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«t. 195 AweitcS Blatt. Samstag bat 21 August
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Der chießener An,ei-er erscheint täglich, mit Ausnahme drS Montags.
Die Gießener AomtrtenvtLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
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Hratisöeitage; Hießener KamitienötäLter.
■■■ ... ... . .12S
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* Hamburg, 17. August. Einer der Passagiere de« bei Kelle ent gl ei ft en V-Z ugeS, Herr Photograph Wolf aui Harburg, schtlvert dte Katastrophe in der „Wes. Ztg." rote folgt: „Ich bestieg in Begleitung meiner Frau Abends in Hannover den um 7 Uhr 40 Mtu. von dort abgehenden D Zug, um mich nach Harburg zu begeben. Bis Celle ging die Fahrt ohne jeglichen Zwischenfall von statten. Ein Blick auf dte BahnhosSuhr liefe mich in Celle erkennen, dafe der Zug fich um 8 Minuten verspätet hatte. Ich hatte denn auch im weiteren Betlauf der Fahrt daS Gefühl, als ob «an dte verspätete Zeit durch schnelleres Fahren wieder ein- -»holen bestrebt war. Der Zug fuhr mit einer solch rasenden Geschwindigkeit, dafe ich ein über das andere Mal dachte: „Wären wir doch erst wohlbehalten in Harburg!*, um so mehr, als tch mir tm Geiste auSmalle, rote entsetzlich ein Eisenbahnunglück bei einer solch schnellen Fahrt sein müßte. Noch mit diesem Gedanken beschäftigt, verspürte ich plötzlich einen furchtbaren Ruck — der Zug stand, es war stockfinster und auf mir ruhte eine Last, die mich schier zu erdrücken drohte. Mein erster Ruf war: „Frau lebst Du?" Ich hörte aus dem Munde meiner Frau, die an meiner Seite saß und scheinbar auch einen Thetl des aus unS ruhenden Trümmerhaufens zu tragen hatte, ein leises „Ja". Dte Uhr war etwa ^9, und wir mußten uns tn der Nähe der Station Eschede befinden. Zu meiner Frau gewandt, rief tch dann: „Ich will alles versuchen, um die schreckliche Last etwa- zu heben, damit Du entlastet wirst und durchs Fenster in daS Freie gelangen kannst." Dte Todesangst gab mir Kraft, ich vollbrachte, wie ich nachher erfuhr, eine fast unmenschliche Arbeit, aber es gelang; denn meine Frau wurde soweit frei, daß fle durch ein zertrümmertes Fenster auSsteigen konnte. Nun kam für mich daS Schwerste, nämlich den Trümmer« Haufen, der auf meinem Rücken und Kopfe lag, und meinen Kopf fast auf die Knie drückte, von mir zu wälzen, ohne damit zugleich meinen Nebevmaan, einen älteren Herrn, zu verletzen. Zum Glück waren meine Hände und Arme frei
geblieben. Ich stemmte nun die Hände auf ote Knie, uno dank meinem kräftigen Körperbau gelang es mir, dte Trümmer zur Seite zu wälzen, meinen Nebenmann zu entlasten und uns Beide zu retten. Freilich lief wir das Blut aus letch« teren Kopfwunden fortwährend über das Geficht und den Nacken herunter, aber sonst waren tch und auch meine Frau, die einige unbedeutende Verletzungen am Kopse und an den Schultern davongetragen, unverletzt geblieben. Aber weich' entsetzlicher Anblick bot fich unseren Augen jetzt dar! DaS erste waS tch sah, war ein Menschenkopf, der vollständig vom Rumpfe getrennt worden war. Der Rumpf lag in einiger Entfernung am Abhange des Bahndammes. Jetzt galt es, den zum Thetl schrecklich Verwundeten und Verstümmelten Hülse zu bringen. Die unverletzt gebliebenen Reisenden und auch die in der Nähe der Unfallstelle wohnenden Landleute, dte den