w Ü» 5000. '^r Geld. wstadt, 7858 = 12 Psg. ^lyie? ~~~— ,’*06*hwen.n.. °>05679O . ' • ‘ 2M792 . ’ ' ' ■ 0,ÜUHto ■ ** '■ «Ä '*■*: SR **-■:: ÄS» en Imsen 7601' ste. Wchchltz. latt fa 1. Feitel, (en - .eRetiemcl ,ssen UtZ ther Farbe 8025 7892 iwicd r. Betrieb. hild^S^ Donnerstag den 18. August 189S Nr. 192 Erstes Blatt Erscheint Idgfid) mit Ausnahme bc» Montags. Die Siebener Aamitien v kätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Gießener Anzeiger ZLezugsprei» vtrrtelzährltch 2 Mark 20 Psg. monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi# Vorni. 10 llbr. General- Anzeiger Alle Anzeigen-DermittlungSsteven deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Amts- und Anzeigeblsrtt fnv den Tiveis Gieren. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter Adresse für Depeschen: Anzeiger Hteheu. Fernsprecher Nr. 51. Redaction, Expedition und Druckerei: Kchukftrahe Ar. 7. Umtlidxr Lbeil. Gießen, den 16. August 1898. vetreffead : Die Vorschriften de» Arbetterschutzgesetze« vom 1. Juni 1891 über die Arbeitsbücher und Veschästigung jugendlicher Arbeiter unb Arbeiterinnen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen «* H< Grssth. vstrOermetsterete» M Kreises. Wir erinnern Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände find, au baldige Erledigung der Beifügung vom V. v. Mts., Anzeiger Nr. 160. ____________________d. Bechtold.____________________ Bekanntmachung. Wegen vorzunrhmeuder Arbeiten wird die Katharinen« gasse vom 17. I. Mts. ab für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Gießen, den 16. August 1898. Großherzoglicher Polizeiamt Gießen. __________________Muhl.__________________ Die Friedensbedingungen. Eine tiefe Bewegung geht durch ganz Spanien, seitdem die Bedingungen bekannt geworden sind, unter denen die Madrider Regierung den Frieden abschließen muß. Trauer und Beschämung kämpfen mit einander darüber, daß er so wett gekommen ist, daß die spanische Colonialmacht, einst eine der gewaltigsten, tu Trümmern liegt. Und unter den heutigen Verhältnissen ist nichts wieder gut zu machen, an eine Wiederherstellung seiner colonialen Weltreiches ist nicht zu denken. Und doch hätte es, wenn wir die Friedensbediugungen betrachten, welche die vereinigten Staaten als Basis für die Einstellung der Feindseligkeiten gestellt haben, noch viel schlimmer kommen können, da Spanten gezwungen war, unter allen Umständen den Frieden anzunehmen, insbesondere da rS nicht die geringste Kriegsentschädigung zu zahlen in der Lage ist. Etn freies, unabhängiges Euba hatten fich die vereinigten Staaten als Ziel des Kampfes gestellt, und deshalb ist auch die erste Bedingung für den Frieden dir, daß Spanien seine Oberhoheit über die Insel Euba aufgiebt. Ungemein schwer muß ihm die Verzichtleistung auf Cuba werden, das eS nun über 400 Jahre im Besitze hat/ die Insel bildete eine der schönsten Perlen in der Krone von Casttlien. Aber wir haben ja mehrfach ausgrsührt, daß die Schuld an dem Gange der Ereignisse in Madnd liegt, daß alle Regierungen Spaniens, mögen sie nun liberal oder con- servattv gewesen sein, schwer gesehlt, und die Catastrophe, welche nunmehr über da» Mutterland hereingebrochen ist, leichtsinnig heraufbeschworen haben. Auch die Insel Portorico und die übrigen spanischen Antillen gehen verloren, und zwar fallen diese Inseln an die vereinigten Staaten, ebenso die Ladronen. Damit ist Spanien seines ganzen westindischen Besitzes entkleidet und Amerika bat wieder einen großen Schritt vorwärts gethan auf dem Wege, die in seiner Einflußsphäre belegenen Gebiete unter seine Botmäßigkeit zu bringen. Im westindischen Archipel verbleiben dann nur noch dänische Inseln in europäischem Besitze, aber auch um diese feilschen die vereinigten Staaten schon lange, unb es ist höchst wahrscheinlich, baß fie früher ober später einmal im Wege deS Kauf» in bereu Herrschaft übergehen. Große Unklarheit herrscht bezüglich