Seit dem großen internationalen Frauencongreß im Herbst 1896 steht Berlin im Mittelpunkt der deutschen Frauenbewegung. In der Reichshauptstadl wohnen und wirken bie Führerinnen der verschiedenen Parteigruppen. Die Mehrheit der Interessen und auch die Verschiedenheit in den Zielen erklärt es, daß sich allmählich solche herausbilden mußten. Und das schadet auch nichts, leistet der Klärung m den Hauptfragen nur Vorschub. Schließlich giebt es doch immer wieder Vereinigungspunkte. Solche auch localiter herzu- stellen, war schon lange e.n Lieblingswunsch der Berlinerinnen, welcher binnen Kurzem seine Verwirklichung finden soll. Von finanzkräftigen Kreisen geht die Gründung eine» Frauenclubs aus, der, im Mittelpunkt der Stadt gelegen, mit allem Comfort der Neuzeit ausgestattet, zu Vorträgen und Vereinszwecken, öffentlichen und privaten Zusammenkünften dienen soll. Gerade in Berlin thut so etwas Roth, denn hier, wo im Allgemeinen in Ton und Sitte die norddeutsche Etikette herrscht, hat sich das gemüthliche Keller- und Kaffechausleben der Münchener nicht entwickeln können. Will man sich sehen und ausführlich mit einander sprechen, so bleibt man meistens auf seine Privatwohnung angewiesen, was für den großen Procentsatz von Frauen, die in Berlin in Pension oder chambre garni wohnen, nicht immer behaglich ist. Demnächst vereinfacht sich die Sache außerordentlich. Man giebt sich ein Rendezvous im Salon des Club, man erfährt dort alles für den Passanten Wissenswerthe und kann gleichzeitig seinen äußeren Menschen durch Speise und Trank restauriren. enen 4595 ogei I. ’ann nctfc starrem "blei &ter, groß- ’bliebenen: llchrn, 'Mt iowit für die n Lorke bei Herrn igtn Lch-resiern bei nufrr Katharine rauht Cutting. 4M 1. Ma,, 900000000 erung. q «0 'uhr. so hisverhiil* fttW’ icbsok* em*» richte^ di6 bh.(Oh tÄ...... rLTP**'*' il< fit { 1S9S Sonntag den L Mai Nr. 101 Zweites Blatt ichemr Anzeiger Heneral -Anzeiger Zlnrts- unb Airzeigeblatt für den Ureis Giefzen Schutstratze Ar. 7. veenrischte» Alle Anzeigen-Bermittlilngsstcllen des In- und Ausland«- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tntgegc*. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden 9htmmcr bis Norm. 10 Uhr. kriegführenden Mächte auf fich allein angewiesen bleiben, und | wir nehmen au, daß England sich wohl besinnen wird, ehe X es durch eine Parteinahme für Amerika, Rußland heraus- * Der Geschäftsbericht der „Deutsche» EontinentalS»S Gesellschaft" in Dessau theilt u. A. Folgendes mit: Die Einführung der GaSautomaten (BaSmrsser mit Vorausbezahlung), welche feit dem Jahre 1895 in Probeeinrichtungen betrieben wird, konnte erst tm abgelaufenen Geschäftsjahre allgemeiner und definitiv geschehen, da erst gegen Ende dieses Jahres die Centralwerkstatt durch die Neubauten und An- fchaffuag von Specialmasasinen für einen größeren Bedarf an Automaten leistungsfähig wurde. E« konnten deßhalb zurächst erst 1473 GaSauromaten mit den dazu auf Kosten der Gesellschaft hergestellten completten Einrichtungen für 7924 Flammen in Betrieb kommen; doch lassen die Berichte der sämmtlichev Verwaltungen erkennen, daß die GaS- automatrn schnell im Publikum beliebt werden und neue Con- sumenten in den weniger bemittelten Klassen der Bevölkerung sowie bei Miethera aller Gesellschaftskreise gewinnen helfen. 