Rr. 69 Zweites Blatt DienSlag dm 23. Mär; 18»» Gießener Anzeiger Keneral-Htnzeiger. und Airzergel>l«»tt für den Kreis Giefzen Redaction, Expedition und Druckerei: Klkutftraße Hlr.7. Fernsprecher 51. Vierteljähriger Abonnementsprelrr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg. Der Htehencr Auzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Aamirienötälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegc. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. chratisöeikage: Gießener Aamilienökätter. Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlicher Theil. Gießen, den 20. März 1897. Betreffend: DaS Behüten der Wiesen. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen ** die Grstzh. Bürgermeistereie« M Kreises. Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß das Behüten der Wiesen nach der Wtesenpolizei-Ordnung für den Kreis Gießen vom L. April an untersagt ist. Sie wollen die Schäfer hierauf aufmerksam machen und die Feldschützen strengstens anweisen, etwaige Uebertretungen zur Anzeige zu bringen. Die Gendarmerie ist gleichfalls angewiesen, bet Zuwiderhandlungen gegen diese« Gebot Anzeige zu erheben, v. Gagern. Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung des König!. Preußischen KrtegLministertumS, RemontirungS-Abtheilung, bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß. GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen, v. Gagern. Bekanntmachung, den Ankauf von Remonten für 1897 im Großherzogthum Hessen betreffend. Zum Ankäufe von Remonten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren find im Bereiche des Großherzog- thumS Hessen für dieses Jahr nachstehende Märkte anberaumt worden und zwar: am 17. Mai, Borm. 9 Uhr, in Gernsheim, ,/ 18. „ „ 9 „ „ Groß-Gerau, ,/ 19. „ „ 8 „ „ Reinheim, ,, 20. „ „ 8 „ „ Nidda. Die von der Remonte-AnkaufS-Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung baar bezahlt. Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, find vom Verkäufer gegen Erstattung deS Kaufpreise- und der Unkosten zurückzunehmen, ebenso Krippensetzer und Klophengste, sowie Wallache mit ausgeprägter Hengllmanter, welche sich in den ersten zehn bezw. achtundzwanzig Tagen nach Einlieferung in den Depot« al- solche erweisen. Pferde, welche den Verkäufern nicht eigevthümlich gehören, oder durch einen nicht legitimtrten Bevollmächtigten der Commission vorgestellt werden, find vom Kauf ausgeschlossen. Die Verkäufer find verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rtndlederne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit zwei mindestens 2 Meter langen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugebeu. Um die Abstammung der vorgeführten Pferde feststellen zu können, find die Deckscheine resp. Füllenscheine mitzu- bringen, auch werden die Verkäufer ersucht, die Schweife der Pferde nicht zu coupireu oder übermäßig zu verkürzen. Ferner ist es dringend erwünscht, daß ein zu massiger oder zu weicher Futterzustand bet den zum Verkauf zu stellenden Remonten nicht stattfindet, weil dadurch die in den Remoute- Depots vorkommenden Krankheiten sehr viel schwerer zu überstehen find, al« dies bet rationell und nicht übermäßig gefütterten Remonten der Fall ist. Die auf den Märkten vorzustellenden Remonten müssen daher in solcher Versüssung sein, daß fie durch mangelhafte Ernährung nicht gelitten haben und bet der Musterung ihrem Alter entsprechend in Knochen und Muskulatur ausgebildet find. Berlin, den 3. März 1897. Königlich Preußisches KrtegSministerium, RemoutirungS« Abtheilung. (gez.) Hoffmann-Scholtz. Gießen, am 20. März 1897. Be tr.: FrühjahrS-Controlversammlungen. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen M Me Grstzh. Vikgerrrretßterete» x* ÄrNk*. Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen. v. Ga.'gern. Bekanntmachung. Bei den diesjährigen Frühjahrs-Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gießen gehörigen: 1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr 1. Aufgebots (Anzug: Kleiner Dienst- Anzug). 2) Reservisten, sowie zur Dispofition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlassenen. 3) Wchrlcute I. Aufgebots, die vom 1. October 1884 ab eingestellt worden. 4) ErsatzReservisten, geübte und nicht geübte. Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Controlpflichtigen anzutreten haben: A. Zu Gießen in Oswalds Garten für die Bewohner von Annerod, Burk- hardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod und zwar: am 12. April 1897. 1 Appell Vormittags 8 Uhr: Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots. Sämmtliche Reservisten der Infanterie, der Jahrgänge 1889, 1890 und 1891. 2. Appell Vormittags 11 Uhr: Sämmtliche Reservisten der Jahrgänge 1892, 1893, 1894, 1895 und 1896, sowie zur Dispofition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschastm der Infanterie. 3. Appell Nachmittags 2 Uhr: Wehrleute I. Aufgebots der Infanterie. Am 13. April 1897. 1 Appell Vormittags 8 Uhr: Reservisten sowie zur Dispofition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften und die Wehrleute I. Aufgebots aller übrigen Waffen und zwar: der Garde, Jäger, Cavallerie , Feld, und Fuß-Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffertruppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonal, Büchsenmacher, Oeconomie- Handwerker, und Marine-Mannschaften. 2. Appell Vormittags 11 Uhr: Sämmtliche Erfahre! eroisten. 3. Appell Nachmittags 2 Uhr: für die Bewohner von Allendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen. Reservisten und Wehrleute I. Aufgebots sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen und Ersatz-Reservisten. B. Zrr Lollar am 14. April 1897, neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck. Feuilleton. Sine Bierreise. Humoreske von E. Krickeberg. (5. Fortsetzung.) Alexander wurde elegisch: „Weißt Da wohl noch, Dicker, wie wir da« letzte Mal hier saßen ... wir hatten einen verlängerten Frühschoppen im Elysium hinter uns — Schlot war total bekaeipt, er schnarchte wie eine Sägemühle am Tisch, und Pump mit seiner nicht todt zu kriegenden Suada ließ eine Philippika über die andere gegen alle erdenklichen Dinge los, die uns in der Gotteswelt nicht« angingen. Faß, Du kennst ihn vielleicht noch" — sein Blick glitt verschmitzt über mich hin- weg — „erhob sich dann und wanu schwerfällig, um mit einem: „BiSmarck ist der rechte Mann, Bismarck soll leben — hoch!" den Redner aus dem Coutext zu bringen." „Ja, und ein gewiffer Räkel, Du kennst ihn vielleicht auch noch," schaltete ich ein, „wollte von der alten dicken Wtrthin mit aller Gewalt eine Haarlocke haben —" Alexander lachte auS vollem Herzen. „Ja, ja, und weißt Du, plötzlich steht Schlot auf, er- klärt mit etwa- schwerer Zunge, eS sei Zeit, zu Bett zu gehen, und beginnt ganz gemüthlich, sich auSzukleiden." Ich saß wie auf Kohlen bet diesen Remtvt-cevzen Alexanders aus unserer Jugendzeit. Brauchten denn da« fremde Ohren zu hören — ich sah ganz deutlich, wie sich die Portiöre zum Nebenzimmer leise bewegte, und ich glaubte flüsternde Stimmen dahinter zu vernehmen. Dort saß wohl die gestrenge Wirthin und controlirte ihre hübsche Kellnerin. — Aber war denn daS wirklich eine Kellnerin? Die- Zimmer eine Weißbierftube? Schier unglaublich. Uud doch sah ich ii der Erinnerung, wie Alexander, ein einfaches Buffet- recht- tu der Ecke eben diese- Raume- stehen. DaS