1. April tu ütrmittko r-, Hrrstr-ße 2, 66 mtrwrff !n Krtr. n. i 01 thh e*wot nni,( X,Sn*ft Mit W>sUSl^ ^LL®^ ta 2“ 3*1» '’S A«s°rdmlogir K^rrsä? I“ «rw ethnl. voll j'. na mi tnnöMmdüti «tbt» ml |u Dcrntttben. i-r°e ti M> er 1. April;u orrmiet-L nvt< 19 n, Tis-i-ru hnung W i5:crt d> nlbis"' Lah, «.T^OM”g ÜJf «r1386 e,M1* spttwAhiß htbullc« #»•**!> ßfdoSi W . -edued. lSLS" ®u w .SS’*?’ : diltritfl oder untnJii latan. rtqik. 10, m, -■' itrtri ZiMnn iu em ! s-ch, Mameg S.L -iazcfr -o TtrnMa wmft. l7. .. mlKtart L^E |! s «z Rrmiitt mti&fl/f ttiatt. 61» U. ftL fMntuhrnilflcd W lata fctgcnb btt W. . DcnMen. W» bei. Sllgrbott Mr L i dir SiBmoll bW irr M Lagerräumen ävsborg 1. Nr. 35 Erstes Blatt. Freitag den 11. Februar 1808 Erscheint tägNch mit AuSnahtne des Montags. Die Gießener. Aamitienbtätter werden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt. Gießener Anzeiger AezugspreiL ricrteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh«. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen de- In» und Au-laubeL nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtgeg«« Amts- und Anzeigeblatt für den Nreir Gieren. Redaction, Expedition und Druckerei: Schukstraße Ar. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. ' . ".................. Adresse für Depeschen: Anzeiger $ieftc«» Fernsprecher Nr. 51. Zur Lage in den Niederlanden. Nur noch kurze Zett wird verstreichen, und die jugendliche Königin au- dem Hause O anien wird den Thron, der im Jahre 1890 durch den Tod ihres Baiers erledigt wurde, besteigen. Die Krönung ist auf den 6. September dS. IS. festgesetzt worden und wird nach dem Wortlaute der Ber- faffung in der Neuen Kirche zu Amsterdam stattfinden, wozu das holländische Parlament — die Generalstaaten — in corpore versammelt sein werden. Dieser Act ist immerhin geeignet, einen Wendepunkt in der Geschichte der Niederlande za bedeuten. Wenn auch die Verfassung deS Staate- ziem^ ltch freiheitlich ist, so kann der Herrscher naturgemäß doch einen wesentlichen Einfluß auf das Geschick deS Landes aus- üben — insbesondere wenn es eine so jugendliche und hübsche Königin ist, welche auf dem Thron fitzt und von ihren getreuen Uuterrhanen so verhätschelt wird, wie e- mit Königs Wilhelmine der Fall ist. DaS muß man nämlich den sonst fo trockenen und ernsten Mynheers lasten, fie schwärmen für ihre junge Königin, die ja unter den Augen de- Lande- er- -ogcu worden ist. Aber auch in anderer Hinsicht kann die Thronbesteigung WilhelminrnS noch bedeutungsvoll werden. ES ist ja klar, daß fie fich bald nach einer männlichen Stütze für ihren schweren Beruf umschauen muß, und deßhalb werden schon seit Jahren die kühnsten Combinationen laut, wer denn wohl der Glückliche sein wird, den fie zu sich erhebt. Mehrere Namen find schon genannt worden, darunter auch Prinzen aus deutschen Fürstenhäusern. In letzterer Hinsicht lowmt nur in Betracht, daß man in Holland sür Deutsch- land, insbesondere sür Preußen, nicht sonderlich schwärmt- Ts scheint so, alö hätte man immer daS Gefühl, die Seldst- ständtgkeit des holländischen Staatswesens werde durch Preußen gefährdet. Die Thatsache der Antipathie der Holländer ist jebtnfaH8 nicht zu leugnen, wenn fie auch vow so grundlos rft- denn daß Deutschland keine Absichten auf daS Ländchen har, wird von allen Seiten zugegeben werden müsten. In Leu letzten Jahren, seitdem die Prinzesstn Emma von Waldeck die Gemahlin Wilhelms III. geworden war und sich durch Ähren Liebreiz die Herzen der steifen Holländer erobert hatte, Ist die Zurückhaltung ber Letzteren gegen un- wohl etwa- Attinger geworden, aber immer noch nicht ganz gewichen. Aehnlich wie tu England und Spanien, find auch in den Niederlanden konservative und liberale Ministerien abwechselnd am Rader. Augenblicklich haben die Liberalen die Führung. Lu den markantesten Persönlichkeiten des Ministeriums gehört unstreitig der Fiuanzmintster Pierson, der frühere Director Ler Niederländischen Bank, welcher das gleiche Amt schon -früher einmal bekleidet hatte. Er ist der Urheber der holländischen «Steuerreform und führte die Einkommensteuer und die freie Gewerbesteuer in Holland ein. Gegenwäirig ist daS Ministerium »labet, den in ber vorjährigen Thronrede versprochenen Heeres- rreformentwurf tm Parlament emzubrtngen, wodurch vor allen Dingen die mtlitärtschr Stellvertretung abgeschafft und der persönliche Heeresdienst eiugesührt werden soll. Bis jetzt steckt »da- Land in militärischer Beziehung nämlich immer noch in iSerhältniffen» die von anderen Staaten weit Überholt sind, rveßhalb es die höchste Zeit ist, daß eine Armee dem Lande gegeben wird, die mit dem mittelalterlichen Verhältnissen Ubula rasa wacht und da- HeereSwesrn mit modernen Em- «ichmugeu beglückt. Ebenso wie eS in England der Fall ist, bleibt auch in Holland der Gebildete dem Heeresdienste möglichst fern, und 6n der Armee brfiaden fich infolgedessen viele zweifelhafte Elemente. Wird nun der persönliche Heeresdienst eingesührt, fo werden auch die gebildeten Klaffen mit herangezogen, »a- jedenfalls auf da- Material einen günstigen Einguß ausüben muß, abgesehen davon, daß die verschiedenen Slaffen der Gesellschaft dadurch einander naher gebracht werden. Jedenfalls dürfte die Vorlage der Regierung tu Sen Geueralstaaten nicht auf unüberwindliche Hindernisse ßoßen. Wird die Reorganisation des Heeres durchgeführt, sir wirkt dies vielleicht auch fördernd auf die Colontalarmee sin, die manchmal viel zu wünschen übrig ließ, wie noch in tirm letzten Jahre der Feldzug gegen die AtjehS gezeigt hat. (XX) Deutscher Reichstag. 86. Sitzung vom Mittwoch den 9. Februar 1898. Tages-Ordnung: Fortsetzung der EtatSberathuug, Stat deS Auswärtigen Amte-. Abg. Graf Kanitz (conf.) wendet fich gegen die Aus- sthruugen de- Abg. Bebel, wobei er betont, die Aeußerungeu ^selben über die Kieler Reden rc. hätten im Hause tiefe Entrüstung hervorgerufen. Abg. Bebel renne gegen die Monarchie an, stoße aber mit dem Kopfe gegen einen Felsen. Redner geht sodann ausführlich auf die Beschlüsse des deutschen LandwirthfchaftSratheS ein und verbreitet fich daun über die deutsche WirthfchaftSpolitik. Festftelleu wolle er noch, daß behufs Abschlusses deS österreichisch-deutschen Handelsvertrages Oesterreich zuerst an Deutschland herangetreten sei und zwar auf Betreiben der dortigen Großgrundbesitzer. Abg. Werner (Antis.) dankt Namens seiner Freunde dem StaatSsecretär für dessen gestrige Auslassungen und wendet fich ebenfalls lebhaft gegen den Abg. Bebel. Deutschland dürfe fich jedenfalls der correcten Haltung, welche die Regierung jetzt wieder einnehme, nur freuen. Schließlich empfiehlt Redner, gegen die Verlängerung des Privilegium- der Spielgesellschaft in Monaco auf fünfzig Jahre einzu- schreiten. Abg. Richter (srs. Vp.) wendet fich gegen den Abg. Grafen Kunitz und gegen die Beschlüsse de-LandwirthrchaftS- ratheS. Wer, wie Graf Kanitz wolle, daß die Handelsverträge jederzeit auf ein Jahr sollen gekündigt werden können, der habe nicht die geringste Ahnung von volkSwtrthschaftlicher Einsicht. Man habe e- ihm, dem Redner, Übel genommen, daß er bet seiner Bemerkung über die chinefische Mauer die Agrarier mit den Chinesen verglichen habe, aber die Chinesen beabfichtigen doch, die Zollmauer fallen zu lassen, während die Agrarier dagegen die chinesische Zollmauer bei un- ein- führen wollten, fie seien also noch schlimmer, als die Chinesen, (Große