«en. certe ?rrrin). 15 8 Uhr: icert Jrä9W «6» ?f«. Kitaliebn Mwflnk sangeigen llonogremm Umseiläfe rt ind su billigen eferung e dwhmi '< 1898. Siöerrstt *» 8865 10299 $10 9716 1887 4470 1010 101^ 5ht ^■DlL ÜJt» » •*!fl7ö6 woo * 4 20 301? L8S8 Freitag den 8. April Nr. 83 Zweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Anmikienotätter werden dem Anzeiger Lv-chentlich viermal beigelegt. Siebener Anzeiger Merng-prew Viertcliahrlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pf^ mit Bringerloh». Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den Aolgrndco Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr. Heneral-Anzeiger Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für ben Gießener Anzeiger mtgegOL Ain^s- un^ ffiv den ICrefe Grenzen. -iedaction, Expedition und Drmkerei: Kchntstraße Vr. 7. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hietzr«. Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Amtliche» Theil» Bekanntmachung. netto Fasel für tauglich befunden worden, al« Gemeinde- I Zuchtsttere verwendet zu werden. Gießen, den 5. April 1898. Großherzogltche« KreiSawt Gießen. v. Wägern. Bei der am 81. März d. I. zu haltenen öffentlichen Faselichau sind die Grünberg abge- nachfolgend verzeich- Ordn. Nr. [| Eigenthümer. S a s - 1- Be- merkungen. Namen Wohnort Raffe Alter Farbe Körper- beschaffen- hetl Gesuvd- hcits- und Näbrzustand 1 Heinrich Lein Klein-Eichen Stmmenth.Reinzucht 15 Monat Hellfalb genügend gut aogekaust von der Gem. BerSrod 2 Derselbe dto. dto. 16 Monat Falbscheck gut gut 8 Gebrüder Nafziger Henriettenhof Stmmenth. Kreuzung 15 Monat H lllalbscheck ziemlich gut gut 4 Heinrich Merschrod Zetlbach Stmmenth.Rewzucht 16 Monat Hellialbscheck gut gut 5 Pachter Waldecker Warthof dto. 16 Monat Falbscheck genügend gut angek. von JuliuS Zimmer in Lauter 6 Heinrich Grün II. Niederohmen Vogelsberger l»/< Jahr roth gut gut 7 August Theiß Stockhansen dto. 16 Monat roth genügend gut angek. v. d. S'adt- gem. Grünberg 8 Heinrich Kreiker Wetterfelb dto. 15 Monat gelbroth gut gut Der Papst als Friedensvermtttler. Nur geringe Aussichten waren vorhanden, daß der (Son* sliet zwischen Spanien und den Bereinigten Staaten friedlich gelöst werden könnte, und allgemein gab man sich der Ueber« zeugung hin, daß die Furien deS Krieges fich entfeffeln würden, daß da« Blutvergießen in seine Rechte treten wüste und da« Schwert zwischen den beiden Nationen zu entscheiden hätte in dem Kampf um die nationalen Interessen auf Cuba. Wir haben au dieser Stelle von jeher unserer Ueberzeugung dahin Ausdruck gegeben, daß e« doch noch gelingen werde, da« Schlimmste Hintauzuhalten und eine friedliche Lösung der große» Schwierigkeiten herbeizuführen. Cs scheint so, als sollten wir trotz aller voraufgegangeuen beunruhigenden Gerüchte Recht behalten. Mau muß es den Spaniern lasten, daß sie in dieser ganzen Angelegenheit eine große Ruhr bewahrt und ihr heiße« Blut in hohem Grade gezügelt haben. Sie befinden sich ja tu einer Zwangslage und hatten Ursache, über die Aufdringlichkeit der YaukeeS empört zu sein, aber schließlich Feuilleton. An» geweihten Landen- Von Karl Böttcher. fOrigtnalbericht unseres Special-Correspondenten). (Nachdruck verboten.) IX. Eine Jerusalemer Seele. Jerusalem. 