7 Pfg- an. sahl. iffen Breiten. ooleaui 281- ' J -Fabrik. \ WM ohn. X 813 e werden; -eint, ist mW «ts-laud». in jeder SuMfi erteijabr aboM f die „ÖitW Lenttal'Lnttisek e Naturalien- un: a: Das MM ifdttf. mswirthschrft z hochinleressam üeS Strlintr Hw ww|*?E tttonUitittW namentlich abttlr tbeamten, M- m In allen W und liefern die- irompt nach- *"c ßchsW 897. erreote mit den aal'1881 S.Obl. Stt itv.se Md 94.« 2411 ätun,.hl9M’ gtunt-D-* 1^ JH'i len w> "■ il6'i Nr. 70 Erstes Blatt. Mittwoch den 24- März Gießener Anzeig er General-Anzeiger. 2,ints- und Anzcigeblatt für den Ureis Merzen Redaction, Expedition und Druckerei: Kchukstraße äRr.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger Abonncmcntspreiar 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Die Gießener Ilamttienvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigklcgt. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montags. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamikienökätter. Alle Annoncen-Bureaux des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Nr. 11 des Reichs-Gesetzblattes, ausgegeben den 18. bs MtS., enthält: (Nr. 2366.) Bekanntmachung, betreffend eine IV. AuS- gabt der dem internationalen Uebereinkommen über den risenbahufrachtverkehr beigefügten Liste. Bom 6. März 1897. Gießen, den 23. März 1897. Großherzogliches KretSamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, detreffend: Maul- und Klauenseuche zu Beltershain und Grünberg. Nachdem in einem Gehöfte zu Beltershain und in einem Gehöfte der Gemarkung Gründ erg die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Ge- Höstsperre angeordnet worden ist. Gießen, den 23. März 1897. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. «olffS telegraphische» Lorrsfpsnde»z->8wre«. Berlin, 22. März. Die Galatafel fand Abends 6 Uhr Mit Weißen Saale des königlichen Schlaffes statt. Die Tafel bot ein glänzendes, festliches Bild. Sie war hakenförmig gedeckt. In der Mitte faß rechts die Kaiserin, links die Kaiserin Friedrichs zur Linken der Kaiserin Friedrich saß der Kaiser, zur Rechten der Kaiserin der Prtnzregent von Bayern. folgten auf beiden Setten die fürstlichen Gäste und die Mitglieder des Kaiserhauses, darunter das Prinzenpaar Heinrich, das Prinzenpaar Albrecht von Preußen, Prinzessin Friedrich Carl, die Könige von Sachsen und Württemberg, Vie Großherzöge von Baden und Hessen, Erzherzog Friedrich uon Oesterreich, Großfürst Wladimir, der Herzog von Cou- uaught, der Herzog von Genua, der Kronprinz von Rumänien unb der Graf von Flandern. Den Kaiserinnen gegenüber ßaß der Reichskanzler, zu dessen Rechten der italienische und zur Linken der österreichisch-ungarische Botschafter. ES nahmen ferner Theil das übrige diplomatische CorpS, die preußischen Minister, die StaatSsecretäre, zahlreiche Minister der Etuzel- staaten, BundeSrathsmitglieder, die Bürgermeister der freien Städte und ReichStagspräfident Freiherr v. Buol. Die Tafel trug den herrlichsten Blumenschmuck und die großen silbernen Tafelaufsätze deS königlichen Hausschatzes. — Der Kaiser brachte einen Trtnkspruch aus, worin er bemerkte, es gehe heute ein tiefes Empfinden durch das deutsche Volk. Die Fürsten hätten sich zusammengefunden, um das Andenken des großen verewigten Kaiser- zu feiern. Den versammelten Fürsten sprach der Kaiser den tiefgefühlten innigsten Dank auS, desgleichen allen Vertretern der fremden Souveräne, die theilvehmen wollten an der Feier, um dadurch zu be« weisen, daß Europas Fürsten und Völker ein gemeinsames großes Familienband umschließe. ES sei nicht seines Amtes, 1 einen Großvater zu feiern, aber sein Geist schreite wohl heute durch sein Volk hindurch. Wir gedenken seiner Demuth, seiner schlichten Einfachheit und Pflichttreue, als Sohne- der herrlichen löblichen Königin, die gesagt, daß sie mehr durch Demüthigung als durch Erfolge gelernt habe. Für uns aber, die hohen Fürsten und Verwandten, soll das Andenken ein erneuter Ansporn sein, für unsere Völker zu leben und zu arbeiten für Ziele fortschreitender Cultur, zur Erhaltung des Friedens, der Freundschaft und Waffenbrüderschaft. Wir wollen die Gläser erheben mit dem Ruf: DaS deutsche Volk, da- Vaterland und die Fürsten Hurrah! Berlin, 21. März. Au- einer großen Anzahl deutscher Städte liegen unS Depeschen über Kaiser Wilhelm- Feiern vor, so besonder- auS Breslau, Königsberg i. Pr., Dresden, Wilhelmshaven usw. In Breslau zogen die Krieger- «reine in festlichem Zuge an dem Denkmal Kaiser Wilhelms I. «rüber- am Abend fand ein Fackelzug der Turner und militärischer Zapfenstreich statt- in Königsberg zogen die Gewerke, Fabriken, Vereine usw., etwa 6000 Mann, nach de» Katserdenkmal beim Schlosse, wo ein Festact veranstaltet wurde- tu Dresden wohnren dem Tedeum in der Hofktrche die Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses bei; la Wilhelmshaven wurde auf dem Adalbertplatze großer Fest' gottesdienst abgehalten. Königsberg, 22. März. Der Magistrat und die Stadt- beiordneten von Königsberg haben heute anläßlich der | Hundertjahrfeier 100,000 Mark als Grundstock für eine „Kais er-Wilhelm-Stiftung" beceitgestelll, deren