«Be ft ’ln|ettt ^4 «te feien £ " femünn der Re- ltIfe AliGk uni «ch t. «je, ®nannDtket AoL *** Br.»!. Buchhändler AneS. totbnttet Etorgi. Dr. Qunbttmaim. Mrfat Pros. Haupt. MnuWkhrer Zanu. r e. d. ßo». Änei-enllOr Leit, idifr Pirr. ^vr.AV.EWA. ^audeSumvnstat. dnWrdueter Vch. WeiMngebotej X is:t«T MtrtenecftK rvn ir benmib gMl bat U frybtttoi d- 351 Ititr HmsdurW etui M«ett M ^doWchr. rirtbschaf^ B2.ar.2t»» rnischteAnzeigenJ »r!a* per Nitatt Mt «•jÄä ZW AgÄrü-tt 118( *“ H Mr. 3 Zweites Blatt. Mittwoch den 5. Januar 1898 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Mezugsprei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Alle Anzeigen-Bermittlungsstellen deS In- und Ausland«- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger -ntgegea. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Die Gießener AamitienStätter «erden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Amts- und Anzeigeblatt für den Mreis Giefzen. Redaction, Expedition und Druckerei: Schulstraße Zlr. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Aintlicher Tbeil. Bekanntmachung, betreffend Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig'freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1898. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1898 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. Februar 1898 bei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ctellen das Folgende bemerkt: L Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prufungs - Com- misfion nur dann eiuzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts- ort hat. 2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. 3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburtszeuguiß; b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt fein; «. ein Uubescholtenheitszeuguiß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ift; d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche «ur ein Unbescholtouheitszeugnih beizulegeu. lieber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 27 von 1894) Aufschluß. Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Loeals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt eventuell weitere Bekanntmachung; auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 10. Decrmber 1897. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr. Kayser. Bekanntmachung, betreffend das Ersatz-Geschäft für 1898. Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr- Ordnung werden alle im Jahre 1878 geborenen Militär« pflichtigen, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definittve Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus« und Wirth, schaftsbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich aufhalten, hiermit aufgefordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle in der Zeit vom 5. Januar bis zum 15. Januar l. I bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu melden und dabei, wenn sie an diesem Orte nicht geboren sind, ihren Geburtsschein, welcher nunmehr von dem betreffenden Standesamt zu erwirken ift, und wenn sie sich bereits bei einer früheren Musterung gestellt haben, ihren Loosungs-Schein vorzulegen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung rc. verlustig erklärt werden. Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr«, Brod, und Fabrikherren zu diesen Anmeldungen verpflichtet. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises, werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weife bekannt machen zu lassen. Gießen, am 3. Januar 1898. Der Civilvorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission Gießen. Dr. Wal lau. Bekanntmachung, betr.: Die Führung der Herdbücher für da- Vogelsberger und Simmenthaler Vieh. Da tu Kürze mit der Drucklegung der vom laudwtrthsch. Provinzialveretn eingerichteten Herdbücher begonnen werden soll, ersuche ich diejenigen Landwirthe, von welchen Thtere tu dieselben ausgenommen wurden und bet welchen Aenderuvgeu tm Besitzstand usw. seit der Aufnahme etngetrereu find, die- selben den Geschäftsführern der betreffenden Körbezirke 6i< zum 1. Februar 1898 mitzutheileu, damit dieselben noch be« rückfichtigt werden können. Die Geschäftsführer find: Für den 1. Körbeztrk (Vogelsberger): Herr Oberverwalter Betlftetn in Laubach. Für den 2. Körbeztrk (Simmenthaler tu deu Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Gießen): Herr LandwtrthschaftSlehrer Reichelt tu Alsfeld. Für den 3. Körbeztrk (Simmenthaler in den Kreisen Friedberg, Büdingen und Schotten): Herr LandwtrthschaftSlehrer Andrae in Büdingen. Laub ach, am 29. December 1897. Der Präsident des laudw. Vereins für die Provinz Oberheff-n. Friedrich, Graf zu SolmS-Laubach. Aus dem städtischen Verwaltnngsbericht. (Fortsetzung.) Bet AuSführuug deS Gesetzes über dte Krankenversicherung kommt sfür dte städtische Verwaltung außer den hier bestehenden 13 BetriebSkrankenkaffen und einer Innung»- kraukenkaffe vorzugsweise dte Ortskrankenkasse, daneben auch noch die Gemetndekrankenverficherung In Betracht. Die Ortskrankenkasse hat im Jahre 1896 durchschnittlich 2741 männliche und 395 weibliche Mitglieder gezählt mit 16 245 KrankhettStageu der männlichen und 1705 