alles machte «ich ganz verwirrt. „Ich verspüre Appetit," erklärte Alexander plötzlich, „die Bedienung hier läßt wirk.ich manches zu wünschen übrig" — er setzte wieder seinen Schlüssel in Tätigkeit. „Haben Sie Flack?" forschte er, als das junge Mädchen vor ihm stand. „Was ist das, Flack?" fragte fie, seine ostpreußtschr breite Manier nachahmend, so daß wir hell auflachen mußten. „Jh, seh einer daS Blitzmädel! Willst Dich wohl gar über mich lustig machen, Kleine?" Und er versuchte, ihre Hand zu erfassen. „Sei doch nicht so zimperlich, — komm, gieb mir einen Kuß, kannst da- in allen Ehren thun." Sie wich ihm entsetzt au-, ein glühendes Roth ergoß fich über ihr Antlitz und in ihren Augen zitterte der Schreck über diese Vertraulichkeit. „DaS, wa- Sie wünschen, haben wir nicht," stieß fie hastig hervor, „aber etwas anderes werde ich Ihnen schicken" — und fie eilte hinaus. „Du gehst zu weit," rief ich ärgerlich, „Du stehst doch, daß das keine gewöhnliche Kellnerin ist." „Ach, Unsinn, ich meine es gut mit ihr," entgegnete er gereizt. Als aber ein anderes Mädchen, dem man den Dienstboten sofort ansah, erschien und unS delicaten HäringSsalat und Appetitbrödchen verlegen und stumm vorsetzte, schlug seine Laune mit einem Male um. Schweigend verzehrte er einige Bissen und dann erklärte er plötzlich: „Ich bin müde, wir wollen nach Hause gehen." Er trommelte mit dem Schlüssel an da- GlaS: „Zahlen!" Diesmal erschien die alte Dame. Sie erklärte mit feinem Lächeln: „Die Herren befinden fich in einem kleinen Jrrthum, hier ist kein Local. Früher einmal wurden diese Räume zu Restaurationszweckeo benutzt/ seitdem aber mein Mann gestorben und die Brauerei in andere Hände übergegangeo ist, habe ich dem Wirth gekündigt und meine Privatwohnuog hier aufgeschlageu." „Alle Wetter!" fuhr Alexander heran-. „Lassen Sie fich hierdurch nicht beirren," fuhr die Dame verbindlich lächelnd fort, „eß ist zwar nicht hübsch, daß Sie mir meine Tochter haben abspenstig machen wollen, aber trotzdem würde es mich freuen, wenn das Weißbier heut so wie ehemals seine Schuldigkeit gethan und der altbekannte Raum angenehme Erinnerungen in Ihnen aufgefrischt hätte. — Und nun guten Abend, meine Herren!" Wie wir auf die Straße gekommen find, weiß ich nicht — wir fanden uns eift wieder, als wir bemerkten, daß wir uns mit grenzenlos verlegenen Gefichteru anftarrteu. Jede Spur von Rausch war urplötzlich von uns gewichen. „Mir scheint, wir haben da eine gewaltige Dummheit gemacht," brachte Alexander endlich kleinlaut hervor. „Ja, das war Deine „famose Idee", rief ich ärgerlich, „unsterblich blamtrt haben wir uns." „Ich habe die alte Dame einen Drachen, ein gräßliches altes Weib, und was weiß ich genannt," ächzte Alexander. „Ja," bestätigte ich mit innerer Genugthuung, „und die Tochter einen netten Käfer, irgend eine Stelle in Deinem Ostpreußen hast Du ihr angeboten." „Verfl . . stieß Alexander hervor, „ich glaube, ich habe fie sogar geduzt." „Das hast Du," bekräftigte ich bo-haft, „Du warft eben schrecklich bekneipt." „Du etwa nicht?" „ES kann bei mir doch nicht so arg gewesen sein, denn ich habe mir keine solche Dummheiten zu Schulden kommen lassen und daS junge Mädchen nicht einen Augenblick für eine Kellnerin gehalten," log ich dreist. „Und davon haft Du mir nichts gesagt, Du lieber Freund?" „Al- ob Du den ganzen Abend ein einzige- Mal auf mich gehört hättest!" (Schluß folgt.) 1. Appell Vormittags 8 Uhr 45 Minuten: Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz - Behörden entlassene Mannschaften aller Waffen. 2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten. Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen. 3. Appell Nachmittags 1 Uhr. Sämmtliche Ersatz-Reservisten. C. Zu Grünberg am 20. April 1897, am Bahnhof für die Bewohner von: Allertshausen, Beltershain, Gellshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhards- Hain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit Hainerhof, Winnerod. 1. Appell Vormittags 9 Uhr 15 Minuten. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Dis- Position der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlasienen Mannschaften aller Waffen. 2. Appell Vormittags 11 Uhr Sämmtliche Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatz-Reservisten. D. Zu Hungen am 21. April 1897, am Friedhof für die Bewohner von: Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Ronnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen. 1. Appell Vormittags 9 Uhr 30 Minuten. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. 2. Appell Vormittags 11 Uhr. Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und sämmtliche Ersatz-Reservisten. E. Zu Lich am 21. April 1897, am Bahnhof für die Bewohner von: Albach, Birklar, Dorf- Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder, Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach. 1. Appell Nachmittags 3 Uhr. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden ent- laffenen Mannschaften aller Waffen. 2. Appell Nachmittags 4 Uhr 30 Minuten. Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und sämmtliche Ersatz-Reservisten. Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Nothfalle genehmigt. Diejenigen Mannschaften, bei denen Futzmefsungen noch nicht vorgenommen wurden, haben überhaupt keine Aussicht auf Befreiung. Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher wegzulegen. Die Militärpapiere (Paß und Führungszeugniß) müssen zur Stelle sein. Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controltages bis einschließlich Mtternacht unter dem Militärgesetz. Gießen, den 16. März 1897. Großherzogliches Bezirks-Commando. Für den dienstl. abw. Bez.-Commandeur Morneweg. Hauptmann z. D. und Bezirks Offizier. Das Gr. Steuer-Commifsariat Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien des Bezirks. Wir ersuchen Sie, die Ihnen zugegangenen Gewerbs- Patente auSzufertigen, mit den dabet befindlichen Marken zu bekleben und letztere gehörig zu eutwerthen. Die Patente sind sodann von Ihnen zu unterzeichnen und umgehend, nach den Nummern gehörig geordnet, anher zurückzusenden. Die Anwendung von Streusand dürfte zu vermeiden sein. Gießen, den 20. März 1897. Bähr. Bekanntmachung. In den Voranschlag des laudwirthschaftlichen Bezirks- vereine des Kreises Gießen sind pro 1896/97 Mittel zum Bezug von Saatkartoffelu aus fremden Gegenden vorgesehen. Infolge Beschlusses des Ausschusses werden die Kartoffelsorten: Professor Märker, aogeboteu zu 3 Mk. pro Centner, Brüce, veredelte Magnum bonum, angeboren zu 3 Mk. pro Centner, zur Anschaffung empfohlen. Außerdem sollen noch uachverzeichnete Kartoffelsorten: Schneeflocken, angeboten zu 3 Mk. pro Centner, Magnum bonum, angeboten zu 3 Mk. pro Centner, bei Bestellung von 200 Centner 2 Mk. 50 Pfg. pro Centner, Weltwunder, angeboten wie vorher- Imperator, angeboten wie vorher- Früh Rosa aogeboten zu 3 Mk. pro Centner, Spät-Rosa Preis noch nicht festgestellt) auf Wunsch bestellt werden. Bestellungen auf andere Kartoffelsorten sollen jedoch auf Wunsch der Landwirthe auch, aber nur dann auSgeführt werden, wenn ein Waggon (200 Centner) Kartoffeln von den verschiedenen Landwirthen bestellt werden sollten. Es wird dies unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht: 1) daß Anmeldungen bis Ende dieser Monats bei dem Unterzeichneten einzuretchen find. 2) daß bei Bestellungen von