VI» 1t. AK h 9 -i v e -7 «■ I Preise. I 10655 ten 10614 nnkleidn tt(. der ZnhinR. elenchlnng । Maaß. *8» Z'kltttSMS 56. ScM. von uns hergestellten. v an 7.w>erl'tosiKk.w tengM-KWMdU. Denk- billigster Betrieb. Von zu handhaben. pparate: jrmalkenen Mk. 75- , 150.- gewünschten Flammenzahl, izer Installationen Realitäten, Fabriken Woho- Uen, Bahnhöfen übw. mw. kostenfrei. fünfer jnesellschaH ® Co., **“ , Jene «eil «• Seiet »■ M , , ■tretet gesucht. SteinkoWengM. Stv**** Sonntag den 6. November Nr. 261 Erstes Blatt. 189S MU lu»i’O»Mr btl Kot«ia|l. Die • Körner pe*Utadn«: Kr. 1. Gratisbellage: Gietzener Familienblätter. Abreffr für Depeschen: Fernsprecher Nr H. Aeformationsfest. Da» Resormarionsfest in eto Freudenfest der Evangelischen Deutschland», zweier Dritttheile de» deutschen Volke». Mag c» immerhin bedauerlich fein, daß da» deutsche Volk konfessionell gespalten ist: die religiöse Spaltung ist historische Thatsache und so fest gewurzelt in de» deutschen Volke» Denken nnd Fühlen, daß alle versuche, diese Spaltung zu beheben, al» vou vornherein au»ficht»lo» erscheinen müssen, ja, die Spaltung verkleistern wollen, heißt zunächst fie nur verschärfen. Wenn die Evangelischen Deutschland» Jahr für Jahr Reformattou»fest feiern, so liegt darin eine ausdrückliche Bezeugung de» historischen Rechte» der evangelischen Kirche, deren Anfänge nicht blo» zurückrelcheu btl in» Jahr 1517, sondern deren Anfänge zurückreichen bi» In die Zeit, da «au zum ersteu Male bekannte : Ich glaube eine heilige, christliche (allgemeine) Kirche- da» ist die Zeit der Apostel. Schon oft ist der evangelischen Kirche da» Horoskop auf ein nahe» Ende gestillt worden. So lauge die evangelische Kirche auf de« Grunde bleibt, auf bin sie gestellt ist, kann sie die falschen Propheten ihre» Amte» ruhig warten lasten, fie weiß, der Wunsch ist der Vater de» Gedanken». Da» historische Recht der evangelischen Kirche ist unaotastbar. Freilich muß auch der Felsengrund der evangelischen Kirche unantastbar bleiben: Gotte» Wort. Da» ist die Reformation, die innerhalb der evangelischen Kirche fort und fort geschieht, daß die Herzen auf diesen Grund gestellt werden. Auf diesem Grunde innerlich au Gott gebunden, wird der evangelische Christ frei den Dingen dieser Welt gegenüber. Nicht äußerer Zwang beherrscht sein religiöse» tiebtu, ihn zwingt nur der Glaube, die innere Ueberzenguug, fein Gewissen ist frei von jeder Schablone. Je stärker dieser Glanbe ist, um so reger auch da» kirchliche Leben. Je fester die Bindung der Geansieu ist an Gotte» heilige» Wort, um fo reiner und edler ist da» fittliche Streben. Diese Refor- mation muß fortgehru innerhalb der evangelischen Kirche: die Bindung der Gewiffen an Gott, die Stärkung de» Glauben» al» die Quelle wahrer Freiheit, die Läuterung de» fittlichen Streben» al» die Quelle der Kraft. So wird fich dann die evangelische Kirche darstellen zwar nicht al» eine Kirche äußerer Macht und äußeren Glanze», aber doch al» eine Gemeinschaft, in der die stille Zurüstung für Zeit und Ewigkeit ihren steten Fortgang nimmt und in der nuserm Volk die Kräfte dargereicht werden, die e» befähigen, seinen weltgeschichtlichen Beruf zu erfüllen! politische Wochenschau. Die Zeit wird bewegt, mit der sommerlichen Ruhe scheint e» endgilttg vorüber zu lein. Wie still stossen die Tage da» hin, und e» wäre langweilig gewesen, wenn nicht der Kampf zwischen Spanien und Nordamerika sowie die