ii erb^a' .lw»-«h*”dL 1898 Nr. 282 Erstes Blatt. Donnerstag den December l**H4 »>< 6a< M»-tzesirrr«(i.<*rlVO ? Wert H; >| . ewtit* 7» Dl» •r 0i »GiisMtz» »« WH«f S Warf bO VH VamkKt 4« srr Wo*mlttaf« f*r le La, ni4«i»(’rtfc4nfÄr«|« >c. 1. W - LiRP^gRMg!! Gratisbeilage. Gießener Familienblötter. UlreO« für Depeschen: Anzotger fit. bl. ventsche» Kridp. — Zur Vorbereitung der Handelsverträge schreibt bte „Äöln. Ztg -: Schon mehrfach ist von uns die Lnstcht vertreten worden, daß die Ausfüllung der den Ge- schäftslreibenden vom Reichsamt de« Innern ^gegangenen Fragebogen, die behuf» Schaffung einer statistischen Grund« tage zur Beurtheilung der Erzeugung». und Außfuhroerhält- niffe der deutschen Industrie ausgestellt und versandt worden stnd, im wtrtbschoftiichen Intereffe liege, und den Auskunft ettheilenden Geweibc-Unternehmern keinen Nachtheil bereiten könne. Es ist erfreulich, wahrzunehmen, daß auch in Ge- fchäftskr.isen diese Ueberzeugung getheilt wird, und daß gut unterrichtete Angehörige dieser Kreise ihre Berufsgenoffen, soweit diese noch mit der Beantwortung von Fragebogen rückständig sind, unter Hinweis auf den durch die getroffenen Veranstaltungen gewährleisteten Ausschluß jedes Mißbrauch» der verlangten Angaben, eindringlich ermahnen, die gewünschte Auskunft nunmehr ungesäumt zu ertheilen. Dies geschieht z. B durch ein Rundschreiben, da» der neugebildete Verein deutscher Werkzeugmoschinensabriken an sümmtliche deutschen Betriebe dieser Art soeben versandt hat, nachdem sein Vor« sitzender, Lommerztenrath Schieß in Düffeldorf, durch persönliche Kenninißnahme von den im Retch»amt de» Innern bestehenden Einrichtungen sich von der discreten Behandlung der Fragebogen überzeugt und zugleich erlangt hat, daß die besonderen Verhältnisse de» genannten, mächtig emporblühm« den Industriezweiges bei dieser Bearbeitung Berücksichtigung finden werden. Da» Rundschreiben führt au», daß nur eine au»gleb:ge Unterrichtung eben die B.böide in den Stand setzen kann, die einschlägigen VerhäUniffe zutreffend zu be- urtheilm, die Folge dc» Gegenthell» aber müßte eine un genügende Wahrung der Intereffen solcher Geschäftsbetriebe bei dem Abschluß der Handelsverträge sein, ©et aber der betreffende Zweig im R'ichsamt einmal erledigt, habe sich da» Amt eine bestimmte Meinung über einen Artikel gebildet, so sei e» nachträglich sehr schwer, wenn nicht unmöglich, durch eine alsdann freiwillig anzubtetende eingehendere Unterrichtung über die Lage eine» solchen Geschäftszweige» der mahg benden Behörde eine richtigere Meinung von der Sache betzubringen. Eine lediglich aus unbegründetem Mißtrauen entspringende Zurückhaltung der Geschäftswelt sei also hier sehr wenig am Platz. Da» Schreiben bemerkt weiter, daß in dem neuen Zolltarif die ganze Waarenbezeichnung in den gesetzlichen Tarif ftlbst kommen soll, während c» bisher ein amtliche» Waarenverzeichniß gab, besten Aufstellung und Ergänzung dem Bundesrath zustand. „2Bafi also jetzt nicht in da» Gesetz kommt an bestimmten Artikeln, an besonderen Industrie-Erzeugnissen und dergleichen, da» kann überhaupt späterhin nicht m-hr al» besondere Gattung oder Art bei der Zollbehandlung berücksichtigt werden. Die Reichsregierung hat berechtigten Wün-chen der Industrie in Bezug auf Maaren« eintbeilung bereitwillige» Entgegenkommen bewiesen und hat z. B. zum Schutz der Fahrradherflellung einen neuen Artikel „Fahrräder", zur Wahrung der Intereffen