Nr. 192 Zweites Blatt. Donnerstag den 18. August 1898 fr(4dxt ttßllch mit AuSnabmr bk- Montag-. Die Gießener Mamtltea v tLt t e r Werden dem Lnjeiger Wöchentlich viermal deigetegt. Gießener Anzeiger Ae,»g»prelL vierteljährlich 2 Mark 20 Plg. monatlich 76 df» mit Bringerloh». Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. "ieNeljährlich. ■ «»•*■< Rizetgen zu der Nachmittag- für den ßvlgeridev Dag erjcheinenden Nummer bi- Sonn. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle AnzeigeN'BerminlungSstrllen de- In« und Lu-lande- nchmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger •ntgtgt». Aints« und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen. “7.XT."."T"" Gratisbeilage: Gietzmkk Fainilikiibliitter. "-""^.7^»'°'"' Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend die Herbstübungen der Kgl. 21. Division in 1898. Die Herbstübungen der König!. 21. Division finden im nördlichen Theile de» Kreise» in der Zett vom 24. August bi» 20. September statt. Um Flurschäden und Unglücksfälle möglichst zu verhindern, empfehlen fich die nachstehenden Maßnahmen, die zu ergreifen die Jntereffenlen hiermit ersucht werden. 1. Die reifen Feldfrüchte find, soweit ohne Schaden möglich, vor den Hebungen abzuerutcn und nach der Aberntung möglichst bald eiozufahreu bezw. auf Schober zu fetzen. 2. Die zu fchoueuden Grundstücke find zu bezeichnen und zwar: a) Die vom Betreten durch die Truppen überhaupt auSgeschloffenenGärten, Parkanlagen, Holzschonungen, Pflanzgärten rc., sowie die Versuchs-Anstalten land- und forstwirthschaftlicher Lehranstalten und Versuch»« Rationen, soweit dieselben nicht al» solche abgezäunt oder von weither für Jedermann deutlich erkennbar find — vermittelst hochstehender Tafeln mit Auf- schrift. b) Die vorzugsweise zu schonenden Felder (Zuckerrüben, Erb'en, Rap», Flachs Samenklee, Samenrübcn u. bergt.) mittelst etwa 2 Meter hohen Stangen mit Strohwiepeu. 3. Bei Kartoffeln, minderwerthigen Rüben, Dickwurz u. s. w. bedarf e» der Bezeichnung mit Wiepen nicht. Das unter« schiedlose Bestecken aller Felder mit Warnung»zeichen würde ben Truppen nur da» Erkennen der werthoolleren Felder erschweren. Besonder» sei hervorgehoben, daß eine Vergütung für etwa entstehende Flurschäden auch bei solchen Feldern gewährt wird, welche nickt abgewiept waren. 4. Rach einer Verfügung de» Kriegsministeriums vom 30. 7. 95. darf da» Einebnen der etwa während der Herbst« Übungen au»gehobenen Schützengräben durch die Truppen selbst nicht mehr stattftnden. Die betreffenden Gelände- eigenthümer haben daher das Einebnen dieser Gräben selbst zu veranlaffen, wosür ihnen alsdann eine Entschädigung auf Grund des Naturalleistungsgesetzes seitens der FlurabschätzungS'Commisfionen zuerkannt werden wird. Das Einebnen der Koch« rc. Löcher in den Biwacks wird durch diese Bestimmung nicht berührt, sondern ist nach wie vor Sache der Truppen. 5. Um Unglücksfälle zu verhüten, find die Ränder von Steinbrüchen, Lehm-, Kies« und Sandgruben, Hohlwegen und Steinabfällen, außerdem sumpfige Stellen im Gelände durch Aufstellen schwarzer Flaggen zu kennzeichnen Die Brückendecken find in Stand zu setzen, sodaß ein Einbrechen von Fahrzeugen und Durchtreten von Pferden verhütet wird. Sensen, Pflüge, Eggen find von dem Manöverfelde zu entfernen. 6. Schließlich werden die Bewohner des Kreises ausgefordert, bei allen Durchmärschen von Truppen durch Ortschaften von selbst möglichst viele Eimer und Gesäße mit gutem Trinkwaffer längs der Marschstraße aufzustellen, so daß die Truppen an möglichst vielen Stellen gleichzeitig Waffer schöpfen können. Gießen, den 16. August 1898. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. B echtold. Gießen, den 16. August 1898. Betreffend: wie oben. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» die Groffh. Bürgermeistereien deS Kreisel. Wir empfehlen Ihnen, soweit Ihre Gemeinden dies betrifft, die vorstehende Bekanntmachung zweimal otsüblich veröffentlichen zu taffen und durch eigene Anregung für deren Ausführung zu sorgen. Dem Aufsichtspersonal sind Weisungen zu ertheilen, mit den Gensdarmeriepatrouillen dahin zu wirken, daß durch Zuschauer keinerlei Flurschäden auf den UebungSfeldern und namentlich auch in der Nähe von Biwacksplätzen entstehen, und daß Uebertretungen zur Anzeige gebracht werden. Ihr besonderes Augenmerk wollen Sie auf pos. 5 des obigen Ausschreibens lenken und sich selbst von der Ausführung dieser Bestimmung überzeugen. v. Be chr old. Gießen, den 15. August 1898. Betr.: Lehrbücher für den Unterricht tu Fortbildungsschulen. Die Großh. Kreis-Schulcommission Gießen au die Schulvorstände des Kreises. Die nachstehende Verfügung Großh. Ministeriums de» Innern, Abthetlnng für Schulangelegenheiten