14. Marz. Die Menge aber der Gläubigen war Ein Herz und Eine Seele; auch " Keiner sagte von seinen Gütern, daß sie sein wären, sondern es war ihnen Alles gemein. (Apostelgeschichte IV, 32.) Regendunstige« Abeudgedämmer. Ueber dem altersgrauen Jerusalemer Gemäuer webt finstere Schwermuth, iudeß drüben auf dem Kamm des Oelberge« eine träge, laug- gestreckte schwarze Wolkeuschtcht auSruht. Stu wenig verdüstert, gehe ich zum DamaßkuSthor hinaus. Ha, so recht ein Wetter, um über das ernste Ringen und Kämpfen der wohl hundertfach verschiedenen, in Jerusalem zusammeugedräagteu religiösen Bekenvtniste zu Philosophien. Plötzlich fällt mir ein, daß in der Nähe eine ganz eigenartige Gemeinde wohnt, welche man hier allgemein die „Amerikaner" nennt, — eine religiöse Gesellschaft, deren Zusammenleben au die Gütergemeinschaft der ersten Christengemeinde erinnert. Gin alter Jeruso' :mer Graubart erzählte mir tu Bezug tut diese Amerikaner, daß ich in allen fünf Brdthetlen herum- steigen könne, nie aber eiu gleich schönes Zusammenleben finden werde, während wir von anderer Seite diese Ber- etuigung als etwa« CoofuseS, Unklare«, Halbverrückee« gr- schildert Kurde, al« ein Utopien, das wie eine Fata Morgana m der Luft hangt. Mein Entschluß ist gefaßt: vorwärts zu den Amerikanern! Wenige Minuten später trete ich ein in ihr große«, an der Damaskusftraße gelegenes Hau«. härte sie doch die Erregung übermannen können Angesicht« der Provocationen der Bereinigten Staaten und der herausfordernden Rüstungen, welche die Washingtoner Regierung betrieb. Denn auch die nationale Bewegung in Spanien war mächtig angefacht worden, und e« wäre begreiflich ge- wesen, wenn die Leidenschaften über die ruhige Ueberlegung den Steg davon getragen hätten. Em Spiegelbild der Begeisterung hat die vor einigen Abenden Kattgehabte Vorstellung im Madrider Hoftheater gegeben, wo die Spanier große Summen auf den Altar de« Vaterlandes legten, um dasselbe wehrkräftiger zu machen, gegenüber den Ansprüchen der Ber* einigten Staaten. Bisher hieß es immer, die Großmächte würden eventl. zur Lösung des Confl crS ihre guten Dienste anbieten, jedoch ist jetzt die Meldung eiugetroffen, daß der Papst das SchtedS- richteramt übernehmen wird, und e« steht za hoffen, daß es der Weisheit und dem mächtigen Einfluß desselben auf beide Nationen gelingen wird, die Sache zu einem guten Ende zu führen. Deutschland selbst hat sich bekanntlich schon selbst in einem Streitfälle mit Spanien um die Karoliuentuseln Schon nuten an der Treppe schallt wir herzliche« Will- kommen entgegen. Aber erst, al« ich die schmalen Stein- stufen emporgestiegen bin! Em bunter Schwarm freundlicher Gesichter umdräng" mich: muntere Ktrder, sauftlächelude Matronen, liebenswürdige Männer, fröhliche Greise, blühende Mädchen, und Alle schütteln mir, dem ihnen vollständig fremden Manne, treuherzig die Hand, als wären wir seit vielen Jahren alte liebe Bekannte. Bald fitze ich mitten unrer der ganzen Gemeinde im mächtigen, mit Palmenwedeln, kostbaren Gemälden und grill- farbigen Teppichen traulich auSgestatteten Empfangssalon, plaudere und lache und bin vollständig zu Hause. Um mich die allerverschiedensten Gesellschasiszruppen: dort am runden Tisch im hellen Schein der buntgeschmücklen Hängelampe neigen fich schöne Mädchenköpfe über neue illustrirte Journale, neigen fich heiter plaudernde verrunzelte Alte über Häkelarbeiten, am Ptanino probiren Mufikenthusiasten mit halblauter Stimme ein englisches Volkslied, drüben aus der lauschigen Erkerecke klappern die Steine deS DamenbrettS und spielende Kinder hocken auf dem weichen Teppich. Mau verändert die Plätze. Ich werde nach einem roth. geblümten Divan gelotst. Einige wollige Lehnstühle rücken heran, die im Nu besetzt find, und einer der Wortführer mit etwa- fanatischem Gesicht fragt wich: ,@te wollen vielleicht ein wenig unsere Einrichtungen kennen lernen?" „D, wenn ich bitten darf k" ,Sehen