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Daß er diesen nächstliegenden uud einfachste» Weg ! nicht ergriffen hat, daß er durch seinen einseitigen Befehl in ■ die Machtsphäre des obersten Kriegsherrn eingegriffen uud ' diesen dadurch genöthigt hat, diesen Eingriff nachträglich j wieder ungeschehen zu machen, das ist der Grund, warum ' fich die Dinge jetzt dermaßen zugespitzt Haden. Wie verworren die RechtSbegriffe find, welche zur Zeit am Lippe'schen Hofe herrschen, geht aus dem Schreiben des Graf- Regenten vom 15. Juni an den Kaiser hervor, in welche« es heißt, daß der Graf-Regent im Jatereffe der Discipli« Abstand nehme, seinerseits Gegenbefehle zu geben, zu welche» er als Kontingent»» nnd Landesherr der auf ihn vereidigten uud verpflichteten Truppeutheile gegenüber vollberechtigt zu sein glaube. Diese indirecte Drohung greift in der schlimmsten Weise in das dem Kaiser durch Artikel 64 der Reichs-Ver- ! faffung gewährleistete und für den Bestand des Deutschen : Reiche» unentbehrliche Recht ein, wonach alle deutschen Truppen verpflichtet find, den Befehlen des Kaisers unbedtngte Folge zu geben. Diese Ausführung des Graf Regenten sei j eine so staatsrechtliche und militärische Ungeheuerltchkeit, daß : sehr wohl zu begreifen fei, daß der Kaiser über diese Drohung aufs höchste ungehalten gewesen ist. ; ..... Bien, 14. November. Der ehemalige Fiuanzminister ■ v. Plener wurde, wie erst jetzt bekannt wird, bei eine« ; Spaziergange von etnem Pferdebahnwagen uiedergestoße'u und verletzt. Sein Befinden ist jedoch nicht besorguiß- erregend. Schweiz. Der jüngst abgelaufene Sonntag war von großer Bedeutung für die Schweiz. In der Form einer Verfaffungsänderung hatten Bundesrath und Nationalversammlung dem schweizerischen Volke empfohlen, die Vereinheitlichung des bürgerlichen Rechts wie de» Strafrechts anzunehmen. Dies ist geschehen. In der eidgenössischen Volksabstimmung wurden die beiden neue« Artikel der Bundesverfaffung, welche dem Bunde die Befuguiß zum Erlaß eine» einheitlichen Recht» geben, mit rund 260 000 gegen 100000 Stimmen und mit 16'/, gegen 51/» Canto«- i stimmen angenommen. — In den Ausrufen der Freunde der ' Rechtseinheit wurde hervorgehoben, daß die Vereinheitlichmrg i des Prtvatrechtes nolhwendtg sei, da die Geltung von 25 ver- 1 schieden en cantonalen Rechten auf dem Gebiete der Schweiz ; mit ihrem lebhaften Verkehr in hohem Grade störend wrrtt und auch ihre Abgrenzung gegenüber der Herrschaft der Bundesgesetze oft unsicher ist. Die Aufstellung eines einheU- lichen schweizerischen Privatrechtes werde die Verkehrssicherheit erhöhen, den Credit des Landes heben, dem schweizerisihe« • Gewerbe und der Industrie in dem Concurrenzkampfe mit | dem Auslande eine wirksame Waffe bieten und das Bewußt- j sein der Zusammengehörigkeit de» ganzen Schweizervolke» stärken. Für die Vereinheitlichung des Sttaftechts liefert gerade jetzt der Prozeß Luccheni einen drastischen Grund; der Anarchist konnte in Genf nicht zum Tode, sondern zu „ewigem | Gefängniß" verurtheilt werden, während andere Cantone die I Todesstrafe beibehalten haben. Die Fürsprecher der Rechts- I einheit wiesen außerdem auch auf die Zusicherung von Bundes- I Hilfe bei Errichtung von Arbeit-- und Besserungsanstalten, I sowie bei Maßnahmen zum Schutze verwahrloster Kinder hin, I wodurch eine Bekämpfung der Ursachen der Verbrechen erzielt I werden kann, die den einzelnen Cantonen bisher nur in I geringem Maße möglich war. — Trotz der Bedeutung der I Vorlage ist es übrigens zu keinem heftigen Kampfe der I Parteien gekommen. Die Sache war eben spruchreif, die I materielle Entwickelung drängte unaufhaltsam dazu, und so I waren sogar ehemalige Gegner der Rechtseinheit zu ihren I Anhängern geworden oder sie hielten sich still zur Seite, weil I sie recht gut wissen, daß sie das Rothwendige doch nicht mehr I verhindern können. Lange genug hat es freilich gedauert, bis I die Einsicht von der Notwendigkeit der Rechtseinheit allgemein | geworden ist. Fünfzig Jahre sind es her, daß der Bund in I seinem heutigen Wesen besteht, und so lange hat es gewährt, I bis eine Forderung, die von erleuchteten Politikern schon vor I einem halben Jahrhundert als notwendig erkannt worden ist, I endlich ihrer Verwirklichung entgegengeführt wird. T. R. Paris, 14. November. Aus Kairo wird gemeldet: I Die gestern Abend erfolgte Abreise Marchand» nach I Faschoda war der Anlaß einer Sympathie-Kundgebung, au I welcher sich mehrere hundert Franzosen und Aegypter be- I theiligteu. Marchand wird am 24. d. M. in Faschoda ein- I treffen. Pari», 14. November. Angesicht» der der Republik I drohenden clericalen Gefahr bestellte die republikanische I Bereinigung bei Senats einen Ausschuß zur Prüfung der I Frage, ob die Schüler der Jesuiteuschuleu nicht vom Wett- I bewerb um die Aufnahme in die Osfizierschuleu ausgeschlossen I werden sollen. Marseille, 14. November. Ein furchtbares. Ge- I Witter ist tu der vergangenen Nacht über Marseille nieder- I gegangen und hat große Ueberschwemmuugen verursacht. Der I Schaden ist sehr bedeutend. London, 14. November. „Daily Chroniele" meldet, daß da» I Aermel-Canal-Geschwader, welche»aus acht Kreuzern I besteht und sich gegenwärtig im Mittelmeer aufhalr, aus noch I unbekannten Gründen zurückberufeu worden ist. Da» | Geschwader wird durch ein Reserve-Geschwader ersetzt werden. I