u l«Uefe, loes» and. auch diesmal * ner Gießens, bifftlbt en, einer Anzahl ine Weihnacht« träge werden gerne übern: Winber- •ifter Dörr, Sion- s Heuser, Bild' )tbig, taollet Neustadt ll. , ckwolle, b Qualitäten, zu » lB Matratzen. dis 4 Ahr MM ctioni ier, Pyi?ch' n. Kleidchen, «12 « Mnoth, rem . y., Kachn.» es.; los.; 21$ zj 1687 SO« io'S 110« Jt 1897. ,Übtrro^ »-Mtt 8 Klicch« DbL .,,906 99$ SfäSlSä r-SS- len tthl Jfl "C 16SÜ Nr. 274 Viertes Blatt. Sonntag den 21. November 1897 Der Siebener Jhqeiget erscheint täglich, Witt Au-nahme de» Montags. Die Gießener 7^mirtenötä1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger Keneral'-Anzeiger. vierteljähriger ASounementspreis» 2 Mark 20 Pfg. et« Lringerlohn. Durch die Post bezöge, 2 Mark 50 Pfg. Rebaction, Expedition und Druckerei: Zchntstraße Ar.^ Fernsprecher 51. 2lints- und Anzeigeblutt für den Ureis Giefzen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Lorm. 10 Uhr. Hratisöeikage: Hießener Jiamilienötätter. Alle Lnnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgege». Bekanntmachung. ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Gärtnergehülfe Christoph Bonarius zu Großen- Buseck zum Vertrauensmann aus dem Kreise der Arbeit« nehmer an Stelle des Werkführers Gg. Konr. Schmidt zu GroßeN'Bufeck von der Invalidität«- und AlterSver- sicherungßanstalt Gr. Hessen ernannt worden ist. Gießen, den 18. November 1897. Großherzogliches KreiSamt Gießen. v. Gagern. Gießen, den 19. November 1897. Betr.: Ausführung der LandeSfeuerlöfchordnuug - hier Vergütung für Leistung von Brandhülfe. M Grotzherzogliche KreiSamt Gießen en die GroFH. BSrgersreißterebe« M AcdM. Da wir in letzterer Zeit wiederholt die Wahrnehmung gemacht haben, daß bei Leistung der Brandhülfe eine be« deutend größere Mannschaftszahl abgesendet wird, als nach § 26 unserer Kret-feuerlöschordnung vorgeschrteben und erforderlich ist, machen wir Sie darauf aufmerksam, daß auS der KreiSkasse Vergütung geleistet wird höchstens für 24 Mann (doppelte SpritzenbedienungSmann- schaft)...........24 4 bis 6 Steiger.........6 den Lommandanten........1 in Summa 31 Mann. Für zwei Pferde werden bis zu drei Stunden 5 Mk., für jede weitere Stunde 1 Mk., jedoch höchstens 10 Mk. vergütet. Die Bürgermeisterei, für deren Gemeinde die Brandhülfe geleistet wurde, hat stets sofort mit dem Berichte über Las stattgehabte Schadenfeuer anzuzeigen, welche Gemeinden Hülfe leisteten, wann dieselben anrückten und wann sie entlassen wurden. Sie wollen sich hiernach in Zukunft bemessen und auch die Commandanten Ihrer Feuerwehren entsprechend instrutreu. v. Gagern. Local-Polizei-Reglement für die Provin)isl-H«vpPadl Gießen, die Ausführung des Art. 57 der Allgemeinen Bauordnung betr. Auf Grund des Art. 2 und 57 deS Gesetzes vom 30. April 1881, die Allgemeine Bauordnung betr., und deS § 6 der Verordnung vom 1. Februar 1882, die Ausführung der Allgemeinen Bauordnung betr., wird nach Anhörung der Stadtverordneten'Berfammlung unter Zustimmung des KreiS- auSfchusieS und mit Genehmigung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern zu Nr. M. I. 24747 vom 9. November 1897 unter Aufhebung des § 20 der