1S9S Sonntag den 17. April Drittes Blatt. Zlints- und Anzeigeblatt für den 'Kreis Gieren Gratisbkilazc: Gkßenrr FamilimMter Lustadt IN Feuilleton. - I Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen des In. und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße Nr. 7. tten usetten i. Wiener Zormev, Selte^L NB Holzmann L Co. für ca. 100 000 Mk. erbaute neue Tribüne ist fertig gestellt. Diese Tribüne ist einzig in ihrer Art und in gleicher Ausführung auf keinem anderen deutschen oder ausländischen Rennplatz vorhanden. Die Tribüne hat zwei Etagen, auf welchen ca. 2000 Personen Platz finden, ferner haben ca. 1000 Personen auf dem Dache Platz, von welchem man eine herrliche Fernsicht aus den Taunus, den Wald und die Stadt hat. Die Tribüne ent- hält in ihrem unteren Theil ausgedehnte Räume für den technischen Betrieb und sind die Ankleidezimmer auf» com- fortabelste eingerichtet. Im westlichen Flügel befindet sich sodann noch eine große Restauration, die Garderobe, das Krankenzimmer und die Räume für die Preffe, Post und Telegraphie. Außer dem Tribünen-Neubau wurden noch um- fastende Berbesterungen vorgenommen: Die Holzbarrtere, welche die Rennbahn nach der ersten Tribüne abschloß, ist durch ein schöne» eisernes Gitter ersetzt worden. Die Barriere zum Totalisatorraum ist ganz sortgefallen und der Zutritt zu den Schaltern laut ministerieller Genehmigung frei! Für die Richter ist ein neues eisernes Hau» gebaut worden. Der Hauptetngang ist jetzt mehr nach dem ForsthauS zu verlegt und der Platz hinter der neuen Tribüne ist planirt und zum Aufstellen von RrstaurationStifchen und Stühlen bestimmt. Sodann wurde der Promenadeplatz vor der neuen Tribüne fest gemacht, um stets eine gute Berfasiung zu ficheru. Hinter der neuen Tribüne wurde vom Totalisator bis zum Sattelplatz eine neue Lindenallee angelegt. Für die zweite und dritte Tribüne, den Stehplatz und den Kutscherhalteplatz wurden Restaurationsbuden aufgestellt. • Berlin, 14. April. Das in den 40er Jahren stehende Ehepaar Hauke, das in der Kleinen Frankfurterstraße einen Juwelierladen inne hatte, hat Selbstmord durch Vergiften begangen. Zerrüttete BermögenSvrrhältnifle find der Grund zu der verzweifelten That. j »D. Leipzig, 15. April. Zur Ostermeffe wird die ’ dauernde Gewerbeausstellung zu Leipzig wieder be- K. Der Erlaß des preußischen Staatsministeriums. Während der letzten Tagungsperioden des deutschen Reichstag» und de» preußischen Abgeordnetenhäuser ist viel von der Polenpolttik der Regierung die Rede gewesen, und e» hat an den heftigsten Angriffen nicht gefehlt. Sowohl der Reichskanzler, wie auch der Minister de» Innern und des Unterricht» haben wiederholt ihrer festen Wtllen»metnung Ausdruck gegeben, die Bestrebungen des GroßpolenthumS mit allen gesetzlichen Mitteln zu unterdrücken. Aber e- fehlte bisher immer noch ein abgerundetes Programm hierfür, die Maßnahmen, das Deutschthum in den polnischen Provinzen und tu den LandeStheilrn mit gemischtsprachiger Bevölkerung überhaupt vor maßlosen Angriffen zu schützen. In dieser Beziehung wirkt der vor einigen Tagen tm Rrichsanzeiger veröffentlichte Erlaß des preußischen Gesammtministertums ergänzend- er bildet ein weiteres Glied in den Maßnahmen zur Förderung deS DrutschthumS in den polnischen Gebieten, nachdem die Verstärkung des Dispositionsfonds für An- fiedlungSzwecke vorangegangen war. Auch diese letztere Maßregel hatte keine aggressive Tendenz, umsoweniger, als schon in den letzten Jahren mehr deutsche, als polnische Besitzungen erworben worden waren und der AnfiedelungSsonds in der Folge mehr als bisher zur Erhaltung de» deutschen bäuerlichen Besitzes Verwendung findet. Auch der Staatsministerialerlaß vom 12. d. Mt». vermeidet es sorgfältig, eine Spitze gegen daS Poleurhum zu bieten, wie denn überhaupt von dem letzteren fpeciell in dem E^laffe gar keine Rede ist. Den Beamten wird hauptsächlich di: größte Unparteilichkeit zur Pflrcht gemacht, d. h. gleich- mäßige Behandlung aller Staatsbürger. Daß