282 Zweites Blatt Donnerstag den 1. Dccember frMttat U-Nch KU Äuflnahmr bti Mintagß. Du Vkgmtr He*in<*ir»ttcr ■erben btm fln;ngrr ■schnnlich einmal bngrlzgt. Gießener Anzeiger 1808 Durtrliabrlid) 2 Mark 20 Pfg. meaatlid) 76 Vffr mit Brmgerlohn. vri Postdrzu, 2 Mark 50 Pfg. viertrljährlich. von Anzeigen zu der -iachnii^tags »ur >-n MtnHnZM «lchemenden yiummer bifi Lorm. 10 Ubr. General-Anzeiger Alle Anzeigen-BerrniNlung-ftellen bei In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zlnrts- und Anzeigeblutt für den Ureis Giefzen. Amtlichen Theil. Gießen, den 30. November 1898. 8ttr.: Wahl zum Krei«tag durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen ee die Grotzh. Bürgermeistereien des Ldretses. Nachdem gegen die Neudtldung der Wahlbezirke und die Berthe lang der in denselben zu wählenden kreistag«- abgeordaereu innerhalb der vorbestimmten Frist Einwendungen nicht erhoben und auch soostige Anträge aus Berichtigung de« mit unserer Bekanntmachung vom 29. Octoder 1898 (lkreisblatt Nr. 266) veröffentlichteu verzeichaiffe« nicht gedellt worden stad, hat in Gemäßheit de« Art. 19 Abs. 3 der Kreis« und Provinzial Ordnung etue Neuwahl sämwtlicher, durch die Vemeiudebevollmächtigteu zu wähleudeu Kreistag«' abgeordoeten statrzufi ideu, und beauftrageu wir Sie, die in jene« verzeichatß angegebene Zahl vou Bevollmächtigten zur KretstagS«ahl aus dem Gemetudevorstand tu einer S'tzung des Gcwetnderathz wählen za lassen, hierüber ein Protokoll nach unteusteben^em Muster aufzunehmea uod dieses btnuru längstens 5 Tagen hierher etuzuseudru. W r bemerken hierbei, daß als Bevollmächtigte der Ge- »eiadevorftände solche Personen nicht gewählt werden dürfen, die zu den 50 Höchstbestruerten gehören, uvd verweisen diese" halb auf da« Berzetcho'h derselben tm Kreisblatt Nr. 227 vom 28. September 1898. v. Bechtold. Protokoll über die Ernennung von Bevollmächtigten zur Wahl de« Kreistags. Geschehen den....... Anwesende: Da die Gemeinde . . . Seelen zählt, dem Grmetndevorstand also nach Art. 20 de« Gesetze« vom 12. Juni 1874 zukommt, behus« der odenbemetktrn Wahl . . . Bevollmächtigte au« seiner Mitte zu ernennen, so find deßhalb aus die aultegeude, vou Großh. KretSamt erlafseoe Auf- sorderuug sämwtltche Mitglieder de« Gemeinde- Vorstandes zur heutigeu Versammlung etogeladeu worden uud die zur Seite bemerkten erschienen. ES wurde beschloffen, daß...... zur Abstimmung sür die Wahl de« Kreistag« in oben bemerktem Wahlbeztik von dem Gemeinde- Vorstände hiermit bevollmächtigt sein sollen. Unterschriften: Gießen, den 25. November 1898. Bett.: Die Invalidität«- und Altersversicherung unständiger Arbeiter. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen «* die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises. Wir sehen uns veranlaßt, aus die nachstehenden Bekanntmachungen wiederholt hinzuweisen und beauftragen Sie, dieselbe nochmals ortsüblich zu publicren. v. Bechtold. Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 5. Januar 1891 ordnen wir wiederholt auf Grund des § 126 de« Jnyal.- und Altersversicherungsgesetzes an, daß diejenigen Versicherten, welche nicht in einem regelmäßigen Arbeitsverhältniß zu einem bestimmten Arbeitgeber stehen, sog. unständige Arbeiter, innerhalb der letzten 7 Wochentage eines jeden Monats ihre Quittungskarten zum Zwecke der Controle dem Rechner der betr. Hebstelle vorzulegen haben. Dies find in den Landgemeinden die Ge- meinderechner bezw. besondere örtlichen Hebstellen; in der Stadt Gießen die örtliche Stelle (Bürgermeisterei). Wird hierbei nachgewiesen, daß die Beiträge für einen oder mehrere Monate im Vorau» entrichtet find, so find die Verficherten für diese Monate von der weiteren Vorlage der Karten entbunden. Die Zuwiderhandlung