Heiterkeit) und solche Vorschläge mache ein Mann, dessen bekannter Antrag mit Recht al» Brotwucher bezeichnet worden sei- (Beifall.) Abg. GrasBiSmarck (fractionSloS) widerspricht einigen Bemerkungen de- Vorredner-, daß die BiSmarck'iche Wirth- schuftSpolittk planlos gewesen sei. Seine politischen Freunde seien für Handelsverträge zu haben, es komme nur auf deren Inhalt an. Mit Recht habe im Vorjahre Minister v. Miquel e- als das Verdienst de- Fürsten BiSmarck gerühmt, daß derselbe die beiden Gäule Landwirthschaft und Industrie zusammen zu spannen verstanden habe. Abg. Bebel (Soc.) bestreitet, daß die Socialdemokraten unlogisch handelten, wenn fie im Interesse unserer Arbeiter die Chinesen Einwanderung nicht wollen. Die ausländischen Arbeiter wirkten stet- al- Lohndrücker. Abg. Graf Kanitz (conf.) bemerkt, er sei im Prtncip sür den Freihandel, (Heiterkeit link-) und verlange Schutz für unsere nationale Arbeit nur in so weit, al- die- unbedingt nöthig sei. Abg. Hehl zu Herrn-heim (uatl.) führt au-, der Beschluß deS LandwirthschaftSrathS, die Meistbegünstigungsverträge sämmtlich zu kündigen, sei durchaus richtig. Er würde sogar wünschen, daß die Kündigung sofort erfolgen könne. Die Industriellen wollten durchaus eine Politik der Sammlung bet den nächsten Wahlen. Abg. Jebse n (natl.) protestirt gegen eine Behauptung deS Abgeordneten Bebel, daß von Setten einiger Arbeitgeber deutsche Arbeiter entlassen würden, um Chinesen ein« zustelleu. Abg. Richter (frs. Dp.) antwortet dem Abg. Grafen BiSmarck, 1875 habe Fürst BiSmarck die Abschaffung aller Zölle beantragt und noch 1879 habe ec Zölle nur verlangt, um fich davon bei den Verhandlungen mit dem AuSlande abhandeln lassen za können. Er habe also den Zolltarif nicht um der Zölle selbst willen verlangt, da- habe er erst später gethan. Redner verweist dann auf dos WachSthum unserer Bevölkerung, welche- den Bedarf an Nahrungsmitteln ganz ander- gestalte, al- dies in Frankreich mit feinem Zwetktuder- fystem der Fall fei. Eö sei doch ein beispielloses Vorkommniß, daß die Regierungspolitik der letzten fieben Jahre hter von Niemanden sonst verthetdigt werde gegen alle Angriffe, als von seiner, Redner-, Partei, welche stet- von der Regierung verfolgt worden sei. Und Sie, meine Herren am Bunde-- rath-tische, so sährt Richter fort, an dem Tische, von dem aus diese Politik getrieben worden ist, und von dem au- auch immer die Continuität der Regierung behauptet worden ist, auch Sie stehen bet allen diesen Angriffen stumm und still, ja sogar die Herren au- den Hansastädten. Da- ist doch wohl am Allerwenigsten geeignet, die Autorität der Regierung zu stärken. Abg. v. Kardorff (Rp.) entgegnet dem Vorredner, derselbe gehöre mit seinen volk-wirthschaftlichen Anschauungen nach Gcheppenstedt oder nach Schilda. (Heiterkeit.) Herr Richter sei am Allerwenigsten der Mann, sür die Autorität der Regierung einzutreten. Abg. Paasche (ul.) betont, feine Freunde seien gegen die Tarifverträge, aber so, daß die Landwirthschaft sicht darunter leide. Abg. Richter (frs. Vp.) entgegnet dem Abg. v. Kardorff, dieser habe mit den Chinesen den Zopf der Abneigung gege» Gold und der Vorliebe für Silber und Schutzzölle gemein, aber der Zopf de- Herrn v. Kardorff sei noch viel größer und dicker. (Stürmische Heiterkeit ) Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) polemifirt gegen de« Richter'schen Standpunkt. Abg. v. Schwerin-Löwitz (conf.) verthetdigt die Beschlüsse des deutschen LandwirthschaftSratheS. Abg. Barth (frs. Bg.) unterzieht die Rede de- Abg. Grafen BiSmarck einer abfälligen Kritik, und fragt des Wetteren nach dem Stande der HandelSvertragSverhaudlunge» mit England. StaatSsecretär v. Bülow erwidert, die Grundzüge der von Deutschland an England zu richtenden Vorschläge feine zwischen den betheiligten Reflortö sestgelegt und nach England mitgetheilt. Die englische Antwort müsse abgewartet werden. Abg. Schönlank (Svc.) beleuchtet den Wechsel i« unserer Handelspolitik und erklärt, da- Volk werde 6ei dm Wahlen die Antwort darauf geben. Abg. Rösicke (fractionSloS) protestirt dagegen, daß der Abg. Heyl von Herrn-heim Namen- der deutschen Industrie gesprochen habe. Der Dtel StaatSsecretär wird genehmigt, ebenso eine Reihe weiterer Positionen. Donnerstag 2 Uhr: Antrag Auer betr. Coalition-recht, Antrag Schneider betr. Beruf-Vereine und Antrag Lieber denselben Gegenstand betreffend. Schluß flcgen 6 Uhr. Deutsche» Reich» Berlin, 9. Februar. Der Kaiser trifft, wie verlautet, morgen in Spandau ein, wo er da- neue Garde-Regiment z. F. seinem Chef, drm Großfürsten Kon ft an rin Konstantinowitsch von Rußland, der bekanntlich heute hier eintrifft, vorführen will. Sodann findet tm OffizterS- cafino ein Frühstück statt, an welchem der Kaiser und der Großfürst thkilnehmen. Ausland. Wien, 9. Februar. In hiesigen diplomatischen Kreisen wird die Anficht, daß Rußland die Candidatur des Prinzen Georg von Griechenland für den kretenfischen Gon- Verneurposten zurückgezogen hätte, nicht getheilt. Man ist vielmehr der Ueberzeugung, daß auf diesen Punkt über kurz oder lang wieder zurückgegriffen werden wird, waS auch die Auslassungen des Lord SaltSbury tm englischen Oberhaus erkennen läßt. Außerdem, so wird versichert, bestehe jetzt die Gefahr, daß die Machthaber an der Newa früher oder später Revanche nehmen werden und zwar nicht nur am Sultan, sondern auch an denjenigen Mächten, die den Sultan zum Widerstand aufmunterten. Wien, 8. Februar. Von hier ist an Zola eine Adresse abgegangen, die von etwa 500 Mädchen aus den hervorragendsten Kreisen Wien- unterzeichnet ist. Graz. 9. Februar. Der Landtag nahm mit großer Mehrheit den Antrag deS VerfassungSauSschuffes auf Aufhebung der Sprachenverordnungeu an. Ein deutsch- conservattver Antrag wurde in namentlicher Abstimmung ab« gelehnt, in welchem der Landtag die sichere Erwartung auSspricht, die Regierung werde -weck- Aushebung der die Interessen der Deutschen schädigenden Sprachenverordnungen ehesten- die gesetzliche Regelung der Sprachenfrage anbahnen und hierbei die historische Stellung der Deutschen berücksichtigen- Die Gallerten wurden wegen Lärmen- geräumt. Rom, 9. Februar. Von hier wird Zola heute eia Album gereicht, dessen erste- Blatt die Unterschriften von Brrdi, Carducci, Boito, Giacosa, Lombroso, Negrt und der sonst bekanntesten Größen der italienischen Literatur, Kunst und Wissenschaft trägt. Pari», 9. Februar. Prozeß Zola. Während der heutigen Verhandlung verursachten circa 200 Advocaten, die fich in den Wandelgängen aufhielten, großen Lärm. Es sollte die» eine Kundgebung gegen da- Verbot de- Präsidenten sein, wonach die Advocaten nicht mehr in den sür da- Publikum bestimmten Raum des Gericht-saale- eindringen dürfen. Bei dem Scandal kam e- zu einem Rencontre mit bett Gardisten, von denen mehrere von Advocaten geschlagen wurden. Ein Advocat wurde verhaftet. In der Verhandlung selbst gestattete der Präsident dem Benhetdiger, nur der Frau DnysuS auf die Affäre Eüerhazh bezügliche Fragen zu stellen. Dagegen proteftirte Vrrtheidiger Labort lebhaft. ES sei die» eine Einschränkung des Fragerechts. Bei der Vernehmung deS Generals BotSdeffre erklärte dieser, von einer Schleier« dame wisie er nichts/ er wisse auch nichts davon, wie daß Aktenstück über Esterhazy- Freisprechung au» dem Krieg-« Ministerium verschwunden sei. Von der Schuld deS DrehfuS sei er überzeugt und diese