Nr 218 Erstes Blatt.Samstag den 17. September 1898 U4irhe|i 9t. 1. Amtlichen Theil. Gießen, den 15. ®tptrmbcr 1898. Betr.: Die im Kreise Gießen im Herbst 1898 stattfiadenden Truppenübungen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen GM die Grosth. Bürgermeistereien des Rreises. Nachdem nunmehr die Monöoer im Kreise Gießen in der Hauptsache beendigt find, wollen Sie, soweit noch nicht geschehen, un« wegen Mittheiluug de« Formular« zur Nachweisung von Flurschäden Bo,läge machen, nach Empfang desselben unverzüglich die Eintragungen über die gemeldeten Flurschäden gemäß unserer Ausschretben im Gießener Anzeiger Nr. 196 und 210 vollziehen und die Nachweisungen uns sofort und spätesten« bi« zum 22. d. Mi«, einsendrn. Die Lomm sflon zur Abschätzung der Flurschäden wird voraus- sichtlich am 26. d. Mt«. in unserem Kreise beginnen. Damit da« Geschäst möglichst beschleunigt wird, wollen Sie den Weg seststellcn, auf dem die Lommisfion ohne Umwege zu machen, alle betheiltgtev Grundstücke berühren kann und auch darnach die Anordnung der Einträge in der Nachweisung treffen. Um Verzögerungen zu vermeiden, wüffen Sie und ein Gemarkung«- kundiger Mana sich an der Gemarkungsgrenze zur Führung der Lommisfion bereit halten und die Trsatzansprechenden Grundbesitzer zur Au«kunftertheiluvg bet ihren Grundstücken anwesend sein. Für diese Zwecke wird Ihnen noch nähere Nechr chr vom Eintreffen der Lommisfion m der betreffenden Gemarkung zukowmeu. v. Bechtold. Deutsches Reich. Berlin, 15. September. Der Kaiser ist.heute früh 8 Uhr tu Prenzlau etngetroffeu. Auf d'e'm Marktplatze vor dem Denkmal Kaiser Wilhelm I. hielt er auf die begrüßende Ansprache de« Bürgermeister« eine Rede, in welcher er u. A. betonte, daß e« ernste Zetten seien, in denen wir lebten und daß genug zu thun sei. Besonder« müffe darauf geachtet werden, daß den Umsturzgelüsteu eotgegengetreten werde. Wie uöthig die« sei, beweise da« fluchwürdige Ereigniß in den letzten Tagen. Deshalb sollten grade die Bürger immer mit Treue und vollem vertrauen zu seiner Person und Regierung halten. Der Kaiser sprach fodanu die freudige Genugthung qu«, fich auf die Märker unter allen Umständen vrrlaffen zu können. Nachdem der Kaiser noch dem Bürgermeister für seine Begrüßungsworte gedankt, begab er sich nach einer Anhöhe bei Güstrow, um daselbst den Verlauf der -eutigen Herbstwavöver der Garde zu beobachten. Berlin, 14. September, liebet die gesundheitlichen Verhältnisse von Ktautschou wird der „Berliner Wiffensch. Korrespondenz" von maßgebender Seite geschrieben: Ueber dre gesundheitlichen verhältoiffe in Ktautschou brachte da« «Hamb. F»emdeublatt" vom 3. dS. Ml«, einen Artikel, der durchau« unrichtige Anschauungen über unser Pachtgebiet zu erwecken geeignet ist. Au« einem im Sugustheft de« „Archivs stir Schiff«- und Tropenhygiene" veröffentlichten Brief de« Marine-Stabsar-teS Dr. Arimond aus Ktautschou find nämlich einige Stellen abgedruckt worden, die fich über die ungünstigen hygienischen verhältuiffe der 45 Kilometer von der Küste außerhalb unsere« Gebiete« liegenden, aber von uu« vor Abschluß de« vertrage« mit China zeitweise besetzten Stadt Ktautschou verbreiten und Malaria, Ruhr und Typhu« al« dort häufige Krankheiten bezeichnen. Das „Hamb. Fremden- blatt* spricht aber nur ganz im Allgemetneu von Ktautschou, so daß der Eindruck erweckt wird, als ob fich die Angaben auf unser Gebiet bezögen, wa« aber durchaus nicht der Fall ist, und worüber der Mariae-Stabsarzt Dr. Arimond nicht den geringsten Zweifel gelösten hat. Daß tu chtuesischen Städten wegen des unglaublichen Schmutzes Krankhetteu an- steckeader Art häufig stad, tst eine Thatsache, welche für die Chtneseustadt de« seit Jahrzehnten in englischem Befitz befind- licheu Hongkong und für Shanghai «tr seiner großen Fremden- Rirderlastung ebenso zutrifft, wie für die Stadt Kiautschou,- auch in den genannten Weltplätzen find Malaria, Ruhr und Typhu« zu Hause, und außerdem pflegt fich häufig genug auch die Cholera etuzustelleu, wozu fich ueuerdiug« tu Hoagkoug bekanntlich noch die Pest gesellt hat. von letzteren Krank- hetteu tst aber selbst in der Stadt Ktautschou nicht die Rede, während tu unserem Gebier bisher — abgesehen von einem leichten Fall von Wechselstrber — auch von den erstgeuanvten Krankheiten keine vorgekommeu ist. Wie in unsere« Gebiet die grsuudhettlicheu verhältuiffe liegen, ergeben nachstehende Sätze au« dem bezeichneten Brief des Marine-Stabsarzte« Dr. Artmond: Hier an der Küste liegen die verhältuiffe in gesundheitlicher Beziehung wesentlich günstiger. Der chtnefischen Mißwirthschaft, der Unsauberkeit und Gleichgiltigkeit tu hygienischen Dingen hat das letzte Stündlein geschlagen. Schon find die Aatänge einer hygienischen Verwaltung bemerkbar. Die Straßen werden regelmäßig gefegt, die Pfützen beseitigt, neue, sachgemäße Brunnen find im Bau (der Brief dattrt vom Mai, das Abfuhrwesen tst tu der Regelung begriffen, ein Krankenhaus für die einheimische Bevölkerung, wo Arme und mit ansteckenden Krankheiten Behaftete unentgeltliche Behandlung finden, fieht seiner Vollendung entgegen nsw. Soweit schon jetzt ein Urtheil erlaubt ist, so Ist die Hoffnung nicht unbegründet, daß hier, wenn nicht die bedeutendste, so doch gesundeste und schönste Stadt de« ganzen chtnefischen Osten« erstehen wtrd. Ja, tch glaube sogar, daß Dtrjenigen Recht behalten, die ihr wegen der ausgezeichneten Beschaffenheit de« hiesigen Strande« auch al« Badeort eine große Zukunft prophezeien, und daß über kurz oder lang die tropengeschwächte und erholungsbedürftige Menschheit Ostafieu« an der deutschen Küste Heilung und Erholung staden wird.* Da« klingt wesentlich anders, als der erwähnte Artikel de« „Hamb. Fremdenblatt«*. M P.C. Da« Interesse für die Bekämpfung der WohnungSnoth und damit im Zusammenhang für die Propaganda zur Herstellung billigerer uab besserer Wohn- ungeo für die minder woDlhabendeu Klaffen greift immer weiter um fich. In Straßburg E. hat fich bk „Sociale Bereinigung" der Sache augenowmru, e« extsttrt dort auch eine städtische Lommtsflou gegen nngesuade Wohnungen. Auch tu Straßburg besteht der Gegensatz von herrschaftlichen und hochherrschastlicheu Wohnungen, die mit wachsendem Loxu«, meist tu der Neustadt während der letzten betdeu Jahrzehnte hergestellt find, und auf der anderen Seite der offenbare Mangel au brauchbaren gesunden Wohnungen von ein bi« drei Zimmern im Innern der Stadt, wie fie verheirathete und unverhetrathete Arbeiter, kleine Handwerker, Beamte und Kaufleute brauchen. Der Ausweg, daß alle diese Leute veran- laßt werden sollen, außerhalb der Umwallung, tu den Vororten zu wohnen, wtrd al« ungangbar bezetchnet. Thatsache ist, daß trotz der großen