A8S8 Donnerstag den 4. August Nr. 180 Zweites Blatt Gießener Anzeiger General-Anzeiger $8nug*,rrt« virrrkljährl'ch 2 Mark 20 Pf, monatlich 75 mit Brlngrrtoh«. vei Poftbtjuß 2 Mark 50 Pfg. viertrljährlich. Alle Anzeigen-BerminlungSstellen bei In- und HnilanM nkhmrn Anzeigen für dm Gießener Anzeiger tntgrya. frf4riat täglich mit Ausnahme des Montags. >»»ahm« von Anzeigen zu der Nachmittag« für dm holgmden Tag erscheinmdm Nummer bi« Norm. 10 Uhr. Dir Gießener Jamilteavlätler »«rdm dem Anzeiger »schmtl'.ch viermal beigeleg». und Anzeigeblatt füv den Kreis Greben Aint Gratisbeilage: Gießener Familienblätter RebGction, Expedition und Druckerei: ZchnlSratze Ar. 7. Fürst Bismarck und das Ausland. Die Havptverdievste hat sich der verewigte Altreich«. kanzler auf dem Bebtet der auswärtigen Polittk erworben, rrad eS ist deßhalb nur zu natürlich, daß da« Ausland an dem Tod des Fürsten BiSmatck so lebhaften Aotheil nimmt. Kein Staatsmann hat ober auch, feit der erste Napoleon ge» fioYbtn, derartig in die Geschicke der Völker eingegrlffeo, wie der erste Kanzler des neuen Deutschen Reiches. Die Präliminarien von NikolSburg und der Friede von Prag hatten da neues Deutschland geschaffen und Oesterreich auS dem Kreise seiner früheren Geooffen geschieden. Der Krieg mit Frankreich wurde gekämpft, daS Deutsche Reich erstand wieder, me alten Reichslande Elsaß und Lothringen wurden deutsch, unb auf den Wällen von Straßburg und Metz wehte wieder die RetchSflagge. DaS Ziel war erreicht, welches Fürst Bis. marck sich vorgezeichnrt hatte, und nun setzte er all' seine Kraft daran, um dem deutschen Baterlande den Frieden zu erhalten. Krum vom Kriege zurückgekehrt, machte er der österreichischen Regierung Anträge zur Herstellung freundschaftlicher Be. Hungen; die Dreikaiserzusammrnkuost in Berlin coastatirte dir Einigkeit der drei Großmächte und auf ein volle« Lustrum h oau« wurde die europäische Politik durch diesen Act beherrscht, io daß auch der russisch-türkische Krieg localifirt werden konnte. Bismarck war in der Lage, im Jahre 1878 dem Berliner FiiedeoScoogrrß präfidtren zu dürfen und seinen mächtigen (L ofluß zur Beilegung der vielen Differenzen tu die Wagschale Bi werfen. DaS Dretkatserdündutß hatte keinen langen Be- ßiand; Rußland glaubte sich im Berliner Frieden übervor« theilt und steuette einer Allianz mit Frankreich zu. Daraus, hin schloß Fürst B «marck mit Oesterreich-Ungarn uud Italien jenes Bündniß ab, daS unter dem Namen „Dreibund" be- kauut ist uud so viel dazu brigetrageu hat, daß der euro- pätsche Friede bisher aufrecht erhalten werden konnte. Die Schaffung dieses Bundes war jedenfalls ein Meisterwerk BiSmarckS, welches bisher alle Fähruiffe zu überwinden vermochte. Daß der Fürst sich nicht riaseitig auf dieses Bündniß beschränkte, um der deutschen internationalen Politik einen kräftigen Rückhalt zu gewähren, ist bekannt; insbesondere suchte er mit unserem östlichen Nachbar, Rußland, ein gutes Einvernehmen zu unterhalten. Die Preffe aller Länder gibt den gewaltigen Eindruck wieder, welchen daS Hiuscheiden des Fürsten Bismarck auch außerhalb Deutschlands gewacht hat. DaS ist iuSbesoodere in denjenigen Staaten der Fall, in deren Politik daS Wirken Bismarcks tief eingeschuüteu uud setue Spuren hiuterlaffeu har. Daß Frankreich auf den verewigten Fürsten nicht gut zu sprechen war, daß man ihn dort persönlich dafür veraut. wörtlich machte, daß Elsaß-Lothrtugeu den Franzosen verloren gegangen war, ist nicht weiter zu verwundern, uud doch hatte Fürst BtSmarck die Grnugthuuug, daß das grollende Frankreich auf der Londoner Confereoz 1. I. 1884 und auf dem Berliner Koogo-Congreß Hand iu Haud mit Deutschland gfag, da eS seine Colonialintereffen am Besten gewahrt fand durch Annäherung an Deutschland. Jedenfalls hat der Altreichskanzler, als er noch im Amte war, nichts gethan, was deu Groll des westlichen Nachbarn zu schüren geeignet sein konnte, auch er suchte an seinem Theile die Wunden zu heilen, welche daS unerbittliche Geschick demselben geschlagen hatte. Und so läßt denn auch, nachdem der Fürst die Augen für immer geschloffen Hal, die anständige franzö. fische Preffe demselben volle Gerechtigkeit widerfahren; die Boulevardblätter nehmen natürlich den Anlaß wahr, um deu Fürsten anzugreifev und ihrem Haß gegen ihn Ausdruck zu geben. Wir haben schon vorhin gesagt, die Gründung deS Drei« bundes sei das Meisterstück BiSmarckS gewesen. Wenn mau bedenkt, daß Preußeu uud Oesterreich scheinbar unüberwindliche Gegensätze trennten, daß zwischen diesem und Italien ebenfalls heftiger Antagonismus herrschte, so begreift man die Schwierigkeiten, die sich dem Plan BiSmarckS entgegen» Adresse für Depeschen: Anzeiger -letze«. Fernsprecher Rr. 51. Deutsche» Reich. Darmstadt, 2. August. Die Stadtverordneten beschloss u, am nächsten Sonntag eine Trau erf et er für deu Fürsten Bismarck, welcher Ehrenbürger von Darmstadt war, ab» zuhalten und zur definitiven Beisetzung deS Fürsten eint Delegation nach FriedrtchSruh abzusenden. Bad-Nauheim. 