Nr. 115 Erstes Blatt. Mittwoch dm 18. Mai' I8»8 Erscheint ISgNch mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener Aamilieubtätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Gießener Anzeiger Aezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 76 Psg. mit Bringerloha. Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinende» Nummer bis Vorm. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgege«. Amts- unb Airzeigeblcrtt für den ICreis Giefzen. Redactiou, Expedition und Druckerei: SlSukstratze Ar. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. ■ - - ' " — Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Theil. Gießen, den 16. Mai 1898. Betr.: Ausführung des KraokenverfichernngSgesetz-S. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises und die Vorstände der Gemarkungs-Kranken- verfichernngen Arnsburg, Hof-Gill und Hof-Gratz. Wir sehen Ihrem Berscht darüber entgegen: 1. ob und welche Kaffenärzte bestellt find, 2. welche- der Hauptinhalt deS Vertrags ist, insbesondere wie die Vergütung im Einzelnen geregelt ist, und 3. welche Verträge w t Apotheken bestehen oder.welcher Nachlaß Ihnen gewährt wird. v. Gaaern. Aus de« Verhaudluuge« der Erste« Kammer der hessische« Stünde. nn. Darmstadt, 16. Mat 1898. Unter dem Vorfitz des Fürsten zu Isenburg- Büdingen trat die Erste Kammer zu mehreren Tagungen zusammen, um zunächst die Berathungen deS HauptvorauschlagS pro 1897/1900 vorzunehmen. Vor Eintritt in die TaqeSordgung fand zunächst die Einführung der von Seiner Köatgl. Hoheit dem Großherzog rrnauuten Mitglieder der Ersten Kammer, Geh. Staatörath Hallwachs und Justizrarh Web er«Offenbach, statt uud erfolgte hierauf die Berathung des Staatsbudgets uud zwar Ausgaben, Capitel 1—130. Ohne Debatte werden Capitel 1—28 angenommen Bet Cap. 29, Gendarmerie, war von der Zwriten Kammer beantragt, die Regierung zu ersuchen, eine Reorganisatioa de» Gendarmeriecorps herbei- zuftthrcu. Die Erste Kammer lrhnte heute diesen Antrag ab. Zu Cap. 37, Katholische Kirche, wünscht Prälat Habicht, daß auch der evangelischen Kirche die Zinßverluste, welche durch die Herabsetzung des Zinsfußes im Cevtralk-rcheufond entstanden find, durch greigneten Slaatszuschuh ausgeglichen werden möchten. — Bet Cap. 39, Lan des Universität, Fenilleton. Wie es im Kriege herging. Nach französischer Schilderrmg von E. I o h a n n e S. ' (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Man sieht überall nichts als ihre blaffen Gesichter, ihre Hanfbärte und ihre unheilverkündenden Uniformen. Man hört überall nichts als ihre rauhe, wiederhallende Stimme und das Wiehern ihrer Roffe. Sie bemächtigen sich des Dorfbrunnens, aus dem niemals ein fremdes Pferd getränkt wurde. Die Hauptleute haben sich in der Kirche installirt. In der Mühle holen sie sich das feinste, weißeste Mehl, das fetteste Geflügel, den besten Wein, den schönsten Speck und beim Weggehen versprechen sie baldige Wiederkehr. Und sie kommen wieder. Als Jean Sanier eines Abends in die Mühle zurück- kehrt, findet er seine Thüre und die Fensterläden geschloffen. Auf sein Rufen erhält er keine Antwort. In Aufregung stößt er die Thüre ein und geht in das Haus. Alles ist in Unordnung und wie verlaffen. Zerbrochene Teller und Gläser, leere, ausgegoffene Krüge, der Tisch von Wein überschwemmt. Auf einem Getreidesack liegt sein Sohn Pierre, halb betäubt, mit rothen Augen und mit Thränen überströmtem Gesicht. Was hat sich zugetragen? Die Preußen sind gekommen, sagt das Kind, sie haben gegeffen, getrunken, gesungen. Dann haben sie die Mutter, die Schwester und die Großmutter geschlagen, den Hund getödtet, der Martha verthetdigte. Der Müller begreift sofort. Er stürzt nach der Treppe, dringt in das Zimmer ein und findet dort seine alte Mutter, kaum noch athmend, auf dem Bett hingeftreckt; bei ihr seine Frau und Tochter, am ganzen Körper zitternd und blauroth im Gesicht. Bei seinem Erscheinen stürzen sie sich klagend und schluchzend vor Hoffnungslosigkeit in seine Arme. lenkt Graf zu So ImS-Laub ach die Aufmerksamkeit deS Hohen Hauses auf die Zustände an der Chirurgischen und Augenklinik zu Gießen, welche in einem Gebäude untergebracht find. Er wünscht im Jntereffe der Kranken, welche sehr oft durch die Ansteckungsgefahr gefährdet seien, die Abstellung dieses Mißstandes, eventuell durch Aufbringung der Mittel für einen wetteren Neubau. Grh. SraatSrath Knorr «eist darauf hin, daß für UniverfitätSbauten zu Gießen bereits über drei Millionen Mark seit zwanzig Jahren verausgabt wurden. DaS Budget belaufe sich auf jährlich 700,000 Mark, deßhalb fei hier Sparsamkeit am Platze. Die Regierung werde aber den Gegenstand im Auge behalten. Der Vertreter der Univerfität, Proseffor Schmitt, bestätigt die angeführten Mißstände unv ersucht die Regierung, in Anbetracht der großen Bauthärigkeit in Gießen zeitig zu Geländeankauf zu schreiten. Da» Capitel wird hierauf genehmigt. — Bei Cap. 41, Gymnasien, Realgymnasien uud Realschulen, beantragt der Ausschuß die Ablehnung der Regierungsvorlage aus Errichtung