de» Schicksal» der Philippinen- hierüber soll erst der definitive Frtedensvertrag die Entscheidung treffen. In Spanien gtebt man fich der Hoffauug hin, daß ihm die malaiische Inselgruppe erhalten bletbtn werde. Zu Reformen ist die Madrider Regierung natürlich jetzt geneigt- ob aber die Insurgenten ohne Wettere» die spanische Oberhoheit wieder anerkennen werden, erscheint sehr fraglich. Jedenfalls ist die Philipptnenfrage noch der wunde Punkt, welcher eine Verständigung schwierig macht, nab e» ist nur zu wahrscheinlich, daß Sguiaaldo der Jasur- gentendjef, auch nach Ratificiruug des Friedens die Spanier nod) bekämpfen wird. Die Amerikaner haben fich die Mitwirkung bei Regelung der künftigen Verwaltung der Philip- pinen zwar Vorbehalten, aber eS ist sehr gut möglich, daß fie ruhig zusehen, wie Spanien mit den Insurgenten fertig wird. Hoffentlich ziehen fich die Vorverhandlungen nicht allzu lange hin, damit Spanien weiß, woran eS ist, und damit eS kräftig in einer Reuovirung feiner Verhältnisse arbeiten kann. (xx) Deutsche» Reich. Berlin, 16. August. Der Kaiser hörte heute vor- mittag auf Schloß Wilhelmshöhe den Vortrag des Chef» de» Militär.CabinetS v. Hahnke. Berlin, 16. August. Der Kaiser wird mit dem Großherzog von Baden dem internationalen Armee- Jagdrennen In Baden-Baden beiwohnen. Der Kaiser, welcher für dieses Rennen einen Preis gestiftet hat, besucht zum ersten Male die Rennen im Arthal. Berlin, 16. August. Der deutsche Landwirth- schaftSrath hat es auf Ersuchen deS Staatssekretärs de» Jauern Übernommen, die im Reichsamt deS Innern fertig- gestellten Fragebogen über die Rentabilität laadwirthschaft- licher Betriebe ben landwirthschastlichen Organen (Landwirth- fchaftskammern re.) zazustellen, damit diese fie an die einzelnen zu befragenden Landwirthe gelangen lasten. Berlin, 16. August. Die Betheiligung der Sozialdemokraten an den Landtagswahlen ist neuerdings in mehreren großen Versammlungen beschloffea worden. So beschloß der in Arnstadt abgehaltene Parteitag der Sozialdemokraten, daß die Partetgenosten sich an den Landtag»wahlen betheiligen sollten. Auch die Sozialdemokraten In Elberfeld haben fich für eine Bethetltgung an den Landtagswahlen ausgesprochen. Berlin, 16. August. Die Frage der Reform der Eifenbahnpersonentarife soll sür da» Deutsche Reich endgtlttg in der «Generalcouferenz der deutschen Eisenbahnen" zur Erledigung kommen, welche Mitte December d. I. in Berlin statt finden wird. Btt dahin werden die Vorverhandlungen soweit gefördert sein, daß einem definitiven Beschluß nicht» mehr im Wege steht, auch voraussichtlich die neuen Tarife am 1. April 1899 in Wirksamkeit treten können. Berlin, 16. August. Coloniales. Der Commaudenr der Sckmtz ruppe in Kamerun, Hauptmann v. Kamptz, berichtet nach dem »Deutschen Col.- Bl." unter dem 22. Mai d. I. über die Bane Bule-Expedition u. A. Folgendes: Nach Meldung des Premier-Lieutenant» Frhrn. v. Stein war im Banegebiet Alle» ruhig und geordnet, alle Stämme hätten fich unterworfen und versprochen, die ihnen auferlegten Bedingungen zu erfüllen. Premier-Lieutenant Fehr v. Stein war auf die Nachricht meine» Anmärsche», die er noch Im Banegebiet erhielt, mir entgegengeeilt, um mir die gelammte Truppe zur Unterwerfung ter Bulls zur Verfügung zu stellen. Am 12. Mai erreichte die Expedition Epuffi, am 13. Tungadorf. Hierhin fernen die den Buli» benachbarten Mfan-Hävptllnge Babanje und Goma von dem linken Lo- kundje-Ufer- btefclben baten um Frieden unb versicherten ihre unbedingte Unterwerfung, von ihnen erfuhren wir, daß die in Frage kommenden Buli», nämlich der größte Theil der SacoiS und der Jevjok» un» zum Kampf erwarteten. Früh Morgens am 18. Januar wurde auf schmalem Buschwege der Marsch nach Dejong angetreten. Wir kamen dort sehr überraschend an, die Eingeborenen waren gerade mit Räumung der Häuser beschäftigt und ließen nun Geräthe und Lebensrnittel im Stich, ohne Widerstand zu leisten. Erst