**• *on„; ,lh. 8000 w lnK. 'ä'"b i‘igt hi«, ■ una hält Nr. 203 Erstes Blatt Dienstag den 31. August 1897 Der Hteßeuer Zujeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montage. Die Gießener Al«mitlenötä1ter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Meßmer Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. Vierteljähriger Abonuemcntspreisr 2 Mark 20 Pfg. ent Bringerlohn. Durch die Post bezog«. 2 Mark 50 Psg. Redaction, Expedition und Druckerei: KchutstratzeAr.7. Fernsprecher bk, e*. U irbir anco, nstalt 200 ÄHamel Sltiflt.J. i uugeuirt und ragend schön ein- Michkeiten ga»; »einer persön- t, imb beste Lern- Ueichstraße 7, Nachmittag- von 5895 iller Art, , Uhleuhatsche re., en aus der Fabrik n Schönebeck, en. im 3561 iger, 19. olade las Pfund). e v It. DÜ# ** SS» ■Ä ott ö® 6«® $,0$89 ,ii0etrünf! Amts- und Auzeigeblutt für den divers Gieszen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für b« folgmden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Aamilienötätter. Alle Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgeh TheU. Bekanntmachung, betreffend: die Waffergenoffenschaft zu Feldheim. Die nachstehende Verfügung der Großh. Oberen land« wirthschastlichen Behörde bringen wir mit dem Ansügen zur Kenntniß der Interessenten, daß Beschwerde gegen dieselbe Innerhalb 14 Tagen an Großh. Ministerium des Innern verfolgt werden kann. Gleichzeitig weisen wir daraus hin, daß daS von den Bevollmächtigten berothene GenoffenschastSstatut auf dem AmtS- Zimmer der Großh. Bürgermeisterei Utphe in der Zett vom 1. bis 15. September zur Einsicht der Betheiligten offen liegt und Einwendungen gegen daffelbe innerhalb der genannten Frist bei unS vorzubringen sind. Gießen, den 28. August 1897. GroßherzogltcheS KretSamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. An der für die Fluren I bis VII der Gemarkung Jeldheim und Flur VTU der Gemarkung Bellersheim beau« tragten Bildung einer öffentlichen .Waffergenoffenschaft sind nach den beiliegenden Acten 322 Grundbesitzer mit 253,3439 ha Fläche betheiligt. Bei der am 30. Juli d. I. vorgenommenen Verband- lungStagfahrt hat sich Niemand gegen da- Unternehmen erklärt. Einwendungen Dritter gegen das Unternehmen find nicht erhoben worden. Wir ertheileu nunmehr dem Unternehmen die in Art. 67 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 vorgesehene staatliche Genehmigung mit folgenden Bestimmungen: 1. daß die betheiligten Grundbesitzer, welche in dem offengelegten Verzetchntffe vom 25. Juli v. I. («nl. B.) aufgeführt sind, Mitglieder der Waffer- genoffenschast werden- 2. daß daS Unternehmen nach den von Wiesenbaumeister Greb aufgestellten und von der Großh. Eultur- iuspection Gießen geprüften Plänen unter thun- lichster Berücksichtigung der in der Ver. handlungStagfahrt beantragten Abänderungen ausgeführt wird; 3. daß bezüglich der Vertheilung der Meliorationökosten nach Art. 53 und 68 deS Gesetzes vom 30. Juli 1887 (§ 5 der Statuten) verjähren wird. ” Bekanntmachung, tetr.: den Berk hr der Radfahrer auf öffentlichen Wegen, Straßen unb Plätzen. Bon einer Anzahl Radfahrern, namentlich von solchen, die noch in jugendlichem Alter stehen, wird trotz vieler Warnungen und Strafanzeigen in den Straßen der Stadt und deren Umgebung immer noch zu rasch gefahren, und rS wird das rechtzeitige Signalgeben, insbesondere auch an Straßenübergängen und Straßenkreuzungen, verabsäumt. Wir find daher veranlaßt, au« den bestehenden Vorschriften der Poltzetverordnung vom 13. December 1893 noch- Mal» Folgender hervorzuheben: 1 Innerhalb der von den vier Anlage» ve- areuzten Theile der Stadt darf nur mit ausdrücklicher polizeilicher Erlaubuiß ge- fahren werden. Wir bemerken hierbei, daß durch die von uns ertheilten diesbezüglichen Erlaub- uihscheiue dem Radfahrer das Kahren innerhalb der Stadt nur in Ausübung seines Berufes gestattet wird. Da dies häufig außer Acht gelaffen wird, so machen wir die betreffenden Radfahrer darauf auf- merksam, daß fie im UebertretungSfalle, abgesehen von der Bestrafung, auch die Entziehung der Erlaubuist unnachsichtig zu gewärtigen haben. 2 . Innerhalb der Stadt, sowie deren nächster Umgebung darf uur mit mäßiger Fahrgeschwindigkeit, d. h. uur mit der Ge- schwiudigkeit eines langsam trabenden Pserdes, an Stratzen-Weuduugeu und Kreuzungen aber uur mit der Geschwindigkeit eines rasch gehenden Fußgängers gefahren werden. j3 Bei Straßeu-Weudungen und Kreuzungen ist stets rechtzeitig ein Signal abzugebeu. Da gerade au Straßenkreuzungen die meisten Unfälle Vorkommen, so wird vorsichtiges Fahren und rechtzeitiges mehrmaliges Abgebeu des Signals an dieser Stelle aufs Dringendste anempfohleu. 4. Der Radfahrer har außerdem bte von thm ein- geholten und ihm begegnenden Fußgänger, Fuhrwerke, Reiter, Radfahrer, Biehtraus- porte und dergleichen durch laute Signale, und wenn diese unwirksam bleiben, durch Rufen auf seine Annäherung aufmerksam zu machen. 5. Das Umkreisen von Fuhrwerken und ähnliche Bewegungen, welche geeignet find, den Verkehr zu stören und Menschen oder fremdes Eigenthum zu gefährden, — wozu wir insbesondere auch da» Neben auf den Straßen fettens des Fahrens unkundiger Personen rechnen — find verboten. 6. Ist ein Radfahrer mit einem Fuhrwerk u. s. w. zusammengestoßen oder hat er eine Person umgefahren, so hat er sofort anzuhalten, abzusteigen und auf Befragen seinen Namen und Wohnort, sowie die Nummer seines Rades anzugeben. 