1808 Rr. 165 Zweites Blatt. Amts- und Auzeigeblatt für d«n Areis Girfz«« Gratisbeilage: Gießener Familienblätter xerei Feuilleton dafür iflW SER Sonnta Alle Anzeigen-BermiNlungSstellen bei In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger eatgeye. auf doch Redaction, Expedition und Druckerei: SchnlSraßt Ar. 7. ang von ler Art [ienang- kß-t- Ich begann zu hoffen. — Grauenvolle Täuschung. Eines Morgens kam sie freudestrahlend herunter. „Papa und Mama verreisen — wiffen Sie, was mich bedeutet, Marianne?" Wir nannten uns „Sie", trotz aller Freundschaft. *' iei dm |o 8620 BZ 1900 97.46 4560 10L60 1(096 Sie hieß, wie schon gesagt Sophie. Aber trotzdem das ,bic Weisheit" bedeutet, gefiel es ihr durchaus nicht. Sie schrieb daher unter dem Pseudonym Lätitia, und ich durfte sie auch so nennen. „ ^Jch weiß nicht, was Sie meinen, ßätitia , sagte ich als Antwort auf ihre Frage. «Mama und Papa fahren auf acht Tagen nach Rövers« haaen hinüber, und ich kann unterdeffen endlich meinen Roman vollenden. Hier sind di- ersten zehn Capitel. Sie haben Hausfrau mit leisch zu kaufen, verlängere Wasser und setze nach dem zu, so erhält sie eine so leisidbrühe. wie aus keine äsänben von 85 an bei 11., Marttstr. 28. Adresse für Depeschen: Anzeiger -letze«. Fernsprecher Nr. 51. 1 wtae ben fetten ndinnen der Ser- 1 und dem Gesapg- jedensallS ist el Ungarn nicht zu verdenken, wenn es für alle Fälle seine Vorbereitungen trifft, insbesondere angesichts der geringen Aussichten, daß in der ciSleithanischen Retchshaifte in absehbarer Zeit wieder parlamentarische Zustande etnkehren. Die im Laufe dieser Woche vom Grasen Thun gepflogenen Verhandlungen mit den Deutschen sind resultatlos geblieben. Von Aufruhr wird auS China gemeldet. Cs müffen aber erst nähere Nachrichten abgewartet werden, ehe man übersehen kann, ob die Revolten einen localen Character tragen oder sich gegen Regierung und Dynastie richten, wie von verschiedenen Seiten berichtet wird.__(xx) ;ht doch Zeit?" Das hieß so viel als Ich nickte ergeben. Das war es also! Akzugsprel- vierteliährlich 2 Marl 20 Pf* monatlich 75 PfK. mit Bringerloh«. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. üermiWtw» • Frankfurt a. M., 14. Juli. Im Zoologischen Garten ist mit euer afrikanischen Thiersendung ein neues, nach „Brehm" bisher in Europa noch nicht lebend gesehenes Thier eingrtroffen. ES ist ein Tanrek (Centetes), dar in Erdhöhlen der Insel Madagaskar wohnt und bet Tage fast niemals zum Vorschein kommt. In Größe und Gestalt gleicht es einem starken Igel, besitzt aber einen langen, spitzen Rüffel und anstatt der Stacheln lange, gelbbraune Borsten. Die Augen find, wie beim Maulwmf, klein und blöde, find aber auch fast überflüsfig, da daS Thier mit seiner scharfen Nase die Regenwürmer, seine Hauptnahrung, ausspürt. So lange man ihm diese Speise verschaffen kann, wird sich das Thier wohl halten lassen. Jedenfalls ist eS für die Wiffen- schaft von Jntereffe, daß auch dieses sonderbare Geschöpf einmal tn Europa lebend gezeigt wurde. — Am Sonntag den 17. Juli ist im Zoologischen Garten der Eintrittspreis auf 50 Pfg. (Kinder 25 Pf,.) ermäßigt. Aw Mittag und Abend spielt neben der Gartencapelle die Capelle dcs Grotzh. Heff. Dragoner.RegtmentS Nr. 23 im Doppel-Concert unter Leitung des Herrn MustkdirectorS O. Eagel. • Zurich, 12. Jul». Der hiesigen Polizei ist es ge- lungeu, einen von der kaiserl. Staatsanwaltschaft tn Straß« bürg i. Els. steckbrieflich verfolgten Mädchenhändler Namens Brenneisen festzunehmen, gerade al» er mit einem Trupp junger Mädchen die Reise nach Südamerika antreten wollte. Der Verhaftete ist den deutschen Behörden überliefert worden. • Ein interessanter Fuud wurde in der Nähe des Rittergut- Baffenheim bei Coblenz gemacht. Beim Abdeclen eines Lava-Crotzensteinlagers in der dortigen Gemarkung traf man unter einer Bimssandfchicht von li/i Meter Mächtig« keit auf eine Lehmschicht von 4V3 Meter, unter dieser eine Schicht vulcanischer Asche von 0,4 Meter und unter dieser in einer 0,3 Meter mächtigen Schicht von Lehm und Stein- Das war originell. Freundinnen, die sich duzen, gab es gerade genug der Welt. Aber wenn man Sie zu einander sagte und so intim dabei verkehrte - das war schon etwas. Vielleicht wäre es für mich rang- und titellose» Geschöpf auch zu viel Ehre gewesen, die präsumtive Berühmtheit zu D.R..G.