die sofort in südlicher und in westlicher Richtung auSgesandteu Patrouillen erhielten Feuer. Auffallend war die geringe Zahl von Männern. Drei von den Patrouillen gefangene Weiber, darunter ein Weib de» Häuptling», sagten au», die meisten Männer seien vor längerer Zeit au»gezogen. Hiernach war eine Versammlung der Bult» bei Bipindt wahrscheinlich. Am 22. wurde bei Tagesanbruch der Kiango überschritten und der Vormarsch angetreten. Die Compagnie Nolte hatte die Aoantgarde. Da die Ttäger-Colonne auf dem engen Wege nur langsam vorwärts kommen konnte und der Marsch durch weitere größere Wafferläufe aufgehalten wurde, so eilte ich mit der Svantgarden-Compagnie kurz Vorau». Unweit der Farm Quamalumba erhielten wir heftige» Feuer von der linken Seite, das erwidert wurde. Unmittelbar darauf wurde weitermarschirt, da der Feind nach der Feuerabgabe gewichen war. Al» wir dann die umfangreichen Farmen der Ortschaft erreichten, entspann fich hier ein anhaltende» Feuergefecht, in welchem langsam aber stetig der Feind zurückgedrängt wurde. Die großen durcheinander- liegenden Baumstämme mit ihren Aesteu bildeten im Verein mit der Vegetation ein Hindermß, welches einen Anlauf mit der blanken Waffe ausschloß. Ausland Bien, 16. August. Das Befinden de» Erzbischofs Dr. Hagerer hat fich derart verschlimmert, daß da» Eintreten einer Katastrophe unmittelbar bevorsteht. Rom, 16. August. Der Unterstaatsseeretär de» Kriege», General Tarditi, hat demissionirt. Rom, 16 August. Osficiö» wird verfichert, daß die in Venedig anläßlich der Palästina-Fahrt de» deutschen Kaisers stattfindende Zusammenkunft deS deutschen Kaiser- paare» mit dem italienischen König»paare, trotzdem der italienische MinisterprSfident derselben beiwohnen wird, keinen politischen Zweck haben werde. Rom, 16 August. Nach einer Meldung au» Bogota hat die Regierung von Columbien endgültig den Schied»- sprach Cleveland» sowie die Hauptforderungen Italien» in der Cerutti-Angelegenheit angenommen. Der Covflict ist somit zur Zufriedenheit Italien» beigelegt. Havre, 16. August. Der Marinemintster Lockroy wurde gestern bei feiner Ankunft mit Schmährufen empfangen und au»gepfiffen. Die Kundgebung hat zum Ursprung die Abficht de» Minister», den Hafen von Cherbourg zum Haupt- Hafen deS transatlantischeu Verkehrs zu machen. Die Au»- führung diese» Projekte» würde nämlich für Havre einen empfindlichen Verlust bedeuten. London, 16. August. Der Petersburger Sorrespondent de» «Daily Telegraph" meldet: einem beharrlichen Gerücht in der Umgebung deS deutschen Kaiserpaare» zufolge wird zwischen dem 1. und 8. September eine Begegnung de» deutschen und russischen Kaisers statifinden. ES heißt, Kaiser Wilhelm werde auf Fürst Hohenlohes Gut nach Werkt zur Jagd kommen und auch das Zarenpaar werde auf der Reise von Moskau nach der Krim in Werkt halten, um den Kaller Wilhelm zu besuchen. Der Zweck der Begegnung sei der Wunsch Kaiser Wilhelm», den Argwohn de» Zaren bezüglich der Palästinareise selbst zu beseitigen. London, 16. August. An» Hongkong wird gemeldet, daß au» dem Eintreffen de» General» Augustin auf der «Kaiserin Augusta" gefolgert wird, daß der General au» Manila geflüchtet ist. Die Offiziere der «Kaiserin Augusta" sowohl wie General Augustin selbst verweigern jede AuSkuust. Al» die «Kaiserin Augusta- am Freitag Manila verließ, war die Stadt noch nicht gefallen. Seitdem erhielt jedoch eine große Firma in New-Uork ein Cadel-Telegramm au» Manila, wonach die Stadt im Besitze der Amerikaner sei unb bie Rebellen mit dem Friedens Protokoll unzufrieden feien. Madrid, 16. August. Die Regierung empfing eine Depesche des spanischen Eonsul» in Hongkong, wonach am SamSlag Manila capitulirt habe. General Jandene», der Militär-Gouverneur von Manila, unterzeichnete die Capi- tulation. General Augustin schiffte fich hierauf auf der «Kaiserin Augusta" nach Hongkong ein. Washington, 13. August. Heber die letzten amerikanischen