird. Vorläufig scheint er den größeren Theil Frankreich» gegen fich zu haben, aber eS ist durchaus nicht unmöglich, Laß daS Blatt sich wendet- die Franzosen haben fich von jeher als unberechenbar erwiesen. werke einer besonderen Ausnahme von dem generellen Verbote bedarf. Nun haben unbedenklich Stücke gespielt werden können, die ebenfalls religiöse Stoffe behandelten — Ludwig» „Mc^kabäec", Heys:» „Weisheit Salomos", Haustein» „König Saul" u. s. w. Warum man der Aufführung des „Johannes" Schwierigkeiten bereitet hat, ist ein noch nm gelöste» Räthsel, da» auch die gestrige Vorstellung nicht erhellt hat. Denn gestern mußte Jeder erkennen, daß „Johannes" ein künstlerisch ernsthafte» Werk ist, die tief empfundene Arbeit eine» Dichter», der vom hohen, ethischen Standpunkte au» die Tragödie Johannes de» Täufer», de» Vorgänger» eines Größeren, mit Innigkeit und vollem Versenken in den Geist der Zeit und der Geschehntffe ersaßt hat. In da» Jahr 29 nach Ehr. führt uns daS Drama. Die Römer herrschten in Strenge und Uebermuth über da» geknechtete jüdische Volk und die Priester herrschten in Strenge und Starrheit. Au» tausend Wunden blutet Israel — „wen der Römer nicht schlägt, den schlägt da» Gesetz," so klagen die Bürger Jerusalem» und harren voll Sehnsucht des MesfiaS. Johanne», ein eifervoller Prophet, hat in der Wüste vielen Zulauf von Mühseligen und Beladenen, die fich von ihm taufen lasten. Er ist nach Jerusalem gekommen, um auch dort zu predigen von Dem, der da kommen soll und kommen muß. Die Pharisäer spotten deS Johanne» des Täufers, uud das wie immer leicht bewegliche Volk wird schwankend, doch r» hält zu ihm, denn e» hofft, von Johanne» R. MM Mack. 13. 8. s-lkch-s, West. eße Rod. Echlabach Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze». Fernsprecher Nr. 51. trb t WU ri Bauarbeiten in den zur Srlbstvrrficherung zugeloffmen Lammnnalverbänden deS GroßberzogthumS vom 22. No- v.-mbcr 1897 (Regierungsblatt Nr. 42) zu Ihrem Ermessen »ad zur Nachachtung in vorkommenden Fällen mit. v. Gagern. lWu«, I»** riklvaaren $ )Ti jdjulHeJ* •loht ■er VE, § 2. Die den Ortkpoltzelbehörden zu erstattende schriftliche Unfallanzeige liegt dem KreiSstraßrnmeister desjenigen Bezirk» ob, in welchem der Unfall fich ereignet har. Die OttSpolizetbehörden haben den dem KreisstraßrnmUster vor- gesetzten Kreisbauinspector, sowie dem Vorstand der Kranken- k«ffe, dem der Getödtete oder Verletzte angebört hat, von der Einleitung der Untersuchung, unter Angabe von Zeit und Ort btt Untersuchungshandlung, zu benachrichtigen. Der Kreis- dminfpeclor ist berechtigt, den Unfallunterfuchungsorrhand- langen al» Vertreter des Kreise« beizuwohnen. Ebenso steht fett Ausführungsbehörde daS Recht zu, sich durch eines ihrer Mitglieder oder einen V rrranensmann bei der Untersuchung »ertreten zu lassen, zu welchrmBehufe der Kreisbauinspector, bie AuSführungSbehöree von dem seitens der OttSpolizei- in worden ist, so werde er auch mit den modernen Heiden fertig werden. Abg. Dr. Lieber ((Str.) führt aus, die Worte des Vorredners erweckten den Gedanken, daß die wärmsten Freunde des Sozialistengesetzes die ärgsten Feinde des ArbeiterschutzrS feien. Redner erklärt, sollte' die Umfrage das Bedürfniß eines wetteren Schutzes der arbeitswilligen Arbeiter gegen den TerroiSmuS ergeben, so wäre er zu Erwägungen von Maßregeln bereit. Er könne aber aufs Bestimmteste ver- stchern, daß das Centrum die Entscheidung der Frage der CoalitiouSrechtS niemals anders als vom Standpunkt abso- lutester Gleichberechtigung der Arbeiter und Arbeitgeber zulasten werde. Dr. Osann (vatl.) führt auS, die vorliegenden Fragen seien nicht ausschließlich vom Standpunkt der Arbeiter zu beurtheilen. ES seien auch andere Jutereffen zu schützen. Er sei für CoalitiouSfreiheit unter voller Unparteilichkeit nach beiden Seiten. Abg. Dr. Pachnicke (fr. Bg.) erklärt, nach den bekannten Bielefelder Worten sei ihm der Erlaß nicht unver- muthet gekommm, deshalb habe er den Antrag über Coali- tiousrechte und Aufhebung des BereinigungSverbotS und Verleihung der CorporationSrechte eingebracht. Redner bedauert den Erlaß, weil derselbe der Sozialdemokratie Stimmenzuwachs bringe. Das CoalitiouSrechr sei das vornehmste Stück des ArbeitrrschutzeS und e» fei eine alte liberale Tradition, dasselbe zu schützen. Abg. Graf Stolberg-Wernigerode (cons.) bemerkt, daß seine Freunde gegen den Antrag Pachnicke stimmen werden- auch die Sozialdemokraten müßten logischer Weise gegen diesen Antrag stimmen. Abg. Schneider (fr. vp.) bespricht die Thätigkeit der Grwerbe-AuffichtSdeamten. Das Rundschreiben scheine vur bestimmt zu sein, der Regierung weiteres Material zuzuführen- übrigens seien die vorgekommenen Ausschreitungen minimal. Auch die Berichte der Fabrikinspectoren gäben keinerlei Anlaß zu strengeren Maßnahmen. Abg. Legten (Soz.) bespricht die Draugsalirung der Arbetter Organtsattoueu durch die Arbeitgeber und Behörden. Die Entwickelung der Sozialdemokratie werde weder durch den Minister noch durch den Abg. Stumm gehindert werden. Frhr. v. Stumm sei hundert Jahre zu spät gekommen. Stumm spreche von Blutsaugern, aber woher habe er denn feine Millionen? Darauf vertagt sich da» Haus. Persönlich bemerkt Frhr. v. Stumm, er habe mit Blutsaugern diejenigen Capitalisten gemeint, die zu den Sozialdemokraten gehören und den Arbeitern den letzten Groschen aus der Tasche ziehen. Nächste Sitzung morgen 2 Uhr: lex Heinze und weitere Juitiattvauträge. Schluß 5 Uhr 35 Miu.