Nr. 126 Erstes Blatt. 1898 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts» und Anzeigsblatt für den Ureis Gieren. Gratisbeilage: Gictzener FamilienbMter i Weimar. Amtlicher Theil. Schwall als Stellvertreter - Kirch als Stellvertreter. n til ZozelSgaffe. stetostraße. S. Wahlbezirk: Donnerstag den 2. Zum Zu den übrige« Gemeinden hat der Großh. Bürgermeister Wahlvorsteher, der Sroßh. Beigeordnete als Stellvertreter Slauahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den f»l-mdm Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. We,»g-»r«l» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 76 Pfx. mit Bringerloh« Bei Postdezug 2 Mark 50 Pf^- vierteljährlich. Alle Anzeigen-Bermittlung-stellm de« In- und HnMee**A nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtyy».. Orfchetnt täglich mit Ausnahme de- Montags. ^«•Gewinn. 1,6 “> d» durch 4. Wahlbezirk: (Wahllocal: Alte« Ralhhaus.) Die Gießener Mamikienvtätter »erden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Reboction, Expedition und Druckerei: Schnkßritze Mr. 7. für den 3. Wahlbezirk: Stadtverordoeter S. Keller alr Vorsitzender, zu fuugtrea. Die Wahl ist in den einzelnen Landgemeinden in dem Gemeiudehause, bezw. in dessen Ermangelung im Schulhause abzuhalteu und wird durch die Grohh. Bürgermeistereien da- Nähere ortsüblich bekannt gemacht werden. 3'im Wahlcommissär, an welchen die Wahlacten etnzu- senden find, ist der Unterzeichnete ernannt. Gießen, den 1. Juni 1898. GroßherzogltcheS Kreisawt Gießen. v. Gagern. Bahnhofstraße Nr. 1—50, Burggrabeu, Ktrchstraße, ÄaplanSgaffe, Kathariuengafir, Kceuzplatz, von Ltcherstraße 23 Kaserne 1, Marktplatz, Marktstraße, MäuSburg, Rittergaffe, Schanzenstraße, Ttefenweg, Weitergaffe, Wetzfteingaffe, Wetz- aL - Adresse für Depeschen: Anzetger Fernsprecher Nr. 5L find 1897 vom Stapel gelaffeu. Sie haben ein Deplacement von 5630 t und Maschinen von 10,000 Pferdekräfteo, die den Schiffen eine Fahrgeschwindigkeit von 19 Seemeilen in der Stunde geben. Die Besatzung besteht au« je 447 Mann. Die drei gleichzeitig in Angriff genommenen Kreuzer find größer als die beiden jetzt im ostafiatischen Kreuzergeschwader vereinigten Schwefterschiffe „Prinzeß Wilhelm" und „Irene", da diese nur ein Deplacement von 4400 t und Maschinen von 8000 Pferdekräften haben. Etwa« größer ist dagegen der schnelle Kreuzer „Kaiserin Augusta", der 6050 t De« Placement mißt und Maschinen von 12,000 Pferdekräfte« besitzt. Dennoch haben die neuen Kreuzer einen weit höheren Gefechtlwerth als da- letztgenannte Schiff, da fie, wie man der „Magdeburger Ztg." aus Kiel schreibt, eine viel stärkere und practtscher grupptrte Artillerie und den Dortheil des Panzerschütze- für die Geschützstaude, sowie Unterwasser- Lanci,rohre für Torpedos haben. Der Kohleuvorrath der Schiffe ist so bemefleu, daß sie bet einer Fahrgefchwiudtgkeit von zehn Seemeilen in der Stunde eine Strecke von 6600 Seemeilen zurücklegeu können. Die Kosten für jede« der Schiffe, ausschließlich der Armtruug, belaufen fich auf 7,360,000 Mi. Wetter ist eine Verstärkung der Flotte durch acht neue Torpedoboote zu verzeichnen, von denen sechs bereits von der Marineverwaltung übernommen worden find. Im kommenden Monat werden olle acht Boote dem activen Flotteudteust zur Verfügung stehen. Die neuen Torpedo« boote weichen tu Form und Construction von den bisherigen Torpedobooten ab. Die wesentlichen Unterschiede der neuen Boote find eio größeres Deplacement und eine erhöhte Fahrgeschwindigkeit. Bei einem Deplacement, das bei voller Ausrüstung 155 Tonnen b-trägt, besitzen dir neuen Boote eine Fahrgeschwindigkeit von 25 Seemeilen in der Stunde, während bisher 21 biß 23 Seemeilen als höchste Geschwindigkeit galt. Sechs von den Booten sind 49 Meter laug, 5 Meter breit und 2,8 Meter tief, die zwei anderen etwas länger und tiefer, aber nicht so breit. Die Armirung besteht aus einer 5 Centimeter- Schuellladekanoue und eine« 8 Millimeter-Maschiuengewehr, sowie aus einem Ueberwaffer- bugrohr und zwei auf dem Verdeck eingebauten Breitseit- rohreu für Torpedos. Die Kosten der Torpedoboote, einschließlich der Ausgaben für Armirung und Probefahrten, belaufen fich auf 3,472,000 Mk. Köln, 31. Mat. Die „Köln. Ztg." meldet aus Madrid: Alle isrerüchtr über einen neuen Kampf bei Santiago de Cuba sind falsch. Bor Santiago lagen zuletzt 12 amerikanische Schiffe, wovon der größte Theil nunmehr westlich abgedampft ist. Der „Terror" ist in Sa« Juan angekommeu. Bonn, 31. Mai. Als gestern Nachmittag l‘/i Uhr der dicht besetzte Rheindampfer „Humboldt" an der htefigen Landungsbrücke aulegen wollte, versagte die Maschine, sodaß der Dampfer weiter fuhr, anstatt zu stoppen. Das Schiff bohrte fich in das Gerüst der neuen Brücke, nahm indeß keinen Schaden. Ebenso konnten die erschreckten Paffagtere auf einen anderen Dampfer übernommen und unverletzt gelandet werden. Gießen, den 1. Juni 1898. Betr.: Die Feierabendstunde für die Wählerversammlungen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien und die Polizei- orgaue des Kreises. Im Auftrag Großh. Ministerium« empfehlen wir Ihnen, von jetzt