Actionen liegen folgende Depeschen vor: Da» Staatsdepartement ist der Anficht, daß die Proclamationen und die Befehle, welche gestern erlaffen find, eine weitere Proclamation hinsichtlich Aufhebung der Blokade von Cuba und Portorico uunöthig machen. Den amerikanischen Schiffs- commandanteu ging der Befehl, die Feindseligkeiten einzu- stellen, heute, am 13. August, früh zu, worauf letztere sofort aufhörten. — Die Unterzeichnung de» Frieden»protocoll» wurde auch allen cubanischen JnsurgentenfÜhrern bekannt gegeben. Gomez soll al» ihr Oberbefehl»haber anerkannt werden. Die cubanische Junta theilte dem Kriegsdepartement mit, daß die Aufständischen die Bestimmungen de» Friedeu-protocollS annehmen und bie Feinbseligkeiten einstellen. — Die Regierung gibt bekannt, bah bie außerorbentlicheu Maßnahmen hinsichtlich der Sorresponbeuzen unb Telegramme nach unb au« Spanien unb ben Antillen aufgehoben finb. — vom General Mile» ging bie telegraphische Meldung ein, baß er den Befehl zur Einstellung der Feindseligkeiten empfing. — «u» Hongkong wird gemeldet: Der Dampfer «Australia", welcher gechartert ist, um den Befehl zur Einstellung der Feindseligkeiten nach Manila zu überbringen, ist heute Nacht dorthin abgegangen. — Der gefangene spanische Admiral Cervera besuchte heute die in Portsmouth bei Boston Inter* nirten Spanier- er wurde von einer großen Volksmenge enthufiastisch begrüßt. Hunderte drängen fich heran, um ihm die Hand zu schütteln. Cervera hielt an die Gefangenen eine Ansprache und Mährte später beim Admiral Car p enter. New-York, 16. ^August. Die öffentliche Meinung in Nordamerika macht in neuerer Zeit seltsame Wandlungen durch. Jahrzehnte lang hat man drüben an dem «europäischen Militarismus" den denkbar schärfsten Tadel geübt, die britische BefitzergreifungS-Gewohnheit aus Herzensgrund verdammt und den Industrialismus der Bereinigten Staaten als bie größte Errungenschaft ber Menschheit gefeiert. Jetzt entdeckt man aber auf einmal, baß ber «Krämergeist da» amerikanische Volk sittlich zu verderben droht, daß ein fröhlicher Krieg von Zeit zu Zeit uothwendig ist, um die Vaterlandsliebe und Selbstlosigkeit zu wecken, und daß die vereinigten Staaten im Namen der Freiheit und Gesittung erst alle geknechteten Völkerschaften befreien und nachher sich die befreiten Länder angltederu müsien. Mau konnte drüben vor dem Krieg über die oordawerikantsche Kriegsflotte mit ihren luftblafigeu Caruegte'scheu Panzerplatten nicht genug Spott au-gießen, nachdem sie aber einige leichte Siege Über die spanischen Schiffe errungen hat, wird schon allen Ernstes die Frage erörtert, ob sie es nicht mit der russischen, französischen und deutschen zusammen aufnehmeu könnte. Die Milizen wurden so vernachlässigt, daß sie Mr ihren Unterhalt auf Picknicks, die zu ihrem Besten veranstaltet wurden, und auf die Beiträge derjenigen guten Bürger angewiesen waren, die sich vom Geschwornendtevst fretmachen wollten. Seit dem Gefecht bei Santiago aber, an dem übrigen- auch mehrere Regtmeter de- stehenden HeeSes theilnahmeu, wird schon die Behauptung aufgestellt, daß die amerikanischen Freiwilligen tu jeder Hinsicht den besten Berufssoldaten gletchkommeu und es uöthigeufallr auch mit der deutschen Armee aufnehmeu könnten. Stehende Heere, heißt eS, mögen allenfalls in den europäischen Ländern uothwendig sein, deren Bevölkerung zum Kriegsdienst gezwungen werden muß; tu der großen Republik dagegen, deren Bürger auf den leisesten Ruf zu den Fahnen strömen und den bewußten Gehorsam des freien Mannes leisten, find sie durchaus Überflüssig. — Indessen sollten sich die Nordamerikaner nicht der gefährlichen Selbsttäuschung htu- gebeu, daß sie ohne ein geschultes Heer und ohne jegliche Vorbereitung eS mit jedem Volk der Erde aufnehmen könnten. So außerordentlich tapfer, lernbegierig und opferwillig auch die amerikanischen Freiwilligen find, so wüffen doch auch sie erst eingeübt werden, ehe sie