1S97 Sonntag den 23 Mai Ur. 120 Drittes Blatt Der Oiete«er Axzei-er erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagZ. Die Gießener K«milie»vlälter »erden dem Anzeiger »Achintlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. Liertelsähriger Avonnemeutspreis^ 2 Mark 20 Pfg. mt» vringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 $f0- Nedactton, Lxprdttt«» • und Druckerei: Kchutstraße It.l Fernsprecher 5L Amts- und Anzeigeblatt für den TLveis Gießen. Feuilleton. Wochendriefe ans der Residenz. (Originalbericht deS .Gießener Anzeigers^). Z. Darmstadt, 20. Mai. Bom Srotzherzoglichea Hofe. — Soucertbericht. — Theater. Auf die geräuschvollen Hoffeste, welche mit dem so glanzvoll verlaufenen Wohlthätigkeitsfeste unter dem Pro- tectorate Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin AuSgangs des verfloffenrn Winters ihren würdigen Abschluß gefunden hatten, war eine lauge Zeit der Stille in dem gesellschaftlichen Leben der höchsten Kreise der Darmstädter Aristokratie gefolgt, die namentlich durch die Abwesenheit deS landeSfürst- lichen Paare- veranlaßt war. Nun da die Allerhöchsten Herrschaften wieder in der Restdenz eingetroffen find, ist auch wiederum regeres Leben in jenen Cirkel gekommen. Die hohen Herrschaften weilen sehr gerne unter den hier einheimischen Familien der Hofgesellschaft, wie die verschiedenen Einladungen der letzten Z'.it deutlich beweisen. So fanden tu den verfloffenrn Tagen der vorigen Woche verschiedene Hoftafeln im Neuen PalaiS und Schloß statt, zu denen die diplomatischen CorpS, die Minister, eine Anzahl Standes- Herren und viele Mitglieder der Hofgesellschaft mit ihren Damen geladen waren. Auch eine Tanz-Unterhaltung, die am vergangenen SamStag arrangirt war, führte etwa 80 Damen und Herren der Gesellschaft in den Räumen deS „alten PalaiS" am Luifenplatz zusammen. Letzten Montag zeichneten die Allerhöchsten Herrschaften Herrn Major Freiherr» 0. Hehl zu Herrnsheim durch einen Besuch in dessen herrlicher Billa an der Wehprechtstraße dahier auS, bet dem ] Gratisbeilage: Gießener Kamilienökätter ■enorme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« fangenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Alle Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Gießen, den 21. Mai 1897. Betr.: „BtlderatlaS zur Geographie von Europa", mit beschreibendem Text von Dr. Alois Geiftbeck. Die Gtttzh. KreiS-SchulcommGov Gießen au die Schulvorstände des Kreises. Bon nachstehender Verfügung geben wir Ihnen Kenntniß. v. Gagern. Darmstadt, am 12. Mat 1897. Betr : Wie oben. Das Großh. Ministerium des Innern Abtheilung für Schulangelegenheiten au die Großherzoglichen Directioueu der Gym- «asieu, Realgymnasien und Realschulen, höheren Mädcheuschnleu, Schullehrer-Semiuarieu, sowie die Großherzoglicheu Kreisschuleommisfioueu. Im Verlag des Bibliographischen Instituts tu Leipzig und Wien ist der obige BilderatlaS erschteuen, welcher auf 184 Seiten eine größere Anzahl von europäischen LandschaftS- und Städtebildern rc. in Holzschnitt, nebst zugehörigem be schreibendem Text, enthält. Der Preis dieses Werks (in Leinwand gebunden) beträgt 2.25 Mark. Wir machen Sie auf daffelbe zur gelegentlichen Anschaffung für die Bibliotheken der Ihnen unterstellten Anstalten «ud Schulen aufmerksam. __________________V. Knorr.