sauf a Mir isnUj! ntnoten bto. 84.« 101V. 23k ctobet 1898. en. Eilbkmnle |. Told'Rentt tufliefen ■er> Srttrrntj j. nb. Rentenö. OH. >erus Cbl gff.Röicg^“- Laura ■ • tzlrit-'M' Lest-Sta-^- bfe** gollbarv^"' Seww Prine ' w®... SSL- «•■ ü 64l»$»*eL 101* 000'X OT* 9950 210 30 2I1' 294.35 ** 64.40 « 140.10 10- sö'so l«11 Iren W“*. t*. j, 141« XW iosro $ 136.60 I* --irr'« —,-4.13‘t j öhter Auswahl unb gr i Preiseu. »aus jagtr. 9.50 an. [412 , Mm-19. cht SÄ'iül'ä* E A:: i i I rtSA’ »? ET^io 7-i iS* igsfe Sx vV.' !‘ - ’ 983 jiwn^r rnrr »«■tnculfitttr Baku km Lnzeign WGchartltch tiermal ktgctrgl Gießener Anzeiger WnMMttw Dtrrttljäkli^ 9 Warf 20 W» msuaUich 75 Pf, Bit Cnngrrfa^». tki PostkzuH 9 Wart 50 Pf» •irrtrljiktK ■■■e|Bi eee Nnzeige» zu kr NachmiNaq« fir Ira lalyeke Laß «rli^nnmbre 9himma btl Barm. 10 UH. General-Anzeiger Alt Intrigen.SrrrnmlungiMm k« In- uni IuIImM ■rbmrn Änjngtn für Dm »irfimn flnyigct Zlnrts- und 2lnzeigeblntt für den Kreis Gieszeir. IIcBmmm, (trpfbihon und Drudrrri: >4nrir«|t Hx. 1. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. •Htffc für Drpeschm: Aazetger f i«|te, Aansprecha Nr. 5L Deutscher Reich. Berlin, 17. Oktober. Die von öngianb hierher gelaugten Angaben über ein gegen Kotier Wilhelm geplante» Attentat werben, wie die „Nordd. Allgem. Zig." meldet, dnrch die amtlichen Nachrichten tu allen wrseutlichev Puukteu bestätigt. Ja»beioudere steht fest, daß die beschlagnahmten Bomben eine sehr starke Laduog von Schießbaumwolle ent- hielten uud mit großcaltbrigro Revolverkugelu gefüllt waren und zwetfello» etne äußerst starke Sprrogwtrkuag entwickelt Haden würbeu. Ebenso ist festgestellt, daß die Verbrecher, nachdem dte Ausführung der That in Aegypten unmöglich Geworden, dte uäihtgeu vorberettoogeu getroffen hatten, am dte zur Berweuduug fertig gemachten Bomben nach Jaffa zu fchaffro. Dte r$oft* sagt am Schluffe etuer Besprechung de» beabfichitgteu Attentat», daß es nun aber auch für alle Staatru gelte, gegen dte anarchtsttsche Gefahr Front zu macheu uud grwetusam auf Mtttel und Wege zu finneu, um dtese Pest de» Jahrhundert» zu vernichteu. Dte »Kreuz- Zeitungs erwartet voa der geplauteu tnreruatioualen 6on» fereuz, daß e» dieser gelingen wird, der anarchistischen Bewegung ein Z'el zu setzen. Berlin, 17. October. Der frühere Oberfactor Gr üu ent Hal stürzte fich heute vormittag, al» er dem Richter vorgeführt werden sollte, im Moabiter Grricht»gebäude über da» Treppengeländer. Er brach da» Genick und war sofort tobt. Berlin, 17. October. Zam Selbstmorde de» Oderfaetor» Grünenthal wird noch gemeldet, daß dieser nicht erfolgte, al» Giüoevthal zu etuer Vernehmung vor den Richter geführt werden sollte, souderv, al» Grünenthal von dteser kam uud wieder tn seine Zelle gebracht werdeu sollte. Gr stürzte fich vou der Gallerte der vierten Etage htoab. M P C. SetliM, 17. October. während bt» vor Kurzem aageoommtu wurde, der Buude»rath werde fich tu der ltppescheu Frage für unzuständig erklären, zeigt fich jetzt immer mehr, daß dte Mehrzahl der verbündeteu Regierungen aus dem Staodpuukt steht, der Buude»rath wüffe fich tm Gegentheil im vorltrgeadeu Fall schon um deswillen für zu- staubig erklären, weil er nach der verfaffuog dte einzige Instanz bilde, an dte fich BuubeSregtervogeu wenden können. S» ist damit selbstverständlich noch ketueSweg» gesagt, daß der BaadeSrath der lippeschea Regierung Recht geben «erde. MP.C. Berlin, 17. October. Gutem Verurhmeu nach wird dte io der Novelle zum Jovaltdität»- uud Alter»verficherung»grsetz vorgesehene Drerntralisatiou der verficherung»aastalten um deswillen auf nicht ganz geringen Widerstand stoßen, weil rin Thetl der Utztereu ziem« ltch erhebliche vermögra»bestäude besitzt uud fich ungern mit dem Gedanken vertraut «acht, e» liege die Ansammlung voa folcheu Summen außerhalb de» Rahmen» der betr. Gesetz- grbuag. Berlin, 17. Oktober. Zu dem Auarchtsteuauschlag. Au» Alexandrien find durch da» »R. 8.