______________ Deutsches Reich. Berlin, 18. Januar. Nach einer Blättermeldung mar- schirte neuerdings ein englischer Eapitän in die.neu- trale Zone am Volta, westlich unserer Togocolonie, und besetzte den daselbst gelegenen Handelsplatz Sataga. Die „Nationalzeitung" hört hierzu au« colonialen Kreisen, daß die endgiltige Regelung der verhältniffe in der neutralen Zone schon seit längerer Zeit Gegenstand von Verhandlungen zwischen den Cabineten von Berlin und London bilde. Die „Nationalzeitung" fügt hinzu, daß ein Eingehen auf derartige Nachrichten sich vor der Hand erübrige. Ausland. Prag, 18. Januar. In der heutigen Sitzung des Landtags ereignete stch ein aufregender Zwischenfall. Während der Rede des Abgeordneten Funke trat der Abgeordnete Wolf in den Saal und theilte mit, daß ein deutsche Student blutig geschlagen worden sei. Särnrntliche deutsche Abgeordnete sprangen von den Sitzen auf, begaben stch zu dem Präfidium und dem Statthalter und verlangten Genugthuung. Dem Statthalter wird zugrrufeo, er möge abdanken, er sei nicht fähig, die Verwaltung eines so wichTempel» Pforte, die jahrelang hier des Messias weist den mächtigen Messias des Johannes zurück — kein Mächtiger komme zu den Armen, kein König und Sieger. Und da er nun die Fischer aus Galiläa fragt, was sie von dem wüßten, der sich Gotte» Sohn nenne, da erwiderten sie: Er lehre, liebe Deine Feinde An diesem Worte zerschellt de» Johanne» Kraft und die Ueberzeugung seiner Mission zur Strase. Er hat die Lehre de» Jesu« von Nazareth vernommen, und weltentrückt denkt er der Lehre nach, die alles umftößt, wa» er bither für Recht gehalten. Au» seinen Träumen weckt ihn der Schreckensruf te» Volkes. Herodes naht mit Herodia» dem Tempel — da» Volk schreit thm empört entgegen: „Steinigt ihn! Die Buhlerin steinigt!" Johanne- ist die Stufen zum Tempel emporgeftiegen, den Stein in der Hand, um ihn 'dem Beschimpfer seines Volkes entgegenzuschleudern. Schon hebt Johannes die Hand, da beginnt über den Eifernden das Evangelium der Liebe zu siegen — noch zögernd, aber in feiner Kraft läßt er die Hand sinken mit den noch zagenden Worten: — „Im Namen deffen, der — mich, Dich — lieben heißt!" Mit Wehrusen stiebt das Volk auseinander, Johanne» wird gefeffelt, Herode» läßt ihn in einen Kerker nach Galiläa -ringen. De» Johannes Macht ist gebrochen, daS Volk und seine Jünger verlaffen ihn. Doch dem Johanne» scheint sich Rettung zu nahen. Salome bittet für ihn bei Herode», der ihr, der lockend, verführerischen Schönheit, zu Liebe den nun machtlosen Manu freigrbcn will. Salome, die, von gleicher Dämonie wie ihre Mutter ersüllt, leidenschaftlich erglüht ist für den einsamen großen Mann, bietet Johannes in rückhalttigen Landes za führen. Der Oberstlandmarschall unterbricht die S tzung auf eine halbe Stunde. Sämwtliche deutsche Abgeordnete eilen nach dem „Graben", wo die Mißhandlung erfolgte. Prag, 18. Januar. Landtag Nach der Wiederaufnahme der Sitzung erklärt der Statthalter v. Coudeuhove, ein tschechischer Student habe auf der Straße einen deutschen Studenten, der Farben trug, angegriffen und geschlagen. Der tschechische Student sei verhaftet worden. Weiter betont der Statthalter, es sei ein statutarische« Recht der deutschen Studenten, Farben zu tragen. (Zustimmung links.) Die» könne Niemanden Grund zu Ausschreitungen geben. Er, der Statthalter, müffe derlei auf» Schärfste verurtheilen. Die S'chcrheitsbehörden hätten ihre Pflicht erfüllt- sie feien sofort zur Stelle gewesen, hätten den Angegriffenen geschützt, und die Angreifer, sowie andere der Verhaftung sich widersetzende Personen festgenommen. Keine Sicherheitsbehörde der Welt könne derlei Zwischenfälle verhindern. (Lärm, Protestrufe bei den Tschechen.) Teplitz, 18. Januar. Dte Wasserheilanstalt Eichwald ist in der letzten Nacht vollständig niedergebrannt. Triest, 18. Januar. Die Insel Lissa wird von der L epr a-Kra nkheit heimgesucht. Rom, 18. Januar. Wie „Meffagero" zu berichten weiß, beabsichtigt Lombroso, die Initiative zu einer internationalen Huldigung ZolaS zu ergreifen. Ancona, 18. Januar. Die Nacht und der heutige Vormittag verliefen durchaus ruhig. Bekanntmachungen des Bürgermeisters und des Präfecten verbieten jede Ansammlung auf den Straßen. Der Gemeinderath hat vorgesorgt, daß Brod zum Herstellungspreise abgegeben wird, welches von der Militärbäckerei bereitet