Sonntag den 7. 'August 1898 Erstes Blatt Nr. 183 Meßmer Anzeiger Emleral-UnMtzer und Zlnzeigeblutt süv den Tiveis Gieren Jlmt Gratisbeilage: Gießener FamilienbliMer steht bevor. Gei**e. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen M In- und tluManbci nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erfcheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schutürahe Ar. 7. Nkzugoprei» vierteljährlich 2 Mark 20 Psg. monatlich 75 Psg. mit Brmgerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich. Rumänien und Rußland. Unter dem Eindrücke des Todes du Altreichskanzlers Fürsten Bismarck sind einzelne Ereignisse, welche wohl verth waren, größere Beachtung zu sinden, nicht genügend gewürdigt worden. So ist z. B der Besuch, den der König und der Thronfolger von Rumänien am Zarenhofe gemacht haben, fast unbemerkt vorüber gegangen. Und doch ist die Zusammenkunft, welche in den letzten Tagen in Peterhof statlgefunden hat, nicht ohne politische Bedeutung, ja sie wird vielfach als ein hervorragendes politisches Ereigniß angesehen. Unter dem jetzigen Zaren hat sich bekanntlich die Stellung des offiziellen Rußlands zu mehreren Staaten in bemerkenswerther Weise geändert. Wir brauchen nur daran zu erinnern, daß unter Alexander III. die Beziehungen Rußlands zu uns sehr kühle waren und an Frostigkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Dasselbe war in Bezug auf Rußland und Oesterreich der Fall; auch gegen dieses hatte Alexander III. entschieden eine Aversion. Und gar zwischen Rußland und Rumänien war da» Verhältniß nicht» weniger als glänzend; man hielt den rumänischen König für einen verkappten Preußen, für einen geheimen Älliirten des Dreibundes und hatte zu ihm wenig Vertrauen. Das Alles ist anders geworden, seitdem Rico* laus II. den Thron Rußlands inne hat. Er kam Deutschland berzlich entgegen, knüpfte mit Oesterreich intimere Beziehungen an und zeigte auch Rumänien viel mehr Wohlwollen, als es fein Vater gethan hatte. Und wenn wir einen Rückblick werfen auf den Verlauf der Anwesenheit König Karls in Petersburg, so müssen wir constatiren, daß sie einen großen Erfolg für das junge Königreich Rumänien bedeuten, daß sie eine wettere Anerkennung dafür sind, daß der Staat Rumänien von den Großmächten ernst genommen wird, daß er keineswegs so bedeutungslos ist wie andere Balkanstaaten und daß er innerhalb der internationalen Politik immerhin einen Factor bildet, mit dem gerechnet werden muß. Rumänien ist rin junges Staatswesen; auch es verdankt feine Unabhängigkeit dem letzten russisch türkischen Kriege, in welchem seine Truppen bekanntlich unter Führung de» damaligen Fürsten Carol manche Erfolge errangen und nicht unwesentlich zum Ausgange des Krieges beitrugen. Vielleicht hat Rußland erwartet daß sich ihm Rumämen enger an« schließen würde, nachdem es unabhängig geworden war. Wer König Karl sah weder nach rechts noch nach links, '»ndern verfolgte seinen eigenen Weg, und wie wohl er daran zethan hat, sieht man an seiner ureigenen Schöpfung, dem heutigen Rumänien, da» in den letzten Decennien ganz ungeahnte culturelle Fortschritte gemacht hat und dessen Freund« schuft heute von großen, mächtigen Staaten gesucht wird. Daß die Beziehungen zwischen Rumänien und Oesterreich seit langer Zeit die herzlichsten sind, ist bekannt. Die Anwesenheit des Kaisers Franz Josef in Bukarest »ar ein Beleg dafür, wie groß die Werthschätzung dieses Monarchen für den aufstrebenden Donaustaat ist, und es darf wohl als sicher angenommen werden, daß Rumänien bei einer europäischen Verwickelung auf der Seite seiner westlichen Nachbarn zu sinden sein wird. Eine Aenderung bl der rumänischen Politik dürste schwerlich aus der Mo« narchenzusammenkunft in Petersburg hervorgehen, und wenn Rußland etwa geglaubt hat, durch einen besonders glanz« vollen Empfang des Königs eine Schwenkung in der Politik seiner Regierung fördern zu können, so hat es sich jedenfalls in einem schwelen Jrrthum befunden. Aber es ist auch für Rumänien viel werth, zu Rußland wieder in einem freundnachbarlichen Verhältnisse zu stehen, die guten Beziehungen zvifchen dem Zaren und dem König können nur dazu dienen, das Ansehen Rumäniens im Rathe der Völker zu stärken. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietzen. Fernsprecher Nr. 51. und zur Hinfahrt den Zag 3 Uhr 13 Min. Nachmittag» ab Gießen, zur Rückfahrt sogar die beiden Züge 8 Uhr 4 Min. und 11 Uhr 28 Min. Abend» ab Lollar in Badenburg hallen läßt. •* Der Jahresbericht der Großh. tza«deUka»mer Gietzen für 1897 ist erschienen. Derselbe enthält außer den gewohnten Mtttheilungen über die durch die Kammer während de» Be« richt»jahreS behandelten Fragen einen Rückblick aus dir 25jährige Thattgkeit der Kammer, er kann sonach al» eine Art Jubiläumsbericht betrachtet werden. Wir kommen auf den Inhalt des Bericht» noch zurück, und theilen vorläufig die zunächst allgemeine» Interesse beanspruchende Einleitung mit. In derselben heißt e» . Der wirtschaftliche Aufschwung, welchen wir im Jahre 1896 mit Befriedigung constatiren konnten, hat im Berichtsjahr im Allgemeinen keine Beeinträchtigung erlitten. Die Besserung der Lage war vielmehr in fast allen Zweigen unserer Industrie, theilweise auch de» Handel», eine zunehmende. Eine» besonderen Aufschwung» durften sich unsere Maschineufabrikation und Metallwaaren-Gießerei, der- Kunden mit Installation von Bade-Einrichtungen rc. erfreuen. Leider ist jedoch in dem für unseren Bezirk wichtigsten Industriezweige, der Cigarreu-Jndustrie, eine Wendung zu« Besseren im verflossenen Jahre nicht eingetreten. Die Ursachen für die mißliche Lage dieser Brauche find tu den Spezial« berichten derselben geschildert, auf welche wir de»halb Hinweisen. In absehbarer Zett dürfte wohl eine Besserung in den derzeitigen Verhältmssen nicht zu erwarten sein. Der Kleinhandel leidet mit wenigen Ausnahmen nach wie vor unter der drückenden Soucurrevz von Eonsum-Beretneu, Versandt« und Bazar-Geschäften. Grundsätzliche Gegner von Eonsum- und Privat-Eiukauf-veretnen, fiod wir stet», wir ramevtlick auch au» unserem Vorjährtgen Berichte zu ersehen ist, für die Anwendung geeigneter und gesetzlich zuläsfiger Maßnahmen brhuf» deren Einschränkung eingetreten. Die Beeinträchtigung durch Bersandt-Geschäfte ist von nist zu unterschätzender Bedeutung, kann jedoch durch die Gesetzgebung nicht beseitigt werden. Dagegen wollen wir nicht unterlassen, an dieser Stelle — wir e» schon früher von un» geschehen — mit Bedauern auf die Beobachtung htnznweiseo, daß vorzugsweise solche Kreise, welche dem