Bauthätigkett extra muroa, trotzdem der Lebensunterhalt sich draußen billiger stellt, trotz der relativ hohen Preise, welche im Innern sür kleine oft uu- günstige und uusanbere Wohnungen gefordert werden, die Häuser, die zu Armenwohvuvgrn eingerichtet find, Überfüllt find und bleiben- fetten steht ein solche« problematische« Gelaß ! leer, und die Haoswirthe machen meist rin treffliche« Geschäft. Immer mehr einigt «au sich unter den uattonalöcooomiicheu Theoretikero darüber, daß, während ehemals die Hilfe vou StaatSwegeu erwartet wurde, der Haupttheil der Aufgabe jetzt und in Zukunft den Gemeinden und den Senoffenschaften zufalle. M.P.C. Nach derAuffaffung mancher Parteien marfchtrrn wir in Deutschland nicht an der Spitze, sondern ä la queue de la civiliaation. vom socialdemokratischen Standpunkt bedeutet die«, daß wir in der Arbeiterfürsorge hinter audereu Natioueu zurückgeblieben seien. Mit Vorliebe wird von demokratischer Seite auf England und Frankreich eremplificirt. Was hat aber Frankreich, was hat England auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorge Beffere« geleistet, al« Deutschland ? Die französischen und englischen «rbeiteruufall- gesetze reichen tu ihrer politischen Tragweite nicht entfernt an die der entsprechenden deutschen Gesetzgebung heran, Jnva- lideo- und Altersverficherungsgesetze aber find weder in Frankreich noch in England bi« jrtzt zu Stande gekommen. Man sollte aber nun mindesten« glauben, e« bestehe zumal in dem republikanischen Frankreich eine Milüärstrafproceßordnung, durch welche die Militärgesetzgebung der nicht repnblikanischen Staaten in den Schatten gestellt oder ad absurdum geführt ««de. Wa« ist nun in Wahrheit der Fall? Anläßlich der fortlaufenden DiSeusfion über den Proeeß Drehfu« stellt fich heran«, daß es bei dem französischen Militärgerichtsverfahren überhaupt an recht«verfiäadigru Elementen fehlt. Erst jetzt macht fich jenseits der Vogesen das verlangen nach rechts- kundigen Militärrichtern geltend, die bisher vollständig fehlten. Mehrere Abgeordnete hoben die Abficht, der Sammer eine vollständige Reform des Kriegsgericht« vorzuschlagen. Darnach sollen eigene Militärrichter geschaffen werden, wie e« eigene Militärärzte und Berwaltnog«offiziere giebr. Diese Richter, die Osfizierraug erhalten und eine besondere Hierarchie bilden I würden, sollen entweder auf dem Dege der «ewerbnng oder 1 au« einer militärischen Rechtsschule recrutrrt werden. Äbrtfle für Depeschen: Anzeiger Hißtzß«. Fernsprecher Nr. 61. — In neuerer Zeit tst in Deutschland die Frage aufgeworfen, ob e« fich nicht empfiehlt,Vorschriften über die Stärke der Bemannung der Schiffe zu erlaffeo. In England ist nämlich bestimmt worden, daß Dampfer von über 700 Tons außer dem Schiffer und den Offizieren mindesten« drei Deckleute haben müssen. In deutschen Schiff- fahrt-kreisen wtrd jedoch der Erlaß ähnlicher Vorschriften sür überflüssig gehalten, weil in Deutschland die See-Beruf«. genoffenschast besteht, diese jährlich den Bestand der Mannschaften für die einzelnen Schiffe feststellen läßt und selbst ein Jutereffe daran hat, daß die Schiffe keine zu geringe Besatzung haben. 8« ist denn auch, so wtrd halbamtlich geschrieben, nicht bekannt geworden, daß in der deutschen Rhederet Zustände vorliegen, welche ein vorgehen in dieser Richtung nothwendig wachen könnten. — ES verlautet, daß die preußische StaatSregierung im Landtage bestimmt in der nächsten Tagung da« ganze Projekt, die Verbindung vom Rhein bi« zur Elbe, zur Vorlage bringen wird. Die Entwürse seien seiner Zeit sorg- sältig vachgeprüft worden, und eS stehe außer Zweifel, daß technische Bedenken, insbesondere hinfichtlich der Wasserzuführung in keiner Richtung bestehen. — In Ktautschou steht, nachdem am Sedautage dort die Otffnuug de» Freihafen« verkündet ist, rin rascher Auf- schwuug von Handel und Verkehr zu erwarten. Mit der von kaufmännischer Seile dringend erwünschien Vergebung von Land zu gewerblichen Niederlassungen und Wohnhäusern wird noch in diesem Monate vorgegangen, da die GrundzÜge des Hasen- und Stadtbauplanr« nunmehr fest- geftelli find. Jozw,scheu hat die Marineverwaltung nicht nur aus technischem Gebiete, sondern auch ans dem der ver- waltuogs-Etnrichtuogen die vorkehrung-n getroffen, welche eine moderne kausmänuilche Niederlassung großen Stiie» erfordert. Bon besonderer Bedeutung ist für jede Haudels- colonte eine unbedingt zuverlässige, rasch arbeitende und dabei nicht engherzig-formalistische, sondern von lebendigen, kaufmännischen Anschauungen getragene Rechtspflege. Um eine solche zu sichern, tst da« kaiserliche Gericht in Ktautschou ähnlich wie die Consulargerichte aus einem Juristen als Vorsitzenden und zwei bezw. vier Latenbetfitzern zusammengesetzt. Letztere find, wie aus Ktautschou gemeldet wird, aus deu Kreisen der dortigen Kaufleute und Civilbeamtru bereits ernannt. Diese Laienrichter werden namentlich in handelsrechtlichen Streitigkriten durch ihre kenntniß der örtlichen Handel« Usancen werthvolle Dienste leisten. Ihre Mitwirkung entspricht zugleich, wie halbamtlich hinzugefügt wird, dem Grundsätze der Selbstverwaltung, welcher nach Adficht der Mariueverwaltung in Kiautschon auch in ollen anderen Zweigen de« öffentlichen Lebens in weitestem Maaße Platz greifen soll, sobald die nothwendige Anzahl angesehener kaufmännischer Elemente fich dort heimisch gemach» haben wird. — Titel der Postbeamten in Bayern. Bei deu bayerischeu Beamten des höheren Postdienstes soll demnächst eine Aenderung der Amtstitel vorgenommeu werden, und zwar sollen, entsprechend den Verhältnissen bei der Reich«- post, die Vorstände der Oberpostämter, bisherige Ober- Postmeister, die Bezeichnung Oberpostdirectoren erhalten, die Inspektoren der Oberpostämrer den Titel Postrath, die Boi- stände der Postämter 1. «lasse, bisher Postmeister betitelt, sollen Postdirectoren werden. Mit dieser Aenderung gehr auch die Umänderung der Oberpostämter in künftige Oder- postdirectionen Hand in Hand. Köln, 14. September. Nachdem gestern ein Begrüßung«- abend staitgefunden hatte, erfolgte heute vormittag 9 Uhr die Eröffnung der 23. Versammlung de« deutschen Verein« für öffentliche Gesundheitspflege. Anwesend waren etwa 280 Personen. In der Eröffnungsrede gedachte Ober- bürgermeister Fuß von Kiel der verstorbenen, namentlich de« Fürsten Bismarck und der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, deren Andenken die Versammlung durch Erheben vou den S'tzen ehrte. Sodanu wurde eine Resolution angenommen, die lautet: 1) Im Jotereffe der öffentlichen Gesundheit ist eine einheitliche Regelung der zur Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten erforderlichen Maßnahmen aus dem Wege der