rhetlev wir Ihnen zur Kenntuißuahme mit. v. Bechtold. Darmstadt, deu 9. August 1898. Betr.: Wie oben. Das Großh. Ministerium des Innern Abtheilung für Schulangelegenheiten an die Großherzoglicheu Kreisschulcommissioueu. Im Verlag vou Paul Theodor Müller in Mainz ist erschienen: der gewerbliche Aufsatz. Zum Gebrauch bei« Unterricht iu deu Fortbildungsschulen, Handwerkerschulen und zum Selbstunterricht bearbeitet von zwei hessischen Lehrrrn. Wir machen Sie aus das Werkchrn unter dem AvfÜgen aufmerksam, daß c» al» zweckmäßiges Hilfsmittel für den Unterricht in den Fortbildungsschulen bezeichnet werden kann und den Lehrern bei ihrer Vorbereitung gute Dienste leisten wird. Auch bei Anschaffung von Prämien für tüchtige Schüler der Fortbildungsschule dürste e» Berücksichtigung verdienen. I. v.: Dr. Eisrnhnt. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Keuntniß gebracht, daß der Großh. KreiSveterinärarzt, Profcssor Dr. Winkler zu Gießen vom 19. August bi» 19. September 66. I». beurlaubt und mit seiner Vertretung der Großh. KreiSveterinärarzt Neunhöffer zu Grünberg beauftragt worden ist. Gießen, den 16. August 1898. Großherzogliches KreiSamt Gießen. v. Bechtold. Feuilleton. Ein Hag in Lothringen. (Nachdruck verboten.) Die Nacht war schon längst heretngebrochen, al» mein Zug Über die Grenze fuhr. Ich saß ganz allein im Coups. Mein Nach'quartier sollte Metz sein. Dichter Wald dehnte fich zu beiden Setten der Bahnlinie an», überragt von einer beträchtliche« Zahl steiler Berge. Die Insasse« de» Wagen» sprachen nur französisch. Da erscholl der Ruf „Stentfd)" und zugleich der zweite: „Zur Zoll Revision!" Eine der Frauen griff sogleich den zweiten Ruf auf und weinte, sie habe weiter nicht» verstanden ul» reviaion. Ich war der Letzte, der den Zollraum betrat. I« demselben gleich an der Thür stand ein GenSdarm, eine große, krSsttge Erscheinung. Der Stenerbrawte war ein Mann in mittleren Jahren mit einem sehr sympathischen Besicht. Er fragte eine französische Frau nach verzollbaren Gegenständen, benahm fich sehr höflich und verlangte nicht einmal, daß fie ihren -ugeschnürtrv Korb öffnete. Nun kam die Reihe an mich. Ich hielt meinen geöffneten Koffer hin und berichtete, wa» ich darin hatte. Ein zugeschnürteS Packet brauchte ich nicht zu öffnen, nachdem ich versichert hatte, daß e» nur Zeitungen und keine Der« botenen Bücher enthalte. Eine so humane Behandlung hatte ich al» Binnenländer nach deu Berichten mancher Zeitongen nicht erwartet. Ich erkundigte wich gleichzeitig nach einem Schulfreunde iu Diedenhofen- der Beamte kannte ihn leider nicht, gab mir jedoch den Rath, den Bahnhof»wirth dort zn fragen. Der Zug fuhr weiter. Auf den kleinen Stationen hörte man nur deutsche Befehle de» Vorsteher»- wa» an»stieg, redete französisch. Eine Bahnsteigsperre gab e» noch nicht. ES mochte etwa halb 10 Uhr sein, al» wir iu Diedeuhoseu ein« fahre«, wo ich mehr al» eine Stunde Aufenthalt hatte. Auf hem Bahnhofe erlebte ich eine charakteristische Scene. Ein Zug stand zum Abfahren bereit. Kurz vor der Lokomotive befand sich ein Fahrweg, wie er von den Post« und Bahn« karren benutzt wird, um über die Schienen zu kommen. Ob nun jenseits des Geleise» ein Theil vou Diedenhosen liegt oder ein anderer Zug stand, weiß ich nicht, da e» schon z« dunkel war. Plötzlich sprang eia Mann Über diesen Weg hinweg. „Zum Donnerwetter!" rief ihm ein Beamter nach, „Sie wissen doch, daß daS verboten ist!" Natürlich wurde der erste Ausdruck von dem Franzosen ausgegriffen und kritifirt. Wem sollte aber bei solchen Fahrlässigkeiten nicht der Kamm schwellen! Pasfirt ein Unglück, dann ist natürlich ein großer Theil deS Publikum» geneigt, die Schuld dem Beamten -uzuschieben. Ich ging nach dem BahnhofSrestanrant, da ich den ganzen Tag noch nicht» Warme» gegeften hatte. Die Wirthschast war leer und so leistete mir der Wirth tu der Heben»- würdigsten Weise Gesellschaft. Wir sprachen über da» Leben an der Grenze, die Berhältniffe in Diedenhofen. Al» geborener Luxemburger, als vielgereister Mann und mehrjähriger Inhaber der Restauration, konnte er genaue Auskunft geben. Auch «einen Freund kannte er und wachte wir die Mitiheilung, daß dieser wie die ganze Garnison in der Nähe von Metz im Manöver sei. Beim Eiufteigen in den Zug traf ich einen Feldwebel von seinem Regiment, der mir sein Bureau in Montigvy vor Metz genau bezeichnete. Noch hielt der Zug, al» am Fenster de» Coupe» ein Bahnarbeiter erschien. .Giebt» denn hier keine Bahnsteigsperre?" fragte ich ihn. „Nein, wir find noch nicht so rasfinirt!" lautete die sehr freimütige Antwort. Um Mitternacht fuhren wir in Metz ein. Nachdem ich mit dem Feldwebel im Bahnhofe noch „einen" getrunken hatte, ging ich durch da» imposante