g! .Rittet* 0. •*»886 1. ^verein, ?rt neide 5 Uh, •G Peri, 1 Sehiunie^ r kGnigMe . Iler »“ Stuttgart (8a. ■ Alu, Henn Nitok Frankfurt a M. (Ba®. a'- 6er Homburger atü- Tram mann. ■^er in L 2.50 (8ven- >t Challler Rudolpk Stork tu ermäangt® erkauf ML 1.-, Sehtie- lii I. Februar, Sulbaa. • nid fackel’ sgelairkeo :/, Uhr -erraten das Katferpaar, die Kaiserin Friedrich und der ganze Hof den weißen Saal und der Kaiser befahl den Anfang deS BalleS, während da» Mouarchenpaar viele der Gäste ins Gespräch zog. Im Marinesaal und in den König-- zimmern nahm der Hof um 10®/4 Uhr das Souper, während für die übrigen Gäste separate Buffet- vorhanden »oareu. ■©egen 121/? Uhr war der Ball zu Ende. Berlin, 30. Januar. Der Entwurf eines Ergänzung-' gefetzeS, betreffend die Postdampffchtffverbindung, ist dem Reichstage nunmehr zugegangen. Berlin, 29. Januar. Wie aus Wien gemeldet wird, l^ß Kaiser Wilhelm heute am Sarge des Kronprinzen Rudolf einen prachtvollen Kranz mit der Widmung „Seinem treuen Freunde. Kaiser Wilhelm II.* ntederlegen. Berlin, 29. Januar. Nach einem Telegramm aus Tfieutaufort (Kiao-Tschau-Bucht) wurde dortselbst am 26. d MtS. eine deutsche Postaustalt eingerichtet. Berlin, 29. Januar. Die von englischen Blättern gebrachte Nachricht, daß in Tsimo außer dem Matrosen Schulze noch andere Matrosen getödtet waren, wird osficiell demenrirt. Berlin, 30. Januar. Der Börsen auSschuß ist auf den 22. Februar zu einer Sitzung in daS ReichSamt des Innern etnberufen worden. Die Tagesordnung betrifft u. A. die einheitliche Regelung der Gebräuche bet Feststellung der Preise für Werthpapiere. Berlin, 29. Januar. Die Reichstags-Commission zur vor- berathung der Militärstrafproceßreform beschäftigte sich zunächst mit den Bestimmungen über die Haussuchungen, Beschlagnahmungen rc., welche auf Antrag des CeutrumS in veränderter Form angenommen wurden. DaS Weiteren wurden gegen den Widerspruch deS RrgierungsvertreterS zwei neue Paragraphen 236 a und 236 b eingefügt, welche oie Antragstellung präctsiren. Darauf kam man zu dem Artikel, welcher von der Oeffentlichkeit des Hauptverfahrens handelt. Der zweite Absatz dks Paragraphen 270 lautet: Unter welchen Voraussetzungen und in welchen Formen der Ausschluß der Oeffentlichkeit aus Gründen der DiScipltu zu erfolgen hat, bestimmt der Kaiser. Diesen Absatz beantragt Prinz Arenberg zu streichen. Er begründet dies damit, daß die Bestimmung mit der Unabhängigkeit der Richter nicht vereinbar sei und eS sich nicht empfehle, die Autorität des Kaisers direct hineinzuziehen. Hierzu gibt KriegSmintster v. GoSlrr eine längere Erklärung ab, in welcher er ausführt, daß die Frage der Okffentlichkeit einet der schwierigsten Hauptpunkte gewesen sei, welche bei den Vorverhandlungen der kaiserlichen Entscheidung bedurften. Stimmt- liche General«Kommandanten hätten sich damals gegen die volle Oeffentlichkeit ausgesprochen, wodurch die Entscheidung dem Kaiser außordentlich schwer geworden sei. Trotzdem habe der Monarch die Zulassung der Oeffentlichkeit zug-gebm und verschiedene Etnschränkungsvorschlage verworfen. Bezüglich der Frage, wie die Oeffentlichkeit procttsch zu handhaben sei, stehe aber daS Recht des Kaisers fest, zu dem vorliegenden Gesetzentwurf AnSführungSbefümmungen zu treffen. Hiergegen habe jedoch der Kaiser erwidert, das könnte den Borwurf Hervorrufen, daß auf Umwegen eine Beschränkung der Oeffentlichkeit wieder eivgeführt werden solle, und c8 doch richtiger sei, das kaiserlich: Recht im Gesetze selbst zum Ausdruck zu bringen. Im Entwurf habe er doch auf so viele wichtige Rechte verzichtet, daß im Besitze selbst wenigstens einiger Ersatz durch Hervorhebung einzelner kaiserlicher Rechte geschaffen werden müsse. Der Kriegsminister gab sodann seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die staatSerhalteuden Parteien deS Reichstages unzweiselhaste Rechte des Kaisers nicht in Frage stellen würden. Es sei unwürdig, an den Worten deS Kaisers zu zweifeln, welcher im § 269 die Oeffentlichkeit zugegeben habe, und niemals auf einem Schleichwege die Zurücknahme seines, Wortes wieder erreichen wolle. Abg. Dr. Lieber (Centrum) ist durch die Erklärung des KriegS- mtuisters befriedigt. Er schlägt vor, über den Paragraph heute nicht obzustimmen, sondern bis zur zweiten Lesung eine Fassung zu finden, welche eine Verständigung zuläßt. Nachdem sodann ein socialdemokratischer Antrag zu § 270 abgc- lehnt worden war, wurde die Abstimmung vertagt und die Berathung geschloffen. Nächste Sitzung den 3. Februar. Berlin, 30. Januar. Die „Nordd. Allgem. Ztg " schreibt, daß beim Auswärtigen Amte zahlreiche Gesuche von Personen eingehev, welche nach dem Kiao-Tschau-Ge- biete übersiedeln wollen, um Geschäfte oder Gewerbebetriebe dort zu eröffnen, und die um Auskunft über die dortigen Verhältnisse bitten. Die Ordnung der Verhältnisse dortselbst sei aber bis jetzt noch nicht derart fortgeschritten, daß eine Antwort auf diese Anfrage ertheilt werden könne, die Eingaben seien daher versrüht. Wien, 29. Januar. In der Klinik deS Hosrath- Neusser ist ein Verfahren entdeckt worden, durch welches eß gelungen ist, mittelst der Röntgenstrahlen auch in den Kopfpartien Fremdkörper mit größter Sicherheit auf* zufinden. Wien, 29. Januar. In diplomatischen Kreisen wird entschieden bestritten, daß Oesterreich-Ungarn der Caudidatur deS Prinzen Georg von Griechenlavd zum Gouverneur von Kreta entgegen arbeite. Die Regierung habe gar kein Interesse, sich der Caudidatur zu widersetzen. Wie», 30. Jauvar. Sämmtliche Blätter besprechen die Beschlüsse deS gestrigen Akademikertages in Leitmeritz und geben überwiegend ihrer Meinung Ausdruck, daß eS ein Gebot der Klugheit für die Regierung sei, die Situation nicht noch dadurch zu verschärfen, daß sie die Prager Hochschule schließe. Leitmeritz, 29. Januar. 