Localpolizeiverordnung vom 6. Juli 1888 für die Provtnztal- Hauptftadt Gießen verordnet, wie folgt: § 1- Alle an Straßen oder Plätzen stehenden Gebäude, deren Dachtraufen nach der Straße oder dem Platz gehen, find mit Schutz- refp. Schneefangvorrichtungen an den Dächern in geeigneter Weife nach der Straßenseite hin zu versehen, sofern die Dachneigung steiler ist als 1 : 3. Bei vorhandenen Gebäuden hat die» innerhalb sechs Monaten nach Erscheinen dieses Local-Polizei-Reglement- zu geschehen. § 2. Verfehlungen gegen die Vorschrift deS § 1 unterliegen bett Rechtsfolgen der Art. 79 und 80 der Allgemeinen Bauordnung. Gießen, den 15. November 1897. GroßherzogltcheS Polizeiamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf vorstehendes Local-Polizei-Regle» ment fordern wir die Etgenthümer der in Betracht kommen- ben Gebäude auf, längstens bis zum 15. Mai k. IS. die Dächer ihrer Häuser mit geeigneten Schneefangvorrichtungen versehen zu lassen. Gießen, den 15. November 1897. GroßherzogltcheS Polizeiamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Wir bringen zur allgemeinen Kenntntß, daß der Austrieb von Vieh zu den am 23. und 24. l. MtS. stattfindenden Märkten nicht vor 8 Uhr Vormittags erfolgen darf. Bis zu dieser Zeit ist auch das Aufstellen von Vieh in den nach dem Marktplatz führenden Straßen verboten. Zuwiderhandlungen werden unnachfichtig zur Bestrafung angezeigt. iS Gießen, den 19. November 1897. Großherzogliche« Polizetamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Der vordere Theil des oberen Riegelpfads zwischen Liebigs- und Ludwigstraße, sowie der von der Ltebigstraße abzwetgende Weg nach der Wilhelmstraße wird vom nächsten Montag an bis auf Weiteres für jeden Verkehr polizeilich gesperrt. AIS Ersatzwege werden angewiesen: Der untere Riegel- Pfad für Fußgänger und die Wilhelmstraße für Fuhrwerke. Gießen, den 20. November 1897. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. v. Bechtold. Gefunden: 2 Portemonnaie« und 1 Geldbeutel mit Inhalt, 1 Taschenuhr, 1 Brosche, 1 Arbeitsbeutel, 1 Fächer, 1 Corsett, 1 Kindermüffchen, 1 Strickzeug, 1 Weste, 1 Halstuch, 1 Ktndermütze, 2 Fensterläden, 1 Peitsche und 1 Laterne. Zugelaufen: 1 Gans. Gießen, den 20. November 1897. Großherzogliches Polizetamt Gießen. ____________________v. Bechtold.__________________ Nachrichten über den Saatenstand im Grotzherzogthum Heffen um die Mitte des Monats November 1897. Zusammengestellt bet der Großherzogltchen Oberen landwtrthschaft- ltchen Behörde. 1 Ord.-Nr. ii Provinzen und Erhebungsbezirke Saatenstand, ybote 1 — sehr guter, 2 —guter, 3---mittlerer, 4 —geringer, 5 —sehr geringer Stand Ernteertrag in 100 Kilo per Hectar Winterweizen Wtnterspelz Winterroggen Hafer Kartoffeln Klee (auch Luzerne) Wiesen \ 1 Prov. Starkenburg Kreis Bensheim.... 17 120 16 15 2 „ Darmstadt . . . 2 2 2 20 125 20 30 3 „ Dieburg .... 2 2,5 24 160 60 60 4 „ Erbach..... 3 3 3 18 120 — !— 5 „ Groh-Gerau. . . 2 21 136 55 46 6 „ Heppenheim . . . 2 2 15 112 38 31 7 „ Offenbach.... 3 2 16 120 — — Durchschn. f. Starkenburg 2.4 | 2,3 23 191|128 38 36 8 Prov. Oberhessen. Kreis Alsfeld..... 3 _ 2,5 16 120| 9 „ Büdingen.... 