rtfonfl' Uiisch ”■ frisch Rv. 23 Donnerstag den 28 Januar 1897 f«je 15 Ztints- und Anzeigeblatt für den Tireis Gießen Gratisbeilage: Gießener Kamikienölätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Die Gießener Aamikienötatter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. tbsumasse. Artikel 'cuommirlcs IabnL« rt unb $(Htra6mm etc., Vierteljähriger Avonnementspreis r 2 Marl 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schulftraße Ar.7. Fernsprecher 51. Deutscher Reichstag. 162. Sitzung. Dienstag, den 26. Januar 1897.j Die Berathung der Unsaltversicherungsnovelle wird fortgesetzt. Adg. Paasche (nl): Die gesammte sociale Versicherungs- gesetzgedung stellt einen großen Fortschritt dar. An der Vortage sei mit besonderer Genugthuung zu begrüßen, daß bei der Seeunfall- vecficherung ein erster Versuch gemacht worden sei, die verschiedenen BerstcherungSarten einheitlich zufammenzufassen und auch gleich der Seeberufsgenossenschaft die Fürsorge für Wittwen und Waisen mit- zuübet tragen. Mil der Erweiterung des Rahmens der Unfallversicherung ist Redner einverstanden, aber er kann nicht etnsehen, wetzhalb nicht auch das gesammte Handwerk einbezogen werden soll. Die Unsallgefahren seien doch auch da sehr groß und da sollten doch die von anderer Sette eingewendeten Schwierigkeiten der Organt- satton kein Hinderntß bilden. Man könnte da vielleicht die territoriale Organisation wählen, wie sie für die landwtrthschastltche Unfallversicherung besteht. Auch die kleinen Handwerksmeister sollte man mitversichern. Redner billigt die Anrechnung einer Unsallrente aus der, Jahresarbeittzoerdtenst bei einem späteren Unfall, die Zahlung von Capitaltzentschädigungen statt kleiner Renten, erklärt siL aber mit seinen Freunden bestimmt gegen eine Einschränkung der recurs- instanzlichen Rechte des Reichsoerstcherungs-Amies und gegen Herabsetzung der Mttgliederzahl der Spruchcollegten von 7 aus 5. Die Gerüchte über Differenzen zwischen Reichsamt des Innern und Reichsoerstcherungsamt würden durch die jetzige Abwesenheit des Vertreters des Reichsoersicherungsamts genährt. Daß die Arbeiter Erstes Blatt. Alle Annoncen-Burcaux bc5 In- und Auslandes nehmen । Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutsches Reich. Berlin. 26. Januar. Die Delegtrten der hessi- scheu Städte werden heute beim Minister des Innern unter Führung der Abgg. Kircher und Beinhauer eine Audienz haben und ihm die mit 20,000 Unterschriften versehene Petition vorlegen, die gegen die Städte- und Landgemeindeordnung gerichtet ist. Die Delegtrten hielten gestern mit den genannten Abgeordneten eine Besprechung ab, in der sich aber ergab, daß auf wesentliche Abänderung des Entwurfes bet der gegenwärtigen Mehrheit des Landtags nicht zu hoffen ist. Das Dreiklaffenwahlrecht wird den Gemeinden nicht erspart bleiben. Die liberalen Abgeordneten, vornehmlich LotichiuS, bemühten sich in der Commission vergeblich um Umgestaltung des Entwurfes. Diese Bemühungen scheitern häufig daran, daß dis Commission sehr ungleich besetzt ist und daß Mitglieder deS CentrumS, die mit der Linken stimmen würden, am Erscheinen verhindert sind. Berlin, 26. Januar. In der Budget-Commission des Reichstag«!- wurde von dem Pensionsfonds eine Million abgestrichen- für die Combattanten von 187 0/71 wurde bei dem JnvaltdenfondS eine besondere Beihilfe von 490000 Mark bewilligt. '"Wetialrtn ws aus ♦ joient Zeichnung. 1 Jifolionti, flel rc. Kroutf!^- ßl»|er’ Saturier, S* i:WnnbplattfH. satkplatte« rn. iefiener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Abg. Dr. Förster (Ref. P.), im Wesentlichen für die Vorlage, meint, auch die Socialdemokraten würden, wenn sie die ausschlaggebende Partei wären, die Verantwortung für das SchetNrn dieser und ähnlicher, zweifellos einen Fortschritt in sich schließender Vor. lagen n cht üb.rnehmen wollen. In der Recursfrage steht Redner am dem Standpunkt der Regierung. Abg. Gras Kanitz (c.): Wer überhaupt die Verschmelzung von Unsall- und JnvalibitätS-Versicherung für erwünscht und durchführbar halte, süc den sei gerade die jetzige Vorlage der richtige Zeitpunkt, dieser Frage näher zu treten. Haupterso.derniß sei: Die Vereinfachung unserer ganzen Versicherungs-Gesetzgebung und gleichmäßige Vertbeilung der Lasten, welch' letziere für den landwirlh- schaftlichen Osten verhältntßmäßtg groß seien. So namentlich die AltersverstLerungslasten in Ostpreußen. Der Osten sei letzt so weit, daß er nichts sehnlicher wünsche, als die Wiederaushebustg dieser ganzen socialen Versicherungs-Gesetzgebung. Oder zum Mindesten: eine Reichtzversicherungsanstalt mit völlig gleichmäßiger Ver- theilung der Lasten auf alle Landestheile nach Maßgabe der Einkommen der Steuerzahler. Nur wegen dieser großen Lasten hätten viele Besitzer im Osten ihre Güter verkauft. Da helfe keine partielle 9^ jqjm Minist.