I.i,,, 10655 *ü reise. ■: fa Q v « 1«! 3 • - - cu ftart und Ktrtonsorte werden igefertigt in der •Dmciere! (Pietsch Erbes) inistrasse 7.________________ cht ober 1898. Silberrente Sold-Rente liefen mer ivl-Sriechen v 85.05 10125 24.10 9T.88 1887 43.90 Rentenb. OH. iS DH. ALS SS 101.50 000.00 99.50 99.20 100.00 100.16 loten >. _ -|169.6i --I4.191, ^er.WiS^"' 212.80 211-'5 11820 IN «370 70 H'sO Ä £ 23.' 2i.6C 294.50 62 *0 142.40 142'° 2-i 99." Laura ■ ■ • eiai.'i®’: tif xsS | Pnnc ' 143.55: U$S° SS id;ä 123.6 ! K 13180 1” 10 91S ai* 34 ?0 I^Äioo Sa?er.: Don-u-27 Bn-M-d'"' N^'ioö Lil««« gfi*" rürk.^- Ansbachs 5u9J®r20 Jrf'b’’’ fg 10 FrMS- .10 fl. 7 MeincL^l Sir. 257 Erstes Blatt. Mittwoch den 2. Novembce 1808 eiHctiri UfH4 erit »uH-ahme M Ä»nta$«. Dtk ® w^rnrr We*tn«elfittcr anka tee Anzeiger Wchchrutttch Viermal b««elegt. Gießener Anzeiger JKlWt* 2 «ark 20 Wtt- mowactich 75 nnt Pnn^rrie^e. eri foÄkiM 2 »arf 50 WA. tnrrteliMrti* •eet|me Anzeige» za kt Nachmittag« fit ka Log <«»««. Fernsprecher Nr. 5L Eine Stätte des Friedens. Als die Kaiser und Ritter früherer Jahrhunderte an»- zogen zürn Gelobten Lande, da wollten fie mit Schwertes Macht befreien das Land, in btm unser Heiland geboren war und gelebt hat. Sie konnten es nicht verstehen, daß dieser Klecken Srde, von dem das Ehristenthum seinen Lauf ge« oommen in alle Welt, in den Händen von Heiden, im Besitze der Türken sich befinden sollte. Wer erinnert sich nicht jener geschichtlichen Zeit, da die Kreuzzüge tnS Leden gerusen wurden, heute, wo der deutsche Kaiser io Begleitung seiner Gemahlin und der Großen der evangelischen Kirche in Jerusalem weilt, um die Stätte zu besuchen, auf denen unser Heiland wandelte, und von wo au» der Same, den er gesäet, so unvergleichliche Früchte gebracht hat. Wir gedenken jener Tage, aber wir erkennen auch den Unterschied zwischen einst und jetzt. Nicht al» Feind der Türken, nicht mit dem Ausgebot von Gewalt ist unser Kaiser tn die heilige Stadt etugezogen, nein, al» Freund des Sultans und dessen Unterthanen, als Beschirmer und Hort de» Weltfriedens hat er seinen Einzug gehalten, und freudig haben ihm die Christen und MoSlirn» zugejubelt. „(Sine Stätte de» Friedens" hat der CultnSmintster Dr. Bosse am SamStag beim Empfang der Majestäten an der Pforte der neuen Erlöserkirche diese genannt, und für- wahr, er konnte dem Heim der evangelischen Ehristenheit keinen schöneren und bezeichnenderen Namen geben. „Friede sei mit Euch", so sagte unser Heiland und Erlöser, al» er plötzlich unter seine Jünger trat, und dem Frieden muß jene Stätte geweiht sein, welche ihm gewidmet ist. Friede unter den Einzelnen, Friede unter den Nationen, waS kann es Köstlichere» geben! Unb ist es nicht ein gute» Vorzeichen, daß Vertreter aller christlichen Religionsgemeinschaften unfern Ssffer auf seinem Wege zur Einweihung üer Erlöserkirche begrüßt haben? Nicht wegen der evaogelischrn Kirche allein, nicht um dieser über die übrigen Bekenntnifie rin Heber» gewichr zu geben, hat Kaiser Wilhelm Jerusalem ausgesucht, mtu, die Anwesenheit de» mächtigen Monarchen liegt im In- «reffe der ganzen christlichen Religion, sodaß die Römisch- Katholischen, die Grlech sch'Orthodoxen veidlo» aus die Entfaltung de» Prunke», mit de« die Erlöserkirche eingeweiht wurde, blicken können. Und daß die Palästinasahrt deS deutschen Kaiser» de« grsammten Ehristenthum zugute kommen wird, daran dürste wohl kaum Jemand zweifelt!. In wilchem Maße dies der Fall sein wird, liegt led'glich an den kirchlichen Vertretern tm gelobten Lande selbst- je mehr fie ihre Gotteshäuser Stättm de» Frieden» werden lafien, u« so größer wird da» Uebergewicht sein, welche» fie über die Heiden erhalten. (xx) Deutscher Reich. Darmstadt. 