Marti 1 r°™ Btetko. Ii schwerem neu 7860 Mittheilung, eute sanft 7900 nen: tzHeilen, daß ich u 'M4 lerei Fach einschlagenden >ll leois-^ rein. it Sicher Wald, hueise rechts, lbmarfck präc.LUHl- ^afä Leib. *W6 kommen. auf aufmerksam, daß ]ütü W looi ler. | haWL t, stattjinde«^" ch 7892 AriimP^ tserop onntag den 7. August 1898 Zweites Blatt Nr. 183 Gießener Anzeiger General-Anzeiger 2lints- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren jBqnfl*yrrtJ Dirrteljäbrltct 2 Mark 20 Pf-, monatlich 75 Pr- mit Vrmgrrloh». vri Poftbezu- 2 Mark 50 Pf-, viertkljährlich. Lllr Anzeigkn-Berminlung-ßellen des In- und ÄuilanNtl nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tnigryx. Annahme von Anzeige» zu der Nachmittag- für den hotgende» lag erscheinende» Nummer bi6 Norm. 10 Uhr. frf<|d»i Uflfi<6 mit Au-nabme de- Montag-. Die Gießener Pomikie» V kätler »erden dem Anzeiger »AcheutNch viermal beigelegt. «fbaxtion, Expedition und Druckerei: Achnlfirahe Ar. 7. I Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adresse für Depeschen: Anzeiger ${<»<•• Fernsprecher Nr. 51. ZImitid?«» Tbeit Bekanntmachung. fcetr.: die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthum». Der Ortsvorstand der Stadt Büdingen beabsichtigt mit dem am 24. Februar 1899 statt findenden Vieh- und Krämer- markte eine Verloosung von Vieh und landwirthschaftlichen Gerätschaften zu verbinden, um die Mittel zur Prämiirung von Vieh -u gewinnen. Großh. Ministerium des Innern hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr al- 7000 Loose zu 0,50 Mk. da- Stück ausgegeben werden dürfen und mindesten» 60 pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenftänden zu verwenden find und hat zugleich den Vertrieb der Loose in der Provinz Obeihefien gestattet. Vieh en, den 4. August 1898. GroßherzogltcheS Kreisamt Gtehen. v. Bechtold. Bekanntmachung. An Stelle des Herrn Emil Pistor ist Herr Jacob Happel, Kaufmann in Gießen, zum Vertrauensmann aus dem Kreise der Arbeitgeber für die Invalidität-- und Alters- Versicherungsanstalt „Großherzogthum Hessen" ernannt worden. Gießen, btn 5. August 1898. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Politische Wochenschau. Da« Jutereffe der ganzen Welt couceutrirte sich während der letzten Woche auf Friedrich-ruh, wo der größte Deutsche unserer Zeit die Augen für immer geschloffen hat. Wenn wir jetzt zurückblicken auf die verflossenen Tage, so Feuilleton. Im v Zug. Bon Teo von Torn. (Nachdruck verboten.) KO. Von den vielen Unbegreiflichkeiten, die ich, al- berufener Vertreter der öffentlichen Meinung, an dieser meiner Mandantin zu beobachten Gelegenheit hatte, ist eine der unbegreiflichsten da- Zeter »Mordio ob der Platzkarte in den Harmonika-Zügen. Ursprünglich habe ich ja auch darauf geschimpft, aber nur mit halber Lunge, und mein Herz wußte nichts davon; ich habe mitgeschirnpst, weil ein leidlich liberaler Mensch nach Tradition und Gewohnheit schimpfen muß, wenn der Fiscus das Volk-portcmonnaie beattentätert, und dann, weil ich den Herrn Eisenbahnminiftvr nicht leiden kann — wie alle Leute, die ein blutiges Handwerk treiben. Jetzt aber lasse ich auf die Platzkarte nichts mehr kommen. Wenn früher der mftnbe Mensch auf irgend einer Zwischen- Ration einer der bekannten Perron-Jnschriften entgegen haftete und bann mit heiterer Stirn und erleichtertem Gemüth zu feinem Wagenabtheil zurückkehrte. — wie oft fanb er seinen Platz eingenommen von einer ältlichen Spinatwachtel ober von einem Reise-Routinier, ber unseren Reclamationen ent« weber mit der lächelnden Dickfälligkeit de- beatus possidens oder mit Grobheiten überzeugendster Qualität begegnete! Da- giebt es heute nicht mehr, wenigstens in den v-Zügen nicht. Mit dem Erwerb der Platzkarte ist man nicht mehr ein Mensch, dessen Reversseite um ihr wohlerworbenes, warm- gesessenes Recht betrogen werden kann, sondern eine fi-calisch