wird. Letztere ist für die Bäcker eingetreten, welche, durch die Haltung der Bevölkerung eingeschüchtert, in der letzten Nacht nicht gebacken haben. Pari», 18. Januar. Der KriegSminister händigte heute dem Justizminister die Klage gegen Zola und da- Journal „Aurore" ein. Zola wählte al» Rechtsbeiftand den Advo- cateu Ferdinand Labori. Wahrscheinlich findet die Verhandlung vor dem Asfiffenhofe statt. Die für entwendet gehaltenen Actenstücke der Martnecommtsfiou find in einem Actenschranke der Kammer wiedergefunden worden. Canto», 18. Januar. Bei dem Orte Laugthen ist der deutsche Missionar Homeher, von der Station Narnjung der Berliner Mission, beraubt und verwundet worden. Auf Intervention des hiesigen deutschen ConsulS hat der Generalgouverneur sofort telegraphisch die nöthigen Maßnahmen zur Sühnung de» Vorfalles getroffen. Cocalts uttfc provinzielles. Gießen, den 19. Januar 1898. * • Auszeichnung. Au» Anlaß des Krönung»- und OrdeuS- festeS erhielt da» Allgemeine Ehrenzeichen der Bezirksfeldwebel beim Landwehrbezirk Gießen, Thüre. * * Bon der Universität. Der a. o. Prof. Herr Dr. G r o o S hier erhielt einen Ruf an die Universität Basel. • • Srust Ludwig- und Bictoria Relita - Stiftung. Der „Darmst. Ztg." wird geschrieben: Zur Erinnerung an den hohen Hochzeitstag Ihrer Kgl. Hoheiten des Grohherzogs und der Großherzogin gelangen auS der von dem Landesverband der Kriegerkameradschaft „Hassia" gegründeten Ernst Ludwig- und Victoria Melita-Stiftung wie vorjährig auch in diesem Jahre an brave und mittellose Eonfir- monben, welche Waisen von früheren Mitgliedern find, Geld- geschenke zur Vertheilnug. Dabei werden auch Halbwaisen, deren Väter gestorben sind, berücksichtigt und können nur solche Kinder, gleichviel welchen Glaubens, beschenkt werden, die in diesem Jahre confirmirt oder eingesegnet werden. Für die Gesuche um Berücksichtigung ist ein besonderes Formular vorgeschrieben, daS von den Kriegervereinen bei den Bezirks- Vorsitzenden zu beziehen ist. Die Einsendung solcher Gesuche hat bei den jeweiligen Bezirken bi» längstens den 15. Februar zu erfolgen. Gesuche, die durch Vermittelung deS Bezirk» nicht bis zum 1. März bei dem Landespräfidium eingelaufen find, können nicht berücksichtigt werden, weil an diesem Tage losen Lockungen ihre unberührte Jugend an. Johanne» erkennt mit Entsetzen, was in dem schönen jungen Weibe lodert: „Mächtig bist Du — die Welt trägst Du auf Deinen Armen — denn Du bist die Sünde!" Und da er fie zurückweist, lodert versengend in ihr der Haß auf, den nun HerodiaS, die von Johannes eine Buhlerin und Ehebrecherin gescholten worden, zu immer glühenderer Gluth auspeitscht. HerodiaS ersinnt Schreckliches: Salome soll vor Herodes und dem römischen Gaste tanzen und zum Lohne dafür fordern „auf goldener Schüssel daS Haupt des Täufer»." In leidenschaft- durchglühten Scrnen wird das festgestellt, in Scenen von großartiger Wirkung wird da» auSgeführt. Bevor da» Haupt de» Täufers fällt, erkennt es Johannes, daß nun her Fürst de» Friedens kommen wird. Johannes wollte da» Volk weiden mit Ruthen, darum ward sein Reich zu Schanden. Nun kommt der Fürst des Friedens und „fein Schwert heißet „Liebe" und „Erbarmen" ist fein Schlachtruf." Da de» Täufer» Haupt gefallen, singt Salome gebrochen und verstört, wa» fie sonst tändelnd gesungen „ich bin eine Blume zu Saron und eine Rose im Thal." Doch bald dringt» mächtig von den Straßen herauf in de» Herodes Palast, das Hosianna, da- dem einziehenden Jesus von Nazareth.,entgegen- gebracht wird. Herodes tu kecker Heberhebung, trunken von Wein und Aufregung, springt "zum Fenster, er will den König der Juden sehen, doch von der Bedeutung der Erscheinung geblendet, verhüllt er sein Antlitz — mächtiger braust da» Hofianua herein, da» Trinkgelage im Palast ist verstummt, schweigende» Staunen erfaßt fie Alle, die da der dem Unter- gang^estimmten, im Kern verfaulten Cultur dienen: DaS I neue Zeitalter siegt, der Friedensfürst zieht ein. die vorgesehene Geldsumme, die erfahrungsgemäß nicht zur Befriedigung aller mittellosen KriegervereinSwaisen «»»reicht, vertheilt wird. •• Turnerei. UeberaO, wo deutsche Turner wohne«, rüstet man sich, daS 9. deutsche Turnfest, da» i» Sommer dieses Jahres zu Hamburg gefeiert wird, in würdiger Weise zu begehen. Auch die Gießener Turner werden, wie wir bereits mitgetheilt, vertreten sein und fich bemühen, unserer Vaterstadt Ehre zu machen. ES ist außer der Thetlnahme an den allgemeinen Hebungen die Vorführung einer Musterriege beabsichtigt. Auch werden einige Turner sich am Einzelwettturnen betheiligen. Die Festthettnehmer aus dem Mittelrheinkrei» werden voraussichtlich durch den in Aussicht genommenen Extrazug wesentlich: Begünstigung bei der Reise genießen. • • Annahme Zweijährig Freiwilliger. Bei dem Jäger- Bataillon Nr. 11 in Marburg werden lt. „Oberh. Ztg." Zweijährig-Freiwillige für October d. I. schon jetzt angenommen. Die