der Erlaß von vielen Seiten einer heftigen Kr.tik unterzogen wird, thut seinem Werthe keinen Abbruch - vor allen Dingen haben die Vorwürfe, welche man der Regierung macht, daß sie nämlich in unberechtigter Weise auf ihre Beamten etnwirke, nichts auf sich. Der Beamte steht tm Dienste de» Staate» und er hat deffeu Jntereffe wahrzunehmen mit allen Kräften- und im Jntereffe des Staate» liegt e», daß alle Angriffe gegen da» Deutschthum abgewehrt, daß den Nationalitäten'Hrtzereien rin Ende gemacht wird. Der Staat muß von seinen Beamten verlangen, daß seine Beamten nicht Tendenzen vertreten, die seine eigene Sicherheit gesährden. Und der Erlaß fordert wahrlich nicht zu viel, er will nur in den Provinzen mit gemischtsprachiger Bevölkerung da» Nationalbewußtseiu gestärkt und gefördert wiffen, und die Erstrebung dieses Ziele» ist die Pflicht der Regierung. Die Regierung hat bet ihrem Erlaffe lediglich die Wirth- schaftliche und kulturelle Hebung nicht allein der deutschen, sondern der gesammten Bevölkerung im Auge gehabt, wenngleich jetzt noch nicht erkennen läßt, was im Einzelnen geplant worden ist. Aber man darf wohl annehmen, daß es fich um eine Reihe von Etnzelmaßuahmen handele, deren Grundzüge von dem Ministerium von vornherein festgesetzt worden find. Bet der versöhnlichen Tendenz, welche der Erlaß athmet, dürfte tß auch der fremdsprachigen Bevölkerung nicht schwer werden, seinen Segen zu erkennen, aber wir wiffen ja au» langer Erfahrung, daß Nationalitätenhaß blind macht und undankbar. Und so wird denn auch dir ministerielle Kundgebung wohl kaum an den Stellen, für die fie erlaffen isO richtig gewürdigt, sondern al» ein „Eingriff in nationale Rechte betrachtet werden. Hoffen wir, daß da» Vertrauen, welches die Regierung in ihre Beamten setzt, fich rechtfertigt und daß die in dem Erlaß angeordneten Maßnahmen dazu beitragen mögen, daß die Zeit immer näher rückt, wo alle innerhalb der deutschen Grenzen lebenden Völker fich al» eine etnztgrNation sühleu. (XX) Betäubender Lärm au» der Schlosserwerkftätte empfängt un». Unermüdlich find Hammer und Ambos in Bewegung. Auch tm Nachbarraum geht es nicht stiller zu. Hier ist die Küferet und unter tactgemäßen Schlägen werden eben die letzten Reifen an einige Fäffer angetrieben, die in ihrer gediegenen Ausführung gewiß der Ewigkeit Trotz bieten. In der Strohflechterci herrscht schon mehr Ruhe. In dieser verarbeiten Sträflinge wahre Berge von Stroh zu Matten, Schuhen rc. Besonders leistungsfähig ist die gegenüberliegende wohlringertchtere Schretnerwerkstätte, welche solide und gute Möbelstücke liefert. Dicht dabei find die Arbeitsräume für Bildschnitzer, Dreher und Lacktrer. Eine Treppe höher schlägt unfl ein scharfer Geruch entgegen, der fast den Äthem benimmt. Hier ist die Zündhölzerfabrik. Wir eilen weiter. In einem großen Hellen Gemach wickeln fleißige Hände Cigarren. ES ist erstaunlich, zu welcher Fertigkeit fich einzelne Sträflinge ausgebildet haben. Was fie über die vorgeschriebene Leistung arbeiten, wird besonder» vergütet. Volle Beachtung verdient noch die Weberei. In großen Sälen klappern die Wrbstühlc, surren die Spulen, drehen sich die Haspeln und werden Geschirre gestrickt. Da fast alle Gewerbe vertreten sind, befinden fich -aürlich auch eine Schneider-und Schuhmacherwerkstätte tm Hause, die Jahr aus Jahr ein den Bedarf an Kleidern und Sckwhwerk für die Sträflinge liefern. Ebenso wird in der Abteilung der weiblichen Strafgefangenen hauptsächlich für die Anstalt gearbeitet. Doch sehen wir un» nun Einzelne aus dieser Gesellschaft \ näher an. Da fällt un« gleich in der Schreineret ein alter i Mann mit freundlichem Gesicht auf, da« von spärlichem weißen Haar umrahmt ist. Er sitzt wegen eines Raubmorde» schon viele Jahre hinter Schloß und Riegel. Um seiner geringen Barschaft willen hat er einen armen Jungen im Wolde erschlagen. Der That überführt wurde er zum Tode verurtheilt, doch die Gnade deS Landesfürsten wandelte dieses Urtheil in eine lebenslängliche