___________________ Bekanntmachung, betreffend: die Veranstaltung von Berloosungen innerhalb deS GroßberzogthumS. Der Oberhesfische Bienenzüchterverein beabsichtigt in Verbindung mit der am 13. September l. I. zu Grünberg stattftndenden 37. Wanderversammlung eine Berloosung von Bienenvölkern, Bieuenproducten und Utensilien zu veranstalten. Das Großh. Ministerium des Innern hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Berloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 3 000 Loose zu 0.50 Mk. das Stück auSgegeben werden dürfen und mindestens SOpCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden find. Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffen gestattet worden. Gießen, den 20. Mat 1897. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung, l betreffend Maul- und Klauenseuche. In Amönau und Freisbach, Kreis Marburg, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrocheu, und deshalb Gemarkungssperre angeordnet worden. In Merlau und Nieder-Ohmen, Kreis Alsfeld, Rinderbügen und Bingenheim, Kreis Büdingen und Wetterfeld, Kreis Schotten, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und find die verhängten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben worden. Gießen, den 20. Mai 1897. Großhsrzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung. Großh. Ministerium der Finanzen hat genehmigt, daß mit Rücksicht auf die verspätete Zustellung der Steuerzettel die Frist zur Borbringung von Reklamationen für dieses Jahr erstreckt wird: in den Landgemeiudeu bis Mitte Juni, in der Stadt Gießen bis Mitte Juli. Die Großh. Bürgermeistereien werden ersucht, dies in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Gießen, den 21. Mai 1897. Großh. Steuercommiffariat Gießen. Bähr. Bekanntmachung. Die Provinzial Fohlenweide bei Merlan be- ginnt in diesem Jahr am 1. Ium. Die Fohlen müssen an diesem Tage zwischen 10 und 1 Uhr Mittag- daselbst mit gezeichneter Halfter und Kette, sowie mit Gesundheits- schein von Großherzoglicher Bürgermeisterei oder Veterinär' arzt abgeliefert und den 30. September d. I. um dieselbe Tageszeit abgeholt werden, wobei der Besitzer beim Einfangen behülfltch sein muß. Die Fohlen erhalten neben Behandlung und Weidefutter auf ca. 34 Hektaren, Kleegras von 12 Morgen, Abend- in vollen Rationen auf den Raufen- ferner Morgens vor Austrieb per Stück 4 Pfd. Heu und außerdem pro Tag und Stück 3 Pfd. Hafer aus der Vereinskaffe. Jeder Besitzer kann jedoch Haferzusatz in Natur oder durch Selbftzahlung geben laffen. Das Weidegeld für bezeichnete Zeit von 4 Monat beträgt pro Fohlen 54 Mk. 90 Pfg. oder pro Tag 45 Pfg. und muß die Hälfte beim Eintrieb und die andere Hälfte vor dem 1. August l. I. an die Verwaltung resp. Großherzog' heben Baurath Dr. Dieffenbach in Grünberg bezahlt werden. Allenfallsige Kurkosten der Fohlen muß der Eigenthümer be> zahlen. Letzterer kann wegen begründeter Verhältnisse sein Fohlen zu jeder Zeit zurücknehmen und bezahlt dann nur die benutzte Wetdezeit. Kranke und bösartige Thtere, sowie über P/t Jahr alte Hengste, welche die anderen Thiere stören, können auSgeschloffeu werden. Sonstige Auskunft ertheilt der genannte Grobherzogliche Baurath Dieffenbach. Laubach, den 20. Mai 1897. Der Präsident de- landwirthschaftl. Vereins von Oberheffen. Friedrich Graf zu SolmS-Laubach. 226. Sitzung. Freitag, den 21. Mai 1897. Die Beratbung der Handwerker-Vorlage wird fortgesetzt bei S 100, der von den Zwangstnnungen handelt. Eine Zwangs- tnnung soll nach der Vorlage nur dann von der höheren Verwaltungsbehörde angeordnet werden können, wenn die Mehrheit der beteiligten Gewerbetreibenden zustimmt. Die Commission hat auf Antrag Gamp einen neuen Zusatz dahin beschlossen, daß die Behörde in besonderen Fällen auch ohne Zustimmung der Mehrheit der Betheiligten die Errichtung einer Zwangsinnung anordnen kann. Einem zweiten Zusatz