Ueberzeuguug stütze sich aus That- fachen, welche ihm während und nach dem Prozesse DrehfuS zur Kenotuiß gekommen seien. Auch General Gouse versichert, er kenne die Schleierdame nicht. Pari», 9. Februar. In seinen Schlußfolgerungen bringt La dort zur Sprache, daß den Geschworenen Schriftstücke zugestellt worden find. Labori erklärt, weder Zola noch Perrevx haben diese Schriftstücke abgesandt. Die Angeklagten seien die Opfer von Umtrieben. Labori bespricht dann die Kundgebungen, die gestern stattfauden, als Zola das Gericht-« gebäude verließ und protestier gegen die Ungenauigkeiten in den Berichten verschiedener Blätter über das Vorgefalleue. Diejenigen, welche Zola beschimpfen, repräseutireu nicht Frankreich, sondern beschimpfen Frankreich, indem fie fich mit ihm identtficiren, während wir eS verehren. (Heftiger Lärm.) Unter großer Spannung wird General BoiSdeffre al» Zeuge aufgerufen. Labort fragt den Zeugen: „Kanu der Zeuge sagen, welcher Art das Schriftstück, das Esterhazy einige Zett vor seinem Erscheinen vor dem Kriegsgericht dem KriegSmtutster hat zukommen lassen?" General Bot-drssre antwortet: Das fragliche Schriftstück bezieht fich auf die Angelegenheit DrehfuS. Ich glaube daher, ohne Mißachtung für das AmtSgeheimniß von diesem Schriftstück nicht sprechen zu können. Labori erwidert: Ich bestehe auf der Frage: Welcher Art ist dies befreiende Schriftstück? Bot-deffre antwortet: Das AmtSgeheimniß verbietet mir, zu antworten. Advoeat Labori: General BotSdeffre ist verantwortlicher Beamter und steht hier vor Gericht. Er kann fich nicht auf das Amtögrheiwniß berufen. BoiSdeffre erwidert: Da-AmtSgeheimniß fällt zusammen mit dem StaatSgeheimniß. Part», 9. Februar. Nach dem heutigen Decret umfaßt das neue 20. Armeecorps, zu dessen Cowmaudanten General Mouard ernannt wurde, vier Subdtvifionen, die auf die Departements Meurthe-et-Mofelle, Vogesen und Aube vertheilt find. Prätoria, 9. Februar. Präsident Krüger ist auf weitere 6 Jahre zum Präsidenten der südafrikanischen Republik gewählt worden. Locale, und provinzielle». Steßeu, den 10. Februar 1898. •• Zusttz-Personalteu. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Nidda Geheimen Justtzrath Wilhelm Hofmaun auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand zu ver« setzen und den Amtsrichter bet dem Amtsgericht Ortenberg Karl Römheld zum Amtsrichter beim Amtsgericht Nidda mit Wirkung vom 16. März 1898 au zu ernennen. •* Theaterveretu. Die gestrige Vorstellung de» Theater- vereinS, in der ein hübsche» neue» und ein unveraltbareS klassische» Stück uu» vorgeführt worden, war wohl die best- gelungene und glänzendste der ganzen Saison. Mau kann „Die bezähmte Widerspenstige" nicht sehen, ohne immer neue Bewunderung vor Shakespeare» Größe zu empfinden. Das Stück nimmt unter Shakespeares Werken eine ganz eigenthümliche Stellung ein, namentlich tu der Art, wie e» da» Derhältntß der Geschlechter behandelt. Dies ist tu den romanischen Literaturen und den Gattungen, die diese au-btldeten, also in den verschiedenen Richtungen de» Roman», im Ritter- und Schäferroman, im Schauspiel der Spanier und Franzosen, auf die Unterordnung de» Manne» unter die Frau begründet. Fraueudienst und Frauencult find geradezu die Seele der romantischen Dichtung. Bet Shakespeare sehen wir dagegen die freiwillige Unterordnung de» Weibe» unter den Manu verherrlicht. Diese fiudeu wir sowohl bei den Gestalten au» seiner ersten SchaffenSzett, wie etwa der Porzta im „Kaufmann von Venedig" wie bet denen seiner letzten Werke, bet Imogen im „Cymbeltn" und Miranda im „Sturm", der zahllosen au» der Zwischenzeit nicht zu gedenken. Und zwar ist diese Unterordnung freiwillig, ja begeistert, weil für diese Frauen der angebetete Mann der Inbegriff alles Hohen und Edlen ist und es darum für fie kein größeres Glück und keine reinere Seligkeit geben kann, als in dem geliebten Manne ganz aufzugehen und in jedem seiner Wünsche ein heiliges Gebot zu erblicken. ES ist ungemein bezeichnend für Shakespeare, daß die Liebe seiner Frauen keine Regungen der Eigenliebe, des Stolze», überhaupt feindliche Rückfichten zu überwinden hat, also wesentlich couflictlo» ist. Umgekehrt sehen wir, daß das LtebeSpatho» im romanischen Drama fast immer durch Confliete getrübt ist, möge nun Eigenliebe, Rückficht auf Vater und Vaterland oder die Pflicht in der einen oder anderen Form diese Trübung veranlassen. Namentlich liebt e» die romanische Dramatik, die Beugung stolzer Mädchennacken unter da» Liebe« und Ehejoch, also den Conflict zwischen Mädchenstolz und Liebe, zum Gegenstand deS dramatischen Interesses zu machen. Allbekannt ist Moreto» „Donna Diana", der ein paar Stücke Lope» mit dem gleichen Vorwurs vorauSgingen und zahlreiche andere in Spanten und Frankreich folgten. Einer der feinen sranzö« fischen Kleinmaler deS achtzehnten Jahrhundert», Martvaud, läßt reichlich ein halbe» Dutzend seiner zierlichen Stücke sich um dieses Problem drehen. Um so auffallender wüßte nun die Wahl eine» solchen Stoffes bet Shakespeare erscheinen. Und in der That hat er ihn auch nicht gewählt. Wir befitzen nämlich ein. Stück au» Shakespeares Zeit „The Taming of a Shrew“ — da» seine heißt The Taming of the Shrew — da» zur Zett der größten Erfolge Shakespeare» drei Auf« lagen erlebte und die ganze Bekehrungsgeschichte unsere» betr. Räume zu ganz bestimmten Zetten oder zu speciellen bedeutsame Rede über Frauengehorsam meisterhaft vortrug. In ihrem Spiel waren Feuer, Leidenschaft und zugleich Feinheit aufs glücklichste vereinigt. In beiden Momenten war unsere Darstellerin gleich überzeugend und wahr. Ueber da» Tempo, in dem fich die Umwandlung vollzog und über ihre verschiedenen Stadien wird man mit einer Künstlerin von solcher GestaltungSkrast nicht rechten wollen. Bet Fräu« lein Barkany spricht jedes Glied und wir haben selten gesehen, daß ein Künstler so viel in eine Miene, eine Geste, ein Lächeln zu legen wußte. Unsere einheimischen Künstler, deren Streben ja unbedingtes Lob verdient, wirkten wacker zu dem Gelingen des Ganzen mit. Petruchio wurde brav von Herrn Frttzschler gespielt, ebenso boten auch die Herren Liebscher (Baptista), D o s e r (Vincentis), Janson (Luceutio), Forsch (Bromto), Tüchtige». Herr Böhm stattete seinen Grento schauspielerisch erheblich wirksamer aus, als man e» von seinen Ltebhaberrollen gewohnt ist. Herr Albrecht (Tranio) neigte dazu, eine gute Leistung durch Uebertreibung zu schädigen. Herr Director Helm spielte den Grumio mit einer gewissen breiten Bonhommte. Der studirung, auf Eostüme und Decorationen, war die größte Sorgfalt verwandt worden. — Da» vorauSgehende Stück „Die Schulretterin" von Pohl zeigte un» den Gast in einem modernen Gesellschaftsstück, wo er sich nicht weniger glänzend bewährte. Hier wurde sie wirksam von Herrn Janson (v. MemivgShouscn) unterstützt. Herr Albrecht gab gut den geriebenen Kammerdiener. — Der ungemein genußreiche gestrige Abend legt un» einen Wunsch nahe. Unleugbar ist die „Bezähmte Widerspenstige" eine» der besten Stücke ihrer Gattung, aber diese Gattung ist nicht die höchste. Und gerade unter Shakespeares Lustspielen erhebt sich darüber eine Gruppe anderer, die durch eine wunderbare Zartheit und Schönheit ausgezeichnet find, wie vor allem „Was ihr wollt", da» der Regie keine größeren Aufgaben stellt, al» die Widerspenstige. Sollte e» dem Theaterverein in Verbindung mit unserer rührigen Dtrection nicht