Nr. 111 Zweites Blatt. Freitag den 13. Mai 1898 -rscheint ttgtlch mit Ausnahme des Montags. Die Gießener AamitieuvtLtter werden dem Anzeiger w-chentlich viermal beigelegt. Gießener Anzeiger Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh». Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer biS Vorm. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle Anzcigett-Nernuttlungsstellen deS In- und Ausland«« nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgege». Amts- und Anzeigeblutt für den ICrete Gieren. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hietze«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Tbeil. Gießen, den 11. Mat 1898. Betreffend: Die Ausgabe von Radfahrkarten und Nummerplatten. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen «* die Srotzh. Bürgermeistereien der Land- gemeinden de- Kreises. Die Radfahrkarten und Rummerplaiteu werden jetzt auf unser« Bureau gegen Entrichtung von 80 Pfg. auSgegebeu und unter Nachnahme de» Betrag» und der Brrsaudtkosteu an Tie zur Au»händigung au die Betheiligteu versandt. Tie wollen durch ortsübliche Bekanntmachung darauf Hinweisen, daß Radfahrer, welche öffentliche Wege, Straßen und Plätze befahren, ohne mit Radfahrkane und Nummer- platte tu vorgeschriebruer Weise versehen zu sein, mit Geldstrafe bi» zu 60 Mark oder Haft die zu 14 Tagen bestraft werden. v. Gageru. Bekanntmachung. Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs ist dem Präsidium der Krieger- kameradfchast „Hassia" die Erlaubntß zur Veranstaltung einer Geldlotterie im Jahre 1898 ertheilt worden, deren Erträgniß zur Unterstützung von in unverschuldete Noth gerathenen Kriegsveteranen verwendet werden soll. Bet der Verloosung ist der genehmigte Plan einzuhalten, wonach nicht mehr als 80 000 Loose zu 1 Mark das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 50 pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zu Geldgewinnsten zu verwenden find. Großherzogliches Ministerium des Innern hat den Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet. Gieyen, den 11. Mai 1898. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung. Großherzogliches Ministerium des Innern hat dem Vorstand der Oberbadischen Zuchtgenoffenschaften die Erlaubniß ertheilt, die Loose einer anläßlich des 20. September I. I. zu Radolfzell stattftndenden Central.Zuchtviehmarktes zu veranstaltenden Verloosung von Zuchtvieh innerhalb des Groß- herzogthums zu vertreiben. Indem wir dies zur öffentlichen Kenntniß bringen, bemerken wir, daß nack dem von der zuständigen Behörde genehmigten Verloosungsplan 80 000 Loose ä 1 Mark ausgegeben werden dürfen und 19000 Mark zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden müffen. Gießen, den 11. Mat 1898. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsche« AeLch. Berlin, 11. Mai. Der Kaiser hörte, wie au» Schloß Urville gemeldet wird, gestern Nachmittag die Vorträge de» Leiter» de» Auswärtigen Amte», Gesandten Grafen Wolf Metternich und des Chef» de» Ingenieur- und Pionier- eorp», General Bogel von Falkenstein. Abend» empfing der Kaiser den deutschen Botschafter in Pari», Grafen Münster. Heute Vormittag nahm der Kaiser den Vortrag de» Chef» de» Cioilcabtuet», v. Lueanu» und de»,Gesandten Grafen Wolf Metternich entgegen. Berlin, 12. März. Ueber die Reise de» Kaiser» nach Jerusalem find noch nicht die letzten Entscheidungen getroffen, die Borberrituugen rücken aber doch immer weiter vor. Zunächst werden alle Borkehrnngeu für die Mttreise der Kaiserin getroffen, doch hängt der endgtltigr Entschluß davon ab, daß sich der Gesundheitszustand der Kaiserin auf seinem jetzigen vorzüglichen Standpunkt erhält. Von Seiten de» Oberhofmarschallamte» find noch Ermittelungen über die Verhältnisse in Palästina, sowohl tu Jerusalem wie in der Umgegend, augestellt worden, auch heißt e», daß der kaiserliche Cousul in Jerusalem, Dr. v. Ttscheudorf, hierher berufen ist, um selbst aursührltchen Bericht zu erstatten. Unbestimmt ist noch, ob die Abfahrt der Katser-Aacht „Hohen- zollern" von Triest oder von Genua stattfiudet, ebenso ist noch nichts davon bekannt, ob der Kaiser einen Besuch tu Konstantinopel machen wird. Die Einladungen au diejenigen Personen, welche den Kaiser auf der Reise begleiten solle», werden wahrscheinlich nicht vor September ergehen. Dir Feier der Einweihung der Erlöserktrche wird nach dem Plane de» Präfideuten de» Oberktrcheurathe», D. v. Barkhausen, wahrscheinlich ganz nach dem Muster begangen werden, wie e» bet der Einweihung der umgebauteu Schlohkirche in Wittenberg am 31. October 1892 der Fall war. Damals waren nicht nur alle evangelischen Fürsten und Kirchen Deutschland», wie auch die Häupter der evangelischen Kirchen in Bayern und Oesterreich, sondern auch die Souveräne protestantischer Confessio» im AuSlande, nämlich die Königinnen von England und von Holland, sowie der König von Schweden emgeladeu worden,- fie waren sämmtlich durch Delegtrte vertreten. In gleicher Form soll die