2,5 — 3 24 125 40 45 10 „ Friedberg.... 3 — 3 39 160 60 50 11 „ Gtehen..... 2,5 — 2,5 20 120 — — 12 „ Lauterbach . . . 2 — 2,5 16 140 — — 13 „ Schotten .... — — -1 — — Durchschn. f. Oberhessen 2,6 | — 27 23 \33 50 47 14 Prov. Rheinhessen. Landw.Ver.-Bez. Alzey - _ 2 _ 70 _ 15 „ „ Bingen . . . „ „ Flonheim . . 2,5 — 2.5 22 72 90 80 16 3 — 3,5 28 126 — 17 , „Ingelheim . . 2,5 1 — 2,5 20 70 50 18 „ „ Mainz . . . 2,5 — 2,5 26 120 — 19 „ „ Nieder-Olm. . — 3 24 100 120 72 20 „ „ Oppenheim . . — 3 — 125 100 — 21 ■ * Osthofen . . . — — 2,5 20 120 60 — 22 „ „ Pfeddersheim . 3 — 3 22 136 50 40 23 „ „ Wöllstein . . — 3,5 22 72 50 40 24 „ „ Wörrstadt . . — — 20 150 40 — 25 „ „ Worms . . . 2,5 | — 2,5 25 95 49 40 Durchschn. f. Rheinhessen 2,6 | — 2 8 23 103|| 70 54 Durchschnitt f. d. Grotzh. 2,5 | 2,3 2,6 22,12111 53 || 46 Bemerkunaen. Die § kariös el ist zu 8 bis 10 pCt., im Erhebungsbezirk Osthofen sogar bis zu 50 pCt. faul. Bet der anhaltend trockenen Witterung gingen die Herbstsaaten schlecht auf, auch leiden diese, sowie der Klee durch Mäusesraß. Der Ertrag der Weinberge wird zwischen 15 bis 25 Hectoliter per Hectar angegeben. Zum Todtensest. Ernst klingen die Glocken über Dörfer und Städte dahin. Da« Todtenfest läuten fie ein, da« Todtenfest lauten sie auS. Todtenfest — — ? Reimt sich das zusammen? Liegt nicht im Worte selbst ein unlösbarer Widerspruch? Ist im Bereich de- Todes noch ein Fest möglich, verbietet der Ernst de- TodeS nicht jegliche- Fest? Wenn da« nur Feste find, mit denen Festesten, Festgelage, Festreden verbunden werden können, dann verbietet eß fich freilich von selbst, ein Todtensest zu halten. Glücklicherweise hat aber unser Volk noch nicht ganz verlernt, daß Feste auch anders gefeiert werden können, baß festlich gestimmt sein nicht bloß heißt zum Esten bereit und zum Trinken fertig sein, daß festlich gestimmt sein auch heißt: im Innern feiern, ernsten Gedanken nachhängen, fich abschließen von dem geschäftlichen Treiben de« Tage- und fich aufschlteßen ruhigen Betrachtungen ewiger Dinge. Zu solch festlicher Stimmung ruft uns daS Todtenfest. Ptlgerzüge bewegen fich heute zum Gottesacker. Ein Blick ins Herz verräth uns, was fie zu den Gräbern eilen macht. Wie überall, so finden wir auch hier die Schaar der Neugierigen, fie kommen bloß, um zu sehen oder fich sehen zu lasten, um ihre Schaulust zu befriedigen, vom Ernst des Todes verspüren fie wenig. Aber die größere Schaar — fie eilt zum Grabe tief bewegt, gar manche Wunden, die der Tod unerbittlich geschlagen, bluten noch, gar manche Wunden, wenn auch halb vernarbt, schmerzen noch,- und wem die Zeit die brennenden Wunden längst geschlossen, dem wird heute in der Erinnerung dennoch weh umS Herz. Die Liebe schmückt die Gräber, die trauernde Liebe, die dankbare Liebe, die hoffende Liebe. Wie mancher Schmerz lindert fich im Schmuck der Gräber! ES ist doch etwa« Tröstliches um das „noch lieben können", wenn es auch ein Lieben im Tod ist. Wie manch' versäumte Dankbarkeit wird uachgeholt dem Tobten! Versäumte Pflicht will im Gräberschmuck nachgeholt werden, den Schmerz der Treue zu lindern. Dankbare Liebe sucht fich da ein reiches Feld. Höher