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Ein Staatstoesen, dessen Reoiwent i in den Händen der Begehrlichen, der novarum rernm oupidi, und der Redner liegt, welche die Fähigkeit, urtheilslose Massen zu belügen, in höherem Masse wie andere besitzen, wird stets zn einer Unruhe der Entwicklung verurtheilt sein, der fo gewichtige Massen, tote staatliche Gemeindewesen find, nicht folgen können, ohne in ihrem Organismus geschädigt zu »erden. Schwere Massen, zu denen große Nationen in ihrem Leden und ihrer Entw ck.uug gehören, können fich nur mit Boi ficht bewegen, da die Bahnen, in denen fie einer unbekannten Zukunft rotgegenlaufen, nicht geglättete Eisenschienen haben. Jedes große staatliche Gemeinwesen, in welchem der voifichtige und hemmende Einfluß der Besitzenden, materiellen oder intelligenten Ursprungs, verloren gehr, wird immer In eine der Entwicklung der ersten franzöfischen Revolution ähnliche, den Staatswagen zerbrechende Geschwindigkeit gerathen. Da» begehrliche Regiment hat daß auf die Dauer durchschlagende Urbergewicht der größern Masse. Es ist im Interesse dieser Masse selbst zu wünschen, daß dieser Durchschlag ohne gefährliche Beschleunigung und ohne Zertrümmerung des Staatswagens erfolge. Geschieht die letztere dennoch, so wird der geschichtliche Kreislauf immer in verhältnißmäß g kurzer Zeit zur Diktatur, zur Gewaltherrschaft, -um Absolutismus zurücksühren, well auch die Massen schließlich dem Ordnungs- bedürfuiß unterliegen, und wenn fie e- a priori nicht er- fennrn, so sehen sie eS infolge mannigfaltiger Aigumente ad hominem schließlich immer wieder ein und erkaufen die Dehnung von Diktatur und LäsarismuS durch bereitwillige» Ausopfern auch des berechtigten und festzu- haltenden Maßes von Freiheit, daS europäische staatliche Gesellschaften vertragen, ohne zu erkranken. Ich würde eS für ein erhebliches Unglück und für eine wesentliche Verminderung der Sicherheit der Zukunft ansehen, wenn wir auch in Deutschland in den Wirbel diese! französischen Kreislaufs geriethen. Dcrmifdptt*. ♦ Cassel, 1. December. Prinz Friedrich Leopold von Preußen, der neu ernannte Eommandeurder22. Infanterie. Diviflou, nebst Gemablin, Gefolge und Dienerschaft, traf von seiner bisherigen R fisenz Schloß Glienicke bet Potsdam gestern Nachmittag 8,45 Uhr hier ein, nm sein Lommavdo nunmehr definitiv zu Übernehmen. * Mannheim. 1. Dec mber. Herr Hofinstrumentenmacher Heinrich Keßler theilt mit, daß es ihm gelungen lei, die Zusammensetzung eines LackeS für den Geigenbau zu ermitteln, die derjenigen des LackeS der berühmten italienischen SeigenbaumetsterS des 17. und 18. Jahrhunderts, wie Giuseppe Guarneri, Antonio Stradivari u. s. w. gleichkomme. Die Professoren HanS Becker in Leipzig und Tchwendemann am Würzburger Conseroatorium haben je eine mit dem neuen Lack präparirte Geige bekommen und sollen über deren weichen, herrlichen Ton entzückt sein- auch der Glanz soll demjenigen der alten Geigen sehr ähnlich sein. • Mannheim, 30. November. Die Frage, ob das Dctroi auf Mehl und Brod einenverthenernden Einfluß auf die Brodpretse ansübt, hat in der gestrigen Bürger« auSschnhfitzung eine interessante Beleuchtung erfahren. Einer der Redner, Kaufmann Jakob Kuhn, machte nämlich die Mit- theilung, daß die Abschaffung des Oktrois auf Mehl und Brod, welche im vorigen Jahre erfolgte, die von den Gegnern