Nr. 51 Zweites Blatt. Mittwoch den 2. März lSf»S Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-. Die Gießener Mamilienvkätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Mchwer Anzeiger Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Keneral-An^eiger Alle Anzeigen-VermittlungSstellen des In- und Auslande« nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Amts- unb AnzeigeblKtt fit» den Nreis Gissen. Redaetion, Expedition und Druckerei: Kchulstraße Ar. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. abr,ffe fflr Ää" Anrtlich^ Lheil Nr. 6 des Reichs Gesetzblatt-, auSgegeben den 25. d. M., enthält: (Nr. 2446) Gesetz wegen Aushebung der CautionS- Pflicht der Reichsbeamten. Vom 20. Frbeuar 1898. Gießen, den 28 Februar 1898. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Reich Berlin, 28. Februar. Der Kaiser hat am 5. Januar nach der erfolgten Vereinbarung mit China folgendes Telegramm an deu Reichskanzler gerichtet: „Obwohl ich schon weih, daß eine äußere Freude nicht im Stande ist, Ichwere innere Leiden zu heben, so bin ich doch von innigster Freude erfüllt, daß GotteS Gnade nach dem furchtbaren Schlage, der Dich getroffen, Dir einen solchen herrlichen Erfolg beschiedeu hat. Da- ist eia schöner Lohn sür solche große Arbeit und eine hohe Befriedigung nach ausgestandener Sorge. Meinen kaiserlichen Dank und herzlichsten Glückwunsch wollest Du freundlichst anuehmeu." verliu, 28. Februar. Wie die „Nords. Allgem. Ztg." meldet, hat der griechische Gesandte in Kairo die durch den türkischen Krieg unterbrochenen diplomatifchen Beziehungen Griechenlands zu Egypten wieder ausgenommen. Damit ist die in der Zwischenzeit durch die Vertreter Rußland», Frankreichs und England» erfolgte Wahrung der griechischen Jntereffen in Egypten unnörhig geworden. verlia. 28. Februar. Im Abgeorduetenhause steht der Etat der Eisenbahn-Verwaltung auf der heutigen Tagesordnung. Unterstaatssecretär Fleck erklärte, daß Minister Thielen gestern Abend an einer schweren Nierenkolik heftig erkrankt sei. Er bat im Namen des Minister», dir Berathuog des Eisenbahn-Erat» vorläufig auszusetzen. Der Präfident b-raumte hierauf auf 1 Uhr eine neue Sitzung an, in welcher eine ganze Reihe von kleinen Etat» ohne Erörterung genehmigt wurde. Berlin, 28. Februar. Die Commission des Reichstages für die Novelle zum Postdampfer-SubveutionSgesetz hat heute ihre erste Berathuug der Vorlage beendet. Mehrere in Vorschlag gebrachte Resolutionen betreffend die dem Lloyd za stellenden Bedingungen wurden bi» zur zweiten Lesung zurückgestellt. Zum Berichterstatter wurde Prinz Arenberg ernannt. Wilhelmshaven, 28. Februar. Der Kaiser trifft morgen Vormittag XV,4 Uhr hier ein und fährt vom Bahnhofe direct zur Vereidigung der Marine-Truppen. Darnach be- abfichtigt der Kaiser, im Osfizicr-Casino daS Frühstück ein» zunehmen. Abends findet an Bord des Panzers „Kurfürst Friedrich Wilhelm" ein Diner statt, zu welchem der Kaiser eine Anzahl von Einladungen ergehen laffen wird. Ast 2. März wird der Kaiser mit dem „Kursürst Friedrich Wilhelm" nach Bremerhaven in See gehen. Der Hofzug fährt am 2. März Mittags leer von Wilhelmshaven nach Bremen. Die Panzerschiffe des ersten Geschwaders haben die Docks verlassen und find bereit, event. den Kaiser auf seiner Reise nach Bremerhafen zu begleiten. Arrstau-. Wien, 28. Februar. Entgegen den umlaufenden Gerüchten von dem bevorstehenden Rücktritt des Ministerpräsidenten Gautsch erfährt va» „Neue Wiener Tzbl." von unterrichteter Seite, daß, da die Lage in Oesterreich eine sehr schwierige und verworrene sei, an maßgebender Stelle die Auficht vorherrsche, daß nur Gautsch die geeignete Persönlichkeit sei, um die politischen Verhältnisse tu ruhige Bahnen zu lenken und einen Ausweg zu finden. Wien, 28. Februar. DaS Befinden der Prinzessin Clementine von Coburg ist derart, daß die Aerzte jeden Augenblick die Katastrophe befürchten. Prag,28. Februar. Der Rector der hiesigen deutschen Univerfirät hat in einer Zuschrift an den Ober-Landmarschall mit Berufung auf die Erklärung der deutschen Abgeordneten seinen Austritt aus dem Landtage angezrigt. Athen, 28. Februar. Die Polizei verhaftete mehrere, der Berhetligung an dem Attentat auf den König Georg verdächtige Personen, von denen jedoch nur der Magistratsbeamte Karditza am Attentat wirklich betheiligt ist. Ebenso wurde der Redacteur des könig-feindlichen Blatte» „EmbraS" in BerwahrungShaft genommen, weil sein Blatt schon vor dem Attentat verschiedene Thatsachen, welche auf einen Anschlag schließen ließen, veröffentlichte. Unterricht »nd Ermüdung.