1898 Dienstag den 1. März Nr. 50 Erstes Blatt. Grschetut lägNch mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Darnikieuvkätter werden dem Anzeiger W-chentlich viermal beigelegt. Gießener Anzeiger gtanqsrrets vien^ährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pf-, mit BrÄchrrlohu. Bei Postbezug Mark 50 Pfg. terteljährlich. Abnahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den felgenbcn Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. General-Anzeiger Alle Anzeigen-BermittlungSstellm bei In- und Ausland«! nehmen Anzeigen für ren Gießener Anzeiger ntgegm. Anrts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen. 9 Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. ZbI,ff',flc 1ÄÄ«" Bestellungen auf den täglich in mindestens zwei Bogen Umfang er- fcheinendm Gießener Anzeiger (General-Anzeiger) Amtsvtatt für den Kreis Hießen für den Monat März werden von den Postanstalten, den Zeitungsträgern und der Expedition in Gießen, Schulstraße 7, entgegengenommen. Monatlicher Bezugspreis 75 Pfg. fad. Bringerlohn. Ein neuer Compromitz. Die Flottenvortage ist gesichert! DaS darf als das Resultat der Berathuugen in der BudgetcomMission deS Reichstages hier vorau-geschickt werden. Daß die Stimmung zur Erhöhung unserer Flotte in diesem Jahre erheblich günstiger war, alS tu der letzten Tagungsperiode deS Reichstags, haben Wirschon mehrfach ausgeführt; es tarn nur noch auf die definitive Stellungnahme des CentrumS an, um volle Sicherheit Über das Schicksal der Vorlage zu haben. Und darüber hat man nach der zweitägigen GeneraldiScusfiov in der Budgetcommisfion volle Gewißheit erlangt. Bekanntlich kommen bet der Beurthetlung des Regierungsentwurfs zwei Gesichtspunkte besonders in Betracht: die finanzielle und die etatsrechtliche Frage. Darüber, daß Vermehrung deS Flottenbestandes unserer Marine erforderlich sei, und daß dabei auch nach einem bestimmten, auf eine Reihe von Jahren vertheilten Plaue vorgegangen werden müsse, darüber war fich die große Mehrheit des Reichstags schon lauge einig. Die Vorfälle in China und Haiti hatten zur Evidenz bewiesen, daß unsere Marine in ihrem jetzigen Bestände nicht auSretchte, um die deutschen Interessen im AuSlaude genügend wahrznnrhmen und unseren Staatsangehörigen daselbst den erwünschten Schutz zu gewähren. Und unsere Action tu China zwingt uns, dort ein größeres Geschwader zu unterhalten, wenn die Vortheile auf wtrthschaftlichem Gebiete, die wir aus der Erschließung deS großen chtnefischeu Marktes für unS erhoffen, wirklich eintreteu sollen. Daß unser Handel und unsere Industrie voraussichtlich einen gewaltigen Nutzen daraus ziehen werden, daß wir uuS in China festgesetzt haben, darüber wird wohl kaüm noch irgendwo eia Zweifel gehegt. Wie gesagt, war die Mehrheit des Reichstages von vornherein geneigt, die Mittel zur Erhöhung des Flottenbestanöe» zu bewilligen, und auch dar Centrum gab in dieser Beziehung unzweideutige Erklärungen ab, sodaß die Bereitstellung der erforderlichen Summen für daS nächste EtatSjahr gesichert erschien. Anders verhielt eS fich aber mit der etatsrechtlichen Frage. Der Reichstag sollte fich bekanntlich auf fieben Jahre binden, d. h. er sollte schon jetzt die Mittel für die nächsten sieben Jahre bewilligen. Dagegen wurden auch von solchen Setten Bedenken geltend gemacht, die au und für sich der Erhöhung des Flottenbudgets zustimmten, insbesondere auch aus dem Grunde, weil der Reichstag zur letzten Session der gegenwärtigen Wahlperiode versammelt ist und es unbillig erschien, den nächsten Reichstag für die ganze Dauer seiner