7. Der Radfahrer ist zur gehörigen Vorsicht in der Leitung seines Fahrzeugs verpflichtet. Es ist daher nicht gestattet, innerhalb der Stadt und deren nächsten Umgebung mit LoSlaffen der Lenkstange oder mit Aufheben der Füße von den Pedalen auf öffentlichen Straßen zu fahren. Letztere Bestimmung ist namentlich auch in den abschüssigen Straßen der Stadt aufs Genaueste zu beobachten. 8. Jeder Radfahrer ist verpflichtet, sofort anzuhalten und abzusteigen, wenn ein polizeilicher Executivbeamter durch Zuruf oder Heben de- rechten ArmS daS Zeichen zum Halten gibt. Im Jnrereffe aller, auf die polizeilichen Vorschriften achtenden Radfahrer liegt eS, die Schutzmannschaft bei ihrem Vorgehen gegen solche Personen, welche die Vorschriften nicht achten, zu unterstützen und diese nöthigensallS den Polizeiorganen namhaft zu machen, damit nicht die Mehrzahl der besonnenen und ruhigen Radfahrer unter den Ausschreitungen der anderen leiden muß. Aber auch an daS Fußgänger-Publikum richten wir die Mahnung, dem Vorbeifahren von Radfahrern keine Schwierigkeiten zu bereiten und beim Urberschreiten der Straßenübergänge besondere Achtsamkeit aus Radfahrer und die von denselben abgegebenen Signale zu richten. Gleichzeitig bemerken wir, daß Diejenigen, welche für die Folge den obigen Vorschriften zuwider handeln, unnachsichtig zur Anzeige gebracht werden und empfindliche Strafen zu gewärtigen haben. Gießen, den 30. August 1897. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. v. Bechtold. Noch einmal die Allianz. Am Dienstag trifft Präfident Faure wieder in Frankreich ein, wo seiner ein besonders herzlicher Empfang wartet. Wie ein aus heißem Kampfe siegreich hervorgegangener Feld- Herr wird er in Paris einziehen, die Minister werden ihn empfangen, die Bevölkerung wird sich überbieten in Hurrah- schreien, an weißgekleideten Jungfrauen wird eS auch nicht fehlen und das Volk wird seiner Begeisterung über die endlich verkündete Allianz Luft machen in den Rufen: „Vive la RuaaieI Vive la France!“ Selbst ernsthafte Politiker werden mit in den Freudentaumel geriffen werden, obgleich sie sich sagen müßten, daß nur die französische Eitelkeit einen Triumph feiert, daß der französischen Nation im Allgemeinen nicht- mit der Verkündigung der Allianz gedient ist. Daß eine Vereinbarung zwischen Frankreich und Rußland bestand, für gewiffe Fälle sich solidarisch zu erklären, wußte alle Welt; dafür hatten ja die Franzosen selbst genügend gesorgt. Und wie weit die gegenseitige Verpflichtung geht, ist auch heute noch nicht bekannt. Mit demselben Rechte hätten wir Deutsche seiner Zeit laut ausjubeln können, als Fürst Bismarck sich veranlaßt sah, einzelne Bestimmungen deS Drei- bundvertrageS zu veröffentlichen; denn wir konnten daraus ersehen, daß wir sür alle Fälle gedeckt waren, wenn von zwei Seiten ein Angriff aus unS erfolgen sollte, waS damals gar nicht so außer dem Bereiche der Möglichkeit lag. Daß eine Verständigung zwischen Frankreich und Rußland erfolgt war. ist vielleicht eine der Ursachen gewesen, aus denen die Gründung deS Dreibunds vorgenommen wurde. Die Kenntniß der jetzt erst publicirten Thatsache liegt also sehr weit zurück. Daß die Franzosen starke Optimisten find, ist bekannt. Obgleich der Zar zu wiederholten malen seine Friedensliebe betont hat, schöpfen fie doch schon Hoffnung, daß sich ihre Revanche-Ideen erfüllen könnten; die vom Zaren gebrauchten Worte „Recht und Billigkeit" legen fie so aus, als wolle derselbe den RechtSzustand von vor 1871 wieder hergestellt wissen und sehe die Einverleibung Elsaß-LothringenS durch Deutschland alS nicht rechtmäßig an. Daraufhin enthufiasmiren nun die Franzosen und vergeffen dabet ganz, daß vor wenigen Wochen der deutsche Kaiser und der Zar Worte auSgetauscht haben, die unS eine Bürgschaft für eine längere Frieden«. Periode find. Im Uebrigen finden die Franzosen Anhänger ihrer Art der Deutung der Zarenworte in England, wo man mit einer gereiften Schadenfreude betont, nun sei eS mit der Vorherrschaft Deutschlands in Europa für immer vorbei und der Zweibund stelle den Dreibund vollständig in den Schatten. Wir möchten uns eher der Ansicht russischer Blätter anschließen, welche ausführen, daß die Spitze der zwischen Frankreich und Rußland geschlossenen Allianz sich hauptsächlich gegen England richte. Die Interessen Rußland» collidiren in keiner Weise mit denjenigen der Dreibundmächte, wohl aber in hohem Grade mit den Interessen Englands. Wir haben schon de» Oesteren ausgeführt, daß die beiden Staaten über kurz oder lang in Ostafien zusammenstoßen müssen, und es kann für Rußland nicht gleichgültig sein, welche Stellung daan Frank- reich einntmmt, vielmehr ist thm dessen directe oder indirecte Unterstützung von großem Werthe. Und Frankreich hat bekanntlich mit England ebensallS noch einen Strauß von wegen Egyptens, vermag aber nicht vorzugehen, ohne de» Einver- nehmen» Rußlands sicher zu sein. Man ersteht darau», daß England viel mehr Ursache hat, die Allianz mit mißtrauischen Augen zu betrachten, al» Deutschland. Wir treiben keine Eroberungspolitik, halten aber sest, waö wir haben, und lassen uns selbst durch „alliirte" Nationen nicht verblüffen unb einschüchtern. Und wenn in diesen Tagen in Paris die Wogen der Begeisterung noch so hoch gehen und mehr oder weniger deutliche Anspielungen gemacht werden, daß ein Tag der Revanche komme, so bleiben wir kühl und denken: „Bange machen eilt nicht." (XX) Deutsche» Reich. Berlin. 