* noch folgende Meldungen vom Sonnabeud veröffentlicht wordeu: »Heute find «eüere Verhaftungen von Luarch sten vorgeaommeu wordeu. Dir beschlagnahmten Bombeu waren mit knall- saurem Quecksilber gefüllt und wurdeu tu dcm Easv auf einem Ttsche in einer hölzernen Büchs« vorgefaodev, neben der zwet Flaschen wem lagru, so daß da» ganze wie Reise- Proviant au»sah. Dte Bomben sollten auf etn Schiff gebracht werden, da» heute uach Jaffa tn See geht. Etuer der verhafteten Anarchisten war al» Kellner für etu Gasthau» tu Jerusalem engagtrt." Ueberrtustimwend damit meldet dte »Trtbuoa^, daß der verhaftete Kuffeewtrth de» Quartier» Moharrru Bch versucht haue, deu Koch etue» uach Syrien abgehenden Schiffe» zu bestechen, damit er heimlich eine Ktste mttuehme. Man glaubt, daß dariu die gefuudeoeu Bomben drsördert werden sollreu. Da» Verdienst der Entdeckung wird hauptsächlich de« italienischen Eonsul und Polizei- director Harrington Bcy zugeschrteben. Ob unter den später verhafteten auch die beiden betheiligten Anarchisten find, deren man bet der ersten Festnahme von neun Personen nicht habhaft werden konnte, wird noch nicht gemeldet. Die htmtgru Londoner Meldoogeu bringen noch folgende Swzrl- heilen: Rach einer Meldung der »Daily Mail" au» Alexandria wächst dte Wichtigkett der auarchtftischen Verschwörung stündlich. Fünfzehn Personen find bereit» verhastet, man glaubt, daß e» lauter Italiener feien, dazu wird noch dte wettere Verhaftung etne» Uhrmacher», nahe der Hauptstraße gemeldet. E» besteht keiu Zwetfel mehr, daß der Zweck dte Ermordung des deutschen Kaiser» war. Der Plan war, von einer Straße Kairo», durch welche der Kaiser pasfiren mußte, Bomben zu werfen. Liu weiterer Plan war auf Syrien gerichtet. Eta verschworener verschaffte fich etue Stelle al» Steward auf eiaem Sch ffe der Khedtvie-Ltote, welche» Sonn- abend von Alexandrien uach Jaffa ging. Er tollte Bomben an Laub schmuggeln und fie einem anderen verschworenen geben, welcher fich al» Kellner in da» Bristol Hotel in Jerusalem eingeschmuggelt hatte. Der Mordauschlag sollte bei der Einweihung der Kirche stattfiuden. Dte beiden tm Easä gefundenen Bomben waren zehn Zoll lang, zwei Zoll dick und vou bequemer Fotzou zum Trau»port. Dte Hülle war vou Etseu mit Porzellan gefüttert, um eine chemische Wirkung de» Inhalt» zu Verbindern, der au» Knallfilber- Bomben, fest mit Draht urnwick-.lt, bestand. Beide Bomben waren In einen BiScuitkasten gepackt, der mit Sägespänen gefüllt war. Dteser Kasten war mit Eßwaaren und zwet Weirflaschen tn einen harmlo» au»srhendrn Beutel gesteckt, der oben auf einen Tisch gelebt wurde. Dte Bomben waren groß genug, um eine tödtliche Wirkung zu erzielen. Neunzehn Personen sollen an der Verschwörung betheiligt und Schriftstücke gefunden sein, welche eine Verbindung der Verbrecher mit Anarchisten tn London uud Madrid bewetseu, sowie auf eiueu wetteren Plan htndeuteo, den König Humbert uud die gelammte italienische Herrscherfamilte zu ermorden. Dem »Bureau Reuter" zufolge tst der al» Kellner verkleidete Anarchist in Jerusalem verhaftet wordeu. Tägl. Ruodsch. Braunschweig, 17. October. Am SamStag Nachmittag ersolgte im Keffrlhause der städtischen Gaswerke zu Helmstedt eine furchtbare Ga»-Explosion. Wte dte »Braunschweiger Neuesten Nachrichten" melden, find dret Personen verschüttet und dte umliegenden Häuser stark beschädigt wordeu. AnsUn»- Wien, 17 October. In der heutigeu Sitznug de» ««»gleich»-Ausschüsse» erklärte der Finaozmtuister Katzl, daß dte österreichische Regierung auf die Erhöhung der Quote Ungarn» bestehe. Wien, 17. October. Nach Meldungen einer Local- eorreipoudenz soll die Prinzesstu Gisela vou Bayern dte Universal-Erbto der Kaiserin Elisabeth sein. Budapest, 17. October. Ju der gestrigen Versammlung der Möbeltischler wurde beschloffeo, soll» dte Lohvforderuugeu nicht bewilligt würden, tu den allgemetoeu Strtke ein- zutreten. Budapest, 17. October. Ju der heutigen Sitzung de» Abgeordnetenhause» setzte die Oppofitioo dte Odstructtou fort. Bei Kenotuißnahme de» Protocolle» der lrtzreu Sitzung kam e» zu stürmischen Scenen. Budapest, 17. October. Al» der Kaiser am SamStag Nachmittag vou der Ofener Burg zum Ostbahohofe fuhr, warf fich der au BerfolguvgSwahnfina leidende Privatier Anton Hrgedu» vor dte Pferde der Equipage. Der Kutscher, welcher dte Pferde rasch zum Stehen brachte, übergab den Geisteskranken eine« Polizisten. Dieser Vorfall gab hier Anlaß zu AtteutatSgerüchteu. Budapest, 17. October. Die Poltzet verhaftete den Bauzrichuer Leopold Schwalbe sowie deffeu Geliebte Josefine Jobsch, welche seit längerer Zett englische Bank- noten sadrtctrteu und tu Umlauf setzten. Dieselben hatten hier eine vorzüglich eingerichtete Werkftätte zur Fälschung der Banknoten. Pari», 16. October. Nach