ab bis nach statrgehabier ReichStagSftichwabl bei Versammlungen von Wählern die Vorschriften über die Feier- abeodstuude nicht zur Anwendung zu bringen. v. Gagern. Mgsbank. w/i Minium fßf. l'/t Minin» Rfif. ’M Bekanntmachung, betreffend die Reichstagswahlen. Die Wahlen zum ReickStage find im ganzen Reiche auf Donnerstag den 16. Juni 1898 festgesetzt. Die Abstimmung wird um IO Uhr Morgens beginnen und um 6 Uhr Abends geschloffen werden. Dieses wird nebst den weiter folgenden Anordnungen, welchen auch für etwaige Ersatzwahlen innerhalb deS ersten Jahres nach den allgemeinen Wahlen Geltung betzulegeu ist, hiermit zur öffentlichen Kenntuiß gebracht. Jede Bürgermeisterei des KreifeS mit Ausnahme von Gießen bildet einen Wahlbezirk. Die Stadt Gießen zerfällt in folgende Wahlbezirke: 1. Wahlbezirk: (Wahllocal: Schulhaus am Asterweg.) Asterweg, Ederstraße, Marburgerstraße, von Sicher- straße 23 Kaserne 2, Nordavlag-, Am Rodtberg, Schtller- straße, Schottstraße, Steiustraße, Wallthorftraße Nr. 23—77, Weserstraße und Wieseckerweg. 2. Wahlbezirk: (Wahllocal: Restauration zum Wiener Hof.) Dreihäusergaffe, Erleugaffe, Löweugaffe, Maigaffe, Neuenweg, Blockstraße, SelierSweg, Sonneostraße, Süd- rnlage, Teufelslostgärtchen, Weidengaffe, Wolkengaffe, West- aalage Nr. 1—21. 3. Wahlbezirk: (Wahllocal: ThurmhauS am Brand.) Au der Bach, Brandgaffe, Brandplatz, Braugaffe, Diez- straße, Dammstraße, HuudSgaffe, Kaplaueigaffe, Kauzlriberg, Kirchevplatz, Ltndeoplatz, Ltudeugaffe, Moltkestraße, Neuen- bäue, Ostanlage, Schloßgaffe, Schulstraße, Senkenbergstraße, Wagengaffe, Wallthorftraße Nr. 1—22, Wtesenstraße, Deutsches Reiche Darmstadt, 31. Mai. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin reisen heute Abend 11 Uhr 15 Mtn. zu Besuch Ihrer Kaiserlichen und König, lichen Hoheit der verwittweten Kronprinzessin von Oesterreich-Ungarn nach Laxenburg. Im Gefolge befinden sich die Schlüffeldame Frettn v. Grancy und Ober- stallmetster Frhr. v. Rtedesel. Berlin, 31. Mai. Der preußische Hof legt heute für den verstorbenen Erzherzog Leopold von Oesterreich die Trauer auf acht Tage an. Berlin, 31. Mai. Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich werden morgen Nachmittag Berlin wieder verlaffen und fich in Beglritung ihrer Gouverneure nach Plön zurückbegeben. — Die deutsche Flotte gewinnt jetzt einen ansehnlichen Zuwachs. In einigen Wochen wird die Kreuzerflotte eine ansehnliche Verstärkung durch die großen neuen Kreuzer erhalten, welche fich zur Zeit im Bau befinden. Der Kreuzer „Freya", „Hertha" und „Victoria Lutie" werden demnächst unter die Flagge treten und nach Beendigung der ersorder- lichen Probefahrten zum activeu Flottendienst herangezogen werden. Kreuzer „Freya" ist auf der kaiserl. Werft in Danzig, „Hertha" beim „Vulcan" in Stettin, und „Victoria Luise" auf der Weserwerft tu Bremen erbaut. Die Schiffe Linie UBda-Werthelm Lehr-Wertheim- . ne a. Maio -rr?iMMain-u.T^ odenport. Näher* dar^ Gießen, den 1. Juni 1898. Betreffend: Reichstagswahl. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» die Grotzh. Bürgermeistereien deS KreifeS. Wir beauftragen Sie, vorstehende Bekanntmachung, welcher Sie noch die Bezeichnung des Wahllocals zuzu'etzen haben, sofort — spätestens aber am 7. Juni 1898 — in Ihren Gemeinden, sowie in den Ihnen etwa zugetheilten besonderen Gemarkungen ortsüblich bekannt zu machen. Ihrem Bericht über den Vollzug dieser Anordnung sehen wir unter Angabe des Tages der ortsüblich erfolgten Bekanntmachung zugleich mit der Namhaftmachung des Wahllocals unfehlbar bis zum 10. Juni entgegen. v. Gagern. ArrsUnrd» Wien, 31. Mai. Es verlautet, die Regierung werde in der morgigen ReichSrathSfitzung einen Gesetzentwurf, betreffend Aufhebung des Kalender- und ZeitungS- StempelS ab 1. Januar 1899, eiubriugeu. Linz, 31. Mai. Der hier tagende Parteitag der deutsch-österreichischen Socialdemokraten nahm eine Resolution au, in welcher der ungarischen Regierung wegen deren culturwidrigen Vorgehens gegen die Social- demokratie Verachtung und Entrüstung und den ungarischen Gevoffen volle Sympathie ausgedrückt wird. Eine weitere Resolution tadelt das Verhallen der Christltch.Soeialen energisch und verlangt eine entschiedene Bekämpfung derselben. Rom, 31. Mai. Der König wird wahrscheinlich heute Giolitti mit der Neubildung des CabtnetS betrauen, da die Versuche Rudinis vollständig gescheitert find und Rudiui auch auf weitere Bemühungen verzichtet hat. Pari«, 30. Mai. Präsident Faure wohnte gestern in Etienne der Enthüllung deS Kriegerdenkmals für die t« Jahre 1870/71 Gefallenen bei und präsidtrte nachher bei dem ihm vom Municipalrath angebotenen Festeffen. Auf die Ansprache des Bürgermeisters antwortete Faure: „Ich brauche nicht besonders auf die Resultate der gemeinsamen Actionen. (Wahllocal: Früheres SchulhauS in der Neustadt.) Bahnhofstraße Nr. 51—93, Grabenstraße, Hammstraße, An der Hardt, Kornblumengaffe, Kg :8»€e(8WUboUnn Ibmo -iti»dttidm>o n6i0 iien-Rückgewähr. g rang 16 i ravsmsstttthaltt- j bttcna»b<»inau«yo- pctbirtlidM J flB 43 Milliom M-rk-' i^ai Leriretmi. smy. LtsMgm- ; der beiden befreundeten