Mannheim. iseu. f -L-S«. an. w I- SM. A WkM^, Weiz rsweg 2. KM 1 A> 11 Loose für lv L Dtttior D»isM [1. September in» m ohne JtaJ » MoMuAllM »Ke« lifuhnue: jgoMl*4» Laura • • • .äi.65 |P .111' CS®R ki’ ^aÜLtrfl- 'S is' 182.^ 0J Äz *!« i4S.ro to^ #*4* jSw“ plft li^i ü' »* z 55** N^.'ioo Ä 2*. "ijll Si'ft jü v 14b.r0 b*^Tn *?*• irr 215 Erstes Blatt. Mittwoch den 14. September 1808 (4»M ei! latnobmr Hi lUcntaq«. Du Hrrtzcner »«■truuritttt »erHu Hm Änjngrt »Mmihit viermal ln|flrgt. Gießener Anzeiger 2 Wort 90 th ■•nacht 7t» V* ■h ^nngrri#>v Bei ViIWr 8 Äad 60 ?H HrrtdiMH** leeeN»t ••• Anzeigen zu brr Nachmittag« für den MgreHe tq ericheinenden Nummer bii Bene. 10 Uhr. General-Anzeiger RI' Anzeigen.BrrmiNlongiftkNen Hi A». ibI l-ffT . eebm-n Ansitzen *nr den ««ebener Lnze'vrr —iMiA?- Amts« und Anzeigeblatt für den Areir Gieren. BebectWn, ExpeHttan enb Druckerei: >4>f|r«|< 9t. 1. Gratisbellage: Gießener Familienblätter. Adrrfst für Depeschen: >«|<(»6> genommen und etwa zehn Individuen verhaftet. Die Untersuchung wird mit größtem Eifer geführt. E» verlautet, daß die franzöfische Regierung schon vor einigen Wochen von Wien und von anderer Seite unterrichtet worden sei, daß die Anarchisten ein Attentat vorbereiteten. Man wußte aber nicht, gegen wen. Die französische Regierung hat, wie Üblich, den rusfifchen Hof davon verständigt und auch für die Sicherheit des Präsidenten Faure Borsorge getroffen. Mehrere Anarchisten, welche fich nicht mehr sicher fühlten, sollen Samstag Abend, andere Sonntag früh Pari» verlaffen haben. Der Genfer Eorrespondevt de» »Journal" meldet, daß nach drei Italienern, welche alsbald nach dem Attentat mit der Bahn abreisten, eifrigst gefahndet wird. Mehrere Kutscher in Genf erzählen, fie hätten tn den letzten Tagen verdächtig auSsehende Individuen in der Nähe drS Hotels Beaurivage gesehen. Freitag seien der Kaiserin drei Männer auf Schritt und Tritt gefolgt. In der Schweiz hat die SchreckenSthat die schmerz- lichste Bewegung hervorgerufen. Man befürchtet allgemein eine arge Discreditirung des Ansehens der Schweiz im gekämmten Ausland. Die schweizerische Preffe verlangt strenge Gerechtigkeit, der einzige aber schwache Trost liege darin, daß der Thäter landfremd und ein Anarchist sei. Seitdem die anarchistische Bewegung besteht, hat niemals ein Anarchist in der Schweiz ein verbrechen gegen da» Leben von Personen begangen. Anarchisten übertraten früher nur die Preßgesetze. Nach Genfer Gesetz kann der Mörder nicht hingerichtet, sondern nur eingekerkert werden. Tie Propaganda der That. Die südlichen Länder Europas find im letzten Jahrzehnt häufig genug der Schauplatz schwerer verbrechen gewesen, die ans die Thätigkeit der Anarchisten zurückgesührt wurden. Spanien, Italien und Frankreich haben eine Reihe von Attentaten zu verzeichnen, welche In den Anarchisten, den Propagandisten der That, ihre Urheber hatten. Gerade in Frank- reich, der Republik, trieben die unheimlichen Gesellen eine Zeit lang ihr Wesen, und die Ermordung de» Präfideuteu ttarnot war ein Beweis dafür, daß e» die Anarch stru nicht auf die Throninhaber allein abgesehen haben, daß fie vielmehr Mord und Verbreitung von Schrecken überhaupt auf ihre Fahue schreiben. Die am SarnStag erfolgte Ermordung der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich hat viel Aehnlichkeit mit der an Sarnot verübten That. Auch dieser Präfident der fraozöfischen Republik