2. August. Graf HoyoS, der Schwieger- Vater Herbert BiSmarckS, und der StaaiSsecretär deS Reims- marineamteS, Admiral Tirpttz, wclche beide hier zur Kur weilten, find infolge der Trauerkuude aus FriedrtchSruh nach Berlin abgeretst. Berget und Verdruß zu kaufen. Du kommst mir jetzt viel vergnügungssüchtiger vor als zur Zeit deiner Jugend. Du wärst überhaupt nie vergnügungssüchtig gewesen und im Grunde genommen auch noch nicht so alt? Ich weiß nicht, wa» „so alt" bedeuten soll; wenn du aber meinst, daß du noch immer so jung und jugeudfrtsch wie einst bist, so irrst du schwer. Grobian? Nun ja! Du erwartest vielleicht gar. daß ich dir deu Hof machen soll? DaS nicht, aber eS könnte gerade nicht schaden, wenn ich trotz alledem etwas galanter wäre, meinst du? Nein, auf diese Art von Galanterie wirst du wenigstens sür heuer verzichten müffev. Und künftig? Mein Gott, nächste» Jahr ist eS vtelleich schon modern, hübsch daheim zu bleiben, und dann kommt euch allen die Etkeuntniß, daß eure Gesundheit, besonders eure Nerven, die Ruhe der Häuslichkeit brauchen. Daß ich auf deine Wünsche nicht Rücksicht nehme, darfst du nicht be- haupteo; ich berücksichtige fie nur dann nicht, wenn sie mir nicht genügend begründet erscheinen, so wie die Sommerreise in diesem Jahre. Höchstens, daß ich mich da zu einem Aufenthalt von acht bis zehn Tagen irgendwo in der Nähe ent. schließen könnte. Der Tohu. Ich muß, Clara, eia ganz ernstes Wort mit dir reden. Mir kommt eS nämlich vor, als ob du unserem Jungen heimlich Geld zustecktest, und d°S gefaßt mir nicht. Er muß mit seinem Taschengeld auSkommen, und er muß mir Rechen« schast ablegen, wie er eS verbraucht hat. Man darf solchen Jungen nicht freie Hand loffeo, sonst treiben fie den ärgsten Mißbrauch. Aber deine Affenliebe kümmert fich natürlich nicht um derartige Bedenken. Wenn der Junge ein Tauge- nichts wird, so hast du nur dir selbst die Schuld zuzuschretben, jawohl, einzig nur dir selbst! Mit seine« Schulfletß ist eS auch nicht weit her. Wie denn anders? Wie soll so ein Junge ans Lernen denken, wenn ihm die Mtttel zu ver« schweuderischen Ausgaben geboten werden? Erzähle mir nicht von theuereu Lehrmitteln uud dergleichen; das kann der Bengel dir vorschwatzen, aber nicht mir. Diese Kniffe kenne stellten. Ader dieser hatte schon gleich nach dem Plager Frieden i. I. 1866 Alles aufgeboten, um zu Oesterreich in ein srenndnachbarliche» Berhältniß zu gelangen; auS diesem Grunde enthielten auch fchon die FrtedenSbedingnngen keine Härte und Demüthigung. Unsere Beziehungen zu Oesterreich- Ungarn find die denkbar besten und haben einen früher kaum geahnten Grad von Herzlichkeit angenommen. Den Grund hierzu gelegt zu haben, ist vielleicht eines der größten ver- dtenfte, welches fich Fürst BlSrnarck erworben hat. Daß Italien allen Grund hat, deS verstorbenen dankbar zu gedenken, brauchen wir wohl kaum hervorzuheben. Im Jahre 1866 und 1870 hat der Fürst dem vereinigten König- reiche unbezahlbare Dienste geleistet, und fein Name hatte deshalb tu Italien einen besonders guten Klang, was fich in Artikeln, welche die italienische Preffe dem Dahingeschiedenen widmet, in überzeugendster Weise auSspricht. Einzelne Blätter sprechen eS deutlich au«, daß Fürst BiSmarck ein wirksamer Mitarbeiter an der Herbeiführung der Einheit Italiens war. AIS der Fürst feinen Zweck, Deutschland zu einigen und ihm eine Machtstellung unter den Völkern der Erde zu geben, erreicht hatte, da sah er eS als seine Hauptaufgabe an, der Welt den Flieden zu erhalten, und dieses Bemühen zieht sich als rother Faden durch sein ganzes ferneres Wirken. Mochten auch Zweifler noch fo lange die friedlichen Absichten deS Fürsten iu Abrede stellen, sie wurden schließlich doch durch die Thatsachen Überzeugt, und eS bildet einen der schönsten Steine im Diadem, daS die Stirn deS verstorbenen schmückt, die allgemeine Anerkennung, daß er der „ehrliche Makler- war, der ohne N-benabfichtev und Sondergelüste die Erhaltung des Friedens im Auge hatte. (xx) Tyell. Bekanntmachung. Der Großh. KreiSvetertnärarzt Herr Dr Neunhöffer ia Grauberg ist vom 4. bis 18. d. Mts. beurlaubt ünb hat seine Vertretung für die Orte des Kreises Gießen her Großh. Kreisveterinärarzt Herr Prostffor vr Winkler zu Gießen übernommen. Gießen, deu 1. August 1898. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Aus Kerrn Knurigs Schlafrockprediglen.