und alliirten Nationen hiozuweisen, fei tl, daß beide Nationen ihre Stimmen im Rathe der Großmächte zvm Nutzen des allgemeinen Frieden» ertönen ließen, sei e», daß wir auf friedlichem Wege unsere Interessen sicherten. -Betreff» de» spanisch-amerikanischen Kriege», dessen Ausbruch beide Nationen bedauern, kann ich nur erklären, daß wir infolge der Freundschaft, welche wir mit beiden Nationen Pflegen, entschlossen sind, vollständige Neutralität zu bewahren. Wir können hoffen, daß heute die Umstände eine gemeinschaftliche Action der neutralen Staaten ermöglichen, um den Frieden wirderherzustellen. Die allgemeine Lage FrankreiqS gegenüber dem Auslände beweist, daß Frankreich auch heute, wie immer, das größte Vertrauen de» AuSlaude» besitzt. Niemand kann bestreiten, daß unser Land den ihm von Recht» wegen zukommendev Platz im europäischen Concert wieder eingenommen hat. Dies ist das Resultat des politischen Geiste» unserer Demokratie. Letztere hat zwei große Auf. gaben zu erfüllen, nämlich: mit Weisheit und Festigkeit im Borhaben überall ein,ustehen, und bann, für die Armee und die Flotte die erforderlichen Opfer zu bringen, damit der Frieden erhalten werden kann, welcher zugleich Mittel zum Zweck de» demokratischen Fortschritt» im Innern ist." Die Rede wurde mit lange andauerndem Beifall ausgenommen. Es wor da» erste Mal, daß ein StaatSchef in Frankreich sich auf politischem Gebiet soweit hervorwagte. Madrid, 31. Mat. Auf den amerikanischen Kriegsschiffen vor Manila find Blattern und Dysenterie auS- gebrochen, welche zahlreiche Opfer nuter der Mannschaft fordern. Madrid, 31. Mai. Der Marineminister erhielt ein amt. liche» Telegramm au» Manila, wonach in der Seeschlacht bei Cavite 50Spanier getödtetund 174verwundet wurden, darunter 15 Offiziere. Die Mehrheit der Verwundeten bestand au» eingeborenen Seesoldareu. Petersburg, 31. Mai. Auf Befehl de» Czaren wurde ein Comtlü gebildet, welche» sich eingehend mit der infolge der Mißernte entstandenen HungerSnoth beschäftigen soll. Da» Präsidium de» Comilvs hat der Czar selbst über, nommen. Key West, 31. Mai. Ein spanischer Dampfer wurde abgesangen in dem Augenblick, al» er versuchte, in den Canal von Key West einzudringen. Der Dampfer hatte ein großes Leck. Man vermuthrt, er sei bestimmt gewesen, in den Canal versenkt zu werden, um diesen zu sperren. wahlbewegirng. • AlSfeld, 29. Mai. In der gestrigen Versammlung de» freisinnigen Wahlverein» wurde der Schriftsteller Dr. Ehler» in Frankfurt als deutschfreifinniger Candidat für den hiesigen Wahlkreis aufgestellt. Die Verstaatlichung der Reichsbank. (Schluß.) Eine schlechtere Währung würde unbedingt einen höheren Zinsfuß mit sich bringen, und ein solcher könnte den große.n Banken sehr wohl paffen; eine schlechtere Währung würde sicherlich Schwankungen in der Valuta im Gefolge haben, und dieselben würden den Banken und Bankier» ein willkommene» neues Geschäftsfeld eröffnen; eine verstaatlichte Reichsbank würde sicherlich eine weniger zu fürchtende Con- currenz sein, als es die heutige Reichsbank ist. Ich will sagen, durch das Dunkel, in das alsdann die wirthschaftliche Zukunft Deutschlands gehüllt sein würde, würden wir noch am allerersten unseren Weg zu finden wissen. Aber, meine Herren, wir Banken und Bankiers sind stolz darauf, dem deutschen Handelsstande zugezählt zu werden, und wir würden uns einer solchen Zugehörigkeit und den Principien des deutschen Handelsstandes unwürdig erweisen, wenn wir in diesen wichtigen Fragen auch nur einen Augenblick daran denken wollten, unseren persönlichen Vortheil den Interessen der Allgemeinheit voranzustellen! (Bravo!) ES hat neulich der Herr Finanzminister Dr. von Miquel im preußischen Abgeordnetenhause ein Wort gesprochen, welches wir niemals vergessen wollen. Er erwiderte dem Abgeordneten Eugen Richter, als dieser Bedenken hatte, der Cenlralgenossenschafts- lasse schon wieder 30 Millionen Mark aus Staatsmitteln zu bewilligen, daß er — der Abgeordnete Richter — von seinem Standpunkte aus auch ihm ganz sympathisch gesprochen habe, es fei nur schade, daß diese guten Lehren etwas zu spät kämen. Es käme ihm vor, als ob der Senf nach dem Mittagessen fervirt werde. Die vorliegende Frage fei im Princip bereits entschieden, als das Abgeordnetenhaus vor zwei Jahren die ersten 5 Millionen Mark bewilligt habe; mit anderen Worten, damals habe es A gesagt, im vorigen Jahre mit weiteren 15 Millionen B, jetzt müsse es auch mit abermaligen 30 Millionen C sagen und also wohl das ganze ABC durchbuchstabiren. Nun, meine Herren, wir wollen hieraus die Lehre ziehen, daß wir nicht früh genug unsere Stimme erheben können,- wir wollen schon jetzt gewissermaßen den „Senf" auf die Mittagstafel stellen, und damit, soweit ce an uns ist, es nicht etwa mit der Reichsbank demnächst so gehe wie mit der Centralgenossenschaftskasse, wollen wir schon heule laut und deutlich erklären, daß nach unserer gewissenhaften Ueberzeugung an der Organisation und Leitung der Reichsbank gar nichts auszusetzen ist, (Bravo!) daß die Gefchäftsgebahrung die allerbefriedigendsten Resultate ergeben hat; daß namentlich für