31. October. Seine königliche Hoheit der Großherzog werden nächsten Mittwoch, den 2. November, wie bisher, im Grohherzogltchen Refidenzschloß Audienzen ertheilen, sowie Meldungen und Vorträge entgegenuehmeu. Die Audienzen und Meldungen beginnen nicht vor */,10Ahr und dauern bis 11 Uhr. Darmstadt, 31. Oktober. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin empfingen gestern Nachmittag 2*/, Uhr S. H. den Erbprinzen und I. K. H. die Erbprtnzesstn von Sachsen-Metningen und fuhren nach de« Neuen Palais, von wo fich später sämmt- liche Allerhöchste Herrschaften zu dem Rennen de» Hesfischeu Retterveretn» begaben. — Se. Kaiserliche Hoheit der Großfürst Michael Michaelowitsch von Rußland trafen gestern Nachmittag 12 Uhr 85 Mia. zu Besuch der Allerhöchsten Herrschaften hier ein und kehrte 4 Uhr 19 Min. nach Wiesbaden zurück. — Am Großherzoglichen Luncheou nahmen gestern I.I. Exc.Exc. Herr und Frau SkaatSminister Rothe, der Kaiserlich Russische Ministerrrfident v. O-eroff und Frau Gemahlin, sowie der LegationSsrcretär v Dauben Sky Thetl. — Die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften begaben Sich heute zu den Ausgrabungen, die unter Leitung de» HofrathS Koflec nördlich m D»anaöarg stattfiaden. Darmstadt, 30. October. Das hier weilende Großfürstenpaar SergiuS reift nächsten Donnerstag zu etwa vierzehutägigem Aufenthalt nach Pari» und beabsichtigt, zu der jetzt bestimmt auf den 25. November festgesetzten Enthüllung des Denkmals für den Großherzog Ludwig IV. hierher zurückzukehren und sodann nach England zu reisen. Im nächsten Monat trifft zu« Besuch hier die Prinzessin Heinrich von Preußen ein. — Seit mehreren Tagen ist hier das Gerücht verbreitet, daß der Kaiser der Einweihung deS Denkmal» für Feuilleton. Allerseelen. Der Tod trifft jäh das warme Menschenherz Unb löscht erbarmungslos deS Leben- Licht, Dann weint die Liebe und eS tobt der Schmerz Unb Nacht verhüllt ber Hoffnung Ar-gesicht. Da- Liebste, wa« die Erde unS auch gab, Zu anderm Leben fordert sie'S zurück, Und für fie ist da- stille, kühle Grab Die Wiege nur zu neuem Dasein- Glück. (K. «. Specht.) Draußen jagt wilde- Siürmen da» falbe Laub von den Zweigen, da» Leben in der Natur beginnt zu schlummern. Nun ist die Zeit gekommen, wo die Menschen hinaus- wandern zu den Ruhestätten der Tobten, um in liebende« Erdenken »heueren verstorbenen ein Kerzlein auzuzünden oder mit den letzten Blumen deS scheidenden Herbstes die Grab- Hügel zu schmücken. Allerseelen! — viel heiße Thränen rinnen heute auf die Gräber nieder, die unsre Tobten bergen, unsagbares Leid wird heute wieder erweckt in der Erinnerung an die, die da roten auSruhen nach des Lebens heißem Kampfe. Wie vielen sorgen und Schmerzen hat der unerbittliche Tod ein Ende gemacht und ach, wie viele Freuden und wie viele Hoffnungen hat er mit rauher Hand zerstört? Nichts ist geblieben vom blühenden Menschenleben, ein düstres Grab und ein namenloses Weh! Mit Blumen und Kränzen schmücken wir die Gräber der Dahiugeschiedenen, die unS im Leben thener gewesen find- krnstvolle Denkmäler geben Zeugniß von der Liebe, mit welcher wir der verblichenen gedenken, da» schönste und bleibendste Denkmal aber ist nicht ein kalter Stein, sondern rm treues Erinnern, das wir im Herzen unseren Lieben bewahren! Sin treu' Erinnern! Da» ist e», was wir so oft bei dm Menschen vermiffen, daS kein schön geschmücktes Grab, kein prächtiger Marmorstein zu ersetzen vermag. WaS soll ein kostbares Denkmal, wenn rS die Treue nicht gesetzt hat, was sollen die Blumen, wenn fie die Liebe nichr tetlpui ? Warum den Kult' mit grüner Hügel Schmuck? Baut Stättm euren Todtm tm Erinnern! Trugt ihr der Liebe Biüthen in ihr Sein, So ruht ihr unvergänglich Thell tm Innern. WaS drunten liegt, da- habt ihr nicht geliebt, Nicht die erstarrte, geistoerlaff'ne Hülle. Da» Leben war - tn wallmder