Geschäft»leden beruflich ferner stehen, m>t Borlirbe die in geschickter Form und Ausstattung erscheinenden Cataloge jener Geschäfte stu- dtren und gern Anlaß nehmen, dorthin ihr baare» Geld wandern zu lassen, für welche» sie in den weitaus meisten Fällen mit größerer Sicherheit (durch gebotene Prüfung der Waare) fich zum Mindesten gleich vortheilhaft bet« heimischen Kaufmann versorgen könnten. Der Detailhandel verspricht fich eine Besserung seiner Lage durch die jüngst ringelelleteu Erhebungen, welche in eingehendster Weise die seinem Niedergang zu Grund liegenden Ursachen erforschen sollen, um daraufhin etu staatliches Eingreifen zu ermöglichen. Wenn wir auch bezweifelten, daß durch diese EnquZte ein zuver« lässiges Resultat geschaffen werden könne, so waren wir doch bereit, unsere Dienste dieser Angelegenheit zu widmen, indem wir unS bei den einleitenden Berhandlungeu der Mitwirkung de» htefigeu Detatllisten-Vereivs versicherten, welcher unS wiederholt in Fragen, welche den Kleinhandel berühren, ein bereitwilliger Mitberather gewesen ist. Die Ausführung der Erhebung für da» Gebiet des GroßherzogthumS Heffen läßt Groß« herzogliche StaatSrezierung durch ihre KreiSämter vornehmen. Mit großer Gruugthuung begrüßen wir die Thatsache, daß bereits jetzt — fünf Jahre vor dem Ablauf der Handel»« Verträge — die Deutsche ReichSregieruug fich ein möglichst klares Bild von der wirihschaftlichen Lage des Reiche» nud seiner Haudelsinterrffen zu machen sucht, indem sie zu diesem Zwecke hervorragende Fachmänner au» allen Gebieten de» wirthschastlicheu Leben» zum Zwecke der Vorbereitung künftiger Handelsverträge in einem „Wirihschaftlichen Ausschuß" vereint hat. Sonach dürfen wir unS der Hoffnung hivgebeu, daß unsere RetchSregieruug unbeirrt aus dem Wege der Handel»- verrragSpolttik sortschreitru und eS ihr gelingen wird, deu Abschluß möglichst langfristiger Verträge zu erwirken, unter deren Schutz der Deutsche Handel und Verkehr fich weiter zum Segen des ganzen Vaterlandes entwickeln wöge. ••r Ständchen. Gestern Abend brachte der Gießener Mänuergesavgvereiu seinem Präfideuten, Herrn Emil Kalbfleisch, ein Ständchen zur Feier seines 25jährigeu Jnblläum» als Mitglied der freiwilligen Satl'schen Feuerwehr. Die vor- träge unter der vortrefflichen Leitung des Herrn Mufikdireetor Krauße wurden exact und flott zu Gehör gebracht. Wir wünschen dem rührigen Verein, welcher heute, SamStag, Abend, bereits wieder einen Ausflug nach TextorS Terraffe geplant hat, etu ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen. & Mtirei nach n°nen äwedei zu ret , . 77Qi ^baudes^ietze^ Ar-unden tö-il-st Mung der Am Stelle Nr. 16 fr. he Geschädei 10 u- 20 Pfg. Deutscher Reich. Berlin. 6. August. Gegenüber der Beschuldigung eine» Berliner Blattes, daß Ungarn au» Bequemlichkeit fich nicht za Gunsten der Deutschen in Oesterreich verwende, bemerkt der officiöse „Nemzet", daß Ungarn trotz aller Sympathie und aufrichtiger Liebe für die Deutschen dir» nicht thuu könne, einfach weil daS Gesetz dies verbiete. Berlin, 5. August. Der „Local-Anzeiger" meldet aus FriedrtchSruh: Die Zusendungen von Kranzspenden dauern fort. Von den heutigen Eingängen sei eine Spende der deutschen Kolonie in Antwerpen und deS Bi»marck-Eomit6» in Effeu erwähnevSwerth. Die Familie be» Fürsten bleibt entgegen der ursprünglichen DiSpofitiouen noch eine Woche hier verfawwelt. — Der württembergische Gesandte in Berlin ist hier eingetroffm. — Die Seydlitz Kürassiere Arrrtarrd Ln-rru, 5. August. Gestern Nachmittag stürzten van der Ostseite be» StauzerhornS die Touristen Moritz Guggenheim au» Baden im Aargau und Emil Bloch au» Bruck im Aargau ab. Ersterer ist tobt, letzterer wurde gerettet. Rom, 5. August. Dem „Eoreiere" zufolge fürchtet mau im vattcau, der amerikanische Corgreß werde die Au»- Weisung der Jesuiten au» der Union beschließen. Madrid, 5. August. Mittelst Regierung»decret» wurden die Befestigungsarbeiten in den Hafeustädteu eingestellt. Madrid, 6. August. Offiziell wird bekannt gegeben, daß Amerika nur so lange die Stadt uvd Bay von Manilla besetzt halten wird, bi» die Frage der zukünftigen Regierung»« form auf den Philippinen geregelt ist. Peter Holm. Karlsruhe, 5. August. Der evangelische Oberktrcheurath hat den Geistlichen empfohlen, beim nächsten Sonntag»- Gottesdienst der Verdienste de» Fürsten Bismarck um das Vaterland ehrend zu gedenken und deu Wüascheu der Gemeindeu betreffs besonderer Trauerfeieru thuoltchst entgegeuzukommeu. Mi ~,Cerouttey Local«, und Provinzielle». Gieße», deu 6. August 1898. •• Tas gestrige Coucert der ungarischen Capelle in dem Restaurant Kmsergarten batte fich eines recht zahlreichen Besuche» zu erfreuen und fanden die Vorträge allseitig größten Beifall. Ohne Noten wurden die schwierigsten Paffagen wiedergegeden- vornehmlich die Geigensoli de» LapellmeisterS Herrn Dombh Karoly ernteten reichen Beifall. Ein solche» Feuer und eine derartige Wärme vermögen nur Ungarn ihrem Spiele zu verleihen. Der Besuch der heute und morgen Abend in Röhrle» Bierhalle statlfindenden weiteren Concerte, sowie der Sonntag» MatinLe im Kaisergarten sei daher Musik- freunden fctften» empfohlen. w • • Fürst Bttzmarck war Dollar aller Facultateu. Die Ehrenernennungen hatten folgende» Datum: 1. Dr. philo- soxlriLS zu Halle, 21. Juni 1867. 2. Dr.juris zu Göttingen, 18. März 1885. 3. Dr. juris zu Erlangen, 1. April 1885. 4. Dr. acient. polit. zu Tübingen, 1. April 1885. 5. Dr. theoL zu Gießen, 10. November 1888. 6. Dr. medicinae zu Jena, 16. Juli 1896. • • Bürgermeister-Versammluug. Zur Ergänzung de» Be- richt» in Nr. 181 d. Bl. über die letzthin stattgehabte Lou- ferenz der Bürgermeister au» den Landgemeinden wird un» »itgetheilt, daß der in der Notiz n.cht genannte Senior der Bürgermeister de» Kreise» Gießen, Herr Schwarz zu (Sorben« reich ist. — Die Versammlung fand übrigen» nicht in Langsdorf, sondern auf dem Schiffeuberg statt. . • • Sehr entgegenkommend zeigte sich die Eisenbahn- Direction Frankfurt a. M., indem sie dem Ersuchen de» Kaufmännischen Vereins, der morgen, Sonntag den 7. d. Mr»., einen Aukflug nach Badenburg unternimmt, stattgegeben Hamburg, 6. August. Der Senat verfügte die Aus- lieferung de» verhafteten dänischen SocialistenführerS thrf'ücint täfifirf) mit Ausnahme des Montag». Dir Gietzener A-smiliendtttter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigrlrgt. Rinn. I, Weil, i® Scbvanen. . XXVIIL >rr & $e- . ph. Amol4' ßingma“11 Lgh W^SchlapP' geidsrte »' ' laugen, g, Gerb»^‘ erhard. Hahn- Mldesia^ielheN- ... i und die Hälfte des Jnfanterie-EommandoS