in 'Hetbcrii I unbalm * Ukstte» rpon- ♦ ♦ ftfcimenuetn, itnltn Stellen jebw* Rk. »»i , 3- . 10- , 20- , 0,10 erfönlid) gültig, nicht »erbottst. Shinton erfolgt nach im fefe pettler und ntai Hochenplants. / nmen. - Die Nus- j lonpliige. -- f i bit 6tmtrdbabn g= zur ausjiluB- B Iplätze * Preise: Pro Aktion V. , Mi 0,40 'toter 1898: rc Non M. io» ■ 12,'- w Non Mk. 8,- ,ab b angegeben' '«n webr aß ltoj 'en harten um die Vorstand. w OOOOOöO Anstalt, ote rar gefälligen °g- 3121 geöfhe|^___ MN, je, deatsche räder 8Der Systeme 2 und Dümen i) WM . Mw meiner persönhch« „euer D«me W SHLs t ^'b?6”,ker' I 1898 Sonntag bett 1. Mai M. 101 Drittes Blatt (Gießener Anzeiger Heneral-Anzeiger Anrts- und Zlnzeigebltttt für den Ureis Gieren Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohu. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und AuSlanüeK nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Annahme von Anzeigen zu ver Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Erscheint ttgkicki mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Dsamitienvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich vierm beigelegt. Redaction, Expedition und Druckerei: SLutftraße Zlr. 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze«. Fernsprecher Nr. 51. Amtliche» Theil- Bekanntmachung, betreffend Maul« und Klauenseuche. In Niederkleen und Breitenbach, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche auSgrbrochen und deßhalb Gehöftsperre angeordnet worden. In Wäldershausen, Kreis Alsfeld, Lindhetm, Kreis Büdingen, Gladenbach, Kreis Biedenkopf und Hohensolms, Kreis Wetzlar, ist diese Seuche erloschen und find die verfügten Sperrmahregeln wieder aufgehoben worden. G ich en, den 28. April 1898. Großherzogliches KreiSamt Gießen. v. Gayern. Warnung vor dem gemeiuschädlicheu Treiben des Cur- pfuschers Jürgensen. Der frühere Elementarlehrer Hans Peter Jürgensen, wohnhaft in Coblenz, AdamSstraße N. 10, wegen Verlegung eines ärztlichen Titels und wegen Ausübung der Heilkunde im Umherziehen durch die erste Strafkammer des König!. Landgerichts zu Coblenz am 15. November 1894 zu einer Geldstrafe von 100 Mark bezw. 10 Tage Haft ver urtheilt, kündigt in einer großen Zahl von Localblättern in weitem Umfange fein Heilverfahren gegen „offene Bein- fchäden, Krampfadergeschwüre und Hautkrankheiten (Lupus, fressende Flechte)" an. r r r . z Wie die wiederholte Untersuchung ergeben, bestehen seine Mittel in gewöhnlichen Salben (von Blei, Zink rc.), Pflastern, Kräutern und Medicamenten, die ohne ärztliche Verordnung Jedermann im Handverkauf in der Apotheke zugänglich und allgemein bekannt sind. Diese Mittel läßt er aus der Apotheke von Größer in Trier in großen Mengen unter Postnachnahme zu Beträgen bis 8 Mark und darüber beziehen. Die Forderungen, welche er für feine im Auflegen von Salben, Pflastern und Einwicklung von Binden bestehende Behandlung stellt, und im Weigerungsfälle rücksichtslos gerichtlich einzutreiben sucht, sind unerhört. Das ganze Verfahren ist nur darauf berechnet, unglückliche Kranke, welche tn hartnäckigen, schwer oder gar nicht heilbaren Uebeln leiden, i ^urch angebliche günstige Erfolge anzulocken und auszubeuten. I Feuilleton. Aus geweihten Landen. Von Karl Böttcher. (Origivalüericht unseres Special-Correspondenten). (Nachdruck verboten.) XII. Im türkischen Bad. DamattuS, 2. April. Zwischen engen, sonnearmen, schmutzigen Gäßchen erschimmert eine hochgewölbte weiße Kuppel, welche sich auf ihre bunten, im wonuegoldenen FrühliugSmorgen