furchtbaren, donnerähnlichen Krach gehört hatten, eilten von allen Seiten zur Hülseleistung herzu. In dem vorderen Thetle des von dem Unfall betroffenen Wagens 3. Klaffe, tn dem wir, meine Frau und tch, un- ziemlich in dem mittleren Coupee befanden, sah eS unbeschreiblich schreck« ltch auS. Man macht fich ungefähr eine Vorstellung davon, wenn man fich eine wirr durcheinandergeworfene Fuhre zerbrochener Holz« und Etsenstücke denkt, zwischen denen arme, verunglückte Menschen liegen und jämmerlich um Hülfe schreien. Meiner Frau und wir gelang eS glück« lich, ein junges, etwa sechszehnjähriges Mädchen auS Hamburg unter den Trümmern hervorzuziehen, dte einen Armbruch und eine tiefe Fletschwuude erlitten hatte, aber dieser Verletzungen nicht achtend rief: „Retten Sie doch meinen Vater und meinen Bruder, meine Verletzungen find ja unbedeutend." Beide wurden denn auch gerettet. DaS Wehegeschret der Verunglückten war herzzerreißend. Dennoch hat man die Ruhe und Besonnenheit mancher Verletzten bewundern müssen. Am Schrecklichsten litt wohl ein Herr, der mit eingedrückter Brust und mehrfach gebrochenen Glied« maßen derartig zwischen Holz« und Etsentheilen eingeklemmt war, daß eS fast unmöglich erschien, ihn zu befreien, um so mehr als man äußerst vorsichtig zu Werk gehen mußte, da«
mir nicht der aus den Wagen dritter Klaffe geschobene Post« wagen herabstürze und daS Unglück vergrößere. Dem schrecklich zugerichteten Manne war außerdem ein Auge fast vollständig auS dem Kopfe gerissen worden- daS Blut floß ihm auS Mund und Nase. Dennoch war er bet Bewußtsein und bat fortwährend um Hilfe - er wird wohl alsbald gestorben sein, ebenso wie sein Nebenmann, der ihn in feiner Todesangst noch krampfhaft am Arme gefaßt hielt. Um die ganze Unglücksstelle besser überschauen zu können, hatte man Theile von den zertrümmerten Wagen mit Kleidungsstücken usw. umwickelt und diese bann tn Brand gesteckt, sich auf diese Weise eine Art Fackeln ansertigend. DaS schwere Rettung-- werk schritt nun rasch vorwättS, bald kamen auch mittelst HUfSzügen sieben bis zehn Aerzte aus Uelzen und Celle an die llifallfteöe, die so schnell wie möglich die Verwundeten untersuchten und verbanden. Dte Zahl der Verwundeten, ganz leicht Verletzte abgerechnet, betrug 17. Wodurch der Unfall veranlaßt worden, ist noch ein Räthsel. Ganz eigen« thümlich ist die Wirkung der Entgleisung gewesen. Dte Loco- motive und der Tender wurden frei aus dem Geleise her- auSgeschleudert und lagen etwa sechs bis acht Meter abseits tm Gehölz. Heizer und LocomotivfÜhrer lagen unter den Kohlen, waren aber vollständig unversehrt geblieben. Der vor dem zur Hälfte zertrümmerten Wagen dritter Klaffe liegende Postwagen war auf ersteren vollständig htuaufge- schoben und bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert worden- die beiden Seitentheile find vollständig zusammengeklappt und bilden eine Fläche. Die beiden im Postwagen befindlichen Beamten wurden beide weit heran- und ins Gehölz geschleudert, blieben aber wunderbarer Weise gänzlich unversehrt und konnten bei der Rettung der Passagiere behilflich jein. Der einzige in Mitleidenschaft gezogene Wagen dritter Klasse stand nach der Katastrophe zur Hälfte noch auf dem Geleise, während der vordere Theil zur Seite gerissen und vollständig zertrümmert wurde. Der Durchbruch deS Wagens geschah gerade in dem CoupL, tn dem sich Photograph Wolf und seine Frau befanden.