Sie," beginnt er mit docireoder Stimme, ,tok betreiben einzig und allein ein practische« Ehrtstrurhum. Sie haben bet Ihrem deutschen Dichter Goethe einen BerS, welcher von Worten spricht, die genug gewechselt sind- wollen nun mal endlich Thatrn sehen. Gut, unsere christliche Bereinigung will nur christliche Thateu zeigen." ,»Uo zum Bei piel!" ist unser Gott ein großer Gott, der von Slrinttch- keitSktämerei nichts wiffen will. Gewiß ist« ik« ganz gletch- gilttg, ob er am Sonntag, SamStag oder Freitag verehrt wird, auch gleichgtltig, ob Siner getauft, beschnitten oder dem Schiedssprüche deS Oderherrn der katholischen Christenheit gefügt, und die Chancen eine« guten Gelingens stehe» in dem jetzt vorliegenden Falle nicht geringer, wenn es auch sehr schwierig sein wird, die Bereinigten Staaten zu eine« Verzicht auf ihre weitgehendsten Forderungen zu bewegen und Spanien weiteren Coucesfiooen geneigt zu machen. Wir wollen hier an dieser Stelle einmal ganz objectiv die Sachlage prüfen Von jeher haben wir constatirt, daß die Spanier den größten Theil der Schuld au den jetzige« Zuständen auf Cuba tragen, daß die jämmerliche Wirthschaft, welche fie auf der von der Natur so reich gesegneten Antillen- Insel betrieben, die Bewohner derselben zur Verzweiflung treiben mußte. Der Besitz der Insel hatte für die Spanier nut b« Zweck, dieselbe gründlich auSzubeuteu, ohne die Hilfsquelle« zu erhalten; e» war mit einem Worte eine Raubwirthschast, welche fie daselbstbetrieben, die unter allen Umständen einmal eiu Ende nehmen mußte. Bei dem Einen kommt daS Einsehen früh, beim Anderen spät, und zu den Letzteren gehörte« die Spanier. Erst sehr spät hatten fie eingesehev, daß e« nicht so weiter gehen konnte, aber fie waren doch wenigsten« umgekehrt, um die größten Anstrengungen zur Paeificirung Kubas und zur Einführung von Reformen daselbst zu machen. Wenn ihnen die Niederwerfung des Aufstandes nicht gelang, so lag da« daran, daß der Haß der Rebellen gegen da« spanische Joch zu tief eingewurzelt war und daß bei ihnen von jeher die Hoffnung obwaltete, die Bereinigten Staaten würden einmal für fie tu die Bresche treten. Wenn wir die Berechtigung der uordamerikanischeu Union zur Einmischung in die cubaotsche Angelegenheit prüfen wollen, so muß man erkennen, daß ein zwingender rechtlicher Grund nicht vorliegt. Man glaube ja nicht, daß eS edle Triebe der Menschenliebe sind, welche die Jingo« veranlaßt, für die Kubaner Partei zu nehmen, e« find weit «ehr eigea- nützige materielle Zwecke, die fie dabet verfolgen. Und deshalb ist auch das Bermttteluogsamt, welche« der Papst übernommen hat, ganz besonder« schwer. Aber e« steht doch zu hoffen, daß dasselbe zu einem guten Ende geführt wird, laß auch die europäischen Großmächte dazu beitragen, Blutvergießen zu verhindern und bald einen Zustand der Ruhe und Sicherheit wiederherzustellen. (xx) uvgetaust in der Wrlt herumzieht, denn alle Menschen find in gleicher Weise seine Kinder. Deßhalb nehmen wir in unsere Gemeinschaft Leute jeder Religion auf — Christen, Juden, Muhamedaner, ganz egal, wenn man nur unsere einzige und vornehmste Satzung erfüllt." ,Unb wie lautet diese einzige Satzung?" „Liebe Gott und liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!" . . . AIS ich hier eivtrat in die Gemeinde, hatte ich nut für fünf Personen zu sorgen: für meine Frau und vier Kinder. Jetzt erstreckt sich weine Fürsorge auf anderthalb Hundert Seelen, die ich alle gleich lieb habe. So find Jedem von un« sämmtliche Mitglieder in gleicher Bruder- und Schwesterltebe ans Herz gewachsen." „Unb wie halten Sie