-Dtr. v. Woedke: Die Frage einer Vereinheitlichung der ganzen Versicherungs^Gesetzgebung sei von dem Bundesrathe erwogen worden. Im Reichsanzeiger sei ja auch eine Darlegung erschienen, w'lche klar st lle, wesbalb dieser Weg jetzt noch nicht, er wiederhole noch nicht, betreten werden könne. Wenn erst eh mal oer bezügliche Entwurf den Reichstag beschäftige" werde, werde derselbe ja auch zu erwägen haben, inwieweit etwa die Einkommen als Maßstab für die Lastenvertheilung zu dienen haben würden. An sich hänge das aber jedenfalls mit der Fiage 1 er Vereinheitlichung der Ve' sicherungsgesetzgebung nicht zusammen. Ob diese Vereinheitlichung eine Entlastung Der östlichen Landwirihschaft .zur Folge haben werde, sei zweifelhaft. Jedenfalls könne man auch, wenn die östliche Landwtrthschast wirklich nolhletdend sei, die sociale Versicherungs- Gesetzgebung als einen dabei maßgebenden Factor nicht anseben. Abg. Molkenbuhr lSoc) sucht nochmals, wie schon Grillenberger, darzulegen, daß die ganze Versicherungs Gesetzgebung im Wesentlichen im Interesse der Industrie erlaffen sei Abg. Dr. Hitze (Str.): Die scharfe Verurthetlung der Versicherungs-Gesetzgebung durch den Grafen Kanitz sei mit der socialpolitischen Botschaft Kaiser Wilhelms I. nicht vereinbar. Die Abwälzung der Last auf die Steuerzahler würde communistischen Grundsätzen entsprechen. . t m Abg. Graf Kanitz erwidert, was er vorgeschlagen, sei Gegenstand eingehender Erwägungen der Behörden gewesen. Die Vorlage wird an eine 28er-Commission verwiesen. Donnerstag 1 Uhr: Postetat, Etat der Reichsdruckerei. Wien, 26. Januar. Die gestern Nachmittag statt- gefundene Audienz des Grafen Goluchowsky und de» russischen Botschafters Grafen Kapnist bei Kaiser Franz Joseph wird mit der in sicherer Aussicht stehenden Hierherkunft deS Grafen Murawjew in Zusammenhang gebracht. Wien, 26. Januar. Hiesige diplomatische Kreise bestätigen, daß, wenn der Sultan die von den Botschaftern bereits ousgearbeiteten Reformen unverändert annehme, die Großmächte geneigt find, die für die Sanirung der türktschen Finanzen nothwendige A n l ei h e zu garantiren. In finanziellen Kreisen verlautet, die von den Großmächten zu garantirende türkische Anleihe, welche von der Gruppe der Ottoman Bauk contrahirt werden solle, werde 4 Millionen Pfund betragen und 2»/,-, höchstens 3procentig fein. Die Garantie der Mächte erfolge nicht nach dem Muster der garantirten egyptifchen Schuld und es trete nicht eine solidarische Haft ein, sondern ede Macht habe nur die Garantie für ein Sechstel der Anleihe übernommen. Die letztere soll unter der Controle der türkischen Schulden Commisfion stehen. Rom, 26 Januar. Der Ausstand der AuSlader von Civita Becchia dauert fort. ES wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Einige ausständige Arbeiter wurden zu mehreren Monaten Gesäogniß verurtheilt. Eine Verständigung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer scheint auS- geschloffen- die Lage ist sehr ernst. Pari», 26. Januar. Hier, in London und New- York erscheint heute in einer Million Exemplaren ein von den „Unzufriedenen aller türkischen Provinzen" unterzeichneter Aufruf an das türkische Volk, dem Absolutismus des SultanS dn Ende zu bereiten und die Controle d r Regierung durch das Volk zu erzwingen. St. Etienne, 26. Januar. Bei einer gestern bei hiesigen Anarchisten vorgenommenen Haussuchung wurde eine Menge Sprengstoffe gefunden und beschlagnahmt. Fünf Anarchisten wurden verhaftet. Madrid, 26.Januar. Aus Cuba wird gemeldet, Gene- ral Weyler erklärte, wenn für Cuba Reformen -uge- standen würden, so müßten dieselben sehr umfangreich fein. — Mehrere Meilen von Havanna entfernt soll ein Kampf stattgefunden haben, bei welchem 32 Aufständische und zwei Spanier getödtet, sowie sieben Spanier schwer verwundet worden seien. Newyork, 26. Januar. Hier herrscht ein heftiger Schneesturm. Der Verkehr auf den Straßen- und Eisenbahn-Linien ist unterbrochen. Im Sturme find Menschen und Thiere umgekommen. Das Thermometer ist auf 20 Grad unter Null gefallen. Berlin, 27. Januar. Die Morgenblätter widmen dem Kaiser zu seinem heutigen Geburtstage warme Glückwunsch-Artikel. Aus Anlaß des Geburtstages haben die öffentlichen und eine große Anzahl private Gebäude Fahnen- und Guirlandenfchmuck angelegt. Berlin, 27. Januar. Wie die „BolkSzeitg." aus Ham» bürg" meldet, hat der Arbeitgeber-Verband in seiner vor- gestrigen Sitzung noch keine Antwort auf da- letzte Schreiben der Strikenden abgesandt. Man glaubt, daß sich die Arbeitgeber auf keine weiteren Verhandlungen verstehen werden. Die Strikenden sind fest evtschloffen, bis zum Aeußersten auszuhalten. Vorläufig ist noch ein reichlicher Unterstützungsfonds vorhanden. Die Zahl der Strikeu- den hat sich nicht vermindert. — Der Elbverkehr ist des Eisgangs wegen gehemmt, der Schutenverkehr ganz unmöglich. Berlin, 27. Januar. Die Plenarsitzungen des Reichstages fallen am 1. Februar wegen CommtssiouS- arbeiten, am 2. Februar wegen des katholischen Feiertags auS. Am 3. Februar ist voraussichtlich SchwerinStag. Berlin, 27. Januar. Der Kaiser wohnte der gestrigen Sitzung deS Staatsministeriums von 21/* bis 4 Uhr bei. Berlin, 27. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet aus Wien, die Ankunft MurawjewS fei noch nicht notificirt. Berlin, 27. Januar. Der ,Local°Anz." meldet aus Wien: Der russische Botschafter Kapnist sucht heute beim Kaiser eine Audienz für Murawjew nach, nachdem er gestern mit dem Grafen Goluchowsky festgestellt hat, wann die Conferenz zwischen Murawjew und Goluchowsky pattfinden soll. Murawjew kommt von Paris hierher und YLtt fich zwei Nächte und einen Tag hier auf. Am zweiten Tage Morgens begtebt er fich nach Berlin. WB. Berlin, 27. Januar. Der Kaiser verlieh an seinem heutigen Geburtstage dem Finanzminister Miquel und dem Chef deS CivilcabinetS, v. LucanuS, den Schwarzen Adlerorden. einen größeren Antheil en der Verwaltung erhielten, sei auch feinen Freunden Recht, aber daß man, wie Hitze anrege, diese Antheilnahme der Arbeiter auch auf die ä-ztltche Behandlung ausdehnen und dem Vertrauensarzt der Berufsgmoffenschaften einen Vertrauensarzt auch der Arbeiter entgegenstellen solle, erscheine ihm doch bedenklich. Wenn Erillenberger meint, die Berufsgenosienschaften nähmen nur ihr eigenes Interesse wahr, so verweise er denselben auf die Krankenkassen, wo die Arbeiter ihren eigenen Genossen gegenüber in der Regel doch eine sehr strenge Controle übten. Abg. Fischbeck (ftf. Vp.) ist mit leinen Freunden mit den Erweiterungen, welche die Vorlage vorschlägt, vor Allem mit Ein- bysiehung des Bauhandwerks, einverstanden, ebenso damit, daß nicht nur die Unfälle versichert sind, die im eigentlichen Fabrtkbetriebe erfolgen, sowie daß die Befugnisse ,der Berussgenoffenschasten, schon do r Ablauf der Carenzzeit einzugreifen, erweitert werden Desgleichen mit den Bestimmungen über die Schiedsgerichte. Nur betreffs der Vorschrift über die Kosten bet erfolgloser Einlegung der Berufung hätten sie Bedenken. Sie billigten im Princlp das Verlangen, daß die Arbeiter an der Feststellung der Renten und besonders bet Reduction derselben theilzunehmen berechtigt sein sollen, wenn sie jti) auch nicht verhehlten, daß dadurch vielleicht die Rentenfeststellung verlangsamt würde, wenigstens wenn Arbeitervertre er aus der Provinz mit hinzugezogen werden müssen. Nicht billigen könnten sie, daß das Recht aus Rente ruhen soll, wenn der betreffende Arbeiter im Auslande sei. Das sehe fast aus wie ein Angriff auf die Freizügigkeit. Von einer Beschränkung der Recursbefugnisse des Reichs- verstcherungsamtes würden feine Freunde eine Beeinträchtigung der Einheitlichkeit der Rech sprechung befürchten. Die allgemeinen Anklagen GcillenbergerS gingen entschieden zu weit. Er könne demselben eine ganze Anzahl von Acten sofort zur Verfügung stellen über Falle, in denen die BerufSgenosfenschaft die Rente erhöht habe, noch dazu ohne vorgängigen Antrag des Arbeitnehmers. Ministerialdirector Woedke conftatirt die Anwesenheit mehrerer Kommissare des Neichsversicherungsamles am Bundesrathstische. Dieselben hätten auch an der Ausarbeitung der Vorlage theil- genommen. Eine stärkere Betheiligung des Reichsversicherungsamtes sei wohl schwerlich nothwendig und auch nicht möglich angesichts der starken Belastung des Amtes mit laufenden Arbeiten. Abg. v. Stumm (R. P.) glaubt, die Thatsache müsse genügen, daß da« Verstcherungsamt an den Conferenzen über die Vorlage beiheiligt gewesen sei. Er selbst müsse an die Spitze seiner Betracht- unaen den Gesichtspunkt stellen, daß zwar die Wittwen und Waisen eines verunglückten Arbeiters 60 pCi. des Lohnes deS Verunglückten erhielten, daß dagegen den Wittwen und Waisen anderer Arbeiter nichts gewahrt werde. Das sei eine Anomalie; und Herrn Hitze der das Maximum einer Unfallrente Über 66»/s pCt. zu erhöhen bereit sei, gebe er zu erwägen, ob es nicht viel richtiger sei, erst einmal jene Anomalie zu beseitigen und für die Wittwen und Waisen aller Jndustriearbeit.r zu sorgen. Ein zweiter Hauptgestchts- punkt für ihn sei die Frage der Heilung. Der Arbeiter müsse nötbigenfalls in eine Heilanstalt hinein gezwungen werden können. Wenn man da links von Rentenquetschen spreche, so könne er mit demselben Recht von den Arbeitern, die zwar eine Rente haben, aber Nck nicht heilen lassen wollten, als von „Rentenberausquetschern" reden Die Berufsgenossenschaften thäten in Wirklichkeit voll ihre Schuldigkeit. Ganz unberechtigt sei das Verlangen, die Herabsetzung der Renten mit Schwierigkeiten zu umgeben, denn es sei doch ganz selbstverständlich, daß nach erfolgter He"ung der Grad der Erwerbsunfähigkeit ein geringerer sei, als während deS Hetlungsprocesses. Während des letzteren würde et selbst sogar die stete volle Zahlung der Rente für richtig halten. Ein Hineinsprechen der Arbeiter, also gerade solcher Personen, die ein Interesse an bet Entscheidung hätten, in die Verwaltung halte er für ganz unrichtig. Andererseits aber könne er auch einer Verminderung der Recursinstanz trotz Allem was äußerlich dafür spreche, nicht das Wort reden, weil dadurch die Einheitlichkeit der Rechtsprechung gefährdet werden würde. Daß die Vorlage eine Erweiterung der Unfallversicherung bringe, erkenne er an, aber einer obligatorischen Versicherung des gefammten Handwerks müsse er widersprechen, schon wegen der dadurch dem Handwerk erwachsenden Lasten. Jedenfalls warne er davor, den Sogen hier zu überspannen, vielmehr solle man lieber für Wittwen Württemberg. Bevollmächtigter v. Schicker stellt abermals fest wie sehr das ReichSverstcherungsamt an Ausarbeitung der Vorlage beteiligt gewesen sei, und weist bann zur Rechtfertigung der Beschränkung der Recurssälle nochmals auf die llebetlaftung des ReichSoersicherungsamtes hin. ckkalk i^aggonfabmigi und Saget 1 Mert ei en. Defett sch becorirt, eueumhssyilein - Midi** ®» ie fflf" irssffls md hchnuitz SWich, «l cnaM h-WlTR' M. § Depeschen Ws Bureau „Herold." Berlin, 26. Januar. In der heutigen Sitzung des StaatSministeriumS waren sämmtliche Minister, auch Freiherr von Marschall, anwesend. Kurz nachdem Fürst Hohenlohe die