*) Die Sommerreise. Ich glaube, wir könnten uns diesmal diese Sommer« «eise flenten. Ein Placken und Plagen, ein GeldauSgebeu, nmb dabei nur Verdruß und Unannehmlichkeiten. Weder du Joch ich, noch die Kinder Haden eine besondere Erholung röthig, und reisen, weil alle Welt reist, — da« ist kein vernünftiger Grund. Sann man fich'S beffer wünschen alS litt in dieser Wohnung? Aber wenn die Hitze kommt? Bah, die Hitze! Da mach ich mir« btqiem und ziehe mir een Rock auf. Nein, heuer bringst du wich nicht dazu, mag es dir auch wiederholt schon gelungen sein, mich zu ibeneben. Eigentlich solltest du mich von der Unnöthigkeit liefet Ausgaben zu überzeugen versuchen, statt wir die Sache oli weltwtchtig uud unerläßlich hirzustelleu. Denn wenn »tr auch unser Auskommen haben, Millionäre find wir doch nicht. Aber eS ist einmal so: wo LuxnS, Mode, Prunk uud rergleichen ioS Spiel kommen, da höct bei euch Frauen die Sparsamkeit auf. Ihr kennt nur einen kleinlichen Groschen- ee z, im Uebrigen seid ihr Verschwender. So eine Re.se bfte nicht viel, und wir würden, wenn wir hier biteben, in Ausflügen und Spaziergängen noch wehr auSgedeu? H-rr- lichl Also aus Sparsamkeit sollen wir da die Unsummen auSgebrv nud im Winter natürlich alle möglichen Vergnügungen wirwachen, wozu sonst hätte man denn tm Sommer gespart? Nein, diesmal wird nichts daraus, und wenn Du auch die Kinder gegen wich mobil wachst. Käthchen schien mir jüngst schon einen kleinen Angriff vorznuehmen, und der hoch- aufgeschossene Beugel spricht vom Fahren, alS ob daS eine unumstößliche Sache wäre. Ich will euch aber einen Strich durch die Rechnung machen. Hier wird geblieben! DaS kSnure ich am Lude doch nicht ernstlich meinen? Am Anfang und am Ende! Ich habe keine Lust, mir für theureS Geld *) Verlag oon Levy 4 Müller, Stuttgart. (Preis in illuftr. Umschlag Mk. 1.50. ich. Wahrscheinlich handelt eS fich da um nöthige Eigarretteu- Einkäufe. Ich möchte wohl ein Auge zudrücken, wenn er mir hie und da eine Cigarre mausen würde; wein Gott, man war ja auch jung. Aber diese Jungen von heute müffen schädliche Cigarretten rauchen, wohl nur darum, weil fich damit mehr Verschwendung treiben läßt. Du glaubst nicht, daß Hau- schon rauche? Natürlich, er wird dir Stein und Vein schwören, eS sei dem nicht so, eine Kaffeebohne zerkauen, damit der Äthern eS nicht verrathe. Mich kann er nicht täuschen. Woher ich daS Mittel kenne? Das wollen wir nicht erörtern, genug, ich kenne eS und laffe mir kein X für ein U machen. UebrigeS wäre Tabakranchen noch nicht das Aergste. Wer weiß aber, was er sonst noch mit dem Gelde treiben mag. Du hättest ihm nur selten und nur mit sehr kleinen Beiträgen auSgeholfen? Gar nicht sollst du eS! Er soll zu mir kommen, wenn er etwas braucht, und ich werde dann seine Forderung gründlich prüfen. DaS fällt ihm aber nicht ein; er weiß ganz gut, daß ich mir nichts vorschwindeln laffe. HanS sei ein guter Junge unb schwindle nicht? Selbstverständlich wirst du ihn vertheidigen, vielleicht gar Anleitung geben, wie er mich hintergehev soll. Doch da seid ihr auf dem Holzwege. Ich kenne meine Pappenheimer. Ich werde zu verhindern wlffen, daß der Unfug weitergreift. Ich soll doch nicht fo viel Aufhebens machen einiger Groschen wegen? ES handelt fich hier nicht um die Summe, sondern um daS Princip, verstehst du, daS Princip. Wer weiß Übrigens, was der Junge deinem Vater abschwatzt! Wäre deine Mutter noch am Leden, so würde eS ficherlich noch viel ärger sein. Doch lasten wir die Todten ruhev. Wenn der Junge heimkommt, will ich mir ihn vornehmen und ihm den Standpunkt klar machen. Wer weiß, waS der Junge sonst noch treibt! ES thäte Roth, daß ich hinter allem daher sein sollte. AlS ob ich nichts anderes in der Welt zu thun hätte! Du wirst schon sehen, wohin e» mit deiner Nachficht kommt. Nachficht — Gleichgiltigkeit ist e» eigentlich. Du willst nur Rahe haben, Ruhe, mag e» auch für die Zukunft von deu ärgsten Folgen fein. toi ho» < den ndjtig rein. Uhr, im Hause te nlung. 7153 Festsaal), h: nds 8 llljr: en tz Md Wv acatc. ___ ist für den dheit. Wer !e Welt an aill, braucht :e, nicht von dergedrülkte ch das,ver- ieitn sie an« rationell zu : wieder zu den Sang- l, darheM norr's zahl- !N ernährt! ove» •teil. A etc. ®eitonf .f»'""6 thülslr»556 1 H-'L 10 M jj Loose für1U Berlin, 2. August. Infolge eine« heute hier einge* gangenen Telegramms des Kaisers wird von der Veranstaltung einer großen Trauerfeier auf dem Königßplatz Hierselbst Abstand genommen werden. Dagegen wird eine solche Feier am nächsten Donnerstag in der Kaifer-Wtlhelm- Gedächtnißkirche Vormittags 10 Uhr stattfinden, wozu die Mitglieder des BundeSrathS, des Reichstag-, de« Landtags sowie der höchsten Staat-- und städtischen Behörden Einladungen erhalten werden. Berlin, 2. August. Nach