des Oktrois verkündete Reduction der Brodpretse nicht zur Folge gehabt habe. Kahn wies darauf hin, daß im Juli ds. Jrs., als daS Octrot auf Mehl und Brod noch existlrte, bei ^anz d-n gleichen Getreidepreisen, wie fie heute bestehen, für den 4sfündigen Laib Brod 46 Pfg. bezahlt wurden, während beute, nachdem das Ociroi nicht mehr besteht, derselbe 50 Pfg. kostet. Es werden also heute ohne Oktroi 4 Pfg. mehr für den Ipfflnbigen Laib Brod bezahlt al» im Juli v. JrS. mit Oktroi. Dazu »st noch zu bemerken, daß die i tzigen Brodmehlpreise schon seit dem 15. September bestehen, also auch der Einwand nicht in Betracht kommen kann, daß die Bäcker infolge thtuerer Abschlüsse noch auf höhere Brodpretse halten müssen, vielmehr werden die Bäcker jetzt größtentheils schon das zu billigen Preisen bezogene Brodmehl verbacken. Paris, 2. December. Ein Antrag auf Einführung der zweijährigen Dienstzeit ist in der französischen Kammer eingebrachr, derart, daß die unterzeichnenden 60 Abgeordneten die Aushebung der einjährigen Dienstzeit v'rlcmgen und für alle Pflichtigen gleichmäßig zwet Jahre Dienstzeit beau- tragen. B S nahezu ein Drittel aller Soldaten hatte nämlich,theils infolge besserer Schulbildung, theils infolge der Berufsart oder als Stützen von Familien u. dgl., nur ein Jahr zu dienen, während etwas mehr alS ein Drittel wegen FamUien- verhältntsse zwei Jahre und der Rest drei Jahr diente. So blieb die Last des dre jährigen Dienstes meist auf dem gewöhnlichen Arbeiter und dem Bauern liegen. Da aber die zweijährige Dienstzeit eine bedeutend größere Zahl von Re- krutta verlangt als die dreijährige, und da vis jetzt alle überhaupt tauglichen Mannschaften auch wirklich eingestellt worden find, so hat der Abgeordnete Rolland im Senate beantragt, die Anforderungen an die körperliche Tüchtigkeit herabzusetzen und auch die bis jetzt als minder tauglich (demi-bons) erachteten Wehrpflichtigen e nzustellen. Trotzdem wird die Folge der Einführung der zweijährigen Dienstzeit die Schwächung der Trnppeneinheiten sein, auch ist eS sehr fraglich, ob alsdann noch die vöthige Anzahl von Unter- Offizieren aufgebracht werden kann. Spanien nvd Nordamerika Nachdem die vereinigten Staaten so ziemlich alle Kolonien Speiens eingesteckt Haden, wollen fie diesem »hochherzig^ entgegenkommen. ES wird nämlich aus Philadelphia gemeldet, die Wiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen zu Spanien sei im Gange. Da Spanien den amerikanischen Wünschen so schnelles Entgegenkommen gezeigt habe, bestehe die Abficht, ein vollkommenes Einvernehmen herznstellen, durch das die vor- handenro Streitpunkte so bald als möglich aus der Welt geschafft würden. — vielleicht denkt man daran, de« geleerten Staatsiäckrl Spaniens eine kleine Zuwendung zu machen. Aste». DaS britische Urtheil über die Vorzüge von Wei«Hat«Wei, das die Engländer erwarben, um einen Gegenzug gegen die russische Besetzung von Pott Arthur zu führen, hat sehr geschwankt. Jetzt wird ein Gutachten bekannt, das sich sehr günstig über den neuen Flottenstützpunkt auSspricht. Oberst Lewis, welcher mit einer Anzadl Ingenieur Osfiziere nach Ehina gesandt wurde, um dem Krieg!