1S9S Freitag den 2. September Nr. 205 Zweites Blatt. Zlints- unb Anzeis«blatt für den Ureis Gieren stE. |ium Gratisbeilage: Gießener Familienblätter i der Mörtels, netto rrrtisttli Ullr Unzeigen-VernnnlungSftkllrn bei In» und ÄuilanM ntbmrn ünjcigen für bm Likhmn 1 nötiger cntftfri ”h 5tii|(prifnH M. Ellag. ■ enabmt von Injtigtw ,u brr Nachmittag» für de» #eigrnt>ni Lag erfc^nnenöni Jhimmrr bti vorm. 10 Uhr. Rrbcetion, itrvrbthen und Druckerei: Kchnraratz« Ur. 7. Ibrefle für Depeschen: A«»ei,er Hietzs». Fernsprecher Rr. 5L Huslaub Bien, 81. August. Die österreichische Gesellschaft der Frieden »freunde ersuchte den Minister Murawtew telegraphisch, dem Zaren den Dank sür seine Anregung -u übermitteln. Bien, 31. August, von informirter Seite verlautet: Vraf Thun beabsichtigte vor Zusammentritt de» Reich», rathe» mit den verschiedenen politischen Führern zu eonseriren, Voraus sowohl do» Executtv-ComitL der Rechten wie dasjenige der Linken sich zu ernsten Verhandlungen versammeln würden. «ettinje, 81. August. In Susfine find 260 Wohn- Häuser ntedergebrannr. Auch mehrere Moscheen find eingeäschert worden, viele Personen find verunglückt. Lasten - Schneise rechts, fo rspielen. »echt halten, er oberen Lichnstrair. Das (Sorten. auf der Bismarck dem Kaiser entgegenritt, Endlich war Sedan erreicht. Mit Koffer und Packet beloben, stieg ich an» und wandte mich nach dem Gepäckraum. Einem Träger gab ich beide» zur Ausbewahrung. Um 41/« Uhr wollte ich zurück sein, hatte also nur drei Stunden Zett. Ich mutzte meinen Ausenthalt so abkürzen, weil ich die Nacht schon ans deutschem Boden verbringen wollte. Nach Sedan ist aber noch ein ziemliche» Stück. Der Bahnhof ist nicht groh. Die Warteräume find einstöckig, nur da» Station»gebäude ist zweistöckig. Auch hier machte ich dieselbe Beobachtung wie früher, nämlich die, daß auf den französischen Bahnen Warte- und Rrstaurationsräuwe vollständig getrennt sind, eine Einrichtung, die ich auch in Elsaß-Lothringen angetroffen habe. Am Bahnhofe in der Nähe der Trinkhalle lehnten nachläsfig mehrere Dragontrosfiz ere. Der Bahnhof liegt vor Sedan in der kleinen Vorstadt Torey, wo die bah:rischen Jäger die französischen Flüchtlinge erreichten. Nicht wenig erstaunt war ich, al» ich keine Mauern mehr vorfand. Sedan ist keine Festung mehr, sondern eine Stadt mit 21,000 Einwohnern, aber eine Garnison, die ein Regiment Infanterie »und eine Dragonerbrigade umfaßt. Ich überschritt den Bahuhossplatz, ging über die eavalifirte Maa» nnd bog in eine neue Hauptstraße ein, an der ein kleiner Park, da» Gymnaftnw, die Post, die Mairie und die Shuagoge liegen. Der größte Theil der Stadt liegt in der Ebene- nur die ehemalige Eitadelle erhebt sich beherrschend über sie, und zwar da, wo die Hauptstraße die Stadt verläßt. Unmittelbar an die Dragonerkaserne schließt sich auch Balan an, ein Kirchdorf, da» ich durchwanderte, um nach Bazeille», meinem Ziele, zu gelangen. Balan hat 1000 Emwohner und «acht «tt seinen ärmlich au»sehenden Häusern keinen angenehmen Eindruck. Gleich in der ersten Straße fiel mir die Firma eine» jüdischen Viehhändler» auf. Levy hieß der