800 Prager Studenten, sowie zahlreiche Professoren, darunter die Rectoren der beiden deutschen Hochschulen find hier eingetroffen und von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen worden. Leitmeritz, 29. Januar. Die Stadt ist festlich geschmückt. Aus Dresden traf eine Abordnung reichsdeutscher Studenten zum heutigen Akademikertag ein. Loudon, 29. Januar. „Daily Graphik sagt, daß die Caudidatur des Prinzen Georg zum Gouverneur von Kreta vor dem Kriege eine gute Lösung der kreteufischeu Frage gewesen wäre, daß sie aber sitzt unannehmbar fei. Man sei daran gewöhnt, daß die Mächte dem Sultan Vorschläge «achten, um die sich der Sultan iudeß nicht kümmere. — Dasselbe Blatt meldet aus Berlin, daß der osstcielle Widerstand Deutschlands gegen die Caudidatur des Prinzen Georg zu weichen beginne. England und Oesterreich hätten die Caudidatur bereits anerkannt. FkMllktSU. Narrisches Sonndsgsnschmiddsgsdedrschdung immer de Giesser Carneval von Sonst unn Jetzt. Von Carl Geißler. Nor e paar Bajazze unn Hansworschte, die schichtern aus de Spalte im Annohsedheil des Anzeigersch erausgucke, erinnern Eim heut draa, daß die Zeit komme iß, wo jeder Mensch de» Recht hott, uff e paar Woche Alles Vernünftige von sich abzustreife, sich auszedowe unn verrickt ze sei nach Herzensluft. Des bische Schellegeklingel, was die paar Hansworschte verursache, is awwer ze schwach unn nett im Stand, in Jedermanns Ohrn ze dringe. Um die Narrheit im richdige Maßstab ze erwecke, bedarf's awwer verschiedene kräfdige Posaunesteeß unn die lofse sich leider in Giesse nett mehr vernemme. , Da warsch in srihere Zeide awwer annerscht! Mit'm crrschte Dag in jede.a ueue Jahr erschien da des jeweilige „satyrtsch-humoristische, lyrisch«kritisch«raisonnirende, ästhetisch, annoncirende" Amts- unn Regierungsblatt des Carneval- vereins „Türkei", des „Juckpulver", die „Fastebretzel" unn die „Rasselschneck", um die Bewohner unserer Vatterstadt ze benachrichdige, daß de Prinz Carneval sein Eizug hahle dhet unn um se uffzefordern, vo jetz ab dem Gott Jocus ze huldige. Deß Giesser Publikum hott dann aach jedesmal ,des Erscheine von dsne Blätter mit großer Sehnsucht erwart unn hott des Juckpulver unn die Fastebretzel unn die Rasselschneck mit em wahre Heißhunger verschlunge. Die greeßte Schoode, däi Giesse uffzeweise hatt, sinn da zesamme gekomme unn hawwe in de Narrnsitzunge ihrn greeßte Stuß unn Kohl uffgedischt; wer nor e Spur von ere poedische Ader an sich hatt, der hott sich mit Begeisterung in de Dienst des Prinz Carneval gestellt; — da is Alles bekrittelt unn dorchgehechelt worde, was nor bekrittelungsfähig war, Arm unn Reich, Groß unn Klaa, Jung unn Ahlt! Das muß mer bene Derke vom Carnevalverein Derlei losse, fe hawwes verstanne, Läwe in die Bud ze bringe! Von Sitzung zu Sitzung, von Maskeball zu Maskeball, das war die Losung der Derke; da is ka Geld gespart worde, unn de Wei is in Streeme geflosse, als wann's des pure Wasser wer. Unn wann denn des aanige Giesser Narrnvolk in de Herrn- und Damesitzung gesesse hott unn es hott die Witz nor so geregend unn es sinn dezu die von de Hofpoete ver- faßte Lieder zum Lob unn Preis der Derke unn der Derke- stadt gesunge worde, da hawwe alle Aage geblitzt unn alle Herze haushoch geschlage. Sollt nett e manchem Derk unn mancher Derkin von anno dazemal des Herz noch emol schwelle, wann en ahns von dene damalige Liedercher heut widder in die Ohrn klingt? ES liegt am malerischen Strande Der Lahn gebreitet eine Stadt, Die wohl bekannt ist in dem Lande, Daß sie die schönsten Mädchen hat, Auch bricht in ihr jetzt an, Der Narrheit Lebensbahn; Philister nur und Mucker sind ihr Feind, Drum that Gott JokuS wohl, Daß er voll Witz und Kohl Sich mit der Türken lust'gem Chor vereint! Drum frag ich Euch, Ihr Türkenbrüder, Nach dieser Stadt, o sagt mir an, Wo Jokus steigt zu un8 hernieder: Ist eS nicht Gießen an der Lahn? Hat Einer einmal sich entschlossen Sein Glück zu suchen in der Fern, So wird erst manche Thrän' vergossen Und trüb blickt mancher Augenstern; Dann eilt er muthig fort BtS an den nächsten Ort, Da bleibt er plötzlich wie verzaubert steh'«, Er wendet seinen Blick, Nach jener Stadt zurück, Und um daS Weiterwandern ist's gescheh'«. Drum frag ich Euch, Ihr Türkenbrüder Nach dieser Stadt, o sagt mir an, Die zaub'risch wirkt so auf die Glieder: Ist es nicht Gießen an der Lahn? Will Jemand sich ein Weibchen nehmen Er thutS gewiß aus dieser Stadt, Weil er der Wahl sich nicht zu schämen Und keine Reu' zu fürchten hat: Die Mädchen dort sind hold Dabei fo treu wie Gold Und voller Schalkheit und Naivetät, Drum schlägt de« Jünglings Brust Vor lauter Liebeslust, Wenn er entzückt vor s-inem Liebchen stehl. Drum frag ich Euch, Ihr