Rr. §03 Zweites Blatt. Samstag deu 25. Deeember 1897 Der m*Mt Avjeiger erschaut täglich, ■* Ausnahme bei Äextoff. Die Kietzener A««ttie»öttl1er werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Bierteljährig« AvoanementLpret» l 2 SR art 20 Vfa- ”tt Bringer lohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg. . • Webaction, Expedition und Druckerei: j Kchutstrahe Ar°r» Fernsprecher 51c. Anrts- und Anzergeblntt für den Äveis Gietzen. Annahme von Anze,gen zu der Nachmittag- für den felgmben Tag eischeinenden Nummer bi- Borm. 10 Ubr. chratisöeitage: Gießener Kamitienbtätter. Alle Lunonceu-Bureaux de- In« nvd An-lanbc- nehm« Anzeigen für deu „Gießener Anzeiger" aüge»*L Co« Preise von 15 Pfennig bet jeder ReichS-Postanstalt bezogen werden. Liegt der Bestimmungsort e ner Postsendung ta einem fremden Postgebiet, so ist bet deu weniger bekannten Orten auch daS Land oder der LaudeSthril auf der Adrefie anzugeben. Bei Briefen nach Berlin ist, außer der Wohnung de» Adressaten, der Postbeztrk (N., NO re.), in dem die Wohnung fich befindet, auf der Adrefie hinter der OrtS- Fettilleton. KO. Es Roller hatte war Weihnachtsabend. Der reiche Kaufmann sein Geschäftslocal, das in der lebhaftesten großen norddeutschen Handelsstadt lag, schon lasten. Seine Leute, vom jüngsten Lehrling Der Traum. Weihnachtsskizze von I. Staacke. (Nachdruck verboten.) (Hegend einer früh schließen - - bis zu dem alten, langjährigen Buchhalter hatten das übliche Weihnachtsgeschenk in blanker Münze erhalten und waren dann mit kurzem Gruße entlasten. Der Kaufherr saß nun, eine Cigarre rauchend, in dem weichen, eleganten Lehnstuhl und ließ seine Blicke mit Wohlgefallen durch das reich aus- aeftattete Zimmer schweifen. Arnold Roller hatte es weit gebracht in den vierzig Jahren, wo er als armer Waisen- knabe seinen Einzug in die große Handelsstadt gehalten, denn er war i« der Zeit ein mehrfacher Millionär geworden. Sein großer, fast schloßartiges Haus mit den vielen Prunk- gemächern lag in dem vornehmstem Stadtviertel und war der Sammelplatz der angesehensten und reichsten Familien. Er konnte sich elegante Equipagen und eine große Diener- schatt halten, machte auch alljährlich mit seiner Familie theure Badereisen. Genug, Arnold Roller hatte alle Ursache, mit dem Erfolge seiner Thätigkeit zufrieden zu sein. Dennoch lauerte eine Wolke des Verdruffes und der Verstimmung auf seiner Stirn, deren Ursache Folgendes war. Er hatte am Morgen eine Aufforderung erhalten, seine Beitrage, die er jährlich an verschiedene wohlthätige Anstalten zahlte, zu ver- dcwpeln. Die dafür angeführten Gründe waren allerdings ber Sri, daß sich nichts gegen selche F°rd°rung°r' -mwenben liest. Dennoch glaubte Roller, genug für wohlthätige Zwecke ru zahlen und war daher ungehalten über die Bitte. Die Leute glauben wohl, ich sitze bis an die Ohren im Kolde" flüsterte er, mit sich selber redend. „Es ist schon da» dritte Mal aß ich zur Verdoppelung der Unterstützungs- aUder aufqefordert bin und gerade in diesem Jahre habe i* manche nicht unbedeutenden Verluste erlitten. Außerdem rwch viele große Ausgaben gehabt, ich mußte ein neues^Hau -inricktcn lasten, das alte war doch |U