gute Mann. Ueberrascht hat wich auch der Zustand der Eitadelle. Ihrer Mauer fehlen viele Steine, jedenfall» eine Folge der eingeschlagenen deutschen Geschoffe. Dicht neben ihr war sogar ein Sand- steinbruch angelegt. t . Hinter Balan gewährt die nach Bazeille» fich hinziehende Straße wegen ihrer kleinen Steigung einen hübschen «lick über da» Thal. Zwischen üppigen Wiesen schlängelt sich die Maa» hin, die zwar nicht breit, aber doch tief genug ist, um Lastkähne von 3000 Centn« Gewicht zu tragen. Zn beiden Seiten de» Fluffe» zieht fich rin Leitpfad hin, den da« den «ahn ziehende Pserd benutzt. Da» Thal ist an ditser Stelle etwa 1500 Meter breit. E» ist am Unten User von steil abfallenden, etwa 200 Meter fich erhebenden Höhen begrenzt, während am rechten Ufer da» Gelände allmählich zur Hoch, ebene von Jlly und Floing ansteigt, wo die franzöfische Reiterei trotz heldenhaften Kampfe» von unserer Infanterie vernichtet wurde. Ich konnte mich, der ich kein Fachmann bin, doch de» Eindrücke» nicht verwehren, daß der Marsch eine» geschlagenen und versolgteu Heere» in ein so Ichmalr» und dabei schars umgrenzte» Thal höchst bedeoklich ist. Die Straße nach Bazeille» ist gepflegt und von brefikronigen Linden überschattet. Nicht» erinnert mehr an den furchtbaren Kampf, der hier getobt, al» ein kleine» Soldatengrab und ein Han», die beide unmittelbar an der Chaussee liegen. Da» Grab ist von einem niedrigen Eisengitter eingeschloffeu, trägt al» einzigen Schmuck drei Kiesern nab hat al» einzige Inschrift auf einer Eisenplatte die Worte: .Soldatengrab. Gesetz vom 3. März 1874.» Da» Grab ist flach, alle» Gra» entfernt. Da» vorhin erwähnte Hau» ist eine Restauration, die an de» der Straße zugekehrteu Giebel die Bezeichnung .Museum von Bazeille»- enthält. Eine etwa» tiefer angebrachte Tafel besagt, daß diese Mauer «ährend der Schlacht durch die bayerischen Geschoffe zerbört wurde. Hinter diese« Hanse senkt sich die Straße nach Bazeille«. Link« von der Straße an der Ecke eine» hochummauerten iei den Unterzeichnet» n: >er Arbeitszeit netto. den sür dieselbe gleich |lc|Bg*frri* vlrrltliidrlutz 2 Mark 20 Pf» meeathd) 76 Pi- mit vnngrrloh» firi Postbezug 2 Mark 50 ourtfljlbrh*. Vermischte». • Flottenmanöver bei Helgoland. Am 2. September geht da» Kieler Geschwader durch den Kaiser-Wilhelm Kanal nach Helgoland, um dort in der Zeit vom 3. bi» 5. September zu manövriren. Wer diese» Schauspiel genießen will, dem ist hierzu durch die tägliche Verbindung, welche die Nordsee- Linie noch während de» ganzen Monat September zwischen Hamburg und Helgoland unterhält, die beste Gelegenheit geboten. • Blnmenpflege der Schulkinder. Au» Anlaß de» »Verein» zur Förderung der Blumenpflege bei Schulkindern- ist in Berlin am 27. August eine ganz eigenartige Autstellung im Turnsaal de» Schulgebäude» au der Gip»straße eröffnet worden. Dieser Verein vertheilt jährlich etwa 6000 Setzlinge von Blumen au arme Kinder der Volksschulen, die die Gabe mit großer Freude annehmen und meist mit vieler Ltebe pflegen. Immer eine Klaffe erhalt dieselbe Blumensorte und wird dann in der Schule über ihre Pflege unterwiesen, aus