privilegirte, gesetzlich geschützte Nummer. Man hat einen Platz, den man nicht besitzen muß, um ihn zu besitzen; man kann spazieren gehen, soweit der Zug reicht, wenn nicht gerade ein allzu umfangreiche- Individuum an einer Stelle den Engpaß sperrt und die Promenade ins Stocken bringt. Und was die Hauptsache ist: wenn man sehr viel Glück hat und sehr viel Ausdauer im Herumklingeln, Rufen und Winken, dann gelingt es einem hier und da auch, einen der maikäferbraunen Ganymede einzufangen, die in ungeheuerer Geschwindigkeit die Gänge auf» und niederschwirren. können wir uni bei gerechten Stolzei darüber nicht erwehren, in welch imposanter Weise dal Ausland die Bedeutung bei verstorbenen deutschen Staatsmannes gewürdigt hat. Diese Kundgebungen reichen heran an diejenigen, weiche aul Anlaß bei Ablebenl bei ersten deutschen Kaisers veranstaltet worben waren, und find ein Beleg dafür, daß die Größe Bismarcks aller Orten anerkannt wird. Wahre Größe kann nicht verdunkelt werben, unb so find denn die Verdienste des Verstorbenen gefeiert worden, al- ob er unmittelbar, aul den Sielen heraus in die Ewigkeit Übergegangen sei. Die volle Bedeutung Bismarck- zu würdigen, soll einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben, wir können an dieser Stelle nur dal historische Ereigniß seine! Ableben- und die gewaltige Erregung, welche dasselbe im In« und Au-lande verursacht hat, nochmal- registriren. Die Veröffentlichung des Abschiedsgesuch! bei Fürsten BiSmarck, unmittelbar, nachdem derselbe die Augen geschloffen, hat große! Aussehen erregt, und in der Presse wird zur Zeit weniger der Inhalt bei Gesuch! commentirt, all bie Frage, ob bie Veröffentlichung gerade jetzt angemeffen war unb ob bie Publicirung bem Willen bei Fürsten entspricht. Nun ber Inhalt bei Docuwentl bekannt ist, bürste auch bald wieder eine lebhafte Erörterung stattfinden über die Umstände, unter denen der Rücktritt Bismarck! erfolgte. E! ist nur zu natürlich, daß unter dem Eindruck del Ableben! de! Altreichskanzler! alle anderen Greigntffe weit in den Hintergrund traten. Wer hat im Laufe der letzten Woche viel an den amerikanisch-spanischen Krieg, an die Dreh- fulaffaite oder an den österreichisch ungarischen Anlgleich gedacht. Unb doch stand bie Erbe nicht still, auch jene sonst ba! allgemeine Jntereffe in Anspruch nehmenden Greigntffe haben fich weiter entwickelt, wenn auch besonder! hrroor- ragende Begebenheiten fich nicht zugetrageu haben. Nur um unsere Leser auf dem Lausenden zu erhalten, constatiren wir, baß der Krieg zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten fich seinem Ende zuneigt. Sowohl die Amerikaner, wie die Spanier find krieg-müde und sähen einen recht baldigen Friebenlschluß sehr gerne. Noch ist über den wahren Staub der Dinge nicht- in die O ffentlichkeit gedrungen, aber dem verlauten nach ist Spanien mit den ihm von seinem Gegner Ich speise gern im D Zug. Man ißt mit einer der Verdauung sehr förderlichen Motion, etwa wie auf einem kleinen Vergnügung-darnpfer, — nur mit bem Unterschied, daß die runden, schwingenden Bewegungen des letzteren, welche häufig zu innerem Unfrieden führen, im v-Zug wohlthätig ersetzt werden durch eine conftante, sanft rüttelnde Erschütterung, die den peristaltischen Bewegungen des Magens höchst dienlich und daher ebenso nützlich als angenehm ist. Aller- dings dürfte cs Leuten ohne eine gewisse parterregymnastische Beanlagung ziemlich schwer sollen, das vor ihnen aufgestellte Klapptischchen so zu regieren, daß die drei Quadratfuß Tablet- und Teller auf dem einen Quadratfuß Tischfläche einigermaßen Balance halten; namentlich führen Theetassen und Weingläser unter klingendem Geräusch die waghalfigsten Tänze auf, und es bedarf der angespannten Aufmerksamkeit eines Schachspielers, daß bei bem Wetthüpfen nichts über Bord geht. Trotz all dieser practischen Erfahrung, pasfirte es mir auf der Fahrt, von