Reichsgesetzgebung dringend erwünscht- 2) hierbei ist die Ausficht über die Ausführung der erforderlichen Maßregeln nach den ordentlichen Polizeibehörden den zuständigen Beamten zu übertragen. AttsUrud. Paris, 15. September. Aussehen erregt die durch Busch erfolgte Veröffentlichung eines Theile« der Me- moiren Bismarcks im „Matin". Dal Blatt sagt, Bismarck fei in diesen Memoiren sehr wahrheitsgetreu geschildert, sodaß die Memoiren für alle Feinde BtSmarckS eine Genugthuung sein wüßten. In dem Vorwort sagt Busch, BiSmarck habe ihn selbst im Jahre 1879 ermächtigt, die Memoiren zu veröffentlichen und über ihn zu sagen, war er wiffe. Paris, 15. September. Der „Figaro" schreibt, der Krieg-minister hätte im letzten Mtnisterrath seinen College« eine klare und getreuliche Erklärung über die Zusammenstellung de- Dossiers gegeben. Die Mitglieder seien verblüfft gewesen, welche Schriftstücke sich in dem geheimen Dossier befunden hätten. Tin Proteststurm erhob sich, als die Mitglieder erfuhren, daß diese Schriftstücke authentisch seien. Genf. 14. September. Die Zeremonie der lieber* führung der Kaiserin Elisabeth zum Bahnhofe, welche in größter Ordnung stattgefunden hat, machte in ihrer Einfachheit tiefen Eindruck. Die ganze Bevölkerung hatte sich in großen Massen nicht allein in den Straßen angesammelt, welche der Leichenzug passiren mußte, sondern auch auf den benachbarten Plätzen und Stadtvierteln. Auf allen öffentlichen Gebäuden und zahlreichen Privathäusern waren Schweizer und Genfer Fahnen auf Halbmast gehißt. Alle Kaufläden wurden geschlossen. Den Bürgersteig entlang waren Taue gespannt, und auch der Platz Conavin in der Nähe des Bahnhofes war umzäunt. Die Haltung des Publikums war musterhaft. Die Kenner des Genfer Volkscharakters bezeugen, daß das Publikum weniger aus Neugierde, als von wahrhafter Sympathie für die unglückliche Kaiserin angezogen wurde. Feuerwehr, unterstützt von Hilfs- und Rettungsmannschaften, besorgten den Ordnungsdienst. Der Zug verließ das Hotel Beaurivage nach 8 Uhr. An der Spitze befand sich eine Abtbeilung Gendarmen in Gala unter dem Commando eines Capitäns. Ihnen folgte der Leichenwagen, mit vier Pferden bespannt, welche in schwarze Decken gehüllt waren, und schwarz-gelbe Federbüsche trugen. Der Wagen verschwand unter der Menge der Kränze. Inmitten von Blumen und Palmen bemerkte man an dem Sarge einen Kranz mit den bayerischen Farben weiß-blau. Dem Wagen mit der Leiche der Kaiserin folgten zwei Wagen, welche nur Kränze trugen. Darauf kamen die Hofstaaten der Kaiserin in sechs Wagen. Nach einer zweiten Abtheilung Gendarmerie folgten die Wagen des Bundesrathes und der Genfer Negierung mit Huissiers in Mänteln mit Bundes- und Cantonfarben auf dem Bock. Der Zug umfaßte 20 Wagen und bewegte sich langsam durch die schweigende Menge, welche ehrfurchtsvoll das Haupt entblößte. Der Platz um den Bahnhof war vollständig geräumt, die Durchgänge zu den Wartesälen standen offen. Die Durchfahrt zu dem inneren Wagensteig war in eine Art monumentaler Säulenhalle verwandelt, welche eine Trauerdecoration, umwunden mit österreichischen, Schweizer und Genfer Farben, zeigte; Wappen und kaiserliche Doppeladler waren zu beiden Seiten und oben angebracht. Innen befand sich der Wappenschild mit großem silbernen E auf schwarzem Grunde. Als der Wagen mit dem Sarge vor der Säulenhalle hielt, erwiesen Abteilungen der Gendarmerie und der Feuerwehr Ehrenbezeigungen. Die Hofstaaten der Kaiserin, alle in schwarzer Trauerkleidung, stellten sich am Eingang zur Durchfahrt nach dem Ge'.eise auf. Hier wurde der Sarg, den ein silberner, von der kaiserlicher Krone überragter Schild zierte, von den AbbLs Chavaz und Derippe empfangen. Langsam geleiteten sie die Bahre zum Zuge, ihnen schlossen sich die Hofstaaten der Kaiserin, die Mitglieder des Bundesrathes und der Cantonsregierung an; die Huissiers mit florumwundenen Stäben folgten; sonst war Niemand zugelassen. Der Sarg wurde in den Trauerwagen gehoben und viele von den ge- spendeten prachtvollen Kränzen auf ihm niedergelegt. Die übrigen Kränze wurden in dem folgenden Wagen aufgebahrt. Nachdem der amtirende Geistliche die Leiche nochmals eingesegnet hatte, nahmen die Hofstaaten der Kaiserin ganz allein in den weiteren Wagen Platz, und langsam und lautlos, ohne daß der Pfiff der Locomotive ertönte, setzte sich der Zug in Bewegung. Außerdem fuhren in dem Zuge nur ein Theil höheren Bahnpersonals d r Jura-Simplon-Gesell- schaft mit, an ihrer Spitze der Director Ruchonet. Auch die Aerzte nahmen nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, an der Fahrt Theil. Auf besonderen Wunsch von österreichischer Seite herrschte bei der ganzen Feierlichkeit die größte Einfachheit; Militär trat nicht in Action. — Uatexfudjungen der Genfer Polizei sollen ergeben haben, daß der Mordanfall gegen die Kaiserin Elisabeth keineswegs, wie Anfangs angenommen wurde, etn Werk de- internationalen Anarchismus war, sondern nur von einem kleinen Anarchistenclub in Lausanne auSgegangeu sei, dem Luccheni aogehörte. Bon diesen wahnwitzigen Leuten sei beschlossen worden, eine anarchistische Heldeothat durch die Ermordung einer hochstehenden Persönlichkeit auSzusühren. Zum Vollzüge diese- Beschlüsse- sei Luccheni gewählt worden. Dieser leidet offenbar an Größenwahn. — Procurator Navazza in Genf bemerkte: „Noch niemals in meiner Laufbahn ist mir em ähnlicher Verbrecher vorgekommen- er ist stolz auf seine That und hört nicht auf, »K j?eD' ba& u nicht auf- Schaffst kommen kann, smicht " ”af)xe Größenwahn de- Verbrecher-, der au- ihm Localer unfe provinzieller. Gietzen, 16. September 1898. _ c Laudesdeukmal für weiland Seine Königliche Hoheit Großherzog Ludwig IV. auf dem Paradeplatz za Darmstadt soll der Grundstein am 21. September Vormittags 11 Uhr, ohne besondere Feierlichkeit gelegt werden. Mau beabsichtigt unter Anderem, je eine Nnmmrr der in den fünf größeren Städten Heffen- erschelueadeu Tageszeitungen dem Grundstein einzuverleiben. ♦ * Ehreusäbel. Der Kaiser hat dem Hauptmann v. Hofmann vom Leibgarde Regiment in Darmstadt, al» dem besten Schützen de- 11. Armeeeorp-, bei dem unter den Osfiziereu der Armee abgehaltenen Katser-Prei--Schteßen einen Ehrensäbel verliehen. • • Meteor. Gestern Abend kurz nach Uhr ging am westlichen Himmel in südwestlicher Richtung ein hellglänzende- prächtige- Meteor nieder. — Au- unserem Leserkreise wird ua- darüber von einem Beobachter Folgende- mitgetheilt: Auf der großen Eisevbahnbrücke stehend, sah ich gestern Abend nach dem Personenbahnhof, al- tch durch einen plötzlichen tvtenstveu Lichtschein erschreckt wurde. Im ersten Augenblicke einen electrtscheu Scheinwerfer ver- mutheod, drehte ich mich um und sah am westlichen