*) Unter den verschiedenen Methoden, die Ermüdung infolge geistiger Arbeit zu meffen, ist die von Proseffor Griesbach unstreitig die einfachste und zuverlässigste- diese beruht im Wesentlichen auf folgenden Thatsachen: Setzt man über einer Hautstelle, wegen besonderer Empfindlichkeit am zweckmäßigsten über dem Jochbein, zwei Spitzen eine» Zirkel» aus, so werden bei weiterem Spitzenabstand zwei Spitzen empfunden- wird jedoch der Spitzeuabstand de» Zirkel» ein relativ geringerer, so empfindet man nur mehr eine Spitze, obwohl zwei Spitzm thatfächlich zwei Hautstellen berühren. Diese Thatsache war längst bekannt. Proseffor Griesbach aber machte die Entdeckung, daß die Fähigkeit unsere» Bewußtsein», zwei aufgesetzte Spitzen der Empfindung nach zu trennen, mit de« ErwüdungSgrad des Untersuchten abnimmt. Ein auSgernhter Mensch vermag zwei aufgesetzte Zirkelspitzen bei viel kleinerem Abstand getrennt zu empfinden, al» ein ermüdeter. Griesbach wendete sofort seine Methode dazu an, um bei Schülern die Ermüdung durch den Unterricht genau zu meffen. Die Meffungen wurden aber nicht nur an den Schultagen vor und nach den Stunden vorgenomwen, sondern auch an schulfreien Tagen. An den Schultagen zeigte sich, daß nach deu einzelnen Unterrichtsstunden der Spitzen- abstand de» Zirkels bei allen Schülern ein größerer war, all vor dem Unterricht - z B. konnte ein Schüler vor Beginn des Unterricht» noch bei einem Spitzenadftande von nur 5 Millimeter genau zwei Spitzen empfinden, so war er die» nach der ersten Stunde nicht mehr im Stande- erst bei 10, 15 oder mehr Millimeter Spitzenabstand empfand er wieder zwei Spitzen. Da- heißt wir anderen Worten: durch die geistige Arbeit ist Ermüdung beim Schüler eingetreten und diese hat die Empfindlichkeit seiner Tastverven verringert. Hingegen wurden an schulfreien Tagen keine ueuneoSwerthen Schwankungen der Tastwerthe nachgewtefeu: die liebe Jugend war da zu Mittag ebenso empfänglich für die Eindrücke der Außenwelt wie am Morgen. Nach dieser Methode Grie-bach» hat nun Dr. Wagner eine große Anzahl Mrffungen an Schülern vorgenommen und ein reiche» statistisches Zahlenmaterial gewonnen, aal dem sich viele intereffante Schlüffe ziehen laffen- die wich- •) „Ermüdungsmefsungen an Schülern des Neuen Gymnasiums in Darmstadt" von Dr. Ludwig Wagner. Feuilleton. Entdeckungen und Erfindungen. Technische Revue. Von Rudolf Curtius. (Schluß.) Auf dem Gebiete der Metallurgie erregt Patricks Glanzmetall berechtigtes Aufsehen. Es ist eine Com- Position au» mehreren Metallen und Übertrifft da« für GebrauchSgegenstände immer noch recht theuere Nickel au Schönheit, wie e» sich durch feine silberglänzende Farbe und den Vorzug des Nichtrostens in gleicher Weise aus- zeichnet. Von außerordentlichen Fortschritten ist in jüngster Zeit «us dem Gebiete der Photographie zu berichten. Die Wiedergabe der natürlichen Farben ist wesentlich vervollkommnet worden. Seiten» der europäischen meteorologischen Warten werden jetzt häufig unbemannte Luftballon- abge- laffen, um mittelst selbstthätig registrirender Instrumente die Physikalischen Verhältniffe in hohen Lustschichten zu erforschen, zu welchen vermuthlich nie ein lebender Mensch Vordringen wird. Diese Ballon- verfieht man mit automatisch wirkenden photographischen Camera-, welche in beliebig reguiirbaren Zeiträumen Bilder der unter dem Ballon befindlichen Erdoberfläche ausnehmen und dadurch ermöglichen, genau den Weg dieser Ballon« zu verfolgen, welche in einzelnen Fällen eine Höhe von 18,000 Meter erreicht Huben und mittelst welcher man eine neue und sichere Grundlage für Wetterprognosen schaffen zu können hofft. Im Gegensatz zu der Photographie hoch in den Lüsten steht diejenige tief unten im Wasser der Meere, welche der Brafiltaner Boiteux jüngsten» bedeutend vervollkommnet Haler nimmt mit Hilfe electrischeu Lichte- selbst in Tiefen von 30 bi« 40 Meter Bilder auf, welche an Schärfe nicht» zu wünschen übrig lassen und mit dem in diese Tiefen nur spärlich dringenden Tageslicht auch bei langer Belichtung nicht gu erzielen wären. Auch die Entfernung zwischen dem Apparat und dem anfzunehmeudrn Gegenstand spielt k-eine Rolle mehr. Die Amateure wissen, daß, wenn man Detail» auf der Platte erhalten will, Personenaufnahmen nur auf einige wenige Schritte und Gebäudeaufnahmen höchsten- auf etliche hundert Schritte möglich find. Nun hat mau aber unlängst — natürlich bei besonder» günstiger Beschaffenheit der Atmosphäre — in der nächsten Umgebung von Potsdam mittelst besonderer Apparate einzelne Gebäude de» 25 Kilometer entfernt liegenden Berlin, wie z. B. da» Rathhau», da- RrichStagS- gebäude und verschiedene Kirchthürme mit allen Einzelheiten ihrer Architrctur ausgenommen. Man bedient fich hierbei ganz neuer combinirter Linsensysteme, welche die Wirkung eine« aplanatischen Objectiv», mit derjenigen eines Fernrohre» verbinden. Für die HllustrationStechnck eröffnet die sogenannte Maschinenphotographie die ersreulichsten Aussichten. Wer die Abbildungen, in unseren Zeitschriften von heute mit denen vor ein bi» zwei Jahrzehnten vergleicht, wird wahrnehmen, daß die heutige Vervollkommnung im Wefeuiltchen auf der Benutzung der Photographie berühr. Immerhin aber find die heute im Gebrauch stehenden Verfahren ziemlich umständlich, insofern ein Umdruck unvermeidlich war und der ganze Prozeß demnach eigentlich doch keine Photographie, sondern ein Druck ist. Die neue, au» Amerika gekommene Erfindung ist aber eine wirkliche Copirung, bet welcher Pofitivbilder erzeugt werden und Copirung, Entwickelung und Fixation automatisch besorgt werden. In dem Negativrahmen befinden fich, wenn e» fich um Maffenproductiou ein und desselben Bilde» handelt, eine Anzahl Negativplatten, welche diesen darstellen- will man aber auf einer Seite Papier mehrere und verschiedene Ansichten abbilden, so müssen entsprechend verschiedene Platten zusammengestellt werden. Der Copir- prozeß erfolgt nun auf einem sogenannten endlosen Bande lichtempfindlichen Bromfilberpapiere» bei intenfivem electrischen Lichte, in dem