1 Mit welcher Schnelligkeit fich die Einführung der GaS- fordert. Deutschland bleibt hoffentlich seinem Grundsätze treu, vollkommen unparteiisch zwischen den beiden Staaten zu stehen, und auch in diesem Falle dem Wahlspruche zu huldigen: „Keinem zu Liebe, Keinem zu Leid«."(xx) Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Deutsches Reich. Berlin, 30. April. Wann geht der Reichstag nach Hause? In Regierungs wie in Reichstagskretsen besteht darüber ein volles Einverständniß, daß es im Hinblick auf die bereit» am 16. Juni stattfindenden Neuwahlen zum Reichstage wünschenswerth ist, die Tagung so bald wie irgend thunlich zu schließen. Es werden bereits in den nächsten Tagen Verhandlungen eingeleitet werden, um zu vereinbaren, welche Gegenstände noch unter allen Umständen vom Reich», tage erledigt werden müssen. Hierzu dürften, soweit bisher bekannt, folgende Entwürfe gehören: Die Novellen zur Civil- proceß- und zur Concursordnung, die Mllitärftrafproceß- Reform, der Nachtragsetat, die vorläufige Verlängerung des deutsch-englischen Handelsvertrages und die Novelle zum Gesetz über die Naturalle,stungen für die bewaffnete Macht im Frieden. Von letzterer versprechen sich die verbündeten Regierungen eine günstige Wirkung auf landwirthschaftliche Kreise und legen daher Werth darauf, daß sie noch vor den Wahlen verabschiedet werde. Ferner sollen noch einige kleine Vorlagen erledigt werden, die keine Weiterungen verursachen dürften, wie der Entwurf, betreffend die electrischen Maß einheiten. Von den sonstigen RegierungSentwürfen befindet sich nur noch die Postvorlage in der Commission. Da die Frage der Entschädigung der Privatposten bisher noch un- aufgeklärt ist und zu weitgehenden Meinungsverschiedenheiten geführt hat, so dürste diese Vorlage unerledigt bleiben. Das gleiche Schicksal wird wohl der vom Centrum eingebrachte Gesetzentwurf, der als lex Heinze bezeichnet wird, haben. Dis Mehrheit wünscht ihn zwar noch zu Stande zu bringen, sie weiß aber, daß die Minderheit Alles aufb,eten wird, um dies zu verhindern, und wird daher wohl schließlich davon Abstand nehmen. Man rechnet, daß es so gelingen werde, den Reichstag etwa am 14. Mai zu schließen. Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Feuilleton. Berliner Frühlingsbriese. Originalbcricht für den „Gießener Anzeiger". (Nachdruck verboten.) V. Kunst und Leben. Br. M. Die großen Mittelpunkte, um welche die Kunst- Interessen Berlins kreisen, fehlen zur Zeit. Die Monate der geistigen Ausspannung stehen vor der Thür. Hw und da beschäftigt man sich gesprächsweise noch nut August hungert 6 „Odysseus-Cyclus" und einigt sich so ziemlich in dem Urtheil, daß das projectirte Festspielhaus zu Godesberg nur eine Carricatur von Bayreuth sein würde. Weshalb? Weil das Verhältniß, in welchem einst Wagner mit seinem Lebenswerk zur Musik Ur Gegenwart stand, ein durchaus oppositionelles war, weil es sich damals in Wahrheit darum bandelte, Raum und Boden für ein ganz neues Kunstprincip zu schaffen, wogegen Bungert mit seinen Tonwerken, die sich, was Text und Musik anlangt, auch nur quantitativ nut den Wagner'schen vergleichen lassen, vollständig im Rahmen der bisherigen Entwickelung steht. Ein Parteistreit wird sich über seinem Wollen und Können kaum entspinnen. Nicht einmal so viel Staub dürfte '»er „Odysseus" aufwirbeln als es Sudermanns „Johannes Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Aamitieubtätter werden dem Anzeiger- wöchentlich viermal beigelegt. gethan hat, über