* I. s. u * Herrn fr 9.. n bet eflR 7* "mp i ‘*»w «Hen Ä ' U"‘ « :auf ake hürzttt, Corsettra, ® n, MH,, D.ssk, I alle Wäfjattiltl, 8 roiiM*,M/ • et, Slhueiberiukto O iatt. 'M 9253 H IMINItl itfeln, 10 EM M. 1.-, MW zu M. 8.-, M von Selterswasser lsfirevdea Geiräuken. etchevbach, Darmstadt, ießen: eltersweg 89. riet! nnchlch 25 angesangenen Weiten ou> Atlas, Dach. redertoaaren und Holz arbeiten fiten und _ und g. 111 k Ul«»* •eam W J#**" OrogerieH- Nr. 260 Erstes Blatt. Samstag den 5. November 1808 f^4nb RbMoM ■tb»rn Anzeigen für den Gießener Ingeiger «tGW» Amts« und Anzeigeblntt für den Kreis Giefzen. Expebitian nb Druckerei: >4*r|r«|c »r. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. l>rrfft für Depeschen: >eiti|«t Fernsprecher Nr. 6L Deutsches Reich. Berlin, 8. November. Die „SZorbb. Allge«. ßtg/ bezeichnet die Meldung, der Director ber Lolontal-Abthetlung des Ausmärtigen Amtes, Dr. v. Buchka, sei amtsmüde, aus Grund dtreet eiogezogeoer Erkundigung für blanke Erfindung. Herr v. Buchka denke nicht daran, stch amtsmüde zu stellen. Ebenso fallch sei es, daß der Gouverneur von Deut'ch-Ostafrika, Generalmajor v. Lieb ert, zum Nachfolger des Herrn v. Buchka ansersehen sei. Herr v. Liebert werde vtelwebr auf feinen Posten nach Ostafrtka znrückkehren. Berlin, 3. November. Dem ,Local»Auzeiger" wird aus Petersburg telegraphirt: Die ruffische Regierung sei sehr unzufrieden mit der Haltung des rnsfischen Botschafters Sinowtew in Konstantionvpel, da da» ruffische Prestige neuer» ding» bedeutende Einbutze erlitten habe. Stnowiew ist deswegen nach Livadia zu« Zaren berufen worden. Er hat feinen Abschied erhalten. Dies wird offictell bet der Rückkehr des Zaren bekannt gemacht werden. Tinowiew wird zum Mitglied des Reichsraths ernannt werden. Seine Stelle in Konstantinopel wird J-wolski, der jetzige Gesandte tu München üvernrhmen. In Petersburger Regierungskreisen «acht die bevorstehende Abberufung des rnffischen Botschafters tu Konstantinopel viel Aufsehen. Berlin, 3. November. Der Zusammentritt der internationalen Anarchtsten.Eouferenz wird, wie die „Post" meldet, am 24. November in Rom erfolgen. Berlin, 8. November. Der hiesige nordamerikanische General Sonsul Julius Goldschmidt ist gestern Abend 9 U)r an den Folgen eines Herzleiden» gestorben. Berlin, 8. November. Die Frage der Errichtung eines Haudelsmuseums in Berlin bildet, wie verlautet, im vrrnhifchen Handelsministerium gegenwärtig den Gegenstand eingehenden Studiums. Ja den nächsten Tagen wird stch in Vertretung des Handelsministers der Vortragende Rath und Geheime Regierungsrath Lüsens ky nach Wien begeben, um die dort bestehenden ähnlichen Einrichtungen näher kennen zu lernen. Die ganze Angelegenheit befindet fich noch im Borstadium der Erledigung. Es steht beispielsweise noch nicht fest, ob überhaupt ein Handelsmuseum für Deutschland zu Staude kommen wird, wenn sich auch von vornherein annehwen lätzt, daß dasselbe eine mannigfache Förderung der Industrie und des Handels, besonder» auch de» Export», herbetführrn werde. Die Havptschwierigkett der ganzen Frage liegt in der Ent- scheiduug über die Form de» Unternehmens, ob es als Reichsanstalt oder als Privatanstalt mit staatlicher Subventton oder was sonst geführt werden soll. Die erstere Form erscheint vorläufig wenig ausfichtsvoll. Es wird im Wesentlichen von den Wünschen der interesfirten Kreise abhäugen, ob und in welcher Weise die auf die Errichtung eines deutschen Handels» «useuws hinztelenden Absichten der Regierung ihre Ber» w rkuchung finden. Berlin, 3. November. Die Erstrebung eines Reich». wohnung»gesetzes. E» ist al» ein äutzerst bedeutsame» Zeichen der Zeit zu betrachten, datz fich dieser Tage in Frank- furt a. M. ein Verein gebildet hat unter dem einfachen Forderungsworte: Retch»wohnung»gesrtz! Kritik und Reform- arbeit liegt in dieser Parole zugleich angedeutet. Es stad auf dem Felde der Wohnungsrefor« schon so viele radikale wie praktisch gemäßigte Rathschläge und Entwürfe genehmigt worden — und wir find doch noch auf dem alten Punkte de» Dlsentirens. Es herrscht theilweise eine Scheu, energisch vorzugehrn, theilweise eine Läsfigkeit, die fich mit der bloßen Kenntnißnahme der Nothstäude beruhigt und t« Uebrigeu «unter weiter wurstelt. Hier Wandel zu schaffen, neben dem Bewußtsein der Mißstände auch das Gewiffeu für die ver- pflichtung zur Abhilfe zu wecken und mittels einer großen Organisation über ganz Deutschland selbst Reformen ins Werk zu setzen und auf gesetzgeberische Maßnahmen In dieser R.chmng zu dringen, dazu hat fich der Verein .Reichs» wohvungsgefrtz" gegründet. Der § 1 seiner Satzungen giebt den Zweck seiner Bestrebungen noch näher an und verweist auf die in einer Broschüre genauer entwickelten Reformvor- schlüge, die kurz lauten: Wohnungsinsprerion und Zonen- evteignung für bebautes Gelände, moderne Reformbauordnungen und Bebauungspläne, Beschaffung billigen Baulandes durch Neuerungen im Enteigvuugsrecht, sowie Reform de» Mteeh»recht» und MiethSprozeffe» und der Zwangsvollstreckung, weiter erstrebt der Verein die planmäßige Schaffung kleiner Wohnungen durch Baugenoffenschaften mit billige« öffentlich« Tredit, und zum Schluß allgemeine Anregungen nach den verschiedensten Richtungen, z. B. Reform« ün Vorortverkehr. All' diese Bestrrbnngen sollen in eine« Punkte zusammen» laufen, der fie tu praktische Maßnahmen umsetzt. Als solcher ist gedacht ein Reichswohaungsamt, welche« auch de« Laien- publiku« ehrenamtlich berufene wohnungsräthe angehören sollen. Bisher