gegen diese Controlvor- schrtsten unterliegt der im $ 126 bezeichneten Strafe. Wir bemerken dazu, daß der Vorstand der Verficherung». anstatt seine Controlbeamten angewiesen hat, jedesmal festzustellen, welche Verficherten der Vorschrift nicht nachgekommen find und Anzeige zur Bestrafung zu erstatten. Wtt erwarten von den Inhabern der Hebftellen, daß sie keine Gelegenheit versäumen, die Verpflichteten auf die Befolgung der obigen Vorschrift aufmerksam zu machen, damit Verfehlungen möglichst verhütet werden. Gießen, den 1. December 1897. Großherzogliche« KreiSamt Gießen, v. Gagern. Rtbectien, dptbition und ®ruderet: Ach»r«r«ze Nr. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. \ ■ ■■■■■■■ ^———8 Bekanntmachung. Die Verficherung der unständigenArbeiter begreift in fich die Verwendung der Beitragsmarken in die Quittung«- katte und die Entwerthung dieser Marken durch Ausschreibung de» betreffenden EnlwerthungStaae». Die Entwerthung muß spätesten» geschehen bei der Verwendung der Marken durch den Arbeitgeber oder, wenn der Verfichette selbst die Verwendung vornimmt: sobald die Erstattung der Beitrag«Hälfte durch den Arbeitgeber erfolgt Zur Entwerthung der Marken verpflichtet ist der Arbeitgeber- hat dieser aber die Entwerthung bei Rückerstattung der Bettrag»hälfte versäumt, so muß der Versicherte sofort die Entwerthung vornehmen. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen können von dem zuständigen Krei»amte mit Ordnung»strafe bi» 100 Mk. nach der Bekanntmachung vom 19. Januar 1892 (Reg. Blatt No. 5 von 1892) bestraft werden. Da die Versicherungsanstalt „Großh. Reffen* nunmehr ihre Controllbeamten angewiesen hat, Strafanzeige in Zu- wtderhandlungsfällen zu erheben, so machen wir hiermit auf die bestehenden Bestimmungen besonder» aufmerksam. Gießen, den 14. Juni 1898. Großherzogliche» Kreisamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung. Eß wird hierdurch zur öff:unich u Kenntnih gebracht, daß bi« auf Wettere« bet unserem Amte Zoll- un) Steuer- abfertigungeu vorgenommen werden köaneu an den Wochentagen während de» Monate October bi« einschließlich März: vormittag« von 8 bi» 12 Uhr uud Nachmittag« von 171 Di« 57, Uhr, tu den übrigen Monaten: vormittag« vou 8 bi« 12 Uhr und Nachmittag« von 2 di« 6 Uhr. Gießen, den 80. November 1898. Großherzogliche« Hruptsteueramt. Wetssenbrnch. Deutscher Reich. Darmstadt, 29. November. Zu dem Unfall, den nach Meldung der „Southern Daily Mail" Seine Durchlaucht Prinz Ludwig vou Battenberg au Bord de« »Majestie* erlitten, wird der „Darrnst. Zg" von maßgebender Stelle ■ritgettellt, daß der Prinz am Sonntag vor acht Tagen in Fettilleton. Mark Hwains Weise um die Wett. Der berühmte amerikanische Humorist hat ein neue« Buch geschrieben, — da« ist eine Freudenbotschaft für die vielen, die ihn verehren. Er hat vor einigen Jahren eine Reise um die Welt gemacht und dieselbe geschildert- man kann fich denken, daß etwa« Eigenartige« dabei heran«- gekommen ist. Denn Mark Twain besitzt nicht nur Humor — und zwar genug, um dankbare Menschen in allen Welt- theilen lachen zu wachen — er ist auch Philosoph, Beobachter, Menschenkenner und Dichter genug, um in seinem Innern tm besondere« Spiegelbild der weiten, bunten Welt zu erzeugen. Au« diesem jüngsten Werk aber spricht auch eine andere Gabe stärker al« au« den früheren, die Gabe der Satire. In dem Roman „Der Querkopf Wilson" kündigte fie fich betritt in. Hier schilderte Mark Twain einen Menschen, der den anderen Leuten al« Thor und Dummkopf galt, in Wahrheit aber gescheiter war, al« fie alle. Die kurzen Aussprüche, die er in seine« Kalender niederschrteb, waren ebenso viele wohlbeschwingte Pfeile höher gezielter Satire. Wie sehr der Autor diesen Querkopf liebgewonnen