dem Beschluß der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft wird am Donnerstag anläßlich der Trauerfeterlichkeiten für den Fürsten Bismarck keine Börse stattfinden. Berlin, 2. August. Die Prägung einer Sterbe- Medaille des Fürsten Bismarck hat ein hiesiger Groß Fabrikant in die Hände genommen. Die Medaille wird schon übermorgen in den Handel kommen. Köln, 2. August. Laut der „Köln. Ztg." wurden die viel besprochenen BtSmarck'schen Memoiren bereits seit geraumer Zeit an die BrrlagS-Anstalt „Union" zum Preise von einer Million Mark verkauft. Die Memoiren wurden vom Fürsten bi« in die letzte Zeit hinein fortgesetzt. Die Veröffentlichung dürfte bald erfolgen. Wirsbadrn, 2. August. Der „Rheinische Kurier" meldet auS Eambert: Der ReichßtagSabgeordnete Dr. Lieber ist zur Theilnahme an dem nordamerikanischen Katholikentag nach Milwaukee abgereist. Arr-lav- Fiume, 2. August. Die diesjährigen großen Kaiser- Manöver der österreichisch-ungarischen Armee werden unter der Leitung deS Kaiser« Franz Josef stattfinden. Kaiser Franz Josef soll den deutschen Kaiser eingeladen haben, an den Manövern theilzunehmen, worauf dieser eine zusagende Antwort gegeben haben soll. Mailand, 2. August. Der Belagerungszustand wird am 10. August aufgehoben werden. Lazero, 2. August. Prosiffor Schmtdtpauer aus Bafel stürzte vom Großhorn bet Trient ab und war sofort tobt. Madrid, 2. August. Der an den Masern erkrankt gewesene König ist vollständig wiederhergestellt. — Friedensberathungen. Am Montag erörterte in Madrto ein vierstündiger Ministerrath die von den Bereinigten Staaten festgesetzten Grundlagen der Friedensbedingungen. Wegen Unklarheit einiger Punkte wurde zunächst noch telegraphische Aufklärung verlangt. Nach Eingang der Antwort wird der Ministerrath aufs Neue zusammentreten. Daß Spanien, als der besiegte Theil, den Frieden theuer wird erkaufen müffen, liegt auf der Hand, und die Regierung scheint sich darein ergeben zu wollen. In richtiger Erkenntntß der Lage schließt sich denn auch die öffentliche Meinung in überwiegendem Maße dieser Auffassung an. DaS Land hat eben das Gefühl, daß eS durch die Weiterführung deS Krieges bis aufs Mark ouSgesogen werden müsse, ohne daß irgendwelche Aussichten auf Erfolg vorhanden wären. Natürlich versucht man hier und da, die Regierung der Feigheit und des Mangels an Ehrgefühl und Vaterlandsliebe anzuklagen. Eine viel größere Gefahr für die Ordnung aber, al« von der Annahme der amercka- ntschen Vorschläge, wird erwartet, falls eine Brodtheuerung in Folge der Wiedereinführung der Getreidezölle eintreten sollte. * Einer, von dem sich Bismarck einschüchten ließ. Als die Bahn durch den Sachsenwald geführt wurde, besah sich der Fürst fast täglich auf seinem MOrgenspaziergange die —SSBSS Feuilleton. Gedanken und Sentenzen des Staatsmannes Aismarck. Eine Fraction ist gewiffermaßen eine Satire auf das Arndt'sche Lied: „Das Vaterland muß größer sein! Das ganze Deutschland soll es seiin!" Wer in die Fraction tritt, dem ist das Ganze zu groß. Es schrumpft, durch seine Brille gesehen, zusammen auf das Fractionsinteresse, und in der Fraction verliert der Volksvertreter den Blick für das Allgemeine. Die Fractionsbrille verdunkelt seinen Blick für die Gesammtintereffen. Man fragt nur noch, was hat die Fraction davon, nicht: was hat das Reich davon. * * Jede herrschsüchtige Minorität strebt dahin, die Majorität zu sprengen und zu theilen. • * 4c Finanzielle Rücksichten müffen schweigen, wo es eine moralische Politik gebietet. ♦ ♦ * Das erste Erforderniß einer Regierung ist Energie. * * • Unser Unglück in der Kammer ist und bleibt der Ehrgeiz der Parteiführer. Mit schlechten Gesetzen und guten Beamten läßt sich immer noch regieren, bei schlechten Beamten aber helfen uns die besten Gesetze nichts. Der Pöbel ist ein Herrscher, der ebenso geschmeichelt sein will, wie irgend ein Sultan. • * Gereiztheit zu zeigen, ohne Abhilfe zu erlangen oder zu erzwingen, ist für einen Staat gewiß noch schlimmer als für einen Partikulier. • Lohnarbeiten. ES war ihm wohl nicht lieb, daß der altehrwürdige Wald auf eine weite Strecke hin durchbrochen und die Axt an die heiligen Eichen gelegt wurde,- aber der Fürst fügte sich den gebieterischen Forderungen der Zeit und hieß sein Herz, da- Herz de« naturliebenden Landwtrthe«, schweigen. Da kam er einst dazu, al- die Arbeiter gerade eine mächtige Eiche gefällt hatten. Sie war der schönsten eine, eine Riesin de- Walde-, voll Kraft im tausendjährigen Alter, sein eigen Ebenbild. Da übermannte den Fürsten fein heftige« Temperament und er befahl den Uebelthäter, der de« BanmeS Tode-urtheil gesprochen hatte und vollziehen ließ, einen Ingenieur der Bahnbaubehörde, zu sich auf- Schloß. Wüthend