-M. Nr 28268. „Sie müssen Zeit haben". Ein Roman von vielleicht fünf- Die Schriftstellerin. Humorske von A. EverS. (Nachdruck verboten.) KO. Sie glaubte an ihr Talent, so fest wie man etwa an die Kugelgestalt der Erde oder an die Unsterblichkeit Goethes glaubt. Das war um so verwunderlicher, als sich noch nie eine Redaction gefunden, die auch nur einem einzigen ihrer Werke Obdach gewährt hätte. Da sie nun schon seit drei Jahren schriflftellcrte und mit den berühmtesten und vornehmsten Blättern „in Verbindung stand", ohne daß aus dieser Verbindung je ein sichtbarer Effect erzielt worden war, bedingte jener Glaube an sich selbst zur Grundlage einen ganz ungeheueren Optimismus. _ . L , c . , Ja, Sophie Hellen war Optimistin durch und durch; 'trotzdem sie in ihren Arbeiten einen wahrhaft Verzweiflung«- voll-n Pessimismus vertrat. Doch das war nur äußerlich. Die Lectüre der Modernsten aller Nationen hatte sie .»ngeML barf j,gch nicht hinter seiner Zeit zurückbleiben, besonders wenn man Schriftsteller ist. Wie nun gedruckte Dichter oder sonstige Berühmtheiten sich vielleicht eine Sammlung von himmelnden Kritikern am legen, hatte Sophie eine Collection von all den Begleitbriefen, -die den heimkehrenden Kmdern ihrer Muse folgten. Mit blauen Strichen war auf jedem dieser Blätter die Kraftstelle bezeichnet. Eine Redaction konnte die Sachen „leider" nicht nehmen, die andere „bedauerte" sogar, ab- Aber nein, sie war wie immer — nur manchmal ein wenig zerstreut, wie man es von Schriftstellern ja öfter hört oder lieft. Das war es also nicht. Oder sollte sie wirklich nichts mehr schreiben? Kichemr Anzeiger Heneral-Anzeiger Grfchetnt täglich mit Ausnahme bt8 MoniagS. Die Gießener I.mtrienvtätter Xrdrn dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. **, Sfr - 16970 "C tM lerbliebeueo: Vwe. n. 304# ’ Predigt lehnen zu müssen, für die dritte waren „die geistvollen Schöpfungen nicht geeignet" und so weiter. Ein derartiges Wort konnte Sophie mit der Rücksendung völlig versöhnen. Und wenn erst mal ein Redacteur wirklich einen Brief, einen geschriebenen, nicht gedruckten Brief sandte ich daube, da« war ihr noch lieber als die Acception. Sophie hatte ein wunderbar vielseitiges Talent, — „ihr Gemüth glich dem Opal, der in allen Farben spielt" ä la Shakespeare. c _ . Sie schrieb sogenannte Humoresken und aufregende Artikel über die Frauenfrage; sie verfaßte Gedichte über die jeweilige Jahreszeit und beantwortete hauswirthschastliche Preisfragen; sie vertrat bald einen gläubigen Mysttcismus, bald kalte ScepsiS; und sie pflegte — last not least — aufs Eifrigste den Roman und die Novelle. Ich weiß das alles so genau, weil wir eine Art Corn- paaniegeschäft hatten. Sie besorgte den wissenschaftlichen oder geistigen, ich den kaufmännischen Theil der Sache — einfacher ausgedruckt, ich schrieb ihre Manuscripte ins Reine. Anfangs Hatteich mich durch dies Vertrauen sehr geehrt gefühlt; aber allmählich seufzte ich manchmal über biete Freundschaftspflicht, der ich nach und nach lebe freie Stunde opfern mußte. . „ , Wenn nur einmal etwas angenommen worden rohre. $a ^Aber sie war eben so furchtbar originell, daß es gar Niemand würdigen konnte; und sie brauchte Wortverbindungen und Ausdrücke, zu denen man immer in Parenthese Die Definition hätte angeben sollen. Einmal jedoch schien es, als fei sie bes