London, 14. November. Drei Politiker auf einmal, I obschon au verschiedenen Stellen Großbritanniens, haben am I Samstag iu Reden ihre Billigung der Politik Sali»- j burh» anläßlich der Faschodafrage ausgesprochen. Der | Präsident de» Handel»amts, Ritchie, erklärte, England wünsche I nicht, dem französischen Handel Hindernisse in den Weg zu I legen, sei jedoch entschlossen, die ägyptische Herrschaft längs I des ganzen Laufes de- Nilthal» unversehrt aufrecht zu er- I halten. Sir Edward Grey, früher Uuterstaatssecretär de» | Auswärtigen, sagte, wenn England sich au» Aegypten zurück- I ziehe, so würde dieses zweifellos in seinen früheren Zustand I zurückfallen, und England würde sein eigenes großes Werk I zerstören. Der frühere Minister des Innern, Asquith, end- | lich fügte hinzu, es sei eine gute Vorbedeutung, daß eine I engere Annäherung zwischen dem britischen und dem amerika- | nischen Volke in dem Augenblick stattfiuden sollte, wo die | Bereinigten Staaten zu einer colonifirenden und einer Reich»- j Macht (imperial power) werden. Die britischen und ameri- I konischen Interessen in China seien gleichbedeutend, und ein I Zusammenwirken zu gemeinsamen Zwecken würde die ganze | künftige Diplomatie des fernen Ostens im Innersten br- I rühren. — Weiter Blick. Mit der Vermessung einer Linie I quer durch da» ganze Festland der Bereinigten Staaten von I Ror damerika ist eine wichtige und große Arbeit in den I letzten Monaten zum Abschluß gekommen. Am 3. März 1871 | faßte der Congreß den Beschluß, eine geodätische Verbindung zwischen der Küste am Atlantischen und Stillen Weltmeer herzustellen. Die Arbeiten wurden bald darauf in Angriff genommen, und jetzt ist diese Linie vollendet und läuft vom Kap May Leuchtthurm auf der äußersten Spitze von Neu- Jersey bi» zum Point Arrua-Leuchtseuer in Californien und hat eine Länge von 2625,6 englischen Meilen. Anfang und Endpunkt liegen bi» auf wenige Meilen Unterschied in derselben Breite. Ueber Berg und Thal mußte natürlich die Linie vermessen werden, und vier ihrer Punkte liegen iu einer Meere»höhe von über 14000 Fuß und 20 über 10000 Fuß. Interessant find nun die Sehweiten, die bei den Vermessungen im Gebirge erreicht wurden. Die längste Sehlinie, die in der Geschichte der Landesvermessung wohl einzig da- stehen dürfte, war die von Uucompahgre Peak in 14300 Fuß Meereshöhe bis zum Mount Ellen, der 11300 Fuß hoch ist, beide im Felsrngebirge. Die Länge dieser Sicht erreichte 183 englische Meilen, daS find fast 300 Kilometer, etwa so weit wie von Berlin nach Kiel oder Bornholm oder vom Montblanc bi» nach Straßburg oder vom Brocken bis nach Köln. Ueber 20 Mal wurden Strecken von mehr al» 160 Kilometer Länge gesichtet, also Strecken, die von Berlin bi» nach Dresden reichen. Asten. Eine erneute Kaltstellung Li-Hnng- Tschaug» scheint vorgenommen zu sein. Er hat soeben den Befehl erhalten, sich nach der Provinz Shantung zu begeben, um mit de« Bierkönig über Maßnahmen zu berathen, durch welche tu Zukunft Urberschwemwungeu de» Gelben Flusse» verhindert werden könnten. Dieser Antrag deutet laut einer Pekinger Meldung daraufhin, daß Li-Hung-Tschang seiner Dienste als Minister enthoben ist. — Doch ist der Inhaber der gelben Reitjacke schon so oft wieder au» der politischen Versenkung aufgetaucht, daß auch sein jetzige» Verschwinden wohl nur al» ein zeitweilige» betrachtet werden kann. — Iu China wurde die französische wissenschaftliche Mifsion Bonin in der Provinz Sze-tschwan nahe der tibetanischen Grenze angegriffen. Bier anawitische Träger wurden leicht verwundet. Die an dem Ueberfall schuldtragenden Mandarinen find festgeuommen wurden. — Die Anlässe für die europäischen Regierungen, sich mit Beschwerden an da» Tsuug-li' Armen zu wenden, scheinen wirklich kein Ende nehmen zu wollen. Locales unb provinzielles. Gieße«, 15. November 1898. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Bersammlnug Donnerstag den 17. November 1898, Nachmittags 3^ Uhr pünktlich: 1. Gesuch de» Marku» Bauer um Erlaubniß zur Anbringung einer Laterne am Hause Kirchrnplatz 11. 2. Bauzesuch des H. Trrpptnger für den Krofdorferweg- hier: Dispensatiousgesnch. 3. DeSgl. des Gotthilf Röhrle für die Marburgerstraße. 4. Ueber- nähme de» Mittelrheinisch-Badifch-Pfälzifchen Schützenfestes im Jahre 1899; hier: Gesuch des Schützenvereins um Er- laubntß zum Neubau einer Schirßhalle nebst Schießständeu. 5 Gesuch des Gärtners Fr. Schmitz um pachtweise Ueber- lassung eine» Kellerraumes in der Stadtmädchenschnle. 6. Ausführung des südöstlichen StadterweiterungSplaue»; hier: Geländeerwerb von Peter Keuuel. 7. Die Beleuchtung des Schrffenbergerweg». 8, Gesuch bei Vorstandes der Königl. Maschiuen-Jnspectiou Gießen um Beleuchtung de» Riegel- Pfades. 9. Ausführung des GaS- und Wasserwerks in der Johaunesstraße. 10. Verlegung einer Abzweigung der Wasserleitung in den Weg von der Neustadt nach Körner! Garten. 11. Einführung der Wasserleitung in daS Haus Tiefenweg 18, dem Hospital gehörig. 12. Aufstellung eines Bentilbrnnnen» im Hofe des Realgymnafium». 13. Herstellung eine- erhöhten Bürgersteiges in der Lubwigstraße zwischen Lebig- und Wil- Helmstraße (vüdostseite). 14. Gesuch del Gg. Schäfer um Entfernung eine! Baumei vor seinem Neubau an der Licher- firaße. 15. Uebernahme der Unterhaltung der Begräbuiß- stätteu der Adolf Weidig Eheleute durch tte Stadt Gießen. 