Betreffenden Haden sich im Monat Februar ober März d. I. an einem Mittwoch oder TamStag, Morgen» 10 Uhr, im Geschäftszimmer de» Bataillons in bet Kaserne zu Marburg unter Vorlage eine» Meldescheine» zur Untersuchung zu melden. • • Knnfiverein. Wir freuen un», den Mitgliedern bei Kuustverems mittheilen zu können, daß daS Derein»blatt für 1898 schon in aller Bälde zur Vertheilnug gelangen soll und daß dafür eine Radirnng von Bernhard Mannseld (Frankfurt) gewählt ist: „Burg Friedberg". — Neu- eintretende erhalten somit für ihren Jahresbeitrag (10 Mk.) neben dem freien Zutritt für sich und ihre Angehörigen zn den Ausstellungen und der Theilnahrne an der jährlichen Ber- loosnng von Kunstwerken in diesem Jahre auch noch ein besonders werthvolle» VereinSblatt. • * Rad Wettfahreu. Die ersten diesjährigen großes internationalen Radwettfahreu werden am 22. Mai l. I. auf der Gießener Rennbahn an der Hardt stau- finden. * e Eißcoucett. Heute Mittag von 12 bis 1 Uhr wurde das allwöchentlich auf der Südanlage stattfindende Promenade- Concert auf der Eisbahn de» EiSvereinS abgehalten- morgen Donnerstag Nachmittag von 2 bis 41/1 Uhr concertirt die ganze RegtmentScapelle ebendaselbst, s. a. Jnse- ratevtheil. Bei anhaltendem Frostwetter ist auch für Sonntag Nachmittag Concert auf der Eisbahn in AuSficht genommen. * • vefitzwechfel. Herr Heinrich Weller erwarb für den Preis von 35000 Mark die Georg Schäfer'sche Hof- raithe „Zum neuen Schützenhof" in der Grünberger- straße. * • Windhof. Mit Beginn der Sommer-Saison ist für Vereine und Gesellschaften, welche wohl schon jetzt ihre Pläne zu Ausflügen entwerfen, dos am 1. Mai d. I. zu eröffnende großartig angelegte Etabliffement „Windhos" in Rechnung zu ziehen. In idyllischer Lage am Fuße des Gleibergs, des Vetzbergs und de» DünIbergS gelegen, bietet du» neue Restaurant mit seinem geräumigen Burghof und dem noch anzulegenden Garten mehr Komfort, al» irgend ein anderer Sommer-AuSflug-ort unserer Umgegend. Nach Plänen bei Herrn Architekten Kockerbeck-Gießen im Stile der alte» Burgen errichtet, gewährt da» RestauratiouSgebäude bequem 2000 Personen in seinen verschiedenen Räumen Unterkunst. Der große 350 Quadratmeter haltende Rittersaal, ter za einem Prunksaale auSgestattet werden wird, ist geeignet, all Tanzsaal benutzt zu werden. Von dem 160 Fuß hohe» Burgfried bietet fich dem Beschauer ein prächtiger Fernblick über die Umgegend. Für gute Verpflegung bietet daß Renomme des Besitzer», de» Herrn Duill-Gießen, volle Gewähr. ♦ * Zum Bau einer Stadthalle nebst Coucerlsaal hat der Weinhändler Jänke der Stadt Danzig 150 000 Mark vermacht. — Wir find der Ueberzeugung, daß unser« Gießen ein annähernd große» Berrnächtniß auch nicht uv- gelegen käme. * Warnung fut kleine Geschäftsleute. Seit einiger Zeit geht hiesigen Handwerkern, besonders der Baubranche, dal Rundschreiben einer Berliner Bank- und Wechsel» Ein Mangel de» ergreifenden, oft zu sehr starken dra- matischen Momenten fich erhebenden Dramas ist die Thateu- losigkeit de» Johanne», der zwar im Mittelpunkte der Dichtung steht, während oft die in glühenden Farben vom Dichter geschilderten Gestalten der Herodia» und der Salome mehr interessiren- auch der unter der Last de» Rahmes Herode» des Großen bedrückte Vierfürst Herode» isi eine feffelude dichterische Schöpfung. Von dem Johanne» de» Drama» soll auf die übrigen eine suggesfive Kraft au-gehen, von der wir nicht immer überzeugt find, wie mächtig kraftvoll such seine Sprache, wie überlegen und reif auch feine Gedanken find. In der Bprachbehandlung und der Gedankenfülle ze gt hier Sudermann seine Stärke in besonder- hohrm Maße, vielfach hat er Wendungen und Bilder aus dem Evangelium auf» genommen und danach ist die ganze Diction abgetönt. Dir Volks- und Priesterthpen find knapp und scharf characterifitt, die Stimmung in all den wechselnden Momenten de- Drama» sehr glücklich getroffen. „Johanne»" ist neben „Florian Geher" da» erste historische Drama, da» stch frei hält von der Technik der mit Monologes arbeitenden Dramenart. E» geht Effecten nicht gerade aul dem Wege, aber es sucht fie auch nicht auf, und es preßt nicht wie Wildenbruch thut, in die Abschlußscenen alle möglichen Effecte zusammen. TS ist eben eine durchweg künstlerische Arbeit, die den Dichter auf einer noch wesentlich höheren Stufe al« bisher zeigt. Die Darstellung im „Deutschen Theater" war durchweg gut und in den Haupt' rollen — Sainz, Reicher, AgneS Sorma, Frl. Dumont —■ allerersten Range». »hl, I l«lt ^;ww «■ 3*1 M , : * »Win t* Jh ^etzimer ist auch fr ut ba riibichll in Sch, «Sftf *J| L°'> r>,»' '" I" *Htn” 1? 1111 te» «8 »erben u 5! ^8tt I tot, ‘fi’”•= 'nein )r t’.nnt Bellet tteart i btt •torg ^fn'föt |tl|.P m btr Srihtinp b btr Coran-gaifon iß *. 1t »eil 'ton jift ihn PL ■ 1. Äst i. 5 jn trmer: « ,Btnt6ot* in Sttcc :s Zogt ttl Wcrgi, bi I gtltgtn , btut Ul w* itga BuxgU' tmb dm m itm, all ngtnt ein anbtr UegtgroL 9bi Plämn r j.frM « 6ttlt tacLt jUwk’.anD^lgtbbabt bus Siuetn Untnkr : jeiniit ihttniaal, f1 Böba »hb, ih sceigntt, - Ben ten 160 F°? 