der weiblichen Mitglieder. Dte Kaffe hat in ihrem Abschluß recht günstige Ergebnisse aufzuweisen. DaS Capitalvermögeu der- Fenilleton. Schwiegervater! Humoreske von F. FlteH. (Schluß.) Der aufgeregte Hausbesitzer kam erst wieder zu sich, als er eine halbe Stunde später taS Srawmlocal von Friedrich betrat. Der Kellner, der ihm beim Ausziehen des lieber» zt-herS behilflich war, sagte mit einer gewissen Bonhommie: „Herr Stadtrath haben wohl gestern den Ueberzieher mit dem bcs Herrn Doctor vertauscht?" Herr Otto Bollmaun fuhr wüthend auf. „Zum Teufel noch mal. Ich werde 'doch meine eigenen Sachen kennen! Was gehen mich des DoctorS unbezahlte Kleedagen an! Bringen Sie mir einen Cognac und einen Schoppen." Der Ganymed verschwand. Herr Otto Bollmaun be* ruhigte seine aufgeregten Nerven mit einigen tüchtigen Schlucks und war bald in seine >alte Lauue als Vorsitzender des Stammtisches gerathrn. Den Ueberzieher vergaß er ganz, bis er beim Aufbruche und Avzieheu des Ueberziehers in un« liebiamer Weise an die Begrüßung?worte des Kellners er- innert wurde. Wahrhaftig! Fritz schien diesmal doch Recht gehabt zu haben. Der Ueberzieher kam Herrn Otto Boll« mann auf einmal sehr eng vor. Draußen ans der Straße musterte er sich noch einmal genau beim electrische' Lichte. Die Farbe de» Ueberzieher- war dieselbe; aber diese Länge! — Der reine Schlafrock! Mode nannte man da- jetzt! Herr Otto Bollmaun fuhr zur Sicherheit in die innere Brusttasche. Zwei Briefe kamen zum Vorschein. Der eine trug die Adresse: Herrn Recht-- anwalt Dr. Victor Sangebusch. ES war kein Zweifel, der Ueberzieher gehörte diesem unverschämten Patron. Der zweite Brief trug auf dem verschlossenen Couvert die mystischen Zeichen M. B. 18 Postamt 52. Herr Bollmann blieb auf dem Trottoir stehen. Ein unangenehm.s Gefühl zkroch ihm über den Nacken. Einen Augenblick zögerte er noch, sollte er oder sollte er nicht? — Mit einer heftigen Handbeweguug riß der empörte Rentier und Familienvater den Brief auf. »Meine süße Martha!" — Der übrige Inhalt klärte den vor Math zitternden Leser über verschiedene Dinge auf, die ihm in der letzten Zeit an den Gewohnheiten seiner Tochter ausgefallen. „Schwiegervater" nannte ihn dieser freche Patron! Nun gerade nicht. Zu Hause ließ sich Herr Bollmaun nicht- merken. Den Ueberzieher schloß er einstweilen ein; am nächsten Morgen wollte er ihn selbst umtauschen gehen und dabei dem Ligenthümer de» irrthümlich mitgeschleppten Paletot- gründlich die Wahrheit sagen. ES war gegen 10 Uhr Vormittag-, als Herr Bollman» kurz entschlossen die Wohnung de» Herrn Rechtsanwalt» Vangebusch betrat. Der junge Recht-gelehrte sprang mit lautem Hurrah auf. „Ich wußte e» ja. Sie Haden meinen Ueberzieher mitgeschleift. Guten Tag, Schwiegervater!" Herr Bollmann pustete grimmig lo» : „Lassen Sie den Unsinn! Geben Sie wir sofort meinen Ueberzieher her. Ich verbitte wir diese faulen Scherze ein für alle Mal!" Der Recht-anwalt kratzte sich den Kopf. „Ihren Ueberzieher?! Da» ist e« ja eben. Den hat ein Paletotmarder geholt. Wenden Sie sich an deu Geschäftsführer bei Schultheiß." »Herr, treiben Sie keinen Spott mit alten Leuten!" schrie Herr Bollmanu wuthentbrannt. „Fällt mir nicht im Traume ein. Ich danke Ihnen für Ihre Liebenswürdigkeit. In der Tasche meines Paletot» steckt ein Brief, den — doch was sehe ich?" Der junge Anwalt steckte auf einmal eine sehr ernste Miene auf und musterte da» aufgerissene Couvert mit der Adresse „M. B. 18. Postamt 52." „Jawohl, ich habe deu Brief erbrochen und gelesen," brach Herr Bollmaun trotzig lo». „Da» bedauere ich; Sie haben sich einer strafbaren Handlung, Verletzung de» Briefgeheimnisse», schuldig gemacht, die ich nicht gesonnen bin, so ohne Weitere» hin« zunehmen." Herrn Bollmaun fiog eS an, sehr ungemüthlich zu werden. Sein Ueberzieher war unzweifelhaft verloren; er selbst hatte wenig gentlemanlcke gehandelt. Jetzt saß er schön fest. „Mein Gott, ich kann doch nicht ohne Ueberzieher nach Hause kommen! — WaS soll meine Frau und meine Tochter von mir denken?" Herr Dr. Sangebusch sah schon bedeutend freundlicher au». „Wollen Sie einen guten Rath? Aber er kostet wo». — Umsonst ist der Tod! — Und wovon sollen wir Anwälte leben?" Herr Bollmaun schwenkte da» Taschentuch, mit dem er sich den Schweiß von der Stirn trocknete. „Geld spielt bet mir keine Rolle!" Der Anwalt grinste: „Na, bann gehen Sie zu Ihrem Schneider und lassen Sie fich schnell einen anderen Paletot anmeffen. Bi- dahin tragen Sie meinen. Ich komme dann und hole mir ihn selbst. Dann sprechen wir auch wegen der vriefgeschichte. Da» vergehen ist lange nicht so schlimm, wenn e» von Angehörigen begangen wird. — Also überlegen Sie stch die Sache! — Schwiegervater!" Herr Otto Vollmann knickte beinahe zusammen, dann athmete er wieder auf und empfahl stch. Acht Tage später trug Herr Bollmaun einen neuen Olivgrünen. An seiner Seite ging ein zweiter Olivgrüner, er gehörte dem Dr. Sangedusch, seinem Swiegersohne.