fich selbstthätig ein entsprechende» Stück de» Papierstreifen- unter den Negativrahmrn legt. Nach gehöriger Belichtungszeit, welche fich auf 2 bi» 3 Secunden beläuft, bewegt sich der Streifen weiter- e» tritt ein bisher unbelichtetes Stück unter den Rahmen, während da« copirte Stück auf einer vor Beleuchtung geschützten Rolle aufgewickelt wird. Auf diese Weise ist man im Stande, je nach der Größe de» Bilde» 5000 bt« 20,000 Copieen in einer Stunde herzustellen. Ebenso automatisch erfolgt da» Entwickeln, Tonen, Fixiren und Trocknen, indem der die Pofirive enthaltende Papierstreifen fich wieder von der Rolle abwickelt und bei gedämpftem Lichte mit gleichmäßiger Geschwindigkett von etwa 3 Meter in der Minute über Leituug-rollen durch eine Reihe chemischer Flüssigkeiten hindurchgesührt wird, nach deren Pasfiren der Streifen ebenso mechanisch in reinem Wasser ausgewaschen und schließlich getrockaet wird. Man kann mit diesen Maschinen bequem über 100,000 Photographien in einem Tnge Herstellen und mit dem bisherigen Druckverfahren auch hinflchtlich de» Kostenpunkte» erfolgreich concurrhen. Die Übertragung eines ganzen Bilde- mittel» Electricttät auf weite Entfernung ist einem Deutschen Namen- Hummel in St. Paul (Minnesota) gelungen- die Einrichtung de« Apparates läßt fich, ohne technische Borkenntnisse voraussetzen zu können, nicht leicht beschreiben, übermittelt jedoch Zeichnungen wie Photographien in so überraschend naturgetreuer Weise, daß den Herren Durchbrennern nach Einführung de» Apparate» die Möglichkeit de» Entkommens über See sehr geschmälert werden dürste. Da» unterseeische KriegSboot the plunger, auf welche» die Amerikaner große Hoffnungen setzten, hat diese zwar nicht erfüllt: dafür ist ober den Uankees die Constructiou eine» Taucherboote» „Argonaut- gelungen, welches fich zur Bergung werthooller Ladungen aus gesunkenen Schiffen vorzüglich eignet. Da» Boot, welches mehr als 90 Meter in die Tiefe herabsteigen kann, besteht au- dem Maschinenraume, der Tauchercabine und einem AuSguckrauwe, ist mit einem Scheinwerfer von 2000 Kerzen Stärke ausgerüstet und bewegt fich mittelst electrisch getriebener Zahnräder auf dem Meeresboden selbstständig wie eine Straßenlocomotlve auf dem Lande. Eine besonders construirte Fallthüre am Bauche de» tigsteo davon sollen hier zu Nutz und Frommen von Lehrern, Eltern und Schülern im Folgenden mitgetheilt werden: Vor Allem ist zu erwähnen, daß nach Dr. Wagner» Messungen keine-weg» alle Schüler auSgeruht zur Schule kommen,- denn gar manche Schüler zeigen schon vor dem Unterrichte gegen die Norm erhöhte Zahlen. Entweder sind diese übermüdet von den Anstrengungen der vorhergehenden Tage, deren Ermüdungsfolgen der Schlaf leider nicht eom- penfirt hat (in diesem Falle ist dann wirkliche Ueberbürdung infolge der Schule constatirt, was aber glücklicherweise nur selten der Fall war), oder die betreffenden Schüler haben einen zu weiten Weg zur Schule zurückgelegt, es find da» die traurigen Vertreter des bcdauernswerthen Typus nervöser Schüler. Interessant ist es da, zu beobachten, wie die Natur be den verschiedenen Individuen verschieden wirkt. Die Nervösen nämlich weisen nach der ersten oder zweiten Stunde größere Frische und geringere Ermüdung auf, als vor dem Unter, richre- fie haben durch WillenSthätigkeit ihre Leistungsfähig« kett erhöht — aber nur auf Kosten des rasch zusammen» schmelzenden Kraftvorrathes; denn nach der dritten und vierten Stunde zeigen fie bedeutende Ermüdung und endigen mit einer so hohen Zahl der Zirkelabstände, daß man die Erschöpfung daraus sofort ersteht. Anders verhält es sich bet den Schülern, die wegen allzu wetten Weges schon ermüdet zur Schule kommen, sonst aber eine gesunde Constttutton haben. Dieselben zeigen auch ost nach der ersten oder zweiten Stunde eine Erholung - aber fie haben sich dieselbe durch Unaufmerksamkeit und Theilnahmlostgkeit beim Unterrichte verschafft. Haben sich solche Schüler In den ersten zwei Stunden sozusagen ausge- schlafen, so folgen fie dann dem weiteren Unterrichte mit ihrer gewöhnlichen Aufmerksamkeit und zeigen demgemäß auch ihre normalen ErmüdungSwerthe nach den letzten Stunden. Doch wie steht es mit der Ermüdung der normal auS« geruhten und mit frischer Kraft zum Unterrichte kommenden Schüler in Folge des Unterrichtes tu den einzelnen Gegeu» ständen. Die folgenden Zahlen und die daraus geschloffenen Thatsachen werden darüber klaren Aufschluß geben. Unter 8 gemeffenen Schülern waren z. B. an einem Tage 3, welche vor dem Unterrichte selbst bet dem geringen Abstande von 2 Millimetern die zwei Ztrkelspttzeu noch als zwei zu em Pfaden vermochten,- drei andere wiesen die Zahl 6, einer die Zahl 8 und einer 10 auf. Bon acht Schülern waren demnach sechs vor Beginn des Unterrichte» vollkommen auS- geruht, zwei aber bereits etwa» ermüdet. Wie verhält es fich nun mit den Ermüdungszahlen dieser acht Schüler am Schluffe de» Unterrichtes? von den Dreien, die zu Beginn d-.» Unterrichtes die Zahl 2 aufwteseu, zeigte einer zu Ende 7, einer 8, einer 9 Centtmeter Spitzenabstand,- von den Dreien, die um 8 Uhr Früh 6 Eentimeter aufwtesen, wurde beim Schulschluffe bet einem die Zahl 10, bet einem 16, bet einem 9 constatirt, von den zwei Schülern, die schon vor Schulbeginn erhöhte Zahlen aufwiesen, zeigte der eine am Schluffe