Himmel in südwestlicher Richtung au- bedeutender Höhe ein prachtvolle-, auffallend große- Meteor ntedergehen. ES zog einen roketeoähnltchen Schweif nach. Die Zeit war genau 9 Uhr 40 Minuten. • • Vierte Wagenklafse. Mit dem am 1. October in Kraft tretenden neuen Fahrplan kommen auf den sämmt- ltchen Linien der preußisch-hessischen Eisenbahn-Gemeinschaft (also auch auf denjenigen der ehemals Hessischen Ludwig»- bahn) Wagen vierter Klasse zur Einführung. ♦* Gedenkfeier. Am 21. l. Mtl. wird die Innere Mission in Wittenberg a. d. E. die Gedenkfeier ihre» 50jährigen Jubiläum- feiern, da au diesem Tage 50 Jahre seit der denkwürdigen Rede WtchernS auf dem Wittenberger Kirchentage verfloffen find, die den Grundstein für die- segen-reiche Werk christlicher Nächstenliebe legte. Der Ceotralau-schnß für Innere Mission tu Berlin hat zu der Feier an sämmtliche deutsche Kircheuregierungeu Einladungen ergehen laufen; baß hessische Oberconfistortum wird durch Herrn Oberconfistorialrath D. Walz vertreten sein. Festprediger und Festredner bet der Feier find: Abt D. Uhlhorn (Hannover), Generalsuperintendent Bieregge (Magdeburg), Generalsuperinteudent D. Hesekiel (Posen), Dtrector D. Wtchern (Hamburg) und Pastor Fltedoer (Kaiser-werth). — Die kirchliche Feier deS bedeutsamen Jubiläum- ist sür da- Groß« herzogthum Heffen sür nächsten Sonntag angeoibnet worden und wird dabet zugleich eine Collecte für die Innere Mission erhoben werden. •* Zu Amerika verstorbene Heffen. Ja Neu-Ham- bürg, Prov. Ontario, Georg K. Koch, 79 Jahre alt, andern Kreise AlSfeid. — In Ma-couthah, Jll., Conrad Lautenschläger, 65 Jahre alt, au- Spitzaltheim. — In Baltimore, Md., Johann Vetter au- Lindenfels. — Ja Brooklyn, N A., Georg H. Kahl au- Heffen- Darmstadt. — In Detroit, Mich., Anton Orlemann au- Alzey. ** Wetterbericht. Die im Norden befindliche Depression ist unter gleichzeitiger ganz bedeutender Zunahme ihrer Tiefe auf östlicher Bahn bi- zum Weißen Meere fortgeschritten. Sie verursacht stellenweise über Scandinavieu schwere Ost- stürme. Hebet dem Couttnent dauert dagegen die Herrschaft de- barometrischen Maximums an und hat dasselbe au Intensität noch gewonnen. Die Witterung ist dementsprechend meist heiter. Nur Morgen- treten vielfach Nebel auf. — Voraussichtliche Witterung: Abgesehen von Morgennebeln heitere-, warme- Wetter. Butzbach, 15. September. Heute Vormittag fand auf dem hiesigen Rathhau- für den Bezirk Butzbach die Vertreter- Wahl zu der demnächst zu errichtenden Handel-kammer für die Stadt und den Kret- Friedberg statt. Hierzu wahlberechtigt waren au- dem ganzen Wahlbezirk, der die Orte Butzbach, Gambach, Griedel, Nteder-Weisel, Opper-hofen, Pohlgön- und Trai--Münzenberg umfaßt, 71 Herren. Von diesen machten 41 von ihrem Wahlrechte Gebrauch. Gewählt wurden Herr Herrn. Küchel mit 24 Stimmen uud Herr Bürgermeister W. Joutz mit 22 Stimmen. X Aul der Bettenm, 15. September. Wer sich ein richtige- Bild von dem diesjährigen Erntesegeu machen will, der muß nach Berstadt gehen. Sitzen auch sonst in den Gemarkungen der Wetterau die Stroh- und Getreide- baufeu zahlreicher wie sonst, so thürmen sie sich doch bei Berstadt in einer solchen Menge und Höhe auf, daß sie geradezu Bewunderung erregen. Haufen an Haufen in Häusergröße reihen sie sich hier aneinander und bilden eine große Strohstadt. Bei ihrem Anblick konnten wir den Ein- druck einer großen Gefahr, die diese- Riesenmagazin von Stroh bet einem Brande immerhin bilden könnte, nicht von un- weisen. Die größte Vorsicht namentlich in Bezug von Kindern, welche solche Strohhaufen nicht selten zu ihren berüchtigten Feuerchen reizen, ist gewiß am Platze. § Aus dem Ohmthal. 15. September. Die Grummeternte neigt ihrem Ende zu. Sowohl in Güte, all auch in Menge ist sie gleich der Heuernte al- vortrefflich zu bezeichnen. Dal überau- schöne, heiße Septemberwetter erleichterte und beförderte da- Grummetmachen ungemein. Solch hohe Grummetwageu, wie io diesem Jahre, sieht man selten in die Scheune fahren, und es nimmt dies umsomehr Wunder, al- auch die vorau-gegangene Heuernte eine ganz ausgezeichnete gewesen ist. Dazu ein noch nie dagewesener Strohvorrath, so blickt der Landmann auf einen Futtersegen zurück, wie er ihn feit Menschengedenken nicht gehabt. Unwillkürlich tritt bei diesem segensreichen Jahrgang da» Nothstaud-jahr in die Erinnerung. Wie sah es doch damals vor 5 Jahren in dieser Beziehung so traurig aus! Bon Futtervorrath konnte keine Rede sein, dagegen herrschte der größte Futtermangel überall. Da- wenig vorhandene Heu war rasch verfüttert und nicht der geringste Nachwuch- vorhanden. Da» Vieh wurde in die Wälder getrieben, um el nur am Leben zu erhalten, jede grüne Gra-spitze wurde mit größter Emsigkeit gesucht. Die Biehpreise sanken auf eine feit Jahrzehnten nicht dagewesene niedrige Stufe, überall begann man den Viehstand zu rednziren, indem man da- Vieh schlachtete und zu Spottpreisen da- Fleisch verkaufte. An den Wunden, die da- Nothstaud-jahr dem Landwirth geschlagen, krankte mancher noch bil heute. Der diesjährige überaus segensreiche Jahrgang wird sie hoffentlich heilen. ][ Lauterbach. 15. September. Die hiesige Israelitische Gemernde hat sich laut eingegangener Kreilamtlicher Verfügung dem Großherzogltchen Provinzialrabbtner Dr. Hirschfeld in Gießen unterstellt. W. Aus Oberheffen, 15. September. Die BezirkS- thi er schau, die* am 22. d. M. in Büdingen abgehalten werden wird, scheint nach den bi- jetzt eingelanfenen Anmeldungen sehr zahlreich beschickt zu werden. AIS Ausstellung»- platz ist der Raum an der Saline gewählt. — InStaden warf gestern beim Grummetabladev ein Knecht eine Heugabel vom Wagen und traf dabei einen anderen Knecht, dem der Unterarm kurz Über dem Handgelenk durchstochen wurde. Glücklicherweise war keine Ader getroffen. Die Wunde ist immerhin bedenklich. — Durch da- Nidda und Ntdderthal sieht mau schon die ganze Zeit über wöchentlich Planwagen fahren, die mit Gurken beladen find. Diese werden in Frankfurt gekauft und int Bogel-berg und der Rhön ad- gesetzt. In den beiden Thäleru, in denen die Gurkenzucht aber noch sehr schwach entwickelt ist, nehmen sie noch mit, wa- sie erhalten und laden können. Die Leute waren mit dem Ertrag und Erlö- recht zufrieden. E» werden hier mehr Salat- als Einmachgurken gezogen. AnSgebreiteter al- die Gurkenzucht ist in den genannten Gegenden, wenigsten» in einzelnen Orten, die Zwiebelzucht. Der Handel in diesem Artikel ist eben sehr lebhaft. Für den Centner werden 3 Mk. 50 Pfg. bezahlt. Zwiebeln und Gurken werden meisten» in kleinen Wirtschaften gezogen, wo man noch mit den eigenen Kräften die Arbeiten, die namentlich bet der Zwiebelzucht durch da» viele, aber unentbehrliche Jäten, sehr