der ich erzählen will, dennoch, daß mir die Gabel herabtanzte und — mit dem Griff glücklicherweise — ziemlich unsanft das braune Stiefelchen einer mir gegen- übersitzenden jungen Frau berührte. Sie zuckte zusammen und erröthete heftig; jedenfalls aus Schmerz, denn als eine zarte Annäherung meinerseits konnte fie den Fall schon deshalb nicht anffaffen, weil sie von zwei Herren flanktrt war, von denen der Eine ihr Mann und der Andere ihres Mannes Freund zu fein schien. Ich bat also mit einer dreiteiligen Verbeugung um Pardon, bückte mich nach der echappirten Gabel und erwischte dieselbe auch ziemlich gleichzeitig mit einem Cognacgläschen, das inzwischen ebenfalls herabgetrudelt war, nachdem es fich unterwegs des kleinen Restes seines stärkenden Inhalt» auf meinem Genick, dicht oberhalb des Hemdkragens entledigt hatte. An dem Malheur war die Dame selbst schuld. Seit dem Augenblick, da ich mir etwas zu essen bestellt hatte — es war Caviar mit dem üblichen Beiwerk — und besonders seit ich zu essen angefangen, hatte fie kein Auge von mir gewandt. Die Hände im Schooß gefaltet, das Köpfchen mit dem foquetten grünen Reisehut leicht auf die Seite geneigt, folgte vorgeschlag'nen Fiiedensbrdingvngen einverstanden. (Saba und Portorico find unrettbar für Spanten verloren, und bitfd kann froh fein, wenn e! die Philippiaen behält. Es scheint, als ob die Bereinigten Staaten thatfächlich auf den Besitz der osttndtschen Inselgruppe Verzicht leisten wallen, ein- mal befürchten fie vielleicht Verwickelung mit den Groß- Mächten fall- es die Inseln aunectiren würde, andrerseits aber sehen fie Eovfltcte mit btn Eingeborenen voraus. — Auf Portorico haben bie Amerikaner bereit! einige Fortschritte gemacht, uab es ist nicht baran zu zweifeln, baß fie ohne besondere Kraftanstrenguog fich in den Besitz dieser spanischen Eolonie fetzen werden. In Spanten scheint es nun doch zu einer carltsttfchen Bewegung gekommen zu fein, wenn fie auch, fo weit au! den Madrider Meldungen zu ersehen ist, keinen allzu großen Umfang angenommen haben. Aber die Regierung hat fich doch genörhtgt gesehen, Truppenmassen in die bedrohten Gegenden zu entsenden. Daß Don Larlos irgend welchen Erfolg haben sollte mit feiner Propaganda, dürfte von vornherein ausgeschlossen fein, da der Prätendent fich im Allgemeinen keiner großen Beliebtheit erfreut. Die Berhältniffe in Frankreich scheinen fich zu einer Krise zuzuspitzen, unb e! ist nicht unmöglich, daß bas Ministerium Brisson nur von kurzer Lebensdauer fein wirb. Noch ist bie Situation freilich unklar, unb Niemand weiß heute, wie die Dinge morgen stehen werden, aber soviel darf als wahrscheinlich gelten, daß die Regierung nicht umhin können wird, in die Dreyfus-Affaire volle Klarheit zu bringen. Die Ankündigung ber englischen Regierung von einer beabfichtigten bebeutenben Verstärkung ber Marine hat nicht verfehlt, große! Aufsehen zu erregen, unb bereit! werben Gerüchte laut, baß die Dinge in Ostaflen »tebet Anlaß zu Eonfl cten geben können unb baß fich Englanb beihalb auf alle Eventualitäten gefaßt machen will. Hoffentlich schwinden bald wieder die Wolken, welche fich am politischen Horizont zeigen! (XX) Deutsche* Reich. Verlin, 5. August. Aus Bismarck! letztenLebens* jähren erzählen die „Berliner N.'uesten Nachrichten", die fie jeder meiner Bewegungen; jeden Bissen begleitete sie vom Teller bis zum Munde. Die Sache wurde auf die Dauer unangenehm. Ich hatte mich schon dreimal heftig verschluckt, und um das Schauessen abzukürzen, nahm ich immer größere Bissen, bis schließlich ein ganz großer mir fast die Luft abdrückte und ich mich nur unter den wildesten Schling- unb Schluckbestrebungen unb thränenden Auges vor dem elenden Tode des Erstickens zu retten vermochte. — Dabei eben war mir die Gabel heruntergsfallen. Ich war nicht allein, ich hatte es satt. Nachdem ich meine unteren Extremitäten aus der krampfhaften