die abnorm hohe Zahl von 21 Eentimetern, der andere allerdings nur einen Spitzenabstaud von 10 Lenti» metern. Die beiden Schüler, deren Ermüdungscurve mit 16 und 21 endet, find ausgesprochen nervöse anämische Jungen, die für die Last des Studiums die Physische Eignung nicht be» sitzen. Die Uebr'.gen zeigen ganz normale ErmüdungSzahlen. An dem Tage, an dem die eben besprochenen Schüler gemeffen wurden, war in der dritten Stunde Turnen mit Spielen im Freien. Die Resultate der Meffuugeu nach dieser Stunde beanspruchen ein besondere» Interesse. Die Gpiel- stunde hat in fünf Fällen Erholung bewirkt (darunter natürlich die Nervösen),- aber in drei Fällen war da» Facit der Sp'el» und Turnstunde ausgesprochene Ermüdung! Sehr richtig bemerkt dazu Dr. Wagner: /»Spielen wirkt also bei einem Schüler ermüdend, bei einem anderen erholend, wa« begreiflich erscheint, wenn man die so verschiedene Belheiligung am Spiel bedenkt. Dir Ermüdeten find gerade solche Schüler, die lebhaft zu spielen pflegen, die Erholten verhalten fich meistens pasfiv. Also nicht nach energischer Bewegung, sondern nur nach Ruhe oder mäßiger Bewegung wird hier Erholung beobachtet. Turnstunden, in denen ernstlich geturnt wird, können daher ebenso wenig erholend wirken, als Spielstundeo, io denen energisch gespielt wird. Vom energischen Gerätheturnen darf man im Allgemeinen gar nicht, von Dpielstunden nur bedingt erholenden Einfluß erwarten." Wie ermüdend namentlich schriftliche Schularbeiten wirken, ist durch Wagners Meffungen auch mehrfach feftgestellt worden: die ErmüdungSzahlen steigen nämlich nach solchen Stunden ganz unverhältnißmäßig an. ES ist auch ganz erklärlich. Während der schriftlichen Schularbeit arbeitet doch jeder auch nur einigermaßen strebsame Schüler mit voller Aufmerksam« kett die ganze Stunde hindurch- daß solch eine Stunde ermüdender wirken muß, als eine gewöhnliche Lehrstunde, in der fich doch die Mehrzahl der Schüler ab und zu durch Unaufmerksamkeit salvirt, ist einleuchtend. Doch sollte mau Bootes ermöglicht das Verlaffeu und Wiederbetreten de» Bootes, ohne daß dabei Waffer in den Schiffskörper ein» dringt. Zwei in den Kreisen der Eisenbahntechniker wohl 6t- fannte Erfinder von Ruf, Professor Alfred Watkins und «Le t ^öbcn ctnc Fiugmaschine zum Antrieb von Eisenbahnfahrzeugen verwendet. Versuche mit derselben werden feit Kurzem auf der Pennsylvania Railway ausgeführt und Haden bis jetzt eine Geschwindigkeit von 12 Kilometer in der Stunde ergeben. Ob die Erfinder, wie fie behaupten, durch verbesserte Eonstructiou der Luftschiffes die Geschwindigkeit eines Etlzuges erreichen werden oder ob die Sache wie die Gleitbahn der letzten Pariser Ausstellung nur ein interessanter Versuch bleiben wird, kann bis zum Herübergelaugen der technischen Einzelheiten nicht entschieden werden. im Schulbetriebe wenigstens au» dieser Thatsache die Nutzanwendung ziehen, daß an einem Schultage nur eine schriftliche Schularbeit und diese immer In der ersten Stunde an» gesetzt werden sollte! Wie nachtheilig zwei unmittelbar aufeinanderfolgende schriftliche Schularbeiten auf die Leistungsfähigkeit der Schüler wirken, wurde durch einen Versuch, welchen Dr. Wagner anstellte, gezeigt: es wurden in den ersten zwei Stunden ohne eine Zwischenpause zwei Klassenarbeiten (französische und deutsche Schularbeit) angefertigt. Die gewonnenen Zahlen ließen ersehen, daß eine Folge von zwei Schularbeiten mit Wegfall der Pause äußerst stark und überdies nachhaltig ermüdend wirke: denn die durch die Doppelstunde bewirkte außerordentlich hohe Ermüdung wurde durch dir folgenden Pausen nicht mehr ausgeglichen. Zum Schluffe noch ein Wort über die Wirkung des Lehrstoffe« auf die Ermüdung der Schüler. Da zeigt sich nun die Überraschende Thatsache, daß die Person des Lehrers unvergleichlich viel mehr auSmacht als der Stoff- das heißt, es kann ein energischer Lehrer selbst einen relativ leichten Gegenstand, wie z. B. Geschichte oder Naturgeschichte, zu einem die Schüler ermüdenden machen, während wieder ein lässiger Lehrer selbst der Mathematik ihren ermüdenden Stachel nehmen kann. Das Ideal eines Lehrer» ist eben Derjenige, welcher beim schwierigsten Stoff die Aufmerksamkeit der Schüler wachzuerhalten versteht, aber so, daß die Arbeit der Schüler von Lustgefühlen begleitet ist. Selbstverständlich liegt immerhin im Stoffe der verschiedenen Fächer eine variirende ErmüdungSsähigkeit- doch ist der Unterschied nicht sehr groß. CoeaU» mtfr provinzielle» 4* * Friedberg (Oberheffen), 1. März. Unser, auch über die Grenzen seines Dienstbezirkes hinaus ebenso beliebter, al» geachteter Herr Ober Amtsrichter Geh. Justizrath Sell- heim begeht Ende dieser Woche sein 5 0jährige» Dienstjubiläum, aus welchem Anlaß eine offizielle Feier dahier stattfindeu wird. Die treue und eifrige AmtSthätigkeit de» 70jährigen Jubilar» wurde schon früher von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog durch Verleihung de» Ritterkreuze» erster Klaffe de» Verdienstorden» Philipp de» Großmüthigen huldvoll anerkannt. Zellhausen, 27. Februar. Bei Harreshausen fand man unlängst im Gemeindewalde einen erschöpften Bussard, an drffen Beinen eine etwa vier Pfund schwere eiserne Tellerfalle hing. Die Falle gehörte dem Jagdaufseher Kunkel aus Froschhausen, der fie im Froschhäuser Jagd» reviere