de» mächtig auf- blühenden deutschen Werkzeugmaschinenbaues für diesen eine besondere Unterabteilung de» Zolltarif» unter der Position „Werkzeug Maschinen" in Aussicht gestellt. Sie ist offensichtlich ernstlich bestrebt, die Bedürfnißfrage in den vorbereitenden Verhandlungen für die Handelsverttäge gründlich zu prüfen, und ihr hierzu willige Unterstützung durch vertrauens« volle und rückhaltlose Offenbarung ihrer Verhältniffe zu ge« währen, ist nicht allein eine patriotische und wirthschafl». politische Pflicht der Industriellen aller Zweige, sondern liegt auch zugleich in deren eigenem Intereffe. Hoffentlich wird also der Procentsatz derjenigen Geschäftstreibenden, der sich dieser Pflicht entzieht, schließlich ee Bediogungen auf. vor Allem soll Prinz Georg die Suzeräneiät de» Sultan» anerkennen, al» deren Zeichen an einem befestigten Orte bte türkische Flagge geh sie bleibt. Ferner soll eine Nationalversammlung einberujen werden, um eine ble Freiheit der Religionen verbürgende Berfaffung auSzuarbeiten. Der Auftrag be» Prinzen gilt nur für drei Jahre. Die von ben Mächten vorzufchttßeubeu 4 Millionen sollen zur Einrichtung und Verwaltung der GenSdarmerie verwendet werden. — Die Eiseubahu-Eoucefsiouen tu Lhiua mehren fich von Tag zu Tag und e» ist interessant, zu ver- gle cheu, wie die verichiedeueu Nationen bei diesem commercleOen Wettbewerb weggekommeu find: Die bi» jetzt erreichten Lon- cessionen find folgende: Britische: Roulung biS (Santon — Shanghai bi» Wuiimg — Shanghai bis Tschiukiauß, Nanking, Hanztschau und Wentschau — Kuvlong-FLHre bi» Xa tfu, U ruvan, Suisu unv Lichungking — Mouiwcin bi» Uaunan — Shanhaikwan bis N'Utschwang — (Saaten bis Tschengw. Britisch deutsche: Tientstn bi» Tschiukiaug. Britisch italienische: Tal-Yen bl» Si-ngon und Sianghang. Deut'che: Kmutschou bi» Tfiuau — Kioulschou biS Jcschau. Französische: Cangfon bis U innan — Langsou bi» Tanten — Nanning bi» Pakhot — Laokat bi» Uaunan. Belgische: Tlchingling bi» Hankau. Rusfiiche: Port Arthur bis Novo Tsurukhaitul — Vladivostok bi» Niuguta und der Mandschurei-Hauptltuie — Kipiu bi» nach der Mandschurei Hauptliuie — Poatlug bi» Tai gaen. Amerikanische: Wutschaug bi» Tanten. CkoW» unb prooittjUaes. Gietzen, 80 November 1898. •• OrdenS-Berleihungen Seine Königliche Hoheit bet Sroßherzog gaben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 25. November gnädigü getubt, bem Oberkammerherrn Freiherrn Earl von Schenck zu SchweiuSberg- Wäldershausen da» Eemthurkrenz 1. Klaffe deS Verdienstorden» Phil'ppS dr» Grohmüihigeu, — nm 16. November dem katholischen Psareer Franz Joseph Kempf von Nreder- Saulheim daS Ritterkreuz 1. K.affr deffelbrn Ordens zu verleiben. - PattamentattfcheS. Bezüglich des AutragS dkS Nbg. Köhler (LangSdotf), die Wasserpest in der Horloff bett., beantragt der vierte Ausschuß: Großh. Regierung zu ettucheu, eine Vorlage an bte Stände gelangen zu laffen, wonach unter Kapitel 139 a. de» außerordentlichen Budget» für 1897/1900 e*n entsprechender Betrag eingestellt wird, nm in der laufenden Fiuauzpettode die uöthigev Arbeiten noch ausführen zu können, unter Beibehaltung des in bem Schreiben vom 13. Mai ausgesprochenen GruubsotzeS bet Sostevvttthe lang. — Der Adg. Freiherr von Köth hat R^meuS des vierten AuSschvffeS der Zweiten Kammer über bte Rückäußeruvg Erster Kammer, den Antrag der Abgg. Eramer und Seuoffen, die Errichtung einer Heil- statte für Lungenleidende