Sitzung eröffnet hatte, erschien der Kaiser, um den Vorsitz zu übernehmen und die Verhandlungen zu leiten. Berlin, 26. Januar. Wie den „Berl. Reuest. Nachr." aus Karlsruhe mitgetheilt wird, ist Lieutenant v. Brüsewitz, nachdem das erste Erkenntniß des zuständigen Militärgerichts die allerhöchste Bestätigung nicht gesunden, nunmehr zu 3 Jahren und 20 Tagen Gesängniß verurtheilt worden. Fravlfurt a. M., 26. Januar. Infolge des starken Schneefalles find größere Verkehrsstörungen ein- getreten. Die Etfendahnzüge erlitten bedeutende Verspätungen. Der Straßenbahn Verkehr konnte in den Vormittagsstunden nur theilwetse aufrecht erhalten werden. München, 26. Januar. Die Meldung der „Münchener Neuest. Nachr.", daß im kommenden Herbste gemeinsame Hebungen der bayerischen und preußischen Truppen stattfinden, wird jetzt osfic öS bestätigt. Cocales «nd Provinzielle-» Gießen, den 27. Januar 1897. • * Kirchliche Dieufiuachrichten. Se. Kgl. Hoheit der Grobherzog haben Allergnädtgst geruht, dem Pfarrer Otto Kappesser zu Elch die evangelische Pfarrftrlle zu Pfissiighetm, Decanat WormS, und dem Pfarrverwalter Otto Schreiber zu Langd, Decanat Nidda, die evangelische Pfarrstelle daselbst zu übertragen. Bon der Universität. Von der Dlrection der Frauen- klinik wird unS mitgetheilt, daß die Zahl der Praktikanten der gynäkologischen Klinik in Nr. 21 unseres Blattes un« richtig angegeben ist. Es nehmen, ebenso wie an den andern Kliniken, in diesem Wintersemester 31 Practikanten und 5 Au-cultanten — gegen 26 Praktikanten und 19 Aus« cultanten im Sommersemester 1896 — au der geburtS- hülflich-gynäkologischen Klinik Thetl. ES ist gewiß erfreulich, daß mit der in allen unseren klinischen Instituten stetig wachsenden Krankenziffer auch die Zahl der Klinictsten in den letzten Semestern sich nicht unerheblich vermehrt hat. ♦ * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordueteu« Versammlung Freitag den 29. Januar 1 897, Nach« mittags y34 Uhr: 1. Gesuch de- CommerzienrathS W. Gail um Erlaubniß zur Erbauung eines Trockenofens und einer Halle bei seinem Thonwerk. 2. Baugesuch des Wilhelm Schäfer II. dahier für den Asterweg. 3. Gesuch des Heinrich Benner II. dahier, die Wasserbude an der Anatomie betr. 4. Gesuch de- Gg. Appel III. und des Joh. Kaspar Heß um Angabe der Baufluchtlinie für die Löwengaffe. 5. Gesuch der Baugenoffenschaft deS Evangelischen Arbeitervereins um Geländeabtretung hinter der Frankfurterstraße. 6. Den Voranschlag deS Stadterweiterungsfonds pro 1897/98. 7. Festsetzung der CokeSpreise. 8. Den Voranschlag deS städtischen Gas- und WafferwerkS pro 1897/98. 9. Vorlage der Rechnung des GaS« und Wasserwerks pro 1895/96. 10. Vorlage der Rechnung der Stadt Gießen und Erstattung deS BerwaltungSberichtS pro 1895/96. * * Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät deS Kaisers wurde in der üblichen Form begangen. Der Zapfenstreich am gestrigen Abend fand bereits um Va8 Uhr statt, von der Serenade vor dem Haufe des Herrn Obersten war abgesehen worden, eine solche fand im Garten deS Caf6 Leib statt, in besten Räumen der 8. C. zum KaisercommerS versammelt war. Die Tagrevetlle fand heute in der üblichen Weise statt. Dem FeftgotteSdienste in der Stadtkirche folgte um liy2 Uhr unter dem Commando des Herrn Major Kurna- t o w Sky die Parade des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm auf dem Hofe der neuen Kaserne an der Grünbergerstraße. Herr Oberst v. Madai hielt eine Ansprache, in welcher er unter Hinweis auf das wiederholt dem Regiment von Sr. Majestät ausgedrückte Vertrauen hervorhob, daß Se. Majestät besonder- diejenige Soldatentugenden betont, die im Kriege zum Siege gesührt- Se. Majestät habe ferner der ruhmreichen Thaten des Regiments und der hessischen Division gedacht. Das Regiment könne sich demVertrauen Sr.Majrstät dadurch dankbar erweisen, daß es militärische Tugenden Übe in Krieg und Frieden, in Treue zu Gott, in Treue zu Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland, zur Familie und sich selbst, durch Gehorsam gegen die Vorgesetzten, durch Muth und Ertragen von Strapazen und Entbehrungen, in Uebung treuer Kameradschaft, in ehren« Hafter Führung in und außer Dienst- dies seien die Grundlagen, auf denen die Armee beruhe und Pflicht Aller, diese Tugenden zu hegen. Geloben wir, diese militärischen Tugenden zu halten, damit Seine Majestät auch ferner sagen kann: „Mein braves hessisches Regiment". Er ersuche die Kameraden mit ihm einzustimmeu in den Ruf: Gott schütze, erhalte und segne Se. Majestät unseren Kaiser: Hurrah! Nach der Parade, zu welcher die Vertreter der Behörden, die Offiziere des Beurlaubtenstandes und eine große Zuschauermenge sich eingefunden hatten, spielte die RegimentScapelle auf dem Kasernenhofe. Im Osfizier-Castno und im GesellschaftSvereinShauS fanden Festesten statt. Für die Mannschaften find in den größeren Wirthschaften Festlichkeiten arrangirt. * * Kaisers Geburtstag in der Schule. Die heutige Allerhöchste Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms, welche die hiefige Volksschule veranstaltet hatte, stand in allen ihren Theilen unter dem Zeichen besten Gelingens in würdigster Form. Sie wurde begangen durch Lied, Rede und Festspiel, welch letzteres eine Huldigung auf Kaiser Wilhelm durch die Sprache verschiedener Blumen darstellte. Nach