15a. Berwillignng von Lohuzulageu an städtische Arbeiter. 16. Errichtung einer BolkSlesehalle; hier Creditüberschreitung. 17. Die R-chnung der Stadt Gießen für 1897/98; hier: die Uebertragnug von Crediten. 18. Die Wahl der Beisitzer für die bevorstehende Stadtverordnetenwahl. 19. Gesuch de» August Bergemanu um Erlaubniß zum Wirthschaftsbetrieb im । Haufe Wallthorstraße 46. 20. Gesuch der H. Felfing Ehefrau um Erlaubniß zum Wirthfchaftsbetrieb im Hause Wolf- struße 9. 21. Gesuch de» Rudolf Buchacker um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein Über die Straße im Hanse Wallthorstraße 18. 22. Desgl. del H. Gengnagel im Hause Neuenbäue 10. 23. DrSgl. bei Carl Reh im Hause Tiefen- weg 6 24. DeSgl. der Frau Emma Seuling im Hause Vteinstraße 78. 25. Gesuch drr W. Knpke Ehefrau um Erlaubniß zum Wirthschaftsbetrieb im Hause°LndwigSPlatz 13. ** Theater-Berein. Mittwoch den 16.November: „Hof- gunst" von Trotha. Wir können heute constatiren, daß Trothas „Hofgunft" nicht nur des Volkes Gunst, sondern auch wirklich Hof-Gunst gewonnen hat. Nicht nur, daß in Berlin die Fürstlichkeiten befreundeter Höfe mit Behagen die Persiflirung ihrer Bückeboldr bei der dortigen Aufführung verfolgten, sondern auch unser verehrter Landesherr hat in seinem Hoftheater in Darmstadt seinen Gästen, den russischen Großfürsten, ebenfalls den harmlosen Schrrz zeigen wollen. Die auf Allerhöchsten Befehl angesetzte Vorstellung fiel freilich au», aber nicht au» politischen Gründen, sondern weil der Oratorien-verein, der an demselben Abend eine Ausführung hatte, um Rücksicht bat, die ihm auch dann gewährt wurde. Am Donnerstag wird nun die verschobene Vorstellung vor dem Darmstädter Hof und der zum Besuche dort weilenden Prinzessin Heinrich von Preußen statt- finden. *• Sangerkrauz-Concert am 27. November 1898. Der Männergesang-Berein Sängerkranz hat sich, seitdem er unter der Leitung Franz Bauer» steht, nach der musikalischen Richtung hin in schönster Weise entfaltet und sich durch Hinzuziehung von Frauenstimmen zu einem gemischten i Chor erweitert. Franz Bauers Berstäudniß, Thatkraft und Zähigkeit hat es nun verstanden, auf beiden Gebieten ersprießliche Leistungen zu erzielen, die sowohl dem Dirigenten wie dem Verein zur Ehre gereichen. Bedeutende Chorwerke, wie „Antigone", Walpurgisnacht", „Erlkönigs Tochter", „Schön Ellen" find bereits in schönster Weise gehört worden, für diesmal (27. November) ist eines der bedeutendsten Werke von Mendelssohn, Athalia", au»* gewählt worden. Als Solisten find engagirt: Frau Balser- Land mann-Hanau (Sopran), FrU Krausse - Gießen (Mezzo-Sopran), Frl. Koch-Wlesbaden (Alt), Orchester: die hiesige RegimentScapelle. Die große Anzahl von inaetiven Mitgliedern macht e» unmöglich, die Aufführung öffentlich vorzunehmev, daher hat der Borstand in dankenSwerther I Weise beschlossen, eine Hauptprobe am Vormittag anzn- I setzen, die gegen ein bescheidenes Eintrittsgeld Jedem zn- | gänglich sein wird. I Die „Zeitschr. f. d. landw. Vereine" schreibt: Kürz- | lich feierte der Geh. Hofrath Prof. Dr. Dr. A. Thaer In I Gießen seinen 70. SebnrtStag. Wir bringen dem Enkel deS I berühmten „Baters der rationellen Landwirthschaft" nachträg- | lich unsere herzlichsten Glückwünsche für einen sonnigen LebeuS- | abend und weiteres rüstige» Schaffen. Die deutsche land- I wirthfchaftliche Literatur verdankt ihm durch eine große Zahl | gediegener Werke eine werthvolle Bereicherung, von denen I wir besonders hervorheben möchten: „Die Direktion des Land- ] gutes", „System der Landwirthschaft", „Die landwirthschaft- \ lichen Unkräuter" und die Neubearbeitung von A. D. ThaerS ! „Grundsätze der rationellen Landwirthschaft". — Der „Ber- I Itnet Club der Landwirthe" und der „Berliner Verein deut- 1* scher Landwirthschaftsbeamteu" haben in einer Glückwunsch- Adresse den Jubilar al» Mitbegründer dieser Corporationen besonders gefeiert und sein warmes und opferwilliges Eintreten für die Ziele der allgemeinen Menschenliebe mit besonderem Danke anerkannt. — ES freut unS aufrichtig, den Gefeierten so geehrt zu sehen, der in unserer engeren Heimath seit einer Reihe von Jahren al» Dozent in so segen»reicher Weise auch weit über die Landeszreuzen hinan» wirkt, und außerdem noch Zeit gefunden hat, speciell die hessische Landwirthschaft im Provinzialverein für Oberheffen und durch werthvolle Beiträge für die „Zeitschrift für die landw. Vereine bei GroßherzogthuwS Hessen" feit Jahrzehnten zu fördern. ** Kaufmännische Fachschule. In der letzten Sitzung der Schulcommission der Kaufmännischen Fachschule wurde eine Deputation gewählt, bestehend aus den Herren Karl Orbig und Knauß, welche in Sachen genannter Schule bei Großh. Ministerium referiren sollte. Heute nun erfahren wir, daß Seine Excellenz der Herr Staatsminifter durch sein Secretariat dem Vorsitzenden des Kaufmännischen Verein», Herrn Kaufmann Karl Orbig, die Nachricht hat zugehe« lassen, daß er genannter Deputatton nächsten Mittwoch oder Samstag Audienz ertheilen wolle. •* Der Schachclub, der in diesem Winter da» vierzigjährige Stiftunglfeft feiert, veranstaltet ein großes Jubiläumsturnier unter seinen Mitgliedern. Von Gönnern edlen Spiele» find namhafte Preise gestiftet. ♦* Einbruch. In vergangener Nacht wurde in zwei Wirtschaften in der Bahnhofstraße eingebrochen bezw. durch offenstehende Fenster eingestiegen. In einer