- Ministerium über Wei Hai-Wei Bericht zu erstatten, äußerte fich, nach de« einstimmigen Urtheil aller britischen Offiziere, t>€Utfd?es Reich. Berlin, 2. December. Der geiommte Reichshaus- baltsetat für 1 899 ist nunmehr seitens des Bundes- Uaths beruhen und für den Re chstog zur Drucklegung sertiggestkllt. Der Etat wird somit gleich nach der Eiöffuung lern Reichstage zugehen. Berlin, 2. December. Di? in verschiedenen Zeitungen enthaltene Mittheilung, daß die Reichsv-rtretung beabsichtige, für eine Collectio Ausstellung des deutschen Weinbauer auf der Pariser Welt-Ausstellnug iu Paris einen Zuschuß von 50,000 Mk. zu leisten, beruht der ^Nordd. Allg. ßtg/ zufolge auf einem Jrrthum. Die für diese Ausstellung retchS- setig ins Auge geiahte Förderung besteht vielmehr in der Ueberlaffung der für die Ausstellung erforderlichen Raume gar unentgeltlichen Benutzung. Berlin, 2. December. Jr der HrdwigSkirche wurde heute Vormittag H Udr anläßuch des RegierentS-JubilauwS bei Kaiser» Franz Joses ein feierliches Tedeum ab« Gehalten. Zu dem F'stocte fanden fich u. A ein: ReichS- tar gier Fürst Hohenlohe, sämmiliche Miuister, die hier anwesenden Bnndksraths Mitglieder, die Generalität, sowie zahlreiche Angehö ige der österreichischen (Kolonie. Berlin, 2 December. Die ,Norod. Allgem. Zrg." schreibt: Die Einrichtung des Reichs-Militärgerichts auf Grund der mit Bayern erzielten Verständigung, wonach ein besonderer bayerischer Senat eingerichtet werden soll, wird Ver Gegenstand eintS GesetzenrwurfeS fein, durch welchen der Schlußstein in die neue einheitliche MililSr-Gerichtsordnung eiagefflgt werden wird. ES steht zu erwarten, daß dieser e.urourf olle etwa noch offenen sorm-llen Fragen in einfacher Werse uub zu allseitiger Zufriedenheit 13 en w rd. — lieber daS allgemeine Wahlrecht schreibt Fürst Bismarck in den „Gesunken und Erinnerungen*: Ich habe nie gezweifelt, daß daS deutsche Volk, sobald eS einfteht, baß daS bestehende Wahlrecht eine schädliche Institution fei, sta'k uub klug genug sein werde, fich davon frei zu machen. Kann eS das nicht, so ist meine Redensart, daß es reiten könne, wenn es erst im Sattel säße, ein Jrrthum gewesen. Die Annahme des allgemeinen Wahlrechts war eine Waffe im Kamps gegen Oesterreich und weiteres Ausland, im Kampf für die deutsche Einheit, zugleich eine Drohung mit letzten Mitteln im Kampf gegen Eoalitwnen. In einem Kampf derart, wenn er auf Tod und Leben geht, steht man die Waffen, |Q denen man greift, und die Werthe, die man durch ihre Benutzung zerstört, ncht an: der einzige Rathgeber ist zu- nächst der Erfolg deS Kampfes, die Rettung der Unabhängigkeit nach außen- die Liquidation und Aufcrfferung der dadurch mrgerichteten Schäden hat nach dem Frieden stattzufinden. Außerdem halte ich noch heute das allgemeine Wahlrecht nicht dloS theoretisch, sondern auch praktisch für ein berechtigtes Prinzip, sobald nur die Heimlichkeit beseitigt wird, dle außer- b.m einen Sharakter hat, der mit den besten Eigenschaften bes germanischen BluteS im W der'pruch steht. Die Einflüsse und Abhängigkeiten, die das praktische Leben der Menschen mit fich bringt, find gegebene Realitäten, die man nicht tinoriren kann und soll. Wenn man es aölehnt, fie auf daS politische Leben zu überttagen, und im letztem den Glauben an die geheime Eirsitzt Aller zu Grunde legt, so gerSih mon h einen W derspruch deS StaatSrecht» m’t den Realttaten de» menschlichen Ledens, der prattisch zu stehenden Friktionen und schl-eßlich zu Explofionen führt und theoretisch nur auf dem Wege socialdemokrattscher