Ferrilleton.
„Koche mit Gas."
Von Lina Fabian.
(Nachdruck verboten.)
Bei Bankdirectors wird schon längst mit GaS gekocht. Als tch jüngst mal eine Visite dort abstattete, war des Lobes vuf den famosen Gaskocher kein Ende. Nun, wenn die Sache wirklich fo schön, so sauber, so billig war, warum sollte ich da nicht auch einen Versuch machen? Und dann. waS Bankdirectors konnten, daS konnte tch mir doch auch leisteu! ES handelte fich also nur noch darum, meinen Mann von der Nothwendigkeit der neuen Einrichtung zu Überzeugen. DaS war keine leichte Sache, denn er war in Haushaltungsfragen ebenso konservativ wie alle Männer- daS Gefühl der Beharrlichkeit und Trägheit wird ja bald allen zur zweiten Natur. Aber ich hatte einen Hebel, den ich nur geschickt anzusetzen brauchte: toenn ich so durchblickeu liefe, dafe ick dann vielleicht weniger WirthschaftSgeld brauchen würde ... daS würde natürlich nicht der Fall fein, aber zur Erreichung eines guten Zweckes konnte tch ihm ja eine wtrthschastliche Fata morgana vorzaubern.
„Höre 'mal, Ernstchen," begann tch eines schönen Abends, „ble Fortschritte der Technik find doch ganz ungeheuere. WaS ist in den letzten Jahrzehnten nicht alles erfunden worden! Da hast Du die famosen Bazillen, dte Röntgen- Strahlen, dte flüssige Luft, von der electrtscheu Beleuchtung und der beinahe erfolgten Entdeckung deS Nordpols will tch gar nicht reden. Ich will audb nicht weiter reden von —"
„Daran thust Du sehr klug," unterbrach mich mein Mann, „Du willst wohl Privatdocentiu an der Humboldt- Akademie werden, daß Du wir hier längere Vorträge hältst. Lieber wäre eS mir schon, wenn Du Dich noch dem Abend- essen umsehen würdest."
Ich beachtete diese Einwände gar nicht, sondern fuhr fort, ihm mein Projekt auseinanderzusetzen. Wie leicht fich he Sache bei un« eiurichten lasse, eS brauche nur noch ein HaSmeffer aufgestellt zu werden- wie bequem da« alles sei, man habe nur dte Flamme anzuzünden und wenige Minuten ivicter koche daS Theewasser bereits und sei das Cotelett fe braten, wie reinlich fich in der Küche alle- gestalten werde: fiut Ruß, kein Ranch, kein Transport von Holz und Kohlen. — „Und nicht zuletzt," schloß ich begeistert, „ist dte fabel
hafte Billigkeit heroorzuheben. Holz« und Kohlenrechunngen werden nicht mehr erscheinen, — kurz und gut, eine Er« sparniß am WirthschaftSgeld steht in sicherer Aussicht. Also: Koche mit GaS!"
„Na, wer das glaubt," dehnte mein Mann, „Wunder geschehen doch heutzutage nicht mehr. Aber mir kannS recht sein — koche Du mit Ga« so schön Du willst, der Effect wird doch derselbe fein."
„Wieso?" fragte ich etwas mißtrauisch. „Welcher Efftct?"
„Ach, siehst Du," antwortete mein Mann seelenruhig, „die Suppe wird nicht weniger oft anbrennen, die Milch nicht weniger oft Überlaufen und daS Cotelett nicht weniger oft . . . .**
„DaS bitte ich mir aus, Ernst," rief ich ärgerlich, „daS komme bet uni nie vor. Und wenuS vorkommt, fo bin ich nicht daran schuld, das pasfirt in den größten Haushaltungen."
Mein Mann fand keine Antwort. Er weiß schon, wenn ich ihn Ernst und nicht Ernstchen anrede, dann ist'S mit meiner Lammesgeduld bald zu Ende.