28. August. Heute Vormittag 9 Uhr sand vor dem Kaiser in Anwesenheit des König» von Siam und der hier weilenden Fürstlichkeiten und zahlreichen fremd- ländischen Osfiziere und einer glänzenden Suite die diesjährige große Herbstparade statt. Zu derselben find sämmt- liche Truppentheile des Gardecorps befohlen worden. Die in Potsdam und Spandau in Garnison liegenden Gardetruppen haben bereits seit Donnerstag in Berlin und Umgegend Onartier bezogen. Die Parade wurde vom Geueral- lieutenant v. Bock-JSlach commandirt. Berlin. 28. August. Die „Kreuzztg." bespricht heute die Allianz zwischen Rußland und Frankreich und kommt zu dem Schluffe, daß eine Aenderung der politischen Situation dadurch keineswegs geschaffen worden ist. ES habe Rußland jedenfalls daran gelegen, daS Ansehen der Pariser Regierung zu festigen. DaS sei durch die Kundgebung der Allianz entschieden geschehen. Auch Deutschland könne damit einverstanden sein, da die deutsch-französischen Beziehungen unter dem Cabinet Mäline fich entschieden freundlicher gestaltet hätten. Potsdam, 29. August. Der König von Siam begab fich heute Vormittag in einem offenen Vierspänner vom Stadt- schloß nach dem Neuen Palais, um sich von Ihrer Majestät der Kaiserin zu verabschieden. Hierauf begab sich der König, von Sr. Majestät dem Kaiser, Allerhöchstwelcher in demselben Wagen Platz nahm, geleitet nach der Wildparkstatton und trat nach herzlicher Verabschiedung von Sr. Majestät die Reise nach Schwerin an. An-Ur«-. Budapest. 28. August. Unter Vorfitz des Bürgermeister« Markus bildete fich heute ein Eomttü zur Feststellung des Programms für den Empfang Seiner Majestät des Kaiser» Wilhelm. Budapest. 28. August. Am 5. September halten die Socialdemokraten hier drei große Volksversammlungen ab, um gegen die vom Magistrat sür den Empfang Kaiser Wilhelm» bewilligten Kosten zu demonstrtren. Zürich. 28. August. In der heutigen Sitzung ve» internationalen Arbeiterschutz-Con gresse» wurden die Thesen über die Mittel und Wege zur Verwirkl chung de» Arbeiterschutzes angenommen. Dieselben enthalten folgende Sin Anblick znm Erbarmen bot sich den Anwesen« zugeben und einen raschen Friedensschluß herbeizuführen, um alsdann gegen das Treiben der genannten Gesellschaft energisch auftreten zu können. Brussel, 30. August. Iw Trouqill-Flusie ertranken beim Baden vier Touristen,- ihrer Kleidung nach find eS Tyroler. In MonS wurden ihre Leichen geborgen. und Wortmann. Ende September oder Anfang October L IS. findet in Mainz ein Hessischer Handelskammer tag statt, auf defien Tagesordnung u. A. der von der Kammer eS zu thun, sondern mit einem Unglücklichen, nicht zu richten hätten wir, sondern zu beklagen. An diesem Grabe werde eS laut und deutlich verkündet, daß der Mensch nichts ist, wenn Gott die Hand von ihm zieht, wenn ihm die göttliche Sonne verhüllt und tiefer Schatten sich auf den Geist hernieder« senkt, täglich sollen wir zu Gott beten, daß er von uns abwendet ein Geschick, wie dasjenige des Unglücklichen, der nicht mehr Herr seines Willens und seiner Handlungen gewesen. Herr Pfarrer Schlosser gedachte hierauf der unglücklichen, ihrer Familie beraubten Mutter,- wenn wir eine Gnade von Gott zu erflehen hätten, so wäre eS die, auch die unglückliche Gattin und Mutter zu sich nehmen, sei eS aber Gotte- Wille, fie am Leben zu erhalten, so sollten wir Gott an- flehen, daß er ihr dann mit seinem Tröste beiftehen möge. Lange, nachdem die ersten Erdschollen auf die die irdischen Ueberreste der Armen bergenden Särge gefallen, umstanden noch die von den hehren Worten des Pfarrers tief Ergriffenen die Stätte, in der Jene Ruhe gefunden, deren Leben ein hoffentlich in der Geschichte Gießens einzig bleibendes Unglück einen so schrecklichen Abschluß gegeben. P. Die Weihe beS neuerbanten Gemeindehäuser der israelitischen Religionsgemeinde. Gestern Morgen gegen 9 Uhr fand die Einweihung des in der Lonhstraße stehenden neuen HauseS unter Anwesenheit Sr. EhrwÜrden des emeritirten Provinztalrabbiners, Herrn Dr. Levi, des Vorstandes der Gemeinde — Herr Eommerzienrath Heichelheim war ab« wesend — und eines erheblichen ThetleS von Gemindemit« gliedern unter Mitwirkung deS Synagogenchores durch den neuberufenen Geistlichen, Herrn Dr. Sander, statt. Zur Vorgeschichte des Hauses sei bemerkt, daß dasselbe seine Entstehung der hochherzigen Initiative deS Eommerzienrath Heichelheim'schen Ehepaares wesentlich verdankt, das am Tage seiner silbernen Hochzeit unter Anderem einen Fond von 20000 Mk. für diesen Zweck spendete und so die Möglich- kett bot, ohne allzudrückende Belastung deS GemetndesäckelS etn HauS zu erbauen, das zu mehrfachen wichtigen Zwecken benutzt werden kann. Eine Gedenktafel, welche im Betsaal angebracht ist, legt Zeugntß hiervon ab. DaS HauS hat einen ziemlich bedeutenden Umfang und besteht aus dem Parterre, dem Mittelstock und der Mansarde. Zu ebener Erde befinden sich der Bel«, Schul- und Sitzungssaal, im zweiten Stocke Wohnung für den Cantor, und die Mansarde soll dem demnächst zu ernennenden Gemeinde- und Kirchendiener Aufnahme gewähren. Die ganze Einrichtung bekundet Geschick und Geschmack, so daß die größte Gemeinde stolz darauf sein könnte, ein solches Haus zu besitzen. — Ueber den Weiheact bemerken wir da« Folgende: Aus der Hauptsynagoge an der Südanlage wurden zwei prächtig geschmückte Thorarollen unter Intonation eines entsprechenden Chorals hereingetragen und vor den Altar poftirt. Hierauf ergriff Herr Dr. Levi das Wort zur Einleitung der Feier, seiner eine Besprechung Über die event. Über die Lage des Kleinhandels zu veranstaltenden Erhebungen stehen. Zu erstem Punkte erstattet der Vertreter der Kammer das Referat. Zu Delegirten