0 isn rtn pri^tiger Fmi' pi ecr^tim bietv^ hmr Dotll-Wi, $< wlt itH iiwM ^8 * ’ r-°" ■[! rr ^.T, StnäW ond) nWc L^hiiaß. &eü einiger 3« Ä-* ’f ±1 x„!. .«> »'•" ,_ U, u UjT »«rf« Ä 3 * "L -r.rfhfiüanfttetrW >,B iftrkw t»® ! Ä tll ::h^.L U AahNks W W t,nt Mf! ’Ä •"*** .w^tVe» *•*? M Icangdie* ? ** *J "VWsi* r. F*,;r,ä> •* ./°°> terf 8,L $ Agentur zu, worin denselben Wechsel von angeblich solventen Firmen augeboten werden. Wir wollen an dieser Stelle nicht Anterlaffen, vor derartigen Geschäftsverbindungen zu warnen. Man erkundige sich ja zuerst, mit wem mau eS zu thun bekommt, ehe man sich auf eine solche Geschäftsverbindung einläßt. Zwar spricht die in dem Circular gemachte Offerte schon für fich selber, aber eS gibt immer noch Leute genug, welche auf den Leim gehen. ♦* Warnung für Exporteure. Don Triest aus werden «Circulare versandt, die zur Besch ckuag einer dort für daS laufende Jahr angeblich geplanten internationalen Industrie-Ausstellung auffordern. Don amtlicher Seite wird vor diesen Ankündigungen gewarnt. Den Triestiner Behörden ist von einem solchen Unteruehmen nichts bekannt. •• Wechselstempelsteuer. Im December 1897 wurde im ObrrpostdirecttouSbezirk Da mstadt eine Einnahme an Wechselstempelsteuer von 15663.10 Mk. erzielt, zusammen «it den Ergebniffen der Vormonate (ab 1. April 1897) 128119.60 Mk. oder 9350.20 Mk. mehr all im ent* prechenden Zeiträume de« Etatsjahres 1896/97. ♦♦ Die neueste Auflage der Karteubriefe trägt bezüglich ?er Frankatur keinerlei Vermerk mehr, da Herr s. Podbielekt wohl eingesehen hat, daß er eS den Sprachgelehrten doch nicht recht machen konnte, das Papier ist auch ,icht mehr gemustert; in dieser neuen Anordnung ist das jetzige Formular dem württembergischen Rottenbriefe biß auf He Färbung des Papiers, die etwas dunkler gehalten ist, gleich. Den Satz wegen der „Verkehrsbeziehungen" zeigt nur noch der bayerische Kartenbries, bei dem auch baß Papier noch gemustert erscheint. •• Reue Zehupfeuuigstucke. Nach einem Beschluß des SundeSrathS vom 13. d. Mts. soll ein weiterer Betrag von Zeh»Pfennigstücken in Höhe von etwa vier Millionen Rark ausgeprägt werden. Wetterbericht. Die Herrschaft des barometrischen 'Maximums dauert über dem größten Theile Europas an. 3« Nordwesten Großbritanniens ist zwar daS Centrum einer Denen verhältnißmäßig tiefen Depression erschienen, doch nimmt Ser Luftdruck auf dem Festlande sehr rasch zu, sodaß heute enf den britischen Inseln stürmische Winde wehen. DaS Minimum wird voraussichtlich auf nordöstltchtr Bahn nach 8em äußersten Norden fortschreiten und dabei der Continent Savon unberührt bleiben. Voraussichtliche Witterung: Kortdauer der bisherigen Witterung. Lauterbach. 18. Januar. Heute Morgen verunglückte Na Fulda während teS Rangirens ein Arbeiter. Derselbe Kam so unglücklich zu Fall, daß ihm der Kopf vom Rumpfe setreuvt wurde. -j- Walleruhaufeu, 18. Januar. Dieser Tage beging feie hiesige Hebamme Elisabethe Westerweller ihr L5jährigeS Berufsjubiläum, aus welchem Anlaß derselben mannigfache Ehrungen seitens der Frauen zu Theil wurden. Bon den JubiläumSgefchenken find ein prächtiger Teffel und ein schöner Wandspruch besonders erwäbnenSwerth; Ollch eine finnige Dankadresse erhielt die allbrliebte Jubilarin, welche in den 25 Jahren bei 334 Geburtsfällen Hilfe Leistete. Mainz. 18. Januar. Der „Mainz. Avz." schreibt: Kür daS warme Herz des am vorigen SamStag verstorbenen ÄrovinzialdirectorS Küchler spricht die lebhafte Theilnahme, feie er an der Berurtheilung unseres früheren RedacteurS 2H. Winkler nahm. Im Laufe der 80er Jahre wurde ynfer Redacteur wegen Beleidigung des Gouverneurs von Äoyoa zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt, eine an« itzemeud harte Strafe, die aber durch die Fürsorge des WrovinzialdireciorS zu einer verhältnißmäßig angenehmen «narbe. Küchler begab fich selbst in daS ArresthauS, um für Sen verurtheilten Rebacteur eine „Zelle" aufzusuchen, und fleine Wahl fiel aus eine ehemalige Küche, die wohnlich genug acnSgestattet wurde. Der Gefangene war fast in keiner Weise behindert - er konnte nach Belieben Besuche empfangen nab erfuhr eine Behandlung, die leider nicht immer Pteß- vertretern zu Theil wirb. Küchler meinte zu dem Redacteur: ..Sehen Sie, die deutsche Sprache ist so re'chhaltig, so liiegungsfählg, warum wählten Sie Worte, die strafbar maten ?" Kastel. 