eines VollgymnastumS zu Friedberg. Geh. StaatSrath Knorr, Geh. Oberschulrath Sold an, sowie Proseffor Schmitt treten für die Vorlage ein, während Graf zu GolmS-Laubach und Freiherr v. Heyl fich gegen dieselbe aussprechen. Letzterer wünscht die Durchführung der Oberrealschuleu in Heffen und weist badet auf daß Anwachsen deS wtffeuschaftltchen Proletariats in Deutschland hin. Staat«- Minister Finger wünscht, daß die Hohe Kammer nicht zwischen Gymnasien und Oberrealschulen entscheiden möge. Die Frage de« Ausbaues des Friedberger Gymnasium« schwebe schon lange, uno die Entwickelung der Studt Friedberg laffe eineu guten Erfolg erwarten. Die hierauf erfolgte Abstimmung ergibt, daß wit 13 gegen 12 Stimmen die Regierungrvorlage Annahme findet. — Bet Cap. 55, LaudeSho-pital Hofhetm, stellt die Kammer die von der Zweiten Kammer abgelehnte Regierungsvorlage auf Erhöhung der Pflegegeldsätze wieder her und genehmigte den Antrag deS Freiherr« v. Hehl auf Verdoppelung deS Staats- zuschuffe« zu den Handelskammern. — Bei Cap. 67, F ab rtk- insp ecti on, wird der Antrag de« Commerzienraths Mich el auf anderweite Eintheilung der FabriktnspectiouSdezirke angenommen. — BetCap. 70, Dampfkessel-Prüfungen, war von der zweiten Kammer die Regierung ersucht worden, Jean Sanier nähert sich dem Bette seiner Mutter, nimmt ihre Hand lange in die seinige, läßt dann den Vorhang de« Bettes wieder fallen und geht gemessenen Schrittes in die Mühle hinunter. Nachdem er die Thüre der Treppe verrammelt hat, ruft er feinen Sohn, nimmt ihn auf fein Knie und sagt ihm mit ernster, langsamer Stimme etwas in's Ohr. Das Kind entfernt sich. Am Eingang der Mühle bilden sorgsam gefüllte und aufgestapelte Getreidesäcke einen gewundenen Gang, der plötz- lich in einem unvermutheten Winkel endet; dort befindet sich eine weite, klaffende, nach dem tiefen Flusse gehende Falle: ein Abgrund, der Tod. Der Müller öffnet die Falle, entfernt sich aus der Mühle, betrachtet einen Augenblick den Kirchthurm und wendet sich dann schnellen Schrittes dem von Blücherhusaren angefüllten Kirchplatz zu. Vor einer Gruppe Offiziere bleibt er stehen und versetzt gerade dem Commandeur mit seiner, herkulischen Hand einen Schlag in's Gesicht, mit dem man ein Pferd hätte betäuben können. Von allen Seiten erhebt sich ein ungeheueres Geschrei, dem Brüllen eines Löwen gleich; die Waffen rasseln und der ganze Trupp setzt sich, mit dem Gelöse eines Ungewitters in Bewegung: Zu den Waffen, zu den Waffen! Mit großen Sätzen ist Jean Sanier nach der Mühle gestürzt, er durcheilt den Hof unter einem Hagel von Ge- schossen und verschwindet in dem Gang, längs des Getreidehaufens, mit einem gewandten Sprung die gähnende Falle, den Abgrund, den Tod überwindend. Von ihrem Hauptmann geführt, schäumend vor Wuth, wilde Flüche ausstoßend, verfolgen ihn die Husaren; sie kommen in der Mühle an, verlieren fich Einer nach dem Andern im Gang und Einer nach dem Andern verschwindet in der Falle. Bei solcher verhängnißvollen Wendung ist dies nicht mehr ihre Rache, die sie finden, das ist der unvorhergesehene unsichtbare Tod, der sie empfängt und mit seinen Füßen zermalmt. Und wendet sich der Soldat auch um, doch wird er verschlungen und vernimmt nur das Schicksal seines Kameraden, um es mit ihm zu theilen. Eine Krümmung — eine Falle — der Tod. da- ganze Dampfkessel RcvifionSwesen von StaatSwegen zu regeln. Diesem Ersuchen tritt die Erste Kammer nicht bei. Ebenso wird der Beschluß der Zweiten Kammer auf Herabsetzung deS Zivsfuße« für ältere Darlehen bei der Landes- Credtikaffe abgelehnt. — Bet Cap. 104, Ministerium, bespricht Freiherr v. Heyl die Dtenstverdältnisse der Beamten und Arbeiter und die BetriebSverhältnisse der Süddeutschen Etsenbahngesrllschast. Er weist nach, daß die Bediensteten dieser Bahn über da« menschliche Maß in Anspruch genommen werden und ersucht den Herrn Ftnavzmintsier, amtliche Erhebungen bet dieser Bahn vorzunehmen und Abhilfe zu schaffen. Ftnanzmtntster Weber sagt diese Erhebungen zu. — Bei Cap. 103, Ministerium der Justtz, bespricht Freiherr v. Heyl die Unzulänglichkeit des Amtsgericht«- gebäudeS zu Ostbofen, insbesondere die Diensträume daselbst. Mtnistertalrath Dtttmar gibt «ufklärente Erläuterungen und wkift die Zulänglichkeit der Räume nach. Da« Capitel wird genehmigt. Damit wird die Sitzung um 1 Uhr abgebrochen. Fortsetzung morgen um 7810 Uhr. Deutsche» Leich» Darmstadt, 16. Mai. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, welche SamStag uud Sonntag tu strengstem Jncogutto in München verweilt hatten, find heute früh um 7 Uhr 3 Min. wieder hier ein- getroffen. Berlin, 16. Mat. Der „ReichSanzetger" veröffentlicht die Ernennung des biShrrtgrn vortragenden RatheS im Auswärtigen Amt Dr. Mtchahelle S zum Ministerrefidenten bet der Republik Haiti uud bet der Domiuikantschen Republik, mit dem Amtsfitz tn Port-au-Prince. Berlin, 16. Mai. Der am Mittwoch dem 18. d. M., Vormittag« 11 Uhr, im Weißen Saale deS König!. SchloffeS stattfiudeuden Schließung des Landtages werden auf Befehl des Kaisers die tn Berlin garntsontreuden acttveu Generale, sowie Obersten und RrgimentScommaudeure nebst den gleichen Chargen der Marine im Paradeanzug beiwohnen. Berlin, 16. Mat. Der Dampfer „Darmstadt" mit der Ablösung für Ostafien au Bord, ist am 14. d. MtS. in Sie können sich schön sträuben, diese stolzen Blücherhusaren, die Fluth nimmt sie, schlingt sie ineinander, reißt sie fort, schwemmt sie auf, färbt sie schwarz. Sie haben schön schreien, bitten, seufzen, der Schaum des Wassers schließt ihnen den Mund, und ihre Stimme wird von dem taktmäßigen Rollen des großen Rades übertönt. Man hört nichts mehr; das Rad hat über achtzehn Leiber zermalmt: abgerissene Köpfe, bleifarbige, blutige, unkenntliche Gesichter, Mützentheile, Fetzen von Uniformen, zitternde Muskeln, menschliche Ueberrefle, Dinge ohne Namen. Vielleicht rollt das Rad weniger schnell, aber auf eine unwiderstehliche Art, als ob es von einem rächenden, in der Tiefe verborgenen Arm getrieben würde. Seine schreckliche Stimme zürnt, wehklagt und die geröteten Fluthen weben ihm eine blutige Glorie. IV. Als ein Soldat, von der anderen Seite des Dorfes herbrieilend, die Leichname entdeckt, stürzt er nach der Mühle, schlägt Alarm und die fortlaufende Kette ist gebrochen. Nur die zwei ober drei Vordersten, die sich noch in dem dunkeln Winkel verlieren, stürzen in die Falle; die Anderen gewarnt halten plötzlich erschrocken, athemlos inne, um gleich daraus die Flucht zu ergreifen. Welch schreckliche Rache wird nun das Dors ereilen ? I Hinter einer Weide verborgen, fixirt Jean Sanier ben Kirchthurm Er beobachtet, horcht, wartet. — Dreimal schwenkt seine Hanb ein weißes Tuch. — Plötzlich fangen bie Glocken zu läuten an. Das ist nicht bas freudige Concert des festlichen Glockengeläutes, nicht mehr das sanfte „Ave Maria", das feine langsamen, feierlichen Töne über bas Land sendet; nicht mehr jener reine, frische Gesang der Glocken, der einen neuen Weltbürger begrüßt; die Glocken donnern, schreien, drohen, zanken, rufen um Hilfe, bitten und befehlen. „Auf zu den.Waffen!" das ist das Sturmgeläute! Es ist das Vaterland, das überall zu feinen Kindern spricht. Hört die Sturmglocken, ihr Alle, in den Flecken, in den Meilern, in den Dörfern! (Schluß folgt.) Port Said angekommen und gestern nach Suez wieder in See gegangen. Fulda, 16. Mai. Im Dom fand heute Bormittag die feierliche Beisetzung der Leiche de- Erzbischof- Dr. Komp durch den Wethdischof Fischer au- Köln statt. Die Gedächtnis rede hielt Wethdischof Knecht au- Freiburg i. B. Anwesend waren al« Vertreter der Staat-regierung Oberpräfident Magdeburg au- Cassel, ferner Vertreter de- Grobherzogs von Baden und verschiedener Bi-thümer. Straßburg. 15. Mai. Der Kaiser besichtigte in Begleitung de-Statthalter-u. A. da-Gelände für die Hafenaula gen. Abend- fand Zapfenstreich statt. Heute begab sich der Kaiser nach Seweu im Oberelsatz, wo der große Ttauweiher im Alfeld besichtigt werden soll. Auf der Rückfahrt wird der Kaiser die Befestigung-Werke bei Matztg besichtigen. Für heute Abend ist der Besuch de- Großher-og- und der Großherzogin von Baden angesagt. Arr-Unrd. Wien, 16. Mai. (Wiener k k. Bur.) Die Pforte hat dt-her behuf- Rücktran-porte- der Truppen vier Schiffe der Kriegsmarine und zwei Privatschiffe nach Bolo beordert. Bi- gestern sind 5000 Mann auf dem Seewege abgegangen. Der größte Theil der Artillerie und Cavallerie wird auf dem Landwege befördert werden. Stockholm, 16. Mat. Der schwedische Reichstag wurde heme geschlossen. Brüffel, 16. Mai. Der König der Belgier kehrt morgen hierher zurück. Er hatte gestern eine längere Unterredung mit der Köntginregeutin von Spanien und ist heute in Pari- eingetroffen. Loudon, 16. Mai. Ein Telegramm aus Cur atzao meldet, daß die spanischen Kriegsschiffe „Viscaya" und „Marie Theresia" dort Kohlen eingenommen haben, während die übrigen Schiffe der Flotte vor dem Hafen warten. London, 16. Mai. „Sunday Special" will au- guter Quelle erfahren haben, daß England und Deutschland sich mit den Vereinigten Staaten dahin verständigt haben, dem Kriege mit Spanien innerhalb zweier Wochen ein Ende zu machen. Loudon, 16. Mai. Wie ein Telegramm au- Manila meldet, ist daselbst eine HungerSvoth ausgebrochen. — Die in Hongkong lebenden Spanier geben der Ueberzeuguvg Au-» druck, daß die amerikanische Flotte durch englische Capi- täne geführt werde. Madrid, 16. Mai. Die Ministerkrisis dauert trotz officiöser Ableugnung fort. Voraussichtlich wird außer Sa- | gasta und dem Krieg«mintster Correa kein bisheriger Minister im Amte verbleiben. Koustautiuopel, 16. Mai. Es ist der Befehl ertheilt worden, daß die aus Thessalien zurückkehreuden Truppen in ihren Garnisonen bei Tage einzutreffen haben. Anordnung für den festlichen Empfang derselben wird getroffen werden. Koustautiuopel, 16. Mat. Gestern ist die erste Rate der griechischen Kriegsentschädigung gezahlt worden, wovon Fürst Mavrocordato die Pforte verständigte. Heute beginnen die türkisch-griechischen- Verhandlungen wegen der Speeialconvention. Bi« gestern haben Bolo 16 