Schreibens müde geworden. Wochenlang ruhte nun auch meine Feber. Hatte sie mir am Ende ihre Freundschaft entzogen? in die Debatte gezogen, und flugs gab es eine ganze Reihe i Superkluger, welche nun prophezeiten, die deutsche Regierung werde keine Rückficht mehr nehmen und mit der Dnysus- Angelegenheit gründlich aufiäumen. Aber damit scheint eS doch nicht- zu fein, denn officiöS wird von deutscher Seite dargelegt, die DreysuS-Affäre habe für uns nur dasselbe Interesse wie jeder andere Aufsehen erregende Prozetz. In Frankreich werden durch dieselben immer mehr alle Kreise in Erregung versetzt, unb es ist noch gar nicht abzusehen, welchen mctteren Umfang die Affäre erreichen wird. Das vierte Studium desselben beginnt: Dreyfus, Esterhazy, Zola und nun P.cqaart- die Zola-Angelegenheit ist noch nicht einmal definitiv entschieden, und schon ist der Prozeß tn ein neue« Stadium getreten, welches nocv mehr Aufsehen erregen wird, als die vorangegangenen. Man behauptet ntdjt zu viel, wenn man sagt, daß Frankreich jetzt vollständ g im Zeichen der DreyfuS-Affäre steht. Vielleicht hat die Reg erung wichtige Gründe gehabt, die Kammersesfion so plötzlich zu schließen. Dem spanischen Cabinet Sagasta hatten wir bereits gestern einen Nekrolog geschrieben. Bisher ist die Demission der jetzigen Regierung freilich noch nicht osficiell kundgegeben worden, das hat aber jedenfalls nur darin seinen Grund, daß e« äußerst schwierig ist, unter den obwaltenden Umständen die richtige Persönlichkeit zu finden, die die Zügel ergreist. Schon angesichts der Meinnngsverschiedenheiten, welche im Cabinet herrschen, erscheint es unumgänglich nöthig, daß da« Letztere zurücktritt. — Auf dem Kriegsschauplätze haben sich Ereignisse besonderer Bedeutung nicht zugetragen- jedenfalls ist e« sehr schwierig, ein einigermaßen zutrtffendeS Bild über den wahren Stand der Dinge zu gewinnen. Santiago ist bombardirt und eingeschloffen, aber immer noch in ben Händen der Spanier. Diesen ist ein mächtiger Bundesgenosse entstanden in dem gelben Fieber, mel^e« unter ben Amerikanern wüthet, und wenn die Letzteren nicht schleunigst Santiago einnehmen und den ungesunden Land- strich an der Küste verlassen, so können fie bald decimirt sein, ohne daß die Spanier nachzuhelsen brauchen. Auch auf ben Philippinen stehen die Dinge roch auf dem alten Fleck. Die Meldungen über die Einleitung von FriedenSverhand- lungen lauten so widersprechend, daß wir am Besten gar keine Notiz davon nehmen. In Budapest ist am Donnerstag die Erquete eröffnet worden betreffs des autonomen Zolltarifs. Die Regierung sand es sür nöthig, fich gegen die Annahme zu verwahren, als wolle Ungarn einen Zollkrieg gegen Oesterreich führen. I Man darf gespannt sein, wie die Angelegenheit verlauft - , 1898. Silderrrst lese- ft*»* iie Kopfschuppen. Haare schön seidenweich. nit Pfeil. 5538 A. W. KÜblnger. efeen. Miss hundert Quartseiten. — „Heinrich, mir graut vor Dir" - hatte ich beinah. Benahmt von Anzeigen zu der Nachmittag- für ben folgenden Tag erscheinenden Nummer bi3 Lorrn. 10 Uhr. Amtlicher Theil. Bekanntmachung. Es wirb hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, baß die nach § 6 bes Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für bie bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aus- schlags von Fünf vom Hunberl, pro Monat Juni 1898 für ben Lieserungsverbanb Gießen pro 100 Kg betragen: Hafer Mk. 19,00, Heu Mk. 7,40, Stroh Mk. 5,60. Gieß en, ben 10. Juli 1898. Großherzogltches KreiSamt Gießen, v. (Sageru. Politische Wochenschau. Während unsere Krieg «schisse im Auslande an den- jrnigen Punkten concentrirt sind wo die deutschen Interessen eine Vertretung erheischen, sei eS, um unseren Angehörigen Schutz zu gewähren, sei es, nm die internationalen Rechte Deutschlands zu wahren, macht da» Schulschiff „Charlotte" friedliche