vrttückiheiten lösbar ist, deren entlang auf der Thatsachc beruht, daß die Smficht großer Massen hinreichend stumpf und unentto ckelt ist, um fich von der Rhetorik gesch^ck.er und ehrgeiz-ger Füdrer unter Beihülfe eigener Begehrlichkeit stets etnfangen zn lassen. Das Gegengewicht dagegen liegt in de« Einfluß der Gebildeten, der^fich starker geltend machen würde, wenn die Wahl öffentlich wäre. Die größere Besonnenheit der intelligenteren Klaffen mag «merhin den «ateriellrn Untergrund der Erhaltung deS Be- ». Pari», 30. November. Gestern Bormittag lagerte \ eine außergewöhnliche Ftufterniß über der Stadt Pari». Es hellte sich nach 11 Uhr wohl etwa» auf, aber uur für kurze Zett. Einige Minuten vor 12 Uhr verfinsterte sich der Himmel auf» Neue. Undurchdringliche, schwarze Wolken be» deckten bi» zum Abend die Stadt, wie beim Herannahrn eine» schweren Gewitter», und den ganzen Taz über muhten die Lampen gebrannt werden. Diese» Phänomen ist trotz der Nooembertage, wo dichter Nebel häufig ist, in Part» eine Seltenheit. Noch merkwürdiger aber war der Umstand, daß der Nebel uur Part» einhüllte. Er reichte uur bi» St. Deut» auf der Nordseite. Darüber hiuau» war Souuen' schein und schöne» Wetter. * Zur Enlwerthung der Postmarkeu wird gegeuwärtig bet einigen Postämtern probeweise eine neuartige Stempelung angewandt. Der neue Stempel besteht au» fiebeu parallel laufenden wagrechten Linien. Ein in der Mitte fretgebltebeuer Raum weist die deutsche Kaiserkrone auf, welche von den Buchstaben „D und R" etugeschloffen ist. Der bisher gebräuchliche, Ort und Datum anzeigende runde Poststempel wird neben dem neuen Stempel auf die Postwerthzeichen gesetzt. * Llmelforschmigeu. Die jüngste Nummer de» LimeS- blatte» (Nr. 30) berichtet vou den Au»grabuugeu am Erb- castell Heidekringen, so genannt nach einem Waldbezirk 7 Kilometer nördlich von Wiesbaden. Da» Castell, auf da» schon Cohauseu aufmerksam gemacht hatte, ist 1897 einer genaueren Untersuchung unterzogen worden, die zwar durch die dichten Fichtevbestände sehr behindert war, immerhin aber die ganze Anlage im Allgemeinen klarlegte. In der Nähe fand man die Reste eine» römischen Hause», bet denen eine Menge von Glasscherben auf zahlreiche GlaSfeuster hiuwetst. Hier fand man auch viele Ziegel, darunter etwa fünfzig gestempelte- fie zeigen alle die 22. Legion. Im Castell selbst ist man bei hier und da vorgenommeueu Grabungen nur auf Holzbau gestoßen. Nach E. Ritterling ist die kleine Feste zur Zeit der Flavier gegründet wordeu und wohl nicht über Hadrian» Zett htvau» besetzt gewesen. Ueber die Ltme»- untersuchuugeu in der Wetterau berichtet G. Wolff, indem er zunächst eine Beschreibung de» Erdcastell» Heldrubergeu zu Ende führt. ES ist im Wesentlichen eine Ueberficht über die Reste der römischen, au das Castell fich anschließenden steinernen Lagerwohnungeu. Weitere Nachforschungen führten zu dem Erzebniß, daß sowohl in vorgeschichtlicher al» auch In frühmittelalterlicher Zeit der Ort zu Stedeluugen benutzt wurde. Bodauu macht er neue Mittheiluugen über da» Greuzstraßrnnetz bet gleichen Gegend, in»desoudere der Lmie Keffelstadt-Heldeubrrgeu'Oberflorstadt. Au mehreren Stellen wurden größere und geringere Spuren römischer Aufiedel- uvgeu festgestellt. Endlich entwirft G. Sixt vou den im Jahre 1998 vorgenommeueu Arbeiten am oberge,manischen Lime» in Würtembrrg eine kurze