Gestalt Unb ihre» Wesen- schöne AuSbruckssülle. So mahar bic Dichterin, nicht durch oft übertrieben prunkvolle Ausschmückung der Gräber dem Andenken an unsere verstorbenen Lieben Ausdruck zu geben, sondern ihnen in der Erinnerung ein unvergängliche» Denkmal zu setzen. Wenn wir in liebende« versenken unseren Tobten nur eine Thräue der Erinnerung weihen, wenn wir ihnen die anspruchslosesten BlÜwchen, die der Herbst uu» bietet, in unauslöschlicher Liebe auf den Grabhügel uiederlegen, bann haben wir beim Klange der Glocken die Allerseelenfeier tn würdiger Weise begangen. Der Novemberstur« rüttelt gewaltig an Sträuchern und Bäumen und fegt da» letzte Laub hinweg, nur dunkle Fichten und Cypreffen, Epheu und Immergrün stehen von einem letzten Sonuenblick umsäumt, noch im grünen Schmuck wie in sommerlichen Tagen, einem strahlenden Hoffnungsschimmer gleichend, der ein baldiges Wiedererwachen alle» Lebens auch in dem nun Winterlich.stillen Reiche der Tobten verheißt. . . . Ob ein bescheidenes Kreuz oder ein prunkvoller Stein die letzte Ruhestätte unserer Lieben schmückt, — ob fie der schmucklose Hügel deckt, auf dem GraS und Unkraut wuchern, fie sollen nicht vergeffeu sein! Gra» und Blumen werden wieder sprießen, ein neue» Leben wird erwachen .... Aus der Erd« Schooß cm da» goldne Licht Drängt sich Alle- hervor, nur die Tobten nicht; Doch laß' fiel und denk, wie bk Thräne auch rinnt: Nicht alle ftnb tobt, bk begraben siab'. (Stoltze) Carl Geißler. Großherzog Lubwtg IV. beizuwohnen gebenke. ES ist die» aber zweiselhast, da dem Reiseprogramm zufolge da» Kaiserpaar am 12. November in Damaskus ein trifft, wo ehe , zweitägiger Aufenthalt vorgesehen ist. Für den Fall, daß \ oer Kaiser bis zum 25. November in Deutschland eintrifft, ! ist auch seine Theiluahme an der EuthülluugSseier sehr wahrscheinlich, da der Kaiser bekanntlich die ausrtchtigste Verehrung für den verstorbenen Großherzog hegte. Berlin, 31. October. Wie au» Jerusalem berichtet wird, erwiderte der Kaiser auf die gestrige Ansprache bei Cultu-minister» Dr. Bosse anläßlich de» Besuche» der Erlöserkirche Folgende»: Er danke aufrichtig für die vom Minister ausgesprochene treue Gesinnung. E» sei für ihn eine besondere Freude, die Einweihung der Erlöserkirche der evan- gelischen Gemeinde haben mitfeiern zu können. Er verdanke die» der wohlwollenden Gesinnung des Sultan» sowie seine», de» Kaiser», Großvater und Vater, welch Letzterer doch schließ» lich den Ausschlag gegeben habe. Mit bloßen Reden sei im Orient nichts gelhan. Er hoffe, daß die Evangelischen besonder» auch durch ihren Wandel die Wahrheit ihre» Glauben» bezeugen und ihn kräftigen würden. Dann werde auf dieser Feier die Gnade Gotte» ruhen unb reichen Segen schaffen. Da» wünsche und erhoffe er mit allen Anwesenden. Sagen Sie die», so schloß der Kaiser, den Evangelischen, besonder» den deutschen, welche hier sind. Berlia, 31. October. Wie au» Jerusalem gemeldet wird, saub daselbst unter großem kirchlichen unb weltlichen Pomp die feierliche Einweihung ber Erlöserkirche statt. Die einheimische Bevölkerung nahm in großer Anzahl an ber Feier Theil. — Gestern Abend wohnte da» Kaiserpaar ans de« Oelberge bet herrlichem Sonnenuntergang einer vorn Oberhospredtger Dr. Dthander gehaltenen Andacht bei. Berlin, 31. October. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist heute Vormittag zu kurzem Aufenthalt nach Schillingsfürst abgereist. Berlin, 31. October. In der, gegen den Herausgeber der „Zukunft", Maximilian Harden erhobenen Anklage wegen Majestät».BeleNrigung, Beleidigung des Ober-Staatsanwalt-Drescher, sowie des Amtsgerichtsraths von Podewll», begangen durch mehrere Artikel der „Zukunft", begann heute vor der ersten Strafkammer des Landgericht» I. die Verhandlung. Oberstaatsanwalt Drescher wohnte derselben bei. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragte der Staatsanwalt den Ausschluß der Oeffentlichkeit für die ganze Dauer der Sitzung. Der Gericht»hof beschließt zunächst, nur während der Verlesung der Anklage sowie der Artikel die Oeffentlichkeit > auszuschließen und bann barüber zu beschließen, ob auch für die ganze Verhandlung die Oeffentlichkeit auszuschließen sei ober nicht. Zunächst schilberte ber Angeklagte auf die bezügliche Frage de» Vorsitzenden seine Beziehungen zum Fürste» Bismarck. Er betonte dabei, daß die Gedanken, die er in । den Artikeln der „Zukunft" verfolgt hätte, die gewesen seien: Er habe e» für ein Unglück für da» deutsche Reich gehalten, daß man den Fürsten Bismarck entlasten habe. Auf weitere» I Befragen erklärt der Angeklagte, daß er den Artikel in der ! Nummer 40 der „Zukunft": „Der Wahrheit die Ehre" nicht verfaßt habe. Er wolle aber den Verfaffer nicht nennen, weil er die» nicht für anständig halte, biete aber Beweise für seine Richtoersafferschast an. Juftizrath Munckel, der Vertheidiger von Harden erklärt, er sei von dem Verfaffer beauftragt und ermächtigt, feinen Namen erforderlichen Falle» zu nennen. Der Gerichtshof beschließt, die von dem Angeklagten vorgeschlagenen Zeugen zu laden und zu vernehme«. Ueber feine Stellung zu dem Nachfolger de» Fürsten Bismarck befragt, äußerte sich Harden dahin, er gestehe offen, daß er den Grafen Caprivi entschieden bekämpft habe. Den Fürste» Hohenlohe habe er zunächst sympathisch begrüßt, die Sympathien haben aber nachgelaffen, weil er meinte, daß Fürst Hohenlohe zu alt für diesen Poften sei und nicht mehr die genügende Thatkraft besitze. Hierauf richtete der Staatsanwalt an den Angeklagten die Fragen, ob er zugebe: 1. die Politik des deutschen Reiche» seit dem Abgänge de» Fürste» Bismarck als eine durchaus verkehrte bekämpft zu haben unb 2. ben Standpunkt vertreten zu haben, diese Politik sei auf die eigene Initiative de» Kaisers zurückzuführen und die Reichskanzler besäßen kein genügend starke» Rückgrat. Der Angeklagte erwidert hierauf, er habe nie gesagt, daß alle Maßnahmen der Regierung durchaus verkehrt seien, er habe vielmehr manche gelobt, gebilligt unb gesörbert. Die zweite Frage lehnte er mit Entschiebenheit ab. Nach der Verlesung de» Artikels beantragte der Staatsanwalt wiederum den Ausschluß der Oeffentlichkeit, wenigstens für die Dauer der Verhandlung über den Artikel: „Pudel-Majestät". Der | Gerichtshof beschließt demgemäß. Berlin. 31. October. Der „Local-Anzeiger" meldet aus ' Bückeburg: Der Archivrath Berkemeier ist suspendirt ( worden. Die Regierung verlangte von ihm amtliche Schriftstücke, welche verschwunden waren. Berkemeier erklärte dieselben für Privat-Schriftstücke, worüber er frei hätte verfügen können. Die Schriftstücke befänden sich zeitweise in Bückeburg. Ein gerichtliches und Disciplinar-Verfahren wird das Weitere ergeben. Berkemeier ist unter der Regentschaft des Prinzen Adolf zum Archivrath ernannt worden. Berliu, 31. October. Der deutsche Cousul in Jerusalem v. Tischeudorff dürfte, wie gemeldet wird, nach dem Kaiser- besuch seinen Posten verlaffen, da seine Beförderung zum General'Consul bevorsteht und er einen anderen Wirkungskreis erhalten soll. Berliu, 31. October. Die Reichs - Commission für Arbeiterstattstik ist sicherem vernehmen nach zum 17. November vom Vorsitzenden UnterstaatSsecretär Dr. Fleck ein- berufen. Die Tagung wird sich auf etwa vier Tage erstrecken. Wie verlautet, sind an etwa 60—70 Personen au« dem GastwtrthSgewerbe Vorladungen ergangen zu dem Zwecke, ihre Aussagen über die Brrhältn'sse im GastwirthSgewerbe eatgegenzunehmeu. ES ist dabet der Modus gewählt, daß der von der Commission früher eingesetzte Ausschuß sich an die einzelnen verbände behufs