derselben erbrach der Dieb den Musikautomat und nahm das dari« befindliche Geld mit, und in der anderen entwendete er aus der Küche zwei Hemden und ließ seine schmutzigen Hemden und einen Ueberzieher zurück. •• Einen Auflauf verursachte gestern Nachmittag in den Neuen Bäuen ein Ehepaar durch gegenseitiges Zanken und Schlagen. Da der Ehemann auch des Abends wieder Scandal anfing, wurde er, um die Ruhe herzustellen, in Hast genommen. *♦ Verhaftet wurde ein Postbediensteter von auswärts, welcher in betrunkenem, tobsuchtähnlichen Zustande in einem Hause der Crednerstraße eine Frau in einer Weise belästigte, daß sie laut um Hilfe schrie, und ein Auflaus entstand. ** Wetterbericht. Hoher Druck bedeckt ganz Europa mit Ausnahme des äußersten Nordwestens, woselbst eine flache Depression liegt. Kleinere Unregelmäßigkeiten find' noch Über Westfalen und im deutschen Küstengebiet, wie am südlichen und westlichen Mittelmeerbecken zu eitcnnen. Die Witterung ist allenthalben ruhig, im Flachlande vielfach nebelig. Dieser Witterung» Charakter dürfte vorläufig noch auhalten. — Voraussichtliche Witterung: Je nach der Oertlichkeit heiteres oder nebeliges Wetter. veller»heim, 12. November. Ein braver und fleißiger hiesiger Einwohner, Vater eines Kindes, au» Eberstadt stammend und nach hier verheirathet, ist seit vorigen Dienstag Vormittag verschwunden, ohne daß fein Aufenthalt bis jetzt ermittelt werden konnte. Ob der Mann, der sich in geregelten Verhältnissen befindet und am Sonntag noch einer Familienfeier bei Verwandten in Darmstadt beiwohnte, von wo er am Montag guten Muthel nach hier zurückgekehrt ist, fich ein Lrid augethan hat oder verunglückt ist, konnte bi» jetzt nicht feftgrstrllt werden. Der betreffende Mann ist en. 30 Jahre alt und ist mit Arbeitsanzug bekleidet. Die ganze Gegend und die ausgedehnten Waldungen find schon von der hiesigen Einwohnerschaft abgesucht worden, jedoch ohne Erfolg- 4- Nidda, 14. November. Berwichene Nacht gegen 1 Uhr verkündeten Feuerrufe und Alarmsignale den AuSbruch eines Brande», der dritte seit 8 Wochen. Auf dem Ruppett- hofe, einer Anhöhe nächst dem südöstlichen Stadteude brannte« mehrere große Sttohhaufen lichterloh, sodaß der Feuerschein weithin sichtbar war. Da» Feuer wurde bald gedämpft und das übrige in der Nähe auf Haufen fitzende Stroh geretter. Die Sigenthümer des Strohe» hatten solche» nicht versichert. ES wird Brandstiftung vermuthet. Friedberg, 12. November. Behuf» Erlangung geeigneter Entwürfe für den Neubau eine» Gymnasial- und Realfchulgebäude» hatte die Stadt Friedberg einen öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben, zu dem ein hochherziger Friedberger Einwohner, der ungenannt bleiben will, 3000 Mark zur Verfügung gestellt hat. Da» Amt eine» Preisrichters hatten außer je einem Vertreter der Stadt und der Schule die Herren Oberbürgermeister Gnauth in Gießen, Geh. Oberbaurath Hofmann und Professor Wickop in Darmstadt in liebenswürdiger Bereitwilligkeit übernommen. 61 Entwürfe find eingelaufen, die nunmehr bi» zum 21. Ifd. Mt». im Cafinogebäude öffentlich ausgestellt find, nachdem da» Preisgericht feine Entscheidung getroffen hatte. Sin erster Preis von 1200 Mt. wurde dem Entwurf „Wappen: Wetterau" — Verfasser Herr Architect Thhriot in Köln — und je ei» zweiter Preis von 900 Mk. dem Entwurf „Schlicht" — Verfasser die Herren Architekten Blattner & Slotzbach in Barme» I und dem Entwurf „Malerisch Eck" — Verfasser Herr Architekt Müller in Hannover — zuerkannt. Welcher Entwurf zur Ausführung kommt, ist noch nicht entschieden. Darmst. Ztg. Darmstadt, 15. November. (Telegramm.) Die mit einem Sostenaufwande von 800,000 Mk. errichteten Gebäude der Bictoriaschule (höhere Töchterschule und Lehrerinnenseminar) wurden heute Vormittag im Beisein Sr. Königs Hoheit des Großherzog», de» Prinzen Wilhelm, der Prinzessin Ludwig von Battenberg, der Spitzen der Staat»- und städtischen Behörden feierlich eingeweiht, Die Feier verlief glänzend. Dem Festakt für die Ginge- I lobenen und Schülerinnen folgte eine Besichtigung der An- I statt. Abend» findet ein Festspiel im Saalbau statt. Der I Erbauer, Professor Beck wurde durch OrdenSau-zeichnnug I geehrt. I Darmstadt, 14. November. Ein sog. „Studenten« I st r e i ch", wurde in letzter Nacht am großen Arnheiter'fcheo I Laden auf dem LadwigSPlatz verübt, indem ein Karren d» I denselben geschoben und dieser den Abschlußladen durchdranr I und die Scheibe zertrümmerte. Der „Spaß" dürste thener' | zu stehen kommen. B Dct0 $ |a 6t|d J,ü«{ 'S--Ä **11 übersWi"M. Me »ir au* ö. schmutzige Se rös schaar uud ekelev für Lag bta < uud Meu M' üou F-ldM r-- Litftt We hab gkoßru Shaaffrea S-hutz gegen das ober sooü'ge Pol "7üi7 Sa 29 3-S durch bett Fwiizol !ml ttiffnd. Suez ermöglichte Mn ftstumdu (DAuWmgdr Von William ,WaS Ihr itx RraMamr io V.l hnM» Orsi M MM drzau einem dtMru ri stab iu Haudrn Dasein brtugt - Beilen, daS ist r ab» 300 Jahre schauer „wie ein „Tons les - Brrzrihung f AuSspruch flame steht zu recht, u kämpfen, wenn u ist, blt hier gepri muß natürlich ob hl TMnl »o htm hrieMM Kaust btl Avdrie über den Hausei dm Areopag ei geheuerS WM Diugru die Gl Mobs sauctioni Tchueider uud Finden diese Ll S?istenzderechttgl vod Alle, ist |n lasser solcher Ein dabm. Dmn null ^solg, die Anrrl der Liieratnrgeschi der Prlidr, f "eh« btn iSiudrir »W «schlossen unsere Her«, ”w«> L Ar. > rvL *■« Sä® alt. % k ®,lm8 W M W j-“1' IWtll< w Sjta . " ^rrni » Wt(. LT« 9- die 3lad)tiit L v-T-äfr SSE -* S* Ni «1. k H 2 emgebrochen 3n einer derselben b*F und nahm dar btm entwMe er m u° feine schmutzigen Hemden We gestern Nachmittag in den durch gegensettiges Zankm und M des Abends miedn Ecandal ^iuhe herzustellen, in Hast -e- Postbediensteter von ans- v tobsnchtühnlichen Zustande in ße eine Frau in einer Wir Hilfe schrie, und ein Auslaß Druck bedeckt ganz flwropi i Rordmestent, ivosribst rfct inne Uuregelvkihigkeitni sie» »uischw ALsteugediet, eit trn ilmmbtitn zu nttnntn. Dir ruhig, im tziachiaude tltlfai Lhnaetn dürste voMustg n»i tliche Witterung: Je »r 1 nebeliger Wrttn. brr, lila braver und Mn nes Kinder, au« Tberstadt sti^ athet, ist seit vorigen t)lcnlit; , ohne daß sein Lnfenthalt dir Ob der Mann, der sich io )tt unb am Sonntag noch tlnn fn Darmstadt beivohote, von cher nach hier Michtkchi ft. dtt UtrvugM ist, Wt W Der drtrrstwdt Dmu ist tbtltlQDR b»tt. Dir ganzt n Waldungen find schon °°° °" »sucht worden, stdoch ohve^sch r. Berwichenr Ml gegen Mmfignalt d-° 8 Wochen. Aus sodah der Feuerschl ' ,S« ß».°i- e»'! L Mlito 8,6 $a« am ff”'1 •*“ ’m# * 6,1,1 j- * »---<>10 fSSSfes 10, «• H «M "Ttaw. ** , dem °,Mbach jr-Ssr«8 KAU *2! > W z,«».-'!! her ®ln ^en sOr^ rrrtt' lil Atzeintzeßen, 13. November. Nachdem tm September nab Dctober infolge niederen Rheinwafferstandes die Schiff- fahrt nur tu beschränktem Matze ausgeführt werden konnte, tft dieselbe gegenwärtig wieder völlig im Sange. Besonders find es ganze Schleppzüge mit Sohlen und Frucht, welche täglich unaufhörlich den Rhein hinanfgehen. Der zeitweise eingetretene Frucht und Sohlenmangel ist nun wieder 6t» Koben. — In Nieder-FlörShei« wurden am Samstag auf der Treibjagd (ca. 2000 Morgen) 663 Hasen, in Aden» bfün (ea. 2200 Morgen) 615 Hasen erlegt, «in solch gutes Ergebnitz wurde in ganz Rheinheffen seit Jahren nicht verzeichnet. Darmst. Zrg. Uns Rheinheßen» 12. November. Lin Theil von Rhein» besten ist gegenwärtig mit Zigeunern wieder geradezu Überschwemmt. Meistens von den Pferdemärkren an der Nahe wie auch von dem rechten Rheinufer kommend zieht die schmutzige Gesellschaft in langen Reihen, eine unzählige Sinder» schaar und ekelerregende Frauen beherbergenden Wagen Tag für Tag in den Ortschaften umher, machen hier unb da Halt und ziehen zu« Betteln unb theilweise auch zu Diebstählen von KeldfrÜchten und sonstige« aus. Am Meisten unter dieser Plage haben die Landgemeinden zu leiden, die an geotzen Ehausteen liegen, unb ist man häufig genSthigt, zum Schutz gegen da» Nomabenvolk von Auswärts Sensdarmrrie oder sonstige Pvlizeiqewalt zu requiriren. A»S dee Seit für dis JtK Lor 29 Jahren, am 16. November 1869, wurde der durch den Franzosen Ferdinand LessepS gebaute Suezkanal eröffnet. Diese Durchstechung der Landenge von Suez ermöglichte es, daß der Seeweg zwischen Europa und Indien fast um die Hälfte verkürzt wurde. »Hofgunst. von Dr. M. Schilling. (Zar Ausführung des Theater-Bereins am 16. November 1898.) Bou William Shakespeare zu Thilo von Trotha- von .Was Ihr wollt" zu „Hofgunst"; aus den blumigen Auen der Renaistauee in die kahle Gegenwart hinaus- vom Hose bii Herzogs Orfivo von Illyrien, wo unsere Sinne sofort sütze Mufik bezaubert, an den Hof eines Fürsten Leopold in einem deutschen Duodezstaat, wo die Iutrigue den Herrscher» stab in Händen hält und Abwechslung in bas eintönige Dasein bringt — bas ist ein kühner Flug über Länber unb Zeiten, bas ist ein gewaltiger Schritt mit Siebenmeilenstiefelü- aber 300 Jahre finb in ben Augen phantafiedegabter Zuschauer „wie ein Tag, ber gestern gewesen". „Toub les genres sont amüsante hors les ennuyeux“ — Verzeihung für ben ungenauen Wortlaut — ber frivole Ausspruch stammt aus Voltaires Munde. Das Wort besteht zu recht, unb es wäre eitel Thorheit, bagegen anzu- kämpfen, wenn es auch bie banalste Weisheit von ber Welt ist, bie hier grprebigt wirb. Die Zunft ber Literarhistoriker muß natürlich ob eines solcher» Richtspruch! au» dem Munde des Spölters von Ehätenoh Zeter unb Morbio schreien, denn diese Marktschreterphilosophie ist der Todesstoß für ihre Kunst de» Rubriciren», da» heißt alle schulmeisterliche Weisheit Über den Haufen werfen, da» wetterwendische Publikum in ben Areopag einsetzen unb bie Fahne de» vielköpfigen Ungeheuer! Willkür hiffen. Da» heißt auch in literarischen Dingen die Sleichheltsrechte proelamiren, da» Urtheil de» Mob» sanctioniren unb Herrn Hinz und Kunz, Gevatter Schneider unb Handschuhmacher aus bin Schild erheben. Finden biese Leute eine Sache amüsant, so hat fie ihre Existenzberechtigung, fie lebt weiter, ber Erfolg ist ihr holb, unb Alle» ist in schönster Ordnung, wenn die Herren Ber- faffer solcher Eintagsprobuctr keine literarischen Prätrnfioneu haben. Denn unüdersteigliche Schranken trennen den ephemeren Erfolg, die Anerkennung der Zeitgenoffen von dem Unheil der Literaturgeschichte. Mit auSgestreckrem Arm, unnahbar wie ber Pelide, steht ber «unstrichter an den Thoren und «ehrt ben Eindringlingen, bie die Pforten ber Ewigkeit schon für sich erschlaffen wähnen, den Einlaß. Es ist ein Glück, daß unsere Herren Dichter von heute fich mit dem bescheidenen Schmelterlingsdasein begnügen nab nur um bie Gunst de» Publikums buhlen- denn manchen kostete ber kühoe Salto- mortale ben Sopf. Unb schließlich, es ist doch ein