Prinz Friedrich Carl-Thor in die Stadt hinein. An» der Kriegsschule ertönte noch an» dem dritten Stock bei offene« Fenster daS bekannte Lied: „Im kühlen Keller sitz ich hier". Nach wiederholte« Fragen ka« ich gegen 1 Uhr an Hotel de France in der Nähe der Kathedrale an. Auf wiederholte» Klopfen erscheint endlich der Hau»bursche, öffnet und läßt mich ein. Alle» war schon zur Ruhe gegangen. Ich fand noch ein Unterkommen. Al» ich gegen 8 Uhr erwachte und dann in da» Gastzimmer hinunterging, war der Wirth noch nicht da, wohl aber einer feiner Freunoe, der nur französisch sprach und dem ich meine Rechnung bezahlte. Dan« sah ich mir die Esplanade an, den schönsten Punkt der Stadt. Die Esplanade ist ein mit gärtnerischen Anlagen versehener geräumiger Platz, der auf zwei Seiten von öffentlichen Gebäuden eingeschloffen, an der dritten durch den Kaiser WilhelmSplatz von der Römerstraße abgeschloffen ist, mit der vierten, auf dem Walle ruhend, einen herrlichen Blick westwärts auf da» Moselthal gestattet, da» vom Hochliegenden Fort Steinmetz überragt wird. Wa» aber der Esplanade ihr charakteristische» Gepräge verleiht, find zwei Denkmäler: Marschall Nky und Kaiser Wilhelm L Der erstere erhebt fich in Lebensgröße auf hohem Postament. Den Säbel zur Seite, hat er in der Rechten da» Gewehr bei Fuß. Er blickt über den Kaiser WilhelmSplatz. Ihm entgegengesetzt erhebt fich da» Reiterstandbild Wilhelm I. in der Richtung nach Westen. Der Kaller fieht nach link» und ein wenig nach unten. Er ist so dargestellt, wie wir Ihn auf Manöoerblldern, die Im Anfänge der 70er Jahre angefertigt wurden, zu sehen gewöhnt find. In den Straßen wimmelt e» von Soldaten. Bekannt ist ja, daß die Metzer Garnison sehr stark ist- allein auch Diele Mannschaften waren wegen der Manöver hier elnquarttert. Auffallend in Metz find noch die mächtigen Wälle, die neuen schönen Kasernen, die zweisprachigen Straßenschilder, die vielen franzöfischen Firmen. Die Kathedrale habe ich nicht bekocht. Ich marschirte vielmehr wieder am Bahnhofe vorbei nach Montignh. Al» ich meinen Freund hier nicht antraf, seine Wohnung^ in Metz auch leer fand, mein Suchen am GouvernementSgebände, daS der Kathedrale gegenüberliegt und wo eben ParoleauSgabe stattfand, vergeblich war, fuhr ich gegen Mittag hinan» nach ArS an der Mosel, um von hier au» da» Schlachtfeld von Gravelotte zu besuchen. Gießen, 15. August 1898. Betr.: Die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir beauftragen Sie, mit der Aufstellung der Urlisten der zum Amte eines Tchöffeu oder Geschworenen bestellbaren Personen zu beginnen und diese Listen nach vorgängiger achttägiger Offenlegung sammt den etwa erhoben werdenden Reclamattonen mit Begleitbericht spätestens bis zum 15. Oktober l. I. an die zuständigen Amtsgerichte einzusevden. Die Spruchlisten der Geschworenen haben, wie bereits ia unserem Au-schreiben vom 20. April 1885 (Anzeiger Nr. 92) bemerkt wurde, in mehrfachen Fällen die Namen von Persourn enthalten, welche daß 30. Lebensjahr noch nicht vollendet oder das 65. bereits überschritten hatten und find hierdurch in den Schwurgerichtsfitzungen den Fortgang der Verhandlungen hemmende Weiterungen veranlaßt worden. Derartige Borkommniffe können nur durch eine genaue Beobachtung der hiufichtlich der Aufstellung der Urlisten der Schöffen und Geschworenen bestehenden Bestimmungen vermieden werden. Wir machen Ihnen daher die sorgfältigste Beobachtung der Vorschriften in § 1 und 3 der Verordnung vom 14. Mai 1879 (Rrg.-Bl. S. 213) zur Pflicht. Hier- nach find die in den §§ 32, 33 und 34 des GerichtSver- faffungSgefetzes (f. Reich»-G.-Bl. von 1877, S. 47) bezeichneten Personen nicht in die Urlisten aufzunehmen, während bet den in § 35 daselbst Genannten der Grund, warum fie ablehnen können, in der Spalte „Bemerkungen" der Liste auzugebeu ist. In allen Fällen, in welchen Zweifel darüber bestehen, ob eine in die Urliste aufzunehmende Person da» 30. oder 65. Lebensjahr vollendet habe, wollen Sie fich durch eine Anfrage bei derselben, oder in sonst geeignet scheinender Weise genau über deren Alter vergewiffern. Sie dürfen aber auch nicht Personen, welche sie für ungeeignet zum Amte eines Schöffen oder Geschworenen halten, bet denen aber dte gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, aus der Liste weglaffeu, z. B. weil sie arm oder zu alt sind. Sie wollen vielmehr diese Personen ebenfalls in die Lifte aufnehmeu, Ihre Ansicht aber unter „Bemerkungen" oder im Begleit- berichte angeben. Da» zur Aufstellung der Listen erforderliche Formular wird Ihnen k. H. zngesandr werden. v. Bechtold. Dir AklheMe Industrie- unii Gtwerbcansstkllung ?