Nr. 253 Zweites Blatt. Tonn-rsiag de« 28. Octoder 1837 Dtr Okteuer erscheint täglich, »it Au-nahme bei Montags. Die Gießener A««1tie-5täi1 beten, zu diesem Zweck eine Umfrage zu halten. Nach den auf diese Umfrage bisher eingegangenen Berichten haben sich für den Antrag folgende landwtrthschaftliche Central' Vertretungen ausgesprochen: Bayerischer LandwirthschaftS- rath, Württembergische Eentralstelle für die Landwirthschaft, LaudeSculturrath für das Königreich Sachsen, Landwtrth- schaftlicher Verein für Rheinpreußen, LandwirthSschaftSkammer für Posen, Pommersche ökonomische Gesellschaft, Landwtrth- schaftlicher Centralverein für Anhalt, Laudwirthschaftlicher Centralverein deS HerzogthumS Braunschweig und Central« aaSschuh der landwirthschaftlichen Vereine im Herzogthum Sachsen-Altenburg. Gegen den Antrag haben fich bis jetzt erklärt: Ostpreußischer landwirthschastlicher Centralverein und Baltischer Centralverein zur Besörderung der Landwirthschaft (Greifswald). Bon einer Tariferhöhung für Mehl gegenüber Getreide wird vor Allem eine beffere Lage der mittleren und kleinen Mühlen erwartet. total«» «mb provinziell«» Stehen, 27. October 1897. *• Errichtung von GeuosteufchastSmolkeretea. In der am 3. September abgehaltenen Generalversammlung beschäftigte fich der landwirthschaftltche BezirkSvereto Gießen u. A. auch mit der Errichtung einer GenoffenschaftSmolkerei tn Gießen. Zunächst hielt Herr LandwirthschaftSlehrer Dr. v. Peter -Friedberg einen diesbezüglichen Vortrag. Er führte u. A. aus, daß der Landwtrth heutzutage sein Augenmerk mehr wie je auf die Milchwirthschaft richten müsse. Dies setze voraus die Haltung nur guten Viehes, das feine Milch- ergtebigkeit auch zu vererben geeignet fei. Der Landwtrth müsse fein Vieh ständig beobachten, beim Melken die zur Beurthetlung der Menge nöthigen Versuche anftellen, deu Fettgehalt der Milch controliren. Unsere veränderten Ver- kehrSeiorichtungeu lassen die alte Methode der Milchverwerthung tu den kleinbäuerlichen Betrieben durch Verbutterung als nicht rationell und gewinnbringend bezeichnen, das als „Bauernbutter" von ihnen gelieferte Product hat keineswegs mehr die frühere Beliebtheit, denn die durch Aufrahmen in Töpfen bei höchstens ein bis zweimaligem Buttern pro Woche gewonnene Butter ist infolge der von einander verschiedenen Reifegrade bei Rahmes, dessen Behandlung in Bezug auf Aufbewahrungsort und Reinlichkeit viel zu wünschen übrig läßt, ein Product, da» nirgends gut bezahlt wird, während für Molkereibutter hohe Preise erzielt werden. Gute Butter läßt fich nur in Großbetrieben, zu denen GenossenschaftS- molkereten gerechnet werden, Herstellen, die kleinen Landwirthe fahren danach besser, wenn fie die Milch an solche Genossen- schaftSmolkereien abliefern, fie wird ihnen nach Fettgehalt bezahlt, außerdem wird ihnen die für ihre Wirthschaft werth- volle Magermilch zurückgegeben. Auch der Milchverkauf muß dem Zwischenhandel entzogen und wieder 'ta die Hände der Landwirthschaft bezw. der Genossenschaften gegeben werden - eS ist auf diese Weise nicht schwer, ganze Städte mit Milch zu versorgen. Vtelversprecheode Anfänge tn dieser Hinsicht find bereits in Frankfurt gemacht worden; durch Hineinziehen