Bereinsmitzliedern, welche den Betrag von 40 Mk. nicht übersteigen, die Kosten deS Transportes der Saatkartoffeln bis zur Eisenbahnstation Gießen, Grünberg, Hungen und Lang- GönS auf die BezirkSvereinökaffe übernommen werden. Bei größeren Bestellungen haben die BereiuSmitglieder die Kosten deS Transports der Saatkartoffeln insoweit zu übernehmen, als die Bestellung den Betrag von 40 Mk. übersteigt. Bei Bestellung eines Waggons Kartoffeln werden ßfich die Kosten des Transports bis Gießen auf ca. 1 Mk. 50 Pfg. pro Malter berechnen. Da sich die Transportkosten bet Bezug einzelner Malter wesentlich höher belaufen, so können Bestellungen, welche erst einlaufen, wenn bereits zwei Waggons Kartoffeln (400 Centner) bestellt find, nicht mehr berücksichtigt werden. Ich ersuche daher die Herren Landwirthe um möglichst baldige Einreichung ihrer Bestellungen. 3) daß Bestellungen von Landwirthen, welche nicht Mitglieder de» laudwirthschaftlichen Bezirksvereins sind, ebenfalls ausgeführt werden. Dieselben haben aber, wenn sie nicht noch vorher Mitglieder des laudwirthschaftlichen Bezirksvereins werden und sich zu diesem Behuse bet dem Unterzeichneten anmelden sollten, den vollen Kostenbetrag für Ausführung ihrer Bestellungen zu vergüten. 4) daß die Zahlung bei Empfang der Saatkartvffeln zu erfolgen hat, und daß für den Sack noch 30 Pfg. pro Stück zu vergüten ist. Die Kosten für die Säcke werden für die Vereinsmitglieder auf die Bezirksvereinskaffe übernommen. Die Herren Bürgermeister werden hierdurch ergebenst ersucht, vorstehende Bekanntmachung veröffentlichen zu lassen, Anmeldungen entgegen zu nehmen und umgehend an den Unterzeichneten einzusenden. Gießen, den 13. März 1897. Der Direktor des laudwirthschaftlichen Bezirksvereins. C. Jost, RegierungSrath i. P. Großherzogliche Fachschule Erbach i. O. Das Sommersemester beginnt am 26. April. Unterrichtet wird von drei Fachlehrern und zwei Hilfslehrern in folgenden Lehrfächern: Freihand- und Linearzeicknen, kunstgewerbliches Zeichnen und Entwerfen, Modeüireu nach ornamentalen und figürlichen Motiven, Vorträge über plastische Anatomie, Sttllehre, Marerialtenkunde, Aufsatz, Buchführen, Rechnen, Geometrie, Veranschlagen und Wechsellehre- Schnitzen, Drehen und Fa^onuireu in Elfenbein, Horn, Holz, Perl- mutter, Schildpatt; Kerb- und Flachschnttt, Holzbraud, Einlegearbeit (Intarsia, Boulle), Cifelire« in Silber, Treiben in Kupfer, Montiren in Edelmetall in Verbindung mit Eifenbein, Glas, Achat u. s. w. Der Unterricht wird durch eine reiche Modell- und Borbtldersammluug, sowie gut auSgestatt-te Werkstätten unterstützt. Das Schulgeld beträgt zehn Mark im Halbjahr. Unbemittelten Schülern kann die Entrichtung deS.Schul- geldeS nachgelassen, sowie Auswärtigen der Besuch der Schule durch einen UnterftützungSbeitrag erleichtert werden. Bei Gesuchen um Gewährung der einen oder anderen Art dieser Erleichterungen werden neben der Vermögenslage des Schülers auch die VermögenSverhältniffe der HeimathS- gemeinde oder das Vorhandensein geeigneter Stiftung-mittel in Betracht gezogen. Anmeldungen und Gesuche nimmt der unterzeichnete Hauptlehrer entgegen und ist auch zur weiteren Auskunft gerne bereit. Erbach, im März 1897. Der Vorsitzende deS AufsichtsrathrS: S t e g m ü l l e r. Der Großh. Hauptlehrer: Görtg. Locales uttb provinzielles. □ Darmstadt, 19. März. Der letzte Vortrag im Hoch- fchul-ChkluS, der auch wieder wegen des sehr großen Andrangs doppelt gehalten wurde, war ein Experimental- Vortrag au» der Lehre des Licht«, und zwar sprach Herr Prof. Dr. Schering über Licht und Farben in Crh- stallen. Er gedachte einleitend der zwei Haupt-Theorien zur Erklärung des Wesens deS LichtS: der EmisfionStheorie