Nr. 53 Zweites Blatt. Freitag den 4. März _____________________1S0S Erscheint lägNch mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aamilleuökätter werben dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt. Gießener Anzeiger vierreNLbrlich 2 Mark 2« Hfg. monattich 75 Pfg. mit BrtnHerloha. Bei Prstbezng Mar? 50 Pfg. ierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für ben tfelgenbm Tag erscheinenben Nummer bi- Norm. 10 Uhr. Heneral-Anzeiger Alle Auzeigen-BermittlungSstellen bei An- und Auslaabel nehmen Anzeigen für icn Gießener Anzeiger -ntgegt«. Anrts- und Anzeigeblutt fiu* den Ktetf «evaetion, Expedition unb Druckerei: Kchnkßrntze Ar. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Adresse für Depeschen: Fernsprecher Nr. 51. Amttichrv Theil. Gießen, den 1. März 1898. Betr.: Den W'esengang. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen M» die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises. I *! Nach Art. 7 der Wtesenpolizeiordnung ist in diesem Monat der Wiesengang von den Wirsenvorständen unter Zu- zichung der Feldschützen und Wiesenwäcter vorzunehmen. ; Wir beauftragen Sre deshalb, dieselben hierzu baldigst aufzufordern und uuS die über den Wresrngang aufzunehmen- den Protokolle bis längstens 15. April d. Js. oorzulegen. In diesen Protokollen haben die Wieseuvorstäude, waS Sie denselben noch besonders eröffnen wollen, hauptsächlich folgende Punkte aufzunehmeu: 1) ob die Anordnungen, welche fie bei drm letzten Wiesen- gang getroffen haben, befolgt worden sind und welche nicht - 2) welche Anordnungen von den Wiesenvorständeu zur Beseitigung der bet dem diesmaligen Wreseugang vorge- sundeuen Mängeln von ihnen getroffen worden find oder vorgeschlagen werben,- hierbei wird den Wieseavorständen besonders empfohlen, ihr Augenmerk rameutltch auch auf die Reinigung der Wiesen von Gestrüpp, Gesträuch, MooS rc., auf die Entfernung der Herbstzeitlosen, deS ErdauSwurfS auS den Be« und EatwäffrrungSgräbeu, auf die Verebenung der Maulwurfshügel und dergleichen und auf die Unterhaltung der Be- und Erttwäfferungs- gräben zu richten und hierbei noch den bestehenden Bestimmungen zu verfahren - 3) BerbefferungSvorschläge in Bezug auf größere Wiesen- sturen, namentlich solche, zu deren Ausführung die Bildung von Waffergeuoffenschaften nach dem Gesetze vom 30. Juli 1887 über die Bäche und nicht ständig streßenden Gewäffer (Regierungsblatt S. 159) erforderlich ist. Zu Nr. 2 erläutern wir, daß Sie in der R gel, insofern kein besonderer Anstand vorliegt, jedem der betreffenden Wiesenbefitzer sprctell eröffnen wollen, welche Mängel der Wieseuvorstaud vorgrfundeu hat und daß diese Mängel binnen der vom Wiesenvorstavd za bestimmenden Frist so grw.ß zu beseitigen wären, al» sonst die nöthigen Herstellungen auf Koste» der Säumigen angeorduet würden. Nach fruchtlosem Ablauf der gesetzten Frist wollen Sie nach Anhörung des Wtesenvorstandeö weitere Anträge stellen. Jedenfalls sind die von Ihnen getroffenen Anordnungen in den von Ihnen eiuzuseudenden Protokollen einstweilen zu erwähnen. Daß Protokoll über den Ruudgaug ist von allen Theil- nehmeru zu unterzeichnen. War ein Mitglied des Wiesen- Vorstandes verhindert, am Rundgauge Theil zu nehmen, so ist dieses am Schluffe des Protokolle« zu bemerken. Sollte der W esenvorftaud, der außer dem Großherzoglichen Bürgermeister oder Beigeordneten, mindestens noch aus zwei OctSetuwohnern, welche Wiesen besitzen oder solche zu benutzen oder zu verwalten haben, bestehen soll, nicht mehr vollständig sein, so wollen Sie den Gemriuderath wegen Ergänzung deS Wiesenvorstandes vernehmen und uns die Anträge des Grmetnderathe» in besonderer Verhandlung vorlegen. v. G a g e r n. Bekanntmachung. Die Maul- und Klauenseuche ist nicht, wie in unserer Bekanntmachung vom 22. d. MtS. — Gießener Anzeiger Nr. 46 — angegeben, in Oberbiel, sondern in Niederbiel, Kreis Wetzlar, auSgebrochen. Gießen, den 28. Februar 1898. GroßherzogltckeS KreiSamt Gießen. v. Gagern. Zur Lage in Oesterreich. Am Donnerstag, wenn diese Zeilen unseren Lesern vor- liegeu, soll nach einer neueren Meldung daS Verbot deS Farbentragens für die Deutschen Böhmens aufgehoben werden und darauf die neue Sprachenverorduung zur Veröffentlichung gelangen. Mau darf gespannt sein, wie sich dann die Dinge in dem benachbarten Kaiserstaate weiter eutw ckrlu werden. Die Aufhebung deS Verbots des FarbenlragrnS dürfte die Herbeiführung geregelter Zustände an den Hochschulen Oesterreichs unmittelbar zur Folge haben, während die Wirkung der neuen Sprachenoerordnung noch sehr zweifelhaft ist. Der Ausgleich tu dieser Beziehung ist uoch schwieriger als die Verständigung Oesterreich» mit Ungarn, da bet der letzteren nur materielle Juterefleu auf drm Spiele stehen, während bet ersterem uattouale Eifersüchteleien tu Frage kommen. DaS Ministerium Gautsch wurde bekauntlich schon tu weiten Kreisen zu den Tobten gezählt- aber neuerdings wird ja versichert, an eine» CabtuetSwechsel sei nicht za denken. Wir haben ja bereits unserer Anstcht dahin Ausdruck gegeben, daß wir dem Freiherrn v. Gautsch keinerlei Schuld au den heutigen Zuständen in Oesterreich beiweffen- denn er hat die letzteren als Erbe von setoem Vorgänger übernommen. Jedoch hätten wir gewünscht, der neue Ministerpräsident würde ziel- bewußter und eurrgtscher vorgcgaugen sein. Im Urbrigen