zufolge soll, auf bezüglichen Antrag, der Beitrittszwang auf diejenigen Gewerbetreibenden beschränkt werden können, welche der Regel nach Gesellen und Lehrlinge halten. „ Abg. Metzner (Centr.) beantragt, für diesen letzteren Fall sollen an der Abstimmung der Betheiligten über Errichtung der Zwangsinnung auch nur diejenigen Meister theilnehmen, welche der Regel nach Gesellen und Lehrlinge halten. Abg. B-sfermann (natl.) beantragt die Errichtung der Zwangsinnung nicht von der Zustimmung der einfachen Mehrheit, sondern von 2/3 Mehrheit der Betheiligten abhängig zu machen. Die Errichtung der Zwangsinnungen dürfe nicht zu sehr erleichtert werden, sonst werde Gegendruck erzeugt. Nur wenn eine entschiedene überwiegende Mehrheit den Beitrittszwang wünsche, sei ein gedeihliches Wirken der Innung zu erwarten Starke Bedenken stünden aus diesem Grunde dem Zusatz 1 der Commission entgegen, wonach in besonderen Fällen die Zwangsinnung selbst auf den bloßen Wunsch einer Minorität soll angeordnet werden können. Er bitte, diesen Zusatz zu streichen. Abg. Frhr. o. Hertling (Ctr.) weicht in Bezug auf die Beschlüsse der Commissio» von feinen Freunden ab. Die Commission habe diesen S 100 so umgestaltet, daß er für ihn unannehmbar sei. Mit seinen Freunden theile er selbstverständlich das Interesse für das Handwerk. Er glaube aber, daß das Gerede von dem Niedergange des Handwerks sich ebenso sehr als Lüge herausgestellt habe, wie das Gerede von der Verelendung der Massen. (Lebhafte Bewegung.) Eine Zwangsorganisation nach der Schablone halte er für nicht ersprießlich. Der Zwang schaffe nur ein Jnnungsleben auf dem Papier. Auf den Boden der früheren Berlepsch'schm Vorlage habe er daher nicht treten können, dagegen sehr wohl auf den Boden der jetzigen Vorlage in ihrer ursprünglichen Fassung, gemäß dem Kompromiß der verbündeten Regierungen. Wolle die Mehrheit der Bethetligten den Jnnungszwang, dann laffe sich allenfalls annehmen, daß derselbe im Interesse der Betbeiligten liege. Aber für die von der Commission beschlossene Umgestaltung könne er nicht stimmen, denn dadurch sei das Pcinctp der Vorlage durchbrochen und die Errichtung der Zwangsinnung vollständig in das discretionäre Ermessen der Verwaltungsbehörden gestellt. Der Reichstag habe gar keinen Anlaß, weder auf wirthschaftlichem, noch auf politischem Gebiete das behördliche discretionäre Ermessen noch zu erweitern. Dazu komme, daß bei Einführung dieses discretionären Ermesiens die Agitation gar niemals aufhören werde, denn wenn eine Verwal- genannter Herr den hohen Herrschaften durch ein gerade hier anwesendes Zauberkünstlerpaar eine Reihe von Kunststückchen vorführen ließ, die die Herrschaften sehr amüsirten. Auch die eben gerade hier stattfiudende Meffe besuchte die Großherzogin mit der kleinen Prinzeß Elisabeth und den Kindern des Prinzen Ludwig von Battenberg. Die hohe Frau durchwanderte mit den Kleinen die Reihen der Buden- stadt, machte mit ihnen mancherlei Einkäufe, besuchte auch einen Waffelwagen und unternahm sodann zur großen Freude ihrer Begleiterinnen eine Fahrt auf einem am Ernst-Ludwig-- Platz stehenden Carouffel. Zum Schluffe ließ die hohe Frau noch in einer der nie bet der Meffe fehlenden Moment- Photographie-Buden die Kinder zusammen photographiren. Auch die vom hiesigen Musik-Verein zu Ehren deS verstorbenen großen Tondichters Johannes BrahmS veranstaltete Gedächtnißfeier beehrte das Großherzogliche Paar mit Allerhöchst Seinem Besuche. Das Podium des großen Saales deS Städtischen SaalbauS zeigte im Hintergründe die lorbeergezierte Büste des entschlafenen Meisters in reichem