möglich sein, nächsten Winter uu» ein solche» Stück zu bieten? •» b. Hauk- und Grundbefitzer-Berein; Miethrecht. Am gestrigen Abend hatte fich auf die Einladung des Vorstandes eine zahlreiche Zuhörerschaft im Saale des „Einhorn" vergroßer Spielraum gelassen ist. Kündigen kann mau nur für den Schluß des KalendervteteljahreS; dies muß spätesten» am dritten Werktag de» Vierteljahre» erfolgen. Bei monatlichem Mtethztu» ist die Kündigung nur für den Schluß eine» Kalendermonats zuläsfig und muß spätestens am fünfzehnten de» Monat» erfolgen; bet wöchentlichem Miethziu» kündigt man am ersten Werktag der Woche für den Schluß der betr. Kalenderwoche; bei Miethe nach Tagen kann man an jedem Tag für den folgenden Tag kündigen. Der Vermtether hat da» Recht auf Zahlung de» ausbedungeneu Miethzinse», wegen desselben ein gewisse» Sicherungsrecht, Anspruch auf sorgfältige Behandlung der Miethsache durch den Miether und auf deren Rückgabe nach Beendigung der Miethe. Der MtethztnS (Brtngschuld) ist postnumerando zu zahlen. Bleibt der Miether für zwei aufeinander folgende Termine mit der Entrichtung de» MtethzinseS oder eine» Theile» de» Mieth. ztvseS im Rückstand, dann kann der vermtether da» Mieth- verhältntß ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen. Der Vermtether hat an den eingebrachten Sachen de» Miether» ein gesetzliche» Pfandrecht; die» erstreckt sich aber nicht auf unpfändbare Sachen; der Kreit der letzteren soll nach der Novelle zur Civtlprozeßordnuug noch erweitert werden. Nach Beendigung der Miethe muß der Miether räumen, auch wenn er Gegenanspruch gegen seinen Vermtether hat; diese muß er im Wege besonderer Klage geltend wachen. Vertragsmäßiger Gebrauch der "Miethwohnung verpflichtet den Miether bet Ausnutzung der Wohnung nicht zur Entschädigung. Da» Recht der Wetterveemiethung (Untermiethe) muß vom Vermiether besonder» gestattet sein; bet seiner Weigerung darf der Miether, wenn in der Person de» dritten Miether» (Untermiether») kein wichtiger Grund vorliegt, unter Einhaltung der gesetzlichen Frist kündigen. Der Miether hat bei eintretevdem Mangel der Miethsache und drohenden Gefahren dem Vermiether Anzeige zu erstatten; er ist verpflichtet, nach erfolgter Kündigung Mtethlustigen die Befichttgung der Räume zu gestatten. Bet vertragswidrigem Gebrauch kann der Vermiether nach erfolgloser Aufsorderung zur Unterlassung der Vertrag-Widrigkeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist das Miethverhältniß kündigen. Unterlassung gewisser Störungen (z. B. anhaltendes, nächtliches Klavtersptel) kann fich der Vermtether natürlich von vornherein aushalten. Der Miether dagegen hat ba» Recht auf rechtliche Einräumung, vertragsmäßige Ueberlassung der Miethräume nebst Zubehör und Ersatz nothwendtger Auslagen. Bei Verzögerung der Urberlassung der Mieth« räume ist eine angemessene Frist zu gestatten, fall» nicht die KäthchrnS und zwar genau durch die gleichen Mittel enthält. Diesen Stoff nun hat Shakespeare al» der Theaterdichter seiner Truppe, neu bearbeitet, indem er die Umrisse der Handlung und der Charactere betbehielt und für die Nebenhandlung ein italienische» Stück benutzte. Daher sehen wir denn auch in unserm Stück die typischen Bestandtheile der Renaissance- comödte, verschlagene Diener, verliebte oder geizige Alte, Verkleidungen und Jutriguen, um ein junge» Paar zusammen« zubrtugen usw. Wie läppisch, wenn auch wirksam, ist Shakespeare» Vorlage mit dessen Stück verglichen! Wie viel Geist, Witz, Humor und namentlich Poesie hat er darüber auSgegosseu! Und selbst der possenhafte Stoff erfährt unter seiner Hand eine eigenthümliche Umgestaltung und Vertiefung. Der Gedanke, der das Stück durchzieht und am Ende immer deutlicher hervortritt, ist doch der, daß die Einheit der Ehe, die Harmonie der Gatten unbedingt gefordert und durch jede» Mittel hcrgestellt werden müsse. So kommt es, daß trotz der für unser Gefühl verletzenden Anschauung vom Weibe, von der au-gegangen wird, der Grundgedanke des Stückes doch immer noch seine Geltung behauptet. Allerdings soll der Mann herrschen und ba» Weib gehorchen, aber nicht, weil jener der kräftigere ist, son« deru weil er die schwerere Aufgabe im Leben zu erfüllen hat und weil auch das Weib, wofern er nur der rechte Mann ist, nichts Bessere» wünschen kann, als fich ihm unter- zuordnen und ihm zu dienen. Shakespeare läßt fein Käthchen zu diesem Standpunkt, den c» am Schlüsse mit so beredten Worten verkündet, durch derbe, burle-ke Mittel führen. Die possenhafte Behandlung — denn einer anderen war ein solcher Stoff kaum fähig — bedingte diese wohl zum Theil. Dann kommt auch wohl in Betracht, daß unser Stück eigentlich ein Stück im Stücke ist. Es wird — ähnlich wie in dem älteren Werke — bekanntlich vor dem Kesselflicker Christoph Schlau aufgeführt, den man im Schlafe auf ein Schloß gebracht hat und nun glauben macht, daß er ein Lord und sein ganzes früheres Leben ein Traum sei. Die Nothwendtgkeit, daß da- eigentliche Stück fich vor dem Vorspiel abhob, mochte — ähnlich wie im Hamlet — den Dichter zu stärkeren Strichen veranlaßt haben. — Unser Lustspiel bewies gestern Abend wieder seine große Frische. Die Bearbeitung ist die allgemein übliche, die neben vielen Vorzügen den empfindlichen Nachtheil hat, daß sie die ungemein wichtige Scene nach dem Kirchgang blo» berichtet, statt sie wirklich vorzuführen. Und doch ist eS die einzige, in der Petruchio zum Helden emporwächst, während er sonst doch etwa» vom renommistischen Eisenfreffer an sich hat. DaS Jntereffe deS Publikums galt vor Allem unserem gefeierten Gast, Frl. Marie Barkany au» Berlin, der Darstellerin des Käthchen. Der große Ruf, der der Künstlerin gerade in den beiden Rollen des gestrigen Abend» vorauSging, zeigte fich al» wohl begründet und ihre Leistung wurde mit begeistertem, ja enthufiastischem Beifall ausgezeichnet. Die Rolle bietet eine große Schwierigkeit, an der wir schon hochbegabte Künstlerinnen scheitern sahen. Diejenigen, die die ungeberdige Keiferin der ersten Acte trefflich zur Geltung bringen, versagen meist im letzten Acte, wo fich da» demüthig liebevolle Weib offen« bart. Bei unserer Darstellerin kam dagegen beide» gleich gut zur Geltung, die Heldin ist noch dieselbe wie am Anfang, nur eine Seite ihre» CharacterS ist -urückgedrängt und eine andere dafür entwickelt worden. Namentlich war e» zu loben, wie die- Käthchen bei aller Heftigkeit und Wildheit zu Beben Miether vom MiethSzin» für bte Zeit, während welcher die Benutzung der Räume gehindert ist. Der Miether hat die Miehsache sorgfältig zu behandeln; nothweudige Auslagen muß ihm der Vermtether ersetzen. Der Anspruch auf vertragsmäßige Ueberlaffung der Miethräume besteht für die ganze Dauer der Miethzeit, auch wenn ein neuer Käufer, also ein Wechsel deS EigenthÜmer», eintritt. („Kauf bricht nicht Miethe".) Der neu eintretenbe Käufer übernimmt bte Rechtslage bes bisherigen DermietherS. Eine Ausnahme von biesem Grunbsatz gilt bei bec Zwangsversteigerung; hier kann ber Ersteher unter Einhaltung ber gesetzlichen Frist künbigen. Das im Jahr 1900 in Kraft tretenbe bürgerliche Gesetzbuch ersaßt nach Art. 171 be- Einführung-gesetzeS zum bürgerlichen Gesetzbuch bte dann bestehenden Mtethverhältnlffe ohne Weitere-, wenn nicht nach 1900 am ersten nach dem bisherigen Recht zulässigen Termin gekündigt wird. — Der interessante Vortrag trug dem Redner den Beifall der Zuhörer, die