Zuchthausstrafe um. Während seiner langen Hast hat er sich musterhaft betragen und seiner Begnadigung steht nicht» im Wege als — sein eigener Wille. Er fürchtet sich vor der Freiheit. Ihm ist die Welt fremd geworden. Und so beschloß er sein Leben auch tm Zuchthau». Eines Tage- fand man ihn entseelt auf seiner Lagerstätte. Ein Herzschlag hatte ihn grtödtet. Noch am selben Abend führte ein Leiterwagen die sterbliche Hülle im armseligen Bretterkasten nach der Anatomie der nahe gelegenen Universitätsstadt. Einem alten Herkommen gemäß dienen die Leichen aus dem Zuchthaus anatomischen Studien. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. i WM»,. . Aron, ial-Geschist. m Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Psg. monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich. c ... HO olhwM ssg. an dir M. 1.90 flasche ohne @lai ttsche u. franz. ‘iqueute aaßmärtß - Ein anderer „Lebenslänglicher" begegnet un» in der Cigarrenfabrik. Auch ihn hat Habsucht zum Verbrecher gestempelt. Einst bewegte er sich auf dem Parquetboden der SalonS, wenn auch nur in dienender Stellung. Dort wurde er zum Mörder an feiner eigenen Herrin, die er erwürgt und beraubt hat. Als verkohlte Leiche wurde die Unglückliche aufgefunden, denn der Ruchlose hatte sein Opfer verbrennen wollen und deshalb einen Zimmrrbrand inscenirt. Trotzdem er hartnäckig leugnete, lautete da« einstimmige Verdict der Geschworenen am 11. April 1850: „Der Angeklagte ist schuldig, da» Verbrechen mit allen in der Frage angegebenen Umständen begangen zu haben." Da die Todesstrafe zu jener Zeit abgeschafft war, verurthetlte ihn der Asfisenhos zu lebenslänglichem Zuchthaus. Hier legte er zwar nach einiger Zeit rin umfasirnde» Geständn'ß ad, widerrief eS aber kurz darauf, weil er nicht begnadigt wurde. Mittlerweile hat er sich in diesem Hause immer mehr der Frömmigkeit zugewandt. Ob fie eine raste war, wer wollte eS ergründen? ES gibt noch keine Kunst, der Seele Bildung im Gesicht zu lesen! An einzelnen hohen kirchlichen Festtagen de» JahreS hielt dieser sonderbare Heilige sogar Ansprachen an seine Mitgefangenen, auf die er veredelnd einwirken wollte. Auch ich hatte Gelegenheit einer solchen „Erbauungsstunde einmal beizuwohnen. Vielleicht begehe ich ein Unrecht an dem Manne, aber ich kann mir nicht helfen, auf mich wachie sein einschmeichelndes Wesen stet« den Eindruck d-S Heuchler«. Seine Führung in der Anstalt war übrigens tadellos. In der langen, langen Zeit seiner Gefangenschaft hatte er fich niemals da« kleinste Vergehen zu Schulden kommen laffen. Er wurde denn auch schließlich zur Auswanderung nach Amerika begnadigt. In der Schlofferwrrkstätte ist es ein junger schöne Mann im Sträflingsgewand, deffen Schicksal un« mit Theil- nähme erfüllt. AuS Eifersucht hat er seine Geliebte erstochen und muß nun jener schweren Schuld wegen ein Viertel- jahrhundert an diesem traurigen Orte zubringen, während zu Hause brave Eitern um den einzigen Sohn in Kummer und Sorge tiefgebeugt ihr Leben fristen. — Von einem in seine Arbeit ganz vertieften Bildschnitzer, der im Augenblick die letzte Hand an ein meisterhaft auSgefÜhrte« Crucifix legt für die Kirche eines NochbardorfeS, erzählt unS der Gefangenwärter, daß gerade dieser Mann, der hier mit voller Hingebung für die Kirche arbeitet, wegen Kirchenraubes eine schwere langjährige Zuchthausstrafe verbüßen muß. Soeben blickt er auf. Wir sehen ein Geficht, daS zu den sogenannten vU »hneU . -.70 • • -90 . . LIO . . 