einer dem Ministerium feindlichen Quelle, der „8ibett6*, seien Verschwörung», gerüchte auf Machenschaften politischer Freunde Brissons zurückzuführen, welche hierdurch dem Ministerpräsidenten zu nützen glaubten. Ein der Kanzlei eine» Minister» zugetheüter Beamter habe in einer Nachbarstadt folgende Depesche an General Zurlinden aufgegeben: .Halten Sie sich für Samstag bereit, gez. Ein General." Die Depesche sei vom Haupt- Telegraphenamt angehalten und dem Ministerium de» Innern übergeben worden, welche» eine große Aufregung geheuchelt habe. Diese Lesart klingt indeß nicht gerade wahrscheinlich. — Der Ministerrath beschäftigte fich mit der Angelegenheit de» Obersten Picquart, der noch immer in enger Haft gehalten wird und der den Competenzconflitt zwischen der Civil- und Militärjustiz erhoben hat. Es giebt keine Gesetzes- steüe und keine Präcedenz für diesen Fall. Konstantinopel, 17. October. Jafolge der Aufdeckung de» AtteutatSplaue» tn Alexandrien hat sowohl dte htefige Polizei al» auch die in Palästina dte strevgsten Weisungen erkalten und ihre vorficktSmaßregeln verdoppelt. Afieu. Da» geistige Bild der Kaiserin-Wittwe von China stellt fich neuerdings doch wesentlich ander» dar, al» englische Zeichenstifte e» umriffen hatten. So erklärte der Vorfitzende dr» Tsung-li Pawen, Prinz Tsching, dcm englischen Gesandten Macdonold gegenüber, die Kaiserin- Wittwe widerstrebe nicht ernsten Reformen, fie sei nur gegen gewaltsame, undurchführbare Neuerungen. In der That hat fie am Samstag eine Verfügung erlaffen, in welcher versprochen wird, für die Wohlfahrt und da» Gedeihen de» Volke» zu sorgen, und durch-welche zwei Handelsräthe, einer für Schanghai und einer für Hankau ernannt werden, deren Amtsbefugmffe fich auf ganz Süd-China erstrecken sollen. Obgleich der Nutzen dieser Maßregel zweifelhaft erscheint, bildet fie doch, nach einer Meldung aus Peking, ein Anzeichen für die Politik der Kaiserin, die auf die Einleitung von Reformen gerichtet ist. — In die geheimnißvolle Dämmerung, welche die Person de» thatsächlich seiner Macht entkleidetm Kaisers enthüllt, will noch kein rechte» Licht dringen. Prinz Tsching hat allerding» soeben dem britischen Gesandten „be- friedigende Verficherungen über den Gesundheitszustand de» Kaisers" erthellt. Im Uebrigen erwartet man aber, daß Kaiser Kuang-Sü am Geburtstage der Kaiserin, am 22. November, abgesetzt und ein Enkel de» Prinzen Jun, ein Knabe von 13 Jahren, zum Kaiser ernannt werden wird. — An weiteren Nachrichten liegt noch vor, daß nunmehr auch fran- zösische Marinesoldaten in Ptking eingetroffen sind und daß die chinesische Regierung Japan gestattet, in Han kau tn der Nähe der deutschen Niederlassung eine japanische Niederlassung zu errichten. M.P.C. Japan. Da», wie schon bekannt, von Japan in England bestellte große Panzerschisf wird bet der Firma Bidet» & Eo. gebaut. Der Prei» für da» cowplette Schiff einschließlich KriegSchargirung beträgt 930000 Lstr. Au» dem Prei» ist ersichtlich, daß da» Schiff alle» bi»her Dagewesene in jeder Beziehung übertreffen muß. Die gesammte Fertigstellung erfolgt bei vckrr», fast ohne etne andere Firm, zu Hülfe zu ziehen. Da» Deplacement beträgt 16000 t. Der Panzergürtel wird an» ganz besonder» hartem Stahl hergestellt nnb reicht vom Sporn di» zum Stern. Die Armirung wird an» vier zwölfzöll. 60 t Kanonen von v cker» bestehen, welche eine Müodung»geschwindigkeit von 44573 Fuß ton» erzielen. Ferner eine große Zahl von anderen Schnell- fenergeschützev, von denen jede» mehr al» 5000 Foß ton» erreicht. Die Zwilling»!chraube wird dnrch eine Triple- Expanfion» Maschine getrieben, welche 15000 Pferdekräfte entwickelt. — Die beiden anderen schon im Bau begriffenen Panzer für Japan, welche ungefähr dieselbe Größe haben, stehen auf den Werften in Clydebank bezw. auf der Werft der Thame»-Jron-Work». Telegirtentag des Verbandes südweftdeutscher Tetaillisten-Bereiue. (Schluß.) Nach kurzer Pause wurde die Geschäst»ordnuug für die südwestdeutschen Detaill'ften - Lonferenzen durchberathen und nach den vorgeschlagenen Abänderungen angenommen. Hierauf berichtete Herr Wilh. Lotz über die Mißstände, die fich beim verkauf von Strickgarnen herau»gestellt, seit vom alten Gewicht znm neuen übergegangen wurde. Er empfehle verkauf nach Kilogramm, bzw. ’/s und Kilogramm. Auch im Eisenhandel seien derartige Uazuläsfigketten