aber al« die trauernde Liebe, größer als die dankbare Liebe, ist die hoffende Liebe. Da« Todtensest ist ein Tag der Hoffnung. Wa« immer zum Schmuck der Gräber treibt, — das edelste Motiv ist die gläubige Hoffnung. Sie schmückt die Gräber nicht um des Prunkes willen, sie schmückt die Gräber nicht bloß zum Zeichen liebenden Gedenkens, die gläubige Hoffnung kennt keinen Todtencultus, fie kennt nur das Eine: Deine Tobten werden leben. Wo die hoffende Liebe an den Gräbern stille waltet, da sind die blühenden Blumen, Leben-zeichen von dem Leben, das au« den Gräbern sprießt und ewiglich währet. Au- der Zeit in die Ewigkeit führt daS Todtenfest. Der Tag eilt dahin, wie andere auch. Möge der Ernst diese« Tage« von längerer Wirkung sein und der Trost gläubiger Hoffnung in manches unruhige Herz Ruhe und Stille gebracht haben! Politische Wochenschau. Während Deutschland den Haitianern noch nicht har zeigen können, welche Folgen es hat, wenn halbwilde Nationen deutsche Reich-angehörige belästigen, find an der chinesischen Küste bereit- deutsche Marinetruppen gelandet, um die Nieder- metzelung unserer Missionäre Seitens Bewohner des Reiches der Mitte einmal gründlich zu sühnen. Die deutsche Regierung scheint diesmal ein gehöriges Exempel statuiren zu wollen, da man durch die jetzige Expedition den bezopften Gesellen für alle Zeiten die Lust an Uebergriffen und Grausamkeiten gegen deutsche Unterthanen verderben will. Wenn eß sich bestätigt, daß der letzte Meuchelmord nicht das Werk von Banditen war, sondern auf Anstiften be« chinesischen Gouverneur« erfolgte, so dürfte man auch noch ein ernste« Hühnchen mit der Pekinger Regierung pflücken, und eß wird der gelben Majestät nichts weiter Übrig bleiben, als ihren Beamten, der sich so schwer gegen da- internationale Recht vergangen hat, per Strick vom Leben zum Tode zu befördern. Große Schwierigkeiten stellen fich anscheinend unseren Blaujacken bei dem Rachezuge nicht entgegen, da die Helden von Ktao-Tschau, als fie die deutschen Marinetruppen heranrücken sahen, ihren Zopf in Sicherheit brachten und schleunigst Reißau« nahmen. Hoffentlich wirkt das Beispiel, welches Deutschland im fernen Osten statuirt, auch auf andere Nationen nach, sodaß wir immer seltener in die Lage kommen, Kriegsschiffe entsenden zu müssen, die wir so schwer entbehren können. Daß die deutschen Landungstruppen, welche an der Ktao-Tschau Bai chinesischen Boden betreten haben, mit deutscher Gründlichkeit Vorgehen wollen, geht daraus hervor, daß Winterquartiere bezogen wurden, also ein längerer Aufent« halt beabsichtigt worden ist. Auf dem Gebiete unserer inneren Politik hat die letzte Woche nicht- Neue- gezeitigt. Auch da- Einführungsgesetz zur MilttLrstrafproceßordnuog ist nunmehr vom Plenum deS BuudeSrathS erledigt worden, sodaß die Einbringung des Entwurf- im Reichstage völlig gesichert erscheint. Wie der Inhalt auSfieht, wissen wir freilich noch nicht, aber harte Kämpfe dürfte eS im Reichstage abgeben, da die Wünsche und Erwartungen, welche die Mehrheit an den Entwurf stellt, jedenfalls nicht alle erfüllt worden find. ES verlautet neuerdings, die Regierung werde bet der Einbringung