« Luhbch, die am vorigen Donnerstag eröffnet wurde, zieht die Aufmerksamkeit des Publikums in hohem Grade auf sich. Pro- vinzial-AuSstellungen haben vor den großen Landes- oder den Weltausstellungen den Vorzug, daß man fich in ihnen eingehend über das orientieren kann, was dem Verständniß des Laien am nächsten liegt, und so ist auch die Anordnung der Butzbacher Ausstellung tu diesem Sinne getroffen. Sie gibt gleichzeitig ein leben-frische» Bild oberhesfijchen Gewerbe- fletße». Beim Betreten des Au-stellung-geländeS fällt links sofort das nach Plänen des Herrn Architecten Ko Serbeck- Gießen errichtete und in den Zimmererarbeiten von Herrn Nuhn in Lollar ausgeführte oberhessische Bauernhaus auf, daun» im Aeußern und Innern Aufschluß giebt über dte Sitten und Gebräuche, wie fie bei der oberhesfischen Bevölkerung vor Jahrhunderten tu Gebrauch waren und zum Theil heute noch find. Gleichzeitig gewinnen wir einen Ueberblick über dte Volkstrachten, die sich nur in einzelnen Gegenden noch ES war ein wunderschöner Tag. Al- ich in Ar- aus- stieg, heftete fich mir ein junger Manu an die Fersen, obwohl ich nur dte Straße nach Gravelotte wtffen wollte. Bet Ar- mündet dte Mance, ein Bach, der auS dem Gehölz de la Cuffe kommt, wo am 18. August 1870 die holsteinische Artillerie einen so schweren Stand den Franzosen gegenüber batte, dte Amanweiler und mehrere davorltegende Pachthöfe besetzt hielten. Der Bach, der im Sommer wenig Waffer hat, fließt zuerst von Nord nach Süd, um dann, nachdem er dte von Metz nach Gravelotte führende Chauffee durchschnitten hat, mit starkem Gefälle nach Südosten etnzubiegen. Die Straße von Ar» nach Gravelotte, dte die Mance immer recht- hat, steigt steil au. Dte Schlucht, tu der fie fich hinauf, windet, die Manceschlucht, hat noch steilere Abhänge. Hier lagen die Westfalen stundenlang während der Schlacht am 18., ohne weiter zu können. Nach dreiviertelstündtgem Marsche war ich in Gravelotte. Hatte ich bisher Wald zur Rechten und zur Linken gehabt, so sah ich jetzt eine baumlose Hochebene. Nördlich, etwa 2 Kilometer von der Chauffee, tauchte wieder Wald auf. Ich dachte mir Gravelotte al» große-, ziemlich nahe an Metz liegende- Dorf. Beide- erwte» fich als Jrrthum. Es liegt immer noch 14 Kilometer westlich von Metz und kann nicht mehr al- 300 Einwohner haben. Geht man weiter nach Westen auf der nach Verdun führenden Chauffee, so erreicht mau zuerst Rvzonville, dann Dionville. Mar-- la-Tour, da- folgende Dorf, ist bereit» französisch. Von Gravelotte nach Rvzonville und von dc. nach Btonville geht man Va Stunde, nach Mar».la-Tour find e» noch 8/4 Stunde. Sobald man, von Ars kommend, dte wellige Hochebene erreicht, fallen schon recht» dte zahlreichen Denkmäler auf. In Gravelotte wurde gegessen. Im Gasthause sprach man deutsch und französisch. Dann wurde die Richtung nach Metz eingeschlagen. Am Au-gange de- Dorfes rechts liegt ein Krtegerfriedhof. Die landläufige Erzählung, daß König Wilhelm die SiegeSnachrtcht vom 18. in der Nähe der Kirche von Gravelotte, auf einer Letter fitzend, die auf einem tobten Grauschimmel und einer Brückenwage lag, gehört in» Reich der Fabel. erhalten haben. Lebensgroße Figuren find mit den Trachten bekleidet, welch letztere den Vorzug haben, daß fie auS- nahmSlos echt find. Prächtige alterthümliche Möbel -eigen, daß unsere Handwerker in früherer Zeit kuustgrübte Augen und kuuftgeübte Hände hatten, um Schönes zustaudezubringen und noch dazu mit Mitteln, die an dte heutige Technik in keiner Weise heranretchten. So finden wir in dem Hanse einen prachtvollen Schrank aus dem ehemaligen ReichSkarnrner- gericht in Wetzlar, der seiner Zett versteigert und von einem Einwohner in PohlgönS erworben wurde, der ihn der Aus- stellung zur Verfügung stellte. Schloß und Beschläge sind Meisterwerke der Kunstschlofferet. Ein prächtiges Stück Möbel ist ferner ein Schrank mit eingelegter Arbeit, der nachweislich aus dem Schloß de» Landgrafen Philipp von Butzbach au- dem 17. Jahrhundert stammt. Es würde zu weit führen, hier wettere Einzelheiten über den Inhalt de» Hause» anzugeben, da» auch in seinem Aeußeren de» bei den Bauernhäusern traditionellen Storchennestes und des „Spatzennestes im Kä-korb" nicht ermangelt. — Hausvater und Hausmütter scheinen in dem alterthümltchen Bau nicht zu walten und zu schalten, dagegen find hübsche Bauerntöchter, die fich im Laufe der Unterhaltung als fesche Butzbacherinnen entpuppen, eifrig beschäftigt, nicht nur die nöthtgen Erklärungen zu geben, sondern auch die Besucher mit den unvermeidlichen AuSstellungsloosen und Postkarten zu beglücken. Letztere find ebenso reizend wie ihre liebenswürdigen Verkäuferinnen. — Gegenüber dem Bauernhause liegt die Festhalle, in der die GambrinuSbrauerei von I. C. Melchior in Butzbach ihren Ausschank hat. An der westlichen