e« mit der Aufnahme neuer Mitglieder?" „Wer bei un« etntritt, kommt mit Sack und Pack, mH Kind und Kegel und taucht, unter Preisgabe seine« Individuum«, unter in der großen Allgemeinheit. Sein ganze« Vermögen, Alle« und Alle« opfert er auf dem Tisch der Gemeinde, wobei er hoch und heilig versichert, daß er Alle« gegeben und nicht- wehr besitzt. So gestaltet fich ein Leben in voller Gütergemeinschaft: eine Kaffe, ein Herz, eine Seele, ein Gott. Was wir im Hause bei gemeinsamer Arbeit durch Schneiderei, Schuhmacherei, Weberei, durch die allerverschiedensten Handwerke verdienen — es wandert in dir gemeinsame Kaffe, wie auch baß, wa« außerhalb de« Hause« errungen wird. Eine Dame ist Lehrerin — ihr Gehalt fließt in die allgemeine Kaffe- eiu junger Mann beschäftigt fich mit Photographiren — sein Verdienst gehört Allen- ein Anderer macht Weingeschäfte — an seinem Profit ninmrt Jeder Theil." „Aber wer ist bet Ihnen der Kopf, welcher für Alle denkt, die ganze Beretntgnng leitet? Wer ist der Mann nm Steuer k" „Giebt t« nicht. Wir dtrigiren Alle geweinsam. Jede« Morgen, wenn der Geist am frischesten ist, halten wir nach einem innigen Gebet eine etnfiündtge Versammlung ab, br LoealiA «M- prwhtilelU» Sießeu, 7. April 1898. ** Hebet die Hebungen bei veurlaabtenstaudel in diesem ^sahr find folgende kaiserliche Anordanngen ergangen. E» Pud etnznziehen bei der Infanterie 144 800 Mann, und zwar bei dem Tardecorp» 10530, 1. Armeecorps 5230, 2. 6380, S. 14 730, 4. 11040, 5. 7130, 6. 11290, 7. 17 560 (davon werden 5000 dem 16. Armeecorps überwiesen), 8.10870, 9. 10750, 10. 8330, 11. 13 560, 14. 8500, 15. 2520, 16. 1250, 17. 5030, bei den Jägern 3200, bei der Feld- Artillerie ans dem Beurlanbtenstande der Feldartillerie bez«. Eavallerie 12000 Mann, der Fußartillerie 6000, den Pioniren 3600 (etnschließl. der zur Militär-Telegraphenschule einzuziehenden Train«Reservisten). Alle diese Truppen üben 14 Tage. ES find dann ferner einzuziehen bei der Luft« schiffer-Abtheilung 12 Unteroffiziere (bezw. Unteroffizier« aspiranten oder Gefreite), der Reserve der Luftschiffer- «btheilung und 6 i« Luftschifferdienst ausgebildete Unteroffiziere der Reserve anderer Waffen auf 30 Tage, 80 Reservisten der Luftschiffer-Abtheilung und 92 im Lustschifferdienst ausgebildete Reservisten anderer Waffen auf 28 Tage- sodann find einzuziehen auS der Reserve bezw. Landwehr deS Trains auf 14 Tage nach Beendigung der Herbstübungen 4674 Mann auS der Reserve der Cavallerie bezw. deS TrainS auf 20 Tage im Mai 1017 Mann und zur Bildung von Sanität»- Detachements auf 12 bezw. 13 Tage 1000 Mann, das find also im Ganzen 177 981 Mann. Den Maneu Kaiser Friedrich!. Die deutschen Krieger beabfichtigen, an der Villa Zirio in San Remo eine Gedenktafel an Kaiser Friedrich anzubringen, und der jetzige Besitzer, Comte de Billeneuve, hat hierzu bereits seine Einwilligung gegeben. Der Vorstand des Verbandes deutscher Kriegsveteranen hat zur Inschrift die Verse von Ernst v. Wildenbruch gewählt: „Wand'rer, der Du aus Deutschland herkommftl Hemme den Schritt. Hier der Ort, wo Dein Kaiser Friedrich lebte unb litt. Hörst Du, tote WeÜe an Welle stöhnend zum Ufer fich drängt? Das ist die sehnende Seele Deutschlands, die sein gedenkt. Die Krieger Deutschlands ihrem Kaiser und Feldherrn." Diese Inschrift findet auf einer kunstvoll ausgeführten, ehernen Tafel Platz. Die Tafel soll Ende August oder September d. I. fertiggestellt Mb angebracht werben. Veteranen, bie fich bei ber Anbringung bet Tafel betheiligen wollen, erfahren alles Nähere durch den verband deutscher KrtegSveteranen in