Bataillone «tt zusammen 10000 Mann verlassen. — Das Schaff der russischen Freiwtlltgeuflotte „Wladimir- ist hier mit Contre- admiral Stark und 1000 Manu an Bord angekommen und gedenkt morgen nach Port Arthur in See zu gehen. Peking, 16. Mai Prinz Heinrich besuchte gestern im Sommerpalast den Kaiser und die Kaiserin-Wittwe. Der Prinz und sein Gefolge ritten, begleitet von einer berittenen EScorde Marinesoldaten, in der Frühe nach dem Palaste, wohin eine Abtheilung von Marinesoldaten zu Fuß folgte. Bei der Ankunft im Palaste kleideten der Prinz und sein Gefolge sich um. ES wurde kalte Erfrischung gereicht. Der Prinz besuchte, begleitet von Baron von Heyktng und einem Dolmetscher, die Kaiserin-Wittwe, die durchaus unbefangen zahlreiche Fragen an den Prinzen richtete. Hierauf erfolgte der Empfang des Prinzen und seine- Gefolges durch den Kaiser in der Audienzhalle. Der Kaiser schüttelte dem Prinzen die Hände. Der Prinz übergab die Geschenke de- Kaiser- Wilhelm, Basen der Berliner Porzellanmauusactur. Der Kaiser begab sich nach dem Eingang der Halle, wo die Marinesoldaten aufgestellt waren. Der Trommelwirbel rief beim Kaiser ein leichte- Erstaunen hervor. Der Prinz, dessen Gefolge und der Kaiser befuhren auf Dampf- und electrischen Booten den See der kaiserlichen Stadt, und besichtigten die Sehen-würdigketten, wobei Prinz Tschlug führte und auf die verschiedenen Kunstwerke aufmerksam machte. Der Prinz und sein Gefolge kehrten alsdann in die Audienzhalle zurück. Der Kaiser erwiderte den Besuch und übergab Geschenke sowie von der Kaiserin-Wittwe selbst gemalte Fächer. Der Prinz, von einem Dolmetscher begleitet, geleitete den Kaiser in das anstoßende Gemach und verbrachte geraume Zeit im Gespräche. Hierauf ritten der Prinz und sein Gefolge nach Peking zurück. Gestern Abend nahm der Prinz an einem Festmahle der englischen Gesandtschaft Theil. wahlbewegrrng. * Friedberg, 15. Mai. In der heute aus allen Theilen unseres Wahlkreise- zahlreich besuchten Versammlung der Vertrauensmänner der oationalliberalen Partei wurde der bisherige Reichstagsabgeordnete Graf Ortola einstimmig al- Candidat für die demnächsttgr ReichStagSwahl ausgestellt. Nach erfolgter Aufstellung erschien Graf Ortola, von der Versammlung allseitig begeistert begrüßt, und erklärte, daß er bereit sei, auch diesmal wieder das ihm angetragene Mandat zu übernehmen. Er betonte, daß er in keinem anderen Wahlkreise caudidtre und besonderen Werth darauf lege, den Wahlkreis zu vertreten, mit dessen Leben-intereffeu tt aufs innigste verwachsen sei. Der Candidat entwickelte 1 hierauf die Hauptpunkte seines Programm-, welche- die volle Zustimmung der Anwesenden fand. Der Verlauf der Ber« sammlung berechtigt zu der Annahme, daß auch diesmal wieder Graf Ortola als Abgeordneter unsere- Wahlkreises in den Reichstag einzieht. * Alsfeld, 16. Mai. In der gestrigen zahlreich besuchten Wählerversammluug entwickelte der vom Bund der Landwirthe für den Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach-Schotten aufgestellte Reichstags-Candidat, Gutsbesitzer Schade-Altenburg, sein Programm. Namen- der natioualliberalen Partei gab Herr C. Grünewald jr. die Erklärung ab, daß seine Partei für die Wahl de- Herrn Schade eintreten werde. Al- Gegen- redner meldete sich Niemand zum Wort. * Mainz, 16. Mai. Der städtische Finanzausschuß hat in seiner heutigen Sitzung, nachdem die Verhandlungen zwischen der Bürgermeisterei und den Buchdruckereibesitzeru beendigt find, beschlossen, in Anbetracht der hohen Kosten den Druck der Wählerlisten zu den ReichStag-wahlen abzulehnen. Nunmehr entscheidet am Mittwoch da- Plenum der Stadt- Verordnetenversammlung. * Arnstadt. Der Politik abhold scheinen die Stamm- gäfte eine- hiesigen Restaurant- zu sein. Ueber ihrem Stammtisch prangt jetzt ein Plakat mit folgender Aufschrift: „Ge- spräche über die ReichStag-wahl bei zwei Mark Strafe verboten." Cotoles rrrrd prooittsieUes* Sieben, den 17. Mai 1898. ” Provia-ialausfchubfitznng. In der ProvivzialauSschuß. fitzung vom 14. d. MtS. kamen von den von uns früher gemeldeten 8 Fällen nur 5 zur Verhandlung. Namentlich war das RecurSgesuch der Ehefrau Poppelsdorf, welche vom Krei-au-schuß die Concession zum WirthschastSbetrieb unter der Bedingung erhielt, daß Damenbedienuug nicht statt- finden darf, vor der Sitzung zurückgezogen worden, sodaß hierüber nicht verhandelt wurde. — Bon den übrigen Gegenständen ist zu erwähnen, daS Gesuch de- Wilhelm Gerhardt zu Gießen, um Erlaubntß zum BranntwetuauSschank in seiner Wirthschaft Bletchstraße 31. Der Genannte wurde vom Krei-au-schuß mit seinem Gesuch wiederholt abgewieseu unter der Motivirung, daß frag!. Gegend noch nicht genügend ausgebaut und durch die in der Nähe de- Gesuchstellers be» findlicheu BranutweinauSschankstellen dem Bedürfntß Rechnung getragen sei. Der Vertreter des W. Gerhardt, Rechtsanwalt Mendelsohu, suchte den Provinztalau-schuß von dem vorhandenen Bedürfntß szu überzeugen und e- gelang ihm, die Erlaubntß zum BrauntweinauSschank für Gerhardt zu erhalten. — Aus