hatte nicht den geringsten Anlaß gegeben, durch welchen er fich den Haß der Anarchisten hätte zuzieheu können. Und nun gar die Kats ernt von Oesterreich! In beiden Fällen war e» dem Meuchelmörder nur darum zu thuu, irgend ein Opfer au» hochstehenden Kreisen zu finden und durch die Hiumorduog desselben der Welt zu zeigen, daß die anarchistische Partei noch am Leben ist. Al» Präfident Saruot durch den Italiener Lasetto erdolcht worden war, da wurde in Frankreich da» Anarchistengesetz erlaffeu nnb in allen Ländern wurde die Frage ventilirt, ob nicht durch internationale Abmachungen dem Anarchisten- nnwesen ein Ende gemacht werden könne. Ob die Angelegenheit über die ersten vorbereitenden Schritte hinausgekommen und überhaupt zwischen den Regierungen ernstlich erörtert worden ist, läßt fich nicht sagen. Jedenfalls ist e» bei dem guten Willen geblieben, oder aber der AuSsühruug Haden fich unüberwindliche Hinderntffe in den Weg gelegt. Wären alle Mächte einig, so könnte immerhin der versuch gemacht werden, durch internationale Vereinbarungen dem Meuchelmord Einhalt zu thun, aber auch in dieser Frage find die Staaten nicht unter einen Hut zu bringen. Man sagt, daß besonder» England widerstrebe, welches ben Anarchisten da» Ashlrecht nicht nehmen wolle, au» Furcht, dieselben würden dann da» Land zum Schauplatz ihrer verbrecherischen Thätigkeit machen, während fie e» bisher gleichsam al» Gegenleistung für da» ihnen gewährte Ahl möglichst verschonten. Wte weit diese Annahme berechtigt ist, läßt fich nicht coutoliren- jedenfalls hat die britische Regierung es bisher nicht angezeigt gefunden, die Einschränkung oder Aufhebung de» Ashlrecht» in die Wege zu leiten. Man kann ficher darauf rechnen, daß nach der neuesten Mordthat wiederum in der Presse die Frage besprochen werden wird, ob fich nicht alle Luiturstaaten vereinigen müßten in dem Bestreben, den Propagandisten der That daS Handwerk zu legen und den Anarchismus überhaupt möglichst zu unterdrücken. Frankreich hat f. Zt. da» Nutzlose bei Auarchistengefetzc» eingesehen und e» Dedo wieder aufgehoben. Auch wir find der Meinung,, daß man wohl bad Ueberhaudgreifeu der anarchistischen Lehre einschränken soll, daß aber kein Gesetz der Welt gegen den Meuchelmord zu schützen vermag, der im Dunkeln sein Werk vollbringt und daS Tageslicht scheut. Aber wo fich die Auswüchse de» Anarchismu» öffentlich zeigen, da sollte man auch keine Schonung kennen und rÜckfichtSlo» einschreiten, um abschreckende Beispiele zu geben. Gegen die Propagandisten der That ist keine Strafe zu hart! _______________________________(xx) Deutschlands neueste Kolonie von Eapilän Han» Hensen. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Der ziemlich Derbrettete Glaube, baß die Chinefinnen allgemein häßlich seien, ist ein irriger. Die schief geschlitzten Augen machen zwar erst einen etwas befremdlichen Eindruck, aber der fünfte Blick der dunklen Augen nimmt doch für fie ein. Die Hautfarbe ist oft von derjenigen der Südeuropäet- inntn wenig verschieden; die Figur tst meist eine regelmäßige, wenn auch kleine Statur, beionber» im Süden, vorherrscht. Im Umgänge sind die Chinefinnen durchschnittlich von einer schüchternen Zurückhaltung, die wohl in dem Bewußtsein ihren Grund haben mag, daß sie ben Männern gegenüber al» Ge chöpfe untergeordneten Range» gelten. Sie sind fleißig in ihrer Häuslichkeit und verlaffen dieselbe selten, wozu