die Allgemeinheit das jetzige Reichs, banksystem von großem Segen gewesen ist; daß die gegen die Reichsbank erhobenen Vorwürfe sich nach sorgfältiger Prüfung als ungerechtfertigt und verwerflich erweisen; daß aber die Gefahren, die durch eine Veränderung de» Reichsbanksystems der Allgemeinheit erwachsen würden, ganz eminente sein würden, so daß wir nur auf das dringendste für eine unveränderte Verlängerung des Privilegiums eintreten können. Wir wollen aber auch der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß die verbündeten Regierungen ihr eigenstes Werk nicht bei« avouiren, sondern standhaft für da» altbewährte jetzige System eintreten werben, und wir wollen die Hoffnung aussprechen, » daß auch die Majorität des Reichstags dem Ansturm wider- stehen werde. Zugleich wollen wir bei dieser wie bei jeder nächsten Gelegenheit uns dagegen verwahren, daß es einzelnen Berufsständen gestattet werden darf, immer wieder den Versuch zu machen, sich vermeintliche und noch nicht einmal erwiesene Vortheile auf Kosten^ anderer und zum Schaden der All- gemeinheit zu verschaffen. (Bravo!) Es wird der Handelsstand der letzte sein, der nicht gern bereit wäre, einem anderen Erwerbstand, der in der Entwickelung und Prosperität zurück- geblieben, die helfende Hand hinzustrecken. Wir wollen gar nicht in Abrede stellen, daß ein gewiffer Theil der Land- wirthschaft unter Mißständen krankt. Aber es will mir scheinen, als ob dieser Kranke sich schon viel zu lange selbst zu curiren sucht; es will mir scheinen, als ob die vielen großen und kleinen Mittel, die er sich selbst verschreibt, recht gemeinschädlich sind, ohne ihm zu nutzen; (Sehr richtig!) es kommt hinzu, daß Kranke, die sich selbst behandeln, nur zu geneigt find, sich Gerichte zum Esten zu bestellen, die ihnen zwar am besten schmecken, ihnen aber am unzuträglichsten ind, (Heiterkeit) und es will mir scheinen, daß es hohe Zeit st, daß einmal ein sachverständiger und practischer Arzt hin- zugezogen wird, der ergründet, wo eigentlich die Ursachen >es Nebels fitzen, damit dieses Nebel von Grund aus geheilt werden kann, oder, wenn das sich als unmöglich Herausstellen ollte, dem Kranken durch natürliche Mittel Linderung und kräftigung zugeführt werden. Möge man doch — wie das ja auch schon in anderen Fällen geschehen ist — von Reichswegen eine öffentliche Enquete über den Rothstand der Land- wirthschaft abhalten! (Sehr richtig!) Ich bin überzeugt, wir alle werden gern unsere Kräfte zur Verfügung stellen und Reciprocität üben für die freundliche Beihilfe, die jene Herren uns bei der Börsen-Enquete geleistet haben. (Bravo! Sehr gut!) Das Leben ist ein Kampf, und so lange die Welt steht, hat es Kämpfe gegeben. Aber von jeher hat man unterschieden zwischen dem wirklichen Kriege, der dem Feinde des Landes bereitet wird und in dem es erlaubt ist, mit aller List und Tücke dem Feinde jedweden Abbruch zu hun, und zwischen dem friedlichen Wettkampf. Ich bin der Meinung, daß alle Kämpfe auf wirthschaftlichem Gebiet nur auf dem Wege des friedlichen Wettkampfes ausgefochten werden sollten. (Sehr richtig!) Ich glaube, daß auf diesem Wege ganze Völker mit einander vereinigt und befreundet werden können. Aber es würde unerhört und unerträglich sein, wenn im eigenen Vaterlande wirthschaftliche Gegensätze nach den grausamen Regeln des Krieges ausgefochten werden ollten. Wir wenigstens wollen in unserem eigenen Lande wenn möglich nur Freunde haben, und wenn das nicht sein kann, jedenfalls nur Gegner und keine Feinde kennen! Bei )en berühmtesten aller Wettkämpfe im alten Griechenland gab es ganz feste Regeln, welche auch heute noch für alle civili- irten Nationen maßgebend sein sollten. Es durfte jeder ohne Ansehen der Person, des Standes oder des Berufes, so lange er nur seine Freiheit bewahrt hatte und nicht zum Sclaven geworden war, an den Wettkämpfen theilnehmen. Jeder hatte Has Recht, sein Bestes und seine ganze Kraft einzusetzen, um den Siegeskranz zu erringen. Nur eines war Jedem verboten: es durfte Niemand dadurch, daß er dem Gegner ein Bein stellte oder ihn im Laufen behinderte, sich selbst Vortheile auf Kosten der anderen zuführen. Wer das that, ward für immer ausgeschlossen und verfiel der ewigen Schande. Dieses Bild, meine Herren, wollen wir un» immer vor Augen halten! Möchten es aber auch diejenigen unserer Gegner thun, welche sich so gerne und mit Recht auf den Vorzug der Ritterlichkeit berufen! Ueberall wird jetzt zum Sammeln geblasen! Wohlan, auch wir vom Handel und von der Industrie sind bereit, uns einzufinden! Aber nur, wenn es gilt, aufzubauen und durch gemeinsame Arbeit neue Werthe zu schaffen; wir sind nicht zu haben, wenn es darauf abgesehen sein sollte, die Früchte jahrzehntelang e n F l e t ßes zu zerstören oder gar zu plündern! Gießen, 1. Juni 1898. •• Ernennungen. Seine Königl. Hoheit der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, den Dr. Carl Ebel zu Gießen zum zweiten EustoS der UniverfitätS-Bibliothrk, — den Director an der Realschule und dem Progymnasium zu Friedberg Dr. Theodor Goldmann znm Director am Gymnasium und der Realschule