Heuchelheim stehen zwei Gesuche um Erlaub» uiß zum WirthschastSbetrieb auf der Tagesordnung: dasjenige de- August Rinn und de- Heinrich Wilhelm Rinn. Letzterer ist durch Recht-anwalt Grünewald vertreten, der da- Bedürfuiß zur Errichtung wenigsten- einer wetteren Wirthschaft in Heuchelheim nachzuwetsen suchte. Er sprach nicht nur im Jnterkffe seines Auftraggebers, sondern auch in demjenigen des Wilhelm Rinn und beantragte, den beiden Gesuchstellern, mindestens aber seinem Auftraggeber, der zuerst um ConcessiouSertheilung eiugekommen sei und dessen Räumlichkeiten den Vorzug vor denjenigen des August Rinn hätten, die nachgesuchte Concesfion zu ertheilen. Der Provinzial- auSschuß hat den Recurs des Heinrich Wilhelm Rinn für begründet angesehen und diesem die Concession ertheilt. — I Zum Schluß wurde da- Gesuch de- Consumv ereiuS zu Leihgestern, um Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße verhandelt. Auch hier wurde dem RecurS stattgegeben, und dem Antrag de- Rechtanwalts Jost dahier als Vertreter drS ConfumvereinS auf Ertheiluug der fraglichen Erlaubniß willfahrt. Der AusfichtSthurm auf dem DuuSberg. In der am Montag abgehaltenen Sitzung des Ausschusses wurde beschlossen, den Thurm nach dem vorgelegteu Project des Herrn Archttecten Meyer zu erbauen. Nach sorgfältiger Berech- nuug wird sich der Thurm für Mk. 5000 erbauen lassen- hiervon wäre etwa noch die Hälfte aufzubringeu. Der Bau i wird mit einem viereckigen Geschoß beginnen, welches als Schutzhütte dient, der obere Theil soll rund und mit hellen Klinkersteiuen aufgeführt werden. Allgemein wurde dem Project eine- steinernen Thurmes zugestimmt, da Holzthürme, besonders wenn sie auf hohen, freiragenden Bergen stehen, nach 15 Jahren einer gründlichen Erneuerung bedürfen, welche fast einem Neubau gleichkommt, während der Stein» thurm bet nur geringen Unterhaltungskosten eine unbeschränkte Dauer besitzt. Die Sammellisten werden in den nächsten Tagen in Circnlation gesetzt werden. Wir find überzeugt, daß für den Thurm auf dem Düvsberg wohl Jeder einen kleinen Beitrag übrig hat. * * Hochwasser. Nachdem die städtische Pumpstation schon die ganze vorige Woche im Betrieb war, mußte fie gestern neuerdtng- in Thätigkeit gesetzt werden in Folge der starken Gewitterregen vom Sonntag. Wenn auch dir Waflerstände von Wieseck und Lahn keine übermäßig großen find, so wurden solch andauernde Anschwellungen der Flüsse im Mai seit dem Bestehen der Pumpstation nicht erlebt. "Radsport. Aufsehen erregte gestern ein Tandem, bei welchem die Fahrer nicht hinter einander, sondern neben einander sitzen. Der Fahrradhändler W. Ziegler hat diese Maschine al- Lernrad angeschafft, wozu dieselbe sich vorzüglich eiguen soll. * * Feuerprobe. Morgen Mittwoch Nachmittag 3 Uhr wird auf Veranlassung des Großh. KreiSamteS da- Seu- I ling'fche Holzwolle-Baumaterial auf dem Fabrik- Hofe in der Nähe der Margarethenhütte einer Feuerprobe unterzogen. Zu diesem Versuch hat die Firma L. Seuling außer den Vertretern der Behörden eine Anzahl Interessenten eingeladeu und ist man auf das Ergebniß in Fachkreisen gespannt. Reuter-Reeitatiou. Kommenden Freitag werden Herr I und Frau Keßler im Saale des Hotel Einhorn einen I Reuter-Abend veranstalten. Frau Keßler, welche in letzter Theatersaison durch die gute Wiedergabe norddeutscher Dtalectrollen hier noch in Aller Erinnerung sein dürfte, wird an diesem Abend aus dem immer frischen Born Reuter- scher Muse schöpfen und durch Recttation einiger seiner schönsten Dichtungen erfreuen. Wir wünschen diesem Reuter- Abend guten Besuch und Erfolg. Nähere- noch durch Inserate. * ♦ Bon der Technische« Hochschule in Darmstadt. Der außerordentliche Prof. Dr. Franz Ber ghoff-Jstng zu Basel ist durch Großherzogliches Decret mit Wirkung vom 4. Mai d. I. zum außerordentlichen Professor der Volks- wirthschaftSlehre an der Großherzoglichen Technischen Hochschule zu Darmstadt ernannt worden. Für jugendliche Epileptische. Auf den der heutigen Nummer unseres Blattes beiliegenden Aufruf zur Begründung einer hesfischen Anstalt für jugendliche Epileptische zu Nteder-Ramstadt machen wir noch besonders aufmerksam. Die Namen Derer, die diesen Aufruf erlassen und unter- stützen in Gießen find eS die Herren: Geheimrath Provinzialdireetor v. Gagern, Oberbürgermeister Guauth, Geh. Ktrchenrth Prof. D. Köstliu, Pfarrer Schlosser — &öi0*n dafür, daß eS fich hier nicht um eine wohlgemeinte Ausgeburt mildthätigen Sports, sondern um eine wohlerwogene, einem wirklich dringenden Bedürfntß entsprechende Unternehmung handelt, die zudem nicht irgend welchen Sonder- tvtereffen, sondern der Allgemeinheit dient und Leidenden aus allen Ständen und ohne Unterschied Hilfe bringen will. Daher darf auf eine werkthätige Unterstützung aus allen Kreisen gerechnet werden. 