auch die durch ganz China übliche Verkrüppelung der Füße, die ihnen nur einen äußerst unschönen langsamen, tnppdnben unb watschelnben Gang gestattet, das ihrige beitragen mag. Die Ehen werben bei den Chinesen sehr zeitig geschloffen; e» ist nicht» Seltene», daß ein fünf» ober sechsjährige» Mäbchen mit einem um wenige Iahte älteren Knaben ehelich verbunben wirb. Sie bleibt bann allerding» meist noch eine Reihe von Jahren im Elternhaufe. Die chinesischen Kinder sind häufig recht niedliche Geschöpfe. Ihr Haupt vergnügen, an dem auch die Eltern oft theilnehmen, tst da» Steigenlaffen großer, phantastisch verzierter Papierdra^en. Bt»weilen werden btefelben zum Kampf gegeneinander geführt, indem man in die ben Drachen haltende Schnur dünne Mefferklmgen einknüpft und nun mittelst derselben die Schnur de» gegnerischen Drachen» zu zerschneiden sucht. Gelingt die», so erhebt fich ein betäubende» Freudengeschrei. Ueberhaupt schreit der Chinese viel, auch bei geringen Meinungsverschiedenheiten. Zu Tätlichkeiten kommt e» indessen selten; er hält mit Falstaff Vorsicht für ben besseren Th eil bet Tapferkeit unb greift nur an, wenn bte Ueberzahl ihm einen möglichst ungefährlichen Sieg sichert. Deshalb werden auch die Chinesen trotz aller Mühe, welche sich bie meist bem preußischen Heer entnommenen Jnstructoren mit ihnen gegeben haben, in absehbarer Zeit schwerlich brauchbare Solbaten rverben. Auch un» macht eß schon einen sonderbaren Eindruck, daß fie saft nie ohne Regenschirm zu sehen sind, und auch ihre sonstige Tracht, der Strohhut, die weiten, bunden Gewänder, die Filzschuhe — da» Alles sieht nichts weniger als militärisch aus, ebensowenig die vielen großen rothen Fahnen mit dem Drachenbild. Das Schwert oder Bogen und Pfeile tragen sie meist auf dem Rücken geschnallt. Die höheren Offiziere siebt man gewöhnlich in einspännigen, zweirädrigen Wagen, die schwerer Construction sind und ihnen jede rasche Bewegung unmöglich machen. Den chinesischen Soldaten fehlt gänzlich die Vaterlandsliebe. Woher sollte sie auch bei Chinesen kommen? Ueberall sonst haben sie es bester als in der Heimath. Sie sehnen sich, wenn sie erst einmal ausgewandert sind, nach dieser nicht zurück. Dabei ist es aber in ihrer Religionslehre begründet, daß sie nur dann zur Seligkeit gelangen zu können glauben, wenn sie nach ihrem Tode in heimischer Erde ruhen, und sobald der ausgewanderte Chinese etwa» erübrigt hat, sichert er sich für den Fall seines Todes den Heimtransport seiner Leiche. Es kommen manchmal in chinesischen Häfen Schiffe an, die Hunderte einbalsamirter und in luftdicht schließende Särge verpackter Chinesenleichen mit sich führen. In einzelnen Theilen Chinas besteht das Gesetz, daß die Aerzte für jeden in ihrer Behandlung Gestorbenen eine Papierlaterne an ihrer Hausthür anbringen müssen. Freilich gelingt es ihnen meist, sich durch ein Geschenk an die überwachenden Beamten von dieser unbequemen Verpflichtung loszukaufen. Dagegen haben sie nur dann ein Honorar für ihre Thätigkeit zu beanspruchen, wenn ihnen die Heilung der Kranken gelungen ist. Die Zahnärzte, deren es auch eine ganze Menge gibt, ziehen sämmtlich die Zähne nur mit den Fingern, ohne Beihülfe irgend eines Instrumentes aus, und erzielen die hierzu nöthige Muskelkraft der Finger dadurch, daß sie Pflöcke, welche in ein Brett aus weichem Holz erst nur mit einigen leichten Schlägen, dann immer tiefer