glitzernden Feustercheu wer weiß wie viel eiubildet. Anfangs meinte ich beim Borübergehen, dieses stolze Gebäude, in Gesellschaft von allerhand schiwmelfeuchteu Löchern, die sich Häuser nennen, sei eine weihevolle Moschee. Aber nein, jetzt weiß ich, eS ist ein Badehan» — eines der allerpompösesten in ganz Damaskus. Ein türkisches Bad! . . . In „Tausend und Eine Nacht" habe ich über türkische Bäder manch phantastische Wendung gelesen, in verschiedenen orientalischen Städten über die wundersamen dort üblichen Badeproceduren gar Manches gehört. Immer wurde solch Lrzählerei mit einer linden Hauch von Gruseln oder einem sanften Schimmer herrlichster Wohligkeit vorgetragen, was meine Neugierde stets gewaltig aufkitzelte. - - - Wen» ich auch fast kein Sterbenswörtchen Türkisch verstehe - mein Entschluß ist gefaßt- fröhlich klimme ich jetzt die schmale Treppe empor ins türkische Bad. Ich gerathe in einen hohen, marmorgetäfelten Empfangs- raum von der Größe eines ConcertsaaleS. In der Mitte ein blumenbekränzteS Marmorbasfia mit einem munter drauflos plätschernden Springbrunnen- hoch oben an der künstlerisch verzierten Decke weitgespannte Leine«, auf denen allerhand Er berechnet z. B. für eine Verordnung in seiner Wohnung 6 Mark, für einen Besuch in hiesiger Stadt 12 Mark, nach auswärts entsprechend höher. Für das Auflegen von Pflastern auf Lupus-Geschwüre hat er — wie die bezüglichen Zeugenaussagen ergeben — jedesmal 12 Mark genommen. Einem Kranken, welcher wegen Lupus 20 Tage ohne allen Erfolg von ihm behandelt worden, hat er eine Rechnung von 200 Mark gemacht. Vor dem gemeinschädlichen Treiben des p. Jürgensen wird hiermit öffentlich gewarnt. Coblenz, den 21. März 1898. Der Königliche Polizei-Direetor: von Stedman. Politische Wochenschau. Während in der vorigen Woche der Kriegszustand zwischen Spanien und den Bereinigten Staaten von Nord- amerika nur marktrt worden war durch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen, durch Annahme von Resolutionen im Washingtoner Congreß, durch Noten an die Mächte und ähnliche Vorgänge, die bett baldigen Ausbruch von Feind- seligkeiten kennzeichnen, ist der Krieg nunmehr thatsächlich in vollem Umfange in sein Recht getreten. Die Amerikaner hatten freilich schon in voriger Woche sich im Kaperkriege geübt und darin eine ganz überraschende Gewandheit bewiesen, aber es dürste aller Voraussicht nach verlorene Liebesmüh gewesen sein, denn wahrscheinlich müffen die gekaperten Schiffe wieder herausgegeben werden. Spanien war bekannt! ch Schritt vor Schritt znrück- gewichrn, um dem Kriege zu entgehen- es war an der äußersten Grenze der Nachgiebigkeit angelangt. Da» ihm gestellte Ultimatum anzunehmen, durfte man Spanien nicht zumuthen, denn die darin enthaltene Forderung, Spanien solle Cuba räumen, war eine ganz unerhörte Zumuthung, welche nicht allein von Spanien zurückgewiesen werden mußte, sondern auch ob ihrer Unverfrorenheit in ganz Europa verblüffend gewirkt hatte. Ueber die wahren Ursachen, welche die Handlungsweise Amerikas beeinflußen, haben wir un» ja bereits ausführlich ausgesprochen, sodaß wir un» hier jeder weiteren Bemerkung darüber enthalten können. Biele Rechtsfragen find bereits während der bisherigen Dauer des Kriegszustände» aufgeworfen worden. So insbesondere bezüglich der Kaperei und deS?Begriffe» der Kriegs- contrebande. Der Krieg dürfte wohl schon zu Ende ge- gangen sein, ehe man sich über beide Fragen geeinigt habe., ; Badewäsche baumelt- erhöhte GlaSgallerien ziehen sich die i buntbemalten