Eroberungen. ES hat vor Petersburg Anker ge. morsen und bildet dort einen Anziehungspunkt für die deutsche Kolonie nicht allein sondern auch für die russische Gesellschaft. Bekanntlich haben unsere Schulschiffe bereits öfter in der Rewa angelegt, unb stets waren sie Gegenstand großer Aufmerksamkeit seitens de« offiziellen Rußlands, stets gab eS ein lebhaftes Hinüber und Herüber zwischen Bord und der rassischen Hauptstadt. Hat es sich dock 'm vorigen Jahre Zarenpaar nicht nehm.n L-fien, die Offiziere der deutschen Schulschiffe persönlich zu empfangen. Von deutsch. russischenHandelsverftimmungen war in letzter Woche viel die Rede, doch scheinen die Differenzen | tzt vollständig ausgeglichen zu sein. Indessen dürften die Darstellungen russischer Blätter, daß Deutschland erst auf die Drohung Rußland«, Tarismaßregeln zu ergreifen, fich zu einer Verständigung bereit gezeigt hätte, kaum den Thatsacheu xa entbrechen. Alle Welt beschäftigt sich jetzt wieder mit dem Drey- ssusprozeß, seitdem die beiden hauptsächlich beteiligten Personen — Esterhazy und Oberst Picqiart — in Haft genommen worden find. Der jetzige Kriegsminister Cavaignac Hat mit seiner in der Kammer abgegebenen Erklärung in tin Wespennest gegriffen und einen Sturm hervorgerufen, der -roße Vtrheernngen anzurichren droht. Bekanntlich hat -Lavaignac auch Deutschland — wenn auch inbirect — wieder gervll, vermischt mit Lavatrümmern, einen Theil vom rechten Oberkiefer eines Pferdes. In diesem Kiefer saßen noch drei Zähne, während ein vierter in der Nähe und ein fünfter etwa 2 Meter entfernt lag. Außerdem fanden sich noch mehrere fossile Knochen von noch unbestimmten Thierarteu vor. Die Fundstücke befinden flch zur Zeit auf dem Rent- amtSbureau des Ritterguts Baffeuhetm. * Durch Bienenstiche gelobtet wurden io Rudow bei Kyritz am Sonnabend vier junge Störche. Aus- schwärmende Bienen gerietheo über die Flugübuogen der Thiere in Wuth, fielen über die Störche her und richteten diese derart zu, daß ste nach kurzer Zeit tobt im Neste lagen. * Einen eigenthumltche» Tob fand eine Kuh des Land- wirth S. auf dem Mtchaelsberg bet GuudelSheim. Das Thier hatte sich in der Nacht frei gemacht, die Stallthür war offen geblieben und in der Nähe waren in einem anderen Raume zehn neugebackene Brodlaibe zum Abkühlen aufgestellt. Wahrscheinlich durch den angenehmen Geruch augezogeu, machte ste sich über die seltene Delicateffe her und verzehrte sieben Stück davon, obwohl sie am Abend zuvor gut gefüttert worden war. DaS war aber auch, wie eS scheint, für eine Kuh zu viel. Ein Drahtstift, den sie schon seit längerer Z'it im Leibe hatte, fand nicht wehr Platz, bohrte sich ein Loch in die Magenwand und verletzte noch andere Körper- theile — kurz, das werthvolle Thier mußte geschlachtet werden. * Jubiläum der Eountagsfahrkarten. Die Sonntagsfahrkarten auf der Thüringer Eisenbahn können nächster Tage ihr SOjähriges Jubi'äum begehen. Am 22. Juli 1848 machte die Direction der Thüringer Eisenbahn-Gesellschaft im Eisenacher Wochenblatt bekannt, daß für die Reisen an Sonn- und Festtagen „das Personengeld um den dritten Theil, als es tarifmäßig festgestellt ist" ermäßigt werbe, unter der Bedingung, daß die Hin und Rückfahrt an demselben Tage stattfinde. „Es werden", heißt es weiter, „bei den Billet« expeditionen besondere Billets ausgegeben, welche für Hin- unb H rreife giltig sinb und beren ganzer Betrag gleich bei der Empfangnahme gezahlt werden muß." * Die Schriftstellerin Frau Elise Polka ist der Franks. Ztg. zufolge in Schliersee von einem schweren Unfall betroffen worden. Sie stürzte am vergangenen Dienstag durch einen vom Regen vermoderten Dielenbelag eines ländlichen Altans vom ersten Stockwerk hinunter in des Erdgeschoß und wurde besinnungslos vom Platze getragen. Sie liegt jetzt in bester Pflege in München, Hotel Marienbad, unfähig, auch