Einweihung der Erlöser- kirche tu Jerusalem eine allgemeine große Feier der Evangelischen Europas werden. Die Vertreter dieser Kirchen erscheinen dort nicht al» Gäste de» Kaiser», sondern machen die Reise für fich auf eigene Kosten. Ebenso wird fich Präsident Dr. Barkhausen nicht in der Begleitung de» Kaiser» befinden, sondern vorher in Jerusalem eiutreffeu, da er al» Borfitzeuder der Evangelischen Jerusalems-Stiftung wie al» Oberhaupt der evangelischen Kirche und Gemeinde daselbst den Kaiser dort empfangen soll. Berliu, 11. Mat. Da» Abgeordnetenhaus hat heute die Etseubahnvorlage unverändert nach den Beschlüffen der zweiten Lesung definitiv angenommen. Desgleichen die ArbetterwohnuugSvorlage und die Ktrchenvorlagen für Schleswig-Holstein, Hoheuzolleru und die älteren Provinzen. E» begann alsdann die zweite Lesung de» westfälischen Au- erbegesetze». Nach längerer Debatte hierüber vertagte da» Haus die Fortsetzung der Berathuug auf morgen 11 Uhr. Außerdem stehen Petitionen aus der Tagesordnung.________ Arrslair-. London, 9. Mai. Der chinesisch-japanische Krieg ist abgewickelt. Mit einem Check von nahezu 12000000 L., dem größten Check, der je ans die Bank von England gezogen wurde, hat China am SawStag seine Kriegsschuld an J.apau abgetragen und die Ablösung der Japaner in Weihaiwei durch die Engländer kann ehesten» erfolgen. Ehe aber ^miUeton. Aus geweihten Landen. Von Karl Böttcher. (Originalbericht unseres Special-Correspondenten). (Nachdruck verboten.) XIV. Im Si«ai-Klofter. Sinai-Kloster, 14. April 1898. Träge knirschen dicke Eiseoriegel. Im trotzigen, fich im Dunkel der herabfivkenden Nacht hoch und wett verlierenden Festungsgemäuer öffnet sich ein stark gepanzerte», nagel- bedecktes Pförtchen. Wir schlüpfen hinein in diese Wüstenherberge — die Reisenden und Pilger allein- zufolge der Klostersatzuug müffen die armen Kaweele und die gleich armen Beduinen mit ihrer Müdigkeit draußen übernachten. Seht, wo ihr uuterkommt! . . . Durch doppelte Mauerwälle geht», dann tief au»ge- rundete FelSstufen empor, über welche mit ehernem Tritt die Reihen der Jahrhunderte zogen, weiter durch enge Ge- wölbe, über alterswarode Holztreppen, wackelnde Altane — immer aufwärts. Zwei erustblickende Mönche, deren blonde» Haar, aufgelöst uud laugwallend wie Frauenhaar, weit auf ihre schwarzen Kutten herabfällt, empfangen un». Zehn Minuten später fitze ich in einem der großen, weißgetünchten Pilgerzimmer, auf dem schmutzigen, buntgeblümten Kattunüberzug eines langen Divan», tat matten Schimmer de» rubiveorothev Lämpchens, welche» vor einem plump gezeichneten EhrtstuSbild erglüht. Bleischwer lastet die in dreitägiger Wüsteuretse zusammen- geschleppte Müdigkeit in meinen Gliedern. Aber sofort zur Ruhe gehen? Denk' nicht daran. I« aufwallender seelischer Erregung setze ich mich, umwehr von der kräftigen Luft de» Sinai, auf die Holzterraffe vor meinem Zimmer, »ich meinen Gedanken überlaffend. Uud wer sollte mich dabei stören? So bleibe ich lange, lauge. . . Tiefe, feierliche Stille ringsum läßt die schauerlichen Grauitfelseu noch riefiger erscheinen uud den uachtgefüllten Himmel noch geheimnißvoller. . . Jetzt weicht die Ftnstervtß- hervorbrechrnder Mondglauz umflimmrrt die grotesken Striu- maffeu, die melancholischen FelSprofile und füllt allmählich Thäler uud Schluchten - große Sterne blinzeln auf- der Himmel lüftet fich. Nirgends in der Welt ist mir fein Gewölbe so doch erschienen. . . . Drüben, da» also ist der geweihte Berg, wo nach dem biblischen Bericht vor vier Jahrtausenden unter gewaltigen Zeichen und Wundern die Grundgesetze für da» ganze Leden der Menschheit ausgesprochen wurden. Uud Augeficht» diese» wilden Zackeuwrrk» der Felsen zieht mir au» dem geweihten Buche MoseS Capitel 19, die Erzählung von der Gesetzgebung, durch die Erinnerung: „Der ganze Berg Sinai aber rauchte, darum, daß der Herr herabfuhr auf den Berg mit Feuer- uud sein Rauch ging auf wie ein Rauch vom Ofen, daß der ganze Berg sehr bebete. — Und der Posaune Ton ward immer stärker. Mose redete, und Gott antwortete laut." — Jetzt Alles versunken in unerbittlich tiefe Ruhe, wobei mir das ganze Sinai-Kloster erscheint wie ein in feierlichster Eiusamkeit entsagende» Menscheuherz. Spät tst'S, al» ich mich im Ptlgerzimmer auf den Divan strecke. Lange jedoch kann ich nicht eiuschlafen. Wie im Halbschlummer hör ich noch um Mitteruacht dumpfe Glockeuschläge die Oede durchdröhnen, hör ich Thüren gehen und träge Schritte über Treppen und Steiufliesen schlürfen. ES find die Mönche, welche sich zum NachtgotteSdieust in die Kirche begebeo. Im grellen Souuenglauz de» neuen Morgens stellt fich mir da» ganze Kloster in seiner eigenarttgen Pracht vor. ES ist ein etwa» genialer Wirrwarr von großen uud kleinen Gebäuden, welche wie in baumeisterlicher Fastuacht»laune durchetaaudergestellt wurden. Hier halten in weltfernster Einsamkeit Moschee und christliche Kirche gute Kameradschaft, uud da» baufällige Minaret erhebt fich treunachbarltch