hehre» Ziel, die Ztitgenoffen zu begeistern- ihr Beifall ist „Lohn, der reichlich lohnet". Sicherlich wirb heute keiner Literaturgattung so reicher Beifall zu Theil wie dem Schwank — ich sage: Schwank, denn nie waren wir weiter entfernt von ber Errungenschaft Moliäres, ber Eharaktercomödie, al» heutzutage. „Der Sönig ber modernen Bühne", lesen wir im neuesten Kunst- wart, „tfi der Schwank. In reichen Falten fließt ber Mantel der Macht von seinen Schultern, und das beglückte Volk jubelt, wenn er sich in aller Herrlichkeit seinen trunkenen Blicken offenbart .... Der Schwant hat i» ästhetischen Parlament eine fichere Majorität. Wenn er lächelnd die Bühne betritt, verstummt bie Kritik unb dienert befliffm. «tue lumpige Tragödie wird gedreht, gewendet und unter die Lupe genommen. Aber ein Schwank — ah, der Schwank ist Sönig!"-- Doch selbst »Vnig Schwank will nicht mit Fuhrmanns. Händen, sondern mit GlocLhandschuhen angegriffen werden. Sein Herrscherstab, die Pritsche, will mit Eleganz geschwungen, feine Srone, die Schellenwütze, mü Effekt getragen sein. N®tx einen Schwank schreibt, hat große Rechte. Er darf fich über jede ernsthafte P ychologie und über jede innere Nothwendigkeit Hinwegsetzen wie ein Student am ersten über dir Gesetze der Finanzknnst. Wer aber Rechte hat, hat Pflichten, und wir können zu unsere« Leidwesen die Schwan- eantoren von diesem hausbackenen Satz nicht ausnehmen. Wir fordern von ihnen irgend eine originelle Figur, irgend einen originellen „Soup", irgend ein originelle» satirisches Streiflicht, kurzum irgend etwas Originelles." Leider läßt uos nach dieser Seite Thilo von Trothas „Hofgmrst" i« Stich. Da» kleine Fräulein vicky von i Hohenstein — eine „Bombenrolle" sür die Naive —, das nicht auf den Sopf gefallen ist und den Mond auf de» rechten Fleck trägt, ist gewiß ein recht » spaßiges Ding, aber durchaus typisch, nach der Backfi chschablone zugeschnitten. Diese eufante terribles find seit Jahrzehnten aus unseren Bühnen ein ebenso beliebter ThpuS wie die Schwiegermütter- Xanthippen, ebenso heimisch dort wie der Lieutenant ä la Schlitg-n in den „Fliegenden", vicky hat nichts vor all den Backfischen der Moser und Schönthan, der Blumenthal und L'Srronge voraus, nur daß fie — und darin liegt vielleicht das Neue, der Soup — den ganzen Abend kaum von der Bildfläche verschwindet, von einem originellen satirischen Stretftichte, das aus die Hoslnst fiele, ist nicht die Rede- behaglich werden die Zustände ausgemalt, fern von jeglicher Manier, aber doch auch ohne irgend etwas Neues zu bringen, was uns nicht längst aus tausend und abertausend Romanen geläufig wäre. Unb alle bie übrigen Personen, die fich um vicky scharen, finb völlig conventionell: ber loyale Fürst, bie Fürstin Mutier, bie viel auf bie Etikette hält, bie intrigante Oberhosweistrrin, bie Hofschranze von Roben, ber biderbe Minister, der schöne Flügeladjutant, die treue alte Seele von Diener, wem find das nicht von Jugend auf Bekannte? Und selbst eine englische Erzieherin mit dem nichts weniger als englisch klingenden Namen „Fräulein Stern" giebt ihre lächerlichen Erziehungsgrundfätze -um besten und treibt den Taut so weit, daß fie einen Spaziergang im Park — horribile dictul — in der Dunkelheit für ein Capital- verbrechen hält. Tont le monde weiß, daß bie englischen Mädchen viel freier erzogen werden, als dies bet uns ber Fall ist, aber bie englische „Governetz" steht nun einmal bei unS in dem Ruf, daß fie zelotische Moralistin ist, und es wäre vergebliche Mühe, solchen eingeseffenen Anfichten die Spitze abzubrrchen. Die Typen find amüsant und damit haben fie fich sogar vor Voltaires sceptischrm Auge ihre Da- seinsberechtigung gefichert. Rechten wir also nicht weiter mit Herrn von Trotha, seien wir ihm dankbar für daS harmlose „Lustspiel", welches er uns bescheret hat, und das selbst einen Griesgram unb Tauertopf zum Schmunzeln anregen muß. So lange man uns nicht literarisch kommt, wollen wir nicht literarischen Maßstab anlegen. Bon William Shakespeare zu Thilo von Trotha- von Ihr wollt" zu „Hosgunst". Macht fort! DaS Spiel kann beginnen! PmRifdpt**' • Düsseldorf. 12. November. Bei herrlichem Herbst- wetter vollzog sich heute Vormittag auf der neuen Düffel- dorser Rheinbrücke unter dem geschmückten ersten Pseilerportal die Einfügung des letzten Nietes. Nach Ansprachen des Bauleiter», Wafferinspecior Nakonz und der Commerzienrath- Heinrich Lu eg vollsührten Hammerschläge zunächst die drei zur Feier erschienenen Minister. Der Minister des Innern, Freiherr v. d. Recke, gab im Auftrage des Kaisers folgende Auszeichnungen bekannt: Commerzienrath Heinrich Lueg wurde zum Geh. Commerzienrath ernannt; den Rothen Adlerordcn 4. Klaffe erhielten Franz Haniel, Ober- bürg'rmeister a. D. Haumann und Wafferbouinfpeclor Nakonz; den Kronen Orden 3. Klaffe Profeffor KrvhnSterkrade; das allgemeine Ehrenzeichen mehrere Werkmeister, Monteure und Poliere. Geh. Commerzienrath Lueg schloß diesen Theil der Feier mit einem Hoch auf den Kaiser. Dieft» gab da» Zeichen sür die zahlreichen reichbewimpelten Dampfer und Schlepper zum Salutschießen. Auf dem ersten Brückenportale stieg eine mächtige Flagge mit den Reich-farben empor, von den vielen Tausenden von Zuschauern läng» des Ufers mit brausendem Hurrah begrüßt. In drei Sonderzügen fuhren die Festgäste von der neuen Brücke aus auf der neuen Bahn