daselbst zu ernennen. *• Ernannt wurde der seither al» Gärtner verwendete Friedrich Möser zu Salzhausen zum Gärtner bei der Bade- anstatt Salzhausen. •• Parlamentarisches. Die Erste Kammer der Stände wird am 3. Juni d. I., Vormittag» 10 Uhr, zu einer Sitzung zusammevtretev. •• Die Rettungsmedaille am Baude ist, wie der „Reichs- auzeiger" meldet, der Prinzessin Eleonore zu Solms- Hohensolms-Lich verliehen worden. Hebet den SefangSwettstreit in Kreuznach ging un» unterm 30. Mai folgender Bericht zu: Der au» Anlaß de» 65jährigen Bestehen» des Männergesangverein» „Lieder- kränz".Kreuznach veranstaltete Gesangswettstreit wurde durch ein im prächtig illumuvirteu Kurgarten abgehaltenes Doppel- concert, bei welchem die vereinigten hiesigen Gesangvereine, wie das Kurorchester mitwirkten, stimmungsvoll eingeleitet. U. A. gelangte das von den vereinigten Männergesavgvereiuen sehr wirkungsvoll zu Gehör gebrachte Gedicht von Ernst Renck Offenbach: „NahethalS Lobpreis" zum Bortrage. Zur Compofition biete» Gebichte» traten 33 am Wettstreit be- theiligte Dirigenten in einen Wettkampf, au» be« Herr Kern-Frankfmt als Sieger hervorgiug. Der Preis bestaub aus 100 Flaschen hochfeinem 1893er Nahewein. Dichter wie Componist erhielten Lorbeerkränze. Heute Mittag setzte sich Iber auS 123 Vereinen bestehende Festzug durch die mit Ehrenpforten, Fahnen, Emblemen und Guirlaudeu geschmückte Stadt nach de« Kurgarten zu in Bewegung, wo die Erinnerungsmedaillen vertheilt wurden. Bei dem Nachmittag 3 Uhr beginnenden Wettstreit erhielt der Bauer'fche Gesangverein unter 15 Bewerbern, von denen acht mehrfach preisgekrönt, den 5. Preis (eine vom Kreuznacher Ränner-Turnverein gestiftete Bowle). Bei dem Wettstreit der Ehrenklaffen entschied da» Preisgericht zu Gunsten be» „Säugergrub"-Frankfurt, hinter welchem ber Bauer sche Gesangverein nur mit 3 Punkten zurückblieb. • • Die Wählet verfammluug, welche die socialbemokra- tische Partei auf gestern Abend in Röhrle» Bierhalle einberufen hatte, war, vermuthlich in Erwartung be» Er- cheinenS der besonders eingelabenen Gegner, sehr zahlreich besucht. Der Candidat der Partei, Redactenr Sch eid emanu, verbreitete sich in ungefähr anberthalbstündiger Rede über )ie Arbeiten be» verflossenen Reichstag», besprach abfällig >ie Stellung der sog. bürgerlichen Parteien gegenüber den »erechtigteu Forderungen des Arbeiter- unb Mittelstände», wendete sich dann gegen die liberale Vereinigung im hiesigen ! vahlkreise und ihren Candidateu und forderte schließlich die iZersammetten auf, am 16. Juni nur dem Candidateu der Arbeiterpartei ihre Stimmen zu geben. — Kaufmann Krumm wendete sich gegen die wider die Tocialdemokratie oft erhobenen Vorwürfe, betreffend Abschaffung de» Eigeuthum», >er Religion, der Ehe u. s. w. — Nachdem der Vor- itzende festgestellt, daß von den elngelnbenen Gegnern Niemand erschienen, auch sonstige Gegner sich nicht gemeldet, erhiett Herr Scheidemann das Schlußwort. Er empfahl den Anwesenden eindringlich die Unterstützung der Arbeiterpresse nnb forberte fie nochmal» auf, am 16. Juni von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, unb ihre Stimmen bem Candidateu »er Socialdemokraten zu geben. • • Jubiläum. In aller Stille feierten am 1. Juni im kreise ihrer Familie die beiden Wageumeister der Main- Weser-Bahn Wenzel und Schul«eher ihr 25jährige» Dienstjubiläum. • • Radfahren. Die Fahrwarte de» Gaue» 9 de» D.-R.-B., die Herren Herrn. Johl unb Albert Wämser laben m „Deutschen Rabfahrer Bunb" die Vereine be» Gaue» zu einer Wanberfahrt in ben Tagen vom 18. bi» 19. Juni, »eren Ziel diesmal Gießen sein soll, ein. War schon tat vergangenen Jahre diese sportliche Veranstaltung im Gan ein Ereigniß, welchem großes Interesse entgegen gebracht wurde, o wird in diesem Jahre noch eine größere Betheiligung zu erwarten sein, da die Werthung, hierfür vollständig umgearbeitet, durch die Klasien-Eintheilnng auch ben kleinen weniger zahlreichen Vereinen gerecht wirb. DaS Arrangement für ble Veranstaltung ist ben „Wanberern" G.-R.-G. schon vor längerer Zeit übertragen worben. Da» Programm hierfür wirb in ben nächsten Tagen erscheinen. Theologische Conferenz. Wie alljährlich wirb auch diese» Jahr die rheologische Conferenz zu Gießen am Donnerstag nach Trinitatis (9. Juni) und zwar in Stein» Garten von 101/» Uhr an tagen. Professor D. G. Krüger -Gießen wird Über: „Die neuesten Funde auf bem Gebiete ber ältesten Kirchengeschichte" referiren. Hieran wirb sich ein Vortrag be» Privatbocenten Lic. I. Bauer-Marburg über: „Den evangelischen Gottesdienst und das Cultusgebäude" schließen, der durch Photographien und Grundrisse erläutert werden soll. Lehrerheim Vogelsberg. Seine Großherzozl. Hoheit Prinz Wilhelm haben gnädigst geruht, das Protectorat über den Verein Lehrerheim Vogelsberg zu übernehmen. • • Oberheffifcher Feuervehrtag. Die Vorbereitungen zu bem in Nibba stattfiudenben 17. Oberheffischen Feuerwehrtog fiub im Gange. Da» Programm ist folgenbe»: SamStag ben 25. Juni, Abend», kleine Borfeier mit Biercommer» aus dem Festplatze, wo ble Capelle Arcari au» Frankfurt a. M. concertirt. Sonntag ben 26. Juni, Morgens, Weckruf burch bie Straßen ber Stadt burch die Spielleute bes TumvereiuS Nibba- von 7 Uhr ab Empfang ber auswärtigen Fest- theiluehmer- 9»/, Uhr Delegirreutag in ber Brauerei „Zum GambriuuS"- lP/i Uhr Gesammrübnng ber Feuerwehr Nibba; 12 8 1801 ju W ettb Bud ki- s, JmodiSm g SNiN Sf*4 ** bet w« btm ÄU| hh ®ebote i te.be Ht^unb 5Cmeno ®5 starben *r: Aas«»«« vow 1. Lebensjahr: 2.