hat dies Alles natürlich noch keine feste Gestalt^ «an «acht nur Vorschläge, an dir die Dtseusfion ansetzen kann, man sordert Gutachten ein, uw dann später tu einer Sachverständigenconferenz das gesammelte Material zur Grundlage der Organisation zu benutzen. Viel U.iterstützung erhofft man von den über das Reich wett und breit verstreuten zahlreichen Miethvereiuen, Baugenoffenschaften, gewerkschaftlichen Affoeiationen und Arbeitervereinen aller politischen Parteien. Eine Agitation großen Sttles soll eine achtunggebietende Macht zusammeubringeu, die die leitenden staatlichen Organe zu den nöthigen Schritten zu veranlaffen im Stande sei. — Da» preußische Abgeordnetenhaus, so schreibt man au» nationalliberalen Kreisen, wird Vorau»» sichtlich folgendermaßen zusammengesetzt sein: gesummte Rechte etwa 207 (zuletzt 215), Nationalliberal etwa 80 (zuletzt 84), Freifinnige Bereinigung etwa 11 (zuletzt 6), Freisinnige BolkSpartei etwa 22 (zuletzt 14), Nationalsociale etwa 1 (zuletzt —), Zentrum etwa 98 (zuletzt 95), Polen etwa 12 (zuletzt 17), Dänen etwa 2 (zuletzt 2). Die Gefahr einer conservativeu Mehrheit ist also erledigt. Auch läßt ein Blick auf die Etuzelergebniffe erkennen, daß diese Gefahr für die Zukunft überhaupt nicht mehr besteht. Die conservativeu Parteien haben t« Osten den höchsten Höhepunkt ihrer Machtstellung überschritten. Da» Hervortreten der Socialdewokratie läßt bereit» die ganz andere Gefahr der Zukunft erkennen, daß nämlich diese revolutionäre Partei auf der ganzen Linie zur Activität auch bet den Laudtag»wahleu übergeht. Dann find die Sonservativen in vielen Kreisen des Osten» derart in dir Defenfive gedrängt, daß fie sogar dort mit der liberalen Mittelpartei auf der Grundlage anderroettrr Mandatsver- theiluug fich verständigen müssen, um wenigsten» nicht allzuviel vom bi»herigen Besitz an den Radicali»mu» und die Socialdemokratie zu nrrltexen. Dir Setahr der evnservativen Mehrheit wird also nicht so leicht wiederkehren, und die Be deutung der nattoualltberalen Fractiou al» Zünglein an der Waage wird so leicht nicht zu erschüttern sein. — Gouverneur Generalmajor Liebert hat bekanntlich wegen de» vor fünf Wochen tu Berlin erfolgten Ableben» seiner Gemahlin Dar»e»»Salaam verlassen, ist nach kurze« Aufenthalt in Aegypten vergangene Woche in Italien gelandet und wird schon in den nächsten Tagen tu Berlin erwartet. In sonst sehr gut unterrichteten Kreisen tritt hnmtr bestimmter da» Gerücht auf, General Liebert verspüre keine Neigung «ehr, länger in dem Lolonialdienst zu bleib«. Schon der frühere Gouverneur Frhr. v. Scheie hatte fich wiederholt bitter darüber beschwert, daß er bei seinem aner» kannten Bestreben, die ihm anveriTaute Eolonte durch wirthschaftltche Neuerungen hochzubrtug«, auf starken Widerstund — wenn vielleicht auch nur passiven — bet einem großen Thetl der ihm unterstellten Organe gestoßen sei. Dieselbe Geschichte pasfirte auch dem Major v. Wißmann und in mancherlei Beziehung auch dem General Liebert. Einige seiner Wünsche find allerding» in Erfüllung gegangen, so z. B. die Vereinfachung de» Verwaltung»apparaie», die dadurch erzielten Ersparnisse find wirthschaftlichen, speeiell forstwirthschaftlich« und geologischen Zwecken zu Gute gekommen. General Liebert verbringt zunächst einen viermonatlichen Urlaub tu Berlin und wird neben de« Eolonialdireetor im Reichstag den Etat für Deutsch-Ostafrika vertret«, namentlich In der dabei zur Sprache kommenden Eis«bahu- frage. Liebert hat die Traee der Eentralbahn bereist und hierbei werthvolles statistisches Material gesammelt, um dasselbe im Reichstag gelegentlich der Vorlage Uebernahme und Wetter- führung der Usambara Eisenbahn durch da» Reich, zu unter- breit«. Frankfurt a. M., 3. November. Bei der heuttg« Land- tags wähl wählten von 850 Wahl« Lünern nur 507, da das nattonalliberale Wahlcomiiv das Fernbleiben seiner Mitglieder empfohlen hatt. E» wurde Prediger Karl Säuger mit 497 Sri««« gewählt. Eine Stimme fiel auf vom Rath und 9 auf Oswalt. Im zweiten Wahlgange wurden für den demokrattsch-fortschrittlich« Eandidateu Karl Fuuck 485 Stimm« abgegeben.__ AttsUrrsd. Eien, 3. November. Wie an» Gmunden gemeldet wird, ist da» Befinden der Großherzogin von Toscana besorgnißerre,end. Nom, 3.November. I« Ministerrathe «achte heute Lauevaro Mittheilung« über die internationale Lage. Er bezeichnete dieselbe al» trübe. Paris, 3. November. Der Eassation»hof hat beschloss«, seine Arbeit« in der Drehfu»-«ugelegenheit mit der Frage de» Erschein«» Drehiu» vor dem Eossatton»hofe zu beginnen. Der Anwalt der Familie Drehsu», Mornard, wird den Verhandlungen und verhören während der neuen Untersuchung nur bann beiwohnen dürfen, wenn auch Drehfus persönlich zu denselben hinzuge^ogen wird. Paris, 3. November. Dal Blatt „Äabkal* will wiff«, daß die fran-öfiiche Regierung ihren verbündeten Rußland ersucht habe, du»ch den russischen Botschafter in Loudoa der englisch« Regierung nahe zu leg«, daß, wenn England an Frankreich wegen der F^schodafrage den Krieg erk.ären sollte, Rußland dies ebenfalls al» Krieg»erklärung auseheu würde. Paris, 8. November. Ja Dover wurde ein Franzose als der Spionage verdächtig festgenommen. London, 3. November. Hiefige Blätter wollen wissen, daß Lord Eromer vom Khedtve von Aegypten das versprechen erhalten habe, derselbe werde demnächst der ksuigiN Victoria einen Besuch abstatten. London, 3. November. ,@tanbarb* bestätigt die Ber- muthuug, daß die Rüstungen gegen Rußland gerichtet feien: Dieselben kämen nicht unerwartet in Anbetracht ber zunehmend« Spannung in Norden Ehiua». E» sei wahrscheinlich, daß Rußland Niutschwang besetzt habe. Arras, 3. November. Bet einem Sturm in der Nordsee find gestern 12 Mann von einem Fischerboote umgekommen. Ein englisches Schiff ist gesunken. Die ganze Mannschaft desselben konnte gerettet werden, ebenso alle Verth- gegenstände.