Türkenbrüder Nach dieser Stadt, o sagt mir an, Wo Amor so reizt die Gemüther: Ist e8 nicht Gießen an der Lahn? Ich könnte Vieles noch Euch nennen Wo sie die Zauberkraft geübt, Dock muß ich auch zugleich bekennen Daß's dort noch viel Philister gibt; Doch stört dies nicht die Lust Man treibt sie siegSbewußt, Sie trifft des Jokus witziges Geschoß; Dann ist man froh und lacht, Daß Alles blitzt und kracht, Und bringt der Narrheit donnernde Hallos. Und fragt man Euch, Ihr Türkenbrüder Nach dieser Stadt, o sagt es an, Drum schreib' ich ihren Namen nieder: Ja, „Gieße n" ist es an der Lahn!! Es wer jammerschadd derfor, wann das Liedche ganz de Vergessenheit anheimfalle dhet; dann es singt sich so guL Sofia, 30. Januar. Die Meldung, daß der Fürst beabsichtige, seinen Bruder, den Prinzen Philipp von Coburg zum Oberbefehlshaber der Armee zu erueuaeu, ist unbegründet. ®ee*k» wn6 provinziell» »•» Vom Laude wird uns geschrieben: Unter den mannigfachen pädagogischen Fragen, die in der heutigen Zeit erörtert werden, findet da» Fiuauzcapitel vom Taschengeld der Schulkinder nicht überall die gebührende Berücksichtigung. ES gehört mit zu den „modernen" Erfind- «ngeu der letzten 27 Jahre, auf die man aber nicht überflüssig stolz zu sein braucht. Wer hat früher etwas von Taschengeld gewußt? In der guten alten Zeit gab eS höchstens als Weihnacht»-, Neujahrs- oder Geburtstagsgeschenk einen „Groschen", seltener ein „Zwetgroschenstück." Wurde das Geschenk in Süßigkeiten angelegt, die hinterher Zahnschmerzen hervorrtefen, daun gab eS eine Tracht Prügel dazu und die Versicherung, daß ein solche» Leckermaul nie wieder Geld bekommen würde! Bon einem regelmäßigen Taschengelde, überhaupt von einem Portemonnaie war keine Rede. Welches Unheil hat nicht alle schon da» Taschengeld veranlaßt. Prahlerei, die Sucht, nach außen zu glänzen zeigt sich schon bei der Schuljugend, die über Taschengeld verfügt. Ja leider hat er schon oftmals Beraulaffung zu häuslichen trüben Scenen gegeben. Die Annahme, mau müffr die Jugend zur rechten Zeit daran gewöhnen, mit Geld richtig umzugehrn, ist nicht unzutreffend, aber daraus folgt auch, daß mau die rechte Zeit wählt und auch da» richtige Umgehen mit dem Gelde achtet. In dieser Beziehung wird noch gar viel seitens der Eltern gesündigt. Sollten doch alle Eltern und Erzieher darauf mehr Rücksicht nehmen uud stets darauf achten, daß bet den Kindern Genügsamkeit uud Selbstzufriedenheit erhalten werden. R. TraiS-Horloff, 29. Januar. Als ein Zeichen, daß bet unseren Bergleuten der Sinn für Kaiser und Reich recht hoch steht, ist es zu betrachten, daß die Bergleute am Abend von Kaiiers Geburtstag, hoch oben auf der Ber- biudungsbrücke zwischen Förderthurm uud Fabrik der „Grube Friedrich", ihren patriotischen Gefühlen dadurch Au-druck verliehen, daß sie die Lieder „Heil Dir im Siegerkranz" und die „Wacht am Rhein" zum Vortrag brachten. Es war ein erhebender Anblick, die etwa 30 Mann starke Belegschaft der Nachtschicht, mit ihren hell flackernden Lampen sm Hut, zu beobachten- sodann verschwand ein Licht nach dem anderen in die Tiefe de» Schachtes, wo die Bergleute ihrem schweren Beruf in Erwartung des Lohne» freudig obliegen. E. Echzell, 28. Januar. In unserer Gemarkung giebt es noch Hasen,- bei dem gestrigen Treiben wurden 87 und bei dem kurz vorhergehenden Treiben wurden 149 Langlöffel erlegt. B. AuS dem Kreise Büdingen, 28. Januar. Die erweiterte Handwerkerschule zu Nidda erhielt einen Staatszuschuß von 700 Mark und diejenige in Büdingen einen solchen von 750 Mark. Beide Anstalten gedeihen zusehends und haben schöne Erfolge aufzuweiseu. □ Darmstadt, 29. Januar. An der Technischen Hochschule ist jetzt die Einrichtung getroffen, daß die Studireudeu zur Erlangung eine» Ausweises über Fleiß und Leistungen am Ende jeden Semesters sich einer Freiwilligen Prüfung unterziehen können, wobei auch die Wahl der Lehrfächer dem Betreffenden freisteht. Die darüber ausgestellten Zeugniffe sollen mit zur Grundlage bet Verleihung von Stipendien dienen. — Shakespeares „Biel Lärm um Nichts", feit vielen Jahren hier nicht mehr gegeben, wurde gestern an unserer Hofbühne reactivirt und fand bet ziemlich besetztem Hause eine beifallsfreudige und warme Aufnahme. In den besonders hervortretenden Rollen des „Benedix" und der „Beatrice" zeichneten sich Herr Ottbert und Frl. Cramer besouderS aus. — Der gestern verstorbene frühere Hofschau- spieler Hermann Butterweck, der tu den letzten Jahren fast blind war, gehörte über 30 Jahre unserer Bühne als eine der ersten Zierden an. Seine Leistungen al» „Schneider" im „LumpacivagabunduS", als „Registrator auf Reisen", in „Robert und Bertram", aber auch in ernsteren Rollen („PoloniuS" im „Hamlet", „Klosterbruder" tu Lessing» „Nathan") find bisher hier nicht erreicht, geschweige denn übertroffen worden. nach seine scheene Melledie unn is uns Gieffer so rächt aus'm Herze geschriwwe! Beim Klang vom Gieffer Liedche hawwe alle Derke unn Derkinne mit Stolz um sich geguckt unn von jegliche Gesichter könnt mer ablese, was sich en Mensch druff zu Guts dhun kann, wann er des Glick hat, Gieffe sei Vatterstadt ze nenne unn iwwerhaapt „ächt von häi" ze sei. Die herrliche Narrnsitzunge, die glanzvolle Maskebäll unn die scheene FastnachtSzüg — Alles iS verschwunne; kaan