14. Januar. Eine Kastelrr Frau halte fich, nach dem M. T., gestern vor dem Mainzer Schöffengericht ivegen Hausfriedensbruch und Beleidigung zu verantworten. Die Angeklagte war eines Tages während ihß Unterrichtes in die Schule eingedrungen und hatte die Lehrerin mit Vorwürfen beleidigt, weil diese ihr Kind gezüchtigt hätte. Sie bekam deshalb 20 Mark Geldstrafe. Nun drohte fie beim HinauSgehen aus dem Gerichtssaal, fie würde ihre Kinder jetzt protestantisch werben lassen unb schlug dabei heftig die Thüre zu. Sie mußte nochmals vor« treten und erhielt wegen Ungebühr eine sofort zu verbüßende Strafe von einem Tage Haft. Der im Zuschauerraum weilende Ehemann suchte nun seine weinende Frau den Gendarmen zu entreißen, worauf auch dessen Verhaftung wegen Gesangenenbefreiung verfügt wurde. Den Gendarmen gelang eß nur mit der größten Anstrengung, die beiden weinenden und widerstrebenden Eheleute ins ArresthauS ab- ! zusühren. DaS ganze Haus kam dabei in Allarm. Eingesandt. Gieße«, 19. Januar 1898. Unser Theaterwesen hat nach Reiners kläglichem Fta"co einen ' erfreulichen Ruck nach oben aemacht, wenn ihm auch noch die Eier- i schaalen der kleinstädtischen Verhältnisse, aus denen es sich entwickelt, i anklebrn und noch geraume Zeit anhaften werden. — Wir haben I jetzt ein fast durchweg gutes Personal, nicht bloß einen Hauptipaß- 1 macher, wie bei Reiners seligen Angedenkens, und die Auswahl der ? aufgeführten Stücke beweist, daß die Directton bemüht ist, auf den 1 Geschmack der Hörer veredelnd einzuwirken, obschon sie sich wohl nie 5 von den Wünschen des „Olymps" und dessen SonntagSdictatur wird freimachen können. — Unter den Schauspielern unseres Ensembles hat Herr Liebscher, dessen Benefiz nächsten Freitag ist, von Anfang an die ungetheilteste Bewunderung gefunden, und er ist — die Leistungen der Herren Albrecht,.Fritzschler, Janson und Forsch in Ehren — unstreitig die beste, wohl auch vielseitigste Kraft unseres Stadlthealers. Welch' eine gewaltige Fähigkeit zur Darstellung dämonischer Cbaractere wohnt in diesem Künstler, und wie wenig Zeit ist s.tnem Talrnte geboten, sich in die Psychologie seiner Rolle zu vertiefen," wo der Schauspieler bei der Häufigkeit der Vorstellungen von der heiteren Höhe eines Göthe und Shakespeare Herunterstetgen muß zu den getsiesöden Hanswursttaden eines Jacobson und Kraatz. Unb dennoch wie hinreißend und faScintrend hat Liebscher seine Rollen zu gestalten gewußt! Ich erinnere an Sbylock, Nickelmann, Vansen, Mephistopheles, Schmork u. v. A., worunter namentlich die Darstellung des Letzteren meisterlich war. Mit Spannung sähen wir von ihm eine Interpretation des Franz Moor. — Nun wird er uns am 21. d. Mts. in Albert Emil Brachvogels „Narctß" den vorkommenden hochbegabten Musiker und den verrathenen Gemahl der Pompadour darstellen, und wir können gewiß sein, wiederum ein Eabinetstück feiner Schauspielkunst zu genießen. Möge am Freitag ein ausverkauftes Haus Herrn Liebscher die Sympathiem unseres theaterfreundlichen Publikums im vollsten Maße beweisen und der Hoffnung Raum gewähren, daß der eminente Künstler unserer Bühne erhalten bleibe. Das ist unser aufttchtiger Wunsch. —rv— WöchmMche Nebirstcht der TodeSsAle in Gießer 3. Woche. Vom 7. bis 14. Januar 1898. Einwohnerzahl: angenommen zu 23 700 (tucl. 1600 Mann Mllttir). SterbltchkeUsziffer: 17,54, nach Abzug der Ortsfremden 6,58o/00 Kinder Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an. wie viele der Todeßfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Rreitle kommen. ES starben en: Zusammen: Erwachsene: im v"m KrebS 1 1. Lebensjahr : 2. 1 — -lb.2ehr: Lungenschwindsucht 1 1 — — Lungenentzündung 1 (1) 1 (1) — — Selbstmord 1 (!) 1 (1) — — Verunglückung 2 (2) 2 (2) — — Lebensschwäche 1 (1) — 1 (1) — Gehirntuberkulose 1 — — 1 Summa: 8 (5) 6 (4) 1 (1) 1 AirchttcheAnzeigen der eVang.Genreinde. Im Eonfirmanvensaal, Neustadt 61. Donnerstag den 20. Januar, Abends 8 Uhr: SibeL stunde. 1. Cor. 9. Pfarrer Schlosser._______________________ Neueste Nachrichten. Depeschen deS Bureau „Herold". Verliu, 19. Januar. In Bestätigung seiner AuS'age ; m Retchttage erklärt btr Abgeordnete Bebel heute im \ ..Vorwärts", daß die erste Angabe seiner GewahrSmännrr nichtig war unb ber Rebacreur Fink fich in Chicago in mehreren Fällen ber Wechselsälschung schuldig machte. Berlin, 19. Januar. üßle daS „Kleine Journal" aus Prag erfährt, hat ber Statthalter von Böhmen baß Auf- löfungSbecret beß Lanbtag eß bereits tn ber Taiche. Die nächsten Tage werben jedenfalls von schwerwiegender Bedeutung sein. — Alle GeschästSläden find geschlossen. GS fieht wieber wie im Drcember au6. Furchtbare Aus- regnvg herrscht überall. AIS man dem Statthalter von dem U-bersall btr ©tubtnten berichtete, sagte er: „Ich bin nicht Statthalter beß Herrn Wolf, sondern Statthalter Seiner Majestät/^ Prag, 19. Januar. Infolge ber Aufregung der tschechischen Bevölkerung unb ber wieberholten Angriffe auf beutsche Studenten wurden abermals militärische Maßregeln getroffen. Jäger-, Infanterie- unb Dragoner-Abtheilunge» Wurden auf den Plätzen aufgestellt. Militärpatrouillen durchziehen die Straßen unb bulben keine Ansammlungen. Auf dem Graben und auf dem Wenzelsplatze wurden Zusammenrottungen durch Dragoner zersprengt. Prag. 19. Januar. Im weiteren Verlaus ber gestrigen Landtagsfitzung verurtheilte ber