liegt daS Usbel nicht an einer Person, sondern in den Ber- hältniffen, die seit Jahren herangeretft find. Mau müßte sich immer vergegenwärtigen, daß noch vor wenigen Jahren die Czechen isolirt daftanden und lauge nicht solche Forderungen erhoben hätten wie heute. Aber seitdem ist die Autonomie aller Provinzen als Parole auSgegebeu worden, wodurch auch den Czechen der Kamm geschwollen ist. Die Forderungen der letzteren auf da- richtige Maß zurückzusühren, wäre eine Hauptaufgabe de» Freiherrn v. Gautsch gewesen, die er aber btS jetzt noch nicht gelöst Hot Wie weit die Berhältuiffe gediehen find, wird am besten dadurch illustrirt, daß die deutschen Abgeordneten den böhmischen Landtag verlaffen haben. Nun hat die czechische Majorität genügend Spielraum für ihre Bestrebungen, denen bisher die Wiener Regierung so geringen Widerstand entgegengesetzt hatte. Und eS waren vitale Jnterrffen, welche im böhmischen Landtage zu vertreten waren, seitdem die parlamentarischen Zustände tu Oesterreich eine Unterbrechung erfahren haben. Denn nach dem im Wiener Abgeordnetenhause mit solcher Rücksichtslosigkeit geführten Kampfe war der Schwerpunkt des NattovalitätenstreireS in Oesterreich, da» Aufbäawea der Deutschen gegen die Vergewaltigung durch kulturell viel niedriger stehende Völkerschaften in den Prager Landtag verlegt worden. Im Uebrigen ist eS nicht doS erste Wal, daß die Deutschen den böhmtichea Landtag,verlaffen, da» war schon in den Jahren 1871 und 1886 geschehen, ohne daß dieser Vorgang bedenklichere Folgen für die Gesammt- monarchte gehabt hätte, und so läßt fich denn auch hoffen, daß diesmal der Schaden ebenfalls nicht größere Dtmenfionen auyimmt, aber mit wachsender Sorge muß mau die systematische Unterd ückung beobachten, der unsere Landsleute ta Oesterreich ausgesetzt sind. Noch immer ist die Frage unentschieden, wie die Regierung fich zu dem demnächst wieder zu eröffnenden RetchSrath stellen wird. Daß fie auch künftig in so ungerechtfertigter Weise für die Czechen eiutreten sollte, wie Graf Badeui dir» gethan hat, ist wohl nicht zu denken, aber man muß immer befürchten, daß die Obstruction von Neuem beginnt, entweder feiten» der Deutschen oder Czechen. Letztere werden ficherltch oppontreu, wenn die Regierung den ersteren allzu weitgehende Coucefftouen machen sollte. Lc«M«ton. Frankfurter Bries. (Originalbericht für den .Gießener Anzeiger*.) (Nachdruck verboten.) „Ingo", Oper von Beruh. Scholz. — Im Schneider scheu Knnstsalon. — Sine Imbißhalle auf dem Xheaterplatze. Dr. M. Bernhard Scholz, den wir am meisten al» stimmungsvollen Compouisten des weihevollen Schiller- scheu „Stegesfestes" im Gedächtniß haben, hat den Muth gehabt, mit seiner neuen Oper, die vergangenen Sonntag tu Frauksurt ihre erste Aufführung erlebte, gleichsam gegen den Strom zu schwimmen. Denn wie kösnte mau wohl anders rin Compofitionsverfahren bezeichnen, baß nicht nur mit Absicht auf die fiauenfälligen Wirkungen der jüngsten Schule verzichtet, sondern auch die von Wagner gewiesenen Bahnen, hinsichtlich der Behandlung deS Orchesters, thuulichft vermeidet. Bernhard Scholz ist der Anficht, daß der Zuschauer und auch der Zuhörer im Theater unwillkürlich seiue Blicke in erster Linie nach der Bühne richtet, im Glauben, daß dort die Hauptsache vor fich gehen wüffe, während daS Orchester nur als zweiter Factor tu Betracht kommen könne. Ja diesem Glauben fieht Scholz da-s einzig richtige künstlerische Priuctp und möchte e» für sein Theil auch wieder in Anwendung gebracht w'ffev, indem er da» von Wagner gänzlich verschobene Verhältntß auf die frühere Rangordnung zurückführt und den Ttugstimmen ihre einstige, domtutrende Bedeutung giebt. Käme e» in der Kunstwelt wesentlich auf einen Kampf der Theorien und Prtucipten an — mau vermöchte in der That nicht etuzusehen, weßhalb nicht Scholz seine Anficht zu ebenso durchschlagendem Stege und Erfolg bringen sollte, wie einst Richard Wagner die entgegengesetzte. Aber in Wahrheit verhält e» fich damit doch anders. Nicht 'Theorien find e», die mit Theorien streiten, sondern die Werke, die miteinander in Wettkampf treten. Das Werk redet für fich in erster Linie. Bricht eß fich Bahn, so ist damit auch der Theorie, die ihm bewußt oder unbewußt zu Grunde liegt, zum Stege verholfeu. Niemals aber umgekehrt ! Nicht die Logik gibt den Ausschlag, sondern die Erfindungskraft, daß fortreißende Künstlernaturen drß Schöpfer». „Ingo" von Bernhard Scholz — der Text ruht auf dem bekannten Frehtag'schen Roman — ist ein edel empfundene» Werk, dnrchauß keine Kopfmufik, da» fich an einzelnen Stellen zu tiefer Empfindung erhebt — aber, ob e» im Stande sein wird, dem theoretischen, drm ästhetischen Standpunkt seine» Urheber» weiter reichenden Einfluß auf die musikalische Bewegung unserer Tage zu verschaffen, muß doch vorerst in Frage gezogen werden. Al» willige und fähige Kunstgeuoffen standen den Ab fichten de» Compouisten zur Seite die Jahaber der Haupt- Partien : Herr Gieß wein als »Ingo", Frau Ende- Andrießen al» „Königin", Frau Jäger al» „Irmgard" und Herr RawiaSkh al» „Volkmar". Im Schoeider'schen Kunstsalon treffen wir augenblicklich Werke, deren Urheber bet uu6 in Deutschland erst tu den letzten Jahren zur gebührenden Schätzung gelangt find, wie z. B. der Belgier Constantin Meunter, deffen Name« hauptsächlich die Dresdener Internationale