Präsentation von Sachverständigen gewendet hat- es dürften daher auch weibliche im GastwtrthSgewerbe beschäftigte Personen vor der Commtsfiou erscheinen. Wie wir ersahren, dürste ein Gesetzentwurf betreffend den Schutz der Angestellten im HavdelSgewerbe al« Ergänzung der Gewerbeordnung in Vorbereitung sein und znr Erledigung im BuudeSrath und Reichstag bestimmt sein. Der Weg einer einfachen Verordnung ist bei dieser Materie ausdrücklich auSgeschlofltN. Berlin, 31. October. Ein neue« BerufSconsulat. Die Umwandlung de« bisherigen Wahlcousulat« zu Philadelphia in ein BerufSconsulat ist in Aussicht genommen - nach dem Tode de« bisherigen Inhaber« ist der Consul Landgerichtsrath Marheintcke in Montevideo mit der Leitung betraut. Philadelphia, die drittgrößte Stadt der Union, hat mehr al« 200000 Deutsche unter seinen Bewohnern. Damit steigt die Zahl der BerufSconsulate auf 104, seit einem Jahre waren nicht weniger als sechs neue errichtet, nämlich zu Prag, zu Curitiba, Desterro und San Paolo in Brasilien, zu Bagdad in Mesopotamien und zu Hankau in China. So ist das Consulatöwesen in einer dauernden erfreulichen Eat- wicklung begriffen. Berlin, 31. October. Zur Deportationsfrage. Wie der „Hamb. Corr." hört, hat die Colonialverwaltung nn die Gouverneure unserer afrikanischen Colonien von Togo, Kamerun, von Südwest-Afrika und von Ost-Afrika die Frage gestellt, inwieweit sie e« für zulässig, finanziell durchführbar und im Jntereffe der Colonien, andererseits aber auch im Jnterrffe der Sträflinge erachten würden, wenn man die Deportation in gewissen Grenzen in da« deutsche Strafshstem einführen wollte. Die Antworten der Gouverneure sind sämmtUch verneinend ausgefallen. Berlin, 31.Oktober. Rechtlosigkeit derDeutschen in Frankreich. Au« oberelsäsfischen Fabrikantenkreisen erzählt die „Straßb. Post" folgende Geschichte: Ein Mül- Hauser Fabrikant hatte einem Fabrikanten in Lille eine Erfindung verkauft. Der Verkauf wurde vertragsmäßig fest« gelegt, der Kaufpreis auf 17 000 Fr. festgesetzt. Monat auf Monat aber verging, ohne daß der Mülhauser Fabrikant etwa» von der Angelegenheit hörte. Auf briefliche Mahnung theilte der Käufer ihm mit, daß ihm die Sache nachträglich leid geworden sei. Der Mülhauser wollte sich aber den Vertragsbruch nicht gefallen taffen und beauftragte einen der ersten Atvocateu Lille« mit Führung de« Rechtsstreite«. Al« er dann aber auch hier Woche um Woche ohne wettere Nachricht blieb und auf all seine Anfragen keine Antwort erhielt, reiste er selbst nach Lille. Dort erklärte ihm der Advocat kurz und bündig, daß er den Proceß nicht übernehme- denn die Sache sei von vornherein auSfichtSlo«, da fich kein Richter in Frankreich fände, der einen Proceß zu Gunsten eine« Deutschen entschiede. Dar Straßburger Blatt bemerkt, daß ihm Namen und Einzelheiten verbürgt mttgetheilt seien- der Fabrikant gehöre einer der bekanntesten und angesehensten altelsässischen Familien an. Wielbaden, 31. Oktober. Wie der „Rhein. Courier" meldet, kommen vom 1. April nächsten Jahre« ab für die Benutzung de« canalisirten Mainstromes Abgaben zur Erhebung und zwar: für vollwerthige Güter 6 Pfg. und für winderwerthige Güter 3 Psg. pro Tonne. Frankfurt a. M., 31. October. Der große Erfolg, welchen der Ausschuß für BolkSunterhaltuug im vergangenen Jahre mit zwei Volks-UnterhaltungS-Abenden erzielte, hat denselben veranlaßt, für diesen Winter vier Abende zu veranstalten. Die erste dieser vortrefflich inscenirten Veranstaltungen fand gestern Abend int großen Saale de» Daalbaue» statt und zwar bei dollem Hause. Die lautlose Stille, m t welcher die Zuhörer die voealen declamatorischen und instrumentalen vortrefflichen Leistungen verfolgte und der nicht enden wollende Beifall haben gewiß die uneigennützigen Veranstalter dieser Abende reich