haben heute Frted- richSruh verlassen. Der Rest bleibt hier bi» auf Widerruf. — Die Republik Venezuela legte durch eine Ham- burger Firma einen Kranz von größter Pracht im Werthe von 3000 Mk. nieder. — Förster Sp örke, welcher Sonntag Nacht die beiden Photographen unberechtigt ins Schloß eingelassen batte, wurde ohne Pension entlassen. Berlin, 6. August. Aus London meldet der Local-Avz.. Nach einer Meldung aus Washington habe der Präsident beschlossen, den Pag ozag o - Hafen in Samoa, welcher der Union im Jahre 1878 cedirt wurde, zur Errichtung einer voll ausgerüsteten Flotten- und Kohlnistatiou zu benutzen. Diese Handlung stoße ClevelandS Politik um und zeige Deutschland au, daß Amerika keiueswegS seine Rechte in der Südsee aufzugeben beabsichtige. Die Regierung halte es in Anbetracht möglicher Verwickelungen wegen der Philippinen für geboten, so gerüstet zu fein. Große Kohlen- vorräthe seien zur Versendung bereit. Hamburg, 6. August. Gestern erfolgte hier die Eon- stituiruog des Comitä» für daS BiSmarck-Denkmal. Ein von tanseud Hamburger Bürgern unterzeichueier Aufruf ch, WM. teil Keiler U aste. MH a eX I 1 ifohlen. Etiketten. ), 5- e M. S.- torkranke. a- 2.-. § k 1 10 Mark H Loose w ÄO baaroh»6^ gsgöp1 •• Desertier. Siu verhafteter Landstreicher entpuppte fich als Deserteur de- 55. Infanterie-Regiment» (Detmold). Unter den Civtlkleideru trug er noch die Militärkleider. Der Verhaftete wurde seinem Regiment wieder zugesührt. Sterbekasse der Bundes Deutscher Skstwirlhe. Es giebt bekanntlich eine große Anzahl von Instituten, deren Aufgabe er ist, deu Angehörigen der Mitglieder einen an- sehnlichen, sofort greifbaren Geldbetrag dann zu gewähren, wenn der Ernährer in ein besseres Jenseits abgerufen wird. Eines der bedeutendsten derselben ist wohl die 1892 begründete Tterbekafse des Bunde» Deutscher Gastwirthe (Juristische Person), Sitz in Darmstadt, welche in deu 5 Jahren ihre» BesteheuS ca. 9 000 Mitglieder mit über 9 Millionen Mark BerficherungS-Eapital ausgenommen und mehr als 800000 M!. au die Wittweu und Waisen ihrer Mitglieder ausbezahlt hat. Während diese Riesensumme für die Leistungsfähigkeit der Kasse spricht, beweist deren Sicherheit, der mehr als 350 000 Mk. betragende Reservefoud. Diese Kaffe beruht auf wiffenschaftlicher (verficherungStechuischer) Grundlage- fie verließ schon im Jahre 1893 da» bekanntlich sehr unsichere und daher auch von vielen Regierungen verbotene Umlagesystem, da» schon so viele Kassen zu Grunde gerichtet und die Hoffnungen von Tausenden von Hinterbliebenen zu Nichte gemacht hat. Mit Auszahlung der Sterberenten von je Mk. 1000 bezw. Mk. 1214 an so viele Familien wurde ficherlich viel Gutes gethan und der edle Zweck der Kaffe tu reichem Maße erfüllt. Die Mitgliedschaft erscheint daher ficherlich al» ein großer Schutz und Segen für jede Familie, weshalb es wohl im eigensten Jntereffe aller der Kaffe noch nicht angehörenden Herren Gastwirthe liegen dürfte, derselben zum Schutz und Segen ihrer Angehörigen alsbald einzutreten. Die Aufnahme Bedingungen find einfach und die Beiträge niedrig, wodurch der Eintritt sehr erleichtert wird. Bei den in fast allen Städten vorhandenen Ort»- rechuern, wie auch bei der Direction, find sowohl Statuten als auch nähere Auskunft zu erhalten. •• Falls Wetterprognose für deu August. In dem ersten Drittel de» Monats August trete« nach Falb bei im Allgemeinen normaler Temperatur zahlreiche Gewitter auf, die im zweiten in Landregen übergehen. Da» dritte Drittel ist anfangs kalt und später auffallend warm, während die Landregen wieder durch Gewitter abgelöst werden. Im Ganzen find die Niederschläge de» Monat» anhaltend und ziemlich ergiebig. Kritische Tage hat der August drei und zwar zwei erster Ordnung am 2. und 31. und einen zweiter Ordnung. Der 31. ist der stärkste kritische Tag de» ganzen Jahres und bringt um den 27. oder 28. zahlreiche Gewitter mit fich. — Diese Prognose ist zum Verzweifeln „niederschlagend". *• Holländische Gulden. Im allgemeinen Jntereffe sei darauf htugewiesen, daß mau augenscheinlich wieder versucht, Nordwest-Deutschland, und auch besonder» die Rheinlaude, mit holländischen Gulden zu überschwemmen und da» Publikum sehr empfindlich zu schädigen. Da der holländische Silbergulden nur einen Werth von Mk. 1.70 hat und für ein Zweimarkstück au»gegebeu und vielfach angenommen wird, so ist der Schaden auf der einen Seite empfindlich. ES ist daher Borficht geboten. Wetterbericht. Hoher Druck ist mit Macht von Westen hereiugerückt und hat ueuerding» vom ganzen Continent Be- fitz ergriffen. Sein Maximum zieht sich al» ein breiter Rücken von Frankreich und der Schweiz über einen großen Theil von Deutschland bis nach Mähren und Ober-Oester- reich. Der niedere Druck beschränkt fich auf deu Norden Europa». Nachdem auf unserem Gebiete gestern vielfach Gewitter, stellenweise mit starkem Regen stattgefundeu haben, war am Morgen die Witterung im Westen trüb, doch scheint fich da» barometrische Maximum bald mehr Geltung zu verschaffen. — Voraussichtliche Witterung: Heiter und warm, im Süden Gewitter nicht au-geschloffen. Ars» der Zett für die Zeit. Vor 263 Jahren, am 7. August 1635, starb zu Trier Friedrich von Spee, ein Jesuit, der seinen edlen Geist durch unermüdetes Wohlthun gegen Leidende jedes Glaubens bewies und besonders die Hexenproceffe kühn bekämpfte. Seine geistlichen Lieder gab er heraus unter dem Titel „Trutz Nachtigallen". In denselben herrscht bei einem Reichthum sinnlicher Bilder und Anschauungen eine inbrünstige Liebe zum Helland. Er wurde 1592 in Kaiserswerth geboren. Vor 59 Jahren, am 8. August 1839, wurde zu Warmbrunn in Schlesien der Zoologe Otto Fl in sch geboren. Seine Forschungsreisen in Polynesien und Neu-Guinea gaben dazu Anlaß, daß auf der Inselwelt der Südsee umfangreiche Schutzgebiete des deutschen Reiches entstanden sind, das somit eine bebeutenbe Stellung in Polynesien einnimmt. vormischtes. * Die Zukunft der Chemie. Den Verhandlungen de» Congreffe» für angewandte Chemie widmet die Wiener „MontagSrevue" folgende» lehrreiche Nachwort: „Die Zukunft der Medicin liegt in der Chemie", sagte der große Kliniker Heinrich v. Bamberger und folgte den Fortschritten der letzteren Wiffenschaft mit derselben Sorgfalt, die er seinem eigenen Fache zuwandte. Der Satz ist seither richtung- gebend geworden. An allen medieinischen Facultäteu wird die «edicinische Chemie eifrig gepflegt, di? jüngeren Mediciner gehen in großen Schaaren in die Laboratorien und nicht wenige erwerben neben dem Doctorat der Medicin auch da» Doctordiplom