Nr. 113 Drittes Blatt.__Sonntag den 15. Mm 1898 Erscheint ILgNch mit Ausnahme des Montags. Die Gießener AamilieuvtLtter werden dem Anzeiger wöchentlich vierm beigelegt. Gießener Anzeiger Wczugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu ver Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle Anzeigen.Vermittlungsstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Amts- unb Airzeigeblatt für den ICrds Gieren. | Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Die Lage in Spanien. Schwieriger und schwieriger gestaltet fich die Situation in Spanien, scheint eS doch so, als ob da» Land vom Schicksal gründlich heimgesucht werden solle, um fich nicht wieder erholen zu können. Gleich verhäognißvoll ist die innere und äußere Lage, und mit größter Besorgniß fieht jeder Menschenfreund der Entwickelung der Dinge auf der iberischen Halb- rosel entgegen. Wie harrt doch jeder spanische Patriot einer StegeSnachricht vom Kriegsschauplätze, um wieder einen Strahl der Hoffnung in da- Herz Derjenigen zu senden, welche an der Zukunft ihres Vaterlandes zu verzweifeln beginnen! Der Schlag, den Spanten vor Manila erlitten hat, ist noch nicht wieder ausgeglichen, und es erscheint überhaupt fraglich, ob diese Scharte wieder gut gewacht werden kann. Wenigstens gaben die osfizielleu spanischen Kreise den Verlust offen zu, und das darf als ein Erfolg angesehen werden, nachdem nun jahrelang die Welt über die wahren Zustände auf Cuba durch mehr oder weniger zweifelhafte SiegeSnachrichten getäuscht worden ist. Sich ein richtiges Bild zu machen von dem gegenwärigen Stand der Dinge ist unmöglich, da sowohl von spanischer wie von amerikanischer Seite die widersprechendsten Nachrichten verbreitet werden. Die schier unglaublich klingende Meldung von der Rückkehr des Cap Berdt'schen Geschwaders nach Cadix hat noch keine Ausklärung gefunden, und man darf deshalb im Interesse Spaniens immer noch annehmen, daß entweder die ganze Nachricht nicht wahr ist, trotzdem fie mit solcher Bestimmtheit verbreitet wurde, oder daß es fich um einzelne kampfunfähige Schiffe des Geschwaders handelt. Beruht die Meldung auf Wahrheit, so muß der Eindruck in Spavieu ein sehr schlimmer iein, und die Thatsache bedeutet eine schwere moralische Niederlage Spaniens- jedenfalls würde fie Zeugniß oblegen von der Planlofigkeit, welche innerhalb der spanischen Marine- Verwaltung herrscht. Ganz Spanien setzre seine Hoffnung darauf, daß die Flotte in den westindischen Gewässern Er- folge erringen und den Amerikanern empfindliche Verluste betbringen werde. Die besten Schiffe enthielt diese- Gk- schwadcr, fie waren die einzigen, welche der amerikanischen annähernd ebenbürtig erscheinen konnten. Waren doch schon s-it Wochen die an der Küste der vereinigten Staaten liegenden Städte in beständiger Furcht, daß daS Cap Berde-Ge- schwader erscheinen und einen Handstreich auSsühren könnte. Hat nun der Rückzug nach Cadix wirklich stattgefunden, so befreit er Amerika von der Furcht vor einem Angriffe auf die Ostküste und giebt der amerikanischen Macht in deu west- tudischen Gewässern die volle ActionSfreiheit wieder, vor Allem giebt es die Insel Portorico, welche die einzige spanische Kohlenstatton in den westindischen GewLff--.ru ist, preis und schwächt damit dauernd die maritime Action Spanten-. Wie schon oben gesagt, noch darf man annehmen, daß der Rückzug ohne Ehren fich nicht bewahrheitet, und im Jntereffe Spaniens wollen wir der Hoffnung Ausdruck geben, daß seine Flotte recht bald vor Portorico oder Cuba von fich hören läßt. Inzwischen dauern die inneren Schwierigkeiten in