ft,»ÄS •Ä* - asamenWwe,5?a > Civil- und! &n 1 Wigt in I Wenzel 1 r°ß- 49, H, I ^laswaaren 3«>. M iteST üustctEuf und Kugellager, werden hrt Frankfurt a. B, se 169. >r Quellt \afts. tffmtach a.TL n Qualität. Atdüdtal- irtunn bei @iit, Rbeum- mt 6ltmbei4toetben, von ila. W 9<- fcbltniäine. lti26 . u. Mneialw.'Teltästen. 23. _ Her gebt djm bon b« til nut anl nntm 3u a| n siulllerS fienlu nitl-ub-k-ncklMN ♦litt» ftenlilititt ■'n cu'flefwSL «J Lbn k gut oh bet bet 'loiueLlMblungen. i TillenM c,a. gflqe der Stabt, -- m3* ei,s m 0 y h fil 1861 *•8** * . 1006 MZ^ jpti * Stlben-u 1 fe - Ijjd) - B M. 132 Erstes Blatt. Dmmcrsta« den 9. Ium 18»8 Orfchetnt tägNch mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener N«mitiendtLtter •erben dem Anzeiger «Schentlich viermal beigelegt. Gießener Anzeiger »t\xwt*s »ierteljährttch 2 Mark 20 Pf§. monatlich 76 Pfg. mit vringerloh«. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf«, vierteljährlich. Ännahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den Pvlgmdm Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und OnMaatef nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger nttGWMu Zlints- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter haben würde. Die Larlisten würden fich dann al« Retter de« Vaterlandes auSsptelen, was bedauerliche Erschütterungen Hervorrufen würde. Die ihm zugeschriebene Absicht, ein Triumphirat mit Wryler und Robledo zu bilden, habe er niemals gehabt. Die Lhancen der Republikaner seien wieder steigend und er erwarte, plötzlich nach Madrid berufen zu werden. Washington, 7. Juni. Vom Avtsodampfer deS „New- York-Herold" wird gemeldet, daß der amerikanische Kreuzer „Merrimac" nicht am Eingänge der Hafen« von Santiago, sondern 500 Meter davon entfernt zum Sinken gebracht worden sei. Wenn die Bucht gesperrt werden solle, sei e« nöthig, noch mehrere Schiffe zu versenken. Die öffentliche Sicherheit. Deutschland ist ein mächtige« Reich unb vou einem -rivilifirten Volke bewohnt, da« na» landläufiger Ansicht den Inbegriff der Vollkommenheit in fich vereinigt. Diese Meinung erscheint freilich in etwas eigenthümlichem Lichte, wenn man da beiläufig hört, daß die Zahl der Gefängntffe und Zuchthäuser nicht auSreicht, daß immer größere Summen deS Nationalvermögens zum Zwecke der Unterbringung und Anterhaltung von Gefangenen geopfert werden müffen. Wir wollen damit unser deutsches Volk nicht herabsetzeu noch sein Ansehen irgendwie schädigen, da die Erfahrung lehrt, daß e« in anderen Ländern nicht besser steht, daß vielfach die Rohheit und das Laster noch weit größere Kreise ziehen, al« e« bei uns der Fall ist. Aber wir dürfen uns nicht verhehlen, daß ein gewisser Prozentsatz desselben von den Wegen des Recht« abweicht und fich in manchen Fällen deS Namens Mensch geradezu unwürdig zeigt. Im Allgemeinen halten wir unS in Deutschland für so sicher wie da« Kind in der Wiege. Wir haben bis auf'S 'kleinste Detail eingehende Gesetze gegen Uebergriff unserer Mitmenschen, und eine wohlorgauifirte Polizei sorgt dafür, daß un« ein gehöriger Schutz zu Theil wird, dag die Gesetzesbestimmungen genau befolgt werden. So ist z. B. der öffentliche Verkehr geregelt durch weitgehende Polizetverord- uungen, ebenso hat man das geistliche Wohl des Staatsbürgers im Auge gehabt bet dem Erlaß der Bestimmungen Lber die SonntagShetligung. Daß au der allgemeinen Sicherheit aber doch noch vieles fehlt, das beweisen die blitzartig das öffentliche Leben durchzuckenden Vorgänge, welche die Berliner Extrablattverkäufer unter dem Rufe „Neuester Mord!" zu verkündigen pflegen. Im Laufe der letzten Zeit haben fich derartige Ereigntffe gehäuft und insbesondere ist die Reichshauptstadt an denselben in bedenklicher Weise be- theiligt. Merkwürdiger Weise haben fich die meisten dieser Grauen erregenden Vorgänge, bet deren Schilderung mau wirklich daran zweifeln konnte, daß der Mensch dasjenige Wesen ist. welches Gott am ähnlichsten sein soll, nicht etwa an der Peripherie Berlins, wo die Stille und Ruhe, welche daselbst herrschen, derartige Verbrechen begünstigen, sondern inmitten der Stadt, wo die Bevölkerung fick dicht zusammen- drängt, wo da« Leben pulfirt und regster Verkehr herrscht, zugetragen. Häuser, deren Einwohnerzahl derjenigen eine« 'kleinen Dorfe« gleichkommt, find zum Schonplätze von Greuel- thateu geworden, die in der letzten Zett meist ungesühnt bleiben mußten. Die heutige Zeit entflieht schnell, und besonders in der Großstadt häufen fich die Ereigntffe derartig, daß der Erinnerung an einen einzelnen Vorgang nur eine kurze Spanne Zeit gewidmet werden kann. Viele der Verbrechen, die bis- her ungefühut blieben, find in der Öffentlichkeit fast ganz vergessen und ' beschäftigen — davon find wir überzeugt — nur noch fortgesetzt unsere Behörden, deren guten Willen und Eifer Niemand in Zweifel stellen kann, denen aber der Erfolg gefehlt hat. Deshalb wolle« wir hier nicht auf frühere Vorgänge zurückgretfen, sondern die neueste Blutthat in Berlin, die Ermordung der Dirne Bertha Singer auknüpfen. „o . Man hört in nicht seltenen Fallen sagen: „Es ist ja nur eine Dirne, die da hingeschlachtet worden ist und die That durch ihren Lebenswandel selbst herausbeschworen hat. Richtig ist es, daß eine große Zahl der Opfer, welche in den letzten Jahren das Verbrechen des Mordes forderte, fich au« den Kreisen rekrutirt, welche dar