Da ich die Gaswerke sofort telephonisch von meinem heroischen Entschluß verständigt hatte, kamen am nächsten Mittag schon die Arbeiter. ES wurden einige Röhren angeschraubt, die GaSuhr wurde ausgestellt, bann gab mir der Werkführer noch die üblichen Anleitungen. „Zeigt der Schlüssel so hin, so ist die Leitung geschloffen- zeigr er dort hin, so ist sie offen," erklärte er.
Ich rief da« Mädchen, damit eS an diesem praktischen Unterricht theiluebme. „Also so ist offen," sagte ich und drehte den Schlüssel nordwärt«, „und so zu," damit brachte ich ihn tn die andere Richtung.
„Nein, Sie irren," erklärte der Werkführer, „so ist offen und so ist zu," und drehte den Schlüffe! rings um die Achse.
„Ach, jetzt verstehe ich," mischte fich daS Dienstmädchen hinein, „so ist zu und so ist offen/ — und wieder stellte fie den Schlüffe! von Süd nach Nord.
„Nein/ sagte der Werkführer, „gerade umgekehrt. So — offen, so — zu. Haben Sie nun die Geschichte verstanden?"
„Sie Haden doch verstanden, Minna?" fragte ich etwa« ungeduldig. „Also so — und so . . ."
„Jawohl, gnädige Frau," beeilte fich die zu erwidern, „so — und so —" dabei wirbelte fie mit der Rechten einige Male durch die Lust.
„Sehr richtig," nickte ich, „so und — so . . ." eS war doch ein ganz intelligentes Mädchen, weine Minna.
Erst hatte ich beabsichtigt, eine k eine Gesellschaft zu laden, um ihr die Erstlinge meiner GaSkocherei vorzusetzen. Ich gab aber den Plan auf, weil eS doch besser war, wenn ich mich und Minna erst an diese Neueinrichtung gewöhne. Deßhalb beschloß ich, am nächsten Mittag meinem Manne unsere neueste Errung-nschast praktisch vorzuführen.
Als mein Mann fich'S eben am Tische bequem gemacht hatte, sagte ich ihm: „Jetzt werde ich Dir den neuen Gaskocher vorsühreu. ES rft noch kein Fünkchen Feuer tm Ofen, aber in zehn Minuten werden wir unsere Suppe haben dank deS „Koche mit ®a« !""
„Hm," knurrte mein Mann, „wenn Du, wie immer, Holz und Kohlen genommen hättest, wäre fie wohl jetzt schon fertig."
Ich ging in die Küche, griff nach der Schwedenschachtel, drehte den Hahn auf, ritzte einen Schweden an und näherte daS brennende Holz langsam dem Kocher. Noch war tch ein ganze« Stück von demselben entfernt, da — ein einem Revolverschuß ähnlicher Knall ertönte, eine Stichflamme loderte au« dem Apparat hervor und erleuchtete mit bläulichem Schein die Küche. Entsetzt ließ ich die Streichholzschachtel sollen, Minna flüchtete schreiend nach dem Corrtdor, während ein penetranter Ga«geruch dem Kocher entströmte. Auch mein Manu hatte den Knall gehört, er kam herbei und befahl im Kommandoton: „Sofort den Haupthahn schließen^" Ich lief nach dem Corridor und drehte mit einem kräftigen Ruck den Schlüssel zurück. Mein Mann war an den Kocher herangetreten, er beugte sich Über die Oeffuung . . .
„Linuaaa, Liunnnaaaa," gurgelte er da plötzlich und hustete und prustete zum Erbarmen, „anders rum, — den Schlüssel anders rum, Du hast verkehrt gedreht, wir fliegen ja alle tn die Luft!"