hat, beweist er dadurch, daß er jede« Eapitel seiner , Steife nm die Welt* ein Motto qu» Wilsons Kalender voranstellte, »eist ohne dttecte Beziehung auf den Inhalt de« Eapitels, oder stets voll satirischer Weisheit oder bitterer Wahrheit. Diese Neigung zur Satire, die zuweilen mft einer gewissen Schwermuth gepaart erscheint, ist charakteristisch für da« Bach. Auch der alte, ftöhliche, übermütige Mark Twain fehlt nicht in ihm, und häufig lacht «an mit ihm Über die tollen Uebertrribungen seines Humors so hell auf wie nur jemals, aber jrner schwermüthig satirische Zug bitt immer wieder hervor und läßt da« Gesicht de« Humoristen rin , wenig ernster, jedoch zugleich noch bedeutender erscheinen. Kein wahrer Humorist ist ohne Lrbenserust- und dieser letztere erscheint in diesem neuen Werke wesentlich vertieft. Aeußere Ereigniffe haben dazu belgetrageu. Er verlor zuerst sein schöne« Vermögen durch den Zusammenbruch eine« Newyorker Berlag«hause« und nachher traf ihn da« Herzeleid, seine älteste, sehr talentvolle Tochter schnell zu verlieren. Anstatt fich niederwerfen zu laff-n, nniernahm der Sechzigjährtge die Reise rund um den Erdball, hielt Vorlesungen ia allen größeren Städten und gewann so die Mittel, nm seine Gläubiger zu befriedigen. Mit einer eigenthümlichen Empfindung liest man Im Hinblick auf fein Schicksal und feine Tapferkeit den Scher-, den er Über die Thiergattung der Marsupialia macht: „Die Mariupialla find Sohlengänger und Wlrdelthiere, deren Eigenthümllchkeit in ihrem Beutel besteht. Die ersten amerikanischen Marsupialia waren Stephen Girard, Jacob Astor und das Opoffum- auf der südlichen Halbkugel find die hauptsächlichsten (freil RhodeS und da« Känguruh. Ich selbst bin da« neueste Marsupial, auch könnte ich damit prahlen, daß ich den größten Beutel von allen habe, — aber e« ist nicht« darin." Hier ist noch verschleierte Wehmuth, die ihren Schmerz unter Lachen verbirgt- un- verschleiert aber zeigt fie ihr Antlitz in dem An«spruch au« Wilson« Kalender: »Leben ist Leiden. Selbst die verborgene Quelle de« Humor« ist nicht Freude, sondern Schmerz. E« gibt keinen Humor tm Himmel." Mark Twain hat die ganze Erde umfahren, aber von Amerika und Europa spricht er nur sehr wenig, — so wenig wie von fich selbst. Mau muß wiffeu, wie gern andere Schriftsteller und Künstler von ihren Erfolgen erzählen, um diele Zurückhaltung voll zu würdigen. Er hat in der alten und neuen Welt Vorlesungen gehalten, und er beschreibt In seinem Buche nicht eine einzige dieser Vorlesungen! Da« ist I ein Maß von Bescheidenheit, wie «au e» nur bei wahrhaft I bedeutenden Menschen findet. Sein Selbst kommt freilich trotzdem nachdrücklich genug zur Geltung- denn alle« an diesem Buche ist subjectiv: Auffassung, Darstellung, Stil. ' Mark Twain plaudert mit un« wie rin guter Freund. Zuweilen liest er un« auch nur kurze Notizen au« feinem Tagebuche vor ober erzählt eine lustige Geschichte, die ihm gerade eiafälle, sogar eine ohne Ende, au deren Schluß man die eigene Erfindungsgabe müde arbeiten kann. Statistische und wissenschaftliche Bemerkungen streut er hie und da ein, weiß jedoch stet« zu rechter Zeit wieder damit aufzvhören. Die Barbarei der wilden Völkerschaften, die Ab onderlichkeiten anderer Religionen, die Nbweichuugrn fremder Stttlichtkfts« begriffe fieht er Mit scharfem Auge. Zugleich aber schaut er wie in einem Spiegel daneben die moderne, civilifirte Menschheit, und der letzte Spruch seiner Weisheit lautet: „#« gibt viele wunderliche Dinge in der Welt- aber ein« der lächerlichsten ist die Einbildung des weißen Mannes, daß er Beniner barbarisch fei, al« die anderen Wilden.