und andere chronische Kraute betr., sowie die Eingabe des geschästLsührenden Ausschüsse» der freien Bereinigung der Kcankeukaffrn im Grohherzogthum Hessen in gleichem Betreff, Bericht erstattet. Während dre Zweite Kammer dem Antrag ihre» Ausschusses gemäß mit allen gegen zwei Stimmen hinsichtlich de» Antrag» der Abgeordneten Cramer und Geuoffeu beschlossen hat: ^Groß- herzogliche Regierung zu ersuchen, den Ständen alsbald eine Borlage über die Errichtung einer Landesanstalt zur Aufnahme und Pflege tuberculör kranker, unbemittelter Personen zugehen zu lassen", hat die Erste Kammer diesen Beschloß ab gelehnt und weiter beschlossen: „Großherzogltche Regierung zu ersuchen, die Frage der Errichtung bau Heilanstalten für tubereulös Erkrankte einer ernsten Erwägung zu unterziehen und je nach dem Trgebniß dieser Erwägungen den Ständen Vorlage zu machen". Dagegen ist die Erste Kammer dem wetteren Beschluß der Zweiten Kammer beigetreten: vDie Eingabe des geschäftSsührevden Ausschüsse» der freien Bereinigung der Krankenkassen im Großherzogthum Hrffen für erledigt zu erklären." Der Herr AuSschußrefereut der Ersten Kammer hat im Wesentlichen B-zug genommen auf das Seiten» der Großh. Regierung iu Betreff der vorliegeu- den Anträge au den Präfideuten de» vierten Ausschuss:» gerichtete Schreiben, sowie auf die bet der Berarhuog tu der Zweiten Kammer von Seiten der Großh. Regierung abgegebenen Erklärungen- er hat ferner, unter Anerkennung der nroßru Gefahr, welche die außerordentliche Verbreitung der Tuberculose für die Bolksrohlfahrt mit sich bringt, zwar eine alsbaldige Vorlage an die Stände im Sinne der vorliegenden Anträge nicht empfehlen zu dürfen geglaubt, wohl aber da» Ersuchen an Großh. Regierung beantragt, die Frage der Errichtung von Heilanstalten für tubereulös Erkrankte einer ernsten Erwägung zu unterziehen und je nach dem Er- gebniß dieser Erwägungen den Bränden Vorlage zu machen. Der Herr Ausschuß-Referent der E stcu Kammer hat endlich dtesru seinen Antrag auf Ablehnung de» Beschlusses der Zweiten Kammer damit begründet, daß der diesem Beschluß zu Grunde liegende Gedanke noch genauer auf seine Ausführbarkeit geprüft werden müsse. Die Seitens der Großh. Regierung in ihrem oben erwähnten Schreiben und in der Plenarverhaudlung gegen die Anträge vorgebrachten Bedenken fanden bet den Kammerverhandluvgen vollste Berückftchtiguug, konnten jedoch das Hohe Haus nicht bestimmen, einen von dem Antrag seines Ausschusses abweichenden Beschluß zu fassen. Ebensowenig vermögen die inzwischen gepflogenen Verhandlungen der Hohen Ersten Kammer den berichtenden Ausschuß davon zu überz-.ugeu, daß ts AngrfichtS der immer stärker werdenden Verbreitung der Tuberculose genügt, wenn vorerst noch die Frage der Errichtung von Heilanstalten für luberculöS Erkrankte blos in Ecwägung gezogen wird- viel- mehr ist der Ausschuß nach tote vor der Uederzeuguug, daß schleunigste Aufnahme de» energischsten Kampfes gegen diese Krankheit durch al-baldige Vorlage über Errichtung einer Lavde»anstalt zur Aufnahme und Pflege tuberculö» kranker unbemittelter Personen dringend geboten ist, und zwar nicht bloS im Interesse der tubereulös kranken, sondern auch im Interesse der mit der Krankheit nicht behafteten Personen. Daß derartige Heilanstalten von wohlthätigstem Einfluß find, beweist die in letzterer Zeit immer häufiger werdende Errichtung solcher Anstalten. Werden dieselben unter staatliche