nach Krefeld, wo die Stadt Krefeld in der Gesellschaft „Verein" einen Imbiß bot. • Auetkennuagk-Diplo-e für Arbeiter. Die Handels- kamwer zu Wiesbaden versendet soeben an Industrielle, Kaufleute und Gewerbetreibende ein Rundschreiben, tu welchem angefragt wird, ob die Adressaten geneigt find, an die in ihren Betrieben seit 25 Jahren thatigen Arbeiter von der HaodelSkamwer auszustellende Anerkennungs-Diplome zuver- leihen, bezw. solche Diplome, eventuell gegen Erstattung ber Selbstkosten, von ber Kammer zu beziehen. • ein Fevspitlhan» a» Rhein. Aus Mainz wird den „M. N. N." geschrieben: „Was lange währt, wird gut!" Dieses alte Wort, das allerdings nicht immer zutnfft, gilt wohl von btm Bungert'fchen Festspielhaus in Godesberg a. Rh. Freilich, der ursprüngliche Plan wird nicht zur Ausführung gelangen, denn es werden dort außer Bungert noch andere Componisten gehört werden. Während des letzten Sommer» ist der auf dem Höhenzuge südwestlich von Godes» berg gelegene Bauplatz in den Besitz der Gemeinde über» gegangen. Herr Bürgermeister Dengler macht jetzt nachstehende MMheiluugen:.....Es wird versucht werden, hervor» ragende Architecten zu interessiren, die Entwürfe für da» Festspielhaus auf Grundlage des nunmehr gegebenen Terrain» liefern. Solange man nicht die Terrainfrage definitiv gelöst halte, war die Projettirung ausgeschloffen, da das Festspiel» Haus der Gegend angepaßt werden muß. August Bungert hat die kräftige Anregunq zum Bau de» Festspielhauses ge» geben; seine Werke werden dort den Vorzug erhalten. Der Compomst ist jedoch mchl so parteiisch, zu verlangen, daß ein Musentempel ausschließlich für ihn zu schaffen sei. Bungert ist vielmebr der Meinung, daß in diesem Festspielhaus alle großen Musikwerke zur Aufführung gelangen müffen, aber m so vollkommener Weile. daß sie künstlerisch und bühnentechnisch kaum übertroffen werden kann." — Ein Ziel, so schön, daß man nur wünschen kann, e» möge die Ausführung nicht hinter dem Vorsatz zurückbleiben'. Dtrle^r, Land- unb Gieße», 15. November. Marktbericht. Aus bem, heutigen Dochcnmarkl kosteten: Butter per Psd. .X 1.00—1.HO, Hühnereier per Ei. 6—9 H, 2 6t. 13—17 Enteneier 2 Et. 00—00 4. Gänse» ein per El. tl—13 A, Käse 1 St. 5—8 Käsematte per Et. 8 4, Erbsen per üüer 20 4, Linsen per Liter 30 Tauben per Paar X 0.60—0.60, Hühner per Et. X 1.10—1.30, Hahnen per Stück X 0.70—1.40, Enten per St. .< 1.80—2.50, Gänse per Pfund X 0.48—0.6b, Ccbfenfleifd) per Psd. 68—74 Kuh- unb Rindfleisch per Pfd. 46—58 H, Schweinefleisch per Psd. 68—76 Schweine» leisch, aesaften, per Psd. 80 Kalbfleisch per Psd. 64—66 Hammelfleisch per Psd. 50—70 Kartoffeln per 100 Kilo 5.50 bis 6.50 X, Weißkraut per Et. 10—20, Zwiebeln per Etr. X 5.00—5.50, Milch per Liter 16 Zwetschen per Etr. X 6.00—0.00. Dauer der Marklzeit von 8 Uhr Morgen» bi» 2 Uhr Nachmittag». Während der ersten 3 Stunden der Marttzeü darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. Neueste Nachrichten. Depeschen des Buren» .Herold'. Berlin, 15. November. Bei der gestrigen Ersatzwahl zum Reichstag im Wahlkreis Schaumburg Lippe wurde Müller (sreis. volkßpartei) mit 8701 gegen Straffer (conf.) mit 3115 Stimmen gewählt. Berlin, 15. November. Das „Kleine Journal" meldet au» Pari»: Der Eaffatioushof gedenkt ans bas verhör Freycinets und Lebrun RLaaults zu verzichten. Die Untersuchung ist wahrscheinlich bald beendet. Hamburg, 15. November. Da» hanseatische Ober-Landes» gericht berieth gestern Über die Berufung der Photographen Wilcke und Priester gegen die Verfügung de» Hamburger Landgericht», wonach die Benutzung und Verbreitung der Silber de» Fürsten Bismarck auf dem Sterbelager bei Androhung von sechs Monaten Hait sür jeden einzelnen lieber» tretungsfall verboten wurde. Der Urtheilsspruch wurde auf den 21. November ausgesetzt. München, 16. November. Die bayrische Staats-Regierung beschloß die Aushebung ber Beamten Kautionen in absehbarer Zeit. Wien, 15. November. J-t hiesigen politischen Kreisen hält «an eine englisch-amerikanische Vereinbarung für eine auSgemachte Sache. Doch glaubt man, bie Entente sei geeignet, den Dreibunb bezüglich seiner FriebenSzwecke zu starken und bie Bedeutung be» rusfifch-franzöfifchen Zwei- bundeS babu'ch abzuschwächen. Wien, 15. November. In der vor vergangenen Nacht wurden durch starken Nebel auf den galizischen Staat-bahnen drei Up fälle verursacht. Außer dem bereits gemeldeten Unfälle bei Czarnow kamen noch zwei Unfälle bei den Stationen Tainow und Markowice vor. E» wurden mehrere Personen getödtet und verwundet, auch der Materialschaden ist bt trächtlich. Paris, 15. November. In der „Libre Parole" erklärt Drumont, Rußland habe Frankreichs Ersuchen um Unterstützung in der Faschoda-Frage durch eine Demonstration an der afghanischen Grenze ober im chinesischen Meere schroff zurückgewiesen uno bie französischen Politiker burch frostige Zurückhaltung geängstigt. Rom, 15. November. Bei dem Besuch in Eagliari wirb das brutsche Kaiserpaar, begleitet von dem Staats» Secretär Tirpitz bie Neptun Grotte in Alghero besuchen. Das italienische unb das französische Mittelmeer-Geschwader begrüßt das Kaiserpaar in Eagliari. Vier italienische Kriegsschiffe find bereits dort eingetrofftn. Lyon, 15. November. Infolge heftiger Regengüffe ist die Rhone bedeutend gestiegen. Mau befürchtet Uederschwemmungen des Userlandes. London, 