Tageslicht zu scheuen und die Berührung mit der großen Oeffentlichkeit zu vermeiden haben. Ferner ist nicht zu leugnen, daß der Erwerbszweig dieser auf der niedrigsten Stufe de« Menschengeschlechts stehenden Opser die Möglichkeit begünstigt, die Verbrechen ungesühnt zu lassen. Aber darum ist doch die Gefahr, welche au« den Vorgängen und jetzt wieder aus der That in der Oranten- ftrak- ,u Berlin für den übrigen Theil der Bevölkernng spricht, nicht geringer auzuschlagen. Man sieht von Neuem, e« können die schwersten Verbrechen begangen werden inmitten riue« dicht bewohnten StadttheilS, ohne daß da« Auge de« Gesetze« die« verhindern kann. Darin liegt nicht nur ein Grund zur Beunruhigung der gesawmten Bevölkerung, sondern auch ein Ansporn für die Verbrecher, mit ihren Greuelthaten nicht allzu sparsam zu fein und öfter mit denselben hervor- zutreteu. Wir sind der festen Ansicht, daß unsere Behörden eifrigst bemüht sind, nicht nur Licht in die letzten Affairen zu bringen, sondern auch Alles daran zu setzen, um einem Umsichgreifen der Rohheit und Verworfenheit vorzubeugen. Ob e« sich aber empfiehlt, in dieser Hinsicht Alle« einzig Adresse für Depeschen: Anzeiger Stege«. Fernsprecher Nr. 51. Anstand Rom. 7. Juni. Die italienischen Truppen ver- bleiben bi« zur vollständigen Lösung der Kretafrage auf Kreta, während Canevaro nicht besetzt werden soll. Pari«. 7. Juni. Die hiesige Ausgabe de« „New-York Herald" meldet aus Manila, die Lage der Spanier daselbst habe fich bedeutend gebessert. Der Lommaudant ließ den Vetter AgutnaldoS erschießen, weil derselbe fich weigerte, gegen die Insurgenten zu kämpfen. Viele Insurgenten sind durch da« Angebot von 50 000 Schilling für den Kopf Aguiualdo« zu Verrätheru geworden und warten nur die Gelegenheit ab, diesen abzufangen und den Spaniern auözu- liefern. Paris, 7. Juni. Die chinesische Regierung bewilligte Frankreich die Eise »bahn conc es sion von Pathoi bi« Manin g fu im Sikiangthale, die Errichtung einer Sühne- capelle im Kuang, wo die Missionare ermordet wurden, und 100000 Franc«. London. 7. Juni. Die Blätter berichte« au« Washington, daß die Amerikaner Portorico nicht angretfeu werden, da man glaubt, Spanien werde wegen de« Frieden«- schlusse« Eröffnungen machen. Wenn die« nicht der Fall sein sollte, dann werde ein weitere« amerikanische« Geschwader nach den canarischen Inseln abgehen. Madrid, 7. Juni. AuS Hongkong wird gemeldet, daß die Zahl der Aufständischen in der Umgegend von Manila täglich zunimmt. Mehrere Städte sollen bereit- eingenommen sein. Madrid, 7. Juni. Der Führer der Republikaner, Lastelar, versicherte einem Berichterstatter, daß, wenn die Königin-Regeuttn einen für Spanten ungünstigen Frieden ab- schließen würde, dies für die Dynastie die schwersten Folgen w . . ' ■ ■ ■ — Rebaction, Lxpebition unb Druckerei: Schukgrug« Ar. 7. gesetzgeberisch ordnen zu wollen, möchten wir jedoch bezweifeln und empfehlen, daß unsere berufenen Organe mit Männern de« practischen Leben«, die in der Gemeindeverwaltung oder sonst reiche Erfahrungen für die Bedürfnisse der Bevölkerung oder für die Erkennntuiß der Mängel, an denen unsere öffentliche Sicherheit leidet, fich erworben haben können, in Verbindung treten und in gemeinsamer Berathuvg feststellen, wa« geschehen muß, um das Vertrauen des Volk« in unsere Polizei und in die Sicherheit, welche der Staat dem einzelnen Bürger gewähren soll, wieder zu heben. Wenn damit Erörterungen verknüpft werden, in welcher Weise unserer Nation am besten die Religion erhalten werden kann, die immerhin den kräftigsten Schutzwall gegen baß Ueberhandnehmen der Verbrechen bildet, so können wir un« damit nur völlig einverstanden erklären. (xx) Deutsches Reich. Berlin, 7. Juni. Die drei n:ueu großen geschützte« Kreuzer „Victoria Louise", „Freya" und „Hertha", deren Indienststellung nahe bevorsteht, sollen nach einer Kieler Meldung nach Beendigung der Probefahrten zu den großen Flotteu-Mauöveru herangezogeu werden. Die schnelle« Kreuzer werden den Geschwader« al« Aufklärungsschiffe zu- getheilt. Nach Beendigung de« Manöver« gehen zwei der Schiffe in« Ausland, eine« nach Ostafien, eines nach Süd- amertka, das dritte wird vorerst in der Hetmath bleiben. Berlin. 7. Juni. Der „Vorwärts" veröffentlicht jetzt die vollständige Cavdidatenltfte der soctaldemo- kra tisch en Partei. Die Soeialdemokcatie hat in 396 Wahlkreisen eigene Candtdateu aufgestellt, also in sämmtlichen ReichStag-wahlkreisen, mit An-nahme eine« einzigen. Berlin, 7. Juni. Durch die Zeitungen ist kürzlich die Nachricht gegangen, daß die amerikanische Regierung die Ausfuhr frischen Schweinefleische« nach Deutsch, land verboten habe. Diese Nachricht ist insofern nicht zutreffend, al« die amerikanische Regierung nur die verlangte Ausstellung von Gesundheitsattesten für diese Fletschsendungen abgelehnt hat. Damit ist allerdings die Einfuhr jener Fleisch- seuduugen bet un« unmöglich geworden. Von einschneidender Bedeutung für unsern Fleischmarkt wird dieses Vorgehen aber nicht sein, da die ganze Etnfuhr frischen Schweinefleische« im letzten Monat April überhaupt nur 1893 Dopprlcentner betragen hat. Hannover. 7. Juni. Die sich hier zu ihrer Ausbildung aufhalteude« Söhne de« Präsidenten der Dominikanischen Republik, Heureaux, erhielten gestern ein Telegamm, daß die Meldung von der Ermordung ihre« Vaters unbegründet sei. Derselbe befinde sich durchaus wohl. wahlbewegnng. . A Mainz. 