Umschlingung des Klapptisch-Gestelles losgelöst, lieb ich abräumen unb lehnte mich zurück, meine ibeelle Tischgenofsin und deren Begleiter musternd. Letztere waren zweifellos Offiziere in Civil unb auf einem Jagbausfluge begriffen; fie sprachen fast un- aufhörlich vom „Dienst", von B.'s rotbrauner Fuchsstute unb ber beoorftehenben Hasenhetze. Hie unb ba warf auch bie kleine Frau ein sachverständiges Wort mit ein; meist aber saß sie, nachbem iw ihr bie Jnneranficht meine» SchlunbeS entzogen, nachdenklich, mit großen Augen vor sich hinstarrend da Endlich wandte fie sich — ein interessantes Gespräch über Fasanendoubletten unterbrechend — an ihren Gatten: „Du, Wolff „Na, Putzi?" „Fahren wir von Ludwigslust wieder mit bem V-Zug?" „Ich glaube ja, Herzchen; jebenfalls können wirs so einrichten." „Dann möchte ich auf ber Rückfahrt Caviar essen." „Aber Du hättest boch jetzt bestellen können, wenn Du magst." Sie schüttelte lächelnb ben Kopf. „Ich liebe Caviar so leibenschaftlich, baß es mir oft genügt, ihn mit Appetit essen zu sehen." Während ihre Begleiter vergnügt auflachten, sah fie mich mit einem großen, runben Blicke voller Sättigung unb Dankbarkeit an. — Ich aber faltete im Geiste bie Hände unb flehte Rache herab auf bas grünbehutete Haupt bieser Distanz- Sybaritin, bieser frivolen Störerin meine» Verbauungsfriedens. dem BiSmarck'schen Hause uahestehen, in ihrem Trauer- arttkel: „Bett Jahresfrist sahen wir seine Lebensfackel lang- sam sich senken, aber wie sein Geist, schien auch seine körperliche Kraft schier unüberwindlich. Der erste heftige Ansturm im August 1893 hatte die Axt an die Wurzel auch dieser Riesen-Eiche gelegt, den ein Jahr später erfolgten Tod seiner Gemahlin hat der Fürst innerlich nie überwunden. Die überwältigenden Beweise von der Liebe und Verehrung unseres Volke-, die ihm zu seinem 80. Geburtstage dargebracht wurden, eine DankeShuldiguug an einen seit fünf Jahren aus dem Amte geschiedenen Minister, von einer Groß- artigkeit, wie die Welt fie noch nie gesehen hatte, — fie konnten in ihm die schmerzliche Empfindung nicht auslölchen, daß die kluge, treusorgende Gattin nicht mehr an seiner Sette stand- ihrem Andenken, der Trauer um fie galt die größere Hälfte der Freude, die er über diese unvergleichliche „Quittung" seiner Volksgenossen empfand. Bier Jahre noch ist er in innerer Trauer um die ihm so früh Entrisieue durch das Leben geschritten. Mit Heldenkraft hatte er fich an ihrem Sarge bezwungen, eine weiße Rose, die er aus dem Blumenschmuck an fich nahm, war gleichsam daS Symbol, das ihn durch den Rest seiner eigenen Tage begleitete. Von den Zritereignifien entfernte er fich von Jahr zu Jahr mehr- seltener und seltener wurden seine warnenden uud mahnenden Worte, die gleich der Stimme de- nationalen Gewtffeus fich mit Ernst uud Nachdruck an jedem Scheidewege geltend gemacht hatten, vor den da- Vaterland sich gestellt sah- er blickte wie au- einer anderen Welt auf die Geschichte, die fich nach ihm, nach seiner Zett entrollte. Aber gleichwie eiostmal- die Götterkraft fich tu der Berührung mit der heimathlicheu Erde erneute, so kehrte auch der Strom der deutschen Politik, selbst wenn er eine Zett lang vom Wege abgetrrt war, immer wieder an die Quelle seiner Kraft, zur BiSmarck'schen Tradition zurück". — Und in den „Hamburger Nachrichten" endlich schreibt eine Feder, die so oft die Weisheit des Fürsten verkünden durfte, unmittelbar unter dem Eindruck der Tode-- Nachricht: „Da- bloße Dasein des Fürsten BtSmarck war für un- ein Machtfactor allerersten Range-. So lauge er lebte, so lange sein mächtiges Augenpaar offen stand und die Entwickelung de- Reiches beobachtete, harre jeder Deutsche die Empfindung, daß uns nicht- geschehen könne, daß schließlich im letzten Moment der alte Held wieder auf dem Plane erscheinen werde, um ein etwaige- verderbliches Spiel der Feinde zu zerstören. Sein Dasein