werden der Herr Vorsitzende, sowie Herr Balser gewählt. — Die Kammer hat am 7. dS. Mts. bei König!. Eisenbahn-Direction Frankfurt a. M. einen Antrag auf Her« ftellung einer Unterführung vom Personen« CocwUs rrnd Gießen, den 30. August. ** Sitzung Großh. Handelskammer vom 27. August 1897. Anwesend die Herren: Koch, Scheel, Balser, Kraatz, Kltngspor Forderungen: Einheitliche Jnspection aller industriellen Be« triebe, der Hausindustrie und der Landwirthschaft,- weibliche Jnspectoren für die Frauenarbeit- unbeschränktes Coalitions« recht für alle Arbeiter und Angestellten beiderlei Geschlechts und offizielle Anerkennung ihrer Secretariate und Kammern; die Einführung eines allgemeinen, gleichen, directen und geheimen Stimmrechts für die Wahlen zu den gesetzgebenden Körperschaften,- eine eifrige Propaganda für den Arbeiter« schütz,- die Veranstaltung periodischer internationaler Congresse. — Hierauf wurde der Congreß geschloffen. Rom, 28. August. Der Ministerrath genehmigte den FreundschaftS« und Handelsvertrag mit dem König Menelik. Capitän Ciccodicola wurde zum Minister- residenten beim NegnS ernannt, der Minifterrath stimmte zugleich principiell dem Projecte des NeguS über die Grenz« regulirung zu. Brussel, 28. August. Bezüglich der mehrfach erwähnten Reise des Deutschen Kaisers ist bis jetzt noch keine Bestätigung erfolgt. Von zuständiger Seite wird an der Ansicht festgehalten, daß der Besuch in Ostende oder Spaa statifinden soll. Paris, 28. August- Zu der französisch-russischen Allianz schreibt der „GauloiS": Am 25. August ist im kaiserlichen Palast zu Peterhof zwischen dem Zaren und dem Minister Murawjew einerseits und dem Präsidenten Faure l und Minister Hanotaux andererseits ein Vertrag unterzeichnet worden, der sich im Wesentlichen mit dem unter Carnot abgeschlossenen Vertrage deckt, aber eine neue Bestimmung enthält, welche den Zweck hat, den europäischen Frieden zu bekräftigen. Dieselbe wird aber ihrer Wichtigkeit wegen nicht veröffentlicht werden,- dieser neue Zusatz wurde von dem Zaren, dem Präsidenten Faure, sowie den Ministern I Marawjew und Hanotaux gegenseitig unterzeichnet. Der I „GauloiS" glaubt zu wiffen, daß in einzelnen Fällen Ruß- I lanb und Frankreich die Waffen gleichzeitig ergreifen werden, I um Recht und Billigkeit zu schützen. DaS Bündniß sei bis« her ein defensives gewesen, vom 25. August dsS. IS. an sei I rS ein offensives. Paris, 28. August. Meldung der „Agence HavaS". I Die Mächte haben den Vorschlag Lord Salisburys abgelehnt, I uach welchem Rußland, Frankreich und England die An- I leihe garantiren sollten, welche Griechenland zur Zahlung I der Kriegsentschädigung aufnehmen muß. Die Mächte find I der Ansicht, daß ihre eiomüthige Uebereinstimmung aufrecht- I erhalten werden muß. Loudon, 28. August. AnS Simla wird gemeldet, daß I der Telegraph längs der Bolan«Paß «Eisenbahn an I mehreren Stellen durchschnitten worden ist, waS in I Quetta lebhafte Beunruhigung erregt. Warschau. 28. August. Das Zarenpaar trifft am I 31. ds». MtS. hier ein und verbleibt bis zum 4. September I hterselbst. Konstantinopel, 28. August. Der Ministerrath beschloß, eine Note an die Großmächte abzusenden bezüglich der Ber« I zvgernng des Friedensabschlusses. beantragte Gegenstand: „Gewährung von 25 Kgr. Freigepäck auf Fahrscheinhefte im inländischen Verkehr", sowie bahnhofe der Main-Weser-Bahnhof zum neuen Güterbahnhof resp. der Biberthalbahn gestellt. Dieser Antrag ist von genannter Direction abgelehnt worden. Die Kammer ist der Ansicht, daß diese Verkehrserleichterung nicht zu entbehren sei und wird darum ferner für die Verwirklichung derselben in geeigneter Weise eintreten. — Zum Vertreter bezw. Stellvertreter im Bezirks-Eisenbahn- rath in Frankfurt a. M. werden die Herren Koch und Heichelheim für die nächsten drei Jahre gewählt. — Am 1. October l. Jahres findet die Eröffnung der Neubahnftrecken Friedberg—Beienheim—Hungen und Beienheim- Nidda statt. Das Nähere über die Güterabfertigung rc. ist auf der Kammer zu erfahren. — Die von der Stadt Barletta für den Mai d. Js. zugesagte Wiederaufnahme der Ausloosung von Antheilscheinen lhrer Loosanleihe vom Jahr 1870 ist unterblieben und eS erscheint die Erfüllung der von der Stadt Barletta Übernommenen Verpflichtungen vorläufig in Frage gestellt, zumal die über die Neuordnung deS AnleihedicnsteS eingeleiteten Verhandlungen ins Stocken gerathen find. — Der Kammer ist ferner ein Bericht über die Maschtneneinfuhr nach Indien und eine Mittheilung über zweifelhafte Firmen in den Niederlanden zugegangen- Jnteressenten können im Geschäftszimmer der Kammer hiervon Kenntniß nehmen. ** Gewerbe-Gericht. Im Monat August kamen drei Fälle zur Entscheidung unter Zuziehung von Betfitzern. Kellner H. wurde von Gastwirth P. zur Probe auf „sofort" engagirt. Nach Verlauf von D/4 Stunde will H. seine Stelle antreten, die aber von P. inzwischen anderweitig besetzt wurde. H. klagt bin Betrag von 10 Mk. 80 Psg. au« § 124b ein. Beklagter wird zur Zahlung verurtheilt. DaS Gericht nimmt an, daß Beklagter dem Kläger unbedingt Gelegenheit geben mußte, die Stelle anzutreten. Der ArbeitSoertrag konnte dann von einem der beiden Theile am nächsten Tage schon gelöst werden. — Maurermeister L. klagt gegen den Arbeiter D. auf Forderung au« § 124b wegen rechtswidrigem Verlassen der Arbeit. Dem D. wurde von Seiten des Klägers während des Arbeitsverhältnisses ein Vorwurf gemacht, der allerdings nicht berechtigt war. Das Gericht stellt fest, daß dieser Vorwurf nicht unter § 1242 der Gewerbeordnung