DreyfuS-Au- gelegenheit etwa» Abwechselung gebracht hätten. Wohl nimmt die letztere Affaire noch immer die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch; aber wer küwmert fich heute noch um die spanisch-amerikanischen Händel! Ganz andere, näher liegende Dinge berühren jetzt unser Interesse. Da find z. 8. die preußischen LandtagSwahleu, die da» Gesprächsthema am Biertische vozug»weise bilden. ,ö» bleibt Alle» beim Alten", wer da» vorher behauptet hat, ist heute Meister und kann Anspruch machen auf ein Auerkenntniß politische, vorau»ficht. Trotzdem die linke Seite de» Hause» der preußischen Ab« geordneten einige Erfolge aufzuweisen hat, find die Majoritäten dieselben wie früher. Einige» Aufsehen hat die Reise de» Fürsten Hohenlohe nach Süddeutschland gemacht. Auf socialdemokratischer Seite vermuthet mau sogar, daß e» fich bei der Besprechung de» Reich»kanzler» mit dem Großherzog vou Baden um neue Au»uah«egesetze gegen Socialdemokraten und Anarchisten handele. Wie wett da» begründet ist, läßt fich natürlich nicht sagen, aber wir finden e» ganz natürlich, daß angeficht» der immer schwieriger werdenden internationalen Lage der verantwortliche deutsche Staat»rnann in Abwesenheit de» Kaiser» mit dessen vertrautem Freunde in Fühlung tritt. Denn Niemand kann leugnen, daß die Situation heute be« unruhigeud ist, und e» liegt die vermuthung nur zu nahe, baß die Abkürzung der Reise de» deutschen «atserpaare» weniger der tropischen Hitze al» der in Au»ficht stehenden ernsten Ereignisie zuzuschreiben ist. Die Palästinafahrt hat einen überau» glänzenden Verlauf genommeu, und e» steht zu erwarten, daß die Anwesenheit de» Kaiserpaare» im Orient einen nachhaltig günstigen Einfluß auf unsere Handel»- und politischen Beziehungen zu jenen Gegenden haben wird. Auch hat der Besuch dazu bei- getragen, da» Berhältviß zwischen Preußen und de« Vatikan wieder zu einem guten zu gestalten, wa» nicht ohne wesentliche Nachwirkung auf unsere innerpolitische Situation bleiben wird. Wie schon gesagt, wird die Dauer der Kaiserreise erheblich abgekürzt werden, sodaß die Eröffnung de» Reichstag» bestimmt durch da» Reich»oderhaupt in Person erfolgen kann. E» ist noch gar nicht so lauge her, da erklangen durch die ganze Welt FriedenShhmnen. „Der Zar will den Frieden, folglich darf fich Niemand in Europa mucksen", so raunte man fich zu, und viele hätteu eß gar zu gern gesehen, daß der Begriff „stehendes Heer" plötzlich al» überwundener Standpunkt betrachtet würde. Und heute? Eogland rüstet mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften, und Rußland sucht e» seinem Rivalen gleich zu thuu, und wenn wir nicht wüßten, daß vom Rüsten bi» zu« LoS- schlageu immer ein sehr weiter und beschwerlicher Weg ist, so wüßten wir auuehmen, binnen kurzer Zeit würde der Ent- scheiduug»ka«pf zwischen den beiden Mächten beginnen, der ja schließlich doch einmal au»gefochten werden muß. Aber, wie gesagt, wir hoffen immer noch, daß e» zu einem offenen Eonfliet nicht kommen wird. Die Ministerkrtfi» In Frankreich ist beendigt, und Dupuy hat die Cabinetrblldung endgilttg übernommen. Damit ist freilich nicht gesagt, daß nunmehr stabile Zustände i« Lande jenseit» der Vogesen eintreten- die französische Kammer ist bekanntlich unberechenbar. Ehe die Driyfuß-Angelegenheit nicht geregelt ist, dürfte fich die Erregung, welche gegeuwärttg im französtschen Volk herrscht, kaum legen. Heute stehen die Parteien einander noch