belohnt. ArrsUrnd. Wien, 31. October. In dem Befinden der Wärterin Göschl ist keine Aenderung eingeirrten. Dir Körpertemperatur betrug heute Mittag 36,7, der Pul« 84. Wien, 31. Oktober. Sonntag Vormittag hat die endgültige Beisetzung der Kaiserin Elisabeth in der Wiener Kaisergruft bei den Kapuzinern stattgesunden. Bis dahin ruhte die Leiche der Kaiserin noch im Vorraum der Kaisergruft. Der Sarkophag wurde, da ein Mittelraum nicht mehr frei war, knapp neben dem Sarg des Kronprinzen Rudolf an der Stirnwand de« neuen Grufttheil« aufgestellt. Um für den Sarg der Kaiserin Platz zu gewinnen, mußten dir recht« und links vom Sarg de« Kronprinzen Rudolf stehenden Särge des Kaiser« Max vou Mexiko und de« Erzherzog« Karl Ludwig etwa« weiter zu beiden Seiten quer gestellt werden. Der Sarkophag der Kaiserin wurde Donnerstag Abend in die Kaisergruft gebracht. In diesen Sarkophag, der an« Kupfer angefertigt wurde und von außen stark versilbert ist, wurde der Doppelsarg, in dem gegenwärtig die Leiche der Kaiserin ruht, gestellt, worauf der Sarkophag nach wiederholter Einsegnung verlöthet wurde. Auf dem Sargdeckel befindet sich ein große« vergoldete« Kreuz. Unterhalb ist, von einem auSgeführten Reliefkranz umgeben, eine Kupfer» ilatte mit folgender Inschrift angebracht: Elisabeth Amalia Eugenia, Imperatrix Austriae et Regina Hungariae, Maximilian! Josephi et Ludovicae, Ducum in Bavaria, filia. Nata in villa Possenhofen Die XXIV. Mensis Decembris Anni MDCCCXXXVII. Nupta Francisco Josepho I. Imperatori Vindobonae Die XXIV. M, Aprilis A. MDCCCLIV. Coronata Regina Hungariae Budae Die VIII. M. Junii A. MDCCCLXVII. Denata Genevae Die X. M. Septembris A, MDCCCIIC. H. 8. E. Wien, 31. October. Nach einer Zuschrift der „Pol. Corresp." au« Cairo ist dort neuerding« eine Gruppe von Anarchisten eingetroffen, eine wettere ist signalisirt, deren Namen jedoch der Polizei bekannt find. Die Gefangennahme der drei au« Alexandrien nach Palästina geflohenen Anarchisten ist bisher nicht erfolgt, doch hofft man, daß e« den türkischen Behörden gelingen wird, dieselben festzunehmen. Wien, 31. October. E ne Belgrader Zuschrift der „Pol. Corresp." dementirt da« Gerücht, daß die Anwesenheit de« serbischen Ministerpräsidenten Grorgiewitsch in Wien mit rolitischen Motiven in Verbindung stehe. Wien, 31. October. Nach einer Pariser Meldung der „Pol. Corresp." find die Gerüchte, daß die Anwesenheit de« italienischen TtaatSmanue« Luccati eine Abänderung der handelspolitischen Beziehungen mit Italien Herbriführen werde, mindesten« verfrüht. Prag, 31. October. Nach Meldungen tschechischer Blätter soll der Zeitung«stempel demnächst aufgehoben werden. Rom, 31. October. Die Regierung hat beschlossen, zur Petersburger FriedeuS-Conferenz als militärischen Delegirteu den derzeitigen Botschafter in PiterSburg, den General Morra sowie einen Diplomaten zu entsenden. Rom, 31. October. GS verlautet, das deutsche Kaiserpaar werde seine Rückeeise wiederum über Venedig nehmen und dort nochmal« mit dem italienischen KönigSPaar zufammeutreffen. Rom, 31. October. Der „T^ibuna" zufolge wird Kreta statt tu vier io fünf Zonen getheilt werden, wovon eine mit Kanea international bleiben soll. Paris, 31. October. Da« neue Ministerium hat fich wie folgt constituirt: Dupuy Inneres, Freycinet Krieg, Delcasse Aeußere«, Lthgue« Unterricht, Lockroh Marine, Lebrrt Justiz, Peytral Finanzen, Delombre Handel, Krantz öffentliche Arbeiten, VIger Ackerbau, und Guillain Colonien. Pari», 3 i. Octoder. Der „StScle" fragt, wo eigentlich Prinz Laut« Napoleon stecke. Man weiß nur, daß er Genf verlaffen habe. Da« genannte Blatt deutet an, daß er fehr wohl die mysteriöse Persönlichkeit sein könne, die aüf dem Mort vale: beherbergt werde. Pari», 31. October. Bi« gestern Abend war die