Leitung gestellt, so erhält ihr Fortbestand eine wesentlich höhere Sicherheit und ihre Ein« richinpg und Leitung eine weit größere Garantie der Zweckmäßigkeit. Würde, dem Beschluß der Zweiten Kammer entsprechend, eine Vorlage über die Errichtung einer derartigen Landesanstalt — deren Ausführbarkeit überhaupt wohl nicht bezweifelt werden kann — den Ständen zugehen, io wüßte selbstredend der Inhalt der Vorlage erst noch der Gegenstand weiterer Berathungen werden, welche durch obigen Beschluß in keiner Weise verkürzt werden sollten. Der Ausschuß beantragt hiernach: Hohe Kammer wolle bet dem von ihr gefaßten Beschluß verharren. •• Zur Verbesserung der Gießener Sifevbahn-Berhaltutsse. Unter der angegebenen Chiffre stad dem Verfasser des am 23. d. M. über diese» Thema veröffentlichen Artikel» bisher 30 Schreiben mit mehr als 50 Uutrrschrifteu zugegangen, welche sich einstimmig für die Tendenz dcS Aufsatzes und dabei größtentheilS für die Ausführung im Sinne des dargelegten Plane» erklären. ES find dabei Personen aus allen Stäuben und aus allen Theilen der Stadt, ferner auch, fo< weit sich die» erkennen läßt, Männer von sehr verschiedenen Parteirichtuugen vertreten. Somit zeigt sich an vielen Stellen Zustimmung. Der Plan wird bei dieser Sachlage zunächst noch einigen größeren Vereinigungen der Stadt, welche Interesse daran haben können, zur Kecrutniß und eventuellen Unterstützung zugesaudt werden, worauf nach Besprechung desselben eine gemeinsame Eingabe an die in Betracht komwrndeu Behörden gemacht werden soll. Mit dem Dank für die bisherige Unterstützung bitten wir, diese Angelegenheit al» eine völlig unpolitische, lediglich auf da» Wohl der Stadt und Verbesserung ihrer BerkehrSverhältnisse gerichtete, zu behandeln. ät. btadttheater. Ein paar urvergnügte Stunden verlebten die Besucher unseres Stadttheaters gestern Abend während Aufführung de» von un» bereits im voran» kurz skizzierten Lustspiel» „Im Fegefeuer". Bolle» Berständuiß auf Seiten der Darsteller, ungeheuere Heiterkeit auf Seiten der Zu- fchauer, da» waren die Eindrücke die der unbefangene Be- odachter gewann. Vor allen war Herr Wilhelmi al» Klempnermeister, alias Blechfabrikant, Tullinger so recht in seinem Element- auch bte Herren Liebscher, Merker, Dietzsch, S*'.1“" "°'»a°Uch. Son den Damen gab Fräulein Pauli die Naive recht getreu. Auch Fräulein C r o n e g g und Fräulein Isenburg ließen nicht» zu wünschen übrig. Frau Helm fühlte sich als ttanzleiräthin zu Hause wie nie, und Frau Kruse verkörperte vollendet die Klempuermeister». gattin. Gar zu sehr aus dem Häuschen war in Anbetracht ihrer hohen Semester zuweilen Fräulein Schuhmann al» Tante Therese; indes soll da» ja bei solchen, die den rechten Zug verpaßt haben, zuweilen Vorkommen, deshalb soll ihr daraus kein Vorwurf gemacht werden. Auch der altkluge Otto (Frieda Helm) war durchaus am Platze, nicht zu vergessen de» Grienderger'fcheu Stubenmädchens (Frl. Irene Sitar di). Herr Casterra leistete al» Bankdirektor nie Gesehene». Alle» in Allem verursachte das Stück allgemein Freude, und glauben wir nicht sehlzugehen in der Annahme, daß nachdem das „Weiße Rößel" seine Schuldigkeit gethau hat, da» „Fegefeuer" eine Zeit lang lustig lodern und einige» Metall für die Theaterkasse flüssig machen wird, um den leider nur schwachen Besuch der ersten Vorstellung wett zu machen. * * Theater-Berein. Wie au» de« Jnseratentheile erficht- lich, findet der 