in weitere Kreise getragen hat. Von der Antike und ihrer harmonischen Formensprache hat dieser Künstler seinen AuSgang genommen und hat dann Pinsel wie Meißel in den Dienst der Wirk- lichkeit und ihrer strengen Anforderungen gestellt. Aber Meuniers Bilder und Skulpturen sind nicht nur wirklich, fie find auch wahr, innerlich wahr und in ihrer schlichten Herbheit ergreifend. Meunier» nnerschöpfl che» Thema find die Menschen der Arbeit, der harten Frohn, welche die Hände schwielig macht, vorzeitig den Nacken wölbt und die Gesicht»- linien surcht. Auf eine oder die andere Weise kehrt da» ArbeitSmotiv in seinen Schöpfungen immer wieder, sei e», daß ei an einem Lastträger, einem Bergarbeiter oder Pflästerer zur Anschauung gebracht wird Auch die bei Schneider ausgestellten Broucen („Debardeur* — „Mineur“) gehören in diese Klaffe. Beim Anblick der Meuuier'schen Lastträger unb Grubenleute spürt mott so etwas wie einen Hauch vom Geiste beS Zola'scheu „Germinal". Aber auch an einen anderen Dichter fühlten wir uns gemahnt, al» wir im Sommer in Dresden und gestern bei Schneider in die Werkstatt de» belgischen Künstlers schauen durften: an Hartwig Köhler, den Säuger Oberschlefien», der für besten Schlote, Hochöfen und Gruben da» nämliche Heimathßgefühl hegt, welche» den Belgier immer von Neuem in diesen jAuschaunngSkrei» zieht: „Dort ist mein Heim und meine Welt, Wo Arbeit wohl gelingt,! Doch eine Menschheit arm und blaß UmS Dasein schafft und ringt. Im beißen Schweiß deS Angesichts Muß effen fie ihr Brod Unb kämpfen einen Riesenkampf Mit ihrem Erbfeind Noth." In Franksurt hat fich seit SamStag am Theaterplatze ein neue» Etabliffement aufgethan, eine sogenannte Jmbih- halle (Gebr. Schäfer), wo polnischer Salat, Majounaise u. dergl. in kleinen Portionen ä 30 Pf. und appetitlich belegte Brödchen L 10 Pf. verabreicht werden. Dazu fließt au» drei Krahnen der edle Gerstensaft: Pilsener, Löwenbräu und Export-Union, daß Glas zu 15 Pf. Stühle gibt es tu der Halle nicht, auf daß die Gäste möglichst rasch einander ablösen können. Von 9 Uhr Morgen» bi» 12 Uhr Mitternacht ist da» Etabl'ffement geöffnet, da» infolge seiner günstigen Lage leicht dem Foyer im Schauspielhanse (Son* currenz machen dürfte unb namentlich allen Fremden empfohlen werden kann. Daß die Forderungen der Czechen mit der Zeit immer gröber werden und schließlich auf die volle Selbstständigkeit Böhmen» unter dem Kaiser Franz Josef al» König hinaus» laufen, haben wir bereit» mehrfach ausgeführt. Vorläufig aber kann al» Absicht der Tzechen die bezeichnet werden, den Freiherrn v. Gautsch, der sich doch nicht als ihr gefügige» Werkzeug in dem Maße gezeigt hat, wie e» Graf Badeui war, zu stürzen. Au» diesem Grunde werden der Regierung alle möglichen Verlegenheiten bereitet. Ob da» Jubiläumsjahr der österreichischen Monarchie den inneren Frieden bringen wird? Wir glauben e» nicht. (xx) Deutsches Reich Berlin. 2. Mürz. Die Kaiserin ist von ihrer leichten Erkältung noch uicht völlig wieder hergestellt und wird sich «och einige Zeit Schonung auferlegen müsien. Bon dem Aufenthalt im Süden, der in Aussicht genommen war, ist dem ^Local Anzeiger" zufolge Abstand genommen worden. Anderweite RetsediSpofitionen find noch nicht getroffen. Berlin, 2. März. Minister Thielen hat hente bereit» wieder das Bett verlassen. Berlin, 2. März. Im Abgeordnetenhause wurde heute die Novelle -um Eentral-GenaffenschastSkaffeu-Gesetz definitiv angenommen und sodann tu die zweite Lesung der Hochwasiervorlage eingetreten. § 1 derselben, in welchen die Eornmisfion einen Zusatz ausgenommen bat, daß die zur Verfügung gestellten fünf Millionen im Bedarfsfälle bi» auf zehn Millionen erhöht werden kann, gelangte fast einstimmig in der SommisfionSfassung zur Annahme. Desgleichen der Rest der Vorlage. Morgen AusiedelungSgesetz und An- si, delungsetat. — Den Rückgang des DeutschthumS in Amerika characterisirt ein Newyorker Berichterstatter der ^Flkf. Ztg." wie folgt: „Da- btrstge deutsche Theater geht hüben Zeiten entgegen und sein Fortbestand scheint in Frage zu stehen. Für unfern Kunsttempel ist William Stetuway viel zu früh gestorben. Seit 1886 hatte er für die deutsche Kunst in hiesiger Stadt in jeder Saison pecuniäre Opfer gebracht, wie kein anderer Kunstfreund e» je gethan hat in Rew Uork. Bis Mitte der achtziger Jahre stand das Theater auf eigenen Füßen, im letzten Jahrzehnt hat sich die Lage desselben aber von Jahr zu Jahr verschlechtert und nur dem thatkräftigen Eingreifen deS Genannten war e» zu danken, daß es überhaupt noch besteht. Die Ursachen de» Rück» gange» sind nicht wett zu suchen. DaS hiesige Deutschthum hat nicht mehr den Eharacter von früher, sein Gepräge ist ein ganz andere» geworden. Dir ältere deutsche Generation, die zum großen Thetle 1848 und in den zehn bi» fünfzehn daraussolgenden Jahren nach Amerika kam, bleibt der deut- scheu Kunst treu zugethan, wie das ja bet dem Eharacter dieser Einwanderung sich von selbst versteht, der jüngere Nachschub ergiebt sich hingegen der bterfroheu, aber sonst öden Vereinsmeierei. Drei viertel oller deutschen Vereine tu hiesiger Stadt sind in den letzten fünfzehn Jahren ge» gründet worden. Der ^Niedergang deS DeutschthumS" macht sich auch auf andern Gebieten deS deutschamerikanischen Leben» bemerkbar. Die bessere deutsche Presse hat einen schweren Kampf mit