100000 Mk. find für den Bau der Anstalt nöthig, 20000 Mk. davon soll die Hauscolleete erbringen. Möchte die Sammlerin, Frau Bickel, recht offene Hände finden. • * Neuntes Deutsches Turnfest zu Hamburg 1898. Die Vorbereitungen zu dem immer näher heranrückenden Turnfest, das bekanntlich vom 23. bis 27. Juli in Hamburg statt- findet, nehmen den besten Fortgang. Die Baulichkeiten, allen voran die herrliche Festhalle, gehen der Vollendung entgegen. Die Zahl der Anmeldungen beim Festausschuß wächst von Tag zu Tag, und der Wohnungsausschuß hat alle Hände voll zu thun, um die nöthigeu Quartiere zu beschaffen. Die bekannte Gastfreundlichkeit der Bewohner Hamburgs wird über die Schwierigkeiten weghelfen, die eine angemeffene Unterbringung so vieler Turner naturgemäß bereitet. Auch Wohnungen gegen Bezahlung in Privathäuseru und Hotelwerden in großer Zahl zu so billigen Preisen angeboten, daß man steht, wie auch Diejenigen, die ein uuentgeltliches Quartier nicht zu geben vermögen, gern ihr Interesse an der Sache bekunden wollen. Ganz besonders wird auch der Turnfahrten-AuSschuß durch die Erledigung außerordentlich vieler Anfragen in Anspruch genommen. Außer zu des eigentlichen Turnfahrten find auch zu den Ausflügen ins Ausland, die im Anhang des TurnfahrtevbüchleinS kurz beschrieben find, schon genügend Anmeldungen eingelaufen, so daß der Turnfahrten-AuSschuß die nöthigeu Schritte zur Erlangung von FahrpreiS-Ermäßigungen und Einstellung von Sonder- zügen oder Dampfern unternehmen konnte. Die bezüglichen Bekanntmachungen über die in dieser Beziehung erzielten Resultate werden sobald wie möglich erfolgen. Festgenossen, die über Ausflüge Auskunft wünschen, werden gebeten, die wetteren Mtttheilungeu, die in üblicher Weise veröffentlicht werden sollen, genau zu beachten. Eine Verscbtebung der AbfahrtStage der officiellen Tmnfahrten I bis IX ist nicht möglich. r. Langsdorf, 16. Mai. Rindvieh- und Schweine-- I markt sammt Körtermin für Simmenthaler Zucht. Da- Wetter, da- zuerst mit Regen etnsetzte, klärte fich bis 11 Uhr auf. Infolgedessen war der Verlauf des Markte- ein günstiger. Leider wird der Körcommisfion kein Lob ertheilt, da dieselbe zu rigoros vorgegangrn sei. Es ist die- darum zu bedauern, weil hierdurch Viele, die vorher günstig gestimmt waren, nunmehr gegen die Zuchtbestrebuvgen eingenommen sein werden. Aufgetrieben waren reinrasfige Simmenthaler Zucht um 10 Uhr Morgens: 14 Bullen, 60 Kühe und 20 Kälber. Der Auftrieb dauerte nach 10 Uhr fort. Der Schweinemarkt war betheiligt mit 250 Ferkeln, 2 Ebern. Ferkel im Alter von 6 bi- 16 Wochen kosteten 40 bi« 74 Mark das Paar. § Aus dem Vogelsberg. 16. Mai. Der Maikäfer» flug hat bis jetzt nicht die Ausdehnung genommen, die mau nach dem Auftreten der Maikäfer zu Anfang dieses Monate befürchten mußte. Sicherlich hat da- anhaltende Regenwetter im Verein mit der kühlen Temperatur die Maikäfer zurückgehalten. ES steht wohl zu erwarten, daß fie beim Eintritt besseren Wetter- noch kommen werden. Ob fie aber dann noch an dem vorgeschrittenen Laube vnd au den abgeblühten Obstbäumen einen gleichen Schaden anzurichten vermögen wie früher, bezweifeln wir. Lebhafte Klagen führen unsere Frauen über die Zerstörung, welche die großen Regenwürmer an der jungen Saat in den HauSgärten anrichten. Kaum find die Sämereien aufgegangen und die jungen Pflänzchen beginnen zu sprossen, so werden sie von den massenhaft auf» tretenden Regenwürmern vernichtet. Nicht selten verschwindet so die ganze Saat von den Gartenbeeten. Man weiß fich nicht anders vor dem Ungeziefer zu schützen, al- daß man sie Abend- nach dem Eintritt der Dunkelheit bei Laternenlicht in den Gärten aufliest, sammelt und vernichtet oder den Hühnern als Futter gibt. Ganze Eimer und Gießkannen voll vermag mau an einem einzigen Abend von diesen unappetitlichen Würmern aufzulesen. Und der Hauptfetnd dieser Würmer, der fie massenhaft verspeist, da- ist — der viel verfolgte Maulwurf. Friedberg, 16. Mai. Gestern früh kamen auf dem hiesigen Bahnhofe 15 Waggon-mit 8000 Brieftauben an, welche von den Brieftauben-Vereiniguugen in Köln, Krefeld, Remscheid, Elberfeld, Solingen und Wermelskirchen abgesandt worden waren. Wegen des schlechten Wetters konnten die- selben gestern nicht ausfliegen. Heute Borwitag um 10 Uhr wurden sie freigelasieu, kreisten einige Male über der Stadt und schlugen dann die Richtung nach Nordwest ein. Mau nimmt au, daß fie in 2i/i Stunden die Reise zurücklegen. §§ Radmühl (Kreis Lauterbach), 15. Mai. Eine hiesige sehr achtbare Familie wurde heute tu große Trauer versetzt. Der Landwirth Heinrich Löffler (ein Mann Anfang- der 80 Jahre) saß mit seiner Familie am Nachmittag gegen 6 Uhr tu seinem Wohnzimmer beim Kaffertrinken, während etn schwere- Gewitter über unsere Gemarkung zog. Der Blitz schlug in da- Wohnzimmer, traf Löffler sowie besten Frau, welche gelähmt wurde. Ihr Ehemann gab nur noch geringe Lebenszeichen von sich, worauf er in- Bett verbracht wurde und kurze Zett darnach verstarb. Der Blitz fuhr ferner tu den unter der Wohnung befindlichen Viehstall, tödtete drei werthvolle Kühe, zündete aber glücklicherweise nicht. DaS Unglück erregt da- größte Mitleid bet sämmtlichrn Bewohnern hier und in den umliegenden Ortschaften. Osthofen, 11. Mat. Ein gerechte- Unheil hat da- hiesige