allein aber reichte hin, die Gegner in Baun zu halten, er war von größerer Macht als viele Armeecorps. Und nun ist er tobt. Niemals öffnet er das gewaltige Augenpaar, da- einst eine ganze Welt in scheue Ehrfurcht bannte. Wie werden wir eS ertragen! Gott schenke unserm Vaterlande und den jetzigen Lenkern seiner Geschicke die Kraft, den schwersten Schickial-schlag, der e- betroffen hat, ohne Schaden zu ertragen." — Die persönliche Dienerschaft de- Fürsten BtSmarck erhielt testamentarische Legate von eintausend bis fünftausend Mark. Vermischtes. * Rusfische Srnle-Ausfichteu. Rußland wird auch in diesem Jahre uud folglich bi» tief in den nächsten Sommer hinein unter den Schwierigkeiten einer abermals schlechten Erute zu leiden haben. In amtlichen Kreisen versichert man zwar, daß wir im Ganzen und Großen auf eine halbwegs leidliche DurchschuittSernte rechnen können, doch die statistischen Daten, die zur Unterstützung dieser optimistischen Anschauung dienen sollen, und die wir heute zu prüfen in der Lage waren, lauten sehr wenig vertrauenerweckend. DaS ganze europäische Rußland (ausschließlich deS Großfürsten- thuma Finnland) zerfällt bekanntlich in 63 Gouvernements. In acht Gouvernements steht nun sowohl das Winter- wie Sommergetreide total schlecht- nach dem Grade der Mißernte geordnet, find dies die Gouvernements: Kasan, Wjatka, Ssamara, Ssaratow, Sstmbtrßk, Tula, Pensa und Rjasan. Ssamara, woher die Presse schon berichtet hat, daß Angesichts der gänzlichen Mißernte da- Elend im kommenden Winter und nächsten Sommer sehr groß sein werde, steht also erst an dritter Stelle in dieser Reihe. Allerdings verschärft fich für daS unglückliche Gouvernement die heurige Krisis noch dadurch, daß es schon seit einer Reihe von Jahren ständig von Mißernten heimgesucht wird. In fünf wetteren Gouvernements: Perm, Ufa, Orenburg, Orel und Tambow, steht daS Winter- und Sommergetreide in einem Drittel aller Kreise sehr schlecht, in den Übrigen zwei Dritteln nur halbwegs befriedigend. Endlich haben wir noch fünf Gouvernement-: Wladimir, Kostroma, Nlschnt-Nowgorod und Moskau zu nennen, wo nach der offiziellen Annahme zwar das Wintergetreide „gut" stehen soll, das Sommergetreide dagegen sehr schlecht. Aber gerade diese fünf Gouvernements gehören zur Categorie jener, die vorzugsweise nur Sommergetreide anbauen (daS MoSkau'sche z. B. Exporthafer), so daß mit der offiziellen Angabe die schwere Mißernte der fünf Gouvernement- indirect zugegeben wird. In der amtlichen Mittheilung, die dieser Tage Über den Stand der russischen Ernte erscheinen soll, wird man den schlechten Eindruck etwas.abzuschwächen versuchen. Man wird allerdings alle Gouvernements mit schlechten Ernte-AuSstchten aufzählen müffen, aber hinzufügen, daß daß Uebel schließlich nicht so schlimm sei, da auch in jenen GouvernrmrntS die Ernte vielleicht nur als eine „bunte" bezeichnet werden dürfte, d. b., daß es dort neben Gebieten, wo überhaupt nichts gewachsen ist, auch solche mit einer DurchschnittSernte gebe. Hebet den Werth dieser Beruhigung wird man sich allerdings am wenigsten in Rußland selbst Täuschungen hin- geben. * In 88 VHnnten die Grenzen von fünf Landern zu Lberfchreiten, ist ein Record, den außerhalb Deutschlands Niemand so leicht brechen wird. Da, wo die Weihe Elster in dar Flachland tritt, von dem am linken User der FluffeS fich weitenden Blachfelde an-, auf dem Rudolf von Rheinfelden im Kampfe bei Mülsen am 15. Oktober 1080 gegen Kaiser Heinrich IV. die rechte Hand abgehauen wurde, bei deren Anblick er in die Worte auSbrach: „DaS ist die Hand, mit der ich meinem Kaiser Treue gelobt hatte!", von dort aus beginnt die Reise auf dem Bahnhof Kroffen, Kreis Zeitz, Königreich Preußen. Um 1 Uhr 49 Minuten Mittags, schreibt die „Kieler Ztg." fahren wir ab. Die Fahrt geht wie durch einen Rosengarten, so köstlich ist der Duft, der von rechts auS einem umbuschten Idyll kommt. „Station Köstritz!" ruft draußen der Schaffner, und die Thür wird aufgeriffen. Um 2 Uhr 1 Minute Nachmittags geht die Fahrt weiter. Zwischen langgestreckten Hügelketten rollt der Zug durch Gera. Fürstenthum Rruß j. L., mit seinen Billen und zahlreichen Dawpfschloten. ES find Gegenden, Über die die Geschichte mit ehernem Schritt htnübergeschritteu ist. Maffenmord und Bruderkriege, der dreißigjährige und siebenjährige Krieg, die Napoleonischen Waffen haben diesem Theil deS Thales der Weißen Elster dn unvergängliche- geschichtliches Gepräge gegeben. 