Spanten fort. In den Corte- finden fortgesetzt erregte Debatten statt, und manche- harte Wort fällt gegen Thron und Regierung. Sagasta macht übermenschliche Anstrengungen, um die Parteien zusammen zu halten und fie zu veranlaffeu, einzig und allein das Wohl des Vaterlandes im Auge zu haben. Ein Erfolg ist unwahrscheinlich, und da hoben denn die Meldungen von dem baldigen Ausbruch einer RegterungSkrifi- viel Berechtigung. Aber wer soll die Erbschaft übernehmen, wenn Sagasta znrücktritt? Wer ist der Mann, der daS spanische StaatSschiff durch all die Riffe und Untiefen in ein ruhige-, gefahrloses Waffer führt? (xx) —।"""" । i hi.i. Deutsches Reich. Berlin. 13. Mai. Der Kaiser empfing, wie au- Metz gemeldet wird, gestern den Krieg-Minister v. Goßler und heute den Chef de- Mtlttär»CabinetS, General v. Hahnke, zum Vortrag. — Der Re'ch-kanzler Fürst Hohenlohe ist gestern Abend wieder hierher zmückgekehrt. Berlin, 13. Mai. Da- Herrenhaus berieth heute deu Bericht der StaatSschuldev-Cowmisfiou und erledigte sodann Petitionen. Morgen: Arbeiter WohouugS Vorlage und Privatdoceoten'Gesrtz. — Im Abgeordnetenhause gelangte heute da- westphältsche Anerbengesetz in zweiter Lesung zur Annahme und zwar mit einigen AbänderungSanträgen. Morgen Petitionen. Berlin, 13. Mai. Graf Kanltz hat angefichr der jetzigen Getreideprei-steig erung im Abgeorbnetenhause eine Interpellation eingebracht, ob die Regierung beim Bundes- rathe Maßregeln beantragen wylle, welche im Stade seien, 1. die Getreide-Versorgung Deutschland- ficherzustelleu, 2. einer unmäßigen vertheuerung de- Getreide- vorzubengen. Berlin. 13. Mai. Die von verschiedenen Setten mit- getheilte Nachricht, daß Bice-Admiral v. Diedrich- fich nach Manila begeben werde, entbehrt der „Nordd. Allgem. Ztg." zusolge jeder Begründung. Der Admiral habe dazu keinerlei Auf,rag erhalten. Berlin. 13. Mai. Der „Retch-anzetger" schreibt: Zu- verläsfigen Nachrichten au- New-York zusolge, haben die vorschrtsten für den Verkehr im oortigeu Hafen während der Dauer de- Kriege- mit Spanten auf Antrag der bethei- ltgten Kreise eine Aendetung Insofern erfahren, al- die Zeit, während welcher Schiffen das Pasfiren der Sandy-Hook- uud die Durchfahrt durch die Narrow- gestattet ist, auf die Stunden von 4 Uhr Morgen- bis 8 Uhr Abends fest» gesetzt ist. Elberfeld, 13. Mai. Durch Einsturz eine- Schornsteins Infolge Blitzschlages wurden in den Farbenfabriken Bayer in der Köatgstraße ein Arbeiter getödtet, zwei tödtlich und drei leicht verletzt. Wien. 13. Mai. Die „Neue Freie Presse" läßt fich au- London melden: In wohl informtrteu Kreisen wachse die Beunruhigung wegen der englisch-französischenDtffe- renzeu bezüglich Westafrika in alarmirender Weise. Etne- der bestunterrtchteten Mitglieder de- englischen Unterhauseerklärte dem Correspondenten de- genannten Blatte-, er könne fich den Ernst der Lage nicht verhehlen. ES sei eine Thatsache, daß wir seit Monaten auf einem Vulkan tanzen. Die Pariser Osfictellen streuten freilich beständig au-, daß eS fick nur um Kleinigkeiten handle und daß dir Beilegung der Differenzen nicht zu bezweifeln sei. Dem sei aber nicht so. Die Pariser Conferenz käme nicht über den tobten Punkt hinaus. England könne unmöglich in der Hauptsache nachgeben. Die englische Regierung mache fich keinerlei Illusionen und sei auf Aeußerfte gefaßt. Innsbruck, 13. Mat. Heute Nacht tobte in Nord-Tyrol und Salzburg ein heftiger Schneesturm. Die Gegend gleicht einer Winterlandschaft. Mailand, 13. Mai. Trotz der momentanen Ruhe ist die Situation andauernd hochernst und find lieber- Fcuilleton. Wie es im Kriege herging. Nach