kapitalkräftiger Kaufleute und Techniker lassen fich große Unternehmungen iuS Leben rufen. Die Versendung der Milch auf weite Entfernung und deren Süßerhaltuug, die Herstellung einer guten Ktndermilch durch Sterilifirung (Trocken- fütterung erfüllt allein nicht die an Kindermtlch zu stellenden Anforderungen) ist nur tn Großbetrieben möglich. Was die Kosten betrifft, so dürften dteselbeu fich bei zweckmäßiger Organisation des MtlchsamweluS in den Ortschaften auf etwa 1 Pfg- Pro Liter belaufen, bet Selbstverwerthuvg tn der bisherigen Weife stellen fich die Kosten wesentlich höher. Die Versammlung sprach fich im Priucip sür Errichtung einer GenoffenschaftSmolkerei in Gießen und für genoffenschaftlicheu Milchverkauf auS und wurde, nachdem Molkeretbesttzer Lahr fich bereit erklärt, sein Geschäft an die Genoffenschaft abzu- treten, beschlossen, nach vorheriger Verhandlung mit demselben eine weitere Versammlung demnächst abzuhalten, tn welcher auf Grund eines von Herrn Dr. v. Peter zu erstattenden Bericht! über die weiteren Schritte berathen werden soll. Srüuberg, 26. October. Am Sonntag Morgen zwischen 7 und 8 Uhr wurden wir durch Feuerlärm erschrickt. ES war au dem Hinteren Theil am Dachstock des Wohngebäude! der Stetnmühle (Molkerei) Feuer auSgebrochen, das von einem von Wetterfeld kommenden Manne glücklicherweise noch rechtzeitig genug entdeckt wurde, um im Entstehen gedämpft werden zu können. Oueckborn, 24. October. Eine Anzahl von Stadtverordneten der Stadt Gießen weilten gestern hier, um unter Führung des Herrn Oberbürgermeisters eine Besichtigung des hiesigen Wasserwerks vorzunehmen. An die Jnspectiou schloß sich ein gemeinschaftliche! Mittagessen im „Hirsch" zu Grünberg, worauf dann Nachmittag! die Rückfahrt uach Gießen angetreten wurde. Laubach, 25. October. In den letzten Wochen weilte al! Gast des Gräflichen Hause» Ihre Durchlaucht die Fürstin Wied, Tante des hiesigen Grafen Friedrich und eine geborene Prinzessin von Nassau (Schwester de! letzten Herzog! Adolf von Nassau, jetzt Großherzog von Luxemburg) in unserer Stadt. Gleich ihrer Tochter, der Königin von Rumänien (in der Literatur al! „Sannen Shlva" wohlbekannt) hat die hohe Frau ein große! Interesse für Kunst und Wissenschaft, was fie hier dadurch bethätigte, daß fie die hiesige Gräfliche Bibliothek und das Archiv, sowie die reichhaltige Alterthümer- sammluog eingehend besichtigte. Friedberg, 25. October. 207 Einwohner von hier haben folgende Vorstellung, die Verunreinigung der Ufa betreffend, an die zweite Kammer gerichtet: Schon fett einer Reihe von Jahren wird unser, früher bruunenklareS Flüßcheu Ufa durch Einführung der Fäkalwasser der Stadt Bad- Nauheim auf da! Unerhörteste verunreinigt. Die zur Reinigung der Fäkalwaffer errichtete Klärbeckenanlage vermochte keine Befferuug herbeizuführev. Das Usawasser verwandelte fich nach und nach in eine pfuhlartige, fich schon von Weitem durch ihren üblen Geruch unangenehm bemerkbar machende Flüssigkeit, in der sämmtliche Fische krepirteu. Die jährlich von circa tausend Personen benützten hiesigen Badeanstalten mußten von AmtSwegen aus sanitätSpolizeilichen Gründen ge- schloffen werden. Die Wohlthat de! Baden! ist somit der hiesigen