zeitraubend sind, thun kann. Landwirthe mit großem Besitz können sich damit nicht abgeben, weil ihnen die Arbeitskräfte fehlen. □ Darmstadt, 15. September. Bon dem Museuml- Nend au ist der eine, den Hof umrahmende Theil, der al» Putzbau ausgeführt wird, bereits über den zweiten Stock hinaus gediehen. Im September und October beherbergt die Kunsthalle die Ausstellung der neu gegründeten „Vereinigung Darmstädter Künstler". Der Kuustverein kommt dem Unternehmen in jeder Weise entgegen. Es find dies die Darmstädter „Secesfionisten", wenigsten» wird, dem Namen der betheiltgteu Künstler nach zu urtheilen, die „moderne" Kunst in allererster Linie vertreten sein. Alls ter Seit für feie Seit Vor 267 Jahren, am 17. September 1631, kam es bei Breitenfe 1 d, unweit Leipzig zu einer blutigen Schlacht, in welcher Gustav Adolf über die Kaiserlichen unter Tilly siegte. Tilly, der selbst in Lebensgefahr schwebte, verlor 7000 seiner tapfersten Streiter und mußte eilig nach dem Süden ziehen, indes Gustav Adolf, dem nunmehr ganz Deutschland offen stand, sich dem Main zuwandte. Permif^üf« ♦ Der Aerztestrike in Remscheid hat mit einer Niederlage der Aerzte geendet. Die Ortskrankenkasse hat sieben Aerzte von au-wärt- herangezogen, die mit einem festen JahreSgehalt von 6000 Mk. angestellt find und keine Privatpraxis ausüben dürfen. Da die Krankeukaffe die halbe Bevölkerung umfaßt, ist den Aerzten in Remscheid ein schwerer Nachtheil zugesügt worden, dessen wirthschaftliche Bedeutung noch nicht abzusehen ist. * Da- „I. W. E." erzählt einige Geschichten vom Vater der Kaiserin Elisabeth. Bekanntlich liebte e-Herzog Maximilian, der ein au-gezeichneter Zitherspieler war, in einem unscheinbaren Anzuge bald in diesem, bald in jenem Gasthause einzukehren und dort die Gäste durch Borträge auf der Z'ther, seiner steten treuen Begleiterin, zu unterhalten. In den fünfziger Jahren nun befand sich Herzog Maximilian einmal in Augsburg und kam eines schönen Tage- ia einem grauen, schlichten Anzuge inS sogenannte Bettelhau-1 am Schwibbogenthor. Seiner Gewohnheit getreu, zog er auch bald seine Zither hervor und begann, von Niemanden erkannt, zu spielen. Einige in dem genannten Gasthause anwesende Flößer waren durch da- Spiel so erfreut, daß sie zu dem Zitherspieler gingen und ihn aufforderten, gegen Vergütung einen „Landler" aufzuipielen. Bereiiwtlligst erklärte sich dieser hierzu bereit. Bald herrschte unter der Gesellschaft die größte Heiterkeit- ein Landler, ein Schnadahüpfel folgte dem anderen, die Groschen, Sechser, Zwanziger u. s. w. gingen reichlich ein — aber der Zitherspieler in der nuscheln- baten Kleidung ließ sich ein in gar keinem Verhäliniß zu den Mitteln eine- gewöhnlichen Manne» au- dem Volke stehende» Mtttagmahl vorsetzen. Dies machte die Kellnerin stotzig und e» stieg in ihr der Verdacht auf, der zweifelhaft gekleidete Gast könnte am Ende, ohne do- theure Mahl bezahlt zu haben, au» der Wirthschaft — verschwinden. Auch die Wirthin, der sie ihre Vermuthung mittheilte, hielt Vorsicht für geboten. Als die Unterhaltung im besten Gange war, trat ein Corporal vom 4. Chevauleger-Regiment in da» Zimmer. Dieser, den hohen Gast erkennend, machte stramm seine vorgeschriebene Ehrenbezeigung, den Herzog in große Verlegenheit bringend, der so sein scherzhaftes Inkognito plötzlich gelüftet sah. Er warf nun zur großen Befriedigung und Beruhigung der Kellnerin einen Kronenthaler auf den Tisch und verließ eiligst da» Gasthau». Die Gäste aber blieben fitzen und — schauten einander verwundert an. . . . Einst reiste der Herzog zu seiner Tochter nach Wien. In dem Abtheil, das er benutzte, befand fich auch ein hervorragender Frankfurter Bankier. Dieser, der seinen Reisegefährten nicht kannte, begann etn Gespräch mit dem Herzoge, in dessen Verlauf er mit einigem Stolze erzählte, er reise nach Wien zu seiner Tochter, die dort an einen der ersten Bankier verhetrathet sei. „So?" — meinte Herzog Max in harmlosestem Tone — „da» trifft sich ja ganz merkwürdig. Ich habe auch eine Tochter tn Wien, die recht gut verhetrathet ist." — „Wer ist der Manu Ihrer Tochter, wem, ich fragen barf?* fragte der Frankfurter Bankier etwa» herablosiend — und wieder im harmlosesten Tone ent,eanete Herzog Mar: „Der Kaiser von Oesterreich Mrchttche Anzeigen -er Statt Gietzen. Evan-elisch e •«■etile. Sonntag den 18. Sevtember. 15. Sonntag nach Trinitatis. Feier de» 80 jährigen Jubiläum» der Inneren Mission« Gottesdienst. In der Stadttirche. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Verpflichtung der neu gewählten ttirchenvorsteher der Marcusgemeinde Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MarcuSgemeinde. Pfarrer Dr. Grein. In der Johannebkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich Anführung der neu angestellten 2 Kirchengemeindeschwestern der JohanneSgemeinde. Vormittags 9^ Uhr: Pfarrer Euler. Beichte und heil. Abendmahl für die Lucas- und Johannes- gemeinde. Anmeldungen vorher bei den Pfarrern erbeten. Vormittags 11«/« Uhr: KindergotteSdrenst für dieLucaSgemeinde. Pfarrer Euler. Nach allen Gottesdiensten wird eine Collecte erhoben für die Innere Mission. KattzrNfche •eseiile. SamStag den 17. September. Nachmittags um 4 Uhr und AbendS um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag den 18. September. 16. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6*/i Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. , um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austheilung der heil. Kommunion. , um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe; Militärgottesdienst mit Predigt. , um 9i/t Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf sacramentalische Bruderschaftsandacht. Neueste Nachrichten. Depesche» bei Bureau „Herold*. Berlin, 16. September. Die „Natioualzettuug* schreibt: Auf die russische Abrüstungsuote haben dem Vernehmen nach die Regierungen der Dreibnndmächte überein» stimmend in dem Sinne geantwortet, daß fie zur Theilnahme an der vorgeschlageoen Tonfereoz bereit seien, wobei die allseitige Aufrechterhaltung de» gegenwärtigen iuteruationaleo Besitzstandes als felbstverställdlicheVoronSsetzung gelte. England soll diese Voravssetzuvgen wohl im Hinblick auf den Orient dahin erweitert haben, daß über keine schwebende internationale Frage verhandelt werden dürfe, sondern nur über die humanitäre Seite der Beschränkung der Rüstungen. Die Brr- einigten Staaten scheinen sich aus Gründen, die sich auS ihrer neuesten Politik ergeben, noch bestimmter im Sinne England» au»gedrückt zu haben. Wie Frankreich seine Stellung genommen bat zwischen der Erklärung der Presse de» Landes, daß die Rückgabe Elsaß-Lothringen» die Vorbedingung sein müsse und de» Wunsche, auf die russische Einladung eine möglichst ent« gegenkowmende Antwort zu ertheileu, darüber hat nicht» Bestimmte» verlautet. Berlin, 16. September. Nach einer Blätterweldung au» Pari» wurden in dem deutschen Marktorte Bourhbruche zwei in Sivil gekleidete Soldaten vom 10. Jägerbataillon, dessen Garnison Saint Dio ist, verhaftet und nach Schirmeck im Kreise Molßheim gebracht. t Wien, 16. September. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe traf heute al» Vertreter der deutschen Reichs- regieruvg hier ein, cm den Beisetzungsfeierlichkeitea bei- znwohnen. Wien, 16. September. Der Sonderzug mit der Leiche der Kaiserin traf gestern Abend Punkt 10 Uhr auf dem Westbahnhofe ein. Lakaien hoben unter dem Salut der Ehren-Compagnie den Sarg au» dem Waggon und trugen ihn nach einer provisorisch errichteten Capelle, wo der Hofpfarrer die erste Einsegnung vornahm. Während de» Ab- singens des Miserere weinte die Gräfin Sztarsy bitterlich. Das Ceremoniell dauerte 10 Minuten, worauf sich der Zug in Bewegung setzte. Der Sarg befand sich auf einem nut sechs Rappen bespannten Wagen. Die Maria-Hilfsstraße bot einen unvergleichlichen Anblick dar. Der Zug bewegte sich zwischen zwei dichten Menschenwänden. Alle Fenster und Balkone waren dicht besetzt. Eine andachtsvolle Stille . herrschte überall. Nach 11 Uhr erreichte die Spitze des Zuges das Aeußere des Burgthores. In der Hofburg an- I gcl(in0t, wurde der Sarg in die Hofburg Capelle getragen. Dort hatten sich der Kaiser und die nächsten Leidtragenden emgefunden, um der nochmaligen Einsegnung der Leiche beizuwohnen. Nach der Uebergabe der Sargschlüssel an den ersten Oberhofmeister wurde dann die Capelle geschlossen. Meran. 16. Scptember. Hier wurden eine italienische Ehrerin unb ein italienischer Arbeiter wegen Verdacht» b » Hochverrat-» verhaftet. -R®®' 16* September. Die Masseuverhaftungen hier und in ber Provinz bauern fort. Gestern wurden 350 Verhaftungen vorgenommen. E» gewinnt immer mehr den Anschein, als wenn Luccheni da» Werkzeug eine» we verzweigten Anarchisten-Comploti» war, welche» in Mailand und Rom seine Ausgangspunkte hat. Pari», 16. September. Hier wurde gestern da» Ve- rücht von der Demission de» Präsidenten Faure von mehreren vom Manöoerfelde »urückkehrenden Personen verbreitet, jedoch hinzugefügt, daß Petersburger Diplomaten bereit» erfolgreich thätig seien, die Demission rückgängig zu machen. Ernster scheinen die Verhältnisse wegen Krein. Rußland scheint ernstlich gewillt zu sein, in kürzester Zeit den Prinzen Georg gewaltsam al» Gouverneur etozvsetzru. Pari», 16. September. Präsident Faure bemüht sich, die bezüglich seiner Ansicht über die Frage der Revision de» Dreysus-Procefle» au-gestreuten Meldungen Lügen zu strafen und läßt durch seine Freunde erklären, daß er unter keinen Umständen au» der verfassungsmäßigen Neutralität herauStreten werde und den Ministern vielmehr volle Freiheit in der RevifionSfrage lasse. Pari», 16. September. B!» jetzt find ungefähr 22000 Erdarbeiter und Maurer ausständig. Alle Arbeiten für die AuSstellungSgebäude, für die neue Eisenbahn- linie und für die Unterirdische Stadtbahn find unterbrochen. Unruhen find nicht zu befürchten, da die Arbeiter nur Lohnerhöhungen fordern. Pari», 16. September. Brisson erklärte gestern, er werde sich unter keinen Umständen zurückziehen, so lange die Revision nicht beschlossen sei. Selbst wenn alle seine Collcgen ihn verlassen würden, werde er auf seinem Posten bleiben und das Werk der Gerechtigkeit vollenden. Verloosung Hroßfierzogl. Kesssscher Staaisschufdverschreiöungen für 1898/99. 5n Gemäßheit by* bestehenden gesetzlichen Bestimmungen find folgende Staatsschuldverschreibungen auf den 31. December 1898 zur Rück- Zahlung berufen worden: Die vrrlooüeo 4 prorrntigrn Stalllslkuteo-Odligatiollkin a) vou 1879; £it A Nr. 1827 b 6 1832 | je 1000 Ms , b) voa 1881: Nr. 223 bis 225 ] ", 265 ", 267 Uber je 2000 Mk„ , 433 „ 435 „ 751 „ 756 „ 919 „ 924 über je 1000 Mk., „ 1435 „ 1440 ,, 2387 „ 2398 über je 500 Mk. Wir setzen die Inhaber dieser Staatsschuldverschreibungen hiervon mit der Aufforderung in Kenntniß, die Nominalbeträge derselben zwischen dem 22. und 81. December 1898 gegen Rückgabe der Obligationen unb der zugehörigen nicht mehr zahlbaren Zinscoupons und Talons bei (tzroßherzoglicher Hauptftaatscasfe dahier oder für derenjRechnung bei dem Baukhause M. A. vou Rothschild & Löhne zu Frankfurt a. M. um so gewisser zu erheben, als dieselben in Gemäßheit des Artikels 3 des Gesetzes vom 16 Juli 1833 vom 1. Januar 1899 an nicht mehr verzinst werden und infolge davon die nach dem Rück Zahlungstermin noch eingelöst werdenden Zinscoupons von den bereits ver- loosten Obligationen an dem Capitalbetrag dieser Obligationen selbst in Abzug gebracht werden. Bon den bereits früher verloosten unb gekünbigten Grotzherzog- lich Hessischen Ltaatsschuldverschreibuugeu sind noch rückständig: 1. Nou brn 312 pro rntigen ZtaatsSraßkirbau-Wiglltiollkv: Aus der Berloosung pro 1. Januar 1879: Lit. A Nr. 1483 unb 1519 oom 1. April 1838 über je 100 fl. 2. Non brn 4 prorrntigrn älteren 8ifenbnljn=@bligntianrn: Aus der Kündigung pro 1. Juui 1880: Nr. 9091 vom 1. Juli 1846 über 500 fl. 3. Ihm hm 4pmmtigm Ztaatsrmtrn-Nbliglitionm von 1879: Aus der Verloosung pro 1. Januar 1898: Lit A Nr 2271 bis 2276 über je 1000 Mk. 4. |lon hm 4prormtigm KtMsrmtm-Migatmm von 1881: Aus der Verloosung pro 1. Januar 1898: Nr. 321 über 2000 Mk, Nr. 2623 über 500 Mk. 5. Nou ben 4prorcntigrn fanbeslnltnrrenten-Nbligntionen non 1880: Aus der Verloosung pro 1. April 1898: Nr. 607, 609, 610, 633, 634, 637, 671 über je 1000 Mk. 7 1174, 1196 über je 500 Mk. „ 1604, 1606, 1611, 1615 bis 1617, 1619, 1639 bis 1643. 1649 bis 1656 über je 200 Mk. Wegen bet auf 30. September b. I. burch Verloosung zur Rückzahlung berufenen 4 procentigen Lanbesculturrenten-Obligationen von 1880 wirb auf ble bezügliche Bekanntmachung vom 21. März b. I. verwiesen. Außerdem sind mit Zahlungssperre belegt worden: 1. bte 3l/aprocentige Schulbverschreibung der Nebenbahn-Anleihe vom 24. Juni 1893, Serie I Nr. 2883 über 500 Mk. nebst zugehörigen Linsscheinen vom 1. April 1895 an und Zinsscheinanweisung; 2. die 3!