Cabinetskrisi« noch nicht vollständig gelöst. Dupuy hatte eine zweistündige Unterredung mit dem wahrscheinlichen Kriegsminister Freycinet. ES werden Bedenken laut, daß in dem neuen Cabiuet zwei wichtige Portefeuille« durch zwei Protestanten besetzt werden sollen, nämlich die Justiz durch Ribot und der Krieg durch Freycinet. Infolge dessen soll da« Justiz Ministerium wahrscheinlich einem Anderen übertragen werden. Brüssel, 31. October. Die Mahnung de« König« Leo« pold zur Schaffung einer belgischen Handelsflotte findet mit jedem Tage mehr Anklang in der Bevölkerung. So haben denn auch Antwerpener Rheder und Capitalisteu unter dem Schutze des König» eine Gesellschaft zur Herstellung einer belgischen Handelsflotte unter belgischer Flagge und mit rein belgischer Besatzung gegründet. Um da» Unternehmen volksthümlicher zu gestalten, sollen Actien von 25 Fre». und 50 Frc». ausgegeben werden. Die erste rein nationale Linie soll Antwerpeu Congo sein. Die Regierung wird der Kammer ein Gesetz unterbreiten, da« die Ausbildung und Aushebung der Seeleute sichert, die Errichtung vou Schiffswerften 6e* günstigt, den Unternehmern belgischer Linien besondere Vorrechte zubilligt, auch staatliche vorschüffe und Zuschüsse ermöglicht. — Bon den 55 Dampfern, über die gegenwärtig der belgische Handel verfügt, find nur 17 belgisch, und von den 2101 Manu ihrer Besatzung find nur 721 Belgier. Die übrigen find Engländer und Deutsche, sodaß Belgien« Handel von dem AuSlaude abhängig ist. Allerdings ist auch ein gewaltiger Thetl de« Verkehr» der belgischen Häfen deren ge- werbflethigem deutschen Hinterlande zu danken. London, 31. October. „Daily Graphic" schreibt: Alle« was möglich war, einen Bruch zwischen England und Frankreich zu verhüten, ist geschehen. Wenn nun trotzdem ein Bruch entstehen sollte, so werde Frankreich die volle Verantwortung zu tragen haben, denn England habe alle Zugeständniffe gemacht, die gefordert wurden. Frankreich wußte sehr gut, als es seine Expedition nach dem Nilthal unternahm, daß England Ansprüche auf da» Nilthal machen würde. Frankreich solle fich beeilen, den Fehler wieder gut zu machen. London, 81. October. Obgleich e» letzter Tage den Anschein gewann, al» ob Frankreich gegen eine augemeffeue Entschädigung Faschoda räumen und als ob eS nicht zu einer Ausrollung der ägyptischen Frage kommen werde, melden jetzt die Londoner Blätter, daß fich infolge des letzten Cabinet«- rathes vom Donnerstag die Admiralität über eine große SchiffSkundgebung schlüssig gemacht habe und umgehend die Küsten- und Hafeu-WachtschiffS-Geschwader zusammen mit anderen Schiffen zu mobilifiren beabsichtige. Au« allen diesen Schiffen solle ein für alle Fälle bereitstehende« Geschwader gebildet werden. Der genaue Zweck und die mit diesem Befehl verbundene Abficht seien nicht bestimmt bekannt, dieselben würden aber in Marinekreisen mit der englisch-französischen Streitfrage in Verbindung gebracht. Man nehme aa, da« Geschwader werde im Plymouth-Sund zusammengezogen werden, verschiedene Schiffe seien unerwartet in Plhmourh eingetroffen. Nach einer anderen Meldung wird e:n gewal tige« fliegende« Geschwader von neun großen Schlachtschiffen und einer erheblichen Anzahl anderer Kriegsschiffe gebildet werden. Ferner meldet ein Telegramm au« Shanghai, da« britisch-ostafiatische Geschwader habe Befehl erhalten, nach Hongkong zu gehen und dort weitere Ordre« zu erwarten. Ein andere« Telegramm au« Halifax (Neuschottland) sagt, auf den dortigen Werften werde Tag und Nacht gearbeitet, die Schiffe sollen fich bereit halten, jeden Augenblick in Ser gehen zu können. Auch ein Telegramm au« Barcouver verdient Beachtung, welche« berichtet, daß auf der Werft von ESquImault in Canada ununterbrochen gearbeitet werde- fieben britische Kreuzer seien zur