schlecht. Enorme Summen haben bie Möbel, Teppiche und bie sonstige Mu4ftattunq gekostet. Es ist mir nicht möglich, nur noch die Ne Summe mehr für wohlthätige Zwecke zu opfern. Seit ich diese« Hau« bewohne, forbert man mehr von mir, ich geben tonn 1 Wahrlich ich thue Gut-S genug habe ich doch meiner Frau und ben Rmbern gewährt, eine Weih- bezetchuuug „Berlin" zu vermerken. Die genaue Beachtung dieser Punkte trägt zu einer beschleunigten Beförderung der Postsendungen wesentlich bei und liegt daher in erster Linie im eigenen Jutereffe der Absender. Schließlich wollen wir, um nochmals auf den Neujahrsverkehr zurückzukommen, nicht unterlassen, deu Absendern von NeujahrSbrtefen deu möglichst frühzeitigen Ankauf der erforderlichen Freimarken und die Absendung der NeujahrSbrtefe nach auswärts einige Tage vor Neujahr dringend auS Herz zu legen. Denn erfahrungsgemäß ist der Andrang an den Postschalteru am 31. Deeember ein fo ungeheuerer, daß es trotz der uwfaffeudstea Vorkehrungen der Postbehörde ost nicht zu vermeiden ist, wenn an diesen Tagen Stockungeu am Schalter eiatreteu. Wer also zur Erlangung seiner Freimarken nicht längere Zeit am Schalter stehen will, was gerade nicht zu den Annehmlich- ketten gehört, der wache seine Einkäufe schon einige Tage vor Jahresschluß. Vudiugeu, 21. Deeember. Au daS Bahubauproject Stockheim—Frankfurt a. M. knüpfen fich für die Gegend von Büdingen und für das Seementhal die Hoffnungen auf »ine Bahnverbindung mit Ltudhetm— Frankfurt und dem oberen Vogelsberg. Da diese Hoffnungen keine Aussicht auf baldige Verwirklichung zu haben scheinen, hat man fich einem neuen Project zugewaudt. Bekanntlich hat die Hanauer Kleiubahu-Actien-Gesellschaft eine Kleinbahn von Hanau bi» Hüttengesäß gebaut, die seit etwa einem Jahre im Betrieb tst uud bedeutenden Verkehr hat. Diese Kleinbahn gedenkt mau bis Büdingen uud von hier nach dem oberen Seemen- thal, zunächst bis Kefenrod, fortzuführen, falls die bethetligteu Gemeinden uud sonstigen Jntereffenten daS Unternehmen durch freie Stellung des Gelände» und entsprechende Geldbeiträge unterstützen. Durch diesen Bahnbau würde für daS obere Seemeuthal die gewünschte Verbindung mit Büdingen und der Oberhesfischen Bahn und für unsre ganze Gegend eine nachtsbescheerung für eine vaterlose Familie herzustellen und gab ihnen reichliche Mittel dazu. Rur Eines habe ich mir ausbedungen, mich nicht zu rufen, wenn die Bescheerzmg vor sich geht, ich liebe dergleichen Schaustellungen nicht, für die ich mein schwer verdientes Geld hergeben mußte. Meine Frau meint zwar, die Freude der Empfänger wird doppelt groß sein, wenn der Geber daran theilnimmt. Aber ich that es ja nur, weil dergleichen Spenden von einem reichen Manne erwartet werden. Doch nun ist's auch genug unb ich habe keinen Pfennig mehr! Damit war Arnold Rollers Selbstgespräch beendet, denn müde und abgespannt von des Tages Mühen und Arbeiten, schloffen sich seine Augen. Vom Schlafe übermannt, hatte er folgenden Traum: „ES öffnete sich die Thür und herein trat ein einfach gekleideter Mann, der ihn mit milder, aber eindringlicher Stimme bat, die an ihn gerichtete Bitte, seine Beiträge für die verschiedenen wohltätigen