1.80 Gießener Anzeiger General-Anzeiger ter, gnWlliO' , xentinalelN u vermischtes. TC. Frankfurt a. M., 12. April. Die von Herrn Architecr Adolf Hänle für die Rennen hier entworfene von Im Zuchthaus. Von Hermann Heldenberg. (Schluß.) Ein anderes Original, gleichfalls zur Gattung der Langfinger gehörend, stelle ich Ihnen vor in dem Facrotum de» Bureau», einem kleinen beweglichen Burschen mit bartlosem Geficht. So zeigen sich übrigens alle Strafgefangenen, da nach der Hausordnung jeder bebartete Ankömmling, noch vor seiner Einkleidung in die Sträflingsjacke, dieser Manneszierde beraubt wird. Da» Gesicht diese» Burschen verrieth einen ungemein verschmitzten Zug. Tr verrichtete seine Dienste immer heiter, umsomehr als seine FreiheitSstunde in Sicht war. Nur einmal, erinnere ich mich, wirkte seine Heiterkeit, verbunden mit einer bedenklichen Schwankung des Körper«, doch befremdend und verdachterregrnd. Es unterlag gar keinem Zweifel, der Spitzbube hatte einen Spitz, und offenbar irgendwo ein beseligende« Getränke entrückt und alsbald auS- geschlürst. Allein der Galgenvogel leugnete beharrlich und da« Verhör sührte zu keinem Resultat. Erst einige Monate fpättt — er hatte Sie Anstalt bereit« verlassen — sand fich des RäthselS Lösung tief im Grunde eines großen Holz- behälter«. Hier ruhten schwesterlich vereint zwei geleerte Flaschen Rüdesheimer. Der verschmitzte Gauner hatte fie beim Oeffnen einer Weinktfte gewandt in seine Taschen ver- schwinden laffen, in der nächsten unbewachten Viertelstunde gierig auSgetrunken und >a« corpus delicti eiligst bei Sette geschafft. Gleich dem Gärtner geböte auch er zu den Außenarbeitern oder „Weißkappen", wie fie auch genannt werden wegen ihrer Kopfbedeckung, die aus grauweißem Filz besteht, zur Unterscheidung von den übrigen Sträflingen, die schwarze FtlzmÜtzen »ragen nnd daher die „Schwarzkrppen" hrtßen. Zu den Außenarbeitern werden nur solche Individuen versetzt, die ihre Strafzeit bald verbüßt haben. Sie arbeiten meist im Freien U"d leisten der Anstalt alle möglichen Hand- langerdienfte. v _fl, „ Sie haben nun zwei Sträflinge au» der Abteilung der Außenarbeitcr kennen gelernt und betreten jetzt einigermaßen vorbereitet die Anstalt selbst. Diese ist eine Stätte der mannigfaltigsten Thätigkeit. Die verschiedensten Gewerbe sind eingeführt, damit die Sträflinge auch ihrer Befähigung gemäß beschäftigt werden können. Mite Mk. 45^ ^eo. sehet chraße, M iklrorinr >7 1 2gll> iifels ,n age nd Stores, VitrsgeD- :e Ronleanx ieuteed unter Preis, MW ** Nr. 89 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Aamilienötätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigclegt. sonders von den Meßbesuchern ausgesucht werden, welche ihre Einkäufe an Maschinen aller Art, Motoren, Werkzeugen, technischen und gewerblichen Hilfsmitteln, hauSwirthschastlichen Gegenständen rc. in Lepzig besorgen wollen. Die dauernde Gewerbeausstellung ist für die Erledigung von Einkäufen ganz besonders gut geeignet, denn fie bietet in wohlgeordneter Zusammenstellung die größte Auswahl in Artikeln der verschiedensten Branchen. Außerdem werden aber auf Wunsch auch die Maschinen und Motoren gern jederzeit in Betrieb gesetzt, so daß der Interessent die beste Gelegenheit hat, dieselben auf ihre Wirkungsweise zu prüien. • Durch den Todelsprmrg eines Wahufinuigeu wurde in Berlin am ersten Feiertag ein Mädchen schwer verletzt. Der 31jährige Mufiker Thiele sprang, wahrscheinlich auS Furcht vor einer erneuten Unterbringung in einer Nervenheilanstalt, auS einem Fenster der in der vierten Etage befindlichen elterlichen Wohnung in der Orantenstraße auf die Straße hinab. Hierbei streifte er die 13jährige Tochter Anna des SchloffermetsterS Weise derart, das diese zu Boden geschleudert wurde, eine Gehirnerschütterung, sowie eine Nierenquetschung davon trug und sich sämmtliche Borderzähue ouSschlug. * Der erste sibirische Schnellzug. Aus Petersburg wird berichtet: Am 1. April begann der Schnellzugsverkehr der fibtriichen Etsenbah.. zwischen Petersburg und Tomsk. Die Fahrt dauert volle sechs Tage. Die Wagen sind so gebaut, daß die Reisenden während der Fahrt weder Schaukeln noch Rütteln empfinden; sie können auch während der Fahrt bequem und gefahrlos aus einem Wagen in den anderen gelangen. Der ganze Zug ist electrisch beleuchtet und hat Wafierheizung, ein Buffrt, eia Speisezimmer und eine Bibliothek. Diese ist zwar nicht groß, doch verfügt wohl selten eine Privatbtbliothek über ein so reichhaltiges Material