sosortigen Abfahrt bereit. Tägl. Rdsch. Petersburg, 31. October. Dar Zarenpaar trifft am 26. October aus Livadia in Petersburg ein. Warfchau, 81. October. Nach einer Blättermeldnng wurde in dem Sp.tal Zum Kindletn Jesu an einer 56jährigen Frau, welche 24 Stunden nach ihrer Ankunft im Spital verstarb, die sibirische Pest constatirt. Da« Spital und die Wobnnng der ftvati wurden deHnficirt. Locales unb provinzielles. vietzeu, 1. November 1898. • • Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 29. October die Berufung de« evangelischen Pfarrer» Johanne» D egg au zu Heuchelheim al« Pfarrer de» DiakoniffenhaustS „Elisabethen- stift" zu Darmstadt zu bestätigen. AnS dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Groß- herzoglichen Ministerium» der Justiz vom 29. Octoder d. I. wurde der GerichtSaffeffor Sellheim in Nirda vom 1. k. Mt». an bis auf Weitere« mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eine« Amtsrichter» bei dem Amtsgericht Offenbach beauftragt. GebranchSmnster-Sintragnngen. Acetylen • Droschken- Laterne mit unter der Laterne befindlichem Wasser- und Carb'draum. 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November am hiesigen Stadttheater al« Jungfrau von Orleau« und al« Messalina in Wilbraudt« „Arria und Messalina". • • Felix Weingartner in Frankfurt a. M. Unserer Nachbarstadt am Main steht ein Kunstgenuß ganz einziger Art bevor. Der berühmte Dirigent Felix Weingartner wird dort im Saalbau am 16. und 17. November mit dem vollständigen Kaim-Orchester au« München zwei Con- certe geben. Ueber den Verlauf eine« solchen Weingartner' Abend» in München schreibt die „Münchener Allgem. Ztg.": „ES war eine originelle Idee Felix Weingartner», gestern Beethoven» erste und letzte Symphonie zur Aufführung zu bringen.....Wenn ein Dirigent die rare Gabe besitzt, die stelle, schlichte Größe unserer Klasstker richtig zu ersoffen, dann leben erst unsere Alten wieder auf, in und mit ihm, dann erfahren auch wir an un» die verklärende Wirkung jenes ewig unwandelbaren Gesetze« vom wahrhaft Schönen, und zündend schlägt der BegeisterungSfunke in unser Herz. Ein solcher Dirigent ist Felix Weingartner. Wer dak nicht schon längst wußte, der konnte fich gestern aus» Nachdrücklichste überzeugen: eine geradezu mustergiltige Aufführung der beiden Symphonien, Chor, Orchester und Solisten vorzüglich, Alle« gebannt, entzückt, begeistert, alle» Jubel, donnernder Beifall, Tücherschwenken, unzählige Hervorrufe, da« ist so ungefähr da« Bild de» gestrigen Abend»." Diese« mufikalifche Ereigniß wird ohne Zweifel auch in Gießen viele Kunstfreunde veranlassen, nach Frankfurt zu pilgern. * • eine neue herrliche Prachtserie hat diese Woche da» Kaiser-Panorama ausgestellt: „Die Reise de« Präsidenten Favre nach Rußland". Da« find keine verschwommenen Abbildungen mit gezwungenem Colorit und unmöglicher Plastik, wie man wohl da und dort zu sehen bekommt; nein, die Bilder find wie au« dem Leben genommen, so scharf und deutlich tritt Alle« hervor. Wir sehen die verschiedenen Feierlichkeiten, den Empsaug de» Präfidenien in Kronstadt durch den Kaiser, sowie Minister rc., die Abfahrt nach Petersburg, Abschreiten der Ehrencompagnie, die große Truppenschau in KraSnoje - Sselno, Parade, Luftschifferab- theilnng. vou großartiger Wirkung ist der Abschied de« Präsidenten Favre auf dem Kriegsschiff „Pothuau" in Kronstadt. Außerdem werden wir mit den öffentlichen Gebäuden, sowie dem Inneren der Schlöffet von Peterhof und den großartigen Gartenanlagen und Wasserkünsten bekannt gemacht. Da« Gedränge in den geschmückten Straßen, die An- und Abfahrten de« Präsidenten und de« Czaren rc. geben un« ein Bild davon, welche Summe die Festtage Petersburg gekostet haben. V8li*Ä': . 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