Vereine und Anstalten zu erhöhen, nicht abzuschlagen Dieses Anliegen berührte Arnold Roller sehr unangenehm, aber in dem Gesicht des Fremden lag ein so tiefer Ernst und doch wieder so große Sanftmuth, daß er die heftige Antwort unterdrückte und mit freundlichen Worten die Gründe nannte, die ihn zwangen, dem Wunsche keine Gewährung zu geben. Der Fremde trat dann ganz nahe vor Arnold Roller und sagte: „Es ist heute gerade ein Jahr, Du standest an dem Krankenbette Deiner Tochter, Sorge, Schmerz und Verzweiflung verscheuchten Dir den Schlaf, denn Du fürchtetest, Dein geliebtes Kind würde sterben! An Wen richtetest Du die Bitte um Genesung für die Kranke? Rach einer Weile, in welcher Arnold Roller den Fremden schweigend angeschaut, fuhr dieser fort: „Zwanzig Jahre früher, als der Tod seine kalte Hand nach Dir ausstreckte und Du mit großer Sorge daran dachtest, daß Du Deinem Weibe und Kinde nur wenig hinterlassen würdest, kaum genug für sie, zum Leben! Wen hast Du angerufen um Genesung und wer errettete Dich vom Tode?" Wieder schwieg der Fremde einen Augenblck und erwartete eine Ant- wort. Doch tiefe Stille herrschte im Zimmer, Arnold Roller, das Haupt auf die Brust gesenkt, blickte immer noch schwei- gend vor sich nieder Da trat der Fremde ganz nahe an ihn heran und leise flüsternd fuhr er fort: „Vor vierzig Jahren gab es eine Zeit, wo Du einsam und verlassen, eine arme Waise, ohne Hülfe und Hoffnung einzogst in diese große Stadt, — wer war damals Deine einzige Zuflucht? Wen riefest Du an, Dir zu helfen? Wer erbarmte fich Deiner und lichtete^)ir Wege, die gar dunkel vor Dir lagen? Sprich, hast Du Dich nicht immer an Gott gewandt unb hat Ec Dich nicht jedesmal erhört und Dir geholfen? Verbindung mit der gewerbreicheu Stadt Hanau geschaffen, die für die Ausfuhr unserer landwirthschaftlichen Producte, die Ausfuhr von Holz, Braunkohlen, Basalt- und Sandsteinen u. dergl. von großem Vorthrtl sein würde. Neben dieser Bahnverbindung bliebe nach wie vor der Bau einer Nebenbahn von Büdingen nach Ltndheim zum Anschluß au die Bahn Stockheim—Frankfurt zu erstreben. Zur Be- rathung über die geplante Weiterführung der normalspurtgen Kleinbahn Hanau—Hüttengesäß bis Kefenrod war am Sonn- tag 19. d. M., das Lomits für unsere Nebeubahnprojecte hier versammelt- zu dieser Sitzung waren außerdem die Vertreter der au der Strecke Büdingen—Hüttrngesäß beteiligten Gemeinden und Haupttntereffenten geladen. Bon Gemeinden waren vertreten AltwiedermuS, Eckartshausen, Vonhauscn, Kefenrod, Burgbracht, Nirder-Seemen. Einstimm'g wurde das Projekt mit Freuden begrüßt uud festgestellt, daß fast alle au demselben tuteresfirren Gemeinden voransfichtlich bereit sein würden, daS Unternehmen durch Geländestellung oder Baarbetträge zu unterstützen. SS wurde daher be« schloffen, daß da- Comils für dieses Project kräftig eintrere und mit den Jaterrffentkn und Gemeinden wegen der materiellen Unterstützung de» BahounternehmenS in Unterhand- lang trete. Vermischtes. • Berlin, 22. Deeember. Auf dem Hofe deS Hauses Span- dauerstroßr 46 zog der 14jährige Lehrling Hermann Witte einen Taschentefchin aus seinem Rocke hervor, zielte scherzend auf den gleichalterigen