nochmaliger kurzer Zusammenfastuug aller Darbietungen ging man zur Ver« theilung der obligaten GeburtstagS-Taigscher über, womit die festliche Veranstaltung ihren befriedigenden Abschluß fand. * • tzaym LoeweAbend. Der Schubert-Feier am Sonntag den 31. Januar wird acht Tage später eine weitere Erinnerungsfeier, der des BalladensängerS Loewe, folgen. Gleich Schubert entstammt Loewe einer kinderreichen Schullehrer-Familie- war jener der Schöpfer des „Deutschen Liedes", so kann man diesen als den der Ballade bezeichnen. Auf dem Gebiete der Ballade liegt auch LoeweS Hauptbedeutung und ebenso wie Schubert hat Loewe eine große Anzahl von Sängern gefunden, die die Werke ihrer Meister Pflegen und immer weiter zum Verständntß der großen Mafien zu bringen suchen. Zwar ist der 7. Februar nicht der Geburtstag LoeweS, die hundertjährige Wiederkehr dieses Tages fiel bereits auf den 30. November 1896, auch wird die Feier eine durchaus schlichte sein und fich in den bescheidenen Grenzen eines Liederabends bewegen- aber gerade diese Einfachheit dürfte dem Andenken LoeweS am würdigsten sein. Zu Gehör gebracht werden eine Reihe der herrlichsten Balladen des Meisters, der Sänger des Abends wird Dr. HanS Haym sein, ein uns lieber, wohlbekannter Freund und trefflicher Mufiker. ES wird vielleicht Manchen befremden, den famosen Pianisten und Dirigenten als Sänger begrüßen zu sollen, wer aber den ernsten Künstler Haym kennt, ist überzeugt, daß er en der Stätte seiner Erfolge kein Wagniß übernehmen wird. Au- kompetentester Quelle ist unS bekannt, daßvr. Haym ernste Gesangsstudien gemacht hat und nicht nur mit Ehren bestehen wird, sondern unS Meister Loewe auf das Schönste und Würdigste iuter« prettren wird. Die Arrangements liegen in den Händen deS Herrn Ernst Challter, bei welchem heute schon Vormerkungen aus Sperrsitze (2 Mark) gemacht werden können. * ♦ OmuibuSverkehr. Die Linie von und nach Wteseck wird eingestellt. Auch der Stadtverkehr muß eingeschränkt werden- die Fahrten Nr. 3, 4, 13, 14, 15, 16, 21, 22, 23, 24, 31, 32, 33, 34, 43 und 50 werden bis auf Weiteres fistirt. * ♦ Gedenket der hungernden Vögel im Schnee! Dieser Mahnruf macht jetzt die Runde durch die Zeitungen, und auch wir haben nicht Unterlasten, die Vogelwelt dem Schutze barmherz'ger Menschen zu empfehlen. Heute möchten wir, in der Ueberzeugung, daß der Bitte für die Vögel gern entsprochen wird, mit einigen Zeilen auf die frierenden und mitunter auch hungernden Menschen aufmerksam wachen. ES ist in den letzten Jahren viel geschehen, die Leiden der wandernden Handwerksburschen zu mildern, man hat BerpflegungSstationen eingerichtet, die private Mildthätigkeit hat sich organisiert, man sammelt Kleider für die Bedürftigen, sucht ihnen Arbeit zu verschaffen u. s. w. Bei einiger« maßen günstiger Witterung mögen die gebotenen Hilfsmittel genügen, ob dies aber bei Witteruvgsverhältniflen, wie wir sie im Augenblick haben, der Fall ist, mag bezweifelt werden. Hier bietet sich der privaten Mildthätigkeit ein weites Feld. ES ist gar nicht einmal schwer, helfend etnzuspringen, wo Hülfe noth thut. Wer den mangelhaft bekleideten, vor Kälte zitternden Gestalten auf der Landstraße begegnet, kann sich davon überzeugen, daß mit wenig Mitteln geholfen werden kann. Wieviel abgelegte Röcke, Beinkleider, Stiefel, Strümpfe, Hemden u. s. w. liegen zwecklos in den Rumpelkammern, weil sie dem fiüheren Träger nicht mehr modern oder fein genug sind, ohne daß sie auch nur den kleinsten Riß zeigen, während die Kleider vieler Wandergesellen kaum deren Blöße bedecken, oder so dünn sind, daß Wind und Wetter hindurch Pfeift. Nur zu gern ist der hungernde und frierende Wanderer geneigt, im Schnaps das Untversalmittel gegen Hunger und Frost zu erblicken, wenn ihm andere Mittel zur Befriedigung seines Wärme- und NahrungSbedürfnisteS nicht zu Gebote stehen. In vielen Häusern herrscht neben dem Ueberfluß an Kleidern auch Ueberfluß an Eßbarem, das recht gut an den Mann gebracht werden könnte, wenn daS richtige Verständntß dafür vorhanden wäre. Man braucht nicht immer zu befürchten, damit der HauSbettelei Vorschub zu leisten- wer von seinem Ueberfluß gerne Andern etwas zukommen lassen will, findet wohl auch die richtige Form deS Gebens. Abgelegte Kleider übergebe man zweckmäßig einer Centralstelle (in Gießen z. B. der Herberge zur Heimath), wo erfahrene Männer dafür sorgen, daß wirklich Bedürftige und Würdige damit versehen werden. • * Jagdliches. Im ganzen Großherzogthum beginnt mit dem 1. Februar wieder die allgemeine Hegezeit in Wald und Feld. * * Zu Amerika verstorbeue Hessen. In Newyork: Johann Wagner, 53 Jahre alt, auS Framersheim, Kreis Alzey. In Baltimore, Md.: Johann Emmel, 71 Jahre alt, aus Rainrod- Catharina Engel, 62 Jahre alt, aus Biedenkopf- Conrad Wenchel, 69 Jahre alt, aus Messel- Carl Erck, 66 Jahre alt, aus Nidda. In Washington, D. C.: Wilhelm Ockstadt, 74 Jahre alt, auSBüdtngen. In Allegheny, Pa.: Catharina Schäfer, geb. Bellof, Gattin des GastwirthS Louis Schäfer, 53 Jahre alt, aus Großen'Buseck. In Boston, Mass.: I. C. Ger lach, 54 Jahre alt, auS Nieder-Wetsel. In Chambers Grove bei Napervtlle, Jll.: Margaretha Frey, geb. Klein, alt 79 Jahre, auS Hessen-Darmstadt. In Reed City, Mich.: Maria Büttner, geb. Alles, 74 Jahre alt, auS Unterschwarz. In Lyons, N. Ä) : Elisabeth