—Ib.Iahr: 1 1 llrrllciorrünttfii 1 (1) 2 2 1 1 (1) 2 2 1 1 Anm. Dte in Klammern gesetzten Ziffern geben sm, wie Dielt der Todesfälle tu der betreffenden Kravkhelt *uf von auswärts nach Gießen grbrschte Kranke kommen. Industrie und vor allen Dingen der deutschen Arbeiter wahren zu können. — Daß aber der ganze PaffuS mit den Getreide- zöllea nur ausgenommen wurde, um den Interessenten der Laudwirthschast nahe zu legen, daß die Kornzölle kein Mittel sind, der Laudwirthschast, in-besoudere den kleinen Land, wirthen, wesentlich aufzuhelsen, das verschweigt der Cor. respondent der „Mitteldeutschen Sonntagszeitung", wie er auch verschweigt, daß man ausdrücklich betont hat, daß ein Antrag Kanitz und andere sogen, größere Mittel der Laudwirthschast nicht würden Helsen können, sondern daß nur do, wo Selbsthilfe der Laudwirthschast nicht hinreicht, indirect der Staat fördernd und unterstützrnd einzugreifen habe. DaS war der eine Punkt, den dte Socialdemokrateu glaubten beanstanden zu können- der zweite iff der PaffuS, daß Freisinnige uud Nattonalliberale in ihr Programm auf- geuommeu hatten, daß die volle Wehrkraft des Reichs aufrecht erhalten werden solle, als wenn eS stch sür jeden „Deutschen", welcher politischen Richtung er angehöreu sollte 1 (oder ist die Boeialdemokratie darin anderer Anficht?), nicht von selbst verstünde, daß er sein Vaterland tu deu Stand gesetzt sehen will, fich gegen jeden Angriff von Außen unbedingt zu schützen. Auch hier aber verschweigen dte Social- demokraten, daß in drm Programm der veretnigteu Liberalen nachdrücklich betont ist, daß die Parteien nur für die Erhaltung der Wehrkraft find unter gleichzeitiger Be- rücksichttgung der finanziellen und wlrthschaft- lichen Leistungsfähigkeit des Volkes. Daß das Programm des Candtdaten der vereinigten liberalen Parteien den Forderungen auch eines Fortschritts« mauneS von ausgesprochen demokratischer Richtung entspricht, dürfte schon zur Genüge daraus hervorgehen, daß mau selbst von der soctaldemokratischen Partei irgend welche weitere Punkte des Programms nicht auzufechten tu der Lage war, daß man das Programm uud die Caudidatur der liberalen Parteien vielmehr nur mit einigen trivialen Späßen darüber anzugreifen suchte, daß nicht ein einheimischer Candidat fich zur Annahme des Mandats bereit erklärt habe, man viel» mehr Jemand von auswärts habe suchen müffen. Ist denn etwa Herr Philipp Schetdemann im Wahlkreis heimisch oder halten die Socialdemokrateu Herrn Philipp Köhler etwa um deswillen für geeignet, den Wahlkreis xu vertreten, weil er unbestritten dem Wahlkreis augehört?! Ein Hauptargumeut haben die Herren Socialdemokrateu noch für fich angeführt, es seien auch Fretfiunize mit der Candidatur Frank nicht einverstanden und deshalb dürfe kein Freifiuntger dem Compromiß-Caudtdaten seine Stimme geben. Inwieweit dies zutrifft, mag die Wahl zeigen. Krebs Schlagfluß Herzleiden Lungenschwindsucht Altersschwäche_____ SchLfs-nachrichte«. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Car! Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 31. Mai. Mr transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben - Schnellpostdampfer Kaiser Wtlhttm der Groye Capttän H. Engelbart, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in New York angekommeu. Der Postdampfer „Kensington" der „Sieb Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 31. Mai wohlbehalten in Nero- York angekommen. Verdingung Die sämmtlichen Arbeiten einschließlich Materiallieferung zur Erweiterung von 3 Bahnwärterwobnhäusern und Herstellung je eines Stallgebäudes auf den Posten 17 (unweit Hungen), 39 (unweit Stockheim) und 41 (unweit Bleickenback) sollen im Wege des schriftlicken Angebots im Ganzen oder getheilt nach den einzelnen Posten öffentlich verdungen werden. Die Zeick- I nultgen und Verdingungsunterlagen Zur Reichstagswahl gaht uns von berufener Seite folgende Auslasiung zu: Wenn noch irgend Jemand einen Zweifel darüber hegen könnte, daß die Vorstände des freifinnigen und des national- lkberaleu Vereins damit daS Richtige getroffen haben, daß fie liegen im Bureau der unterzeichneten Betriebsinspection zur Einsicht aus; die letzteren können auch von da gegen 50 Pfennig bezogen werden. Die Angebote sind portofrei, verschloffen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermin, Samstag den 11. Juni d. Js., Vormittags 11 Uhr, hierher einzureichen. — Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 28. Mai 1898. 