der Chemie. Noch find die Erfolge nicht epochal, insbesondere bemerkt da» Laieupnblikum nicht» Auf- fällige» au» der neuen Richtung, allein wenn man weiß, daß die Aerzte von ehedem kaum deu chemischen Charakter der von ihnen verabreichten Medicamevte und noch weniger die Art ihrer beabfichtigteu Wirkung genauer kannten, wird mau den ungeheuren Fortschritt ermeffen können, welchen die moderne Methode der Forschung darstellt. Die Fieberhitze muß die Folge eine» Oxydation»- oder DerbrennungSproceffe», also eines chemischen Vorganges im menschlichen Organismus, sein. Die Eiterbildung ist gewiß die Folge einer chemischen Der- äoderung gewiffer Körpertheile. Die oft tödtlichen Neu- btldungeu im Leibe hängen gewiß mit chemischen Umgestaltungen zusammen. Alle diese Vorgänge sind noch ungelöste Räthsel. — Bamberger» berühmter Schüler und Nachfolger, Neuffer, wendet sein besondere» Studium dem Blut und seinen Modi- ficationen durch Krankheiten zu. E» mag sich dabei vorwiegend um physiologische Erscheinungen handeln, aber ficherlich stehen die chemischen Proceffe im Vordergründe und bedingen wahrscheinlich auch die ersteren. Die organische Chemie, oder wie fie jetzt heißt, die Chemie der Kohlenhydrate, weil in allen „organischen" Körpern Kohlenstoff und Wafferftoff enthalten find, bildet auch jetzt noch ein mit vielen Siegeln verschloffeneS Buch, obwohl seit den Deutschen Liebig und Wöhler und den Franzosen Duma», Pasteur und Berthelot von manchen Geheimniffen der Schleier emporgehoben und die Natur erfolgreich in den Werkstätten der Chemie nachgeahmt wurde. Im Großen und Ganzen kann jedoch die moderne organische Chemie mit ihren unzähligen Derivaten, endlosen Namen und Formeln nur ein Uebergang»stadium zur genaueren Erkeuntniß der organischen Vorgänge und, wie die Chemiker hoffen, zur synthetischen Herstellung organischer Producte in großem Umfang bilden. In vereinzelten Fällen ist die» schon gelungen, Harnstoff, Essigsäure, Kampfer, Indigo und manche» Andere wird bereit» in deu Laboratorien erzeugt, aber e» ist doch im Ganzen sehr wenig. Man denke fich nun, wa» e» zu bedeuten hätte, wenn es möglich wäre, den Rohzucker oder da» Stärkemehl, die für die menschliche Ernährung wichtigsten organischen Körper, künstlich herzuftellen. Auf solche Dinge de» practischen Leben» und auf die Lösung der großen Probleme der Medicin ist da» Auge der modernen Chemie gerichtet. Daraus läßt fich aber auch ermeffen, weß- halb fie al» die große Wiffenschaft der Gegenwart und Zukunft bezeichnet wird. — Al» Dubois-Reymond einmal die — allerdings rifit auf ganz kurze Zeit — wiederbelebende Kraft des electrische» Strome» au einem Leichnam in einer populären Vorlesung demoustrirte, rief eine in der ersten Bank fitzende alte Dame auS: „Ach Gott, warum muß man denn gerade jetzt sterben, wo das ewige Leben so nahe ist I" Nun, so weit find die Dinge noch nicht, allein welche Bedeutung insbesondere der modernen Chemie innewohnt, zeigt am deutlichsten die starke Hinaufrückung der durchschnittlichen menschlichen Lebensgrenze in der civilifirten Welt. Die Hygiene, die Vorsorge für die menschliche Gesundheit durch vorbauende Mittel, ist im Wesentlichen nichts Andere» al» eine Zusammensetzung einer Reihe von chemischen Lehren über die Dinge, welche dem menschlichen OrgauiSmu» schaden oder nützen. Wenn die Existenzbedingungen de» Menschen nach ihren Anweisungen eingerichtet werden, ergibt fich die Verlängerung de» menschlichen Dasein» al» selbstverständliche Consequenz. Die Goldmacher wurden im Mittelalter als Ketzer verbrannt, obwohl fie daS kostbare Porzellan entdeckten. Auch jetzt noch find die Chemiker der Kirche ein Dorn im Auge, denn für fie mußte es wohl ein Gräuel sein, wenn ein berühmter österreichischer Chemiker, der verstorbene Gottlieb in Graz, seine Vorlesungen mit den Worten einleitete: „Meine Herren, ich weiß nicht, mit welchen Gefinnungen und Ueberzeugungen Sie in diesen Saal gekommen find, aber hier bitte ich Sie, nur zu glauben, was Ihnen mit der Kreide auf der Tafel, mit dem Messer in der Hand oder in der Eprouvette bewiesen werden kann." DaS war wohl auch „ketzerisch" gesprochen und man kann sagen, daß in diesem Sinn alle Chemiker wirkliche Ketzer find. Ader verbrannt werden sie doch nicht mehr, sondern ängstlich horcht da» ganze menschliche Geschlecht auf jede neue Verkündigung aus ihren übelduftenden Geheimkammern und erwartet davon die Lösung eines Räthsel», die Berbefferung feiner Dasein»verhältniffe, die Erhaltung und Stärkung seiner Gesundheit, die Verlängerung seines Lebens. Und an den Wohlthaten der Wiffenschaft nehmen Alle Theil, auch Diejenigen, die fich unter der Kutte über fie ärgern, denn die Wiffenschaft ist nicht kirchlich und nicht atheistisch, wie fie eben so wenig national, conservativ, liberal, radical oder socialdemokratisch genannt werden darf. Sie ist die Wahrheit, die Alle bezwingt und Alle beglückt. * Trinkgeld für Strauß. Aus Erfurt schreibt man: „Eine köstliche Episode, die den Vorzug hat, wahr zu sein, ereignete fich gestern hier gelegentlich des vom Wiener Hof- ballmufikdirector Eduard Strauß gegebenen Concert». Ein Kreis von Gästen wollte gern den Donauwalzer hören und beschloß deshalb eine gemeinsame bezügliche Bitte an den Mufikdirector. Sie riefen einen jungen Kellner, gaben diesem als Trinkgeld 25 Pfennig und sandten ihn mit einem Zettel, auf dem das Gewünschte geschrieben stand, auf» Orchester. Der Kellner übergab aber nicht blo» den Zettel, sondern auch die 25 Pfennig an Eduard Strauß. Dieser lachte herzlich, als er das „Honorar" besah, dann gab er die 25 Pfennig dem Kellner zurück, diesen, der blutroth im Ge- ficht wurde, über seinen Jrrthum aufklärend. Hierauf wandte er fich zu der Capelle, und bald erklangen unter jubelndem Beifall die Accorde der „schönen blauen Donau". * Auf der Homburger Kurterraffe. Der „Taunusbote" schreibt: „Die hohe Saison steht in Homburg vor der Thür, und wer fich davon überzeugen will, der braucht nur Abend» die Kurterraffe zu besuchen. Don versammeln fich nach dem Diner auf der zweiten Terraffe die Töchter und Söhne Altengland», um noch ein wenig zu promeuiren, zu flirten oder zu Politifiren. Dort hat mau auch Gelegenheit, die Toiletten der Damen zu bewundern, die auf dem Gebiete der Mode oft tonangebend find. Da sahen wir eine große schlanke Gestalt in einer kleidsamen Robe von meergrünem Tüll, deren Taille durch ein violett mit weißen Spitzen besetzte» Cape den Blicken verborgen war- den Kopf bedeckte ein schwarzer Hut mit zwei großen Federn, deren Kiele mit