7. Juni. Die deutschfreisiunige Parret hier beschloß gestern Abend sür den Eandidatm der Nattoualliberalen, Landwirth Dettweiler vou Laubenheim, einzutreten. An den Beschluß wurde tudeß die Bedingung geknüpft, daß der Caudtdat fich schriftlich zu de« Principien der deutschfreifinutgen Partei bekenne.__ Loeales unb provinzielles. Sieben. 8. Juni 1898. •* Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog hat, wie wir erfahren, au« Anlaß de« zehnjährigen Regierungsantritt« Seiner Majestät de« Kaiser« dem Regiment Kaiser Wilhelm Haarbüschel verliehe«. Anläßlich dieser höchsten Verleihung findet am 15. d«. Mt«., Mittag« 12i/8 Uhr, eine Parade de« Regiments auf dem Trieb statt. ** PostperfonslNachrichten. Ernannt find: zum Ober- Postaffisteutea der Postassifteut Nörr in Mainz, zum Ober- Telegrapheuasfistenteu der Telegrapheuasfisteot Georg i« Mainz. Angetzellt ist der Postasfistent Ditter au« Darmstadt in Worm«. Angenommen ist zum Postageute« der Gemeindeeinuehmer Schwamb in Undenheim. Freiwillig auSgeschteden ist der Postageot Hager in Undenheim. •• Die Feier der Grundsteinlegung zum neue« Schwestern- Hause nahm unter zahlreicher Betheiligung von Vertreter« der staatlichen und städtische« Behörden, der bürgerliche« und kirchliche« Armenpflege und von Mitgliedern und Freunde« de« Vereins einen schönen und erhebenden Verlauf. Ein ausführlicher Bericht ist un« zugesagt und wird in Kürze folgen. KreiS Lehrercoufereuz. Montag den 6. Juni wurde in „Steins Garten" die diesjährige KreiSLehrer-Loufereuz deS Kreises Gießen unter dem Vorsitz des Herrn Pro- vtnzialdtrector«, Geheimrath v. Gagern, abgehalten, woran außer den Herren Oberbürgermeister Guauth, Deca« Wahl und Profeffor Fromme fast sämmtliche Lehrer de« Kreise« thetlnahmen. Nachdem der Vorfitzende die Erschienene« begrüßt und die Coufereoz eröffnet hatte, gedachte er in warmen Worten der im verflossenen Jahre verstorbenen College« und forderte die Versammlung auf, ihnen ein freund- liche« Andenken zu bewahren, waS dieselbe durch Erhebung von den Sitzen bekundete. Nun ergriff Herr KretSschul- inspector Dr. Luciu« das Wort, um die vou ihm ausgestellten statistischen Mittheilungeu über da« Schulwesen deS Kreise« bekannt zu geben, woraus erhellte, daß im Kreise Gießen in 79 Gemeinden 176 Lehrer und zwei Lehrerinnen wirken. Die Schülerzahl beträgt 11079 und zwar 5439 Knaben und 5640 Mädchen, wovon 10 765 evaugel., 185 kath., 175 isral. und 4 anderen Bekenntniffe« find. I« allen 79 Gemeinden bestehen Fortbildungsschulen, welche von 1864 Schülern besucht wurden. Hierauf hielt Herr KretSschultnspecor einen sehr lehrreichen, wohldurchdachten Vortrag über die wissenschaftliche Pädagogik der «eueren Zeit mit besonderer Berück- fichtigung Herbarts und behandelte im ersten Theil Ziel und Grundlagen, im zweiten Inhalt der allgemeinen Pädagogik. Ale Ziel gab Herr Dr. Luciu« die Erzeugung der Character- stärke der Sittlichkeit im Zögling, und als Grundlagen die Ethik und Psychologie an. Nachdem er klar gemacht, wie au« dem Willen die Handlung entspringt, zeigte er — durch packende Beispiele erläutert — die sünf Grundlehreu, auf welchen die Ethik beruht, wie also der Wille frei, vollkommen, wohlwollend, ernstlich und billig sein müsse. DaS schwere Kapitel der Psychologie wußte er durch ein treffliche« Beispiel verständlich zu machen, indem er daS Gehirn bezw. Seelenleben mit einer Bibliothek verglich, worin lauter unbeschriebene Blätter fich befinden, welche durch die Nerven als die Träger der äußeren Eindrücke sodann beschrieben würden, wodurch Wahrnehmung, bet öfterer Wiederholung Vorstellung — also Perception und Apperceptioa entsteht. Im zweiten Thetle behandelte er sodann ausführlich die drei Functionen: Ge- wöhnang, Unterricht und Zucht, die sechs verschtedeneu In- terrfseu al« Mittel, den Unterricht fruchtbringend zu gestalten und endlich die von Herbart ausgestellten vier Formalstufen, Klarheit, Association, System und Methode, sowie die voo Ztller u. Rein zugefügte fünfte Stufe: die Analyse. Auch bei Betrachtung dieses zweiten Theils ließ Referent sein oben« erwähntes Beispiel der Gehirn-Bibliothek wie einen rothen Fadeu durchlaufen und nannte, um e« nur kurz aozudeuten, die Klarheit da« Zusammeofügen der Blätter zu Bäadeu, do« System, die Regtstrtruag derselben und die Methode, die Benutzung dieser Bände. Der ganze Vortrag ließ den scharf- denkenden Gelehrten und practischen Schulmann erkennen und trug durch seine Klarheit und die geschickte Auswahl seiner Beispiele — aus dem Schullebeu entnommen — viel dazu bei, daß die Zuhörer forrab mit größerem Berstäodniß neuere pädagogische Werke studiren können. Zum Schluffe faßte Herr KreiSschuliusprcior den reichen Stoff, welchen er in bet* hältnißmäßig kurzer Zeit behandelt, nochmals zusammen und wieS darauf hin, wie man an der Zahl 1 bi« 6 da« ganze Gebiet übersehen könne, denn e-enthalte: I.Ziel, 2. Grundlagen, 3. Functionen, 4. Formalstufen, 5. Grundlehren und 6. Interessen. Nachdem der Vortrag beendet, verkündete der laute, anhaltende Applau« der Zuhörer, wie dankbar derselbe, weil intereffanr und belehrend zugleich, ausgenommen worden war. Doch eine solche Arbeit verdiente mit Recht noch mehr Anerkennung, we«halb der Vorsitzende, Herr Provinzialdirector Geheimrath v. Gageru dem Referenten auch noch in beredten