bk Zeit der nöthig werdenden Umpflanzung auf- merksam gemacht. Die Kinder interesfiren fich lebhast sür diese Blumen und find stolz, wenn die Setzlinge gut gedeihen. Bon den im vorigen Jahre abgegebenen 6000 Setzlingen sind 3000 gut sortgekommen und al» der Abstellung würdig erachtet worden. Erleichtert wird da» Unternehmen durch da» dankebwerthe Entgegenkommen der Besitzer der großen Handel»gärtnereieu, die Pflanzen, Töpfe nud Gartenerde zu niedrigsten Preisen liefern und fie auch meist unentgeltlich in die Schulen anfahren. Alle Pflanzen find mit einer kleinen Drahtschlinge mit Plombe versehen, n« so Durchsteckereien unmöglich zu machen. Bei der geringen Gelegenheit, die fich dem armen Großstadikind bittet, um ein noch so kleine» Stückchen Natur fein eigen nennen und pflegen zu können, sind die Bestrebungen de» Verein» gewiß sehr danken»werth und verdienen nicht nur volle Unterstützung, sondern auch Nachahmung in anderen großen Städten. • Die Rückeroberung von Elsaß-Lothringen und der Opern- platz. Der breite Freiplatz vor der Großen Oper in Part» ist offenbar für die Bildsäule de» Manne» bestimmt, der Frankreich die beiden verlorenen Provinzen zurückbringen wirb. So wenigsten» läßt der »Figaro- durchblicken, indem er den Plan, dort dem jüngst verstorbenen Schöpfer der Oper, I Eharle» Garnier, ein Denkmal zu errichten, bekämpft. »Wenn Deutscher Reich. Berlin, 31. August. Zu den Retse-Di-posttiouen de» Kaiser» verlautet noch Folgende»: Bor Antritt der Palästinareise gedenkt der Kaiser, von HubertuSstock kommend, fich zu etwa acht- bi» zehntägige« Anfeathalte nach de« Jagdschloffe Rominten zu begeben. Zu« ersten Male wird auch, wie verlautet, die Kaiserin ihren Gemahl ans seiner Jagdreise dorthin begleiten; bi»her war die hohe Frau nur einmal zn kurzem Aufenthalte während der Einweihung der neuen Capelle dort anwesend. Da die Räumlichkeiten in Dem kleinen Jagdhause zu dem gleichzeitigen Aufenthalte de» Kaiser» und der Kaiserin nicht berechnet find, wird beab- fichtigt, in der unmittelbaren Nähe der kaiserlichen Wohnung eine Baracke zu bauen, in welcher die Kaiserin mit ihrem Srfolge Unterkommen findet. Berlin, 31. August. Gegenüber der Meldung der »Da'ly New»-, daß Kopenhagen al» der Ort der vom Zaren angeregten FriedenSconferenz vereinbart sei, erfährt die »Post-, daß diese Meldung lediglich auf Ber- «uthnngen beruht. Thatsächlich sei eine Entscheidung über diesen Punkt bi» jetzt noch nicht getroffen. Berlin, 31. August. Zu der Verhaftung de» Oberstlteutenant Henry schreibt die „National-Zettung-: Der franzvstfchen Regierung bleibt nach den Zngeständniffen de» Henry nur ein» übrig, nämlich den CaffationShof durch den Justizminister unverzüglich mit der Revifion de» Dreyfu»- Procrffe» betrauen zn laffen. Da« Schlagwort von der Ehre der französischen Armee, die durch einen RevifionSproceß an« gegriffen würde, kann nach den Fälschungen der Offiziere von dem Schlage Henry», Dupaly de Clam» und Esterhazy» wohl tau« noch wiederholt werden. Gießener Anzeiger General-Anzeiger 4 werben auf M nbarung Vorbehalts. M jbrüder Seeger Dl. Smx h. Streit ). L Thomas i\ Töpken ). Uhlmann ). & C. Weib >. Walluf V Zillinger Dohn & Kren Eyssen g Heilmann K. Hermann K. Hämel J. Jungels t Knecht lebrüder Leibner