eingetrieben werden, aus diesem Brett mit den Fingern herauszuziehen sich Jahre lang üben. Die Handwerker sind meist ziemlich geschickt, wenn auch einseitig und schwer dazu zu bringen, sich von ihrer seit Jahrtausenden überlieferten Arbeitsmethode abzuwenden und neuere, practischere Verfahren anzunehmen oder sich compli- cirterer europäischer Arbeitswerkzeuge zu bedienen. Auch fällt ihnen die Anschaffung solcher schwer, da sie meist nur 30 bis 40 Pfennig, im besten Falle 50 Pfennig pro Tag verdienen. Die Regierung thut zur Hebung des Handwerkerstandes wie der Industrie überhaupt, oder aber der Landwirtschaft nicht das Geringste; im Gegentheil, wer über die Mittelmäßigkeit hervorragt und mehr verdient, zieht die Aufmerksamkeit der Beamten auf sich und muß auch gleich mehr Steuern zahlen. Auch die wenigen existirenden Wohlthätigkeitsanstalten verdanken Europäern ihre Entstehung. Die Regierung trifft nicht einmal Vorsorge, ihr Volk gegen die Hungersnöthe zu bewahren, welche in Jahren des Mißwachses oder großer Ueberschwemmungen Millionen von Menschen dahinraffen. In mancher Stadt sterben in schlechten Jahren Hunderte, ja Tausende kleiner Kinder aus Mangel an der allernoth- dürftigsten Nahrung! Dies geschieht in einzelnen Gegenden, während in anderen Ueberfluß herrscht und das Getreide so billig ist, daß es für den Ackerbauer kaum noch einen Gewinn abwirft. Es fehlt eben überall an einheitlicher Organisation und vor Allem an Verkehrsmitteln. Die großen Flüffe, Hoangho und Jangtsekiang, können dem Bedürfniß nicht genügen; ersterer ist fast ganz versandet, letzterem steht das gleiche Schicksal bevor. Die Flußdampfer sind fast sämmtlich vorzüglich eingerichtet und zahlreiche Dschunken und Sampans beleben, erstere mit aufgespannten Segeln, letztere durch ein Ruder getrieben, die Wasserläufe. Aber dort, wo letztere nicht existiren oder nicht schiffbar sind, sieht es in Folge des fast gänzlichen Mangels an Eisenbahnen um so trauriger aus. Die Beförderung der Güter findet dort überwiegend auf Schiebkarren alter, schwerer Construction statt, und wird bei Regenwetter oft geradezu zur Unmöglichkeit, da weder für Neuanlage von Wegen, noch für die Erhaltung der aus früheren Zeiten stammenden das Geringste geschieht. Kurz, es ist höchste Zeit, daß in China thatkräftig eingegriffen werde! Zwar bte erste Berührung mit der größten Seefahrtsnation Europas, mit den Engländern, hat den Chinesen vor Allem das Opium gebracht, jenes Gift, das allmählich Tausende und Abertausende von Chinesen entnervt und dem Wahnsinn oder dem Tode zuführt, und die chinesische Regierung versuchte vergeblich, durch Einfuhrverbote ihr Volk zu schützen. Die Engländer erzwangen im Jntereffe ihres Handels die Einfuhr des Giftes. Allein wenn jetzt, wo im Innern Chinas schlimmere Zustände herrschen, als die Meisten glauben, europäische Culturnationen, welche Macht und Energie genug besitzen, um Forderungen Nachdruck zu verleihen, welche die wirthschaftliche Erschließung des inneren Chinas zur Folge haben, wenn solche Nationen durch Anlage neuer Verkehrsmittel eine beffere Verbindung der einzelnen Theile des „himmlischen Reiches" unter sich und mit der See ermöglichen — so werden sie nicht nur in reichem Maße den Nutzen finden, den sie hierbei für ihre eigene Industrie und ihren Handel erwarten, sondern sie werden auch vielen Millionen ihrer Mitmenschen, die in ihrer bewundernswerthen