3. Theaterabend am 7. December statt, lieber da» in Aussicht genommene bedeutende Bühnenwerk von Grillparzer, „Sappho", werden wir von berufener Feder eine Einführung bringen. Für heute bemerken wir nur noch, daß die berühmte Tragödin Kat hi Frank, die Frankfurt unbegreiflicher Weise nicht zu halten verstand, die Titelrolle übernommen hat. • * Glaserarbeit Ein riesiges Vergnügen leisteten sich diese Nacht um 1 Uhr einige junge Leute, indem sie in einem Geschäft am SelterSweg eine Spiegelscheibe mit einem Stück Berblendstein eiuwarfen. Hoffentlich gelingt e», die Personalien dieser ausgelassenen jungen Leute, denen man auf der Spur ist, festzustellen, um sie wegen Regulirnng de» nicht unerheblichen Schadru», der im Innern des Erker» verursach' wurde, zur Verantwortung ziehen zu können. * • Wetterbericht Die Herrschaft de» niederen Drucke» besteht über dem größten Thetle Europa» fort. Dagegen ist die Vertheilnug de» Barometerstände» andauernd sehr unregelmäßig und dementsprechend der WitteruugS-Eharacter unbeständig. Im Alpengebiet und dessen nördlichem vorlaude treten vielfach Theildepresfionen auf, welche bei ihrem Durchzüge theilweise föhnige Wetter verursachen. Der Himmel tst meisteuort» bedeckt, und fallen vielfach Niederschläge. Hoher Druck lagert über dem Südosten Europa», woselbst auch da» Barometer nicht unerheblich gestiegen ist. — Bo rau» sichtliche Witterung: Andauernd ziemlich wilde», aber unbeständige» Wetter. — Angesicht» der gegenwärtigen Tleifchvertheueruug, die in den Fach- und TageSblätteru bisher lebhaft erörtert wurde, ist vielfach der Wunsch nach einer Erleichterung der Einfuhr für lebende» Schlachtvieh laut geworden. Ob ein solcher Schritt empsehleuSwerth fei oder nicht, die» festzustellen muß Sache einer gründlichen Boruntersuchung der ganzen Erscheinung der Fleischvrrtheueruug sein- unter Heranziehung der Statistik find Umfang und Ursachen der Prei»steiger- nng zu erforschen- e» ist iu»besoudere festzustellen, ob der Fleischverbrauch infolge der gesteigerten Fleischpreise zurück- gegangen ist, ob die Cousumkeaft der Bevölkerung zugenommen und ein größere» Bedürfaiß nach Fleischnahrung im Gefolge gehabt hat, ferner ob der absolute Fleischverbrauch gestiegen und inwieweit der eventuelle Mehrverbrauch auf Rechnung der Bevölkerungszunahme zu setzen ist. Ferner ist von Wichtigkeit, daß der gegenwärtige Stand der Viehzucht, der Großvieh, und Schweinezucht, die PloductionSkrafr be» Lande», Zu- uns AuSfahrverhältuiffe und die AuSfichten für die Zukunft einer genauen Prüfung unterworfen werden. Auch die auf den Bichmärkten hervorgetretenen Erscheinungen, besonder» Angebot und Nachfrage, außerdem die der Bolk»- wirthschaft wohlbekannte Thatsache, daß durch Händlerringe die Preise ungünstig beeinflußt werden können, müssen berück- fichtigt werden. Die Fürsorge de» Großh. Hessischen Ministerium» gegenüber der eingetretenen Fleischvertheuernug wird, wie dermalen bekannt wird, auf allen diesen Erwägungen bastreu- die vielfach aufgetretenen Behauptungen, daß die Bersorgnng mit Fleisch häufig mit großen Schwierigkeiten verbunden fei, und au» diesem Grunde die Einfuhrbestimm- ungeu für lebende» Schlachtvieh erleichtert werden müßten, werden insbesondere auf ihre Richtigkeit untersucht werden. Wie wir erfahren, find die von Großh. Ministerium ange- ordneteu Borerhebungen bei den landwirthschaftlichen Provinzial Vereinen, Kreißämteru, Kreisveterinärämtern