__________________________________________________ Locales rrnd provinzielles. Gießen, 4 November 1898. ** Aus de« Grotzh. Ministerium. Durch Em>ch'ießung Großherzoglichen Mt'ttsterium» de- Innern vom 26. Octvber ist der Grotzherzogltche Rcgierungsafftffor Dr Neidhaet in Darmstadt bis aus Weiteres «It der Sushilseleistung bei de« Grobherzoglich« Mintsterialseeretartat des Innern beauftragt worden. •• ProvinzialanSschabsttzang. Samstag den 12. November 1898, vormittags 9 Uhr, findet in dem Regterungs » gebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusfe» der Provinz Oberhefsen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch des Peter Stichel zu Butzbach um Erlaubuiß zu« Betrieb einer Schank- wirrhschaft in der Langgasse. 2. Klage de» Ditlaxmtn« verbände» Liberseid gegen den Ort»armenverband Oder- Ofleiden wegen Erstattung von Pflegekosten für da» Kind Elisabeth Georg. 3. Enteignung von Gelände der Peter Kennel Eheleute zu Gießen für die projectirte Querstraße Q—Q 1 de» südöstlichen Stabtetwetternngsplaue». •• Loneeet Verein, lieber da» n« Sonntag den 6. November mitwirkende Da« enquartett, berichtet ber bekannte Berliner Kritiker in der Nationalzeitung wie folgt: Da» voealq aartett der Da«« Emmi Lampe, Elara Leithold, Sophie Braun und Margarethe Krause trat am Dienstag, den 8. December wieder auf. Die jungen Damen haben eine so ausgezeichnete musikalische Bildung, daß fie ohne jede Justrumentalbeglettung ein Ensemble bilden, welches au Sicherheit und Sauberkeit nicht leicht Seinesgleichen findet. Die schwerste Aufgabe stellte ihnen das Quartett ^Sylphen- tanz" von Theodor Krause, dem Vater der zweit« Altistin. Die reiche Modulation und Figuration, die vielfach wechselnde Tonmalerei macht an d« vierstimmigen Gesang die denkbar höchsten Ansprüche, denen die Damen in bewundernswürdiger Weise gerecht wurden. Auch »Wandrers Nachtlied" do« demselben Eompouisteu, zeigte die Loucertgeberinuen auf ber Höhe ihres künstlerischen Könnens. .Außerdem erfreuten ste die Hörer mit Liede« von Kahn, Möhrtng, Brahms, Vierling und Anderen. Daß es den Honcertgeberlnnra an Bei- fallsbezeuguugen nicht fehlte, braucht kaum erwähnt zu werd«. ” ktadttheater. Anna Führung all Johanna d'Arc. Kannst Du nicht wie der Adler flieg«, — Klett're nur Schritt für Schritt bergan; — Wer mit Mühe den Gipfel gewann — Hat auch die Welt zu Füßen liegen! Diese Worte lassen fich zutreffend auf die Ausgestaltung be» Helden- madcheu» von Dom Remy durch Anna Führtug auwend«. Wird auch die Rolle von allen bekannten und unbekannt« Heroin« der deutsch« Bühnen gespielt, so giebt es doch nur sehr wenige Darstellerinnen, deren Auffassung und Wiedergabe der Johanna sich mit den Intentionen des Dichters deckt. Anna Führing hat, als fie im Jahre 1886 am Kölner Staittheater ihren ersten theatralischen versuch wagte, die Rolle gleich den meisten ihrer Colleginneu gespielt. Heute, da fie ihre künstlerische Reife erlangt, da fie mit tiefem Bet- standniß eiugedrungen ist in den Geist der Rolle und sich gleichzeitig die Winke der Kritik zu Nütze gemacht hat, kann man nicht mehr sagen, fie spiele die Johanna, sondern Anna Führung durchlebt fie. Kaum eine zweite Tragödin vermag es, der bekannten Rolle so viele neue Setten abzugewinueu, keine, die Seherin und Heldenjungfrau so vor den Augen de» Zuschauers zu entwickeln und durchzuführeu, wie Anna Führtog. Zwar verrieth fie schon bei ihrem ersten theatralischen Versuche ihr großes Talent und die „Kölnische Ztg." vom 18. October 1886 konnte schreiben: „Der klassische Montag im Stadttheater brachte uns Schillers Jungfrau von Orleans und einen ersten theatralischen Versuch von Anna Führing aus Berlin, welcher von sehr schönem Erfolge begleitet war und für die wettere Entwickelung der Kunst- jüvgerin da- Allerbeste erhoffen läßt. Im Besitze einer sehr vortheilhaften Bühnenfigur, eines modulattonSfähigen Organs von ziemlichem Umfang und von echter Helden-Klangfarbe, ferner im Besitze einer bereits vorgeschrittenen schauspielerischen Ausbildung in Bezug auf Gaug, Haltung, Geberde und Mienenspiel, hat sich Frl. Führing die Zuneigung sofort im Sturm erobert und wurde den ganzen Abend hindurch höchst schmeichelhaft ausgezeichnet. Sie hat entschieden ungewöhn« liches Talent, alle Anlagen zu einer Tragödin großen Stiles, und fie wird hoffentlich durch eifriges BorwärtSstrebeu das Ziel erreichen, welches ihr erstes Auftreten schon in Sicht gestellt hat." Gegenwärtig aber ist das anders. Anna Führing hat als Jungfrau von Orleans eine Leistung geschaffen, welche allenthalben Aufsehen und Bewunderung erregen muß. ♦ * Bo ist der vewiuner? Der auf das LooS Nr. 10893 der Friedberger Pferdemarkt-Lotterie gefallene Gewinn Nr. 17, ein Fohlen, wurde bis jetzt nicht abgeholt. • * Schutz der Angestellten im Handelsgewerbe. Wie in den TageSblätteru gemeldet wird, ist „ein Gef etzrutwurff zum Schatz der Angestellten im Handelsgewerbe als Ergänzung der Gewerbeordnung in Vorbereitung". Eine Vorlage soll bereits dem Reichstage in dieser Tagung zugehen. — Auf Anordnung beS Reichskanzlers sind im September und October 1892 Untersuchungen „über Arbeitszeit, Küu- digungSfrifteu uvd