5552 Großh. Eisenbahn-Betriebsinspection 2. Kurhaus-Verpachtung zu Bad Salzhausen in der Wetterau. Die Restauration und Logierwirthschaft in dem geräumigen, 65 vermiethbare Wohnräume enthaltenden Kurhause zu Salzhausen »ebst zugehörigen Oeconomiegebäuden, einschließlich des nahe dabei gelegenen «oeistöckigen Wohnhauses Nr. 3, mit dem daranstoßenden, großen Garten, mit Ausschluß jedoch der zu diesem Hause gehörigen Scheuer, sollen aus -em Wege der schrfftlichen Angebots vom 1. März 1899 ab auf 9 Jahre anderweit verpachtet werden. Auf Wunsch können von dem unter Verwaltung der Badedirection stehenden Acker- und Wiesengelände, die zum Betrieb einer kleinen Milch- und Landwirthschaft erforderlichen Grunde Rücke dem Kurhauspäck^er aus der Hand verpachtet werden. Gebote wolle man längstens bis zum 31. Juli 1898 "^schlossen anb unter der Aufschrift: „Submission auf die Kurhauswirthschaft zu Salzhausen" francirt bei unterfertigter Stelle, daselbst auch die Sub- -nissions- und Verpachtuvgsbedingungen, welchen sich die Submittenten zu Unterwerfen haben, eingesehen werden können, einreichen. Die Eröffnung Zer Offerten findet Montag den 1. August 1898, Vormittags 10 Uhr, m Gegenwart der erschienenen Submittenten statt. Abschrift der Bedingungen wird gegen Mk. 1.— Copialgebühr auf Wunsch mitgetheilt. Salzhausen, am 30. Mat 1898. Grotzherzoglich Hessische Badedirection Lalzhauseu. Schnitispahn. 5560 : trcoeäiVM: im Nachrichten. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 1. Juni. D^e Besserung im Befinden des FinanzmtnisterS Dr. Miquel macht langsame Fortschritte, Der Patient verläßt zeitweise daS Bett, ist aber immer noch recht schwach. Berlin, 1. Juni. In Frankreich hat fich die Spaltung der parlamentarischen Soci allsten gruppe vollzogen. Wie der „Local-Auzeiger" aus Paris meldet, nahmen 44 socialistische Depattrte die in Saint Mauds ausgesprochenen collectivistischen Grundsätze MrllerandS an, während 22 aus der Millerand'schen Verbindung ausgeschlossen wurden, well fie dieses Programm nicht anerkannten. Diese 22 uchen noch ihr Programm und ihren Führer. Mtllerand wird der erste Interpellant sein und Meine auffordern, ein allgemeines Bild der inneren und äußeren Lage zu ent« wersen. Graz, 1. Juni. Die Polizei nahm bet den deutschen Burschenschaften Haussuchungen vor. Wie verlautet, steht ihre Auflösung bevor. Gestern wollten die Studenten einen ruhigen Aufzug zur Univerfität veranstalten, wurden aber von Gendarmen daran verhindert, die fie auf Umwegen zur Hochschule zurückgeleiteten. Ehiaffo, 1. Juni. Vor dem Mailänder Kriegsgericht dauern die Verhandlungen fort. Am Montag wurden 19 Angeklagte zu einem Monat bis zu vier Jahren Zwangsarbeit verurtheilr. Chiaffo, 1. Juni. Die Auflösung der clericaleu, politischen und Parochial»V;reiue In Mailand, Monza, Bergamo, BreScia, Bologna, Como und Novara dauert fort. Fahnen, Bücher und Schriften werden beschlagnahmt. In Bologna wurden mehrere Führer gefänglich eingezogen. Ländliche Grundbrfitzer aus verschiedenen Provinzen hielten in Mailand mehrere Versammlungen ab, um zu berathen, wie t« fort- dauerdrn Bewegung der Landbevöikerung zu begegnen sei. Ja Cremona fand auf Befehl des Grrieral-Commaudanteu von Mailand eine Haussuchung bet dem radica en Deputaten Sacchi stat:. Washington, 1. Juni. Bei dem Versuch de» Admirale Cervera, den Hafen von Santiago zu verlaffrn, kam eS zu einem Scharmützel. Cervera mußte in den Hafen zurück- kehren. Seine Sch ffe haben aber keinen Schaden gelitten. Kingston, 1. Juni. In Folge des heftigen Sturme«, welcher seit 36 Stunden an der kubanischen Küste herrscht, muß fich da« amerikanische Geschwader noch auf hoher See boltea. Havanna, 1. Juul. Taufende von Familien aus den Proviuzstädien ziehen fich in das Innere der Insel zurück, wo fie hoffen, ihr Leben bester fristen zu können, als tu den Städten, wo die Lebensmittel fast unbezahlbar geworden find. WB. London, 1. Juni. Ein Telegramm au- Port- au-Prtnce bestätigt den gestrigen Kampf bei Santiago. Die Amerikaner hatten 14 Schiffe, darunter zahlreiche Torpedoboote und Schlachtschiffe. „New-York" mit der Flagge Sampfons eröffnete um 2 Uhr Nachmittags das Feuer auf dir Hafenforts Morro, Socapa und Puotagaodo, welche erheblich litten. Gegen 4 Uhr wurde die Kanonade schwächer. Der Kanonendonner hallte noch länger von hoher See zurück, bi« er gänzlich verstümmle. WB. New-York. 31. Mai. Heute Abend traf in Cap Haytten di- Nachricht aus Havanna ein, die amerikanische Flotte bei Santiago habe seit zwei Uhr Nachmittags die Forts Morro, Dazecapa und Puutagaada beschossen. Gleichzeitig kämpften amerikanische und spanische Schiffe. DaS Feuer war außerordentlich heftig,- um 39/4 Uhr wurde die Kanonade gegen die Forts schwächer, aber gewaltiger der Drekampf. gttM bti YrsirrtoM 1° üb«l' Bekanntmachung. Bruno Hoheisel und Ehefrau Ottilie Johanna geb. Lorenz von hier haben durch Vertrag vom 2. März 1898 Gütertrennung vereinbart. Gießen, den 24. Mai 1898. Großherzogliches Amtsgericht. Wiener. 