der Vorlage die Erklärung abgeben, daß in dem Entwurf daS Aeußerste niedergelegt worden fei, was bewilligt werden könne. ErwähnenSwerth ist noch die Anwesenheit deS Kaisers auf dem vom Grafen von Pofadowtky den Mitgliedern des Wlrthschaftlichen Ausschusses gegebenen Diner. Wir hätten lieber gesehen, wenn sich in dem Ausschüsse nicht so manche ausgesprochene Parteimänner befänden, da wir befürchten müssen, daß die Sachlichkeit der Verhandlungen leidet. Im Uevrlgen verstreicht noch eine lange Zeit, bis neue Handelsverträge abzuschließen find, und btS dahin kann sich auf dem Gebiete unserer WrrthschaftS« und Handelspolitik noch viel ändern. Im Laufe der verflossenen Woche ist auch der Fall Peter- mit der definitiven Verurteilung des früheren Reichs- commiffarS erledigt worden. Hoffentlich bleiben wir künftig vor ähnlichen Affären bewahrt, welche geeignet find, auf den deutschen Geist ein ungünstige- Licht zu werfen, wenngleich zugegeben werden muß, daß bet allen Nationen, welche in gleicher Lage mit un- waren, ähnliche und noch schwerere Fälle gezeitigt worden sind, al- diejenigen, welche sich au die Namen Leist, Wehlan und PeterS knüpfen. Großen Eindruck hatte allerorten die Rede gemacht, welche Kaiser Franz Josef an die Delegationen richtete - tie Presse aller Staaten drückt über die Worte deS öfter« rrichischen Monarchen ihre Befriedigung au-, da sie geeignet sind, da- Gefühl der Sicherheit und deS Vertrauens zu erhöhen, von welchem eine friedliche Entwickelung der Fortschritte der Cultur abhängt. Ob e- dem Kaiser Franz Josef auch gelingen wird, die tnnerpoltttscheu Verhältnisse seines Lande- zu einem guten Ende zu führen, steht noch dahin, da die Gegensätze bisher nichts an Schärfe verloren haben und die Kämpfe eine Fortsetzung erfahren dürften. Der Zwischenfall zwischen Oesterreich.Ungarn und der Türkei wegen Vergewaltigung deS Llohdagenten Brazzafolli in Messina ist nunmehr endgültig beigelegt worden. Wir hatten von vornherein unserer Ansicht dahin Ausdruck gegeben, daß die Pforte schließlich uachgeben und e» nicht aufs Aeußerste ankommen lassen würde. Freilich hat sie bis zur letzten Stunde gewartet, ehe sie daS Ultmatum der österreichischen Regierung bewilligte. Die Ort ent frage ist in der letzten Woche ihrer Er« ledigung nicht näher gekommen. Die Zurückziehung der deutschen Marinetruppen von Kreta ist sehr überraschend gekommen- aber unS scheint die Maßregel unserer Regierung ganz gerechtfertigt und letztere setzt hoffentlich nicht etwa andere unserer Blaujacken den Epidemien au-, welche gegenwärtig auf Kreta herrschen. Arge Verwirrung richtet gegenwärtig in Frankreich die D reyfu-.A f fai re an, welche dort da» ganze öffentliche Interesse in Anspruch nimmt, was der Regierung vielleicht ganz lieb ist, weil dadurch die Aufmerksamkeit der Franzosen von den politischen Vorgängen abgelenkt wird. „Ist der Excapitän DreyfuS wirklich unschuldig?" so fragt sich heute nicht nur die franzöfi'che Gesellschaft, sondern auch in der ganzen übrigen gesitteten Welt möchte man eine Antwort auf diese Frage haben. Old England hat jetzt trübe Stunden ob der Hiob-, posten, welche auS Indien etnlaufen, wo die Sachen für die Engländer recht mißlich stehen. Wir halten ganz Recht, al- wir gelegentlich der Besprechung der Guildhall-Rede Lord Sali-bury vor all zu großem Optimismus warnten. Einzelne eingeborene Stämme, die für treu galten, haben sich nun ebenfalls erhoben, und die Arbeit, welche die Engländer zur Ntederdrückung des Aufstandes vor sich haben, wird immer schwieriger.