Leipzig. x Alleudorf a. d. Lda, 4. April. Hier hat fich kürzlich der Consumverein aufgelöst, während die Kaufmann- schäft um zwei Firmen vermehrt wurde. Diese Vorgänge zeitigten Hk die Käufer, welche baar bezahlen, eine beachtenS- werthe Frucht. Nach dem Vorgänge des früheren Lagerhalters für den Consumverein haben nun alle Kaufleute unseres Städtchen» Contobücher ausgegeben, in welche die Baarbeträge zwecks Gewährung eines Rabatts von 3 pCt. eingetragen werden. ES lebe die Concurrenz l 4- «ul de« Deeamtt Srnvberg, 5. April. In Decken- buch ist eine neue Pfarrstelle errichtet worden mit den Filialen Schadenbach unb Höingen. Die bret Orte ber neuen Pfarrei bilbeten seither Filialen von Ober-Ofleiden. § «nl dem Ohmthal, 7. April. Schon nähern wir uns der Mitte des April und noch rasten und rosten Pflug unb Egge im Winkel. Die Feldarbeit hat noch keinen Anfang nehmen können und da nui Ostern vor der ThÜre steht, wird es auch vor dem Feste dabet verbleiben. Somit ist die bieSlährige Frühjahrsbestellung eine späte. Wenn nur nach Ostern endlich das Wetter fich beffern und Stand halten wollte, prophezeien doch Wetterkundige sogar ein Anbalten des unbeständigen Wetter» bi» zum 6. Juni. Die Begetatton ist noch weit zurück, wa» übrigens von keine« Nachtheil ist. Hätte das milde Wetter so angehalten, wie es im Januar war, so hätten wir jetzt gewiß schon blühende Sträucher und Kirschbäume. Die Obstbäume haben reichen Fruchtansatz. Besondere Aufmerksamkeit erfordern jetzt die Bienen. Da da» Frühjahr ein sehr spätes, so «angelt den Völkern nicht selten die Nahrung. Manches Volk, da» glücklich durch den Winter gekommen, geht jetzt mitunter elendiglich an Futtermangel noch zn Grunde. So trafen wir dieser Tage bet einer Musterung unserer Völker eins, da» allen Vorrath bis auf den letzten Tropfen aufgezehrt. Zwei Tage spätere» Nachsehen hätte den Stock nicht mehr retten können. A Bo« Vogelsberg, 7. April. Wie zu Weihnachten die Gan» m vielen Familien den Festbraten bildet, so geben einen solchen für das Osterfest die jungen Zicklein oder Ziegenlämmchen ab. Ja, die Verwendung der letzteren ist auf dem Lande noch eine ausgedehntere, al» der Gänsebraten. Da» Fleisch der Zicklein ist nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch sehr billig. Durchschnittlich kauft man das Pfund zu 30 Pfg., der ganze Braten kostet demnach je nach Gewicht, nur Mk. 1.80 bi» 3 Mk. Der billige Preis ist um so be- merkenSwerther, als das Pfund Kalbfleisch mit 56 Pfg. bezahlt wird. Bon Bielen wird aber ein junger Ziegenbraten einem Kalbsbraten vorgezogen. Auch die beste Beigabe zu einem Osterbraten, der grüne Salat, mangelt nicht. Ist es auch kein Lattich, fo ist er doch kaum minder schmackhaft, der Feldsalat. Der gelinde Winter hat ihn sehr reichlich wachsen laffen, sodaß jedem Liebhaber von etwa» „Grünern" Gelegenheit geboten ist, seinen Geschmack zu befriedigen. A Mainz, 4. April. In dem vor acht Tagen vor der Strafkammer deS hiesigen Landgerichts gegen den Director des ElephantenbräueS In WormS wegen Octroidefraudation verhandelten, von uns erwähnten Processe wurde heute das Urtheil pnblicirt. DaS Gericht sprach den Angeklagten frei, indem eß fich den Ausführungen der Verthetdtgung anschloß, daß der gratts gewährte HauStrunk des Brauereipersonals nicht dem Octroi unterliege. Dementsprechend hob das Gericht den gegen den Braueretdirector erlassenen Strafbefehl in der Höhe von 2515 Mk. auf und belastete die Staatskasse mit den Kosten. — Für den Umbau de» hiesigen Stadttheater» genehmigten heute Abend die Stadtverordneten die von der städtischen