Sensation»• und Scandalblättern zu bestehen, die deutschen Buchhandlungen klagen über den Rückgang der Kundschaft und von den deutschen Unterrichtsanstalten geht alljährlich ein großer Proccntsatz ein. Im letzten Jahre ist die Mttgliederzahl der .Deutschen Gesellschaft von 1181 auf 1186 gefallen. Die Achtundvierziger und ihre Geistesverwandten sterben eben au», und zwischen ihrem Streben und ihren Zielen und denen der neuen Einwanderer besteht eine unüberbrückbare Kluft. — Herr Heinrich Conried, der Dtrector des deutschen Theaters, will übrigen» noch einen letzten Versuch machen, die deutsche Kunst in der Stadt, die in Bezug auf Einwohnerzahl al» die dritte deutsche Stadt der Welt gelten kann, vor dem Untergang zu retten. Er will das Theater nämlich weiter „uptown*, d. h. in die besseren WohnungSviertel verlege» und verspricht sich von der Ausführung dieses Vorhabens ein neues Aufleben deS Feuilleton. Der Garten im Mär). Bon I. 6. Schmidt, Kunst« und Handelsgärtner, Erfurt. (Nachdruck verboten.) Die Knospen schwellen ringsumher in scheuer Frühlings- ahnung. Die Sonne umschmeichelt mit ihren Strahlen länger inib länger Baum und Strauch. Dem linden Winter scheint ein zeitiger Frühling zu folgen. — Und doch giebt es nichts Bangeres als die Zukunft. Kann doch ein einziger unvorhergesehener 'Nachtfrost die ganze ausquellende Herrlichkeit zerstören. Darum liegt ein so unendlich rührender Reiz in der Knospe — wie in dem Auge eines Kindes Bald nachdem von den Frühlingsbeeten die Decken entfernt wurden, beginnen sich die schon allenthalben unter ihnen au» dem Boden heroorgebrochenen Triebspitzen der Blumen« zwiebeln^ saftig grün zu färben und wenige Tage später blühen Schneeglöckchen, Schneestolz, Meerzwiebeln und Safran. Auch auf den mit zweijährigen Gewächsen und Stauden bepflanzten Beeten beginnen sich die ersten Blumen, Stief. Mütterchen und Gänseblümchen, zu unserer Freude zu entfalten. All diesen kleinen ersten Blüthen, die uns von Neuem den Beginn der Gartenfreuden künden, wenden wir unsere besondere Sorgfalt zu und wir bieten Alles auf, um sie durch Instandsetzung de» Gartens zur rechten Geltung gelangen zu lassen. Gehölzgruppen werden gegraben, Rasen- flächen abgeharkt, überflüssige Bedeckungen entfernt, die Schlingpflanzen an Lauben und Spalieren angehestet und die Wege in guten Zustand versetzt. Wo noch Lücken vor- Händen sind, füllen wir sie durch Neupflanzungen aus. Institut». Herr Conrted, der am 23. d. M. sein 25 jährige» Schauspieler-Jubiläum feiert, hätte wohl verdient, daß^dtefe Hoffnung in Erfüllung gehe. Arr-laud. Prag, 2. März. Die. Regierung-Verfügung betreffend Aufhebung de» Färb en trage »verböte» ist bereits hierher gelangt und wird morgen amtlich publicirt.^ .r) Prag, 2. März. Im Landtage theilte der Oberlandmarschall mit, daß infolge kaiserlicher Entschließung der Landtag heute geschlossen wird. Pari», 28. Februar, lieber eine royalistische Kundgebung wird uns gemeldet: Vor der Versammlung bei Vereins der könig-treuen Jugend hielt Herzog de Luyne», der Vertreter Philipps d'Orläan», gestern in Blois eine politische Programmrede, in der er im Namen deS Thron- sordererS folgende Erklärungen abgab: §ES gibt zu viel Leute guten Glauben», sie besorgen, daß die Versöhnung zwischen Volk und König sich nicht vollziehen könnte, »hue 0*6 da- Köuigthum mit alle» erworbenen Freiheiten aufräumte und an die Ueberlieferungen von der Zett vor der Umwälzung anknüpfte. Aber baß Königthum wäre, wenn auch langsamer, doch sicher von selbst zur Freiheit, Demokratie und Gleichheit gelangt. Da» Kaiserreich war kein Abenteuer, die Rupublck ist kein Zufall. Glauben Sie denn, daß der König von Frankreich, und wäre sein Ansehen noch so groß, auf die erworbenen Erfahrungen verzichten, sich der Geisteskräfte berauben könnte, die unter der Republik entstanden und sich entwickelten? Hat nicht selbst in Deutschland, wo da- Prestige der Kaisergewalt den Willen der Völker noch beherrschen könnt?, die Volksvertretung häufig baß letzte Wort in allen Angelegenheiten? ES wäre unmöglich, mit einem Schlage eine Regierung, eine Verwaltung, ein Am'.Spersonal, eine Diplomatie zu schaffen. Seien wir ehrlich genug, e» zuzugeben: wir sind so lange von den Staatsgeschäften entfernt, daß es uns schwer fallen würde, sie allein zu lenken. Keiner von un» würde sich also wundern, wenn der Fürst sich nicht auf unß beschrankte, sondern schon heute entschloffen wäre, alle Männer guten Willen» um sich zu schaaren, die glücklicher al» wir in der Lage waren, in der Verwaltung, Politik, Diplomatie und selbst im Parlament ihre Gaben in den Dienst btß Vaterlandes zu stellen. Der Herzog von Orleans will nicht König einer Partei sein, sondern al» Schiedsrichter und Beschützer der Freiheit über allen Parteien stehen." — El scheint zunächst sehr fraglich, ob selbst die König-treuen in Frankreich noch geneigt sind, in dem Prinzen von Orleans, dem anscheinend alle Thatkraft abgeht, den Retter keß Vaterlandes zu sehen I Krakau, 2. März. Bei der gestrigen Theateraufsührung „Daß neue Ghetto" von Herzl fanden antisemitische Demonstrationen statt. Mehrere Demonstranten wurden polizeilich bestraft, einige Hoch-und Mittelschulen werden von den Schulbehörden zur Verantwortung gezogen werden. Athe», 2. März. El ist nunmehr confiatirt worden, daß do» Attentat auf den König von einer