Zweck die Errichtung einer Heimstätte für Genesende ohne Unter- schied deS Berufes oder der Religion fein soll. Die betreffende Urkunde wurde heute in festlicher Sitzung der beiden Collegten vollzogen. London, 22. März. Der „Daily Telegraph" schreibt in einem Leitartikel: Die Geschichte kennt keine andere Bereinigung einer Gruppe von Völkern zu einem mächtigen Reiche, wie die in der Feueresse des Jahres 1870 vollendete. Die Deutschen thun wohl daran, begeisterte Huldigungen dem Herrscher darzubringen, unter dessen Herrschaft und durch dessen persönlichen Werth und Entschlossenheit vor Allem die erstaunliche That vollbracht wurde. Der erste Inhaber des Kaiserthrones hat einen großen Antheil an dem Ruhm der Wiederherstellung des Reiches und daher ein unbestreitbares Anrecht auf den Titel deS „Großen". Mailand, 22. März. Die deutsche Colonie Mai- lands beging heute den Jahrestag der Geburt des Kaisers Wilhelm I. durch einen FestgotteSdieust. Depeschen deS Bureau „Herolds Berlin, 22. März. Das Katserpaar begab sich heute früh 9 Uhr zum Besuch deS Mausoleums nach Char- lottenburg und verweilte daselbst längere Zett in stiller Andacht. Kostbare Blumenkränze wurden vom Katserpaar am Sarge Kaiser Wilhelms I. niedergelegt. Die ungemein zahlreich anwesende Menschenmenge begrüßte daS Katserpaar bet der Ankunft und Rückfahrt mit brausenden Hochrufen. Gegen Vgll Uhr nahm der Kaiser die Besichtigung der unter den Linden aufgestellten Truppen vor und begab sich sodann nach dem Kaiser-Wilhelm-PalatS, von wo er die Fahnen zum Denkmalsplatz überführte. DaS Bild war ein ungemein glänzendes. Die Straße Unter den Linden war dem Publikum unzugänglich. Jedoch waren die Häuser und Straßen dicht mit Zuschauern besetzt. Die Fenster waren zu horrenden Preisen vermiethet. Gegen 11 Uhr erfolgte die Aufstellung der geladenen und befohlenen Persönlichkeiten am Denkmalsplatze. Das Katserpaar, die Kaiserin Friedrich, die Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses und die fürstlichen Gäste nahmen unter dem Prunkzelt Platz. Der Reichskanzler, die Minister, die Bürgermeister und Stadtverordneten von Berlin und sonstige geladenen Personen nahmen vor dem Zelte Aufstellung. Die Geistlichen und die Künstler placirten sich vor dem Denkmal. Nachdem der Bläser-Chor „Lobe den Herren" geblasen und General-Superintendent Faber daS Gebet gesprochen, befahl der Kaiser die Enthüllung. Nach dem Fallen der Hülle riefen die Truppen Hurrah, die Musik spielte die Nattonal-Hymne, Glockengeläute ertönte, 101 Kanonenschüsse wurden gelöst. Am Schluß der Feier defilirten die Truppen vor dem Kaiser, der nun vor dem Denkmal Aufstellung genommen hatte, vorbei. Die Kaiserin, die Kaiserin Friedrich hatten vor dem Denkmal prächtige Blumenkränze niedergelegt, ebenso die übrigen Fürstlichkeiten. Das Wetter war kühl und trüb, jedoch regenfrei. Der Kaiser trug GardeS-du-CorpS-Uniform mit dem Bande des Hohenzollern'schen HausordenS. Die Kaiserin hatte eine kostbare Rosa-Toilette angelegt. Die Kaiserin Friedrich war in Schwarz erschienen. Zahlreiche Offiziere und andere erschienene Persönlichkeiten trugen bereits die eben verliehene broncene Medaille. Berlin, 22. März. In zahlreichen Städten des In- und Auslandes fanden schon gestern Festlichkeiten anläßlich der Centenarfeier statt. Berlin, 22. März. Im Mausoleum in Charlotten- burg erschien gestern Nachmittag gegen 3 Uhr Prinz Thomas von Savoyen, Herzog von Genua, um dort im Auftrage König Humberts einen Kranz niederzulegen. Am Sarkophag waren schon gestern die Zahl der Liebeszeichen stark an- gewachsen. Der Vorstand des deutschen KriegerbuudeS brachte einen mit Blumen, Flieder und Camelien geschmückten Lorbeer- kränz. Eine Spende kam vom deutschen Kriegerbunde Newyork. Eine Abordnung von drei Mitgliedern des Bezirks- Verbandes aller Corps-Commandanten Berlins und Umgegend brachte einen mächtigen Lorbeerkrauz mit Palmenzweigen. Berlin, 22. März. DaS Befinden des Staatssekretär- v. Stephan ist aühaltend gut. DerHeiluugSproceß schreitet zwar langsam, aber sicher vorwärts. München, 22. März. Die „Münch. Reuest. Nachr." bezeichnen die Einführung der schwarz-weiß-rothen Cocarde bei der bayrischen Armee als einen Act von nicht hoch genug anzuschlagender moralischer und practischer Bedeutung, der zur Hundertjahrfeier daS größte Festgeschenk für den deutschen Patriotismus und daS einige Deutsche Reich bilde. Paris, 22. März. Der Ministerrath hat einstimmig eine Tagesordnung angenommen, nach welcher der KriegS- minister ersucht wird, im Interesse der Landes Bertheidigung die Befestigungsarbeiten in der Umgebung von Nancy möglichst bald in Angriff zu nehmen. London, 22. März. „Daily Telegraph" meldet: Wenn Griechenland innerhalb 14 Tagen Kreta nicht geräumt habe, werde die internationale Flotte die zwei Haupthäfen des Piräus bloktren. WB. Berlin, 23. März. Der heutige dritte Festtag gilt dem Bürger-Festzuge. Nachdem cS in den Morgenstunden stark geregnet, klärte sich daS Wetter gegen 8 Uhr auf. Die Straße Unter den Linden ist vom Publikum dicht besetzt. Ueberall ziehen die Theilnehmer des Zuges heran, vielfach beritten. MufikcorpS in den Uniformen der Ansbacher Kürassiere und Bayreuther Dragoner durchreiten die Straßen, Fanfaren schmetternd, Landsknechte eilen zu den Sammelplätzen, die Kriegervereine und Veteranencorps rücken mit Militärmufik an. Ueberall herrscht erwartungsvollste Festfttmmung. Locales unb provinzielles. Gießen, den 23. März. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordueten- Bersammlnug Donnerstag den 2 5. März 1897, Nachmittags 3^Uhr pünktlich. 1. Gesuch des Joh.Gg.Pfaff um Erlaubutß zur Vergrößerung eines bestehenden Backftetn- macherhäuSchenS im Neustädterfeld. 2. Baugesuch des Georg Appel III für die Löwengasse. 3. Desgl. des Johann Kaspar Heß. 4. DeSgl. der Firma Kauffmann u. Co. für den Schiffenbergerweg. 5. Gesuch deS Jacab Atzbach um Beseitigung eines Baumes vor seinem Hause au der Grün- bergerstraße. 6. Desgl. deS Karl Valentin an der Rod- heimerstraße. 7. Gesuch deS Gustav Schulze um Ertheilung der Concesfion zum WirthschaftSbetrieb im Hause Bleichstraße 5. 8. DeSgl. des Leopold Schütz zum Schank- und GastwirthschaftSbetrieb im Hause Bahnhofstraße 15. 9. Desgl. deS Friedr. Jung I. von Klein-Linden zum Schankwtrch- schaftSbetrieb im Hause Frankfurterstraße 165. 10. Gesuch deS Ludwig Weber um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein im Hanse Grünbergerftraße 50. ♦* Ceutrrrarfeier. Der große Festact, welcher anläßlich des 100jährigen Geburtstages des hochseligen Kaisers Wilhelm am gestrigen Tage in SteinS Saalbau stattfand, verlief auf daS Glänzendste. In dem geschmackvoll, der Bedeutung der Feier entsprechend decorirten Saale fand sich schon lange vor der festgesetzten Zeit baß aus allen Ständen unserer Einwohnerschaft bestehende Publikum ein, um dem Gedenken des großen Kaisers in ernster und doch erhebender Weise eine feierliche Stunde zu weihen. Auf dem großen Podium hatte ein ca. 100 Sänger starker, aus den Vereinen „Bürgergesellschaft", „Harmonie", „Heiterkeit", „Liederkranz" und „Sängerkranz" bestehender Chor mit der Capelle des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm Platz genommen. Punkt 5 Uhr gab Herr Mufikdirector Krauße das Zeichen zum Beginn der Feier, und mächtig erfüllten die Klänge des Wagner'schen Katser-MarscheS den Raum. Hierauf ergriff Herr Franz Bauer den Tactstock und kraftvoll setzte der Männerchor mit dem Gellert-Beethoven'schen „Die Ehre GotteS aus der Natur", ein. — Dann ergriff Herr Geh. Kircheurath Prof. D. Köstlin das Wort und richtete an die Festversammlung folgende Ansprache: Hochansehnliche Festversammlung! Nicht leicht ist die Aufgabe, die dem gestellt ist, der bei dieser Feier Ihr Mund sein und dem Ausdruck geben soll, was die Herzen erfüllt. Sonst, wenn man eine Centenarfeier begeht, ist die Gestalt und das Leben des Gefeierten schon durch eine Reihe von Jahren, vielleicht Jahrzehnten den Lebenden aus den Augen gerückt und eS ist gerade dies die Aufgabe solch einer Feier, die Gestalt des Helden, so wie sie einst vor den Zeitgenossen dastand, auf sie wirkte und sich ihnen einprägte, wieder aufleben zu lassen, im Lichte der Geschichte, die in dem Bilde deS Menschen die wesentlichen Züge, an seiner Lebensarbeit das Bleibende seststellt und auS beiden das menschlich Unvollkommene und Vergängliche ausschetdet, die Summe seines Daseins zu ziehen und dem gegenwärtigen Geschlechte zum Bewußtsein zu bringen, was etz an ihm gehabt hat und heute noch hat, ihm auf die Seele zu binden, was es ihm dankt und schuldet. DaS Bild Kaiser Wilhelms des Ersten bedarf dieser Auffrischung nicht: unauslöschlich ist es mit allen seinen Zügen dem Gedächtniß des deutschen Volkes etngegraben. In voller Frische und Lebendigkeit steht es uns Allen noch vor der Seele. Sind es doch kaum 10 Jahre, daß er noch unter seinem Volke erschien, als ein Vater unter seinen Kindern. Sind's doch erst neun Jahre, daß die Trauer hes ganzen deutschen Volkes ihm das Geleite gab zur letzten Ruhe dort in der stillen Gruft zu Charlottenburg. Und die« Bild bedarf nicht der Abklärung durch die Geschichte. Die versöhnende und verklärende Wirkung, welche die fern abrückende Zett sonst auf das Bild unserer Heimgegangenen ausübt. daß in demselben daS sich befestigt und hervor tritt, was des Gedächtnisses und der Liebe werth ist, das aber aus demselben verschwindet, was die rauhe Wirklichkeit ihm ausgeprägt hat, diese Wirkung hat bet ihm schon das Leben selbst heroorgebracht, sie ist bet ihm, der nach seinem eigenen Bekenntniß „durch Demüthtgungen mehr gelernt hat, als durch alle seine Stege", baa Ergebnttz ernster göttlicher Führung und Schulung, die Frucht unausgesetzter Srlbsterztehung und Selbst- btldung. AlS ein voll ausgereister deutscher Eharacter aus Einem Kern und Wuchs steht er auf der Höhe seines Lebens vor uns, das Bild eines deutschen Kaisers, wie ihn unsere Väter und Großväter fich gewünscht haben und wie wir ihn in keinem Zuge hätten anders haben mögen, eines Kaisers, besten Größe darin bestand, daß fie ihm unbewußt blieb, daß er nichts aus sich machte und für die eigene Person nichts suchte, dem das seine Würde und Hoheit verlieh, daß er immer er selbst war in