* Neber Australien, Indien und Afrika plaudert Maik Twain am meisten. Drei von diesen Ländern haben sein Jntereffe, zuweilen auch feine Bewände,ung erweckt, Indien bat fein Herz gewonnen und feine Sinne gefangen genommen. Da« hat auf seine Schilderung zurückgewirkt - jene Länder beschreibt er klug, sorgsam, anschaulich, auch humorvoll und satirisch, wie es gerade kommt- über da« Bild aber, da« er von Indien entwirft, ist der reiche Farbenzauber und der Schleier de« GeheimniffeS ausgebreitet, die zu bem alten Wuuberlande gehören. Zu diesem Lunde, wo alle« nee erscheint, wa« wir sonst alt genannt haben, und von dem der Weltreisende mit Recht behaupten dars: „Indien ist die Wiege de« Menschengeschlecht«, der @eburt«ort der menschlichen Sprache, die Mutter der Geschichte, die Großmutter der Sage, die Urgroßmutter der Ueberliesemng - was für andere Völker graue« Alterthum ist, zählt zu Indien« jüngster vergangenheft. R, K. ihn zu Falle bringt." E» ist da- einzige Land unter der Sonne, da» sür den Fürsten und den Bettler, den Gebildeten und den Unwissenden, den Weisen und den Thoren, den Sclaven und den Freien den gleichen, unzerstölbaren Retz besitzt." Mark Twain hat diesen Retz empfunden, genosien und hat Über ihn sein Buch | anszugießen gewußt. Der Thetl, der diesem Lande gewidmet j ist, bildet den Kernpunkt de» Werke». Wir sehen den blürhen- dnrchwirkteu, raubthierbevölkerten Tropenwald, wir erblicken die Schaaren der Eingeborenen, die in den Farben de» Regenbogen» oder in nackter Schönheit lautlo» vorübergleiten, wir hören ein Gemisch von unzähligen Sprachen und schauen eine Versammlung von ebenso zahllosen, un» fremden Göttern - wir lächeln vielleicht über ihre sonderbare Gestalt, aber wir gedenken der Wunderlichkeiten anderer Religionen, die wir sehr gründlich kennen, und fühlen die Wahrheit von Querkopf Wilson» Ausspruch: „Es zeugt von Mangel an Ehrfurcht, wenn man den Gott anderer Menschen mißachtet." Nach dreizrhnmonatlicher Dauer schloß Mark Twain» Reise zu Southampton, wo sie begonnen hatte. Ihre Beschreibung aber schließt in der trefflichen Uebersetzung, die soeben im Verlag von Robert Lutz in Stuttgart erschienen ist, mit den Worten: „Eine Weltumsegelung in so kurzer Zett schien mir eine schöne und große That, ans die ich wir nicht wenig einbildete. Aber nur einen Augenblick. Dann kam ein astronomischer Bericht von der Sternwarte und verdarb mir die ganze Freude: In der fernsten Ferne de» Himmels- raume» war erst kürzlich ein neuer großer WeUkörprr auf- getaucht, deffen Licht mit solcher Schnelligkeit reiste, daß e» in anderthalb Minuten die ganze Strecke durchmeffeu könnte, die ich zurückgelegt hatte. — De» Menschen Stolz verlohnt fich nicht der Mühe; immer lauert etwa» im Hinterhalt, das Arsslsstd. Wien, 29. November. Im Abgeordnetenhaus beantwortete heute Graf Thun die Interpellation betr. die AuS- der Geschoßkammer auSglitt und fich an der Hüfte verletzte. ] Doch war die Berlrtzung erfreulicher Weise leichter Natur, - so daß der Prinz schon am Mittwoch darauf wieder Dienst thnu konnte, wenn er sich dabei auch noch eine» Stocke» be- | dienen mußte. Berlin, 29. November. Auf Beranlaffuug des Kaiser» wird am Donnerstag Abend zu Ehren de» 50jährigen Regierung» - Jubiläums de» Kaiser» Franz Josef ein Eoncert tu der Kaiser-Wtlhelm-Gedächtntßktrche stattfindeu. Berlin, 29. November. Der vou der „Volks-Zeitung" gestern veröffentlichte Erlaß de» Staatssekretär» im Reichspostamt v. Podbielski über da» Verhalten der Post- und Telegraphen-Behörden zu den Nachgeordneten Beamten wird heute auch vou der „Nordd. Allgem. Ztg. publieirt. Derselbe ist vom 28. Oktober datirt und au die Oberpostdirectioneu gerichtet. Berlin, 29 November. Zu der Blättermeldung, daß Geheimrath v. Lucanu» von seiner Stellung al» Chef de» Ctvilcadtnet» demnächst zurücktreten werde, schreibt die „Kreuz- Zeitung", auch ihr sei diese» Gerücht zu Ohren gekommen mit drm Hivzufügen, daß Herr v. Lucanu» sür ein seit längerer Zett erledigtes hohe» Staatsamt in Aussicht genommen sei. Berlin, 29. November. Die „Nordd. Allgem. Ztg." ist zu der Erklärung ermächtigt, daß die Nachricht der „Deutschen Tage»'Zeitung", worach Major v. Wißmanu durch einen Eolonial-Scaudal ä la vr. PeterS bedroht und jener Plan nur durch die Wachsamkeit und daS Da- zwischentreteu einiger treuer Anhänger und Freunde de» um die deutsche Colonialsache verdienten Mannes im Keime erstickt worden sei, jeder thatsächlichen Grundlage entbehre. — Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen" find nunmehr durch die Cotta'sche Verlagsbuchhandlung zur Ausgabe gelangt. Die Ausstattung der beiden Bände, die zusammen nahezu 700 Seiten zählen, ist würdig und geschmackvoll. Der erste Band ist mit einem Bismarckbildniß von Lenbach geschmückt. — Zur lippischen Angelegenheit erfährt die „Rat. Ztg.", daß sie vom Bundesrath noch vor der Eröffnung des Reichstages erledigt werden wird. Weiler wird bemerkt: Ueber die Grundlage der nach einer offiziösen Ankündigung erzielten Verständigung ist auch an Stellen, die in dieser Angelegenheit bisher wohlunterrichtet waren, bis jetzt nicht- bekannt. Es besteht aber die Auffaffung, daß die Entscheidung sachlich im Sinne derer ausfallen werde, welche das Recht der lippe-detmoldifchen Landesgesetzgebung zur Entscheidung über die Erbfolgefrage vertreten haben. Von einer nach der Angabe verschiedener Blätter obwaltenden Absicht, im Reiche eine Instanz zur Entscheidung von Thronfolgestreitigkeiten zu schaffen, ist an unterrichteten Stellen nichts bekannt. — Au» Deutschsüdwestafrika. W.e schon berichtet, wurde im Süden der Schutzgebietes unter den Hotteu- toteu in Bethanien der Ausbruch von Unruhen befürchtet. Nach inzwischen eingegangenen Nachrichten aus Kapstadt ist e» der „Nationalztg." zufolge zu einigen Kämpfen gekommrn: Major Leutwein brach sofort nach Bekarwtwerdeu der Alarm- nachrtchteu mit 100 Reitern und drei Geschützen nach Windhoek auf, um den schwachen Posten von Keetmanushop (etwa 100 Kilometer von Bethanien) zu unterstützen. Die von dem dortigen StationSchef eingeleiteten Verhandlungen hatten zu keinem befriedigenden Ersebniß geführt- daher lieferte Major Leutwein den Aufständischen bereit» am 19. October ein Gefecht. Verluste hat unsere Schutztruppe dabei nicht erlitten, wenigsten» nicht an Europäern. Kämpfe haben in der Nähe von Naose» und Hoaub ftaitgefunden. Da man für die Folge derartige Plötzliche Aufstände im Keim ersticken möchte, soll daS Gouvernement beabsichtigen, in den südlichen Gebieten zwei neue Milttärstatiouen zu errichten, und zwar in Bethanien selbst und in Warmbad. Weisung österreichischer Slawen aus Preußen dahin, daßz da» AuSweisungsvrrfahren in Preußen mit unleugbarer Schärfe l gehandhabt werde. Er hob hervor, daß eine flagrante Ber- J lrtzung der völkerrechtlichen Grundsätze und der speciell ver- trag-mäßigen Rechte nicht eonstatirt werden könne. Der Ministerpräfidevt gab dir Versicherung ab, daß er gegebenen, fall» nicht zögern werde, dem Grundsatz der Reciprocität entsprechende Maßregeln in Anwendung zu bringen. Zwischen den Abgeordneten Pfersche und Herold kam e» im Abgeordnetenhaus anläßlich der DtScnsfion über die vorjährigen Excrffe in Prag zu einem Rencontre, welche» den Abgeordneten Pfersche veranlaßte, die Einsetzung eine» MißbilligungS- AnSschuffe» zu fordern. Pola, 29. November. Der Erzherzog Karl Stephan ist an einer Halsentzündung erkrankt. Rom, 29. November. Der Papst verständigte da» Wiener Cabinet, für da» im März 1899 stattfiadende Con- sistorium einen Bischof al» Thron-Cardinal und einen Prälaten al« Curie n-Lar bin al