Pflanzeuschmucke und im Saale und auf den Galerien hatte ein außerordentlich zahlreiches, andächtig gestimmtes Publikum Platz genommen. Den Beginn der würdigen Feier machte der ergreifende Vortrag des herrlichen Chorwerks „Nänie" durch den Verein. Alsdann betrat der leider inzwischen ebenfalls Heimgegangene Geh. Hofrath Theodor Münzer, der ausgezeichnete Declamator und frühere langjährige Director des hiesigen HoftheaterS, die Bühne und trug einen aaS der Feder des Gymnasiallehrers Dr. Eduard Otto stammenden, die Verdienste des Meisters in formvollendeten Versen feiernden Prolog tu warm empfundener, außerordentlich vornehmer Weise vor. Frl. Emma Plüddemann auS Berlin sang dann drei Lieder von Brahms, unter denen namentlich die Wiedergabe von „Feldeinsamkeit" op. 86 eine Leistung größten Stiles genannt werden muß. Dr. Felix Kraus auS Wien wußte ferner mit seiner herrlichen Baßstimme die Hörer durch den Vortrag deS letzten Werkes des Entschlafenen: „Vier ernste Gesänge" op. 121, zu entzücken. Den zweiten Theil des geschmackvollen Programms bildete die Wiedergabe deS „Deutschen Requiems", in dem Chor uud Orchester unter Leitung Willem de Haans zeigten, daß sie selbst den höchsten Aufgaben der Kunst voll und ganz gewachsen find. Der Eindruck, den das erhabene Werk hinterließ, war tief ergreifend, und der Musikveretn hat durch die Veranstaltung dieser erhebenden Feier seinem alten RuhmeSkranze ein neues, wohlverdientes Blatt hinzugefügt. Einen intereffanten Ueberblick über die Thätigkeit des Großh. HoftheaterS in der abgelaufenen Saison gibt der vor einigen Tagen veröffentlichte statistische Rückblick auf dieselbe. Danach haben in der letztwinterlichen Spielzeit 160 Vorstellungen stattgefunden, davon find 30 Opern-, 3 Operetten-, 4 Ballet-, 17 dem komischen Genre augehörende, und 73 Schau- und Lustspiel-Aufführungen gewesen. Nickr weniger wie 50 Novitäten oder Neu - Einstudirungen tarnt n heraus, so daß fast jeder dritte Abend eine solche brachte. Welche enorme Zahl von Proben dazu gehört, kann man sich denken. Die Statistik verzeichnet deren neben den täglichen Proben deS Chors und Ballets 375 Stück! 26 Gäste betraten im letzten Winter die hiesige Bühne, worunter die Namen der gefeiertsten Künstler und Künstlerianeu sich befinden. Das Institut kann fürwahr zufrieden sein mit seiner Arbeit! tunaSbehörde von ihrer discrettonären Befugnih feinen Gebrauch mache, während eine andere dies vielleicht lhue, so werde es immer beigen: ja, diese Behörde hat kein Jntereffe für daS Handwerk. Er bitte daher, die ursprüngliche Vorlage wiederherzustellen und die Zusätze der Commission zu streichen. (Beifall links und vereinzelt M^Schneid'er (frs. 93p.) befürwortet ebenfalls die Wiederherstellung des Paragraphen in der Fassung der ReS^rungsvorlage, erflätt sich aber zugleich für die Zweidrittel-Mehrheit (Antrag Minister Brefeld: Nach den Ausführungen v. HerUings habe ich wenig zu sagen, da dieser in vortrefflicher Weise Alles gesagt hat, was sich gegen die Zusatzbeschlüsfe der Commission sagen lägt. Hinzufügen mug ich aber doch noch, bag gerade dieser Paragraph die Grundlage de« CompromiffeS innerhalb der verbündeten Regierungen bildet. Wenn eine Mehrheit der Betheiligten nicht vorhanden ist für die ZwangSbtldung einer Innung, wie sollen da innerhalb der Innung Oeschlüsfe zu Stande kommen, welche auf Reformen hinauslaufen ;' Und Reformen find doch der Zweck des Ganzen. WaS soll in der Innung eine Minorität gegen eine widerwillige Majorität machen? Rur Zanf und Streit würden die tfolge sein, aber keine heilsamen Beschlüsse. Die Regierungen