sehr schroff gegenüber, wa» eine große Gefahr für den inneren Frieden Frankreich» und schließlich auch für die interuattouale Lage bildet. (xx) Deutsches Aeich. Berlin, 4. November. Auf die Begrühuug»ansprache de» Abgeordneten Schmidt beim gestrigen Besuch des deutschen katholischen Hospize» in Jerusalem erwiderte der Kaiser, daß er den schwarz weißen Schild auch über die katholischen Brüder und Glauden»genoffen, welche I« fernen Osten ihr Leben und Blut ihrer Heiwath zu Liebe für die Ausbreitung des Evangeliums einsetzten, anSgereckt habe. Dieselben zu beschützen s i sein Bruder mir der gepanzerten Macht der deutschen Schiffe i« fernen Osten, und wenn er (der Kaiser) wieder heim komme, werde er erzählen, welche vortrefflichen Resultate das Hospiz aufzuweiseu habe. ES sei in der That ein Segeu für die dortige Bevölkerung. Außer dem katholischen Hospiz besuchte da» Kaiserpaar gestern noch die Eilöserkirche, wo Gottesdienst stattfand. Dr. Dryander hielt die Predigt. Berlin, 4 November. Die Anarchisten Tischler Josef Suudat und Albert Brock hatten am Mittwoch in der socialtfttschen Versammlung, in welcher fich Bebel zum Anarchismus aussprach, eine Maffenverthetlung von anarchistischen Zeitungen vorgenommen. Die beiden wurden verhaltet und eine große Menge anarchistischer Flugblätter confiScirt. Gegen die Verbreiter soll Anklage erhoben werden. — Deutschland und England. Die ,St. JameS Gazette" erörtert in längerer Ausführung die Möglichkeit eine» Austausche» der Walfischbai gegen den bekannten Stteifeu Land in Deutsch Oftafrika, der die verbinduug zwischen dem Cap und Kairo vollständig machen soll. Da» Blatt hofft augenscheinlich auf Entgegenkommeu in dieser Frage in Anbetracht der Bereitschaft Dentschlaud», „mit England im prakttschen nnd herzlichen Geiste zu verhaudelu". Hoffentlich läßt unsere Regierung keinen Zweifel darüber, daß von der „enormen Wichtigkeit der Walfischbai" für Deutfchland, vou der da» englische Blatt träumt, glücklicherweise nicht mehr die Rede sein kann, daß wir deshalb auch nicht vöthig haben, einen so hohen Preis dafür zu zahlen. BemerkenSwerth find noch folgende Ausführungen der „St. James Gazette": Der „Delagoa-Handel" ist noch immer nicht adgefchloffen. Da» ist schade. Aber e» hält schwer, der „Libens" Glauben zu schenken, deren Liffabouer Telegramm meldet, daß Frankreich der portugiefischeu Regierung «ttgttheitt hat, daß fie die Abtretung der Delagoabai oder irgend eines anderen gegenüber Madagaskar gelegenen Ge- bitte» an Großbrttaunieu als unfreundschaftliche Handlung bettachten würde. Ist die Mitthttluug wahr, fo würde fie eine sehr ernste Sache für Frankreich sein. In England glaubt «an, daß wir zu eine« Eiuverstäudniß mit Deutschland gelaugt find, wodurch unser Vorkaufsrecht anerkannt wird. ES liegt so sehr In unsere« Jntereffe, daß wir es geltend machen, daß Frankreich eine recht große Verantwortlichkeit auf fich nehmen würde, wenn es dagegen aufttäte. Wenn ein Unrecht de« anderen folgt, so wird der Becher bald zum Ueberfließen voll sein. Die Zelt ist gekommen, diese Frage ein für alle Mal zu lösen, wenn möglich, ftteb- lich, jedenfalls aber offen und endgilttg. Asrslavd. Wie«, 4. November. Da» Abgeordnetenhaus lehnte mit 163 gegen 117 Stimmen den Antrag ab, Vaden! in Anklagezustand zu versetzen. toten, 4 November. DoS „Neue Wiener Tageblatt" berichtet aus Konstantinopel, Kaiser Wilhelm habe bem dortigen russischen Botschafter