Genügsamkeit froh sind, wenn sie das Existenzminimum haben, in erster Linie dieses, in zweiter Linie ein menschenwürdigeres Leben sichern, in dritter Linie ihnen die Möglichkeit des Emporkommens gewähren. Auf diese Weise erfüllen sie in der That den Beruf einer Culturnation, und daß dies nach der Erwerbung der Bucht von Kiau-Tschou von deutscher Seite in hervorragendem Maße geschehen wird, ist mit vollster Sicherheit vorauszusetzen._______________ Deutscher Reich. Darmstadt, 12. September. Wegen des Ablebens Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich ist aus Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vom 10. bi» zum 23. September einschließlich angeorduet worden. Berlin, 12. September. Die Aufregung und Ent- rüstuug Über den an der Kaiserin Elisabeth begangenen Mord unter der hiefigen Bevölkerung haben sich noch nicht gelegt. Gestern zogen ganze Schaareu von Menschen vor daß PalaiS der österreichischen Botschaft, um so ihre Theilnahme an dem großen Unglück auszudrücken. Zahlreiche in Berlin aufäifige Oesterreicher und Ungarn haben die schwarz-gelbe Fahne Halbmast gehißt oder ganz schwarze Trauerfahnen aufgezogen. Auf dem königlichen Schloß und fämmtlichen Palais des königlichen Hauser, dem Rathhause und anderen öffentlichen Gebäuden wehen die Flaggen Halbmast. Zahlreiche Läden und Prioarhäuser haben Trauerschmuck angelegt. Die österreichisch-ungarische Coloute wird eine imposante Trauerkundgebung veranstalten. Reichskanzler Fürst Hohenlohe und StaatSsecretär v. Bülow sandten an Kaiser Franz Josef Beileidstelegramme. Die hiefigen städtischen Behörden haben eine Condolenzdepesche au den Wiener Magistrat gerichtet. Die österreichische Botschaft veranstaltet am Tage der Beisetzung eine Trauerfeier in der HedwigSkirche. BreSlau, 12. September. Wie der „Breslauer General- Anzeiger" meldet, fand in Oppeln heute früh zwischen einem in den Bahnhof einfahrenden Güterzuge und einem Rangir- zuge ein Zusammenstoß statt. Beide Maschinen, sowie der Packwagen r>e» Beuthener Zuges wurden stark beschädigt. Menschenleben find nicht zu beklagen. Arrskn»-» Wim, 12. September. Die „Reichswehr" dementirt die Gerüchte von bevorstehenden Beränderuugeu im Cabinet Thun. Wim, 12. September. Der Kaiser hat eine sechs- monatliche Hoftrauer angeordnet und zwar zwei Monate tiefste Trauer, zwei Monate tiefe und zwei Monate minder tiefe Trauer. Kaiser Franz Josef hat das Schönbrunner' Schloß noch nicht verlaffen. Freitag und Samßtag wird der Zutritt des Publikums zu der aufgebahrteu Leiche gestattet. Die Beisetzung findet SamStag Nachmittag 4 Uhr statt. Laibach, 12. September. Hier fanden große Demonstrationen gegen die Italiener statt. Es kam zu einem Zusammenstoß mit italienischen Arbeitern, wobei viele Personen getödtet und verwundet wurden. Budapest, 12. September. Wie hier verlautet, fand tu der Hofburg ein Familienrath statt. ES heißt hier, der König wolle abdanken. Budapest, 12. September. Der König berief den Ministerpräsidenten Banffy nach Wien. Budapest, 12. September. Gemäß einem von der Königin früher wiederholt geäußerten Wunsche, im Park de» königlichen Schlöffe» zu Gödöllö begraben zu werden, rechnet man hier darauf, daß diesem Wunsche Rechnung getragen wird. Wenn die» der Fall sein sollte, daun wird das Herz der Königin nach alter Sitte in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt werden. Budapest, 12. September. Als