/tProcentige, früher 4procentige Eisenbahn-Obligation vorn 1. Juni 1876 Nr. 19223 über 500 Mk. nebst Zinsscheinen und Zinsscheinanweisung; 3. die 3 procentige Schuldverschreibung der Staatsanleihe vom 3. October 1896, Serie 1855 Nr. 38706 über 1000 Mk. nebst Zinsscheinen und Zinsscheinanweisung; 4. von dem gleichen Anlehen die Stücke Serie 3197 Nr. 155381, 155382, 155385 und Serie 3250 Nr. 166084 über je 300 Mk., Serie 3319 Nr. 183423 bis 183426 über je 200 Mk. nebst Zins- scheinen unb Zinsscheinanweisungen; 5. bie 31/, procentigen, früher 4 procentigen Eisenbahn-Obligationen vom 1. Juni 1876 Nr. 77855, 77856 und 83341 über je 200 Mk. nebst Zinsscheinen und Zinsscheinanweisungen. Darmstadt, den 30. August 1898. Großherzoglich Hesßsche Ztaatsschul-tuverValtullg. I. B: Dtichell. Knorr. Vlölliuger. Sänger-Mreinigung. Lamstag, den 17. September 1898, Abends 8‘/2 Uhr: Mammukilnfl auf geitore Terrasse (Hardt) 9188 Mssniltmchittlgeil Bekanntmachung. Forderungen an den unter der RechtSwohlthat des Inventar« ange- tretenen Nachlaß des Kaufmanns Liebmann Katz zu Gießen find bei Meidung der Nichtberücksichtigung binnen einer Woche bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden. Gießen, 15. September 1898. Großh. Amtsgericht. _______Langermann. 9179 Arbeitsvergebung. Die zur Herstellung eine« Pump- brunnens erforderlichen Arbeiten mit Materiallieferungen sollen Dienstag den 20. l. Mts., Nach». 5 Uhr, auf dem Gemeinde Hause zu Wieseck in Accord gegeben werden: veranschl. zu Brunnenmacherarbeiten 717.—Mk. Zimmerarbeiten 30.— „ Steinbauerarbeiten 70.92 „ Schlofferarbeiten 27.50 „ Pumvenmacherarbeiten 123.50 w Pflasterarbeiten 66.60 „ Gießen, 15. September 1898. Der Kreis-Straßenmeister: Senßf elder. 9167 Trockener, großer Lagerraum in der Babnhosflraße oder deren Nähe gesucht. Offerten unter Nr. 9192 an die Expedition d. Bl. Ca. 1000 kg altes Pfanneublech und Schmiedeeisen, ca. 1500 kg alte Roststäbe und Lfenguß, ecu 10000 kg alter Röhren- p.p. Guß, sollen verkauft werden. Die Bedingungen liegen auf unserem Amtszimmer während der Dienftslunden zur Einsicht offen. Angebote sind längstens bis zum 29. d. Mts., Vormitt. 11'/, Uhr, verschlossen und mit der Aufschrift „Metall' bei uns einzureichen. 9180 Zuschlagsfrift 4 Wochen. Bad Nauheim, 15. September 1898. Großherzogliches Salinen- und Bergamt Bad Nauheim. EnipfklflUMN Prima neue» Sauerkraut ä Pfd. 10 Pfg. empfiehlt 9165 Adolf Leuhard, Frankfurterstr Prima frankfurter Würstchen, neue Linsen, Bohnen und Crbsen frisch eingetroffen bei 8966 A. & G. Wallenfels, Markt 21.Telephon 46. llmnietljmmen. 9187] Eine schöne Wohnung im 3. Stock von 4 Zimmern ist per 1. Nov., eventl. auch früher, sehr preiswertb zu vermiethen._______«aplansgasse 21. 9191] Schöne Parterrewohnung, vier Zimmer mü Zubehör und Gartenantheil, zu vermiethen. Bahnhofstr. 60. 8746] Eine kleine Familienwohnung (3 Zimmer, Küche und Zubehör) nur an ruhige Leute per 1. October zu verm. __Schillerftratze 27. 9196] Ein Logis, sowie ein möblitte» Zimmer zu Perm. Brandgasse 7. 9117] Wohnung für Einjährige, in nächster Nähe der Kaserne, in .Stadt Lich"; dortselbst eine kleine Wohnung zu vermiethen.__________________________ 9198] Schöne Wohnung, 2 Zmimer im 1. Stock nebst Zubehör, zu vermiethen. Bahnhofstraße 59. Wietgeiuche 9084] Zwei hübsch möbhrte Zimmer (Wohn- und Schlafzimmer) werden in der Nähe der Lubwigstraße ober Südanlage von einem Herrn gesucht. Offert, unter Nr. 9084 an die Exp. d. Bl.___________ 9178] 8 Zimmer, möblirt ober un- möblirt in ber Bahnhofstraße ober Umgegend per 1. Dec. von einem einzelnen Herrn gesucht. Offert, unter Nr. 9178 an die Exped. d. Bl. Offene Stellen Lin tnchtiykr (Commis mit schöner Handschrift, flotter Cvrre- fponbent, der selbständig arbeiten kann, wird van einem hiesigen, größeren Fabrik- geschäste per sofort gesucht. Offerten mit Angabe seitheriger Thälig- keit, kurzem Lebenslauf und Gehaltsan- fprücben unter Nr. 9186 an die Exped. ds. Blattes erbeten.__ 9164] Einen tüchtigen Sattler und Tapezier für dauernd sucht ______________«a»p. Koch, Alsfeld. 5 tüchtige Dachdeckergefellen, welche selbständig arbeiten können, finden bei hohem Lohn — 13 Mark pro Woche, Kost u. Logis — sofortige Beschäftigung. Fritz Serzhäuscr, Dachdeckergeschäft, 9177_______Marburg a. 2.________ Tüchtiger Pferdeknecht sofort gesucht. 9163 Earl Schleenbecker, Krofdorf. Hüchtige Knechte und Kutscher, Melker, Kleinknechte. Dienst- jungen rc., ausgewählte deutsckrebende Leute, vermittelt in Jahreslohn feit über zwanzig Jahren unter günstigen Beding, ungen überall hin Riebenstahl, 23er(in, Große Hamburgerstr. 16. 1W* Provisionsfreier Ersatz bei etwa frühzeitigem Abgang. Zahlreiche Anerkennungen. — Näh, kostenfrei auf gefl. Anfrage [9169 Junges Bürschchen gegen guten Lohn, für leichte Arbeit gesucht. [9199 _____________Bahnhofstraße 59. wird zum 1. October V/vfWWJ» ein braves Mädchen für Küche und Haus. Mit guten Zeugnissen versehene Mädchen wollen sich melden 8865 Marburgerstraße 14. Hroße Sendungen Kotzbrand- und Kerb schnitz fach en sind angekommen. Heinrich Noll, Wäusöurg 7 9200 9185 I. V.: Georgi. Familie Karl Freitag, Wolkengaffe. X Meinen Kunden und Gönnern ein recht 9201 9176 8944 Gabelsberger Btenographen-Verein Südanlage 17, pari. 9194 9173 in Watzenborn-Steinberg Der Vorstand. laden ergebenst ein mann) bei. Der Vorstand. 9168 Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Uerlag ocr Brühl'schen UniverfttätS«Buch> und Stemdruckerci (Pietsch Erben) in Gießen. verkaufen verschiedenes Verloren Vereine. innigsten Dank 9190 K K k 9195 W Ferber'sche Buchhandlung, Seltersweg 87. 9174 jederzeit Gottes Hilfe und Segen sein! Gießen, am 9. September 1898. Der Kirchenvorstand der Johannesgemeinde. Dr. Naumann. Albach. E. Schmall. Dr. Steinbrügge. H. Vogt. Weeg. L. Wolff. Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt der Jahres-Prerscourant lb98/99 des Ersten BerfaudtTpeeialgefchäftes von Gebrüder I. & P Schulhoff in München, Tbal 71, bei.9171 All die Mitglieder der IohannkSgeumnde bete. Kirchliche Armen- und KkanKkupstegr. Mit Bezug auf unsere letzte Bekanntmachung, betr. Anstellung von tesonderen Kirchengememdeschwestern. haben wir heute der Gemeinde nach« olgende Mittheilung zu macken. Das Diaconissenhaus in Darmstadt batte uns die Ueberlaffung von Schwestern fest zugesagt und eine Schwester für Juli, eine zweite für den Herbst in Aussicht gestellt, allerdings^gleich unter Hinweis auf den großen Mangel an geübten Schwestern. Später theilte uns die Oberin des Hauses mit, daß es ihr wegen völligen Mangels an Schwestern unmöglich geworden sei, noch in diesem Jahre auch nur eine Diaconiffe zu senden; höchstens könne sie hoffen, bis Ostern nächsten Jahres „helfen zu können". Unter diesen Umständen mußten wir uns an eine andere Anstalt wenden. Das Diaconiffenhaus in Bern sagte uns ür den Herbst dieses Jahres die Sendung von zwei Schwestern zu. Ehe wir aber den Vertrag abschloffen, machten wir nochmals Mittheilung nach Darmstadt, weil wir mit dem dortigen Diaconiffenhause jedenfalls im besten Einvernehmen bleiben wollten. Die Frau Oberin antwortete aufs reundlichste, sie erklärte, wie es ihr schmerzlich, aber nicht zu ändern sei, daß nun doch andere Schwestern