Verwaltung mit Baurath Hellmer in Wien vereinbarten Verträge. Die Arbeiten werden jetzt sofort ausgeschrieben und dtrect nach Schluß der Theatersaison mit dem Umbau begonnen. Für die baulichen Veränderungen find drei Jahre vorgesehen. — Hier und in der nächsten Umgebung find zum Zwecke der Errichtung größerer industrieller Etabliffement» von auswärtigen Firmen bedeutende Terraineinkäufe gemacht worden. Es ist die» hauptsächlich Terrain, welche» von der Wasserstraße des Rhein» dtrect berührt wird. Neben der GustavSburg, die vollständig belegt ist, und dem Ufergelände zwischen Kastel und der Mainmündung hat man neuerdings auch auf die mit einem Damm mit der Stadt verbundene »Ingelheimer Aue" sein Augenmerk gerichtet, von welcher bereit- ein großer Complex von einer ntederrhetntschen Firma zur Anlage eines Sägewerkes von der städtischen Verwaltung erworben worden ist. Kaum war die Errichtung dieser Anlage bekannt geworden, find sofort eine Reihe von anderen Firmen mit der Stadt wegen Erwerbung von Gelände von bet „Ingelheimer Aue" in Verhandlung getreten. Vermischtes. ' Biberach, 1. April. In Alt heim bei Biberach brannte es im verflossenen Jahre neunmal. Der Einwohnerschaft (570 Seelen) bemächtigte fich furchtbare Anftegung. Endlich lenkte fich der verdacht auf ben Hornisten der Feuerwehr, einen Maurer Namens Hofherr. Stets rechtzeitig ertönte fein Signal, stets war er der erste am Branbplatz. Das Schwurgericht Ravensburg verurtheilte ihn zu 9 Jahren Zuchthaus und Verlust der Ehrenrechte. Au» Heller Freude an feinem Horn unb am Alarm war er zum Brandstifter geworden. • Taschentücher — für hnade. Man berichtet de« „N. W. T." ans Paris: Die Novitäten der Saison find im wahrsten Sinne des Wortes „auf ben Hunb" gekommen, benn mit blefem Hansthiere befaßt fich bie allerneueste Mode- schöpfung. Die eleganten Pariserinnen begnügen fich nämlich nicht mehr bamit, ihre vierfüßigen Lieblinge mit eleganten Decken zu versehen, fie versorgen diese noch mit einem Wäsche- vorraih. In die Deckchen werden jetzt nämlich an der rechten Ecke kleine Täschchen ongesteppt, in diese kommen zierl che Taschentücher, mit dem Namen bei Hundes versehen. Man hat die Erfahrung gemacht, daß die feinsten LnxnShunde dennoch bie plebejische Gewohnheit haben, überall umher zu schnüffeln- deßhalb also versorgt man sie mit den Taschentüchern, um ihnen vor dem Eintritt in Boudoir oder Salon die Schnauze reinigen zu können. So weit verbreitet ist dieser Gebrauch bereits, daß man in den FrühjahrScatalogen der großen Magazin» schon „Hunde MouchetteS" angekündigr findet. • Zum 9. deutschen Turnfest in Hamburg werden in ber gastfreunblichen Hansastadt ganz ungewöhnliche Vorbereitungen getroffen. Der nach einer Betheiligung von etwa 30000 Turnern berechnete Voranschlag ber Ausgaben ist jetzt auf 421000 Mk. festgestellt. Der Garantie- fonbs hierfür hat bereit» eine Höhe von 225000 Mk. er reicht. Außerbern hat der Senat einem Aatrage auf Bewilligung eine» Staatszuschusses von 30000 Mk. feine Zustimmung erthellt. Al- Festplatz' wirb das weite Heilige- geistfeld bienen, währenb bie mächtige Haopthalle der vorjährigen Gartenbau-Ausstellung, die für 55 000 Mk. angekauft worden ist, ebenfalls für die Zwecke des Turnfestes eingerichtet werden soll. Auf dem Festplatze soll zur Ausstellung der Fahnen sämmtlicher fich betheillgenden, etwa 1500 zählenden Turnvereine eine besondere, 120 Meter lange Tribüne erbaut werden. Die Veranstaltungen sollen mit einem Festumzuge aller Turner durch die Stadt bis zum Festplatze beginnen. In diesem etwa drei Kilometer langen Zuge