h. Thom» 1. Steyer. Feuilleton. Fon Baris zurück. (Schluß.) Nach 10 Minuten setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Die Steigung wurde beträchtlicher; wir fuhren längere Zeit Über eine Hochebene, kreuzten kur, vor Rethel den Ai»ne Canal, der diese mit der Maa» verbindet, und waren nun im kohlenreichen Berglaude der Ardennen. Tiese Einschnitte, hohe Dämme kennzeichneten die Fahrt, die un» in eine Reihe schöner Thäler blicken ließ. Allmählich ging der Zog rascher und gegen 1278 Uhr fuhren wir in den Bahnhof von Charle»ville ein, der Kopfstation für nnlete Linie ist. Wir hatten eine halbe Stunde Aufenthalt; während deffen wurde die Locomotive gewechselt und an da» angekoppelt. Hatten wir bi» Epernay die Ost', bi» hierher die Nordostrichtung eingeschlagen, so sollten wir nun unsere Reise nach SÜdosteu läng» der belgischen Grenze fortsetzen. CharleSolle wird durch die Maa» von MeziAre» getrennt, da» 1870 noch Festung war. Die Mauern find theilweise noch erhalten, allein die Bertheidigang de» Thale» hat ein südlich ans den Höhen gelegene» Fort üdeimommen. D»e Stadt mit ihren 7000 Einwohnern ist Garnison einer Jofanteriebrigade. Wer nun ta bett Zu, stieg, ist -i- uicht b-r-w-t. 8i»e geelffe Auflegung hatte fich -einer be-°chtigt. Sollte I» doch In wenigen Minuten die Gegend betreten,, wo da« Geschick de» letzten franzöfischen Kaiserreich» herbeigeführt wurde, jene Gegend, wo Truppen «einer Heimath die Scharte von Jena auf französischem Boden au»wetzten. Doncherh tarn bald in Sicht, jener Ort, in deffen Nähe König Wilhelm die Unterredung mit Napoleon hatte; die Chaussee zeigte fich, h» */**!*% ppingen- Venedig, 81. August Bläitermeldnngen zufolge wird . Cardinal Santo Kaiser Wilhelm im Auftrage de» Papste» begrüßen und ihm da» Bild de» Papste» mit seiner Unter- | schrift überreichen. frftetet ttgNch au Hulnabmt bti Äonloyi. Du •ifbmcr >e*in<*»r«ttd feien, ijZ S'« «-°d Z Iobtn n»d '“Wl dnch ni! Jf!"®Woral»n«« A- M. Senat« - ®et 2uft mitgebtadr. i WfWjt» 3*: 00 Grad unter M ?nachtete, etwas coB. ä"le strömen, woburi de» zweiten Din«i ver Wirth ptifentin M bither In faglt) chon eö an gaftrRl M mit toghffyn gr. itatn Sport za |t> dm, dorwirtzrvd die fit einzige Runt^ah iöin und ö^tDüld)!: unb Birrhaiirn), bi frl werben, lagltl* nbe leider anfntigu i, wehr als baS, uniet 1 Syndicate Limite? it auf allen pafftnte a, AnfichtSkarlen'Sail In den engWkn Britt- cklh lackitt unb flick Rltmanb an ihnen k ennh erhält wan tut vhwarke, dem Jalo? auf etwa vier M > Un, ob bat englifii - Don fo tiUtro SritL Die Automaten VW We i« .vmien für 8onbt;i n Tnglonb nach an,irr bah die grohe Satovi Ilch mouopollfirt, hm 100 Pfd- Stnlws m t ihnen kam bestim eßen uv» rauchen. » )a de« «an H ■ Sn* MW** (jtfolj. ®l ALJ DEliöiwSTEF ( Ia. holl. Vollheringe, schöne, große Waare, 10 Stück 45 Pfg., Rollmöpse, Sardellen etc. empfiehlt 8597 Fr.LkollM.,C. Kerber, Selterüweg 71. Montirtes Gleis u. 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