Worten den Dank der Versammlung aussprach. Bei dem an die Conferrnz sich anschließenden Mittagessen brachte Herr Provinzialdireckor einen Toast auf ®e. König!. Hoheit den Großherzog, Herr Oberlehrer Hahn auf die Großherzogl. Krei«schulcommisfion Gießen und Herr Krei«schulinspector auf die Lehrerschaft aufl; auch folgten einige musikalische Borträge, welche zur Unterhaltung viel beitrugen. Al« endlich die Zeit zum Aufbruch nahte, trennte man sich mit dem Bewußtsein, heute wieder lebhafte Anregung zu neuer Thätig- keit erhalten zu-haben zum Nutzen der Schule, der Gemeinde und des Staate«. *• Für Steuerpflichtige. Da« Großh. Ministerium Hot die Frist zur Vordringung von Reclamarionen gegen die directeu Steuern für dieses Jahr bi« zum 10. Juli verlängert. •• MUtär-Coucert. Mittwoch den 15. d. M. wird die infolge ihrer Hervorrageoden Leistungen mit Recht überall werthgeschätzte Capelle de« Halberstädter Kürassier- Regiment« v. Seydlttz (BiSmarck Kürassiere) unter der bewährten Leitung ihres tüchtigen Dirigenten, de« König!. Mufikdirector« Herrn Ad. Damm, in Stein« Garten cou- certiren. Hat da« Regiment durch die todeSmuthige, schneidige Reiteraitake bei Viooville sich unvergleichliche Lorbeeren errungen, so leistet dessen TrowpetercorpS in friedlichem Wettstreit Ebenbürtiges. Einer weiteren Empfehlung bedürfen die wackeren Musici nicht, Liebhaber und Kenner sind ihnen sicher gleicherweise gewogen. ** cf Theater Verein. Dilettaoten-Dorstellung am 10. Juni im Gießener Festsaal. Kundige Thebaoer, da« heißt solche Kunstkenner, die etwas von der Bühne verstehen oder verstehen wollen, legen, bei ehrlichster Bewunderung hervorragender Bühnengrößen, den Hauptwerth auf da« Ensemble. Meiningen, welche« seiner Zeit, der Deutschen Bühne vorbildlich, die Wege zum Erfolge wie«, hatte die« lediglich seinem Streben nach Unterordnung de« Einzelnen der Gesammtheit gegenüber zu verdanken. Specialitäten find von Meiningen nie auSgegaugen. Tüchtige Mimen hat Meiningen erzogen, besessen und besitzt sie noch, aber Gießen ist ihm denn doch gewaltig über. Vergeblich suchen wir in dem Personalbestand Meiningen«, der die wohlklingendsten Namen aufweist, Professoren-Damen, Regierung«räthe und höhere militärische Aerzte, selbst die Meininger waren nicht so realistisch, für die Wieder» gäbe deS Prinzen Hamlet dem dänischen Hofe ihre Soniracte eiozusenden. Auch wa« das vorhin citirte Ensemble anbetrifft, schreitet Gießen an der Spitze der Eivilisation, selbst die bewährtesten auswärtigen Kunsttustitute begnügen sich mit einem kleinen Theil der Proben für die schwierigsten Dramen, die da« Gießener dem guten „Han« Huckebein" widmete. Bet solcher Gewiffenhaftigkeit find Kunstpausen, Liebäugeleien mit dem Souffleurkasten und hervorragende Mitwirkung au« demselben auSgeschloffen, vielmehr ist verbürgt ein Ensemble ohne Gleichen. •• Zur internationalen Hundeausstellung find bi« jetzt circa 600 Hunde gemeldet, ein Resultat, auf welche« da« AuSstelluugscomitü mit Befriedigung zurückbltcken kann. Besonder« stark vertreten find die Klaffen der deutschen kurzhaarigen Vorstehhunde mit 120 Exemplaren, die langhaarigen »it 25, Pudelpoimer mit 30, die Erdhunde (Foxterrier« und Teckel) mit 120. Unter den LuxaShunden steht die Eollectivau«stellung des Club« sür rauhhaartge Terrier« mit 40Ttredales an der Spitze- ihr folgt mit 29 der besten und edelsten Doggen der Nationale Doggenclub. Auch da« Ausland ist durch erstklasfige Thiere vertreten- insbesondere find au« Böhmen und Luxemburg, sowie auS der Schweiz hochedle Vorstehhunde gemeldet. Von reuommirten Züchtern erwähnen wir: Jean Fu ß Höll er - Siegburg (Barsoi«), Gräff- Bingen (Kurzhaar) B r ö k i n g - Vorhalle (Kurzhaar), Premierlieutenant Schlotfeld Hannover (Drahthaar), Baron v. Giugins-Eronberg i. T. (Griffon«), Förster Lüthje- Albinghoff und Dr. Steffens-Lollar (Deutsch Laughaar), Haß und Groß-Gießen und Sch äs er* LaaSphe (Pudel- pointer und rauhharige Teckel), Lieutenant Jlgner Biebes- heim (Teckel). Foxterriers stellen au« die Zwinger: Rhenania, Nassovia, Mosella und Urian. Unter den LuxuShunden finden wir da« beste in Deutschland rxistirende Material in Collie«, Doggen, Bernhardinern und Pinschern :c. i •• Hiacichtuug. Heute Morgen 6 Uhr wurde im hinteren Hofe de« Provinztal-ArrefthanseS der am 10. März d. I. Dom Schwurgericht wegen Morde« zum Tode verurtheilte, 63 Jahre alte Taglöhner Earl Konrad IV. von Rainrod durch den sächsischen LandeSscharsrichter Brand von Hohen- Itnbe hingerichket. Die Eingänge zum Justizgebäude waren schon von 3/46 Uhr ab durch Doppelposten besetzt, während tm Gesängnrghof eine starke Militärabtheilung unter Gewehr stand. An der Richtstätte waren Oberstaatsanwalt Dr. Günge- rich, Staatsanwalt Koch, Staatsanwalt Zimmermann und GerichtSaccesfist Dr. Bopp, sowie die Landgerichtßräthe Dr. Schäfer und Seeger und außerdem etwa 40 Personen versammelt. Der Delicqaent betrat in Begleitung des Herrn Pfarrer Schlaffer, zweier Gendarmen und einiger Gefängniß- beamten mit dem Glockenschlag 6 Uhr den Gesängnißhof. Staatsanwc.lt Zimmermann eröffnete dem Berurtheilten, daß, nachdem das gegen ihn ergangene Urtheil rechtskräftig geworden und der Großherzog von dem ihm zuftehenden Begnadigungsrecht abgesehen, er ihn dem Nachrichter übergeben müffe. Pfarrer Schlaffer sprach hierauf ein kurzes Gebet, während deffen Konrad beide