sollen auf mehreren Wagen Germania unb Hammonia, der Tnrnerschaft Wahrspruch „Frisch, fromm, froh, frei", Handel unb Gewerbe, Schifffahrt rc. bargestellt, sowie 30 Mufikcopellen vertheilt werben. Zum Abschluß bes Festes ist ein Fackelzug geplant, ber vom Festplatze aus an bet Wasserkante entlang über ben RöbingSrnaekt nach ben Wohnungen deS präsidirenben Bürgermeister» Dr. Lehmann und deS Ehrenpräsidenten Dr. Mönckeberg bis zur Moorweide gehen soll, wo die Fackeln znsammengewoisen werden. Zum Turnen auf dem Festplatz sollen auch die Knaben«, Damen- unb Mäbchen - Abtheilungerr ber Hamburg«Altonaer Turnvereine, sowie die sämmtlichen Schulen herangezogen werde». sprechen unsere Angelegenheiten, unb waS gut ist, bas machen wie." „Wenn fich nun babei Differenzen, Meinungsverschiedenheiten ergeben, wenn harte Köpfe aufeinanderplatzkn?" „DaS ist bei uns ganz ausgeschlossen, denn Jeder liebt seinen Nächsten wie fich selbst." „Doch ich sehe — in Ihrer Kleidung find Sie Alle sehr verschieden. Dort diese schlanke Dame geht in schwerem blauem Sammt. DaS schöne Mädchen daneben in weißem Schürzchen kleidet fich wie eine ganz einfache Köchin. Drüben der Gentleman mit dem goldenen Kueifer zeigt , fich in elegantester Salontoilette und sein Nachbar steckt im Costüm eines Landarbeiters." „Bei uns kleidet fich Jeder, tote es ihm beliebt, unb Alles wirb aus der gemeinsamen Kasse bezahlt." „Wenn aber Einer einmal auf Kosten ber Anbern ans Leibeskräften verschwenbet ober faullenzt? WaS bann?" „O, baS kommt bei unfern Gemeindegliebern nicht vor!" „Wenn es aber doch einmal der Fall wäre?" „Nein, da- gibt es gar nicht." „Aber nehmen wir an, eS tarne ganz ausnahmsweise einmal vor — waS machen Sie bann?* „Weshalb sollen wir uns den Kopf zerbrechen über Dinge, welche wir bloß annehmen!" Unsere Unterhaltung wird durch eine kleine Sinderscene adgelenkt. Hinter den Lehnstühlen spielt der kleine Tomh mit einem Pferdchen. „Tomh, dieb mir der Ferdchen!" bittet die blondlockige Edith. „Nein, Ferdchen sein mk!" erwidert Tomh bestimmt. „Wie?" nimmt Fräulein Alice mit zärtlichem Vorwurf daS Wort, „Tomh, Du willst Deinem Schwesterchen nicht sofort daS Pferdchen geben? Du liebst Dein Schwesterchen nicht so sehr tote Dich selbst?" „Doch, doch!" schluchzt Tomy auf. „Hier Ferdchen sein für Edith. Ich es nicht wieder thun will, nein, nicht wieder th»n- ich Edith alle Ferdchen geben." Und strahlenden Gesichts zieht Edith mit dem Pferdchen ab. „Da sehen Sie unsere kleinen herzigen Wesen," bockt «ein Nachbar weiter. „Wir haben deren einige vierzig- fie gehöre» mit ihre» kleine» Freude» »ad Leiden uns Allen gemeinsam unb werben von uns Allen in der goldenen Satzung allgemeiner Nächstenliebe erzogen." Eine zierliche, brünette Dame nimmt in unserem Kreise Platz, al» ich gerade die große Frage auftoerfe: „Wie aber halten Sie es mit dem Heirathen?" „Heirathen!" meint die Schöne, „nein, bas wollen wir nicht. Darüber denken wir auch nicht weiter nach- das schwebt in der Ferne, wie Wolkengebilde vom Tobten Meer. Wenn man in seinem Heim so glücklich ist, wie wir Alle es hier find, mag man auch niemals fort." „Pardon, meine Gnädige! Wie aber, wenn fich hier in diesem schönen Heim zwei Herzen finden? An solch warmen Herzen fehlt es doch wohl nicht?" Der taufte Widerschein einer kleinen Verlegenheit röthet das schöne Gesicht. „Verzeihen Sie", entgegnet sie, ein wenig befangen, „da» Heirathen ist das einzige Thema, worüber in unserem Hanse nicht gesprochen wird." Mein Nachbar bestätigt diese trübe Thatsache. Ich verbeuge mich mit einer Entschuldigung. Ach, da» einzige