allen Ansprüchen genügen können. Die Bereinigten Staaten brauchen kein großes stehende- Heer und keine gewaltige Kriegsflotte, so lange sie keine auswärtigen Kriege führen und an den Ueberlteferungen eines Jahrhunderts festhalteu wollen. ES wird sie Niemand an- gretfeu, wenn sie sich nicht in fremde Händel einmischeu oder > andere Länder herau-fordern. CocaUi und provinzielles. Gieße«, den 17. August 1898. Vo« den höheres Schulen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergoädigst geruht, am 13. August den Director der Realschule zu Darmstadt, Dr. August Freiherr v. Gall, zum Direktor der Oberrealschule daselbst, mit Wirkung vom 1. April I. I. au, — den Lehrer an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt, Profeffor Dr. Wilhelm Nehmeyer, zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Friedberg zu ernennen. •’ Die öffentliche« Ferasprechstellen in Ulm (Kr. Wetzlar), Katzeufurt, Ehringshausen (Kr. Wetzlar), Werdorf, Altenkirchen, Hohensolms, Bla-bach, Aßlar, Hermauusteiu, Nauborn, Schmalbach, Braud- oberndorf, Groh-Rechtenbach, Waldgirmes, Dutenhofen find zum Sprechverkehr mit den Theilnehmeru au der Stadt Fernsprechetnrichtung in Gießen zugelaffen worden. Die Gebühr für ein Gespräch von 3 Minuten beträgt 25 Pfg. Für daS Herbeiholeu derjenigen Person, mit der zu sprechen gewünscht wird, werden weitere 25 Pfg. erhöbe«. DaS Herbetholen von Personen erfolgt im All- gemeinen nur innerhalb deS betreffenden Orte- selbst, nicht auch aus der Umgebung. — In Flör-Heim ist eine Stadt.Fernsprechetnrichtung eröffnet und zum Sprechverkehr mit der Stadt-Ferusprecheinrichtung in Gießen zugelaffen worden. Die Gebühr für ein einfache- Gespräch bi- zur Dauer von 3 Minuten beträgt 1 Mk. • • Der vernbeck'sche 14. Familienlag wurde am 16. d-. wiederum in Gießen tu Sretn- Garten abgehalten. Schon am Vorabend waren 40 Familienmttglteder erschienen, die dem engeren Famtlienrathe, der im Hotel Victoria tagte, beiwohnten, um über die Familienangelegenheiten, wie Stipeudteu, da- alle Monate erscheinende Familtenblatt, deu mit großer Sorgfalt bet der ausgedehnten, wett verzweigten Familie ausgestellten Stombaum, RechnnogS- ableguug u. dgl. m., Bericht zu erstatten und über neue Angelegenheiten zu beschließen. Nach diesem geschäftlichen Thetl wurden daun bet einem GläSletu Bier und Wein noch recht heitere Stunden in froher, heiterer Stimmung zu- gebracht. — Am 16. war um 10 Uhr Vormittags die stattliche Anzahl von über 100 Familienangehörigen aus Nord und Süd, Ost uud West in Steins Garten versammelt und wurden dieselben von den Beschlüffen deS Vorabends tu Keuotntß gesetzt uud tn einer zu Herzen gehenden, so recht von familiärem Geiste durchdrungenen Rede deS Herrn Kreis- Oberschulraths Dr. Leimbach tn Breslau von allen Famtlieuverhältntffen, wie Sterbefälle, neuer Zuwachs und dergleichen berührende Momente, die tn dem zweijährigen Zeiträume vorgekommen waren, unterrichtet. Ein fideler Frühschoppen, dem dann da- gemeinsame Mittagsmahl folgte, gewürzt durch Reden uud Verlesen der eingelaufenen Depeschen uud Postkarten, erhöhte diese schöne Feier. Gesangs- vorträge, Spiele und unvermeidliche- Tänzchen hielt die frohe Festversammlung bl» tn die späten Abendstunden geseffelt. ** Der Circus Corty-Althoff hat fich mit seiner gestrigen sehr zahlreich besuchten Vorstellung gut eiugesührt uud deu Ruf gerechtfertigt, der ihm vorau-ging. Dem ausgezeichnet geschulten Personal, wie dem vorzüglich dresfirien Pferde- material entsprechen die Leistungen vollkommen. Eine Reihe hier noch nicht gesehener Darbietungen, wie da» große Ballet- Diverriffemeut, Pferd und Dogge, der wackere Gladiator Stahuke, der Riesensaltomortale über 15 Mann, der Jongleur Pearson auf ungesatteltem Pferde, Doppel Jokeys uud schließ- Uch da» Monftre-Tableau mit 50 Pferden sanden stürmischen Beifall. Die Vorführungen der nach verschiedenen Schulen dresfirien Pferde durch Herrn