hinsichtlich der Sibtrienkuode. Die Bibliothek enthält Alles, was im Laufe der letz'rn Jahre über Sibirien im Druck erschienen ist- sie ist im Salonwagen untergebracht, der gleichzeitig als Spetiesaal dient. Hier stehen ein Piano, Schach- tische und Rauchzubehör. Die Eigenthümlichkeit des Salonwagens ist seine Ventilation. Neber dem Dache des Waggons find Respiratoren angelegt, in denen fich Luft ansammelt (zur Sommerzeit), die durch verschiedene Röhren geht, fich dabei abkühlt und dann in den Wagen gelangt, aber nicht in scharfem Strom, sondern schichtenweise von oben nach unten, wobei fich die kalte Luft mit der warmen vermischt. Eine Erkältung in einem in dieser Weise venttlirten Wagen er- scheint ausgeschlossen. Im Winter werden die Wagen electrisch ventilirt. ES giedt nur Wagen 1. und 2. Klaffe, die fich durch ganz besondere Bequemlichkeiten auszeichnen. Für Nichtraucher giebt eS geschloffene EoupreS — für Raucher offene — jedes für vier Personen berechnet; auch die Schlaf- coupeeS find ähnlich eingerichtet. Außer einer Laterne befindet fich in jedem Coups ein transportables electrischeS Lämpchen. Alle Plätze find nummerirt und vor jedem Platze befindet fich ein zusammenlegbarer Tisch. Im Corridor deS Wagens find geographische Karten auSgehängr und ist Tchreib- zubehör aufgestellt. Jeder Wagen hat einen Toilettenraum mit allem Torlettenznbehör und Hanteln zur Gymnastik. Auf den ganzen Zng kommt eine Wanne mit Brause und ein besonderer Apparat zur gymnastischen Behandlung der Hände, der Füße und deS Rückens. In Anbetracht deS sech-tägigen SitzenS werden behufs Erreichung einer regelmäßigen Circa- lation deS Blutes gymnastische Uebungen nothwendig. Zum ersten Mal, wurde der Zug am 1. April abgesertigt und wird zweimal im Monat zwischen Petersburg und TomSk fahren. DaS Buffet wird nur kalten Imbiß, Thee und Kaffee führen; waS jedoch daS Frühstück, daS Mittag- und Abcndeffen anlangt, so wird eS im nächsten SratiooSbuffet telegraphisch bestellt. Die Verwaltung rechnet natürlich auch auf Ausländer, weßhalb einer von den Zugbediensteten französisch und deutsch spricht. • „DaS größte GlaS Bier kostet hier nur fünf Pfennig". Ein Plakat mit dieser Inschrift hatte der Restaurateur Sch. in Berlin an seinem Schaufenster angebracht. Ein Bayer war neugierig, wie groß denn wohl daS „größte" Glas Bier sein könne, daS man in Berlin für 5 Pfg. erhalte, und betrat mit seinem Bruder das Local. Sie forderten einfach zwei Glas Bier und erhielten darauf Gläser vorgesetzt, die wie in Berlin üblich, vier Zehntel enthielten. Der Bayer meinte, daß dies für fünf Pfg. immerhin eine an» erkeonenSwerthe Leistung fei. Bei der Bezahlung kam aber die Enttäuschung, denn der Wirth verlangte ihnen für acht GlaS Bier 80 Pfg. ab. Als die Gäste fich darüber beschwerten, da ja doch „das größte GlaS Bier" für 5 Pfg. au-geboten wäre, meinte der Wirth, daß er eben für 5 Pfg. das größte Glas verabfolge, daS für diesen Preis geliefert werden könne. Der Fall wurde angezeigt, worauf Sch. sich wegen Betrugs vor dem Schöffengericht zu verantworten hatte. Das Plakat hatte er alsbald auf polizeiliche Anordnung entfernen müffen. Der StaatSavwalt beantragte zehn Mark Geldstrafe. Der Gerichtshof kam aber doch zu einem freisprechenden Urtheil, da nicht erwiesen sei, 'daß die beiden Gäste durch den Ankauf von je vier Gläsern Bier für den üblichen Preis einen BermögenSnachthetl erlitten haben. * Siu Meisterstück der Zugenieurkuust. Eine noch uner- . reicht dastehende Leistung haben die Ingenieure der j Chicago- und Northwestern-Eifenbahn geboten. Innerhalb 1 zehn Stunden während der Nacht haben sie nämlich die große Drehbrücke über den Chieagvfluß durch eine stählerne Brücke ersetzt. Da die neue Brücke schwerer ist, all dir alte, io waren die Pfeiler, besonders der mittlere, aus welchem fich die Brücke dreht, schon vorher bedeutend verstärkt, und die neue Brücke schwamm fix und fertig etwa 100 Fuß oberhalb der Pseiler auf einer Anzahl großer Pontons. Eine weitere Anzahl Pontons, zum Theile mit Waffer pe- füllt, lag unter der alten Brücke zwischen den Pfeilern. Auf dem Verdecke dieser Pontons waren Gerüste angebrackt, welche die untere Fläche der alten Brücke berührten. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit begannen riefige Dampfpumpen daS Waffer aus den PonionS zu pumpen, diese hoben fich und drückten mit immer furchtbarerer Gewalt gegen die Brücke. Plötzlich durchlief die Letztere ein Zittern, sie hob fich von den Pfeilern, daß ungeheuere Bauwerk schwamm und trieb langsam den Fluß hinab. Gleich darauf wurden die Verankerungen, welche die neue Brücke hielten, gelöst, dieselbe trieb langsam über die Pfeiler im Waffer, und sobald fie ihre richtige Stellung erreicht hatte, wurde Waffer tu die fie trageuden Ponton- eingelaffeu. Ja kurzer Zeit hatte sich die Brücke bis auf die Pfeiler gesenkt und beriete sich knirschend auf die Unterlage. 20 Minuten später lief schon der erste Zug über die neue Brücke. (Na! na!) * Mathematik und She. Jemand, dem das Rechnen viel Zeitvertreib macht, hat ausgerechnet, wie viel Leute h ei rat h en, und er fand, daß die Klagen der Mütter heirathsfähiger Töchter viel Berechtigte- haben. Der Sensenmann ist der Erste, welcher unter den ziffernmäßig vorhanden: n „Herren der Schöpfung" aufräamt, denn allein von den „zukünftigen" Bewerbern um Hymens Rosenfeffelo sterben von 100 38, ehe sie 5 Jährlein und 44 ehe sie 18 Jahre alt geworden. Die Folge ist, daß in den meisten Ländern mehr Frauen als Männer vorhanden find. Von 100 Personen find nur 35 verheiratet, 60 find unverheirathet und 5 ver- wittwet. Wenn man also auf den Straßm nacheinander 100 Leuten begegnet, so wird von diesen unter je 20 ein Wittwer oder eine Wittsrau se v, aber von je 5 werden mindestens 3 ledig sein! Die größere Hälste aller Frauen hat sich verheirathet im Alter von 21—25, ein viertel heirathete zwischen 25 und 30. Die Männer hriralhrn ebenfalls meist zwischen 20 und 25, und am meisten wird ge- heirathet im December, dann im Juni und September und am wenigsten im März. Daß aber immer von drei Mannsleuten einundeinhalb Junggesellen find, das ist ein Fall, der ernste Mütter tief bewegen muß. Galgenphysiognomteen gehört und zu einer psychologischen Analyse geradezu herausfordert. Der gesch ckte Arbeiter bereitet seinen Vorgesetzten zeitweise manche Verlegenheit, da er sehr störrisch sein kann. So hat er denn auch schon alle Strafen gekostet, selbst Geißelhtebe. Nur diese haben ihn bekrh-t. Als nämlich der Landeösürst sein Begnadigungsgesuch abgelehnt hatte, erklärte er eines schönen TageS rund heraus, nicht mehr arbeiten zu wollen. Alle Vorstellungen waren vergeblich, alle Strafen deßgleichen. Kostenrztehung, Kettentragen, Kerker bet Waffer und Brod — es feuchtere nichts btt dem Böiewicht. Er zeigte fich immer verstockter. Da wurden ihm als letzte- Mittel fünfzig Geißelhtebe zu- -rkannt, schon noch fünfundzwanzig versprach er heulend, die Arbeit wieder aufzunehmen, so daß ihm die andere Hälste erlaffen blieb. N chtS Wunderbares! Der Sträfling, sest geschnallt auf dem sogenannten Bock, erhielt die Hiebe mit dem Kantschu einer auS schmalen und geknoteten Riemen geflochtenen Peitsche. Mancher konnte die zugedachte Anzahl nicht aushalten, ohne Schaben an der Gesundheit zu leiden. DaS zu verhüten, war der AnstaltSarzt bet der Vollstreckung zugegen und gebot nölhigen FallcS Einhalt. — An der Drehbank steht ein Sträfling, dessen Thtänen unaufhaltsam fließen. Er hat wohl Grund dazu. Frau und Kinder haben thn heute besucht. Ein gar trauriges Wiedetsehkn! Eben har er fich gewaltsam von den Seinen loSgertffen. Die beiden Kleinen, reizende Mädchen, strecken die Acrmchen vergeblich nach dem V .ter aus, der hinter dem Gitrerihor wieder verschwunden ist In der Schreibstube, die fich hoch oben unterm Dach b findet, werden die schriftlichen Arbeiten für die Bureaus der Anstalt angefertigt. Hier sitzen an einem mit Schreibereien ganz bedeckten Tisch ein Mörder nnb