LehrlingSvrrhältniffe im Handelsgewerbe" vorgeuommeu worden. Die Ergebmffe gingen der Reichs- Commission für Arbeiterstatistik Ende Juni 1893 zu. ES | wurden dann weiter schriftliche Gutachten von Vereinen und I verbänden eingeholt, und vom 9. bis 20. November 1894 ? zahlreiche Personen mündlich vernommen, nachdem am 13. s October 1894 ein Gutachten des ReichS-GesundheitSamteS rtngelaufen war. Am 10. December 1895 verhandelte die Commission dann über die Ergebnisse der Untersuchung und stellte den Entwurf von Vorschlägen für die Regelung der verhältuiffe der Augestellteu in offenen Ladengeschäften fest. (Obligatorischer 8 Uhr-Ladenschluß!) Seitdem ruhte dir Angelegegenheit. • • Wetterbericht. Die Depression im Norden des Erd- theils hat sich noch weiter ausgedehnt, dagegen bestehen dortselbst erhebliche Gradienten fort. Urber dem ganzen Ostseegebtet haben beute stürmische Südwestwtude eingesetzt, DaS barometrische Maximum ist südwä'tS zurückgewtchen. Ueber dem Gebirge und dessen nördlicher Borkaute ist Aufklärung eiugetreten. Die Morgentemperaturen liegen auf unserem Gebiete ziemlich tief. — Voraussichtliche Witterung: Besserung deS Wetters nut vorübergehend, dann Zunahme der Bewölkung mit theilweisen Niederschlägen. • Die Sterbekafse deS Bundes deutscher Gaflwtrthe (Juristische Person), Sitz in Darmstadt, hielt ihre sechste ordentliche Generalversammlung in Cassel ab. Der von j dem Herrn OberrechuungSrevtsor Landzettel (von der Groß- | herzoglichen OberrrchuungSkommer zu Darmstadt) geprüfte ■ und für richtig befundene 1897er Rechenschaftsbericht weist eine JahreSeinnahme von 344917Mk. und einen BermögeuS- stand von 316000 Mk. auf. Im Jahre 1897 betrug der Neuzugang 910 Mitglieder, mit ea. 900000 Mk. Sterbegelder, wahrend 190122.63 Mk. an die Hinterbliebenen verstorbener Mitglieder zur Auszahlung gelaugten- derReserve- foud beträgt jetzt nahezu 400000 Mk. Vorstehende- beweist den gesunden Stand und die LcistungSfähigkett der, wie alle gutfunbürten Institute, auf versicherung-technischer Grundlage beruhenden Kaffe, welche in den 51/, Jahren ihre- Besteheu- eine so große Verbreitung in deutschen GastwirthSkreisen gefunden hat. Die Kaffe verdankt dies in erster Linie ihren besonderen Vorzügen, welche für jede- einzelne Mitglied und seine Angehörigen vortheilbringend find. Mögen die der Kaffe noch fernstehenden deutschen Gastwirthe erkennen, ein wie großer Segen und welche Beruhigung für die Familie in der Zugehörigkeit zu diesem schönen Institute ruht, dessen LeistungS- fähigkeit durch die Auszahlung für Sterbegelder an deutsche Gastwirth-famtlien im Betrage von mehr al- 900000 Mk. erwiesen ist und deffen Sicherheit der hohe Reservefonds garautirt. Die schönste aller Pflichten, rechtzeitig für Diejenigen zu sorgen, welche uns fürs Leben auvertraut find, können hier die deutschen Gastwirthe in denkbar einfacher und dabei billiger Weise erfüllen. Hungen, 3. November. Unsere Märkte werden immer schwächer, der Besuch geht zurück, woran liegt daß ? In diesem Jahre durste man infolge des guten Ernteergebnisses einen ausnahmsweise großen Besuch des AllerheiligenmarkteS er- warten, und wie war der Besuch? Schlecht, während man z. B. von Ortenberg das Gegentheil liest. Der Ortcuberger Markt ist verhaltnißmäßig größer und berühmter, aber die nächste Umgebung von Ortenberg dürfte an Wohlhabenheit hinter derjenigen der Umgebung HungeoS doch zurückstehen. Nach dem unmaßgeblichen Urthetl Schreiber- Dieses müßte man von Setten der Stadt oder des Gewerbeveretn- Schritte thun, um den Markt zu heben. Es wüßten auch die Ge- schäftSlente Werth darauf legen, daß etwa- Bessere- daraus entsteht. Nicht Marktschreier und Haufirer, dir solche Märkte gewöhnlich heimsuchen, können dieselben verbessern, e- muß Sorge getragen werden, daß diese möglichst fern bleiben und mehr gute Geschäst-leute den Markt besuchen. Ferner muß da- Publikum von au-wärtS noch besonder- auf den Markt aufmerksam gemacht werden. — vielleicht ist auch eine Verlegung de- Marktplatzes vorthrilhaft, z. B. in die Dorstadt, wo Platz zum Ueberflaß vorhanden ist. Landpost. Schotten, 2. November. Schon seit längerer Zeit werden von bin Bewohnern der oberen Vogelsberger Anstrengungen gemacht, um Anschluß an eine der Bahnlinien zu gewinnen, und gehen dieselben etue-theil- dahin, Mücke—Ulrichstein—Herbstein zu verbinden, anderevtheil- sucht man für die Strecke Schotten—Ulrichstein—Alsfeld Propaganda zu machen. Nun werden die Vertreter der interesfirten Ge- meiuden dieser Tage hier zusammentreten, um für letzterer Projekt die einleitenden Schritte zu berathen. Hoffen wir, daß von Seiten Großh. Regierung sowohl als auch von Seiten der Landstände der einen oder anderen dieser Linien dar nöthigr Wohlwollen entgegeugebracht werde, damit unserem Vogelrberg, b-m Stteskind be8 Heffeulande-, bald die Wohl- thateu einer Bahuverbiubuug zu Thetl werbe. Butzbach, 31. October. Der Turnverein beging sein 50jährtger Fahnenjubiläum gestern durch eine Feier im neuerbauten Ktmm'schen Saale mit Ftstrede beS Herrn Reallehrerr Wämser, lebenben Bildern und entsprechenden Declamationen usw., sowie einem heutigen Ausflug nach Griedel. Bon den seinerzeitigen Stifterinnen ber Fahne leben noch 17, von den Turnern au- jener Zeit noch 5; diesen sämmtlich sollen Ehrenurkunben überreicht werden. Niederweisel, 3. November. Ein Glückskind! Der Sohn eines hiesigen Einwohners, welcher bei einem Butzbacher Schuhmacher da- Handwerk erlernt, scheint von der Glücksgöttin Fortuna besonders ausr Korn