(xx) CoceU* und proohQklUs» Gießen, 20. November 1897. • • Gesellschaft für Srd- und Bölkerkoude. Einen glänzenden Erfolg hatte die Gesellschaft mit ihrem 2. diesjährigen Vortrage zu verzeichnen. Den Bemühungen des Vorsitzenden Herrn Prof. vr. Sievers war es gelungen, den berühmten schwedischen Entdeckungsreisenden Herrn Dr. Sven Hedtn aus Stockholm für einen Vortrag zu gewinnen und hierdurch Gießen den wenigen Städten anzurethen, denen der Vorzug von He bin« Besuch zu theil wird. In der großen Aula des Collegium-, die Se. Mag« nificenz der Rector der Univerfität, Herr Professor Dr. Spengel, in dankenSwerthrster Weise bereitwillig zur Verfügung gestellt hatte, sprach am Donnerstag Abend Sven Hedin, ein junger Mann von 32 Jahren mit energischen sympathischen Gefichtszügen, zu einem mehrere Hunderte zählenden Auditorium. In den Jahren 1894—96 zog er dreimal von Kaschgar au», um die Gletscher deS Pamir und dann da- Innere Centralasien- zu unter- suchen. Mit einer Kühnheit, die derjenigen Nansens gletchzustellea ist, mit beispielloser Energie und Au-dauer sehen wir ihn auf lebensgefährlichen Saumpfaden die Altai- Kette überschreiten, Trotz bietend den Lawinen und den Schneestürmen nicht zum wenigsten auch dem jähen W tterungs- wechsel, der innerhalb von 6 Stunden Temperaturunterschiede von 60 Grad C. beobachten ließ. Dann g'ng- über die chinefische Grenze- Berge bi- zu 7000 Meter Höhe wurden beft,egen. In Kaschzar wurde überwintert, dann auf- Neue der Marsch angetreten, diesmal zur Erforschung der Wüste ' zwischen Jarkand und Chotan, theilweise auf dem Wege, den vor 600 Jahren Mareo Polo zog. Unter unsäglichen Mühen und Qualen, umbraust von Sandstürmen, tu glühender Hitze windet sich die Karawane durch den endlosen Sand. Ein Kameel nach dem andern fällt, zwei Begleiter erliegen den Strapazen und dem Durste, der sich als fürchterlichster Feind emstellt- schließlich erreicht der Forscher nach Verlust deS ganzen Gepäckes nur noch von seinem treuen Diener Islam Bey begleitet, den Chotan Darja und ist gerettet vor dem Tode durch Verdursten- in den Stiefeln bringt er dem drei Kilometer verschmachtet zurückgebliebenen Getreuen das rettende Naß. Nach abermalizer Ueberw nterung zu Kaschgar ging» nach dem Tarim, dessen Lauf festgestellt, und nach dem Lop Nor, deffrn wahre Lage entdeckt wurde. Auf die'em Marsche fand Hedin zwei in den Sanddünen halb verschüttete Ruinenftädte buddh stischen Ursprungs. Nicht minder überraschend war die Wiedererlangung seines im Vorjahre verlorenen Gepäck s, daS Eiageborrne aufge« fanden hatten. Im August 1896 zog Hedin zum letzten Male hinaus und zwar mit kleinem Gefolge und Proviant für einen Monat zur Erforschung de- Hochlandes von Tibet. Hier wurden 23 Steen entdeckt, weite unbewohnte Strecken