dicht neben dem schlanken Glockeuthurm, al» wären beide intime Freunde. Freilich rin Minaret mit einer ganz defeeten, von morschen Stangen gebildeten Gallerte, auf die fich wohl schwerlich ein SebetSrufer wagen wird. Dort schmiegen fich übereinander verschiedene Häuserchen au den Abhang- dazwischen find kleine Höfe eingezwängt- uud da» Ganze wird tm Viereck von übermäßig hohen, festuugSartigeu Mauern umschloffen, deren starrtrotzige Wuchtigkeit mich an die stärksten Bollwerke der Fort» von Malta erinnert. Eilige» Glockeugebtwmel ruft die Mönche zum Morgen- gotteSdteust. Bleiche KlauSuergefichter, die vorher hie uud da au» den Gucklöchern kleiner Zellen herauslugten, bewegen fich langsam und gesenkten HavpieS nach der tiefer gelegenen Kirche — BerkläruugSkirche genannt, weil fie der Verklärung Christi geweiht ist. Ich gehe ihnen nach uud nehme Thetl au dem griechisch-orthodoxen Gottesdienste. Vor dem goldstrotzeuden Altar bewegt fich in verblaßte« Goldgewaud ein alter Priester. In monotonem Gewimmer durchschallen seine Gebete, von denen ich kein Wort verstehe, die prunkvollen Gewölbe. Träge wirbeln zwischen grüultchen Säulen dicke Weihrauchwölkchen zu den ernsten Gefichteru der Heiligenbilder empor. In raschem Tempo riugr fich da» zitternde Flehen von den Lippen der umhersteheudeu Mönche, ertönen gemurmelte Gebete durch die mit glänzendem Schmuck überladenen Bogengänge, erfüllen melancholisch klingende Litaneien, welche die Mönche im Chor sprechen, da» hohe Kirchenschiff. Meine Blicke werden inzwischen von der seit vielen Jahrhuuderren in der ganzen Kirche aufgespeicherten Pracht in Anspruch genommen. Sie bewundern die zierlichen Gold- mosaiken, die verblaffeudeu Kunstwerke verschiedener Art, die kostbaren Kronleuchter, die dicken Reliquieuschreine, die Ge- räthe uralter Goldschmiedearbeit, die luxuriösen Seidenstoffe, den reichlich au»gestremev Prunk in Gold uud Juwelen — all die werthvolleu Schätze, wie fie von längst vermoderten Königen und Fürsten dem Sinai-Kloster geschenkt wurden. Mein Begleiter führt mich in etoen kleinen Nebenrau« und bedeutet mir mit einer gewtffeu Feierlichkeit, daß ich mich der Schuhe uud Strümpfe entledigen soll. Es geht in da» weihevolle Gedäwwer der Capelle de» feurigen Busche», wo nach dem biblischen Bericht Gott mit Mose redete, wo e» Mose in die Ohren dröhnte: »Ziehe Deine Schuhe au», denn der Ort, da Du stehest, ist heilige» Land." . . . diese Ablösung thatsächltch vollzogen wird, tritt die ostafiatische | und Läufer aufgetrieben gewesen und ging hier der Handel Frage durch den Steg der Amerikaner über das spanische I bei guten Preisen lebhaft. — Der Krämermarkt zeigte nicht den früher gewohnten starken Besuch aus der näheren Um- + Nidda, 12. Ma>. Der gestrige Markt war infolge der ungünstigen Witterung nicht so gut besucht, als dies sonst der Fall zu sein pflegt- namentlich war kein Rindvieh zum Verkauf angetrieben. In Schweinen find meistens Ferkel Geschwader bet den Philippinen au ganz unerwarteter Stelle wieder inS Licht. Die Bereinigten Staaten find noch keineswegs im Befitze der Philippinen, beginnen aber gan;, ernstlich fich über das Schicksal dieser wenhvolleu Inselgruppe den Kopf zu zerbrechen. Dieselben Leute, die ihre sogenannte Mouroelehre auf die Annahme aufgedaut, kein europäischer Staat habe auf amerikanischem Boden etwas zu suchen, reden heute fchou ganz ernstlich von den Bortheilen, die eine Flotten- bafiS wie die Philippinen für die Bereinigten Staaten für den Fall der Aufthetluug Chinas haben könnte. Man kann fich einen so jähen Urbergang aus der unverwundbaren Stellung des großen oordamertkantschen Staatswesen- auf eigenem Boden zu activer Politik in Ostafien kaum vorstellen, allein unmöglich ist tu politischen Dingen fast nichts, wenn auch auf den ersten Blick die Sache wenig glaublich erscheint. Jedenfalls würden durch ein solches Vorgehen der Union die ostafiatischen Fragen in mancher Hinficht eine neue Wendung erhalten. In den hteflgeu politischen Kreisen schenkt man daher der Erwägung dieser Fragen erneute und lebhafte Thetlnabme, und eS vergeht kaum ein Tag, der nicht einen neuen Beitrag zur Erörterung bringt. Nachdem Lord Salisbury Mitte voriger Woche einen wenig glücklichen Versuch gemacht hatte, tu seiner großen Rebe vor dem Primelnbunde seine eigene Politik in Sachen OftafienS als durchaus richtig und erfolgreich zu verfechten, trat am SamStag der Führer der Opposition vor einer Versammlung seiner Parteigenoffen in Cambridge auf, um die Erfolge der Regierung oder vielmehr des Ministerpräsidenten etwas näher zu beleuchten. Fast die gefamwte hauptstädtische Preffe war ihm dabei schon znvorgekommen, allein Str William Harcourt konnte eS sich nicht versagen, über dir etwas hochfahrenden Darlegungen Lord Salisburys die Lauge seines Spottes zu gießen. Er hielt ihm vor, daß seine ganze politische Weisheit auf Schweigen und höflichen Rückzug htnavslaufe, erinnerte au Amerika, au Kreta, au das europäische Coucerr