der Erzherzog Karl Ludwig vor einigen Tagen,in Abazzta weilte, folgte ihm ein verdächtig auSsehendeS Individuum. Als der Mensch Miene machte, fich dem Erzherzog zu nähern, wandte sich der letztere gegen den Menschen, um einem Angriff zuvorzukommen, worauf dieser entfloh. Genf, 12. September. Heute erfolgte die Aufbahrung der Leiche der Kaiserin Elisabeth. Morgen früh erfolgt die Ankunft der Abordnung des kaiserlichen Hofes aus Wien. Mittwoch früh werden unter Theilnahme der schweizerischen BundeS-Functionäre die Einsegnung der Leiche und Ueberführuug des Sarges zur Bahn vorgenommen. Genf, 12. September. Die Morgenzüge hatten heute aus den deutschen Cantoneu Tausende von Landbewohnern zur Stadt gebracht. Die Gesammtzahl der als Theilnrhmer am Zuge oder als Zuschauer versammelten Menge beträgt sicher 100 000. Der Leichenzug machte durch seine bürgerliche Einfachheit und Schlichtheit einen überaus sympathischen Eindruck. Brüstel, 12. September. Die Regierung wird wahrscheinlich den früheren Gedanken zur Einberufung einer internationalen Eonfereuz zwecks Berathung von gemein- fernen Maßnahmen gegen die Anarchisten wieder aufnehmen. Brüstel, 12. September. Der „Soir" meldet aus London, es fei ein Eomp lott entdeckt worden, welche» ein Attentat auf die Königin von England, die Königin von Holland und den Zaren plante. Das Complott scheiterte aber, weil ein deutscher Anarchist NameuS Werner die ganze Sache verrieth. Am anderen Tage fand eine zweite Versammlung der Anarchisten statt, in der der Tod der Kaiserin von Oesterreich beschloffen wurde. Antwerpen, 12. September. Der Amsterdamer Corre- spoudeut des Blatte- „Metropol" bestätigt die Meldnug von dem Attentat gegen die Königin Wilhelmine. Der Corre- spondent will die Bestätigung von dem Grafen Limburg- Stirum erhalten haben, deffen Gemahlin durch einen Anarchisten verwundet wurde. Das Attentatt fand nach einer Ausfahrt der Königin statt. Der Attentäter feuerte inS- gesammt drei Revolverschüffe ab. Die Gräfin Limburg- Stirum wurde durch eineu Schuß verwundet. Die Königin verlor keinen Augenblick ihre Kaltblütigkeit und sagte, man dürfe kein Wort von dem Attentat reden- eS müffe geheim gehalten werden, weil sonst die Festlichkeiten gestört würden. Die fämmtlichen holländischen Telegraphenämter halten ein scharfes Auge auf alle an die Preffe abgehenden Telegramme und ersuchten die belgischen Beamten, diesbezügliche Telegramme anzuhalten. Pari», 12. September. Der Kriegsminister Zurlinden hat dem Justizminister Sarrieu die Acten in derDreyfu»- Angelegenheit mit seiner begründeten und endgültigen Ansicht übergeben. „Figaro" und „Matin" glauben bestätigen zu können, daß Zurlinden fich der Revision des DrehfuS- Prozesses widersetze und seine Entlassung geben werde, wem: I die Collegrn seine Ansicht nicht theilteu. Der „Matin" fügt I hinzu, Brisson würde alsdann als Kriegsminister die Ber- antwortlichkeit der Revision des Proz'ffe» auf fich nehmen. Nach einer Brüsseler Meldung der „Reforme" unterliegt e« 1 keinem Zweifel, daß Esterhazy in Gesellschaft eine» RedacteurS deS Pariser Blattes „Patrie" in Ostende weilte und unter einem falschen Namen im „Hotel Fontaine" abstteg. Esterhazy verschwand, als sein Aufenthalt entdeckt wurde. Pari», 12. September. Die Situation ist sehr gespannt- ein großer Theil der Minister beabfichtigt, fall» Brisson das Kriegsportefeuille übernimmt, demselben