Nußbtckel, geb. Wagner, 74 Jahre alt, auS Siefersheim. * * Souutagsfahrkarteu. Der von verschiedenen Handelskammern itnb anderen Interessenten in Petitionen ausgesprochene Wunsch, es möchten Sonntagsfahrkarten von und nach allen Stationen ausgegeben werden, scheint seiner Erfüllung entgegenzugehen. In den in der letzten Zeit abgehaltenen Berathungen der BezirkSeisenbahuräthe ist dieser Gegenstand mehrfach zur Sprache gebracht werden, u. A. in dem deS Bezirks Frankfurt a. M. Aus dem Bericht deS letzteren ist zu ersehen, daß sich die Eisenbahudirectionen sehr lebhaft mit der Frage der Weitereinsührung der Sonn- tagSkarten beschäftigen. ES wurde aber hierbei hervorgehoben, daß Sonntagskarten nach den in der Eisenbahnverwaltung herrschenden Grundsätzen gemeinhin nur nach solchen Orten ausgegeben werden sollen, die mit benachbarten Städten in lebhaftem geschäftlichen Verkehr stehen oder durch Naturschönheiten ausgezeichnet sind. Namentlich ist die Ausgabe von Sonntagskarren in Großstädten zu berücksichtigen, um den Bewohnern einer solches Gelegenheit zu geben, Sonntags die weitere oder nähere Umgebung zum Zweck der Erholung aufzusuchen. Im Allgemeinen neigt man aber in den maßgebenden Behörden der Ansicht zu, daß eine möglichst ausgedehnte Ausgabe von Sonntagskarten finanziell nur günstig wirken könnte, weshalb zu erwarten ist, daß die Weiterführung derselben auf Schwierigkeiten kaum stoßen wird. Zu beklagen bleibt nur, daß Seitens der Directionen als Endpunkt für die Abfahrt von den einzelnen Bahnhöfen 3 Uhr Nachmittags festgesetzt ist- durch den späten sonntäglichen Geschäftsschluß sind viele Angestellte erst nach 3 Uhr in der Lage, einen Ausflug avzutreten, für welche dann diese Vergünstigung vollständig verloren geht. Vielleicht ist auch hier eine Aenderung möglich. Mehr Obstbäume! Wiedrrholt wurde darauf hingewiesen, daß bei unß mehr Obstbäume angepflanzt werden. Daß sobald nicht eine Ueberproduct'on zu befürchten ist, vielmehr der deutsche Markt noch sehr wesentlich aufnahmefähig ist, beweist am besten der Umstand, daß, wie die soeben erschienenen pomologischen Monatshefte mittheilen, im vergangenen Herbste 6 Millionen Doppelcentner Aepfel aus Amerika nach deutschen Häfen verschifft wurden, d. h. etwa zwanzig Mal so viel, wie in früheren Jahren. Diese Aepfel haben überall schlanken Absatz gefunden, was in erster Linie der Gleichartigkeit der Waare zuzuschreiben ist. Daß dieses amerikanische Obst dem deutschen Obst so erfolgreiche Concurrenz machen konnte, liegt aber auch mit daran, daß z. B. die Fracht von New York nach Frankfurt a. M. über Rotterdam für den Doppel Centuer 5 Mk., von Holstein nach Frankfurt dagegen 12 Mk. beträgt. Da der Doppel- centnec der amerikanischen Aepfel in der Berliner Central« Markthalle mit 25 Mk. gehandelt wurde, so fällt die Preisdifferenz der Frachten sehr inS Gewicht. Andererseits darf nicht vergeffen werden, daß gutes deutsches Obst einen unvergleichlich höheren Preis, als das amerikanische Obst erzielt, wodurch die Frachtdifferenz mehr als reichlich aufgehoben wird. Da es nun bet der Anlage von Obstbaum- güteru, sowie des AolegecapitalS unerheblich ist, ob man gute oder schlechte Sorten anpflanzt, auch die Behandlung der Bäume und die Arbeit die^ gleiche ist, so ist, schreibt die „Voss. Ztg.", jeder Schutzzoll, für den Stimmung gemacht werden sollte, abzuweisen, vielmehr einer Ermäßigung der Frachtsätze für frisches Obst das Wort zu reden. Die Hauptmaffe des nach Deutschland eingesührten ObsteS wird nicht frisch gegeffen, sondern verarbeitet. Neuanlagen von ObstverwerthungSstellen in solchen Gegenden, in denen sie bisher fehlen, also besonders in Norddeutschland, sind deshalb besonders zu empfehlen. Hier wird viel Obst, daS jetzt noch wegen zu hoher Fracht nicht verwendet werden kann, ficheren Absatz finden. ES ist dies aber stets Obst zweiter Güte, denn wirklich gutes Obst verträgt auch den hohen jetzigen Frachtsatz. Außer Privaten sollten aber auch die Gemeinden und der FiscuS dem Obstbau an öffentlichen Wegen mehr Aufmerksamkeit schenken. Von Jntereffe ist in dieser Beziehung die Ueberficht der vierzehn Straßen- und Wasserbauinsprctivnen des Königreich- Sachsen über den Obstnutzungsertrag aller an fiskalischen Straßen uod Bächen gepflanzten Obstbäume sür daS Jahr 1895. Die Ueberficht zeigt, daß rund 142,000 Mk. für daS Obst eingiogen. -a- Dorf-Gill, 25. Januar. Ein aus Holzheim gebürtiger, ungefähr 15 Jahre alter Jüngling wurde heute in dem zwischen hier und Lich fich auSdehnenden Walde erfroren aufgefuuden. — (Bon anderer Seite wird uns folgendes mitgetheilt: „Der 21jährige Konrad Grieb von Holzheim, welcher in der Schuhmacherei des Herrn Kiefer in Butzbach beschäftigt war, stattete am vorigen Sonntag in Muschenheim einen Besuch ab. Abends begab er fich mir einigen Dorfgiller Burschen auf den Heimweg nach Holzheim, blieb aber, ohne daß letztere es merkten, zurück. Bet dem eben herrschenden Schneewetter muß Grieb zu Fall gekommen und liegen geblieben sein, denn am Montag Morgen wurde derselbe auf dem Wege von Muschenheim nach Dorfgtll tobt aufgefunden.") 