ging er in seinem Zimmer mit wuchtigem Schritt auf und ab, hastig trat er, als der Diener den Miffethäter meldete, dem Eintretenden entgegen. Und als er ihm gegenüber stand, da erstarb ihm der zornigen Worte Schwall auf den Lippen, die finster zusammengezogenen Brauen glätteten sich und verlegen, ja verlegen, bot er dem baumlangen Ingenieur, einem gemessene neun Schuh hohen, breitschulterigen Sohne Mecklenburg«, eine Cigarre und entließ ihn nach einem Gespräche Über die gleichgiltigsten Dinge der Welt. Im Kreise seiner Familie aber erzählte der Fürst am gleichen Tage noch den Vorgang: „Ich konnte thatsächlich nach „oben" den Ton nicht finden", meinte er, „der Mensch war ja größer wie ich!" * In diesem Jahre peinigt die Blutlaus besonders stark unsere Aepfelbäume und deren Befitzer. ES dürfte deshalb intereffant sein, zu erfahren, daß der unermüdliche „Schäb- ling«mann" und Freund der deutschen Obstzüchter, Freiherr v. Schilling, soeben im praktischen Rathgeber für Obstund Gartenbau mit der Vei öffentlichung einer größeren, reich illustirten Arbeit über „ble Blutlaus, wo fie zu suchen und wie fie zu vernichten ist" beginnt. Die Blutlau» macht sich bemerklich durch Anfang- unbedeutende Mengen weißer Wolle, die fie dauernd spinnt zum Schutz gegen ihre natürlichen Feinde. Zerdrückt man diese Wolle, so tritt ein röchlicher Saft hervor — nach Freiherrn v. Schill'ng nicht« andere-, al- der röthl che Baumsaft, den die unter der Wolle hockenden Läuse au- der obersten Rinden- und Cambiumschicht der Bäume mit ihren langen Rüffeln gelogen haben. Wir können die hochintereffante Arbeit allen Odstzüchtern nur auf da- Dringendste empfehlen. * Unter dem Secirmefser erwacht. Au- Pari» 29. Juli, berichtet man: Bor drei Tagen brachte man einen, wie man glaubte, tobten Zuaven in die Leichenkammer be- Militär- Hospital- von Algier, um bie obligate Section vorzunehmen. Gestern Abenb machte sich nun ber Gehilfe de- Militärarzte- batan, ben Leichnam zu öffnen, al- in demselben Augenblicke, da er das Mesier ansetzen wollte, der Todtgeglaubte die Äugen aufschlug und seinen Platz verließ. DaS erstaunte Dienstpersonal setzte die Spitalleitung von dem Vorfälle in Kenntniß, die die nöthigen weiteren Schritte etnleitete. Es ist zu hoffen, daß der Zaave noch recht lange leben wirb. * Lachen und — Herzkrankheit. Ueber eine merkwürbige Plötzliche Erkrankung bes H e rz m u - k e l S infolge Übermäßigen LachrnS berichtet ein Arzt in ber „Deutschen. Meb. Wochenschrift". Ein junge- 13 jährige- Mädchen belustigte sich am 29. November 1895 inmitten einiger seiner AlterSgrnofstnnen harmlos durch heitere Erzählungen. Das Mädchen gerieth dabei in ein nicht zu unterdrückendes Lachen, das sich plötzlich in schmerzhaftes Stöhnen und Weinen verwandelte. Alle Versuche, das Kind zu beruhigen, blieben erfolglos. DaS Rädchen klagte über heftige Stiche in der Herzgegend, über Luftmangel, starken Hustenreiz und über Zuckungen. Am reinlichsten war der Luftmangel. Der erste derartige Anfall dauerte etwa vier, der zweite etwa- Über zwei Stunden. Während dieser Anfälle staub ba- Mädchen bleichen verstörten Antlitzes, mit blauen Lippen aufrecht nach Luft schnappend und stöhnend im Bett. Der Pul« war äußerst frequent, fast fadenförmig, die Herztöne waren undeutlich, jedoch ein Geräusch an ihnen nicht zu bemerken. Auf einige kleine Gaben Phenacetin linderten sich die Anfälle. Sie wiederholten sich in den ersten 14 Tagen nur je einmal täglich, wurden alsdann noch seltener, blieben Wochen- und monatelang auS, nm endlich ganz zu verschwinden. Nur auf starke körperliche Anstrengungen oder auf seellche Erregungen pflegt ein derartiger Anfall sich wieder zu zeigen. Der Arzt glaubt, doß eS sich hierbei um einen Krampf des Zwerchfells handle, durch ben ber nervus vagus anfänglich gereizt und später vorübergehend gelähmt werde. Bon einem ähnlichen Fall ist bisher in der meb'cinischcn Literatur kein Beispiel verzeichnet worben. * Zahnstocher und Wundstarrkrampf. Ueber einen Fall von Wundstarrkrampf au« einer gewiß seltenen Ursache berichtet Dr. Brau bisch in Laskehnen (früher In Szibden) in ber „Berliner klin. Wochenschrift". Er würbe eine» Tage« zu einem Gärtner gerufen, der seit vier Tagen über Schwere in ben Gliebern, Steifigkeit im Nacken unb Schlaflosigkeit Hagle; babei konnte er ben Mund nicht öffnen unb halte bisweilen eigentümliche Zuckungen in den Beinen. Die erste Untersuchung gab für die Ursache be« Zustanbe« keinen Anhalt; nach drei Tagen jeboch bestanden deutlich Erscheinungen von Wundstarrkrampf; krampfartige Zuckungen in den Bein- muSkeln, die bet Erschütterungen be« Bettes und auf bloße« Anrufen schon eintraten, der Kopf bohrte sich durch Krampf der NackenmuSkeln