Sessionen zu binden. Man muhte jedoch zugeben, daß die Ausführung des Flottenplanes nicht länger hiuausgeschoben werden könne, und so wurde denn nach einer Verständigung mit der Regierung gesucht. Schon bei der ersten Lesung der Flotten Vorlage gab der Centrumführer Dr. Lieber hierzu eine Anregung. Er verlangte, daß, wenn der Reichstag sich binde, für die nächsten fieben Jahre die Kosten für die Erhöhung unseres Flotteubrftandes schon jetzt zu bewilligen, auch die Regierung fich verpflichte, innerhalb dieser Frist keine weitere Vermehrung zu beantragen. StaatSsecretär Tirpitz griff schon damals diesen Gedanken auf und sagte zu, daß er tu Erwägung gezogen werden solle. Im Verlaufe der Generaldebatte in der Budgetcommiffiou des Reichstages nahm der StaatSsecretär definitiv Stellung zu dem Anträge und sagte seine Befürwortung zu. Und so darf man denn avnehmen, daß der Compromtß zwischen der Regierung und dem Reichstag rudgilttg zum Abschluß gebracht worden ist durch den Vorschlag des Refereuten Dr. Lieber, der Vorlage einen neuen Paragraphen einzufügen, wonach die bis zum Jahre 1904 anzuforderndeu Mittel nur bis zum Gesammtbetrage von 474 Millionen Mark au einmaligen Ausgaben und 28 Millionen Mark Steigerung gegen das Rechnungsjahr 1897 an fortdauernden Ausgaben bereit gestellt werden müffeu. Soweit fich das Gesetz mit diesen Mitteln bis zum Ablauf des Rechnungsjahre» 1904 nicht durchführen läßt, ist die Ausführung zu verschieben. Mau darf erwarten, daß die Regierung auf diesen Vorschlag eingehen wird. Die Aussichten auf einen schweren innerpolitischen Conflict find damit beseitigt und jede Beunruhigung vermieden. Und auch im Jntereffe unseres Ansehens im AuSlaude darf bfe Verständigung freudig begrüßt werden- man fieht dort jetzt, daß das deutsche Volk und seine Regierung einig find, wenn eS großen nationalen Jutereffen gilt. (xx) Deutsches Reich Berlin, 26. Februar. Der Budget-Commission ist heute eine von der Hand de» Kaiser» herrührende Tafel tu zehn vervielfältigten Exemplaren zugegangen, welche die Seestreitkräfte Deutschland», Japan» und Rußlands in Ost- afien darstelleu. Die Tafel datirt vom Februar d. I. Berlin, 27. Februar. Gestern fand beim Kaiser - paare ein Festmahl statt, wozu die Botschafter der fremden Mächte oebst Gemahlinnen, sowie die Militärattache» geladen waren. Ferner nahmen daran Thetl der Reichskanzler Fürst Hohenlohe, StaatSsecretär v. Bülow, Graf Eulenburg, der Chef des Militärcabiuets General v. Hahnke, Dr. v. LucanuS und Andere mehr. Frankfurt a. M., 26. Februar. Die „Franks. Ztg." schreibt: Aus directer Quelle wird uns mitgetheilt, es stehe außer Frage, daß die bayerische Regierung der Revision der Militär-Strafproceß-Ordnung unter keinen Umständen zustiwmeu wird, wenn nicht daS bayerische Reservat- recht des eigenen obersten Militärgerichtshofes gewahrt wird. Wird da» Reservatrecht nicht angetastet und stimmen der Reichstag und dir BundeSfürsteu einer Militär-Strafproceß- Ordnung zu, die nicht in allen Punkten der bisherigen Stellung der bayerischen Regierung entspricht, so wird diese ihre Einsprüche fallen laffen, um dem Zustandekommen einer ReichS- Proceßordnuog nicht entgegeuzutteten. Aber, wie bemerkt, Voraussetzung ist b' ^°bschllltz fiQb e«v r^t Qn Einlagen b °n Rückj-ihl, ßtufencoDto W Mk. unö ' b« Resrrve. dir^z ^Wimg j® NNm bt. d» Reichetag-, en' Fabrikant ^°berhWm ^tztr Nachwahl d°rt sch» zu- S-fksttgltt ö-rrtrt bei der !atschtedev frei« seS Mal unter i haben mflfft. später einigen, wiich, daß ek kühlvng str rie ivölkeruvg dort 8 auch bei der ;tige Mann air zvetien