Wände entlang. Sofort stürzt ein halbnackter brauner Badediener zur \ Begrüßung herbei — ein Kerl mit einer ganzen Spitzbuben- J Herberge von Verschmitztheit im Geficht. Gleich beim ersten j Begegnen weiß ich, daß wir Beiden auf jeden mündlichen | Austausch verzichten müffen. Ja, so geht» Emem, wenn man sein bischen Türkisch — vergessen hat! Er geleitet mich einige Marworstnfen empor nach einer Abtheilung der GlaSgallerte und deutet mir durch lebhafte Gesten an, daß ich mich auSztehen soll. Unter einem grob zusammengepinselten Bilde deS Sultan» und einer ebenso grob zusammengepinselten, bluttriefenden Türkenschlacht, in welcher natürlich die Türkrn Sieger find, werfe ich meine Kleider herunter. Mit abgewandtem Geficht steht inzwischen der Badediener vor mir, während feine au-gebreiteten langen Arme ein roth- und blaugeftreifteS Badelaken halten. Jetzt schliogt er diese» Badelaken mit genialem Schwung um meine Hüften, schiebt mir ein Paar hohe, perlrnutter- au»gelegte Stelzeopautoffeln an die Füße, faßt meinen Arm, bugfirt mich die Stufen hinunter und schlägt mit mir die Richtung nach einer kleinen Seitenthür ein. Wie ich neben dem säbelbeinigen Kerl auf dem glatten Mormorboden dahintrippele — gewiß ein reizende» Bild . . . Wenige Minuten später fitze ich auf einer Marmorrotunde im uebelvollen Schwitzsaal. Arabische Wohlgerüche umbrodeln meine Nase. Au» den Oeffnungen weiter Eisen- röhren jedoch wirbeln und qualmen wehr und mehr dicke, hochgradig erhitzte Wafferdampsmaffen in das imposante, oben von bunten Scheiben matt erhellte Kuppelgewölbe. Wie in tn einer Aprillaune weiß ich nicht, soll ich mich ob der rasch zunehmenden Wärme freuen oder unbehaglich fühlen. Schon nach kurzer Zeit schwitze ich wie aus dem Waffer gezogen. Dicht neben mir hocken einige Türken, welche in dieser wird - jedenfalls aber haben beide Staaten Beranlaffung, die Zügel nicht zu straff zu spannen und fich mit den Mächten nicht zu üderwersen. Schon jetzt einen Schluß ziehen zu wollen auf den Ausgang de» Kriege», wäre vermeffen- bis jetzt geht es immer noch nach der Regel: „bald lag er oben, bald lag er unten". Man hat fich darüber gewundert, daß die spanische Flotte so lange nuthätig geblieben ist, daß fie nicht die Blo- cabe EnbaS verhinderte - ehe man fich ein Urtheil über dieses Verhalten bildet, ist e» angezeigt, abzuwarten, ob die Spanier mit diesem Zögern nicht eine bestimmte Absicht verfolgten. Jetzt find ja die spanischen Kriegsschiffe recht rührig und ver- Ursachen den amerikanischen Küstenstädien große» Unbehagen, ein Hauptschlag dürfte aber erst in den nächsten Tagen zu erwarten sein. Die Amerikaner haben inzwischen da» Bombardement Euba» begonnen; wenn fie auch selbstverständlich den Spaniern manche Verluste beigebracht haben, so ist e» aber doch noch fraglich, ob die Erfolge nachhaltiger Natur find. Man sagt England nach, daß e» mit den Bereinigten Staaten unter einer Decke stecke und dieselben unterstützen werde- fing» hat man combinirt, daß in diesem Falle Rußland und Frankreich Spanien unter die Arme greifen würden. Wie weit dies zutrifft, muß erst die nächste Zu- kauft lehren. In Oesterreich hat da» Abgeordnetenhau» wieder bewegte Sitzungen abgehalten gelegentlich de» Anträge» der Deutschen, den Grafen Badens in Anklagezustand zu ver- setzen. Die Mehrheit war für den Antrag, aber da zwei Drittel der Abgeordneten dafür stimmen müßten, so ist der- selbe doch gegenstandslos. Die Erklärung bei Grafen Thun über die Sprachenverhältniffe in Böhmen ist