4- Lich, 26. Januar. Die hiefige Section deS V o g e l S - berger Höhenclubs, welche gegenwärtig 35 Mitglieder zählt, hielt am Samstag Abend eine Abendunterhaltung ab, in welcher musikalische und theatralische Vorträge abwechselten und woran sich ein Tanzvergnügen anreihte. Sämmtliche Mitwirkenden leisteten Vorzügliche- und wurde denselben deshalb auch von den überaus zahlreich Erschienenen der wärmste Dank zu Theil. Die animirteste Stimmung hielt die Festgäste bis zur Morgenstunde versammelt. Vivat segnens! r. Langsdorf, 25. Januar. Herr Lehrer Leidtch und Familie dahier, wurden in große Trauer versetzt. Das etwa 6jährige Söhnchen desselben wurde nämlich von einem Pferde so unglücklich geschlagen, daß e- heute her hierbei erlangten Verletzungen erlegen ist. 4- Geih-Rtdda, 26. Januar. Bet der gestrigen Wahl eines Oberhauptes unserer Gemeinde siegte Herr Adolf Lind über den Gegencandidaten Ludwig Lind mit geringer Stimmenmajorttät. Ersterer war schon im ersten Wahlgange, 2. Mai 1896, einmal als Bürgermeister erkoren worden. Freiensteinau, 25. Januar. Sehr oft liegt das Gebtrg voller Schnee- man hat die schönste Schlittenbahn, draußen aber ist wenig oder gar kein Schnee. Der Vogelsberger, in dem Glauben, eS sei überall wie zu Hau- sieht auf einmal blanken Erdboden unter seinem Schlitten- der Auswärtige findet heretnkommend Schnee unter den Rädern. Beide sind gleich übel daran. Unter dieser Calamttät hat namentlich die Post von hier nach Steinau viel zu leiden gehabt. Diesem Urbelstande ist nunmehr durch ein Vehikel abgeholfen worden, das mittelst einiger Handgriffe zu einem Wagen oder Schlitten um gewandelt werden kann, ein sehr wesentlicher erfreulicher Fortschritt. Darmst. Ztg. § Vom höheren Vogelsberg, 25. Januar. Für diesen Winter scheint sich die Bauernregel zu bewahrheiten: „Wenn die Tage anfangen zu langen, kommt der Winter gegangen." Denn nachdem fett Herbst meistens nur Kälte herrschte, ist seit gestern Abend Schneefall mit Sturmwind eingetreten. Viele Straßen find unpasfirbar, besonders alte Hohlwege find fast gänzlich zugeschneit, ebenso die Straßen an ge schützten Stellen, wo mitunter der Schnee 2 bis 3 Meter hoch liegt, während an windigen Stellen der Schnee saft ganz weg geweht ist. X Darmstadt, 25. Januar. Auf dem eine Stunde entfernten Hofgute Kranichstein, 2 Minuten von dem Jagdschlösse, dem Lieblings-Aufenthalte der Großherzogin Alice gelegen, brach hrute Morgen Groß feuer aus. Ein Schweizer hatte die „Schlauheit", eine eingefrorene Brunnenröhre mittelst eines brennenden Bausches Stroh austhauen zu wollen, der starke Wind trieb daS brennende Object gegen die mit starken Dorräthen an Futtermitteln versehene Scheuer, und bald stand, wie uns ein Augenzeuge mittheilte, ein Thetl der Pachthof Gebäulichkeiten in Hellen Flammen. Der Schloßverwalter ließ den Ablauf deS Kranichsteiner Teiche- ab, sodaß genügend Wasser da war und die in einer halben Suiivn MMv : Ädrvbuntnhaltnng ct j{ Dortragr (Widm i avttthle. Sammllit. und wurde benjelber Ztuude auf dem Brandplatze erschienene hiesige freiwillige Feuerwehr dem Brand energisch zu Leibe rücken und bald bekämpfen konnte. Ein großer Theil des Dachstuhles deS Wohnhauses sowie drei Ställe brannten nieder. Sämmt- licheS Inventar des Wohnhauses u. s. w. war auSgeräumt worden. Das Großvieh konnte gerettet werden, einige Tauben kamen um. Der Pächter war gerade verreist. Der Schaden ist groß, aber durch Versicherung gedeckt. Der unvorsichtige schweizer wurde vorläufig in Gewahrsam genommen. Im Zähre 1891 brannte ein nicht unbeträchtlicher Theil der sZachthof-Gebäulichkeiteu nieder, vermuthlich durch Brand- stiftung, doch war die Eruirung des ThäterS nicht möglich. H. Darmstadt, 27. Januar. Der Großherzog nahm die heute anläßlich deS Geburtstages Seiner Majestät deS Kaisers stattgefundene Parade persönlich ab und brachte das Hoch auf denselben aus. Nachmittags findet Galatafel im Palais und Festessen für die Militär- und Ctoilbehörden, Abends Festoorstellung im Operuhause statt. B. Mainz, 27. Januar. Die Maschinenwerkstätte der LudwigSbahn ist in verflossener Nacht niedergebrannt. Der Ingenieur Zulauf fand dabei den Er- iiickungötod. Mainz. 26. Januar. DaS am Samstag erschienene Anzeigeblatt für den Dienst der Hess. LudwigSbahn enthält iolgenden Abschied: An sämmtliche Beamte und Be« dienstete. Bei dem bevorstehenden Uebergange der Verwaltung in die Hande deS Preußischen und Hessischen Staates verabschieden wir unS hiermit von den sämmtlichen Beamten und Bediensteten, danken Ihnen sür treue Pflichterfüllung unb die gewährte Unterstützung und wünschen Ihnen das beste Wohlergehen. Mainz, den 21. Januar 1897. Der ÄerwaltungSrath und die Special Direction. Au8 Rheinhessen, 25. Januar. Nachdem sich der „Neue" vorzüglich geklärt hat, wurde nun fast allenthalben mit dem ersten Abstich begonnen. Die Qualität ist über alles Er- warten befriedigend ausgefallen und dürfte an allen Orten weit über der des Jahres 1894 stehen. Infolge dessen werden gegenwärtig große Abschlüsse zu bedeutend gestiegenen Preisen gemacht. 