den man doch nicht so schnell als Manche anfänglich geglaubt, zur Tagesordnung wird weiter gehen ^""b^gbnige Ausnahmen abgerechnet, ist die hauptstädtische Presse mit dem Werk verfahren, als handele es sich um die Arbeit eines unreifen Schuljungen. Ernste Litteraten wie Friedrich Spielhagen, die selbst längst keine Theater- kritiken mehr verfassen, sahen kopfschüttelnd diesem Treiben zu. Jetzt erfolgt allmählich der Rückschlag. Brochüren, längere und kürzere Commentare, welche nicht während des redactionellen Nachtdienstes abgefaßt wurden, erscheinen und lassen dem „Johannes" als Sittenbild wie als Drama Gerechtigkeit widerfahren. Die Buchlitteratur corrigirt noch nachträglich die Presse, und das Publikum, welches von vornherein feine eigene Meinung über das Stück hatte, strömt nach wie vor zum „Deutschen Theater", - nicht etwa nur, um die Sorma, jetzt hat die Reisenhofer die Rolle — als Salome tanzen zu sehen! Denn um derartiger Genüsse Willen besucht in Berlin kein Mensch das ernste Schauspiel. In den vielen Varietees und vor Allem auch in dem Luxus- theater „Unter den Linden" läßt sich das besser und einheitlicher haben. , m .n Eins der glänzendsten Theater, als Bau genommen, ist vorläufig noch bas Goethe-Theater, das einzige Theater des Westens. Schade, daß es nicht ein bestimmtes Genre cultivirt, denn das scheint in Berlin zum Fortkommen unentbehrlich zu sein. Wie verlautet, will die Direction demnächst auch die Oper in ihren Spielplan aufnehmen. • Straßburg, 26. April. Alle für einen! Gestern Nachmittag fand beim 19. Pionierbataillon eine- Hebung vor dem Chef des Ingenieur- und Ptoniercorp» und Geueral- Jnspecteur der Festungen, General der Infanterie Bogel von Falkenstein, statt, bei der es fich um Versuche der beschleunigten Herstellung einer Ueberbrückung deS Umleitung»- canal» beim Kehler Thor handelte. Hierbei gerieth der mittlere Theil der bereit» fertigen Brücke in» Schwanken und e» fielen etwa zwanzig Pioniere tu das tiefe Wasser. Sofort sprangen sechs Offiziere, darunter ein Major, und eine Anzahl Unteroffiziere und Mannschaften den Berunglückeen nach und e» gelang auch, zum Theil feiten» der Rettenden mit eigener Lebensgefahr, sämmtliche in» Wasser gestürzte Soldaten dem nassen Element zu entreißen. Der Todesmuth und die Aufopferung der tapferen Retter verdienen höchste Anerkennung. nock weiteren vractischen Ausdruck giebt. Im Interesse de» I troleum auf die Kohlen zu gießen. Hierbei rxplodirte die Weltfriedens wäre e» dringend zu wünschen, daß die beiden Petroleumkanne und die bedauernSwerthi-Frau wurde im PrbnfMrttihen Mächte auf sich allein angewiesen bleiben, und ! Geficht, au den Händen, den Beinen usw. ganz behüten verbrannt. Ein Theil der Kopfhaare ist durch die Flammen zerstört worden, die schwer mitgenommenen Fingernägel haben auf ärztliche Weisung herauSgeschuitteu werden müssen. Glücklicher Weise sollen trotz alledem die Verletzungen nicht derart fern, daß eine Lebensgefahr zu befürchten stände. — Wird die» neue warnende Beispiel endlich seine Wirkung thun? W. Anz. ♦ Manchen, 28. April. Die Zahl der im hiesigen städtischen Leihhause verpfändeten Fahrräder nimmt ganz ungewöhnlich zu, fodaß, wie Rechtsrath Heilgemayr im Magistrat mittheilte, in der Leihanstalt München U etwa 1400 Räder versetzt sind. Heilgemayr beantragte daher, für diese Fahrzeug: einen AufbewahrungSverschlag mit 3800 M. Kostenaufwand