und vor Allem au China und Talienwao, den jämmerltchsteu Mißerfolg, den man je erlebt bade. Der Ministerpräsident, so führte er aus, sei aus Südfrankretch in guter Gesundheit und Laune heim- gekehrt und habe seinen Parteigenoffen von chinefischen Sprüh- teufelu und Knallschwärwern erzählt. Das Geknalle sei aber hauptsächlich unter den Ministeriellen vernehmlich geworden. Lord Salisbury scheine es in ganz ungewöhnlichem Grade an politischer Voraussicht zu fehlen. Er wage fich zu weit vor, gerade tu Stellungen, die er nicht behaupten könne, und mache Vorschläge, die er nicht durchzuführeu in der Lage sei. Er, Str William Harcourt, sei der letzte Mann, der sich be- schweren würde, weil der Premier die Dinge nicht aufs Aeußerste treibe- wenn er aber ein kluger Mann wäre, würbe er nicht leicht eine Stellung etuuehmen, die den Rückzug unvermetbltch mache. England trage kein Verlangen nach Krieg, es wünsche aber noch viel weniger, fich tn der ganzen Welt unkriegerische Niederlagen zu holen. Lord Salisburys Politik habe utcht dazu beigetrageu, das Ansehen Englands tm AuSlande zu wehren. Er behandle feine eigene Politik nicht ernst, und wenn er das selbst utcht thue, könne er es noch weniger von Anderen erwarten. Vermischtes. * bastel, 10. Mai. Auf eine etgeuthümliche Weise ist ein Metzgermeister von hier in Berlin, wie der „Berliner Local-Auz." berichtet, wieder tn den Besitz seiner ihm vor 14 Tagen gestohlenen Uhr und Kette gekommen. Bet einem Einbruch in seine Privatwohnung tn Caffel wurden ihm 6eibe Werthsachen gestohlen. Der Schlächtermeister reiste nun Ende voriger Woche nach Berlin. Als er Dienstag Nacht vom dortigen Anhalter Bahnhof zurückfahreu wollte und fich tm Wartesaal aushtelt, trat ein anständig gekleideter Maun an ihn heran, und erzählte, daß er gezwungen sei, seine Uhr zu verkaufen, um das Reisegeld bit Caffel aufzu- treiben. Auf den ersten Blick erkannte der Meister, als ihm der Fremde die Uhr nebst Kette vorzeigte, beide Gegenstände als fein Eigenthum wieder. Er sagte dem Menschen den Diebstahl auf den Kopf zu. Mit einem Satz war der Spitzbube zum Wartesaal hinaus verschwunden, während der Meister sein Eigenthum in der Hand behielt. Der Metzger, natürlich zufrieden, auf so merkwürdige Weise sein Eigenthum wieder erhalten zu haben, unterließ die Verfolgung und fuhr hocherfreut nach Cassel zurück. * Straßburg, 9. Mat. Nach der „Straßb. Post" starb hier tm Alter von 85 Jahren ein letztes, bedauernSwerthrS Opfer der Beschießung Straßburgs, Frl. Amelie Magnus. Am 24. August 1870 stand fie früh halb sechs Uhr vor ihrem Bett tm Erdgeschoß ihrer Wohnung, Weiß- thurmstraße 56, als eine Granate in das Gemach flog, ex- plodirte und ihr beide Arme zerschmetterte. Sie wurde auch sonst au mehreren Stellen schwer verletzt und lag sechs Wochen infolge des Blutverlustes bewußtlos tm Spital. Beider Arme beraubt, lebte fie noch über 27 Jahre. * Offenburg, 9. Mat. Vor der Strafkammer hatte fich dieser Tage ein 16 jähriger Schuhmacherlehrltng zu verantworten, der die Hostie nach der Cowmuuton aus dem Mund nahm, zerrupfte und wegwarf und die Kirche mit den Worten verließ: „Da- ist der größte Schwindel"! Erwürbe zu zehn Monaten Gefängnih verurtheilt. e In Münster ließ fich kürzlich, wie der „Westf. Merk." berichtet, tn einem Röntgen-Labora'orium eine Dame wegen einer Erkrankung der Hand eine Röntgenstrahlen- Aufnahme machen. Diese führte nebenbei zu einer für die Dame überraschenden Entdeckung. Die Dame trug nämlich einen mit Smaragden durchbrochen gefaßten Ring. Nach Fertigstellung des Photogramms fiel eß auf, daß von den Smaragden ein Stein einen dunklen Schatten gab, während die übrigen Steine einen besseren Schatten gaben. Hierdurch mißtrauisch auf die Echtheit der Steine geworden, stellte I man vergleichende Versuche mit echten und unechten Edel- I segend, sodaß die Verkäufer und die Niddaer Geschäftsleute über schlechten Zuspruch klagten. § AuS dem Ohmlhal, 11. Mai. Die gewaltigen Wassermassen, die in der vorigen Woche alle Bäche und Bächlein über ihre Ufer treten ließen, hatten fich noch nicht gänzlich verlaufen, da fetzt heute das Regeuwetter wieder ganz in derselben Weise ein wie am Freitag und SamStag. Wieder regnet eß den heutigen Tag in ununterbrochener Weise. Die ohnehin noch hoch gefüllten Bäche streifen wieder die Ufer und eine abermalige Überschwemmung steht sicher zu erwarten. Der Himmel weiß, wo daß hinaus soll mit dem unendlichen Regenwetter. steinen in Bezug auf die Durchlässigkeit für X Strahlen an. ES stellte sich heraus, daß die Röntgen-Strahlen Edelsteine durchdringen, die somit im Röntgen-Gebilde einen Hellen Schatten geben- nicht aber die aus Glas bestehenden Nachahmungen, die einen dunklen Schatten geben. Durchleuchtung von Perlen ergab das umgekehrte Berhältniß, echte Perlen geben im Röntgen Gebilde einen dunklen, unechte einen Hellen Schatten. Der den dunklen Schatten gebende Smaragdstein im Ringe der Dame war also falsch. Die Dame hatte vor Kurzem