Um diese Katastrophe zu verhindern, drückte ich den Schlüssel mit dem letzten Aufgebot meiner Kraft nach der anderen Richtung: dem Gaskocher ging sofort da« Lebenslicht ou«. „Na also," stöhnte Minna neben mir, „jetzt bist du Racker endlich tobt." „Er ist nicht tobt," tadelte ich sie heftig, „ein Ruck — so, — nein so — . . . ich zerrte den Schlüssel bald nach rechts, bald nach links, weil ich wirklich nicht mehr wußte, wo „offen", wo „zu" war.
„Laß dieses dumme Hin- und Hergedrehe," herrschte mich ba mein Mann an, „wenn Du nicht verstehst, mit diesen
Fernst spanischen wie auch deutschen Cognac.
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Der machte ein ganz verdutzte» Gesicht. „Da mu§ ich erst den Rod) fragen/' meinte er. Al» er mit verneinendem Bescheid zurückkam, verlangte wein Mann beruhigt die Speisekarte und bestellte flott darauf los.
--Al» wir in bester Stimmung nach Hause kamen, trat uns Minna freudestrahlend entgegen. „Ich hab' die Sache schon auSprobirt," erklärte fie uns, „der Gaskocher t» famo». Raffee hab' ich wir schon darauf gekocht, jetzt hab ich mir Lheewaffer aufgesetzt .... eene Minute noch, denn kann aufgebrüht werden."
„Sie können doch aber nicht Raffee und Thee trinken," meinte ich ärgerlich.
„Warum denn nich, Madame," antwortete sie trocken, „vertragen kann ich'» und wenn man so'ne großartige Erfindung wie „Roche mit Gas" ausprobirt, dann darf einem nichts zu theuer sein. Und wie ich da» andere gedeichselt habe . . . ."
Sie zeigte nach dem Gasmeffer. Da war ein dicker Rreidestrich an der einen Seite und daneben war zu lesen: „zuh", auf der anderen Seite stand „offenu".
„'ne Verwechslung 16 jetzt 'ne Menschenunmöglichkeit," triurnphirte Minna, „und hier is auch das Merkzeichen dran." Ich sah, daß ein Rreidestrich sich auch Über den Rocher hio-og.
„Man muß nur praktisch sein," erzählte fie weiter. „Ich werde Ihnen ein Abendessen Herstellen, daß Sie auSrufen werden: Minna, das ist famos, koche nur mit GaS!"
Und thatsächlich hat sich unser Gaskocher vorzüglich bewahrt, — die Rceidefttiche müffen aber alle Woche erneuert werden.
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Sachen nmzugehrn, dann laß die Finger davon. Minna, verstehen Sie denn den Gashahn zu regieren?"
„Ra ob," behauptete die, „so" rum ist offen, „so" nun ist
„Das Gegenthetl ist der Fall," unterbrach ich fie erregt, „Sie haben die Sache nvch nicht begriffen, „so" rum ist zu und „so" rum offen."
,34 werde auf die Suppe heut verzichten", fagte mein Mann, „ich habe Hunger und will nur den Braten haben. Stil Ihr aber alle Beide nicht versteht, mit diesen Gasapparaten umzugehen, werde ich das Braten des Bratens dirigiren. WaS hast Du heute eingekauft?"
„Siu sehr schönes Stück Saffeler," antwortete ich und zeigte ihm daS saftige Stück, daS schon ungebrateu außer- ordentlich appetitlich auSsah.
„Na, da kann es mir ja nicht fehlen. Jetzt rein in die Pfanne, Sauce und so et cetera, das kannst Du beobachten, ich werde den Gaskocher iuS Loth bringen, Ihr habt ja die Anweisungen deS Werkmeisters noch nicht capirt."
6r drehte behutsam den Hahn auf, entzündete ein Streichholz und wirklich, der Rocher zeigte eine mittelgroße, normale Flamme. „Wenn es schnell gehen soll, dann wüßtest Du noch ein wenig aufdrehen," sagte ich, erfreut darüber, daß jetzt endlich die Sache in Ordnung war. „Damit können wir noch einige Zeit warten," antwortete mein Mann, laß uur den Braten erst ordentlich warm werden."