nur einen Schritt zu gehen. Gebrochen ist nichts, doch sind neben einer Kopfwunde schmerzhafte Sehnen- und Muskel- verrenkungen und Zerrungen sowie eine bedeutende Knöchelschwellung des rechten Fußes entstanden. * 6ine Verwandtschaft bei neuen Elementes Metargon mit bem Kohlenstoff wird ourch eine Mittheilnng von Arthur Schuster nahegelegt. Dieser Gelehrte spricht seine Vrr- wuudernug darüber au#, daß eS bei der Untersuchung bei Spektrums des neuen Elementes dessen Entdecker ganz ent' gangen sein sollte, daß die Hauptspektrallinien des Metargon nahezu mit denen des Kohlenstoffes zusammenfallen. Es werden drei Linien im Gelben, zwei im Grünen, zwei im Blauen und eine im Indigo aufgezählt, deren Wellenlängen sehr nahe denen von Linien des Kohlenstoffes liegen. Die drei Linien des Metargon im Gelben z. B. besitzen die bezüglichen Wellenlängen 5632 5, 5583.0 und 5537.0, die drei entsprechenden Linien de# Kohlenstoffes haben nach den neuesten Bestimmungen von Angström und Thalen die Wellenlängen 5633.0, 5583.9 und 5538.0. ES ist danach sehr wahrscheinlich, daß daß untersuchte Metargon mindesten# noch Kohlenstoff enthielt, vielleicht sogar auch noch Stickstoff, da drei Linien des Spektrums sehr nahe mit drei Linien des ChangaseS zusammenfielen. Vielleicht aber ist das Metargon überhaupt kein neues Element, sondern eine Mischung von Bestandtheileu der Luft, die bet der Temperatur flüssiger Luft zu einem festen Körper erstarrt. Jedenfalls ist es bisher noch niemals beobachtet worden, daß zwei verschiedene Elemente so ähnliche Spektren besitzen, wie in diesem Falle Metargon und Kohlenstoff. gerufen, wenn es nicht eine doppelte Anmaßung gewesen wäre, erstens bas „grauen", zweitens bas „Du". Lätitia entschwanb Bald rollte auch eine Kutsche, bie einer vergangenen Culturperiobe entstammte, vor bas Haus und holte Sophiens Eltern nach bem Gut Rövershagen. Nun begann eine schreckliche Zeit für mich. Ich opferte Tag unb Nacht bem Abschreiben bes Romans „Morganatische Freundschaft", ein Mysterium. Lätitia war stolz auf ihr Werk. Pessimismus und Symbolismus, Mysiicismus und Scepttcisrnus, überhaupt alles auf „mus" gab sich ein Rendezvous in der morganatischen Freundschaft. Das Buch sollte ein „Schlager" werden. Nun — mir gefiel an dem Roman nur eines — nämlich, daß er ein Ende hatte. Er wurde verpackt, mit einem Begleitbrief versehen und nach Leipzig gesandt. Ich beneidete die Manuscripte manchmal im Stillen. Da hatten mir z. B. eines, das war je zweimal in Hamburg, Leipzig und Stuttgart gewesen und gar dreimal in Berlin. Und ich? Immer saß ich in dem langweiligen Eichroth. Vier Wochen waren nun vergangen. Keine Antwort vom Verleger. Lätitia schrieb einen Mahnbrief. Man wartete weiter. Da kam sie eines Tages — ich saß eben nichts ahnend über einer Zeichnung — herunter gelaufen. Sie sah aus wie eine Victoria und schwenkte eine Postkarte in der Hand. „Wünschen Sie mir Glück, Marianne?" „Selbstredend. Angenommen — ja?" • Zoologische «ebächtnißstropheu. Unter diesem Titel finden wir in der in Asuncion erscheinenden „Paraguay' Rundschau", einem Blatte, das fich um die Erhaltung des Deutschthums in Paraguay sehr verdient macht, folgende Verse, die den „Heldinnen der Mode" gewidmet find: Der Indier sieht den Kakadu Auf hohen Bäumen brüten, Er kommt auf dm Antillen vor, Sowie auf Damenhüten. Der Kolibri umflattert gern Die bunten Wiefenblüthm; Man trifft ihn in Brasilien an, Sowie auf Damenhüten. Die Eidergans dringt südlich vor Bis in das Land der Jüten, Sie nistet oft am Kattegatt. Sowie auf Damenhüten. Im Nest deS Haselhuhnes soll Der Fuchs bisweilen wüthen, Etz hält sich in Gebüschen auf, Sowie auf Damenhüten. Auf Ebnen hockt der Pfefferfraß, Zumal auf sonndurchglühten, Er zeiget sich in Paraguay, Sowie auf Damenhüten. Die Haubenlerche war bekannt Schon bet den alten Skythen, Quartiert