gegenüber starke Zweifel über die Ersprießlichkeit der russischen Kreta Politik geäußert und die Befürchtung auSgedrückt, daß die Früchte derselben England in den Schooß fallen werden. Budapest, 4. November. Heute Nachmittag drculirtcn hier wiederum alarmirende Attentatsgerüchte au» GSdöllö. Dieselben sind nubegründet. Pari», 4. November. Der Generalstab»chef Renoird wurde seine» Posten» enthoben nvd zum Chef de» I I. Armee- corp» ernannt. Der bisherige Commandaot be» 11. Lorp», Brault, ist zum GeueralstabSchef ernannt worden. Letzterer gehött der anticlericalen Richtung an. Dieser Postenwechsel ist der Revision de» DrehfuS-ProzeffeS entschieden günstig. Patt», 4 November. In der heutigen Kammerfitzung Verla» der Miuisterptäfident die ministeriellen Erklärungen, worin e» heißt, daß die Regierung eutschloffeu sei, die Civil- macht über die Militärmacht aufrecht zu erhalten, ebenso aber auch da» Ansehen der Armee zu verthrldigen. Nach längerer Debatte, au welcher mehrere Abgeordneten der Rechten und Toelalisten thelloahmen, wurde eine Tage»- ordoung mit 429 gegen 64 Stimmen angenommen, worin die Kammer ihr vertrauen zur Regierung au»drückt und von derselben die Durchführung einer Politik der Reformen verlangt, indem fich die Regierung nur auf eine republikanische Mehrheit stützt. Pari», 4. November. „Liberi«" versichert, daß der CaffattouShof nächsten Dienstag die fünf letzten Krleg»«inister Mercier, Billot, Cavaignac, Znrlindeu und Ehanoine verhören wird. Pari», 3. November. Die Regierung hat beschloffen, die angekündigte Interpellation be» klerikalen Grafen be Mun über bie Faschodafrage nicht anzunehmen. Die Regierung verweigert ferner ben Vorschlag be» Abgeordneten Reache, baß alle Debatten be» Criwinalhofe» vor be» ganzen Caffattooßhofe beratheu werben sollen. Madrid, 4. November. In Regieruog»kreisen wird da» Projekt erörtert, die Philippinen gegen Ucberuahme der gelammten philippinischen Schuld an Amerika zu verkavfen. Locales und j-rovinzielles. Gießen, 5. November 1898. Parlamentarische». Bel der Zweiten Kammer der Stände sind eingegangen: 1. Ein Gesuch der senttua- rffch gebildeten Lehrer an den Grobherzoglichen Schullehrer- semiuarien zu Alzey, Beushel« und Friedberg In der Bitte gipfelnd, „Hohe Zweite Kammer der Landstände wolle an bie Großherzogl. Staatsregierung genelgtest da» Ersuchen richten, die verhältniffe der seminarffch gebtldtten Seminarlehrer unter dem Gesichtspunkt einer mit Verleihung der Civilstaat»- bienerqaalität erfolgenden Gleichstellung mit ben akademisch gebildeten Seminarlehrern im Sinne beß ursprünglichen Regiemngßentwurf» zur Besoldung der Staatßbeamten zu xcgeln." — 2. Ein Gesuch der Canzlelgehilfen bei ben Landgerichten, bie Regulierung ihrer Besoldung»- und Anstellung»- verhältniffe betreffend. — 3. Eine Vorstellung der Schaffner brr Hessischen Maiu-Neckar Bahn, bie in der Bitte gipfelt, „Hohe Zweite Sammer der Stände wolle hochgeueigtest vrr- anlaffen, daß die Schaffner der Hessischen Main-Neckar-Bahn in die Gehaltsklaffe der Kanzletbientt eingewiesen werde», mithin nach 12jähriger Dienstzeit ei» Gehalt von 1700 Mk. beziehen." •• Orfsnttliche Anettttumng ein« eblen That. De« Friedrich WI ch - G l a s e r zu Unterrodach wurde in An«- kenuung de» von ihm btt ber Rettung beß Wilhelm Löffelholz in Kastel vom Tode be» Ertrinkens bewiesenen besonnenen und muthv ollen Verhalten» eine Geldprämie verliehen. •• Zur Sehrerbesolbrmg. Man schreibt unS: ,toie aal Darmstadt gemeldet wird, fand a« 3. November daselbst die Heinrich Dölpel eine Tochter. 