durchmessen auf Pfaden, die noch keines Menschen Fuß betrat. Endlich kam man wieder in bewohnte Gegenden, pasfirte ein Tewpeldorf und gelangte an der ersten Tele« graphenstation anS Ziel. Die Karawane wurde aufgelöst und Sven Hedtn eilte nach Peking, nachdem er an König Oskar von Schweden, sein n Mäcen, ein Telegramm gesendet und ehrende Antwort erhalten hatte. Lange anhaltender Beifall bankte dem kühnen Wanderer, al- er geendet hatte. Der klare, stellenweise humorvolle Vortrag wurde besonders bei der Schilderung von Land und Leuten und der Fauna auf- beste unterstützt durch vorzügliche Lichtbilder, die Herr Prof. Dr. Wiener mittels d:S Skioptikons producirte. Herrn Prof. Wiener gebührt für die selbstlose Aufopferung von Mühe und Zeit, die tr hierfür verwenden mußte, ganz besonderer Dank. — Eine kleine Nachfitzung im Restaurant Royal versammelte eine Anzahl Mitglieder der Gesellschaft um ihren verehrten Gast, der sich durch sein liebenswürdige- Wesen schnell alle Herzen gewonnen hatte. • • Gura - Concert am Montag den 22. November im Elubsaal. Trotz der Fülle von Genüssen aller Art findet daS Gura-Coocert viel Entgegenkommen und der größte Theil Derjenigen, die sich in Gießen zur mufikalischen Gesell- schäft zählen, dürfte am Montag fich im Clubsaal treffen. Uebcr Gura äußert fich Profesior Sittard: Seit Stockhausen hat wohl kein Liedersänger fich so die Gunst deS Publikums zu erobern gewußt und kein Zweiter besitzt eine solche Popularität, wie Eugen Gura. Wo er seine Weisen erklingen läßt, da strömen ihm die Maffen zu und immer neue Freunde und Verehrer gesellen fich zu den alten. Eugen Gura ist eben ein Künstler vom Scheitel bis zur Sohle, ein Meister des Vortrags, wie die Geschichte der Gesangskunst deren nur wenige kennt, eine echte Dichternatur. Wie in seinem Organ gleichermaßen der Timbre und beinahe möchten wir sagen, der Umfang der Baß-, Bariton- und Tenorsttmme vereinigt find, so beherrscht er auch daS gesammte musikalische AuSdruckSgebiet mit souveräner Macht, aber nicht äußerlich, sondern Alles entströmt einer warmen Künstlerseele. * * Zeughaulkaferue. Unter den Baudenkmälern auS alter Zett, deren Gießen auch verschiedene aufzuweisen hat, nimmt unstreitig die hiesige Zeughauskaserne auf dem Brandplatze eine hervorragende Stelle ein, und eS dürfte manchen Beschauer, der dieselbe bis zum Frühjahre zu sehen Gelegenheit hatte, mit Bedauern erfüllt haben, daß den unausgesetzten WitterungSeinflüff-n während der Jahrhunderte ihres Bestehens ein Stück nach dem andern zum Opfer fiel. Mit Genugthuung konnten wir daher s. Z. unsere Leser von der beabfichtigten Renovirung in Kenntniß setzen. Auf Veranlassung des Herrn Geh. Baurath DuiSberg in Cassel, dessen Bemühungen eS namentlich zu danken ist, daß die Kaserne tn ihrer früheren Schönheit für Gießen wieder als Zierde dasteht, hatte die obere Militärbaubehörde bereit- willigst die nicht unbedeutenden Kosten zur Verfügung gestellt, und unter der umsichtigen Leitung des Herrn Bau- inspector Svendrup in Cassel deren Ausführung sofort in Angriff genommen. Nunmehr steht dieselbe nahezu vollendet da, und daß die aufgewendete Mühe die wohlverdiente