zu beobachten, e» werde z. B. Draht vielfach nach Ringen, anstatt nach Gewicht verkauft. Auch Nähgarn auf Rollen werde unter Täuschung de» Publikl.m» nach unrichtigem Maß verkauft- e» müsse da» Maß auf dem Rolleuer^quett deutlich angegeben werden. Nach kurzer Debatte, an der fich dte Herren Almenrod-Hanau, Na f sau er - Gießen, Koch- Gießen, Sch mahl-Mainz, Tripp-Eaffel, Orbig-Gießen und KrÜger-WieSbaden und der Vorsitzende E. Balser, betheiligten, wurde etne Resolution i« Sinne der Lotz'scheu Darlegungen gefaßt. An Stelle de» Herrn Hugo Hirsch selb-Frankfurt, welcher da» Referat Über ,bte Schäden der großkapitalistischen Waarenhäuser und Bazare für deu Detailhandel^ übernommen hatte, aber am Erscheinen verhindert war, sprach Herr Schäfer-Frankfurt. Redner kann fich weder für etne höhere Besteuerung der Waarenhäuser, noch für etne Umsatzsteuer, ebensowenig für eine sog. Kopfsteuer anSlprechen, da damit den großen Waareuhäuseru schwerlich beizukommen sei, den Detailgeschäften aber nicht geholfen werde. Auch sei der Begr'ff ^Waarenhau»" schwer zu defintten. Er empfiehlt, die Frage vorerst ad acta zu legen, von den folgenden Rednern lprecheu fich die Herren Balser- Gießen, Tripp Cassel, Stamm- Wiesbaden, Lotz- Mainz dafür aus, daß etwa- geschehen müsse, um den Detail- Handel vor dem Untergänge zu bewahren. — Herr Beigeordneter Georgi-Gießen bemerkte u. A., daß gerade die Filialen der großen Häuser e» verständen, sich der Besteuerung zu entziehen, fie legten Abschlüffe vor, au- denen zu ersehen sei, daß fie nicht» verdienten, dabei setze aber da» Mutterhaus ihnen höhere Preise an. Auf letzteren Umstand sollte man die Steuereommiffrrien aufmerksam machen, mau nutze damit den Bürgern und der Gemeinde. Herr Commerzienrath Koch bringt all von allgemeinem Interesse den Handel mit Steinkohlen zur Sprachr uud bedauert, daß kein dieser Branche augehöreuder Händler zugegen sei, um die durch da» bestehende Syudicat hervor- gerufeuen Mißstände, die Schädigungen del Kleinhandels zu bestätigen. Die Monopoltfiruug dieses so wichtigen, für die Industrie wie den allgemeinen verbrauch gleich werthvollen Artikels rufe ernste Bedenken hervor. Man sei mit der Beherrschung des Marktes durch jene Riugbilduug nicht mehr in der Lage, auf Lieferung einer bestimmten Art Kohle überhaupt nur reflectiren zu können, was dem Besteller in dieser Beziehung zugetheilt werde, müffe er einfach accep- tireu. Trotz frühzeitiger Abschlüffe sei zudem der Kleinhändler heute häufig Kohleumangel aulgesetzt, ohne fich gegen diesen Nachtheil in irgend einer Weise schützen zll können. Mitte der 80er Jahre, als das Angebot der Zechen die inländische Nachfrage überstieg und in Folge dessen die Preise fast auf die FörderuugSkosteu sanken, seien zur Beseitigung dieses Nothstandes Spezialtarife bewilligt worden, und diese unter jenen Umständen weise Maßregel habe den ausländischen Markt erschlossen, die erhoffte Abhülfe gebracht. Aber schon wenige Jahre darauf habe der Aufschwung der deutschen Industrie ein völlig verändertes Bild geschaffen- die inländische Nachfrage sei in außerordentlicher Weise gestiegen und es wäre aus volklwtrthschaftlicheu Gründen geboten gewesen „jene Spezialtarife, welche sich nur dem Nothstaude gegenüber rechtfertigen ließen", zarückzuztehen. — DaS Fortbestehen derselben habe es den Zechen ermöglicht, die Inlandspreise hoch zu halten und es sei offenkundig, daß man in Belgischen Judustriebeztrken billiger mit deutschem CoakS und Kohle verhüttete, als es in unseren Werken geboten ist. Auch die Qualität de» CoakS habe, in Folge des Wegfalls der Coneurrenz dieser Betriebe untereinander, wesentlich uachgelaffeu. Als sprechender Beweis könne eine der Kammer vorliegende und in deren Jahresbericht veröffentlichte Berichterstattung der Main- Weserhütte dienen, welche den horrenden Ausfall ihre» vorletzten Betriebsjahres zum größeren Theil auf miuderwerthtgeu CoakS zurückführte und die» mit Zahlen belegte. Die erwähnte Bevorzugung der Zechen habe zur Bildung des Syudicat! geführt, welche- auch auf die widerstrebenden Zechen einen wirksamen Druck aulzuübeu wußte, dem Ringe detzutreten und so die Preisbildung völlig tu der Hand hat. Wenn Producenten tu der glücklichen Lage seien, aus eigener Krast — ohne staatliche Unterstützung — sich zu einem Ringe zu vereinigen, um fich einen nutzbringenderen