ebenfalls abgegeben worden, aber fie hat eigentlich Niemanden befriedigt und Enttäuschung »urückgelaffeu. E» wird immer deutlicher, daß die Berhältniffe in Oesterreich fich nicht von heute zu morgen ändern werden, daß vielmehr erst eine geraume Zeit vergehen muß, ehe die Gegensätze fich wieder aulgletche« werden. In unserer innerdeutschen Politik ist e» verhältnißmäßig still, trotzdem die Parlamente tagen. ES geht mit diesen stark zur Mste, und wir find mit der Beröffentlichung deS Termins für die Neuwahlen bereits in das Zeichen der letzteren eingetreten. Man darf aber annehmen, daß der Wahlkampf erst bann recht beginnt, wenn ber gegenwärtige Reichstag geschloffen sein wirb. Zwischen dem Beginn der - Auslegung der Wählerlisten und dem Wahltage dürfte der I wenig freundlichen Situation an» rothbraunen, vom Boden heranfgeschlängelten Schläuchen ber Wasserpfeifen paffen und dabei in philosophischer Gleichgiltigkeit nach der Decke starren, i wo fich ber aufwirbelnde Pfeifenrauch allmälig mit dem j Wafferdamvf vermischt. Gut, starre ich ebenfalls in diese | Welt de» Qualme», wenn auch ohne Pseife. In den durcheinander wogenden Wolkengebilden baut.fich meine Phantasie allerhand Erscheinungen des Orient» zusammen: hochgekuppelte Moscheen mit schlanken MinaretS, buutumirodbelte Kameele, tn deren Satteln Beduinen schwanken- wunderschöne ObaliSken, welche zu Füßen eine» Pascha» hocken, ber schlafenb auf beut Divan liegt. . . . Der »abebiener tritt mit einem feiner Collegen an mich heran. Nach ihrem stummen Einverständniß zu urtheilen, scheine ich genug zu schwitzen. Man tranlportirt mich beShalb tn eine benachbarte Marmorhalle unb setzt mich bort auf eine niedrige Bank. Sofort beginnt eine etwa» befremdende Procedur. Jeder der braunen Gesellen packt einen meiner Arme, dreht da» Fleisch, von ber Handwurzel an biß hinauf zur Schulter- gegenb, zuerst von recht» nach link», bann von link» nach rechts. Hierauf drückt man alle meine Gelenke und läßt die Knöchel knacken. Sodann werde ich auf den Marmorboden gelegt und e» beginnt eine beinahe barbarische Massage, wobei jeder der Badediener mit der einen Hand kräftig masfirt und mit ber anbern bie masfirte Stelle abklopft. Ja, bteS Klopfen artet nach unb nach birect in eine Art Hauen au». Allmälig hauen fich bleie Kerle in eine wahre Begeisterung hinein . . . Au! . . . O weh! . . . Verflucht! ... Heb ich bin außer Staube, Hefe tapfer« Hände zu bremsen. Huh, wie dabei bie schwarzen Augen au» ben braunen Gesichtern flammen! . . . Ich bonge im Stillen, baß sich in biete Begeisterung plötzlich einige Tropfen Wuth mischen — stille Wuth, wie sie die Dienstboten empfinden, wenn fie gleich nach einem Streit heftigte Kampf entbrennen, über deffen Wesen al» ein die wirthschaftlicheu Intereffen betreffenden wir un« an anderer Stelle bereits ausführlich ausgesprochen haben. Au« Italien kommen wieder Meldungen über Un- ruhen anläßlich der Theuerung. Die Landbevölkerung ist dort fortgesetzt in sehr precärer Lage, und die Regierung thut gut daran, Alles daran zu setzen, um dem Elend zu steuern. Eß liegt in ihre« eigenen Jutereffe, der Noth ein Ende zu machen, da bekanntlich die politischen Verhältniffe in Italien nicht allzu fest gegründet find.