gestellt hatie. Der kräftige Raubvogel hatte also den Weg von etwa 1-/, Stunden Luftlinie mit der Falle zurückgelegt, ehe er- erschöpft niederstürzte. Gestern fing Herr Kunkel wieder einen starken Bussard von etwa 1,20 Meter Flügelbrette. D. Zig. * Berit«, 25. Februar. Al» Ste uercuriosum ver- i etchnet dte „Berl. Presse", daß dte Steuererklärung de» — Ftnanzminister» Dr. v. Miquel beanstandet worden ist. * Gelsenkirchen, 25. Februar. Seit einigen Tagen wird >er Buchhalter Adolf Schmidt von der Zeche „Hannibal" bei Eickel (Landkreis Gelsenkirchen) vermißt- mit ihm soll eine größere Geldsumme, man spricht von 30 000 Mk., der- chwunden sein.' * Ans Elsaß Lothringen, 25. Februar. Dem „Els. Kurier- zufolge wurde ein Vicewachtmeister de» in Hagenau oarnisonirrnden Dragoner-Regiment» durch kriegsgerichtliche» Urtheil zu 20 Tagen Gefängnih verurtheilt, weil er einem Dragoner beim Fußdienst mit der Faust ins Ge- sicht gestoßen hatte. Der Wachtmeister der Schwadron, der den mißhandelten Dragoner veranlassen wollte, die Meldung zurückzunehmen, erhielt einen Tag Arrest. * Die vierproducttg« Deutschland» betrug im Jahre 1896 60 700000 Hectoliter gegen 55370000 im Vorjahre. Der größte Theil dieser Menge wird in Deutschland selbst ver» braucht, denn einem Export von 647 000 Hectoliter steht ein Import von 547 000 Hectoliter gegenüber. Auf den Kopf der Bevölkerung würden danach pro Jahr 116 Liter entfallen. Die nach Deutschland importirten Biere stammen fast ausschließlich au» Oesterreich, desseu Gesammtproduction im gleichen Jahre 18 675800 Hectoliter betrug. (Mitgetheilt vom Internationalen Patentbureau Larl Fr. Reichelt, Ber- llu NW. 6.) • Der größte Diamant der Welt tolrb gegenwärtig in London für eine Million Pfund zum verkauf ausgeboten. Er ist unter dem Namen „Jäger-Fountam-Diamant" bekannt und größer als der „Regent", „Kohlnor", „Imperial" und „Ocloff". Er wiegt 971 Karat und besitzt etne wunderbar schöne blaue Farbe, hat die Form eine» Els« zapfens und ist drei Zoll lang und zwei Zoll im dicksten Durchmesser. Er wurde in der Oranje Republik in Afrika von einem Reger gefunden, welcher tausend Pfund und viele Geschenke als Belohnung erhielt. Die» wurde natürlich de» Nege:s vollständiger physischer und moralischer Ruin. Die Gesellschaft, welcher dec Diamant gehört, sucht übrigen» vergeblich nach einem Käufer für denselben. * „Die Hnugersteiae."^ In den jüngsten Tagen durch, lief die Presse die Notiz, infolge der außergewöhnlichen Trockenheit de» diesjährigen Winter» seien im Rheinbett bei Schaffhausen gewisse Steine hervorgetreten, die nur sehr selten sichtbar würde», und in die man jedeörnal, wenn fie fich zeigten, da» Datum ihre» Erscheinen» einmeißle. Aehn- liche Felsenriffe finden fich auch im Bette der Elbe oberhalb Dresden». Sie sind unter dem eigenthümlichen Namen die „Hungerstetne" bekannt, weil ihr Hervortreten (d. h. eigentlich nicht diese», sondern der wasserarme Winter, von dem sie Kunde geben) auf ein kommende» Roth- oder Hungerjahr hlndeuten soll. An diese Ste-Ngebllde knüpft eine interessante moderne Romanschöpfung von G. Franke-Schievelbeiu an, die augenblicklich in der illustrirten Zeitschrift „Ueber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) im Er. scheinen begriffen ist und den T'tel „Dte Hungerstetne" führt. Dte Steine selbst spielen in der Erzählung eine gewisse Rolle, dienen aber mehr dazu, in symbolischer Weise den ihr zu Grunde liegenden Daten Ausdruck zu geben. Auf einem der „Hungerstetne" sollen, wie es in der Erzählung heißt, die wie ein warnendes Menetekel von Zeit zu Zeit wieder- erscheinenden Worte eingegraben sein: „Wenn Ihr mich wieder- sehet, werdet Ihr weinen." * Advocat Labori. der vertheidiger Zolas, ist keines- weg» ein fanatischer Franzose. Nicht nur Frankreich, sondern auch Deutschland diente ihm zur Erwerbung seiner reichen Welt- und Menschenkennrniß. In den Jahren 1878 und 1879 wohnte Labori bei einer Familie in Mainz, um in die Geheimnisse der schwer zu erlernenden deutschen Sprache ein« geweiht zu werden. Seinem regen Fleiße hat eS der vielgenannte energische Advocat zu danken, daß er die deutsche Sprache so ziemlich beherrscht und auch den in Paris ansässigen Deutschen gute Rathschläge in Prozessen ertheilen kann. Labori unterhält noch jetzt zu der Familie in Mainz sehr freundschaftliche Beziehungen. * Eiu LiebeSdrama. In villaputzn auf Sardinien spielte fich in der Kirche eine furchtbare LiebeStragödie ab. Ein gewisser VaSca hatte fich, nachdem er die 22jährige MeliS verführt hatte, vor Kurzem mit einem anderen Mädchen verheirathet. Die Meli» beschloß, sich zu rächen. Sie traf ihren Verführer in ber Kirche und feuerte, währenb er an- dächtig betete, aus nächster Nähe zwei Revolverschüsse auf ihn ab, bie ihn lebensgefährlich verletzten. • Der Gerichtsvollzieher auf dem Maskenball. Eine unangenehme Störung erlitt das Maskenfest, welche» der Verein „Frohfinn" in Berlin abzuholten gedachte. Kurz nachdem die Vorstandsmitglieder und die ersten Masken sich eingefunden hatten, erschien plötzlich auf der Bildfläche ein Gast in der Uniform eine» Gerichtsvollzieher», welcher sofort seine» Amte» zu walten begann. Die ursprüngliche Annahme, daß e» fich um einen MaSkenscherz handle, wurde bald dadurch zerstreut, daß der Beamte die Anwesenden aufforderte, daS Local