2 Uhr 30 Minuten Nachmittag- Station Wolf-gefährt, Großherzogthum Sachsen- Weimar. Nach kurzem Aufenthalt geht e- weiter. Um 3 Uhr 13 Minuten kommt das altersgraue Kirchlein de- DorfeS VettSberg, die erste christliche Capelle Ostthürtngeu-, in Sicht. — „Greiz!" Fürstenthum Rruß ä. L. Ein prächtiges Stückchen Erde! Wenn auch da- Verhalten seine- Regenten dem „Kladderadatsch" viel Stoff bietet, so find seine Bewohner doch ein arbeitsame-, auf der Höhe der Z'.it stehende- Bölkchen. Um 4 Uhr 14 Minuten Nachmittag- läuft der Zug in Station Elsterberg, Königreich Sachsen, ein. Bahnhof Krossen im Königreich Preußen verließen wir um 1 Uhr 49 Minuten Mittag-. Ziehen wir nun von der Gesammt- fahrzeit 145 Minuten dm fahrplanmäßigen Aufenthalt, 57 Minuten, ab, so bleiben 88 Minuten Bahnfahrt, in der wir fünf deutsche Staaten kennen gelernt haben. ♦ Der Name „Bismarck" kommt nicht weniger al- sech-- mal auf der Wett karre vor. Am bekanntesten ist der Bt-marck-Archipel, früher Neubritauuia geheißen, eine zu Melanesien gehörige Inselgruppe im westlichen großen Ocean, seit 1884 deutsche Coloate. Auf dem benachbarten Kaiser- Wilhelm-land in Neu-Gutuea befindet fich da- Bismarck- Gebirge, deffeu vier bedeutendste Erhebungen zu Ehren der Mitglieder der BtSmarck'schen Familie Otto-, Marien-, Herbert und Wilhelm-Berg getauft worden find. Im Südpolargebiete liegt die von der deutschen Gazelle-Expedition entdeckte BtSmarck-Halbinsel. In Afrika erinnern der 1872 von Mauch im Lande der Batonga, im Innern Südafrika- entdeckte Bismarck-Berg und die Station BtSmarck Burg im Togolande an den großen Kanzler, während in Amerika der 5000 Einwohner zählende Havptort deS Territoriums Da- kotah am Uebergange der Nord-Pactficbahn über den Miffouri den Namen BtSmarck trägt. • Wie fich Bismarck einmal einen Korb holte. Herr v. Bismarck war «ffrffor, jung uud unbesoldet, Fräulein v. Tr. in der ersten Blüthe und doch schon eine gefeierte Schönheit. Die Güter der Eltern lagen nebeneinander, die Kinder waren miteinander aufgewachsen. Otto v. BtSmarck empfand plötzlich, daß er die Spielgefährtin liebe und machte ihr in seiner entschtedenen Weise, ohne feine Anstellung abzu- warten, einen raschen HeirathSamrag. Ein eben so geschwinder Korb war die Antwort. Fräulein v. Tr. äußerte fich dahin, daß Herr v. BtSmarck gewiß ein sehr liebenswürdiger Mann sei- für die Ehe aber könne sie e nen Affeffor —selbst wenn er auch KreiSrichter würde — nicht brauchen. Sie fühle eS, daß fie zur Repräsentation berufen sei, daß fie eine Stellung in der Welt etnuehmen müffe. Ja dieser Absicht heirathete da- junge Mädchen bald darauf einen alten Obersten und ist als deffeu Wtttwe vor nicht langer Zeit gestorben. Sie hat lauge genug gelebt, um die beispiellose Laufbahn anzustaunen, die ihren verschmähten Liebhaber zum mächtigsten Staatsmann Europas machte. • Bismarck i« Volke. Es wird erzählt: ES war im kleinen Pavillon der Dampfbahuhaltestelle am Nolleudors- Platz, wo ich öfter- die nach den Westvorstädten gehenden Dampfwagen abzuwarteü gewohnt bin. Die Frau, die dort das kleine Restaurant hält, stand mit einem Blatt Papier in der Hand, auf dem eine Reihe Ziffern mit Bleistift geschrieben war und konnte sich nicht zufrieden geben über eine Berechnung, die mehrere der Bahnschaffner staunend bewunderten. „Das ist doch merkwürdig", hieß eS. „ES stimmt aufs Haar. DaS zusammen gibt die 83 Lebensjahre Bi-marck-." „Was find denn daS für Zahlen?" fragte ein neu Hinzutretender. Auch ich wurde neugierig. „Da sehen Sie selbst, Herr Doctor," sagte die Frau, mit dem Blatt an mich herantretend, „da schrieb ich mir so in Gedanken versunken, wie ich all die ZeitungSgeschichten lese, die Z'ffern der GeburtS- und Todesdaten unseres Bi-marck der Reihe nach untereinander, den 1. 