Lehrling Hermann Großmann und rief ihm zu: „Paß auf, Feuer!" In demselben Augenblick entlud fich die Waffe und oaS Geschoß drang dem Lehrling Graßmanu tu bie linke Schläfe, so daß er blutend zu Boden stürzte. Der Knabe wurde auf Anordnung deS ArzreS nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht, wo er bald Bei diesen Fragen regte fich plötzlich bie Reue in bem Herzen bes reichen Mannes. — „Ja!" rief er aufs Tiefste erschüttert, „Gott war mir gnäbig. Er hat jebesmal, wenn ich zu Ihm flehte, meinen Ruf erhört!" „Hat er fich je beklagt, Du feiest zu oft gekommen? fragte ber Frembe mit ernster Stimme. „Jetzt aber darfst Du nie wieder etwas von Ihm erbitten, da Du ihn abge« wiesen, als in Seinem Namen Anforderungen an Dich gestellt wurden, die Du leicht gewähren konntest, zumal es Weihnacht ist, das Fest der Freude und des Friedens! — Unb bist Du nicht ein reicher Mann?" „Halt ein!" flehte Arnolb Roller, die Hände ausstreckend. „Ich erkenne meine Schuld und bin bereit, sie abzutragen, indem ich von dem gebe, was mir in reichem Maße zugetheilt ward!" „Nun wohl, halte, was Du soeben gelobt I Ehre sei Gott in der Höhe! Damit beginne das heilige Christfest! Und die Hände wie segnend ausstreckend, verschwand der Fremde. — Arnold Roller aber erwachte jetzt. Eine lange Weile saß er noch in ernste Gedanken versunken und ließ die Vergangenheit an seiner Seele vorübergleiten. Nicht nur, was der Traum ihm gezeigt, war in Wirklichkeit so gewesen, Gott hatte ihm noch viel öfterer geholfen, wenn des Lebens Last seine Seele bedrückt und die Zukunft traurig vor ihm lag. Da ertönte plötzlich von bem nahen Kirchthurm bie Melobie des Liebes: „Gott in ber Höh' soll werden. Der Ruhm und Fried' auf Erden Und Wohlgefallen immerdar!" Ein beseligendes Lächeln glitt über Arnold Rollers ernste Züge und sich an feinen Schreibtisch setzend, unterschrieb er die dort liegenden Bittschriften um Vergrößerung feiner Beiträge für die verschiedenen wohlthätigen Anstalten und Vereine. Dann öffnete er ein Fach des Tisches und demselben eine Goldrolle entnehmend, flüsterte er: „Ich kann geben und will geben!" Mit diesen Worten verließ er das Zimmer. Heller Lichterglanz strahlte ihm entgegen, als er bie Treppe erstiegen unb den großen Festraum betrat. Die Christbäume brannten und lauter Jubel ertönte, den Armen ward bescheert! Arnold Roller aber nahm nicht nur Theil an der Freude, die er geschaffen, er war der Glücklichste unter den Versammelten, denn die Seligkeit des Gebens erfüllte sein Herz. Als dann seine älteste Tochter sich an bas Piano setzte unb bie Melobie des Weihnachtsliedes spielte, welche bie frohe Kinberschaar mit Gesang begleitete, klang es auch von seinen Lippen: „O Du f öhliche, o Du selige, Gnadenbringeude WeihnachtszeitI' habe nicht gewußt, daß X t* des aabent fährt. Der einzige »eg, de» der greise Staatsmann ohne Gebrauch des Rollstuhle» zurücklegt, ist jetzt der allmorgeodliche Gang vom Schlafzimmer nach dem Baderaum, etwa 20 Schritte, die er, gestützt auf feinen Kammerdiener, ohne Nachthell wagen darf. Der Humor und der Appetit de» Fürsten laffeu trotz Schmerzen in den Beinen und de« Mangel an ausreichender