sranzöstscher Schilderung von E, IohanneS. (Nachdruck verboten). I. Vor längerer Zeit brachten wir unseren werthen Lesern einen Artikel, dem „Petit Parisien" entnommen; derselbe zeigte, in welch gehässiger Weise die Franzosen jetzt noch unserer gedenken, indem sie die deutschen Soldaten, während der KriegSzeitcn, zu verächtlichen Barbaren stempeln, sich selbst aber den Glorienschein des Helden- und Märtyrerthums erringen möchten. In Anschluß daran entnehmen wir weitere „Scen en aus den Kriegsjahren- dem obengenannten Journal. Die Raben. Den ganzen Tag über war tapfer gekämpft worden. Die Infanterie hatte dem Kartätschenhagel endlich Einhalt gethan. Die CavaUerie hatte wüthend in die dichten Massen, auf die sie sich gestürzt, eingehauen. Die Kanonade hatte aufgehört — die Schlacht war zu Ende. An die Bergesgipfel hefteten sich die letzten Strahlen des Tages, so daß sich das Thal schon mit Dunkelheit füllte, und in den purpurnen Fernen sah man durch die Abend- fchatten die Regimenter sich zurückziehen: traurig, müde, besiegt. — Die Kämme der Hügelreihe hielt der Rest der Cavallerie besetzt; den Säbel in der Faust, die Front nach dem Feinde, wartete sie auf das Zeichen zum Rückzug, bis die Kameraden von der Infanterie und der Artillerie vor den preußischen Granaten in Sicherheit wären. In der durch die Kartätschen aufgewühlten blutgetränkten Ebene herrschte jetzt tiefe Ruhe, welche nur durch die Seufzer der Verwundeten und das Wiehern der sterbenden Rosse unterbrochen wurde. Schweigsam und unbeweglich beobachteten unsere Reiter den entgegengesetzten Abhang, auf dessen Gipfel die Helmspitzen der Feinde sichtbar wurden. — Wenn die Deutschen, die Verfolgung der Besiegten fortsetzend, die Grenzen überschritten und in das Thal hinabzusteuen wagten, würde man schieben, so lange schießen, bis nur noch einer übrig blieb; und die schreckliche Metzelei würde von Neuem beginnen. II. Ein in dem Thalgrund zurückgebliebener verwundeter Jnfanteriehauptmann, welcher eben erst zur Besinnung ge- kommen und von der Abendkälte ganz durchdrungen war, suchte seine Kräfte einigermaßen zu sammeln. Nachdem er sich mühsam etwas erhoben und auf die Kniee gestützt hatte, besichtigte er müden Auges die Umgegend. Vor sich bemerkte er undeutlich die feindlichen Massen, die die Höhen besetzt hielten, und ein Strahl der Wuth blitzte in seinen schwarzen Augen auf. Mit Anstrengung versuchte er seine Lage zu verändern; seine Hand wühlte dabei die Erde und erwischte einen unförmigen beschmutzten und zerrissenen Fetzen. Hierauf forschte sein halberloschener Blick nach der entgegengesetzten Richtung und bemerkte in der Gluth des Westens übermenschlich groß erscheinende in Schlachtordnung entwickelte stolze Schwadronen. Mann und Roß nahmen durch die schrägen Strahlen der sinkenden Sonne phantastische Formen an; der leichte Abendwind, welcher in den Mähnen der Rosse spielte, schien die Riesenschaar in Bewegung gesetzt zu haben. Der Offizier glaubte das Opfer einer Täuschung zu sein; schwerfällig ließ er sichzurückfallen, um mit Anstrengung all seiner Kräfte, das Ohr an dem Erdboden, zu horchen. — Das Geflüster der Bäche und das Rauschen der Bäume konnten seine gelähmten Sinne nicht ablenken: er glaubte an ein entferntes Reiten, an ein Vorrücken der Cavalleriecolonne, welche sich näherte — sich näherte . . . Sie kommen! flüsterte er. „Vive la France!