herzustelleu. Bürgermeister v. Brunner be- merkte scherzweise, e» könnte noch nothwendig werden, für versetzte Fahrräder rin eigene» Lethhau» zu bauen. Der Antrag de» RechtSrathS Heilgemayr wurde angenommen. MächtegruPPirungerr. Der Dreibund ist ein Factor, mit dem ganz Europa rechnen muß, dessen Einfluß nie versagt, der fich schon in zahlreichen Fällen bewährt hat. Unter den heutigen Der- hältuissen isolirt dastehen, bedeutet für einen Staat die Ent- Äußerung jeder E'nwirkung auf die internationalen Verhält- stsse. Das hatte Fürst BiSmarck wohl erkaunt, als er den Dreibund schuf, und diese Rücksicht hat ihn jedenfalls ebenso sehr geleitet, wie die damals von Osten und Wrsten gleich- zeitig drohende unmittelbare Gefahr. Wer kann r» den übrigen Mächten verargen, wenn fie ebenfalls Anschluß suchen, wenn fie fich nach Bundesgenossen umsehen, mit denen fie Allianzen eingehen können! Frankreich ist sehr wohl zu verstehen, daß es alle Hebel in Bewegung setzte und kein Opfer scheute, bi» der Zar öffentlich zum Ausdruck brachte, daß Frankreich und Rußland durch Allianz verbunden seien. Politische und finanzielle Opfer hat e» gebracht, um die» Z el zu erreichen, und die franzöfische Regierung hat manchen Angriff abwehren müssen, der gegen fie gerichtet wurde, weil fir angeblich gar zu sehr auf die russischen Wünsche cinging. Aber die Opfer find doch nicht vergeblich gewesen, da» darf nicht verkannt werden - Frankreich, mit Rußland tm Bunde, ist geeignet, einen wett- gehenden Einfluß auszuüben, während e» isolirt dazu ge- zwuugen worden wäre, bei allen Hauptactionen mehr den Zuschauer zu spielen, al» selbst thäüg einzugreifcn. Wenn ein Krieg im Anzuge ist, dann erscheint e» ganz gerechtfertigt, daß sofort di- Frage nach etwaigen Bundes- genossen der beiden kriegführenden Theile lebhaft vrntl'.irt wird. DaS war auch j tzt im spanifch'amerikanischen Confl ct der Fall. Die Regel ist, daß nach erfolgter Kriegserklärung zwischen zwei Staaten die übrigen Mächte fich strengster Neutralität befleißigen und Alles vermeiden, um den Verdacht zu erregen, daß fie mit ihren Sympathieen nach der einen oder der anderen Seite neigen. E» kam daher ziemlich unerwartet, al» gemeldet wurde, England fei nicht abgeneigt, den Ver- rinigten Staaten moralische inb eveml. auch materielle Hülfe zu Theil werden zu lassen und mit ihnen einen BÜndnitz- vertrag abzuschließen. Die Gründe, welche England für ein solche» Vorgehen hat, find noch nicht genau bekannt, nur so viel darf als sicher angenommen werden, daß es von den Bereinigten Staaten Compensationen verlangt, was ja ganz dem entsprechen würde, wa» man von der englischen Politik zu erwarten gewohnt ist. M .. ,, Definitive Entscheidungen sind in dieser Hinsicht wohl kaum getroffen worden. Dagegen laufen Meldungen ein, rodete besagen, d-ch für den Fall ->-« Zusnroroengehen« Sn,- land» mit den ©crdnlßteu Staaten, Spanien auf die Hulse Rußland» und Frankreich» zu rechnen haben würde. Beide Staaten haben ein große» Interesse daran, daß d.e Baume Amerika» nicht in den Himmel wachsen, daß der Begehrlich- leit der großen amerikanischen Union Zügel angelegt werden, damit fie den Grundsätzen der Moaroe-Doctrin nicht etwa • Wetzlar, 25. April. Infolge einer in ihren schädlichen Wirkungen schon allzu häufig geschilderten Unvorsichtigkeit uat sich heute vormittag hierselbft ein bedauerlicher Unglücke fall zugetragen. Die junge Frau eines Neustädter Einwohners hatte, um das dem Verlöschen nahe Feuer de» OseuS lebhafter zu entfachen, fich dazu verleiten lassen, Pr- Redaction, Expedition und Druckerei: Gratisbeilage: Gießener Fanlilienblätter eietM Mw- fi Mltziz fi Mltzi- toiimigf.! 