genommen zu sein. Bei der Butzbacher Gewerbe-AnSstellungS-Lotterie gewann er den 8. Preis, einen Kaffenfchrauk, wofür er den Betrag von 230 Mk. erhielt, und bet der Berloosuug gelegentlich des Friedberger Pferdemarktes fiel auf fein LooS der 7. Preis, ein Fohlen, wofür er 220 Mk. erlangte. Groß-Gerau, 1. November. Seit einigen Tagen werden unter Leitung der Herren Or. Anthes von Darmstadt und Lieutenant a. D. Gieß von Heppenheim auf hiesiger Gemarkung, und zwar hinter der Großh. Fasanerie nächst Dornberg Ausgrabungen vorgenommen. Man kam nämlich, an der Hand früher daselbst gemachter Funde, auf die Idee, daß hier sich eine römische Ntederlaffung befunden haben müsse. Die bisherigen Ausgrabungen bestätigen diese Muth- matzung, denn man hat bereit- die Hälfte eines römischen Castells zu Tage gefördert. Bemerken-werth ist dabei, daß fast alle Steinmassen schon vor mehreren Jahrhunderten aus- gegraben worden find. Der jetzt aufgefundene Grundbelag (Betoniruug) ist sehr gut erhalten. Nach dem Steinbefund kann mit Sicherheit angenommen werden, daß da- ehemalige Dornberger Schloß und die große Mauer um die Fasanerie au- den Steinmasien de- Römerkaftells erbaut find. A Mainz, 3. November. In einem eingehend motivirten Gesuche haben die hiesigen Buchdruckereibefitzer an die Re- gieruug da- Ersuchen gerichtet, dem Anträge, für die Provinzen Rheinhessen und Starkenburg eine Zwaug-inuung für das Buchdruckergewerbe zu errichten, die Genehmigung zu versagen. Ferner haben die Buchdrucker die Mainzer Handelskammer ersucht, fich gutachtlich darüber zu äußern, ob im vorliegenden Falle die gesetzlichen Bedingungen zur Errichtung einer Zwangsinnung vorhanden seien. — Zur Theilnahme an der Bewegung wegen der Orffnuug der Grenzen zur Vieh ein fuhr hat fich die hiefige Metzgerinnuug jetzt auch an die Bürgermeisterei und die Handelskammer gewendet. Beide Stellen werden fich unzwetselhast den Schritten der Metzgerinnnng um Beseitigung der Grenzsperre anschließen. Oppenheim, 2. November. Der Besuch der Großh. Wein- und Obstbauschule, welcher bei Eröffnung der Schule vor drei Jahren gegenüber anderen neu gegründeten Anstalten schon al- recht günstig zu verzeichnen war, ist stetig gestiegen, und find in da- vor Kurzem eröffnete vierte Schuljahr 25 Schüler eiugetreten. Eine größere Anzahl ist die Schule kaum in der Lage, aufzunehmen, da schon für diese Zahl sowohl die Schulräume als auch die Grundstücke kaum ausreichend find, und die Regierung fich entschließen müßte, sowohl Zubauten vorzuuehmen — namentlich für einen größeren Lehrsaal zu sorgen und die Laboratorinm-räume zu vergrößern — al- auch Grundstücke anzukaufen, um den praetischeu Unterricht zu ermöglichen. Ein größerer und befferer Weiubergbefitz würde fich auch reutireu, hat ja die Schule selbst in diesem ungünstigen Jahr eine ausgezeichnete Weinernte erzielt. Bon den angeführten Schülern find 22 Hessen und je 1 aus Unterfranken, Kreuznach und Aru-berg. Dir Hessen vrrtheilen fich auf folgende Kreise: Oppenheim 14, Mainz und WormS je 2, Alzey, BeuSheim und H'ppeuheim je 1. Mainzer Anzeiger. Alzey, 8. November. Heute fand in der städtischen Turnhalle die Eröffnungsfeier der vom hiefigen Gewerbe» verein in-Leben gerufenen erweiterten Handwerkerschnle statt. Dieselbe befindet fich im zweiten Stock de- AmtSgerichtS- gebäude- und besteht au- einer Wioterichule, die in zwei Klassen zerfällt und deren Lehrgänge fünf Monate dauern. Der mit der Schule verbundene offene Zetchensaal ist während de- ganzen Jahre- geöffnet, und werden die Schüler de-selben an zwei Nachmittagen der Woche einzeln, je nach ihrer Vorbildung, unterrichtet. Der Vorstand der neuen Schule besteht au- den Herren KretSrath v. Hombergk, Bürgermeister Dr. Sutor und Landtag-abgeordueter Carl Römer, sowie den Vorstandsmitgliedern de- Gewerbevereins. Die Leitung der Schule ist Herrn Hauptlehrer Wagner übertragen. A Aus Rheinhessen, 3. November. Mau hat fich in ganz Rheinhessen über den quantitativen Ausfall des Herbste- nur sehr geringen Hossaungen hingegeben, aber trotzdem ist da- Resultat der eben im Gange befindlichen Weinlese allenthalben noch trauriger al- man erwartet hatte. Einzelne Wetnberz-befitz'.r ernten noch nicht einmal so viel all fU sonst für den HauStrunk brauchen. Die Qualität ist etwas zusriedenstellender wie die Quantität, doch geht da- allgemeine Urtheil dahin, daß der 1898 kein besonderer Jahrgang abgeben wird. Arr- bet Seit für die Aett. Vor 141 Jahren, am 5. November 1757, unternahm Friedrich der Große bei Roßbach einen unerwarteten Angriff auf das französische Heer. Die Franzosen ergriffen unter Zurücklaffung ihres mit Mode- und Luxusartikeln reich versehenen Gepäcks in einer Eile die Flucht, daß der Witz der Spötter ihre Benennung in „Reißausarmee" verkehrte. Pemiföte*. ♦ Frankfurt a. M-, 1. November. Die Ehefrau Marie Feller in Heddernheim ging am 19. September mit ihren drei kleinen Kindern nach dem Kirchhof, um das Grab ihre- Manne- zu besuchen. Da am Morgen diese- Tage- eine ihr befreundete Frau begraben wurde, so wollte fie deren Grab besichtigen. Sie hieß ihre Kinder am Grabe de- Vater- warten, bis fie zurückkäme. Während ihrer Abwesenheit nahm ein- der Kinder, ein fünfjähriger Knabe, von einem benachbarten Grabe einen kleinen Bergißmeinuichtstrauß und Pflanzte ihn in da- Grab seine- BaterS. Der Werth de- Strauße- beziffert fich auf acht Pfennige. Mit kindlicher Freude erzählte der Kleine seiner Mutter die vollbrachte That, und stillschweigend ließ die Mutter den Knaben