schlichter Natürlichkeit und Wahrhaftigkeit, und nie ein anderer scheinen wollte, als der et war — wenn er im Kreise seiner fürstlichen Bundesgenossen verkehrte, kein anderer, als wenn er draußen auf dem siegreich behaupteten Schlachtfeld daher- gertttm kam und den ihn umjauchzenden Truppen den schlichten Herzensdank aussprach, ober wenn er, die Gaue des Deutschen Reiches durchziehend, mit dem blauen Kinderauge seine Veteranen S küßte oder den jubelnden Kindern zunickte; in jener großen Stunde, a die Dankbarkeit der deutschen Fürsten und Stämme ihm im KöntgSschloffe zu Versailles die Kaiserkrone reichte, noch derselbe, wie in jenen trüben thränenreichen Tagen, da auf der fluchtähnltchen Reife nach Königsberg der Wagen gebrochen war und dem vor Hunger weinenden Kinde die Mutterhand einen Kornblumenkranz um die Schläfe wand; — dort auf den Höben vor Sedan, als er aus der Hand des besiegten Gegners den Degen entgegennahm, derselbe wie damals in jener dunkeln Stunde, da der von Mörderhand Verwundete aus dem Schmerzenslager darauf sann, daß auch dem Geringsten im Reich das Dasein lebenswerth gemacht werde; an jenem 15. Juli 1870, da er schon auf dem Wege geleitet vom drausendm Enthusiasmus des aufstehenden Volkes von Ems in Berlin etngelroffen war, die vor dem Schlosse versammelte Menge in unbeschreiblicher Begeisterung ihn immer und immer wieder ans Fenster rief, und er zuletzt bescheiden um Ruhe bitten ließ, „weil der König für sein Volk zu arbeiten habe", derselbe wie der junge Confirmand, der gelobt: „unablässig in dem ihm zugewtesenm Kreise thätig zu sein und seine Zeit aufs Beste anzuwenden", oder wie der sterbende Greis, der die Feber festhSlt weil er „keine Zeit hat, mübe zu fein" immer er selbst, immer derselbe in dem dernüthigen KindeSsinn, der ihn alles Gute, daS ihm zu Theil wird, hinnehmer. läßt als ein unverdientes Geschenk, Alles widrige als ihm zukommende göttliche Fügung; immer derselbe in milder Herzensgüte, die nur darauf bedacht ist, anderen Freude zu machen, die keine Kränkung nachträgt und von Herzen vergibt, in der zarten Rücksichtnahme, wie sie ihn dort in Gastein treibt, alle Teppiche eigenhändig zusammenzutragen, damit feine Tritte den Kranken unter ihm nicht stören; in der unwandelbaren Dankbarkeit und Treue, die keinen Liebesdienst vergißt, die dem Entlassungsgesuch Bismarcks jenes feste „NiemalsI" entgegensetzt. Die geschichtliche Forschung ist seither nicht müßig gewesen. Sie hat dem Bilde, wie wir es von ihm im Herzen tragen, manchen sprechenden Zug beigefügt; sie hat andere Züge, welche die erregte Leidenschaft politischerSturmeSjahre ibmangedichlet hatte, alsJrrthum, alS ungerechte Verdächtigung ober böswillige Verleumdung erwiesen; sie hat die Linien des Bildes plastischer heroortreten lassen, seine Farben vertieft, das Bild selbst aber in keinem Zug verändert. Der Einblick in sein tiefes Gemüthsleben, in die Welt seines intimen Denkens und Fühlens, den seine jüngst uns erschlossenen Briefe, voran die an Bismarck, gewähren, hat ihn uns menschlich näher gerückt, aber nicht kleiner, sondern größer gemacht. Seine Gestalt ist in den Jahren, seit er nicht mehr unter uns weilt, wie von selbst über sich hinausgewachsen zum Idealbild deS deutschen Kaisers. Aber es ist der „alte gute Kaiser", wie er in der TageShelle der großen Zeit vor uns stand, dessen Züge dieses Idealbild trägt; nicht eine Kaisergestalt im schimmernden Prunk, täuschender Romantik, noch weniger eines jener auf Goldgrund gemalten Heiligenschemen byzantinischer Kunst, nein, eine Freilichtgestalt voll gesunder Frische und lebensvoller Natürlichkeit, wie der deutsche Wald und die Salzfluth des Meeres — so haftet er im Gedächtniß des Volkes, so wird er hinüberleuchten ins kommende Jahrhundert. Und wie mit ihm selbst, so ist es auch mit seinem Lebenswerke. ES bedarf nicht erst der Erinnerung an ba«, was wir dem ersten deutschen Kaiser zu danken haben — jedes Kind weiß eS. Es bedarf nicht erst des abwägenden UrtheilS der Geschichte, um einem Deutschen zu sagen, was dies LebenSwerk zu bedeuten hat und werth ist! Denn Kaiser Wilhelms LebenSwerk, wie es sich vollendete in der Einigung aller deutschen Stämntt zur Nation und ausklang in die Sorge um die Versöhnung aller stände und Schichten im Volk, ist ja doch das eigenste Lebenswerk des deutschen Volkes, für das Tausende unserer edelsten Söhne ihr blühendes Leben gelassen, die Besten, die unser Volk seit hundert Jahren hervorgebracht hat unter dm Dichtern und Denkern, den Staatsmännern und Vaterlands- freunden, ach so erfolglos oft gerungen haben, die Erfüllung unserer heißesten Sehnsucht, unseres kühnsten Hoffens und Träumens. Ja, es ist die Geschichte unserer eigenen Schmerzen und Demütigungen, unserer eigenen Kämpfe und Siege, unfercr eigenen Hoffnungen und Enttäuschungen, die im inhaltreichen Leben Kaiser Wilhelms wie in einem Spiegel uns entgegentritt, die Marksteine dieses denkwürdigen LebenSgangeS sind die Denksteine und Malzeichen unsere« eigenen Werdens und Wachsens, unserer eigenen Entwickelung und Erstarkung — nicht daS ijst heute die Frage, was wir ihm zu denken haben, sondern ob mir es ihm in der rechten Weise bauten, ob wir bie Hohe vaterlänbischen Sinnes unb nationalen Opfer- mutheS noch behaupten, ber in ihm sich verkörperte unb unser Volk aus der Tiefe enblich emporgesührt hat auf bie Höhe, ober ob wir nicht, wie es den Anschein hat, in Gefahr stehen, roieber die Beute ber Fehler zu werben, bie unserem deutschen Volke so oft schon zum Verhängniß geworden sind. Denken wir doch um hundert Jahre zurück! 