Thema, worüber in diesem Hanse nicht gesprochen wird! Und doch wäre gerade baS Eingehen auf biese» Thema für meine Stubie nicht unwichtig gewesen, weil verschtebene Kundige mir vor meinem Besuch berichteten, bei diesen „Amerikanern" leben Eheleute vollständig getrennt und finken auf da» Niveau von Bruder und Schwester herab. — Am folgenden Sonntag besuche ich ihren Gottesdienst, der gleichfalls im großen, lichtvollen Empfangssalon abge« halten wird. Die Gemeinde hat fich vollzählig versammelt. Am runden Tisch fitzen einige ältere Damen- ihnen gegen» über, auf langen Stuhlreihen, haben bunt durcheinander bie Brüder unb Schwestern Platz genommen- weiter hinten fieht man die Rinber. Alle finb in Haustoilette erschienen, bie Brüder in Babuschett, bie Schwestern in buntfarbigen Morgenröcken. Außer ben mir bereit» bekannten Gesichtern tauchen allerhand neue Physiognomien auf — aber waS für welche! Eingefallene, bleiche Wangen, nervös zuckende Lippen, tiefliegende, fanatisch glühende Augen. . . . Nachdem man eine melodiöse Hymne gesungen, erhebt fich die ganze Gemeinde. Alle schließen die Augen, stehen lange schweigsam, wie im Gebet versunken. Schwüle Panse. Plötzlich wird ei» alter Mann vom „Geist" erfaßt. Er breitet die Arme weit auS, blickt starr zur Decke unb improvtstrt eine enthusiastische Schwärmerei anf die Güte Gottes. Dann nehmen die Lispelstimmen verschiedener graue» nacheinander da» Wort. Die ganze Gemeinde erregt fich mehr und mehr. . . . Nun wird ein Capitel auS dem Evangelium Johannes vorgetragen. Immer nach drei Versen «acht der Vorleser eine Pause von etwa zwei Minuten, damit bie Versammlung über baS Gehörte nachbenken kann. Nach Beendigung ber Vorlesung wirb sofort eine Auslegung der Bibelworte im- provlfirt. Männlein unb Weiblein, auf wen gerabe ber „Geist" herabstrahlt, beteiligen fich ohne Weiteres an ber Erklärung von Texlstellen, welche sonst bem Theologen von Fach, falls er unvorbereitet ist, Schwierigkeiten bereite». Freilich, biefe Auslegungen finb auch danach! Mehr und mehr malt fich auf den fahlen Gesichter», in denen die Augen beständig geschlossen find, Leuchten ber Verzückung, schmerzliche Begeisterung, bemüthiger Enthusiasmus. Eben fängt ein Herr mit blondem Spitzbart an z» reden. Mit zitterndem Körper beginnt auch er im Wimmer- ton eine Lobpreisung Gottes: „Unser Gott, unser Gott ist die Liebe!" „O gewiß!" hauchen einige Stimmen dazwischen. „Unser Gott, unser Gott ist die Allmacht!" „Ach, liebet ihn!" tönt eS verzückt auS der B riammlnng. „Unser Gott, unser Sott ist die Barmherzigkeit!" „O wunderbar!" lispelt man in großer Aufregung vo» verschiedenen Stühlen, und ich höre verhaltenes Schluchze» und leises Weinen. Und immer wieder diese» Händeringen, diese» statuenhafte Verharren der nach der Decke gerichteten Gesichter, diese fich überpurzelnde Extase! . . . Ach, heran» an» dieser Stickluft von MhsticiSrnn», aufgeregten Geister», wirren Verzückungen! Wleder zurück in frische normale Verhältnisse ! Nein, eine solche Seete ist selbst i» Jerusalem noch ntcht erlebt worben. — So meine Eindrücke bet den braven „Amerikanern". Hoffentlich bin ich bei Au»zeichnung derselben von ber vornehmsten Satzung dieser Gemeinde: „Liebe Deinen Nächste» wie Dich selbst!" nicht abgeirrt! Frische £ M sadika von D totn Mittwoch Abnü jfdn, leben Dor MW im „Rebstoc Br di- ®r«i laü 18 M 3. SofL___ pB Baut 100 Etr. Rott' ffebl unb 6 ,on Grubensand u «. 3000 ko 1 Traget rc., bin ich roanerstagdei Nachmittags x Milch unter de gtmadjt werdende Accord zu geben. 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