“ Und nachdem er mühevoll den kostbaren Lumpen wieder unter seinen Körper gelegt hatte, fiel er ohnmächtig zurück. III. Als er erwachte, war die Ebene schon in Nacht getaucht — die stolze, prächtige Schwadron verschwunden. Ueber die Thäler, wo die Todten schliefen und die Verwundeten seufzten, huschten Lichter, gleich Irrlichtern, hin und her. „Donnerwetter, was für einen Durst ich habe!" fluchte plötzlich eine Stimme durch die Nacht. „Wer da?" fragte der Verwundete. „Frankreich 8. Cürasftere!" „Frankreich", wiederholte mit weicher Stimme der Offizier, so weich und zärtlich wie ein Kind bei seinem Erwachen „Mutter" sagt. „Und Ihr?" fragte der Andere. „56. Linienregiment — Es lebe die Linie — Es leben die Cürassiere!" „Die Cürassiere sind tobt", erwiderte eine halberstickte Stimme „auf dem Felde der Ehre gefallen!" Ihr seid verwundet, frug er nach einigem Schweigen mit Anstrengung, die ihm einen Schmerzensschrei erpreßte. „Eine Kugel in der Brust, meine Rechnung ist gemacht!" „Ich, ich habe ein Bein verloren, den linken Arm gebrochen, ein Pferdefieber, ich kann nicht mehr. Der Durst zieht mir die Kehle zusamm . . . Himmeldonnerwetter! —" Einige Augenblicke später hörte der Hauptmann den Cürasfier im Delirium commandieren: Eskadron! . Feuer! . Armer Junge! flüsterte er, se ne eigenen Schmerzen vergessend. IV. Durch den Lärm deutscher Stimmen wurde er wieder geweckt. Als er die Augen ausschlug, blendete ihn das Licht einer über ihn gehaltenen Laterne. Der Mann mit der Laterne trug preußische Uniform, sein Arm war mit dem Abzeichen der Ambulanz versehen. So schwach der Offizier war — er verstand: die Deutschen sammelten die Verwundeten und bestatteten die Todten. Eine unbeabsichtigte Bewegung zog die Aufmerksamkeit der Feinde auf ihn. Hier ist einer, der nicht tobt ist, sagte bie Ambulanz in beutscher Sprache. Ah, ein Hauptmann, sagte ber Offizier, welcher fich genähert, tragt ihn weg! Der Verwunbete machte mit ber Hanb eine Geste ber Verneinung: banke, bas ist raschungen nicht ausgeschlossen. Da die Gesängnifle überfüllt find, werden weitere Gefangene nach Turin überführt. Au- der Provinz Pavia werden schwere Unruhen und Str.keS gemeldet. Auch in ToScaoa hat der Aufstand zugeuommen. Loudon, 13. Mat. Der „Standard" meldet au- Washington: Der Admiral Deweh, welcher sich in Manila befinde, könne garnichtS thun, weder zu Waffer noch zu Laode. Die Spanier erklärten, daß fie Manila nicht übergäben, sie besäßen noch für länger als ein Jahr Leben-mittel, sodaß fie der Blockade trotzen könnten. London, 13. Mat. Ein Telegramm de- „Star" meldet, ein amerikanisches Torpedoboot und ein Torpedoboot-Zerstörer recoguoscirteu Saint Pierre auf Martinicque. Dieselben bestätigten die Anwesenheit von fünf spanischen Schiffen. Madrid, 13. Mat. Große Begeisterung herrscht hier infolge der Nachricht, daß die Amerikaner verhindert wurde», ihre Truppen bei Cienfuego- zu landen. Die hiesigen Blätter find der Ansicht, daß die Niederlage bei Manila bald durch einen Sieg der Spanier zu Laude wett gemacht werden würde. Madrid, 13. Mai. „Jmparcial" meldet, da- neue Ta bin er werde morgen definitiv gebildet, aber voraussichtlich werde e» bet der ersten Schwierigkeit wieder gestürzt werden. Bet der jetzigen kritischen Lage scheuten die hervorragendsten Männer Minister zu werden. ES bleibe daher nicht- anderes übrig, al- den Krieg mtt Amerika zu beenden. New-York, 18. Mat. Die öffentliche Meinung ist hier aufgebracht gegen Frankreich, wegen der Nachricht, daß der Dampfer Lafahette kürzlich 80 frühere französische Artilleristen tu Havanna gelandet habe, welche von Marschall Blanco engagirt wurden, um die großen Geschütze tm Hafen von Havanna zu bedienen. Gieffer Gaffeliedche. Wäi merr noch klaane Buwwe warn, War Gieffe aach noch tlaa; Kaa Omnibus fein do grfahrn, Fast