31. Dem Vicefeldwebel Heinrich Ludwig Bernhard eine Tochter, Helene Lina. November: 2. Dem Mtlchkutscher Heinrich Opper ein Sohn, Heinrich. 3. Dem Geometer WUhelm Schwalb eine Tochter. Gestorbene. October: 29. Ernst Westdrock, 9 Monate alt, Sohn von Tag- löhner Johann Vernarb Westbrock dahier. 30. Adolf Kreuter, 6 Monate alt, Sohn von Schlosser Ludwig Kreuter dahier. 30. Johannes Kinzenbach, 50 Jahre alt, Zimmermann dahier. 31. Johannes Dern, 53 Jahre alt, Oeconom dahier. Novbr.: 1. Gustav Noll, 53 Jahre alt, Buchhalter dahier. 4. Wilhelm Ludwig Reinhard, 23/< Jahr alt, Sohn von Optiker Karl Reinhard von Wetzlar. Berathung der Bürgermeister der hesfischeu Städte über die Regelung der BesolduugS-Berh ältuisse der städtischen Lehrer statt und wurde beschlossen, in dieser Sache gemeinsam vorzugeheo, die specielle Regelung aber den einzelnen Städten zu überiaffeu. Die Lehrer find zwar der Anficht, daß die ihnen zukommrude Wohnung-entschädtguog in den verschiedenen Städten nicht die gleiche sein kann, daß aber im Uebrigen die Lebensführung in den fünf hessischen Städten dieselben Ansprüche au die Lehrer stellt. Sie haben deshalb auch zu ihrer Stadtverwaltung das seste Vertrauen, daß bet der speciellen Regelung der Besoldung nicht eine Stadt hinter der andern zurückbleibeu wird, umsomehr, als auch das neue hessische BeamteubesolduugSgefetz keinen Unterschied darin gemacht hat, ob der Beamte beispielsweise in Mainz oder in Gießen angestellt ist. •* Stadttheater. Die beliebte Räder'sche Poffe mit Gesang „Robert und Bertram" oder „die lustigen Baga- bouden" wird am Sonntag den 6. November im hiesigen Stadttheater gegeben. — Seit acht Tagen finden bereits die Borprobeu für das Gastspiel der Frau Anna Führiug von Berlin statt, welche bekanntlich am nächsten DtevStag hier als „Jungfrau von Orleans", am Mittwoch als „Mesia- liua" in „Arria und Messalina" von Willbrandt anftreten wird. Für „Jungfrau von Orleans" find Seitens der Thraterleitung neue Decorationeu und Eostüme beschafft worden. Für das Gastspiel gelten erhöhte Eintrittspreise. Stadttheater. Die Wiederholung der Operettenpoffe „Flotte Weiber" erfreute fich wieder eines guten Besuches. Der Erfolg war ein großer, wohlverdienter. Namentlich die von Franz Roth compouirte Original-Musik fand allgemeinen Beifall. ♦ * Cand. med. Jäger, welcher in der Nacht vom 29. auf den 30. v. MtS. infolge der bet einer Schlägerei er- haltenen Verletzungen in die Klinik gebracht worden war, ist in vr,floffener Nacht gestorben. Ob der Tod infolge der Verletzungen eingetreten, muß die Untersuchung ergeben. Die vier jungen Leute, die am Streit betheiligt waren, wnrden in Hast genommen. ♦ * Durchgehende Pferde. Gestern Nachmittag gingen einem Fuhrwanne in der Frankfurterstraße die Pferde durch. Der Letter des Fuhrwerks wurde vom Wagen ge- schleudert und eine Strecke wett geschleift, ohne ernstliche Verletzungen davonzutragen. Als die Pferde mit dem Wagen gegen eine Straßenlaterne anrannten, die umgeriffen wurde, konnten fie zum Stehen gebracht werden. • • Kalte» Bad. Ein von einem Oeconomen entlaffener Knecht, der fich gestern Nachmittag nochmals widerrechtlich auf den Hof begab, wurde von einem anderen Knecht zum Hofe hinauSgethan. Hierbei kamen Beide der Lahn so nahe, daß der Eindringlmg in dieselbe fiel und