Bevölkerung entzogen, und wird die! namentlich von der arbeitenden Bevölkerung schwer empfunden und hat zu arger Mißstimmung geführt. Dieser gesetzwidrige Zustand birgt aber noch andere Gefahren in fich. Der Stckerstrang der städtischen Waflerleitung liegt nur wenige Meter von der Ufa entfernt, und e! ist die Gefahr einer Verseuchung de! Trtnkwaffer» nicht aulgeschloffen, da der Waffersptegel der Ufa selbst bet dem niedrigsten Wafferstande immer noch circa Vi Meter über der Sohle de» ca. 100 Meter von der Ufa entfernt liegenden städtischen Sammelbrunnen! liegt. Die in den Gerbereien an der Ufa beschäftigten Arbeiter sind gezwungen, tagtäglich in diesem Schmutzwaffer zu hantiren, und da! zum Bleichen der Wäsche erforderliche Waffer muß ebenfalls aus dem Bache entnommen werden. Jede Berührung mit demselben ist aber mit Gefahr für Gesundheit und Leben verbunden. Wiederholt hat fich die htefige Bevölkerung so- Mrrilleton. Heimslh. Novelle von H. Ren!. (Schluß.) Eine kurze Strecke weiter wurde der Zug zum Stehen gebracht. Hart neben dem Schienenftrang fand man da» fortgewälzte Felsstück und dahinter bewußtlos, au! einer klaffenden Kopfwunde blutend, einen großen, breitschulterigen Mann, der, nm daS Leben Hunderter zu retten, das eigene beldenmüthig eingesetzt. Im Städtlein verbreitete fich schnell die Kunde, der Gottesdienst war gerade zu Ende. Neugierig strömte die Menge hinzu, der Sonntag-Vormittag gab ja Zeit zum Gaffen. Man stand umher, zischelte untereinander, berteth. E nige entsannen fich, in den Frühstunden den Fremden durch die Straßen wandern gesehen zu haben, darunter der Provisor, der ihn um seines eleganten ReisecoftümS wegen beneidet hatte. Er leistete auch die erste Hilfe, legte den Nothverband «n und rteth, auf schnell geflochtener Trage den Verwundeten Im! Lazareth zu schaffen. „Erst die Identität feststellen," entschied der herbeigeeilte Bürgermeister. Man durchsuchte den Fremden, staunte über die mit a isländischen Banknoten gefüllte Brieftasche, da! schwere Portemonnaie. Endlich fand man den Paß. Großhändler Bob (Robert) Hetder, Stambul. Verblüfft sah man fich an. Heider! Heider! So hieß ja ber alte Justtzrath, den noch Alle gekannt. Auch der schwermüthtgen, gütigen Frau erinnerten fich noch Viele. Und wie war e! denn gewesen? Hatten die Beiden nicht einen einzigen Sohn beseffen? Einen verschollenen, ewig betrauerten k Gewiß. In der Menge wurden Stimmen laut. Robert hieß der ja, man hatte in der Schule neben ihm gesessen, manchen tollen Stretch mit ihm verübt. Also ein Stadtkind war der Fremde, der al! Crösu! heimgekehrt. — Diesem, al! er nach Wochen in dem kleinen Krankenhause langsam der Genesung entgegenschlummerte, zog im Halbtraum sein ganze! bilhertge! Leben tn verworrenen Bildern vorüber. Hustete da nicht eben Cecile? Mit ihrer fieberglühenden Hand strich fie ihm da! Haar au! der Stirn. Ach, Unfinn! da! war ja die Kopfwunde, die bei der leisesten Berührung brannte. Unruhig warf er fich auf den zerwühlten Kissen umher. Richtig, da knackte der Hahn am Revolver. Die Buschklepper, die da! mühsam au! dem kalifornischen Sande ge- schauselte Gold ihm wieder abjagen wollten. Er athmete mühsam, doch nach und nach glätteten fich seine