1797, daS Jahr, in welchem dem edlen KönigSpaar, Friedrich Wilhelm III. und Luise der zweite Sohn geboren worden ist — welch' ein trauriges, trostloses Bild ruft eB uns vor die Seele! Der Friede von Basel, den Preußen zwei Jahre vorher, der Friede von Campo Formio, den Oesterreich soeben geschloffen hat, liefert baS linke Rheinufer, Deutschlands blühenden Garten, die Hetmath seiner Heldenlieder unb Sagen, ben Franzosen aus. Die sübbeutschen Fürsten werben Frankreichs Vasallen. Ihre Truppen werben gezwungen, wider ihr eigen Fleisch unb Blut zu Felde zu ziehen. DaS heilige römische Reich, schon seit lange ein wesenloses Schattenbild, gebt vollends aus ben Fugen. 1806 legt Kaiser Franz bie deutsche Kaiserkrone, die zu tragen feine Ehre mehr ist, nieber. Da« Heer Friebrichs beS Großen, einst ber Stolz Preußens unb die Hoffnung der deutschen Patrioten, wird bei Jena unb Aurr- stäbt zertrümmert Der Friede von Tilsit (1807) macht alles Land zwischen Rhein- strom und Elbe zur französischen Provinz, unter dem Scepter eines Napoleon, den Rhein zum „sranzöstschen Strom." WaS noch übrig ist von deutschem Sinn und deutscher Kraft, von ungebeugtem Muth unb ungebrochener Hoffnung, das flüchtet sich in bie fernste Nordost Ecke Deutschlands, bie schon einmal, im dreißigjährigen Kriege, der ZufluchtS- unb BergungSort deutschen Lebens, Sinnens unb Dichtens gewesen ist. WaS sonst an deutscher Treue unb Tapferkeit sich regt und hervorwagt, baS streckt beS (Sorten Kugel erbarmungslos in ben Sanb. Karl Palm, AnbreaS Hoser müssen fallen, Schill wird geächtet, daS deutsche Volk muß zusehm und schweigen. Damals schreibt eine edle deutsche Frau, die königliche Dulderin Luise, der Deutschlands Schmach am Marke zehrt, die Worte nieder: „Wmn gleich die Nachwelt meinen Namen nicht unter ben Namen der berühmten Frauen nennen wird, so wird sie doch, wenn fie bie Leiden dieser Zeit erfährt, wi„en, waS ich durch sie geliltm habe, und wird dann sagen: „Sie duldete viel und harrte auS im Duldm!" Dann wünschte ich nur, daß bie Nachwelt zugleich sagen möchte: „aber fie gab Ämbern bas Dasein, welche besserer Seilen würdig waren, fie herbeizuführen gestrebt und mdiich sie errungen haben.' Der Wunsch ist ihr erfüllt wordm, benn Kaiser Wilhelm war ihr Sohn. Dort in Memel 1807, dem Jahre, das dm Tiefpunkt unserer Geschichte bezeichnet, trat er in die Armee ein, die der Stolz unb die unablässige Sorge seines LebmS gewordm ist, damals ein schwächlicher, kränklicher Knabe. Drei Jahre herauf, am 19. Juli 1810, kniet er am Sterbelager bet früh vollendeten Mutter, beren Liebe unb Seelengröße bie schwere Zeit ben Kindern in ihrer ganzen Tiefe und Fülle erschloffm hatte. ES war wieder am 19. Juli, 60 Jahre darauf, alS der gereiste Held am Sarge der Mutter betete, ehe er den Handschuh, ben freolerischer Ueberrnuth ihm htngeworfm hatte, aufnahm, zunächst um feines Volkes Recht zu wahrm, nach Gottetz Rathschluß aber, um in ungeahntem Glanze das Werk hinauSzusübren, das damals die Befreiungskriege begonnen hatten, der Wiener Congreß verdorbm hat, das deutsche Volk aber nicht mehr lassen, nimmer mehr auf« geben konnte. Dazwischen freilich die lange, bange Zeit beS Harrens unb ber Geduld! Diese Zeit idealm Sehnms und kraftvollen Ringens, wie es unsre Jugend von heute nicht mehr kennen kann; diese Zeit, arm an greifbaren äußeren Erfolgen, und doch nicht verlorm für unser Volk, Denn es war ja doch die gährungSvolle Werdezeit der Nation, da wir aus Pergamenten unb Ruinen die verlorene deutsche Herrlichkeit hervorsuchtm, unb ben Geist beutschm VolkSthurns begierig in uns sogen; bie Zeit, da wir auf den Turnplätzen und auf allerlei Festen einander suchtm und fanden in der Sehnsucht nach Kaiser unb Reich, eine Zeit der phantastischen Träume, der oerhängnißvollen Jerthümer und herben Enttäuschungen, aber doch bie schöne Zeit der jugend- lichen Ideale und der heiligen Schwüre — für den zweit- geborenen Prinzen beS preußischen Königshauses eine Zeit der Selbstbescheidung, der ernsten Sammlung unb nüchternen Arbeit, ba er zur Seite zu stehen hatte, und ihm die Aufgabe zufiel, darüber zu wachen, baß baS Heer von 1813 nicht bemfelben Geschick verfalle, baS Friebrichs beS Großen Armee ereilt halte; — einsam unb unverstanden mit seiner, wie er einmal sich ausbrückt, „ledernen" aber doch vielleicht „practischen", politischen Auffaffung, neben dem königlichen Bruder, der von der Wiederaufrichtung des heiligen römischen Reiches unter Habsburgs Scepter träumte; einsam und unverstanden im Rath ber beutschm Fürsten, die es nicht begreifen konnten, wie derselbe Mann, der auf deS Königs Ruf so energisch der Soldatenpflicht genügte, in ben Tagen des