Hände vor sein Gesicht legte und schluchzte. Der ganze Act der Hinrichtuog vom Betreten des Gefängnißhofe« seitens des Berurtheilten dauerte 41/, Minuten, vom Betreten der Treppe des Schaffots bi« zum Fallen de« Richtbeiles aber nur 35 Secunden. Die Leiche des Hingerichteten wurde in die Anatomie geschifft. Vor dem Justizgebäude hatten sich über hundert Personen au- gesammelt. ** Vom Feldberg. Zum 45. Feldbergfeste hat der zuständige Ausschuß nunmehr seinen Au fr ns an alle Turner und Turnfreunde ergehen lassen und gern schließen wir uu« demselben an, um ebenfalls unser Scherflein dazu beizutragen, daß dieses volk«thümlichste aller Feste in den weitesten Schichten unsere« Volke« Widerhall finde. Ein Turnfest und ein echtes Volk-fest ist e«, werth, daß alle Vaterland-freunde e- besuchen und fich laben an Gotte- freier Natur und dem Treiben unserer Turnjugend. Vom Feldberg flammten 1814 am 18. October die Freudenfeuer zur Feier der Schlacht bei Leipzig auf, und kein anderer, al- unser unvergeßlicher E. M. Arndt, war e-, der um die Mitteruacht-stunde bei loderndem Feuer an da- versammelte Volk seine begeisterte Rede von Deutschlands Freiheit und Einheit hielt. Das war da« erste Feldbergsest, und treu haben unsere Turner ihr Kleinod gehütet. Zu unendlichen Malen war seitdem der Feldberg da- Ziel der Wanderung von Jung und Alt. Nicht leicht war der pfadlose Aufstieg, und da, wo jetzt gastliche Häuser den müden Wanderer aufnehmen, war nicht« al« der kahle, kalte Berggipfel. Und trotzdem zogen die Turner dahin, dem turnerischen Wettkampfe obzuliegen, und al« vor 50 Jahren, 1848, wiederum von August Ravenstein-Frankfurt, M. Kuhl und K. Braubach Butzbach und Friedr. Emrntng- hauS-Wiesbaden der Ruf zum Feldberg erscholl, da waren e« auch die deutschen Schützen, die herbeieilten, um zum Feste beizutragen, getreu ihrem Wahlspruch: „Heb’ Äug' und Hand für« Vaterland!" Eln Sternschießen war e«, das damals veranstaltet wurde- ein Borschießen hatte an den bürgerlichen Schießständen am Oberforfthaus zu Frankfurt statt- gesunden. Gern würden e« die Turner sehen, wenn fich die Schützevbrüder mit ihnen nach 50 Jahren zu gemeinsamem Feste wieder vereinigten, und wenn die alten Schützen oben auf dem Gipfel des Feldberg« alte Erinnerungen wach riefen und neue mit nach Hanse nähmen. 16 Schützen wurden damals als Sieger auflgerufen: Von Homburg 2, Falkenstein 1, Butzbach 2, Darmstadt, Frankfurt, Idstein und Seulberg je 1, Friedberg 4, Oberursel, Gernsheim und Königstein je 1. Kommt zu uns, ihr Schützen vom Freiheitsjahre, zum fröhlichen Thun am Abend des 18. Juni im alten Feldberghause. — Aber auch ihr alten Turner, kommt! Sieger im Turnen 1848 waren folgende: 1. Ringen: Han« Porte- Franksurt, Paul Martel-Darmstadt, Pfaff-Königstein, Jean und Joseph Hildmann Oberhöchftadt, Lehrer Jung-Walsdorf, Karl Th. Stork-Frankfurt und Fritz Becker-Usingen. 2. Wettlauf: W. Lindenschrnidt-Mainz, Karl Braubach- Butzbach, K. Brendel-Arnoldsheim, Fritz Scheller-Homburg, Louis Bolte-Frankfurt, Franz GrooS Offenbach, Jakob Heim- Frankfurt, Philipp Henrici-Anspach. 3. Steinstoßen. Friedrich Jakobi Ufingen, Anton Kämpf und Kteser-Cronberg, Franz Denfeld und Fritz Scheller-Homburg, Schmidt-Falkenstein, Fritsch-Anspach und H:inrich Knodt Bockeoheim. An alle Turnvereine ergeht die Bitte, diese alten Kämpen zu ermitteln und fie zu uns zu schicken. Aber auch an alle anderen Anwohner des Rheins, der Lahn und des Maios ergeht der Ruf: Zum Feldberg am 19. Juni! Da, wo 1848 an 10000 Köpfe fich versammelten zum hehren Tnrn- nod Volksfest, da sollte jetzt die zehnfache Zahl fich vereinigen, des Tage« Last und Mühe abwerfen und hinan- pilgern zum Vater Fcldberg, fich freuen an den markigen Gestalten der Turner, sich freuen der herrlichen Fernsicht in die gesegneten Gefilde des deutschen Vaterlandes, alte Freunde begrüßen und ölte Erinnerungen wach zu rufen und so nach Kräften dazu beizutragen, daß das Feldbergfest unser schönstes Volksseft bleibt. Turnfahrten sollen ausgeführt werden, die Jugend soll man heran führen, um fie unserem Turnen zu Freunden zu machen, und die Alten sollen ihnen zn Führern dienen. So muß sich das Feldbergfest gestalten, dann ist sein Zweck erfüllt: Ein echtes, wahres Volksfest zu sein und zu bleiben. Gut Heil! ** Vom Deutschen Turnfest in Hamborg. Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei im Anschluß an frühere Mit- theilongen ausdrücklich bemerkt, daß mit den Sonderzügen nach Hamburg auch Frauen fahren können und dann selbstverständlich alle FahrtvergÜostigungen genießen- Festkarten (zum Eintritt auf den Fefiplatz rc.) werden an Frauen nicht abgegeben. Die Kreisleitung wird sich bemühen, daß der Fest-Ausschuß in Hamburg die Bortheile, welche für Turner mit dem Besitz einer Festkarte verbunden find, auch auf die von „Turnschwestern" gelösten Dauerkarten Überträgt. •• Auf dem 21. Deutschen Fleifcher-LeebemdStag, der am 21. und 22. Juni in Hannover abgehalten wird, dürften- folgende Punkte der Tagesordnung, welche wir der .Allgemeinen Fleischer-Zeitung" entnehmen, von allgemeinem Interesse fein: „Der Berbandstag wolle den Vorstand bei Deutschen Fleischer-VerbaodeS beauftragen, wegen der Aufhebung des Einfuhrverbotes für lebendes Schlachtvieh geeignete Schritte zu thun. Der Deutsche Fleischer-verband wolle dahin streben, daß ausländische Worstwaaren und sonstige