(xx) Deutsches Lerch. Berlin, 29. April. Die Budget.Lommisston des Reichstages hat heute den Nachtragsetat berathen und nach längerer Di-eussion, nachdem StaatSsecretär v. Bülow befriedigende Erklärungen abgegeben hatte auf verschiedene Anfragen, die für Kiautschau beantragten 5 Millionen Mark bewilligt gegen die Stimmen der Socialdemokraten. Im Laufe der Debatte hat StaatSsecretär v. Bülow den gestern hier eiogetroffeneu Vertrag mit China zur Verlesung gebracht und hierbei nochmals verfichert, England werde von Wei- hai-wei aus nicht in die deutschen Jntereffensphäreu über- greifen. Ueberhaupt werde es zu Reibungen mit England oder Rußland in Ostafien nicht kommen. Berlin, 29. April. Im Abgeordnetenhause wurde heute der Antrag Mendel-Ring, betreffend Maßregeln gegen Viehseuchen, sowie Einführung der obligatorischen Fleischschau, mit zwei Unteranträgen der Antragsteller einstimmig angenommen. Die zweite Berathung der Privat- docenteu.Vorlage wurde von der Tagesordnung abgesetzt, worauf sich daS Haus auf morgen 11 Uhr vertagte. Tagesordnung : Interpellation Gothein, betr. Breslauer Mädchen- gymnafium, und Rechnungssachen. Berlin, 29. April. Der „ReichSanzeiger" veröffentlicht den Wortlaut des gestern hier eingetroffenen Vertrages zwischen dem Deutschen Reiche und Ehina wegen der Ueberlaffung von Kiautschau. Derselbe ist am 6. März unterzeichnet wurden Berlin, 29. April. Zu der Meldung, daß ein Theil deS ostasiatischen Kreuzergeschwaders sich nach Manilla begeben werde, schreibt die »Post", daß Deutsche auf den Philippinen sich an die zuständigen Reichsbehörden um Schutz gewendet hätten. Neben Deutschland dürften auch die übrigen Mächte, soweit fie durch ihren Handel engagirt seien, auf den Schutz ihrer Intereffen auf den Philippinen bedacht fein. Berlin, 29. April. Wie die „Londoner Truth" erfahren haben will, soll Kaiser Wilhelm beabsichtigen, der Königin Victoria Anfang Juni einen Besuch in Balmoral abzustatten. Der Kaiser soll von Kiel aus auf feiner Uacht nach Aberdeen segeln. Nach dem Besuche wird dann der Kaiser eine Kreuzungsfahrt an der norwegischen Küste unternehmen. HusUmb. Wien, 29. April. Der Londoner Corrrspondent der „Neuen Freien Presse" erklärt nach Informationen an maßgebender Stelle, alle Nachrichten über (in eng lisch - am eri- kauische« Bündniß seien aus der Lust gegriffen. Rom, 29. April. Unbekannte Diebe drangen in der mit der Herrschaft die Teppiche klopfen müffen. Schon jetzt werde ich behandelt wie ein alter Teppich, der seit ewigen Zeiten nicht geklopft wurde. Ich weiß nicht, soll ich lachen ober wüihend auSseheu, entscheide mich jedoch für die Fröhlichkeit, ziehe im Gesicht scheinbar heitere Eouliffeu auf und rufe in der Eile: „Genug! . . . Gut jetzt! . . . He, verstanden?" Sie nehmen mein fröhliches Gesicht als Zeichen bant- barer Anerkennung und hauen weiter wie Hufschmiede, die zu Zweien abwechselnd auf einem glühenden Stück Eisen herumhämmern. . . . Jetzt bearbeiten sie die Taillenpartien. Dabei stecken sie so selbstbewußte Gesichter auf, als wollten sie sagen: „Na, Verehrtester, sind wir nicht Meister in der Knust der Badeaufwärterei? Hoffentlich wirst Du un« auch einen tüchtigen Bachschisch zuschwenken!" ... Wie? Für diese Quälerei auch noch einen Bachschisch? Ihr werdet Euch wundern, Ihr Banditen! Nichts gib:«, rein gar nichts! Jetzt probire ich alle mir geläufigen Sprachen, welche diese Walkmaschinen außer Thätigkeit setzen könnten. Ich schreie: „Halt, alle Wetter! . . . Aasez, parbleu! . . . Stop, stop! . . . Ferma, maledetto!