mit großem Interesse den Ausführungen gefolgt waren, ein. Nachdem der Herr Vorsitzende dem Herru Referenten für bte Anregung unb Belehrung, bte er in seine« sammelt, um ben ersten öffentlichen VereiuSabend zu feiern. Nach ben einleiteubeu Worten be» Vorfitzenden, Herrn Recht», anwalt» Grünewald, welcher betonte, daß der Gießener Hau-- und Grundbesitzer-Verein jetzt zum ersten Male in die Oeffeutlichkeit trete, unb in Ausficht stellte, baß eine Anzahl öffentlicher vorträge im Jntereffe ber VereiuSmitglieder gehalten werben solle, sprach Herr GertchtSaccesfist Dr. Oppenheimer tu fast einstündigem, anregenden Vortrag über ba» geltende und zukünftige Miethrecht. von den verschiedenen Arten der Miethe (Sachen-, Dienst- und Werk- miethe) hatte er speciell die Sachenmiethe, darunter wieder die Wohnung»miethe zum Gegenstand der Erörterung gewählt. Er führte au», daß auf die WohnungSmiethe die Grundsätze der Grundstücksmiethe, di- im neuen bürgerlichen Gesetzbuch niedergelegt seien, entsprechende An« Sock Sä der Vorsitzende, Herr RechiSanwalt Grünewald, noch eine Anzahl streitiger Fragen aus dem Gebiet deS Vertrag» (KündigungSfrist, Wanzenrinschleppung, Feuchtigkeit der Miethräume, Retentionsrecht de» Vermiether-). Er zeigte in fesselnder Ausführung, gestützt auf reiche practische Erfahrung, wie befirittene Grundsätze deS Mieth-recht» sich mühsam und allmälig zu festen Rechtsnormen durchrangen. — Herr A. Katz sprach dann über ben Zweck de- Verein-, die Klarstellung der Rechtsbeziehungen -wischen Miether unb Cer« miether. ES solle eine Schablone für einheitl che Wohnung»« miethe geschaffen werben, um RechtSstreittgkeiten vorzubeugeu unb in zweifelhaften Fällen eine sichere Grunblage zu gewinnen. Herr Bieler empfahl baS Vermiethen nach eine» Normalformular (Vertragsentwurf), wie solche» ben Interessenten au- bem Verein unb außerhalb be-felben stet- zur Verfügung stehe; er stellte ferner einen weiteren Vortragsabend, an dem auch die Statuten zur Berathun- kommen sollten, in Aussicht. — Hieran anschließend, theilte aiitni SHoment w »eilluWsitzztbun Ihm« Lupf poste Ret 1i|t Die mit bem 1 Ämkchkkiteo, Mi mWzln diesls , «4 Mi mit kine -Ecmin Rofttn ver MivSiMaed tön, unb (o bleib \a Siminberath ^MiRtn öi 'M leichter zu wichst fi Wtt Mhlich fr Mt sMMn VchSizmchnr, M'tn, toWkbtn ■ Mi bn chg ' Mußte r leichten lkchtr r eines c Ito Mt Tchter + Htü, unb 28. v. ’Wltu NBibt bit Dk» ist J’Wn Ealda laTB«le Schotte Menn AvbtlG toerben L-Merbaz ,!8Drfl tülst, 6!,,Nü -ach •? ’■ A 4l>btn ijj.i 1 M ,r®e r, 0 b fcJl* t«, ■'"Ni ,ui bin meisten Wnche Mede M Parteihaber > ijkiW stürmisch g wütn. Die säst fcttlti ben Arger Kozch sowohl füi tnjnitiB ©inielnbi ginn boch immer von einer ^gewissen Grazie unb weiblichen Anwuth umflossen war, so baß ihre Fehler mehr nur al- äußerlich, benn als in der Ttefe ihres Wesen» begründet erschienen. Gleich vorzüglich wie hier erschien fie nach ber _ , _ Vollenbeten Umwandlung, wo fie namentlich die sittlich hoch- Zwecken gimiethet wurden. Fehler ber Wohnung (Schwamm, Wanzen), die ihren Gebrauch aufheben oder mindern, befreien : m 1°.* , utl tlrt110.® Wendung finden. ES genügt mündliche Vereinbarung; aller« .! a!t ^Lnbctt dings kann Schriftlichkeit deS Vertrages ausbedungen werden, ®ir toit im Miethrecht ber befonberen Parteiberebung ja ein | iluiMuck ■ .Mainzer W" t „ im rtW ' lehren möfi(n/fco ; lDt allzvhaufig W : Snntrnenkallf I, Seltenheiten Deo ;tgangene Nalhck ÖBrgeimelfter» 5>r ' -nabe diese ji6-n bekatillilich .Ml Reorganiiati ,vb erstaikeo. Na jugenblichen Darstellerin ber Bianca (Frl. Werner) hoffen _ . wir bald noch in anberen Rollen zu begegnen. Auf Ein- sriichen Vortrag geboten, gebankt, wurde die DiScusfion er« ..... öffnet, an ber u. A. Herr Bieler unb Herr Bankier Grünewalb fich betheiligteu. Im Anschluß hieran erörterte lew Behörde die geeigneten Uatersuchungsverhandlungeu statt, ümn Thäter ist man dem Vernehmen nach auf der Spur. - Der Mörder des durch Todtschlag am 28. v. MtS. tier* ibenen ^öaldarbetters Ztnnrl von hier ist von der Gen' irmnerte Schotten aufgrgriffen worden und fitzt hinter Schloß Riegel. Jer Herr Vorsitzende mit, daß noch Vorträge geplant seien über Grundbuchwesen, Straßenkostenbeiträge, EnteignungS« recht. Auch Anregungen bezüglich etwa ger DortragSthemeu «uS der Mitte deö Vereins heraus werde man nicht ablehnend gegenüberstehen, im Gegentheil sei es empfehlens« werth, daß hierauf gerichtete Wünsche mttgetheilt würden. — t öemüthlicheS Zusammensein schloß den ersten Vortragsabend. * Rietzsche-Bortrage. Am Montag den 14., Mittwoch ben 16. und Montag den 21. Februar hält im Saale deS Hotel Einhorn Herr vr. Horn esser aus Berlin Vorträge über den jüngst vielgenannten Philosophen und ReligionS« Mfter — so wird er auch bezeichnet — Friedrich Nietzsche. 0r. Hornrffrr hat sich durch diese Bortcäge, die er schon an vielen Orten gehalten hat, reiches Lod eingetragen. Ec soll mit großer Klarheit und Anschaulichkeit die ebenso neuen, wie überraschenden Ideen dieses eigrnthümlichen Geistes zum Ausdruck bringen. * * 3» den Burgermeisterwahlen iu^tzeffeu wird dem „Mainzer Anz." geschrieben: Der ausu^ksame Beobachter der im Großherzogthum Heffen bis jetzt vollzogenen Bürger« metsterwahlen wird mit Befriedigung die Thatsacheu con- ^itireu müffen, daß die in den früheren Wahlperioden leider »vr allzuhäufig vorgekommenen Trinkgelage und andere den Stimmenkauf bezweckende Freigaben jetzt nur noch zu dm Seltenheiten zählen. (Eine uns aus Nieder'MooS zu' gegangene Nachricht über die Wiederwahl des bisherigen Bürger meister- Hcttzcnröder bestätigt dies. R. d. „G. 0.") Gerade diese unerfreulichen Erscheinungen früherer Jahre ließ'n bekanntlich den vielfach vertreteneu Wunsch nach einer Reorganisation unserer Wahlgesetzgebung erstehen und erstarken. Nachdem inzwischen in zahlreichen, ja weit« nuß den meisten Gemeinden deS platten Landes die ktvftiwmige Wiederwahl der Bürgermeister meist ohne jeden Parteihader erfolgte, dürste wohl dieses seiner Zeit ziemlich stürmisch gestellte Verlangen wehr und mehr ver« Summen. Die fast allcrwärt- bekundete Stimmeneinmüthig- keit bei den Bürgermeisterwahlen documenttrt ein ehrenvolles Zeugniß sowohl für die Gewählten, als auch für die be« lnffeuden Gemeinden. Dabet ist indessen auch vielfach ein anderes Moment wohl zu beherzigen. Unsere neuere Ver- lvaltuugSgesctzgebung legt nämlich den Bürgermeistern überaus schwere Verpflichtungen auf, deren gewiffenhafte Ec' 'itllung postrive Kenutniffe und reiche Erfahrungen vorauS- ützt. Die mit dem Bürgermeisteramte thatsächlich verbundenen Schwierigkeiten, die Mühm, Sorgen und großen Verantwortungen dieses „unbezahlten Ehrenamtes", nicht minder mch die mit einer Wahlcoucurrenz verknüpften, mitunter enormen Kosten veranlassen in gar vielen Fällen die auf- jcftettten Gegrncaadidatkn zur Verztchtletstuvg auf die Candi« latur, und so bleibt man eben beim Alten. Bei den Wahlen Gemetnderath werden dagegen fast allrrwärtS weit regere Vahlbewegungen vorgeuommrn, weil eben diese Ehrenämter »gleich leichter zu verwalten, mit weniger Unkosten und Lrrger verknüpft find und darum auch mehr Candidaten an« ockea. Schließlich darf auch nicht verhehlt werden, daß cs sür die finanziellen und sonstigen Verhältnisse gar manches vorfbürgermeisterS, wie zahlreiche Beispiele überzeugend be« Velsen, entschieden vorthetlhafter gewesen wäre, wenn er schon cei der ersten Wahl zu Gunsten einer bewährteren Krast auf l!e Tandidatur verzichtet hätte. Jetzt aber, nachdem man einmal den Ehrenposten bestiegen, will man sich nicht mehr so leichten Kaufes davon trennen, eingedenk der drastischen klirschauung eines gewissen Gemeindeoberhauptes: „Besser, ich lüte die Schweine, als die Schweine hüten mich!" "8 not erweitert vn [3 der Mieiher tiusa (ttnen vcmiether ty S-sgt gthenb Hain Ntzwvhvllllg verpsli-s siMoz niit jur fc nict^nng (Uvtemich Net (ein; bei \m n der Persoa bei briue fcngei @runb iotlitg Fritz fäubigen. 