falle und den Arbeiter nicht berechtige zum sofortigen Ber- lassen der Arbeit, derselbe demgemäß zur Zahlung von 10 Mk. 80 Pfg. und 1 Mk. Kosten zu verurtheilen sei. — Derselbe Kläger klagt gegen den jüngeren Bruder deS D. aus gleichen Gründen. Durch die Verhandlung ergiebt sich, daß Kläger mit Thätlichkeiten gegen D. voiging. Auf Grund fce8 § 1242 war Beklagter berechtigt, die Arbeit sofort zu verlassen, und wird Kläger L. mit seiner Klage abgewiesen. D. erhält seinen rückständigen Lohn und Entschädigung für entstandene Zeitversäumniß. Depesche» deS Bureau „Herold.' Berlin, 29. August. StaatSsecretär Frhr. v. M a rsch all hat Berlin bereits wieder verlassen und fich zunächst nach Frankfurt a. M. begeben. Berlin, 29. August. Wie dem „Local-Anzeiger" aus Kiel telegraphirt wird, verlautet in Marinekreifen, daß Fürst Bismarck die Ehrung des Kaisers, der den neuen erstklassigen Kreuzer „Ersatz Leipzig" auf den Namen „Fürst Bismarck" taufen lassen will, angenommen hat. Der Stapel« lauf deS Schiffes findet am 15. September statt. Augenblicklich werden Vorbereitungen getroffen, daß der Hofzug des Kaiser«, der dem Stapellauf beiwohnen wird, direct in die Kaiserwerft einläuft. Ob Fürst Bismarck dem Taufact bet- wohnen wird, hängt von seinem Gesundheitszustand ab. Berlin, 29. August. Nach einem Telegramm der „Magd. Ztg." aus Kiel steht es jetzt fest, daß der Kaiser Ostern nächsten Jahres eine Reise nach Jerusalem unternehmen wird. DaS Commando der „Hohenzollern" ist von dieser Absicht des Kaisers unterrichtet worden. Der Kreuzer „Gefion" wird die Kaiseryacht begleiten. Die Dauer der Reise soll zwei Monate betragen. (5,., derlin, 29. August. Im Weißen Saale de« Königlichen Schlosse« fand gestern Nachmittag Paradetafel und Abends 0m4ct1 ^pernhause The&tre pare statt. Au beiden festlichen Veranstaltungen nahm der König von Siam Theil. h®icn' 291 August. Da« Bad Burgstall bei Büren L0CklOa t 9C Feuersbrunst zum größten Theil eingeaschert worden. «.fnnh’.n".0?'« * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * 29(‘ 3" elt,Ct S-st-'N Abknd statt- gefuad-atn Versammlung der strtkeuden Maurer wurde einstimmig beschlossen, den Strike mit allen Kräften würden I?" bet Auszahlung der Wocheulöhne .wurden in allen Fabriken und Arbeitsstätten umsangreiche Sammlungen für die Strikenden veranstaltet. 29_August. Osficiö« wird entgegen der „GauloiS- Meldung versichert, daß am 25. August in Petersburg ein unein0ef$ranfter Offenfib» und Defenstv-Vert^rag unterzeichnet worden ist. 8 Wlb Saure wird am DI-n«t-g 1 Umln ®^ntll*en und an demselben Tage Abend, 6 Uh? in Pari, eintreffen. Für den Empfang werden grostartiae Vorbereitungen getroffen. D-. P-äfid-n? wird am Bahnhos- von den Min st-rn und anderen hohen Würdenträgern -m. pfangen und im Zuge nach dem Elysee geleitet werden Aus dem ganzen Wege dorthin wird Infanterie Spalier bilden An die Armee sollen am Dienstag Seitens de- Gemeinde! raths 100 000 Franc« vertheilt werden. Athen, 29. August. Die Regierung ist infolge neuerlicher bedenklicher Agitation der „Etnike Hetairia" fest entschlossen, den Widerstand gegen die internationale Finanzcontrole auf« •• Gewerbe-Gericht. Für den Monat September siod als Beisitzer des Gewerbegerichts für die Arbeitgeber Uhrmacher Otto Schmidt, für die Arbeitnehmer Drechsler Bock bestellt. •* Zustizperfoualieu. Herr GerichtSasseffor Pfeiffer ist vom 3. September ab mit den Geschäften des Amts- _ anwaltS beim Amtsgericht Gießen betraut. Paris, 30. August. Der Kriegeminister sowie der *• DaS entsetzliche Saintliendrama, welches am Donnerstag Martneminifter befahlen, telegraphisch allen Commandeuren früh mit Windeseile der Stadt kund wurde, hat gestern Noch zu übermitteln, daß anläßlich der Rückkehr deS Präsidenten mittag auf dem hiesigen Friedhöfe durch Beerdigung der aus Rußland sämmtliche Militärgebäude geflaggt unglücklichen Opfer der Katastrophe zum Theil seinen Ab- und illumintrt und den Soldaten SonntagSurlaub gegeben schluß gefunden, zum Theil, denn immer noch ringt die werden soll. I unglückiche Gattin und Mutter mit dem Tode, obgleich An- Pari», 30. August. Offiz'öS wird versichert, daß am zeichen dafür vorhanden, daß fie die Ihrigen überleben wird. | 25. August der uneingeschränkte Offensiv- und Defensiv- Einer förmlichen Völkerwanderung glich der Zug der Ein- Vertrag unterzeichnet worden sei. Obwohl die Decora- wohnerschaft nach dem hiesigen Friedhose, still fügten fich die ttonen in den Straßen langsam fortschreiten, glaubt man Erschienenen den besonderen polizeilichen Anordnungen, die doch, daß das morgen stattfindende Allianz-Fest die AuS« | angesichts eines solchen Menschenandranges unvermeidlich dehnung de« Nationalfestes erreichen wird. Die Kaufleute waren und doch Jedem ermöglichten, die mächtigen Eindrücke, beschlossen, ihre Läden zu schließen. die eine solche Trauerfeier auf daS Gemüth de« Menschen Marseille, 30. August. In einer gestern hier abgehal« auSüben muß, mit hinweg von der Stätte des Friedens zu tenen Volksversammlung wurden von den socialistischen nehmen. “ ---- " ~ Abgeordneten und Municipalräthen heftige Reden gegen die den, als die durch Heranziehung fremder Kräfte auf 16 Mann Regierung wegen der Brodtheuerung gehalten. erhöhte Schaar der FriedhofSarbeiter, je vier einen Sarg Madrid, 30. August. Marschall Martinez Campos er« tragend, aus der Leichenhalle traten, hierbei schon blieb kein feilte der Köntgin-Regentin in einer langen Unterredung Auge trocken. Langsam bewegte fich der Zug zwischen dem