4. 1815 und den 30. 7. 1898 und wa» da zusammengezählt herauskommt, ist die Zahl der Jahre BtSmarckö." Und fie wischte fich mit der Schürze eine Thräne aus den Augen, als ich die Rechnung ÜderlaS: 1 4 1 8 1 5 30 7 1 8 9 8 83. Ni Wissenschaft, Literatur und Nunst. — Die soeben erschienene elfte Lieferung des von Karl Werck- metster herausaegebenen Werkes: „Das neunzehnte Jahrhundert in Bildnissen" bringt an leitender Stelle aus der Fever Foedrtch Meineckes einen biographischen Aufsatz über Hermann v. Boyen, den Nachfolger und Vollender des Werke« Scharnhorsts, den Vorgänger und grundlegenden Reformer der Heereskraft Preuß-nS, wie sie Roon und König Wilhelm fpäter ausgebaut haben. Ihm folgt ein literarisches Lebensbild Schellings, des im Anfänge des Jahrhunderts so gefeierten und am Ende vielfach verkannten Denker-, von Hugo Falkenstein (München); aus dem Reiche der Naturwissenschaften schließen sich an: der Physiologe Johannes Müller und der Astronom Friedrich Wilhelm Befiel, behandelt von Wilhelm Bölfche, der französische Philosoph Victor Cousin, besprochen von Karl Wllke, der Maler der napoleonischen Zeit, Jacques Louis David, von Fritz Knapp, der Bildhauer Ernst Rietschel, der bedeutendste Schüler Rauchs, von H. A. Lier, und endlich Bellini von Leopold Scho ibt Von den Btldnißtafeln, welche wiederum zum größten Theile erstmalig reproducirl sind, machen wir besonders auf das Bild Schellings nach Begas, dann auf die wundervolle Wiedergabe des lithographischen Porträts von Victor Cousin nach Maurin und auf daS Bildniß Ernst Rietschels nach einer Zeichnung von E. Bendemann aufmerksam. ____________ — Allen Denjenigen, welche sich auf leichte und bequeme Art die Kenntniß der französischen, englischen und italienischen Sprache aneignen wollen, feien die Zeitschriften „Le Repetiteur“, „The Repeater“, „Jl ripetitore“ zum Abonnement warm empfohlen. (Berlin, Verlag von Rosenbaum & Hart.) Es läßt sich kaum ein defi res Mittel, diese wichtigsten fremden Sprachen, deren Kenntniß in allen Berufszweigen äußerst werthvoll ist, ausfindig machen, als die Methode der genannten Zeitschriften. Unter jedem fremden Wort steht daS entsprechende deutsche, so daß dem Leser daS Unbekannte sofort auffällt und bei der Wiederholung in Erinnerung gebracht wird, wodurch der Wortschatz sich oeftändig vergrößert. Der Inhalt der Journale ist interessant und unterhaltend, es wechseln in bunter Reihe Poesie und Prosa, Ernst und Scherz, AlleS ist im modernen Stil und äußerst praclisch gehalten. Für die weiter Fortgeschrittenen ist ebenfalls gesorgt, indem die 14tägig erscheinenden Blätter ate monatlich eine Beilage mit nur französtschem, englischem und italienischem Text enthalten, dem zum Zweck befieren Verständnisses am Fuße j,der Seite die nöthigen Anmerkungen beigegeben sind. ES dürften daher diese Zeitschriften, deren Abonnementspreis pro Quartal nur je 1 Mk. beträgt, vielen unseren Lesern willkommen sein. Abonnements auf diese Journale können zu jeder Zett >bet allen Postanstalten und Buchhandlungen gemacht werden. — Das Spitzenklöppeln. Nachgelassenes Werk von Frieda Lipperheide. Den hochgespannten Erwartungen, welche die erst« Lieferung dieses gediegenen Werkes erregt hatte, wird durch die soeben erschienene zweite Lieferung vollauf entsprochen. An den Schluß der Uebungsmuster reihen sich in gesonderten Copiteln Torchon-, Schwedische und Flechtspttzen. Jede dieser Sp tzenarlen ist