sich nah den Dörfern ein, Sowie auf Damenhüten. Das Krächzen läßt der Arara Von Keinem sich verbieten, Man findet ihn in Borneo, Sowie auf Damenhüten. Vom Drontevogel melden unS Die Forscher blos noch Mythen, Aus diesem Grunde steht man ihn Auch nicht auf Damenhüten. * Eia fünfzig Jahre bauernder Brand. In Schottland gibt e- eine Kohlenzeche, die über 50 Jahre lang brannte. Jetzt endlich ist sie ausgebrannt. Die Grube liegt auf den Dalguarrhan'ichen Gütern bei Daivy. Häufig sind kostspielige Versuche unternommen worden, das Feuer zu dämpfen, aber ste haben niemals Erfolg gehabt. Mehr als einmal hörte man donnerähnlicheS Geräusch unter der Erde. Nur FklSmaffen verhinderten, daß fich das Feuer auf die angrenzenden M-nen auSdehnte. • Die Ringe einer Königin. In letzter Zeit gaben fich englische Blätter vielfach mit Königin Victorias Trauring ab. Man konnte nicht recht einig darüber werden, au# wessen Händen eigentlich daS wichtige Juwel hervorgegangen fei. Zuletzt wurde behauptet, daß der goldene Reif, der Englands Herrscherin an den „prince consort“ fesselte, von den geschickten Fingern eines Deutschen, der bei dem ersten Juwelier Londons als Geselle arbeitete, angefertigt worden war. Dieser Deutsche soll erst vor Kurzem in Philadelphia, wo er ein sehr gut gehendes, eigenes Goldwaarengeschäft betrieben hat, gestorben sein. Die Tochter dieses Mannes lebt aber noch und rühmt sich häufig, daß fie den Trauring der englischen Regentin eine Stunde lang „zur Probe", getragen hat, ehe er an den Finger der bräutlichen Königin gelangte. Diese hat das ihr so theure Juwel seitdem nicht wehr abgelegt, und wie die „Whitehall Review" zu erzählen weiß, ist der Ring heute so dünn getragen, daß er nur noch durch einen Schutzring an seinem Platz, den er ficher nie verlassen soll, festgehalten wird. Ebensowenig streift die greife Herrscherin je ihren einstigen Verlobungsring vom Finger. Dieser Reif besteht aus dicht nebeneinander gesetzten Diamanten, die fich im Mittelstück, daS in Herzform gehalten ist, um einen prächtigen Ruppin gruppiren. Die in tiefrothem Feuer aufleuchtende Gemme bezeichnete der Prinzgemahl, als er den Ring feiner Braut an den Finger steckte mit dem poetischen Namen „Stein der L ebe". Ein Juwel, das Königin Victoria unter all ihren Schmuck-achen nächst den beiden oben er- wähnten Ringen am Höchsten schätzt, aber feiner beträchtlichen Schwere wegen nur bei großen Staatsceremonien trägt, ist der KkönungSring, der in einem wunderbar ausgeführten Desfin Glaube, Liebe, Hoffnung in Diamanten, Rubinen und Smaragden darstellt. „Nein, ma obere — aber, verloren ist bas Manuscript. Denken Sie sich, verloren!" Ich starrte sie an. War sie, ober war ich nicht mehr recht bei Verstaub? „Wa — was Lätitia?" „Verloren ist es — unb ich habe es mit zwölfhunbert Mark versichert. Charming! Nun schreibt man den Entwurf noch einmal ab, unb bann kann ich es im Selbstverlag erscheinen lassen!" Run, zwölfhunbert Mark für bie „morganatische Freundschaft", bas übertraf schon bie Gebilbe ber kühnsten Phantasie. Aber — „man" schreibt es noch einmal ab. O ich Aermste! Lätitia entwarf schon Briefe an Commissionsverleger. Sie sah bas Buch bereits auf allen Schreib- ober Salontischen. Sie erblickte ihr berühmtes Bilb schon in allen Zeitschriften unb Musenalmanachen. Nachdem sie sich etwa eine Stunbe lang in ben zukünftigen Triumphen gesonnt, ging sie auf bas Postamt. Aber oh — eine entsetzliche Enttäuschung wartete ihrer. Die Post hatte bas Manuscript in Leipzig an ben Verleger geliefert. Die Post hatte es nicht verloren. Die Post zahlte keinen Pfennig Entschäbigung, geschweige benn zwölfhunbert Mark. Lätitia befanb sich in unbeschreiblicher Erregung. Eine wahre Hochfluth von Anschulbigungen ergoß sich brieflich über ben unglücklichen Verleger. In ber Zeit, bis Antwort kam, burchstöberte sie mit zitternben Fingern alle benkbaren Journale, zwischen Furcht unb Hoffnung schwebenb, ihre gestohlene morganatische Freunb- schaft könnte irgenbwo austauchen. Wissenschaft, Literatur und rinnst. — Die Umschau. Uebersicht über die Fortschritte und Bewegungen auf dem Geiammtgebiet der Wissenschaft, Technik, Literatur und Kunst. Jährlich 52 Nummern. Preis vierteljährlich Mk. 2 50. Postzeitungsp^eisliste Nr. 7362. Verlag von H. Bechhold in Frankfurt a. M., Neue K äme 19/21. Die soeben erschienene N>. 