vorzuschlagen. London, 29. November. Die Polizei verhaftete eine ManneSpcrson, bei der die vor einiger Zeit in Pari» auf dem Nordbahnhofe gestohlenen Diamanten und Juwelen der Herzogin von Southerlaud vor- gefunden wurden. Pari», 29. November. Um einigen der zahlreichen Mißstände im französischen Heere, die der Dreyfus* handel bloßgelegt hat, zu steuern, hat der Kriegsminister de Frehcinet zwei Verfügungen erlaffen, die auf da» Offizier- » corp» wiederum ein seltsame» Licht werfen. Er hat zunächst x bestimmt, daß die Cowmandirungen von Ltnteuoffizieren zum Generalsteb in der bisherigen Form in Zukunft Wegfällen. Bis jetzt war üblich, daß eine, grwiffe Zahl von Offizieren, die al» die ersten aus der obersten Kriegsschule hervor- gegangen waren — zu ihnen gehörte bekanntlich Dreysu» , auf zwei Jahre al» HülfSarbeiter dem großen Generalstabe zugetbeilt wurden. Sie sollen fortan erst bei den Divifion»- nnd Corpsstäben beschäftigt und bei der Truppe beobachtet werden, damit man, wie der „TempS" sagt, nicht nur über ihre Kenntuiffe, „sondern auch über ihren Charakter, ihre Gefinnnngen und ihr Betragen" unterrichtet ist, ehe ihnen die wichtigsten Organisationsfragen und alle Einzelheiten der LandeSvertheidigung anoertraut werden. Daß eine solche Mißtrauensmaßregel nothwendig erscheint, ist bezeichnend genug für da» frauzöfische OsfiziercorpS. Dasselbe gilt für die zweite kriegSwinisterielle Verfügung, die Aeudernngen in der Beförderungsart der höheren Offiziere vorschreibt. Bisher wurden die zu Brigadegeneralen zu befördernden Obersten durch eine Commission von Generälen vorgeschlagen. „Sicher- lich", so schildert ber „TempS" die bisherige Uebung, „legte diese Commission großen Werth auf die Fähigkeit der Caudi- baten, aber fie wurde außerdem durch eine Fülle anderer Erwägungen geleitet, und, um die Wahrheit zu sagen, ihre Arbeit endete nur zu oft mit einer Art Kompromiß, durch deu mit einem Austausch gegenseitiger Zugeständuiffe es jedem Mitglieds gelang, die Candidaten, an denen ihm am meisten gelegen war, uuterznbringen. Es war um so leichter, solche Listen der Freundschaft aufzustellen, als Niemand persönlich für diese anonym gefaßten Gesammtentscheidungen verantwort- lich war." Um diesem unwürdigen Günstlingsweseu wenigstens einigermaßen Einhalt zu thun, hatte schon Cavaignac angeordnet, daß wenigsten» in der Commission der Armee- Inspekteure jede» Mitglied fortan die Würdigkeit der von ihm vorgeschlagenen Candidaten persönlich zu vertreten hat und daß es sür die Richtigkeit seiner Kritik persönlich verantwortlich ist, und Freycinet hat dem hinzugefügt, daß die Commission zur Beförderung der Obersten ebenso die Gründe anzugeben hat, weshalb die vou ihr au-geschiedenen Caudi- boten von der Beförderung auSgeschloffeu werden. Der I T-mpS hofft, daß demnächst auch die Commisfionen sür die I Beförderungen der Übrigen Grade auf diese Bestimmungen verpfl chlrt werden. Sollten die Üblen Erfahrungen, die man neuerdings mit der Generalität gemacht hat, der Anlaß gewesen sein, weshalb die beiden bürgerlichen Kriegsminister eS mit der Aenderung der BefördernngSbestimmungen in den höhern Graden so eilig halten? -Köln. Ztg." — Zu den Friedensverhandlungen wird der „Köln. Ztg." aus Madrid geschrieben: Die Presse gefällt fich einmal wieder darin, die Botschafter im Ministerium de» Aevßern eine Art Contretauz auffahren zu lasten und ihnen alle möglichen Abfichten, Rathschläge in der Philippinenfrage | und Btsuche zuzuschreibeu, die in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden haben. Bor Kurzem ist an dieser Stelle bereits geschildert worden, wie fich die Berichterstatter durch zu großen Eifer manchmal in dieser Hinficht irreführen lasten, und daß derartige Berichte