von Newton und der Wellentheorie von HuygheS, welch' letztere schon lange in allgemeiner Geltung ift. Sodann wurde das Wesen des polarifirten Lichte» und fein Ver- hältniß zum gewöhnlichen, natürlichen Licht erörtert, vor allem die Wellenbewegung des Lichte« mit den vollkommensten, der Wissenschaft zur Verfügung stehenden Modellen u. s. w. demonstrirt, der Unterschied zwischen Tranversal- und Longt- tudinal-Wellen festgelegt und zu den Erscheinungen der Doppelbrechung deS Kalkkpathes, wobei daS eine der zwe' entstehenden Bilder polarifirtes Licht enthält und die SchwingungSebenen der Lichtstrahlen beider Bilder senkrecht zu einander stehen, übergegangen. Dann wurde die Veränderung der Bilder durch Einschieben eines oder mehrerer Nicol'scher Prismen gezeigt, ebenso die verschiedenen, theil- weise ganz prächtigen Farbenerscheinungen in Crystallen, die je nach der Stellung der Nicol'fchen PrtSmen entstehen, des Wetteren die dann entstehenden, wenn man ein Linsenshftem noch zwischen beide Prismen schiebt u. dgl. m. Zum Schluffe wurde noch des Nachweises von Hertz gedacht, daß auch für die Fortpflanzung der Electricität die Wellentheorie maßgebend ist und die sehr verschiedenen Wellenlängen der elec^ irischen, der Lichtstrahlen, Wärmeftrahlen, ultra-violetten und Röntgen-Strahlen gegenübergestellt, bei letzteren wahrscheinlich kleiner als Viooooo Millimeter. Der CykluS hätte keinen befferen Abschluß als mit einem so interessanten Vorträge finden können. X. Darmstadt, 19. März. Die Technische Hochschule hat in dem heute an Influenza mit Complicattou von Lungenentzündung im guten ManneSalter (63 Jahre) verstorbenen Professor der Baukunst, Geheime Baurath Wagner, einen empfindlichen Verlust erlitten. Er gehörte über fünfundzwanzig Jahre der Hochschule als eine Zierde derselben an, der erfahrene Mann der Praxis, der ausführenden Architektur, verband sich in ihm mit dem Docenteu. Auch fach- fchrifstellertfch war Wagner vielfach thälig, auch neben der Architektur auf archäologischem Gebiete. Das neue Hauptgebäude der Hochschule ist nach seinem Entwurf ebenso zweckmäßig als in gediegen schöner Ausstattung errichtet. Gelegentlich seiner Beihülfe bei den Entwurfarbeiten der letzthin in Gießen errichteten neuen evangel. Kirche wurde er zum Ehrendoktor ernannt. Wagner, der ein vorzüglicher Gesell- schafter war, hinterläßt auch in seiner Familie (eine Tochter WagnerS ist mit Herrn Geh. Oberbaurath Wetz vermählt) und seinem engeren Freundeskreise eine recht fühlbare Lücke. — Möge ihm die Erde leicht sein! O Darmstadt, 20. März. Wie alljährlich um diese Zeit tagte heute in der Kunsthalle am Rheinthor die Generalversammlung beß Kunstveretn», über dessen vorjährige Thätigkeit wir neulich aus dem 1896er Geschäftsberichte daS Wichtigste mittheilten. Zu diesem Berichte gab der Vorsitzende, Herr Staatsminister a. D. Excelleuz Frei herrv. Starck, einige Erläuterungen, indem er bei der nur sehr mäßigen Erhöhung der Mitgliederzahl um 15 letzthin die Nothwevdigkeit der Neuerwerbung von Mitgliedern betonte und auch dafür zu wirken bat, daß da« Bilder erwerbende Publikum bei seinen Einkäufen mehr al« seither die permanenten Ausstellungen des Vereins berücksichtige. Trotz der um über 600 Mk. gegen den Voranschlag überschrittenen AusftellungSkosten war der Gesammt-Reinertrag tn 1896 günstiger, als veranschlagt. Der AnkaufS-Fond» für Kunstwerke konnte im neuen Voranschlag auf beinahe 4000 Mk. erhöht werden. Die nachgesuchte Decharge deS Rechners wurde ertheilt. Der Antrag der beiden anwesenden Vertreter deS Offenbacher Verein» auf Herausgabe eine» VereinsblatteS tn 1897 wurde mit großer Mehrheit abgelehnt- für 1898 soll wieder ein