Erzeugnisse des Fleischergewerbes tm Deutschen Reiche nur zum Verkaufe zugelassen werden, wenn die gesetzlichen Vorschriften, welche für die gleichen inländischen Fabrikate festgesetzt find, ebenso genau dabei zur Ausführung gebracht werden. Der Verband möge bei der ReichSregieruog resp. dem Bundesrath auf entsprechende, gesetzliche Besteuerung der Consumvereioe hinwirken, wie es bereits einzelne Bundesstaaten thun, womöglich auf Einführung bei Vedürsnißnach« weises Hinweisen und denselben anstreben. Eingabe an den Herrn Reichskanzler, daß eine gesetzliche Bestimmung über die Verwendung von Eonservirungsmitteln im Fleifchergewerbe erlassen werde. Herausgabe einer Zusammenstellung der Namen der einzelnen Fleischstücke in den verschiedenen Laude«- theilen durch den Verband. Der Vorstaad wolle an zuständiger Stelle dahin wirken, daß bei gerichtlichen Verhaut- langen gegen Fleischer auch praktische Sachverständige, d. h. Fleischermeister, gehört werden. •• Für Gartenbesitzer. Die Raupe de« Ringelfpinn er« und der Gespinvstmotte machen fich in recht unangenehmer Weise wieder bemerkbar. Namentlich find e« die Pflaumenbäume, die unter dieser Plage zu leiden haben. Auch die Raupen des Apselwickler« treten in diesem Jahre in größerer Masse auf. Gartenbesitzer thun daher gut, ihre Bäume, und zwar nicht nur einmal, sondern täglich, aufmerksam zu beobachten und diesen Schädlingen energisch ent», gegen zu treten. A Mainz. 7. Juni. Wie die „Mainzer Nachrichten" aus gurer Quelle erfahren haben wollen, soll au- Überzähligen Regimentern eia neues Armeekorps mit dem Sitze in Mainz gebildet werden. Mit dem am 1. Oktober erfolgenden Rücktritt des Gouverneur« v. Holleben werde der Posten de« Gouverneur« hier-nicht mehr erneuert unfr soll vielmehr der Commandeur de« neu zu bildenden Armee- corp« gleichzeitig die Geschäfte de« Gouverneur« Übernehmen. Al« Commandant de« neuen Armeecorp« wird der Erbprinz von Baden genannt. Schwurgericht. W. Gießen. 7. Juni 1898. Fortsetzung der Verhandlung gegen Heinrich Sonntag von Gießen wegen Mcmeid. Nach Schluß der Beweisaufnahme werden den Geschworenen folgende Schuldfragen oorgelegt: 1. Ist der vorn dem Angeklagten am 25. Januar d. I. vor dem Amtsgericht Gießen geleistete Eid wissentlich falsch abgelegt? Im Fall der Verneinung der Frage wegen Meineid: 2. War dieser geleistete Eid ein fahrlässiger Falscheid? Hieraus nimmt Staatsanwalt Koch zur Begründung der Anklage da« Wort. Derselbe geht kurz die Beweisaufnahme durch und erklärt, daß durch dieselbe heute nicht erwiesen fei, daß der Angeklagte einen Meineid geleistet, wtßhald er den Antrag stelle, die Jury möge die dahin gerichtete Frage verneinen Ander« liege die Sache betreff» der zweiten Frage. Der Angeklagte fei verpflichtet gewesen, am 25. Januar Alle-, was er damals befaß, in dem beschworenen DermögenSverzeichn-ß anzugeben, e- konnte nicht seinem Ermessen Überlassen bleiben, ob bie nicht angegebenen Gegenstände mehr oder weniger von Werth waren. Er sei ausdrücklich gefragt worden, ob er feine Ausstände habe, und da hätte er mindestens diese Frage gewissenhaft prüfen und beantworten müssen. Der Angeklagte habe leichtfinnig und fahrlässig bei seiner Eidesleistung gehandelt und müsse die Eonsequenzen seines Thuns nagen. Der Staat-anwalt bittet die Geschworenen, die Frage wegen fahrlässigen Falscheides zu bejahen. — Der vertheidiger, Rechtsanwalt Grünewald, weift darauf hin, daß die Staatsbehörde schon vor der heutigen Verhandlung über dasselbe Beweismaterial verfügte, wie es eben den Geschworenen vorgesühn worden. ES habe dies Material seiner Meinung nach nicht hingereicht, um die Anklage wegen wissentlich falschen Eides zu begründen. Der vertheidiger begründet eingehend seine Anficht, daß sein Client -war objektiv Falsche« beschworen, daß ein strafrechtliches Verschulden denselben aber nicht treffe. Da« Wesen des OffendarungSeideS gehe dahin, daß der Schuldner pfändbares vermögen angeben solle- dieses habe der Angeklagte nicht gehabt. Der vertheidiger plaidirt auf Freisprechung des Angeklagten. — Die Geschworenen verneinten die Schuldfragen, worauf der Gerichtshof den Angeklagten freisprach. die Kosten deS Verfahrens einschließlich der Kosten der nothwendigen vertheidigung der Staats kaffe auferlegte und die Entlassung des Sonntag aus der Haft verfügte. W. Gießen, 8. Juni 1898. Heute Vormittag wurde in die Verhandlung gegen die unbestrafte, 23 Jahre ölte, unverehelichte Ellsadethe Schnabel von Hemmen wegen KindeSmord eingetreten. ES waren sieben Zeugen und als mediclvische Sachverständige Dr. Weißgerber-Lauterbach und Kreisarzt Dr. Haberkorn- Gießen geladen. Die Angeklagte war zuletzt in Uellcrshau en al« Dienstmagd und ist geständig, am 20. März d. I- »h* uneheliche« Kind In oder gleich nach der Geburt unter der Bettdecke absichtlich getödtet und die Leiche des Kindes in die Senkgrube geworfen zu haben. Die Vertheidigung führt Geh.- Justtzrath Batst, die Anklage vertritt Gerlchtsaffeffor Dr. «opp. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oiffentlichkeit statt und endigte, nachdem die Geschworenen die Angeklagte unter Zubilligung mildernder Umstände für schuldig erklärt hatten, mit der verurtheilnng derselben zu 2 Jahren 6 Monaten 'Sollte, »la ">«, J. l« * «4» ** J* 8* g,?1 Itt w? d» Ä'1- « °. »Q, ?**?<«»b * -- ?