Verschwörer- bände, bestehend aus unzufriedenen bürgerlichen und militärischen Elementen, seit langer Zeit geplant und vorbereitet war und daß Karditzi und seine Genossen nur deren Werkzeuge waren. Die Polizei soll bereits sämmtliche Mitglieder der Bande verhaftet hobssn. Man erwartet demnächst noch eine große Anzahl von Verhaftungen. Ctcetoe ttnb prwhiieflci. Gieße», den 3. März •• Damen im Postdienst. Die Zulassung weiblicher Personen für den Post- und Telegraphendienst ist nun« mehr von dem Staatafecretär de» Reichs Postamts verfügt worden. Bei Postämtern dritter Klasse können Frauen und Mädchen jeden Alter» al» Postgehilfinnen eingestellt werden. Sie werden für den Post- und Telegraphendienst vollständig ausgebildet und können somit bei den Postämtern geringeren GeschäftSumfange- al- Ersatz für Postgehilfen angesehen werden. Auch die Frauen und Töchter der Postverwalter Auch im Obstgarten können etwa im Herbst versäumte Pflanzungen jetzt nachgeholt werden. Apncosen, Pfirsich- bäume und Weinstöcke befreit man von der Schutzdecke, schützt aber Apricosen und Pfirsiche durch leichte Hüllen noch vor der Einwirkung der Sonne, um vorzeitiges Blühen zu ver- hindern. Veredlungen werden im Freien ausgeführt; der Obstbaumschnitt wird beendet, Überwinterte Topsobftbäumchen bringt man in's Freie. Wenn die Märzstürme durch den Garten blasen und den noch kahlen Bäumen die Kronen gewaltig schütteln, so muß man Nachsehen, ob bei den jungen Säumen auch überall die Pfähle noch in guter Beschaffenheit sind Werden auch die Pfühle vor dem Setzen, soweit sie in die Erde kommen, angekohlt, so faulen sie dennoch im Verlaufe weniger Jahre und erfüllen bann ihren Zweck nicht mehr. Gewöhnlich brechen diese angefaulten Pfähle auch dicht Über der Erde ab, in welchem Falle man sie durch neue ersetzen ober frisch anspitzen muß, dann sind sie aber für den Baum, welchem sie vorher zur Stütze dienten, zu kurz geworden. Ist der Pfahl in der Erde noch nicht völlig durchgefault, so kann man ihm einen Hilfipsahl geben, indem man ein neues Stück, welche» unten angespitzt und oben abgeschrügt ist, dicht neben thn einschlägt und durch Einklopfen einiger dicker, langer Nägel die Verbindung herstellt, und dem alten Pfahl so einen tüchtigen Halt schafft. An diesem Pfahl hat nun der Baum nach wie vor eine feste Stütze, die nun wieder auf mehrere Jahre hinaus ihren Zweck erfüllt. Im Gemüsegarten werden die früher gegrabenen und gedüngten Beete geharkt, eingekeilt, mit überwinterten Setz- lingen bepflanzt ober mit Samen bestellt. Man gräbt jetzt bie verschiedenen Gehölzgruppen, theilt und pflanzt staudenartige Gemüse frisch, reinigt und gräbt Erdbeer und Arti» könne« al» Gehilfinnen angenommen werben. Die Beamtinnen sollen Tagegelber erhalten, bereu Höhe sich nach ihrem Dienst- alter richtet, unb bie bi» zu einem Jahre»betrage von 500 Mk. steigen können. Bei Postämtern erster Klaffe unb bei den Ober-Poftbirectionen sollen Damen vorzugsweise im Kanzlei- bienst beschäftigt werben, eS tst habet zur Bedingung gestellt, baß fie bie Bedienung der Schreibmaschine erlernen. E» ist aber nicht au-geschloffeu, daß sie auch in den Postanweisungs- Rechnungsstellen, und an den Postschaltern Verwendung finden. Diese Beamtinnen werden, ebenso wie jetzt die Fernsprech- Gehilfinnen, zunächst Tagegelder beziehen und später etatsmäßig angestellt werden. Da» Gehalt beträgt bekanntlich jetzt anfänglich 1100 Mark und steigt in zwölf Jahren bis 1500 Mark, wozu noch der bestimmungsmäßige WohnungSgeldzuschuß kommt. Diese Kategorie von Beamtinnen sollen al» Telegrapheu-Gehilfinneu auch bei Telegroptzeuämter» im Apparatdienst Verwendung finden. DaS Höchstmaß der wöchentlich zu leistenden Dienst- stunden ist 49; Nachtdienst ist ausgeschlossen. Für die Damen, denen eine AnstcllungSberechtigung zuerkannt werden soll, ist eine Altersgrenze festgesetzt; sie dürfen nicht unter 18 unb nicht über 30 Jahre alt sein. Die Vorbedingungen für die Annahme als Poftgehilfinneu sind im Wesentlichen dieselben, wie für die Annahme als Fernsprech-Gehilfiuneu: Die Damen wüsien richtig Deutsch lesen und schreiben können, sittlich tadelfrei dastehen und aus achtbarer Familie stammen; fie müsien an ihrem BeschäftiguogSorte Familienanschluß haben unb vor allen Dingen eine gute Gesundheit besitzen. r. ©runberg, 2. März. Die Theiluehmer deö von Setten der Stenographengesellschaft ,®abeUberget* von Gießen dahier abgehalteneu UuterrichtScursu» in der Gabelsberger'jchen Stenographie schloffen sich am SamStag den 26. Februar zu einem Stenographeuverein .Babelsberger" zusammen. Dem Vorstand de» 17 Mitglieder zählenden Verein» gehören an: Herr Felkbacher al» Vorsitzender und Schriftsührer, Herr Schmierer als Casstrer und Herr Emmel al» Bibliothekar. □ Darmstadt, 2. März. Nach mehrtägigem Leiden starb heute an Bauchfellentzündung der ehemalige Sabinet»- rath deS Prinzen Alexander von Battenberg (de» ehemaligen Fürsten von Bulgarien), Geh. Finanzrath Ludwig Menge». Er hat dem prtnzlichen Haufe lange Jahre pflichtgetreu und gewiffenhaft gedient und war wegen seine» bescheidenen, stillen Wesen» und besten Charakrereigen- schäften In weiten Kreisen hochgeschätzt unb beliebt. Der verstorbene, dessen Sohn CabinetSrath deS Prinzen Ludwig von Battenberg ist, hat ein Alter von 87 Jahren erreicht. Warm», 1. März. Die Eheleute Guyot von