Mensch hott je Widder en Finger krumm gemacht, um den tobte Carneval noch emol zum Lewe ze erwecke....... Das sinn schon immer zwanzig Jahr! Mer sollt denke, während so ere lange Zeit hätt mer doch dem Carneval in Gieffe Widder e Heim verschaffe kenne. Es iS doch aach net aazenemme, daß die Gieffer in em Zeitraum von zwanzig Jahr dommer geworde weru oder ehrn gute Humor, den se doch sonst bei alle Gelegenheite net mit* zebringe vergesse, ganz eigebießt hätte. Awwer merkwerdiger Weis iS heutzedag nix mehr uff die Baa ze bringe. Die paar Carnevalsgesellschafte, die jetzt dem närrische Gott Jocus ehrn Tribut zolle, möge ja des beste Bestrewe hawwe, awwer es fehlt an de richtige Begeisterung for die Sach beim große Publikum, ohne daß mer ewwe nix aus- richte kann. So halt dann unser Carnevcll wenig Aussichte, sich noch emol emporzeschwinge zu seine.ästige Höh. A.8t. Darmstadt, 28. Januar. Auf die von der Prager deutschen Studentenschaft einmüthig gegen da» verbot des Farbeutrageu» gefaßte Resolution hat die Darmstädter Studeuteufchast folgende Antwort nach Prag gesandt: Liebwerthe Commilttonen! Die heute zu einer außerordentlichen Versammlung zusammengetretene Studentenschaft der Technischen Hochschule zu Darmstadt hat mit tiefer Entrüstung von dem ungeheuerlichen Eingriffe Euerer Regierung in die von den deutschen Fürsten früherer Zetten wohlverbriefteu Rechte der akademischen Jugend auf allen hohen Schulen deutschen Ursprung» Keunntniß genommen. Wir empfinden mit Euch die Schmach, die der gesawmteu deutschen Studentenschaft durch diese eigenmächtige Verfügung de» Kaiserlichen Statthalters im Böhmerlande zugefügt worden ist und erkennen es mit hoher Befriedigung au, daß Ihr iu solcher Eiumüthigkeit für die Vorrechte deutsch-akademischer Bürgerschaft eingetreten seid. Zum Akademikertage iu Lettmeritz einen Vertreter zu entsenden, sind wir zu unserem tiefsten Bedauern wegen der Kürze der Zeit nicht tu der Lage. Wir wünschen den Verhandlungen einen für AllgermautenS Ehre würdigen uud erfolgreichen Verlauf und richten an Euch die Bitte, uns über Euere Entschließungen möglichst bald Mittheilung machen zu wollen. Jeder nur möglichen thatkräftigen Unterstützung unsererseits könnt Ihr Euch überzeugt halten. Zu Euerem Kampfe gegen den frevelhaften Ueber- muth des in da» deutsche Böhmen eingewanderten Tschechenvolkes haben wir Euch bereit» einen WrthnachtS- gruß gesandt und wiederholen heute: „„Donnernde» Heil der alldeutschen Sache und deren kühnen Verfechtern!"" Mit treudeutschem Gruße! Die Darmstädter Studentenschaft. Ein Sprüchwörterfex. „Die schlechtesten Wespen sind et nich, die an die Früchte nagen." Mit diesen Worten schob er sich durch die enge Thür in den Anklageraum hinein. Bors.: Sie heißen M., sind 52 Jahre alt und nennen sich „Rentier"? — Angekl.: Det bin ick mit Recht, denn ick beziehe eene Jnvaliditätsrente. Mit vielem kommt man aus, mit wenig hält man Haus. — Bors.: Genug davon. Sie sind beschuldigt, am Nachmittage des 24. December vorigen Jahres den Restaurateur B. ge- mißhandelt zu haben, räumen Sie dies ein? — Angekl.: Lüjen haben kurze Beene. — Bors.: Das kann ich also wohl als ein Geständniß auffaffen? Wie kann ein unbescholtener Mann am Heiligabend auf offener Straße eine solche Ausschreitung begehen? — Angekl.: Man muß die Feste feiern wie sie fallen. Ich könnte ja ebenso gut sagen, warum konnte er die Sache nich mit dem Mantel des Schleiers zudecken, anstatt sie zur Anzeige zu bringen? Ick bleibe nich ferne Jemanden wat schuldig un Jelegenheit bringt Hiebe. — Bors.: Lassen Sie diese verblümten Redensarten und drücken Sie sich vernünftig aus. Erzählen Sie den Vorfall. — Angekl.: Det mag so im October jewesen sind, da komme ick in eene Restauration in die Rathenower- straße, wo ick frieher noch nie jewesen war. Da steht een feiner Herr am Schänktisch und redt mit dem Wirth. Er kommt mir so sonderbar bekannt vor un richtig, als ick ihn näher in't Profil faßte, da war er't ooch. Er hat vor un» jefähr drei Jahre een feinet Jeschäft jehatt un war denn nach Amerika jejangen. Ick kloppe ihm uff die Schulter un sage: „Fritz, sage ick, Mcnsch, wie bist Du nobel jeworden!" Ra, er kennt mir denn ooch sofort wieder un freut sich un jiebt eene Lage nach die andere zum Besten. Un denn erzählt er, det er et in Amerika jeschafft hätte, un er hätte dort drei Rllterjüter, wovon jedet jut un ferne so jroß als ’ne kleene preußische Provinz, un wat seine Oberinspectoren wären. die hätten jeder vier Reitferde, indem sie sonst nich rum kämen, un wenn dort alle drei Monate die jroße Tabaks ernte stattfände, denn müßte er sich immer von den Herrn amerikanischen Präsidenten so'n kleenet Armeecorps zuborjen, indem er sonst nich fertig werden würde. Un nu wäre er man schnell mal nach Berlin jekommen, weil er Prof. Begas engajiren wollte, der sollte ihm für feinen Marstall die Bild- So lang nor e Handvoll Studente am Fastnachtsdiens- tag uff de Gaffe ehr Tollheit treibt, so iS das kaan Carneval, der erer Stadt wäi Gieffe wirdig is. Drum uff, Ihr Schoode, unn bringt de Prinz Carneval in Gieffe Widder ze Ehrn! Wäi sriher noch die Türke hauste In unferm Giesse an de Lahn, Da traf mer stets ze alle Zeite, Viel Witz, Humor unn Kohl aach an; Da fprihte fo die