Absatz zu sichern, so lasse fich dagegen uichts einwenden, anders aber liege es hier, und es sei vom volkswtrthschaftlicheu Standpunkt zu ver- urtheilen, daß die preußische Staatsbahu-Berwaltung nach wie vor den Export der Kohle in jener Weise zum Nachtheil del Inlands begünstige. — Die Handelskammer Gießen habe zu allererst den Antrag auf Kündigung jener Tarife gestellt und nichts unversucht gelassen, im Verein mit gletchgefinuten Schwrsterkammern durchzudringen, doch sei Alles vergebens gewesen. Herr Jmheuser-Gießen hält höhere Besteuerung der Waarenhäuser nicht für angäuglich, eine solche würde die Geschäfte nur anfpornen zu größerem Umsatz. Man solle suchen, den kleinen Geschäften zu helfen, ihnen den Zusammenschluß behufs gemeinschaftlichen Einkaufs empfehlen. — Eine Resolution de- Herrn S ch m a h l - Mainz, wonach eine Commtsfion mit der Ausarbeitung geeigneter Vorschläge zur Abstellung der Schäden großcapttalistischer Waarenhäuser zu beauftragen sei, wurde angenommen. Die Commtsfion besteht aus den Herren Ernst Balser-Gießen, Schmahl- Mainz, Wolff.Frankfurt, Stamm-WieSbaden, vr. Mertz ot-Wiesbaden, Tripp Cassel. Ueber die Offeahaltuug der Schaufenster an Sonntagen refertrt Herr Jacob Müller-Mainz. Die Ausführung der Bestimmungen über die Sonntagsruhe haben nach Anficht des Redners zu Zuständen geführt, die nicht befriedigten. Besonder- durch die verschiedenartige Zett- rtvtheilung in der Offrnhaltung der Läden würden die Geschäfte mancher Städte, zu Gunsten derjenigen der Nachbarstädte, geschädigt. Die Sonntagsruhe sei den Angestellten zu gönnen, aber das Offenhalten der Schausenster beeinträchtige diese nicht. In Wiesbaden und Frankfurt sei das Offenhalten der Schaufenster gestattet, tu den hesfischeu Städten nicht. In Ansehung der vorthetle, welche dal Offeahalten der Schau» senster mit fich bringt, hat der Verein Mainzer Kaufleute eine, von der Mainzer und der Gießener Handelskammer unterstützte Eingabe um Gestattung des Offenhaltens der Schaufenster au Sonntagen au beide Kammern der hefftschen Stände gerichtet, das Gesuch sei aber abgeschlagen worden,- alle Kreisämter (mit Ausnahme Offenbachs) und alle Handelskammern (mit Ausnahme der hiefigen und Mainz), hatten fich gegen da» Gesuch ausgesprochen. Referent tritt entschieden für Weiterverfolguug der Sa^e ein und beantragt nochmalige Eingabe au die hesfischeu Kammern und den Reichs- tag. Die Ausführungen des Referenten wurden durch wettere Darlegungen der Herren Sch mahl-Mainz, Koch-Gießen, welcher der Hoffnung Ausdruck giebt, daß auch die Schwester- Handelskammeru sich diesmal der Gießeuer auschließeu werden, Schäfer-Frankfurt, Bal ser-Gießen unterstützt und eine Resolution im Sinne del Mü ll er 'scheu Referat! angeuommeu. Herr Dr. Merbot - Wtelbadeu verbreitet fich eingehend und unter Darlegung der Schäden, welche dem Erwerbsftaude alljährlich durch Concurse zugeführt werden, über die Forderung nach Erledigung der Concurfe durch Kaufleute, statt durch Rechtsanwälte. Er stellt al! erste Bedingung auf, daß die Kaufleute fich nicht bet der Ernennung von Concurlverwaltern durch Gerichte beruhigen, sondern ihr Wahlrecht selbst ausüben. Dabei müffe allerdings dem Wunsche Ausdruck gegeben werden, daß die Gerichte dem verlangen der Kaufleute und Gewerbetreibenden nach Geschäftsleuten als Concursverwalter bet Coucursen von Geschäftsleuten schon bei Benennung deS provisorischen ConeurSverwalters möglichst Rechnung tragen. Vom Vorsitzenden wird bemerkt, daß in Oberheffeu und Starkenburg bereits die ConcurSverwaltuug meisten! in die Hände der Kaufleute gelegt werde. Die Erhebungen über die Lage de! Kleinhandels behandelt da» Referat des Herrn Balser- Gießen. Die Versammlung nahm hierzu folgende Resolution an: Die Conferenz südwestdeutscher Detailisteu-Vereine zu Gießen hält die Veranstaltung einer Enquete über die Lage des Kleinhandels für dringend nothwendig, ist aber der Ansicht, daß nur der Staat unter Mitwirkung der dazu berufenen Jntereffenvertretungeu die Enquete wirksam durchführen kann. Wir bitten daher die Regierung, eine alsbaldige Enquete über die Lage des Kleinhandels herbeizuführen und hierbei soweit thunlich und erforderlich, die Vertretung von Handel, Industrie und Gewerbe zur Mitarbeit zu veranlassen. Herr Schmidt-Darmstadt sprach über die Erledigung der Beschlüsse der 5. Conferenz