über die cubanische Frage den Rath, General Weyler ab« spalierbildenden Publikum, auS dem man öfter Schluchzen zuberufen. — Die Villa Miramar, der Aufenthalt der vernahm, nach dem neuen Theile des Friedhofes, an dessen königlichen Familie bei San Sebastian ist streng abge« diesen von dem alten trennender Mauer ein Familiengrab sperrt und wird von zahlreichen DetectivS bewacht. In hergerichtet war. Als die Särge, der des Vaters in der Mitte, Nord-Spanien find die Behörden angewiesen, ihr besonderes zur Rechten die beiden Knaben, zur Linken der deS Mädchen«, Augenmerk auf die Agitation der Karliften zu richten. in da« Grab versenkt, trat Herr Pfarrer Schlosser beton, —— um seine« Amtes zu walten. Seine Verfichemng, daß ihm WB. Elberfeld, 20. August. Der von Steeb kommende von den vielen schweren Gängen, die er nach dem Friedhöfe Personenzug 819 stieß Nachts 12»/4 Uhr in der Station gemacht, keiner so schwer gefallen, al« der heutige, fand Be« Vohwinkel auf den in derselben Richtung ausfahrenden stätigung durch die nicht zu verbergende tiefe Bewegung in Perfonenzug 822. Zwei Reisende find tobt, zwölf schwer, seinem Inneren. Seine auf Grund des 39. Psalmen ge« zwei leicht verletzt. Die Locomotive, ein Packwagen und haltene Rede machte auf die Zuhörer einen erschütternden Ein fünf Personenwagen find erheblich beschädigt. Die Ursache druck und war geeignet, Manches, wa« in den letzten Tagen des Zusammenstöße« ist noch unbekannt. | über das traurige Ereigniß gesprochen, in anderem, milderem Lichte erscheinen zu lassen. Es habe sich wohl Mancher ge« wundert, daß er, ber Pfarrer, heute an dem Grabe eine« Mannes stehe, der seinen neben ihm liegenden Kindern selbst ein so kurze« Lebensziel gesetzt, er habe eS aber gethan, denn er habe die Ueberzeugung, daß der Unglücklichste von Allen gerade der Vater gewesen,- seit langer Zeit habe er gerungen mit den finsteren Gewalten, die ihn bedroht, je mehr er fich gewehrt, desto ohnmächtiger sei er gewesen. DaS Unheim« ltche an dem Character dieser Krankheit sei, daß sie den Menschen dahin treibe, wo der Wille dem Drange weichen müsse, der Unglückliche sei nicht mehr Herr seines Willens gewesen. Der Herr Pfarrer gab flehentlich der Mahnung Ausdruck, daß doch mehr geschwiegen werden möge, daß nicht mehr so viel Liebloses über den Unglücklichen gesprochen werden möge, rote seither, eS sei unchristlich und unmenschlich, sowohl dem Heimgegangenen wie den so schwer geprüften Hinterbliebenen gegenüber so zu sprechen, nicht mit einem Verbrecher habe man *4*5*!*« w Drechsler *> s'fis W Itltitn Lb. > ringt bi, obgleich An, tin fff? btI ®"' Ü0 n w blt iJS«, die *l8««ubri|le, üt tte ??$*« i« ,7 bl» Bwfa. * «"116 Wann ' einen Zar» blieb fein o“ß jivischen dem \ 8h« Schluch»» riAJ’M/ an btficn J Familiengrab in der ©litte, ber dei Mädchens. Schlosser heran, rßcherllng, baß ihm "och dem Friedhose r heutige, fand Be> tiefe Bewegung in ! 39. Psalmen ge- elschütteruden Ein> den letzten Tagen anderem, müderem tvvhl Mancher ge« dem Grabe einer mben Kindern selbst 5 aber gethan, denn Mchste von Allen it habe er gerungen aht, je mehr er sich ien. DaS Unheim« t fei, dah sie den :m Drange weichen err seines Willens plich der Mahnung en mögt, daß nicht gesprochen werden menschlich, sowohl ttn^lttlexbUtbtntn erbrechet habe man en, nicht zn richten em Grabe werde eS >sch nicht» ist, wenn bte göttliche Sonne !ll Geist hernieder. ;aß er von uns ab- !glürklichen, der nicht andlungen gewesen, if der nnglütklichen, itr eine Gnade von auch die unglüd' sei et aber Gottes :tn wir Gott an- It MM» * (j btt bic irtW» .dato, »e»Mb,n , toto to« °'° leMiH1 ‘B * l'l1“9 J* „jtft.it»«»«»" tbttt M ®'r llrt‘ b-b Sotftonl'* 1 iticheihelw w« °° r» ®*b"?; "6 J S Lf-IK f*S i*» «ä • fTÄ* . e,&l ** 5’•**/*? tH'®,".ti ft pri*1*®1 jjitiB IB der ' Freude darüber Ausdruck verleihend, daß es ihm und allen Anwesenden vergönnt sei, diesen Tag zu erleben, woran fich zwei Weihesprüche würdig anschlossen. Seiner Betrachtung legte er daS Wort eines alten Talmudlehrers unter: „Auf drei Dingen beruht das Wohl der sittlichen Weltordnung: auf dem Gottes wort, dem Gottesdienste und der werk- thätigen Menschenliebe". Nachdem dann die Thorarollen in da- Allerheiligste eingestellt worden waren, folgt die eigent« liche Weihepredigt. Der derzeitig amtirende Rabbiner, Herr Dr. Sander, griff zum vorhin erwähnten Texte zurück und legte in geistvoller und gewandter Form die Bestimmung deS Hauses zum Gotte-wort, Gottesdienst und ächter Menschenliebe dar. Mächte da« Hau- in diesem Sinne werden ein Bethau-, ein Schulhaus und ein HauS deS WohlthunS! — Wir schließen uns diesen Ausführungen von ganzem Herzen an, sind aber auch nach dem Gehörten der festen Ueberzeugung, daß die israelitische Religionsgemeinde Gießen in dem neuen Geistlichen den rechten Mann zur Vertretung ihrer religiösen Interessen gefunden, der eS auch in oratorischer Hinsicht werth ist, ein würdiger Nachfolger seine- geschätzten Vorgängers genannt zu werden. * • Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiseriu trafen heute Morgen 6Vt Uhr mittelst SonderzugeS von Potsdam hier ein und setzten nach kurzem, durch den Maschinenwechsel bedingten Aufenthalt die Reise nach Coblenz fort. Ein Empfang fand nicht statt, das Frühstück wurde im Salonwagen eingenommen, trotzdem das Fürstenzimmer durch Herrn Möbelfabrtkant Brück geschmackvoll in Stand gesetzt worden war. Zur theilweisen Neueinrichtung deffelben hatte Herr Brück eine Seidengaruitur, einen Divan, zwei Katserseffel und