£*“»■*** e’*»«PänNge, b. ••'»« bte siin|11, ' "* Ü4 ta t» “L, M » 1 W 1« Wien to„, '«»i« Metern g* >' 6«i tchr w i(„ "‘M >-!>>», ul. 5®atltngen ««M (1i. •K«ii|it Nritta' «olltn, soll auf örmeecorpB M (ib Kir dm am 1, Qcitht mi 6. hollkbka unfi «iil Sufni11gii«l= Gefänguiß. Die Verurtheilte erkannte bie Rechtskraft bei UrtheilS sofort an. Aus der Zeit für die Zeit. Vor 117 Jahren, am 9. Juni 1781, wurde zu Wylane (Newcastle) der Begründer des Eisenbahnwesens Georg Stephenson geboren. Er ist der eigentliche Schöpfer der ersten Locomotive und erbaute 1825 die erste Eisenbahn zwischen Stockton und Darlington. Stephenson starb am 12. August 1848 zu Tapton House (Chesterfield). Vermischte». • Bon der Lahn, 7. Juni. Ftnanzminister v. Miquel wird am 18. b. MtS. zu einem sechswöchigen Kuraufenthalt in EmS eintreffen, wo bereits im „Kurhaut" Wohnung für ihn bestellt ist. * Heidelberg, 6. Juni. Die Kirsch en ernte an der Bergstraße hat heute begonnen. Mehrere Händler aut Hamburg find bereits eingetroffeo. Der Versandt beginnt im Laufe der Woche. Der Ertrag der Ernte ist nur ein mittelmäßiger. * Brüssel, 6. Juni. Im Vorstadt-Theater in Andevledet wurde bet Aufführung eines MtlitärstückeS aus geladenen Flinten geschossen und dabei ein Zuschauer getödtet und mehrere verwundet. Ein Racheact entlassener Statisten wird vermuthet. * Die Orgel für die Erlöserktrche in Jerusalem wird augenblicklich im großen alten Saale des Berliner Stadt- mtssionshause» probeweise aufgebaut. Sie ist im romanischen Stil entworfen und in ihrer Form den Raumverhältnissen in der Bogensettennische an der Breitseite neben der Altarapsts der Kirche angepaßt. In die symmetrisch angebrachte Rundbogenntsche auf der Kelchseite neben dem Altar kommt — etwas hervorgerückt — die Kanzel zu stehen. — Der Kaiser hat fich an dem künstlerischen Entwurf des ProspectS betheiligt. Die Orgel wird von Gebrüder Dinse in Berlin erbaut. Dal in Eichenholz hergestellte Gehäuse und dal Werk wird nach Fertigstellung alsbald wieder ab« gebrochen und soll Ende Juni nach Jerusalem abgesendet werden. Die Orgel kostet etwa 11OOO Mark, wozu noch 2000 Mark Beförderungskosten treten. Mpchliche Anzeigen -er Sta-t Gietzen. Katholische Semetude. Mittwoch den 8. Juni. Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Donnerstag, den 9. Juni. Frohnleichnamsfest. Vormittags von 6>/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austheilung der heil. Communion. „ um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe; Militärgottesdienst mit Prediat. „ um 91/« Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Festandacht. Wöchentliche Uebersichl der Todesfälle in Wetze«. 23. Woche. Vom 29. Mai bis 4. Juni 1898. Einwohnerzahl: angenommen zu 24100 (incl. 1600 Mann Militär), SterblichLettsziffer: 19,41, nach Abzug der Ortsfremden 6,47°/«. Kinder Es starben an: Lvsamwr»: Erwachsene: im vom l.LebenSiahr: 2.—18. Jahr: Krebs 2 (1) 2 (1) — — Lungenschwindsucht 4 (3) 4 (3) — — Lungenödem 1 (1) 1 (1) — — Gallensteinen 1 (1) 1 (1) — — Darmcalarrh_______1_________—_________1__________— Summa: 9 (6) 8 (6) 1 — Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreff enben Krankheit aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemeffen am 8. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 14°, Luft 15°. Rübsamen'scke Badeanstalt. Neueste Nachrichten. Depeschen deS Bureau „Herold". Wien, 8. Juni. Dem „Deutschen VolkSblatt" zufolge hat Graf Thun, weil keine Einigkeit unter den Mitgliedern des Eabinets herrscht und der HandelSmtnister sogar zurücktreten will, beim Kaiser in der gestrigen Audienz seine Demission eingereicht. Dies sei auch der Grund, weßhalb der ReichSrath seine nächste Sitzung erst am DienStag ab» halte. Dal Blatt will wissen, daß Graf Thun, falls der Kaiser seine Demtsfion nicht anntmmt, die Gewährung von weitreichenden Vollmachten zur Bedingung der Wetterführung der Geschäfte machen wird. Budapest, 8. Juni. Nach Prtvatmeldungen aus Belgrad fühlt sich König Milan trotz deS günstigen Ausfalles der Wahlen in Belgrad nicht sicher und beabsichtigt deshalb, das General-Commaudo nach Ntschni zu verlegen, wo auch die Skuptschina tagen wird. vrüffel, 8. Juni. Man befürchtet, daß die Arbeiten der internationalen Zucker-Conserenz diesmal an dem schlechten Willen Englands scheitern werden. England zielt nach einem günstigen HandelS-Vertrage mit den Bereinigten Staaten, um für den Rohrzucker seiner Colonien Absatz in Amerika zu finden, und hat kein Interesse daran, die Prämien zu beseitigen. Brüssel, 8. Juni. Ja der gestrigen ersten Sitzung der internationalen Zucker-Confereuz wurde der belgische Minister-Präsident zum Vorsitzenden und der deutsche Gesandte zu seinem Stellvertreter gewählt. Am Freitag beginnen die eigentlichen Berathungen. London, 8. Juni. Nach Meldungen aus Manila erwartet Admiral Dewey dal Ersatzgeschwader etwa am 10. ds. MtS. Am 5. ds. war Manila vollständig von einem dichten Truppengürtel umgeben, und einmal wurde fast 70 Stunden hindurch gekämpft. Die Vorstädte stehen fast vollständig in Brand. London, 8. Juni. Gestern früh wurde Santiago drei Stunden heftig bombardtrt. Die HauptfortS sollen nahezu in Trümmer gelegt sein. Fünf Offiziere find angeblich gefallen. London, 8. Juni. Die „Times" veröffentlichen ein Telegramm vom Bord bei Dampfers „Bands" vom 6. d5., Mittags, welches besagt: Dal Treffen vor Santiapo begann während eines dichten Nebels. Die