von Paffanten herauSgeholt werden mußte. Körperverletzung. Ein in der Steinstraße wohnhaftes Ehepaar lebte in letzter Zeit getrennt, hatte fich jedoch ueuer- dingS wieder geeinigt. Gestern Abend brach der alte Hader wieder los- die Frau ergriff hierbei ein Beil und hieb mit der Schneide dem Mann auf den Kopf. Der schwer Ber» letzte wurde in die Klinik gebracht, die Ehefrau in Hast genommen. • * AnS einem HauSgarten in der Weserstraße wurde in verfloffener Nacht eine-Partie Wäsche gestohlen. Die Diebin wurde in der Person einer Fabrikarbeiterin ermittelt und sand fich die gestohlene Wäsche in ihrer Wohnung vor. ♦ ♦ Wegen ZechbettngS wurde gestern ein Arbeiter in Haft genommen. •• Auf einem Holzplatze in de: Stephanstraße wurde gestern Abend eine jugendliche Diebin abgesaßt, als fie einen Korb Holz entwendet habe. Dieselbe trieb dies schon einige Zeit. Darmstadt, 4. November. Vorgestern sahen wir Herrn Le Seur vom Loburger Hoftheater auf unserer Hofbühne als „Hamlet", heute im „Pfarrer von Kirchfeld", dem immer wirkungsvoll-ergreifenden Schauspiel Anzengrubers, in der Titelrolle. Der Künstler hat große Bühnenroutine und in allen Stücken wohl überlegtes, seiner Jndividnalität an- gepaßtes Spiel- das etwas spröde, nicht sehr modulationS- reiche Organ ist aber wesentlich der Wirkung hinderlich. Im Anzrngruber'schen Stücke schoß Herr Wagner als Wurzel- sepp (ein geborener Bayer) den Bogel ab. Die Vorstellungen waren stark besucht.______________________________________ A«, 6«r Leit für di« >«tt. Vor 127 Jahren, am 6. November 1771, wurde zu Prag Alois Senefelder, der Erfinder der Lithographie, geboren. Durch dieses Verfahren stellt man mittelst besonderer Tinte, fettiger Kreide oder Gravieren auf Stein, Zeichnungen her, die durch Druck vervielfältigt werden können. Die fettige Druckfarbe haftet nur auf der Zeichnung, nicht auf dem übrigen Stein. Vor 148 Jahren am 7. November 1750, wurde zu Barmstedt (Holstein) der Dichter Friedrich Leopold Graf zu Stolberg geboren. Wie Klopstock bediente er fich in feinen Gedichten mit Vorliebe der altgriechischen Versmaße. Aus seinen Liedern heben wir das Lied eines deutschen Knaben „Der kleine Hydriot", sowie das Lied eines schwäbischen Ritters an feinen Sohn hervor. Der Dichter starb am 5. December 1719 bei Osnabrück. Literat«? ««d — „Deutsches Protestantenblatt- Verlag von Karl Schünemann, Bremen. Nr. 44, 31. Jahrgang. Inhalt: Im Geist. Von Wetngart. — Ein Jubiläum. Don I. Gmelin. — Stimmungsbericht aus Oesterreich. — Dem Andenken von Karl Haupt und Robert Felsberg f. Von E. Georges. - AuS deutschen Landeskirchen. — Vom Bücherttsch. — Feuilleton: Mein ©arten II. Von Dietrich Graue. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 4. Novbr. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer München, Capitän H. Bruns, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern, 10 Uhr Morgen«, wohlbehalten in Baltimore angekommen. Eingesandt. Gieße«, den 5. November 1898. Geehrte Redacttor.! In dem gestrigen Morgenblatte der „Frankfurter Zeitung" befindet sich unter den Prioat-Nachrichten eine Depesche folgenden Inhalts: Dresden, 3. Nov., 6 Uhr Nachm. In Ehemnitz sind infolge des Zusammenschlusses aller Gegner der Socialdemokratie bei der Stadtverordnetenwahl die Socialdemokraten vollständig unterlegen. Die Socialdemokraten sind nach Ihren kürzlich unter »Locales' gebrachten Mtttheilungen bereit« auf dem Plane erschienen und