sonstige Stühle, sowie Decken, für daS Toilettezimmer zwei Marmor-Waschschränke geliefert. • * Gesinde Ordnung Wir machen die Jutereffenteu auf die Bekanntmachung Großh. Polizetamts Gießen, in der vorigen wie heutigen Nummer des „Anzeiger" enthalten, aufmerksam mit dem Htnzufügen, daß die darin enthaltenen Bestimmungen besonders wichtig für die Dienstherrschaften find. ♦* Theater. Die hier bestbekannten, in kommender Saison das htefige Theater wieder übernehmenden Herren Theaterdirectoren Kruse-Helm ernten laut uns vorliegenden Zeitungsberichten Lob und Anerkennung. So im Juli im Sommertheater „Tivoli" zu Merseburg und gegenwärtig im Stadttheater zu Eisenach. Wenn die Herren Kruse-Helm bemüht sein werden, ein tüchtiges, berechtigten künstlerischen Forderungen entsprechendes Personal zu gewinnen, so wird auch der Spielplan einer zufriedenstellenden Ausführung ficher sein und damit auch die Gunst des hiesigen Theaterpublikums erworben werden. • • Sine focialdemokratifche Laude-conferenz tagte gestern in unserer Stadt. Vertreten waren 62 Orte des Groß- herzogthumS Heffen durch 66 Delegirte. Den Geschäftsbericht deS Landeöcomit^s erstattete Herr Ulrich-Offenbach, die Rechnungsablage Herr Orb-Offenbach. Aus den Berichten der Provinzialdelegirten ging hervor, daß die Entfaltung einer regen Agitation sehr nöthig, ebenso manches an der Gesammtorgauisation verbesserungsbedürftig fet; eS gilt dies besonders in Bezug auf die der Einheitlichkeit entbehrende Erhebung der Beiträge zur Parteikaffe, wozu Herr Dr. David - Mainz detailltrte Vorschläge machte. Zu den weiter erstatteten Berichten der hessischen Landtagsfraction durch Herrn Dr. David, über die bevorstehende RetchS- tagSwahl durch Herrn HaaS- Mainz und den am 3. October in Hamburg ftatifindenden Parteitag durch Herrn Müller- Offenbach wurden Resolutionen gefaßt, die eineStheilS allen Partetangehörigen eine rege Agitation für die kommenden Wahlen zur Pflicht machen, anderntheils fich dagegen aus- sprechen, daß den preußischen Genoffen durch Beschluß des Kölner Parteitags die Ntchtbetheiligung an der Landtagswahl in Preußen empfohlen wurde. Die Verhandlungen dauerten mit Ausschluß einer einstündigen Mittagspause fünf Stunden. • * Verhütete» Unglück. Im Hinterhaus an der Alker- scheu Hofraithe an der Südanlage, in der Mansarde, nahm die Nachbarschaft am Samstag Mittag auffälligen Rauch wahr. Man machte schleunigst die Bewohner deö Hauses darauf aufmerksam, welche durch ihr eiliges Dazwischen- kommen ein gräßliches Unglück verhüteten. In der Wohnung de- erblindeten Fräulein Zlnßer waren an der Thür hängende Kleider in Brand gerathen, und trotzdem die Retter vor Qualm kaum selbst den Raum betreten konnten, hatte die Blinde von der Gefahr, in der fie schwebte, nichts ge- merkt. Da- Feuer wurde, nachdem man die Bewohnerin aus der Wohnung entfernt hatte, schnell gelöscht, aber noch eine Stunde später frug Fräulein Zinßer immer noch, wo denn eigentlich baß Feuer gewesen wäre. * • Für Fischliebhaber. Ein Delphin, der da- ansehnliche Gewicht von 100 Pfund hat, ist im Erker deS Herrn I. M. Schulhof, Marktstraße, zur Schau ausgestellt. • • Turnerisches. 15,696 Turnerinnen zahlt nach der jüngsten Statistik die deutsche Turnerschast in ihren Reihen. Die körpergcwandten Frauen vertheileu fich auf 454 Abteilungen. JnSgrsammt hat die deutsche Turnerschast 578,103 Mitglieder über 14 Jahre. • • Der „Deutsche Radfahrer-Bund" läßt fich berichten, daß vom 1. Januar n. I. ab die Radfahrer-Polizeinummern im Frankfurter Bezirk, die jetzt das dreizehnte Tausende überschritten haben, wieder eingezogen und auch neue nicht mehr auSgegeben werden sollen, weil eß nachgerade unmöglich für die SicherheitSorgane wird, im Vorbei- fahren eine fünfstellige Zahl genau zu lesen, und die Nummer also ihren Hauptzweck verfehlt. ** Wetterbericht. Der hohe Druck gewinnt über Centraleuropa mehr an Raum und bleibt damit die über den bri- tischen Inseln gelegene Depression auf den Nordweften beß ErdtheilS beschränkt. Die Luftdruckoertheilung ist aber auch heute noch unregelmäßig und treten innerhalb des Maximalgebieteß, welches drei allerdings schwache Kerne über dem bottnischen Busen, Bayern und Böhmen und endlich dem tyrrhenischen Meere aufweist, noch immer verschiedene Theil- minima auf. Dieselben beeinfluffen allenthalben die Witterung und erhalten die bestehende Gewitterneigung. — Voraussichtliche Witterung: Im Allgemeinen zwar heiter und warm, doch fortdauernd Neigung zu Gewittern. Butzbach, 28. August. Heute Mittag 1 Uhr pasfirte, vom Manöverfelde bei Lich kommend, Seine König!. Hoheit der Großherzog mit seinem russischen Fünfergespann unsere Stadt. In der Begleitung des Großherzogß befanden fich der commandirende General Excellenz v. Wittich, der DivifionS - Cowmandeur der hessischen Division Excellenz v. Müller, sowie der Commandeur der 49. Infanterie- Brigade, Generalmajor v. Fransecky, welche mit Seiner Königlichen Hoheit nach Friedberg fuhren, um zur Großh. Tafel zugezogen zu werden. Friedberg, 28. August. Der Großherzog und die Großherzogin nebst der Prinzessin Elisabeth find gestern Nachmittag um Vs6 Uhr hier eingetroffen. Den hohen Gästen wurde ein festlicher Empfang bereitet. Fast alle Häuser von der Bahn bis zum Schloß sind schön geschmückt. Am Rathhaus wurden die hohen Herrschaften durch den Gemeinderath und eine Anzahl weiß gekleideter Jungfrauen begrüßt. Brigeordueter Hieronirnus hielt eine Ansprache, die Fräulein Seyd und Braden überreichten Blumensträuße. Der Weg vom