noch kaa Eisebah. Unn Straße hatte merr noch net, Aa Oalag nur — dät Schoor, Geschmackvoll iS se umgedaaft Schont längst von Dhor ze Dhor. Drß Neuewejer-, Neuschladter-, Deß Seldersch- unn'S Walldhor- All da dehinner lag net viel, Uon'S lag aach nix davor! De Kerche-, Mark- unn Linneblatz Warn unser Dommelblätz, Am Oswald- Garde, Brand und Kreuz Da gabbs gar manch doll Hetz. De Telderschweg, dät Schinnergaß, Mäu-burg unn Ratchesand, — Dät Leewegaß unn KablanSgaß, Sammt Borggrawe unn Brand - De Diebsweg unn dät Neustadt aach, Kaddrtnegaß, — mei Lust! Aach'S Deuwelslustgärdche hat oft Geschwellt ahm die jung Brust. Dät Neuebäu, dät Kthgaß unn Dät Schulgaß unn bat Sonn, Kanzleiberg, Braud- unn Schloßgaß, Warn gar oft unser Wonn. unnöthig, ich habe ja-nur noch eine Stunde zu leben. Aha — es scheint, Sie verstehen deutsch. . . nun, ich sage Ihnen, daß Sie davonkommen werden, nicht wahr Doctor? Ein, den Krankenträger begleitender Arzt, untersuchte flüchtig die Wunde und hob mit einem bezeichnenden Blick den Kopf. Sie sehen selbst, daß ich verloren bin, sagte der französische Offizier. — Keineswegs — vorwärts! Die Krankenträger näherten sich. Nein, wehrte sich der Verwundete mit Anstrengung, Ihr schafft mich nicht weg. — Das wollen wir sehen! —Um mich herum liegen Kameraden genug, die Eure Hilfe nöthiger haben wie ich, hebt sie auf und vergeudet Eure Zeit nicht an meinen Leichnam. Wir Verlieren wirklich unsere Zeit, murrte der preußische Offizier; dennoch machten die Träger einen neuen Versuch: Ich sagte Euch, daß ich hier bleiben will, Ihr hört doch, daß ich zu Tode getroffen bin, ich will nicht mehr in Gefangenschaft geführt werden, ich will da sterben, wo ich gefallen bin! Mit zitternder Hand schien sich der Widerspenstige an den Boden zu halten- an den Boden, den er so tapfer ver- theidigt hatte. Diese Franzosen, sagte der Preuße achselzuckend, müffen immer bis zur letzten Minute widerstehen. Hebt ihn auf! befahl er dann, seinen Kopf abwendend. Ah! Bandit! . . . röchelte der Verwundete. Er suchte seinen Säbel, sich zu vertheidigen, richtete sich dabei halb auf, fiel aber sofort schwer auf die Erde zurück, die Glieder vom Todeskampf durchschauert. . . Hierauf Huben ihn die Träger auf, um ihn Hinwegzubringen, doch plötzlich stieß der Fackelträger ein Triumphgeschrei aus. — Unter dem Körper des Todten hatte er den Fetzen einer preußischen Fahne, die während des Kampfes entrissen wurde, aufgehoben. Hei, rief der deutsche Offizier aus, jetzt begreife ich feine Dickköpfigkeit; er wollte auf feiner Trophäe einschlafen! Laßt doch die Todten schlafen! grollte eine Stimme in der Nähe; plündert die Leichname, Raben! aber verspottet sie nicht! . . . • • So wurde 1870 eine deutsche Fahne den Franzosen wieder genommen! (Fortsetzung folgt.) Däi Jiddegaß, bat Drillergaß, Sinne- unn FlichelSgaß, So oft merr an euch benke dhut, W?rn ahm die Aaoge naß. De Asterweg, bät Htnuergaß, Bachgaß nun Scheeferei, Unn erscht's Dreihänsergaßche gar — Wäi gern hippt äich euet! Weib-, Brau-, Sand-, Kablaneigaß, Dezu de- kaale Loch, Dr Neueweg, bat ahle Ställ, Aeich kenne se immer noch! De Junkersch Garbe hält äich bahl Vergesse um e Hoar- Dät HunnSgaß aach nun Matgaß — IS aach kaa iwwel Poar! Däi Kornblumme- unn ZotzelSgaß Hob uff Sich bis zuletzt - — Tuch allmtnanner habb tm Herz E Denkmoal äich gesetzt! Karl Geißler. Vevssstschtes. * Frankfurt a. M., 13. Mat. Die große Rosen- auSstellung an ber ForsthanSstraße wirb Anfang- Juni eröffnet werben unb bis September bauern. Bekanntlich werben bte Roseuculturen, bie großenthetls schon tm brttten Jahre auSgepflauzt