werthvolles, originale» VereinSblatt dann beschafft werden. — Die Ergäuzungswahlen für den BerwaltungSrath ergaben die Wiederwahl der AuStretenden- zur Ausfüllung von Lücken infolge Todes bezw. Wegzugs wurden gewählt: in Gießen (für die verstorbenen Geh. Hofrath Streng und Rentner Aug. Heß) die Herrm Privatdocent Dr. Sauer und Commerzieurath Heichelheim- für Darmstadt Herr Museumsdirektor Dr. Back, für Offenbach Herr Eugen Feistmann- für Worms Herr KreiSrath Dr. Breidcrt. Vom Gießener Verein hatte Herr Oberbürgermeister Gnauth die Abwesenheit von Dele- girten zur Versammlung in einem Schreiben entschulbigt- die ausscheidenden Mitglieder deS VerwaltungSratheS von dort, die, wie erwähnt, wieder creirl worden, sind die Herren Bankier Wasferfchleben und Baurath Sch ob er th. Die Verhandlungen gingen glatt von statten. Ein technisches Unikum. (Nachdruck verboten.) Schon seit einigen Jahren versuchte man auf alle mögliche Art und Weise die großen Schwesellager auSzubeuten, die sich im Staate Louifiana in Nordamerika befinden, jedoch ohne nenoenSwerthen Erfolg. Das hatte seinen Grund darin, daß sich die erwähnten Mineralschätze in einer Tiefe von 3—400 Fuß befinden, und daß sich unmittelbar über dem Schwefellager eine Triebsandschicht befindet, die eine Dicke von etwa 150 Fuß besitzt. Ein gewisser Hermann Frasch von Cleveland, Ohio, hat nun ein neues Verfahren ringe« schlagen, diese Schwefellager auSzubeuten, daS so erfolgreich, als ingeniös ist. ES besteht darin, den Schwefel durch Wasserdäwpfe von 350 Grad Fahrenheit an Ort und Stelle zu schmelzen und ihn gleichzeitig durch die heißen Dämpft in flüssigem Zustande an die Erdoberfläche zu treiben. Zunächst wird bis zum Schwefellager ein: Oeffaung gebohrt, die etwa sechs Zoll weit ist, und in welche eiserne Röhren getrieben werden. Innerhalb dieser Röhre geht bi» zum Grunde ein anderes Eisenrohr von zwei Zoll Durchmesser, daS an seinem unteren Ende eine Menge Oeffnungen besitzt. Zwischen beiden Rohren befindet sich ferner noch ein vier« zölliges Eisenrohr, das aber nicht vollständig bis zum Grunde reicht. Wo dieses Rohr aufhört, ist der Raum zwischen den beiden äußeren Röhren abgesperri. Diese Absperrung ist auch noch mit einer Anzahl von Oeffnungen versehen. Wenn nun die sehr heißen Dämpfe durch den Zwischenraum der beiden äußeren Röhren bis auf den Grund getrieben werden, schmelzen sie den dort befindlichen Schwefel und treiben ihn rrörtm k tth» ; 8toti Ä und blt Krr 7'L L ?“w Schluffe n °uch |Qt P^">rit Ach * btt eiet Pantoletten uvb 8nto‘*in(i i6 Wt Wbw s-autev 8ortraflt J* Hochschule ,n 0o» Luuatn. ’M Vtrstvf S»Muet. w übtt süus' Attdt bttkibtn MrendtnArchi. Auch sch ' auch neben btt Ooö neut Haupt« 'Urs ebenso zweck« 1 errichtet. ®e< beiten bet letzthin be wurde er zur ^jüglichtr Gesellte seine Tochter h Tetz verwählt) >t sühlbnre Lücke. ch um birst £ btt GeuM' ibex dessen bn> Met GeschSsit. sem Berichte geb Excellenz Frei n er bei der nur il um 15 letzthin Mitgliedern he« ' bal Bilder er« nrhr all seither 8 berücksichtig,, ranschlag über- mmtÄmxai MausrHvndS >lag Ws beinah hte Decharze bei btlbtn anwdenbtn htrauözade einet großer Mehehiu hvolleS, originale« Ergänzuvgswd'kl ie Wiederwahl lit «folge Todes bip lr die verstorben.' Heß) die Herr Anrath heiche ittctor Dr. BaUumiuationshtt;fn mit Holzklötzchen sowie rothe und grüne bengal. Flammen empfehlen billigst 2735 AMK-MKmte« für Ausflugspunkte und Restaurationen nach photogr. Aufnahmen in feinster und billigster Ausführung empfiehlt H. Kühn, PapikrlMbluug. to 00 CO . Flotter Schnurrbart?. Franz.Haar-u.Bart> Ellxir, schnellstes Mittel z.Lrlang.ein-start.Haar- u. 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