Züge und wie leise! Lächeln glitt e! über sein finstere! Gesicht. Da! war doch nicht die Krankenschwester, die leise mit den Medtcinflaschen klirrte. Im Nebenzimmer rüstete ihm ja die Mutter den Geburtstagstisch. Der Duft von Levkojen, Reseda, frischem Kuchen strömte ja zu ihm herein. El war Sonntag-Morgen. Bald würde sie kommen, den lieben Lang- schläser mit einem Kuß zu wecken. Mit plötzlichem Ruck saß er aufrecht. Er wußte alle!, besann fich haarscharf auf alles. Er war kein glücklicher, sorgloser Knabe mehr, lagerte nicht nächtlicher Weile mit allerlei Gefindel im kalifornischen Busch. Er war heim- gekehrt, ein fremder, reicher, armer Mann. Und nun wußte er auch, daß tn dem von Chpreffen umrauschten Märchenschloß am Bosporus feine! Bleiben! nicht mehr sei. Dar kleine Hau! am Ring, in dem feine Wiege gestanden, au! dem man die Särge der Eltern getragen, mußte wieder fein eigen werden. Dort wollte er ein Leben des WohlthunS, der werkthätigen Liebe beginnen. Das Vermögen de! alten Schmugglers, die reiche Mit- gift, welche die arme (Steile nicht hatte genießen dürfen, in feinen Händen sollte fie zu reichem Segen werden. Nicht allein dem alten Krause und seiner Enkelschaar, den Armen bei Städtchen!, nein, seiner ganzen holden Berg- heimath wollte er den Mangel fernhalten. Alle Elenden, alle Enterbten bei Glücke! sollten Zuflucht finden an seiner Schwelle. Tausend Verzweiflunglthränen würde er trocknen, blaffe Letdenimienen in frohe verwandeln können. Für Andere hatte er sterben gewollt. Nun fühlte er, daß leben, sorgen, wirken bester, segenlretcher sei. In tiefen Athemzügen hob fich die breite Brust, ein seltsame» Leuchten erhellte die düsteren Augen, so daß die freundliche Krankenschwester an sein Lager trat. „Nicht wahr, heute geht e» bester?" fragte fie. „Bald wird die Genesung kommen." Er reichte ihr die Hand. „Ich bin genesen, auferstanden zu befferem Leben. Eine Welt der Arbeit, freudigen Schaffen» liegt vor mir." wie Private an die Großherzogliche Regierung gewendet, und wurde auch Abhülfe versprochen, doch ist bis heute eine merkliche Besserung nicht eingerreten. Wir halten eS daher für unsere Pflicht, Alles -u rhun, um eine drohende Gefahr ab« zuwenden, und bitten: Hc»he LandftLnde wollen unsere gerechte Sache prüfen und sich derselben genetgteft annehmen und bei Großherzoglicher Regierung eine schleunige Abstellung dieser Mißstände beantragen. -f- vindsachfen, 25. October. Der Landwirth Wilhelm Kahn 5. von hier hat heute durch Erhängen seinem Leben ein Ende gemacht. DaS Motiv des Selbstmordes ist unbekannt. Hirzenhain. 23. Oeiober. Dem Wiegemeister des Eisen- erkS Hirzenhain, Joh. Jäger, wurde, wie schon gemeldet, bat Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für treue Arbeit" verliehen, und die Ueberreichung dieser Auszeichnung geschah heute durch Herrn Bürgermeister Guhmann als den Vertreter Großh. Regierung, in der großen Eisengießerei deS Werks in Anwesenheit deS Fabrikherrn, Herrn Geh. Commercienrath Hugo BuderuS, der Beamten und Arbeiter des Werks. Der Herr Bürgermeister hob, lt. „D. Zig.", in kurzen Worten die vorzüglichen Eigenschaften des heute ausgezeichneten und braven Bürgers hervor, der durch keinerlei