nach dem Verluste eines Steines aus dem Ringe einen neuen einfügei lassen. Der neu eingefügte Stein gab im Röntgen-Gebilde den dunklen Schatten. ES war statt eines bestellten echten Steines ein unechter eingefügr worden. * Die Tegernfee'r beim Kaiser. Im Weißen Saal des Königlichen Schlosses erblickte man, wie gemeldet, am Freitag beim Schluß des Reichstags auf einer Znschauerloge dre Tegernfee'r, die am Abend vorher beim Staat-secretae b. Bülow Proben ihrer Kunst im Gesang, Zitherspielen und Tanzen gegeben hatten und von dem dort anwesenden Kaiser selbst zur Feier am Freitag eingeladen worden waren. Die Leute erzählten, der Kaiser habe fich eine Zeit lang mit ihnen unterhalten- u. A. habe er fich erkundigt, ob sie seine „Jungen" in Tegernsee gesehen hätten, war sie zu ihrer Genugthuung bejahen konnten- zum Schluß habe dann der Kaiser Jedem von ihnen die Hand gegeben. Als fich der Kaiser zurück- ziehen wollte, trat Frau Mayerhofer dreist und gotteSsürchtiz au ihn mit den Worten heran: „Grüaß Gott, Herr Kaiser, gib mir noch a mal die Hand!" welchem kategorischen Befehl der Monarch lächelnd Folge leistete. * lieber ein kühnes Wagestück wird aus Wien gemeldet: Seit gestern hat Wien sein Localereigniß. Anläßlich der Eröffnung der JudiläumS-AuSstellung kletterte der Thurm- klempner Hubert Frankl in der Nacht zum Sonntag auf der Blitzablettung auf den rechtsseitigen Thurm der Votiv- ktrche und brachte an der Kreuzblume eine mächtige schwarz- gelbe Fahne an. Der tollkühne Wagehals war gestern noch unbekannt. Frankl meldete sich heme bei der Polizei und erklärte, daß er mit dem Bravourstück dem Monarchen huldigen wollte. — Am 18. August 1886 führte Josef Pircher ein ähnliches Wagestück auf dem StefanSthurm aus. * Die Kabelverbindungen Deutschlands erfahren jetzt, we mehr als sonst von Kabeln die Rede ,st, tn dem „Elektrotechnischen Anzeiger" eine zeitgemäße Besprechung. Deutschland hat birecte unterseeische Telegraphenverbindungra mit sieben Ländern: Spanien, Irland, England, Norwegen, Dänemark, Schweden und der Schweiz (mit letzterer über den Bodensee). Die Verbindung mit Spanien wird hergestellt durch das der Deutschen See-Telegraphen-Gesellschaft in Köln gehörige Kabel von der Insel Borkum nach der spanischen Stadt Vigo in der Provinz Pontevedra. Auf diesem Kabel kann zwischen Emdea und Bigo auf eine Entfernung von 2100 Kilometer direkt telegraphier »erben. Daß Kabel bient nicht nur zur Beförderung der Depeschen nach und von Spanien und Portugal, sondern auch zur Uebermittelung von Telegrammen zwischen Nord-Enropa einerseits und Südamerika, Afrika, Ostafien und Australien andererseits. Ein zweites wichtiges einadriges Kabel verbindet den Ort Greetsiel nordwestlich von Emden mit Ba- lentia in Irland, wo ein unmittelbarer Anschluß an da» transatlantische Kabel der Anglo-amerikanifchen Telegraphen- Gesellschaft stattfindet, der die Verbindung mit Nordamerika herstellt. Das Kabel Greetfiel-Valentia gehörte bis zum Ablauf des Jahres 1888 der ehemaligen Bereinigten deutschen Telegraphen-Gesellschaft und ging dann in den Besitz des Erschauerndes Schweigen in diesem «zur beß Erhabenen — Schweigen, baß tausenbjähriger Schlaf baraufgehaucht . . . Tine große Silberplatte, Juwelen und Edelgestein und von der Decke herniederhängende Lampen — solch strahlende Pracht glänzt auch hier ermüdet auf. Gar oft schäumte in der Bteinwüste deß Sinai leiden, schastliche Habsucht empor nach all diesen Reichthümern. Sarazenisches Gesindel umtobte im Laufe bet Jahrhunderte bte Klostermaurrn, Beduinenhordeu versuchten Belagerungen, verwegene Räuberbanden mühten fich ab- doch stetß zerschellte die hochbrandende Habsucht am Geklipp deß trotzigen Festungß- gemäuerS. — Im Verlaufe des Tages bin ich mit verschiedenen Mönchen zusammen, deren etwa dreißig in dieser Einsamkeit bausen. In jener interessanten, manch' schwärmerischem Frauenherzen gefährlichen Blaffe, welche von harter Ent- fagung zeugt, fast all die schmalen Gesichter umrahmt von langen, struppigen Bärten, graumelirt ober schneeweiß — so wanbeln fie in ihren schwarzen Kutten burch enge Gänge, über ausgetretene Stufen, ohne viel aufzusehen. So der- schwinben fie in bem imposanten Portale bet Verklarung-- ktrche ober in ben kleinen, überall herumliegenben Zellen, berea Thüren ofr sperrangelweit aufftehen. So sind sie gefeit gegen den Dämon der Versuchung, geräth ihr Geist auf keinerlei Abwege, und Pilger und Reisende, die ab u»d zu wie ein Gruß aus weiter Welt da draußen in dieser Sins-mkeit erscheinen, blicken zu ihnen mit stillet Verehrung auf. . . . Und wie dürftig fie leben 1 In ihrer Küche bruzelt kein saftiger Braten mit kräftiger Sauce, aus dem Tische perlt im Glase kein duftiger Wein- jede Lüsternheit beß Magens verbannt unb verpönt. Goldene Orangen, ein genialer Reisbrei, allerhand sonstige Fruckrtspetsen — daß waren die Hauptnummern beß Menuß, falls ein solche- fich auf bet Klostertafel breit machen würde. Dafür find fie um so tapferer in