hier haben zum Andenken an ihren verstorbenen Sohu der Stadt Worm» ein Geschenk von 5000 Mk. gemacht unter der Bedingung, daß von den Zinsen diese» E*pitalS ein talentvoller unbemittelter Studirenoer der Rechtswissenschaft ober dec Malkauft unterstützt werden soll. Griesheim, 26. Februar. Grobe Ausschreitungen liehen sich am Dienstag Abend Angehörige des Wacktcom- manbo» vom Übungsplatz zu Schulden kommen. Dieselben, größtentheil» den Feldarrillerie-Regimentern Nr. 11, 14,25, 27 und 30 angehörig, befanden sich im Gasthaus „Zum Grünen Laub", al» der Polizeidiener Funk kam und Feierabend gebot. Hierüber erbost, wollten sie auf der Straße den Beamten mißhandeln, doch gelang e» diesem, sich tu Sicherheit zu bringen. Im Gasthaus „Zur Harmonie" schlugen sie hierauf mit ihren Säbeln Fenster ein und mißhandelten alle Personen, die ihnen in len Weg kamen und nicht schnell genug flüchtig gingen. Schließlich gerieten sie selbst untereinander tu Streit unb schlugen einen der Ihrigen so, daß er an der SchasSgasie liegen blieb. Als der Schneidermeister Rühl in der Hahlgaffe sich gerade auf dem Wege nach Hause befand und fie aufforderte, sich doch ihre» Ramt- radeu anzuuehmeu, versetzte einer der rohen Patrone demselben mit dem Säbel einen Hieb quer über da- Gesicht, sodaß da» eine Auge vollständig verloren ist. Sodann sielen sie über einen jungen Mann her, der ihnen in den Weg kam, ■L'" ■ schokenbeete unb bringt bie Spargelpflanzungen in guten Zustanb. Auch Erbsen werben jetzt gelegt. Die Gemüse- treiberei, namentlich bas Treiben von Gurken, Kohlrabi, Salat, Radi s, Rettigen unb Kartoffeln ist jetzt schon in vollem Gange In allen Ecken unb Enben finden wir jetzt Arbeit in Hülle und Fülle unb wir müssen fie immer rechtzeitig ausführen, wenn früher Ertrag bie Mühe lohnen soll. Verschiedene Gemüsea.ten köunm jetzt gleich bahin gefäet werden, wo fie. ohne vorher verpflanzt zu werden, ihre vollständige Entwickelung erlangen sollen; es find die» solche Arten, die meist keinen frisch gedüngten Boden erfordern. So säet man Zwiebeln, die schmackhaften, bei uns aber leider noch nicht genügend gewürdigten Schwarzwurzeln, ferner bi» langsam keimenden Möhren, Mairüben, Radies, dann Petersilie, Porree. Salatrüben und Andere mehr. Die Aussaat dieser Gemüse erfolgt meist breitwürfig, indem man mit der rechten Hand die Samen gleichmäßig ausstreut. Früherbsen zum Marktverkauf heranzuzrehm, ist ein sehr lohnender Artikel für kleinere und mittlere Landwirthe, di» in der Nähe größerer Städte wohnen. Wer über ein ge» schützt gelegenes Grundstück mit nicht zu kaltem Boden verfügt, der drille möglichst jetzt schon, wenn ee die Witterung erlaubt, auf 8 Zoll Rethenentfernung 90 Pfd. Erbsen auf den Morgen derartig, daß die beiden Seidevtrichter einer zwei Meter-Maschine zugcschoben werden, wodurch Beete von sieben Reihen unb Wege von zwei Fuß entstehen. Bald nach Aufgang wirb gehackt unb vierzebn Tage danach nochmals. Die beste unb früheste Sorte ist „Caractacns“, bieselbe trägt sehr reich, wird nur ca. 2 Fuß hoch unb braucht folglich nicht gestengelt zu werben. Die frühesten Erbsen werben auf den Märkten stets gut byahlt unb frnb Erträge mit 100 Mark Ueberschuß auf ben Morgen keine Seltenheit. 'M«« stuft, ‘»«BOOto fr » tri 3e lm Met- ! "9“”8 S-sl-It, Wtnitt. (hm ■Ä r< »’iu m ,en* Btttoenbunn lrtstudill Dienst, Ar dir Davlo, t werbm soll, ist unter 18 unb jungen fßi btt ltltcheu bieselben, 8tD: Die Damen 1 können, Mich stammen fie teuanichiuß haben t besitzen. itr b(8 von Listen 6 von Gießen ha« Gabelrbrrgtt'jchen den 26. Februar Babelsberger^ tglieder zLhlenben $ Vorsitzender und : und Herr Smmel hrtägigem Leiden emalige Labtnett« j (bt8 ehemaligen -irath Ludwig nse lauge Jahre unb war wegen in Lharaklereigen« beliebt. Der Ber« ringen Ludwig von reu erreicht. Guyot von hier i Sohn der Stadt cht unter der Bk- iS eia ta/eotvoller ufttyift oder der rSichrrUuvgen brs Wattcom« mmeu. Dieielden, -nNr.U, 14,25, l Sasthaut „8um ü! kam und Feier- Rt auf der Straße er diesem, fW ™ Qnt Halmouie js * «* * ;g Bl« W“ ”, *«b«3W- Als berSchuetdkl' >be aus dc« Wrse i do» ih«S KM- ohen ihr »«« ®* Sodann steten -4^ '^"bwÄ‘ bn ajetn« di' ««d^, d" yffgat * ® „it W i«bi® »ß< i6 ei«# llcrt U , ei» 9^ falt«®9?, erto* ie®Äf d>» ;Ä'tS ijjij And brachten ihm durch Säbelhiebe schwere Verletzungen am Kopfe und au der linken Hand bei. Als die Zahl der Civi- listen, die der Streit herbeilockte, immer größer wurde und den Txcedenten scharf auf den Leib rückte, machten fie sich aus dkm Staub, konnten aber doch nicht verhindern, bu| einem der Ihrigen Mütze und Säbel abnenommen wurden, die zur Grvptttluva der Tbät-r geführt baden.