in das Kopfkiffen usw. Strychuinvergiftung, die ähnliche Erscheinungen macht, war auSgeschloffen; eS konnte sich nur um Wundstarrkrampf handeln. Ader wie war der TetanuSbacilluS in ben Körper gelangt? Da- Kranken- examen ergab nun eine merkwürbige Eingangspforte. Der Mann hatte hohle Zähne und die Gewohnheit, sich mit einem Holzsplitter darin herumzustochern. Bekam er einmal Zahnschmerzen, so bohrte er so lange in dem schmerzenden Zahn herum, bi- dieser zu bluten anfing; davon soll der Schmerz immer nachgelaffen haben. Eines Tages machte ihm bei der Gartenarbeit der Zahn zu schaffen, und er behandelte ihn wiederum mit einem Splitter. Dr. Bandisch nimmt nun an, baß ber Splitter mit ber Gartenerde, die ja bekanntlich sehr häufig bie Erreger be« Wundstarrkrampfes beherbergt, in Berührung gekommen und dadurch die Bacillen in die kleine Verletzung de» Zahns hineingebracht worben sinb. Der betreffende Zahn wurde au-gezogen unb schon am nächsten Tag war sichtlich Beste,ung eingetreten. Da bie Erreger be« Wundstarrkrampfs erfahrungsgemäß sich nur an ber Stelle der Verletzung anfiedeln, so war mit der Entfernung des Zahn« jedenfalls ein gutes Theil ber Krankheitsursache mit entfernt. Dieser Fall mag aber als warnender Beweis dafür dienen, daß durch unvorsichtigen Gebrauch eines unsauberen Zahnstochers eine lebensgefährliche Blutvergiftung eintreten kann. * Es ist bekannt, daß die Auffindung von Fremdkörpern im menschlichen Körper vermittelst der Röntgen-Durchleuchtung möglich ist. In der Praxis ergab sich aber bisher der Uebelstand, daß die Röntgen-Photographien den Fremdkörper wohl zeigten, daß er sich in Wirklichkeit aber sehr häufig an einer ganz anderen Stelle befand, als auf dem Bilde, was vielfach falsche Einschnitte der Chirurgen zur Folge hatte. Herr Profestor Dr. Angerer berichtet nun im „Centralblatt für Chirurgie", daß es vermittelst eines äußerst einfachen Apparates, — den die Voltohm-Electricitäts-Gesellschaft, A. G., München, construirte, — des Voltohm Punk- tographen, nun möglich geworden ist, in einfachster Weife die Lage der Fremdkörper so genau und sicher festzustellen, daß ein Jrrthum künftig ausgeschloffen ist. * Der echte Mokka wird in seinem Heimathlanbe unter ben Bebutnen Arabiens ganz anberS unb viel sorgsamer zu- bereitet, als bei uu«. Wer ba meint, daß Kaffeekochen eine leichte Arbeit fei, wirb aus bem Verfahren ber Araber Es geht nichts über Ketzerrichter im eigenen Lager, und unter Freunden, die lange aus einem Topfe gegessen haben, ist man ungerechter, als gegen Feinde. * * Es kommt nicht auf die Worte an, sondern auf den Glauben, der dahinter steckt. * * Polizeiliche Plackereien sind oft viel bedenklichere Quellen der Verstimmung gegen eine Regierung, als Meinungsver- fchiedenheiten über Regierungsform und Budget. * * * Gesetze sind wie Arzneien, sie find gewöhnlich nur Heilung einer Krankheit durch eine geringere oder vorübergehende Krankheit. ♦ * * Die einzige gesunde Grundlage eines großen Staates ist der staatliche Egoismus und nicht die Romantik, und es ist eines großen Staates nicht würdig, für eine Sache zu streiten, die nicht seinem eigenen Interesse angehört. * * * Es muß in jedem Redner, der auf Zuhörer wirken soll, ein Stück von einem Dichter stecken, und soweit das der Fall ist, soweit er als Improvisator Sprache und Gedanken be- herrscht, soweit hat er die Gabe, auf seine Zuhörer zu wirken. * Ich habe in allen Kämpfen nur eine Magnetnadel gehabt, die mich leitete. Das war das: was ich in jedem Falle für das Reichsintereffe erkannte, das habe ich vertreten, mochte die Fraction, die ich dabei bekämpfte, mir nahe stehen oder nicht. * * • Es liegt ohne Zweifel etwas in unserem Nationalcharacter, was der Vereinigung Deutschlands widerstrebt. Wir hätten die Einheit sonst nicht verloren, oder hätten sie bald wieder- gewonnen. Was ist der Grund, der uns die Einheit verlieren liefe und uns bis jetzt verhindert hat, sie wieder zu gewinnen? Wenn ich es mit einem kurzen Worte sagen soll, so ist es, wie mir scheint, ein gewisser Ueberschuß an dem Gefühle männlicher Selbständigkeit, welcher in Deutschland den Einzelnen, die Gemeinde, den Stamm veranlaßt, sich mehr auf die einzelnen Kräfte zu verlaffen, als auf die der Gesammtheit. * ♦ * Doctrinär bin ich in meinem Leben noch nie gewesen; alle Systeme, durch welche die Parteien sich getrennt und gebunden fühlen, kommen für mich in zweiter Linie: in erster Linie kommt die Ration, ihre Stellung nach außen, ihre Selbständigkeit, unsere Organisation in der Weise, daß wir als große Ration in der Welt frei athmen können. * * * In der Politik, in der Nationalöconomie, in der Statistik ist die Wiffenschaft mitunter auf einem sehr hohen Pferde, aber sie