Tugendübungen, Entsagungen, Kasteiungen. Auch grobe Arbeiten sehe ich fie verrichten, wenn auch tn feierlicher Langsamkeit: fie pfuschen für ben Hausbedarf in alle möglichen Handwerke. Der Eine ist etwas Maurer, der Andere etwas Schneider, der Dritte etwas Schuster. Sogar der brave Waschmann fehlt nicht- drüben vor ben friedlichen Häuserchen baumeln auf Seinen und Stangen im frischen Winde des Sinai die Hemden unb Strümpfe, welche vom Bruder Eusebius gewaschen wurden. Einer der Mönche, Bruder Cyrill, ißt sogar baß Brob ber Verbannung, so baß für ihn baS Sinai-Kloster als Strafklostet fungirt. Was er verbrochen hat? Da war in Jerusalem die Wahl des griechischen Patriarchen, wobei zwei Candidaten nach dieser glänzenden Würden langten. Bruder Kyrill, der damals in ber Atmosphäre Jerusalems lebte, focht unb kämpfte, als stünbe er auf pulvergeschwärzter Schanze, für ben einen Caobidaten. Die Parteien erhitzte» sich. Alle Kanonen ber Beredtsamkeit werben abgeprotzt, alle Erfolg verheißenben Schachzüge ber Taktik ausgeklügelt. Besonders leidenschaftlich agitfrt man für den Einen, der — schließlich mit Glorie durchfirl. Der Erkorene aber hatte bet Antritt seineß Antteß nichts Eiligereß zu thun, alß ben Feuerkopf Cyrill, Hefen Agitator mit bem blitzenden Hohn und ber trvtzenben Lippe, zu begannen — heraus aus bet kämpfenden Welt in den Gotteßfrieben biefer FelSöden. Dabei glaubt man kaum, wie außerordentlich gefunb das Leben dieser Mönche ist. Bruder GerafimoS, welcher nächstens seinen fiebenunbachtzigstrn Geburtstag feiern kann, hebt vor mir ein großes Faß mit Waffer frei auf bte Schulter unb geht mit dieser Last frisch, aufrecht unb sanft lächelnd, auf leichten Füßen von bannen. Nun bin ich ganz heimisch im weiten Kloster- treppauf gehtS unb treppab, hin unb her, hinüber unb herüber, ohne daß ich beß führenben Mönches bebaxf. Jetzt erfreue lch mich an dem wundersam eigenartigen Klostergarten, ber außerhalb ber hohen Manern sich an bte robusten Wälle schmiegt. Einige Mönche, friedlichen Antlitze- und voll ge- buldiger Entsagung, Harken auf dem Steinboden herum ober schreiten tn kurzen Schritten dahin, unter fruchtschweren Oliven- unb Cittonenbäumen unb vorüber an steifen Chpreffen oder gvckrn gebankenvoll von biefer kleinen blühenden Garten- oase au- hinein in die Schaueröden der rotbraunen Granitfelsen. Dicht benachbart erdüstert ber stark ummauerte Kirchhof beß Klosterß. Ring- eisige- Schweigen- baß Wort „ewige Ruhe" — es hat in dieser feierlichen Einsamkeit einen be- sonders tiefen Sinn. Ich werde an vergessene Kirchhöfe auf entlegenen Inseln erinnert, wo zuweilen in gemeinsamem Grabe in der Nähe grausen GeklippS ganze SchiffSbesstzungen schlummern, welche dort von den Wellen ans Laub geschwemmt würben, nachdem bieselden Wellen vorher ben Schiffbruch besorgt hatten. Durch dunkle Gewölbe kehre ich ins Klostergemäuer zurück, um bte vielgerühmte Bibliothek aufzusuchen. Kleine Gemächer find eS zumeist, in denen sich die alten Pergamente, bte griechischen unb arabischen Manusetipte, sowie bte werthvollen Schätze auß ber frühesten Zeit ber christlichen Kirche, einlogirten. Zwei alte Mönche bilden burch biete arg verstaubte Welt der Bücher und Schriften meine Be glettung — nein, nach ber liebenswürdigen Hast zu urtheilen, mit welcher fie mich eigenthüwltcherwetse durch diese Zimmerchen bugfiren unb nach ber bedächtigen Fürsorge, mit ber fie mich von ben Bücherregalen und Glaßschränken fernznhalteu suchen — meine Bewachung. O gemach, ihr guten Brüder! Ich gehöre nicht zu jenen Leuten, denen der Moderdunft aus alten Pergamenten lieber ist alß eine blüthenvolle Maien lanbschaft ober leuchtenbe Frauenaugen. Unb ehrlich heran-- gesagt, von tiefgeneigten, grübelnden, auf bte hohle Hau gestützten, knöchernen Gelehrtenprofileu, deren ganze Poesie auß verstaubten, oft geistig minberwerthigen Manuskripten aufsteigt, mochte ich niemalß viel wiffen. Wie ich heraußtrete auß den bumpfen Bibliothekräumen — wieder faßt mich der Zauber beß alten, starren Kloster gemäuerß mit aller Macht. Herrliche, wie für ble Ewigkeit »richtete Schlösser, bte sonst tn stolzer Glorie von wett- fchauenben Bergen zu Thal blinfttn — kaum daß sie einige Jahrhunderte standen, bann sanken sie in Trümmer- das Sinai-Kloster ragt seit anderthalb Jahrtausenden tn gleiw starrem Trotz empor in graudiöser Bergst lle unb steuerr in alter Rüstigkeit auf ein neues Jahrtausenb lo-. Nun schlafe ich zum letzten Male in biesem feierlichen Schweigen, tn biefer tiefnachbenklichen Nacht, inmitten dieser- ewigen Felßgezacks. Mit einem letzten, alles umfassenden Blick über die kleinen Bauten mit ihrem Klosterfrteden nehme ich tn guter Morgenstunde Abschied, ach, wohl Abschied fü< immer. Ein letzter warmer Händedruck ben mich begleitenden Mönchen — bann schlüpfe ich hinan- burch bte niebrige Pforte, hinan- zu ben gesattelten Kameelen. . . . Der Himmel ist verhängt über ber GebirgSwtldniß, und leises Bangen vor bem heißwehenden, sandkairschendeu