6 ;tl ber Miethsate m r Sfljetje zu eifttito icHgcng Miuhiußip tauen. M Wrttftj* ttfcti M nsvl-lon ein 1 NuHvniMj b i|tn (|. 8. whm.'/ n Lerwitther «'Ä kitt-er bagegeu hv iS traglmä^t UrbMus Lauterbach. 7. Februar. Der hiefige Gemeinderath hat in Zivette Kammer eine Vorstellung gerichtet, worin die Me ausgesprochen wird, daß eine der Mo lker ei schulen, °e:!che demnächst im Großherzogthum errichtet werden sollen, Oberheffen gelegt und Lauterbach als deren Sitz ge- vchlt werden möchte. Zur Begründung wird angeführt, |Q» Lauterbach sich als Sitz einer Molkeretschule vorzüglich dürfte, eineStheilS deshalb, weil es vielleicht schon in sie em Jahre mit dem Milch produzireuden Vogelsberg durch ln 1 Eisenbahn verbunden sein wird, anderenrheilS aus dem Sr-mde, weil eine der b deuteudsteu und ältesten Molkereien ^f'ienS in Lauterbach betrieben wird, deren Einrichtung und e>mng weit über die Grenzen unseres engeren Vaterlandes MUS als musterhaft bekannt find. Vor Allem aber würde !n '^vhafte Charakter der Bewohner des nordöstlichen ^'jelsdergeS und deren Gepflogenheit, ihre Kinder ein Hand« denk, einen Beruf erlernen zu lassen, anstatt sie alsbald nach '^^ufirmation zum Gelderwerb in die Großstadt oder SJk? i ö zu schicken, wie dies leider in dielen Gegenden üblllch ist, einer hierher zu legenden Molkereischule dauernd iv m genügenden Schüler bestand fichern, wie anderseits dir in talt zu einem weiteren Erfolg versprechenden Mittel Uvden düifre, den Vogelsberg winhschaftlick zu heben. Daß 18 Schülermaterial sich nicht überall darbtetet, beweist die :i!tt der — mit Lauterba^ unter einer Direktion stehenden - Molkerei Fulda verbundene preußische Molkeretschule, 't'i deren 20 Schülern 17, also über 80 Prozent, aus dem -Ilvse Lauterbach stammen, während die Umgegend von Ma so gut wie gar keine Zöglinge liefert und nicht einmal ;tra den durch die Stadt Fulda für preußische StaatSange-. yW gestifteten Freistellen Gebrauch macht, weil eben jeder W Bursche entweder in eine Fabrik, oder nach Westfalen •wb nach Frankfurt rc. geht. WaS die für die Schule er« jMrrlichen Hilfslehrkräfte betrifft, so dürften solche von der I '^bm. tt. u 2$ I an4fj,h„„ Wtl '““sr 21'?1,16 feil« ■fr?1»* '.ur km Stluv tbiH ft? ■"***’’ A'?'h in ta. «mW* *’ M big 5JKni. bn 5, 81,4 1 iitiin afi te tleilti ttl jädi ^"mnher bal n3b,8UDMfTift tiublin iMta Satten “tu erstreckt sich abe ^nit ber letzttrea Id j ab iriafc rotbetnlifc Itberlafiung ber M getzütteo, fallt uichl k Jetten ober jn Ipemll« >n Bohnung (34®® ------------ «.»**** VT ZW’ 9. Februar. DaS in unserem Dorfe am . ’ujhxtnb ■ unb 28. v. M.s. gewüthete Schadenfeuer wird auf 4 Der Mikthtt > randstiftung zurückgeführr, und fanden bereits seitens ,, rotfiwenbigtMlcr- lee Be6arh'* ...... M-4-r“x—------ — Der äalpruch aas W ihriune besteht M stsa ein neuer M ♦ritt ( Rauf brit euttrttt. . inbe »W tethnS. lwasSverfietzE^ !!rJ: ff!» Tä»'. r.nftbfc btW • • -s» _ v ® « Me erinf‘icfl - r.bire4» - y “'S-! 5 .pten ’tJT. SehE •ff-feS! *' 2 >°° ""Ä Volks« und höheren Bürgerschule zu Lauterbach, nöthigenfallS auch von der benachbarten Alsfelder Ackerbauschule zu beschaffen sein. Der S adtvorstaud fichert endlich die Leistung eines angemessenen Zuschusses aus städtischen Mittel zu, sallS davon die Wahl des S>tz'.s der Schule abhängig gemacht werden sollte. △ Mainz, 9. Februar. Für da« städtische Gas° wert' hier, von welchem sich wegen der jüngst entdeckten Unterschleife zur Zett fünf Angestellte, darunter der Direktor, der erste Kasfirer und der Buchhalter in Untersuchungshaft befinden, wurde in heutiger nicht öffentlicher Stadtverordneten« sitzung eine andere provisorische Verwaltung bestellt, die bis zur Beendigung der gerichtlichen Untersuchung und Durchführung der geplanten Reorganisation die Leitung des Gaswerks bethätigen soll. U:ber den Verlauf der gerichtlichen Untersuchung dringt wenig in die Oeffentlichkeit. Anfänglich war man allgemein der Ansicht, daß der verhaftete Direktor Hcffemer sich nur Nachläisigketten habe zu Schulden kommen lassen, eß scheinen aber jetzt gravere Dinge hervorgetreten zu fein, denn die BerathungSkammer hat die beantragte Haftentlassung HeffemerS abgelehnt. — Unter Anderem wurde in obiger Stadtverordnetenfitzung noch mttgetheilt, daß der rheinische Ausschuß für Abhaltung der Nationa lfeste auf dem Niederwald die Stadtverwaltung wiederholt auf Ge Währung eines Zuschusses angegangen habe. Daß Anfinnen wurde von den Stadtverordneten dem Finanzausschuß über« wiesen. Vermischtes. * Line gefährliche Räuberbande, die lange Zett Berlin und die östlichen Vororte Berlins unsicher gemacht hat, wurde kürzlich durch das Schwurgericht am Landgericht II für lange Zeit unschädlich gemacht. Die Bande bestand aus sechs jugendlichen Strolchen tm Alter von 21 Jahren bis herab zu 16 Jahren- es waren die Arbeiter Hrch. Gomert und Gustav Horn, der ArbeitSburfche Franz Blitz, der Vieh« treiber Paul Flath, der Arbeiter Paul Gomert, Bruder des ersten Angeklagten, und der Arbeiter Max Höh, sämmtltch aus Rummelsburg. Ihr Führer war Hrch. Gomert, der sich „feine Leute" durch Eid und Handschlag verpflichtet hatte, lediglich nach seinen Anordnungen zu arbeiten und alle „Sore" (d. h. Beute) an ihn zwecks gerechter Vertheilung abzultesern. Die Mitglieder der Baude zogen weist in später Nachtstunde durch entlegene Straßen von Rummelsburg, Stralau und dem östlichen Berlrn. Je drei Mana schlugen ein und dte- selbe Richtung ein. Trafen fir einen späten Nachtwandler, der von der Arbeit oder ouS dem WirthShaus kommend, seinem Heim zusteuerte, so wurde er angerempelt. Verbat er sich daß, so kriegte er fürchterliche Prügel, und wenn er dann windelweich im Rinnstein lag, dann spielten die Räuber den „barmherzigen Samariter", fir halfen dem Mißhandelten auf und stahlen ihm dabei Uhr und Portemonnaie. Ließ er sich daß Aurrwpeln aber stillschweigend gefallen, dann um- , ringten ihn die Räuber und verlangten Geld zu Bier und zu Cigarren, weigerte er sich, Meß zu thun, aber auch, wenn er vielleicht aus Furcht willfährig war, so wurde ihm ebeusallS Uhr und Börse abgeknöpft. In sechs Fällen wurden die Angeklagten überführt. Wo nicht direkte Beweise Vorlagen, bestritten sie ihre Schuld. Die Geschworenen erkannten im vollen Umfange der Anklage auf Schuldig. Der Gerichtshof ging zum Theil über die Anträge deß Staatsanwalts hinaus und erkannte gegen Hrch. Gomrrt auf 15, gegen Horn auf 7, gegen Plath auf 5 Jahre Zuchthaus, gegen die anderen, noch nicht 18jährigen Angeklagten wurde auf Gefängntß er» kavnt, und zwar erhielten Blitz 6, Paul Gomert 2 und Höh 5 Jahre Grfängniß. • Die Flocht bei Obersten Eausfier au8 der deutschen Gefangenschaft. In den „Anales Politiques et Litteraries“ erzählt Georges Peyrat al- Augenzeuge, wie der kürzlich in den Ruhestand getretene Gereralissimus Saussier als Oberst