über Besprechungen, die die Chefs I hiefiger Botschaften über irgend ein aktuelles Thema angeblich mit dem Minister des Aenßern gehabt haben sollen, mit der größten Borficht aufzunehwen find, selbst wenn man fie schwarz ans weiß gedruckt in einem sonst angesehenen spani- scheu Blatte liest. Denn bei der Raschheit, mit der die hie- figen Zeitungen hergestellt werden, ist e» deren Leitern oft unmöglich, noch eine Nachprüfung der ihnen überbrachten I Mittheilungen eintreten zu lasten. — Im Uebrigen ist heute die Preffe mit btttern Betrachtungen Über den Inhalt des I letzten amerikanischen Memorandum» angefüllt, da», wie e» scheint, durchaus den Charakter eine» Ultimatum» trägt, wenn I diese» Wort auch nicht selbst gebraucht wird. Da» Schiedsgericht wird zurückgewiesen, weil ein derartiges Mittel, Meinungsverschiedenheiten zu schlichten, nur zwischen gleich- I gestellten Nationen zur Anwendung kommen könne, aber nicht zwischen Siegern und Befiegten. Die Letzteren hätten fich eben dem Willen der Sieger zu fügen! Diese allerdings sehr deutliche und nicht grade rückfichtßvolle Erklärung bestimmte den Miuisterrath, von weiteren Gegenvorschlägen, die Montero Rio» noch in Rückhalt hatte, weil zwecklos, abzn- sehen. Die Verlesung des Schriststücks nahm nicht weniger als l’/8 Stunden in Anspruch. Laug und breit beschäftigt I es fich mit der Auslegung des Wortes „Coutrole", das au- geblich im Englischen mit „Eigenthum" und „Besitz" gleichbedeutend sein soll. Ohne em großer Sprachforscher zu fein, kauu mau doch soviel behaupten, daß diese Auslegung der thatsächlicheu Begründung entbehrt, wenigstens zwischen Gewalt und Recht nicht unterscheidet uud daher weiterer Beweise bedarf. Die 20 Mill, werden nicht al» Entschädigung für die Einverleibung der Philippinen, sondern al» Gegenwerth der in öffentlichen Bauten angelegten Summen angeboteu. Ferner - und dieser Punkt dürfte nicht zu übersehen sein — verlangen die Bereinigten Staaten u. A. auch Aufrechterhaltung de» Protokoll» von 1877, das amerikanischen Unter* thanen, die in spanischen Besitzungen wohnen, gewiste Rechte zuerkeunt, woraufhin sowohl die kubanischen Separatisten wie auch die Methodistevprediger auf den Marianen und Karolinen gegen die spanische Herrschaft ungestraft conspirireu könnten. Man fürchtet also, uud vielleicht nicht mit Unrecht, daß, wenn diese» Protokoll durch den Friedensvertrag wieder in Kraft gesetzt wird, bald auch auf den Canarischen Inseln, auf den Balearen und am Ende sogar auf der Halbinsel selbst amerikanische „Unterthauen" auftaucheu werden, um neue Couflicte herauf zu beschwören und deu Streit zu er* neuern. Die Amerikaner wollen, wa» den Handel anbelangt, auf deu Philippinen eine Politik der offenen Thür beobachten. Allein damit ist der spanifchen Industrie, die mit der amerikanischen und englischen nicht wettbewerbfähig ist, wenig ge'> dient, wenn die Amerikaner nicht da» Versprechen, die spani- schen Jntereffeu durch einen besonderen Handelsvertrag zu berücksichtigen, erfüllen. Durch den FUedenSvertrag sollen? schließlich alle vou privater Seite erhobenen oder noch zu erhebenden Ansprüche auf Schadenersatz für erledigt erklärt werden. Auch die philippinische Schuld wird von den vereinigten Staaten nicht anerkannt. Ängeficht» dieser Lage beschloß der Ministerrath, im Princip den Friede», „trotz der skandalösen Vergewaltigung", anzunehmeu. Die Bedenken, die in constitutioneller Hinsicht bezüglich Abtretung der Philippinen austauchteu, beschwichtigte man dadurch, daß der Vertrag ja nur ad referendum gezeichnet werde. Au» demselben Grunde glaubten die Minister gestern auch, daß sie verpflichtet seien, den Vertrag persönlich vor den Sorte» zu vertreten. Die Regierung möchte gern einen Protest, oder, wenn