Schilderung. Er hat die Untersuchung der Strecke vom Haghof bi» zum Ende de» Mainhardter Walde» geführt. Neben der Festlegung der Linie gelang e» ihm, eine Anzahl neuer Thürme an-findig za machen. Dabet wurden südlich von Welzheim zwei römische Ztegelöfen aufged,ckr, von denen der eine Strwpelsteiue mit den Buchstaben NBL und NBCR lieferte, während man bei dem anderen vergeben» nach Fabrikzeichen suchte. * Die Boraussage der westindischen Wirbelstürme. Da» Wetter amt in den vereinigten Staaten hat auf Grund eine» Congreßbeschluffe» vom 7. Juli d. I. regelmäßige Wetterbeobachtungen in Westtndien eingerichtet, an deren Spitze Professor Garriott strht. Am 9. August haben ständige Beobachtungen begonnen in Kingrtou auf Jamaica, auf St. Domingo, auf St. Thomas, in Port of Spain auf Trinidad und in Willemstad auf Curayao- am 11. August ; in Santiago auf Kuba und in Bridgetown auf der Insel Barbados. Aus Havannah auf Cuba, von der Nassau-Insel, vou den Bahama-Juseln und von dem Platze Hamilton auf dm Bermuda Inseln lausen schon seit mehreren Jahren regelmäßige Berichte auf der Hauptwetterwarte in Washington ein. Die Hauptstatiou für den westindischen Wetterdienst brfiadet sich in Kingston auf Jamaica. An allen genaunttn Orten werden um 6 Uhr vormittag» und Nachmittag» Wetterbeobachtungen ungestillt, die täglich durch Kabeltelegramme sowohl nach Kingston al» nach Washington mitge- theilt werden. Al» Normalzeit gilt diejenige des 75. Meridians westlich von Greenwich. Wenn fich ungewöhnliche Witteruogkverhäitnisie einstellen oder Anzeichen eine» heran- nahenden Wirbelsturmes eiutreten, so wüffen besondere Beobachtungen angestellt und dm Hauptwetterwarten telegraphirt werden. Außerdem laufen täglich zwei Mal Morgens und Abend», Berichte von de« mittelamertkanischeu Festlands in Washington ein, und zwar au» den Orten Tampico. Veracruz und Coatzacoala» tu Mexico und auS Merida in A acatan. Diese» veugeschaffene Netz von Wetterbeobachtungen ist von höchster Bedeutung für die Voraussage von Wirbelstürmen, ; wie fie beinahe in jedem Jahre eine oder mehrere der westindischen Inseln oder Gebiete deS nordamerikanischen Fest- : lande» Heimsuchen. E» find Vorkehrungen getroffen worden, um Warnungen vor solchen Stürmen von Washington au» den westindischeu Plätzen und den Häsen au der Südküste der Bereinigten Staaten telegraphisch mitzutheileu. Man erwartet, daß fich die europäischen Regierungen, die Besitzungen in Westwdirn haben, und die Regierungen der Staaten, die au den Golf von Mexico grenzen, au der Vervollständigung j bitftt wichtigen meteorologischen Beobachtungen betheiligeu t werden, um so ein für die Wohlfahrt dieses Gebietes be- deutung-volle» Werk fördern zu helfen. „ * Wle im Taunus. Mau schreibt der „Riehen Aeffe" au» Usingen: Dieser Tage beschäftigten fich mehrere Blätter mit der Frage: „Welches ist der älteste Baum im Taunu» ?" Da wurde denn behauptet, daß die» der bekannte, über 400 Jahre alte Speierlingsbaum bei Hof Gimbach bei Kelkheim fei. Dem gegenüber wurde festgestellt, daß eine Linde in Weiskirchen, zur Wirtschaft „Weisenbach" gehörend, 500 Jahre alt und größer sei. Jndeffeu treffen beide Behauptungen nicht zu. Der älteste Baum im Taunus und vielleicht einer der ältesten im deutschen Reiche dürfte die die Kleinen, die ihm frisch und furchtlos antworteten. Sr fragte er einen der