Bewegung nicht» darauf starb. Ditte behauptet, er der Leschtu geladen war. • »ei eine« Postdtebpahle zwischen Büren und Geseke in Westfalen find, wie der Erste Staatsanwalt iu Paderborn bekannt macht, aus dem Borderladeraum des Personenpost« wagens vier Geldbriefbeutel mtt Werthseuduugeu, die auf zusammen 1583.98 Mk. drclarirt waren, und ein Post- sack gestohlen worden, in de« sich Sendungen befanden, welche zwei LegirimatiouSpapiere enthielten. DaS eine war ein HeimathSscheiu der Ordensschwester Elisabeth Beruardiue Boß, geboren am 17. November 1855 zu Salzkotten, zur Zett in Hörbrauz, Boralberg, daS andere ein Militärpaß für den Reserviftru Hermann Degenhardt zu Westheim, der dort am 17. April 1875 geboren ist und beim Juf.-Regt. Bogel von Falkenstein (7. Westfälische») Nr. 56 gedient hat. Der Staatsanwalt glaubt, daß beide Legitimationspapiere zu Betrügereien benutzt werden dürften. Die Oberpostdireetion zu Minden setzte auf Wiedererlangung der Werthbriefe und Ergreifung des Thäter» eine Belohnung von 150 Mk. a»S. * Fürst viSmarck im Rollßuhl. Wie gemeldet wird, ist Fürst Bismarck augenblicklich gezwungen, einen Rollstuhl zu benutzen. Bon einem gelegentlichen Besucher in FriedrichSrnh wird dazu geschrieben: Die Einrichtung datirt erst fett ganz kurzer Zeit. Lange genug hat der Fürst fich dagegen gesträubt, zu diesem Hilfsmittel zu greifen, mußte fich aber der Nothweudigkeit fügen, da jede Anstrengung des geschwollenen Beine- für längere Zeit zu vermeiden ist, wenn das hartnäckige Beuenleiden endlich schwinden soll. Und da der sonstige Zustand deS Altreichskanzlers ihm die Thetl- nähme an allen Mahlzeiten und die gewohnte Beschäftigung mtt Lesen, sowie die Unterhaltung im Familien« und Freundeskreis fast ohne Einschränkung, wie in gesunden Tagen, gestattet, so würde e» für ihn sehr lästig sein, an ein und dasselbe Zimmer für Wochen gefesselt zu sein. Deshalb ist al» da» kleinere Uebel von zweien der Rollstuhl zu Hilfe genommen worden. ES ist ein in Anbetracht des erheb« lichen Körpergewichts des Fürsten Bismarck sehr fest gebauter, niedriger Stuhl, der auf Gummirädern von etwa 50 Crutimeter im Durchmesser läuft, und dessen elegante Lonstrvciion nicht verräth, welche starke Last man ihm zumuthen darf. Lange auch hat der Benutzung einer solchen Fahrzeuges, das dem Fürsten bei seinem Leiden schon viele gute Dienste hätte leisten können, der Umstand i« Weg gestanden, daß im FriedrichSruher Herrenhaus die Wohn- und Speisezimmer von dem Arbeitszimmer und Schlafgemach des Fürsten, die im linken Schloßflügel liegen, durch einen Eorridor getrennt find, der vier Stufen höher liegt als das Hauptgebäude. Die kleine Treppe wird nun, um ein glattes Passtren des Fahrstuhls zu ermöglichen, durch eine kleine Holzbrücke überdeckt, sobald der Fürst von einem Schloßtheil zu wünschen übrig. • Lier jugendliche Ausreißer, Schüler de» Kaiser Wilhelm Realgymnasium- in Berlin, welche vor etwa acht Tagen heimlich abgereist waren, um — nach Afrika auSzu- wandern, find in Genua gefaßt und wieder nach Berlin zu- rücktranSportirt worden. Die jungen Leutchen, welche i« Alter von 17 bi- 18 Jahren stehen, hatten fich die Reife- mittel durch