rc. in vollem Gange und werden in kurzer Zeit abgeschlossen fein. Daß inzwischen vielerorts wieder ein Rückgang der Fleisch- preise zu verzeichnen war, ist mit Genugthuung zu begrüßen. _________________________________________D. T. «. Xu# der leit für M< Heiß. Vor 100 Jahren, am 1. December 1798, starb in seiner Vaterstadt Breslau der Philosoph Christian Garve, ein Mann von hoher litterarischer Bildung und ästhetischem Sinn, der feine philosophischen Betrachtungen in eine verständliche Sprache ohne dunkle Schulausdrücke kleidete und somit den Forderungen der Zeit huldigte. Von seinen Werken erwähnen wir nur: „Cicero von den Pflichten". Garve wurde im Jahre 1742 geboren. Wöchentliche Uebersicht der Todesfälle in Gießen. 48. Woche. Born 20. November vts 26. November 1898. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 100 (tncL 1600 Mann Militär). Sterblichkettsziffer: 28,05, nach Abzug der Ortsfremden 21,58 tyro. Äinbei ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Altersschwäche 2 2 — — Lungenschwindsucht 1 1 — — Lungencatarrh 1 — — 1 Keuchhusten 1 — 1 — DiphtherltiS 1 (1) — — 1 (1) Darmcatarrh 1 — 1 — Syphilis 1 (1) — 1 (1) — Krebs 1 1 — — Bruchleiden 1 (1) 1 (1) — — Herzfehler 2 2 — — Gehirnschlagfiuß 1 1 Summa: 13 (3) 8 (1) 3 (1) 2 (1) . Anw. Die in Klammern gese-un Ziffern geoen an, wie viele ber lobftjau» fa der betreffenden Krankheit auf von außwLrtL nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Vermischte». * r. Arouhauseu 30. November. Vergangenen Samstag Abe^b um 10 Uhr entstauben Menschenansammlungen in unseren Straßen. Bald darauf verbreitete sich bte Kunde, die greller Feuerschein in bezeichnender Gegend bestätigte, daß im nahen Staufenberg Feuer au-gebrochen fei. Zunächst stand eine Scheuer in Flammen, doch al» dies Feuer gelöscht nud da» Publikum wieder daheim war, wurde e» abermals zur Löscharbeit gerufen. An einer anderen Stelle stand ebenfalls eine Scheuer in Flammen, so daß man Brandstiftung vermuthen muß. Von dem Thäter fehlt jede Spur. Rivchliche Anzeigen der Stadt Gieszen. Evangelische Gemeinde. Im Coustrmandensaal, Neustadt 61: Donnerstag den 1.December, Abends 8Uhr: Bibelstirrr-e. Phil. 2, 17 ff. Pfarrer Dr. Grein. Neueste Nachrichten. Depeschen bei Bure« »Herold*. Berlin, 30. November. Da» „Kleine Journal" meldet au» Parts: In DreyfuS-Kreisen bezeichnet man bte An- unlirung be» DrehfuS-Urtheil» al» sicher. Die weitere Untersuchung bezweckt bloß bte Feststellung bet schuld Esterhazy'», sowie der Verantwortung Mercier» und des Generalstabes. Unmittelbar nach Beendigung be» Verhörs Picquart», welche» noch fortbauert, wird der Cassation»- bof die Auslieferung der P qrart-Acten fordern. Auf Piqaart» Namen findet ein förmliches Plebisc t statt. Bisher find bereit» 100000 Unterschriften beisammen. Dupuy und Frey- einet versicherten, wie verlautet, befreundeten Senatoren der energischen Vertretung der Rechte de» CoffaitonShofr» gegen da» Militärgericht, wenn letztere» etwa Widerstand gegen bte Verfügungen des höchsten Gerichtshofes leisten sollte. ES ist sicher, daß der CassttionShof den Proceß Plqaakl u feine Hände nehmen wird. Wien, 30. November. Bon unterrichteter Seite wird versichert, daß caS in Pari» verbreitete Gerücht, der österreichische Milttär-Bttachä Oberst Schneider habe einen auf tie DretfuS-Affaire Bezug habenden Brief gefchrieden, vollständig erfunden fei. Pari», 30. November. Der Untersuchungsrichter