haben in ihrer Bescheidenheit nur sechs Eandidaten aufgestellt. Wäre es nicht an der Zeit, daß auch die anderen hiesigen politischen Parteien die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen in Berathung ziehen und Angesichts der oben wiedergegebenen erfreulichen Thatsache auch hierorts ein Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien ermöglichen würden? _ Die Anregung dazu soll hierdurch gegeben fein. -u Auszug aus den Standesamtseegifteen der Stadt Gieße«. Aufgebote. October: 28 Ludwig Georg Babel, Schlosser dahier, mit Ehristtne Rinn hieri^bst. 28. Adam Schröder, Bergmann dahier, mit Anna Katharine Völker Hierselbst. 28. Johannes Bär, Cement.ur zu Düsseldorf, mit Antonie Wagner Hierselbst. 29. Georg Willmann, | Schneider zu Darmstadt, mit Barbara Treber daselbst. 31. JuliuS I Wilhelm Karasch, Taglöhner dahier, mit Marie Katharine Becker Hierselbst. November: 2. Wilhelm Schneider, Tagarbeiter zu Schalke, mit Anna Barbara Hamel daselbst. 3. Philipp Wahl, Taglöhner zu Romrod, mit Anna Elisabetha Zulauf daselbst. 4. Heinrich Philippi, Hausbursche dahier, mit Elisabethe Fischbach von Eckelshausen. Eheschließungen. October: 29. Ludwig Becker, Fabrikarbeiter dahier, mit Katharina Rausch Hierselbst. 29. Friedrich Ludwig Otto Biermann, Secondelieutenant dahier, mit Ottilie Henriette Pauline Bertha Blum Hierselbst. November: 1. Karl Moritz Haas, Schutzmann dahier, mit Ehristine Weller Hierselbst. Geborene. October: 25. Dem Schlosser Ludwig van Engelen eine Tochter. 26. Dem Posthilfsboten Ludwig Kreuder eine Tochter. 27. Dem Hilfsbremser Adam Zinn eine Tochter. 29. Dem Großh. Amtsrichter Ferdinand Schmidt eine Tochter. 29. Dem Bahnarbeiter Karl Nolte eine Tochter, Emilie Marie. 29. Dem Metzger und Wirth Ludwig Martin Weber eine Tochter. 30. Dem Kutscher MechUche Anzeigen der Stabt Gieszen. Sonntag den 6. November, Abends 8 Uhr, im oberen Saale der Herberge: Confirmandenvereinigung der Matthäusgemeinde. verkehr, Land, «nd volkrwirtbfchaf«. Gießen, 5. November. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. JL 1.05—1.20, Hühnere,er per St. 6—9 H, 2 St. 13—17 H, Enteneier 2 St. 00—00 H, Gänseeier per St. 11—13 H, Käse 1 St. 5—8 H, Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 20 H, Linsen per Liter 30 H, Tauben per Paar JL 0.50—0.60, Hühner per St. X 1.10—1.30, Hahnen per Stuck 3L 0.60—1.30, Enten per St. JL 1.80—2.50, Gänse per Pfund JL 0.48—0.60, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—66 Schweinefleisch per Pfd. 68—76 H, Schweinefleisch, gesalzen, per Psd. 80 H, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 Hammelfleisch per Pfd. 50—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 6.00 b,S 6.50 Jt, Weißkraut per St. 10—20, Zwiebeln per Ctr. X 5.00—5.50, Milch per Liter 16 H, Zwetschen per Ctr. 6.00—0.00. Dauer der Marktzeit von 8 Uhr Morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. Neueste Nachrichten. Depesche« de» Bure« .Herold". Berlin, 5. November. Im Prozeß Harden ist gestern Abend nach 10 Uhr nach vierstündiger Berathung bet Gerichtshofes das Urtheil verkündet worden. Hrrdm wurde wegen zweier Majestäts-Beleidigungen in den Artikeln: An den Kaiser und des Großvaters Spur sowie wegen Beleidigung des Oberstaatsanwalts Drescher zu sechs Monaten Festungshaft verurtheilt. Außerdem wurde auf Uabrauch- barwachung der Platteuformeu für die betreffenden Artikel in der Zukunft erkannt. In dem Artikel