29 der „Umschau" ist ungewöhnlich reichhaltig und interessant. Wir erlangen daraus zum ersten Male Kenntniß von der neuen Zickler'ichen licht- electrischen Telegraphie. Ein prächlig illustrirter Artikel Lampe» gibt uns eine Schilderung unserer ostasiatischen Erwerbung und seiner Bewobner. Der Aussatz des bekannten Kenners des Radfahi- wesens, Prof. Geisser, sollte von jedem Radfahrer gelesen und vor Allem beherzigt werden. An diese größeren Aufsätze schließen sich eine Fülle von Rubriken, wie: Technische Neuheiten, neue Bücher, Z-itschriflenschau rc. rc., die eS ermöglichen, sich mit wei ig Zeitverlust über Alles, was oorgeht, auf dem Laufenden zu erhalten. — Soeben erschien im Verlage von W. G. Schäffel in Leipzig: Poetische Grüße und Sprüche für Ansichtskarten jeden Genres von Max Möller zum PrUie von 30 Ptg. Ein besonders feiner Humor zeichnet die in dem Büchlein befindlichen Verse in sächsischer Mundart aus. DaS Büchlein selbst ist in Miniatur-Format in zweifarbigem Druck ausgeführt und wird in Verbindung mit seinem eleganten Einband als kleines Geschenk gern gekauft werden und sich bald viele Freunde erwerben. — Die erste in Deutschland gebaute Dampfmaschine führt uns, neben einer großen Reihe anderer, für die Entwick-lung der Industrie bedeutsam gewordener Maschinen aus dem Anfang unseres Jahrhunderts, ba< soeben zur Ausgabe gelangte achte Heft des neuen Prachtwerkes „Das 19. Jahrhundert in Wort und Bild", Politische und Culturgeschrchke von Hans Kraemer (Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin, 60 Lieferungen ä 60 Pfg.) vor Augen. Das wiederum glänzend ausgestattete Heft des von Presse und Publikum mit einstimmigem Beifall aufgenommenen Buches, dess n Käufer bereits jetzt, wenige Wochen nach Ausgabe der ersten Lieferung, nach Zehntausenden zählen, bringt neben dem Capitel „Technik und Industrie" noch den Beginn der Geschichte der Chemie, die bekanntlich ein Kind unseres Jahrhunderts ist. Der Text ist wie immer ebenso klar und gediegen, wie fesselnd und unterhaltend, und die Illustrationen — von denen nur eine reizende Farbendruck-Beilage „Abendgesellschaft zu Anfang des 19 Jahrhunderts", sowie ein herrliches Jugendpoiträt der Königin Victoria von E-'gland erwähnt seien — sind mit gewohnter Meisteischäft ausgesührt. Hnivcrfifäts - Nachrichten. — AuS Würzburg wird gtmeldet: Auf die neu errichtete außerordentliche Professur für Balneologie, Balneotherapie und mechanische Heilmethoden an der hiesigen Universität wurde der bisherige Prtoatdoccnt Dr. Richard Hetgetzdabter berufen. — Der Professor des Staats- und Völkerrechts an der Universität Tübingen, Dr. F. v Martitz, hat einen Ruf als Rath an das preußische Oberoerwaltungsgertcht und gleichzeitig als Professor an die Berliner Hochschule erhalten und wird, wie der „Schwäb. Merkur" erfährt, demselben Folge leisten. Halle, 12. Juli. Betm heutigen Fest der Universität aus Anlaß des Uebrrgangs des Rectorals von Gehetmralh Professor Dr. Volhard auf Professor O. Kautzsch fand in der Aula die Enthüllung eines Oelbildes des berühmtesten Ehrendoctors unserer Hochschule, des Fürsten Bismarck statt, den im Jahre 1867 die philosophische Facultät zum Doctor cretrt hat. Das Biidntß ist eine Schöpfung Franz v. Lmbachs, der es der Untversilät a s Geschenk überwiesen hat, zur Bekundung seines Dankes für die