______________ Vermischtes. • Hildesheim, 27. Februar. Bor dem Schwurgericht stand die Fran eine» Gasthofbefitzers in Goslar unter der Anklage des Mordes. Sie hatte am 9. December v. I. in höchster Erregung über den Rückgang ihre- Geschäftes, in dem Augenblick, als ihr ein Prantno gepfändet werden sollte, ihr vierjähriges Söhnchen erschoffen und fich daun selbst lödten wollen. In der Verhandlung ließ der Staatsanwalt die Anklage auf Mord fallen und stellte die Schuldfrage auf Todtschlag und Zubilligung mildernder Umstände. Die Ge- schworenen verneinten die Schuldfrage, worauf Freisprechung «folgte. * Hasselfelde (Oberharz), 28. Februar. Unter den Schulkindern ist die Genickstarre auSgebrocheu. Die Schule wird vorläufig auf 14 Tage geschloffen. Eine Knabe ist an der Krankheit gestorben. * Mailand, 1. März. In dem Schnellzuge Ventimiglia- Genua wurde gestern eine Engländerin, Miß Burkoy, angefallen, beraubt und aus dem Zuge geworfen. Von den Thätern fehlt bisher jede Spur. * Der überlistete Betrüger. Der Betrüger Kling, der « Paris verhaftet worden ist, wohin er sich mit 60 000 Mk. ans Straßburg geflüchtet hatte, ist der Polizei auf seltsame Weise in's Garn gerathen. Der dreiste Mensch verkehrte ganz ungezwungen in deutschen Bierlocalem So bevorzugte er, wahrscheinlich au» freundlicher Erinnerung an seinen Straßburger Brodherrn, dem er die 60000 Mk. Reisegeld gestohlen hat, ein Local am Boulevard de Straßbourg. Dort bemerkten ihn einige Civil - Schutzleute, nahmen, da sie ihn erkannten, in seiner Nähe Platz und beobachteten ihn. Sobald fie ihrer Sache ganz sicher waren, nahm der eine der Schutzleute beim Weggehen den Ueberzieher des Kling von dem Haken — und riß damit aus. Kling ihm nach, und ebenso mehrere andere Personen, darunter der zweite Schutzmann. Alsbald hatte der Letztere seinen College» am Kragen, der fich wüthend wehrte und sein Etgenthumsrecht behauptete. „Das werde ich Ihnen gleich beweisen, Sie Lump, elendiger," schrie Kling, nahm seinen Ueberzieher und wies auf eine Inschrift am Kragen hin. ,Da, hier steht'S: August Mühl- cher, Schneider, Straßburg." „Gewiß," sagte nun Schutzmann Zwei, „der Ueberzieher ist der Ihre, und Sie können nur gleich mit zur Wache kommen, Monsieur Kling aus Straßburg, denn wir haben Sie schon seit ein paar Tagen erwartet." Entsetzt starrte Kling auf die Beiden, die ihm im Nu die Handfesseln anlegten und ihn abführten. • Zu Klondyke ist wieder eme Anzahl von Goldgräbern durch Hunger und Frost umß Leben gekommen. In Dy?a erfroren zehn, in Skagway fieben Goldsucher, denen es an Nahrungsmitteln und Brennholz mangelte. • Eine gelungene List schützte die Stangen und Drähte der ersten in Chile zur Verbindung der einzelnen GrenzfortS eingesührten Trlegrapheuanlagen vor Beschädigungen seitens der Indianer. In dem chilenischen Lager befanden fich zu jener Zeit etwa ein halbes Hundert gefangener Eingeborener. Diese ließ General Pinto eines Tages antreten- er zeigte ihnen die Telegraphenleitungen und warnte fie, die Drahte zu berühren, da sie nicht wieder davon los könnten. Die Indianer lächelten dazu ungläubig. Das hatte aber der General nur erhofft, denn jetzt versprach er ihnen, sie von der Wahrheit seiner Worte zu überzeugen. Einer nach dem Andern mußte zwei an die beiden Pole einer starken Batterie gelegte Drähte in die Hände nehmen, und jrdeSmal, wenn der General befahl, die Hände wieder loszulassen, lautete die traurige Antwort: „Ich kann nicht, meine Hände find erstarrt". Nachdem Alle die Kraft der Electricität an fich erprobt hatten, wurde ihnen mit dem streugen Befehl, daS ihnen anvertraute Geheimniß Niemand zu verrathen, die Frei- heit wiedergegeben. Der strenge Befehl hatte den erwünschten Erfolg: Alle GtammeSgeuoffru wurden unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit vor den verzauberten Drähten gewarnt — die Telegraphen-Anlagen erfreuen fich der größten Sicherheit. * Wie der erste Kuß schmeckt, darüber gibt eine junge Dame in ihrem Tagebuche folgende Auskunft: Am 20. Mat küßte mich Richard zum ersten Male! Ich fühlte mich wie in einem Kübel mit Rosen, die in Honig, Eau de Cologne und Champagner schwammen- als ob etwas auf Diamantenfüßen über meine Nerven liefe und viele kleine Gondeln mit Engeln durch meine Adern strömten, unb als ob durch meinen ganzen Körper ein magisches Rrgenbogen- licht fich ergöffe!" Bravo, mein Fräulein! In der Phantasie die E:nS! • An todtlicher Kuß. Die Eidesleistung vor Gericht geschieht in England noch in der Weise, daß der Betreffende in einen kleinen, in Holz erbauten Raum geführt wird, wo ihm ein Clerk die Eidesformel vorspricht und hierauf dem Schwörenden eine Bibel hinretcht, die dieser zu küffen gezwungen ist. Nachdem nun vor wenigen Monaten die That- fache vor dem Londoner Polizeigericht fich ereignete, daß ein al- Zeuge gerufener Arzt den Bibelkuß verweigerte, mit der Begründung, solches nicht thun zu können, ohne fich der größten Ansteckungsgefahr auszusetzen, hatte sich eine Liga in England gebildet zu dem Zw,ck, bet dem Parlament eine Abänderung des gerichtlichen EtdeS zu bewirken. Diese Liga, die in allen Gegenden des Landes Vertreter gefunden, hat jetzt auf Grund folgenden Aufsehen erregenden Vorganges eine für daS Parlament bestimmte Bittschrift in Umlauf gesetzt. Vor wenigen Tagen hatte vor dem Polizeigertcht in Wareham, einem Londoner Bezirk, der Polizist James Smith, ein junger gesunder Mensch von riesiger Gestalt, der nie zuvor krank gewesen sein soll, den Eid als Zeuge abzulegen. Zwei Stunden nun, nachdem solches geschehen, kehrte Smith «ach seiner Polizeistation zurück, wo er sich über furchtbare Schmerzen in der Kehle beklagte. Man machte ihn dienstfrei und sorgte für einen Arzt, der erklärte, daß man eS mit einet furchtbaren, wenngleich unerklärlichen Entzündung hier zu thun habe. Am folgenden Abend bereits war Smith eine Leiche. Die nunmehr mit der Untersuchung des Leichnams betrauten Aerzre aber erklärten einstimmig, daß der Polizist einer eitrigen Entzündung erlegen sei, die, nach