Geistesfunke, Aich mach Euch heut noch druff e Wett, — Daß die Philister oft gekrifche: „Fer möglich hohle follt werfch nett!" Unn als nach feine fchönste Dage De Carneoalverein schlief ei, Kaa Raflelfchneck follt mehr erscheine, Kaa Sitzung unn kaan Zug sollt fei, — Da gabs e ßammebirn in Gieffe, In jedem HauS, da war die Redd, — Es war so fchee doch stets gewefe: „Fer möglich hohle follt merfch nett!" Jetz ruht err fünft fchont feit Jahrzehnde, De Carneoalverein Derkei; Doch Niemand ließ zum Ufferwecke DeS Jnngefchlofne sich ebbei. Schlaf weiter drum, du ruhst in Friede — Vielleicht kemmt Aaner an bei Bett Um dich zu neuem Glanz ze wecke . r. . . So ganz unmeglich werfch ja nett! Hauerarbeit machen. — Bors.: Nun, kur; und gut, er hat Ihnen also tüchtig etwas vorgelogen? — Angekl.: Ja, bet wußte ick damals aber nich, denn er machte dabei een Gesicht so ehrlich als 'ne Töpperschürze. Un wie er so weiter erzählt, da zeigt er mit eenem Male mifn Finger uf die Straße hinaus, wo een feinet Fuhrwerk mit eenen eleganten Kutscher hält. Sieh, sagte er, da hält mein Wagen. Weeste. meent er denn, du kannst een Ende mit mir spazieren fahren, ick will hier blos noch schnell mit dem Wirth en kleenet Jeschäft erlebijen, jeh man raus unb setz bir in ben Wagen unb sag bem Kutscher, er soll en paar mal langsam in ber Straße uf- un abfahren, bie Trakehner finb bet Stehen nich jewöhnt, un er käme ooch halb raus. Unb beim jab er mir noch erst eene von feine eijenen Cijarren, bie janz in Silber injewickelt war, un schiebt mir sachte zur Thür hinaus. Fritz, sage ick noch, wat mußt bu reich jeworben finb, aber nimm dir in Acht, Hochmuth kommt vor bem Fall. Ach wat, tneente er, wat ber Mensch hat, muß er brauchen. Ick benn nu raus un birect uf ben Wagen zu. Als ick so uf’n Tritt stehe, sage ick ben Kutscher Bescheeb, ber mir zwar so'n bieten überrascht ankiekt, aber doch an seine Hutkrempe faßt, unb ick schmeiße mir mit ’n jewiffen Aweck in bie Ecke un rooche die versilberte Cijarre. Sie schmeckte niederträchtig un biß wie Jift uf die Zunge, aber ick dachte, det müßte so sind. Ick mußte ville ausspucken un jedesmal kiekte der Kutscher sich um un warf mir so'n merkwürdijen Blick zu. Wir waren woll so'n Stückener dreimal uf- un abjefahren, da hörte ick hinter mir, wie eene scharfe Stimme „Johann" rief. Mein Kutscher kriegt'n Schreck un hält uf der Stelle. Mit jroße Schritte kommt een oller würdijer Herr jejangen mit eenen schneeweißen Schnurrbart, der man ordentlich so zitterte. „Johann!" ruft er un zeigt uf mir, „ist er verrückt geworden? Was ist das für ein Mann? Wie kann er sich unterstehen, fremde Leute in meinem Wagen zu fahren?" „Excellenz", stammelte nu der Kutscher, er sagte Excellenz hätten befohlen . „Hinaus!" rief der olle Herr mir zu un ick springe denn ooch raus, wie aus die Pistole jeschoffeN. Mir war inzwischen een Licht uffjejangen, det der B., der schon früher immer faule Witze im Kopp hatte, sich eenen Feez mit mir jemacht hatte un wat sollte ick weiter machen? Ick zog meinen Hut un sagte dem ollen Herrn, det sie mit mir Schindluder je* trieben hätten. Meine Cigarre hatte ick schon wegjeworsen. Un er kiekt mir in die Dogen, bet ick denke, er tarnt mir in’t Herz sehen un denn lächelt -er so'n bisken un sagt, ick solle mir uf een ander Mal bester vorsehen, er wollte von dieser Jeschichte nichts machen. Un denn mußte der Kutscher den Sitz abbürsten, wo von meine Cigarre etwas Asche uf- jefallen war un benn setzte er sich rin unb fuhr bavon. Ick kochte man so vor Wuth. Det Schaufenster in ber Restauration, wo ick jewesen war, war bicht mit Jesichter besetzt, bie unbänbig lachten. Ja, benke ick, wer ben Spaten hat, brauch für’t Loch nich zu sorjen, jehe aber boch rieber, well ick jejen ben Amerikaner Revantasche ausüben wollte. Aber er hatte sich bereits bünne gemacht. Der Wirth sagte, bet wäre een Bierreisender un een janz vermooster Kerl. Weiter kennte er ihn ooch nich, aber sie hätten lange nich fo herzlich gelacht, ba blieb feen Doge brocken. Ick konnte weiter nifcht machen, fonbern mußte jehn. Am Heilig Abenb jehe ick burch bie Jnvalibenstraße. Mit eenem Male sehe ick ihn vor mir jehen. Ick hinter ihm her un als ick ihn habe, lösche ick ihm mit furchtbarer Schnelligkeit so'n Stückener sechs Dinger mit meinem Spazierstock über bet Kreuz. Im fing sofort ber Äthern aus. Ick sagte weiter nischt als: Du hast Helle roleber ben jroßen Erntetag, Fritz, benn wat ber Mensch säet, bas wirb er ernten. — Bors.: Run ist bie Geschichte wohl zu Enbe. Nach bem ärztlichen Attest ist er zehn Tage bettlägerig gewesen. — Angekl.: Da hat er ja Zeit gehabt, sich neue Schosen auszudenken, aber mit mir macht er sie nicht wieber. — Mit Rücksicht auf bie ganze Sachlage kommt ber Angeklagte mit einer Gelbstrafe von 30 Mark bavon. Er will auch biefe nicht zahlen, sondern Berufung einlegen. Er entfernt sich mit ber Bemerkung, baß noch nicht aller Tage Abenb sei._______________________________(B. Z.) vermischte». * Berlin hat mehr Aerzre al» die einzelnen Provinzen von Preuken, außer den Rheinlanden. Nach dem Reich»« Medicinalkalenber von Eulenburg-Schwalbe ist im Stadtkreis Berlin bie Zahl aus 2196 gestiegen gegen da» Bv'jahr -s- 119. Die Rheinprovtnz hat 2355 Aerzte, die Mark Brandenburg 