ge- währen. Da- Schöffengericht, bei dem der Fall anhängig wurde, sah in der ganzen Sachlage keinen Diebstahl und erkannte daher auf Freisprechung. Gegen diefk- Urtheil legte der Staatsanwalt Berufung ein. Die Strafkammer hob daerste Urtheil auf und erkannte nach einstündigrr Brrathung auf einen Tag Gefängniß wegen Hehlerei. * SichterSlebeu, 31. Ocrobrr. Hier ertörte plötzlich zu nachtschlafender Zeit die Schelle de- Ort-di euer-, der verkündete, daß baß sechsjährige Mädchen des Bäcker- N. spurlos verschwunden sei. Die Aufregung steigerte fich, al- 8/4 Stunden später von jeder Familie ein Mann durch die Ort-schelle auf- Rathhau- beordert wurde, um mit einem zielbewußten Plan auf die Suche zu gehen. Plötzlich ein Freudengkschrei: Sie ist da! Sie ist da! — Und wo war fie? Zu Hause unter dem Kanapee lag fie und schlief den Schlaf de- Gerechten! • Ludwig-Hafen, 31. October. Die Steuerhinterziehung wegen Errichtung eine- WanderlagerS wird in Bayern schwer geahndet. Dieser Tage brachte ein Nürnberger Händler zwei Eisenbahnwagen Aepfel hierher, die für einen hiefigen Händler bestimmt waren. AuS irgend einem Grunde wurde iudeß das Obst nicht abgeliefert, sondern der Nürnberger Händler verkaufte e- hier freihändig an die Cousumeuteu. Er wurde nun wegen Errichtung eines um versteuerten WanderlagerS in eine Geldstrafe (einschl. Steuer und Umlage) von 800 Mk. verurtheilt. Man ersteht hieraus wieder, wie Tendeuzgesetze wirken. ES ist bei Erlaß deS Wauderlager-SteuergesetzeS Niemand eingefallen, daß eS fich auch auf den Obsthandel erstrecken solle. • Straßburg, 1. November. Auf eigenartige Weise ist ein wegen Diebstahl- zur Anzeige gebrachter Soldat bei hier garnisonirenden Husareu-Regiment- Nr. 9 desertirt. Mit Einbruch der Nacht sattelte er fein Pserb und verließ mit ihm die Kaserne; dem Posten, an dem er vorbeireiten mußte, sagte er, er hätte einen Distanzritt zu machen. Ohne von Polizei, Geudarmeriebeawten oder Grenzwächtern gestellt zn werden, gelangte er über die Grenze, wo französische Gendarmen ihn anhielten. Der Deserteur ist ein Lothringer au- Saar« bürg, Namens Jos. O-wald. • Reichenhall, 31. October. Al- am Sonntag früh ber Meßner in Wei-bach bei Inzell bemerkte, daß die Thurmuhr nicht mehr tickte, sah er nach und fand zu seinem Schrecken, daß sie gestohlen war. Die Uhr hat 300 Mk. g-kostet. Wie der D ed in den Thurm kam, ist ein Räthsel, mehr aber noch, wie er die große, schwere Uhr unbemerkt fortbriugen konnte. Die Gewichte und den Perpendikel ließ er da. • Dreyfus auf der Teufelsiusel. Au- Pari-, 30. October, wird den „M. N. N." geschrieben. Die Berichte, die der vom „Marin" an-gesandte Berichterstatter Heß über Dreyfus auf der Teufelsiusel liefert, find doch namentlich im gegenwärtigen Augenblicke intereffant genug, um fie ie größerem AuSzuge wtederzugeben. Heß schreibt u. A.: „DreysuS befindet fich in Zellenhaft, fein kleines Gefängniß ist mit einem hohen, festgefchloffenen Plankenzaun umgeben; er wird streng bewacht, man hat ihn in Eisen geschloffen. Trotzdem befindet er sich wohl und weiß von den Anstrengungen zu s-tnen Gunsten. Am Südende der Teufelsiusel, auf einem 20 Meter hohen, 50 Meter laugen und 10 Meter breiten FelSrücken, der der Richtung der Insel Nordost und Südwest entspricht, befinden fich zwei kleine Bauten zu besoubereu Zwecken für die Wächter, ein Thurm mit einer Warte zum An-schauen unb in einer 6 ober 8 Meter beiragenben Höhe ein Hotchktßgeschütz. Ein Wächter ist fortwährend aus ber Lauer unb übersieht bie Insel und ihre Umgebung. An diesen Wachithurm lehnt sich bie Kaserne der Wächter, aus Holz gebaut, ungefähr 8 Meter im Geviert haltend. Sie bildet ein Erdgeschoß mit je drei Fensterthüren aus jeder Seite. Da- Gefängniß DreyfuS daneben ist von außen nicht fichtbar. ES ist auß Holz, viereckig, je vier Meter lang und breit. Die Spitze des Daches au- weißgestrichruem Blech ist drei Meter hoch unb ragt allein über die Einfriedigung hinaus, die das Gefängniß umgiebt. In dem Theil de- Daches, der die Stellt des Gefängnisse- Überragt, wo beständig ein Wächter fich befindet, ist eine Bentilatton-scheibe angebracht. Die Einfriedigung ist viereckig, ungefähr sechs Meter breit und zwölf Meter lang. Sie besteht aus breiten, dritthalb Meter hohen Pfählen, die oben fcharf zngefpitzt find. Sie find fest aneinander gefügt, fodaß keinerlei Zwifchenraum bleibt. Wegen dieser Einfriedigung kann Dreyfus während feinet Spazier- Qbl ife *”8«w y? «• Sh Mw Unit Wr tll» lll @lQi ju , ,1 ’T ikiti zam “«' f» Mu Ot bnea i ™« «« S„i! 1(| » «ul liier MiWier Satlt, tM ”tn Du Lmh w* M riMin r Mutter bit vMche i Mutter bin Knaben gt* > btm btt Fall anhängig W Irinin Diebstahl urb Gegen diele- Unheil legre Die Ttraskamrnic h?b bal ich elustünbiger B'.rathwg i>itt ertökte plötzlich go 8 Drtlblmrl, bc Räbdjrn bei Mer- R. I reguug steigertt stch, all lie ein Manu dmch bit I würbe, um mit tinte gu tzchv. MM t\u estdnl- Abrvvtvm ste? ste unb W des Tchlai . Die Struerhiuter. eß Wauberlagerß wirb in r Tage brachte ein Mr» geu ilrpfel hierher, bit für vareu. Au» irgend ilnti cht abgeliesert, sondern der 8 hier freihändig au die tgtn Errichtung eine» un- Qtlbftraft (W Steuer rilt. Man ersteht Himel Ts ist bei Erlast btl ab Mt\* 11 i solle. a Aus eigeull'tige veiie» • gebrachter Soldat des hin ti ein Und unb »<*« "* dm er wrtil«'1“ ' B *• t JJ '(ta SW 811 m MJ J* m«!«, »«6 W' ÄtfS*S SÄ"- »l6«‘a'.u ao.ce- 5SS »?. Srtz'5 * Ä**J -Ä-S ml«' s-"-A [jur» •’ s’uaiejle» vj 8 M» n"f ’ f-5fiS X"«'Sj [ M-b^ iB 8,1 »- k e*‘K * »itzt l”k; J iiiiH'g.uip §5?