würden auch in keinem Falle von der Befugnig, die man ihnen hier gewähren will, Gebrauch machen, denn sie würden sonst ihrer eigenen Auf- sasfung ins Gesicht schlagen. Insofern würde Ihnen also dieser Zusatz gar nichts nützen. Er würde aber sogar schaden, denn er würde unS eine Agitation über den Hals bringen, während doch unser öffentliches Leben ohnehin schon mehr als genug durch Agitationen durchsetzt ist. Ich kann Sie also nur bitten, die Vorlage In ihrer ursprünglichen Fassung wiederherzustellen. Abg. Gamp (Rp.) bittet ebenso dringend, die Zusätze der Commission aufrecht zu erhalten. Der Antrag Basfermann sei seinen Freunden selbstverständlich ganz unannehmbar. Abg. Augst (südd. 93p.) wendet sich überhaupt gegen den JnnungSzwang. Abg. Kropatschek (cons.) kann zwar die Ansicht Hertlings unterschreiben, bag bas Hanbwerk burchaus nicht im Riebergange sei, hält inbeg bte btscreltonäre Befugnig, in ganz extraorbinären Fällen bte Errichtung einer Zwangsinnung auch ohne Zustimmung einer Mehrheit ber Bethetligten vorzuschreiben, für unbedingt nothwendig. c Abg. Schmidt-Berlin (Soc.) bekämpft den.Jnnungszwang in jeder Form. Ebenso ir , , Abg. Richtjer (frs. 93p.): WaS der Herr Minister so trefflich gegm diesen Zwang gesagt habe, treffe doch auch zu für die von der Regierung selber vorgeschlagene facultalive Form. Denn sei einmal eine Zwangsinnung unter Zustimmung ber Mehrheit eingerichtet, so gebe es kein Zurück, auch wenn bie Stimmung ber Mehrheit umschlage. Die Commission trage gar nicht ben überkommenen Verhältnissen Rechnung. Die Mitglieberzahl schon bestehenber Innungen werbe künstlich vervielfacht und die Reuzutretenden erlangten, ohne Bettrittsgeld, Antdetl an dem vorhandenen Vermögen. Und welche Schwierigkeiten müsse die Abgrenzung von ben Grogbetrieben bereiten, welche Beeinträchtigungen erfahren burch die gleichartigen Jnnungs- einrichtungen die OrtSkrankenkaffen und Gewerbegertchte. Die eine von der Commission beschlossene Resolution verlange sogar staatliche Geldunterstühungen für die Innungen. Was würde man sagen, wenn die Arbeiter-Vereine mit der gleichen Forderung kamen? DaS sei ja ganz nach Laffalle! Angesichts der Vielheit der nach dieser Vorlage entstehenden Jnnungsformen sei diese ganze Organisation eine Organisation der Confufion. (Heiterkeit.) Inzwischen ist auch von dem Abg. Metzner ein Antrag eingegangen auf Streichung M Zusatzes der Commisiron betr. die diScretionäre Befugnig der Verwaltungsbehörde. Rach einigen Bemerkungen des Abg. Pachnicke, der das ganze Gesetz als einen Schlag ins Wasser -nsieht, schltegt die Debatte. Namentliche Abstimmungen sind nicht weniger al« drei beantragt. Zunächst wird der Antrag Basfermann (Erfordernig einer Zweidrittel-Mehrheit) in einfacher Abstimmung abgelehnt. Dafür stimmen auger ber Linken unb ben Nationalliberalen auch bte Polen sowie bie Abg. Prinz Hohenlohe unb Dr. Schulz-Lupitz. Der voa ber Commission auf Antrag Gamp aufgenommene Zusatz, wonach bie Anordnung einer Zwangstnnung aus besonderen Gründen auch ohne Zustimmung ber Mehrheit ber Betheiligten erfolgen kann, wurde mit 150 gegen 118 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten äuget der Linken, Polen, Welfen, Elsässer, etwa 25 CentrumSabgeordnete, sowie bte Abgg. Prinz Hohenlohe und Dr. Schulz-Lupitz. Der zweite Zusatz der Commission, bag auf Antrag bie Zwangstnnung nur auf bte Gewerbetreibenden ausgedehnt zu werden brauche, welche ber Regel nach Gesellen unb Lehrlinge halten, wirb mit 155 gegen 108 Stimmen angenommen. Endlich wird der ganze Paragraph, wie er sich hiernach gestaltet