sieht den Boden nicht, auf dem sie reitet, und erkennt ihn nicht. * ' * * Meine Ehre steht in Niemandes Hand als in meiner eigenen, und man kann mich damit nicht Überhäufen; die eigene, die ich in meinem Herzen trage, genügt mir vollständig, und Niemand ist Richter darüber und kann entscheiden, ob ich sie habe. ♦ * * Ich bin in keiner Weise für eine absolutistische Regierung, ich halte eine richtig geübte parlamentarische Mitwiräng für ebenso nothwendig und nützlich, wie ich eine parlamentarische Herrschaft für schädlich und unmöglich halte. * * * Ich frage gar nichts danach, ob eine Sache populär ist, ich frage nur danach, ob sie vernünftig ober zweckmäßig ist; bie Popularität ist eine vorübergehenbe Sache. • * * Die Kritik ist bekanntlich leicht unb bie Kunst ist schwer. Die Politik ist keine Wiffenschaft, wie viele der Herren Profefforen sich einbilben, sie ist eben eine Kunst. (Fortsetzung folgt.) ittt uMN “J*? weiter m 6W ““ft K MM °» °»!b,t6tt WÄ? aus jungen hfl ®««ft""»-'! *«*wu Ah* icSs *Äft 4t“ '.»»■"Si «rsL •Ä* Ä£t J^fcHttauia *"b“ 8"» ™ uud auf blofcti fit turd) fhQm,i '« «Wolfe; J Qanbeln. 81tr »it not e'“8t? ®oe Siodn, EmealigSpforl'. Drr M«Wt( sich »it eia« Bl'a® er einmal btttt fchverzendtn Zch davon soll itr gijmni lget «achte thw bei ber uad er behavdtlte ihn Saudisch nimmt nun an, die ja betanniUd) sch Pfei betagt, in 8: Bacillen In die tteii worden sind. Der 6t* h schon am nächstens Da dir Erreger itl sich nur an der Slelle it der Entfenung btl x KraukMnrsache mit warnender Beweii ba> gebrauch eines unfanbmn Vergiftung eivtreien kann, tdnng von Fremdlörpen er Röntgen-Dnrch' raris ergab sich aber m^otograpbien den in Mri/Mi/ aber teile befand, als auf itte dn M zern dnM «m m letmW eines außeri M-AectticiMGefü. - des Voltohm N ist, in einfachster Weifc und sicher festzustella, en ist. nem Heimathlante unter und viel sorgfawer ja- t, M »off«M|n * fahren der Krade öconoiM em SSM • Iwtllet?au6«n, *!Ä- - athmen können- ' ■ in bet 61* tt-y'5 w * darüber «ff'igrfWoE 䔫** ch h* „ d »AFÄ * SÄ ,5,6* bald daß Gegentheil lernen. Dor Allem trinkt der Beduine niemals Kaffee, der nicht vor dem Kochen frisch gebrannt ist. Man thut dazu die Bohnen auf eine flache eiserne Pfanne und läßt sie unter beständigem Rühreu auf Hellem Kohlen* feuer rösten. Haben sie die gewünschte braune Farbe, kommen fie auf einen Kühlteller, um nachher in einem Mörser zu Pulver gestampft zu werden. Zum eigentlichen Kochen braucht der Beduine bloß drei „Dellen", d. h. verzinnte Kupfertöpfe «it Griff und Deckel. In dem ersten und größten wird zunächst reines Waffer bis zum (Sieben erhitzt. Sobald eS „Wellen schlägt", kommt eß in den zweiten Topf, der bereits das Saffeepulver enthält. In diesem muß eS weitere zehn Minuten kochen, bis kein Schaum mehr aufsteigt und der Satz ausgekocht am Boden liegt. Inzwischen hat der Haus« Herr einige Bohnen „Hel", d. h. Nelken, Ambra ober Moschus heraußgegebeu unb diese im Mörser zerstampfen laffen. Sie kommen in den dritten Topf und werden mit dem Inhalt deS Lopfeß Nr. 2 übergossen. Nachdem daS Ganze noch einmal eine Viertelstunde gekocht hat, wird der braune Trank credenzt. Der Mundschenk hält die Tassen (ohne Henkel und Untersatz) zu 6 biß 8 Stück Ineinandergelchachtelt tu der Hand und schenkt auß dem Kochtopf ein. Den Gästen Kaffee ohne „Hel" vorzusetzen, gelte dem Beduinen als Zeichen schmutzigsten Geizes und käme einer Beleidigung de» Besuchers gleich. So lange der Gast trinkt, ober noch weiter etngeschenkt haben will, behält er sein Schälchen" in ber rechten Hanb. Will er für weiteren „Mokka" danken, wackelt er mit der Tafle, worauf sie ihm ber Munbschenk abnimmt. • Welche Eigenschaften maß man haben, um ein guter Schriftsteller zu fein? Diese Frage richtete Camille Verguiol -vor Kurzem an eine Anzahl französischer Schriftsteller. In der Zeitschrift „La Quinzaine" veröffentlicht er jetzt die Resultate seiner Enquete, die viel Interessantes bieten. Nach Sully Prudhomme ist nur der ein guter Schriftsteller, der seine Sprache genau kennt, der Stil hat und der niemals durch eigene Schuld langweilig wird. Paul Hervieu drückt sich folgendermaßen aus: „Nach meiner Meinung beginnt diese Eigenschaft bei dem, der das rechte Wort am rechten Platze hat, u>d je „unvorhergesehener" diese» rechte Wort ist, desto besser ist der Schriftsteller. Doch ich will mich bestimmter ausdrücken: Ein guter Schriftsteller scheint mir der zu sein, der seinen Gedanken den besten Ausdruck verleiht, über den er verfügt. Ich fordere von einem guten Schriftsteller, daß er die Gemeinplätze verbanne und daß seine Sprache durchweg ein individuelles Gepräge aufweise." Marcel Prevost schreibt: „Für einen guten Schrift* steller halte ich