1 ÖDi Holzhrtm gM 'gling wurde heute ii rdehueudeu Walde ti Nir Seite wird iw ze Konrad Grieb der «i deü Herrn Lieser i- n vorigen Sonntag b vdS begab er sich «ii peimweg nach holjhei-, iktrn, zurück. Bei der Srieb zu Fall gekonnt Montag Morgen wuete tim nach Dorfgtll tobi Verlöschtes * Wetzlar, 26. Januar. Ein sehr bedauerlicher Unglücks fall hat sich gestern Vormittag auf der Grube ,,Gutglück" bet Braunfels zugetragen. Auf einer Schacht« johle deS Einzelfeldes „Wrangel" genannter Grube wurde ter Grubenaufseher Jacob Hofmann aus Leun von zwei Bergleuten todt aufgefunden. Hofmann hatte vermuthlich noch etwas in dem Schachte nachsehen wollen, ist hierbei aus geglitten und auf die tiefe Schachtsohle hinabgestürzt. Dir Verunglückce ist 44 Jahre alt und verheirathet. * Berlin, 24. Januar. Am SamStag Abend gegen 11 Uhr brach in der Uutonsbrauerei in der Hasenhaide Feuer aus. Um IP/i Uhr wurde ein großer Theil der B.rliner Feuerwehr alarmirt, da das Feuer größere Dimensionen annahm. Mehrere Dampfspritzen traten in Thätigkeit. ES gelang der Feuerwehr, gegen 3 Uhr Morgens des Feuers Hrrr zu werden, nachdem dasselbe localtfirt worden war, so dast um diese Zeit mit den Ablöschungsarbeiten begonnen N 5 Nti titn d. h ^bsi s» 5 H auch n(t 50l6ttHt Mui > SRt k 4R* fott »'• ,rr »etiiai lö8t do?Obstb^ «.tei ort ,,, 86 flun8 „ i“ »eben, ®i. *'« out« L ff“?» in denen fit SM H«» i'l * w ebft, iat 7 vertagt och bn ± Mt(n °d« aut an affentlW)ft u.8ob 3«msse ist b Sttaßen. unb )’ Tachsrn übet ho n Straßen nab 1895- Die UeberH 6 Obft eingingen. werden konnte. DaS Kühlschiff ist abgebrannt, Personen find dagegen nicht verunglückt- von den Feuerwehrleuten ist Nie« mand verletzt. * Die gegenwärtige Saison der Bälle und großen gesellschaftlichen Vereinigungen bietet eine gute Gelegenheit, die Aufmerksamkeit der Liebhaber deS als exquisit wett und breit bekannten Ltqueur Bsnödictine darauf zu lenken, stets den einzig und allein ächten aus Fscamp (Frankreich) zu fordern und darauf zu bestehen, daß man ihnen denselben auch effective aushändigt resp. in Caf^S«Restaurants auch in der Origtnaiflasche servirt. Leider geschieht es nur zu ost, daß man an Stelle dieses wirklich ersten LiqueureS dem Publikum Nachahmungen, oder Fälschungen anbtetet, von denen man sich aber heute sehr in Acht nehmen kann. Laien und Fachkreisen dürfte daher die Mittheilung skhr willkommen sein, daß, laut mehrfacher Entscheidung deS Kaiser!. Patentamtes Berlin, das Wort „Bensdictine" kein Freizeichen mehr und daß sogar Zusätze wie deutscher oder sächsischer Benedictiner, Liqueur Benedictas oder ähnliche Benennungen unstatthaft und bei Strafe verboten sind. Auf Verlangen erfolgt gratis Zusendung der diese Entscheidung behandelnden Broschüre durch den General-Agenten Hans Hottenroth, Hamburg. * Sin eigenartiges Preisausschreiben von besonderem, allgemeinen Werthe erläßt die bekannte illustrirte Famtlien- zeitschrift „Zur guten Stunde" (Berlin W. Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Preis deS Vierzehntagheftes 40 Pf.) in ihrem neuesten Hefte, über welches wir im Interesse unserer Leser folgendes mittheilen. „Eine auffallende Erscheinung unserer Zeit" schreibt „Zur guten Stunde" ist die wechselnde Verbreitung des dem Familiensinn des deutschen Volkes sonst fremden Junggesellenthums. Fragt man nach dem Grunde dieser zunehmenden Ehescheu, so erhält man fast stets dieselbe Antwort: „Unsere moderne Erziehung berücksichtigt zu wenig die Pflege eines öcono- mischen Sinns. Die meisten jungen Mädchen und Frauen lernen nicht, sich einrichten- viele bringen aus einem reicheren elterlichen Haushalt verwöhnte Ansprüche mit in ihr karger bedachtes Heim, sie kennen nicht die Schwierigkeiten unseres heutigen Erwerbslebens und beeinträchtigen dadurch das Schaffen des Mannes, anstatt es zu fördern. Andererseits haben die Männer ihre ganze Kraft gegenüber einer verstärkten Concurrenz auf allen Gebieten nöthig und können diese Kraft nicht durch Sorgen um Haushalt und Familie zersplittern. Auch fehlt ihnen bei ihrer fast ausschließlich auf den Erwerb gerichteten Vorbildung jede Befähigung dafür". — WaS soll geschehen, um diesen Schwierigkeiten ein Ende zu machen? „Zur guten Stunde" hat deshalb ein besonderes Preisausschreiben erlassen für die besten Beantwortungen der Frage: Wie muß eine Familie von Vater, Mutter und zwei Kindern ihre Ausgaben einrichten, um auszukommen mit einer jährlichen Einnahme von 1) 1800 Mk., 2) 2400 Mk., 3) 3000 Mk.? Als Preise sind ausgesetzt dreimal Einhundert Mark, drei Aquarelle im Werthe von je Neunzig Mark, und drei Kupfergravüren im Werthe von je Sechzig Mark, sowie weitere einhundert kleinere Preise. Die näheren Bedingungen sür die Betheiligung an der PreiSconcurrenz finden sich in dem genannten Hefte der Zeitschrift. Citerahw rrnd Arrrrsto — Der Streit um Dr. Fausts Geburtsfiäte ist zur Zeit wieder lebhaft entbrannt. Anlaß dazu qtebt die bevorstehende Niederlegung des sogenannten Fausthausetz in rem thüringischen Torfe Roda. Verschiedene illustrirte Blätter haben in den letzten Wochen Avbild- ungen dieses Hauses gebracht, in welchem nach der Ueberlteferung der Faustbücher der berühmte Schwarzkünstler das Licht der Welt erblickt haben soll- Das dies indeß nicht der Fall ist und der historische Nekromant Johannes Fault in dem in dem würtlem- bergischen Neckarkretsegelegenen Ställchen Knittlingen geboren worden ist, geht aus einer Reihe unanfechtbarer Zeugnisse seiner Zeitgenossen bervor. Eine sehr interessante und klare Zusammenstellung des hierhin einschlägigen Materials gtebt zum ersten Male ein in 9tr. 14 der Zeitschrift ,Utb «nien | hatte fi* lchiea J ötttz,«. am tani Itiiia §; »t im, S*««« *** tu bl ~ -W •«Mn II. Winn 974 978 dieses Blattes. 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