^ selben betrug Tode 1896 44678.11 Mk. gegen 31710.28 Mk. hn Borjahre. In den bet Einführung der Alters- und Invalidität S-B erst cheruug für unsere Stadt getroffenen Ein' Lichtungen find Aeuderungen nicht eingrtreten- die Bürgermeisterei besorgt nach wie vor die Geschäfte der Versicherung für diejenigen Personen, welche weder der Ortskrankenkasse, noch einer der BrtriebSkraukeukaffen angehörev,- die Zahl dieser Versicherten betrug am Schluß de- Berichtsjahres 2306 bei 1204 Arbeitgebern- au Marken wurde im Jahre 189b verwendet ein Betrag von 18950.38 Mk., für deren Einziehung eine Vergütung von 5pCt. — 947.51 Mk. gewährt wurde. — Die vterwöcheutliche, auf Kosten der Stadt erfolgende Erhebung der Beiträge tu den Wohnungen der Arbeitgeber hat einen Aufwand von 588.61 Mk. verursacht, d. h. von rund 49 Pfg. im Jahre für einen Arbeitgeber und von rund 25 Pfg. für einen Versicherten- die Vergütung des Erhebers ist dabet auf 4 Pfg. für jeden Posten erhöht worden. Im Genuß von Altersrente waren in Gießen im Ganzen 24 Ver- sicherte und zwar in 1. Klaffe (106 80 Mk. jährlich) 10, 2. Klaffe (135 Mk. jährlich) 8, 3. Klasse (162.80 Mk. jährlich) —, 4. Klaffe (191.40 Mk. jährlich) 6. Invalidenrenten, zwischen 111.60 Mk. und 146.20 Mk. jährlich, be- ziehen dahier 12 männliche und 11 weibliche Personen. Anträge auf Rückzahlung von Beiträgen, die nach zurück- gelegter fünfjähriger Wartezeit tu diesem Jahre erstmals gestellt werden konnten, sind ausgenommen worden von 34 weiblichen Personen, welche fich verheirathrten, 6 Wittweu, deren Ehemänner versichert waren- die zurückbezahlten Bet- träge bewegten fich zwischen 16.73 Mk. und 46.05 Mk. Im städtischen Bauwesen waren die städtische Ver- Wallung und da- Stadtbauamt sehr stark beschäftigt. Im Rechnungsjahre 1896/97 wurden durch daS Stadt- bauamt im Ganzen 443 baupolizeiliche Revtfionen vorgenommen und 148 Baugesuche begutachtet. Die Zahl der städtischen Gebäude betrug im Rechnungsjahre 1895/96 im Ganzen 80 tu 34 Hofraithen. Sie hat fich in 1896/97 vermehrt auf 89 ia 36 Hofraithen - die Länge der chansfirteu Straßen und Feldwege ist im gleichen Zeiträume von 25161 auf 26 632 Kilometer gestiegen. Die Thätigkeit de- Stadtbauamtes erstreckte fich ferner auf die Betriebe des Friedhöfe-, der De-infectiousanstalt, der Pumpstation und der Reinigung der Straßen, Waffer- läuft und Canäle. Die Zahl der bet letzterer ständig be- fchäfligten Tagelöhner war 54, die der Fuhrwerke 5. Kein Wunder, daß bei solcher Fülle und Bielsettigkeit der Aufgaben auch da- Personal de- Stadtbauamte- einrr Verstärkung bedurfte. Der Bericht über Hen Stadterweiterungsfouds lautet sehr günstig, er hat eine Verstärkung von 50 000 Mk. erfahren, eS ist für denselbeu in den verschtedenfteu.Gegenden Gelände erworben worden und der Vermögens Ueberschuß deS StadterweiteruugSfonds stellt fich nach Abschluß seiner ersten Rechnung bereit- auf 76095.97 Mk., Wohl der beste Beweis dafür, daß — abgesehen von allen anderen dabei erstrebten Vortheilen — auch finanziell die Gründung jene- Fond- sich bewährt hat. Weniger erfreulich stellt der Bericht dagegen da- dar, was von einem anderen Gebiete der städtischen Entwickelung zu berichten ist: für Anlage öffentlicher Lagerhäuser und Lagerplätze, sowie für Anlage eine» Vt eh Hofe-. Zweier anderen, in da- Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege einschlagendeu Projecte wird besonders Erwähnung gethan: der Anlage eines neuen Friedhofes und der Errichtung eines Volksbade-. Nachdem der derzeitige Friedhof auf dem Nahrungsberg demnächst belegt sein wird, hat man in der städtischen Verwaltung seit geraumer Zeit schon mit der Frage sich beschäftigt, ob eiutretenden Falles dieser Friedhof einfach wieder ueu belegt, eventuell in der Richtung nach der Oberhessischen Bahn vergrößert, oder aber ein neuer, zweiter Friedhof angelegt werden solle. Auf Grund eingehender Untersuchungen und gutächilicher Aeußerungen deS Stadtverordneten, Geheimen Medwinalrathe» Profeffor Dr. Gaffky, wie dcS Stadl- baumetsterS hat die Stadtveroröneten-Versammlung zunächst grundsätzlich beschlossen, von einer Wiederbelegung oder Erweiterung des jetzigen Friedhofes abzuseheu, dagegen auf Grund weiterer Vorarbeiten ein specirlleS Project für einen neuen Friedhof auf dem Gelände zwischen Rodtweg, alter Marburge.straßr und Mittelweg auSarbetteu zu lassen. Maßgebend für die danach geplante Aufgabe deS derzeitigen Friedhöfe- war insbesondere die Rücksicht auf eine künftige Ausdehnung der Bauthätigkett nach dem hier in Betracht kommenden, hervorragend schön und gesund gelegenen Theil des NahrungübergeS; für die Anlage eines neuen Friedhofes waren außer dem gewählten Platz noch zwei weitere Gebiete in Betracht gekommen: dak eine zwischen der L cherstraße und dem alten Steinbacher Weg, da- andere am SchützgeS- borner Weg und an der Drahtseilbahn gelegen- beide aber mußten nach Bodenbeschaffenheit und Gruudwasserverhältuiffen zurücktreten gegenüber dem in beiderlei Hinsicht außerordentlich günstigen Gelände hinter dem Rodtberg. Auf Grund weiterer Untersuchungen wurden denn Umsang und Lage deS neuen Friedhöfe- endgültig festgestellt und dabei für den eigentlichen Friedhof etwa 8 Hectar, für die erforderlichen Wege und Anlagen rd. 1 Hectar Fläche in Aussicht genommen- die Anlage selbst hat die landespolizeiliche Genehmigung erhalten und der — zum Theil zwangsweise — Erwerb des erforderten