Statthalter auf« Schärfste die tschechischen Ausschreitungen, nahm aber die Polizei in Schutz, die ihre Schuldigkeit gethan habe. Anfang« Februar würben die neuen Sprachen - Verordnungen In. Kraft treten. Prag, 19. Januar. In der letzten Nacht wurde dn deutscher Arzt von Tschechen üb erf allen. Der Arzt feuerte auf die Angreifer einen Revolverschuß ab. Darauf sch.ugen ihn diese mit Stöcken blutig. Der Arzt feuerte weitere drei Schüsse ab und verjagte die Leute. Prag, 19. Januar. Infolge der aushetzenden Rebe beß Abgeorbntten Dr. Herold ist die Haltung beß tschechiichen Pöbels wieder eine äußerst gefährliche. Biß spät in die Nacht hinein fanden Ausammlungen auf Straßen und Plätzen statt, sodaß Militär und Polizei einschreiten mußten. Wie verlautet, ist ber Statthalter Graf Coudenhove behufs Brrichterstattung nach Wien berufen worben. Besonders strenge Sicherheitsmaßregeln sollen nunmehr in Ans ficht genommen sein. Klagenfurt, 19. Januar. Der Wörther See ist seit zwei Tagen zu gefror en. Mohac«, 19. Januar. Der Arbeiterstrike auf ben Domänen des Erzherzogs Friebrich nimmt große Dimensionen an; da die Stellenden eine drohende Haltung zeigen, find weitere Gendarmerie-Verstärkungen dorthin beordert. Hrute soll die Gendarmerie gegen die Strikenden energisch vorgehen. Pari«, 19. Januar. „Echo be Paris" berichtet: Einer unserer Aufsichtsbeamten hat erfahren, daß eine ber fremden Mächte Abschriften von wichtigen Actenstücken au« dem Bureau des Armeeftabe« beS Kriegsministeriums erhalten habe, welche die Modilifirung deS 14. unb 15. Armee- corpS betreffen. Später habe man erfahren, daß ein gewisser Carl aus Mülheim compromittirende Aeußerungen gethan habe. Ec hätte nämlich verlauten lassen, baß er im Stande sei, für die Summe von 300000 FicS. bie wichtigsten Dokumente aus bem Ministerium zu entwenden. Er habe auch mehrfach mit der Bekanntschaft DrehfuS g,prahlt. Diese« veranlaßte ben Kriegsminister, einige Documevte falschen zu lassen und fie DceysuS anzuvertrauen. Pari«, 19. Januar. Wie verlautet, gedenkt Zola, dessen Prozeß nunmehr bestimmt vor den Geschworenen zur Verhandlung kommen soll, die Ladung von etwa 200 Z'ugen, darunter 60 Schrist-Experten, zu beantragen. Die Frage ist nur, ob die militä ischen Zeugen, deren Vorladung Zola verlangt, erscheinen werden. Der Prozeß dürfte tn ber ersten Hälfte deS Februar stattfinden. «rüffel, 19. Januar. In den Kreisen der Brüsseler Presse wirb der Gedanke von einer Monstre-Demon- ft rat io n zu Ehren ZolaS am Eröffnungstage beß Schwurgerichts angeregt. Alle Vereine unb Korporationen Belgien« sollen Zustimmungsadressen an Zola nach dem Gerichtssaal abfenben. Der Gebanke findet allgemeine Zustimmung. Petersburg, 19. Januar. Durch eine Gruben explo« sion in ber Grude ber Doncza'er Gesellschaft im Tagan- veger Bezirk wurden 40 Arbeiter get ö d tet unb 18 v er - W unb ct. Konstantinopel, 19. Januai. Die Mächte bringen auf die Ernennung eines Prinzen von königlichem Geblüt zum Gouverneur von Kreta. Das schönste Gesicht verliert, sobald sich Unreinheiten der Haut, wie MU- esser, Pusteln, Schrunden, Sommersp-osien usw. ein- stellen. Diese zu bekämpfen, btbatf es einer vernünftigen Gesundheitspflege der Haut und nicht der Anwendung scharfer, ätzender, di- Haut in den meisten FMn zerstörender Mittel. Ein Versuch mit der Patent Myrrholtn Seife, welche zur Haut- und Schön- hestspfl.ge unerläßlich und unübertrcffe i ist, wird am Besten ihren Sßkrrb a'8 tägliche Toilette-Gesundheits Seife beweisen. Ueberall, and) in den Apotheken, erhältlich. 360 Behördliche Anzeigen Vergebung von Bauarbeiten. Die zum inneren Ausbau und ;um Nebengebäude des Schulhauses zu Climbach erforderlichen Arbeiten und zwar: veranschlagt zu §rd- und Maurerarbeiten 914,87 JL Zimmerarbeiten 326,— „ Dachdeckerarbeiten 96,36 „ Spenglerarbeiten 89,13 „ Schlosserarbeiten 719,90 „ Nlaserarbeiten 784,26 „ Schreinerarbeiten 2293,23 „ Weißbinderarbeiten 1249,46 „ Dapezierarbeiten 78,75 „ Pflasterarbeiten 350,— „ Lisen- und Röhren Lieferung 40,25 „ Kieslieferung 140,— JL Einfriedigung 115,— „ sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und sind Angebote bis zum Montag, drn 24 Januarl. I., Vormittags 11 Uhr, bei Großh. Bürgermeisterei Climbach, woselbst die Pläne, Voranschläge und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, einzureichen. Gießen, am 18. Januar 1898. Der Großh. Kreisbauinspector des Kreises Gießen. Stahl. 733 Holzversteigerung. In ben Waldungen der Gemeinde Stauseuberg, District Birken und Schwalbengraben, kommen nachver zeichnete Holzsortimente zur Versteigerung: Montag d. 24. Jauuar 1898: 11 Birkenstämme mit 2,54 fm Inh. 107 Eichenstämme bis 62 cm Durchm. 