Kleinsten: „WrS ist denn ein Neger?» uralte Linde in Rriuborn bei Niederem» im hiesigen Kreise sein. Diese Linde ist vollständig hohl und gleicht einem geräumigen Zimmer, in dem fich eine ganze Gesellschaft uieder- laffen kann. Die unteren Aeste, riefigen Baumstämmen gleich, sind ebenfalls hohl. Das Wurzelwerk nimmt eine große Fläche Lande» ein. Imposant ist auch die Krone de» Baume», der über 1000 Jahre alt sein dürfte. Ein anderer Baum, der im Alter hinter der „Retuborner Linde" nicht viel zurückstehen dürfte, ist die „Bauerneiche" in der Nähe der „Loch- wühle". Sie ist auch auf der vom TaunuSclub herausgegebenen Farbenkarte verzeichnet. * Au» Leserkreisen geht nn» nachfolgende Mittheilung zu: Gegenüber den vou Seiten de» Verbandes deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig verbreiteten Mlttheiluugen über die Aufstellung seiner zur Ergänzung des Handeirgesetzbuche» I „aufgestellten Grundsätze" sei bemerkt, daß dieselben größten- ! theil» dem Programm be» Dentschuationaleu Handlungsgehilfen- \ Verbände», Hamburg, entlehnt find, der unter Bezugnahme k auf die Novelle zur Gewerbeordnung und schon seit Jahren j für die nachstehenden Forderungen eintritt: a. Regelung der Arbeitszeit. 1. Festlegung eine» Höchst.Arbeitstage» nach Eigenart der Geschäftszweige. 2. Einführung einer ununterbrochenen Sonntagsruhe von 36 Stunden (TamStag Abend bi» Montag früh). 3. Festlegung einer einheitlichen Ladenschlußstuude. b. Regelung de» Lehrliug»wesen». 1. Schaffung eine» bestimmten Verhältnisses zwischen der Zahl der Gehilfen und Lehrlinge in den einzelnen Geschäften. 2. Obligatorischer Fortbildungsunterricht während der Tagesstunden in staatlichen oder staatlich anerkannten Fachschulen für alle Lehrlinge und Handlungsgehilfen unter 18 Jahren. c. Regelung der Frauenarbeit. 1. Beschränkung der Verwendung weiblicher Arbeitskräfte auf solche Geschäftszweige, für welche besondere weibliche Fähigkeiten unumgänglich erforderlich find. 2. Höchst-ArbeitStag von 8 Stunden. Scharfe Schutzbestimmungen zur Verhütung gesundheitlicher und sittlicher Gefahren. d. Zur Ueberwachuug der gesetzlichen Bestimmungen über Sonntagsruhe Arbeitszeit, WohuungSverhälrnifse und Lehr- liugswesen: Errichtung vonHandlungSgrhilfenkammern. Anstellung von Handlungsgehilfen als HandelSinfpectoren. Der Deutschnationale HandlungSgehilfen-Berband geht also in mancher Beziehung noch weiter al» der „verband deutscher Handlungsgehilfen", der augenblicklich uur seine „aufgestellreu Grundsätze" für richtig und durchführbar hält. Dazu bemerken die „Leipziger Neuesten Nachrichten": „ES bleibt abzuwarten, ob mit der Zeit nicht auch noch andere Forderungen fich al» erfüllbar erweifeu werden. Denn dadurch, daß der verband Deutscher HaudlnugSzehilfen fie nicht zu den seinigeu macht, ist ja ihre Unau»führbarkeit noch nicht erwiesen." * Der Besuch des Kaiserpaare» im Syrische« Waisenhanse findet in einem demnächst erscheinenden Büchlein von Pastor Ludwig Schneller in Köln: „Die Kaiserfahrt durch» heilige Land" eine anziehende Schilderung. Durch die Güte be» Vorstande» de» Syrischen Waisenhause» haben die „M. N. N." die ersten Druckbogen diese» Werke» erhalten, denen dieselben Folgendes entnehmen: „Die erste Schulklaffe, < die vou den Majestäten und dem zahlreichen Gefolge besucht S wurde, war die Mirtelklaffe de» Lehrer» Schwenk. Der i Gegenstand, in dem gerade unterrichtet wurde, war Geo- l graphie. Die kaiserlichen Majestäten und da» Gefolge schienen | viel Vergnügen an den guten, präcisru Antworten zu haben. 