Sturmes, die Männer so frei gewähren ließ, die Deutschlands Wiedergeburt planten (im Nationalverein); einsam und unverstanden vom eigenen Volk, als er bie Zügel der Regierung übernahm und auf das drang, was Deutschlands Sicherheit und Preußens Stellung nach seiner besten Ueberzeugung unerbittlich forderte; schon entschlossen, die Krone niederzulegen, bis der Mann ihm an bie Seite trat, dem heute in heißem Dank unsere Hände sich entgegenftreefen — der allein seinen König ganz verstand, der bereit unb auch der Mann dazu war, die ganze Last der Verantwortung auf seine starken Schultern zu nehmen — Otto von BiSmarck, der starke, der hochgemuthe, der treue Recke im Sachsenwald — und mit ihm die Zeit der wundervollen Erfüllung, da bie Frucht ber Befreiungskriege reifte unb ber ausharrmben Treue der Lohn ward, die Zeit des Erwachens, da plötzlich ein neuer Ton in bie Welt der Diplomaten hineinklang, wie man ihn vorher nicht gewohnt war und bis dahin nicht vernommen hatte, seit Martin Luther; der Ton ehrlichen deutschen Freirnuths, mannhafter Geradheit unb stahlharter Entschlossenheit — da ben Worten bie Thatm folgten, bie dröhnmbm Kanonenschläge im hohen Norden den Tag der Abrechnung ankündigten — da unter schweren Wehm und schmerzlichen Kämpfen das Ideal eines beutschm Reiches beutfdber Nation sich siegreich auSeinanbersetzte mit bem romantischen Trugbild vom heiligen römischen Reich — bafür aber in der Stunde der Gefahr mit einem Male wie auB bem Boden gewachsen die deutsche Nation auf bem Plan stand unb zum Rheine zog mit wuchtigem Tritt unb gleichem Schritt, der greife Feldherr voran, ein Herzog nach altgermanischem Vordtld, dem nach einem Siegeszug ohne Gleichen als ein Geschenk der göttlichen Gnade in den Schoß fiel, waS die lebende Generation zu erlangen nicht gehofft hätte, daß er ergriffen bekannte: „Ja, ich bin ein von Gott besonders gesegneter Mann!" ES hat an schrillen Mißklängen nicht gefehlt: noch geht ein schneidmdes Weh uns durch die Seele, noch wallt unS das Herz auf in heißer Scham, wenn wir daran denken, daß deutsche Hände sich gefunden haben, die auf biefeS gesegnete Leben haben anlegen können. Ihm hat auch diese Erfahrung sein geliebtes Volk nicht entfremdet, sondern ihn nur zu noch ernsterer Sorge für dasselbe angetrieben, wie sie sich ausspricht in ben Kaiser-Erlassen von 1881. Auch an dunklen Wolken hat eS nicht gefehlt; doch die schwere Sorge, bie bad letzte Stück seines Weges beschattete, hat er auS beS- elben Gottes Hand, ber ihn so rounberbar gesegnet, stille hinge- nommen in heiliger Ehrfurcht vor Gottes Walten und kindlichem bemüthigem Glaubm — sich selber gleich, seinem Wesen treu: auf ber Höhe deS Sieges, in ber Tiefe des Leides, vor der Pforte beS TodeS immer derselbe: edle Einfachheit und stille Größe. — An unS ist es, zu sorgen, daß sein LebenSwerk nicht verkümmere, daß wir'S hinüberretten ins nahende Jahrhundert, daß wir nicht vor unseren Enkeln zu Schanden werden als Menschen, die ihre Zeit nicht verstanden haben und ihrer nicht werth gewesen sind, die den Ruf der Geschichte überhört haben über kleinlichem Parteizank und ärmlichen Sonderinteressen, die große Stunde versäumend, und da versagt haben, da auf unser Volk gerechnet war. — Als ein Vermächtniß Kaiser Wilhelms klingt zu unS herüber baS Wort, baS er nach ber Heimkehr 1871 gesprochen hat: Lange lag bteser Ausgang in den Herzen. Jetzt ist eS an das Licht gebracht. Sorgen wir, daß es Tag bleibe!" ES wird Tag bleiben, wenn wir nicht gar so viel reden von unseren Rechten, sondern redlich Ernst machen mit unseren Pflichten, ein jeder da, wo er soll, und so, wie er es soll; wenn wir den Wahlspruch deS ersten deutschen Kaisers mit seinem erlauchten Enkel, unserem gegenwärtigen Kaiser, zum eigenen machen: „Meine Kräfte gehören bet Welt, bem Vaterlanb!" — unsere Herzen einstimmen auf den Ton, in welchem die Herzen Kaiser Wilhelms unb seines eisernen Kanzlers zusammenschlugen, baß, was man auch von unS ordere und wir beschließen, alles aus diesem Tone gehe: „Deutschland, Deutschland über Alles, über Alle« in ber Welt!" Gleichsam um den Manen deS großen Kaisers zu hul- )tgen, erhob sich bie Festbersammlung und stimmte baS all- beliebte „Deutschland, Deutschland über Alles" an. Die Sänger trugen hierauf den Th. Krause'schen Männerchor „Wilhelm der Große" (Gedicht von Hans Meyer) vor, worauf die RegimentScapelle baß Hallelujah aus dem Händl'schen Oratorium „Der MessiaS" intonirte. Mit dem Vortrag: „Kaiser RothbartS Testament", Gedicht von Köllsch, Männer- chor mit Orchesterbegleitung von Köllner, schloß die Feier. ♦* ßentenaifeiet des nationaQiberalen Vereins. Die vom nationalliberalen Verein am Sonntag in Steins Garten veranstaltete Vorfeier des 2 2. März hatte Angehörige aller Schichten unserer Bevölkerung zahlreich vereinigt. Der Bor- fitzende, Herr Dr. Fuhr, eröffnete die Feier mit folgender Begrüßungsansprache: „Meine Damen und Herren! Namen- des nationalliberalen Vereins heiße ich Sie herzlich willkommen. Ihr so zahlreiches Erscheinen gibt mir den Beweis, daß wir durch die Beranstaltnng dieser kleinen Borfeier bem Wunsche eines großen