Brillanten dicht besetzt waren. Ueberhaupt bilden große Federn kostbarster Art deu Hauptschmuck der Damenhüte, selbst wenn schon eine andere Garnitur wie B. von Rosen, den Rand füllt. Sehr vornehm und kostbar find die schwarzes Roben mit Silber besetzt, die man öfter sieht. Einen farbenprächtigen Anblick bot ein hellgrüne» Kleid au» moiree antique, daS, wie alle der neuesten Mode nach, außerordentlich enge Aermel aufwies. Sehr Vortheilhaft erschien diese Aermelmode an dem weißen Crepe-Kleide einer jungen Dame, deren voller Arm in den unterbrochenen Ringen des Aermel- besatzes zur Geltung kam. Silbergrauer Merveilleux mit weißem Spitzenbesatz der Taille ist als Kleidungsstoff ebenso geschmackvoll als Chinoi-seide mit mattem Blumenmuster und cochenillefarbene Seide mit eingepreßten schwarzen Blumen. Zu allen diesen kostbaren Kleidern wahre Kunstwerke von Spitzencapes und Hüte mit dem schönsten Federn- schmuck. Dies Alles, wo e» irgend anzubringen ist, geziert durch die werthvollsten Edelsteine in mannigfaltigster Fassung und zusammengehalten von Brillantnadelu in jeder Größe. Wahrlich, wer Toilettenreichthum bewundern will, der kann wohl lange reifen, bi» ihm dazu solche Gelegenheit geboten wird, wie zur hohen Saison in Bad Homburg." • Sport. 1000 Mark als Preisbewerbung hat der „Deutsche Sport" in Berlin soeben für die bevorstehenden großen internationalen Rennen in Baden-Baden aus- geschrieben, und zwar für Angabe der ersten drei Pferde in der Großen Handicap-Steeple-Chase, der Hauptnummer der großen sportlichen Veranstaltung am letzten Tage. Zur Theil- nahme an dieser Preisbewerbung, für welche die Einsendungen bis zum 15. August zu erfolgen haben, ist jeder Abonnent des „Deutschen Sport" berechtigt, auch die für August-September neu hinzutretenden. Die neue Preisbewerbung ist bereits die siebente, welche das genannte Blatt in diesem Jahre ausschreibt, und dürfte es noch nachträglich interesfiren, daß die letzte anläßlich des Deutschen Derbys in Höhe von 3000 Mark ausgesetzte, von einem Hamburger gewonnen wurde. * Berlin, 4. August. Wie gut aufgelegt und verhält- nißmäßig kräftig fich noch vor kurzer Zeit Fürst Bi»rnarck häufig fühlte, beweist eine Episode, die die „Hamb. Nachr." erzählen: Vor etwa 14 Tagen äußerte Nacht», kurz vor Anbruch de» Morgen», der aus wohlthatigem Schlummer soeben erwachte Fürst den Wunsch, eine Pfeife zu rauchen. Dem Kammerdiener, der davon — freudig — Überrascht wurde, entfuhren, als er von feinem Lager aufsprang, die kräftigen Worte: „Na, nu schlag aber Gott den Deibel bot!" Der Fürst, der die Berliner Redensart nur halb verstanden hatte, fragte den an seinem Lager stehenden Arzt: „Was sagte Pinnow da eben?" Und als ihm der Ausruf des Diener» wiederholt wurde, schüttelte Fürst Bismarck fich wiederholt vor Lachen über die urwüchsige Bemerkung, die sein Begehr nach der geliebten Pfeife hervorgerufen hatte, und schmauchte daun mit großem Behagen nicht einen, sondern zwei der ziemlich großen Meerschaumköpfe leer. * Kerusprüche Fürst BiSmarckS. „DaS bin ich nicht gewöhnt, ich schlage wieder, wo ich geschlagen werde. Sie können mich bis zu einem gewissen Grade ermüden und aufreiben, aber so lange meine Kräfte au-reichen, fechte ich.- (1881.) — „Ich bin im Innersten meine» Herzens bei allem Erfolg vor Gott und Menschen stets dernüthig geblieben und habe mir denselben nicht zugeschrieben." (1885.) — „Die Könige von Preußen find niemals Könige der Reichen vorzugsweise gewesen." (1865.) — „Nie bin ich Parteimann gewesen, ich bin immer der Mann deS Staate» und de» König» geblieben." (1886.) — „Ich gebe zu bedenken, daß ein Appell an die Furcht in deu'schen Herzen niemals ein Echo findet." (1868.) — „Ich betrachte auch einen siegreichen Krieg an fich immer als ein liebel, welches die StaaS- kauft den Völkern zu erschweren bemüht sein muß." (1879.) — „Wenn man versprechen kann, so kann man auch gewählt werden." (1865.) — „Für mich hat immer nur ein einziger Polarstern, nach dem ich steuere, bestanden: salus publica." (1881.) — „Doktrinär bin ich in meinem Leben noch nie gewesen- alle Systeme, durch welche die Parteien fich getrennt und gebunden fühlen, kommen für mich in zweiter Linie, in erster Linie kommt die Nation, ihre Stellung nach außen, ihre Selbständigkeit, unsere Organisation in der Weise, daß wir al» große Nation in der Welt frei athmen können." (1881.) — „So lange ich lebe, wird e» einen Royalisten und einen sicheren Diener be» Kaiser» geben." (1881.) — „Eine Regierung muß nicht schwanken- hat sie ihren Weg gewählt, so muß fie, ohne nach recht» ober links zu sehen^ vorwärts gehen- kommt fie inS Schwanken, so wird fie schwach und darunter leidet da» ganze Staatsgebäude" (1868.) — „Der Staat, dem seine Ehre und Unabhängigkeit lieb ist, muß fich bewußt sein, daß sein Friede und seine Sicherheit auf seinem Degen beruht." (1869.) — „Der Großgrundbesitzer, der auf dem Lande wohnt, ist noch nicht der schlimmste> der schlimmste ist der Großgrundbesitzer, der in der Stadt wohnt, sei eß in Paris, Rom ober Berlin, und der von feinen Gütern und Verwaltungen nur Geld verlangt." (1885.) — „Unsere deutsche Zukunft ist wesentlich auf unserer Verfassung und auf dem parlamentarischen Leben bafirt." (1894.) — „Ich lerne vom Leben, ich lerne so lange ich lebe, ich lerne noch heute." (1885.) — „Der liebe Gott hat e» weise eingerichtet, den Deutschen die Vorliebe für Meinungsverschiedenheiten zu verleihen, denn sonst würden, bei Einigkeit in allen Dingen, solche Kerle, wie die deutsche Nation, die ganze Welt aus den Angeln heben!" (1881.) * Bismarck» letzter Walzer. Madame Carette, die einstige Vorleserin der Kaiserin Eugenie, erzählt in ihren Memoiren: Auf einem großen Balle, der in den Tuilerien während des 1867er AuSftellungSbesuche» de» König» von Preußen diesem zu Ehren gegeben wurde, kam mir während des CotillonS die Idee, dem Grafen von Bismarck, der au» einer Ecke den Tänzen zusah, ein Riesenbouquet anzubieten, waS die Bedeutung einer „Damenwahl" für eint Walzertonr hatte. Bismarck, damals Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit, nahm das Bouquett an und der Einladung entsprechend walzte er mit mir in vortrefflichster Weise mitten durch da» Gewühl der Tänzer hindurch. Dieser kleine Vorfall, der mit der Würde deS Grafen und mit del- floßt, dit (t •Hf «V (hl! *“*1, N* W* bl, H 8 »$00 dl Hirn J !