Wahl. i und seien Be- , rveutuell eine -erbeu fich sechs !iseS, bei tiutr ton sei ti mög« >ahl zu bringen RichtSantvall Wahlkreise btt ne ungünstigen i ausstelle, der chültuisse kenne. datz in über verfiändnitz mit ige SolkSpartet en diese Frage der sreifinnigen Beilegung aber lchrichten, welche Punkte Me frek isch gtfiMt fit. uenMgi au Ht inh damit nicht M der nn von Recht8' )ta Wahlkreises ietzen'Grünbeig- in gewählt: sür rtoald-Gieheo- t I., Griiuberg/ Langsdorf" i dritten M' iNaun'Mfkid littag spröder hlreich besuchter «*, * •* Megeluug der ,nf bk Mi lifr*“! Tri»»kwic W W’ *""* dttkiW* M. I** tf ibtläu-- * , 7 nbr tu der J Orrsvorp^ b«’Ä'wt •Ä* Mchrt^ ste 1775272. 75 6291946. 55 99033. 76 1560034. 68 357957.51 hier erscheinenden Zeitschrift drr Crimival«Anthropologie, Dr. W. Wenge, die in Leipzig erfolgte. Dr. Wenge, der es verstanden hat, fich eine einflußreiche Stellung zu verschaffen, verfügt über reiche Erfahrungen auf dem Gebiete des GefSngnißwesenS. Nach seinen Angaben hat er fich recht viele Kenntnisse während seiner Thätigkeit als Gefäuguißarzt in England angeeignet. Die jetzt nach feiner Verhaftung angestellten Recherchen ergaben die gewiß intereffaute That- fache, daß Dr. Wenge selbst bereits geraume Zeit hinter den Mauern eine- Zuchthauses verbracht hat, wo er eine Reihe schwerer Strafthaten abbüßte. Wien, 28. Februar. In Hitfigen diplomatischen Kreisen hat die Meldung von dem Attentat auf König Georg keine Ueberrafchung hervorgerufen. Man war in diesen Kreisen auf extreme Ereigniffe in Griechenland nach dem unglücklichen AuSgange des Kriege- vorbereitet und befürchtet wettere Anschläge. Nach den au- Athen vorliegenden Privat« Meldungen war der Zar der erste Gratulant. Das zweite Gratulationstelegramm kam vom Sultan, sodann folgten diejenigen der Kaiser- von Oesterreich und Deutschland. Pari-, 28. Februar. Mathieu- Dreyfus hat zwei befreundeten Journalisten die Vertagung des Dreyfus - Feld - zugeS bis zur Zeit nach den Wahlen angekündigt, da viele Abgeordnete, welche jetzt nicht hervorzntreten wagen, eine Begünstigung der RevtfionSbewegung zusagten. Paris, 28, Februar. Eine Versammlung von 2000 Personen sprach Zola, Labort und Piquart ihre Bewunderung auS und beschloffen eine energische Fortsetzung des Dreyfus- Feldzuge-, da- amtlich festgestellte Stimmenverhältniß beweist, daß ZolaS Freisprechung nur au einem Haare hing. Acht Geschworene bejahten und vier verneinten die Schuldfrage. Die mildernden Umstände wurden mit Stimmengleichheit abgelehnt. Paris, 28. Februar. Oberst Picquart hat gestern Mont Valerien wieder verlaffeu. London, 28. Februar. Mehrere Blätter schlagen vor, die Redacteure der englischen und amerikanischen Preffe sollten Lagedl." zufolge die Verhaftung de- Herausgebers der 2093 I>r. La bemann * )8<:ö0e812. 96 125597. 32 9073. 60 P' 999625.50 Empfehle einen en, rein- 427854. 59 X 182506812. 96 Versteigerungen. 1369] rm Nadel-Scheitholz, 2083 der 2112 Gnauth. Mittwoch den 2. Marx, C. Roth II 306429. — 190779. 25 152 222 88 Gießen, 28. Februar 1898. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 169882018.20 2540549.51 714000. — 131236.97 180513. 54 Der Vorstand. I. A.: Henrich. 10200000. — 5000000. - 163899000.— 116677.94 o. Roth ll., 5 Wallchv'straße 5. 702977.25 3048. — Pfandbrief-Coupons 2./1. 98... . „Berl. Verkehr, €anb» «ird VottsMßrthschoft» 26 Febr. Fruchtvreise. 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März 1898, Bormittags 9V2 Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald, in den Districten Waldshut und Brauhof, versteigert werden: 25 Kiefern- und Fichtenstämme, mit 10,98 fm, 957 Kiefern- und Fichtenstangen, mit 18,32 fm (größtenteils Spalier- u. Weißbinderstangen), ML MlchthMs. Freibank. 