ThetleS unserer Mitbürger entgegen- gekommen find. Wie wäre eS auch anders denkbar? Feiert doch heute daS deutsche Volk wieder einmal den Geburtstag seines alten Kaisers, den es fast zwei Jahrzehnte lang aus freiem, vollem Herzensdrange als einen nationalen Fest- und Feiertag zu begehen gewohnt war. DaS deutsche Volk wird in diesen Tagen dem In- und Auslande beweisen, daß die Verehrung dieses, Kais« s nicht Sache einzelner Volksschichten oder gar einzelner Parteien gewesen ist, sondern daß eS eine mit deutschem Fühlen und Empfinden untrennbar verwachsene freie Huldigung deS ganzen Volkes gewesen ist. ES wird des Festredners dankbare Ausgabe sein, Ihnen sein Lebensbild vorzuführen und darzuthun, durch welch' seltenes Maß von Herrschertugend dieser siegreiche, mächtige und dabei allzeit demüthige Monarch die Herzen seines Volkes gewonnen hat. Lasten Sie unS heute in ungemischter Freude sein Gc- dächiniß feiern, möge daS deutsche Volk auch mit unS fich die Festesfreude nicht verbittern lasten durch die Wermuths- tropfen, die ihm in diesen letzten Tagen unb Wochen mitten in seine Vorbereitungen zum heutigen Feste gefallen find. Je trüber die Gegenwart, um so heller möge in unserer Erinnerung, in unseren Herzen daS Bild besten strahlen, ber die monarchische Gefinnung im deutschen Volke zu einem rocher de bronce stabilirt hat, ber nicht erschüttert werden kann durch Stürme, wie der junge Lenz sie bringt. ES muß doch Tag bleiben, so lange baß deutsche Volk seinem ersten Kaiser und sich selbst treu bleibt. In Bethätigung dieser monarchischen Gesinnung lasten Sie unS nach gutem Brauch und alter Sitte auch heute zu Beginn unserer Festfeier der beiden Herrscher gedenken, deren Händen daß Schicksal unseres weiteren und engeren Vaterlandes anvertraut ist. Möge eS Kaiser Wilhelm II. und dem Großherzog Ernst Ludwig br- schieden sein, daS Pfund monarchischer Gesinnung, das ihnen von ihren Ahnen anvertraut ist, allezeit zu mehren. M.t diesem Wunsche stimmen Sie mit mir ein in ben Jubelruf: Se. Maj. der Kaffer und Se. Kgl. Hoheit der Großherzog sie leben hoch!" — An das „Heil Dir im Siegerkranz" schloß sich das Lied „Empor den Blick zum Kaiserthron", baß bem Vertrauen zu dem regierenden Kaiser Ausdruck giebt, er werde mit weiser Wachsamkeit daS Erbe der Lichtgestalten seiner Väter erhalten. — In der Festrede entwickelte Herr Prof. Schwartz zunächst den Ernst der heutigen Feier, daß die Anwesenden die Regiernug Kaiser Wilhelms I. noch erlebt, viele das milde, hoheitsvolle Greisenantlitz noch gesehen hätten, daß die Trauer vor neun Jahren noch in frischer Erinnerung sei und in jedes Mannes Brust, in jedem Frauenherzen heiß und bitter aufwalle die Fluth der Sehnsucht nach dem alten Kaiser. Wir können nicht jubeln am heutigen Tage. Redner fordert dann die Festversammlung auf, sich mit ihm klar zu werden Über daß, waß der alte Kaiser unß gewesen ist und waß sein Andenken unß sein muß. Er will den alten Kaiser nicht feiern alß Wilhelm den Großen. Die Geschichte gibt diesen Beinamen nur genialen Eroberern, deren Reiche rasch nach ihrem Tode zerfallen sind,- auch daß Preußen Friedrichs II. wäre diesem Schicksal nicht entgangen, wenn dieser nicht noch mehr gewesen wäre als ein Eroberer. Dem hat aber das Volk damit gelohnt, daß eß ihn nicht Friedrich ben Großen, sondern den alten Fritz nannte. Daß Volk spricht nicht wie die officiellen Festredner von Wilhelm dem Großen, sondern von dem guten, alten Kaiser Wilhelm. Der Redner zeichnet bann baß Bild beß Kaisers, wie er war als Soldat, als König, als Deutscher. Er hebt bann die einfache, gründliche Art des alten Herrn hervor, wie ihn sein militärisches, pflichttreues Wesen vor dem bewahrte, was Goethe die Zappel- Hastigkeit der Fürsten nennt; er schildert, wie ber alte Kaiser mit der Reorganisation ber Armee bie großen Gedanken der Freiheitskriege durchführte. Die königliche Art Kaiser Wilhelms wird näher ausgeführt- sie zeigt sich am glänzendsten in der einzigartigen, 26jährigen Freundschaft von makelloser Treue zwischen dem Hohenzollern unb bem märkischen Junker, einer Freundschaft, die durch ihre ethische Reinheit unb Hoheit zu dem Schönsten gehört, waS die Geschichte aufweist. Den Schluß bilden die Verdienste deS Kaisers um die Einheit Deutschlands, seine FriedenSarbeit, die sociale Gesetzgebung, die kein Geschenk sein sollte, kein Mittel der Versöhnung, sondern eine Erziehung Aller zum modernen Staat, der Jedem Rechte, aber Jedem auch Pflichten gibt. Mit der Aufforderung, baS Andenken des alten Kaisers hoch zu halten, nichts zu thun oder zu sagen, deffen man sich vor ihm schämen müßte, und die Hoffnung auf bie Zukunft deS beutschen Reiches nicht sinken zu lasten und einem Hoch auf daß durch Kaiser Wilhelm I. geeinte Deutschland schließt der Redner. — Herr Postsecretär Mayer schilderte in zündenden Worten die der Entwickelung der Wehrkraft gewidmete unablässige Fürsorge des alten kaiserlichen Herrn und brachte ein Hock auf die Armee auS. — Herr Dr. Linkenheld gedachte des gewaltigen Kanzlers, deS genialen Meisters am Bau des Reiches. Jubelnd stimmte die Versammlung dem vor geschlagenen