Direktor Althoff waren bewundern»werth, und die Darbietungen der Clown» und August ebenso originell wie humorvoll. — Man darf nach dem tu der EröffaungSvorstelluug Gebotenen gespannt sein auf die folgenden Vorstellungen; der heutige Novitäteu-Abend bringt u. A. da» Seasatiou-stück: Ueberfall eines wirklichen Etsenbahnzuge» mit Paffagieren durch Indianer. Fliegendes Kor«. Lebende Pyramiden erstanden gestern Abend nach Dunkelwerden um die GaSlaternen auf der Lahnbrücke tn Gestalt von sogen, fliegendem Korn. Wie wir schon kürzlich berichteten, wird übermäßig lange gelagerte Frucht von Jnsecten ihres Inhalts beraubt und diese bewegen fich daun in der Hülse im Fluge fort. Wie Motten uud Mücken suchen auch diese leichtbeschwingten Gäste daS Licht, und tummelten sich schier undurchdringliche Schwärme um deS LichtS gesellige Flamme. Heute Morgen sammelten die Kinder daS herniedergefalleue verhüllte Gewürm zu Haufen und zündeten diese au. — ES wäre interessant zu erfahren, welchem spekulativen Händler hier sein Grwiuu oavongeflogen. • • Bieberthalbah«. Im Juseratenthetle bringen wir den Fahrplan der Bieberthalbahn, welche bekanntlich am 19. d». MtS. für deu Personenverkehr eröffnet wird, zur Kenutiiß nuferer Leser. * • Fürst BiSmarck Sterbethaler werden zur Zeit in der königl. Münze in Berlin geprägt. ES sollen davon mehrere Arten angefertigt werden. Von der einen Sorte find bereit» Probestücke in den Verkehr gekommen- dieselben zeigen den Kopf BiSmarck» mit der Inschrift „Fürst Bis- marck-Sterbethaler, 30. Juli 1898". Auf der Rückseite befindet fich in einem Eichenkranz eine poetische Inschrift. E» handelt fich dabei um Bestellungen, welche die königliche Münze für die Privatiudustrie au»führt. Die Prägungen haben ungefähr denselben Silbergehalt wie die Thaler- münzen. * ♦ Wetterbericht. Hoher Druck beherrscht noch deu größten Thetl Europa» und dauert daher auch bei wolkenlosem Himmel da» ruhige und sehr warme Wetter an. DaS Barometer ist zwar namentlich von Westen her im Sinken begriffen, doch dürfte der Einfluß deS hohen Druckes wohl noch anhalten. Allerdings fehlen au» dem Nordwesten Europas sämmtliche Nachrichten uud ist daher nicht erfichtlich, n wie weit dortselbst die Luftdruckverthetlung eine Aender- ung erfahren hat. — Voraussichtliche Witterung: Heiter und warm. n. Stade«, 15. August. Bet der gestern im Curth'- schen Gartensaale hier abgehaltenen landwirthschaft- lichen Versammlung, in der der Dirigent der Ackerbauschule in Friedberg, Herr Dr. v. Peter in klarer, anschaulicher Weise das Bedürsuiß zur geschehenen Gründung eine» Vieh- zuchtverein» für die Provinz Oberheffen mit Anlegung von Herdbüchern, sowie die von diesem Verein verfolgten Ziele darlegte, traten acht hiesige Landwirthe dem Verein bei. Die Gemeinde ist schon seit einiger Zeit Mitglied geworden. ~ Die Anmeldungen gehen eben zahlreich ein, sodaß da» nächste Herdbuch weit umfangreicher sein wird, al» der vor einigen Monaten erschienene erste Band. n. Dauekuheim, 15. August. Gestern Mittag fanden badende Knaben in der Nidda nahe beim Ort die Leiche eine» Ertrunkenen. Die Leiche wurde rasch geländet und al» die eines hiesigen 68 jährigen Einwohners, den man Morgens in der Nähe der Nidda auf* und abgehend gesehen hatte, erkannt. ES liegt unzweifelhaft Selbstmord vor. Blofeld, 16. August. Der zum Bürgermeister unsrer Gemeinde neu gewählte frühere Beigeordnete Herr Nicolay wurde auch als OrtSgerichtSvorsteher und Standes- beamtet bestellt. A«r der Zelt für die Kett. Vor 28 Jahren, am 18. August 1870, wurde die heiße Schlacht von Gravelotte geschlagen, in welcher König Wilhelm selbst den Oberbefehl führte und die mit der Einnahme der franzöfischen Stellungen und mit dem Rückzug der Franzosen hinter die Festungswerke von Metz endigte. Wie auf den Stegesfeldern von Weißenburg und Wörth, so wurde auch in den Kämpfen von Metz die neue deutsche Waffenbrüderschaft besiegelt. Vermischtes. ♦D. Frankfurt