“ . . . Ihre Gesichter bleiben gleichgiltig wie die Gesichter alter Capitäae, wenn fie in Erwartung eine« Sturme« nach den sich schwarz auf- thürmenden Wolken gucken. Jetzt haben die Beiden die Arbeit noch brüderlicher geteilt; der Eine knetet die Beine, der Andere hat Brust und Schultern übernommen. So klopft und klatscht e« unbarmherzig weiter durch die dumpffeuchte Halle. Bevor ich mich hereinstürzte in dies türkische Bad, hatte ich mir in meinem Hotel flog« einige arabische Badevocabeln eingeprägt: Waffer — moije, Handtuch ----- füda, Seife — btt, aapüne. WaS aber in aller Welt heißt auf arabisch „aufhören" ? Mein Gott, ich habe da« Wort vergeffen! Und diese Kerle faeten furchtbar weiter . . . weiter . . . Gut denn! Ich beiße die Zähne zusammen und laffe in wehmüthiger Refignation Alles über mich ergehen, mag werden, mal da will. Ich wünsche keinem Menschen etwa« Böse«; wer über Länder und Meere lange die Welt hinauf- und hinabzieht, dem verweht unter fröhlichem Lachen über tausend Thorheiten der Menschen sogenannte kleinliche Rachsucht. Jetzt aber denke ich, daß diese ausgezeichnete Behandlung in verstärkter Dosis würdigeren Leuten zu Theil werden könnte, etwa manch gewiffem Rechtsanwalt, der die Proceßsucht schürt und deffen Bäuchlein sich durch die stets vorzuschießende Pracht der vorletzten Nacht in da« Kaffenlocal de« Cassation«hofe« ein | und schleiften eine eiserne Kaffe mit 65,000 Lire fort. So »do«, 29. April. Der „Globe" meldet, daß die Spanier bei de« Bombardement auf Matanza« 60 lobte und verwundete hatten. Admiral Sampson wartet erst noch Befehl ab, bevor er Havanna bombarbirt. CecaUs m* protHn$ieCU» Z. Londorf, 30. April. Sonntag den 8. Mai er. feiert der„Evang. Kirchengesaugverein für Hessen" in Londorf sein 19. JahreSsest. Der liturgische Gottesdienst, in welchem Herr Pfarrer Vogel an« Seeheim die Festpredigt halten wird, beginnt Nachmittag« 2 Uhr. Die denselben durchziehenden Chorgesänge werden vorgetragen von den unter der rühmlichst bewährten Leitung deS Herrn Kirchenmusik- meister« A. Mendelssohn au« Darmstadt vereinigten Kirchen- gefangoereinen von Allendorf a. d. L., Alsfeld, Beuern, Flensungen, Gießen, Grünberg, Holzbeim, Lardenbach und Londorf, die sich schon vormittag« 11 Uhr in der Kirche zur Hauptprobe versammeln. Da auch die einzelnen Vereine von tüchtigen Dirigenten geleitet werden, deren Fleiß und musikalische« verstSudniß für eine exacte Einübung der meist schwierigen Chöre bürgen, so dürfte den Bewohnern von Londorf und Umgegend ein hervorragend erbaulicher Kunstgenuß bevorstehen, den sich Niemand entgehen lasten sollte. Auch die prachtvolle gothische Kirche Londorf« mit guter Orgel und vorzüglicher Acustik wird gewiß den erhebenden Eindruck einer solchen Feier noch erhöhen, vor der Hauptprobe findet die Generalversammlung deS heff. Hauptverein«, nach dem Gottesdienst im Restaurant Robert Ziegler eine gesellige Nachfeier statt, welche gewiß — wie bei den vorjährigen Festen zu Grünberg, Nieder-Jngelheim und Reichelsheim i. O. — durch anregende Ansprachen von Seiten de« Präsidenten de« Hauptverein«, Exc. Geh. Staat«rath Hall- wach«, und anderer hohen Herren au« Darmstadt sowie durch Chorgesänge de» einzelnen Vereine verherrlicht werden wird. § Burkhardsfelden, 29. April. Heute fiel bei Reparaturarbeiten an einer Scheuer ein Maurer vom Gerüst und zog sich einige Verletzungen zu. Hoffentlich verläuft der Unfall ohne weitere schlimme Folgen. Grnuberg, 28. April. Was von anderen Orten gemeldet wird, macht sich auch hier geltend: die Brodpreise gehen infolge deS spanisch-amerikanischen Krieges, der, wie eS heißt, die Getreidezufuhr verhindert, in die Höhe. FriedrichShutte, 27. April. Die eine Viertelstunde von hier oberhalb an der Horloff gelegene HorloffSmühle ist nebst