Einwirkungen, die im Leben in so verschiedenartiger Gestalt ouch an ihn herangetreten seien, beeinflußt, stets treu zu feinem Arbeitgeber und seiner Familie gestanden habe. ES sei ihm deswegen eine Freude, den ihm gegebenen Auftrag auszuführen. Herr Procurist Gg. Korndörfer heftete hierauf dem Jubilar das Berdieustzeichen an. Darauf schilderte der Herr Bürgermeister die Berhältntsse beim Eintritt deS Jubi- larS tu das Geschäft vor mehr denn 45 Jahren, gegenüber den heutigen, erwähnte speciell die durch daS Krankenkaffen- gefetz und das JnvaliditätS- und AltersverficherungSgesetz ge> ichaffene allgemeine Fürsorge und wie aber auch daS Eisenwerk stets das Wohl feiner Arbeiter im Auge gehabt habe. (DaS Werk besaß bereits vor Inkrafttreten deS Gesetzes eine eigene Betriebskrankenkasse). Redner schloß mit einem von den Anwesenden begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf Se. Maj. den Kaiser und auf Se. König!. Hoheit den Großherzog. Nunmehr sprach Herr Geh. Commercienrath BuderuS dem Jubilar seine Glückwünsche aus und wies darauf hin, daß nur da etwas Ersprießliches entstehen könne, wo die Arbeit im Pflichtbewußtsein und Einigkeit gethan würde, wie man der Großh. Staatsregierung gegenüber zu Dank verpflichtet sei dafür, daß sie stets, wie dies der vorliegende Fall beweise, die Verhältnisse ihrer Unterthanen mit so großem Interesse verfolge, und gab dem Wunsche Aus druck, daß noch viele seiner treuen Arbeiter dem Beispiel des Jubilars folgen möchten und ihm so Gelegenheit gegeben sei, noch öfters derartigen Auszeichnungen in feinem Werke beiwohnen zu können. Daß feine Erwartungen, die sich auf den guten Sinn der Arbeiter stützten, in Erfüllung gehen möchten, wünsche er von Herzen zum Segen der ganzen Umgegend und bekrästigte er dieselben durch ein dreifaches Hoch, in welches die ganze Belegschaft einstimmte. Herr Procurist Korndörfer führte den Arbeitern das gute Einvernehmen, in dem dieselben mit der Gemeinde lebten, vor Augen und sprach die Hoffnung auS, daß dies auch ferner so fortbeftehen bleibe. Sein Hoch galt Herrn Bürgermeister Guhmann. Nach kurzer Pause wurde auS der Mitte der Arbeiterschaft die Hymne angestimmt. Bei der darauffolgenden Vereinigung bei einem Glase Bier wurde noch eine Reihe von Ansprachen, die in Toaste auf Herrn Geh. Commercienrath BuderuS und das Werk gipfelten, gehalten. Mainz, 26. October. Ein theuerer Proceß. Dor etwa 1 f/2 Jahren kaufte ein Frankfurter Restaurateur von einem hiesigen Wirth dessen HauS und Wirthschaft. Der Verkäufer erklärte dem Frankfurter Restaurateur, daß er innerhalb einer kurzen Zeit in seiner Wirthschafr zwei Stück Wein verzopft hätte und legte über den bezogenen Wein and) die Rechnungen vor. Er vergaß jedoch dabei, dem Käufer mit- zuiheilen, daß er mehr wie die Hälfte der Weines wieder zurückgeheu hatte lassen. Der Frankfuiter kaufte mit Rück ficht auf die gute Wirthschaft daS HauS zu dem Preise von 56000 Mk. und machte eine bedeutende Anzahlung. AIS er die Wirthschaft angetreten hatte, bemerkte er jedoch zu seinem Schrecken, daß er gehörig hineingelegt worden war, daS Geschäft ging flau. Der Käufer weigerte sich nun, daS HauS zurück zu nehmen, weshalb der Käufer Klage beim hiesigen