Wüstenwind geht burch meine Seele. Deutschen Reichls über. Mit England find drei Kabelvrr« btndungen varhaodeo: Die erste gehört dem Deutschen Reich, ist vteradrtg und geht von Greetsiel über Borkum oach Lowestoft an der Küste von Norfolk, dasselbe gehörte bis Ende 1888 ebenfalls der letztgenannten deutschen Gesellschaft. Das zweite Kabel gehört dem Deutscheu und Britischen Reiche gemeinsam, ist ebenfalls vteradrig, verbindet den englischen Ort Bacton mit der Insel Borkum, und ist von dieser mit dem deutschen Festlande durch ein deutsches Kabel verbunden. Daß dritte Kabel gehört Großbritannien und verbindet die Insel Norderney mit Lowestoft, von Norderney führt rin deutsche- Kabel weiter bi- Norddeich (Emden). Nach Nor- wegen führt ein dem Deutschen Reiche gehörige- Kabel von Soyer an der Westküste von Schleswig über Westerland (Sylt) nach Areodal, früher der ehemaligen Gesellschaft für Legung und Unterhaltung des Deutsch-Norwegischen unter- seeischen Kabel- gehörig. Mit Dänemark bestehen zwei Bcr- otndungen, die beiden Staaten gemeinsam gehören: da- vteradrtge Kabel Warnemünde Gjedser (Falster) und da- dreiadrige Kabel Fühnenschaff (Alsen) nach Horneuä- (Fünen). Nach Schweden führt ein ebenfalls beiden Staaten gehörige- dreiadrige- Kabel von Arcona (Rügen) nach Trelleborg. Die beiden Kabel über den Bodensee endlich von Rowan-. Horn nach Friedrich-Hafen bezw. Nonnenhorn gehören der Schweiz und Württemberg bezw. Bayern gemeinsam. Universität^ - Nachrichten. — Don der Universität Bonn. Die sechste und letzte große Einschreibung neuer Studtrender, deren Zahl inzwischen auf 844 gestiegen ist, wurde am 7. bä. vorgenommen. Der Rector, Gehetmrath Wilmanns, kam in seiner Ansprache auf die schon vielfach in Erwägung gezogene Universitäts-Reform zu sprechen, wonach der Hochschul-Unterricht dem gewöhnlichen Schulunterricht mehr angepaßt und durch ausführliche Studienpläne, durch controlirte Arbeit in Seminaren und Hebungen, durch Zwischen-Examina oder gar durch Semesterprüfungen der grade Weg mit allen einzelnen Stationen dem Studenten vorgeschrieben und dieser so, des eignen Suchens überhoben, vor Irr- und Umwegen geschützt werden würde. „Mit einseitiger Conscquenz verfolgt", so fuhr Redner fort, „würde dieser Weg zum Ruin Der Universitäten führen und der Siugen, dm die Reform den Mittelmäßigen verspräche, würde den Schaden nicht aufwtegen, den der Mangel an Bewegungsfreiheit den Bessern bringt. Die Universitäten ftnd keine Pressen, und die Professoren sollen nicht zu Einpaukern berabsinken. Die durch Examina controlirbaren Leistungen sind nicht das einzige und nicht das höchste Ziel des Uni- versitätsunterrichttz. Nur um ein Examen zu bestehen, bedarf es der Universitäten nicht. Wenn der Staat diese kostbaren Institute unterhält und seinen künftigen Dienern das nicht geringe Opfer e»neS mehrjährigen Besuches auferlegt, so thut er es, weil er von ihnen Leistungen erwartet, die durch Examina nicht so leicht zu controliren sind, sich nicht durch Points «usdrücken und in statistischen Tabellen verzeichnen lasten. Die Universitäten sollen Pflegestätt n der Wissenschaft sein, und nur der Student erfüllt seine Pflicht recht, der an ihrer wistenschaftlichen Arbeit theilnimmt. Er fall sich nicht genügen lasten, auf längst gebauten Straßen einige Gebiete deS Wissens zu durchziehen, sondern versuchen, auf eigenen Wegen weiter vorzudringen. Es ist ja nur Wenigen betrieben, ihr Leben vorzugsweise der Wissenschaft zu weihen, den Meisten wird der spätere Berus überhaupt keine Zeit lassen, selbsttbätig daran theilzunehmen; aber den Geist in der strengen Zucht wtstenfchaftlicher Arbeit geübt, den beglückenden Reiz eignen Forschens und Findens kennen gelernt zu haben, wird für Jeden ein Segen fein." — Im Vergleich zu den Neu-Anmeldungen von Ostern v. I. ergibt sich bis jetzt ein Plus von 48 (Ostern 1897: 796), datz der katholisch-theologischen, der medicinischen und der philosophischen Fakultät zu gute kommen. ES ist nicht unmöglich, daß die Gesammrzahl der eingeschriebenen Studirenden in diesem Sommer die Höhe von annäb rnd 2000 erreicht. Dem Vernehmen nach wird bis zum Winter Prinz Friedrich Wilhelm, der dritte Sohn des Prinzregenten von Braunschweig, die Universität beziehen. — An der Universität Halle wurde der Professor der Theo- logie, D. Emil Kautzsch, als Rector für das nächste Studienjahr gewählt. — Der Profestor der Theologie, Buhl, an der Universität Leipzig hat einen Rus an die Universität Kopenhagen erhalten und angenommen. — Dem Privaidocenten in Leipzig, Dr. Geffken, ist daS neu errichtete Extra-Ordinariat für deutsches und bürgerliche- Recht an der UniveiftlSt Rostock übertragen worden. — Der Sohn deS verstorbenen Componisten Cornelius, Dr. Karl Cornelius, hat sich in Freiburg i. B. als Prioatdocent für neuere Kunstgeschichte habilitirt. — Der außerordentliche Professor der Mathematik an der Universität Heidelberg, Dr. Hermann Schapira, ist auf einer Reise in Köln einer