im Jahre 1871 aus der deutschen Gefangenschaft entfloh. Er war in der Festung Graudevz internirt, denn er harte sich geweigert, sein Ehrenwort zu geben, daß er nicht fliehen werde. Er wurde daher auch besonders scharf überwacht. Die Neugierde der Bewohner von Graudevz, die oft nach der Festung kamen, um dir gefangenen Franzosen zu beobachten, ermöglichte ihm dennoch die Flucht. Durch seinen Burschen, einen Elsässer, ließ er in der Stadt einen großen Pelzmantel und eine Kappe kaufen, wie fie die Bürger der Stadt trugen, und wischte sich gegen Abend in dieser Hülle vor den Augen seiner Schildwache unter die an der Festung vorbeispazierendrn Graudenzer. Ju der Stadt fand er dann einen angespannten Schlitten, der ihn über die russische Grenze brachte. Der Elsässer holte am folgenden Tage, wie gewohnt, daß Essen für Saussier ab und sagte, er sei unwohl und mache daher nicht seinen üblichen Spaziergang. Erst am zweiten Tage wurde ein Arzt zu dem angeblichen Kranken geschickt, der daß Nest leer fand. Der Bursche erhielt vierzehn Tage scharfen Arrest, für die er später von seinem Oberst reichlich entschädigt wurde. * Bom Zarenhofe wird dem „B. A." aus Petersburg geschrieben: Vier Wochen, bevor die großen Fasten ihren Anfang nehmen, erschließen sich die Pforten des Winterpalais, und die großen, prächtigen Feste am Zarenhose nehmen ihren Anfang. Die „Courfähigen", die bis dahin noch im Auslande oder auf ihren Gütern weilten, beeilen sich, rechtzeitig zu den großen Hoffestlichkeiten in der Residenz einzutreffen, um jene kurze, aber glänzende Zeit mitzumachen; so will es der ganze Ton. Der erste große Hofball, zu dem nicht weniger als 3000 Einladungen erlassen wurden, ist vorüber, und mehrere stehen noch bevor, allerdings in kleinerem Umfange; aber gerade der enge Nahmen macht sie um so reizvoller. Zu den sogenannten Concertbällen erhalten nur die Auserwähltesten Zutritt, was nicht wenig Eifersucht und Neid erregt. Für die großen Hofbälle strengt man sich im Toiletten.Aufwand nicht besonders an, dagegen um so mehr bei den kleineren, wo jeder Einzelne weit mehr zur | Geltung kommt. Die Ballchronik des Hofes bietet für viele I Damen während der „Saison" die Lieblingslectüre, hier kann ’ man das nicht behaupten. Da die Toilette ber Zarin nicht detaillirt beschrieben werden darf, kommen auch die übrigen Damen schlecht dabei fort, von ihnen schreibt man selbstredend auch nichts. Die Zarin Alexandra liebt die Einfachheit über Alles. Sie kleidet sich mit Vorliebe nach englischen Vorbildern dabei die lichten Farben bevorzugend. Bet festlichen Anlässen weiß sie freilich die ganze Pracht und den märchenhaften Retchthum des russischen Zarenhofes zu repräsentiren. Rußland hat selten eine so schöne und stolze Erscheinung unter der stattlichen Reihe seiner Herrscherinnen besessen. In der Kinderstube ist die russische Zarin ganz die aufopfernde, liebende Mutter. Sie vergöttert ihre Kinder und weicht, falls eines von ihnen erkrankt, nicht von seinem Bettchen. Unlängst brachte ein englisches illustrirtes Journal ein Bild von der jungen Zarin, den Moment festhaltend, wo sie ihr Kind stillt. Die Sensoren waren in heller Verzweiflung, konnte man wohl so etwas passiren lassen! Das Journal ging an den Director, von diesem zum Hofmeister, der sich auch keinen Rath wußte und die Angelegenheit direct dem Kaiser vortrug. „Lassen wir einfach die Kaiserin entscheiden", antwortete ihm der Zar, und ging mit dem Journal in die Gemächer seiner Gattin. Lächelnd kehrte er alsbald zurück: „Die Kaiserin findet darin wirklich nichts Gesetzwidriges, also lassen Sie es durch". Gotte-dteust tn der Synagoge Samßtag den 12. Februar 1898. Vorabend 6 Uhr, Morgens 9 Uhr, Nachmittags 8 Uhr, Echrifterrlär««g, Sabbathausgang 6" Uhr. Verkehr, mnö VellkOwrrthfchaft» 10. Februar.! Fruchtmarkt. Roth« Weizm JL. 17,10, weißer Weizen 00.00, Korn 11.05, Gerste JC. 11.10, Hafcr JC 0.00. Neueste Nachrichten. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 10. Februar. Wie dem „Berl. Tagebl." aus Brüssei gemeldet wird, ging der belgischen Regierung gestern eine Note Frankreichs zu, in welcher die fron« zöfische Regierung erklärt, sie werde die internationale Zuckerconferenz beschicken unter der Bedingung, daß auf derselben nur die Frage der tirecten Ausfuhrprämien verhandelt und jedem Lande Freiheit in Bezug auf innere Gesetzgebung in Betreff des Zucker« gelaffro werde. Berlin, 10. Februar. Im BundeSrath ist, wie die „Nat.-Ztg." zuverlässig erfährt, die Auffassung weit überwiegend, daß er in der Lippe'schen Erdfolgefrage, welche durch den Schaumburg.LiPpe'fcheu Antrag an ihn gebracht wurde, nicht zuständig fei. Anderer Meinung sind vielleicht nur Schaumburg-Lippe. Berlin, 10. Februar. Jn allen sechs Berliner Wahlkreisen finden heute Abend öffentliche socialdemokratische Versammlungen statt, die sich sämmtlich mit den bevor« fieheudkn ReichStagSwahlen und der Aufstellung von Candi« baten beschäftigen werden. Piel, 10. Februar. Im März geht ein Transport zur Ablösung von Mannschaften deS Kreuzergeschwaders nach Ostasien. Der Transport wird außerdem mancherlei noth- wendigc AuSrüftungSgegenstände mit sich führen. Wien, 10. Februar. Gestern Nachmittag fand ein längerer Ministerrath statt, in welchem die von den tschechischen und deutschen Parteisührern gewünschten Ab« änderungen der neuen Sprachen-Verordnungen, welche am Montag zur Publication gelangen sollen, festgesetzt wurden. Budapest, 10. Februar. In Bella herrscht anläßlich der heute stattfindenden ReichSrathßwahl fieberhafte Aufregung. Zwei Personen wurden gestern bei einem politi« schcn Streit tödtlich verletzt. Paris, 10. Februar. Dem „Gaulois" zufolge wird der Bertheidtger Labori erst am Montag seine Vertheidi- g un göre de beginnen. Das Unheil dürfte am Dienstag gesprochen werden. Paris, 10. Februar. Zola verließ gestern den Justizpalast durch baß Portal om Quai d'Ofevre, wo sich nur etwa 200 Menschen angesammelt hatten, die von der Polizei im Zaume gehalten wurden. Die Generale Mercier, BoiS- deffre und Gouse wurden beim Verlassen deS Justizpalastes von der Menge mit Hochrufen begrüßt. Paris, 10. F-bruar. Prozeß Zola. Im weiteren Verlaufe des gestrigen VerhandlungStageS wurden u. A. der frühere Kriegsminister Mercier und der ehemalige Justiz« minister Trarieuse als Zeugen vernommen. Ersterer bezeichnete DreyfuS als einen Berräther, der durchaus gereckt verurtheilt worden fei. Auf die Frage de» VertheidigerS Labori, ob eß im Prozeß Dreifuß ein geheime» Beweisstück gebe, erwiderte Mercier nack einigem Zögern: Ich antworte darauf nicht. Trarieuse sprach in 1*/,stündiger Rede über die Affaire DreyfuS, Picquart und Esterhazy Um 6 Uhr wurde die Sitzung auf heute vertagt. Loudon, 10. Februar. Hier eingelaufenen Meldungen zufolge ist der Präsident von Guatemala ermordet worden. London, 10. Februar. „Daily Graphic" meldet aus Newyork, daß ein Brief de» Generals CallageaS, der heftige Angriffe gegen den Präfideuten Mac Kinley ent« hielt, veröffentlicht worden ist. Der Brief ist vom Schreib- tische des Generals gestohlen worden und in die Zeitungen lanctrt. Dieser Vorfall ruft großes Aufsehen hervor. London, 10. Februar. „Daily Mail" ist der Meinung, die Wiederwahl des Präsidenten Krüger bedeute, daß Transvaal gute Handels« und Industrie-Beziehungen in Europa unterhalten und Europa annehmbare Bedingungen machen wolle. Seidenstoffe O» verlang« Muster mit Mngobt b. Grwiluschtrn. on von Elten & Keussen, Ffl‘Xd Grafeld. MM ^cheller’s ^Sier-Cognac 135 BehördlicheAnzeigen 581 treffen heute ein bei Ur Kiff'enbczüge 1456 2li 1473 396 Studenten beim Hausverwalter der Universität. für 1239 kaufen. Kessler, Pferdehändler. o j 1469 E. G. «leivheu«. bei Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. 