Landgerichte anhängig machte. DaS hiefige Gericht wirs ihn jedoch mit feiner Klage ab, weil er den Kniff des Verkäufers über den vielverzapften Wein nicht hätte Ernst nehmen türfen und sich besser von dem Gange der Wirthschaft vor dem Kaufe unterrichten müssen. Auf die eingelegte Berufung beim OberlandeSgericht in Darmstadt entschied dasselbe dieser Tage, daß die Klage des Käufers begründet sei- falsche Vorspiegr- lungen hätte der Verkäufer keine machen dürfen. Der Verkäufer wurde zur Zurücknahme deS Hauses verurtheilt, ferner muß er die geleistete Anzahlung mit 5 pCt. zurückzahlen, die Umzugskosten von Frankfurt nach Mainz tragen unß mehrere tausend Mark Entschädigung zahlen. Die Kosten der beiden Instanzen sind ihm ebenfalls zur Last gelegt. * Bestrafte Nächstenliebe. Der „Berliner Volksztg." zufolge ist gegen den Lehrer B. in Rackwitz ein Strafbefehl von zehn Mark oder zwei Tage Haft ergangen, weil derselbe zu Gunsten der armen Ueberichwemmten in Schlesien und Sachsen ohne Genehmigung des Oberpräsidenten eine kleine Collecte veranstaltet hatte. Herr B. hatte die Sammlung unternommen, nachdem der Aufruf des Liegnitzer Regierungspräsidenten Dr. v. Heyer erschienen war. In diesem Aufruf hieß es: „Dank den bereits erfolgten Aufrufen und der eiumüthigen Kundgebung warmer Theilnahme in der Presse regen sich überall Herz-n und Hände, den durch die Katastrophe in Noth geratdenen Familien hilfreich beizustehen. Angesichts der Größe deS Unglücks spreche ich daher nur die herzliche Bitte auß, daß diese Theilnahme sich schnell bethätigen und Jeder nach seinen Kräften helfen möge, den Nothstand zu überwinden." — Man ist begierig, wie die Sache weiter verlaufen wird, wenn der „Bestrafte" gerichtliche Entscheidung beantragt. * Ausschreibung. Durch die Zeitungen läuft die Notiz, daS seitens der preußischen StaatSdabn-n im November d. I eine weitere Ausschreibung von 40 0 Locomotiven erfolgen werde. Hinzugefügt wird, daß sämmtliche Locomotiv fabriken biß Ende 1898 voll beschäftigt seien und die Lieferung erst im Frühjahr 1899 erfolgen könne. Diese zuletzt angeführte Behauptung ist thatsächlich unrichtig, sie kann sogar dazu führen, daß über die Leistungsfähigkeit der deutschen Locomotivfabriken ganz irrthümliche Ansichten wach- gerufen werden. Die deutschen Locomotivfabriken find vielmehr in der Lage, pro Jahr weit mehr Locomotiven zu liefern, als sämmtliche preußische bez. deutsche StaatSbahnen brauchen und ergiebt sich dies auch daraus, daß neben der vollen Deckung deS inländischen Bedarfs eine sehr nennens- werthe Anzahl von Locomotiven Jahr ein Jahr auß nach dem Ausland außgeführt werden. Thatsächlich unrichtig ist ferner, daß die Locomotivfabriken biß Ende 1898 bereits voll beschäftigt seien. Erfreulicherweise ist der Geschäftsgang zur Zeit ein recht flotter, die deutschen Locomotivfabriken würden aber sehr wohl in der Lage sein, weitere Lieferungen auch für 1898 zn übernehmen und auSzuföhren. ttttraiur MteO lütnft. Ein Niesen-Lerieon der lateinische« Sprach«. Berit!» in früheren Jahrhunderten, so schreibt baß „Neue Wiener Tagblatt', sowie auch zu Anfang des unserigen ist mit mehr oder wenigcr Glück der Versuch unternommen worden, den Sprachschatz