find, tu höchster Vollenbung gezeigt werden - aber auch für gebtegene Unterhaltung wirb besten- Sorge getragen. Wir haben bte tm Ban begriffene große Waffer- bahn schon erwähnt unb können heute hinzufügen, baß auch ethnographische Schaustellungen burch Vorführung fremd- länbischer Bölkertruppen geplant find. Das Arrangement ber Vergnügungen wirb nach künstlerischen Principten von dem zu biesem Zwecke eigens engagirten Balletmeister Herrn Max Feretty besorgt. An Stelle ber Abonnement- tritt in biesem Jahre ba- vielfach bewährte Ticketsystem. ES werben Ticket- in Block- au-gegebrn unb zwar je ein Block mit 10 Tickets zu 3 Mark, mit 25 Ticket- zu 7 Mark, mit 50 Ticket- zu 13 Mark unb mit 100 Ticket- zu 25 Mark. • Homburg v. d. H., 8. Mat. Ein seltener Fall ereignete sich, dem ,T.»B." zufolge, in einer ber letzten SchöffengerichtS- verhandlungen. Al- Schöffe fungirte ber Kaufmann Kitz an- Seulberg, welcher in ber Anklagesache von den Angeklagten, al- bei der Sache betheiligt, abgelehnt wurde. Hierauf trat derselbe al- Zeuge aus, erhitzte sich bet seiner Aussage rc. derart, daß er wegen Ungebühr vor Gericht mit einer sofort zu verbüßenden Haft strafe von 6 Stunden bestraft wurde. Derselbe «ar also im Verlaufe weniger Stunden Schöffe, Zeuge und Gefangener. * Die (HectticitSt wird gegenwärtig auch in den Dienst de- JagdsportS gestellt. So fanden bei den jüngsten Anerhahnjagden des Kaisers von der Firma Siemens n. Halske construtrte Scheinwerfer Verwendung, denen al- bequem mitzuführende ElectricitätSquelle transportable Sammler der Accumulatoreu- und Electrteitäiswerke-Actiengesellschaft vorm. W. A. Böse u. Co. in Berlin dienten. Neber die Handhabung des Apparates wird jetzt mitgetheilt: Zwei Förster trugen die in tornisterartige Kästen eingebaute Batterie. Durch einfache Aus- bezw. Umschalter wurde die Veränderung der Lichtstärke für die verschiedenen Zwecke bewirkt. Der Apparat arbeitete zur vollen Zufriedenheit. * Unlängst war in Poschiavo im (Santon Graubünden der Posten des Orts-Schornsteinfeger- ausgeschrieben. Da- Gehalt für dieses Amt betragt jährlich 800 Franken und steigt später um ein Geringes. Unter den Bewerbern befinden sich d r e i S ch u l l e h r e r der benachbarten italienischen Dörfer, die ihre Dienste als Schornsteinfeger anboten. „So ist es also bester, in der Schweiz Schornsteinfeger, als in Italien Schulmeister zu sein!" ruft bie „Italia del Popolo* schmerzlich avS. * Sine furchtbare Dynamit-Explosion hat sich in der Nähe von New-York, bei Dover auf den „Atlantic Dhnamite Works", die ans 81 etwa 50 bi- 75 Fuß auseinander- liegenden einzelnen Holzgebäuden bestehen, zugetragen. In einem dieser Häuser fing die Explosion an, der rasch aufeinander zwei Explosionen in benachbarten Häusern folgten. Mit entsetzten Gesichtern stürzten die übrigen Arbeiter auS den Häusern, da fie meinten, da- ganze Werk fliege in die Luft. Als sie sahen, daß ihr eigene- Leben nicht in Gefahr war, machten fie sich an die RettuugSarbeiten. Zunächst galt eS, das Feuer, welche- durch die Explosion entstanden war, und zwei weitere Gebäude einzuäschern drohte, zu löschen. Unter den Splittern und Trümmern ber zerstörten Häuser fanb man bte bi- zur Unkenntlichkeit entstellten Leichen von sechs verunglückten Arbeitern. Die BedauernSwerthen waren alle verheirathet unb Väter unversorgter Kinder. Außer den Getödteten wurden noch vier Männer, welche während der Explosion von ihren Arbeitsstätten flüchteten, mehr oder minder schwer verletzt,- einer ist von den Aerzten bereits auf- gegeben worden. Sofort nach der Explosion traf eine große