hat, mit 160 gegen 109 Stimmen angenommen. Zur Minorität gehörten bte ganze Linke, mit Ausnahme vereinzelter Nationalliberaler, ferner Prinz Hohenlohe. Metzner, bte Polen. Morgen 12 Uhr: Fortsetzung; Servistarif. Schlug nach 5»/, Nhr, Locale» unb Provinzielle». Wir erhielten folgende Zuschrift, für welche wir dem Einsender, gleich wie für die dieser vorhergehenden, die Verantwortung überlaffen müffeu: „Auf den in Ihrem geschätzten Blatte vom Dienstag enthaltenen Artikel über Eteiubich find in der „Hess. Laudes-Ztg." •) zwei Erwiderungen erfolgt, welche es fertig bringen, die Thatsachen direct auf den Kopf zu stellen und aus den Angegriffenen die Angreifer zu machen. ES maß dem gegenüber wiederholt covstatirt werden, daß die beiden Sommerwagen in durchaus ruhiger Weise Steinbach paffierten und daß der vordere Wagen schon bei den ersten Häusern Steinbachs mit Schmutz beworfen wurde. Die Angabe, der Polizeidiener habe Ruhe geboten, ist eine offenbare Unwahrheit, denn eines Theils war kein Grund da, Ruhe zu bieten, und anderen TheilS wurde der Polizeidiener erst am Ende des Ortes, da wo die Straße nach Gießen abzwetgt, von den Insassen der Wagen gesehen, wo er in Gesellschaft einiger Leute stand, wie schon erwähnt, ohne den Angegriffenen Schutz zu gewähren. Die Behauptung, die tu den Wagen Sitzenden hätten ans deuselbev mit Steinen ge- worfen, ist so lächerlich, daß fie keiner Widerlegung bedarf. Wenn wirklich Steine gegen die Häuser geflogen find, dann find eS zweifellos diejenigen gewesen, welche ihr Ziel, die Köpfe der Wagentnsaffen, verfehlt haben. Im Uebrtgen wird dem Herrn Polizeidiener und dem anderen Einsender der Artikel wohl Gelegenheit geboten werden, vor Gericht ihre Behauptungen mit ihrem Tide zu bekräftigen. *) Um nicht den Glauben zu erwecken, als ob wir parteiisch in der Sache verfahren, bemerken wir, daß wir (auch ohne Berufung aus S 11 des PreßgesetzeS) eine „Berichtigung" auf ben im DienStagsbatt bes „Gießener Anzeigers" enthaltenen Artikel ausgenommen hätten, wenn unS solche vöst gerufener Seite jugegangen wäre. Dagegen lehnen wir nach wie por „Berichtigungen" auf burch andere Blätter erfolgte Angriffe ab. Redaktion tel „Gießener Anzeiger/" Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Garteuftraste 2. ««gebot btt Arbeitnehmer r 1 Bäcker, 2 Buchbinder, 2 Krankenwärter, 1 Bauschlosser, 1 Maschinenschlosser bezw. Hetzer, 1 Bauschreiner, 4 Lauffrauen, 3 Taglöhner, 2 Erdarbeiter, 1 Aufseher, 2 Gartenarbeiter, 2 Fabrikarbeiter, 1 Gärtner, 1 HauSbursche, 3 Dienstmädchen. Nachfrage der Arbeitgeber r 1 Bäcker, 4 Drechsler, 1 Spengler, 1 Metalldrücker, 2 Glaser (Rahmenmacher), 1 Tapezier, 3—4 Maschinenschlosser, 1 Geschirrschmted, 2 Schneider, 2 Bau- unb Möbelschretner, 1 tücht. Schweizer, 2 Hausburschen, 2 Lauffrauen, 2 Kutscher, 1 Putzfrau, 1 Sattler-, 1 Kupferschmied-, 2 Barbier-, 1 Spengler, 2 Schneider-, 1 Gärtner-, 1 Schlosser-, 1 Tapezier-, 1 Schuhmacher-, 1 Bäcker-, 2 Drechsler-, 1 Schreiner-, 1 Schmied-Lehrling, 10 Dienstmädchen, 1 Köchin, 2 Kindermädchen, 1 Büglerin.____ Vt <****** in Handarbeiten, Weistuähen, Zu- IXltlCirtUll schneiden und Unfertigen jeglicher Masche und Kleider nach Methode des Lettevereins-Berlin ertheilt gründlich ___ 5056 C. Köhler, Eintritt jederzeit. _______Bergstraße 17, 3. Stock. Landwirthschastl. Consumverein Wieseck, E. G. m. u. H. Samstag den 29. Mai, Abends 8V- Ahr, fleneral=üer|ammlunfl bei Gastwirth Gerhard Schneider. Tagesordnung: 1. Vorlage der Rechnung. 2. Festsetzung der Dividenden pro 1896. 3. Verschiedenes. 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