1379 (— 766). In ganz Preußen beträgt die Zahl 14,957 (-j- 606 — 4,2 v. H.), im deutsche« Reiche 24,873 (-f- 873 = 3,5 v. H.). Auf 10,000 Ein- wohner kommen Aerzte: tat deutschen Reiche 4,75, in Preußen 4,68, in Bayern 4,64, in Sachsen 4,84, in Württemberg 4,04, in Baden 5,49, in Hessen 6,30, in Mecklenburg- Schwerin 4,47, in Elsaß-Lothringen 4,45, in Hamburg 7,61, in Bremen 6,77 und Lübeck 7,92. In der Mark Brande«« bürg kommen 4,88 Aerzte auf 10,000 Einwohner. * Brünn, 27. Januar. Während der heutigen Land- tagSsitzung erschien plötzlich im Saale ein ärmliches Weib mit einem Kinde auf dem Arme unb ries czechisch, die Abgeordneten möchten ihrem Manne, einem gewesenen Lehrer Namen» Engelbert Gridil, die Gnadengabe, um die er seit vier Jahren nachsuche, endlich bewilligen, damit die Familie nicht Hunger» sterbe. Zugleich betrat ihr Man« den Laudtag»saal unb richtete bie gleiche Birte an ba» Hao». Da Selbe nicht gutwillig den Saal verlaffen wollten, wurden sie unter großem Jammergeschrei burch die Diener entfernt. Die Scene tief große» Aufsehen hervor. • Pari», 27. Januar. Au» Lyon wirb gemelbet, daß ber Maffenmörber Bacher, ber im Gefängntffe St. Paul auf seinen GetsteSzustanb hin untersucht wirb, gestern einte Mordversuch gegen ben ihn überwachenben Wächter unter« nommen hat. Al» berselbe nämlich in bie Zelle be» Verbrecher» trat, erhielt er von diesem mit einem Stuhle einen furchtbaren Schlag über den Kopf. Der Beamte, obgleich betäubt, vermochte um Hilfe zu rufen, so daß andere Wärter “* gut „. v rS«! kdu^°n 11«=* i4n«®nT h !t bh btt TI 6 b» 1 »ob benn^!l1 ni) =tat, bit jj '°J« mit 'aib® finb, otn M d« 8< $?*• -- br^to % M S i 'fee*«S I itoT1'0* ftSfcS -f der tztrlle. M Herr iejongen mit ?_•*•«» f»M R«wmidt geworden T® sich Metren Zellen; hätten besohlen. •u “L'4 springe bm Hn,.™r M üyvischa * J^n Wr immei " M mit mir Macht : 3^ R meinen hn: ü mit LchinMer je, . i<$ schon wegjeworfni ■. ii bcnle, er lann nnf" so'n bistai un sagt, id *" vorscha, er wollte do? ' Jenn mußte der Katsch» Eigene etwas Asche m< rn und fuhr davon. j After in der Resten., ch mit Zesichter besetzt ' wer den Spaten hätz e aber doch Heber, m! auiüben wollte. Adv1 Ar £?irt& fagte, det ' »ennooftet Kerl Leiters tu lany nid) \o tytW £ N tonnte weiter m|; r eilig Abend sehe id bei, ,a!e sehe id ihn vor e id ihn Hobe, lösche il n Emdener sechs AiP rev. An sing sofort b-r [ ±t als: Tu haft htL »rn wat der Mensch fad, m ift die Geschichte B k ist er ;ehn Tage töt i Hal er ja Zeit gehabt r cni mir macht er w j te qanie Sachlage toant t D?n 30 Mark dam !tai 8*1 * • * M6 "Is Z ) * tb**”* ... ®atb dem Aetq» tidbe ft i» 6tafclf(lÜ LZ aani Peensen ! 1 ft) im beut!-bl' V; % lo.ooo t« Ä 4 ’8' 6 as wsj «J A,°'-° * i tSjJJi Ihr Mal' o-zlnch 6(1 tza^ Kl- »"5 .,1 °> “' N1"'S * %:;>-= g1^ «och rechtzeitig herbeieilen und Bacher überwältigen und fesseln konnten. * Arge Mißhandlungen — so berichtet der in Bern- bürg erscheinende „Anhalt. Gen.-Anz." — wurden wiederholt an einem kleinen neunjährigen Mädchen festgestellt, daS die hiesige höher: Töchterschule besucht. Lehrer und Lehrerinnen wurden verschiedentlich aufmerksam auf da- kleine Mädchen, da- einen etgenthümlichen geängsteten Eindruck hervorrief. Am letzten SamStag kam das Kind so zerschlagen zur Schule, daß die Lehrerin tiefe- Mitleid empfand und dos bedauern-« werthe Wesen genau untersuchte. ES wurden nun erhebliche Äörperbeschädigungen festgestellt, z. B. war am Auge eine auffallend blutrünstige Stelle, ferner war da- eine Ohr stark mit Blut unterlaufen und ein Fuß war so zerschlagen, daß da« Kind nicht mehr gehen konnte, sondern mit der dec« irischen Bahn nach Hause befördert werden mußte. Ferner wird unS mitgetheilt, daß baS Kind fast fortgesetzt Hunger leiden muß und von den Mitschülerinnen mit Imbiß versorgt wird. Die Lehrerin ließ sich neulich von anderen Schülerinnen da» Frühstück der Kleinen zeigen und es stellte sich heran-, daß e- nur in einem Stück trockenen Cornrniß- -rode- bestand. Von den Mitschülerinnen wird ferner behauptet, daß da- Kind erzählt habe, e« müffe oft nächtelang in einer Kiste im Keller zubrtngen Man sollte glauben, daß derartige Vorkommniffe schon längst die davon Kenntniß habenden Personen veranlaßt haben sollten, der hiesigen Staatsanwaltschaft von dieser unglaublichen Erziehung Mit- theilung zu machen. — Da- Blatt deutet an, daß da- Kind von seinem eigenen Vater, einem höheren Gerichtsbeamten, mißhandelt worden sei. * Ein neue- rauchloser Schießpulver ist gefuudeu. Herr Otto Hempel, Drogist zu Weida, ist, wie das so bei vielen Erfindungen geht, cmnz zufällig auf diesen neuen ExplofionS- stoff gekommen. Während er versuchte, für Raketen einen stark treibenden und möglichst rauchlosen Sprengstoff zu- sammenzusetzen, entdeckte er bet seinen Experimenten im Laboratorium sein neue« Pulver, da« nun bereits in von zahlreichen glücklichen Versuchen erprobter Maffe dem Krieg«. Minister vorliegt. Da« Pulver besteht au« einer gelben, körnigen Maffe, deren Ingredienzen natürlich Geheimniß des Erfinder- find. Die Vorzüge desselben vor dem bisherigen schwarzen Schießpulver bestehen vor allem in einer stärkeren Durchschlagskraft, absoluter Rauchlofigkeit, sehr wenig Knall und fast gar keinen Rückständen im