*’ stauben das Meer nicht sehen, dm Ladende dieser Holz- mauer «st wegen der Neiguag des Bodrn» eine Mauer all Untersatz der Liufrtedtguug ausgebaut. Daher die Erzähluog von der Mauer, ans der die Holzetufriediguog ruhe. Hierdurch wird anschriueud bestätigt, daß Dreyfus in einem Ge- fLoguiß ohue Fruster fich befindet. Er firht io diesem Kerker- loch schwerlich hell genug, um lesen zu können. Innerhalb der Einfriedigung kann er uar gewisse Stunden des Tages Luft schöpfen. Nachts werden ihm die Füße io Eisen ge- schloffen. Am Fuße des Frlsrllckeas, am Südeade der Insel, befindet fich ein kleiner Strand, w«, in eine« genau aus 20 Kokospalmen bestehenden Wäldchen, fich drei Gebäude befinden: em größeres und zwei kleinere. Bis vor zwei Jahren mar Dreysus dort uutergebracht. Im großen Gebäude mohuieu die Wächter, int mittleren befand fich Dreyfus, daS kleine Gebäude enthielt Borräthe und Anderes." Boa dem Gouverneur Roberdeau in Layenne konnte Heß nichts erfahren, doch eutnah» er Einiges aus seinen ausweichenden Antworten, „ölt gerne hätten wir gesehen, was fich dort hinter den Pallisadea abspielt l Wie gerne — und wäre es blos eine Stande lang gewesen — da« Leben des unglücklichen Deportirteu beobachtet I* Mein Reisegefährte, Zeichner des Blattes ^'Illustration", sagte zu mir: »Bielleicht bringen wir es doch zuwege, auf die Insel zu gelangen I Wir werden in Layeane einen kleinen Kahn miethen, zur Insel rudern, trachten auf den Sand aufzusahrea und schwimmend das Land zu erreichen. Und wenn selbst der Teufel in Person diese verdammt« Insel bewachen würde, er wird uns doch aufnehmen, und dann wollen wir sehen, wer der Geschicktere ist, er oder wir!" „SRetn lieber Freund!" antwortete ich, ^diese Insel ist nicht von dem Teufel bewacht, aber er hat hier Wächter, die gerade so sorgsam find, wie er selbst!" Und ich zeigte ihm die schwarzen Punkte, dir au» de« Meere aofschoffeu und wieder verschwanden/ das waren die Haifische, die hier ihr reizendes Spiel trieben. Heß giebt auch Aus- fünfte über daS Nahrungsregime deS Brrurlheilten. Ehedem ließ man ihn seine Nahrung-mittel der Lautine btt Ile Royale entnehmen. Jetzt muß er fich seine Speisen selbst zudereiten. Deshalb nimmt er viele Louserveo als Nahrung. Die Gefängnihverwaltung liefert ihm dirrct nur Brod und Ziegenmilch. Das Uebrige wird auf Kosten Dreyfus nach semen Angaben gekauft, ohne daß er indeffeu den Ltefrrauten kennen darf. Diese Ausgaben werden aus den Geldmitteln bestritten, die Drihfus von seiner Familie zugesaudt werden; da diese Ausgaben aber nur geringfügig find, hat er schon 7000 Frauken Ueberschuß in dem Spectalbureau des Ge- fäoguihdienstes zu seiner Verfügung .... Bei seinen Einkäufen geht er folgendermaßen zu Werke: Zu Ende jedes Monats stellt er eine Liste von Gegeuständen und Nahrungsmitteln auf, dir er für den nächsten Monat wünscht. Auf der Liste für October stand beispielsweise: 1 Liter Brenu- spiritus, 2 Fläschchen Orangenwaffer, 3 Töpfe conseroirte Butter, 1 Kilogramm Choeolade, 2 Kistchen Eamemberikäse, 3 Flaschen Todawaffer, 2 Flaschen Hunyadi Jauos, 6 Paar feine farbige Strümpfe, l’/> Kilogramm Tabak, 1 Holzpseife, 50 Eignrrru, 2 Packete Streichholzschachteln, 2 Buch weißes Papier, 2 Packete Stearinlichter, 1 Fläschchen gekörnter Kola oder Kola Lhocoladetäfelchen, 5 Kilogramm Seife, 2 weiße Zeughoseo & 10 Frauken, 6 wetßleinene Taschentücher. Bei der Aufzählung dieser Sachen treibt der Journalist die Ber- fimpelung soweit, auch die Länge der Strümpfe, die Länge und Weite der Hosen aufzvzrichnen, die er sorgfältig ge- meffeu hat! • Kurze Nachrichten, -in prachtvolles Exemplar einer vorgeschichtlichenEibe, dazu noch ein Unikum in seiner Art, hat das Proviozialmuseum in Danzig für 10 Pfennige gekauft. Es handelt fich um ein gewaltig großes und sehr festes Stück von 3'/, Meter Umfang, daß größte bis jetzt bekannte seiner Art aus dem Regierungsbezirk Marienwerder. Das Fuudstück wurde von der Forstverwaltuug dem Museum überlaffen, doch hatte letzteres den Holzwerth mit 10 Pfennig zu ersetzen. Schlftsnacbrichten. Norddeutscher Lloyd, in Gietzen vertreten durch bit Agenten 4erl Loo- und I. M. Schulhof. Bremen, 3. Novbr. (/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Bormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Abends 5 Uhr. Pfarrer Euler. Beichte und heil. Abendmahl für die LucaS- und Johannes- gemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jedor Gemeinde erbeten. Eollecte nach allen Gottesdiensten in beiden Kirchen für die Gustav-Adolph-rttstung. Montag den 7. November, Abends 8 Uhr. Bibelftunde im Confirmandeniaal der JohanneSkirche. Kolosserbrief Cap. 1, von Bers 9 an: Erkenntniß und Wandel der von Christus Erlösten. Pfarrer Dr. Naumann. ________ Im Sonfirmandensaal, Neustadt 61: Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.] DonnerStag den 10.November, Abends 8 Uhr: Bibelstunde. 1. Cor. 13, Das Hohelied von der Liebe. Pfarrer Schlosser. Kathslisch« Gemeinde. SamStag den 5. November. Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag den 6. November. 