heimliche Anleihen bei ihren Eltern verschafft. Der Telegraph hat ihre Absicht, Suttur und Sitte nach Afrika zu tragen, vereitelt, und so mußten denn die jungen Leute zwangsweise He Rückreise in die Heimath antreten. Die Ausreißer, welche säwmtlich von der Gemeiudeschule zum Gymnasium übergegangen waren, müßen übrigens ihre Abenteuer' lust schwer büßen, denn alle vier find vom Director der Anstalt sofort entlassen worden. • Sin Professor all Räuber. Der Professor au der bulgarischen Realschule zu Köprülü, Herr Jordan, «achte im Sommer mit seinen Schülern einen Ausflug in die Berge. UnterwrgS wurde nun die Schaar von Räubern übersallen, welche einen der Schüler, den Sohn eines reichen Kaufmanns, mit fich schleppten. Für die Freilafiuug des Gefangenen mußte ein hohes Lösegeld gezahlt werden. ES gelang jedoch später, einige der Räuber einzufaugen, und da ergab die Untersuchung daS überraschende Resultat, daß der Herr Profeffor selbst ein Mitglied dieser Räuberbande war und an dem Lösegelb participirte. Bor einigen Tagen wurde der Profeffor zu fünf Jahren, feine Spießgesellen zu zwei bis drei Jahren Zuchthaus verurtheilt. • Der anfchwellende Goldreichthum der Welt. Nach einer Zusammenstellung deS amerikanischen Münzdirectors Preston setzt fich die starke Steigerung der Goldförderung, wie fie seit einem Jahrzehnt hervortritt, auch im laufenden Jahre fort. Die Production betrug 1891: 548 Millionen Mark, 1892: 613, 1893: 659, 1894: 760, 1895: 840, 1896: 840 bis 860 Millionen Mark. Im laufenden Jahr macht fie einen weiteren gewattigeu Schritt vorwärts und wird voraussichtlich eine Milliarde erreichen. Der Grund dieser unerhörten Steigerung liegt ebenso in der Erschließung neuer ProductionSgebiete, als in dem Fortschritt des Verkehrs und der Technik. Bon den ProductionSgebieteu ziehen neuerdings die Goldfelder von Alaska und Westaustralien die allgemeine Aufmerksamkeit auf fich. Noch in der deutschen Silbercom« Mission von 1894 wurde die westaustralische Ausbeute al» unbeträchtlich bezeichnet- seitdem ist sie so gestiegen, daß fie heute schon — infolge BloSlegnng der Sold-Tellur-Erzr Ende vorigen Jahre» — die der anderen Anstralstaaten Victoria, Queensland und Neu SüdwaleS übertrifft und t« nächsten Jahre 40—60 Millionen Mark erreichen wird. Im Ganze« wird 1897 die australische Ausbeute 230 Millionen Mark betragen. Südafrika wird 1897 30 Millionen Mark «ehr Gold al» 1896, oder 230 Millionen Mark liefern, la» Alaska kommt die Nachricht, daß dort ein neues Goldfeld entdeckt worden ist, das ebenso reich als daS von Slondyke ist. Damit rücken die Bereinigten Staaten immer entschiedener an die erste Stelle. Ihre Production belief sich 1896 auf 228 Millionen Mark und wird 1897 auf 250 Millionen Mark steigen. Hieran bettägt allein der Äntheil Californierr» 126 Millionen Mark oder gerade daS Doppelte de» Vorjahres mit 63 Millionen Mark. Diese erstaunliche Entwickelung des GoldbergbaueS erinnert daran, wie vor zwei Jahren Dr. Ludwig Bamberger darauf hingewiesen hat, daß die enormen Goldmengen, die Transvaal bereits prodaeirte und noch zu liefern versprach, sowie die außerordentliche» Bermözea, die auS der Exploitation der