«w nfitt. «HAI tiit folgte «*• stand, da» 9 an den W lange Pseift englischen Dl begreiflichen vier Student über sein $ Bismarck st etwa über u - „Dumm 66 kam ab> bei den $ni Mann-Zeit i ins Weite ri vertieft. Z" bit große D Men -nag1 vielbändige tischen Einblick geordnet, die' welche die gc Bewunderung ♦> vnSssemW folgende ver Er rv Drau! Roch ffiibül M J°l 8 Dei Aber । Unb k grtabt Unb seh Den W Mtze Dv ge * Für 1. April II ihm aus bi ersten Blät Widmung, den Teger Fürsten zu Kaiserkrone mit dem ei rückenden, V bringen dem liest die Adi Mir sa eimgeht ins Ren nit. Dort, 's ir n° a W ta» hn Wen Arl brr Bauer no nix Det' ! Jeder, n stand und brauch 7 G'müat « wie de, reihen, daß m Don He ? "ad schr IUr fei Ham diq Dir V? aaste Bu J? d'e blau 2W Be; Sift su ™ leb -te «i »in h,. , *• ,tei8btwttbuti6 lm in ^bevsrste^ w Baden-Baden ä ■r ersten drei Pfnde - ?tr ^uphunnmer £ ■*> Znr-ii ,we^fbtc Stnfenbunac '$ die fut ftijofe jus Prei-beverbuna ji iiHint. oar.n . .9 . Mgtltgt an» oerhD, Z'it Fürst «iivart >e die ,hawb. Nachr.' te Nacht», lux^ tox«> bütljen Schillwwn > eint Pfeift zu rach. ■ Mi - übmch intm Lager nnfUnq, 8 aber (Sott deo Deibei itr Redm-art not halb tm Lag» ste-mt« Arzt: Inb als ihm der Äuliu* leite Fürst BiSmarS fih wüchsige Bewerbung, lii ist hervortzeruseu hat^ »gen nicht ttnm, sanden «köpft leer. „Da6 bin ich nicht gt gMagtv werde. 6ti rabt tratäbtn uab au!- all-reicheo, f($e Ich ' Int» Herzens bet alle« dnAA usi in." RW der Reichen Doi Nir bin ich Parteiwani i deS Staate» nnd del ch gebe zu bedenken, da, ichen Herzen nimal- m itradjte auch einen fitz' ** *** ft-, fein M <18’„ kann man auch ge»W , immer nm (in Nl« laute,: ealas pubhcr meinem L-d-° ■* * l( M( Bareeicn ft« I1 n fie rt hi«1“ SS-» i-.figr * ei“SS M’f,Äke,b (‘868J' d “nab6 "& ®i«n^ * "%**"'*' s.) 7 Utto 1411«®^' p'"1 S-8“11 Ml 1« !--- f' S ®«„ -°- «*E SS ■gÄ«* W <“J• w 6' »r ei' !,.fj 9ej<«iia’b 016» »“* «ir I« •nie Sielt i„ hie(n. "«MMdftaG«, » Derby« in würget gewonnen müt lto«M ulKlk. »N. $ *«1« ?.«* «J** ’»ie m* "»»i«, ibe (’#!, «Wr^ röUtr Diervin - Ä * Bolte» N 'M ’ *»1•* «,i Oe® schönsten Shu Ä** Rolle, die er damals schon in Weltfragen spielte, gar nicht im Einklänge stand, schien die anwesenden Souveräne und die ganze Gesellschaft zu amüfiren, da man kaum erwartete, B'Smarck sich unter die Jugend mengen zu sehen. AIS der Graf «ich nach meinem Platze zurückgeleitet hatte, zog er eine künstliche Rosenknospe auS dem Knopfloche seines Fracks und überreichte mit diese mit den Worten: „Wollen Tie diese Rosenknospe als Erinnerung an die letzte Walzertour, die ich in meinem Leben getanzt habe und die ich nicht ver- geffen werde, entgegennehmen!" • Von dem „tollen Otto", wie Bismarck al» Universität». Hörer hieß, sei Folgende» erzählt: Bismarck veranstaltet, kaum auf der Universität angekommen, einen Frühstücks, schmau». Eine Flasche fliegt auf die Gaffe und Bismarck erhält eine Vorladung auf das Amcilienhaus. Alsbald folgte Bismarck der Aufforderung; wie er eben ging und stand, das heißt in einem bunten Schlafrock, Kanonenstiefel an den Füßen, einen Cylinderhut auf dem Kopfe und die lange Pfeife in der Hand, begleitet von einer gewaltigen englischen Dogge. Auf dem Rückwege — Bismarck war aus begreiflichen Gründen nicht wohlgelaunt — begegnen ihm vier Studenten vom Corps der Hannoveraner und brechen über fein Phantasiecostüm in ein schallendes Gelächter aus. Bi»marck fragte ingrimmigen Tones: „Herrn-, lachen Sie etwa über mich?" — „Natur! Das können Sie doch sehen!" — „Dummer Junge!" — „Wer — ich?" rufen alle Vier. Es kam aber diesmal zu keiner Mensur; Bismarck sprang bei den Hannoveranern ein. . . . Und aus seiner Junge- Mann-Zeit erfährt man, daß er oft stundenlang, tagelang ins Weite ritt, mit Niemandem sprach, ganz in Gedanken vertieft. In diesen Zeiten des Alleinseins vollzog sich wohl die große Klärung der Gedankenwelt. Auf diesen einsamen Ritten mag wohl der junge Bismarck, der als Knabe das vielbändige ,.Theatrum Europaeum“ studirt, der nun prac- tischen Einblick in die Welt genommen hatte, die Erfahrungen geordnet, die Brücken geschlagen haben zu einer Lebensbahn, welche die ganze Welt mit Spannung, mit Neid und mit Bewunderung verfolgte. * „Wo Bismarck liegen soll." Unter dieser Ueberschrlft veröffentlicht Theodor Fontane in der „voff. Zig." folgende Verse: „Nicht in Dom oder Fürstengrnft, Er ruh' in Gotte» freier Luft, Draußen auf Berg und Halde, Noch beffer tief, tief tm Walde - Widukind lädt ihn zu sich ein: „Ein Sachse war er, drum ist er mein, Jrn Sachsenwald soll er begraben sein." Der Leib zerfällt, der Stein zerfällt, Aber der Sachsenwald, der hält, Und kommen nach dreitausend Jahren Fremde hier de» Wege» gefahren Und sehen, geborgen vor'« Licht der Sonnen, Den Waldgrund in Epheu tief eingesponnen Und staunen der Schönheit und jauchzen froh, So gebietet einer: „Lärmt nicht so- — „Hier unten liegt Bismarck irgendwo." * Fürst Bismarck und die Tegernseeer Bauern. Am 1. April 1885, zu de» Fürsten 70. Geburtstag, wurde chm aus dem Tegernseeer Gau eine Adresse Überreicht. Die ersten Blätter zeigen die prachtvolle Einbanddecke, sowie die Widmung. Dieses Blatt giebt in künstlerischer Vollendung den Tegernsee, in Booten jubeln Kinder de» Landes dem Fürsten zu. Aus dem See halten Nymphen die deutsche Kaiserkrone und Lorbeerreiser empor. Da- dritte Blatt, damit dem vierten die Adresse selbst enthält, ist mit einer entzückenden, lebenswahren Gruppe geschmückt. Alle Lebensalter bringen dem Kanzler ihre Huldigung dar. Ein alter Bauer liest die Adresse vor, die folgenden Wortlaut hat: Euer Gnaden Herr Fürst! Mir san dahoam weit hint in die Berg, wo's schon einigeht ins Tirolerlandl, aber hint bleiben thuan ma des« zwegen nit an so an Tag! Siebez'g Jahrl — dös is a Wort, 's i» was, wenn'» unfcroaner auf'n Buckel hat, aber no a bissel was anders, wenns oaner so mit seine Jahrln haust! Herrgott no mal a so a Leben vergibt — dös is a Haufen Arbeit! Und dös, was Arbeit hoaßt, dös g'fpürt aa der Bauer und hat sein Respect davor, und wenn aa Viele no nix verstehna von dera politischen Sach, dös versteht do i Jeder, was a deutsche Einheit is und der ganze Z'samma- stand und a deutsche Ehr! Denn dö» iS koa Kopffach nit and braucht nit lang studiren, dös geht ins G'fühl und geht ins G'müath. Wer aber hat uns dös a so z'sammag'richt, als wie der Bismarck — als wie Du? Muaßt scho' ver- Men, daß ma so gradauS reden, e» geschiecht ja blos, weil» ans von Herzen geht, und Du hast es ja selber gern; grob, aus und schneidi' alleweil! dös g'fallt uns da herin in unsere Berg no extra guat von Dir. Der Bauer braucht an Fried für fei Haus und fei Feld, und daß man hab'n dös dank ma Dir, wenn aber oaner fimmt, ders anders moant, na Ifan unsre Buabn aa no da, wies anno 70 da g'west san, denn die blauen Teufel sterben nit aus. Kannst Di verlassen! Unb jetzt Vergelts Gott für All s, a längs Leben unb an Jguatn G'funb — ben braucht ma fcho zu fo an G'fchäst. Du hast uns roieber a große deutsche Hoamat geben, unb vas sollen mir Dir geben? baß Du selber auf an jeben Fleckel von bem großen beutschen Lanb Dei Hoamat hast, daß ma in jeher Hütten, unb roaar» -'höchst am Berg, Dein Noma nennt. Dö» halt Dir für am heuti'n Tag! 