23. Sonntag nach Pfingsten. Bormitlags von 61/* Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austheilung der heil. Communion; , um v Uhr: Die zweite heil. Messe; , um 9>/t Uhr: Hockamt mit Predigt. Nachmitttags um 5Vi Uhr: Christenlehre; darauf Andacht für die Abgestorbenen. Neueste Nachrichten. Depeschen des Bure« .Herold". Berlin, 4 November. Dem »Kleinen Journal" wird aus Parts telegraphttt: In dec ttcmmrr circullren Gerüchte, wooack England trotz der Räumung FaschodaS zum Krieg entschloffeu sei. Wahrschrinlich wird die Türket, gestützt auf Deutschland, R >ß!and und Frankreich, in Aegypten intetoentren. Berlin, 4. November. Aus München meldet das .Kleine Journal": Der hiefige Herausgeber des „Simplictssimul", Albert Langen, wurde nach Leipzig vorgeladen und daselbst wegen Majestätsbeletdtgung, begangen durch den Abdruck des Gedicktes: „Paläft'vafahrt" im Simpl cisfimns, verhaftet. Der Berfafler des Gedichtes, Schltfisteller Wedekind, ist nach der Schweiz geflüchtet. Gegen den Zeichner des zn diesem Gedicht gehöligen Bildes, Heine, ist von Leipzig aus rin Strafoerfahren eröffnet worden. Im Gegen satz zn vorstehenden Meldungen wird uvS auf München gemeldet, daß Langen und Wedekind flüchtig sind. Dagegrn wurde Heine, welcher einer Borladungnach Leipzig Folge ge- t leistet hat, daselbst verhaftet. Wien, 4. November. Die ,9?. Fr. Pr." vertritt die Anficht, daß die beschleunigte Rückkehr des deutschen Kaiser- Paares mit der Fasch o dafrage in Zusammenhang steht, und daß die Rückkehr eine andere Grupptrung der Gegnerschaft zur Folge haben dürfte. Budapest, 4. Novimber. Anläßlich des gestern begonnenen Preßproceffes gegen den Führer der Agrar« Socialifien, Stephan Batkonh, kam es um Mitternacht zu Tumulten. Die im Eorrtdor angefammelten Studenten und Arbeiter wollten gewaltsam in das Untersuchungsgefängniß eindringen. Die herbeigerufeae Polizei stellte die Ruhe wieder her und nahm mehrere Verhaftungen vor. No«, 4. November. Infolge des andauernden Steigens der Brotpretfe ordnete die Regierung die Bertheilung von Getreide aus den Militärmagazinen zu den Einkaufspreisen an, nnb zwar t« Bereich der sechs Armee-Commandos: Sardinien, Sizilien, Neapel, Bart, Palermo und Ancona. Part», 4. November. Der Eassati onshof richtete an die Regierung daß Ersuchen, alle Offiziere, welche in Sachen der Dreyfus Rev'fion vorgeladen werden, von de« Berufsgeheimniß zu entbinden. — Offiziere, welche die Ge- heimecten gesehen haben, gedenken dem EaffaitonShof mit« zutheilen, auf Grund welcher Facten und Ueberzeugungen sie DklysuS für schuldig halten. Paris, 4. November. ^Toleil" meldet, daß Graf de Mun heute in der Kammer eine Interpellation über die Faschodafrnge einbringen wird. Delcaffö wird die Kammer bitten, die wichtige Debatte über die Interpellation auf nächsten Montag zu verschieben. Alsdann werde er der Sammer volle Aufklärung in der Sache geben. Parts, 4 November. Der ,®aaloti" versichert, daß das Verfahren gegen Picquart nicht eingestellt worden fei, sondern noch einige Tage fortbauern dürfte. Paris, 4. November. In hiesigen politischen Kreisen wird daS neuerliche Auftreten des Sultans tu der Faschodafrage lebhaft besprochen. Man ist allgemein der Ansicht, daß der Sultan diesen Schritt ntcht gethan hat, ohne daß Kaiser Wilhelm das Vorhaben deS Sultans gekannt und gutgeheißen hätte. Mau schließt daraus, daß es mit dem von England so oft gerühmten deutsch-englischen Einvernehmen nicht weit her ist. London, 4. November. In diplomatischen Kreisen behauptet man, baß der heutige Tag eine Klärung der politischen Situation bringen werde. Dupuy werde in der fron zösischen Kammer eine beruhigende Erklärung abgeben, und Lord Salisbury werde auf dem heutigen Lord-Mayor-Bankett einen friedlichen Toast zu Ehren Kttcheuers ausbrtngen. London, 4. November. Aus Kairo wird gemeldet, daß Marchand dort tlugehroffen ist. Es fanden keinerlei Demonstrationen statt. London, 4. November. Die Regierung sandte unter der Führung des Edinburger Profeffors Fraser eine aus fünf Mitgiiedern bestehende Lommtffion zu« Studium der Pest nach Indien. Algier, 4. November. Der Statthalter von Algier hat an die Präfekten ein Rundschreiben gerichtet, worin dieselben ersucht werden, künftighin die moralische Qualität und den Charakter derjenigen Fremden ganz besonders zu prüfen, welche fick als Franzosen uaturaltfireu lassen wollen. -------- T odesfall 10 Procent extra Rabatt auf allo schon reducirten Preise während der Inventur- Liquidation. Muiter auf Verlangen franco. Modebilder gratis. eines Theilhabers und Neuübernahnjo veranlassen uns zu einem wirklichen An*verkanf Weihnachtsgeschenke in Damen - Kleiderstoffen für Winter, Herbst, Frühjahr und Sommer und offeriren beispielsweise: 10885 6 Mtr. solid. Winterstoff zum Kleid für M. 1.80 6 , „ Santiagostoff „ ■ > ■ 2.10 6 , „ Neglig6- u. 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November 1898, jedesmal Nackmillaqs 2 Uhr, sollen im Pfandlocale zu Gießen, Seltersweg 11, gegen Baarzahlung versteigert werden: Sopha, Commode, GlaSsckrank, Ber ticow, 1 Kastensckrank und andere HauSgeräthe, sowie 1 Pferd, 1 Wagen, 1 Rind und eichene Diehlen- 10986 Kemmer, Pfandmeister. (fiiiipfflihiiitU'ii ÄL Schlachthaus. Freibank. 10961 Heute und morgen: Schsknürisch 54 pfg. Mnimuit Ronol. Freitag und Samstag Albend: SPANSAU. I Nene Hülsenfrüchte, Sauerkraut, fst. Frankl. Würstchen empfiehlt 10995 Chr. Wallenfels, 17 Marktplatz 17. Hasen, frisch geschossen, empfiehlt 10997 Witdhändler Edel. Kastanien I frisch eingetroffen. 10987 K. Kalkhof. la. neue holländische Vollhäringe, sowie vorzügliches 10994 Sauerkraut empfiehlt billigst G. Herbordt, Karktplab 18. “ Kochkäse “ empfiehlt 10978 Tampfmolkerei. WW Raupenleim, ~W1 bester Oualirät, empfiehlt 11008 4lugust Roll, B'bnhofstraße 51. Vereine Drucksachen, Mitgliedskarten. Eintrittskarten, Loasenammem. 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