Rathhause zur Burg war durch venetianische Masten geschmückt, zu beiden Seiten bildeten Schulkinder von hier und der Nachbarschaft Spalier. Am Abend wurde dem Großherzoglichen Paare ein Fackelzug mit Serenade gebracht, woran fich die Feuerwehr, der Kriegerverein und die vereinigten hiefigen Männergesang, vereine betheiligten. -r Bergheim, 25. August. Gestern Abend wurden zwei Eheleute von hier uneinig, der 22 jährige Sohn ergriff die Partei der Mutter. Der Vater war darüber so erbost, daß er das Meffer zog und dem Sohn in die Brust stieß. Derselbe liegt sehr schwer darnieder und wird an seinem Aufkommen gezweifelt. Darmstadt, 24. August. Der „Kölnischen Ztg." wird folgende merkwürdige Geschichte mitgetheilt die sich m dem benachbarten Weit erstadt urgetragen haben soll: Danach ertheilte kürzlich btt Lehrer Z in lern seschloffenen Schulhofe Turnunterricht. Ein Genödarm aus Darmstadt beobachtete von einer angrenzenden Hofraithe aus den Iktm richt ungefähr eine halbe Stunde lang, plötzlich febrnt rr durch daS Schulhaus in den Schulhof, trat zu dem Lehrer und sagte wörtlich: „Zeigen Sie mir Ihre Instruction." Der Lehrer fragte höchlichst erstaunt: „Von w'lcher Instruction reden Sie?" „Sie wüffen eine Instruction über den Turnunterricht haben," gab der Gesetzeswächter zur Antwort. Nachdem fich der Lehrer von seinem Erstaunen erholt hatte, gab er dem Gensdarmen einen abweisenden Bescheid, woraus der GenSdarm mit erhobener Stimme er- widerte: „Ich komme im Namen beß Gesetzes und befinde mich im Dienste- ich habe beobachtet, daß Sie während einer halben Stunde die Knaben nicht rühren ließen, während solches beim Militär alle fünf Minuten zu geschehen hat." Da der Lehrer die peinliche Unterhandlung nicht in Gegenwart der Schüler fortsetzen wollte, verließ er den Hof und ging ins Schulhaus. Einem anderen Lehrer gegenüber betonte der GenSdarm, daß er auf „jede Ungehörigkeit zu achten habe". Der obersten Schulbehörde in Darmstadt ist der ganze Vorfall mügetheilt worden. □ Darmstadt, 27. August. Wie man hört, find die Bäckermeister deßhalb noch nicht mit einem Preis auf- schlag deSBrodS hervorgetreten, weil eines der JnnungS- mitglieder „nicht mitthut". (Ob es sich noch „beffert", bleibt ab» zuwarten.) — Die Arbeiten an der elektrischen Straßen- bahn werden so eifrig betrieben, daß eine Inbetriebnahme am 1. Octobtr ober doch bald nachher zu erwarten ist. Mit der Aufstellung deö GestängS wurde begonnen. V Alzey, 27. August. Was selbst in einer kleineren Stadt Liebe und Eifer zur Sache zu leisten vermögen, das hat der Manner- und Damengesangverein in Alzey in seiner Sommerthätigkeu bewiesen. Zu Anfang deS Sommers führte der Verein das Hahbn'sche Oratorium „Die Jahreszeiten" auf, zu dem allerdings baß Orchester durch Mainzer BerufSmusifer gebildet werden mußte. Aber die Aufführung selbst verdiente nach dem competenten Unheil beß Herrn MusifdirectorS Fritz Vollbach zu Mainz, welcher der wiederholten Aufführung beiwohnte, auch von künstlerischem Standpunkte alles Lob, sodaß der Verein und sein Leiter Herr Mufikdirector Karl Keil, der ja auch weiteren Kreisen Gießens wohl bekannt ist, auf diese Leistung mit hoher Be- sriedigung zurückblicken dursten. Geradezu Erstaunliche- leistete der Verein jedoch letzte Woche durch die Aufführung der Lortzing'schen komischen Oper: „Der Waffenschmied", welche Herr Keil mit Dilettanten auß Alzey eingeübt hatte. Nur die Rolle der „Marie" mußte infolge Verhinderung der Alzeyer Sopranistin durch Frl. Rosel Lindemann auß Darm» stabt besetzt werden, wodurch Alzey Gelegenheit geboten wurde, baß feine Spiel, sowie die wohlgeschulte, klangvolle Stimme dieser jungen Künstlerin bewundern zu können. Reiche Blumenspenden lohnten bei der Wiederholung der Oper allen Mitwirkenden für ihr treffliches Spiel und ihre aufopfernde Mühe, der allein ein so ausgezeichneter Erfolg möglich war. Wir hatten Gelegenheit, baß Unheil mehrerer Kunstverständigen von AußwärtS zu hören, die durch die Aufführung dieser Oper auf großen Bühnen verwöhnt find, das übereinstimmend dahin lautete: sie hätten nicht erwartet, solche vollkommene Leistungen innerhalb eines Vereins einer kleineren Stadt zu hören. Mögen diese Erfolge für den Verein und seinen Leiter ein Sporn auch für die Zukunft fein. * Frankfurt a M., 28. August. Eduard Strauß kommt auch in diesem Jahre nach Frankfurt, um mit seiner vorzüglichen Capelle hier zwei Concerte zu geben. Die Direction beß Zoologischen Gartens konnte ihn wegen beß Umbaus beß großen Saales diesmal nicht bet sich unterbringen und muß deshalb mit ihm in den Saalbau gehen, wo am Abend beß 3. und 4. September von 8 Uhr an bte Concerte stattfinden werden. Es find dafür Logen-, Saal und Gallerieplätze zu haben und während der Concerte findet, wie Üblich, R stauration statt.__________________ Sehrftsnachvichte«. Der Postdarnpser „Rooidland" der „Red Star Lwe" In ArU- werpen ist laut Telegramm am 25. August wohlbehalten tn New-Amt «ngekommen._____ ______ Sptklplss der seretrißtri Frntzrrirr StÄtthrstn. Cftraban#. Dienstag den 31. August: Nachtlaaer von Granada. Coppelia (2. Act). Millwow den 1. September: Die schöne Heleea. Hieraus: Phantasien im Bremer Rathskeller. SDcm-e yiag dm 2 S-ptember: Aida. Freitag den 3. September: ßobenprtn. Samstag den 4. September: Hänsel und Gretel. Hi.,-.us: Phantasien im Bremer Rathskeller. Sonntag bti 5 September: Die Königin von ©ab«. Montag den 6. S plcmb.r: Der Vogelhändler. SchauspteLdarrs. Dienstag den 31. August: Renaissance. Mittwoch den 1 S ptrmber: D