2063 Heute nnd morgen: Kuhfleisch licht ladenrein, per Pfd. 48 Psg. 8chmeineffeisch nicht ladenrein, per Pfd. S6Pfg. Vorzügliches Speise-Gel, Nach tierärztlicher Vorschrift yergestellte Hufsalbe seit Jahren bewährt, zu billigem Preis empfiehlt in V. und Vi Kilo-Büchsen, sowie in Fässern 19J7 Adler-Drogerie,ZeltersweB9 Otto Schaaf. Nahrsalz-Cacao. offertrt R, Schlüdach Nächst. „ Knüppelholz, „ Btockholz, ist hente Medici«. Empfehle folgende Marken: Jas Henneffo u. Cie. per Fl. 8 Mk., Boyoeau u. Cie. „ „ 5 „ Mevictn-Cognac per Fl. 1 50 u 3 „ Deutscher Cognac per Lt.-Fl 2 „ Vorstich-Cognac per Fl. 2,50 „ 1963 « G. Kteivhenn. Nachmittag- 8 Uhr, werden im Bteker'schen Saale versteigert: Sophas. 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Im Wahlkreis Bingen-Alzey, der gegenwärtig im R ichstag durch dessen vickpräfidenten Schmidt-Elberfeld vertreten ist, wurde SeiteuS der nationalliberalen Partei für die kommende Reichstagswahl KreiSrath HaaS von Offenbach, der Präsident der zweiten hessischen Kammer, als Candidat aufgestellt. — In Bodenheim (bei Mainz) hat fich ein Arzt wegen Mangel an Verdienst vergiftet. ANrchttche Anzeigen der evnng.Gesnernde. Montag den 28. Februar, Abends 8 Uhr: Bibttstrmde im Confirmandensaal der Johanneskirche. Psalm 27. Pfarrer Dingeldey. Nutzholz-Verkauf ans der Merförstmi Auhausen. Freitag den 11. März d.J., Vormittags 10Va Uhr, kommen in der Gastwirthschaft von C o n r. Grosch in Damm (Station der Bahn Niederwalgern—Weidenhausen) nachstehend verzeichnete Hölzer aus den Districten Lichteeiche, Harth, Brächterstrauch, Hättenloh und Lachengraben des Schutzbezirkes Lohra zum öffentlichen Verkauf: Eiche«: 86 Abschnitte 3.-5. 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Bei der gestrigen Abend« täfel im Residenz-Palais hielt der greise König Christian eine Begrüßungsrede, in welcher er der Vorsehung dankte, daß fie ihm und seiner Familie den großen Kummer erspart hat, der durch das Attentat gegen den König Georg ihnen drohte. Oeffentliche Empfehlung und Bitte. Die Krankenwärter der Großherzoglich Hessischen LandeS- irrenaustalten erscheinen, wenn fie nach einer mindestens fünf« jährigen Dienstzeit, in einem Lebenkalter von etwa 27 Jahren, mit gutemZeuguiß die Anstalt verlassen, ganz abgesehen von ihren Kenntnissen und Fertigkeiten in der Kranken- und Jrrenpflege, als Arbeitskräfte, die in nicht wenigen sonstigen Beziehungen Beachtung und Empfehlung verdienen. Sie find gesund, kräftig und anstellig, sittlich geprüft und zuverlässig, im Verkehr mit Anderen anständig, an Gehorsam, Sparsamkeit, Geduld, Fleiß, Ordnung und Reinlichkeit gewöhnt, in Bezug auf Aufmerksamkeit, Nachdenken und Ge- dächtniß nach ihren Anlagen gut entwickelt und im Lesen, Schreiben und Rechnen, wie auch in der Verwaltung kleiner Magazine und Jnventarien geübt. Für da- weitere Fortkommen dieser Männer Sorge tragen zu helfen, find wir durch den Beschluß unseres Cura- toriumS vom 27. September 1897 ein für allemal beauftragt, und bitten wir demgemäß, Falls man einen solchen Mann dauernd verwenden und ihm zugleich die Gründung eines Hausstandes ermöglichen kann und will, fich unter Angabe der näheren Verhältnisse an den Unterzeichneten wenden zu wollen. Heppenheim a. d. Bergstr., den 23. Februar 1898. Die Verwaltung des Hilfsvereins für die Geisteskranken in Hessen. Dr. Bieberbach, Vorsitzender. 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