Anzahl Aerzte auf der Unglücksstätte ein, welche die zum Theil entsetzlich zugerichteten Verwundeten verbanden. Der Director der Dhnamitfabrik, I. S. Schrader, erklärte, daß sich wohl nie werde feststellen lasten, auf welche Weise bte Katastrophe entstauben fei, ba oft baS kleinste Versehen ber Arbeiter genüge, um schweres Unglück hervorzurufen. • Der Einfluß ber sibirische« Eisenbahn auf bte Arbeit-- Verhältnisse in ber Eisenindustrie de- Ural wird in einer längeren Corrripondeuz der „Ufascher Gouvernement-.Zettuug" beschrieben. Wo in den vorhergehenden Jahren 1000 Arbeiter in den Fabriken beschäftigt wurden, da haben jetzt 8000 Arbeiter Beschäftigung. Ja einer Eisengießerei wurden jährlich 20 000 Bud (1 Pud = 16375 Kilogr.) Elsen gegossen, tm vorigen Jahre schon 70000 In einer Sensensabrik, in wrlcher 18 000 Sensen jährlich angefertigt werden, ist die Production jetzt auf 200000 Stück gestiegen. Die küust- | lerische Ausführung macht auch Riesenfortschritte. Die Lage i der Arbeiter ist aber nicht besser geworden. Der Bericht« z erstattet sucht alles Ueble in den Konsumvereinen. Dem (Arbeiter wird ein Credtt auf Eheck- gewahrt und zwar auf Gegenstände, bte er gar nicht nöthig hat, z. B. thenere ShawlS, Teppiche und Anderes. Solide Sachen werden manchmal so hoch augekreidet, daß daraus Proceffe eutsteheu. Kommt bie Ablöhnung, so sieht ber Arbeiter nicht einen rothen Heller. ®r ist gezwungen, seinen theueren Teppich au Durchreisenbe zu verkaufeu, um Gelb für nötigsten Be» bürfutffe zu bekommeu. * Eiserne Bahnen auf Landstraßen. Wenn beladene Wagen auf einer glatten, au- Eisen- oder Grauitplatteu hergestellten Bahn bewegt werben, so verrniubert sich der Zug« widerstand sehr wesentlich- gegenüber ber Beförderung auf gewöhnlicher Landstraße finkt er um etwa 80 vCt. Wie die „D. BerkehrSztg." bemerkt, wird dieser bedeutende vorthell bisher nur in geringem Umfange au-genutzt. Und doch ist der Nutzen solcher Bahnen nicht etwa erst in neuerer Zeit bekannt geworden. Fahrbahnen aus Steinplatten werden schon beim Bau der Pyramiden erwähnt- auf den wilden Höhen de- TaygetoS find noch jetzt in Greine gehauene Ge- lei-wege erkennbar, in denen zur Zett der Blüthe Griechenlands die Fahrzeuge fortbewegt wurden- hölzerne Bahnen scheinen beim deutschen Bergbau tm 16. Jahrhundert vor- gekommen zu sein- 1738 wird au- England von Bahnwegeu auö Gußeisen berichtet. In weiterem Umfange bestehen eiserne Radbahnen zur Zett in vielen nordamerlkantscheu Städten, wo mtt Rücksicht auf die tm Allgemeinen mangelhafte Straßen- befesttgung solche GeletSwege besonderen Bortheil gewähren. Im deutschen Reich find erst vor kaum zehn Jahren Versuche mit eisernen Radbahnen auf Landstraßen gemacht worden, und zwar 1889 in OftfrieSland, wo sich ber Mangel an natürlichen Straßen besouberS fühlbar macht, 1894 in der Nähe von Stade, 1895 am Bahnhof Oebisfelde unb auf ber Kreisstraße von Garbelegen nach Kloster Neueudorf. — Bahnen au- Granit haben auch für Postzwecke Berweubung gefunden. — So wurde im Jahre 1879, gelegentlich de« Umbaues beS Bahnhof- tu Lieguitz von nub zu dem am Bahnhof befindlichen Postamt eine Granitbahn hergestellt, um den Unterbeamten, die bei der großen Unebenheit des Straßen» Pflaster- beschwerliche Fortschaffung der Packerhaudwagen zu erleichtern. Nachdem diese Granitbahn 19 Jahre lang tm Gebrauch gewesen ist, wird fie jetzt entbehrt werden müffen, da der Magistrat in Llegnitz bie betreffende Straße mit Würfelsteinen zu pflastern beabsichtigt. — Bei den großen Anforderungen, welche der tu letzter Zeit gewaltig gesteigerte Verkehr an die Güte der