ein Giftmischer sriedferitg zusammen. Läßt sich au8 dem Wesen des Ersteren auf ein von Reue und Büßfertigkeit erfülltes Herz schließen — er hat einen Gläubiger, der ihn hart bedrängte, in seiner Verzweiflung erstochen — so zeigt der Ausdruck des Letzteren gerade daS Gegcnthetl. Ein lauernder Zug liegt in diesem confiSeirren, von Serlenkämpfen zerstörten Antlitz. Der Verbrecher hat seine kranke Frau durch kleine Dosen Arsenik nach und nach vergiftet. Zu diesem Resultate gelaugte daS Schwurgericht nach einem langwierigen Jndicienbeweis, denn er selbst leugnet die That beharrlich weiter. Der Prozeß, der sich seinerze t In einer kleineren süddeutschen Restdenz abfpielte, erregte daS Jrnereffe der weitesten Kreise Die eigentliche ArblitSk-afc in dieser Schreibstube ist jedoch ein Sträfl ng, der wegen Wechselfälschung und Be trügereien eine F eiheitSstrafe von zehn Jahren verbüßen soll. Unglückliche Speculationen haben iqn so weit abwärts geführt. Ein intelligenter Mensch, d-.ffrn LooS mlr stet- zu Herzen ging. Mußte er doch als gebildeter Mann durch die in gemeinsamer Hast gebotene gleichmäßige Behandlung eine ungleich härtere Strafe erdulden, wie die metsten der unteren volkiklaffe angehörigen Bewohner dieses Hauses. Er wurde erst nach sechsjähriger Hast begnadigt. Bem BegnadigungS- gesuch an den LandeSsürften war nach Form und Inhalt rin wahre- Meisterstück Eine Abschrift befindet sich rod) heute in meinem Bcfitz, desgleichen seine geistreich: Arbeit üoer Reformen im deutschen Strafwesen. Ehe wir die Schreibstube verlaffen, wollen wir noch einen Blick auf dos Landschafttbild werfen, da- sich auch durch vergitterte Fenster in seiner ganzen Schönheit vor unS entfaltet und gewiß im Herzen der Gefangenen um so mach tiger die Sehnsucht nach der goldenen Freiheit erwecken mag. Wir sehen über lachende Fluren und wogende Kornfelder, durch die sich ein kleinerer Fluß dahinschlängelt. Ein prächtiges Bild! Doch dringt hier ntchc ganz aus der Nähe der muntere Gesang einet Vogels an unser Ohr? Wir folgen jenem Gesang, der einen so auffallenden Gegensatz zu der traurigen Umgebung bildet. Ec leitet unS zu dem Kerker eines Sträflings, der bereits seit zwölf Jahren in diesem Raume schmachtet. Wegen Diebstahl- zu einer Freiheit--' strafe von wenigen Jahren verur,heilt, hat der Unglückselige infolge einet Wortwechsels auf einen Aufseher der Anstalt einen Mordversuch gewagt und muß diese That deS JähzomS jetzl k-urch eine langjährige Einzelhaft büßen. Der unS begleitende Beamte öffnet und wir betreten nicht ohne eine gewiffe Scheu die kleine Zelle, in welche daS Tageslicht nur durch ein oben angebrachtes kleine- Fenster spärliw etndringt. Nachdem wir uns allmählich an da- Halbdunkel gewöhnt haben, fällt uns zunächst ein merkwürdiges Gestell auf. Wie uns der Z'llenbtwohner felbst erzählt, baut er sich diesen hohen, schwankenden Bitz täglich mit großer Mühe auS seinem geringen Möbelbestand auf, um sein Fenster zu erreichen. Dcrr oben bringt er die längste Zeit det Taget mit Nadel und Faden zu. Seines Zeichens Küfer, lernte er hier in der Einzelhaft daS Schnetderhandwerk. Dort oben finden wir ihn auch heute bei feiner Arbeit und in Gesellschaft de» munteren Sangers, eines gezähmten Distelfinken, der mit dem armen Teufel die Gefangenschaft iheilt, seit er ihn im letzten Winter vom Hungertode errettet hat. Die Nachbarzelle steht offen. Eine Stätte der Verwüstung. Bettstelle, Tisch und Stühle, Alles ist kurz und klein geschlagen. Sogar der eiserne Ofen zeigt Spuren von Gewalt und ist mitten in den Raum gerückt. Fürwahr ein tolle- Bild! Und ein Toller hat e- auch zzi Stande gebracht. Schon geraume Zeit befand sich der Unglückliche tu jener Zelle zur Beobachtung seine- Getste-zuftande-. In der letzten Nacht hat er in einem Anfall von Tobsucht diese Zerstörung augerichtet. Jetzt tragt der Sträfling die Zwangsjacke und liegt in festen Ketten, damit er kein weitere- Unheil anstiften kann. Seine Ueberführung nach der Irrenanstalt ist