a. M., 16. August. Im Zoologischen Garten ist am nächsten Sonntag der Eintrittspreis während des ganzen Tages auf 50 Pfg., Kinder 25 Pfg. ermäßigt, für das Aquarium beträgt derselbe 20 Pfg. Am Nachmittag und Abend ist Doppel-Concert der Gartencapelle mit der Musik des 81. Infanterie-Regiments. Für diesen Tag ist auch wieder eine Luftballon-Auffahrt mit Fräulein Kätchen Paulus in Aussicht genommen, die, seitdem am 26. Juni ihre hier geplante Auffahrt verregnet war, eine Reise nach dem Niederrhein unternommen hat, wo sie großen Erfolg mit ihrer Kunst erzielte. In Duisburg, Barmen, Dortmund, Hagen und Remscheid fuhr sie mit ihrem Fahrrad-Ballon auf, dessen Construction noch manche Verbesserungen erfahren hat und mit dem sie nun auch hier wieder vor den Augen der Besucher des Zoologischen Gartens in die Lüfte steigen will. Wir werden ja sehen, ob es ihr gelingt, den Weg des Ballons nach ihrem Willen zu bestimmen und ihre Absicht, im Garten selbst wieder zu landen, zur Ausführung zu bringen. ♦ Die August-Nummer des „Der Orient" (Redaktion: Heinz Bothmer — Administration: Jul. Münnich'S Buchhandlung, Berlin W.), welche fich wiederum durch reichhaltigen, interessanten Inhalt auSzeichnrt, enthält einen Leitartikel über die Kreta frage, in welchem folgender „Vorschlag zur Güte" gemacht wird: „Da die Pforte an der Herstellung des alten RechtSzustande» von den Mächten verhindert wird, so übernehmen diese damit die Verpflichtung zum Einschreiten. Der Rath einiger Jnsurgentenführer, alle muhammedauischen Flüchtlinge zwangsweise nach Kleinasien abzuschieben, wäre ja allerding» für die Christen sehr vortheilhaft, doch schwerlich werden die Mächte zu einer solchen Barbarei die Hand reiche« — und wie sollte die Frage der Entschädigung der ihrer Güter verlustig gehenden MoSlim» gelöst werden? Das Logischste wäre allerdings, den Vertriebenen daS alte Besitz- thum zurückzugeben. Aber wer wird sie schützen, sobald die europäischen Truppen nach Wiederherstellung deS statue quo ante den Rücken kehren? DaS Dreifache und Vierfache des jetzigen Truppenbestande» würde uöthig sein, um zu verhindern, daß die in» Innere zurückgekehrten MoSlim» wie tolle Hunde todtgeschlagen werden. Welche Macht aber will für den Schutz der Muhammedaner Soldaten opfern? Wie sich auch sonst die Zukunft Kretas gestalten möge, das Beste ist, vor allem eine reinliche Scheidung zwischen den beiden feindlichen Brüdern auf dem kretischen Eilande durchzuführeu, derart, daß christliche und muselmännische Kantone, möglichst mit guten natürlichen Grenzen, geschaffen werden. Diese» könnte durch einen Austausch der Ländereien der Christen und Mohammedaner — allerding» eine schwierige Aufgabe — erreicht werden, was unter der Aufsicht von unparteiischen und sachverständigen Kommissionen stattzufinden hätte. Zwar würden die Mohammedaner am Schlechtesten dabei fahren^ da fie bislang die fruchtbarsten Gebiete inne hatten, nichts» destoweniger werden fie e» in der Majorität zweifelsohne vorziehen, neuen, wenn auch schlechteren Grund und Boden zur Anfiedelung zu erhalten, als in den Städten zu verhungern. Auch die Verwaltung dieser christlichen und muselmännischen Sphären wäre am besten zu trennen, indem aa die Spitze der einen eia Christ, an die der anderen ein Muselmann gestellt wird " * Fahrstraße« für Luftfchiffer. TS ist die Frage, ob jemals da» Luftmeer für den Verkehr von Menschen in ähnlicher Weise ausgenutzt oder, richtiger gesagt, überwunden werden wird wie der Wafferocean der Erde. Man ist geneigt, die Erfüllung solcher Ideen in einer freilich mehr oder weniger entfernt zu denkenden Zukunft al» höchst wahrscheinlich oder al» selbstverständlich zu betrachten. So überflüsfig bei dem gegenwärtigen anfängerhaften Zustande der Luft- schiffahrt Grübeleien über ihre mögliche Entwickelung zum eigentlichen Verkehrsmittel sein wögen, so ist eine Betrachtung doch nicht ganz werthlo». E» läßt