Pudel-Majestät wurde keine Majestäts-Beleidigung erblickt. Betreffs des Artikels: Der Wahrheit Rache hat der Gerichtshof nach der Vernehmung des Verfassers, der fich selbst gestellt hat, die Ueberzeugnug gewonnen, daß eS fich hier um keine Majestäts- Beleidigung handelt. Berlin, 5. November. DaS „Kleine Journal" meldet aus München, der „SimplictssimuS" werde vonBjörnsoa, dem Schwiegervater Laugens, weiter geführt werden. Wegen zweier weiterer Artikel hat die Staatsanwaltschaft in Leipzig die Anklage auf MajestätSbeleidiguug erhoben. Wien, 5. November. DteBerhaudlungeu der Rcgierung wit den Parteien der Rechten haben nunmehr zu einet vollen Einigung geführt. Die parlamentarische Tom- Mission der Rechten beschloß deßhalb, daß, nachdem eine Mehrheit auS den Parteien der Rechten allein vorhanden ist, die Ausgleichs-Vorlage votirt werde. Brüffel, 5. November. „Jndependauce belge" versichert, daß das in Belgien noch immer geltende militärische Ersatz- shstem demnächst abgeschafft und durch die persönliche Wehrpflicht ersetzt werden solle. Der KciegSminister habe von König Leopold, welcher das Gutachten des GeneralstabSchef Benard und der leitenden Militärführer entgegen genommen hat, den Auftrag erhalten, einen Gesetzentwurf vcrzuberetten, wonach die Dienstzeit bei der Infanterie auf acht Monate herabgesetzt und 20,000 Rekruten eingestellt werden sollen. Brest, 5. November. Der FiScuS hat ein Grundstück der Ursulinerinnen beschlagnahmt, weil die Schwestern fich weigern, 3000 Franc- Zuwachssteuern an die Behörden zu entrichten. Wegen Raummangel mutzte der Auszug auS den Kirchenbüchern für die nächste Nummer zurückgestellt werden. iMmnntinndjiintien Ardkitsmstklserung. Donnerstag den 10. d. M. werden nachstehende, auf den cameralfiscalischen Grundstücken in den Gemarkungen Alten - Buseck, Gießen und Wieseck auszuführende Arbeiten öffentlich vergeben: 1) Aurroden von ca. 260 lfd. m Gartenzaun in 1 Laos; 2) Anfertigen von ca. 130 Löchern zu Zaunstützen in 1 Loos; 3) Anfertigen von ca. 6500 lfd. m Graben in 7 Loosen; 4) Wegfahren von ca. 170 cbm Composterde in 5 Loosen. Die Versteigerung beginnt Nachmittags 2y2 Uhr. Zusammenkunft bei dem Justizgebäude am Eingang nach dem Philosophenwald. Nähere Auskunft ertheilt Wiesenwärter Müller in Alten-Buseck. Gießen, 3. November 1898. Großh. Oberförsterei Gießen I. V-. 11053 Schlag, Großh. Forstasststent. Verdingung von Zimmerarbeit. Die zur Errichtung dreier provisorischer Hallen für 100 Haupt Vieh an dem künftigen Viehmarklplatz hinter dem Schlachthofe erforderlichen Arbeiten sollen Samstag den 12. November d. I., Vormittags 11 Uhr, öffentlich ver- lungen werden. Plan, Arbeits- beschreibung und Bedingungen liegen bei uns, Zimmer Nr. 7, während der Dienststunden offen. Angebote auf Vordruck sind bis zum genannten Termin einzureichen. — Zuschlags- frist: 14 Tage. Gießen, den 5. November 1898. Das Stadtbauamt. Schmandt. 11068 Dillenburg. Montag, 7. November: Vieh- und Krammarkt. Versteigerung. Dienstag den 8. November d. I., Nackmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Baarzahlung: 1. 2 Sophas, 2 Commoden und zwei Bilder; 2. 1 goldene Broche, 1 gold. Medaillon, 2 goldene Armbänder, eine Partie Sckuhwaaren, 1 Verticow, 4 Sophas, 1 Nähmaschine, 1 Patentsessel, zwei neue Bettstellen mit Sprungfeder- Matratzen, einen Ballen Barchent, 1 Kleiderschrank und 1 Handwagen. 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