in Gießen einziehen würden, und sie sagte zuletzt: „Ich brauche wohl kaum hinzuzusügen, daß uns dieses sehr schwer ist, aber es wird dann wohl so Gottes Wille sein, und ich hoffe nur zum Wohl und zum Segen der Gemeinde in Gießen!" Das Gleiche empfanden auch wir, als wir nunmehr mit Bern den nöthigen Vertrag- abschloffen. Die Berner Diaconiffen sind in Deutschland durchaus nicht unbekannt; eine große Zahl derselben ist thätig hauptsächlich in Heffen-Naffau, in Ems, Biedenkopf, Gladenbach, Battenberg, Schlangenbad u. s. w. In unserem Hessen-Darmstadt sind bis jetzt nur zwei derselben, seit 1897, angestellt, nämlich zu Gimbsheim (Rheinheffen), wohin der dortige Decan sie berief; auch deshalb, weil Darmstadt die erbetene Schwester ihm nicht geben konnte. Die Berner Diaconiffen genießen überall wegen ihrer Tüchtigkeit und Willigkeit in allen Berufsarbeiten die höchste Anerkennung,- das Diaconiffenhaus Vern ist zudem mit dem Darmstädter Haus sehr befreundet. Mit dem Vorstand des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege dahier haben wir bereits vor mehreren Wochen in gemeinsamer Sitzung eine freundschaftliche Vereinbarung getroffen, durch die ein friedliches Nebeneinanderarbeiten der beiderseitigen Schwestern gesichert ist. Nächster Tage werden nun, so Gott will, zwei Berner Diaconiffen als Kirchenschweftern der Johannesgemeinde, zur Mithilfe in unserer kirchlichen Armen- und Krankenpflege hier einziehen; sie werden in der Mansarde-Wohnung der Kleinkinderschule, Diezstraße 15, ihren Sitz haben. Die zwei neuen Diaconiffen sollen am Sonntag, den 18. September, in dem Frühgottesdienst um 8 Uhr, in der Johanneskirche kirchlich eingeführt werden, und dann am Montag, dem 19. September, in Gottes Namen ihr Werk beginnen. Unsere Gemeinde bitten wir herzlich, die neuen Kirchengemeindeschwestern freundlich und liebevoll aufzunehmen und in eintretenden Nothfällen ihren Liebesdienst zu beanspruchen; auch sie sollen mit dazu thätig sein, daß dem viel beklagten Mangel an Diaconiffen in unserer Stadt abgeholfen werde. Mit herzlichem Dank für alle Liebe und Unterstützung, die uns für unser Werk bis jetzt, besonders wohlthuend auch in den letzten Zeiten, zu Theil geworden ist, bitten wir um unserer Armen und Kranken Willen auch ferner nm solche Liebe und freundliches Wohlwollen. Wir sind natürlich hierauf angewiesen; allein eine Last, wie Manche schon gemeint haben, wird unser Werk für die Johannesgemeinde nicht werden, denn Hilfe und Theilnahme wird nur als völlig freiwillige begehrt, nur als Ausdruck und Gabe der Liebe; und unser freudigstes Vertrauen soll Meiner werthen Kundschaft, sowie Bekannten Herzliche Gratulation Ein Fahrrad ^Verkauf. 9197 Marktstraße 23. Wieseck. Unserem lieben Freunde Um 9189 Danksagung. Für die^ herzliche Theilnahme und die vielen Blumenspenden sagt Für das Grotzherzogthum Hessen wird ein tüchtiger 8641 Reise-Jnspector von alter leistungsfähiger Lebens" vers.-Ges. gesucht. Anfangsgehalt 150 Mk. (steigend bis 300 Mk.), 8 bis 10 Mk. Spesen und Prov., bei guten Leistungen Aussicht auf Anstellung als Oberinspektor bezw. Generalagent. Off. an Haasen- ftein & Bögler, A.-G., Frankfurt a.M. unt. „Reiseinspector" ergebenst einzuladen. Der Unterricht findet, wie bisher, im Kauf wäunischen Vereinshanfe, Lehrsaal 3 statt. Teilnehmerkarten zu 6 Mark find erhältlich: I. Ricker'sche Buchhandlung, Südanlage 5, gegr. 1861. Hiermit gestatten wir uns zur Theilnahme an dem Donnerstag, 22. September, Abends y29 Uhr beginnenden Anfangs-U nterricht der Deutschen Einheits-Stenographie (System Gabelsberger) Louis Katz Seltersweg 56. t Samstag und Sonntag geschlossen, t K e Verloren ein goldenes Anhängsel von einer Uhrkette. Abzugeben gegen Belohnung Zu dem am Sonntag den 18. und Montag den 19. September staltfindenden Kirchweihfest Nadelholz-Samen. Aus den Communalwaldungen von Gießen, Alien-Buseck, Annerod und Wiescck wirD die diesjährige Fichten- und Kiefern Samenernte int Wege schriftlichen Angebots vergeben, gegen Vorauszahlung unter den seither üblichen Bedingungen, welche von den Submittenten nach Einreichung ihrer Offerten als rechtsverbindlich anzuerkennen find Die Anerbietungen mit der Aufschrift „Submission auf Nadelholzsamen" sind getrennt an die einzelnen Bürgermeistereien bis längstens Donnerstag, den 22. September einzureichen, worauf die Eröffnung am 23. September Vormittags 11 Uhr erfolgt. Gießen, den 15. September 1898. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. G & Aeiertage halber bleibt mein Geschäft Sängerkranz. Beginn der Proben für Männerchor: Montag den 19. September, Abends 9 Uhr, Vereinslocal. Für Damenchor: Dienstag den 20. September, Abends 8 Uhr, Hotel Einhorn. Erstens Coneert am 2 7. November mit: „Athalia“ von Mendelssohn-Bartholdy. Gemischter Chor mit Soli und Orchester. Um^allseitiges und pünktliches Erscheinen aller verehrl. Mitglieder bittet 9168] Der Borstand. Philipp Junker zu seinem heutigen 56 jährigen Geburtstage ein dreifach donnerndes Hoch, daß es vom Gießener Weg schallt, und in der Wirthschaft „Zum Haas" Widerhalls Seine Freunde. D r heutigen Nummer unseres Blattes liegt eine Extra- beilage (Wanderlager-Ausverkauf D. Sprlng- 8583 SamStag den 17. d. Mts.r Familien - Abend auf der »Schönen Aussicht". Verein Einigkeit. Sonntag den 18. September (Mittags): Ausflug nach der Badenburg. Gäste sind willkommen. Glückliches neues Jahr! Dieses wünscht I. Fleischmann n. Frau, WalllhorKr. 16. Für zwei Gymnasiasten höherer Klaffen wird gute Pxnfi0N gesucht. Offerten erbitte unter Nr. 9162 an die Exped. d. Bl. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unser innigst geliebtes Söhnchen Otto im Alter von 5 Monaten nach schwerer Krankheit zu sich zu rufen. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen Ludwig Düll und Frau, Marktstrasse 32. Giessen, den 16. September 1898. am Samstag den 8. Oktober auf Burg Gleiberg im Kaisersaal. — Anfang 3 Uhr. Das Comitö. zum Jahreswechsel! Q Mathilde Nachmann, X Putz- u. Modewaaren-Gefchäft. Ausflug nach Wetzlar. Abf. 215 Nachm. 9175 9183 Montag den 19. Septbr. 1898, Abends 8*/e Uhr: W Uebung. Nach derselben zu Kamerad Weber. Das Connnando. Ball für Israeliten 9172 Die Wirthe: Jacob Sommer II. Ludwig Faber. Balthasar Schäfer VL Gg. Schmandt Wwe. 9193] Köchin gesucht bei hohem Lohn zum 1. Oktober. Frau Schmidt, _____________Vermietherin, Neustadt 59. 9181] Tüchtiges Laufmädchen gesucht. ______________Südanlage 7, vart. 9166] Eine zuverlässige Lauffrau ge- sucht. Auskunft in der Exped. d. Bl. Veteranen-Verein. Sonntag den 18. d. Mts.: Ausflug nach Arnsburg-Kuhdach Abfahrt 8 Uhr 15 Min. Vormittags, zahlreiche Betheiligung wirb gebeten. _________________ Der Vorstand.