zu verlassen, weil der Besitzer der Wi'th- schäft gerichtlich gepfändet und das Etablissement geschlossen sei. Zwei hinzugerufene Schutzleute erwiesen dem Beamten die geforderte Unterstützung und verblieben den Abend Über auf dem Posten, um da» Betreten de» Saales durch die bald in Schaaren anströmenden Festtheilnehmer zu verhindern. * Al» den Gipfel ber Unverfrorenheit muß man e» bezeichnen, wenn bie Garderoben-Firma Leschziner in Beuthen (Ober-Schles.), nachdem dieselbe mH 60 Procent accordirt hat, diesen Accord zu folgender Reclame tu oberschlefische« Blättern mißbraucht: „Bekanntmachung. Ja Folge Auseinandersetzung mit unseren Gläub gern find un» von diesen bie Hälste von ihren Guthaben erlassen. Um unserer wertheu Kundschaft auch diese Vergünstigung zukommen zu lassen, eröffnen wir von heute ab zwar keinen EoucurS-AuSverkauf oder etwa eine Versteigerung, sondern geben Herren, und Knaben Garderoben auch zur Hälfte der bisherigen Preise ob.- Abgesehen davon, daß ein Kaufmann, wenn er in bie unglückliche Lage kommt, sich mit seinen Gläubigern arraugtren za müssen, froh unb glücklich zu sein pflegt, wenn eine solche, sein Ansehen in keiner Weise förbernbe Abmachung geheim bleibt, und e» vor Leschziner noch Niewaub unternommen haben dürfte, solche» selbst an die große Glocke zu hängen unb noch gar zu Reclamezwecken ouSzunutz n, scheint au» der Annonce zur Evidenz hervorzugehen, daß Leschziner gar nicht zahlungSunsähig war, sondern da» ganze Manöver nur in Scene gesetzt hat, um auf Kosten seiner Gläubiger fünfzig Procent billiger verkaufen zu können, al» seine Loncurrenz, die ihre Maare ehrlich bezahlt und nun indirekt durch dte in diesem Falle vollständig unangebrachte Nachficht der Gläubiger ebensall» geschädigt wird. • Der fünffachen Brandstiftung ist ein noch nicht vier, ehn Jahre alte» Mädchen in dem Dorfe Falkenhagen bei Spandau überführt, bas vor Kurzem bei der Braud- I egung in dem Stall eine» Bauern ertappt wurde. Die jugendliche Brandstifterin wird jetzt auf ihren Geisteszustand beobachtet. * Heber die Lebeuszähigkeit der Wale gtebt folgende Mlttheilung Aufschluß, die wir dem Internationalen Patent« burtau Earl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6. verdanken. Der New Varker Waifischfahrer „Beluga" erlegte im veh- ringsmeer vor einiger Zelt einen großen Wal, In dessen Fleisch man eine eingewachsene Harpune fand. Dem allgemeinen Gebrauche nach befand fich aas derselben der Name des Schiffe» eingravtrt, dem fie gehörte. Derselbe lautete „Montezuma". Nun war aber der „Montezuma" ein Wal- ischsänger von New-Bcdsort, wUchen die amerikanische Regierung während des SecesfionSkriege» antaufte, um ihn mit anderen Schiffen an der Hafeneinfahrt von Galveston zu versenken. Seit mehr al» fünfzig Jahren hat also der j-tzt erlegte Riese die Meere mit der Harpune im Leib durchzogen. • Die größten Obstplantagea der Welt find auf Jamaika zu suchen. ElgenthÜmertn ist, wie wir aus einer Mitthei« ung des Internationalen PatentdureauS Earl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, entnehmen, eine amerikanische Gesellschaft, bie eine Fläche von 44 000 Acker unter Eultur genommen hat. Davon find 28 000 Acker ihr Eigenthum: ber Rest ist Pachtland. Am meisten werben Bananen unb LocoSnüffe gebaut. Im vergangenen Jahre wurden gegen 3 Millonen Bündel Bananen und mehr al» 5 Mill. Eocosnüffe, außer anderen, weniger bedeutenden Fruchrsorten, nach den Vereinigten Staaten und anderen Ländern verfchickt. 3®ö.f Dampfer, die der Lompagnie gehören, dienen ausschließlich zum Verschiffen ihrer Product«. — Im südlichen Missouri befindet fich eine andere große Odstplantage, welche 22 000 Acker cultiolrt. Ste besitzt 61 000 Pfirstchdäume, 23 000 Aepsel. bäume, 2000 Birnbäume und unzählige Mengen anderer Fruchtsorten. — Die Obstfarm von Santa Barbara (Lali- fornten) baut auf 17000 Ackern Land 10000 OllvenbLume, 3000 Walnuß-, 10 000 Maudelbäume, ohne die anderen, weniger begehrten Sorten zu zählen. • Wieviel mau ißt, kommt tu den meisten Fällen weit weniger in Betracht als: wieviel man verdaut. Selbst die nahrhaftesten Speisen gereichen dem Körper nur zum Nachtheil und ermüden das BerdauuugSsyftem, wenn fie, in- folge mangelhafter Zubereitung, mit ungenügendem Appetit gegessen und daun schlecht verdaut werden. „ES schlägt ihm nicht- au", sagt dann der BolkSmuud und mit Recht. — Hier wirkt Maggi Wunder: Tin kleiner Zusatz dieser ausgezeichneten Würze verleiht Suppen und Speisen einen seltenen Wohlgeschmack und bewirkt so, daß fie leicht verdaut werden und deshalb gut bekommen. • Der Millionärstrolch. Ein höchst origineller Mensch, dessen LebeuSgeschichte Stoff zu einem echt amerikanischen Romane liefern könnte, ist im größten Elend in Chicago gestorben. James Berry war der Sohn eines angesehenen Newyorker Arzte- und zeigte schon in frühester Jugend ein fo zügelloses Temperament und so unangenehme Eigenschaften, daß seine Eltern grwiffermahen aufathmeteu, al- der etwa zwölfjährige Knabe eines Tages von zu Hause fortlief und verschollen blieb. Mit seiner mangelhaften Erziehung, ohne Luft zur Arbeit, sank der jugendliche Ausreißer bald zum Landstreicher herab und trieb fich nun 30 Jahre lang al- Vagabuud umher. Bor anderthalb Jahren kam „Jim-, wie man ihn hieß, auf seinen Streifzügen auch einmal wieder »ach Newyork zurück und erfuhr dort, daß man schon nach Ihm geforscht habe, da sein verstorbener Bater ihm sein großes Vermögen vermacht hatte. So war aus dem hungrigen Jim mit einem mal ein Millionär geworden. Anstatt nun aber mit seinem Reichthum eia geregeltes Leben zu beginnen, begab fich der unruhige Geselle sofort wieder auf die Wanderschaft, wenngleich auch tu etwa- anderer Weise. Er bestellte fich einen „Extrazug", mit dem er zuerst nach Mount Vernon dampfte, wo er als „hungriger Jim" am bekanntesten gewesen war und stolz war, als man nun den neuen Beinamen „Millionär-Strolch" sür ihn erfand. Modern gekleidet und mit Diamanten überladen, präseutirte fich der neugebackene Millionär seinen erstaunten Kumpanen von früher. Zu seiner Ehre sei eS gesagt, daß er fich in seinem Ueberfluß zuerst derjenigen Bekannten erinnerte, die ihm in seinen böfen Tagen, so gut sie konnten, geholfen hatten. So schenkte er einem Kellner, der ihm vor Jahren zwei Dollar- geliehen hatte, als Eatgelt 2000 Dollars (8000 Mk.) FünfdollarS- Noten regneten nur so unter die erstaunten Vagabunden. Nachdem ein großer Theil des Vermögens bereits verschwendet war, kam Berry noch auf den Gedanken, fich zu verheirathrn, und'die Frau, auf die seine Wahl fiel, erwies fich als eine noch größere Verschwenderin. In kurzer Zett waren die Millionen bis auf den letzten Cent dahin, und der „hungrige Jim" ging wieder auf die Walze. Von seiner Frau und allen guten Freunden schnöde verlaffen, hielt sein durch daS tolle Leben hart mitgenommener Körper die Entbehrungen des VagabuvdenthumS nicht mehr aus und nun wurde der Millionen-Strolch in bejammernSwerthem Zustande in daS Armeuhospital von Chicago ausgenommen, wo er an AuS- zehrung starb. • Gärtner all Detectives. Zur Ermittelung eines Mörder- find von Königsberg aus sämmtliche Garten- bauvereine aufgeboten worden. Bei der Leiche eines Ermordeten hat man einen au» Papier hergestellte« Gewehr- Pfropfen gefunden. Man zog da» Papier sorgfältig auS- einander und fand darauf die Abbildung eine» Schlöffe« mit gärtnerischen Anlagen. Die Abbildung ist photographisch vervielfältigt und an alle Gartenbauverrine geschickt in der Hoffnung, daß ein Mitglied diese Anlagen wiedererkcnut und so einen Anhalt für weitere Maßnahmen gibt. • 3m Eifer. Institutsdirektor (zu den Seminaristen): „Jcht find schon wieder alle Johannisbeeren und Stachelbeeren in meinem Garten abgefreffen worden — daS ist doch etne Schändlichkeit!" — Ein Schüler (schüchtern): „Ich glaube, Herr Dtrector, daß es die Hühner gewesen find, welche —!" — Director: „Nichts da . . . Natürlich, das sollen wieder die Hühner gewesen sein, ich glaube, daß eS zweibeinige Hühner gewesen find!" — System EchLr,Langenscheidt, Kaufmännische Unter- richtsstunven, 2. Curfu», Conto,Praxis. Lection 16 bis Schluß. Verlag für Sprach- und Handelswissrnichaft (Dr. P. Langenscheidt), Berlin SW. 46. Was der Vater des Verlegers (Prof. G. Langenscheidt) durch die Toussaint-Langenscheidt'fchen Unterrtchtsbriesc vor mehr als 40 Jahren unternahm, Jrdem die Möglichkeit zu biete», für das Sprachstudium sein eigener Lehrer zu sein, daS hat der Sohn, der Verleger und Mttv.rfasser des vorliegenden Werkes, für die praktischen Handel-wtffenschasten geleistet. — Der Preis für den 1. Cursus des Werkes (die gesammte Buchhaltung) beträgt 15 Mk., für den 2. Cm fas (ContorpraxiS) 20 Mk., für beide Curse zusammen 30 Mk. Auch wird das Werk in einzelnen Lectionen L 1 Mk. abgegeben, und ist somit auch dm Unbemittelten leicht zugänglich. — uttet die Sprache von Palästina zur Zeit Christi möchten wir Einiges bemerken, daS angesichts der jetzt gegebenen Sudermann'schen Tragödie „Johannes" von doppeltem Jntereffe sein durfte. Was die Sprache von Palästina zu Lebzeiten Christi betrifft, so wurde Vieles, das von hoher B.deutung ist, erst durch neuere Forschungm klargestellt. Eine Zuschrift an Herodes z. B. war sowohl in aramäischer als auch in griechischer Sprache abgefaßt, und überhaupt bat man ein« Mmge griechischer Texte aufgefunden, die, aus allen Zeiten und aus allen Thetlen des Landes verrührend, den Beweis liefern, daß die alten kanaanitischm Religionm noch nicht ausgestorbea, dagegen v'efach mit griechischer Mythologie durchsetzt waren, so daß Namen von einheimischen und griechischen Gottheiten oft nebeneinander vorkommen. Die Gegend, in der die Griechen am zahlreichsten wohnten, war scheinbar die von Dekapolis, östlich vom Galiläischen Meere, u»d es scheint auch, daß die Bewohner von Gadara, die vielfach Schweine züchteten, Griechen gewesen seien, denn das nützliche Schwein galt bei den Phöniziern und anderen semitischen Völkern ebmso für unrein, wie bei dm Juden selbst. — Oft ist darüber gestritten wordm, ob die Eoangelim ursprünglich in griechischer oder in aramäischer Sprache verfaßt worden seien; jetzt ist nun durch weitere Untersuchungen mit Sicherheit nachgewiesm wordm, daß das Griechische jener Zeit in Palästina vielfach in Gebrauch war unö von den Juden ebenso wie von den anderen Einwohnern verstanden wurde. Auch der Stein mit griechischer Inschrift ist wieder aufgefunden worden, der die Heiden vor dem Betreten de« inneren Tempelhofes warnte, und ebenso jüdische Särge, die mit griechischen Inschriften versehen sind. iltttoerfiiäte - Nachrichten. — Der ordentliche