amerikanisch n Schiffe manöverirten sehr gut und nähern fich der Küste. Zwei amerikanische Schiffe zerstörten die naheliegenden Forti, worauf die Batterien in denselben dal Feuer einstelltcn. Sin amerikanisches Schiff wurde beschädigt und k:tu Ma n verwundet. Madrid, 8. Juni. Die Sammlung für die Flotten-Vermehrung hat im Ganzen 46 Millionen Pesetas ergeben. Davon entfallen 13 Millionen auf Madrid, 17 Millionen auf die Provinzen, 10 Millionen auf Havanna und 6 Millionen auf Südamerika. Madrid, 8. Juni. Tin osficielles Telegramm Mautt- rolas an daS Marine-Ministerium giebt Einzelheiten des Angriffes von Santiago. Während drei Stunden feuerten zehn Schiffe mehr als 1500 Schüsse ab. Um 12 Uhr fand ein neuer Angriff eines Schiffes auf Aguadores statt, der eine Stunde währte. ES wurde aber keine Kanone demontirt. Nicht veröffentlicht wird hier, daß Artillerieoberst Lieutenant Ordonnez ebenso wie Acosta, der Befehlshaber der Reina Mercedes, gefallen sind und daß außer Mercedes auch Terror schwere Havarie erlitten hat, da ein Geschoß in die Kohlenkammer drang. Madrid, 8. Junt. Aus Havanna wird offiziell berichtet, daß eine Jnsurgentenbande in der Provinz Pinar del Rio von dem Bataillon Saint Quentin bekämpft worden ist. Die Insurgenten hatten 17 Tobte, die Spanier 15 Verwundete. Washington, 8. Juni. Im Ministerrathe erklärte StaatSsecretär Alger, er habe ein Telegramm deS Generals Chartre aus Tampa erhalten, wonach dieser mit der Absendung von 20000 Mann, die nach Cuba gehen, begonnen habe. New-York, 8. Juni. Ein wichtiges Do cum ent webe von einem Truppemheil des Generals Wehler der Regierung zugesandt. Diese« Document wurde dem Abgesandten deS spanischen GeveralS Lute abgenommen, al« er eS nach dem Haup'quart'er deö Marschalle B'anco bringen wollte. — Junge Leute, welche in der Landwirthschast oder im Molkerelwes«: Stellung suchen, werden ganz besonders auf die Annonce b. Kitdeörand, Directorder Landwirlhschofilichkn Lehr Anstalt und Molke, eifchale zu Brauuschweig. Madameuweg >6 0. Gesucht Eheleute mit kleiner Familie im Alter Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis; gebracht, oaß von dem Schwurgericht der Provinz Oberhessen unterm März d. I. gegen Karl Konrad IV. von Rainrod er- SÄftSÄ* Bcnner'fche Bade-Anstalt. Tagesordnung: Dereinsangelegenbeiten/BaffotageIortrag Bemerke höflichst, daß trotz der Wafferkatastrophe vom vorigen Monat Pom Mrr.Engadill nach brn ital. Stell, bei mir keinerlei Preiserhöhung im Abonnement stattfindet. Q meinem Brod, welches sämmtlich scharf gebacken war, dar Mindergewicht q 30—70 Gramm pro 4-pfündigen Laib betragen hat, daß aber auch ein * gröberes Quantum Uebergewicht aufwies. 0 Von ca. 150 Laib Brod hatten nur 19 Stück obiges Mindergewicht. Die Nichtigkeit dieser Erklärung kann ich durch polizeiliche Be von maßen bewandert ist, neu angenommen werden. ungefähr 80 Jahren, mit guten Em- Der Wohnsitz ist in Alsfeld. Lohn für den Arbeitstag 3 Mk., pfehlungen, welche fleißig und ge- Uebernachtungsvergütung 1,50 Mk. fchäftsgewandt sind, und eine Baar- Bewerber, welche gesund und kräftig sind, wollen ihre selbst- caution von 500 Mk. stellen können, geschriebene Meldung unter Beifügung eines Gesundheitsattestes, eines um ein Specialgeschäft in meinen Leumundszeugnisses, ausgestellt von der Bürgermeisterei ihres seitherigen Fabrikaten zu übernehmen. Es be- Wohnsitzes, ihrer Zeugnisse über Ausbildung und practische Thätigkeit, sowie stehen schon in vielen Städten dortiger etwaiger Militärpapiere an den Gr. Kreis-Bauinspector Metzler, hier, Gegend derartige Geschäfte mit gutem längstens bis zum 15. d. Mts. einreichen. c C ... 5762 Alrfeld, den 4. Juni 1898. ZtUona Bahrenfeld. Grobherzogliches Kreisamt Alsfeld. A. L. Mohr, Dr-TOctior- Erklärung! Donnerstag den 2. Juni fand eine polizeiliche Brod-Revision den hiesigen Bäckern statt. Um falschen Gerüchten entgegenzutreten, erkläre ich hiermit, daß bei Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verluste, insbesondere Herrn Pfarrer Strack für seine trostreichen Worte, dem Gesangverein „Eintracht" für die schönen Grabgesänge, sowie allen Freunden und Bekannten für ihre zahlreichen Kranzspenden sagen herzlichsten Dank Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Im Namen derselben: Job. Jung IX. Leihgestern, 8. Juni 1898. 5808 -in^B«r«ins.Vorstc£ Um l/,3 Uhr Nachmitt.: Großer Festzug. Um 3 Uhr Nachmitt.: Anfang des Coucertes und der Tanzmusik. — Beginn de« PreiS- fpieles. Abends: Brillant-Feuerwerk. Jtalieuifche Nacht. Antritt ä Person 20 Pfg. Kier in Slag. Sorziiglichk Meile. Gute Speise». Zu recht zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein 5807 Der Vorstand. KÖLN, Schildergasse 78. BERLIN, Mohrenslr. 21 Schreibmaschine, die HaupIVorzüqe sämtlicher ^ysieme vereinigend. Sg| 225M. 5-160 Mi ♦ ♦ Montirtes Gleis u. Kippwagen, neu, fowie gebraucht, hat billig abzugebeu, zum Kauf oder Miethe 18 Hermann Hess. Drucksachen, für den Privat-Bedarf als; Visitkarten, Verlobungskarten, Vermählungsanzeigen, Gratulationskarten, Einladungskarten, Trauerbriefe, Danksagungskarten, Hochzeitszeitungen ete. liefert rasch und billig in jeder Ausführung die BrühPsche Univ.-Druckerei Schulstrasse 7. Rebaction: ($. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UnwersitätS-Buch- und Stembrucferti (Pietsch Erben) in Gießen. Die heutige Kummer umfaßt 10 Setten.