Gewehrlauf. Dabet erzielte Dreifünstel des Gewichts dieselbe Wirkung wie ein Gramm Schießpulver, und der von den Schützen so gehaßte Rückschlag tritt bei diesem Hempel'schen Pulver, das sich auch viel billiger Herstellen läßt, fast gar nicht ein. Durch Zeug- niffr erfahrener Forstbec-mter und Militärs ist couftatirt, daß 3/i Gramm Hrmptl'icheS Pulver eine Schrotladung auf achtzig Schritt noch tief in- Holz getrieben haben. Herr Hempel bringt feinen neuen Sprengstoff in zweierlei Form in den Handel, entweder körnig oder in fest cowprimirten Patronen. Er will kein Patent erwerben, sondern steht bereit- wegen Ausnutzung feiner Erfindung mit einem Hamburger Consor- tium in Verbindung, sobald nicht da« preußische Kriegsmtni- stertum dieselbe für sich allein in Anspruch nimmt. * Ein nette» Militärpatrouillenrad ist von einem Berliner Mechaniker erfunden und durch Offiziere des Garde- FüfilterregimentS auf dem sogen. Grützmacher hinter der Garde-Füsilierkaserne auf seine Verwendbarkeit im Felde erprobt worden. Der Hauptsache nach ist das neue Zweirad ein „Dreisitzer", auf dem zwei Leute vorn und ein Mann hinten fitzen. Letzterer tritt die Pedale und besorgt die Steuerung, während die beiden anderen Leute nur mechanisch da- sitzen und mit dem Radfahren nicht vertraut zu sein brauchen. Trifft also eine derartige Patrouille auf den Feind, so fitzen die beiden Vorderen ab und benehmen sich wie gewöhnliche Patrouillen. Der Radfahrer eilt zum GroS der Truppe zurück, bringt seine Meldung an und verschafft den beiden vorn am Feinde befindlichen Leuten nach und nach Verstärkung. Die Proben mit dem neuen Rade haben sich bewährt, sodaß daS Rad nach erfolgter Patentirnng vom Erfinder dem Kriegs- Ministerium vorgestellt werden kann. • Line Katzeusteuer will der Cavton Zürich eivführen. Der diesbezügliche Antrag ist dem Großrathe bereits zugegangen. Die armen PuffyS werden darin der fürchterlichsten Verbrechen geziehen, Untreue, Hinterlist, Diebstahl und Raubmord an Hühnern, Gänsen und Kanarienvögeln ihnen zur Last gelegt, und sozusagen als Abschaum sämmtlicher Vierfüßler dargestellt, während die Tugenden der Hunde, die doch auch dann und wann einen Braten wegschnappen, in einem wahren Glorienscheine leuchten. Da der treue treffliche Gefährte de« Menschen einer Hundesteuer unterliegt, so müffe eine Katzensteuer erst recht eingeführt werden. Die Schweiz hat eine besondere Katzenraffr^ saft allenthalben trifft man ausnahmsweise große, mächtige Thiere mit starkem Knochenbau und einfarbigem mausgrauem Pelze, der in einzelnen Fällen dir schöne Zeichnung der Wildkatze zeigt, die in den Alpenwäldern da und dort noch auftritt. Wenn die Katzensteuer eingeführt werden sollte, werden die Puffy» schlimme Tage erleben; jedenfalls wird es bann eine Zeit lang nicht rathsam fein — Hasenbraten zu essen. * Bon der Spielhölle in Monte Carlo. Am 14. und 15. Januar fand eine außerordentliche Generalversammlung der Actionäre der Spielbank von Monte Carlo statt. ES handelte sich um die Verlängerung beß Spielprivi- legS bis zum Jahre 1948. DaS gegenwärtige Privileg läuft noch bis zum Jahre 1905. Man hat eß aber für angemessen erachtet, die Verhandlungen über die Verlängerung de« Privilegs schon jetzt zum Abschluß zu bringen, da der Gesellschaft in Herrn Gordon Bennet, dem Besitzer deS „Newhork Herald", ein ernsthafter Nebenbuhler erwachsen war. Der Fürst von Monaco hatte sich (der „Frankfurter Zeitung" zufolge) nicht abgeneigt erwiesen, dem neuen Bewerber um seine vierzehn Roulette- und Trente-et Quarante- Tische Gehör zu schenken. An der Versammlung konnten nur solche Actionäre theilnehmeu, die den Besitz von mindesten- 200 Seiten nachwiesen. So blieben also die eigentlichen Herren von Monte Carlo hübsch unter sich, denn der Besitz von 200 Actien der Spielbank stellt ein Capital von 600000 Francs dar, und eine solche Summe haben doch nur die eigentlichen Macher von Monte Carlo in dem Unternehmen angelegt. Immerhin waren von den 60000 Actien des Institut- 42000 in der Generalversammlung vertreten. Der stärkste Actionär ist gegenwärtig der Pariser Bankier Heine, deffen Besitz an diesen Papieren sich auf 18000 Stück beläuft. Er hat sie von dem Fürsten Radziwill, einem Schwiegersohn des verstorbenen Gründer- von Monte Carlo, Monsieur Blanc, erworben. Die Radziwill haben also mit der Spielbank nichts mehr zu thun. Starke Actionäre sind ferner Edmond Blanc, ein Bohn des „Vater- der Roulette", und Prinz Roland Bonaparte, der, wie Fürst Radziwill, eine Tochter des alten Blank geheirathet hat. Endlich ist unter den Actiorären der Fürst von Monaco nicht zu vergeffen. Die illustren Herren nahmen aber an der Versammlung nicht persönlich Theil, sondern hatten zu ihr Vertreter entsandt. Nach langer Deatte, bet der von Georges Baltazzi, dem Vertreter des Herrn Edmond Blanc, die Opposition geführt wurde, genehmigte die Versammlung den neuen Vertrag mit dem Fürsten von Monaco. Danach wird die Gesellschaft auf eigene Kosten drei große öffentliche Bauten auSsühren, nämlich den Hafen von Monaco erweitern, ein Landeskrankenhaus erbauen und endlich da« Fürstenthum mit einem Opernhau« ersten Range« beglücken. Die Spielbank erhöht, um den neuen Verpflichtungen nachkommen zu können, ihr Capital von dreißig auf vierzig