in Wiesbaden. In die Commission, welche mit Festsetzung der Erfahrungen, berr. das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb betraut werden soll, wurden die Herren Dr. Gutfleisch (als Ehrenbeirath), Lotz-Maiuz, Stamm-WieSbaden, Kleber-Darmstadt und Schäfer-Frankfurt gewählt. Die nächste Conferenz findet in Frankfurt a. M. statt. Herr Balser dankt den Herren, die fich um die Versammlung verdient gemacht, besonders den Gästen, drückt seine Freude über die Anwesenheit der städtischen Vertreter, der Vertreter der Handelskammer aus und dankt noch dem vorjährigen Präsident, Herrn Schmidt, namens des Verbandes. Die Versammlung dankt Herrn Balser für die umfichttge Leitung der Versammlung durch ein auf denselben ausgebrachtes Hoch. Schriftlich hatte Herr Landtagsabgeordneter Metz sein Fernbleiben entschuldigt. — Zum Schluß wie! Herr Orbig auf die Erfolge hin, welche die kaufmännische Fachschule erzielt, er empfahl möglichst bei Anstellung von Gehülfen solche zu berückfichtigen, die eine Fachschule besucht. Schließlich tragen wir noch nach, daß auch die Darmstädter Handelskammer durch die Herren W. Schwab und K. Egenolf vertreten war. Ein ausführlicheres Protokoll über die Verhandlungen befindet fich im Druck, und wird demnächst den Mitgliedern und Interessenten zugesandt bezw. zur Einfichtnahme aufgelegt werden. Nachdem nun der geschäftliche Theil der Conferenz erledigt war, vereinigte man fich zu einem gemeinsamen Essen, welche- unter Mitwirkung der hiefigen RegtmentSeapelle, unter Leitung drS Großh. MufikdirectorS Herrn Krauße, in sehr anregender Weise verlief. — Die Reihe der Trink- spräche wurde von dem Borfitzenden deS hiesigen Detailllsten- Veretns, Herrn Ernst Balser, mit einem Hoch auf unfern geliebten LandeSsÜrsten und Se. Majestät den Kaiser von Deutschland die hohen Förderer geistiger und sozialer Wohlfahrt eröffnet, in welche- sämmtliche Anwesenden begeistert etnstimmteu. — Der zweite Vorsitzende, Herr Wilhelm Herbert, dankte in warmen Worten den anwesenden Gästen für ihr Erscheinen, welchen Dank der Borfitzende der Handelskammer, Herr Commerzienrath Koch, im Namen der Gäste in ebenso liebenswürdiger al- herzlicher Weise erwiderte.. — Der Vorsitzende der Centralstelle für die Gewerbe, Herr RegiernngSrath Noack-Darmstadt, leerte ans da- innige Zusammengehen und gemeinsame Wirken der Gewerbe- und Detaillistenvereine sein Glas. — Herr Müller-Mainz gedachte des Vorsitzenden der Handelskammer und seiner Mit- glteder, worauf der Vorsitzende Herr Commerzienrath Koch den Detaillistenstand als wichtige Beratherin und Mitarbeiterin in vielen wirthschaftlichen Fragen, den Handel betreff nd, für die Handelskammern hochschätze. — ES folgten Ansprachen und Toaste in abwechselnder Reihe, Herr Director Tripp- Cassel gedachte der abwesenden Frauen in schönen Worten, welche in einem Hoch auf dieselben auSklangen. Mau trennte sich erst, nachdem die auswärtigen Gäste, durch die herangerückte Abgangszeit ihrer Züge gezwungen, zum Aufbruch Veranlassung gaben und rief sich ein fröhliche- Wiedersehen auf der nächsten Conferenz in Frankfurt zu. Lobende Erwähnung verdient noch die vorzügliche Küche deS Herrn Stein, worüber sämmtliche Gäste ihre Anerkennung au-sprachen. Ul SlhchtHn, »k° leit der lrtztr°äm»l, ,De °«d resntrlr Hin bn abgehaltearhillptversvo» "k PktGoeo an die »weite nn8 aller den Militär-Ir, telleo Im und drei Wchtdieofijihrr bei loorv an bin ms dir Dltuftaltnl. M tbtut. Ptnstontni!» >u an sLmmiichr im SRtlii Miar-Jnvaliden, c) Kitz Niäitbenntzunz der H 12 Mk., d) dessen Sn • — Ans dir Petition o» t dessen Wow- Grafen Oriola hat der ! Vnnderrath am 20, Kun, der Invaliden, uni in ichrtag» wegen iWrrwz i Reichskanzier 6q». bin beitnng einer Sesetzmwüis» ! Nenwahl der Vvrstaodit dem Verein die nii liltyt Innung Dicht Wtglitfa, Mnwcittirn btnlMt ZchknrW gingrn |t|» butd). Milden tato Ldnsitztrn dir grstlosi-re hin zrM unb der Sil# nach Girhen. ezng ans den Marburg durch bei ndorf Iß Hem La« °.,m m-»» WN'J« N W*2. ,n'ÄÄ »t* S U 6»1' ütn WW*L| gnii* 1. 3. » *CÄ ifl'i’VLi bd s,4't‘ Srstf- s»-*ßs •••'“"’m will«11111, 4lfU«Ä b-''° ,1(1(0 «“‘‘-egtll» *** i’-fiÄ; i-sss.c bW »nlätfifl lß, ° ,zt **«#•**<> ji ö?