das nicht geht, einen Vorbehalt, daß man nur der Gk- walt weiche, in den Vertrag ausgenommen zu sehen, doch bezweifelt sie selbst, daß die Amerikaner dergleichen znlaffcn werden. Montero Rios erhielt den Auftrag, wenigstens einen versuch in dieser Richtung zu machen uud auch nach einer Erhöhung ber geringen Entschädigungssumme zu trachten- Sobald der Vertrag unterzeichnet ist, wird bann dem General RioS anbefohlen werden, fich mit den ihm noch zur Verfügung stehenden Truppen und dem Kriegsmaterial nach Spanten einzuschiffen._____________________, töcäüs ttttS provinzielles. §§ Ruppertenrod, 29. November. Welchen geschmeidigen, elastischen Körper der Haus- ober Steinmarber besitzt, sollte dieser Tage ein hiesiger Wagner erfahren. Derselbe, welcher das Marderfangen aus dem ff versteht, gewahrte gestern Morgen in seiner aufgestellten Falle einen Steinmarder. Beim Oeffnen der Falle entwischte ber Marder ber Wagner faßte aber trotz des Biffe» des Gefangenen fest zu und hielt den flinken Räuber gepackt. Nun fchranbte er denfelbeu mit dem Kopfe in die Hobelbank feiner Werkstatt und drehte zu, um dem Gefangeneu das Lebenslicht auszu- blasen. Um btffer schrauben zu können, wollte er die Schraube mit beiden Händen faffrn. Die hierbei entstandene momentane Pause benutzte der Marder, ein Ruck und Zuck, und der Marder war au« den nur fingerbreit voneinauder stehenden Schraubklötzen. Sofort benutzte der Marder auch eine enge Spalte in einer Wand der Werkstatt, um die Freiheit zu gewinnen und draußen Fersengeld zu geben. Sprachlos schaute ber Wagnermeister voll ärgerlicher Bewunderung dem Flüchtling nach wohl mit dem Gedanken: „Den hatte ich!" x Srmeueod, 29. November. Bei einem hiefigen Bürger war dieser Tage ein Einbruch verübt und waren ihm ver- schiedene Kleidungsstücke und Geld entwendet worden. Die Gendarmerie von Ruppertenrod benachrichtigte man telegraphisch von dem vorkommniß. Derselben gelang es, den noch jugendlichen Dieb zu ermitteln. Obwohl er Anfang» leugnete, legte er später ein Gefländniß ab. Die gestohlenen Gegenstände hatte der Dieb auf einem Strohboden versttckl, wo man fie alle noch vorfand. A Mainz, 29. November. Bei den heutigen Ergäu- znugswahlen zur l. Stadtverordnetenversammlung, die um deßwilleu vou besonderer Bedeutung waren, weil ttc Hälfte ber ganzen Stadtverorbnetenzahl neu zu wählen war, wurden von 11781 Stimmberechtigten 6803 abgegeben, und zwar entfielen auf den Canbidatenzettel der vereinigten bürgerlichen Parteien, ber Cenrrumspartei, ber National- liberalen, Demokraten unb Deutschfreisinnigen 3553 Stimmen, auf den der S?cialdemokraten 2923 Stimmen und auf deu Stimmzettel einer sogenannten Bürgerpartei 336 Stimmen. Au» diesen Zahlen läßt fich aber noch nicht im Geringsten erkennen, wer eigentlich gewählt, denn von den 6803 abgegebenen Stimmzetteln find nicht weniger al» 1929 geändert und Streichungen und Zusätze darauf vorgenommen. Allein ber Canbidatenzettel der vereinigten bürgerlichen Parteien hat 1353 Aenderungen erfahren, wogegen der Stimmzettel der Bocialdemokraten nur 490 Mal geändert ist. Mit Rückficht auf diese zahlreichen Aenderungen ist da» Scrutininm außerordentlich zeitraubend und kann vor Morgen nicht einmal ein allgemeines Refnltat festgestellt werden. Aller Borausficht nach dürfte indeß die Mehrzahl der Candidaten ber ver- einigten bürgerlichen Parteien gewählt fein, nnb nur der eine ober andere der Candidaten der Socialdemokraten mit geringer Majorität gewählt worden sein. THEE-MESSMER Berühmte Mischungen Mk. 3,50 und 2,80 per Psv. Prodepackete 60 und 80 Pfg. Nur tn feineren Geschäften käuflich. 9766 11760 Seltersweg SL p r p r in der bekannten AacKzutyaten W W. 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