86 Nadelstämme „ 49 „ „ 552 Nadel'Derbstangen 75 Nadel-Reisstangen Dienstag den 25. Januar: SO rm Buchen-, 154 rm Eichen- Scheitholz, 154 rm Buchen-, Eichen- unb Nadel-Knüppel, 4200 Buchen-, 3500 Eichen- und 900 Nadel-Wellen, 162 rm Buchen , Eichen- und Nadel- Stöcke. (60 Eichen- und 30 Nabelstämme eignen sich zu Schnittholz.) Die Zusammenkunft ist jedesmal Vormittags 9 Uhr an der Staats- bezw. Kreisstraße diesseits ber Tiefenbach. Staufenberg, 17. Januar 1898. Großh. Bürgermeisterei Staufenberg. Stephan. 729 Holz-Versteigerung. Montag den 24. u. Dienstag den 25. Januar d. Js., von Vormittags 9*/2 Uhr an, kommt im Ettivgshauseuer Gemeinde- wald, Dlftrict Bruch, Teich u. Rüd- stein, folgendes Holz zur Versteigerung: 33 Stück Fichten-Schnittholzstämme mit 27—39 cm Durchm., 21 m Länge, mit 46 fm, 580 Stück Bauholzftämme mit 13 bis 26 cm Dm., 24 m Länge, mit 274 fm, 146 Stück Derbstangen mit 11 bis 13 cm Dm., 13 m Länge, mit 11 fm. Die Zusammenkunft ist am 1. Tag im Bruch, am 2. Tag am Teich, jedesmal um ßi/2 Uhr. Ettingshausen, 18. Januar 1898. Großherzogl. Bürgermeisterei. Görnert. 725 Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Marteuftrahe 2. ««gevot der «rMtnehmeti 2 Bäcker (l erster u. 1 zweiter), 1 Krankenwärter, 1 Krankenpflegerin, 1 Spengler, 1 Weihbinder. 1 Maschinenschloss«, 2 am- Heizer, 1 Schuhmacher, 1 Möbelschreiner 6 Taglöhner, 2 Taglöbner für leichtere Arbeit, 3 Fuhrknechte, 2 Kutscher, 5 HauSburschen, 1 AuShilfsk-llner, 1 Bureaudiener, 3 Schreibgehülfen, 2 Bureaugehülfen. Srschfrags der «rdett^ver r 1 Drechsler, 5 Kessellschmiede, 1 Glaser (Rahmenmacher), 1 Küfer nach Auswärts. 7 tücht. Maschinenschlosser, 1 Schmied, 1 Wagner, 1 Lauffrau, 1 Pferdeknecht, 8 Dienstmädchen für Küche und HauSarbett, 2 Hausmädchen, welche bügeln, nähen und seroiren können, 1 Kindermädchen tn ländlicher Tracht Verein Concer t auf der Eisbahn! Der Vorstand Eintrittspreis: Mitglieder 10 Pfg., Nichtmitglieder 30 Pfg Empfehlungen. | Rtbai 659 Freitag: Benefiz Hieronymus Liebscher! Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Telepbon 119. Marktstraße 4. in Stellen-Gesuche 286] Ein schöne» Zimmers mtt separ Vereinsnachrichten. Morgen BVermischte Anzeigen Zu verkaufen Stellen-Angebote. 718 Schmtedemetster in Attbach 1887 Stadt WormS unL b. 1901 daS 737 acht» bto. Frkf.Ldw.LredLN.wrr.b'1900 101$ 3Lctth» Dar«0. Bk --Actien ■ 'M, 7 103.66 97.80 102 60 101.80 102.60 3 6 4 Hein Vereinsabend. Z 4 4 3 3 8-Z0 161'« 4JM fähige Bewerber wollen sich melden unter Chiffre 8. 726 an die Expedition dieses Blattes. Nachmittags 2 »is 4% Uhr Vrocmi 4Vi Oesterr. Silberrcnte 4 Ung. 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Sii de S' D fü 8- iii it c. ein Ok zuf d. ein 6. In du M I UW ivU. 6. H b jung Mt I Uebn gestellt wer Dehr-Ordn Nr. 27 do' AGc Reichem i ^rlanntmi «nden. Dar Oroßh. Samstag den 22. Januar 1898, Abends 8 Ahr im Saale des Cafe Leib- Nur Mitglieder mit ihrer eigenen Familie und vom Vorstand icreits. eingeladene Gäste haben Zutritt. Wegen der bekannten starken Betheiligung Seitens der Mitglieder wird das Einfuhren anderer Personen streng untersagt. 646 Bereiusabzeicheu, Orden und Ehrenzeichen sind anzulege«. Schellfische Eablian, Zander, Hechte, Scholle« re. dngetroffen bei 735 J. M. Schulhof, Ein (Satten mit Wasserleitung zu verkaufen. Näheres LiebtgShöhe. ißtecati 3»/, Deutsche RetchSanl. 3 Prrutz. ConsolS] Stephanstratze 11. 29627 an D. Krenz in Mat«- erbeten.______________________________________________________________________________ tttbaction: S. Echcyda. — Druck und Verlag brr Brühlffchen UniverfilSlS Buch- und Steindruckcrei (Pietsch A Echeyda) to Wichen. „Freit 3A8 Uhr, !'°e Gene Ae* tz, Mkn werd ottunbe bei Wirthschaft, gutgehende, in verkehrreichem Orte bei Giessen, zu verpachten. Nur cautions- *■ ®'TA L^lich »»< bngrlegt. 4 Vortrag am Montag d. 24. Jannar 1898, 8V< Uhr, der Großen Aula der Universität: Kerr SPtof. Dr. W. Küüenthat (Jena): Die MoluttenJnsel Halmahera. 716] Gesucht zu Ostern für Comptoir ein Lehrling mit guten Schulkenntnlssen aus !I° Porträt 3) Porträt « Stiel N in *1-6, 2 tüchtiae Pferdeknechte zum 22. Zkbruar gesucht. Nähere Auskunft erth Earl Wehrum. F Montag Oesterr. StortSdahu o. 1885 OO.t 0 4 Stal. staatSgar. Eisend. 68 65 4 33UJ Wegen Versetzung des Herrn Landgerichtsrath Kullmann ist der 2. Stock von 5 bis 6 Zimmern vom 1. April ab zu vermiethen. A- Georg Wwe.,,8der- straße 2, Ecke der Nordanlage__________ 5 bis 7 Zimmer Empfehle Prima Fohlenfleisch i M 25 M - Kessler, Mrdelllktzger Der Zutritt für Mitglieder und nur deren Angehörige ist frei. Karten für Nichtmitglieder sind zu Mk. 1,50, und solche für Schüler und Studenten zu Mk. 0,50 in der Ricker'schen und Krebs'schen Buch« Handlung zu haben. 73$ Danksagung1. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme während der Krankheit und bei der Beerdigung unseres lieben, unvergesslichen Gatten, Vaters, Bruders, Schwagers und Onkels Herrn Christian Schopbach sagen wir Allen, besonders Herrn Pfarrer Schlosser für die trostreichen Worte, sowie für die zahlreichen Blumenspenden unsern innigsten Dank. 732 Die trauernden Hinterbliebenen. 3