Millionen Francs. Für da- Urbrige wird schon die Roulette sorgen und die in zwei Jahren bevorstehende Pariser Weltausstellung, die erfahrungsgemäß eine Unmenge reicher Leute, besonder- aus den überseeischen Ländern, nach Frankreich und somit auch nach Monte Carlo lockt, wo sie sich in dem Grade rupfen lasten, daß sie bann für zehn Jahre genug von Europa haben. Universität- - Nachrichten. — Die Verhandlungen mit Professor Dr. Cremer in Greifswald über seine Berufung an die theologische Facultät bet Universität Berlin als Nachfolger des Professors Schlatter haben zu keinem Resultat geführt. Professor Cremer erklärt selbst, daß er sich nicht zur Uebersiedelung nach Berlin habe entschließen können. Drucksachen, Aechnurrgen, Aacturen, ßircukare, Briefbogen, Mmschtäge mit Airmendruck fertigt billig KrW'sche Wiv.-Kuch- n. Mudrnckerki, Schulstratze 7. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Garteuftratze 2. Nvigebat dse treMhttbmet t 2 Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Bau- und Möbelschreiner, 1 Polsterer bezw. Decorateur, 1 Kellner, 1 Krankenwärter, 1 Krankenpflegerin, 1 Bureaudiener. 1 Bürschchen von 14 Jahren für die Nachmittagsstunden, 1 älterer Mann für leichtere Arbei'en, 1 dto für leichteres Fuhrwerk, 10 Taglöbner, 5 Fuhrknechte, 1 gepr. Heizer, 2 Hausmädchen, 3 Bureaugehülfen, 2 Schreibge- hülfen, 1 Schlosserlehrling, welcher Kost u. Logis beansprucht, 2 Herrschasttzkvtscher. Nachfrage »er «rbettgsder r 1 Drechsler. 1 Spengler, 1 tücht. Glaser iRahmenmacher), 1 tücht. Küfer, 9 tücht. Maschinenschlosser, 2 tücht. Bauschlosser, 1 tücbt Schmied, 1 tücht- Wagner, 1 tücht. Schreiner, 1 alt. Mann zum Viehfüttern, 3 Wäscherinnen für dauernde Arbeit bei gutem Lohne, 1 jüng! Dienstknecht, welcher die landwirthfchaftl. Arbeiten versteht, 12 Dienstmädchen für Küche u. Hausarbeit, 1 Hausmädchen für feinere Herrschaft, 1 Beiköchin, 1 Dienstmädchen nach Darmst. Lehrlinge: 3 Bäcker, 1 Buchbinder, 2 Gärtner, 1 Drechsler, 1 Kupferschmied, 1 Lackirer, 2 Sattler, 4 Schlosser, 2 Schmied, 3 Schneider, 4 Schuhmacher, 1 Setzer, 1 Wagner.__________________________________________ Bekanntmachung. Am Mittwoch, deu 2. Februar Nachmittags von 2 bis 4 Uhr wird in dem Jmpfloeale (Altes Nathhaus) ein öffentlicher Impftermin abgehalten, in welchem diejenigen Angehörigen von Jmpfpflichtigen, welche unterm 15. Januar Aufforderungen erhalten haben, ihre Kinder k.ofteulos der Impfung unterziehen lassen können. Dieselbe wird nur au einem Arme mit Kälberlymphe aus dem Landesimpfinstitute Darmstadt vorgenommen. Die Kinder müssen rein gewaschen oder gebadet und mit frischer Leibwäsche versehen gebracht werden. An dem darauffolgenden Termine am Mittwoch, deu 9. Februar vou 2 bis 3 Uhr find die am 2. Februar Geimpften zu der gesetzlichen Nachfchau wieder vorzustellen. In beiden Terminen können ferner Kinder, welche wegen Krankheit bis »um Sommer von der Impfung zurückgestellt werden wollen, dem Jmpfarzte zur Untersuchung vorgezeigt, oder diesbezügliche ärztliche Zeugnisse abgegeben werden. Gießen, den 28. Januar 1898. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen ___________, _________I. V.: Wolff.______________________1061 Preußische Kenten-Krr ficherungs Anstalt Besond. StaatSaufstcht. Berlin. 00 Millionen Mark. Versichcrungen mit Gewinnantbeil von sofort beginnenden ober aufge- schodenen Renten o..r gleichbleibenden ober steigenden Beträgen zur Erhöhung des Einkommens und Altersversorgung, Ausfteuerverstcherung. Geschäftspläne und Auskunft bei: 104 Heinrich Hochrenther in Gietze«, Südanlage 5.____ liefert uchncll %u billigen Preisen die alllCOuVBnS BrühFsche Univ.-Druckerei (Pieteeh > 6tetntenderci (Pietsch & Scheyd«) ta Gieße«. .s Gourfe vom 29./I. 1 22./1 .8 Lorrrs« vom 29./1. | 22./I. .5 Tourse "om 8 Ä 5 Schwedens 80 100.55 100.9t 47, Buenos - Aires 78.50 4 Ruff, ©üb oft . 102.50 102.20 4 Preuß. Hypbk. Brauerei. . 150.- 147.— Brschw.Thlr20 111.50 111 40 Serben v. 95 . 64.— 63.25 Ltadk«hrl.)ni. 4 do. Südwest 103.20 103.60 VIII-XII 100.20 100.20 Farbw. Höchst 445.— 448.20 Freiburg, fs.10 26.10 26..0 4 Spanier . . . 61.40 60.70 4 S.-Brauns. . . — —.— 4 Rjäsan-Urals! 102.70 102.35 4 do. neue . . . 101.— 101.— Rordd. Lloyd . 112.— 111.30 Maüänd fs.10 12.50 12.Ö 4 Türt.Zoll-Obl. do. cono.Lit.C. 97.- 96.91 87, do...... 99.80 —.— 4 Wladikawkas . 102.50 — 37, do. 1905 . . 100.— 100.— Bochumer Guß 201.20 201.50 Meininger fl. 7 22.15 21X1 5 26.40 25.60 37, do. Lich . . . 5 Anatolier. . . 96.40 96 50 3V. Rhein. Hypbk. Gelsenk. Brgw. 180.70 183.80 Pappenh. fl. 7 22.85 22.2^ 1 1 — do. LiLD. 22.35 22.10 37, Ysnbg.-Bierst. 82.20 80 60|3 Salon.-Mon. . 59.80 59.45 unk. 1904 . 99.30 99.30 Harpen. Brgw. 180.20 182.70 DenedlgerL. 30 22.25 Aonlags Sltty S4- DieS die verfügst Gieß 29. । Sivgks ta? W M Reichl W Zchöhaog willigen. Abg geplante zag-weise immer an rang wen al- viels, üöer -lese Abg. xtbn«8 nl müsse mii im Sulla Abg. aa-, in d ' nicht auf den gesor Anstoß. Die erklären f 46000 A Der Stimmen deutschen gelangt z Hie. des Inn« Abg über die Wllhelm-l sei nur Umfange Abg. Schiffe ni Staa den tzchl^ wenn die Arnderung r«hsam. Tarif auf H°°ptsache oafc der leben Unfc W fort vahmen se Zeit würd Abg, «»Dunen,,; nm d« fltlnet l«tlf Das cv 3m ftn '^Mckung onb 3h, ®««i