Geländes ist im Gang. Die Errichtung eines Volksbades in Gießen hatte fich ein zu diesem Zweck aus allen Kreisen der Bevölkerung constttuirtec Verein zur Aufgabe gemacht. (Fortsetzung folgt.) CoceUs rrrrd ? •iett*, den 4. Januar. ** Die Jahreszahl 1898. Das Jahr 1897 ist zu Ende gegangen, daS Jahr 1898 hat begonnen. WaS wird es bringen? Freud oder Leid? Niemand kann es wissen, und doch will der Mensch so gern den dichten Nebel der Zukunft mit seinem forschenden Blick durchdringen- die Phantafie eilt dem Verstände zu Hilfe und construirt Luftschlösser, bei deren Anblick der finnende Menschengetst sich erfreut oder in Scbrecken geräth. Auch un- soll jetzt Phatafie und Urberlegung Auf- schluß geben über die rätselhafte Zahl 1898. — Die Zahl 1898 ist durch 13 theildar, denn 1898:13 = 146. Ferner ist die Quersumme der vier Ziffern unserer Zahl 1898 durch 13 teilbar, denn 1 + 8 + 9 + 8 = 26. »Also wird da- Jahr 1898 ein Unglück-jatzr!" ruft die erschreckte Phantasie. Wer unter den Lesern hat schon einmal ein Jahr mit solch eigenthümiicher Jahreszahl erlebt? Wer von unS wird das auf 1898 folgende Jabr, dessen Jahre-zahl die- selben Eigenschaften hat, erleben? Auf beiden Fragen ge- bührt die Antwort: Niemand. Die letzte Jahreszahl vor 1898, die selbst und deren Quersumme durch 13 theilbar waren, war die Jahreszahl 1651. Denn 1651 :13 = 126 unb ! 6 + 5 H- 1 = 13. DaS nächste Jahr dieser Art nach 1898 wird daS Jahr 2119, denn 2119 : 13= 163 unb 2 + 1 + 1 + 9 = 13. Die Zahl 1898 gehört einer zu einer anderen merkwürdigen Gruppe vierziffriger Zahlen: Zieht man nämlich die erste Zffer von der dritten ab, so erhälc man den Werth der zweiten oder der ihr gleichen vierten Ziffer (9—1 = 8). Diese Eigenschaft hatten seit Christi Geburt erst acht Jahreszahlen, 1898 ist die neunte. ES sind das die Zahlen: 1010, 1121, 1232, 1343, 1454, 1565, 1676, 1787 und 1898. Die Differenz zweier aufeinander folgenden Zahlen dieser Reihe betragt stets 111. Bis zur nächsten Jahreszahl dieser Reihe, d. h. bis zum Jahre 2020 vergehen aber 111 + 11 = 122 Jahre. Das folgende Jahrhundert (1900—1999) wird keine Zahl dieser Reihe enthalten. Unter den oben genannten neun Zahlen ist 1898 die einzige, in welcher 13 ohne Rch aufgeht. 4- Nidda, 2. Januar. Ueber die wunderbare Behütung eines Kindes vor dem Ueberfahrenwerden entnehmen wir einer Verhandlung deS Schöffengerichts Folgendes: Als unlängst der mit zwei Pferden bekannte Wagen eines Fuhrmanns in Echzell die mit ziemlichem Gkfäll an dem Hause des Schuhmacher- Wolf II. vorbeiführcnde Straße passirte, lief das 3'/,jährige Mädchen de» Letzteren, wahrend der Fuhrmann am Htnterwagen bremste, aus dem elterlichen Hof und rannte gerade zwischen die dLherkommenden Pferde, ank sogleich zu Boden, so daß der Wagen über daS inmitten der Fahrbahn liegende Kind, ohne solches zu beschädigen, wegfuhr. Die Scene ereignete sich mit solcher Raschheit, daß ein Augenzeuge, welcher zu Hilfe eilen wollte, vor Schreck nicht vom Platze konnte. — Der Fuhrmann wurde, weil er sein Gefährt während deS Bremsens weiter gehen ließ und daher nicht die Pferde in der Gewalt hatte, unter Annahme von MilderungSumständen vom Schöffengericht in die geringste Geldstrafe sowie zur Kostentragung verurtheilt. Raincod (Kreis Schotten), 1. Januar. DaS neue Jahr 1898 hat bei uns nicht gur angesangen. Gegen 12 Uhr in der Nacht vom 31. December auf den 1. Januar brannten hier zwei Scheuern und Stalle nieder, welche Herrn Aug. Damdmann und zu der staatlichen Forftwart- wohvung gehörten. Die Scheuern waren mit Stroh und Heu angrsÜllt, welches verbrannt ist, daß Vieh konnte gereitet werden. Um V212 Uhr war der Förster mit mehreren Ortteinwohnern noch in seinem Stalle, um nach einer dem Kalben nahen Kuh zu sehen- gegen 12 Uhr schlugen die Flammen bereits aus dem Dache seiner Scheuer. Ueber die EntstehungSursache verlautet noch nicht- Bestimmtes. Einem Feuerwehrmanne wurde ein Glied vom Finger abgeqtetscht. Friedberg, 31. December. Der Welterauer Aerzte- veretn beging vor e nigen Tagen sein 25jährigeS Stiftung fest. Zwei seiner Vorstandsmitglieder, Dr. Lorenz und Dr. Weckerling, gehören dem Vorstand seit der Gründung deS Vereins ununterbrochen an, ein Berhältmß, da- vielleicht im weiten deutschen Vaterlande einzig daftehen dürste. Die zahlreich erschienenen Mitglieder und einige Professoren von Gieß n und Marburg, die a's Ehrenmitglieder zu Gast geladen waren, hörten zuerst eine Rede deS Vorsitzenden Dr. Lorenz, der die Geschichte des Vereins aus kleinen Anfängen schilderte und seine Wirksamkeit klarlegte für da- freundschastlich-collegiale Verhalten unter den Aerzten, für die Erhaltung und Mehrung der ärztlichen B.lduug, sowie auch für den AuStrag vieler Fragen der öffentlichen Gesund- heitSpflege, eine Wirksamkeit, die als eine gesegnete bezeichnet werden darf. Hierauf sprach Dr. Weckerling Namen- der Mitglieder in kernigen, tief empfundenen Woiten dem Vorsitzenden den Dank für drffen ersprießliche Thätigkeit ouS und überreichte demselben einen Ehrenpokal mit der In- schrift: Praeaidi amico und gab der Hoffnung Ausdruck, Dr. Lorenz möge auch ferner bleiben unser gerechter, umsichtiger und wohlwollender