Schöffengericht gegen eine Anzahl von Milchfälschern gefällt. Die Angeklagten, wohlhabende Einwohner von Rhein- Dürkheim, hatten ihre zum Verkauf nach WormS bestimmte Milch regelmäßig mit Wastrr verfälscht. Die Hauptthäter, Eheleute Schilling, wurden zu je 600 Mk. Geldstrafe, der Helfershelfer zu 400 Mk. Geldstrafe verurthetlt. M. Auz. • Eisenach, 12. Mai. Der Stammtisch auf dem Raths- keller, der mit Deutschen im Auslande Fühlung unterhält, hat dem Postamt in Tsivtaufort (Kiauischau) bei seiner Eröffnung einen freundlichen Gruß gesandt und in diesen Tagen ist die Antwort, datirt vom 23. März, auS Deutsch« China hier eiugetroffen. Sie lauter: „Besten Donk für Ihre Karte Mit der schönen Burg der Warte Und dem Ritter mit 'nem WamS! — Dreimal hoch der Tisch de- Stamm-! Postasfisteut Pape." Die Antwort ist geschrieben auf eine sogenannte Welt- Postkarte, um deren deutsche Marke der Aufdruck „Nur für Marlneposten" zu lesen steht. In China ist die Marke nicht abgestewpelt, dafür mit Tinte durchstrichen und mit dem handschriftlichen Zusatz versehen: „Von der kaiserlich deutschen Postageutur Tfinrau (China)." — Ferner trägt die Karte die handschriftliche Bemerkung: „In Berlin eingegangen Marinepostbureau 10. 5. 98." • Zürich, 16. Mai. Bei der Villa Chiaveuua wurde der seit Jahresfrist verschwundene Dr. Süßmtlch aus Dresden als Leiche aufgefundeu. Anscheinend liegt ein Verbrechen vor, da die Hände der Leiche zusammrngebuuden waren. * Die Kunst zu schreiben und zu lesen fehlt in Italien 48 pCt. der Bevölkerung, in Frankreich, Belgien 15 pCt., in Ungarn 43 pCt., tu Oesterreich 39 PCt., in Irland 21 pCt. In Jodien können nur 11 Mill, von 250 Mill, lesen und schreiben. • Dem englischen Chemiker Profeffor Dewar ist eS gelungen, den Wafferstoff siüsfig zu mache«. DaS große Er- etgntß trug sich am vorigen Dienstag im Laboratorium der Royal Institution zu London zu. Der Physiker Lord Raleigh besand sich gerade im Gebäude und so war er der Erste, dem Profeffor Dewar seinen wiffenschaftlicheu Triumph vorzeigen konnte. In fünf Minuten erhielt Dewar ein halbe- Wrioglas flstifisen Waff-rsirff. CHetainx rrn- Ktrnfi. Frankfurt a. M., 15. Mai. Max Dreyers Comödie „In Behandlung" Hal bet seiner gestrigen Erstaufführung im hiesigen Schauspielhaus entschiedenen Beifall gefunden- Zwar find Witz und Humor in manchen noch dazu nicht kurzen Scenen recht gequält, allein dafür reden die ernsteren Seiten des" Stückes dne’um’fo wirkungsvollere Sprache. Sehr gut gab Herr Diegelmann den alten Schiffscapitän und Fräulein Doch den weiblichen Frauenarzt.'S ß g ' — Von dem trefflichen Eulturgeschichtswerke „Das neun* zehnt« Jahrhundert in Bildnissen", herausgegeben von Karl Werkmeister, Berlin, Photographische Gesellschaft, ging uns die fiebente Lieferung zu. Die große deutsche Zeit der Wiedererhebung findet mannigfaltigen Ausdruck in dm Bildnissm deS Freiherrn von Stein, Hardenbergs, Blüchers, Gneisenaus, Scharnhorsts, während auS derselben Zeit, aber anderen DiSciplinen, Niebuhr, Schinkel, Kaulbach sich anrethen. ES würde zu weit führen, die großen Bildnisse einzeln auszufübren; e? sei nur erwähnt, daß für die deutschen Herom das Hohenzollern-Museum die Originale lieferte, und daß wiederum abwechselnd Lithoaraphieen, Gemälde, Ltnienstiche und Zeichnungen als Vorlagen zur Verwendung kamen. Hitioerfifäte - Nachrichten. Straßburg. Der emeritirt? ordentliche Professor des römischen Rechts an der Straßburger Universität, Dr. Albert Köppen, ist in Lichtenthal bei Baden Baden im Alter von 75 Jahren gestorben. Er hatte in Berlin im Frühjahre 1850 promooirt, 1853 wurde er Privatdocent in Jena, 1856 außerordentlicher Professor ebendaselbst, 1857 ordentlicher Professor in Marburg, kam 1864 in gleicher Eigenschaft nach Würzburg und bei der Errichtung der Straßburger Universität im April 1872 nach Straßburg. Hier war er ununterbrochen als Lehrer des römischen Rechts thätig bis zu seiner am 1. April 1895 erfolgten Emeritirung. Seine Hauptwerke sind das System des römischen Erbrechts und das Lehrbuch des heutigm römischen Erbrechts. Würzburg. Am 11. Mai starb hier der frühere Director des JuliuSspitals, Kaspar Lutz, der sich besonders um die Erschließung der reichen Archive des berühmten Krankenhauses große Verdienste erworben bat. Er war ein jüngerer Bruder des verstorbenen bayerischen Cultusministers v. Lutz. ^Vchttehe Anzeigen der Stadt Gietzen. «vavgektfche Gemeinde. Donnerstag den 19. Mai. Himmelfahrtfest. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9Va Uhr: Pfarrer Schlosser. In der Johanneskirche. Vormittags 9>/r Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Friedhofscapelle. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrassistent Dr. Heußel. »athdlifche Gemeinde. Mittwoch, den 18. Mai. Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Donnerstag, den 19. Mai. Christi Himmelfahrt. Vormittags von 6«/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austheilung der heil. Communion. „ um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe; Militärgottesdienst mit Predigt. „ um 9i/r Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Festandacht. Freitag Abend um 6'/, Uhr ist Maiandacht. yerfebr, Can», nn» •ittttl# 17. Mai. Marktbericht. Auf dem heutige« Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. X 1,05—1,15, Hühnereier pt. SL 6—0 X 2 St. 9—11 4# Enteneier 1 St. 6—10 4, Gänse« der pr. St. 10—12 4, Käse 2 St. 9-15 Käsematte pr. St. 3 X Erbsen pr. Liter 20 Linsen pr. Liter 32 Tauben pr. Pa« 0,80 biS 1,00, Hühner pr. Stück 1,20 bis 1,40, Hahnen pr. Stüä X 1,40—1,80, Enten pr. Stück X 1,80—2,20, Gänse pr. Pstm? x 0,00—0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 68—74 X Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 62—66 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 64 bi« 72 X Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 76 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 62-64 Jfc Hammelfleisch pr. Pfd. 60—70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 6,00 biß 7,60 X, Weißkraut pr. Stück 6—00 X Zwiebeln pr. Eentvn 10,00—12,00 X, Milch pr. Liter 16 4, Kirschen pr. Pfd. 50—60 H. Dauer der Marktzeit von 7 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. Neueste Nachvichte«. Depeschen des Bureau .Herold*. Wie«, 17. Mai. DaS Fremdenblatt ist von authentischer Seite ermächtigt worden, den gestern von der „Frankfurter Zeitung" veröffentlichten geheimen Staatsvertrag zwischen Oesterreich.Ungarn und Rußland als lächerliche Erfindung za bezeichnen. W^Madrid, 17. Mai. Ministerpräsident Sagasta überreichte gestern der Königin-Regentin das Abschiedsgesuch des gesamwten Ministeriums. Er machte zugleich der Kammer hiervon Mittheilung und forderte fie auf, ihre Sitzungen b!8 zur Neubildung des CabinetS zu unterbrechen, wa- auch be> schloffen wurde. Die Königin-Rrgenttn beauftragte Sagasta mit der Neubildung de« CabinetS. Dieser hatte bereits Uoter- redungen mit dem Präsidenten der Kammer und mit Gamazo Berathungen. Sagasta glaubt, bis morgen mit der Neubildung des CabinetS fertig zu sein. Kingston, 17. Mai. Die letzten ^Nachrichten auS Santiago de Cuba besagen, eS herrsche dort großer Mangel an Lebensmitteln. Die Preise derselben haben eine bisher nie gekannte Höhe erreicht. Washington, 17. Mai. Im Senat erklärte der Senator Gray, daß eine große Panik im Norden England- herrsche über die Annäherung spanischer Kriegsschiffe, welche in den letzten Tagen fignalifirt worden find. Freien iss jtei* Au* ’ pf. all* ,o " ' nPl30N^ MW VMW - - * ;;t; "'M llerlle-ißriiniflo. Versteigerung Auf Anstehen der Firma Wulff & Comp. in Dortmund versteigere ich gemäß handels- gesetzlicher Bestimmung Mittwoch, den 18. Mai d. I., Vormittags 10 Uhr, am hiesigen Güterbahnhof einen Waggon prima Patent- Brechcokcö gegen Baarzahlung. Die Versteigerung findet bestimmt statt. 5189 Born, Gerichtsvollzieher. Freibank. 5144 Heute und morgen Rindfleisch, nicht ladenrein, per Pfd. 52 Pfg. SchWemesteisch frisch und gesalzen, nicht ladenrein, per Pfd. 40 Pfg. Hammelfleisch »ich! ladenrein, per Pfd. 50 Pfg. 5166] 1. Hamburg. Cigarr.-F. sucht e. Vertreter b. Gasiw. u. Priv. Vergüt, b. Mk. 250 p. Mon. u. Provis. Bew. u. .Cigar" an H. Eisler, Hamburg. Echte Suppenwürze ist soeben wieder eingetroffen bei 4536 Fr. Leo Nächst., C. Herber. Origtnal.FlSschchen Nr 0 werden zu 25 X Nr. 1 zu 45 X Nr. 2 |ju 70 H mit Maggi nachgesüllt.__________________ Schellfische Cabliau, Hechte, Zander, junge Enten, Poularden, Hahnen empfiehlt C. G. Kleinhenn, 5173 Telephon 66.Bahnhofstr. 59. Ital. Rothwein per Flasche 60 Pfg., Marca Italia per Flasche 90 Pfg., _ B®"* garantirt rein empfiehlt 5187 Louis Lind, Kirchenpl. 10. Zwiebeln (neue) heute Mittwoch billig zu haben auf 5151_____________Oswaldsgarteu. Restaurant- Decken abgepaßt in allen Größen, sowie im Stück, per Meier schon von 5157 1,20 Mk. an. C. Röhr & Co. MAGGI Patent- Matratzen von Westphal 4 Reinhold. Kein Hintiegen. Kein Stanö. Kein Ungeziefer. 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Mittwoch den 18. Mai, Abends 6 Uhr, rm Auditorium der psychiatrischen Klinik: 5119] Mantelkragen gefunden. Abzuholen Landmannstr. 18. Himmelfahrtlag r 5191 Parthie nach Dillenburg. __Abfahrt: 1238 Uhr Mittags. Giessener Zitherclub (WohlthängkeitSverein). Am Himmelfahrttag: Ausßug mit Mher-Concert im neuen Saale des Wiudhofs. Bad Nauheim Villa Mathilde, Frankfurterstratze 35, bevorzugte Lage, mit großen, eleganten, sowie einfachen Zimmern und 12 geschützten Balcons. — Dampfheizung. — Mäßige Preise. — Geselligkeitsverein Gleiberg. ffiolaimng zur Generalversammlung am Mittwoch den 25. Mai d. I., Nachmittags 4 Uhr, auf der Burg Gleiberg. 4935] Wäsche zum Waschen und Bügeln wird angenommen. Dieselbe kann auch abgeholt werden. Frau Seipel, Neuenweg 9, III. 1. Nachtrag zur Reichsragswählerliste pro 1898 Großer Verdienst! Ml. Ledensstellllug! Für den hiesigen Platz und Umgegend wird ein tüchtiger Ag-ent von einer bed. landw. Maschinenfabrik (Act.-Ges.) sofort gesucht. 5163 Off. unter F. 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