's is aa was Schöns, wenn no ber ärmste Bauer in fein Häusl an oan denkt unb aft Vergelts Gott von bie g’ringa Leut »ar nie bös lötzt für oan, ders Herz a fo auf’n rechten Fleck hat! Unb jetzta — viel Glück zum Siebez'ger; beim Achtz'ger kemma roieber z'famm!" Der diese treuherzigen Worte geschrieben, der liebenswürdigsten deutschen Poeten einer, konnte „beim Achtz'ger" sich nicht mehr einfinden. Wenige Tage, nachdem die Adresse abgegangen war, am 12. April 1885, starb, 43 Jahre alt, Karl Stieler. Eingesandt. Gieße«, 6. August 1898. Seit einigen Decennien gelangte in hiesiger Stadt ein Fest zur Abhaltung, woran sich stets Jung und Alt erfreute, und mit welchem Spiele verschiedener Art verbunden waren die für die Jugend von großem Nutzen waren. So war z. B. in frühester Zeit das PreiSturnen ein beliebter Gegenstand dieses Spiels und durch Dertheilung von Geschenken und Verleihung von Diplomen entstand schon ehestens ein reges Interesse und rechter Ansporn zur gesundm LeibeSübung, zur Turner ei. Dieses Fest, das Jugendfest, wurde früher alljährlich, später in Zeiträumen von zwei zu zwei Jahren gehalten. Auch für dieses Jahr war ein solches vorgesehen. Indessen die Lehrerschaft hiesiger Schulen, darum befrccht, glaubte dem Vernehmen nach sich ablehnend dazu verhalten zu müssen. Deswegen erlaubt man sich auf diesem Wege die Anftage, ob nicht einer der hiesigen Turnvereine ober alle gemeinschaftlich die Initiative zu ergreifen bereit wäre, der Jugend dieses schöne Fest zu erhalten und solches auch diese« Jahr noch zur Abhaltung zu bringen. Für die damit verbundene Arbeit werden ihnen frohe Kinderherzen Dank wissen, aber auch die Einwohnerschaft sowie wohllödliche Stadtvertretung Gießens wird ihre Unterstützung an dem Wohlgelingen dieses Festes sicher nicht versagen. Möchten diese Beilen den gewünschten Zweck nicht verfehlen. Auszug aus den Stande-aint-regiftern der Stadt Gießen. Aufgebote. Juli: 27. Ludwig Heinrich Carl Emil Schäfer, Kaufmann dahier, mit Wilhelmine Theodore Klein hierfelbst. August: 2. LouiS PHUipp Johannes Größer, Schlosser dahier, mit Karoline Brück zu Nonnenroth. 3. Dr. Friedrich Robert Hans Wolfgang Poutz, pract. Arzt zu Königsberg i. Ostpr., mit Clara Emilie Marie Hermine ßangermann hierfelbst. 4. Karl Joseph Hornberger, Fabrikant zu Gießen, mit Rosa Backhauß zu Eisenach. 5. Friedrich Jacob Heyd, Kaufmann zu Butzbach, mit Julie Wilhelmine Kröll hierfelbst. 5. Theodor Ludwig Martin Rautenstrauch, Graveur und Dreher dahier, mit Marie Stierle hierfelbst. Eheschlietzuugeu. Juli: 30. Heinrich Zehner, Former zu Gießen, mit Anna Wallendi hierfelbst. August: 3. Kalmann Levi, Kalligraph dahier, mit Josephine Herrmann zu Burgkundstadt. 4. Theodor Ludwig August Scheppelmann, Bauunternehmer dahier, mit Minna Emilie Elisabeth Ebert Hierselbst. Geborene. Juli: 24. Dem Werkmeister Heinrich Dewald ein Sohn, Otto Friedrich. 24. Dem Taglöhner Karl Stumpf eine Tochter, Lina Susanne. 25. Dem Gärtner Wilhelm Gerhard eine Tochter. 26. Dem Bierbrauer Wilhelm Rentmeister eine Tochter, Katharine Maria Elisabeth Sophie 27. Dem Posthilfsboten Wilhelm Kern ein Sohn, Wilhelm. 27. Dem Schuhmacher Philipp Lepper ein Sohn. 27. Dem Restaurateur Wilhelm Hehner ein L-ohn, Adolf Wilhelm. 27. Dem Schneidermeister Hermann Philipp Eise ein Sohn, Albert Robert. 27. Dem Feldwebel Adam Weber eine Tochter, Margarethe. 29. Dem Milchhändler Karl Pitzer eine Tochter. 31. Dem Fabrikanten Emil Horst eine Tochter, Auguste Frida. 31. Dem Buchhalter Karl Müller ein Sohn. 31. Dem Güter- Expedient Carl Bode ein Sohn, Ernst Ferdinand Paul. August: 3. Dem Mechaniker Ernst Gotthold Hempel ein Sohn, Ernst Gotthold. Gestorbene. Juli: 30. Theodor Luckhard, 64 Jahre alt, Postmeister a. D. dahier. 31. JodanneS Teutfch, 43 Jahre alt, Landwirth von Holz- Hausen, KreiS Biedenkopf. 31. Marie Saal, geb. Janz. 20 Jahre alt, Ehefrau von Maurer Jacob Saal zu Arfurt, Amt Runkel. August: 2 Hedwig Elisabeth Marie Oswald, Vi Jahre alt, Tochter von Locomotivheizer Moritz Oswald dahier. 2. Peter Engel, 47 Jahre alt, Grotzh. Gerichtsvollzieher dahier. 2. Wladimir von Jgnatieff, 44 Jahre alt, Stadtrath von Petersburg (Rußland). 5. Anna Berg, geb. Kühn, 59 Jahre alt, Wittwe von Bahnarbeiter Heinrich Berg dahier. Auszug aus den Airchendüchern der Stadt (Sieben. Evangelische Gemeinde. Getraute. MatthäuSgemeinde. Den 30. Juli. Heinrich Zehner, Former zu Gießen, undjAnna Wallendi, Tochter deS verstorbenen Schneiders Johann Wallendi zu Insterburg. Den 4. August. Theodor Ludwig August Scheppelmann, Bauunternehmer zu Gießen, unb Minna Emilie Elisabeth Ebert, Tochter des verstorbenen Postsecretärs Albert Ebert zu Gießen. JohanneSgemelnde. Den 31. Juli. Heinrich Rau, Magazin-Arbeiter, und Anna Elisabeth Mattern, Tochter des TaglöhnerS Johann Adam Mattern zu Gießen. Getaufte. MatthäuSgemeinde. Den 31. Juli. Dem Eisendreher Karl Enz ein Sohn, Friedrich Christian, geboren den 26. Juni. Denselben. Dem Taglöhner Adolf Rinderknecht eine Tochter, Marie, geboren den 21. Mai. Denselben. Dem Director an der höheren Mädchenschule Dr. Adolf Siöriko eine Tochter, Elsbeth Christine Anna Mathilde, geboren den 29. Mai. Den 3. August. Dem Kellner Friedrich Hattenhauer eine Tochter, Elisabeth Marie, geboren den 23. Januar. Markurgemeinde. Den 31. Juli. Dem Schlosser Wilhelm Lemp eine Tochter, Auguste, geboren den 13. Mai. Denselben. Dem Anwaltsgehilsen Heinrich Fourier ein Sohn, Albert Erich He'nrich, geboren den 2. Juni. Denselben. Dem Postschaffner Heinrich Bourkarde ein Sohn, Heinrich Ludwig, geboren ben 3. Juli. LukaSgemeinde. Den 28. Juli. Dem Pfarrer Ferdinand Euler ein Sohn, Ferdinand Adolf August Carl Moritz, geboren den 8. Juli Den 31. Juli. Dem Fuhrmann Heinrich Oestreich ein Sohn, Carl Konrad, geboren den 16. Juni. Mililärgemeinde. Den 31. Juli Dem Dicefeldwedel Friedrich Werner eine Tochter, Frida Emma, geboren den 3. Juli. Den 2. August. Dem Fuß Gendarm Ludwig Hohn eine Tochter, Elisabeth Charlotte Wendeline Henriette Eleonore, geboren den 20. Juli. Beerdigte. LukaSgemetnde. Den 4. August. Peter Engel, Gerichtsvollzieher, 47 Jahre alt, starb den 2. Auaust.