1470 empfiehlt WotttifrTA den 15. Februar 1898, 8*/. Uhr, in der großen Aula der Universität: und »t'bactton: fL tfcetbs. — Dr»ck »mb Verla» der vrühl'scheu U»ioersit2t»-Bach« um» Stctnbrndcrd (Pietsch A Echeyba) ta •tc6• Zs. täglich Lc oon 3 bis 5 Uhr »shnmden Inter, Zeitopser an dem die Dheilnahm rechtzeitig anni ließen, de Großh empfehlen wir: Reinleinen, Halbleinen, Baumwolltuch,. Satin-Augusta, Waschechte bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 8. Februar 1898. Das Stadtbauamt. Schmand t. qu ' R war Bezugzeuge Anfertigung sauber und billig. C. Röhrte Co. Das Setzen und Reinigen der Oefeu in d n städtischen Ge bäuden im "Rechnungsjahr 1898/99 soll Ssmslsg den 19. d Mts., Vormittags ll1/, Uhr, öffentlich verdungen werden. Vorgesehen sind das Setzen bezw. Umsetzen von 168 Oefen und brinffud: die Wfm die । |!8tltnt Mal- u eieorbnettn Spei Sieben, de Groh Sonntag den 13. Februar, Abends S Uhr: Uortrag des Herrn Gymnasiallehrer Dr. Baur Eine Reise in Italien. 2. Theil. ^tain^oi Patentschutz Patent?, Gebrauchs^Mustcr, Musterschutz, Waaren,eichen rc. für In- und Ausk»»d beforflt_ unb verwerthet 1196 Louis Dill Frankfurt a. 9t. t Zeil 67. wird wegen seiner vortheilhaften, blut- bildenden Zusammensetzung und seines hochfeinen Geschmacks von Blutarmen allem Anderen entschieden vorgezogen. Allgemein v. Aerzten empf. — Alleinige Nied.: Löwendrog. W. Kilbioger, Giessen. Herr Director Chis Bansa, Gießen: „Sociales aus Japan“. Jh.äleläiii tnifillt: (9?r. 2443) A Ißggjtn nnb sliich 1898. Sieb"'d" Srohk Karten für Nichtmitglieder sind zu Mk. 1,50, solche für Studenten Schüler zu Mk. 0,50, in der Ricker'schen und KrebS'schen Buch- handluna zu haben.____________________________1458 Ein Haus mit schönem Laden und Lagerhaus, in mitten der Stadt, in bester Lage, worin schon seit langer Zeit ein g tes, rentables Geschäft b trieben wird, ist mit oder ohne Geschäft zu verkaufen Des« gleichen habe noch hier am Platze, sowie in Wetzlar einige gute Geschäftshäuser an der Hand 1381 H. C. Werner. von Dr. Hornefffer, Hotel Einhorn, Abends 8 Uhr. i) Montag den 14 Februar: Nietzsche, der Philosoph und Prophet. 2) Mittwoch den 16. Februar: Der Uebermensch. 3) Montag den 21 Februar: Die Umwerthung aller Werthe. Karten ä 1,50 Mk., Abonnements für 3 Abende 3 Mk., für Studenten ä 0,50 Mk. bei Ernst Ciialller (Rudolphs Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme, die vielen Blumenspmden und Allen, welche dem V rftorbenen das letzte Geleit gaben, insbesondere seinen Herren Collegen und Tit. Station»- beamten, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Dingeldey, sagt herzlichsten Dank Die tteftranernbc Familie Wenderoth. Gießen, den 10. Februar 1898. 1468 Ein Pony sowie mehrere eingetauschte mittel- schwere Arbeits-Pferde zu ver- für Kettung von Trunksucht! J versend. Anweisung nach 22jährtger fcjk approbirter Metbode zur sofortigen M radicalen Beseitigung, mit, auch ohne «L Vorwisien, zu vollziehen, ßfr keine "'S? Berufsstörung. —Briefen sind 60 Pfg. in Briefmarken beiznfügen. Man adresstre: „Prlvat-Aostalt Villa Christina bet Säckingen, Bad-^n". 1421 «a'"* * jRoniofl5- 'S" I1* W W' £> ’i"’1 bngiltgl- «'s' ^«141* Eier-Gemüsenudeln ital. Maccar oni, türk. Zweischen, amertk. Apselringe, la. Sauerkraut vorzüglich kochende Hülsenfrüchte, la. Speise-Rüböl ff. Margarine, fst. 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IV. Hellenisches und Hellenistisches aus Kleinasien. Freitag d. 11. Februar, Abends 8 Uhr. Karten in der Ricker’schen und Ferber’schen Buchhandlung, b krig s SSu’’ Jun,-r ahn I. sucht St-llung u k'esch Anspr, selb w. bereit, sich o. Volontär einzuarbttten. G fl Offert, u. D. M boupoftl. Gießen. 1'7 Abbruch Der Massivbau im Hinteren Theil des Wiener HofeS — früher Holzschneideret, Werkstatt und Wohnungen enthaltend — soll auf Abbruch so vergeben werden, daß alle Materialien Eigenthum des Unternehmers verbleiben. — Nähere Bedingungen find bei den Architecten Herren Stein u Meyer einzusehen und dem Unterzeichneten bis zum 14. d M. Angebote einzuretchen. 1467 Gießen, den 10. Februar 1898. Schlosser. Zuschlagsfrift 14 Tage. Gießen, den 9. Februar 1898. Das Stadtbauamt. Schmandt. 1474 »L MMkW. Freibank. 1417 Heute und morgen; Rindfleisch, nicht ladenrein, per Pfd. 52 Psg. Schweinefleisch nicht ladenrein, per Pfd. 56 Pfg. 1483] Pa. grobkörn. feinschmeckenden VN«« GWOGGOSG G ® 8 Nietzsche-Vorträge r Wittwer, 50 er, eiangel., vermögend, W ohne Kinder, sucht sich mit einer Dame gza in entsprechendem Alter , bürgerlichen j Standes, darf auch vom Land sein, Wttiwe | W ohne Kinder n. ausgeschl, zu verheirathen. Vermögen erwünscht Anonym und Ver- w mittler verbeten. Strengste Discretton tz-J Ehrensache, wird gegebm und verlangt. Offerten unter 0. P. 1318 an die Ex« d peditton dieses Blattes HA Auch Angehörige unserer Mitglieder sind willkommen. Der Vorstand. Schütz® uv er ein. Ausierordentliche HauptversammiW tzMoutag den 14. er., Abends SVz im Schützenhaus. Eine vollständige V.-rr^ckelungs-Etn« richtung mit Dynamomaschine und mit vollständiger Schleiferei ist preiSwürd'g zu verkaufen. Anfragen an die Expedition dieses Blattes 8vd. Nlokel 1446.________ Auswärtige Verkäufcrtn, na tliche Er schetnuna, mit prima Zeugnissen, sucht Stellung in einem G-ichäst. gleich ot-l welcher Branche Offerten unter H. K. Nr. 14K4 an die Ero-°di ion d. Bl______ 1457] Ein anstäi.d ges, dü gerltch er zogenes Fräulein sucht Stelle als Stütze der Haus'rau. Offerten unter J. P. 6 postlagernd Wetzlar. __ Hcff.Fchlmm,,WsciWls Werband Hießen. Sonntag den 20. Februar d. Js., Abends 8 Uhr, im Gießener Aeftsaal (Casö Leib): ; Erster großer Bürger-Maskenball ar Demastzirung 1 Uhr Nachts. "AASI Für Bälle und Maskenbälle empfehle die größte Auswahl in: glumrn, Mudern, Spitzen, Lältzcrn unh W zu den billigsten Preisen. Frankfurter Modewaarenhaus g__________Mathilde Nachmann.___ Werners Waarenhaus Kirchenplatz 11 (Eingang SchloBBgaatw* Lehrling per 1. März oder zu Ostern a. c. für Delicatessen-Handlung gesucht. 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Wiesenstr. 2, HI, Ostanl. 1478) «tallung für zwei Pferde, mit geräumigem Heu- und Futterboden und Burschengelatz. zu vermietben — Näheres bet Max Wel-bLcker, Electro-1 techniker, Seltertzweg Si.i Kirche«platz 15 Wohnung von 2 bis 3 Zimmern an an ständige Leute zu vermiethen k3b Näheres bei S. SooS, Kirchenplatz Wohnung, ~443 3 Zimmer nebst Zubehör, per April an ruhige Familie zu vermiethen. ________Arankfurterstrave 58. 517) Große und kleine Wohnung zu vermleihen. Vahndofstr. 58, il. -vtSmarckstratze 2ti ist der Mansardenstock, 5 ».immer mit Zubehör, per 1. resp. 15. April zu vermiethen. Näheres daselbst im 1. Stock 1241__Georg Wagner. 1014] Durch einen Hauskauf des Herrn Professor Dr. Günther, der seither die 3. Etage meines Hauses inne hatte, ist dieselbe per 1. Mut anderweitig zu vermiethen, Frau Georg Auld«, _________________Ostanlaae 4._______ I4tl] Kleines Logis zu vermiethen. Reustadt 17. 1191] Ein Zimmer zu vermiethen Laudmaunstr. >7.