Professor der systematischen Theologie der Universität Erlangen, Reinhold Seeberg, wird dem an ihn ergangenen Ruf an die Universität Berlin Folge leisten. Verkehr, Land- nnd V-Urwirthschaft» — „srordstern", Lebens-Verstcherungs-Actien-Gesellschast zu Berlin, und „Nordstern", Unfall- und Alters-Vn-sicherungS Actien- Gesell chast. In der kürzlich udgehaltenen Sitzung des Ausstcht«- rathes wurde der Termin für die General-Versammlung auf Donnerstag den 28. April festgesetzt Die °0'S-legte Bilar, ergab für die Lebens Versicherung einen Ueberschuß von SRI. 796 229.17 (gegen Mk. 647 991.84 im Vorjahre), und es wurde beschlossen, der General-Eersama- lung die Vertheilung einer Dividende von Mk. 137 auf jede Actie und die Ueberwcisung von Mk. 621 620.37 (gegen Mk. 555 573.57 im Vorjahre) an die am Gewinn betheMgten Versicherten vor,ufchlaaen. Die Prämien Einnahme stiea um Mk..652966 auf Mk. 6 030 869, die Prämien Reserve um Mk. 3 564 889 aus Mk. 36 333 629. Für die Uafall- und Alters«V-rfich«runa schließt die Bilani mit einem Ueberschuß von Mk. 221 172.42 (gegen Mk. 210 76107), welcher in statulgemätzer Vertheilung die Zahlung der Moxlmal-Divtdmde von 10 pCt. an die Aktionäre, gleich 90 Mr. auf jede Actie, gestattet und die Zahlung von 7 vCt. an die am Gewinn belhelligten Versicherten bet Vermehrung der Capital Reserve um Mk. 22117 auf Mk. 260173 und der Rtsico Reserve um Mk. 33 934 auf Mk. 206 876. _____ Hervösen und chroo. Lerdenden zur Roliz, t-afj meine Kur auch d. Jahr vom 1. Avril bis 1. Oktober in Arretbach, Hessin, stattfindet. — Nähere« im GratiSprospect. (2133) Dr. Borcherdt. Beliebte Theemischungen höchster Krei»e- u. 3.50 pr. Pfd. vorzügl. Qual. Prnbepack. 60 a.80 rt> 180 —6 Meter Frühjahrs- u. Sommer— 6 Meter Wasohsfoff zum Kleid f. M. 1.68 Pf. 6 „ Sommer-Nouveautü „ „ * „ 8.10 .. 6 „ „ dop.br. „ „ „ 8.70 „ 5 „ Loden, vzl. Qual., dop.br. „ „ w 3.90 „ Modernste Kleider- und Blousenstoffe in grösster Auswahl versenden in einzelnen Metern franco ins Haus Oettinger & Co., Frankfurt a.M., Versandh. Separat-Abtheil I Stoff z ganzen Anzug M. 3.75 für Herrenstoffe:|Cheviot „ „ „ 5.85 ttgSK- Bringe in diesem Monat geeignete RisULfichen ffte Binare, «eisen nnd RothschwLn-chen an! e»ont alle H-Sen an Rainen, Bösiynngen nnd Zännen fftt die nützlichen Heckenbrüter! Stotf f.M.180Pf. Muster auf Verlangen franco ins Haus. Modebilder gratis. Cervelatwurst (feinste Gothaer) 1674 bet Emil Fischbach. 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Kutscher 1 Hausbursche, 1 Gartenarbetter, 1 Köchin, 2 Dienstmädchen nach Darmstadt, 8 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit. Lehrlinge: 2 Buchbinder, 2 Barbiere, 3 Bäcker 2 Drechsler. 1 Drucker, 1 Gärtner, 1 Kupferschmied, 1 Lackirer, 1 Satller, 2 Schlosser, 1 Schmied, 2 Schnei- der, 2 Schreiner, 1 Küfer, 3 Schuhmacher, 1 Setzer, 1 Wagner. iH'luuintiiuidjuiui. Bergebung von Bauarbeiter». Die zur Ausführung mehrerer Wohnhäuser nebst Einfriedigungen erforderlichen Arbeiten als: 1. Erd und Maurerarbeiten, 2. Steinmetzarbeiten, 3. Trägerlieferungen, 4. Zimmerarbeiten, 5. Dachdeckerarbeiten, 6. Spenglerarbeiten, 7. Weißbinderarbeiten, 8. Glaferarbeiten, 9. Schreinerorbeiten, 10. Schlosser- und Schmiedearbeiten, 11. Lattenzäune, sollen in öffentlicher Submission vergeben werden. Pläne und Bedingungen können im Bureau des Architecten G. Hamann, Bleichstraße 3, iu den Vormittagsstunden eingesehen und Angebotsformulare daselbst gegen Erstattung der Abschreibegebühren bezogen werden. Angebote sind bis zum IO. März d. I., Mittags 18 Uhr, bei dem gen. Architecten einzureichen. Gießen, den 28. Februar 1898. Baugenossenschaft des evangelischen Arbeitervereins zu Gießen. Eivgetr. Gen. mit beschr- Haftpflicht. Doering. 2127 Vergebung von Bauarbeiter». Im Ausschreiben vom 18. Februar 1898 in Nr. 47 betreffs Schreinerund Glaserarbeiten ist durch Versehen des Setzers im Loos IV der Glaserarbeiten die Zahl der qm falsch angegeben; dieselbe muß 47 qm heißen. Gießen, den 28. Februar 1898. Großh. Baubehörde für die Universitäts - Neubauten, Gießen. I. V.: Becker.________ Bekanntmachung. Forderungen an den Nachlaß der Johannes Hnth II. Wittwe, Mariane Johanna geb. Külbach von Garbenteich, sind binnen 14 Tagen bei dem unterzeichneten Gericht an- lumelben, als sonst sie bei der Regulirung des Nachlasses nicht be r.ücksichtigt werden könnten. Gießen, den 25. Februar 1898. Großh. Amtsgericht. Langermann. 2135 Versteigerungen. < Mittwoch den 2. Mär;, Nachmittags 8 Uhr, werden im Bteker'schen Saale versteigert: Sophas, Commoden, Kleiderschränke, Tische, Belten, 2 Hobelbänke, Werkholz, 1 golden« Herrenuhr u. o. A- 2097 Geißler, Gerichtsvollzieher. Versteigerung. Mittwoch den v. d. MtS., Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfandlocal Selter,weg 11 gegen Baarzahlung: 1 Schretbsecretär, 1 Pianino, ein Glasschrank 1 Eisschrank, 4 Wirths- tische, Eophas, Commode, Kleider- schränke und 2 ooale Spiegel. Gießen, den 1. März 1898. 2120 Mnlch, Vollziebungsbeamter- Mittwoch den 2. Marz 1898, Nachmittags 2 Uh», im Adler zu Gießen versteigere ich öffentlich gegen Baarzahlung: 6 Kühe, 1 Bohrmaschine, 1 Nähmaschine (neu), 3 SophaS und die verschiedensten sonstigen Mobllien, sodann: 1 Ladenlampe, 1 do. Leiter und 1 desgl. 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