Ber- tulus erklärt im „Temps", er habe nicht verlangt, vom Cassationshofe verhört zu werden, er werde jedoch jeder Vorladung, die ihm zugestellt werden sollte, gerne Folge leisten. Paris, 30. November. Die Kundgebungen zu Gunsten Picquart» dauern fort. Gestern Abend durchzogen mehrere hundert Studenten daS Quartier latin unter den Rufen: E» lebe P cq rart, e» lebe Zola. Die Demonstranten begaben sich dann in die Gegend de» Gefängnisse», wo sich Picqaart befindet, um dort eine Kundgebung zu veranstalten. Die Studenten wurden jedoch von der Polizei daran verhindert und vertrieben. Ostende, 30. November. Infolge des heftigen Unwetters ft ab zahlreiche Schifferbarren auf Strand geworfen worden. Man vermißt mehrere Barken und befürchtet, daß bereu Besatzung uwgekommcv ist. Antwerpen, 30 November. Der Schooner „Antonio- ist in der Nähe von Cagliari gesunken. 6 Mann von bet Besetzung find ertrunken. Auch der schwedische Dampfer „Oceanie" ist in der Nahe von Strock verunglückt. Ein Theil der Besatzung konnte gerettet werden. London, 30 November. „Pall Mall Gazette" will erfahren Haden, Leyd» Misfion in Lissabon sei, herauSzufindev, ob der Vertrag mit England über o ie Delagoa- Bucht bereit» unterzeichnet fei. Wenn die» nicht der Fall fein sollte, soll Leyd» in ganz Portugal herurnretseu und durch Reden dagegen agtttren. Die» führt er jetzt au». Die Verhandlungen zwischen Eaglavd und Portugal feien über zwölf Monate betrieben und umfaßten da» gefammte portugiesische Gebiet in Ostafrtka. Portugal solle ein Gebiet in der Nähe von Britisch Ostafrika erhalten, welche» btsser für die poctugiefiichr Colonisation paffe. London, 30 November. Nach Meldungen au» Konstantinopel beschuldigte Hussein Pascha einen anderen kurdischen Pascha, da» Attentat auf den deutschen Forscher Belk au»gefüh»t zu haben. Der deutsche Botschafter ist entschlossen, die Bestrafung der Schuldigen ohne Rücksicht auf deren Rang und ihre Stellung zu verlangen. London, 30. November. „Morning Reader" meldet au» Wien, daß der Zar im Frühjahr Wien besuchen werde, um den Besuch Kaiser Franz Josefs vom Jahre 1897 zu erwidern. Der Besuch soll keine politische Bedeutung haben. Madrid, 30. November. Eine Ministerkrisi» ist bevorstehend. Romero Robledo, General Wryler und mehrere andere Führer der Liberalen haben die Königin Regentin ersucht, Sagasta abzuberufen. Ein Aufstand der Karlisten ist augenblicklich nicht zu befürchten. Don Carlo» wird nicht eher handeln, al» bi» der FrtedenSvcrtrag von den Corte» gut geheißen wurde. Athen, 30. November. Die Meldungen an» Konstantinopel, daß die Misfion de» Prinzen Georg nur auf drei Jahre bemessen fei, wird in hiefigen unterrichteten Kreise« al» nicht zutreffend bezeichnet. Zwar fei der Prinz vorläufig provisorisch angestellt, da» Provisorium werde aber höchsten» ein Jahr dauern und bann bürste bte Wahl durch die treten* fische National Versammlung erfolgen. Bombay, 30. November. Der oberste Befehl»haber der iudifchen Armee hat eine starke Colonne indischer Trippe« gegen die Aufständischen abgesandt. Er hofft, durch schnelle» Handeln den Aufstand im Reime zu unterdrücken. New-Port, 30. November. Von allen Seiten treffe« HiobSpoften über den Seesturm ein. Die Zahl der Opfer wird auf über 200 geschätzt, ohne die auf offener See um- gekommeneu Schiffsmannschaften. Schier. lg F,aer W Shmaien b ^Ntn rt' lisJÄjsts "r§^L *l's‘*M «> [5StcT^ .Ha-lb', Im #?tlat 9