Schmalseite hat die Brauerei eine Ausstellung veranstaltet, zu der Herr Maler Sachs aus Frankfurt die Malereien anfertigte. Auf dem Boden eines großen Fasses hat er eine Ansicht des alten Butzbachs — frei nach Merian — angebracht. Ueber diesem Faß erblicken wir den in lebhaften Farben gehaltenen Einzug des GambrinuS in die Melchior'sche Brauerei. Der hier verzapfte „Stoff" ist vorzüglich. In der großen HauptauSstrllungShalle fällt gleich die schön arrangirte Ausstellung, der Saline Bad-Nauheim mit ihrem au» Tropfsteinen tmittrten großen Sprudel, umgeben von verschiedenen Salzen und Laugen, ins Auge. Die Wagen- fabrikattonen, auf beiden Längsseiten der Halle aufgestellt, bietet eine große Auswahl- u. A. befindet fich auch ein Wagen mit electrischer Beleuchtung sowie ein Motorwagen darunter. Einige schön ausgeführte Wagen, sowie daS in einem Schranke ausgestellte Sattelzeug und sonstige Eczeugniffe der Sattlerei stammen aus der Werkstatt des Herrn August Kilbinger-Gießen. Die seit alter Zeit in Butzbach bestehende Leder- und Leimfabrikation ist durch verschiedene Firmen würdig vertreten. Außerdem finden wir die Tr- zeugniffe der Klempner, Setter, Schloffer, Schmiede, Sattler u. s. w. Die Butzbacher Farbenfabrik veranschaulicht ihre Fabrikate in reichhaltigen Abtönungen. Auch pyrotechnische Körper (künstl. Feuerwerk) haben dabei Platz gefunden. Den weiteren Haupttheil dieser Ausstellungshalle bilden die land- wirthschaftlichen Maschinen und Geräthe, sowie die mannigfaltigsten Werkzeug- und Kraftmaschinen, als da find zu verzeichnen eine schön gearbeitetete achtpferdige Dampfmaschine, verschiedene GaS- und Petroleummotore, als auch elrctrische Antriebe. Die Hinterwand der Halle gehört einer Frankfurter Firma, die Rohgummt (interessant find die auS roher Gummi- maffe hergestellten Spielwaaren wilder Völker) und technische Gummtwaaren, da- Mineral des A-besteS und die daraus hergestellten Gegenstände und besonders die Treibriemen, deren Anfertigung in einem instructiven Modell veranschaulicht wird, sowie hölzerne getheilte Riemeascheiben herstellt. Ftlterplatten und deren Berwerthung zeigt ein weiterer AuS- Bei Rszonvtlle meldete Moltke den Sieg, und nicht ein Grauschimmel, sondern ein Haufen Holz war die andere Stütze. Ein Standort bei Gravelotte war im höchsten Grade gefährlich, da dieses kaum 2 Kilometer von der Manceschlucht entfernt ist. Die nach Metz führende Chauffee hat von Gravelotte aus eine ganz geringe Neigung. Kurz vor der Schlucht fällt fie, um jenseits derselben sich steiler emporzuheben. Doch darf man fich von der Brette und Tiefe der Schlucht keine übertriebenen Vorstellungen machen. Da, wo die Chauffee die Schlucht durchschneidet, ist diese vollständig eben, etwa 50 Meter breit und so tief, daß ein zweistöckiges Hau» kaum hineingestellt werden kann. Die Schlucht ist wegen de- durchrieselnden Bächleins am Boden grün wie eine Wiese. Nach Süden stehen nur an den Rändern einige Fichten, während in nördlicher Richtung der Fichtenwald in dte Schlucht hineintritt. An dieser Stelle, recht» und link- von der Chauffee, lag Göben mit seinen Rheinländern stundenlang in der Schlucht, ohne heraus zu können. Sie gewährte zwar eine vorzügliche Deckung, sobald aber die braven Leute vom 8. Corps über den Rand hinaus Vordringen wollten, wurden fie von den Pachthöfen Mo-con, St. Hubert und Point du jour, die durch verdeckte Gänge verbunden waren, mit einem furchtbaren Feuer empfangen. Wenn mau aus der Schlucht auf der Chauffee nach St. Hubert aufsteigt, liegen link- verschiedene Denkmäler der 67-iger- unmittelbar hinter St. Hubert befindet sich ein kleiner Artillerie-Friedhof, während wir rechts, dem Hofe gegenüber, den Friedhof eines deutschen Jnsanterie-Regiment» — ich glaube des 60. — antrrffen. Ja etwa sechs Gräbern ruht hier der größte Theil des Regiment», da» innerhalb einer Viertelstunde mehr als den dritten Theil seines Bestandes verlor. ES macht einen überwältigenden Eindruck, an dieser Stätte des Todes zu stehen, wo der Oberst des Regiments mit vielen seiner Offiziere siel und inmitten seiner Braven ruht. St. Hubert ist ein ganz kleiner Bauernhof. Point du jour existirt nicht mehr. Auf der Höhe der franzöfischeu Stellung neben Point du jour, etwa- seitlich von der nach Metz sich hinabziehendeu Straße, erhebt sich seit wenigen Jahren ein steinerner Au-fichtSthurm, der die beste Rundschau steller, Obst- und Kelterpreffen, Nähmaschinen, Sohlenwalz^ Maschinen und Backsteinmaschinen vervollständigen daS Bild^ Mit feuer- und diebessicheren Kaffenschränken und Kaffetten vertritt besonder- die Firma Fr. Krogmann-Gießen seit Jahren diesen Industriezweig würdig und anscheinend mit Erfolg. — Den Eisenarbeiter interesstren besonder» die von der Firma Heyligenstaedt u. Co.