durch die schönsten charactrristischen Muster vertreten, jedes Muster von Aufwinde und Tabelle begleitet; der jeweilige erläuternde Text beginnt mit interessanten geschichtlichen Notizen über die Herkunft der Spitzenarten. Nachdem unsere Damen dank der vereinfachten Lehrmethode des Werkes die Kiöppelkunst spielend erlernt haben, werden sie nunmehr die schönen Vorlagen mit Vergnügen nacharbeiten. Gleich der ersten ist die zweite Lieferung zum Preise von 75 Pfg. durch alle Buchhandlungen zu beziehen; die übrigen vier Lieferungen sollen in Kürze folgen. — Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von Prof. Dr. Fr. Umlauft. 20. Jahrgang. 1898. (A. HartlebenS Verlag in Wien. Jährlich 12 Hefte zu 85 Pfg. Pränumeration incl. Franco-Zusendung 10 Mk.) Jedem, welcher sich für Geographie im weitesten Sinne interefftrt, ist die „Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik", die bereits im 20. Jahrgange erscheint, auf >as Wärmste zu empfehlen, da man durch btefe Zeitschrift stets auf dem neuesten Stande erdkundlichen Wissens erhalten wird. JedeS Heft bringt in feinem allgemeinen Theile gediegene Aufsätze zur Länder- und Völkerkunde, über geographische Reisen und Entdeckungen. Daran schließen sich kleinere Beiträge astronomischen, physikalisch-geographischen und statistischen Inhaltes, Biographien hervorragender Geographen und Reisenden, sowie Mittheilungen aus allen Erdtheilen. Ein frischer, lebendiger Ton geht durch die ganze Zeit- chrift, welche über zahlreiche treffliche Mitarbeiter verfügt. Die- elbe ist auch vorzüglich illustrirt und jedem Hefte eine werthoolle Karte beigegeben. — Der belgische Dramatiker Maurice Maeterlinck und seine Kunst finden nach und nach in Deutschland immer mehr die ihm gebührende Beachtung. Willkommen dürfte allen Literaturfreunden reshalb der Essay von Leo Berg sein, den die soeben erschienene Nummer 32 der „Umschau" (Franksurt a. M.) bringt. Berg gibt eine klare Analyse Der Maeterlinck'ichen Dramatik und eine seine, treffende Cbaracteristtk der dichterischen Persönlichkeit. Außerdem enthält Nr. 32 der „Umschau" einen Aufsatz über den Aufstand in Kwrangsi von M. v. Brandt, dem vormaligen kaiserlichen Gesandten in China, einen Artikel über Die neuesten Arzneimittel von Dr. Schmidt und eine illustrirte Zusammenstellung der wichtigsten Ereignisse des spanisch-amerikanischen Krieges. Sehr interefiant ist auch ein Aufsatz über Radfahren und Photographieren von G. Lettner, sowie eine Mittheilung über Beriberi. Nachrichten über Technische Neuheiten, Sprechsaal, Zeitschriftenschau und ein Tableau JulLCarrikaturen beschließen die reichhaltige und vielseitige Stummer. ilnivcrfitäts - Nachrichten. — Rector und Senat der Berliner Universität haben Prof. Kiepert eine Adresse in rothem Plüsch mit der goldenen, eichenumrahmten Zahl 80 gewidmet. In der Adresse heißt e« u. 8L: „Wenn es die Signatur der heutigen Wissenschast ist, die hemmenden Schranken zwischen den einzelnen Disciplinen niederzuwerfen und der vollen Wissenschaft freie Bahn zu bereiten, so Haden Sie vor allen Anderen die Schranken zwischen Erdbeschreibung und Weltgeschichte beseitigt; und wenn alle Geschichte am Boden hastet, so haben Sie in erster Reihe ihr diesen Boden bereitet und gefestigt. . . . Immer bereit, jede fremde Arbeit zu fördern, jeden kleinsten Strich in das Gesammtbild der alten Welt einzusüqen, gibt eS wohl keinen Zweiten, dem fo viele Forscher dankbar verpflichtet sind, defim Tag so wie dieser ein internationaler Festtag ist." — Zum Rector der Friedrich-WilhelmS-Univerfität in Berlin für das mit dem October d. I. beginnende neue Studienjahr ist der Geh. Med. Rath Prof. Dr. Wilhelm Waldeyer, Director deS ersten anatomischen Instituts und ständiger Secretär der Akademie der Wiffenfchaften, gewählt worden. Die A der Hmdwnl des SolItfM fielluitg. 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