Lungenentzündung erlegen. Schapira, ein geborener Russe, hat ein Alter von 58 Jahren erreicht. Er war früher Kaufmann und fing erst zu fiubiren an, als er fast 40 Jahre alt war und die zum Studium nöihigen Geldmittel erspart hatte. Seine mathematischen Unterfuchungen verrathen großen Scharfsinn; auch war er ein gründlicher Kenner der hebräischen Geschichte und Literatur. In der letzten Zeit wandte er sich der zionistischen Bewegung zu; noch vor wenigen Monaten trat er in Frankfurt a. M. in einer Versammlung der Zionisten als Redner auf. PnnlQrd.Rnidu QR Pf bis 5.85p. Mt. - japanesische 1 uuiaru-öeiue ÖU rl. chinesische zc. in den neueste., Dessins u Farben, sowie schwarze, weiße .end farbigeHennebergENds ; von 75 Pf. bis Mk. 18.65 p. Met. - in den moknrnsten Geweben, Farben und Dessins. An Private porto- and eteeerfrel ine Hana. Muster umgehend. 229 6. Hennebergs Selden-Fabriken (k.u.k.Hofi), Zürich. Ssidsnstoffe HWU verlangt Muster mU Angabe b. Gewünschten. an von Elten & Keussen, FAi?dhiS?d Crefeld Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Garterrftraße 2. Angebot der Arbeitnehmer: 1 Sattler, 1 Bau- oder Möbelschreiner, l Mobelschremer, 2 Kistenmacker, 1 Mann für leichtere Beschäftigung, 1 Mann für eine Holzschneiderei, 2 Lagerarbeiter, 3 Taglöhner, 1 Herrsckaftskutscher, 2 Fuhr- kneckte, 1 Werkführer für eine größere Schreinerei oder Möbelfabrik. Nachfrage der Arbeitgeber: 2 jüngere Buchbinder, 1 Installateur, 2 Krankenwärter, 3 Gerber, 1 Glaser (Rahmenmacher), 1 jüngerer und 1 älterer Lackirer, 1 Weißbinder, 1 Sattler und Tapeziergehülfe, 1 Bauschlosser, 1 lücht. Hufschmied, 1 Jungschmied, 4 Schuhmacher, 2 Bauschreiner, 1 Möbelschreiner, 2 tzaus- burschen, 1 tücht. Fuhrknecht, 3 Dienstmädchen. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß der städtische Fncdhof von jetzt ab bis zum 15. August d. Js. von Morgens 6 bis Abends 9 Uhr geöffnet bleibt und daß die auf dem Friedhof Verweilenden eme Viertelstunde vor Schluß desselben auf diesen durch ein Glockenzeichen aufmerksam gemacht werden. Gießen, den 9. Mai 1898. Groß herzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 4978 Snjftrii, reichhaltigstes Lager in allen Preislagen, sowie Reste und ältere Muster zu bedeutend ermäßigten Preisen. 2477 Ernst Blödner, MttSweg. MaiÄnWlM Verdingung Die zum Ausbau der Credner- straße erforderlichen Erd-, Maurer-, Pflaster- und Chausstrarbeiten, sowie die Sleinzeuglieferung sollen freitag den 20. Mai d. Is., Bormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Plan, Arbeitöbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns während der Dienst« stunden auf Zimmer Nr. 7 zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck sind bis zum genannten Termin bei uns verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen einzureichcn. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, dm 6. Mai 1898. Das Stadtdauamt. Schmandt. 4894 Verdingung Die zum Ausbau des Mittelweges erforderlichen Maurer-, Pflaster- und Chausstrarbeiten, sowie die Steinzeuglieferung sollen Freitag den 20. Mai d. Is., Bormittags lV/2 Uhr, öffentlich verdungen werden. Plan, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns während der Dienft- stunden auf Zimmer Nr. 7 zur Einsicht offen. Angebote aus Vordruck stnd bis zum genannten Termin bei uns oei« schloffen und mit entsprechender Aufschrift versehen einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 6. Mai 1898. Das Stadtbauamt. Schmandt. 4896 Verdingung. Die zum Ausbau der Hillebrand- ftraße erforderlichen Erd«, Maurer- Pflaster und Chausstrarbeiten sollen Freitag den 20. Mai d. Is., Bormittags ll3/t Uhr, öffentlich verdungen werden. Plan, Arbcitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns während der Dierst- stunden auf Zimmer Nr. 7 zur Einstcht offen. Angebote auf Vordruck stnd bis zum genannten Termin bei uns ver- fchloffen und mit entsprechender Aufschrift versehen einzureichen. Zuschlogrfnst 14 Tage. Gießen, den 6. Mai 1898. Das Stadtbauamt. ________Schmandt._____4895 Jagdverpachtung. Mittwoch den 18. d. Mts., Bormittags S'/r Uhr, soll die Freiherrlich von Schenck zu Schweins- berg'sche Wald- und Feldjagd in der Gemai kun t Hermannstein bei Wetzlar (ca. 350 Hectar) in der Wohnung des Herrn Förster Fischer zu Her- mannstein auf 4X/X Jahr öffentlich verpacktet werden. 4801 Homberg a. d. Ohm, 5. Mai 1898. G. Repp, Revenuen-Verwalter. Flaschenbier, aus der Brauerei Bichler, hell und dunkel, empfiehlt Carl Retter, Lindenplatz, Ecke Wallthorstraße. Lieferung jeden Quantums frei ins Haus. 4361 // I Chinesischen Thee Souchong, Congo, Pecco, in feiner und hochfeiner Qualität per Pfd. Mk. 3.00 bis 5.50 Consum-Thee „ „ „ 2.00 Haushalt-Thee „ „ „ 2.40 engl. Misohung „ „ „ 3.00 u. 4.00. Special-Geschäft Geschw. Altenpohi, Plockstr. 2. 2627 Überall käuflich. Versuchet die Recepte auf Ärztlich empfohlen. Nur in Packeten. 5. WEISSE pSflpR/ den Packeten. Ch. 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