Vorsitzender: praesea amicua. — Der Verein zählt jetzt 40 ac ive Mitglieder, von denen mehrere außerhalb unsere- Kreise- wohnen. Darmstadt, 1. Januar. Ein hessischer Schulknabe lieferte unlängst seinem Lehrer eine angeblich selbstgefertigte Zeichnung ab, die aber nachweislich von anderer Hand auSgesührt war. Um eine Wiederholung der Manipulation abznwendcn, durchriß der Lehrer die übrigen- unbedeutende und werthlose Z-ichnunz: Der Vater de» Kindes beeilte fich hierauf, beim zuständigen AmtSanwalt gegen den Lehrer eine Anzeige wegen »Sachbeschädigung" zu erstatten. Der GerichtSbeamte lehnte indessen eine Strafverfolgung ab, weil da- Vorgehen be» Lehrer- al» in seiner Dtsciplinargewalt begründet erachtet I werden müsse. Damit will sich aber der Abgewiesene nicht | beruhigen. (!) — Dem 16jährigen Dienstmädchen Sophie I Weppler au» Schlitz, das sich gestern Abend kurz nach 6 Uhr i« Main-N-ckar-Bahnhof in selbstmörderischer Absicht über daS Schienengeleise auf der Höhe de- südlichen Aufgang» zum genannten Bahnhof legte, wurde von einem durchfahrende« Güterzuge der Kopf bis auf einen ganz kleinen Theil bei* selben vom Rumpfe getrennt.(Darmst. Ztg.) Mißstände im Eisenbahn-Viehverkehr. Da vorau-znsehen ist, daß Angesicht» der zutage ,e- tretenen Mißstände im Eisenbahnwesen sich endlich die preußische Finanzverwaltung entschließen wird, in stärkere« Maße al» die- bi-her der Fall war, die reichen UrberschLsse der Staalsbahaen für den Eisenbahnbetrieb selbst nutzbar zu machen, so möchten wir, schreibt die -Köln. Ztg.", rechtzeitig noch der schweren Mißstände in einem andern bisher nicht besprochenen Verkehrszweige, dem Viehverkehr auf den Eisenbahnen, gedenken, die au» humanen landwirth- schaftlichen und militärischen Gründen entschiedene und that- kräftige Beachtung verdienen. Der Bedarf an Viehwagen ist da- ganze Jahr hindurch nahezu gleichmäßig und dennoch läßt bie Gestellung nach Zahl und Beschaffenheit recht viel zu wünschen übrig. Die unzureichende Gestellung von Viehwagen veranlaßt eine häufige Ueberladung derselben durch die Veranstalter der Biehsendungev. Die mangelhafte Lüftung der Fahrzeuge hat nicht selten Eistickvng-sälle zur Folge. Die Schwierigkeit der Eatfernnng von Anstrckungtstcffen begünstigt die Verbreitung von Viehseuchen. Dem Laien und anscheinend auch dem Thierschntzvercin ist e- arch nicht im entferntesten be- kannt, welche himmelschreienden Martern und welche wirth- schaftlichen Verluste alltäglich durch die mangelhaften Einrichtungen für den Diehversandt herbeigeführt werden. Es stehen uns die Erfahrungen einer Anzahl von Schlachthäusern größerer Städte zur B-rsügung, aus denen fich ergiebt, daß bet den regelmäßig Sonntags eivlanfeuden V chjügen häufig eine Anzahl von Thieren gefunden wird mit gebrochenen Beinen, gebrochenen R ppen oder ausgetretenen Augen. Vor nicht langer Zeit lief z. B. in ' Barmen ein Wagen ein, der mit nicht weniger als 84 Schafen belalea war. Unterwegs wurde noch ein Rind zu den über« einander gethürmren Schafen geladen. Der Erfolg war, daß ein halbes Dutzend Schafe tobt und über ein Dutzend schwer verletzt gefunden wurden. In vielen Fällen haben die Thtere einen mehrtägigen Versandt zu Überstehkn. Man denke sich die unsäglichen Qualen, der hülflosen Th'ere in diesen Folterkammern der Eisenbahn. Im Sommer bei glührnder Hitze ohne einen Tropfen Wasser, mit schweren Verletzungen, die bekanntlich die Qualen be» Durstes namenlos steigern und dann in federlosen Wagen, die mit jeder Erschütterung den Schmelz der gebrochenen Glieder empfindlicher machen, werden diese vergtssenen Märtyrer oft tagelang befördert. Im Winter vermehrt die Kälte da- Hungergefühl der grqiälten Geschöpfe. Am 14. November v. I. war bet einer nach Elberfeld bestimmten Viehsendung unterwegs eine Kuh durch ben morschen Boden deS Viehwagen» gefallen. Bei diese» Fall wurden Darm Steißbein und BrckeN des Thieres zerbrochen. AlSdann wurde eß wieder eingeladen und nach Elberfeld befördert. Bei der Schlachtung war die Beckenhöhle mit Blut angesüllt, daS Fleisch z. Th. schon ichwarz. Der Anblick de» Thieres war schaudererregend und erweckte selbst bet den Metzgern Entrüstung. Bon dem Fleisch wurden 81 Kilogr. dem Abdecker Übergeben, 252 Ktlogc. als „minderwerthig" verkauft. D e Vtehbesörderung, die ohnehin langsam genug von statten geht, wird in zahllosen Fällen noch erh-.bl ch verzögert. Wohl jcdes Schlachthaus besitzt em ansehnliches Actenheft mit Beschwerden Über verzögerte Beförderung de» Viehes. Bald hat eS an einer Locomotive gefehlt, bald war eine Beförderung mit dem nächsten Personenzuge nicht möglich, bald war der Anschluß versäumt, bald die Locomotive schadhaft geworden und wie die Entschuldigungen alle weiter lauten, mit denen di- Eisenbahuverwaltung auf die Beschwer- den der Empfänger nach zritraubendcr Feststellung deS That- bestände» antwortet. Bis zum Eingang d.eser beruhigenden Erklärungen find inzwischen wieder eine Reihe von Beschwerden nöthig geworden. Di; Leiden der so beförderten Thiere erregen auch bei den StationSbeamtea oft großen Anstoß. Sie stehen aber bei der unzureichenden Anzahl und Beschaff-nheit der Viehwagen wehrlos den Mißständen