55581 sich zur Aufstellung eines gemeinschaftlichen Candtdaten ver- einigt haben, so muß dieser Zweifel gehoben werden, wenn man den Eindruck verfolgt, welchen dieser Schritt auf die Gegner gemacht hat- wenn man namentlich unbefangen die Artikel liest, mit welchen die offen und verkappt social- demokratischen Organe, „Mitteldeutsche SonntagSzeitung" und „Hessische Landeszeitung", diese Candidatur ausgenommen haben. TS ist ja kein Wunder, daß die Socialdemokrateu sehr ungehalten darüber find, daß nicht die Nationalliberaleu riaen möglichst rechtsstehenden Candtdaten, dte Fretfiunigen aber einen ganz linksstehenden Demokraten aufgestellt haben. Den Ersteren hätte man ohne Weiterer als Volksfeind und Reactionär bekämpfen können- bezüglich der Letzteren aber konnte man sagen: Alles DaS, was der Freifinnige will, daS wollen wir auch, nur rücksichtsloser. Also warum wollt Ihr den Freisinnigen wählen? So schön war eS auSgedacht, man hvffte, wieder wie im Jahre 1896 in die Stichwahl zu kommen, üvd Köhler blieb ja inzwischen dem Reichstag ferner denn vordem, auch find feine Erfolge kaum nennenSwerth- jeder intelligente Wähler wird also dem redegewandten Scheide- Bttmn vor Köhler den Vorzug geben müffen. Ja, es wär so schön gewesen, eS hat nicht sollen fein. — Die liberalen Parteien find endlich zur Einficht gekommen und haben fich za einem gemeinsamen Vorgehen entschloffen. Nichts ist natürlicher, als daß die Tocialdemokratte dieses Zusammengehen auf da« Schärfste verdammt- nichts natürlicher aber auch, als daß man nun mit allen Mitteln die freifinnigen Wähler, namentlich die mehr linkestehendeu, zu fich herüber zu ziehen versucht. Und welcher Mittel bedient man fich dabei?! Nach dem Grundsatz: calumniare audacter (nur kühn verleumdet), verdreht man den Satz des liberalen Programms, daß man riaßige Getreidezöllr für zweckmäßig erachte, dahin, e« feien bie Freisinnigen unter die Brotwucherer gegangen. Als wenn b-ie Socialdemokraten die Handelsverträge, welche die der- maligen Getreidezöllr enthalten, nicht genehmigt hätten. Als ietnn die Socialdemokraten etwa in der Lage wären, im nächsten Reichstag dte Getreidezölle zu beseitigen. Daß momentan und bezw. im Laufe der nächsten ReichStagSperiode die Getreidezölle nicht dauernd völlig aufgehoben werden Wunen, darüber ist sich nicht nur jeder Socialdemokrat, ändern auch jeder princinpielle Freihändler extremster Richtung vollständig klar. Bei den bevorstehenden Verhandlungen über die Ktuen Handelsverträge ist es für Deutschland ganz unbedingt noth- »endig, daß eS, ganz abgesehen von den ebenfalls zu wahrenden Jnterrffen der Landwirthschaft, je nach den Umständen Ermäßigungen der bestehenden Kornzölle muß gewähren können »der nicht, um die Interessen des deutschen Handels, der Die Sortneitunßtn nhkWmFeokimhM » W»* 8”*! ,rr mit Bittconnntd ai all» Flattslllt a. W piiüraii anfimäxtigen Ftp ,a to 8««nl ,8® Sm* ■■ÄS'" ihreod , h(B tzassia'Dt^' * *£?«•* <«, t« „ tolM fWl'f ff "«'•f’ä Bi- «W»'' *» 5 ‘ÄS* Summ«: 7 (1) 6 (1) e‘* hte iitiiu. b" «au.?.11 I ÖQy a । im V* ' I new wiiiwn'k ,fl Mb« bt, $0[l Siliitn ' »Ht gmeUtt empfahl ln “• ?l< Wittert Jnci Don ihrem Wch btm Ganbibatt: kttrla äs 1. IM |g °8tmchrr der M. »eher ihr 2-jLhrizrt it» Taue» 9 in b Men Damser labn Btitint bei Gave» p 60118. bi» 19.3®! ein. Box scholl« mkaltimg iw Gall eir uzegea gebracht touxii iröhere Letheiligllvg p linfflr voWbig » llvg allch bin Urig« üb. Da» flnangrot:: >nexn* M.< IN ben. Da» Progrm rrscheivell. ! alljahNich wirb ici asereoz ,n Giefta . Zavi) anb Mar in an tagen, fyoftfiot .Bit ntut^tn ftunbt tngWit* rtfnirtn. I dNvatbocelltw 2ic. ugüsichtv MtbW t barch ^otoix^tn it GMeriozl. W Kamstag ben 4. Juni 1898, Nachmittags 3 Uhr, sollen die den Dietr. Wilh. Welvtmann Eheleute Erben gehörigen Liegenschaften Flur 25/7685/100 — 29 4 qm Grabgarten an der Chauffee auf der Warte, Flur 25 76'/io — 1274 qm Hofraithe daselbst, Flur 25/76 a — 20 qm Straße daselbst erbvertheilungshalber auf hiesigem Ortsgericht meistbietend unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen versteigert werden. Gießen, den 1. Juni 1898. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. 5557 Gegen Baar zu kaufen gesucht auf dem Lande oder in kleinem Städtchen ein einfaches, freundliches, kleines, solid gebautes und gut erhaltenes Haus das einen guten Keller besitzt, nach allen Seiten frei steht und mit hübschem, lieber grossem als kleinem Garten (möglichst mit guten Obstsorten) direet verbunden ist. Mindestens 6 Zimmer nebst Zubehör; mit "Wasserleitung oder Möglichkeit der Anlage, wenn auch nur vom Hofbrunnen aus. Erwünscht kleine Stallung und Scheuer auf dem Hofe, aber nicht dem Hause direet angebaut; erforderlich wenigstens Raum für solche, ohne dass der Garten zu klein wird. Erwünscht ein paar Morgen Land beim Haus oder in nächster Nähe. — Gegend: Mittel- oder Süddeutschland mit national gesinnter Bevölkerung. Erwünscht landwirtschaftlich hübsche und fruchtbare Gegend, besonders "Waldnähe. Ueber- schwemmungsgefahr mnSS ausgeschlossen sein. — Nur solche Offerten können berücksichtigt werden, welche neben Preis in jeder Beziehung vollständige, möglichst genaue Angaben enthalten und von einem Plan des Grundstückes und der Wohnräume mit eingetragenen Maassen begleitet sind. 5559 l>r. Belecke, II am barg, Landwehr 49. VerbandStag verhandelt. Herr Hörle begrüßte Namens der Speuglerinnuog in Offenbach die Versammlung und leitete die Verhandlungen m