6 Sogar die gefährliche Paradefrage, vou der der Kaiser lachend erklärte, daß er da sicher durchfalleu würde, wieviel Quadratkilometer Afrika enthalte, wurde richtig beantwortet. Besondere Heiterkeit erregte auf die Frage, wie man die nicht vou eingeborenen Herrschern regierten afrikanischen Länder nenne, die prompte Antwort: „Deutsche Colonien!" worauf der Kaiser lachend sagte: „Der Junge treibt ja eine ganz gefährliche Annexionspolitik, der würde mich gleich morgen in Krieg mit England und Frankreich stürzen!" .... Director Schneller führte die Majestäteck auch in die benachbarte Schule der Armenier. „ES waren die kleinsten unserer Armenier. Wie in der vorigen Klaffe standen sie sofort wie ein Mann auf und riefen mit der ganzen Kraft ihrer Laugen: „Guten Abend, Majeschtät!" AuS Anlaß dieser Dialect- auSsprache ließ fich der Kaiser berichten, daß unsere deutschen Lehrer sämmtlich au» Württemberg stammen. Die Armenier werden nicht arabisch, sondern nur in der deutschen und ihrer türkischen Mattersprachr unterrichtet. Lehrer Talmon GroS katechifirte in deutscher Sprache über die Geschichte Abrahams, während diejenigen Kinder, die erst vor wenigen Wochen ein» getreten waren und noch kein Deutsch verstanden, auf ihren Schiefertafeln deutsch schrieben. Obgleich die Kinder erst ein Jahr deutsch lernen, antworteten fie doch rasch und fließend auf die an fie gerichteten Fragen. Die Majestäten hielten fich gerade bei diesen Armeniern lange auf. Mit großer Theiluahme ließ fich die Kaiserin vou mir (Pastor Schneller) Einige» über da» traurige Geschick dieser Kleinen erzählen, bereu Eltern auf so schreckliche Weise umgekommeu find. Namentlich ein kleiner Junge mit schönen und freundlichen Geficht»zügen (da» Kind eine» ermordeten evangelischen Geistlichen), der die Kaiserin so zutraulich aublickte, erregte ihr besondere» Jntereffe. von einem der kleinen Schreiber ließ fich die hohe Frau die Schiefertafel reichen und war erstaunt, wie schön seine Schrift nach blo» vierzehntägigrm Unterrichte ! schon war. Der Kaiser richtete persönlich einige Fragen an - worauf der Junge sofort aufstand und frisch und laut rief: „Ein schwarze» Mensch, Majeschtät!" ♦ Wie sehr auch heute in nuferem deu scheu Baterlarrde die Parteien zerspalten sind, so sehr find fie doch alle einig in dem Bestreben, die Lebensverhältniffe des ganzen Volke» zu verbeffern, und wo es Maatzregeln gilt, die hierauf ab- zielen, finden sich selbst die sonst am meisten auseinandergehenden Meinungen stets zusammen. So sehen wir denn eine Entfaltung der Hygiene, wie man fie vor zwei Jahrzehnten noch nicht für möglich gehalten hätte. Auch derjenige Zweig der Hygiene, der fich mit der Körper- und Hautpflege beschäftigt, hat gewaltige Fortschritte gemacht: den gewaltigsten, seitdem Profeffor Liebreich das „Lanolin" entdeckt hat und die glanzvolle Entdeckung hinzugekommen ist, daß dieses, „Lanolin" genannte Fett dem menschlichen Hautfett analog ist. Es folgte daraus, daß für die Hautpflege die Anwendung des „Lanolin" die einzig rationelle ist. Man verwendet da» „Lanolin" am besten in der Form von „Lanolin- Toilette- Cream-Lanolin", einer angenehm parfumirte» Composition, die in