-Gießen gebauten Werkzeugmaschinen, Bohrmaschinen, Biegmaschtnen, Stanzen, Eisen- scheeren, Drehbänke- eine der Bohrmaschinen wird durch directen electrischen Antrieb in Bewegung gesetzt. — Von GießenerFirmen find in der Halle noch vertreten Lehrschmied Gg. Lamberth mit sauber gearbeiteten Hufeisen,. K. F. Nickau mit einer reichhaltigen Au»wahl schöner ®Iace> Wildleder-, Stoff- rc. Handschuhe, Spezialitäten dieser alten Gießener Firma- Emil Weißbäcker mit Drahtgeflechten aller Art vom feinsten Haarsieb bi» zum grobmaschigen Schutzgitter in exacter Ausführung. — Carl Wiegand, Schlossermeister, hat hübsche Kunstschmiedearbeiten in Gestalt von Oberlichtdecoratiouen u. s. w. ausgestellt. — Erzeugnisse de- Bergbaues hat Herr L. Petry Ü. in Form von Farberden und Brauneisenerzen, nach Fundorten gruppirt, ausgestellt. — Die in der Halle noch ausgestellten Oefen unv Kochheerde, sowie andere Eisengußfabrikate, JnstallationS- gegenstände u. f. w. beweisen, daß auf diesem Gebiete in Oberheffen Vorzügliche» geleistet wird. Die Küferei zeigt wahre Cabinetstückr von sauberer und gefälliger Arbeit. Bon der Maschinenhalle au» führt der Weg zu dem BereinShause. Unterwegs lohnt es fich jedoch, hier und da einen Augenblick zu verweilen. Zuerst treten wir in ein-n Pavillon, woselbst daS sogen, elektrische Concurrenzlicht, Ace- tylen, mittelst der von der Firma R WelkoborSky- Gießen hergestellteu Apparate erzeugt wird. Hier findet mau das schöne weiße und dabei sehr billige Licht pro 16kerzige Normalbrenustunde) in den verschiedenartigsten Lampen veranschaulicht. Auch ein ganz neuer, intensive Hitze erzengender Heizapparat, in dem Acetylen Verwendung findet, ist dort aufgestellt. — Lenken wir unsere Schritte weiter,, so treten wir linker Hand in die offene Halle, wo es eine Ausstellung von gepreßten Braunkohlen giebt, deren Aufbau durch die Verwendung halbverkohlter Baumstämme und knorriger Wurzelstücke besonder» an Jntereffe gewinnt. Baumaterialien, mit denen besonder» die Kunststeinfabrik Emil. Horst-Gießen durch schön geformte Werkstücke hervortritt» Grabdenkmäler, die u. A. Bildhauer Atzbach-Gießen in mehreren schön auSgeführtev Exemplaren ausstellt, nehmt» die andere Seite der Halle ein. Auf der anderen Seite de» Weges find verschiedene Arten Pflüge, ein schöner Oeconomiewagen, Säemaschinen- (Gießen ist hierbei durch die Firma M. Rosenthal vertreten) und Düngerstreumafchineu rc. aufgestellt. — In dem Verein-Hause nehmen die Fabrikate der Kürschner in dem ersten Zimmer recht- einen großen Raum ein, und fie haben es verstanden, durch die Ausstellung au-gestopfter Thiere ihre Ausstellung ganz besonders interessant zu machen. Sogar ein recht anziehendes Waldstillleben, das in seinem Thierrrich> Nord und Süd in einen Rahmen faßt, hat hier seinen Platz, gefunden. Zahlreiche Arten au-gestopfter Vögel, sowie eine recht humoristisch zufammengestellte Froschcapelle vervollständigen da- Ganze. In der Ausstellung für Lehrgegenstände, UnterrichtS- matertalien, Karten und Pläne, sowie in Erzeugniffen der Buch- und Kunstdruckerei ift Gießen in hervorragender Weise vertreten. Die BerlagSfirma Emil Roth hat die beliebten Wamser'schen Stadtpläue, sowie ihren reichen Verlag an Lehrmitteln und Lehrbüchern, ferner ihren Prachtwerk-Verlag ausgestellt, wahrend die Ricker'sche Buchhandluog besonder» durch ihr mit werthvollen Werken auSgestatteteS Antiquariat, auf da- ganze Schlachtfeld bi- nach St. Privat im Norden gewährt. Ich war gerade oben, als mehrere Referveunteroffiziere vom 8. bayrischen Regiment mit einem Lieutenant ankamen, um an der Hand von Karte und Generalftab-werk den Angriff- de- Generals v. Steinmetz, der ja bekanntlich da- 7. und 8. Corps befehligte, an Ort und Stelle zu studirrn. Einer der Herren laß, ein zweiter zeigte auf der Karte und der Lieutenant zeigte die Orrtlichkeiten im Gelände. Sehr intereffant! Ich schlug nun den directen Weg nach Metz ein und kam, nachdem ich von MoulinS an» die Pferdebahn benutzt hatte, um 6 Uhr auf dem dortigen Bahnhofe an. Hier erwartete mich auch mein Freund, der von meiner um 6,50 erfolgenden Abreise nach Straßburg in Kennrniß gesetzt worden war. Das war eine Freude! Seit dreizehn Jahren hatten wir un» nicht gesehen. Wir saßen in derselben Klaffe. Sein Vater war Zahlmeister bei der Infanterie und wurde später zu den Dragonern versetzt. Beide Söhne dienten bei der Truppe und traten in den Beruf des Vater» ein. Alle drei wurden mit dem Regiment versetzt und traten dann zur Infanterie wieder über. Seit acht Jahren war mein Freund in Lothringen. Was für eine Figur war aus ihm geworden! Seine gelbliche GefichtSfarbe in der Schülerzeit war verschwunden. Der Brustkasten