Rach einer Viertelstunde erinnerte ich ihn nochmals daran. „Ach ja, jetzt tst'S wohl Zeit," damit macht er sich am Apparat zu schaffen. „Hier habe ich schon aufgedreht soweit eS möglich war," erklärte ich, „wenn Du noch wai lhun willst, so mußt Du den Haupthahn mehr öffnen." „Schönchen," antwortete wein Mann phlegmatisch, nahm den
Schlüffe! und drehte an dem Haupthahn herum. „Der geht schwer," stöhnte er, „aber jetzt . . . ." und er drückte mit aller Rraft auf den Schlüssel. Es gab einen fast hörbaren Ruck und — der Gaskocher erlosch plötzlich und mit ihm die Flamme, die schon auf dem Eorridor angezündet worden war.
„Sapperlot", räfonnhte mein Mann, „da scheine ich wirklich wieder die falsche Richtung eingeschlagen zu haben. Aber der Schaden ist schnell reparirt," und er schraubte den Schlüssel mit solcher Hast nach der entgegengesetzten Seite, daß alle Nähte seine- Rockes krachten.
„So, Minna, zünden Sie die Flamme auf dem Eorridor wieder an, ich werde hier . .", er griff hastig nach der Schwedenschachtel, ritzte an und---
Wieder ertönte ein Revolverschutz, die Lichtflamme erfüllte mit grellem Licht die ganze Rüche, blaue Flammen schaffen über der Pfanne zusammen, deren Inneres tn phosphorhellem Glanze strahlte. Auf mich machte die Ratastrophe den Eindruck, al- ob ein Kugelblitz mein Stück Casseler getroffen habe.
„Da hört denn doch verschiedenes auf," wetterte mein Mann, „steht doch nicht da wie LothS Salzsäule und Sie, Minna, brauchen auch nicht Ihr allerdümmfteS Gesicht anfzu» stecken. Morgen holen Sie mir den GaSrnann, der soll Sie nochmals instruiren, wann die Hähne auf „zu" oder „offen" stehen. Wir aber," wandte er sich an mich, „werden heute in- Hotel speisen gehen, — für Eafseler, tn welches ein Kugelblitz etngeschlagen hat, muß ich mich bedanken."
Mein Mann hatte also denselben Eindruck erhalten wie ich, — darüber war ich so erfreut, daß ich ihn ob seines Mißgeschickes nicht das leiseste Bischen auölachte. —
„Kochen Sie mit GaS?" fragte er mißtrauisch ben Oberkellner, als wir Platz genommen hatten.
BekauntMichrmg.
Das 3. Ziel Gemeindesteuer 1897/98, das 2. Quartal Schulgeld der höheren und erweiterten Mädchenschule, der Vorschule des Gymnasiums, sowie des Realgymnasiums und der Realschule sind binnen acht Tagen bei Meidunq des Beitreibungs- Verfahrens an den üblichen Zahltagen zur hiesigen Stadtkaffe zu entrichten.
Gießen, den 19. August 1897.
7794 Der Stadtrechner: Doepfer.
Psiichtfeuerwehr.
Uebung sämmtlicher Rotten
Montag deu 23. August, Abends Präcis 8*/a Uhr, auf Oswalds Garten.
Gießen, 17. August 1897. Der Branddirector.
7751 Traber.
Ärbartton: R. kchetzd «. — Druck and Verlag der Brühlsschen Ur»1verfi»LiK-vnL« ond
Erste» Dienstmüdchenr Grüß Dich Gott, Anna Warum machst Du denn heute ein so böses Gesicht?
Zweites DienbmLdcherrr Ach jetzt wichse ich schon eine halbe Stunde an diesen Schuhen herum und kann gar keinen Glanz hinbringen I
Erste- Dienstmädchen r DaS geschieht Dir gerade recht. Würdest Du KrebS-Wichse verwenden, dann wärest Du schnell fertig.
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