___ Temperatur der Lahn und Lust I nach Reaumur gemessen am 6. August, zwischen 11 unb 12 Uhr Mittags: Wasser 16«, Lust 21°. Rubsamen'sche Badeanstalt. Brodpreise vom 7. di» 21. August 1898. Der hiesige« Bäcker. 1 «g- (2 Pfd.) Tafelbrod......29 Psg. 2 Kg. (4 Pfd.) Tafelbrod......58 „ 1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrot)......27 r 1 » (2 „ ) „ bei Heinrich Plank . . 26 , 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrot)......54 , 2 „ (4 „ ) „ bei Heinrich Plank 52 , 1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrot)......25 - 1 „ (2 „ ) „ bei Heinrich Plank . . 24 r 2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrot).....60_ 2 , (4 . ) „ bei Heinrich Plank . . 48 , 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrot)......75 , Der a«»wLrtige« Bäcker. 1 Kg. (2 Psd.) Weißbrot) bei L. Steinmüller, Gr.-Ltndm 24 Pfg. L. Schmidt, Gr.-Linden 25 , W. Weitzel von Lang-GönS 25 „ 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrot) bei W. Weitzel von Lang-GönS 50 „ L. Schmidt (Großen-Linden) 50 „ Wilh. Fabel von Wieseck 52 „ 2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrot) beiW.Stetnmüller, Lang-GönS 44 „ L. Schmidt, Großen-Linden 46 , W. Weitzel von Lang-Gön» 46 , G. Jacoby v. Alten-Buseck 48 „ 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrot) bei Wilh. Fabel von Wieseck 70 „ G. Jacoby v. Alten-Buseck 72 „ Der vrodverr»«ser. Bei den hiesigen Brodverkäufern bestehen dteselbm Preise wie bei den hiesigen Bäckern. Gießen, den 6. August 1898. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. B.: Roth. Verkehr, stand- unb Volksrvtrthschaft. Gieße«, 6. August. Marktbericht. Auf dem heuttge» «ochemnarN kosteten: Butter pr. Pfd. X 0,90—1,00, Hühnereier pr. 6L 6-7 4, 2 6t 11—13 4, Enteneier 2 6t 14—15 A, ®faltetet pr. 6t 12—00 A. Käse 1 6t 6-8 3, Käfematte pr. 6t 3 * Erbsen pr. Liter 18 A. Linsen pr. Liter 30 A. Tauben pr. Pa« X 0,80 bi» 0,80, Hühner pr. Stück 0,85 bl» 1,20, Hahnen pr. Stück X 0,60-1,10, Enten pr. Stück X 1,50-1.80, Gänse pr. Pfund X 0,00—0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 A, Kuh« und Rindfleisch pr. Pfd. 62-66 A. Schweinefleisch pr. Pfd. 68 bi» 76 A. Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 76 A. Kalbfleisch pr. Pfd. 60-64 A, Hammelfleisch pr. Pfd. 80—10 A. Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,00 Ml 10,00 X, Weißkraut pr. Stück 0-00 A. Zwiebeln pr. Eentner 8,00—9,00 X, Milch pr. Liter 16 A. Kirschen pr. $fb. 16—20 A- Dauer der Marktzeit von 7 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf tm Umherziehen nicht feilgeboten werden. Neaefte Nachrichten. Depeschen de» Bureau .Herold". töten, 6. August. Gestern wurde in Bielitz der Vater Stojanow-kl» In einem Locale verhaftet, all er aufreizende polnische Druckschriften vertheilte. Lemberg, 6. August. Die polnischen Blätter bezeichnen die innerpolitische Situation al» kritisch. Eine Krisis sei nahe. Die Entscheidung werde zwischen dem 18. und 25. August fallen. Den Schlüssel der Situation besässe Ungarn, welche» ein Provisorium auf Grund de- § 14 ablehnt. Sollte es dem Grafen Thun nicht gelingen, da» Fuuctioniren de» ReichSrath» zu ermöglichen, so werde entweder ein Eabinets- wechsel oder eine Wahlgesetz Reform erfolgen. Brüssel, 6. August. Der Conflict zwischen dem Cabinet und derKrone verschärft sich immer mehr. Der König fordert zur Herbst-Sesfion eine Vorlage, betreffend die Marine-Reform. Paris, 6. August. Der Generalstab drohte mit einem förmlichen Prouunclamento, wenn keine Gewalt gegen die Mitglieder de» Drehfus-Syndicat» augestrebt werde. Der Krieg-Minister droht offen die Dictatnr an. Die Lage wird täglich ernster. Warschau, 6 August. Nach einer Meldung au- Li bau ist dort die Fabr k der Firma Hagen u. Soldani vollständig niedergebrannt. Der Schaden beträgt 200,000 Rubel. 300 Arbeiter sind durch den Brand brodlo» geworden. Madrid, 6. August. Ministerpräsident Sag asta erklärte gestern, e- seien nicht die geringsten Unruhen im Lande wegen der Frieden-verhandlungen zu befürchten. Dte verschiedenen Parteiführer bestätigten diese Meinung. Dte Bevölkerung, obgleich fie die Regierung tadelt, ist dennoch froh, daß der Krieg zu Ende geht. Madrid, 6. August. Die spanische Regierung hat einige französische Schiffsahrt-gesellschaften beauftragt, die spanischen Truppen von Cuba nach Spanien znrückzubrtngen. Große Dampfer find bereits gestern nach Santiago abgegangen. Madrid, 6. August. Die Gerüchte über schlechte Behandlung der spanischen Truppen durch die Amerikaner bestätigen sich vollauf. Dte spanischen Soldaten werden mit unziemlichen Reden-arten überhäuft und müffen ohne Zelte unter freiem Himmel campiren. Madrid, 6. August. Ministerpräsident Sagasta theitte im gestrigen Ministerrathe dte Resultate der verschiedenen Confererzw, dte er mit den politischen Führern hatte, mit. Der Entschluß de- Ministerrath- ist auf morgen festgesetzt worden. Barcelona, 6. August. Die Regierung hat gestern zahlreiche Hautfuchungen vornehmen (offen bei den Anhängern Don Carlo-. Da- Resultat muh sehr ungünstig ausgefallen sein, denn bisher find 12 Personen verhaftet worden. Washiugtov, 6. August. Da- Kriegsdepartement hat Befehl gegedei', alle Truppen au- Santiago zurück- zuziehen, da die Truppen durch die schlechte Witterung und durch da- ungesunde Klima viel zu leiden haben. Zuerst wird die Artillerie, bann die Cavallerie und schließlich dte Jnfanterte zurückderufen werden. Washtngto«, 6. August. Da- Marine-Departement hat Befehl gegeben, zwei Schlachtschiffe und einen Kreuzer nach Manila abzusenden, nm zu versuchen, das spanische Flaggenschiff Reina Mercedes wieder flott zu machen. «cdo beit.: die N 7860 Schotten, den 5 August 1898. 7869 Markt 1 Markt 1 im 7893 dem zu Großen-Linden. Bier bet aufmerksamer Bedienung bestens gesorgt ist 7881 Hochachtungsvoll L. Löb, Wirth. und Frau. 7882 laden ergebenst ein 05 ie noch vorräthigen 7892 Bahnhofstraße 81. Peisteigernngeii Zu verkaufen Kauf-Gesuche Einpfelilungm: Vereine PerUedknes Kermiethungen Gefunden (Offene Stellen MAGGI An Stell. Happel, Rai dem Rieife der oersicherungMl vottai. Modilim-VtrsteigerNs. Mittwoch de« 10. August, Zum 1. September ein tüchtiges Dienstmädcken in kleine Familie gesucht. Offerten unter H. Z. 7855 an die Expedition dieses Blattes. 7616] Zwei Schüler können gute Pension erhalten. Ln-wigstr. 57, pari. Da» I ttnb der lt| Deutsche un Wruu wir Der Orts dem am 24. 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