auch ihm im Jahre 1894 durch die Ernennung zum Ehrendoctor zu Theil gewordene Ehrung. Würzburg. Die hiesige Burschenschaft „Arminia", die den Ereignissen des Revolutionsjahres ihr Entsteoen verdankt, begeht Ende dieses Monats ihr bOjähriges Stiftungsfest. Heidelberg. In den hiesigen studentischen Kreisen wird die Gründung einer akademischen Lesehalle geplant und vorbereitet. — In München ist eine außerordentliche Professur für historische Hilfswissenschaften errichtet und dem bisherigen Custos an der Königlichen Hof- und Staatsbibliothek und Privatdocenten an der Münchener Universität, Dr. Hany Simonsfeld, übertragen worden. — Nach der in dem 171. Hefte der Akademischen Monatshefte, des Organs der deutschen Corpsstudenten, veröff ntlichten Statistik betrug die Zahl der im Wintersemester 1897 und 1898 auf den deutschen Universitäten studirenden Corpsstudenten am 15. November 1897 1025, am 15. Februar 1898 1000. Die Abnahme erklärt sich weniger durch bm Austritt aus dem Corpsoerbande, als durch das Verlassen der Unioerstiät. Gegen den 15. Mai und 1. August des Sommersemesters ist ein Zuwachs von 33 bezw. 48 Corpsstudent»-n zu verzeichnen gewesen. Die größte Zahl weist München mit 477, die kleinste Kiel mit 11 Corpsstudenten auf; auf dieser Universität besteht auch nur ein Corps. Die Zahlen der acttom Corp studenten bewegen sich zwischen 5 und 47. Im Großen unb Ganzen kann man bet den meisten Corps ein erfreuliches Wachsen der Mttgliedcrzahl erkennen. Mir graute unterdessen vor bem Schreckgespenst der nochmaligen Abschrift. Da eines Morgens erhielt Lätitia ein Packet mit — dem armen, verlorenen Roman. Auch er hatte mit jener unbezwinglichen Sehnsucht nach ber Heimath, bie all ihren Geisteskinbern eigentümlich, ben Weg zu ihr zurückgefunben. Es war bei bem Verleger teiber in bem ihm ungünstigen Sinn bes Begriffes „verlegt" worben. Der Buchhändler entschuldigte sich eine Seite lang. Aus der zweiten rühmte er die Vorzüge des Werke«, den glänzenden Stil, die feinsinnige Characteristik, die spannende Handlung; und auf Seite drei kam das „aber“. Die Tendenz des Romans mache es ihm leider unmöglich, das Buch in seinem Verlage erscheinen zu lassen. Selbstredend zu seinem „größten Bedauern". Lätitia vergaß die trügerischen zwölfhundert Mark, den Selbstverlag und die Zurückweisung. Sie las nur ihr Lob. „Könnte man vielleicht die Tendenz ändern, Marianne?" „Gewiß", sagte ich bereitwillig. „Wenn Eva statt Häckel, Zola und Tolstoi vielleicht Drummond, Ebers und den „kletnen Lord" lesen würde, wäre die Richtung eine völlig entgegengesetzte." „Sie sinb ein kluges Kinb Marianne. Ich werbe sogleich an ben Verleger schreiben unb bie Aenberungen machen." Sie ging hinauf. Wie? Das war doch nur Ironie von mir gewesen. Und sie erhoffte wirklich davon einen Erfolg? Beneidenswerthe Optimistin! Soll ich ihr es sagen? Doch „wozu aus ihrem süßen Wahn sie wecken?" Man kann ja am Ende doch nicht wissen. — ftäMU AÄW' U««' * Mit die.M rtwetfotb«* mit»«« fom'L ® L mW™ jieiem ' MM « ■* gelangen erst «« nächsten Rechne Darmstadt Dienstag dt t J„ Vormisi werden zwei ber ® a. d. Lumda gehör auf bem Bürger' selbst öffentlich mei Mendorf a.b.5 Gr.Bürgermeistert R COG bculfitr unb framö pWn, ju haben btt F. Sei WWW, G Bitte ve m gebranti bas Psun! J. M. Marklstt.4 5811 ÄS'; Wb abgegeben, ---Aauksur Montag, M 9 Hbf ab- - öd, von f Hp-t stritt Onfiinn größere Einkäufe in Rnh-Kaffee, VHlllHHJl fotoie eigene Brennerei ermöglichen uns, den höchsten Anforderungen zu genügen und selbst den verwöhntesten Kenner zu befriedigen. Wir empfehlen unter voller Garantie für absolute Reinheit und gleichmäßige Röstung: Roh-Kaffee ä Pfund: 80, 1—, 1.20, 1.40, 1.50, 1.60, 1.80. Frisch gebrannten Kaffee L Pfund: 80, 1.-, 1.20, 1.40, 1.60, 1.80, 2.-. Mit Zucker gebr. 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