angeordnet. Eine Helle Glocke, welche soeben ertönt, erinnert un- baran, daß die Mirtag-stunbe da ist. In der Ac.stalt-küche herrscht jetzt lebhafte Bewegung und die Köchinnen, lauter weibliche Strafgefangene, Haden alle Hände voll zu thun. Die AuStheiluug der Speisen für 250 Personen hat begonnen. Keine geringe Arbeit, da die Rationen in ebenso viele kleine Kessel eingesüllt werden müffen, die alSbald von den Außen- arbettetn in großen hölzernen Tragkästen nach den verschiedenen Sälen verbracht werden. Kartoffeln mit brauner Sauce bilden heute die Mittag-kost der Sträflinge. Wir nehmen die freundliche Einladung der Kächenvorstehertn an und versuchen die Kost, sie ist schmackhaft zubereitet. Von ihrer Güie überzeugt si L auch der Anstalt-director jeden Tag. Au- den verschiedenen Kochbehältern werden ihm Proben vorgesetzt. Für den Abend weist der Küchenzettel eine gebrannte Mehlsuppe auf. Doch morgen erhalten die Sträflinge Fleisch. Sorben trifft eine ungeheure Lieferung ein. Sie schließen wohl daraus auf die Fleischtöpfe Egypten-, gnädige Frau. Weit gefehlt! Nur einmal in der Woche verirrt sich eine solche Sendung hierher. Nur Sonntag- wtrd den Sträflingen dieser Genuß zu Theil. In der übrigen Zeit ist ihnen reichlich Gelegenheit geboten, sich zu Anhängern der Pflanzenuohlung auszubilden. Gerade wollen wir die Anstalt-küche verlaffen, als unS eine Frau mit grauem Scheitel ein Sträußchen duftender Reseden darbietet, die im nahen Vorgärtchen ptächtig gedeihen. Sie trägt auch da- SträflingSgewand. Ihr sanfte» Wesen berührt unS so angenehm, daß wir mir Theilnahme nach ihrem Geschick forschen. Wir vernehmen mit Schaudern, daß diese Frau zu lebens- länglicher Zuch'hauSstrase verurtheilt ist. Durch sortgesetzi-S Zureden hat fie einfältige Bauersleute, eine Mutter m-t ihrem Sohne, dahin gebracht, eine alte Verwandte, ihre- kleinen Vermögen» wegen, um ihr Leben zu bringen. Mutter und Sohn wurden hingerichtet. Die Anstifterin des verbrechens muß den verhangnißvollen Rath bereits seit zwanzig Jahren im Zuchthaus abdüßen. Wir nehmen Abschied von der Vorsteherin deS Küchen- reffortS, die soeben abgerusen wird. ES ist SamStag nnb wie in jtbem bürgerlichen Haushalt auch hier an bleiern Tage mehr Arbeit wie sonst. Bo entflieht schnell bee Nachmittag unb wenn bie Glocke die siebente Stunde verkündet, wirb bte Abendkost vertheilt. Feierabend ist da. DaS Tagewerk ruht. Eine halbe Stunde später beziehen die Sträslinge die Schlassäle. Die Lichter erlöschen im HauS und bald herrscht überall tiefe Stille, nur durch da- gegenseitige Anrufen ter Wachtposten zeitweise unterbrochen. Im Hause selbst, auf den matterleuchteien Gangen, wandeln die Aufseher, welche den Nachtdienst haben, mit scharfgeladener Büchse im Arm, lautlos, fast gespenstig auf und ab, denn sie tragen Filzschuhe, damit die Schläfer nicht gestört werden. Hin unb wieder unterbrechen fie ihren Gang unb überblicken bie Schlafsäle durch kleine, in der Wand angebrachte Guckfenster. Alles liegt anscheinend in tiefem Schlaf, allein mancher mag, von Gewiffen-diffen gefoltert, die Nacht auf seinem Lager ruhelo» zubringen. Doch ich sehe, gnädige Frau, Sir haben Reite.lüft genug geathmet und sehnen fich hinaus aus den kahlen Wänden dieses Hauses nnb so wollen wir unsere Wanderung beschließen. — Jahre find verflossen. Die Welt ist fortgeschritten, leider auch daS Berbrecherthuw, denn jene Strasanstalt beherbergt heute fast bie doppelte Anzahl von Sträflingen. Unb boch — führt mich ber Schtenenstrang hin und wieder durch diese Gegend, so beschleicht mich stet- ein Gefühl des M Neids, sehe ich in der Ferne die weißen Mauern jenes Hause» in Hellem Sonnenschein erglänzen unb ber Gcbanke verfolgt mich, baß bie schweren Gefängnißthore hinter Manchem zufallen, ber unseres Mitgefühls nicht unwerth ist. Möchte biese Skizze auch in Ihnen, gnädige Frau, solche Empfindungen erwecken. Mitleib zu üben ist ja das Recht der Frauen. A. 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