hatte fich geweitet und die hohe, kraftvolle Gestalt zeigte, daß ihr der Soldatenberuf bekam. Natürlich wurde die Absicht, nach Straßburg schon nach einer Stunde zu fahren, aufgegeben. Zwei Locale wurden abgestraft, in einem vortreffliche lebende Bilder angesehen und der Rest der Zeit wurde auf dem Bahnhofe verbracht. Da» waren angenehme Stunden! Erinnerungen au» der Schüler- zeit wurden wieder aufgefrischt, von ehemaligen Kameraden wurde erzählt und vor Allem wurden eigene Erlebniffe mit* getheilt. Wa- ereignet fich nicht Alle- in dreizehn Jahren! Rasch verging die Zeit, und mit dem Versprechen, wenigsten» Neujahr einen längeren Brief zu schreiben, schieden wir von einander, er, um noch einige Stunden zu schlafen, ich, um mit dem Nachtschnellzuge nach Straßburg abzureifrn. eglS find vttlchirdttt iMgtn, TLruialchimn M, Rosenthal bn» achestellt. - Ja btm der Kürschner In ha m ein, unb fit Hahn Igtßopfttr tyittt ihre ju machen. Lo^r l Wtnl^wtW , tytx W& Pl°l tfttX Wi 'ottlt llBt Kapelle veroollstinhz» rgenMe, Uattnlchtp le in Srjengnlssen der n hervonagrohr Belli Roth hat die beliebten reichen Verlag an Lehr' Prachtwerk Verlag oui' Zllchhankluog besonder» -gestattete» Äntlqnariai, A-' I "b!« Mi , *1? *, län, , *; *•! bi»« 0 gesetzt. 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Schmidt- Gießen enthält eine iotereffaore Sammlung von Lehrmitteln füc höhere und mittlere Schulen. — Ueber die i« Verein»- Hause ebenfalls ausgestellten Erzeugniffe der vachdruckeret lassen wir einen Berichterstatter der „RI. Pr." urtheileu - derselbe schreibt: Die Buchdruckerkunst steht in Oberhefsen, wie die Ausstellungen der Firma I. Cellartu S-AlSfelb, v. MUncho w, UniverfitätSdruckerei-Gießen, Brühl' sche UniverfitätSdruckerei-Gießen beweisen, aus hoher Vtnse, manche Großstadt dürfte diesen Leistungen kaum gleich kommen. — In der Buchbinderei ist Gießen durch Herrn I. P. Tann vertreten. Derselbe hat die bereit» von un» besprochenen Btbliothekkapseln, sowie Postkartensammelkasten, vücherhalter und Zeichenblocks, durchweg pateotirte Gegenstände ausgestellt. — Neben der Wand« unb Dekoration»- malerei der Butzbacher und Friedberger Meister hat die Portrair- und Genremalerei in de« Ruustmaler Otto Fritz- Gießen einen würdigen Vertreter gesunden. Die Bilder erregen ebenso die Aufmerksamkeit de» Publikum», wie die überaus reichhaltige und geschmackvoll angeordnete Ausstellung von Photographieen von Chr. Zimmer-Gießen. Aber auch Butzbach ist in der Photographie würdig vertreten. — Daß man in der Möbelbranche auch in kleinen Städten ans der Höhe der Zeit steht, beweisen einige Butzbacher und Schotteuer Firmen. Die von der Gießener Möbelfabrik Th. Brück ausgestellten zwei vollständigen Zimmereinrichtungen können unstreitig mit zu den besten Erzeugnissen der Ausstellung ge- rechnet werden- das Comtek har die Arbeiten gen. Firma dadurch ausgezeichnet, daß es dir Schlafzimmereiarichtung mit allem Johalte als ersten Gewinn der AuSstellungSlotterie ankaufte. Diese Einrichtung, in englischem Renaisiancestyle nußbaum matt und glänzend mit Goldgravlruug, macht in Verbindung mit dem eleganten, gemalten Gobelin-Bettvorhang, sowie Toilettetisch und Chaiselongue einen vornehmen Eindruck. Der glückliche Gewinner (besser aber die Gewinnerin) wird Freude an dieser Zimmereinrichtung haben, umsomehr, als die Sprungseder- und Roßhaarmatratze, sowie eine Commode noch von der ausstellenden Firma zugeliefert werden müssen. Da» andere Zimmer stellt eine Saloneinrichtung in Alt- wahagont mit Goldverzierung im Emptresthl dar. WaS sonst noch in dem neuen BeretuShause ausgestellt ist, wird gezeigt in ZimwerdeeorationS-Gegenständen, Runst- stickerei (worunter eine von der Firma I. H. Fuhr in Gießen hergestellte Fahne sür den Gießener Rirtschrroerein), in der Letnenkuustweberet, ferner schön gearbeitete Thürschlöffer, I die durch ihre Vorzüglichkeit, vereint mit Billigkeit, von hier anS maffenweise selbst in den fernen Orient exportirt werden, sowie Runstschmiedearbeiten, die mit großartiger Stylifiruug und einem erstaunlichen Jdeenreichthum gearbeitet find und welche an Feinheit und Sauberkeit der Technik dem Besten zur Sette gestellt werden dürfen. Musikinstrumente, PtantnoS von herrlicher Tonfülle, sowie ein schöne» Harmonium find gleichfalls hier ausgestellt. Wandern wir weiter durch die große Turnhalle mit dem säst unerschöpslichen Reichthum an allen möglichen Gegenständen. Hier fällt unS gleich beim Eingang der schöne, in seinem Innern reich ausgestattete Pavillon der Butzbacher chemischen Wäscherei und Färberei auf. In mannigfachsten Schaukästen sind die Erzengnisie der verschiedensten Gewerbe, aiS der Schuhmacher, Schneider, Uhrmacher, Buchbinder, Bürstenmacher, Messerschmiede, Rammmacher