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Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unterem Amtszimmer zur Einsicht offen, und können letztere daselbst, mit Vordruck zu dem bezüglichen An gebotsvermerk versehen, zum Selbstkostenpreis bezogen werden. Für die; Bewerbung um diese Arbeit, sowie für die Ausführung derselben sind die Bestimmungen des Ministerial- Erlaffes vom 16. Juni 1893 maßgebend. Angebote sind bis zum 7. Mai 1898, Vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, portofrei an uns abzugeben. Zuschlagsfrist 8 Tage. Gießen, den 23. April 1898. Grobherzogliches Hochbauamt Gießen. Die Ziegeleigebäude der Stadt -ich, welche vor 17 Jahren neu er» mut wurden, sollen Montag den 9. Mai, Mittags 1 Uhr, aus >em Bürgermeistereibureau, entweder mit dem Grund und Boden oder auf den Abbruch an den Meist bietenden öffentlich versteigert werden. Lich, den 28. April 1898. Großh. Bürgermeisterei Lich. Universität- - Nachrichten. — An der Universität Jena wurde eine Commission für die Vorprüfung von NahrungSmtttel-Chemtkern gebildet die Errichtung einer Commission für die Hauptprüfung bleibt vor» behalten. — Der Rechtshistortker an der Wiener Universität, Hofrath vr. Heinrich Siegel, ist wegen Kränklichkeit um feine Vensionirung etngekommm, welche bewilligt wurde. Siegel ist zu Vabtnbutg in Baben 1830 geboren, also 68 Jahre alt. Er wurde schon 1857 al* außerordentlicher Professor der deutschen Reichs- und Rechtsgeschtchte nach Wien berufen, war 1878 Untversitätsiector, seit 1878 auch Generalsecretär der Wiener Akademie der Wissenschaften. Jena, 28. April. In Petersburg starb nach einer hier rin- getroffenen Meldung der hervorragende Philologe Prosesior Lucian Müller. Automaten auf den einzelnen Anstalten vollziehen wird, hängt u. A. wesentlich von dem verfügbaren Installation-personal ab, und wird nach dieser Richtung die für die Gesellschaft tn Dessau am 1, October 1897 eröffnete Ga-meister- und Jnstallatenrsschule hoffentlich bald geeignete Kräfte zur Verfügung stellen. * Etwa- oon jungen Mädchen. Ich war allezeit der Meinung, daß ein junges Mädchen das beneidens» wertheste aller Geschöpfe fei, die Gottes Sonne bescheint. Ohne Nahrungsforgen und ohne Kindergeschrei, umworben von Cavalieren, die ihrer Unschuld machtlos gegenüberftehen, tanzt solch ein Schneewittchen lächelnd zwischen den Rosen des Leben- dahin. Jetzt habe ich eine andere Meinung darüber bekommen. Ich bin mir klar geworden, daß ich lieber ein Eisenbahndirector, lieber ein Zola hinter feinen zertrümmerten Fensterscheiben — kurz, lieber das erste beste verdorbene männliche Individuum, als solch ein junges Mädchen fein möchte. Das kommt daher, weil meine Nichte — ein reizendes Mädchen aus Hobro — mir neulich ihr Album brachte und mich bat, ihr etwas Hübsches hineinzn- schreiben. Da ich nichts „Hübsches" bei mir hatte, so bekam ich die Erlaubniß, das Buch zu behalten. Vorsichtig habe ich das in Sammet eingebundene Buch durchblättert, in dem Pastoren, Lehrer, Dichtkr, Tanten, Freundinnen und Anbeter ihre besten Gedanken in zierlicher Schrift verewigt haben. Und das, was ich las, entsetzte mich