umliegenden Ländereien zum Preise von 4500 Mk. an Herrn Gaftwirth Schäfer au« Gießen verkauft worden. Ein Consortium beabsichtigt, an diesem Platze eine Holz- schneideret einzurichten, hauptsächlich auch die Herstellung von Cigarrenkistchen zu betreiben. Auch die Errichtung einer Sommerwirthschaft für Ausflügler au« der Umgegend soll beabsichtigt sein. Laubach, 27. April. Heute wurde die unter Anordnung eines Telegraphenasfistenten au« Gießen auSgesührte Verlegung der Telegraphenleitung durch die Hainstraße nach dem neuen Postlocal beendet. Dort wird an den neu- ernannten Postverwalter, Herrn KlesiuS, am Sonntag die Ueberlieferung statifinden—Hoffentlich wird mit dem 1. Mai auch der längst nothwendig gewordene zweite Stadt- briefträger erscheinen und damit die Möglichkeit gegeben Recht«anwalt«gebühren ersichtlich rundet, oder dem Gründer irgend einer schriftstellerischen Genossenschaft, der nur sich ein Pofitiönchen schaffen will und dabei unerfahrenen Collegen wer weiß wa« für Dunstgebilde blauer Berge vormalt- oder irgend einem Schmierenbuchhändler, welcher den ihm drohenden Bankerott durch Herausgabe von Scandalschriften noch etwa« hiubalancireu will. Wenn ich dann bei solcher Durchwalkerei draußen auf der Bank unter der Palme fitzen und eine Cigarette dabei rauchen könnte — e« wäre gar so Übel nicht. Plötzlich geht daS Fortissimo der Hauerei in sauste« Piano über. Und jetzt wird eS ganz eingestellt Meine Peiniger haben sich warm gearbeitet; dicker Schweiß rinnt ihnen beim Ausathmen über die braunen Gesichter und einer fuchtelt mit feinen Händen herum, al« wolle er Wolken malen. Aber erst ich! Meine Nerven, sonst Dinger wie au« Stahl, werden schlapp. Jetzt macht ihre Widerstandsfähigkeit ganz pleite. Mir ist, als Ifchlottern fie umher wie gesprungene Saiten einer alten Guitarre, von meinen Knochen will ich gar nicht reden. Ob ich in diesem Stadium nicht mit dem türkischen Bad Schluß mache? Eine Welle der Beschämung durchfluthet meinen Kö'per; auf halbem Weg bin ich niemals stehen geblieben. Entweder ganz oder gar nicht! Also vorwärts zur nächsten Procedur! Auf dem Marmorboden klirrt ein mächtiger, wettbauch- iger Blechkübel, den einer der Badewärter mit dem Fuß daherschiebt. Jetzt füllt er ihn mit Waffer, hockt sich dann nieder und beginnt Seifenschaum zu schlagen. Da« schwillt und wächst und schäumt empor und füllt den Kübel bi« über den Rand. Plötzlich langen vier hastige Arme hinein in diese Schaummaffen und fangen an mich einzuseifen. Beim Rasiren bezieht sich da« Einseifen nur auf« Gesicht und auf die umliegenden Halspartien; jetzt aber erstreckt sich solche Einseiferei auf meinen ganzen Menschen, von oben bi» unten, der allmählich verschwindet in einer dicken Schaumwolke. Ha, ein wohlige« Gefühl gegen die boraulgegangene Quälerei! Ich vergeffe die letzten Faustschläge, die letzten Rippenstöße, die letzten Knüffe und Püffe, schließe die Augen, damit fie vom Eindringen der Seife verschont bleiben, und fliege in Gedanken al« Schaumflocke von bannen — weit, weit fort, in blumenbuftUe, wafferdurchrauschte Thäler, unter schattige«, tiefhängendes Buchengeäst, da« fich sauft im Lenzwind wiegt, in süße Einsamkeiten blaudämmernder MeereSgestade. . . . sein, mit der Potz eingetroffene Correspoudeuzen bi« zum nächsten Poftabganq zu beantworten. D. ito «m» M M ®‘* " ‘ W »Ü f* “ iinli ZurbMf l>' »ia,r , nnb tn -I' «-»“L# Ä*-** t .soeben 11 ? inenichliLeu ®( n brr ’ vo» SS;.-* • “i4"“ rZ»^“ *3? 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