Bergwerke Einzelnen erwuchsen, befruchtend auf die Entwicklung des Bergbaues in der ganzen Welt und besonders auf denjeoigen für Edelmetalle iinwirken mußten. Diese Hypothese hat inzwischen ihre volle Bestätigung gesunden. Insbesondere machen die neueren chemischen Methoden den Abbau verlaffeuer Vold- gebiete, nicht nur in Laliforuien, sondern auch in Mexico, Mittelamerika und Peru, sogar auch in der Alten Seit, z. B. in Oesterreich-Ungarn, rentabel. Da» Facit ist: keine» der ProductionSgebiete zeigt eine Abnahme- in den letzten Jahren hat fich die Goldausbeute geradezu verdoppelt. Cftcrotur »rtzd Tfrmfr — Dor wenigen Tagen ist im Goldenen ' Saale des A»S- stellungSgebüudeS der permanenten Ausstellung für Industrie u»d Handel in Nürnberg eine für Künstler, Kenner und Freunde der Kunst bemerkenswerthe Ausstellung kunstgewerblicher Erzeugnisse eröffnet worden, die dem Streben ihr Dasein dankea, einem auS dem Geist« und den Anschauungen der eigenen Zeit erwachsenen Stil die Wege zu bahnen. Die Ausstellung, die hervorragende Namen aufweist, umfaßt die verschiedensten Zweige des Kunsthandwerks, wie die Keramik, Glasbläserei, Glasmalerei, Goldschmiedckunst, Kupfer- und Gtsenschmied-konst, Zinngietzerei, Gobelinwttkerei, Holzbrandmalerei und verschiedene graphische Künste, wie die Buchverzierungs- und Plakatkunst. Hniverfitats - Nachrichten. — München, 22. December. Die „Allgem. Zig." meldet: Eine Deputation der philosophischen Facultät der Unionfität überreichte heute auf Grund eines FacultätSbeschlusses der Prinzessin Therese daS Diplom als Doctor philoeophiae honoris causa. mm»—— Bekanntmachung. Die diesjährige Generalversammlung hat uns aus den Ueberfchüffen pro -1896 einen Betrag zur Verfügung gestellt, um auch im nächsten Sommer wieder eine Anzahl armer scrophulöser Kinder iu der Kinderheilaustalt zu Bad-Nauheim unterbringen zu können. Es werden deshalb alle diejenigen Bewohner des Sparkaffenbezirks Gießen, welche solche kranken Kinder haben und nicht selbst in der Lage find, die Kosten bestreiten zu können, aufgefordert, sich bei ihrem Pfarramt oder der Bürgermeisterei baldigst zu melden. Bei der Anmeldung ist ein ärztliches Zeugnitz vorzulegen, in welchem die Rothwendigkeit einer Badekur bescheinigt fein muß. Es ist nicht ausgeschloffen, daß Kindern, welche bereits auf Kosten der Sparkaffe eine Badekur durchgemacht haben, die Kosten für eine weitere Kur bewilligt werden können. Die Pfarrämter und Bürgermeistereien ersuchen wir, uns die einlaufenden Meldungen mit dem ärztlichen Atteste und einer Bescheinigung über die Bedürftigkeit der betreffenden Eltern bis längstens Ende Januar k. I. zusenden zu wollen. Gießen, den 7. December 1897. Direction der Spar- und Leihkaffe Gießen. I. E.: Wiener.11293 BehördlicheAnzeigen Verdingung. Die Lieferung der zur lautenden Sttaßenunterhaltung erforderlichen nachstehend verzeichneten Materialien soll Dienstag den 4.Ianuar 1898, Vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden, a.) Lieferung von Lahnkies (Naturktes) Loos I. 400 cbm ,, U. 350 „ , HI. 320 „ „ IV. (Lahnkieroder guter Grubenkies) 100 „ b.) Pflastersteine aus Basalt 25 „ Arbeitsbeschreibung und Bedin^ flungen liegen während der Dienststunden auf unserem Bureau, Zimmer Nr. 7, zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck sind bis zum genannten Termin bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 17 Tage. Gießen, 21. December 1897. Das Stadtbauamt. Schmandt. 