Fahrbahnen stellt, würde bie aus- gebehute Einführung eiserner Radbahuen auf Landstraßen auch im Deutschen Reich von wesentlicher Bebeutung sein. Da erfahrung-mäßig Straßen mit solchen Bahnen nur unbedeutende Unterhaltungskosten erfordern, fallen ihre Bor- theile nm so mehr in- Gewicht, je höher die Arbeitslöhne und bte Kosten für Materialien sich bei ber Straßenunter- haltuug im Laufe ber Zeit steigern. • Die Angst nm den ZnlinSthurm. Nach einem schweren Gewitter, ba- tn voriger Woche Spandau heimgrsucht hat, verbreitete sich da- Gerücht, baß der Blitz in den Julins» thurm eingeschlagen habe. Daraufhin kam am SamStag der mit Ueberwachnug des RetchskrlegsschatzeS beauftragte Ausschuß ber ReichSschulbeucommlffion nach Spanbau und nahm mit einem Kgl. Garnison-Bauinspector den JuliuS- thurm in Augenschein. Von den Wirkungen eines Blitzstrahlehat man aber nicht- wahrgenommen, da- Gerücht war also falsch. Auch sonst wurde Alle» tu bester Ordnung vorgefunden. — Wir lassen dahingestellt, ob die Lommtffiou, welche alljährlich dem JuliuSthurm einen Besuch abstattet, wegen de- Blitzschlages gekommen war. Ein Blitzschlag würde wohl auch den Goldschatz, welcher au- Barren und gemünztem Golde besteht, kaum geschädigt haben. * DaS LooS bei Haushundes, wie elend ist! vielerorts k Dem menschlichen Wächter gibt man einen Kapuzenmantel und reicht Ihm zuweilen einen Schnaps, aber der thierifche Wächter ist oft Übel daran, er liegt tn der Kälte, ist vor Nässe kaum geschützt und soll habet ja nicht wild werden? Nur dem Menschen ist so 'wa- erlaubt. Möchten doch Lehrer und Pfarrer, wenn sie ihre Schüler entlassen, jedesmal ihnen auch bie gute, sorgliche Behandlung ber Thiere anempfehlen. Das wäre keine bloße Sentimentalität - o nein! Wenn man aber Kiuberfchutz predigt, so muß ber Thierschutz baS zweite sein. Die beiden Kapitel gehören innerlich zusammen, e- gibt nur eine Humanität, alle Wesen haben Anspruch daraus, unb manche Marter bliebe ben Kindern erspart, hätten nicht ihre Eltern in ber Jugrnb biefe Marter an Thiereu geübt und probirt. Nur zu viele Menschen, nicht verwahrloste allein, auch solche, bte sich zu ben besseren rechnen lassen, stob brutal n cht auS Absicht, fonbern au« Gewohnheit- die Erziehung, hat btesen Punkt nicht genügend beachtet. Da- Mitleid ist nicht angeboren- wir sehen ja täglich, wie grausam kleine Kinder unbewußt find- um so mehr bemühe man sich, jene- in den Herzen auzufachen, wenn fie noch welch und für gute Eindrücke empfänglich find. AuS der Züricher Post. Universität- - Unchpichten. — Bonn, 12. Mai. Der Prioatdocent Dr. Robert Rieder, Secundärarzt der chirurgischen Klinik, ist zum außerordentlichen Professor ernannt. — Der Prioatdocent für Kunstgeschichte an der Straßburger Universität, Dr. W. Doge, hat auf die venia legendi verzichtet, ba er in die Verwaltung der Kgl. Museen in Berlin al« Hilfsarbeiter eingetreten ist. — Der achte allgemeine Neuphilologentag wird vom 30. Mai bis 2. Juni d. I. in Wien abgehalten. Unter den tn der k. k. Universität gehaltenen Vorträgen erwähnen wir auch den des früheren Prooinzialschulraths der Rhein Provinz, Geh. Reg.-Rath Dr. Münch tn Berlin, über bie Bedeutung der neueren Sprachen im Lehrplan ber preußischen Gymnasien, sowie beS Directors Walter aus Frankfurt a. M. über Schulreform und Reformschulen in Deutschland. EHIpft'lllUHM 8fach preisgekrönt! Bären- Kaffee Bester achter Bohnenkaffee! Alleiniger Hersteller P. H. Inhoffen Hoflieferant Ihrer Majest. der Kaiserin und Königin Friedrich. Kaffee - Röst - Anstalten Bonn □. 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