gegenüber. Ihrer Stimmung ist in der „Wochenschrift für Betriebs- und StalionSbeamte" wiederholt lebhaft Ausdruck gegeben, indessm vergebens. Abhülfe der hervorgehobenen Mängel könnte hier thetlweise eine Verordnung schaffen, welche für jrdeu Wagen, ähnlich wie beim Versandt von M4itä Pferden, die höchstzulässtge Z ffer deS darin zu verladenen Biehe» vorschretbt. Tine gründliche Beseitigung der verlustbringenden Thierqaälereie« wird aber erst erfolgen, wenn die Eisenbahuverwaltung einer Anregung ter landwirthschaftlichen Vereinigung zu Berlin Folge geben wollte, die für Deutschland das in Amerika eingeführte System der Stallwagen fordert, die gleichsam fahrende Ställe darstellen, in denen da» Vieh ohne übermäßige Qualen tagelang lebend und gesund erhalten werden kann. Diese Einrichtungen kosten freilich Geld, indes machen sie sich reichlich bezahlt- denn die durch mangelhafte Beförderung entstehenden Werthvermindrrungen und Verluste an - Vieh werden von Sachkundigen auf Millionen alljährlich angegeben. Der practifche Amerikaner rechnet hi:r richtiger , als der Deutsche. Die Seuchengefahr wird vermindert, well die Stallwagen eine leicht dnrchzufül.r:nde gründliche Entfernung der Aufteckunzsftoffe zulassen. Da sie auch mit Stückgütern beladen werden können, so brauchen sie nicht leer zurückzugchen. Aber nicht nur würde der Stallwagen der Landwirth- schast erhebliche Verluste ersparen, er würde auch im Fall eine» Feldzüge» bei der Versorgung der Truppe« mst frischem Fleisch höchst werthvolle Dienste leisten. Bei der Verlangsamung jeder Elsenbahnfendung im Kriege ist e» ist». tt 5Ä K •«unti ff ‘“W ''■« Btn, ÜJWl ‘••fcss ÄstS »• SL* ,*»& * ?< ii.‘ t" fe“10“ ' ’ u?‘ “f«Wb «4 “ 7!--»,iK,. bt, ,7, nnb «"Hi »tat '"•“«'IWitn tlgntt. • onbtn, ;®8« einet Sozahl v» IW V llflgnDg, Qc6 teve« “enW tttlanftnbin ga X3:enn flthnbtn »kb ;tttn ^ppm ibtr auht> Zeer lief z. $. iB * »rt|er all 84 Schaf» rc* etnSinb ju btnLkw 1ÄC- Dri tzefalz »«, oh ab Lkn eia tu)mb Ditla Wro habto ritite je llkrrftehill. Mao [B in HLflsses Lh rre hi "hi- 3® kosmer bei :;'ti Gaffer, wtl schwrm Litla trt Cuxhefi namtn- rta Vazev. bie mit jebet irtrrchrva S'.ietti erpstab« Fern ast tagelang btt Reut td£uitgtigt|ty( rr btt einer nach 8'btrftft H rat Rvh durch bei it:dleü. Btt Lieft, Fall 1» Ui Mnei bnhschti. s’.ta 12b rach ®ibn|tlb kt« :« btt Betagte mit »tat ■ ch«lrz. 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Wir haben Anlaß, anzunehmen, daß im Abgeordnetenhause der vorstehenden Anregung weitere Folge gegeben werden wird, und hoffen, daß sie allgemeine Unterstützung finden werde. vermischte». * In Wulkow in Pommern ist ein junges Mädchen durch einen schlechten Scherz wahnsinnig geworden. Mehrere Mädchen kamen del Abends aus der Sptnnftube und waren in fröhlichster Laune. Als sie am Kirchhof vorüber kamen, stürz'en hinter einem Grabe zwei weiße Gestalten hervor. Emes der Mädchen wurde derart vom Schreck erfaßt, daß fich bei ihr am nächsten Tage Wahnsinn zeigte und die Unterbringung in eine Irrenanstalt nothwendiz wurde. Z-vei Burschen bei Dorfes hatten sich weiße Bettlaken um< gehangen und den Scherz ausgeführt. * 35287 Beleidigungsklagen sind in Deutschland im Jahre 1895 angestrengt worden, in England dagegen 438. Wo in diesem Falle mehr Beruunft und mehr gesunder Menschenverstand zu finden ist, ob in Deutschland ober England, daS mag jeder, der auch sonst nicht für die englische Rechtspflege schwärmt, selber entscheiden. * Bom Kindersegen. Nach einer Zusammenstellung der „Statistischen Corrcipondenz" find im Laufe der siebzig Jahre von 1826 bis 1896 in Preußen dreimal Füvfl nge geboren worden: einmal 5 Knaben, dann 4 Knaben und 1 Mädchen und 3 Knaben und 2 Mädchen. BierlingS- geburten sind in demselben Zeitraum nicht weniger als 106 vorgekommen: in 12 Füllen 4 Knaben, in 20 Fällen 4 Mädchen, in 32 Fallen 2 Knaben und 2 Mädchen. Drillinge wurden in den 70 Jahren 7733 und Zwillinge 696,831 Paare geboren. * Wie ein Chinese über unsere Stzweise urtheilt. In einem Briefe eines Chinesen — China ist ja jetzt ein hoch« moderner ZeitungSstoff — haben wir unter Anderem eine charakteristische Schilderung der Eßweise der Europäer gefunden, die dem braven Sohne del himmlischen Reiche« natürlich Entsetzen einflößt. „Kannst Du Dir" — so schreibt der Chinese an einen Landsmann im Innern des Reiches — „ein Volk vorstellen, das Wochen, ja Monate lang ohne einen Löffel Ret« lebt? Dagegen machen sie fich gar keine GewiffenSdiffe, wenn fie dal Fleisch von Ochsen effen, die fie in großen Mengen von wilden Schlächtern tödteu laffen. Und bann effen fie sogar auch Hammel; daher kommt es, daß fie alle feist find wie Eunuchen. Sie nehmen allerdings täglich ein Bad, um den Schmeergestank los zu werden,- aber das genügt nicht. Und dann dringen sie dal Fleisch nicht in Würfelform auf den Tisch, sondern in großen Stücken, die sie mit scharfen Messern zerschneiden^ und sie führen eS nicht mit Holzstäbchen zum Mnnde, wie el ein vernünftiges Wesen thnn würde, sondern mit kleinen vierzinkigen Gabeln, so daß man Taschenspieler und Degenschlucker zu sehen glaubt. ES ist wirklich ein Wunder, daß fie fich nicht manchmal in der Haft ein