Anerkennung findet, bewies die am Mittwoch stattgefundene Be« sichtigung durch Herrn Geh. Baurath Dui-berg, welcher der Bauleitung sowohl als auch dem auSsührenden Unternehmer, Herrn Maurermeister Steinbach dahier, seine volle Zufriedenheit aussprach. Da» hohe Minelportal auf der Westseite, deren antike Steinhauerei besonders viel durch die Witterung-- unb'lden gelitten hatte, welche- aber auch am meisten den Blicken der Vorübergehenden ausgesetzt ist, bietet nach seiner Vollendung einen herrlichen Anblick- derselbe wird aber noch verschönt durch die tn den entsprechenden LandeSfarben bunt auszuführenden Wappen, die gleichfalls tn Stetn gehauen sind. Der für da- übrige Mauerwerk gewählte silberhelle Verputz verleiht dem ganzen Gebäude ein überaus freund- licheS Aussehen, und eS tft gewiß anzuerkennen, daß die Militärverwaltung tn Caffel auch für hessische Gebäude, welche dieselbe pachtweise übernommen hat, größere Summen be« willigt, um dieselben würdig herznstellen. " Patent ErtheUnogeu. Cl. 63, 95493. Bandage für Fahrräder zum Schutz gegen daS Gleiten- E. Rosenberg, Gießen, 24. 11. 96. ** Gebrauchsmuster Eintragungen. Cl. 26, 82980. Stoßfreie Befestigung de- Glühkörpers durch elastische Verbindung des Brenner-Ober« und Untertheilß mittel- um da- DÜfen- rohr gelegter Spiralfeder; Wilhelm Hoffacker, Bad-Nauhrim, 20. 9. 97. — El. 36, 32693. Ofen-Regulirscheibe rc.- Hugo Buderus, Hirzenhain, 12. 11. 94, B. 3514, 22. 10. 97. * Die Aushändigung der bei der Hundertjahrfeier gestif- leteu „WilhelmSmedaille" au die Veteranen der letzten Feldzüge wird noch in diesem Monat erfolgen. Zur I Beschleunigung der Angelegenheit werden nämlich die früher I von den Kriegervereinen angestellten Ermittelungen über die Berechtigung der fich meldenden Aspiranten für die Medaille seit einiger Zeit von den Polizeirevieren erhoben, und da- Resultat dieser Feststellungen wird der General-Orden-- commtsfion mitgetheilt. Die Nachforschungen erstrecken fich zunächst auf die Staatsangehörigkeit der fich meldenden Veteranen, da bei der Verleihung der Medaille vorläufig nur Preußen in Betracht kommen, und ferner auf die Unbescholten heit und da- politische Vorleben der Bewerber. -s- Echzell i. d. ©., 20. November. Infolge der Feld- bereintgung dahier wurde vorige- Jahr die H. Spengler II. Wittwe Eigenthümerin einer Parzelle mit 17 Zwetscheu- bäumen, für welche der Vorbefitzer nicht hoch genug entschädigt worden sein will. Aus Aerger hierüber sägte er Ende Januar l. I. den gedachten Bäumen die Kronen ab, wodurch jene großentheilS zerstört wurden. Auf erhobene Anzeige verhandelte daS Schöffengericht Nidda dieserhalb gestern wider den Frevler, welcher fich mit der Eigenthümerin über Schadenersatz inzwischen verständigt hatte und verurtheilte den Angeklagten unter Zubilligung von Milderung-umständen wegen Sachbeschädigung in 40 Mk. Geldstrafe event. 8 Tagen Gefängniß, sowie zur Kostentragung. WusW «• «ie i7$y«n, cht hnrf, ^"kchrg. ; Bflrt 4t te? l *1« tS’Ä “<Ä 54** * ; iu Uftngtn, mit Llsettr SW.^ttb Schudl BilWmine Lina gietalit «l Hermann RSmbeld ilhtt Emilie Loullr Bixft Diener dahier, mit Mm- liedrich Ferdinand Juno !