der Lateiner zu sammeln. Ein solches phänomenale» und koftsplelige» Unternehmen ist auch jetzt im Werke. Daß eS aber überhaupt möglich war, daran zu denken, eß in dem großen Stile durchzu führen, in dem es geplant ist, ist die erste Frucht eines Kartell« der ersten fünf deutschen Akademien der Wissenschaften in Berlin, Göttingen, Leipzig, München und Wien, wozu auf Vorschlag des Sectionschrfs Dr. Ritter v. Harte! im Jahre 1892 von der Wiener Akademie die Anregung gegeben wurde. Zur Herstellung des „Thesaurus linguae latinaeu — dies der Name deS Werkes — wurde eine Commission eingesetzt. Diese besteht auS je einem Mit- gliede der fünf kartellirten Akademien, ferner auß drei zur Leitung des Unternehmens bestellten Directoren, und zwar den Herren Professoren Buecheler (Bonn), Leo (Göttingen) und Wölfsler (München). Präsident der Commission ist SectionSchef v. Härtel. DaS ganze Unternehmen wurde auf 20 Jahre mit einem Gejammt aufwande von 605000 Mk. veranschlagt. Von dieser Summe hofft man 100000 Mk., im günstigsten Falle 150000 Mk. durch Buch händlerhonorare zu decken. Die somit verbleibende Summe von rund 500000 Mk. vertheill sich gleichmäßig auf die fünf Akademien, fo daß auf jede in den 20 Jahren 100000 Mk., also jährlich 5000 Mk. fallen. Der Plan für den .Thesaurus“ bezeichnet die Aufgabe desselben alß eine psychologisch-historische. Der „Thesaurus“ will die Geschichte der lateinischen Sprache schreiben, die Leben»- geschichte der einzelnen Wörter, ihre Entstehung, Verbindung, Vermehrung, Abänderung in Form und Bedeutung, ihre gegenseitige Vertretung und Ersetzung, sowie ihr Absterben, kurz, die tausendfache Brechung, welche die Geschichte beß nationalen Fühlens und Denkens zum Ausdrucke bringt, darstellen. Die Sitzungen der Commission finden jährlich in der Pfingstwoche, und zwar der Reihe nach in Berlin, Göttingen, Leipzig, München und Wien statt. Die Berichte der Conferenzen geben Zeuaniß von dem rastlofen Eifer, mit dem daß Werk betrieben wird. Außer dem „Thesaurus lingua* * latinae“ werden die kart.llirten Akademien auch zugleich einige große naturwissenschaftliche Aufgaben durchführen. Seidenstoffe verlangt Mustrr mit Angabe d. Aewuigchien v von Elten & Keussen, FHln Wimn Wlatr ®lt wehr obtt mi ' tm Sprachlcha«, ? . °wenales und ®a6 eS aber überbauet ® * 6tUe burZ 3B?Ä Kartell» MßmWtm In Berlii. «n, wozu aus SBoriilaj im Zähre 1892 von bn würbe. Zur tzerttellun« der N«me bei Werkes - beftebt au« je einem M her aus drei zur Leiiuvg »mr ben Herreo JOttingen) unb WSlfsln i SectionSches v. Harle! ahre mit einem Gejammt Don dieser Summe HH 150000 Mk. durch 8umt»run9 i« ** ugietbe ' 5 it ne Klinde a; gtnuenM , äu. i **> . Sita, * oletbW ■itant b«> M“ @ttr SllW(Se*,w3nU zu wen6en' • Mal ft "i "“L'- U** * jä&renbem t‘ buns« 6B* rt 4tit6iiUrf »ntet 109«® W *X®lei4,w teil«11«'1 f garartirt solide. M feraadr, Pliild)« u. B jlflprte Hrhw »tri« Jj an privat«, öan Füttril ml ('rftfftld , HantiW. W «»«’«• 3 /) Mextcaner 100.5 J 298. 116.50 Die Vorstände 9929 Sparsam Verbrauob reinlich Börse vom 26. October 1897 1887 9951 Löwen-Drogerie, Seltersweg Nr. 52. empfiehlt 9833 empfiehlt die 9916 barmst. 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