rc. re., al» auch prächtige Stlberwaareu ausgestellt. Weiter erwähneuSwertS find u. A. einige sehr geschmackvolle Rüchen- sowie Badeeinrtchtungen. Schöne Schlafzimmermöbrl, prächtige Sachen der Töpferet, wobei die alte Technik wieder hervorgesucht und alten Formen neues Leben eiugehauchr wurde, sowie die verschiedenartigst gebauten Oefeu, Produkte der Molkerei, Runstdreheret und Friseurarbetteu rc. rc. haben hier ihren Platz gefunden. Die Maschtneu-Strickerei einer Butzbacher Firma ist in wahrhaft großartiger unb babet originell burchbachter Weise veranschaulicht. Ebenso ist btt Wanbuhreu-Jabustrie durch ganz eigenthümlich construirte Gangwerke in der Halle vertreten. Die Nahrungö- unb Genußmittel-Branche ist ebenfalls auf das reichhaltigste zur Stelle. Einen hervorragenden Platz nimmt noch die Actteubrauerei Gießen mit ihrem schönen Fäffer- u. Flaschen-Arrangement ein. Herm. Strobel- Gießen bringt eine Collection Nährmittel: Rmderzwiebock, GesundheitSbrod, Eierteigwaaren usw. zur Ausstellung. Mit Liqueuren in Flaschen find die Gießener Firmen Chr. Inder- thal und Echternach & Haustein vertreten. Wir wüsten davon absehen, eine genaue und specialifirte Beschreibung der Ausstellung zu geben. Wir constatiren mit Freude, daß sowohl die Anlage der Ausstellung wie ihr Inhalt die Besucher mit Genugthuung darüber erfüllt hat, daß die Provinz Oberhesten gezeigt, daß fie als Mitbewerberin auf dem Gebiet des Handels und der Industrie ebenso auftreteu kann, wie dies hiufichtlich der Landwirthschaft schon längst der Fall ist. Namentlich haben die Handwerker unb Jnbustrieellen I Butzbachs gezeigt, was fie können, unb btese Anerkennung mag sie auch entschädigen für bte mit dem Zustanbebringen ber Ausstellung verknüpfte Mühe unb Arbeit. Da» Bilb, welches bte Ausstellung über bie gewerbliche unb inbustrielle Thätigkeit OberhestenS zeigt, hätte iudeß noch vervollstänbigr werben köuuen. Mehrere bedeutende Probuction»- zweige finb leibet gar nicht vertreten, so die Cigarren- und Tabakfabrikatiou, die Marmor- und Thonwaareu-Judustrie, dir Obstweiubereitung, Obst-Verwerthung unb -Conservirung. erübrigt noch, einen Blick auf eine Veranstaltung zu werfen, bte außerhalb der Ausstellung getroffen wurde, auf die Ausstellung der Zeichnungen oberhesfifcher Handwerkerschulen. Ein Randgang durch die Räume deS de« Ausstellung»- platze gegenüber liegenden Schulhause», in welchem sämmtliche oberhesfische Handwerker- und Gewerbeschulen ihre Schülerarbeiten, als Zeichnungen, GypS-, Holz- und Eifenmodelle ausgestellt haben, bietet dem Besucher ohne Zweifel ein Bild fleißiger Arbeit in Verbindung steter Fortentwickelung. Die ausgestellten SchÜlerarbeiten zeigen, welche Fülle von Renntniffeu und Fertigkeiten fich der zukünftige Handwerksmeister auf allen Gebieten, insbesondere dem kunstgewerblichen Gebiete ancignen kann, wenn er nicht» versäumt, waö ihm diese Schulen bieten. Bei aufmerksamer Betrachtung der ausgestellten Gegenstände erkennt man sehr bald, wie hier Glied au Glied gereiht wird, um schließlich zu Leistungen zu gelangen, die wohl Jeden überraschen. Man sieht da, wie von den einfachsten, oft unscheinbaren Arbeiten ausgehend, eine klare Stufenleiter in der Lehrtätigkeit vorgeführt wird, die einem jeden aufmerksamen Beschauer unwillkürlich in die Augen springen, und ihm die große und mannigfaltige Arbeit»- thätigkeit mit Freude erkennen laffen muß. Ganz besonders übersichtlich geordnet, konnte man die Entwickelungsstufen bet der Gießener Gewerbeschule erkennen, so daß man ohne Schwierigkeit fich den Gang der Ausbildung der Schüler voistelleu kann. ES würde fich sehr empfehlen: bet künftigen Ausstellungen feiten» der anderen Schulen ebenfalls in der Weise zu verfahren. Da» vergleichende Bild würde sicherlich ein beffere» werden. Abgesehen aber von dieser kleinen tactischen Form der Ausstellung, steht fest, daß unser hesfische» Gewerbschnl- wesen nicht allein der Kritik mit offenem Auge entgegentreten kann, sondern e» zeigt un» auch, wa» unser H:ffenland auf diesem Gebiete leistet. Den Besuch dieser Au-stellung empfehlen wir deshalb ganz besonder» angelegentlich unseren Haudwerkerkreiseu und den verwandten Gewerben. Oniptrliliiinirii Hinte und folgende Tage in EiSpackung eintreffenb. 735 la. Schellfische in allen Kroßen, ßabliau, Schollen, Zander, Kechte etc., Teehecht im Ausschnitt. Lebende Luppen- und Tafelkrebse, Barben, Lchleie nnb Aale. Prompter versandt nach anSwLrt», J. M. Schulhof, Marktftraße 4.Telepbon 119. la. Landbutter (zum Einkochcn) empfiehlt 8115 H. F. Nassauer. Bitte versuchen Sie meinen gebrannten Raffet, da» Pfund m 1 Mark. J. M. Schulhof, Marktstr. 4. 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