Stück von ihren großen Nasen abschneiden oder fich die Spitzen der Gabel in die Äugen jagen". * Dafür, daß Luugeukravke in ihrer engeren Heimath Heilung suchen und nicht erst nach Davoö und in andere Höhenkurorte del Auslandes gehen sollen, ist neuerdings in der Versammlung bt« ärztlich.hyzienischen Vereins tu Straßburg auch Professor Naunyn eingetreten. Die Haupt- fache bei dem Heilverfahren ist nach seinen Acußerungen eine rationelle Verpflegung und Behandlung bei fortwährender ärztlicher Anleitung und Aussicht in eigens dazu eingerichteten Anstalten, nicht etwa die Höhenlage. ES ist erfreulich und für bie deutsche Heilstättensache von unschätzbarem Werth, daß unsere ärztlichen Autoritäten, wie bi<8 bereit« öfters seitens der Herren v. Leyden, Gerhardt, v. Ziemssen, Fränkel u. A. der Fall gewesen, immer wieder Gelegen« heit nehmen, diesen Sachverhalt zu betonen. Hoffentlich werden die aus Unkenntniß der Verhältnisse ursprünglich für da« Ausland bestimmten Mittel immer mehr den deutschen Hrilstätten zugewandr, zumal sich neuerdings, wie z. B. in München und am Rhein, Bestrebungen geltend machen, welche auf die Errichtung von Anstalten für Minderbegüterte abzielen. Bei einem Pflegesatz von etwa 3 Mk. für den Tag wird der Beamte, Kaufmann, L-hrer, Handwerker u. s. w. im Erkrankungsfalle in Deutschland selbst diejenige Heilung finden, welche ihm überhaupt irgendwo pracnsch geboten werden kann. Die für die Reise z. B. nach DavoS anzu- legenden Reisekosten wiegen die Verpflegungskosten für zahlreiche Behandlungstage auf. * Kur unsere Franzosen. Friedrich der Große war bekanntlich neben seiner Mußebeschäftiguag mit der Musik ein großer Verehrer der französischen Sprache und unterhielt sehr freundschaftliche Beziehungen zu dem französischem Dichter Voltaire. Eine« Tage« schrieb der große König gelegentlich einer zu veranstaltenden Festlichkeit dem verehrten Poeten von seinem Schlosse Sanssouci aus folgenden überaus kurzen, aber hochinteressanten Brief: ä. Der scharfsinnige französische Denker verstand den Wink nach kurzem Nachdenken und schrieb dem Könige umgehend die noch kürzere rärhselhafee Antwort: G. a, was den königlichen Freund, dem diese Deutung utcht schwer fiel, höchlichst ergötzte. Die Lösung dieser originellen Correspondenz ist folgende: Die Sendung Friedrichs enthielt eine Einladung und bedeutete: „Venez souper ä Sanssouci*, worauf Voltaire drastisch antwortete: „J’ai grand appetit*. * Käthes Weihnachtsgabe. Die Feiertage sind vorüber, aber noch zittert die frohe Erregung nach, die fie und gebracht haben. „In meiner Familie", so schreibt dem „B. T." ein Freund de« Blatte«, ^ot diesmal die kleine Käthe besonders dazu beigetragen, uns in die beste Stirn« mung zu versetzen. Schon mehrere Wochen vor dem Feste machte fie mir eine intereffante Enthüllung. Nachdem fie lange Zeit in ernstem Nachdenken in der Stube ans und ob gegangen war, blieb fie vor mir stehrn und flüsterte wir mit wichtiger Miene zu: .Papa, jktzt habe ich mich entschloffen. Ich weiß jetzt waS ich will. Wenn Du mir dreißig Pfennig geben willst, so kann es loegehen." — .Ja, zu wo« hast Du Dich denn entschloffen?" fragte ich verwundert. — .Ich habe mich entschloffen, der Mama eine Weihnachtsarbeit zu machen," erklärte Käthe in sehr entschiedener Weise. ^Hedwig strickt der — aber nein, da« barf ich ja nicht sagen . . . . und Grethe und Alle machen etwas, und da will ich auch eine Arbeit anfertigen." — .Da« ist sehr brav von Dir, mrin Kind. Aber wird Dir eine Handarbeit nicht sehr schwer fallen? WaS kannst Du denn eigentlich machen?" „Eigentlich," entgegnete Käthe in ihrer Verlegenheit, indem sie nachdenklich an ihrem Zopfband kante, „rigentlich kann idi gar nichts machen als Puppen au« Papier ausschneiden, und ein lustiges und ein traurige« Schweinchen malen." — „Ja, da sieht e« aber mit Deinem Vorsatz recht schlimm auS." — „O, e« wird schon gehen, Papa. Du wirst sehen, daß es gehen wird. Schenke mir nur dreißig Pfennig." — Käthe bekam den gewünschten ansehnlichen Betrag und hüpfte der- gnügt davon, nachdem sie noch erklärt hatte, daß sic auch mir gegenüber das Geheimniß ihrer Weihnachtsarbeit streng wahren müffe, damit ich nicht unabsichtlich zum Verräther werde. Zwei Tage später verlangte Käthe in zaghafter Weise aber» ma's dreißig Pfennig. „Denke Dir, Papa", sagte sie sehr betrübt, „mein Knäuel ist verschwunden." — „Was für ein Knäuel?" — „Ach, zu der Häkelei. Jetzt muß ich Dir'« ja doch sagen, daß ich der Mama eine Häkelei machen will. Ich hotte für dreißig Pfennig Garn gekauft, und jetzt ist e« fort. Und dann bitte ich noch um zehn Pfennig für eine Häkelnadel. Denn wenn man eine Häkelei macht, Papa" — fügte sie belehrend hinzu — „so muß man auch eine Häkelnadel haben". — Da sich dagegen nicht« einwenden ließ, erhielt Käthe vierzig Pfennig. Am folgenden Tage verlankte sie einen Nachschuß von zwanzig Pfennigen, um mit der Pferdebahn zu einer intimen Freundin fahren za können, dir in Häkelangelegenheiten sehr bewandert sei und ihr für ihre Arbeit werthvolle Rathschläge erlheilen könne. Von diesem Besuch, den sie so muthig unternommen, kam Käthe höchst betrübt zurück, öme Comrnodendecke zu