«n doltas!" hir Ätf-*' te äu§erften Norden. Die Witterung ist vielfach unruhig und iu der Umgebung des Depression»«TeutrumS wehen stürmische Winde. Ja Deutschland ist die Witterung alleat- Halden trübe unb fallen zeitweise Niederschläge. An der Ostseeküste fiel stellenweise Schnee. Am Nardsuße der Alpen war daß Werter am Morgen noch böig, doch ist gegen Mittag starke Trübung mit Regen eiegetnten. Die Temperaturen find gegen gestern iw Allgemeinen wenig verändert. — Voraussichtliche Witterung: Unruhiges, trübes Wetter mit Niederschlägen. •• Ankauf aal erster Hand Das Königliche Proviantamt tu Hanau giebt bekannt, daß dasselbe gesunden, gut gereinigten Hafer, gutes Pferdeheu sowie gesundes Roggen- Flegelstroh nach Maßgabe der vorhanden« Lagerräume an* kaust. Bet Hafer-Angeboten ist die Stnseodnng einer Probe von reichlich */< Liter erforderlich. Den Produceoteo wird in jeder dienstlich zuläsfigen Weise entgegen gekommen, auch werden aus Wunsch der Verkäufer Magazinsäcke, jedoch uu- frankirt, zur Verfügung gestellt. Die Abfuhr von der Bahn wird ans Wunsch für Rechnung des Verkäufers übernommen. Jede weitere Auskunft wird bereitwilligst von dem genannten Amte mündlich wie schriftlich ertheilt. Wieseck. 18. October. Am morgigen Tage feiert uaser Mitbürger Heinrich Dech mit seiner Ehefrau, Helene, geb. Deibel, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Die Iubilare stehen in den fiebeoziger Jahren und find noch sehr rüstig. ? Groß Felda, 17. October. Als ein seltenes Vorkommen muß es bezeichnet werden, daß ein erster Preis einer Bewerbe-Ausstellung einem Gewerbetreibenden auf einem Dorfe zuerkanut wird. Diese seltene Auszeichnung hat fich der htefige Sattlermeister Bölzing aus der Gewerbe- Ausstellung zu Butzbach verdient. Seine dort von ihm verfertigten Kummete, deren Muster patentamtlich geschützt find, und Pferdegeschirre erregten die Bewunderung eines jeden Kenners. Die von Bölzing erfundenen Kummete zeichnen fich von denjenigen gewöhnlicher Machart dadurch auS, daß die an dem Kummet befindlichen Hölzer nicht mit Haften oder sonstigen Halteriemea, sondern mit Schrauben befestigt werden, wodurch dieselben äußerst haltbar und fast unzerbrechlich find. Wie weit der Ruf dieser neuen Kummete geht, kann man daraus nehmen, daß der Elfiuder schon ein Dutzend derselben nach Amerika geschickt hat. Seine außergewöhnliche Geschicklichkeit hat fich Herr Bölzing auf siebenjähriger Wanderschaft in der Fremde, die ihn selbst bis nach Venedig brachte und dort arbeiten ließ, erworben. Der erste Preis der Butzbacher Gewerbeausftellung — Preismedatlle unb Ehrenbiplom — ist bem jungen Meister wohl zu gönnen. (?) Aul dem Ohmthal, 17. October. Die ersten aus bem Rückzüge befindlichen Kraniche konnte man vorgestern bemerken. Darnach soll — bei Beobachtung zufolge — der Winter nicht mehr lange aus fich warten lasten. Dem Land- wirth käme er bann zu frühe, denn die Weizensaat ist noch nicht beendigt unb die Stoppeläcker finb fast noch alle un* gepflügt. Der Landwirth vermochte nicht, wie in anderen Jahrgängen, im Laus deS Nachsommer» Stoppelfelder zu stürzen, weil der Boden zu hart unb all- lanbwiithschastllche Arbeiten in diesem Jahre um Wochen verspätet find. Daß diese Verspätung fich auch in bei Vegetation bemerkbar macht, zeigt der Wald. Hat er sonst schon um diese Zeit sein Land abgewoifen oder dasselbe doch herbstlich in allen T'ntenarten gefärbt, so steht er jetzt noch im üppigsten Giün. üuck unsere Odstbäume tragen noch den vollen, grünen Blattschmuck. Die Trauben an den Hauswänden — fie hängen voll — werden gar nicht reif in diese« Herbste, so weit find sie noch in ihrer Entwickelung zurück. Wetterkundize schließen aus dem verspäteten Blätterfall auf einen kalten Winter. Alsfeld, 14. October. Das Museum des Geschichts- und Aitert^umSveretns der Stadt Alsfeld ist nun soweit gediehen, daß seiner Eröffnung nichts mehr im Wege steht. Dieselbe wird, wie baß Kreisblatt erfährt, am Sonntag den 23. October, ftatifuben. Zur Eröffnung ist eine entiprechende Feier geplant._____________________________________________________ Au» her -eit für Vie -eßt. Vor 432 Jahren, am 19. October 1466, wurde der Friede zuThorn zwischen dem deutschen Orden und Polen geschloffen, in welchem Ersterer zur Abtretung von Kulm, Elbing und Marienberg und zur Anerkennung der polnischen Oberlehnsherrlichkeit über das übrige Gebiet gezwungen wurde. vsvmischteS. ’ Die Sächsisch Thurmgische Industrie- und Gewerbe-Aul- stelluug hat ein Deficit von 