über alle Maßen. Da stand etwas von einer Quelle, die lief verborgen unter dem Laube dahinrieselte, die meine Nichte absolut finden müsse, um daraus zu schöpfen; jedes andere Getränk in dieser Welt sei das reine Gift. Da gab es auch einen Vogel, der nur ganz einfache Töne fang, — dem sollte sie allzeit lauschen und um des Himmels Willen alle sonstigen Coloraturen zum Teufel schicken. Da war ein leuchtender Stern, dem sollte sie unentwegt folgen. Da war ein Wort, ein einziges, das sie höher schätzen sollte, als alle anderen Worte zusammen genommen. Da gab es einen Gedanken den sie hegen, eine Hoffnung, die sie aufgeben, einen Freund, den sie unter keiner Bedingung betrügen dürfte ... Mit steigendem Entsetzen blätterte ich in dem fürchterlichen Buche, und ich empfand das tiefste Mitleid mit dem armen Geschöpf, dessen Eigenthum e- war. Ich wandte das letzte Blatt um und da stand: ^Du darfst eine Blume Heben, aber nicht auf Kosten eines Thieres. Du darfst ein Thier lieben, aber nicht auf Kosten eine« Menschen. Du darfst einen Menschen lieben, aber nicht auf Kosten Gottes. Tante Anna." Da beschloß ich, dem armen Mädchen das Herz so leicht zu machen, wie ich nur konnte. Ich 'tauchte meine Feder ein und schrieb mit feuchten äugen: „Du darfst Tante Anna lieben auf meine Kosten." (Welt am Montag.) Flaschenbier, aus der Brauerei Bichler, hell und dunkel, empfiehlt Carl Retter, Lindenplatz, Ecke Wallthorstraße. Lieferung jeden Quantums frei Vergebung von Vauarbeiten. Nachverzeichnete Arbeiten und Lieferungen für die Gemeinde Allen- dorf an der Lumda als: Voranschlag I Erneuerung eineralteuBrücke Bitte versuchen Sie meinen gebrannten Kaffee per Pfd. 1 Mk. 4269 J. M. Schulhof, Telephon 119. Marktstr. 4. • Hütet Euch bk Selb Der bekannte Römerkaiser sagte Dom Selbe: „SS riecht nicht", und Gretchen im Faust sagt nicht weniger zutreffend: „Am Golde havgt doch Alle«". Das letztere Wort ist, freilich in anderem Sinne, all es der Dichter gemeint hat, für die Gesundheitspflege sehr zu berückfichtigen. WaS Alles an einem Geldstück wahrend feiner Irrfahrten haften bleibt, oder wenigstens haften bleiben kann, ist kaum auSzudenken; jedenfalls sollte unS der bloße Gedanke daran eigentlich dazu bringen, Geld nur mit Glacee- Handschuhen anzufassen. Der Mitarbeiter einer ärztlichen Zeitschrift schilderte neulich die Schicksale eines Markstückes auf einer nur zweitägigen Reise- natürlich ist diese Erzählung erdacht, enthält aber nur Thatsachen, die sich alltäglich viele Male ereignen. Dal Geldstück verläßt am ersten Tage in glänzendem, unbeflecktem Zustande die Kasse einer Bank und ruht, wenn ihm da« Geschick wohlgesinnt ist, einige Stunden später in dem zierlichen Geldtäschchen einer eleganten Dame. Diese besteigt einen Wagen unö gleich darauf verschwindet die Münze in der alten Börse des Kutscher!, wo sie in Gesellschaft von Verwandten zweifelhafter Reinlichkeit geräth und mit ihnen denselben Aufenthalt theilen muß, bis eS ihrem Besitzer einfällt, sie zum Einkauf von Tabak auSzu- geben, worauf sie für einen Augenblick in die Kassette eine« Ladentisches fällt. Nicht lange nachher kommt sie beim Ein- wechseln in den Besitz eines alten Schwindsüchtigen, der sie sorgsam in sein Taschentuch wickelt, wo sie Über Nacht der Ruhe pflegt. Am anderen Morgen früh holt der Schwindsüchtige seinen Schatz hervor und händigt ihn seinem Dienst» mädchen ein, das Milch