fich nämlich mit einiger Bestimmtheit voraussetzen, daß die Luftschiffe der Zukunft auf ihrer Reise durch daS Reich der Winde ebenso wenig eine ganz willkürliche Straße verfolgen werden, um von einem Orte der Erde zum andern zu gelangen, als die gewöhnlichen Schiffe im Reiche der Wogen. Die Vergleichbarkeit beider Meere, des OceanS und der Atmosphäre, erstreckt fich auch vornehmlich auf das Vorhandensein von Strömungen, deren Lauf ein mehr oder weniger gleichmäßiger bleibt. Freilich find die Meeresströmungen im Wafferocean, wie überhaupt das Wasser in feinem Verhalten immerhin noch zuverläsfiger als die Luft, beständiger al- die Winde, aber in manchen Grdgebieten, namentlich in den Strichen der heißen Zone beiderseits des Alquator», wehen die Winde (Passate, Monsune zc.) doch für lange Zeit des Jahres fast regelmäßig an» derselben Richtung. Diese Luftströmungen zu benutzen, wird ohne Zweifel eine bedeutsame Aufgabe der zukünftigen Luftschifffahrt sein, und eß läßt fich auch nicht verkennen, daß dadurch schon vor der Erfindung eines genügend lenkbaren Luftschiffes ein nützlicher Verkehr auf Luftstraßen in gewissen Ländern der Erde ermöglicht werden würde. Ja einem Aufsatze der „Archive» de Medecine Navale" hat der Franzose Le Dantec u. A. auch auf solche nach seiner Meinung nächstliegende Aufgaben der Luftschifffahrt hingewiesen. Einmal denkt er an eine Benutzung der Windverhältnisse in Inner- Afrika zur Durchquerung diese» Erdtheil» auf dem Luftwege. Der Plan ist nicht ganz neu: schon 1894 wurde er von Drx und Dibo» ausgesprochen, blieb aber unversucht. In btr heißen Zone wehen gewöhnlich Winde von Südosten, während tu etwas höheren Schichten die Luftströmung umgekehrt nach Südosten hin gerichtet ist. Man könnte daher mir einem Luftschiffe von der Ofiküste Afrikas, etwa in Jnhabimbi auf* steigend, mit großer Sicherheit darauf rechnen, vom Winde nach der Westküste bei San Paola de Loanda getragen zu werden, wenn da» Fahrzeug sich nicht zu hoch über die Erde erhebt, um denselben Weg umgekehrt zurückzulegen, müßte da» Luftschiff tu höheren, vom Nordwest Passat beherrschten Schichten der Atmosphäre bleiben. Da fich die Gürtel der Passate mit dem Gange der Sonne verschieben, so würden die Luftfahrstraßen freilich nur in kleineren Erdstrichen daganze Jahr hindurch unverändert benutzbar bleiben, fich sonst aber ebenfall» nach der Jahre»zeit nord- bezw. südwärts verlegen. Le Dantec denkt serner an den sogenannten „Alice", der mit großer Beständigkeit von Nordost her Über die Sahara weht, man könnte ihn benutzen, um schnell und verhältnißmäßig gesahr- und mühelos von Nordafrika, etwa von Tunis oder Tripoli- aus, zum Tsad-See zu gelangen. Der Südost Monsun, der während des Sommers nach Afien hineinweht, würde Luftschiffe zu sonst unersteiglichen Höhen de» Himalaya tragen und mit ihnen etwa da» Material zur Errichtung von Wetter- oder Sternwarten. Der kühne Gedankenschwung des Franzosen richtet fich endlich noch auf ein andere», für ihn besonder» bedeutsame» Ziel. Im Falle de» nächsten Krieges zwischen Frankreich- und Deutschland sollen die häufig und ziemlich beständig wehenden Südwestwinde dazu dienen, eine schnelle und regelmäßige Verbindung nach Rußland hin über Deutschland weg zu ermöglichen- daß diese Verbindung allerdings gewöhnlich nur höchst einseitig sein würde, da man dadurch wohl von Frankreich nach Rußland, aber nicht umgekehrt Nachrichten und Leute schicken könnte, bekümmert Herrn Le Dantec nicht. Werthlo» find seine Beobachtungen jeden- fall» nicht. Die Benutzung der beständigen Winde wird für die Luftschifffahrt ebenso von Bedeutung werden müssen, wie e» die Benutzung der Meere-strömungen, um die fich der amerikanische Capitän Maury ein unsterbliche» Verdienst erworben hat, für die Oceauichifffahrt geworden ist. Durch die Benutzung der Meeresströmungen verkürzte sich der See- I weg von New-Uork nach Calisornien um Südafrika herum