strenger Prüfung aller Einzelheiten, allein auf die Berührung mit den der Bibel anhaftenden Bacillen zurückzuführen sei. Infolge deffen ließ der Gerichtshof jenes Werk sofort mit Beschlag belegen, wobei fich ergab, daß daS Buch so unsauber gehalten war, daß da» ärztliche Unheil durchaus glaubhaft erschien. • Münchener Humor. Um wieviel steht die Cultur der Franzosen höher alS die der Deutschen? Antwort: Um 3' und 1" (drei Fuß und an Zoll a). — Welches sind die Bürger, welche das Wort Zola stets im Munde führen? Antwort: Die Münchener, denn sie sagen: Emil zohl a Maaß. (Au!) i Seidenstoffe von Elten & Keussen, FH™ gängen in verschiedenen Straßen der Stadt soll Montag, 7. May d. A, Borm. 11V2 Uhr, öffentlich verdungen werden. Die Bedingungen liegen bei uns zur Einficht offen. Angebote auf Vordruck find bis zum genannten Termin einzureichen. 2150 Gießen, 1. März 1898. Das Stadtbauamt. __Schmandt. Vergebung von Bauarbeiter». Die zur Ausführung mehrerer Wohnhäuser nebst Einfriedigungen erforderlichen Arbeiten als: 1. Erd- und Maurerarbeiten, 2. Steinmetzarbeiten, 3. Trägerlieferungen, 4. Zimmerarbeiten, 6. Dachdeckerarbeiten, 6. Spenglerarbeiten, 7. Weißbinderarbeiten, 8. Glaserarbeiten, 9. Schreinerarbeiten, 10. Schlosser-und Schmiedearbeiten, 11. Lattenzäune, sollen in öffentlicher Submission vergeben werden. Plätte und Bedingungen können im Bureau des Architecten G. Hamann, Bleichstraße 3, in den Vor- rnittagrftunden eingesehen und An- gebotssormulare daselbst gegen Erstattung der Abschreibegebühren bezogen werden. Angebote sind bi» zum IO. März d. I, Mittags 12 Uhr, bei dem gen. Architecten einzureichen. Gießen, den 28. Februar 1898. Baugenossenschaft des evangelischen Arbeitervereins zu Gießen Eingetr. Gen. mit beschr. Haftpflicht. Doeri ng.2127 Frisch geräucherte Meter Bücklinge empfiehlt billigst 756 E. Dort. ... | Versteigerungen. | Holzversteigerung. Die an der Kreisstraße Gießen —Reiskirchen lagernden 50 Loose Pappel-Reiser werden am jDieus- tag den 8. März l. Js. meistbietend versteigert. Beginn Vormittags 9 Uhr an der Leppermühle bei Großen-Buseck. Gießen, 2. März 1898. Der Großh. Kreisbauinspector. Stahl. 2222 Holzversteigerung im Gießener Stadtwald. Montag, den 7. März 1898, Vormittags 91/, Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, in den Districten Waldshut und Brauhof, versteigert werden: 25 Kiefern- und Fichtenstämme, mit 10,98 fm, 957 Kiefern- und Fichtenstangen, mit 18,32 fm (größtentheils Spalier, u. Weißbinderstangen), 152 rm Nadel-Scheitholz, 222 „ „ Knüppelholz, 88 „ „ Stockholm 4090 Wellen Nadrl Reisig. Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße an der 6. Schneise. Gießen, 28. Februar 1898. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 2112 Versteigerung. Dienstag den 8. März 1898 kommen im Anschluß an die Gemeinde-Stammholzversteigerung in der Gaftwirthschaft Renkhoff zu Burgsolms aus dem Fürstlichen Walde Fuchsheck, 1 Vi Stunde vom Bahnhof Burgsolms entfernt, zum AnSg bot: 27,48 Dm. Lichenstanimholj, darunter Stämme bis zu 80 Ctm. Durchmesser. Gewissenhafte Auskunft über die Qualität der einzelnen Stämme erfolgt tm Verkaufstermin. Braunfels, 2. März 1898. Fürstliches Rentamt. Kraft. 2221 Holzverkauf. Königliche Obersölsikkki Krofdorf. Dienstag den 15. März d. I., Vormittags 10 Uhr, in der W eißbrod'schen Wirtschaft zu Salzböden: 1. Schutzbezirk Waldhaus: District Lindenschied Nr. 55 a (an der neuen Chaussee) und Nr. 59: Eichen: 20 rm Reiser; Buchen: 3 rm Knüppel, 672 rm Reiser. 2. Schutzbezirk Salzböden: A. Nutzholz. District Alte-Stall Nr. 67: Eichen: 6 rm Schichtnutzholz (1,5 m lang); Lärchen: 4 Abschnitte — 1,07 fm; Fichten: 195 Derbstangen und 270 Reiser- stangen. District Hagelschlag Nr. 73 a und b: Eichen. 1 Abschnitt = 0,29 fm, 23 rm Schichtnutzholz (2,5 m, 1,5 m und 1,10 m lang); Fichten: 30 Abschnitte — 3,65 fm, 455 Derbstangen, 830 Reiserstangen. B. Brennholz. Alte - Stoll District 67: Buchen: 156 rm Scheit unb Knüppel, 3 rm Stöcke, 1357 rm Reiser; Nadelholz: 2 rm Knüppel. District Hagelschlag Nr. 73 a: Eichen: 3 rm Knüppel, 43 rm Reiser; Buchen: 36 rm Scheit und Knüppel, 1118 rm Reiser. Weichholz: 17 rm Scheit und Knüppel (Aspen), 10 rm Reiser. District Hasengarten Nr. 81, Schlag IV: Eichen: 115 rm Reiser. Buchen: 800 rm Reiser. Erlen: 3 rm Knüppel und 8 rm Reiser. Der Königliche Oberförster: Busold. 2208 Kaffee per Pfund 1,1.20,1.40,1.60 u. i.80Mk., selbstgebrannt und von vorzüglicher Qualität, empfiehlt 965 Heb. Arnold II, Marktstrahe 88. *** »»« «in»« giebt Dr. OOker'S Z^ndding-^ntver ä 10, 15, 20 Pfg. eine dclicate, gesunde, nahrhafte Speise! 808 Gebe. Adami, Mäusburg 14. oooooooocooooaooao □ gÄerliner § 8 D Pfannkuchen 8 Ü Kreppet, Caf6- und Thee- D Ö Gebäck, sowie große Auswahl D H in Kuchen und Torten 8 q empfiehlt täglich frisch [626 q □ Conditorei Q o H. Hcttler, 8 □ Ecke 8 ö jrankfurterstr.-M'Alllggt. g □oaQaaoDaaaoDaacoD Frische Schellfische und Cabliarr von Mittwoch bis Freitag; jeden Mittwoch Abend: gesotten« Schellfische , jeden Donnerstag gebackene Seefische 296 im ,,Rebstock", Westanlage. 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Wer daher an ' ArtA, bl Brückl ^nnu.ny, Hvurttm, Hei^rkrii, Bl,tth,oaca etc. etc. leidet, namentlich aberder- 3 lenlge, weicherd. Kelmz. L*»n°» t bien LT ba& dte prr äh? Ä la«ä Ä SS* 6i" Nu, ’*Ä ' .t iu’’