11532 HandclslkhraoßaltDarmüa-t Prospecte durch den Director E. Fehr. Empfehlungen/^ Vino Vermouth di Torino. Echter italienischer Wermnthmm. Maaenwei« erste« Range», Per Flasche 1,50 Mark. Zu haben bei 11507 Fr. Leo Nacbfl., C. Herber, SelterSweg 71. Fortwein- Funschesaenz von Carl Schroeter Söhne Hanau a. M. schmeckt und bekommt vorzüglich, empfiehlt 10586 F. Schott, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengaffe. Prima [11498 Delicaless-Rollmops mit Gurkeneinlage 5 Pfg. Heinrich Arnold II. Moselweine: Eardencr per Ilasche 45 Ffg. Kraacher „ „ 70 „ Z-ltinger „ „ 90 „ Rheinweine: Laubenheimer pr. Al. 60 As. Appenheimer „ „ 75 „ empfiehlt 10561 Louis Lind, Ngarren- und Weinhandlung, Kirchenp l a wie 11547 Familien - Punsch, Orangen- do. Rothwein- do. Arrae- do. Rum- do. Kaiser- do. Rheinwein do. (roth) Rheinwein do. 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Hochachtungsvoll Actien-Brauerei Giessen. Bezugnehmend auf vorstehende Anzeige erlaube ich mir, die Biere der Actien-Brauerei Giessen in Gebinden jeder Grösse sowohl, als auch in Flaschen zur Lieferung frei ins Haus ganz ergebens! zu empfehlen. Das Gebräu der Actien -Brauerei Giessen, welches auf mehreren Ausstellungen mit den höchsten Preisen ausgezeichnet wurde, ist in Folge seiner rationellen Herstellung gut bekömmlich, auch als vorzüglicher Stoff bekannt und zeichnet sich als Flaschenbier durch lange Haltbarkeit aus. Ich bitte Bestellungen an mich gelangen zu lassen, deren schnellste Erledigung ich im Voraus zusichere. Stein* Garten. Am 2. uttb 3. WeiHuachtsfeiertag: Große Concerte oa^gefäbrt von der 11661 Iipklk »» 2. Kefl. M-Kl-im-t» Ur. 116, tiiftr Dilhel» unter persönDcher Leitung des Großh. Musikdirectors Herrn C. Krautze. Am 2. Keiertag Anfang 4 Ahr. Krrtrse 40 A« 3. Aeiertag Anfang 5 Ahr. Hntree 30 Afg. Aier i« chlas. Montag den 27. December 1897, Abends 8 Uhrr Wtilmadilgfritr im 6afe ftib. Nur Mitglieder mit Vereinsabzeichen haben Zutritt. 11545 Der Vorstand Gießener Zitherclub (Mohtthätigkeilsverein). Am 1. Weihnachtsfeiertage, den 25. Decbr. 1897, Große Weihnachtsfeier Abends präcis 8 Uhr anfangend, in Steins Saakbau: mit Weihnachtssestspielen, lebenden Mildern, Kesangs- vorträgen und Aerloosung. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß am selben Abend die Weihnachtsbescheerung der 70 Kinder ftattsindet. Die zu bescherenden Kleidungsstücke sind von 7 Uhr ab im großen Saale des Herrn C. Stein zu Jedermann» An» sicht ausgestellt. Zu zahlreichem Besuch ladet ergebend ein 11440 Der Vorstand. — Freunde können eingeführt werden. — Die zu bescherenden Kinder wollen sich um 71/, Uhr einfinden. Am dritten Weihnachtsfeiertag: Familienabend __________im Fensschen Ielsenkeller.__________ Gasthaus zum Anker Londorf, 10. December 1897. 11257 Hochachtungsvoll Robert Ziegler, Zur Stadt Giessen. 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