den, bei dem Stil und Idee sich gleichen wie die 6eiben Glieder einer Gleichung. Oder wenn man eine weniger mathematische Formel haben will: den, bei dem der Stil ein gut passendes und durchsichtiges Kleid für die Idee ist." Maurice Barrös urtheilt: „Ich halte den für einen guten Schriftsteller, der mir etwas zu sagen hat. Das ist z. B. bei Auguste Comte der Fall, und ebenso waren Balzac und Stendhal gute Schriftsteller." Renö Doumic hat Folgendes zu sagen: „Ein guter Schriftsteller ist der, der den Sinn der Worte kennt. Um den Sinn der Worte im Französischen zu kennen, muß man 1. ein instinctives Sprachgefühl haben; 2. ein guter Lateiner sein und 3. keine fremde Sprache verstehen." (!) Auch Emile Faguet ist der Ansicht, daß ein guter Schriftsteller vor Allem den Sinn der Worte kennen muß. „Die Worte haben jedoch gewissermaßen einen „Durchschnittssinn", der so deutlich und so eng umschrieben ist, daß er keine Synonyma zuläßt. Diesen „Durchschritts, sinn" sindet nur der heraus, der die Sprache völlig beherrscht oder der einen gewissen Jnstinct für das Sprachrichtige hat. Jedermann, der die Werke einer solchen Schriftstellers liest, sagt sofort: das ist ein guter Schriftsteller, weil Jedermann angenehm überrascht ist von dieser vollständigen Abwesenheit jeder Amphibolie." Wer sich jetzt au» diesen verschiedenen Ansichten, die ohne Zweifel sämmtlich richtig sind, eine richtige 3dee von einem guten Schriftsteller bilden kann, verdient die aufrichtige Bewunderung aller Gebildeten. Da» ist der Nutzen solcher Umfragen. Wissenschaft, Literatur und Kunft. — Da» neueste (fünfzehnte) Heft der „Illuftrirteu Krauen- Zeitung" (Verlag von Franz Lipperheide In Berlin) enthält wiederum eine Reihe ausgezeichneter Nov Um und Aufsätze. Der Schluß der Novelle „Jan freit" von Luise Westkirch hält, wav der Anfang verfp ach, fie ist ein Cabinetstück deutscher Erzäblerkunst. „Frühreife und Wunder-Ktnder" von Santtältzroth Dr. W- No V bedien ist ein Aufsatz, der die Beachtung der Eltern unb Erzuher in hohem Maße verdient. .Ein Seher" von Ernst Müllenbach unb „Seltsame Frage" von Paula Winkler haben uns sehr getesielt: Ernst Müllenbach ist ja ein in weiteren Kreis.'n bekannter und be. Hehler Schriftsteller, Paula Winkler hingegen begegnen wir hier zum ersten Male, sie ist ein vielversprechendes Talent, das unbcbmgt seinen Weg machen wird. „Wer verbraucht mehr Straft in einer Stunde, der Fußgänger ober der Radfahrer, der Nadler oder die Radlerin?" von W. Bergmann löst eine Frage von allgemeinem Interesse, unb ber Artikel „Der Regen, ber regnet jeglichen Tag" ist leiber von actueHer Bebeutung, in ihm wirb versucht, dem Leser einen Begriff davon zu geben, wie viel Master in diesem Sommer auf uns heruntergeregnet ist. — Die künstlerische Ausstattung de» Hefte» ist wie immer muftergllttg. — Verkauf von Muukacfys Atelier. Vor einigen lagen hat man in Paris bas Atelier des ungarischen Malers Munkacsy verkauft. Das war für viele Pariser eine Gelegenheit, das prunkvolle Hotel der Avenue de Vtlliers wieder zu sehen, wo einst ber alte feurige Künstler so schöne Feste gegeben hat, die alle Welt entzückten, er, der nun in einer Heilanstalt seinem Tode entgegensrecht, er, der Schöpfer von „Christus vor PilatuS", der „Kreuzigung" unb von „Mozart auf bem Sterbebette". Bekanntmachung, betreffend: Absperrung der Wasserleitung. Wegen Einführung der Wasserleitung in die Hillebrandstraße sind wir genöthigt, nächsten Donnerstag, den 4. d. Mts, von Vormittags 8 Uhr bis gegen Mittag 11 Uhr, die Wasserleitung in der oberen Arankfurterstrafie (südlich der Wilhelm- ftratze), in der Hofmannstraße, der Klinikftraße, aus dem Mittelwege, sowie in der Zusuhrftraste nach den Jrreukliuikeu abzusperreu, was wir hiermit zur gefl. Kenntnißnahme der betreffenden Anwohner bringen. Gießen, den 1. August 1898. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Otto Bergen. 7706 Spar- und Jeihkafie Gießen. Wegen Herstellungen im Bureau bleibt unsere Kasse Mittwoch den IO. und Samstag den 13. August d. IS. geschlossen. Eilende Geschäfte wolle man daher noch in der laufenden Woche erledigen. Gießen, den 2. August 1898. 7737 Spar- und Leihkasse Gießen. Doering, Rendant. llchnnntniniljungen Bekanntmachung. Zur Beaufsichtigung städttscher Bauarbeiten bei Ausführung von Maurerarbeiten und Eut- Bvässeruugsaulagen werden tüchtige, Praktisch durchaus erfahrene Aufseher dauernder Beschäftigung gesucht. Meldungen sind unter Beifügung von Zeugnissen und Angabe des Lodnansptuchs bis zum 15. August b. I. bei unserem Actuariat „Am Schwimmbad Nr. 2" einzureichen. Frankfurt o. M, den 28. Juli 1898. 5672 Hochbauamt. in p fr hin urteil HimEiMcheii. 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