Opposition zu machen und einen CabiuetSwechsel sowie die Einberufung der Kammer zu erzwingen. Petersburg, 12. September. Mau schreibt: Die neneste Entwicklung der DrehfuS-Angelegeuhett hat hier eine unverkennbare und nachhaltige Wirkung, namentlich in militärischen Kreisen, auSgeübt. Hatte schon der Selbstmord Henrys große Aufregung hervorgerufen, so hat der Rücktritt des Generals BoiSdeffre, der hier ein sehr großes Ansehen genoß und oft als der französische Moltke bezeichnet wurde, vollends eine wahre Bestürzung erzeugt. Der General war noch bei den vorjährigen Manövern anwesend und wurde überall mit besonderer Auszeichnung behandelt. Im hiesigen auswärtigen Amt ist man wohl schon seit längerer Zeit davon unterrichtet, daß im französischen Heer nicht Alle» so glänzend bestellt ist, wie man noch'vor zwei Jahren glaubte. Aber in allen anderen Keeisin ist mau doch aufs Aeußerste über die Zustände verblüfft, welche die Henrysche Fälschung aufgedeckt hat. Die Schwärmerei für die französische Freundschaft tritt immer mehr zurück. Auch die AbrüstuugSkund- gebuug de» Czareu hat, wie ich bereit» berichtete, hier vielfach eine franzosengeguertsche Auslegung erfahren. Im Uebrigen denkt man über dieses Manifest jetzt, nachdem seit der Veröffentlichung vierzehn Tage ins Land gegangen sind, sehr nüchtern und vernünftig. Man hält e» für eine kräftige nab sehr ernsthaft gemeinte Friedenskundgebung und glaubt nicht entfernt an eine eigentliche Abrüstung. Nirgends ist vielleicht das Bedürfniß nach einer Verminderung der Militär- lasten bisher so wenig empfunden worden al» tu Rußland — aus dem einfachen Grunde, weil nur die wenigsten Leute eine Ahnung davon haben, welchen Aufwand von Mitteln sie fordern. Der ReichShauShalt wird natürlich in den Zeitungen veröffentlicht- aber von den verhältnißmäßig wenigen Lesern, welche die russischen Blätter überhaupt haben, kümmern fich noch nicht zehn v. H. darum. Eine öffentliche Bemäkelung der Ausgaben gerade für Heer und Marine ist der Preffe nicht gestattet. — Das Gerücht von einer Zusammenkunft des Kaiser- Nikolaus mit Kaiser Wilhelm erhält fich. Man spricht davon, daß daS Czarenpaar in diesem Jahre doch noch zu einem Aufenthalt nach Darmstadt reisen werde. Die Kaiserin Alexandra soll fich von ihrer Krankheit vollständig erholt haben. Cocales und ^provinzielles. Gießen, 13. September 1898. AuS dem Verwaltungsdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Provinzialdireetor der Provinz Oberhessen und Kreisrath de» Kreise» Gießen, Hermann v. Bechtold, auf sein Nachsuchea von den Verrichtungen eine» Mitglieder der PrüfuugS-Com- mtsfion für da» Justiz- und BerwaltungSfach zu entheben und die Ministerialrathe Dr. Andrea» Breidert und Ernst Braun zu Mttgliedoru der gedachtenEommissson, und zwar für die Prüfung im öffentlichen Recht, einschließlich de» Der- waltungSrechtS und Ktrchenrecht», zu ernennen- — dem Kreisrath des Kreises Groß-Gerau, Erwin Freiherr» Löw von und zu Steinfurth, deu Character al» „Geheimer RegierungSrath zu verleihen- — den KreiSamtmann bet dem KreiSamte Schotten, Friedrich Welcker, mit Wirkung vorn 15. September l. I»., zum KreiSamtmann bet dem KreiSamte Dieburg, den RegterungSaffeffor Dr. Nikolaus Reinhart au» WormS zum KreiSamtmann bei dem KreiSamte Darmstadt, deu RegierungSaffeffor Heinrich GeuneS au» Baumholder zum KreiSamtmanu bei dem KreiSamte Lauterbach zu ernennen. ** AuS dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen MinistriumS der Justiz wurde der GerichtSaffrffor Dr. Julius Friedrich tu Darmstadt vom 16. September I. I». an bi- auf Weitere» mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eine» Amtsrichter» bei Großh. Amtsgericht Darmstadt I beauftragt. • • Bon den höheren Schulen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 10. September den LehramtSaffrffor zu Darmstadt Eduard Pfaff zum Lehrer an der Oberrealschule daselbst, mit Wirkung vom 11. d. M., — den LehramtSasseffor Reinhard Walz zu Friedberg zum Lehrer an dem Ghmnafium und der Realschule daselbst, mit Wirkung vom 11. September an, zu ernennen. • * Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer' wehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 27, August deu Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr zu Friedberg: Franz Nee», Zugführer, Carl Oberländer, UaterfÜhrer, Jacob Gripp und Friedrich Streck fuß. * Militardienstnachrichten. Schöngarth, Major z. D.> zuletzt Bataillon» - Commaudeur im Juf.-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hrff.) Nr. 116, zum Commandeur hl Landwehrbezirks Flensburg ernannt- v. PlöunieS, Haupt' mann von der Marine-Infanterie, ein Patent seiner Charge verliehen. • • Die Landesverfammlung des Evangelischen Bunde» t» Hessen wird am nächsten Sonntag den 18. September Weisenau und Mainz abgehalteu werden. ES «nrdk dafür folgendes Programm ausgestellt: 1) FestgotteSdienft in der evangelischen Kirche zu Weisenau Nachmittag» 3J/> ADb *aa ifl “ LoriestttUt. 3) Abends r tiarhaa'eS i grafen W Mitglieder' unb Laad st •* Noi am S"it°r brobachtrt. bemrrkk. ’s Hiwrntl lot empor- N- oflf btt «e Helligkeit a 10 Uhr die zieht fich t die Norbsri Au ihrriu welches da! Sinfluh üb eoraalfW Wittmurzs« schlimmere anssichtl! fobann molk bann allmöh > ” 7 □ So! Lollar untt utrbunbta erste Äbth und Dallb Daubring! thrtlllng (( bis Main Nachdem I entdeckt n ging aus überfallen, Die Turne nächste He. fcbibotftr» fyintt finbi Sut Heil! 4* bch auf 10.1. ? in nnfntn dem Laden Morgen! fii Wen Hin liehen, jo । Tivil btm i« Graden labuug der Mounm Nw/t kW $i _ W, Nihtog in ait nn * Wil JhWnbi ifi ff Mein uV’Wa ” Metl 16 Ä" 1,1 an “Hilf hn« W1"’ te* Cm01 Sie U staust. ‘ iOQ S2 h »’16f» M, ?Ä; M •Ä'*' >°d! 4«s Kg* < K’äÄ MtalelbttiCn'? fotoit * Ätz an W. 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Dieselben müssen von kräftigem Körperbau und 1,67 m groß sein. Bezügliche Gesuche sind unter Beifügung des vom Civilvorsitzenden der Ersatzcommission des Aufenthaltsortes ausgestellten Meldescheines zum 3 jährig freiwilligen Dienst umgehend hierher einzureichen. Lehe, im September 1898. Kommando der III. Matrosenartillerie- Coursbericht vsn Je Kurz & Co., Giessen, Kchllhgfstraßk 63. Frankfurter Börse vom 12. September 1898. — zum Würzen ver Luppen — ist soeben wieder eingetroffen bei 8755 Heinr. Hahn, Bismarckstr. 8. Original-Fläschchen Nr. 0 werden zu 25 Nr. 1 zu 45 H, Nr. 2 zu 70 H mit Maggi nachgefüllt. 9080] Heute Mittwoch am Eilgüterbahnhof der Main-Weser-Bahn Gurken und Weißkraut zu billigen Preisen zu verkaufen von Morgens 7 Uhr ab. Wschsichrchn (Dr. Klein’s Patent) zum Bereiten von frischem Fleischsast für Magenkranke u. Reeonvaleseenten empfehlen Brüder Schmidt, Brief 16.18 20.38 4.20 Abende o'urser 154.00 s Oesterr. 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