allen Drogerien und Apotheken gu billigen. Preisen käuflich ist und die auch als Mittel zur Erzielung und Erhaltung eines guten Teints nicht genug gerühmt werden kann! — Man achte beim Einkauf darauf, daß jede Packung (Tube oder Dose) die Schutzmarke „Pfeilring" trägt. • Enttäuschung. „. . Gnädige Frau find stark erkältet und werden einige Tage daS Bett hüten müffen!" — „S o krank bin ich?! . . . Ich war schlimmsten Fall» auf einige Monate an der Riviera gefaßt!" Wissenschaft, Literatur und rinnst. — I« gegenwärtiger Zeit, wo die Berkehrsverhältnifie ganz besonders hohe Ansorbeiungen an Sprachtenntnisse stellen, dürfen Unterrichtsdlätter mit leicht faßlicher Methode einer günstigen Aufnahme sicher sein. Als derartige äußerst belehrende Zeitschriften erweifen sich die im Verlage von Rosenbaum & Hart in Berlin erscheinenden Journale „Le RSpetiteur“, „The Repeater“, und „J1 ripetitore“ in hohem Maße. Eine äußerst glückliche Methode er- leichert das Eindringen in die fremde Sprache; jedes ausländische Wort enthält unter sich das entsprechende deutsche, wodurch unbekannte Ausdrücke sofort auffallen und bei der Wiederholung in Erinnerung gebracht werden, was den Wortschatz stetig vergrößert. Der Inhalt ist unterhaltend und belehrend, dabei stets von angenehmer Mannigfaltigkeit; Aussprachebezeichnung, Bindungs- und Be- tonnungSzeichen, sowie Fußnoten sind bestimmt, den Inhalt richtig zu lehren. Für Fortgeschrittenere enthalten diese 14lägig erscheinenden Blätter allmonatlich eine Beilage mit nur fremdsprachlichem Text, dem Anmerkungen beigefügt stnd. 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Der Lehrgang schließt mit der Behandlung der Gold- und Silberspitzen, und Dank einer meisterhaft klaren, leicht faßlichen Methode sind Damen, für welche die Klöppelkunft noch vor wenigen Monaten ein Buch mit sieben Siegeln war, jetzt im Stande, die prächtigsten Spitzen aus Leinen-, Wollen-, Seiden-, oder Goldfaden unter ihren geschickten Fingern entstehen zu lassen. Besonders interessant gestaltet sich bte letzte Lieferung durch die Einleitung, in der ein kurzer Abriß der Geschichte der Klöppelspitze gegeben wird, ferner durch das Portrait der verstorbenen Herausgeberin, der Freifrau Frida von Lipperheide, und der Barbara Uttmann. So hat das Werk in Allem gehalten, was es versprach, und darf als eine werthvolle Bereicherung unserer textilen Literatur gelten. Als gebundenes Buch bietet es sich als gediegene Weihnachtsgabe, und wir können uns dem Wunsch der Redaction nur anschlietzen, daß die Anregung zur Neubelebung der edlen Technik und zur liebevollen Pflege häuslicher Kunstfertigkeit auf fruchtbaren Boden fallen möge, auf daß daS Buch im Sinne der Herausgeberin seine Aufgabe erfülle. ,, 1898' H göaTLAS A fi| D kart’" 126 r°< ff unsere^ des " b F/M Mr ts werden ju jeder Zett bei allen gen enlgegnigniominen. '. NachgelafimeS Wer! °°n W von Fran- Lipperheide. 6 Lte- 3 soeben auszegedenen 2lfJtTun0 9 AK Feinstes Blüthenmehl sowie 11971 fämmtliche Backzuthaten jur W-ihuach's-Bäckerci -MPnehU in heften Qualitäten biUigft Adolf Lenhard, fraikfurtfrSrafir. LuchhandiullS, Wftllthorstraßk 17 Möbel, Lpiegel, Polfter Garuitureu, DivauS, Caunpees, Federbetten uud Matratzen, VerticowS, Kleiderschränke, Lchrcibtische rc. empfiehlt 11884 Wöbel-Maga,in Äug. 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