15. November. „Daily Mail" berichtet an» Kairo, daß man in dortigen Kreisen sehr verwundert sei, daß Marchand nicht über da» Nitthal zurückberusen worden ist. Das Blatt glaubt, die sranzöfische Regierung beabfichtige hiermit zu verhüten, daß burch die Rückkehr durch englische» Gebiet das Ansehen der sranzöstschen Armee leiden könnte. London, 15. November. Daily Ehronicle meldet vom Eongo: Eine starke sranzöfische Expeditton, die muthwaßlich mit Marchand in Verbindung stehe, marschtre auf El-Odeid und Kordosan, wo scharfe Kämpfe erwartet werden. London, 15 November. „Daily Ehronicle" de«entirt enifch'eoen die Nachricht von einem Aufstande im Niger- Gebiet. London, 15. November. „Daily Telegraph" meldet aus New-Uork, -aß ein französischer Luftschiffer morgen, Milt» noch, eine Reise mit einem neu erfundenen lenkbaren Luftschiff von NewYork nach Washington unternehmen werbe. Da» Schiff soll in einer Stunde eine Meile zurücklegen. Madrid, 15. November. Ministerpräsident Sagasta ist seit gestern krank unb muß das Bett hüten. Madrid, 15. November. Zahlreiche Kaufleute, sowie auch Pächter und Landbewohner haben fich gegen baß Rifico im Falle eines Bürgerkrieges versichert. Man glaubt all- gemein, daß Don Lar los in Kürze einen Handstreich ausführen werde. gernee, 15. November. Die Notablen von Ereta wurden burch ben Admiral Pottier benachrichtigt, baß Prinz Georg von Griechenland bald als provisorischer Eom- «iffar sür bie Insel ber Pforte vorgeschlagen werden wird. Der rusfische Admiral thtilte dem Executiv-Eomitä mit, die türkische Flagge werbe nicht, wie anzekündigt, heute niedergeholt werden, was einen außerordentlichen Eindruck machte. THEE-MESSMER Berühmte Mi'chungm Mk. 3,50 und 2,80 per Psd. Probepackete »0 und 80 Pig. Nur In feineren Geschästm käuflich. »76L Bekanntmachung. Lu» der Stiftung der Ludwig Theodor Felfiug Eheleute zu Gießen sind die diesjährigen Zinsen und zwar: 171 Mk. 43 Pfg an zehn in Gießen geborene würdige Arme und 34 „ 29 „ an fünf würdige Wittwen . zu gleichen Thetlen zu vergeben. Anmeldungen hierzu haben bi» zum 10. k. Mt». auf dem Büreau der unterzeichneten Behörde — Zimmer Nr. 2 — zu erfolgen. Gießen, den 12. November 1898. Großherzogliche Bürgermeisterei Gieße«. W ______________________I. V.: Wolff.__________________U393 Bekanntmachung. Au» der Miuua Keil-Bogt-Stistuug find für da» Jahr 1898 drei Gaben von je 70 Mk. an drei in Gießen wohnhafte, würdige und bedürftige Handwerksmeister oder deren Wittwen evangelischer Confesston zu vergeben. Bewerbungen haben bi» längstens 30. November d. I. bei der unterzeichneten Behörde — Zimmer Nr. 2 — zu geschehe«. Gießen, den 12. November 1898. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. 11892 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Wies eck für das Jahr 1899/1900 liegt vom 18. November d. I. acht Tage lang zur Einsicht der Betheiligten auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Wieseck, den 14. November 1898. Großherzogliche Bürgermeisterei Wieseck. Sommerlad. 11366 Bekanntmachung. Der Boranfchlag der Gemeinde Villiugeu für das Jahr 1899/1900 liegt vom 17. November 1898 an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei.Büreau dahier offen. Villingen, den 14. November 1898. Großherzogliche Bürgermeisterei Villingen. ______________________________Koch._____________ 11365 Bekanntmachung. Der Boranfchlag der Gemeinde Steinbach für das Jahr 1899/1900 liegt vom 17. November d. I. an acht Tage lang zur Einsicht der Betheiligten auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Steinbach, den 14. November 1898. Großherzogliche Bürgermeisterei Steinbach. Krämer. 11380 Pn'stkismmM Am Donnerstag, den 17. November d. Js., Nachmittags 3 Uhr, gelangt ein noch brauchbares Krümperpferd des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm auf dem Hofe der neuen Kaserne meistbietend zur Versteigerung. 11358 Die Verwaltung der Krümperfuhrwerke. Ellipse hin ngen , Soeben wieder eingetroffen 10869 zum Würzen der Suppe«, — wenige Tropfen genügen. — H. Wallach, Marktplatz. MAGGI Sehr alter Kornbranntwein Marke: E. H. Maaerfleisch, Wismar a. d. Ostsee — eingeführt in annähernd 10,000 Geschäften Deutschlands — Kornbranntweinbrennerei gegr. im Jahre 1734 — prämiirt mit vielen gold. Medaillen, dem franz. 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November, Nachmittags 21/, Uhr, vom Sterbehause, Rittergaffe 16, au» statt. Steins Garten (Saalbau). Mittwoch den 16» November: I Grosses Concert ausgeführt von der 11891 11388] Kost uud Wohnung. _______Metzger Schmidt, Löwengaffe. 11357] Möbl. Zimmer zu vermiethen. ________________Wallthorstratze 14. 11384] Schön möbttries Zimmer zu vermiethen.___Grabenftratze 11. 11386] Ein kleines sauberes Stübchen mit Bett zu vermiethen. Asterweg 9, Nebenhaus reckts. Monte KntWnnntt zu vergeben. 11371 Näheres in der Expedition d. Bl. In verkehrreichster erster Lage großer Laden mit mehreren Schaufenstern und Wohnung zu vermiethen. j Gefl Refl. belieben ihre Adreffe unter j Nr. 1Q924 an die Exped. d. Bl. zu richten. Offene Stellen Schreinergeselle gesucht 11354 I. Renner II., Heuchelheim- ! 11385] Kräftigen Hausburschen sucht _____________L. Reitz, Westanlage 11. , Kausöursche gesucht. 11368 Caf4 Ebel. 11352] Reinliche Lauffrau sofort gesucht^______Ludwigstratze 57, part. 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