häkeln, wie es ihr fester Vorsatz gewesen — erzählte fie — sei nach der Ansicht der Freundin für ein kleine« Mädchen ein ganz aussichtsloses Unternehmen. Ebenso gut könne sie sich vornehmen, mir eine geblümte Weste zu sticken. Commodendecken könnten nur von ganz großen Mädchen gehäkelt werden, jedoch niemals aber von einem so kleinen Knirps, wie sie, öle Käthe, einer sei. Sie habe fich nunmehr entschloffen, eine Kante für den Küchenschrank an-ufertigen, aber hierfür sei da« angekaufte Garn viel zu dick. Für eine Kante sei ein ganz anderes Material erforderlich. Da« neue Garn wurde getauft, und Käthe machte fich wieder frohgemuth an bie Arbeit. Emige Tage später stand sie wieder mit betrübter Miene vor mir. „Es ist schrecklich, Papa", sagte sie, „aber so eine Kante bauert hundert Jahre ..." — „Das ist ja recht gut, wenn fie so haltbar ist", sagte ich ermunternd- Mama wird sich sehr darüber freuen." — „Ach nein, ich meine, da muß man hundert Jahre arbeiten, bi« sie fertig ist", entgegnete Käthe, „und ich glaube gar nicht, daß da einzelner Mensch sie überhaupt fertig bringt. Hedwig sogt, ich soll doch lieber eine schmale Hewdensp'tzr häkeln. Weißt Du, Papa, bie ist nur so breit wie mein k einer F nger hier, und damit werde ich fertig, Popo, daS glaube ich bestimmt." „Out, so häkele eine Hemdenspitze." ES ergab sich, daß Käthe hierfür wieder eine andere Garnsorte brauchte, eine ganz feine, die der Spitze ein zartes, duftige« Aussehen geben sollte. Auch diese Anschaffung wurde gemacht und Käthe stürzte sich wieder in die Arbeit, — „Papa", sagte sie nach einiger Z.it, „jetzt maß ich aber nothwenvig ein Meter- maß haben." — „Ein Metermaß? Wozu denn?" — „Um meine Spitze zu «effen. Ich muß doch wiffen, wie viel ich schon gehäkelt habe." — „Aber Mama hat ja ein Metermaß. Da« kannst Du D'r von ihr leihen." — „So — damit fie gleich weiß, baß ich eine Spitze häkele. Nein, Papa, da« geht nicht. Bitte, schenke mir doch Geld für ein Metermaß." Auch dieser Wunsch wurde erfüllt. Nun kam der heilige Abend. Eine halbe Stunde vor der Einbescheerung kam Käthe zu mir nnb zog mich abseits in einen W-nkcl. Sie war in sehr gedrückter Stimmung. „Ach, Papa," sagte fie, „so ein Metermaß ist doch fluchterllch. Es ist so schrecklich lang. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie lang e« ist. Ich wollte einen ganzen Meter häkeln, und weiht Du, wie viel e« geworden ist? So viel . ." Und dabei bezeichnete sie an ihrem Flvger eine Länge von etwa zwei (Zentimeter. Sie erwartete offenbar einen tröstenden Zuspruch von mir, ober ba dieser auSblieb, raffte sie sich energisch auf und sagte: »Aber ich werde doch Mama etwa« zu Weihnachten schenken. Weißt Du waS, Papa? Da« Metermaß. Und daun die vier Knäuel Garn. Da« erste, das ich verloren hatte, hat sich auch wieder gefunden. Mama wird sich freuen . . . ." — Und fie har fich wirklich gefreut, die gute Mama. Nicht so sehr über ba« Metermaß und bie vier Knäuel Garn, als über da« zwei Zentimeter lange verzwickte Etwa«, das nach Käthe« kühner Behauptung eine Spitze darstellt. * Ein neuer Frauenberuf, der in jüngster Zeit in Berlin in Aufnahme gekommen ist und einen großen Aufschwung zu nehmen verspricht, ist der deS weiblichen ConditorS. Der neue Frauenberuf hat sich so schnell eingebürgert, daß man Inseraten, durch welche junge Mädchen zur Erlernung der Condltorei gesucht werden, fast täglich begegnen kann. • Der große Milchling, welcher sich soeben in New- Vork gebildet hat, um die gesummte Milchzufuhr nach dort zu monopoltsiren, erwarb in New-Y.rseh seine Couceffton unter dem Namcn „Farm- und MilchwirthschaftS Product- Gesellschaft." Der Ring besitzt ein Capital von 15 Millionen Dollar. Da« Geld ist zum größten Ttietl von englischen Capitaliften aufgebracht worden. Am 1. Januar hat der Ring sein Geschäft in ganz Groß-New-N-nk begonnen. Die Milchwagcn der Gesellschaft werden äußerst luxuriös ans- gestattet und bie Kutscher uniformirt fein. Die kleinen Milch- haubler find in Verzweiflung- fie wlffrn, baß ihre Tage gezählt find. * ES functiouirt aller richtig. Ein Reisender zog plötzlich an der Noth bremse und sofort hielt der Zug auf offener Strecke. Auf die Frage dlS (Sonbucteurf, WaS denn los sei, erklärte der Rasende, er wolle nur prüfen, ob alle« richirg func'ionire. Bei der nächsten Station wurde der Reffende höflichst in daS Bureau deS StatiovsvorstandcS geleitet und hier mußte er die für solche Fälle festgesetzte Strafe von 30 Mk. erlegen. „Sie sehen," sagte ter Beamte lächelnd, „eß functiouirt alles aanz richtig." Literatur tmb ALrrnst. — Vor un« liegt die erste QuaUalsnummer des „Daheim", mit der ein r.eurs Abonnement beginnt. Der statllicven Hauptnummer fügen sich die sechs Beilagen an, die mit jener ein Ganre« bilden und sic vielfach ergänzen: da erscheint wöchentlich eine reich illustrirte Chronik „AuS der Zett — für die Zett"; der Frauenwelt dient das „Frau-n-Daheim"; bvhr saub. geriss-, vom Schönen baö Schönste 4 50., Daunen weiß 4.50 u. 5 50 TO. Nur die ar. TOafscneinkäufe direkt vom Produzenten, die gering. BetriebSunkosten auf dem Lande, sowie d. oorkheilh. Einrichtung mein. 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