Begrüßungstelegramm nach Friedrichsruhe zu. — Herr Prof. Dr. Wimmenauer brachte ein Hoch auf die Frauen au8 und schilderte die drei Frauengestalten, die im Leben unseres Helden von Bedeutung sind, die edle Königin Luise, die Geliebte seiner Jugend, die Gefährtin seines Lebens. So möge denn auch diese Feier an ihrem Theitt dazu beitragen, die heilige Flamme der Vaterlandsliebe zu schüren! •• Bon bet gestrigen Kaiserparabe hat Herr Heinr. Noll am Marktplatz mehrere gelungene Moment-Auf- nahmen Herstellen lasten, die in den nächsten Tagen käuflich zu haben find. Die Illumination am gestrigen Abend war glänzender unb allgemeiner als im vorigen Jahre gelegentlich der FriebenSfeier. Selbst an ben entfernt von ber Stadt gelegenen Gebäuden waren Lichter angebracht. Leider brachte scharfe Zugluft dieselben stellenweise zum vorzeitigen verlöschen. In der Innenstadt dagegen kam die Illumination zur vollen Entfaltung ihres Glanzes. Einzelne Gebäude "N vorfkiek k -ürger ,« btQt bt» (b , 5®;S ;:-ä *21.1 ®Ä 2^« sein @E, ung sich «°»-° mitten ite fiefatten ftnt. ? tn nnferer 7 strahle d« ° l i“ tlnem *ttrt werden b,NW. Er «vtz etftcn $*8Un8 blejer ltt| Mrm i”8t Fchjtier der 1 Echickjal unserer “M. Möge er fM Ludwig M. intR, bas thukn zu mehren. Mit in den Jubelrus: ' Großherzvg öiegerkravz"schiotz !rthron", das de° uck giedt, er »erbe i-htgeßakten seiner M Hen Pro« i Feier, dah N- i 1. noch M )>h LMihrv M^ lisch« ErimM^ Fraueuherzea M ht nach btm altia ;en Tage. Redau i mit ihm klar zu s gewesen ist nvd den alten Saisrr e Geschichte gibt tun Wtidit rasch Üen Friedrichs H. dieser nicht noch w M ckn 'dos üch den Trvhev, l spricht nicht wlt i Trotzen, sandetn let Redner Met : alS Soldat, all einsache, gründlitt nilitarischee, W- Soethe die M- ®le der alte Nu aßen Gedanken da ie Art Kaiser N ch am glauzeudstt ast von mafiUol.i märkischen J»°kei Einheit und Hol-" chte ausweifi. $ .§ um die M Male GesrhM e( der Sersöhnort a Staat, der Jede» st derAchrde^ lten, nW'l djamen *v Men Reichen das durch W . der Redner. Ddenden M -W-t- ** b tl-V- * V, (W« mW 1®W * - •S?5- IJif«1“». bj'l’ dl- eti« 8 ' «tw140 r an «)«”" jei H-« S ®o»" j(tin W ,„»!»« «*1. 7 M'-x ad)t. v!> am die 3 ^dude ■ wseee * 21 goldene Medaillen. nestlS 2707 miethen. 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Prachtvolle, die Bedeutung des TageS darstellende GaSkörper befanden sich am alten Rathhause, am BÜrger- meistereigebäude, am Gebäude und fm Garten des GaS- und Wasserwerkes,- ferner waren prachtvoll beleuchtet das Thurmhaus am Brand und die Schulhäuser. Universität, Gymnasium, Realschule, Post- und Bahnhofsgebäude, die Kliniken u. s. w. hoben sich in den geraden Linien ihrer Fronten wirkungsvoll ab von den villenartigen Gebäuden der Umgebung. Ohne eines der zahlreichen Geschäftshäuser, die alle ihr Möglichstes gethan, hintan setzen zu wollen, nennen wir Balser, Holterhoff, Schwaab, LiebrtchS Nächst. (SelterS- weg), Schaaf, Prinz Carl, Kilbtnger, Gärtner Becker, Cafe Krämer, Kürschner Schultheiß, Mettenheimer u. Schultheiß, Salomon, Teipel, Hotel Einhorn, Tb. Brück, Kaiserhof, Berger und andere. Es ist selbstverständlich, daß die getroffenen Arrangements eine große Zuschauermenge herbeigezogen,- aus einzelnen Straßenzügen war kaum durchzukommen, so gewaltig war der Andrang des schaulustigen Publikums. ** Let der gestrigen Illumination geriethen in dem Hause der Hirsch-Apotheke die Vorhänge des zweiten Stockes in Brand. Das Feuer verbreitete sich rasch über das Innere des Zimmer-, und kostete es viel Anstrengung, desselben Herr zu werden. Der Schaden ist ein ziemlich beträchtlicher. # * Ordens Verleihung. Herrn Geh. Hofrath Prof. Dr. Oncken hier wurde bo8 Kreuz der Comthure des König!. Hausordens von Hohenzollcn verliehen. * * Die Sanger-Vereinigung veranstaltete gestern Abeud nach beendeter Festfeier im Hotel Einhorn eine Abend- uv terhaltung, die bet Vorträgen, einigen Gesängen u. s. w. in schönster Weise verlief. * • Guter Verkehr von und nach Großen Linden. Wie UNS von Großh. Handelskammer mitgetheilt wird, werden vom 1. April d. I. ab Stückgüter und Wagenladungen mittelst Rangirzügen über Gießen nach Großen-Ltnden befördert. Dtrecre Güterabfertigung von und nach Großen- Linden findet jedoch nicht statt. ♦ * Gesellschaft für Erd- uud Völkerkunde. Am Montag den 29. März wird der frühere kaiserliche Gesandte in Peking, Herr Maximilian von Brandt, Excellevz, einen Vortrag über die industriellen, kommerziellen und politischen Beziehungen Chinas halten. Der Vortrag findet ausnahmsweise im großen Saale des GesellschastSvereins und schon um 7 V3 Uhr statt. Da Excellenz v. Brandt einer der bekanntesten früheren Vertreter des deutschen Reiches im Scheel & Co., TuWndluug Seltersweg 87. Licherstraße am Waldausgang. Gießen, den 23. März 1897. Großh. Bürgermeisterei Gießen. ML FchlchihMö. Freibank. 2900 Heute und morgen: Ochsenfleisch nicht ladenrein, per Pfd. 50 Pfg. THEE-MESSMER BERÜHMTE MISCHUNGEN M. 2.80 & 3.SO PA. PFUND. P ROBEPACKETEGO 4 90 Pf. Steuer-Reclamationen Gesuche, Verträge rc. fertigt 26C8 W. 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