dafür kaufen soll. DaS Mädchen nimmt das Geldstück, während sie sich ihr Kopftuch knüpft, zwischen die Lippen, eilt in die Milchhandlung, überreicht es dem Verkäufer, der e« aus Bequemlichkeit zwischen die Zähne steckt, während er in seinem Portemonnaie nach Kleingeld sucht, nm dem Mädchen hrrauSzugeben. Eine Stunde später ist baß Geldstück vielleicht schon in einem Hause, wo Diph- theritiS, Scharlach oder Typhus herrschen rc., mit Grazie infinitum. Wir wollen dem Verfasser dieser tragischen Ec- zählung nicht soweit folgen, daß wir eine häufige Reinigung und DeSinfection der Münzen von StaaiSwegen verlangen. Aber die Lehre sollte freilich ein Jeder daraus ziehen, daß er ein Geldstück niemals in den Mund nehmen und daß er eS al« ein Ding betrachten soll, welches den unappetitlichsten Verunreinigungen ausgesetzt ist. * eine französische Stimme über baS deutsche Soldaten- leben. Ein französischer Schriftsteller, der kürzlich Deutschland bereist, ja, wie eS scheint, sogar früher längere Zeit in Heidelberg studirt hat, veröffentlicht in der Pariser „Revue politique et littäraire* seine Reiseeindrücke, jedoch nur, soweit diese sich auf da« deutsche Heer, da« Leben der Sol- A. B. C. D. E. F. G. sollen B. C. D. E. A. B. C. D. E. 177,02 30,— 80,— 66,— 40,- 39,50 83,— SecMereiWachenheim. (Act.GesJ iRheinpfalz Geoeral-Depöt: Fr.Feo UM lC.Herbtt) Giensen. 1297 Montirtes Gleis u. Kippwagen, neu, sowie gebraucht, hat billig abzugebeu, zum Kauf oder Miethe 18 Hermann Hess. 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Soldaten in der Kaserne zu erfahren, da man in Frankreich immer behaupte, der deutsche Soldat müsse sich mit einer Kost begnügen, „welche die Hunde nicht anrühren würden." Der Unterosfizirr beruhigt ihn dann in dieser Beziehung, theilt ihm mit, daß die Kost, wenn auch feine feine, so doch nahrhaft und gesund sei unb er selbst sich bei diesem Regime seit fünf Jahren außerordentlich wohl befinde. Später, erzählt dann der Franzose weiter, habe er selbst einer 8er- theilung von Lebeu!mitteln in der Kaserne beigewohnt, und er müsse zugeben, daß selbst für die .Gefräßigsten" genügend da war. Allerding! habe die Quantität die Qualität übertroffen, aber der Deutsche habe einmal einen wenig au!- gebildeten Gaumen man dürfe sich daher nicht wundern, wenn die Soldaten mit wahrem Wohlbehagen die mit Schweinefett bestrichenen Brodscheiben haufenweise verschlingen. Tine „alte Tante" habe ihm sogar erzählt, daß sie 1814 gesehen habe, wie preußische Soldaten in Savoyen mit Vergnügen Talgtichter (!) verzehrten, weshalb sollten ihre Nachfommen also nicht Schweineschmalz für eine Delicateffe halten? — Die alte Tante hat die Preußen entschieden mit Kosaken verwechselt, die da jetzt dem Herzen der Franzosen so sehr nahe stehen. Albumin-Cacao | nach Dr- med. Nährsalz-Cacao I “'EEäT Von ärztlicher Seite aufs Wärinate gegen Blutarmuth. Bleichsucht, Nervenschwäche empfohlen. Special-Geschäft Geschw. Altenpohl, Plocketr. S. 2627 Voranschlag II Chaussirnngsarbeiten re. deu Linden Klcinschlaglieferung 539,40 Sandlieferung 90,— veranschlagt Maurerarbeit 153,— Fuhrlohn 101,25 Kletnschlaglieferung 110,— Sandlieferung 25,— Pflasterarbeiten 400,25 Arima selbstgekelterten Aepfelwein ä Liter 35 Pfg., prima selvstgekeltertcn Keidetbeer- und Johannesbeerwein a Liter 80 Pfg. empfiehlt 3655 Johs. Seng, Metzger. 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