619,000 Mk. gehabt. Hiervon will die Stabt Leipzig 400,000 Mk. übernehmen, den Rest sollen die Garantiefonbszeichner aufbringen. • Die Morde in Berlin. Seht man die Berliner Srimi- nalstatistik der letzten Jahre durch, so ergiebt, daß seit dem Jahre 1880 bis heute nicht weniger als 37 Morde verübt worden find. Von diesen 37 Morden find bei 15 die Thäter nicht ermittelt worden, bezw. iu zwei Fällen zwar ermittelt, doch entkommen find. • lieber „die Schönheiten der tnrtichrn Lensnr" schreibt man Pis Konstantinopel: „Wenn seit einiger Zeit schon den hiesigen Zeitungen der Maulkorb ganz bedeutend gelockert ist, so bah einige, zumal bet „Servet", einen recht ersprießlichen Feldzug gegen die Auswüchse und Schäden des öffentlichen Lebens in der Haupistadt führen konnten, so erinnert doch Manches an die schö fttn Zeiten der Maulsperre der letzten Jahre. Einen köstlichrn Beleg dafür gaben die Telegramme, welche bie Ermordung der Kaiserin von Oesterreich meldeten- sie bewegten fich in folgenden Ausdrücken: Die Kaiserin ging spazieren unb wurde von plötzlichem Unwohlsein ergriffen — sie stürzte zu Boden, erhob sich wieder unb fiel bann in Ohnmacht — in einer halben Stunde war fie tobt! Da bie Anwendung der Ausdrücke Nihilisten, Anarchisten verboten ist, so brauchten bie Blätter basür bisher die Bezeichnungen Ruhestörer, ungesetzliche Elemente,- jetzt hat aber der genannte „Servet" dem Bogel den Kopf abgeschoffen mit der prächtigen Benennung Utopisten und Utopismus. Ferner darf, um die im Wesen des Khalifats begründete Annahme aufrecht zu erhalten, daß Nord- unb Central Afrika, soweit eS mobamebanifdi ist, bem Sultan unterst-ht, öffentlich von einer Besetzung z. B. de» Sudan u. s. w. durch Truppen einer christlichen Macht nicht gesprochen werben- in ben Nachrichten von einem Bormarsch oder bei Besitzergreifung seitens einer solchen müffen also die betreffenden Namen umschrieben werben, so heißt es sür Tschadsee ber See von Kuka, sür Ecyihräa Schoa unb für Snban (longo\“ • Bismarck Anekdoten. Den Fürsten von Bismarck hat bekanntlich sein Humor dis in die letzten Tage nicht verlaffen. Diese glückliche Naturanlage half dem Eisernen Kanzler selbst über manch schwere Stunde hinweg, wie sie feinen Gegnern oft daß Kränkende feiner scharfen Angriffe milderte. Der »Tägl. Rundsch." schickt ein Leser eine Reihe humorvoller Aussprüche des Fürsten, die in we ten Kreisen noch nicht bekannt fein dürften. Ueber einen feiner rebebegabtesten Wiber- facher sprach er sich folgendermaßen aus: wirb mir recht oft das Vergnügen zu Thell, eine Probe seiner Eloquenz mit anzuhören, unb ba habe ich immer basselbe Gefühl, wie bei einer Vorstellung der „Jungfrau von Orleans", w, Einen ber endlose Triumphzug im Anfang überrascht, bis man beim dritten Vorbeimarsch bemerkt: Mein Gott, bas sind ja bie» selben Leute, in benlelben Costümen I So kehren auch bie Grüabe beß Herrn Abgeordneten, mit derselben Eleganz vorgetragen, sterS wieder." — Als der Fürst an einem seiner parlamentarischen Abende von bem welthistorischen Augenblick sprach, wo er nach der Schlacht von Sedan mit Napoleon III. zusammentraf, meinte er: „Als ich bem Kaiser Napoleon in bem Stübchen des Wederhauseß bei Donchö h beinahe eine Stunde grgevüversaß, war eß wir gerade so zu Murhe, wie als jungem Menschen auf einem Balle, wenn ich ein Mädchen zum Cvtlllon engagkt hatte, mit bem ich kein Wort zu sprechen wußte und baß Niemand abholen wollte." — Selbst bei bem Gedanken an sein Ende verließ ihn bie gute Laune nicht. ES war iu ben 80er Jahren, als die Bauern von Schönhausen einen neuen Frtebhos auf einem Punkte, der die Hohe Wurth genannt wirb, einrichteten. Bei einem Besuch beß Fürsten fragten ihn bie Bauern, ob für ihn vielleicht ein Erbbrgräbniß vorgesehen werden sollte? Dankend lehnte der Fürst das Äc.erbteten mit dem Beme»ken ab: „Die Stelle hätte ja gewiß große Vorzüge, fie wäre ihm aber zu windig." TOrcblicbc Anzeigen der Stadt Giefzen. In der JohanneSkirche. Mittwoch ben 19. October, vormittags 9 Uhr: Gottesdienst zur Eröffnung der DecanatSfynode. Pfarrer Dr. Grein. Im <°n heute ab die ausgeloosteo Satten] Briefpapiere OV Briefumschläge Verdingung der Lieferungen und Arbeiten zur Er-1 an einen Herrn zu lebend. itaL GcSügel gut n. billig beziehen will, verlange Preisliste von Hans Malor in Ulm a. D. Produkte. Grosser Fmoort It GEGR1.